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Universität Vilnius
Forschungsgebiete: Grammatiktheorie, Geschichte der Grammatikforschung, Soziolinguistik.
GRAMMATIK DER LETTISCHEN SPRACHE
Rīga: LU Latviešu valodas institūts, 2013, 1023 lpp.
ISBN 978-9984-742-70-0
Zunächst ist den Letten zu ihrem Verdienst zu gratulieren, eine gewichtige Grammatik des 21. Jahrhunderts herausgebracht zu haben. Die Litauer können mit Recht stolz auf ihr Wörterbuch sein, die Letten auf ihre Grammatik: auf ihre Wissenschaft und Praxis. Wir lebten unter unterschiedlichen Bedingungen und hatten unterschiedliche Talente. Wer hätte in Litauen, das durch unmenschliche Unterdrückung ausgezehrt war, mit Talent und grammatikalischer Arbeit Augusts Bīlenšteins, Jānis Endzelīns oder Kārlis Mīlenbahs gleichkommen können? Vielleicht Kazimieras Jaunius, Kazimieras Būga, Jonas Jablonskis... Doch über die Talente herrscht das unerbittliche Schicksal; den einen gewährt es mehr Zeit, den anderen weniger, den einen die einen, den anderen andere Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen.
Wie hätte es in Litauen schulische Lehrbücher geben können, wenn das Land fast ein halbes Jahrhundert lang unter dem Druck des Druckverbots stand? Auch die Letten lebten unter schwierigen Bedingungen, aber anders. Deshalb konnte Dzintra Paeglė sogar eine Geschichte der lettischen Schulbücher in zwei Bänden verfassen, die den Zeitraum von 1874 bis 1922 umfasst (Bankavs, Jansone 2010: 202).
Der Beginn der historischen Grammatik der lettischen Sprache ist beeindruckend: Das fundamentale, zweiteilige Werk von August Bīlenštein wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Berlin veröffentlicht: Die lettische Sprache nach ihren Lauten und Formen erklärend und vergleichend dargestellt (Teil 1 Die Laute. Die Wortbildung erschien 1863; Teil 2 Die Wortbeugung 1864). In der enzyklopädisch angelegten Arbeit von Andrejs Bankavs und Ilga Jansone Valodniecība Latvijā: fakti un biografijas wird die Vorgeschichte der lettischen Sprachwissenschaft von 1211 bis 1447 und ihre Geschichte vom ältesten bekannten handschriftlichen Text (1507) bis 2009 sehr knapp, aber informativ dargestellt. Hier finden sich auch ergänzende biografische Angaben zu den Autoren dieser Grammatik (die wichtigsten sind in der Grammatik aufgeführt).
Für den Forscher zur Geschichte der Grammatikforschung ist klar ersichtlich, dass es ideal ist, wenn eine Grammatik von Anfang bis Ende von einem einzigen Autor verfasst wird. In einer Monografie ist es zumindest möglich, sich um die Wahrung der Logik des Textes zu bemühen. Doch wie viele Wissenschaftler hat es in unseren Ländern gegeben, und wie viele gibt es heute, die in der Lage wären, eine grundlegende Sprachgrammatik zu verfassen? Außerdem ist nicht jede Epoche selbst für einen sehr genialen Schriftsteller günstig. Das 20. Jahrhundert.
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Mitte des Jahrhunderts haben die Letten Endzelīns’ 1100-seitige „Grammatik der lettischen Sprache“ herausgegeben (Endzelīns 1951), doch sie war 1922 auf Deutsch verfasst worden, Lettische Grammatik, und 1951 erschien lediglich eine überarbeitete und ergänzte Übersetzung.
Mitte des 20. Jahrhunderts verfassten sowohl die Letten als auch die Litauer bereits kollektive akademische Grammatiken: die Letten eine zweibändige Grammatik, deren erster Band der Phonetik und Morphologie (1959), der zweite der Syntax (1962) gewidmet war. Die Litauer gaben etwas später die dreibändige Grammatik der litauischen Sprache heraus: Zwei ihrer Bände sind der Phonetik und Morphologie gewidmet (I – 1965, II – 1971), einer der Syntax (III – 1976).
Im Vorwort zum zweiten Band der „Grammatik der modernen lettischen Schriftsprache“ wurde sehr zutreffend festgestellt, dass es bei einer Gemeinschaftsarbeit schwierig sei, ein einheitliches Verständnis der grammatischen Phänomene und eine Geschlossenheit der grammatischen Theorie zu erreichen (1962: V), dass man aber dennoch danach streben müsse. Ein solches Orchester braucht einen talentierten Dirigenten. Deshalb wurden in den kollektiven Grammatiken der Mitte des 20. Jahrhunderts auch mehr oder weniger umfangreiche Einleitungskapitel verfasst, in denen der Gegenstand der grammatischen Untersuchung bestimmt wird: grammatische Bedeutung, grammatische Form, grammatische Kategorie sowie die Begriffe Wortverbindung, Satzglied und Satz.
Im Vorwort zur neuesten wissenschaftlichen Grammatik der lettischen Sprache heißt es, dass sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts die lettische Sprache und die linguistische Theorie verändert hätten und deshalb die Notwendigkeit entstanden sei, in der neuen Grammatik die Ergebnisse der theoretischen und praktischen Untersuchungen der lettischen Sprachwissenschaftler dieser Zeit zusammenzufassen (S. 19). Der Sprachwandel kann nicht besonders groß sein; wie aber sollen die Untersuchungsergebnisse zusammengefasst werden, wenn jeder Forscher die grammatischen Phänomene anders versteht? Hier spielen Erfahrung und Talent eine Rolle.
Schwer verständlich ist, warum angekündigt wird, Errungenschaften zusammenzufassen, anstatt sie mit dieser Arbeit zu begründen oder neu zu überdenken, und warum nur die der lettischen Sprachwissenschaftler, nicht aber die aller Baltisten und Begründer der allgemeinen Sprachwissenschaft. Warum wird nicht angekündigt, überhaupt eine gute Grammatik der lettischen Sprache zu verfassen? Warum begnügt man sich hier mit einem winzigen Vorwort und verzichtet auf eine ausführlichere theoretische Einleitung zur Grammatik? Eine solche ist notwendig, damit sie dem Kollektiv zu einem einheitlichen Verständnis der Grammatik verhilft, insbesondere auch deshalb, weil die erste Fassung dieser Grammatik (2008–2011) von Daina Nītiņa geleitet wurde und ihr Koordinator ab 2012 Juris Grigorjevas war. Warum die Leitung wechselte, ist dem Leser nicht bekannt; es wird nicht gesagt. Diese Bemerkungen sind lediglich als „Nörgelei“ am Vorwort zu verstehen, das für jede Arbeit sehr wichtig ist und bis ins Kleinste durchdacht sein muss.
Die Verfasser der Kapitel der rezensierten Grammatik gehören einer neuen Generation an, die sich nicht an der Abfassung der früheren akademischen Grammatik beteiligen konnte, aber inzwischen hinreichend gereift ist und akademische Grade und Titel erworben hat. Beim Lesen des Textes ist man jedoch etwas enttäuscht, dass die Grammatik zu wenig Grammatik enthält und die von der allgemeinen Sprachwissenschaft aufgestellten Axiome sowie die Arbeiten der Nachbarn, der litauischen Sprachwissenschaftler, nur wenig genutzt wurden. Einst beklagte Jānis Endzelīns, dass es keine litauische historisch-vergleichende Grammatik gebe, auf die man sich stützen könne (Endzelīns 1951: 1), doch nutzte er trotzdem alle verfügbaren Quellen und stützte sich überall sehr umsichtig auf die litauische Sprache, ihre Dialekte,
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und die Zeugnisse der alten Schriften. Nicht nur für die historische, sondern auch für die synchrone Grammatik ist ein weiter Blick zumindest auf verwandte Sprachen notwendig. Die Baltisten in Litauen haben im in der Grammatik behandelten Zeitraum ebenfalls auf allen Gebieten der Sprachwissenschaft beachtliche Ergebnisse erzielt, sogar in der Lettistik.
So hätten beispielsweise die Fachleute für Phonetik und Phonologie (Ilze Auziņa, Dace Markus, Juris Grigorjevas) aus den Untersuchungen von Alekso Girdenis viel Nützliches lernen können; im Literaturverzeichnis findet sich jedoch, abgesehen von einem gemeinsamen Artikel von Markus und Girdenis, keine einzige grundlegende Arbeit Girdenis’ zur Phonologie. Er hat sehr einfach und klar definiert, was Phonologie und Phonetik untersuchen: „Die Phonologie untersucht den Ausdrucksplan des S p r a c h s y s t e m s, nicht sämtliche Sprachlaute überhaupt. Sie interessiert sich folglich nur für diejenigen Eigenschaften der Sprachlaute, die es ermöglichen, Inhaltselemente (sachliche Bedeutungen) voneinander zu unterscheiden – das heißt, die den Ausdruck der Zeichen formen und deren materielle Grundlage bilden“ (Girdenis 1995: 20). „Alle Eigenschaften der in Sprechakten vorkommenden Laute – sowohl relevante als auch nicht relevante – untersucht eine andere Disziplin, die in gewissem Sinne eine Zwischenstellung zwischen Sprachwissenschaft und Naturwissenschaften (vor allem Physik und Physiologie) einnimmt. Traditionell wird diese Disziplin P h o n e t i k genannt [...]. Ein Zweig der Phonetik, der akustische (physikalische) Eigenschaften der Laute in den Mittelpunkt stellt, ist mit einigen seiner Methoden im Wesentlichen angewandte Physik; der Zweig der Phonetik, der artikulatorische Eigenschaften der Laute untersucht, könnte als angewandte Physiologie (teilweise auch Anatomie) gelten“ (Girdenis 1995: 22).
In der Grammatik der modernen litauischen Sprache schreibt Girdenis: „Die Grundeinheit der reinen Phonetik – der Sprachlaut – stimmt hinsichtlich seines Umfangs ungefähr mit dem Phonem überein, unterscheidet sich aber strikt von ihm dadurch, dass er (meist sehr viele) phonologisch irrelevante Eigenschaften aufweist – dem P h o n e m k o m m e n n u r d i e u n t e r s c h e i d e n d e n M e r k m a l e z u. Außerdem ist der Übergang von einem Phonem zu einem anderen stets kategorisch, während die Grenzen vieler Laute fließend sind. Den Sprachstrom können wir nur deshalb in Laute gliedern, weil wir wissen oder zumindest ahnen, welchen Phonemkombinationen sie entsprechen“ (1996: 16). Bei der Untersuchung von Sprachlauten mit instrumentellen Methoden lassen sich ohne Weiteres auch Eigenschaften benachbarter Laute erfassen. Daher stellt sich die Frage, inwieweit Beschreibungen moderner instrumenteller Methoden zur Untersuchung von Sprachlauten und deren Ergebnisse in einer Grammatik notwendig sind, die sich an ein breites Publikum richtet.
