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LIETUVIŲ LEKSIKOS IR TERMINOLOGIJOS PROBLEMOS
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI. XXIX (1991)
ZOFIJA BABICKIENĖ
REGRESSIVE VOKALASSIMILATION IN DEN KRETINGA-DIALEKTEN
1. Einleitende Bemerkungen*. Das Gesetz der Vokalassimilation ist ein sehr wichtiges Phänomen des žemaitischen Dialekts: Auf ihm beruht sogar die Klassifikation der Unterdialekte der Nordžemaiten – der Kretinga- und der Telšiai-Dialekte (Girdenis, Zinkevičius, 1966, 142; Zinkevičius, 1978, 112–114; Grinaveckis, 1973, 13, 142–145, Girdenis, 1981, 42, 50).
Die Vokalassimilation ist bislang nur in den Telšiai- und Varniai-Unterdialekten eingehender untersucht worden (Girdenis, 1962; Rokaitė, 1961; Vitkauskas, 1963, 1974; Skirmantas, Girdenis, 1972). Genauere Beobachtungen und Experimente zeigten, dass Assimilation auch in den Mundarten von Kuliai, Budriai und Darbėnai vorkommt, die zu den Kretinga-Dialekten der dounininkai im nordžemaitischen Gebiet gehören.
Im Kretinga-Unterdialekt ist die Vokalassimilation nicht so ausgeprägt wie im Telšiai-Unterdialekt. In fast allen Positionen, in denen die Sprecher des Telšiai-Dialekts i, u haben (z. B.: Sg. Nom. vė̃nės „Nagel“, mõsės→musis „Fliege“: Pl. Akk. vinis „Nagel“, mùsis → musis „Fliegen“ Mžk¹), sprechen die Kretinga-Sprecher geschlossenere ę- und o-Varianten aus, vgl. die folgenden Minimalpaare: Sg. Nom. bẽtės → bitis „Biene“: Pl. Akk. bẽtis → bitis „Bienen“; Präs. Sg. 1. Pers. knę̃šǫ „ich knete“: 2. Pers. knęši „du knetest“; Pl. Nom. rõgė „Roggen“: Pl. Gen. rùg’ūm „Roggen“; Präs. Sg. 1. Pers. pl’ǫ.rpǫ→pliurpù „ich plappere“: 2. Pers. pl’ǫ.rpi „du plapperst“. In den zweiten Beispielen der Paare sind die Vokale ę, o geschlossener und höher artikuliert (zur Transkription siehe S. 24).
Die Assimilationstendenz ist auch dann leicht zu erkennen, wenn ę in den Kretinga-Mundarten gedehnt ist. Vergleichen wir: aš rė̃.šǫ → aš rišu „ich werde nähen“: to rė̃.ši „du nähst“; aš patę̃.ksǫ → aš patiksu „ich werde gefallen“: to patę̃.ksi „du gefällst“; drė̃.skes „sie wird zerfetzen“: drį̃.skiṣ „er zerfetzt“; žlė̃.be „Schielerin“: žl’į̃.bi „schielend“; spę̃.tres „sie wird spucken“: sp’į̃.tris „er spuckt“. In diesem Fall wird vor einem hohen Vokal ein sehr enger, gespannter Vokal ausgesprochen, der an das ė der Literatursprache erinnert. In den untersuchten Mundarten ist dieser Vokal deutlich diphthongiert und einem Diphthong ie ziemlich ähnlich.
Vergleicht man die Vokalassimilation in den Kretinga- und Telšiai-Unterdialekten, so zeigt sich, dass ihr wesentlicher Unterschied darin besteht, dass sich im Telšiai-Unterdialekt infolge der Assimilation das Phonem ändert, während in den Kretinga-Mundarten neue Varianten desselben Phonems entstehen – engere e- und o-Allophone. Es entsteht der Eindruck, dass auch die Telšiai-Sprecher eine solche Entwicklungsstufe durchlaufen haben könnten (vgl. Kazlauskas, 1969, 32), später jedoch aus bestimmten Gründen die Zwischenlaute durch eindeutige Laute ersetzten. Wenn diese Annahme zutrifft, müsste die Vokalassimilation in den Kretinga-Mundarten älter sein.