Wenn Lautstudien in Grammatiken dieser Art aufgenommen werden, müsste man vielleicht nicht einmal den Unterschied zwischen Phonetik und Phonologie hervorheben. Zwar bildete sich die Phonologie als eigenständige Disziplin in den 1920er Jahren durch die Bemühungen der Mitglieder des Prager Linguistischen Zirkels Nikolai Trubetzkoys und Roman Jakobsons heraus, doch der größte Erfolg der Phonologie bestand letztlich darin, dass man den hörbaren Laut mit einem entsprechenden Zeichen – einem Buchstaben – darstellen konnte. Damit begann die Grammatik (vom griechischen Wort γράμμα ‚Buchstabe‘, γραμματική τέχνη ‚Wissenschaft, Kunst des Lesens und Schreibens‘). Durch das Studium der mit dem Ohr unterscheidbaren Laute (Phoneme) und ihrer Zeichen entstand das erste europäische Grammatikmodell.
Die altgriechische Grammatik entstand zunächst als Kommentar zu den Texten berühmter Autoren. Die Griechen verfügten über viele gereimte Texte. Daher waren für sie nicht nur die Buchstaben von Bedeutung, sondern
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und Silben sowie ihre Qualität. Die Metrikspezialisten haben die subtilsten Untersuchungen auf diesem Gebiet durchgeführt. Auch heute stellen sich viele noch vor, das Hauptziel des Grammatiklernens bestehe darin, korrekt sprechen und schreiben zu lernen (das russische Wort грамо́тный ‚gebildet, des Schreibens kundig‘ ist eine direkte Lehnübersetzung aus dem Griechischen).
Die theoretische europäische Grammatik wurde von griechischen Philosophen entwickelt. Nachdem sie erkannt hatten, dass es neben empirischer Erkenntnis auch eine begriffliche gibt, bestimmten sie den Begriff des Namens (λόγος) der elementaren grammatischen Einheit. (Das griechische Wort λόγος bedeutet sowohl ‚Wort‘ als auch ‚Satz‘ und ‚Wissenschaft‘.) Die Verfasser der antiken Grammatiken vertraten die Auffassung, dass das Erlernen der Grammatik dem Menschen den Schlüssel zur Erkenntnis der Welt gebe und ihm helfe, seine Gedanken und seine gesellschaftliche Ideologie auszudrücken. Somit könnte man auch heute instrumentelle Lautforschung von theoretischer Grammatik unterscheiden. In der Grammatik würde wohl die Phonologie genügen. Doch auch nachdem sich die Wissenschaft der Phonologie etabliert hat, befassen sich Grammatiken nach wie vor mit dem Verhältnis zwischen Phonetik und Phonologie.
Nach der Lektüre dieses Kapitels lässt sich ermessen, wie eingehend die Laute der lettischen Sprache und verschiedene phonetische Phänomene untersucht wurden. Es enthält viele Informationen über Lautverbindungen, Silben, Silbenintonationen, prosodische Aspekte und den Wortakzent. Zu begrüßen ist, dass auch den Problemen der korrekten Aussprache, also der Orthoepie, Beachtung geschenkt und Aussprache normiert wurde.
Ich würde mir sehr wünschen, dass diese Rezension nicht als Kritik an der sorgfältigen Arbeit der Verfasser der Grammatik verstanden wird, sondern als weiteres Nachdenken einer Person mit eigener Auffassung von Grammatik darüber, was Grammatik ist und was hier darüber geschrieben steht.
Um etwas zu erkennen, muss man das Ganze analysieren, das heißt, es in Teile zerlegen. Sprache als Ganzes zerlegen wir zunächst in die Bestandteile eines Textes. Diese zerlegen wir weiter in Sätze, Sätze in Wortverbindungen, Wortverbindungen in Wörter, Wörter in Benennungen und Relationsmarker, und Benennungen zerlegen wir in die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten – Morpheme. Bei der Zerlegung eines Morphems wird die Bedeutung aufgehoben und zur phonologischen Analyseebene übergegangen: Untersucht wird nicht die Bedeutung der Laute, sondern ihre Unterscheidungskraft. Deshalb erscheint auch die Aussage wenig präzise: „Ein Sprachlaut, der die Bedeutung eines Wortes oder eines morphämischen Bestandteils eines Wortes verändern kann, heißt Phonem“ (S. 23). Die Wörter mainīt ‚verändern‘ und diferencēt ‚differenzieren, unterscheiden‘ sind mehrdeutig. Deshalb scheint die bessere Definition des Phonems diejenige aus der Grammatik von 1959 zu sein, in der es heißt, dass ein Phonem ein Sprachlaut ist, der durch Veränderung der Lautgestalt eines Morphems oder Wortes gemäß einer Oppositionsbeziehung die Bedeutung eines Wortes oder Morphems unterscheidet. Zum Beispiel kalt – malt oder saime – laime, und bei der Deklination laimi – laimē; der letzte Vokal unterscheidet die Kasusformen desselben Wortes (1959: 18).
Die Verfasserin des Kapitels über Morphemik ist Anna Vulānė. Alle Kapitel der Grammatik beginnen mit einem einleitenden zusammenfassenden Teil, in dem – mit wenigen Ausnahmen – dargestellt wird, was die Letten selbst erforscht haben; anschließend stützt man sich auf die zusammengefassten Ergebnisse dieser Arbeiten (so ist die Grammatik eben angelegt).
Die wohl bedeutendste lettische Spezialistin für Morphemik und Morphophonologie ist Andra Kalnača (Kalnača 2004). Ihre Studie zeigt, dass die Letten den Litauern auf diesem Gebiet deutlich voraus sind: In ihre Grammatiken können sie neben der Phonologie bereits auch die Morphophonologie aufnehmen, die zeigt, dass
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regelmäßige Phonemveränderungen innerhalb eines Morphems sowohl die Bedeutung von Wörtern als auch von grammatischen Formen verändern können. So geht der Wechsel von Stammvokalen mit einigen Wortbildungs- und Flexionsprozessen einher. Auf diese Weise lässt sich die Phonologie über die Morphophonologie mit dem Teil der Grammatik verbinden, der Morphologie heißt, und sogar mit der Syntax, also mit der Grammatik insgesamt (Kalnača 2004: 60).
Die Zerlegung von Wörtern in bedeutungstragende Teile und die Beschreibung dieser Teile haben eine sehr lange Tradition; doch besteht hier ein äußerst wichtiges Problem, das noch immer einer Antwort harrt: Sind all die Einträge, die alphabetisch geordnet in Wörterbüchern stehen, Wörter? Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Gegensatz zwischen dem Morphem (einem unteilbaren bedeutungstragenden Sprachelement) und dem Wort als teilbarer Struktur festgestellt (Joseph Vendryes, Le langage, 1920; russische Übersetzung: Вандриес 1937: 76). Der Autor stellte diese Opposition bei der Untersuchung flektierender klassischer Sprachen fest. Später griff Tatjana Bulygina die Idee einer solchen Opposition auf (vielleicht auch völlig unabhängig davon, da kein Verweis vorliegt) und stützte sich dabei auf die litauische Schriftsprache. Ihrer Ansicht nach ist das litauische Wort eine Struktur und bildet in dieser Hinsicht einen klaren Gegensatz zu elementaren bedeutungstragenden Einheiten (Morphemen). Wenn man das Wort so versteht, können Präpositionen, Partikeln und Konjunktionen nicht zur Wortkategorie gehören, da sie nicht autonom sind, keinen selbstständigen Akzent haben und sich nicht in Morpheme mit lexikalischer und grammatischer Bedeutung zerlegen lassen (Булы́гина 1970: 8–9). Stimmt man dieser Auffassung zu, müsste die Definition des Morphems neu entwickelt und anerkannt werden, dass im Satz nicht nur verbundene, sondern auch freie (Konjunktionen) oder zumindest teilweise freie Morpheme (Präpositionen, Partikeln) vorkommen.
Im Buch von Kalnača und in dem von Vulāne verfassten Kapitel über Morphemik wird keine Opposition zwischen Morphem und Wort angesetzt, weil sie davon ausgehen, dass jedes Wort eine Wurzel hat, die in der Sprache auch als unteilbares Wort fungieren kann. Beispiele für unteilbare Wörter und Wurzeln sind: Wörter – Adverbien und Partikeln (drīz, te, še it, jo, ja) – sowie Wortformen (aug, zied, tēv! māt!), die nichts anderes als unteilbare Wurzeln sind (Kalnača 2004: 12). Wenn man statt der Möglichkeiten einer Rezension die eines Forschungsprojekts hätte, ließe sich leicht nachweisen, dass diese Beispiele die Opposition zwischen Morphem und Wort als teilbarer Struktur in flektierenden Sprachen nicht widerlegen, denn die hier angeführten Wortformen treten in der Sprache nicht einzeln auf, sondern als Mitglieder von Paradigmen, in denen dieselbe Wurzel zusammen mit einer Endung eine Struktur bildet. Daher ist es falsch anzunehmen, dass die Wurzeln in diesem Fall keine Struktur mit einer Nullendung bilden. Man sollte die Bedeutung des Formenmangels im Formenparadigma nicht außer Acht lassen.
Kalnača nennt beispielsweise folgende Merkmale der Wurzel: 1) Sie hat eine lexikalische Bedeutung; 2) sie kann ohne Affixe allein auftreten; 3) sie bildet ein offenes System, da die Zahl der Wurzeln nicht festgelegt ist; 4) die Wurzel ist eine universelle Spracheinheit, weil sie in jedem Wort jeder Wortart und in allen Sprachen vorkommt (Kalnača 2004: 10). Das ist bereits eine sehr kühne Behauptung, wenn diese Aussagen nicht durch überzeugende Argumente gestützt werden. Überlegen wir nur genau die Behauptung, dass die Wurzel in jedem Wort jeder Wortart und in allen Sprachen vorkommt. Das kann wohl kaum sein.
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Bei der Untersuchung grammatischer Phänomene ließ sich eine beträchtliche Zahl von Veröffentlichungen finden, in denen der grammatische Status von Funktionswörtern erörtert wird. Sie wurden beim Verfassen des Buches Gramatinės lietuvių kalbos veiksmažodžių kategorijos (Paulauskienė 1979: 174–186) zusammengestellt, doch die darin aufgeworfenen Probleme sind auch heute noch hochaktuell, da Hilfswörter und Verknüpfungen in analytischen Formen keine lexikalische Bedeutung haben. Wenn also die Wurzel ein lexikalisches Morphem ist, können Funktionswörter nicht als Wurzeln gelten; und wenn wir außerdem anerkennen, dass die Wurzel nicht nur die Grundlage der lexikalischen Wortbedeutung ist, sondern auch das grammatische Potenzial besitzt, Affixe anzunehmen, dann nehmen Hilfswörter in analytischen Verbformen der Tempora und Modi – mit Ausnahme der Negation – keinerlei weitere Affixe an. Die Anfügung der Negation erklärt sich daraus, dass die gesamte Konstruktion mit dem Hilfsverb als eine einheitliche Verbform aufgefasst wird, die im Satz als reines Prädikat fungiert: ir bijis ‚ist gewesen‘ – nav bijis ‚ist nicht gewesen‘, esmu izalkusi ‚ich bin hungrig geworden‘ – nesmu izalkusi ‚ich bin nicht hungrig geworden‘. Funktionswörter (Präpositionen, Konjunktionen, Partikeln) nehmen nicht einmal die Negation an, da sie keine Bedeutung haben, die verneint werden könnte. Partikeln etwa bejahen oder verneinen selbst; es kann zusammengesetzte negative Partikeln geben, Präfixpartikeln jedoch nicht.
Auch Vulanė räumt ein, dass jedes Wort eine Wurzel hat und dass der Wurzel Unbestimmtheit eigen ist; ihre Bedeutung wird durch verschiedene Affixe konkretisiert. Wenn jedes Wort eine Wurzel hat und diese durch Unbestimmtheit gekennzeichnet ist, wie können dann Funktionswörter überhaupt ohne Affixe auskommen? Eine völlig neuartige Auffassung in der theoretischen Grammatik ist zudem, dass die Wurzel im Wort keinen eindeutig festgelegten Platz hat (S. 142). Die Wortstruktur erinnert an einen zusammengesetzten Satzgefüge-Satz, in dem der Hauptsatz (wie die Wortwurzel) stets an seinem Platz steht, während Nebensätze vor oder nach dem Hauptsatz stehen, eingeschoben sein oder auch ganz fehlen können. Ebenso können Affixe vor und nach der Wurzel stehen; ihr Fehlen kann bedeutungsvoll sein (Nullendung), und in der Wurzel können Infixe auftreten.
Das Potenzial der Wurzel, Affixe anzunehmen, ist nicht lexikalischer, sondern grammatischer Art und hängt von der grammatischen (nicht der lexikalisch-grammatischen!) Bedeutung der Wortart ab, die sich in den Formensystemen, den sogenannten Paradigmen, zeigt. Von der grammatischen Bedeutung der Wortart hängen die Typen und Kategorien der Wortbildung und Flexion ab. Deshalb finden wir weder präfigierte Pronomen noch Zahlwörter: Pronomen nehmen keine Präfixe an, weil ihre Wurzeln keine lexikalische Bedeutung haben, und Zahlwörter deshalb nicht, weil ihre Bedeutung – eine genaue Zahl – sich keiner Modifikation unterzieht: eine andere Zahl, und schon ist es ein anderes Zahlwort (wenn nicht du, dann trys, keturi usw.).
Das Reflexivaffix ist keine Endung, sondern ein besonderes Stamm-Morphem, das aus einem Reflexivpronomen hervorgegangen ist. In mehreren Sprachen wird es auch heute als vom Verb getrenntes Wort verwendet (im Tschechischen, Polnischen sowie teilweise im Russischen und Lettischen). So lässt sich die litauische Wendung Nusipirkau knygą ins Russische nur mit der analytischen Konstruktion Купил себе книгу übersetzen. Dem litauischen Verb nusipirkti entspricht im Lettischen die analytische Form nopirkt sev, nusvesti – aizvest (novest) sev līdz (ejot). Obwohl sich das Präfix im heutigen Lettischen vom Reflexivaffix am Wortende nicht abtrennen lässt, …
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… hilft es doch eindeutig dabei, auch aus den nichtreflexiven Verben, die ohne Präfix nicht reflexiv sein können, reflexive Verben zu bilden (gulēt ‚schlafen‘ – izgulēties ‚ausschlafen‘). Die wortbildende Beziehung des Reflexivaffixes zum Präfix bildet ein Zirkumfix und zeigt, dass es keine Endung, sondern ein Stamm-Morphem ist (S. 292).
Es spielt keine Rolle, dass das Reflexivaffix im heutigen Lettischen am Ende des Verbs steht und nur in Dialekten sowie in älteren Schriftzeugnissen zwischen Präfix und Wurzel vorkommt (S. 146–147): Es gehört zur Zusammensetzung des Stammes. Merkwürdig ist, dass an einer Stelle der Grammatik die Endung als veränderlicher Wortbestandteil definiert wird (S. 151), während dieselbe Autorin diese Definition an anderer Stelle missachtet. So gibt es in der Grammatik ein Kapitel mit dem Titel „Verbableitung mit derivativischer Endung oder Flexion“ (S. 291), dessen Beispiele ausschließlich reflexive Verben sind. Eine Arbeitsanalyse erfordert jedoch stets ein Paar von Formen, deren Glieder durch eine Wortbildungsbeziehung miteinander verbunden sind. Bricht diese Beziehung ab, entstehen entweder Verben mit völlig anderer lexikalischer Bedeutung oder reflexiva tantum (brīnīties, lavūties, smieties), wenngleich eine tiefergehende Analyse der Bildungen in manchen Fällen auch eine nichtreflexive Wortbildungsgrundlage finden würde. So ist das litauische juoktis ausschließlich reflexiv, doch ohne Reflexivaffix findet man es in Präfixableitungen: iš-juokti, pa-juokti. Auch im Lettischen stehen neben smieties die Formen iz-smiet, ap-smiet.
Turint Endzelīno sangražos afikso kilmės aiškinimą (Endzelīns 1951: 903, 910, 1046) ir tą aiškinimą, perimtą akademinės latvių kalbos gramatikos (1959: 554), tiesiog neįmanoma į tai numoti ranka ir sangražos afiksą laikyti darybos reikšmę turinčia galūne, nes galūnė, net ir atliekanti žodžių darybos funkciją, turi būti kintama (pavadinimas fleksija iš lotynų kalbos žodžio flexio ‘lenkimas, lankstymas’). Antano Baranausko lietuvių kalbos gramatikoje yra terminas lankstýgalis ‘galūnė’ ir lankčiojimas ‘kaitymas’, o sangražos afiksas nei lietuvių, nei latvių kalboje nepasiduoda „lankstymui“, vadinasi, jis nėra galūnė. Taip neatsakingai elgiantis su sangražos afikso istorija ir funkcijomis, veiksmažodžiui primetama nebūdinga galūninė daryba (p. 291), jam nebūdingas ir savarankiškųjų žodžių sudūrimas. Tai priklauso nuo veiksmažodžio sintaksinio vaidmens.
Wenn der Wurzel eine lexikalische Bedeutung eigen ist und alle Wörter Wurzeln haben, wie sind dann die Wurzeln der Pronomen zu verstehen? Lässt man zum Beispiel die Endungen der Pronomen kas, tas weg, bleiben die Wurzeln k- ir t-. Welche Bedeutung haben diese Wurzeln? In der Grammatik werden 70 Pronomen gezählt (S. 428), und es heißt, dass heute keine neuen Pronomen gebildet werden. Pronomen bilden demnach eine geschlossene Wortklasse. In der erwähnten Studie von Kalnača ist eines der charakteristischen Merkmale von Wurzeln (3) die Offenheit des Systems, obwohl ein System nicht offen sein kann.
Émile Benveniste merkt an, dass Gewohnheit uns für den wesentlichen Unterschied unempfindlich macht, der zwischen Sprache als einem bestimmten Zeichensystem und Sprache als konkretem Sprechakt besteht. Pronomen sind gewissermaßen „leere“ sprachliche Zeichen, die an sich keine Referenzbedeutung haben, sondern diese erst im Sprechakt anzeigen (Бенвенист 1974: 288–289). Hinsichtlich ihrer Anzahl und der Häufigkeit ihres Vorkommens in Texten ähneln Pronomen nicht …
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auf bedeutungstragende Wörter, sondern auf grammatische Morpheme. Eine Klasse, die aus weniger als hundert Einheiten besteht, ist als Klasse der Formantien zu bezeichnen, denn in diesem Fall ist eine klare Tendenz zur Systematisierung erkennbar; eine Klasse hingegen, die Hunderte oder Tausende von Einheiten umfasst, kann als Lexeme oder Wörter bezeichnet werden (Pottier 1952: 121).
Alle Pronomen sind also keine Lexeme, und die Personalpronomen sind zudem grammatische Morpheme, die zur Konjugation des Verbs gehören. Gibt es keine Personalendung, zeigen die nur als Subjekt auftretenden Pronomen die Person des Verbs an; gibt es hingegen sowohl ein Pronomen als auch eine Personalendung, liegt eine redundante Form vor. Dann kann man in den lettischen und litauischen Sprachen das Personalpronomen weglassen. Daher liegt in der Konstruktion Es atnācu ein Zirkumfix vor. Lässt man das Pronomen weg, bleibt der Satz dennoch personal: Kā atnācu, tā arī aiziešu. Ganz dasselbe gilt auch für das Litauische: Aš atėjau. Wie ich gekommen bin, so werde ich auch gehen. Dies ist ein Modell des Zirkumfixes, bei dem sich weder der Satz noch die Personenbedeutung des Verbs ändert, wenn sein erster Teil nur potenziell vorhanden bleibt.
Ein anderes Modell des Zirkumfixes liegt vor, wenn eine Präposition zusammen mit einer Kasusendung eine Umstandsangabe ausdrückt und nicht weggelassen werden kann. Vgl. lettisch Sēdēt pie galda und litauisch Sėdėti prie stalo. Hier wird der Ort bei etwas durch die Kasusendung zusammen mit der Präposition angezeigt. Bulygina bezeichnet eine solche grammatische Kasusform als непрерывистая морфема (wörtlich: unterbrochenes Morphem).
Wie die Beispiele zeigen, ist Vulanės Begriff des Zirkumfixes sehr eng: Als Zirkumfix bezeichnet sie nur ein Affix, das die Wurzel in zwei Teile aufspaltet: rakstīt „schreiben“: sarākstīties „sich schreiben, miteinander korrespondieren“; jumts „Dach“: pajumte „Unterstand“, vasara: pavasaris. Dass das Präfix und die Endung von Substantiven als Zirkumfix angesehen werden, liegt jedoch vermutlich daran, dass im Lettischen eine Veränderung der Endung des zweiten Bestandteils präfigierter Substantive bei der Zusammensetzung von Wörtern selten ist, während dies im Litauischen regelmäßig der Fall ist; die Rolle der Endung präfigierter Substantive ist dabei genau dieselbe wie bei Komposita. Kalnača hat sehr feinfühlig darauf hingewiesen, dass die Annahme eines Zirkumfixes bei Bildungen wie gals: pagale, galds: pagalde, krāsns: aizkrāsne durchaus diskutiert werden könnte (Kalnača 2004: 24). Diskutieren wir es also.
Auf Grundlage der präfigierten und zusammengesetzten Substantive des Lettischen und Litauischen lässt sich folgern, dass auch präfigierte Substantive nicht das Ergebnis einer Präfigierung, sondern einer syntaktischen Wortbildung sind; lediglich wird die Präposition innerhalb des Wortes zum Präfix. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass Präpositionen keine Wurzeln, sondern Affixe sind: aizjūra „Gebiet jenseits des Meeres“, apgabals „Region, Bezirk“, bezmiegs „Schlaflosigkeit“, dienasgrāmata „Tagebuch“, klasesbiedrs „Klassenkamerad“, mel nraksts „Entwurf“, pusžabaki „Halbstiefel“.
Wie die Beispiele zeigen, bleibt der zweite Bestandteil sowohl lettischer Präfixbildungen als auch lettischer Komposita unverändert; im Litauischen ändert sich bei Zusammensetzungen dagegen stets die Endung, doch finden sich auch einige Wörter mit ähnlicher Bildung: rūdiena – rytdiena, trikājis – trikojis, pusbrālis – pusbrolis. Selten, aber auch im Litauischen kommen präfigierte Substantive mit unveränderter Endung des zweiten Bestandteils vor: parnotė (: motė), podukra (: dukra); es gibt aber auch patėvis (: tevas) und posūnis (: sūnus). Die Wortbildungsbedeutung all dieser Wörter ist dieselbe:
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„In der Familie eine Stiefmutter, eine Stieftochter, ein Stiefvater und ein Stiefsohn: das heißt, jemand, der nach der Mutter in die Familie kommt, jemand nach dem Vater, jemand, der auf die leibliche Person folgt.“ Auch in diesem Fall kann man also gedanklich eine potenzielle Präposition ansetzen – eine Präposition?