* Die Autorin dankt Prof. A. Girdenis herzlich dafür, dass er sie zum Verfassen dieses Artikels ermuntert und außerdem viele wertvolle kritische Anmerkungen beigesteuert hat, die sie zu berücksichtigen bemüht ist.
1Die Abkürzungen der Ortsnamen entsprechen denen im akademischen „Wörterbuch der litauischen Sprache“.
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Lfd. Nr. | Vokal | Silbenumfang | Position | Parameter | Pra F₁ 1 | ẹ | 6 | —C′ | x ± s | 345 ± 14 | | | | v | 4,14 | | | | ÷ | 330 ÷ 360 2 | ẹ | 11 | —C | x ± s | 400 ± 35 | | | | v | 8,45 | | | | ÷ | 380 ÷ 420
2. Untersuchungsmethodik. Die Aufnahmen der Kretingaer Mundarten wurden nicht nur auditiv analysiert, sondern in recht großem Umfang kam auch die instrumentell-spektrografische Methode zur Anwendung2. Mit dieser Methode wurden die akustischen Eigenschaften einzelner Vokale und Diphthonge untersucht, insbesondere die Positionsvarianten der Phoneme /ę/, /e/, /ọ/. Zum ersten Mal wurde folgender Text aufgenommen: ātē·t drẽ.s̃kis õntā, ātē·t drẽ.s̃kēs õntā, tūoki drẽški atvès, tūokę drẽškę atvès, tūokę drẽškę laūko, aš tum drẽšk’u laūko…* Ein zweites Mal wurde folgender Text ausgewählt: aš pẽlūs jeu alāus, aš patẽ·ks’o pūonams, ātē·t drẽ.s̃kis õntā, jeu nudrẽ.s̃ka Stāpuons, to palẽ·ksi vẽšūs, lāuk tuo plẽ.ke šētā, to pẽlis tuo alāus, ātē·t drẽškes õntā, to jeu pẽli šētā, jeu nuplẽ.ka Stāpuons, lāuk tuo žlẽ.bę šētā …
Die Sprecher3 lasen die Texte mit feststellender Intonation auf ein Tonbandgerät. Bei der Untersuchung der Texte der Kulių-Mundart wurde eine Aufnahme im Audiovisuellen Laboratorium der Universität Vilnius mit einem Tonbandgerät „Tembr“ gemacht (Bandgeschwindigkeit 190,5 mm/s). Eine weitere — in Kaunas, in einer Wohnung, mit einem Tonbandgerät „Orbita“ (Bandgeschwindigkeit — 97,5 mm/s), unter Verwendung eines Richtmikrofons MD-52-A.
Im Laboratorium für Experimentelle Phonetik der Universität Vilnius wurden dynamische Spektrogramme des Typs „Visible speech“ aufgenommen. Verwendet wurde ein Spektrograf der Konstruktion des Polytechnischen Instituts Kaunas, KP1-69. Der Frequenzbereich der Spektrogramme betrug 50—10000 Hz, die Bandgeschwindigkeit 63,3 mm/s, die Analysezeit 4 ms, die Zeitmarkierungen 20 ms.
Die Formantzentren der Vokale und Diphthonge wurden in den Spektrogrammen am Anfang, in der Mitte und am Ende der Mikrofilme mit dem Lesegerät „Mikrofilm“ und einem Objektiv gemessen, di-
2 Die Texte der heimischen Kulių-Mundart, die die Dörfer Blidakių, Reiskių, Pāalančio, Unkurių u. a. umfasst, untersuchte die Autorin dieses Artikels mit dieser Methode; die der Darbėnų-Mundart untersuchte A. Kalninaitė.
3 Als Sprecher wurden zwei Männer ausgewählt, die ihre Mundart gut beherrschten.
* Zur Akzentuierung (Kennzeichnung) der Diphthonge (mit Stoßton) siehe S. 24.
…mal zehn. In den Spektrogrammen wurde die Dauer anhand der Zeitmarkierungen gemessen. Bei der Messung wurde die Ordnungsnummer des mittleren Formantfilters oder zweier benachbarter Filter notiert, die später mithilfe einer speziellen Tabelle in Hertz (Hz) umgerechnet wurde. Auf diese Weise wurden über 200 Spektrogramme vermessen und untersucht.
Nach Abschluss aller Messungen wurden folgende statistische Parameter berechnet: arithmetischer Mittelwert (x̄), Varianz (S²), Standardabweichung (s), 95%-Konfidenzintervall (÷) und Variationskoeffizient (v). Die Signifikanz der Ergebnisse wurde anhand des Student-Kriteriums bewertet (Урбах, 1975). Alle Parameter und Kriterien wurden nach den in dem Buch angegebenen Formeln berechnet (Урбах, 1964, 131—133, 166—171).
3. Ergebnisse der spektrografischen Untersuchung
3.1. Der Vokal e „i“
Tabelle 1 zeigt eine recht ausgeprägte Assimilation des Vokals ę — Sg. Nom. žlė.bis „žlibis“: Sg. Gen. žlė.bę „žlibio“. Bei der Berechnung wurden die Daten zu Formen mit k (drė.skis: drė.skę) ausgeschlossen, da festgestellt wurde, dass die palatalisierten Konsonanten k’, š’ die Qualität des Vokals ę verändern. Die Konfidenzintervalle der zweiten Formanten schneiden sich weder am Anfang noch in der Mitte oder am Ende. Der Unterschied zwischen den Intervallen ist am Ende am größten.
Tabelle 2 zeigt ebenfalls die Assimilation des halb langen betonten Vokals ę zu „i“. Verglichen werden hier folgende Beispiele: der Vokal ę — Sg. Nom. drė.skis „driskis“ und ę im Pl. Nom. drė.skes „driskės“. Wir sehen, dass der größte Unterschied zwischen den Konfidenzintervallen der zweiten Formanten am Anfang liegt — 105 Hz; in der Mitte ist er deutlich geringer — 65 Hz und nimmt am Ende noch weiter ab. Diese statistisch signifikanten Ergebnisse belegen außerdem eine recht ausgeprägte Diphthongierung des Vokals ę, die im Kretingaer Unterdialekt aufgrund der Palatalität der Konsonanten entstanden ist. Der an i erinnernde Vokalansatz lässt sich leichter mit dieser Palatalität vereinbaren.
2. Lietuvių kalbotyros klausimai 29 t.
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Lfd. Nr.
Vokal
Silbenumfang
Position
Parameter
Anfang
F1
1
ę
6
— C’i
x ± s
430 ± 19
v
4,5
÷
410 ÷ 450
2
ę
6
— C’e
x ± s
435 ± 39
v
7,1
÷
400 ÷ 470
Lfd. Nr.
Vokal
Silbenumfang
Position
Parameter
Anfang
F1
1
ę
6
— C’i
x ± s
360 ± 56
v
15,7
÷
300 ÷ 420
2
ę
9
— C’e
x ± s
355 ± 53
v
14,75
÷
310 ÷ 400
3
ę
8
— Ca
x ± s
400 ± 60
v
15
÷
350 ÷ 450
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2 lentelė
Diphthong
Mitte
Ende
F₂
F₁
F₂
F₁
F₂
2250 ± 67
425 ± 18
2275 ± 38
445 ± 14
1900 ± 65
2,98
4,27
1,7
3,2
3,42
2180 ÷ 2320
405 ÷ 445
2235 ÷ 2315
430 ÷ 460
1920 ÷ 2060
2030 ± 42
430 ± 19
2095 ± 69
445 ÷ 27
1925 ± 44
2,0
4,5
3,29
6,2
2,3
1985 ÷ 2075
410 ÷ 450
2020 ÷ 2170
415 ÷ 475
1880 ÷ 1970
Tabelle 3
Diphthong
Mitte
Ende
F₂
F₁
F₂
F₁
F₂
1805 ± 45
355 ± 31
1875 ± 62
375 ± 33
1840 ± 88
2,49
8,7
3,3
8,96
8,4
1755 ÷ 1850
320 ÷ 390
1810 ÷ 1940
340 ÷ 410
1750 ÷ 1930
1790 ± 49
380 ± 55
1845 ± 52
395 ± 60
1815 ± 95
2,75
14,5
2,8
15,3
5,24
1750 ÷ 1830
330 ÷ 425
1800 ÷ 1890
345 ÷ 445
1735 ÷ 1895
1590 ± 65
470 ± 39
1675 ± 35
470 ± 63
1590 ± 48
4,14
8,4
2,12
13,5
3
1535 ÷ 1645
435 ÷ 500
1645 ÷ 1705
415 ÷ 525
1550 ÷ 1630
2*
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Tatsächlich verändern die Weichheit und Härte der Konsonanten das Vokalspektrum erheblich. Vor einem weichen Konsonanten erhält der Vokal eine höhere Klangfarbe (Girdenis, Kubiliūtė-Kliukienė, 1982, 36).