In der Grammatik heißt es ausdrücklich, präfigierte Substantive würden nicht als Komposita angesehen, weil das Präfix seine Präpositionsbedeutung verloren habe (S. 143). Das ist schwer zu glauben, denn auch eine ganze Bildung kann sich von ihrem Grundwort entfernen. So schien es Endzelin nicht, dass eine Präposition oder Partikel innerhalb eines Wortes ihre Bedeutung verloren hätte. Deshalb betrachtete er alle präfigierten Wörter (sogar Verben) als Komposita (Endzelīns 1951: 255–264). Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, dass Danielius Kleinas, der Verfasser der ersten litauischen Grammatik, Präpositionen und Präfixe mit derselben Bezeichnung benannte – Präpositionen; dabei nannte er Präpositionen trennbare und Präfixe untrennbare Präpositionen. Auch heute scheint die Präpositionsbedeutung in Bildungen wie aizjūra (aiz jūras), bezmiegs (bez miega) nicht verloren gegangen zu sein. Wenn es sich tatsächlich anders verhält, sind zwei Fragen zu beantworten: 1. Wenn Präfigierung innerhalb einer Wortart stattfindet, warum können dann die meisten Substantive keine Präfixe haben? 2. Welche Substantive nehmen Präfixe an und warum?
Auch das Kapitel zur Wortbildung stammt von Anna Vūlane. In der Grammatik von 1959 wurde die Wortbildung von der Flexion getrennt, aber als Teilgebiet der Morphologie behandelt; hier hingegen bildet sie einen selbstständigen Zweig der Sprachwissenschaft. Solange nicht nachgewiesen ist, dass dies notwendig ist, gibt es keinen wesentlichen Unterschied: In beiden Fällen wird verhindert, dass in der Morphologie eine derivationelle und paradigmatische Analyse grammatischer Formen vorgenommen, das heißt, die grammatischen Kategorien der Wortarten angemessen beschrieben werden. In der Morphologie bleibt dann nur, über die Bedeutungen und den Gebrauch von Formenbildungen zu schreiben.
In der Grammatik fehlen sehr viele überzeugende Argumente. Was sind Verweise auf die Schlussfolgerungen anderer wert, wenn hundert sich irren können und nur einer recht haben kann? Deshalb erschweren die zahlreichen Verweise die Lektüre. In einer Grammatik dieser Art würde es genügen, das Literaturverzeichnis am Ende anzuführen (vgl. die einbändigen Grammatiken der litauischen Sprache); die Verfasser des Textes sollten selbst die Verantwortung für das übernehmen, was sie sagen.
Vincas Urbutis, vermutlich stark beeinflusst von der umfangreichen und recht widersprüchlichen Literatur, äußerte in einer theoretischen Studie lediglich die Überlegung, die Wortbildung könne an beliebiger Stelle einer Grammatik beschrieben werden, sogar nach der Syntax (Urbutis 1978: 55); an anderer Stelle überzeugte er jedoch alle davon, dass: „Die Wortbildung der litauischen Sprache und anderer Sprachen mit ähnlichem grammatischem Aufbau ist jedenfalls am engsten mit der Morphologie verbunden. Die Mittel der Wortbildung unterscheiden sich hier im Wesentlichen nicht von den Mitteln der Formenbildung oder Flexion. Sowohl bei der Wortbildung als auch bei der Flexion haben wir es mit der morphematischen Struktur eines Wortes oder einer Form zu tun; in beiden Fällen nimmt die Affigierung eine zentrale Stellung ein“ (Urbutis 1978: 35). „Dass zwischen Wortbildung und Flexion tatsächlich keine scharfen Grenzen bestehen, ist an folgenden Erscheinungen deutlich zu erkennen: 1) Wortbildungsmittel formen eine Bildung häufig auch als Wort einer bestimmten Wortart oder bestimmen sogar ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Flexionsparadigma [...]; 2) die Endung, obwohl sie üblicherweise als spezifisches Flexionsaffix gilt, dient häufig als Wortbildungsmittel, ja sogar als einziges oder zumindest wichtigstes [...]; die Grenze zwischen Wort und Form ist historisch veränderlich“ (Urbutis
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1978: 36). Diese Argumente reichten völlig aus, damit die Wortbildung in den akademischen Grammatiken des Litauischen nach Wortarten dargestellt wurde; der Verfasser der Darstellung der Substantivbildung war in allen Grammatiken derselbe, Urbutis. Rein technische Anforderungen an die Verweise im lettischen Text führen jedoch zwei Nachnamen an – Urbutis und Ambrazas (den Autor und den Chefredakteur, der andere grammatische Phänomene untersucht hatte).
Allgemein zur Wortbildung wird vorgeschlagen, Synchronie und Diachronie zu unterscheiden, ohne überhaupt zu bedenken, ob das praktisch möglich ist. Zur Synchronie gehören nur Neubildungen; die übrigen Bildungen sind, auch wenn sich ihr Grundwort leicht bestimmen lässt, keine Ergebnisse der heutigen Wortbildung. Eine Bildung wird in der Sprache als selbstständiges Wort verwendet und kann sich von ihrer Wortbildungsgrundlage entfernen. Ist das Grundwort nicht „mit bloßem Auge“ zu erkennen, nimmt sich ein anderer Zweig der Sprachwissenschaft seiner Suche an – Etymologie.
Nachdem die Autorin vorgeschlagen hat, in der Wortbildung Synchronie und Diachronie zu unterscheiden, sieht sie bei der Behandlung der Adverbien weiterhin Kasusendungen (S. 294), obwohl das wichtigste Verfahren der Adverbienbildung im funktionalen Wandel, in der Erstarrung und im Abfall von Wortendungen sowie in der Verkürzung und Verschmelzung von Wortverbindungen besteht. Die Dativendung –am (apmēram, brižam, godam, laikam, mūžam) und die Endung des pluralischen Akkusativs –us (tečiņus, laikus, nopakaļus, sānus) sind im Adverb unveränderlich und nur noch als ehemalige Kasusendungen erkennbar.
Die Adverbien labi, centīgi, augstu, tālu, zemu sind nicht mit Endungen, sondern mit grammatischen Suffixen gebildet. Übrigens werden in dieser Grammatik Suffixe nicht in Wortbildungs- und Formbildungssuffixe eingeteilt. Das zeigt, dass die Wortbildung von der Morphologie dennoch sehr künstlich getrennt ist. Dass für Adverbien eine Präfixbildung typisch ist, ist ebenfalls fraglich, da es sich dabei um Zusammensetzung handeln könnte (S. 296).
Die allgemeinen Begriffe der Wortbildung werden in der Grammatik lediglich definiert und durch Beispiele veranschaulicht; unklar bleibt jedoch, inwieweit sie sich auf die Wortbildung der verschiedenen Wortarten anwenden lassen. So wird etwa die Wortbildungskategorie lediglich definiert und festgestellt, dass sich, wie K. Pokrotniece angibt, von Verben abgeleitete Substantive in sechs Wortbildungskategorien zusammenfassen lassen: Handlungsempfänger, Agens, Ort, Ergebnis, Handlungsmittel (Werkzeug) und Zustand (S. 193). Doch wie lässt sich feststellen, ob sich die Suffix- und Endungsbildung aller Wortarten anhand von Wortbildungskategorien beschreiben lässt? Bei der Substantivbildung ist das möglich, weil sie viele eindeutige Suffixe aufweist. Aber lassen sich die Suffixbildungen von Adjektiven und Verben anhand von Wortbildungskategorien beschreiben, wenn diese Wortarten nur wenige Suffixe haben und die Suffixe selbst mehrdeutig sind? Kann die Präfixbildung von Substantiven und Verben anhand von Wortbildungskategorien beschrieben werden? Urbutis beispielsweise beschrieb die Präfixbildung litauischer Substantive nicht nach Wortbildungskategorien, sondern nach Präfixen (so wie die Präpositionen in der Grammatik behandelt werden).
Völlig unverständlich ist, warum man bei der Behandlung präfigierter Substantive nicht gleich „den Stier bei den Hörnern packt“, sondern eine Vielzahl von Substantiven aufführt, die das Präfix von ihrer Wortbildungsgrundlage übernommen haben (S. 213). Bereits erwähnt wurde, dass es schwer zu glauben ist, dass bei der Bildung präfigierter
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Substantive die Bedeutung der Präposition verblasst; wahrscheinlich entfernt sich die gesamte Bildung von ihrer Wortbildungsgrundlage ebenso wie im Fall einer Zusammensetzung (z. B. diviritenis ‚Fahrrad‘: Das ist nicht zwei Räder, sondern ein bestimmtes Fortbewegungsmittel mit zwei Rädern). Kann man auf Lettisch nicht eine Konstruktion mit der Präposition ķirzaka bez astes „Eidechse ohne Schwanz“ bilden?¹ Daher auch die Zusammensetzung bezastes ķirzaka ‚schwanzlose Eidechse‘. Weltweit gibt es sehr viele Eidechsenarten; ihre Schwänze brechen leicht ab und wachsen wieder nach. Gäbe es jedoch eine schwanzlose Eidechsenart, wäre für sie eine Zusammensetzung aus Präposition und selbstständigem Wort, bezastes ķirzaka, die passendere Bezeichnung. Es gibt Präpositionen verschiedener Art: solche, deren Herkunft nicht erkennbar ist, und solche, deren Herkunft klar ist. Letztere werden in der Grammatik von 1959 als Halbpräfixe betrachtet (1959: 190–196); wie die Beispiele zeigen, ist ihre Funktion in der Wortbildung jedoch dieselbe wie die echter Präfixe.
Verfasserinnen des Kapitels zur Morphologie (300–689) sind Daina Nītiņa, Gunta Smiltniece, Andra Kalnača und Ieva Brenķe. Nachdem die Wortbildung in der Grammatik von der Morphologie getrennt worden ist, bleiben dieser „die Hände gebunden“: Eine umfassende morphologische Analyse der Wortarten, die zeigen würde, dass jede Wortart ihre eigene Bedeutung, Wortbildung, Flexion und Verwendung hat und dass all dies zusammen die Grammatik ausmacht, ist nicht möglich. Der Grammatikbegriff kann enger oder weiter gefasst werden. Die engere Auffassung liegt praktischen Grammatiken zugrunde, die den Aufbau des Wortes, der Wortverbindung und des Satzes erklären. Die wissenschaftliche Grammatik betrachtet ihren Untersuchungsgegenstand als weitaus umfassender und komplexer. So versteht eine akademische Grammatik des Deutschen als ihren Gegenstand die gesamte Sprachstruktur, die aus semantischer, syntaktischer, morphologischer und phonologischer sowie einer zusätzlichen kommunikativen und pragmatischen Komponente besteht. Ziel der Grammatik ist es, den Aufbau dieser Komponenten und ihre wechselseitigen Beziehungen zu untersuchen (Grundzüge einer deutschen Grammatik 1981: 5). Grammatik steckt in jedem Teil der Sprache. Deshalb beginnen Kinder sehr schnell, ihre Muttersprache zu sprechen: Sie lernen die Grammatik zusammen mit den Wörtern. Der englische Philosoph Bertrand Russell (Bertrand Russel) soll gesagt haben: Wenn ein Kind fragt, was das Wort Elefant, Giraffe bedeutet, kann man es in den Zoo bringen und ihm die Tiere zeigen; was die Konjunktion wenn bedeutet, kann man ihm jedoch niemals zeigen. Seien Sie aber sicher, dass es Sie nie danach fragen wird – aus demselben Grund, aus dem es auch nicht fragt, was die Suffixe oder Endungen von Wörtern bedeuten (aus dem Gedächtnis wiedergegeben).