Der Unterschied zwischen einem assimilierten und einem nicht assimilierten Vokal ist besonders gut zu erkennen, wenn auf Letzteren ein harter Konsonant folgt, vgl. žļė.bis „žlibis“: apžļė.bęs „apžlibęs“: apžļė.ba „apžlibo“, drė.s kis „driskis“: drė.skęs „driskęs“: nudrė.ska „nudrisko“. In den dritten Beispielen der Paare erinnert der Vokal ę sehr an das russische э oder an das ostlitauische ė, das nach einem verhärteten l verwendet wird.
Auch die Aussprache der Konsonanten unterscheidet sich. Wenn die Endung einen hohen Vokal enthält, ist der Konsonant vor ę deutlich weich. Vor ę, das vor Vokalen vom Typ ę steht, wird der Konsonant nur ganz leicht palatalisiert. Und vor ę, das vor einem harten Konsonanten steht, ist der Konsonant ganz hart, vgl. spē.tris „spitris“, spē.tres „spitrės“: spę.tra „spitro“.
Tabelle 3 zeigt die Berechnungsergebnisse, die durch Messung des Spektrums des halblangen Vokals ę „i“ in Wörtern wie drė.skis „driskis“, trė.dis „tridis“, in der zweiten Form drė.skę „driskio“, trė.dę „tridžio“ und in der dritten nudrė.ska „nudrisko“, sotre.da „sutrido“ gewonnen wurden. Statistisch signifikante Ergebnisse ergaben sich beim Vergleich der Konfidenzintervalle der zweiten Formanten in der ersten (1755 Hz, 1810 Hz, 1750 Hz) und der dritten (1535 Hz, 1645 Hz, 1550 Hz) oder in der zweiten (1750 Hz, 1800 Hz, 1735 Hz) und der dritten Zeile. Die Assimilation des Vokals ę „i“ in der Mundart von Kuliai ist deutlich in der Grafik dargestellt; auf der vertikalen Achse ist die Häufigkeit der Spektrogramme (Hz) markiert, auf der horizontalen die Punkte der Formantzentren – am Anfang, in der Mitte und am Ende. Für die Grafik wurden Daten aus mehreren Versuchen verwendet und deren Mittelwert berechnet. Die Konfidenzintervalle der Kurve A: Anf. — 1962±47; Mitte — 2002±43; Ende — 1865±57; der Kurve B — Anf. — 1848±50; Mitte — 1906±60; Ende — 1822±64; der Kurve C — Anf. — 1590±65; Mitte — 1675±35; Ende — 1590±48.
Assimilation des Vokals ę „i“. A — ę — C’i; B — ę — C’e; C — ę — Ca
Eine Assimilation des Vokals ę „i“ gibt es auch in der Mundart von Darbėnai. Besonders aussagekräftige Ergebnisse der spektrographischen Untersuchung wurden erzielt, als der Vokal ę „i“ in Positionen vor Vokalen der vorderen und der hinteren Reihe verglichen wurde. Für den Vokal ę „i“ vor einem Vokal der vorderen Reihe lauten die Konfidenzintervalle des zweiten Formanten: am Anfang — 2540 Hz, in der Mitte — 2300 Hz, am Ende — 2250 Hz; vor einem Vokal der hinteren Reihe wurden deutlich niedrigere Werte gemessen: am Anfang — 2170 Hz, in der Mitte — 1870 Hz und am Ende — 1970 Hz (Kalniūtė, 69).
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Die hier beschriebenen Regelmäßigkeiten der Assimilation des Vokals ę „i“ sind beim Flexionswechsel der Wörter zu beobachten: rė.štę „rišti“, bętęs ~ bitis „bitė“, trę.dis „tridis“.
2.⁴ Singular Plural V. bętęs trę.dis bįę.tis trędē K. bętęis trę.de bęt’ū’m trįę.d’u N. bętęi tręđ’ōu bętįms trędēms G. b’įę.ti trįę.di bętis tręd’ūs Instr. bętę tręd’ō bętęmis trędēs Lok. bętīē trędīe bętīēs tręd’ūs
Besonders deutlich ist die Assimilation des Diphthongs ęi „ie“ in Silben, die in der Standardsprache unbetont sind, in den untersuchten Mundarten jedoch bisweilen einen zurückgezogenen Akzent erhalten, z. B.: kvęitis „kvietys“: sǫ kvęit’ǫ; rėibībę „riebybė“: rėibōs „riebius“; stęipis ~ stie pies „stiebiesi“: stęibōus ~ stiebos „stiebuosi“. Die Assimilation des Diphthongs ęi „ie“ wurde durch den Einfluss des zweiten Bestandteils erleichtert: Denn selbst in Wörtern wie kęimę „kieme“, kęim’ā „kiemai“ ist der Vokal ę ohnehin enger als beispielsweise in kę.rmes ~ kirmis „kirmėlė“, pę.rmā „pirma“.
Die Variation der Allophone des Lautes ę „i“ in den Mundarten von Kretinga weist sowohl gemeinsame als auch einige unterschiedliche Merkmale auf. In der Mundart von Darbėnai wird vor Vokalismus vom Typ i ein kurzes į verwendet, z. B.: bītims „bitėms“, kiši „kiši“, riši „riši“. In der Mundart von Kuliai wird ein etwas offeneres Allophon vom Typ ę ausgesprochen.
3.2. Der Vokal ę „e“
Im Kretingaer Unterdialekt wurde auch eine Assimilation des Vokals e festgestellt. Vergleichen wir folgende Paare im Dialekt von Kuliai: Sg. Akk. s’ēni „den Alten“, ēžī „den Igel“: sēnę „die Alte“, ēžę „die Igelin“; Sg. Nom. gerē.snis „besser“: Sg. Gen. gerē.snę „eines Besseren“, Sg. Akk. vaik’ēli ~
4Hier sind die Paradigmen des Dialekts von Kuliai aufgeführt.
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Lfd. Nr. | Vokal | Silbenvolumen | Position | Parameter | Anfang | F₁ 1 | i̇e | 10 | – C′i | x ± s | 400 ± 28 | | | | v | 7,1 | | | | – | 380 ÷ 420 2 | e | 10 | – Cọ | x ± s | 430 ± 40 | | | | v | 9 | | | | ÷ | 400 ÷ 460
vaikelį „den Jungen“, Sg. Gen. vaikelę „des Jungen“. Vor hohen Vokalen wird ein Diphthongoid ausgesprochen, der stark an den Diphthong ie der Standardsprache erinnert. Dies wird auch durch die Ergebnisse der spektrografischen Untersuchung des Vokals e bestätigt, die in Tabelle 4 dargestellt sind.
Der Vokal e wurde in den folgenden Paaren untersucht: mi̇e.di „den Baum“: mėde „des Baumes“; pi̇ė.ti „die Schulter“: pėte „der Schulter“; vaikė.li „den Jungen“: vaikelė „des Jungen“; lapiė.li „das Blättchen“: la-pėlė „des Blättchens“. Der größte Unterschied zwischen den Konfidenzintervallen der zweiten Formanten des assimilierten und des nicht assimilierten e liegt am Anfang der Vokalaussprache: 1760 Hz: 1615 Hz; am Ende der Vokalaussprache ist er ganz gering. Die von A. Kalniūtė erhobenen Daten zur Assimilation des Vokals e im Dialekt von Darbėnai sind recht aussagekräftig. Die Konfidenzintervalle der zweiten Formanten des assimilierten Vokals e betragen: am Anfang — 2330 Hz; in der Mitte — 2270 Hz; am Ende — 2110 Hz; beim nicht assimilierten Vokal: am Anfang — 2140 Hz; in der Mitte — 1990 Hz; am Ende — 1910 Hz (Kalniūtė, 78). Die signifikanten statistischen Ergebnisse zeigen, dass im Dialekt von Darbėnai die Formanten des Vokals e vor Vokalen vom Typ i und e auf unterschiedlichen Ebenen liegen.