Beim Lesen der Grammatik ermüden die allgemeinen einleitenden Darstellungen beträchtlich: Sie wollen alles abdecken, was die späteren speziellen Kapitel und Unterkapitel konkretisieren und weiterentwickeln sollten, tun dies aber nicht. Manchmal beginnt die Darstellung mit elementaren Erläuterungen, die nur für praktische Schulgrammatiken geeignet wären. So wird etwa der Begriff Morphologie unnötig erläutert und die allgemein bekannte Tatsache mitgeteilt, dass er erst im 19. Jahrhundert in der Sprachwissenschaft gebräuchlich wurde. Um den Leser Gelegenheit zu geben, sich vom angespannten grammatischen Denken zu erholen, könnte man auch erzählen, dass der berühmte deutsche Dichter Johann Wolfgang Goethe, der sich für Biologie, Physik, Mineralogie, Geologie und Meteorologie interessierte und wichtige Arbeiten zur vergleichenden Pflanzen- und Tiermorphologie verfasste, diesen Begriff verwendete-
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…fäden, dass der Beginn der europäischen Grammatik ins 3. Jh. v. Chr. zu datieren ist, als die Männer der alexandrinischen Schule (Wissenschaftlerinnen gab es nicht) alle Wörter alphabetisch auflisteten und so eine offene Liste – ein Wörterbuch – erhielten; nachdem sie sie nach allgemeinen Bedeutungen sowie den Formen und Funktionen, die diese im Satz ausdrücken, klassifiziert hatten, erhielten sie ein geschlossenes System – die Grammatik. Im Wesentlichen ist Grammatik auch heute die Wissenschaft von den geschlossenen Systemen – den Wortarten.
In der Grammatik heißt es, dass das Wort zugleich eine Einheit der Lexik, der Grammatik, der Phonetik und anderer Sprach-Subsysteme ist. Das stimmt, aber warum darüber in der Morphologie schreiben? Vielleicht wäre es hier besser, die Stellung der Morphologie in der Hierarchie der übrigen sprachwissenschaftlichen Untersuchungsebenen zu bestimmen. Und man sollte von dem ausgehen, was allen Sprachen gemeinsam, was universell ist, und dann zu dem übergehen, wodurch sich das Lettische von den anderen Sprachen unterscheidet.
Sprachen sind verschieden, doch das menschliche Denken und die Welt sind für die gesamte Menschheit dieselben. Deshalb ist die Syntax, deren Grundlage (wie man sie auch wenden mag) das logische Urteil ist, universell und allen Sprachen eigen; auch die Semantik ist universell. Gäbe es diese Universalität nicht, könnten wir nicht von einer Sprache in eine andere übersetzen. Sprachen unterscheiden sich vor allem in ihrer Morphologie: Einige haben ein komplexes System von Kasusformen, andere ein einfaches; einige haben ein komplexes System von Verbformen, andere ein einfaches; manche morphologische Kategorien gibt es in einigen Sprachen, in anderen nicht. Doch keine Sprache weist eine mangelhafte Semantik oder Syntax auf (Степанов 1981: 5). Daher darf man nicht alle Ebenen der Sprachbeschreibung auf einer einzigen Ebene aufzählen. Die syntaktische Ebene ist der morphologischen übergeordnet. Deshalb muss man bei der Untersuchung einer Sprache auf morphologischer Ebene stets auch die Syntax im Blick behalten.
Wenn man in einer wissenschaftlichen Grammatik (und nicht nur in der lettischen) liest, dass es in einer Sprache unveränderliche Substantive gibt (S. 300), erinnert man sich an Solomon Kacnelsons Begriff „Flexionsfetischismus“. Er schreibt, dieser Fetischismus habe besonders im 19. Jahrhundert geblüht, als man lexikalische und grammatische Bedeutung ausschließlich nach dem formalen Ausdruck unterschied: Was durch die Wurzel ausgedrückt wurde, galt als lexikalische Bedeutung, was durch Affixe ausgedrückt wurde, als grammatische. Diese Auffassung habe seiner Ansicht nach damals großen Einfluss auf die Klassifikation der Sprachen gehabt: Alle Sprachen ohne grammatische Affixe seien als „amorph“, das heißt hinsichtlich der Grammatik formlos, betrachtet worden. Das Wesen grammatischer Erscheinungen sei nicht von innen her, durch die Analyse der Bedeutung, bestimmt worden, sondern anhand formaler Merkmale, ohne überhaupt zu begreifen, dass zwischen dem Bezeichneten und der Ausdrucksform keine absolute Übereinstimmung bestehen kann. Er bedauert, dass eine solche Bewertung der Flexion, inzwischen zur Tradition geworden, auch die Sprachwissenschaft des 20. Jahrhunderts kennzeichne (Кацнельсон 1972: 90).
Anhand von Beispielen aus der lettischen Grammatik lässt sich zeigen, dass sich dies auch ins 21. Jahrhundert fortsetzt. An einer Stelle sagt dieselbe Autorin, dass es unveränderliche Substantive und andere Wortarten gebe (S. 300), und gleich darauf heißt es, dass bei den flektierbaren Wortarten das Substantiv Geschlecht, Zahl und Kasus der Wörter bestimme (oder vielleicht genauer: festlege), mit denen sie übereinstimmen (S. 318). Doch auch jene „unveränderlichen“ Substantive haben kongruierende Attribute, deren Formen von Geschlecht, Zahl und Kasus das Geschlecht, die Zahl und die syntaktischen Kasusfunktionen dieser Substantive anzeigen.
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In der Grammatik heißt es: „Für Pronomen sind ebenso wie für Nomina die Kategorien Geschlecht, Zahl und Kasus charakteristisch, doch ihr Ausdruck ist unterschiedlich. Einige lettische Pronomen sind, wie auch die Pronomen anderer indoeuropäischer Sprachen, gegenüber der Kategorie Geschlecht indifferent.“ Zur Begründung dieser Aussage werden Beispiele von Personen bezeichnenden Pronomen angeführt. Und gleich darauf heißt es, dass man auf diese Kategorien anhand der grammatischen Indikatoren anderer Wörter schließen könne: Kas tas tāds? Kas tā tāda? (S. 431–432). Wie verhält es sich also tatsächlich: Sind diese Pronomen hinsichtlich des Geschlechts indifferent oder nicht, wenn sie unterschiedliche kongruierende Geschlechtsformen verlangen?
Die Pronomen der ersten und zweiten Person, die die Beteiligten am Kommunikationsakt bezeichnen, unterscheiden das Geschlecht semantisch innerhalb des Kommunikationsakts selbst: Spricht ein Mann, sagt er: Es esmu noguris ‚Ich bin müde‘; spricht dagegen eine Frau, sagt sie: Es esmu nogurusi ‚Ich bin müde‘. Die Pronomen der dritten Person bezeichnen Beteiligte und Dinge, die nicht am Kommunikationsakt beteiligt sind, und vertreten im Satz Substantive beider Geschlechter. Daher gibt es zur Bezeichnung der Geschlechter zwei separate Wörter: viņš ‚er‘, viņa ‚sie‘; viņi ‚sie‘ (Plural, maskulin) und viņas ‚sie‘ (Plural, feminin).
In der allgemeinen Beschreibung morphologischer Erscheinungen fehlt eine kurze und klare Definition des Paradigmas. Paradigma und Paradigmatik werden verworren erklärt (S. 311–317), obwohl man ganz einfach schreiben könnte, dass ein Paradigma die Gesamtheit der Formen einer grammatischen Kategorie ist, deren Elemente sich auf der Grundlage einer gemeinsamen (invarianten) Bedeutung voneinander unterscheiden. Paradigmen können zwei-, drei- oder mehrgliedrig sein. Eine einzelne Form bildet kein Paradigma. Grammatische Kategorien sind entweder klassifikatorisch oder flektierend. Die Wortarten sind klassifikatorische grammatische Kategorien mit eigenen Formensystemen. So hat das Substantiv drei grammatische Kategorien: eine klassifikatorische (die Kategorie des Geschlechts) und zwei flektierende (die Kategorien der Zahl und des Kasus).
Es ist physisch unmöglich, in einer Rezension alle Wortarten und sämtliche ihrer grammatischen Kategorien zu erörtern. Deshalb werden wir eine Auswahl treffen. Zunächst fällt die mehrgliedrige Kasuskategorie des Substantivs ins Auge. Welcher Ebene der Sprachbeschreibung gehört sie an – der Morphologie oder der Syntax? Traditionell wird diese Kategorie aufgrund des „Flexionsfetischismus“ in der Morphologie beschrieben, weil die Kasus durch einen veränderlichen Wortteil, die Endung, angezeigt werden; die Bedeutungen und Funktionen ihrer Elemente sind jedoch syntaktischer Art. Dieses Problem wurde bereits Mitte des 20. Jahrhunderts von bedeutenden Fachleuten der allgemeinen Sprachwissenschaft erörtert, doch im Literaturverzeichnis finden sich weder R. Jakobsons noch J. Kurilowicz’ Arbeiten zu Kasusstudien. Dabei wäre es dennoch nützlich gewesen, sie kennenzulernen.
Jakobson untersuchte das Kasussystem des Russischen als morphologische Kategorie und übertrug zum ersten Mal das Prinzip privativischer Oppositionen aus der Phonologie auf die Morphologie; dabei erläuterte er die Begriffe des markierten und unmarkierten Oppositionsglieds. Bei der Bestimmung der Kasusoppositionen im Formensystem, also im Paradigma, klammerte er die Präpositionen aus (vertikale Analyse), während Kurilowicz umgekehrt den Kasus als syntaktische Kategorie untersuchte und auch die Präpositionen den Kasusformen zuordnete (horizontale Analyse). Das war die Debatte des Jahrhunderts (ausführlicher dazu Paulauskienė 1989: 24–146). Damals para-
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Die morphologische und syntaktische Analyse der Kasus war entgegengesetzt: Die paradigmatische Analyse schloss die Präposition aus, während die syntaktische die Präposition dem Kasus zuordnete.
Das Lettische und das Russische sowie teilweise auch das Litauische zeigen, dass beide Analyseverfahren miteinander kombiniert werden können und müssen. So steht der Lokativ in der morphologischen Kasusparadigmatik des Russischen nur mit einer Präposition und wird entsprechend предложный падеж ‚Präpositionalkasus‘ genannt. Wie aus den Verweisen der Grammatik hervorgeht, hat das lettische Instrumental wegen seines üblichen Gebrauchs mit Präpositionen erhebliche Diskussionen und sogar Zweifel an seiner festen Stellung im Kasussystem hervorgerufen; die Gründe für diese Zweifel sind folgende: 1) Die Singularendungen stimmen mit denen des Akkusativs überein, die Pluralendungen mit denen des Dativs; 2) er wird meist mit der Präposition ar gebraucht; 3) die analytische Form passe nicht in die Paradigmatik synthetischer Formen. Das stimmt nicht, sie passt ausgezeichnet hinein. Dass auch analytische Formen sich ausgezeichnet in die Paradigmatik synthetischer Formen einfügen, zeigen nicht nur der erwähnte russische Lokativ und der synonyme Gebrauch analytischer Konstruktionen neben synthetischen Kasusformen, sondern auch die analytischen Tempus- und Modusformen des Lettischen selbst, die zum Gesamtsystem der Verbformen gehören.