In den Kretingaer Dialekten weist der Vokal e wie auch ę mehrere deutliche Varianten auf: Vor einem harten Konsonanten ist er sehr offen, ɛ, z. B.: Fut. 1. Sg. 1a. ne.šo ~ nėšu „ich werde tragen“, nume.so ~ numėsu „ich werde abwerfen“. Vor einem Konsonanten, der einem Vokal vom Typ ę vorausgeht, wird ein e ausgesprochen, das dem e der Standardsprache ähnelt, z. B.: numė.tės „abgeworfen habend“, nutė.pės „aufgetragen habend“. Ein enges ę, das an ein kurzes internationales ę (nėši „trägst“, gėri „gut“, kėpi „den Ofen“) erinnert, sowie ein deutlich diphthongiertes i̇e (numė.si „du wirst abwerfen“, nuti̇e.psi „du wirst auftragen“) werden verwendet, wenn die Endung einen hohen Vokal enthält. Das lange ę (grėžo ~ grėžų „ich werde bohren“, grė.šo ~ grėšu „ich werde tragen“) unterscheidet sich vom engen, gespannten ę, das vor einem Vokalismus vom Typ i auftritt (grėži „du bohrst“, grėši „du wirst tragen“). Für die untersuchten Dialekte ist eine Hierarchie der Allophone des assimilierten Vokals e charakteristisch: i̇e, ę, ę usw.
Die Härte und Weichheit der Konsonanten verteilen sich ähnlich: Vor Vokalen vom Typ ε ist der Konsonant völlig hart, vor e leicht palatalisiert, vor Vokalen vom Typ ę oder ‘e völlig weich.
3.3. Die Vokale o und „u“
Die Beobachtungen bestätigen, dass in den Kretingaer Mundarten auch u-artige Vokale assimiliert werden. Der Assimilation am stärksten unterworfen sind die Diphthonge oi < ui, ou < uo, die in einer unbetonten Silbe verwendet werden, die den aus einer betonten Endung zurückgezogenen Akzent erhalten hat. Dies bestätigen die Paradigmen 4 und 5: kộudis ~ Kuodys, trộikis ~ Truikys (Familiennamen).
4. Singular Plural Kulių Darbenų Kulių Darbenų N. kộudãs kộudãs kộudė kộudė G. kộudę kộudę kộud’ù’m kộud’ū D. kộud’ộu kộud’ộu kộudėms kộudėms A. kộudi kộudi kộud’ūs kộud’ūs Instr. sộ_kộud’ộ sộ_kộud’ū sộ_kộudė·s sộ_kộudės Vok. kộudi kộudi
5. Singular Plural Kulių Darbenų Kulių Darbenų N. trộikis trộikīs trộikė trộikė G. trộike trộike trộik’ū’m trộik’ū D. trộik’ộu trộik’ộu trộikėms trộikėms
Die Ergebnisse der spektrografischen Untersuchung in der Mundart von Darbėnai zeigten eine eindeutige Tendenz zur Assimilation des u-artigen Vokals. Bei der Untersuchung des o-artigen Vokals, der vor Vokalen mit hoher Zungenhebung steht, ergaben sich beispielsweise folgende Konfidenzintervalle der zweiten Formanten: am Anfang — 1400 Hz, in der Mitte — 1310 Hz, am Ende — 1370 Hz; in der Position — Ce — lauten die Ergebnisse am Anfang — 1390 Hz, in der Mitte — 1250 Hz, am Ende — 1240 Hz (Kalniūtė, 81).
Eine Assimilation des Vokals u wurde auch in den folgenden Wortpaaren beobachtet: jōukà „Lacher“: jōukū·m „der Lacher“; pōrvà „Schlamm“: pō·rvū·m „Schlamm“; kōtà „Haken“: kōtū·m „der Haken“; jōudà „schwarz“: jōudībė „Schwärze“; trōpō „ein wenig“: trōpiēs „wenig“ usw.
Die Assimilation ist gering, wenn der Vokal unter altem Akzent verlängert ist, z. B. skọ·si „du kämmst“: skọ·sęs „du wirst dich kämmen“, ọ·tis ~ utys „kleine Läuse“: ọ·tęs; krọ·pis → krupis „wächst nicht“: krọ·pęs ~ krupės „Kröten“.
Ein sehr geringer Unterschied zwischen einem assimilierten und einem nicht assimilierten Vokal ist wahrnehmbar, wenn die Endung einen kurzen betonten hohen Vokal enthält, z. B. Sg. Nom. ọ·tęs ~ utis: Pl. Gen. ọ·tis ~ utis „Laus“.
4. Schlussfolgerungen
1. In den Mundarten von Kretinga weisen nichtdiffuse Vokale vom Typ e und e die folgenden ausgeprägten Varianten auf:
a) Vor hohen Vokalen und palatalisierten Konsonanten sind diese Vokale sehr geschlossen und diphthongischen Ursprungs — ẹ, īe.
b) Vor nichtpalatalisierten Konsonanten werden wesentlich offenere Vokale vom Typ e ausgesprochen, die an das russische э erinnern.
c) Vor palatalisierten Konsonanten und in anderen Positionen (z. B. vor e und e) werden Vokale vom Typ ẹ, e ausgesprochen.
2. Assimilation ist auch für Vokale vom Typ u sowie für Diphthonge charakteristisch, in die diese Vokale eingehen.
3. Die Schlussfolgerungen aus den auditiven Beobachtungen werden durch das spektrografische Experiment bestätigt. Im ersten Fall (a) haben die Vokale ẹ und e eine wesentlich höhere zweite Formante als im dritten (c) und besonders im zweiten Fall (b).
Anmerkungen. Wegen fehlender Zeichen werden assimilierte Vokale vom Typ e und o stellenweise nur als e, o wiedergegeben, anstelle der engeren Varianten (mit zwei Punkten darunter).
*Bei den Diphthongen au, ou, ie, uo hat die Druckerei den Zirkumflexakzent nicht auf beiden Komponenten, sondern nur auf der ersten markiert
LITERATŪRA
Girdenis A. Balsių asimiliacijos reiškiniai Tirkšlių tarmėje || Kalbotyra, 1962. T. 4. P. 141—150.
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Vitkauskas V. Nauji regresyvinės balsių asimiliacijos veikimo faktai Kuršėnų šnektoje || Kalbotyra, 1974. T. 26(1). P. 81—85.
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Урбах Б. Ю. Статистический анализ в биологических и медицинских исследованиях. М., 1975.
3. БАБИЦКЕНЕ
РЕГРЕССИВНАЯ АССИМИЛЯЦИЯ ГЛАСНЫХ В КРЕТИНГСКИХ ГОВОРАХ
Резюме
В статье исследуется регрессивная ассимиляция (гармония) гласных в кретингских говорах.
В результате субъективных и объективных методов фонетического исследования было установлено, что перед гласным верхнего подъема произносится очень узкий напряженный гласный, напоминающий i литературного языка. Это различие особенно ярко выражено в позиции перед твердым согласным, ср. ž̇i̇.bis ~ ži̇bis букв. „слепец“: apž̇lē.bes ~ apž̇lēbęs букв. „ослепнувший“; apž̇lē.ba ~ apž̇libo букв. „ослеп“; drė̇.skis ~ driskis букв. „босая“; drė̇.skes ~ driskes букв. „босики“; nudrė̇.ska ~ nudrisko букв. „раздиралась“. В словах apž̇lē.ba, nudrė̇.ska гласный ẹ в кретингских говорах напоминает русский э, или гласный, употребляемый в восточных говорах литовского языка после твердого l.
Выявлено, что в кретингских говорах недиффузные гласные типа ẹ и e имеют три четко выраженные варианта:
а) перед гласными верхнего подъема и мягкими согласными эти гласные произносятся закрыто и несколько дифтонгизируются;
б) перед твердыми согласными встречаются более задние варианты, несколько напоминающие русское э;
в) перед смягченными согласными, за которыми следуют гласные типа ẹ, e, произносятся ẹ, e.
Ассимиляции подвергаются и гласные типа ø, а также дифтонги, первым компонентом которых являются исследованные гласные.
Результаты аудитивного наблюдения подтверждаются данными спектрографического анализа. В подавляющем большинстве случаев в позиции (а) вторая форманта F₂ гласных ẹ и e находится в более высокой зоне частот, чем в позиции (в) и в особенности — (б).
Если сравнить ассимиляцию гласных в кретингских и тельшяйских говорах, то основное их различие заключается в том, что в тельшяйских говорах в результате ассимиляции изменяется фонема, а в кретингских появляются новые варианты той же самой фонемы.