Bei der Lösung eines konkreten Problems einer konkreten Sprache muss man nicht nur die gesamte Grammatik dieser Sprache berücksichtigen, sondern auch mögliche grammatische Phänomene in anderen Sprachen und sich bemühen, sich so weit wie möglich in die allgemeine Grammatiktheorie zu vertiefen. Man sollte sich daran erinnern, dass es Sprachen gibt, in denen Präpositionalfügungen die Funktionen der Kasus übernehmen, während das Instrumental im Lettischen und Litauischen sowohl mit als auch ohne Präposition verwendet werden kann (Beispiele für den zweifachen Gebrauch des lettischen Instrumentals finden sich auch in dieser Grammatik, S. 353–354). Der litauische Instrumental wird in instrumentaler Bedeutung gewöhnlich allein gebraucht, kann aber auch mit einer Präposition stehen (rašyti pieštuku, aber auch mit pieštuku, pamoti ranka ir pamoti su ranka); völlig parallel dazu werden pamačiau žmogų ilgą barzdą // su ilga barzda; grįžau tuščiomis rankomis // su tuščiomis rankomis verwendet. In der Bedeutung der Begleitung steht der Instrumental nur mit einer Präposition: Pamariu pareina Eglė su vaikais (S. Nėris). Die Žemaiten würden vaikais vedina sagen.
Viele indoeuropäische Sprachen haben keinen Vokativ. Er ist verschwunden, weil er dem Nominativ gegenüberstand. Der Nominativ hatte als unmarkiertes Glied der Opposition eine breitere Bedeutung und konnte das markierte Glied ersetzen. Nach dem Gesetz der Sprachökonomie kann eine Form verschwinden, ihre Bedeutung bleibt jedoch erhalten. Nachdem der Vokativ verschwunden war, fiel die Anredefunktion dem Nominativ zu, zu dem der Vokativ in einer Oppositionsbeziehung gestanden hatte und mit dem er synonymisch gebraucht werden konnte; als er zum absoluten Synonym geworden war, verschwand er vollständig.
„Die traditionelle Indoeuropäistik behauptet, dass die indoeuropäische Ursprache acht Kasus hatte. Diese Kasus müssen natürlich nicht alle gleich alt gewesen sein. Besonders archaisch ist beispielsweise die Vokativform (sie besteht aus dem reinen Stamm), die noch aus der vorflexivischen Epoche ererbt sein kann“ (Zinkevičius 1980: 183).
Das Problem des Vokativs stellt sich nur in den Sprachen, in denen er eigene Formen hat. Dies ist auf theoretische Lücken und auf ein traditionelles Verständnis der Satzglieder zurückzuführen. Als man bemerkte, dass
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der Vokativ nicht wie die anderen Kasus als Satzglied fungiert, erklärte man, er sei überhaupt kein Kasus. Logisches Denken würde folgende Fragen aufwerfen: Wenn der Vokativ kein Kasus ist, was ist er dann? Wenn er kein Kasus ist, ist er vielleicht auch kein Substantiv?
Das Substantiv hat drei selbständige grammatische Kategorien: Genus, Numerus und Kasus. In einem System von Systemen gibt es keine vereinzelten Formen. Formen, die sich von ihren Paradigmen lösen, gehen gewöhnlich in andere Wortarten über. Substantivische Kasusformen, die Umstände ausdrücken, werden leicht zu Adverbien; die Kasusendung erstarrt, „beugt sich nicht“ mehr und wird zum Ableitungssuffix anderer Adverbien. Nachdem die postpositionalen Lokative aus dem Kasusparadigma ausgeschieden sind, lassen sich ihre Postpositionen in Adverbien wiederfinden: galop, vakarop, velniop; mažup, kalnup, lejup. Das ist keine Affigierung (vgl. S. 296), sondern ein formaler Überrest des postpositionalen Lokativs. Von Affigierung kann man nur in den Fällen sprechen, in denen dieser Überrest zur Bildung anderer Adverbien verwendet wird: kurp, šurp.
Das Lettische bietet genügend Beispiele, in denen sich der Vokativ vom Nominativ durch das Fehlen einer Endung unterscheidet: Kristīn, Valter, māt, cilvēk, dzejniek; Ilzīt, meitiņ. Im Litauischen haben die Vokativformen des Singulars von Substantiven Endungen, doch werden Kose- und Diminutivformen auch ohne Endung gebraucht: bernelį // bernel, mergele // mergel, broleli // brolel, sesute // sesut, mamyte // mamyte, während einige gewöhnlich nur ohne Endung verwendet werden: broliuk, vaikiuk, šuniuk. In der Umgangssprache kann man (ähnlich wie im Lettischen) auch brol, mam, tėt, marč. hören. Hier handelt es sich wahrscheinlich nicht um ein Erbe aus alter Zeit, sondern allenfalls um eine damit verbundene Verkürzungstendenz. Eine kürzer werdende Vokativform kann sogar ihre Bedeutung als Anrede einer Person verlieren und sich in eine Interjektion verwandeln: brol, brač, bra.
Man sollte auch daran denken, dass es nicht nur lexikalische, sondern auch grammatische Homonyme gibt. Deshalb haben Nominativ und Vokativ Plural im Lettischen und Litauischen dieselbe Form. Die Entstehung von Homoformen beruht darauf, dass sich die Anrede einer Gruppe von der Anrede einer einzelnen (meist nahestehenden) Person im Gespräch unterscheidet. Doch gibt es im Litauischen neben der pluralischen Anredeform vaikai auch die Anrede vaikai. In den südlichen litauischen Dialekten wurde auch bei den Vokativformen diminutivischer Substantive im Singular eine zusätzliche Akzentzurückziehung auf die erste Silbe gehört: brólali (brolėli), vaīkeli (vaikėli), sèsula (sesėlė).
Die Behauptungen der Grammatik (und nicht nur der lettischen Grammatik), der Vokativ werde nur aus Tradition als Kasus betrachtet, sind nicht ganz zutreffend, denn: 1) Er hat keine Endung; 2) er hat keine Kasusbedeutung; 3) er steht grammatisch nicht mit Satzgliedern in Verbindung und fungiert selbst nicht als Satzglied; 4) er wird als Synonym des Nominativs verwendet (S. 356).
Der Vokativ ist nicht mit einem einzelnen Satzglied, sondern mit dem gesamten Satz verbunden: Er hat eine Prädikatsform der zweiten Person und eine spezifische Satzintonation; sein synonymischer Gebrauch mit dem Nominativ ist eines der stärksten Argumente dafür, dass er zum Kasusparadigma gehört, denn Synonymie ist nur zwischen den Paradigmenmitgliedern möglich, zwischen denen eine Oppositionsbeziehung besteht.
Die Darstellung des Genus der Nomina in der rezensierten Grammatik ist verwirrend: „Die Genuskategorie ist eine nominale Kategorie. Im Lettischen umfasst sie Substantive, Adjektive-“
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„Substantive, flektierte Partizipien sowie teilweise auch Zahlwörter und Pronomen, doch am beständigsten und vollständigsten manifestiert sie sich in Substantiven“ (S. 327). Fast wörtlich übersetzt, ungeachtet des Stils des litauischen Textes, damit auch nicht im Geringsten vom Original abgewichen wird. Was bedeutet diese Aussage? Ist das Genus etwas Eigenständiges, das mehrere Wortarten umfassen kann, sich aber am beständigsten (!) nur in Substantiven manifestiert? Das ist kein Text einer wissenschaftlichen Grammatik, die knapp und präzise sein muss.
In der Einleitung hätte geschrieben werden müssen, dass nur das Substantiv eine eigenständige Genuskategorie besitzt und alle flektierbaren Wörter lediglich Genusmarker des Substantivs in ihrer Zusammensetzung haben. Hat das Substantiv keine Genusendungen, wird das Genus durch die flektierbaren Wörter angezeigt. Das Genus des Substantivs ist eine klassifikatorische Kategorie, das der flektierbaren Wörter eine flexivische: So viele Genera das Substantiv hat, so viele hat auch das Adjektiv.
Bei genauer Bestimmung des Unterschieds zwischen dem Genus des Substantivs und dem der flektierbaren Wörter wäre der Terminus gemeinsames Genus (kopdzimtes) überflüssig geworden. Auch die Exkurse in die historische Grammatik wären unnötig. Seit Langem ist bekannt, dass die Substantive im Lettischen und Litauischen nur zwei Genera haben und das sogenannte gemeinsame Genus nichts anderes ist als eine Form zur Bezeichnung von Personen beider Geschlechter. Den Geschlechtsunterschied zeigen die flektierbaren Wörter an. Außerdem ist der Gebrauch dieser Formen stilistisch konnotiert.
Unverständlich ist die Aussage, dass das Adjektiv keine konkrete Bedeutung habe, seine Bedeutung von der Situation und der Beziehung zu einem bestimmten Gegenstand, Lebewesen oder Phänomen abhänge (S. 370, 372). Es ist unklar, welche Bedeutung gemeint ist, denn beispielsweise kann schwarz sein: ein Tisch, ein Pferd, der Himmel; metaphorisch sagt man auch schwarze Trauer. Hängt die Bedeutung von Schwarz also davon ab, was das Substantiv bedeutet? Jeder Gegenstand hat verschiedene Merkmale, die in der Sprache durch flektierbare Wörter ausgedrückt werden. Das konkrete Merkmal, das durch ein Adjektiv ausgedrückt wird, ist die konkrete Bedeutung des Adjektivs.
Bei der Charakterisierung des Adjektivs als Wortart ist es vor allem wichtig zu verstehen, dass es mit dem Substantiv kongruiert und dass seine Formen nach Genus, Numerus und Kasus keine eigenständige Bedeutung haben, nicht von der Semantik des Adjektivs abhängen und lediglich zusätzliche morphologische Kennzeichen der entsprechenden Kategorien des Substantivs sind. Das Adjektiv hat jedoch auch eigene Kategorien, die von der Bedeutung des Stammes abhängen. Die traditionelle semantische Einteilung der Adjektive in qualitative und relationale Adjektive ist grammatisch begründet; unklar bleibt nur, warum dieser Bedeutungsunterschied der Adjektivstämme in der Gramatikoje so wenig hervorgehoben wird.
Die Autorin behauptet, dass sich die Intensität der durch qualitative Adjektive ausgedrückten Eigenschaften verändern kann, dass sie gesteigert werden und ihre Merkmalsintensität auch auf andere Weise ausgedrückt werden kann und dass für sie Antonymie und Synonymie charakteristisch sind (S. 372); die Antonymie qualitativer Adjektive ist deutlich ausgeprägt, doch die Synonymie unterscheidet sie nicht von anderen Wortarten.
In der Gramatikoje ist vielfach von flektierten und adjektivisch gebrauchten Partizipien die Rede, doch es ist unzutreffend zu behaupten, sie hätten ihre grammatische Genusbedeutung eingebüßt (S. 382). Diese Partizipien sind aus einfachen Verbformen mit unterschiedlichen Genus-Grammemsuffixen gebildet. Der Wortbildungsprozess beseitigt lediglich die prädikativen Kategorien Person, Modus und
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Tempus. Die Tempusstämme stehen vor der Endung der flektierten Bildung und können daher keine prädikative Tempusbedeutung mehr haben. Deshalb fungieren die Partizipien aller Tempora im Satz als kongruierende Attribute (ebenso wie Adjektive, die keine Tempusformen haben).
Da diese Partizipien mit unterschiedlichen Genus-Grammemsuffixen gebildet sind, ist ihre morphologische Genusbedeutung sehr deutlich: Partizipien des Aktivs drücken aus, dass die Eigenschaft des Gegenstands aus einer Handlung desselben Gegenstands (oder derselben Person) hervorgegangen ist (ziedošas iev̄as ‚blühende Traubenkirschen‘), während das Passiv ausdrückt, dass der Gegenstand die Eigenschaft von außen, durch einen anderen Handlungsträger, erhält (lasāmā grāmata ‚das zu lesende Buch‘).
Sehr überraschend ist die Aussage, die Form des Positivs (gradus pozitīvus) sei ausnahmslos allen Adjektiven eigen (S. 402). Wenn ein Wort nur eine einzige Gradform hat, ist ein solches Adjektiv nach dem Axiom der allgemeinen Sprachwissenschaft nicht steigerbar.
Im Lettischen gibt es (wie auch in anderen Sprachen) zahlreiche Adjektive, in der Regel Ableitungen, die eine Eigenschaft bezeichnen, die sich weder steigern noch auf andere Weise modifizieren lässt (sarkanbalts ‚rötlich weiß‘, gaišdzeltens ‚hellgelb‘, sapuv̄is ‚verfault‘, pussagruvis nams ‚halb verfallenes Haus‘, divgadīgs ‚zweijährig‘, žābakotas ‚mit Stiefeln bekleidete Beine‘ usw.). Charakteristisch ist, dass nicht nur in dieser, sondern auch in der lettischen Grammatik von 1959¹ die Bezeichnung des Ausmaßes einer Eigenschaft durch Steigerung (labs ‚gut‘ – labāks ‚besser‘ – vislabāks ‚am besten‘) nicht von der Bezeichnung des Ausmaßes und der Stärke einer Eigenschaft durch verschiedene andere Mittel, selbst durch den Kontext, unterschieden wird. Daher kann auch nicht von einer morphologischen Kategorie der Steigerung gesprochen werden.
Weiter ist von der Kategorie der Bestimmtheit / Unbestimmtheit (notektības / nenoteiktības) die Rede, die weder in der akademischen Grammatik der Mitte des 20. Jahrhunderts (1959: 434–456) noch in jener des 21. Jahrhunderts (S. 383–402) als grammatische morphologische Kategorie verständlich ist. In der letzteren gibt es einen kleinen Fortschritt, denn unter Berufung auf Endzelīns wird der Wortbildungszusammenhang dieser Formen aufgezeigt: Formen mit bestimmtem Endungsmorphem (ar noteikto galotni) seien Bildungen aus Formen ohne diese Endung (ar nenoteikto galotni) und würden unterschiedlich flektiert. Das entspricht ungefähr dem Gegensatz zwischen pronominalen und nichtpronominalen Adjektiven im Litauischen. Endzelīns interessierte sich als Spezialist für historische Grammatik stärker für die Formen: für ihre Herkunft und Geschichte; über die Besonderheiten grammatischer Kategorien dachte man damals noch nicht nach. Heute muss geklärt werden, was diese Kategorie der Bestimmtheit / Unbestimmtheit genau ist, ob sie allen Adjektiven eigen ist und warum Formen mit „erweiterter Endung“ (ar paplašināto galotni) ebenso wie Formen ohne sie in derselben Bedeutung verwendet werden.
Bevor die Flexion und die grammatischen Kategorien der Zahlwörter beschrieben werden, muss zunächst zwischen Grundzahlwörtern (pamata skaitļa vārdus) und Ordnungszahlwörtern (kārtas skaitļa vārdus) unterschieden werden. Ordnungszahlwörter sind flektierbare Wörter. Daher werden sie wie Adjektive flektiert (nach Genus, Numerus und Kasus). Hier wäre zu erläutern, was bewirkt, dass Bildungen mit den regelmäßigen grammatischen Eigenschaften von Adjektiven dennoch zur Klasse der Zahlwörter gehören. Schließlich gibt es bereits Grammatiken, die solche Zahlwörter der Klasse der Adjektive zuordnen. Es gibt Gründe, sie als Zahlwörter zu betrachten, aber auch Gründe, sie zuzu-
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sie den Adjektiven zuzuordnen. In der Klasse der Zahlwörter werden sie aufgrund dessen geführt, dass der Stamm eine genaue Stelle eines Gegenstands in einer Reihenfolge bezeichnet und spezifische Suffixe aufweist; den Adjektiven hingegen stehen sie aufgrund ihrer Flexion und ihrer Funktionen im Satz nahe.
Kardinalzahlen haben nur eine gemeinsame grammatische Eigenschaft – sie werden nicht nach Numerus flektiert. Numerusendungen bedeuten nicht, dass sie flektierbar wären. Wenn eine Kardinalzahl über Formen für beide Numeri verfügt, ist der Plural bereits kein Zahlwort mehr. Z. B.: Tu varēsi gulēt tūkstošus gadu un pat ilgāk (S. 420) – Tu galēsi miegoti tūkstančius metų ir dar ilgiau. Hier bezeichnet der Plural tūkstančius keine genaue Anzahl von Jahren, sondern eine große Menge davon. Das Wort vienas hat sowohl im Litauischen als auch im Lettischen nicht nur die Bedeutung eines Zahlworts, sondern auch die eines Adjektivs und eines Pronomens. Vgl. Es tālāk iešu viena – Aš toliau eisiu viena (Adjektiv: viena, ohne dich, ohne euch). Papes ezers – vieniem par dziļu, citiem par seklu – der Papė-See – vieniems zu tief, kitiem zu flach. Es geht hier nicht um eine Zählung, sondern um den Gegensatz zwischen Personen. Daher ist vieniems hier kein Zahlwort, sondern ein Pronomen, da es in einer oppositionellen Beziehung zum Pronomen kitiems steht. Wenn bereits festgestellt wird, dass Zahlwörter eine Numeruskategorie aufweisen, muss diese auch grammatisch beschrieben werden. Zum Beispiel sind in dem Satz Tūkstantis po vieneto turi tris nulius die hervorgehobenen Wörter keine Zahlwörter, sondern Substantive, die zählbare Gegenstände bezeichnen; deshalb werden sie auch nach Numerus flektiert. Die Numerusform der Wörter šimtas, tūkstantis, milijonas, milijardas drückt nur der Singular aus; der Plural eignet sich nicht zum Zählen, da er eine unbestimmte Bedeutung hat. Der Plural zum Zählen ist nur bei Kardinalzahlen nötig, die eine genaue Menge bezeichnen: Gavau tris, keturis šimtus, tris tūkstančius litų, latų, eurų...
Von Regeln gibt es immer Ausnahmen, und diese müssen erklärt werden. Zum Beispiel sagen die Letten: Jāstrādā līdz vieniem, die Litauer dagegen: Reikia dirbti iki pirmos (valandos). Ein noch interessanterer Fall: Koncerts beidzās pulksten divdesmit vienos. Im lettischen Satz genügt zur Angabe einer genauen Uhrzeit der Lokativ des zusammengesetzten Zahlworts divdesmit vienos nicht; zusätzlich muss die Präposition pulksten (von pulkstenis „Uhr“) hinzutreten. Ins Litauische wird es so übersetzt: Koncertas baigėsi dvidešimt pirmą (valandą). Die besonderen (ausnahmsweisen) Verwendungsfälle beweisen nicht, dass Zahlwörter nach Numerus flektiert werden.
Bei der Erörterung der Morphemik wurde bereits auch die Besonderheit des Pronomens als Wortart angesprochen. Hier kann man nur bedauern, dass die deiktischen Funktionen des Pronomens – Deixis und Anapher – nicht erklärt werden. Es wird erwähnt, dass Pronomen für deiktische Wörter typische Bedeutungen haben, aber was folgt daraus? (S. 429). Der Terminus anafora fehlt ganz. Wenn man ausdrücklich nach der Anapher suchen möchte, kann man sie wahrscheinlich aus Paragraph 836 erschließen; dabei ist sie sowohl für die Syntax als auch für die Textlinguistik sehr bedeutsam. Aufgrund der Anapher werden Pronomen zu Verknüpfungswörtern: Sie verbinden Textteile und Nebensätze mit Hauptsätzen.
Um das Wesen des Pronomens als Wortart zu erfassen, reicht das Studium der lettischen Sprache allein jedoch nicht aus. Es fehlt vieles, was sich aus den Arbeiten zur allgemeinen Sprachwissenschaft von E. Benveniste, J. Kurylowicz und J. Stepanov sowie konkret aus A. Rosins Studie zu den Pronomen der baltischen Sprachen Baltų kalbų įvardžiai (Rosinas 1988) gewinnen lässt. Seine Arbeit untersucht umfassend
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nicht nur die litauischen, sondern auch die lettischen und prußischen Pronomen und verweist auf umfangreiche, für die Erforschung der Pronomen relevante Literatur.
Das Verb zeichnet sich durch eine Vielfalt an Formen aus. Daher ist es unmöglich, eine Definition des Verbs zu formulieren, wenn man sich ausschließlich an grammatischen Formen orientiert. Ich halte es für das Verdienst von Andra Kalnača, dass sie den Gegensatz des Verbs zu den anderen Wortarten erkannt hat. Der eigentliche Gegensatz besteht jedoch nur zum Substantiv, das einen Gegenstand oder das als Gegenstand Gedachte bezeichnet; Verb und Adjektiv hingegen bezeichnen ein Merkmal eines Gegenstands: das Adjektiv ein attributives, das Verb ein prädikatives Merkmal. Eine zweite Funktion der Wörter, die attributive Merkmale bezeichnen (Adjektive und Partizipien), besteht darin, zusammen mit einer Kopula ein zusammengesetztes Prädikat zu bilden. Prädikative Kategorien werden durch Kopulaformen ausgedrückt. Nominative von Partizipien, die von Verben mit aktiver Handlung abgeleitet sind, gewinnen in Prädikatsstellung mit einem Hilfsverb die im Wortbildungsprozess verlorenen prädikativen Kategorien zurück und gliedern sich zusammen mit ihm als analytische Formen in das gemeinsame Konjugationssystem ein. Nicht gezählt, aber vermutlich häufiger als sämtliche Kasusformen der als Adjektive gebrauchten Partizipien, sind die Nominative, die in analytische Verbformen eingehen.
Kalnača ist die Beschreibung des Systems der Tempora und Modi der Verben ausgezeichnet gelungen. Die Stärke der Darstellung beruht auf der Forschungsarbeit, die die Autorin bereits geleistet hat. Das Thema ihrer Dissertation lautete „Das funktionale System der Tempusformen des lettischen Verbs“ (Darbības vārda laika formu funkcionālā sistēma latviešu valodā).
Einige subjektive Beobachtungen zur Definition des Verbs möchte ich vorbringen. Um das Verb als Wortart mit all seinen Formen zu definieren, muss man sich allein auf den gemeinsamen Stamm der verschiedenen Verbformen stützen und die von ihm ausgedrückte Transitivität, den Aspekt und die Reflexivität als grammatische Kategorien auffassen. Daran ist nichts Ungewöhnliches: Diese binären Kategorien haben eine grammatische Form (Satzmuster, Wortbildungsformanten und bilden grammatische Oppositionen). Als grammatisch sollte man die Fähigkeit aller Formen anerkennen, Kasus zu regieren und Präverben bei sich zu haben.
In der Gramatika gilt der Aspekt nicht als grammatische, sondern als semantische Kategorie der Präfixableitung. Dafür gibt es mehrere Gründe: 1) die Trennung der präfigierenden Verbwortbildung von der Morphologie; 2) im Lettischen gibt es kein Präteritum frequentativum, dessen Entstehung sich, wie auch im Litauischen, nur unter Bezugnahme auf den Aspekt erklären ließe (Paulauskienė 1994: 326–332); 3) im von der Morphologie getrennten Kapitel zur Wortbildung wurde die modifizierende Funktion der Präfixe nicht herausgearbeitet; diese Funktion ermöglicht es, das Präfix und das Derivat hinsichtlich ihrer lexikalischen Bedeutung miteinander zu vergleichen und ein solches Paar als Formen ein und derselben Handlung mit unterschiedlichen Aspekten aufzufassen (Endzelīns, der von einer Gemeinsamkeit der Präfixe und Präpositionen ausging, und Velta Staltmane ist dies besser gelungen. Damit meine ich den ersten Teil von Endzelīns’ Werk Латышские предлоги aus dem Jahr 1906 sowie Staltmanes Dissertation); 3) vermutlich auch das mangelnde Verständnis der akademischen Grammatiken des Litauischen dafür, dass durch Wortbildungsmittel jene Unterschiede der Handlung ausgedrückt werden können, die in anderen Sprachen durch Tempusstämme ausgedrückt werden. Nach den Erkenntnissen der allgemeinen Sprachwissenschaft können Wortbildungsmittel Flexionsfunktionen übernehmen; dafür müssen jedoch entsprechende Kontextbedingungen vorliegen.
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Der Infinitiv (nenoteiksme, Infinityv) verfügt nur über die für den Verbstamm charakteristischen Kategorien (Transitivität, Aspekt, Reflexivität), nicht aber über die prädikativen Kategorien Modus, Tempus und Person. Daher ist sein Gebrauch vielfältig (S. 461). Aufgrund seiner nominalen Herkunft sind für den Infinitiv syntaktische Positionen des Substantivs typischer: Im Satz kann er Subjekt, Objekt, präpositionales Attribut oder Adverbialbestimmung sein. Als Prädikat tritt der Infinitiv gewöhnlich zusammen mit Modalverben auf. Kalnača führt allerdings Sätze mit Infinitiv ohne Modalverben an, z. B.: Kā viņa zināja, kur mēs meklēt? – Wie wusste sie, wo wir suchen sollten? Wenigstens einmal im Leben sehen Spanien! – Wenigstens einmal im Leben sehen Spanien! (S. 461–462). In all Fällen des alleinigen Gebrauchs eines Infinitivs sind jedoch auch ausgelassene und potenziell mögliche Modalverben mitzudenken: Wie wusste sie, wo wir (suchen müssen) sollten? Wenigstens einmal im Leben (könnte ich, wäre es möglich) Spanien sehen!
Es ist richtig festgestellt, dass Modalverben zusammen mit dem Infinitiv als Prädikat verwendet werden, und im Anschluss an diese Aussage wird eine sehr ausführliche Analyse der Semantik der Modalverben vorgenommen (S. 468). Noch besser wäre es jedoch, wenn diese Modalverben nicht nach den Hilfsverben und Kopulae, sondern zusammen mit dem Infinitiv beschrieben würden. Dann träte die grammatische Funktion des Infinitivs deutlicher hervor. Vielleicht wäre die Autorin zu dem Schluss gelangt, dass der Infinitiv nur zusammen mit tatsächlichen oder potenziellen Modalverben als Prädikat auftreten kann.
Bei der Erörterung der prädikativen Kategorien hätte Kalnača gemeinsam mit Ilze Lokmane weiter nachdenken sollen, denn Modalität, Person und Tempus sind Kategorien nicht des Verbs, sondern des Satzes. Da das Verb der hauptsächliche Ausdruck des Prädikats ist, nimmt man an, dass diese Kategorien der Prädikation lediglich mit ihm zusammengefallen sind und in ihm besondere morphologische Ausdrucksformen erhalten haben. Auf diese Weise erscheint das Verhältnis der Äußerung zur Wirklichkeit in der Morphologie als Moduskategorie, das Verhältnis der Handlung zur Person als Personenkategorie und das Verhältnis zum Sprechzeitpunkt oder zu einem anderen zeitlichen Bezugspunkt als Tempuskategorie (Literatur siehe Paulauskienė 1979: 129–130).
Im Syntaxkapitel von Lokmane finden sich die Begriffe syntaktisches Tempus, syntaktische Modalität und syntaktische Person (S. 708). Hier bedarf es jedoch einer ausführlicheren Erklärung. Die Grammatik ist umfangreich, doch der Untersuchungsgegenstand ist noch umfassender. Und durchgehend entsteht der Eindruck, dass der grammatische Gedanke in diesem kaum noch zu bewältigenden Band beengt ist.
In dieser Grammatik gibt es zahlreiche sogenannte lexikalisch-grammatische Kategorien. Dies ist ein Erbe der umfangreichen internationalen Literatur (insbesondere der russischen), in der nicht ganz richtig verstanden wurde, was Grammatik ist. Die lexikalisch-grammatischen Kategorien sind das Ergebnis des bereits erwähnten „Flexionsfetischismus“. Auch die Verbdiathese wird in der Grammatik den lexikalisch-grammatischen Kategorien zugerechnet, weil die Opposition Aktiv / Passiv nicht durch die Endungen der baltischen Verben ausgedrückt wird. Diese Opposition entsteht dadurch, dass analytische Verbformen mit Partizipien des Passivs in das gemeinsame Konjugationssystem aufgenommen werden. Die Bildung von Partizipien des Passivs hängt von der Transitivität des Verbs ab; diese wiederum gilt traditionell als lexikalische Bedeutung des Verbstamms, wenn man ihre syntaktische grammatische Form (das Satzmodell) außer Acht lässt oder die Syntax nicht mit der
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Morphologie in Verbindung bringt. Daher erscheint die Diathese als lexikalisch-grammatische Kategorie.
Kann man reflexive Verben allein deshalb, weil sie mehrdeutig sind (wie Axel Holvoet sowie die Autorinnen dieses Kapitels, A. Kalnača und I. Lokmane, meinten), als drittes Glied der Diathesekategorie betrachten (S. 502)? Um dies zu beweisen, müsste man die invariante Bedeutung des Paradigmas und die differenzierenden Merkmale seiner Glieder bestimmen (das ist nun einmal das Einmaleins der allgemeinen Grammatiktheorie). Das Medium des Altgriechischen ist nichts anderes als das Ergebnis der Neutralisierung der Opposition von Aktiv und Passiv: Es besitzt eine eigene morphologische Form, hat aber Merkmale sowohl des Aktivs als auch des Passivs bewahrt. „[...] die Behauptung, dass reflexive Verben der baltischen Sprachen das indogermanische Medium vertreten, entstand zu einer Zeit, als sich in der Sprachwissenschaft die sogenannte junggrammatische Schule durchgesetzt hatte“ (Kaukienė 2006: 4). Dennoch ist es gut, dass man sich entschieden und in der Grammatik eine zweigliedrige Diathesekategorie beibehalten hat.
In den Grammatiken des Litauischen wurden reflexive Verben als dritte Diathese aufgeführt. Im Laufe der Zeit setzte sich jedoch die Erkenntnis durch, dass sie keine dritte Diathese bilden. Diese Entwicklung grammatischen Denkens zeigt sich auch in den Grammatiken eines einzigen Autors, Jonas Jablonskis: 1901 vertrat er die Auffassung, dass Verben nach Diathesen flektiert werden und es drei davon gebe: Aktiv, Reflexiv (reflexive Verben) und Passiv. Doch schon in der Grammatik von 1922 zeigt sich eine ganz andere gedankliche Reife: Es war bereits erkannt worden, dass die sogenannte reflexive Diathese im Litauischen tatsächlich zum Aktiv gehört und dass litauische Verben nicht nach Diathesen flektiert werden (Jablonskis 1957: 107–108; 296–297).
In den baltischen und slawischen Sprachen, die kein Medium besitzen, schließen sich reflexive Verben dem Aktiv an, weisen aber auch Merkmale des Passivs auf. Bei der Untersuchung der litauischen Übersetzung von Platons Dialogen mit Studierenden (übersetzt von Merkelis Račkauskas) zeigte sich deutlich, dass bei der Übersetzung des griechischen Aktiv-Mediums ins Litauische reflexive Verben verwendet werden, beim Passiv-Medium dagegen Formen mit Passivpartizipien. Die reflexiven Verben des Lettischen ähneln in dieser Hinsicht eher den russischen als den litauischen; sie entsprechen ebenfalls einem Teil des passivischen Mediums. Doch auch in diesem Fall bilden sie keine dritte Diathese; lediglich ein Teil der reflexiven Verben schließt sich dem Passiv an: Cilvēka vārds rakstās ar lielo burtu (Имя человека пишется с большой буквы) – Der Name eines Menschen wird geschrieben mit großem Anfangsbuchstaben; Šie diski pārdodas ar lielo burtu (Эти диски продаются в упаковке) – Diese CDs werden verkauft verpackt. Auch im Litauischen kommen reflexive Verben mit passivischer Bedeutung vor, doch gilt dies als Fehler und wird korrigiert. Korrekt ist nur die intransitive Bedeutung reflexiver Verben, die der Bedeutung des Passivs nahekommt (die Tür öffnete sich, das Kleidungsstück verschliss, die Kartoffeln verkochten, der Boden laugte aus).
Ich wiederhole: Beim Lesen dieser umfangreichen Grammatik drängt sich immer wieder die Frage auf, ob es nicht besser gewesen wäre, sie in zwei Bänden herauszugeben. Schließlich ist hier kein Raum für eine konkrete Untersuchung (besonders im Kapitel zur Wortbildung). Dort ist reflexiven Verben nur etwas mehr als eine halbe Seite gewidmet.
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Arbeiten zu den Verben (S. 291). Kann man so tatsächlich die derivationale Rolle des Reflexivaffixes und den Platz seiner Derivate innerhalb der Verbklasse aufzeigen?
Der auf S. 513 auftretende Begriff der indirekten Bedeutung reflexiver Verben und die semantische Klassifikation reflexiver Verben führen uns über die Untersuchungen zu reflexiven Verben des Lettischen und Litauischen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, bis zu Viktor Poržežinskis Studie über reflexive Verben im Litauischen und Lettischen (B. K. Поржезинский. Возвратная форма глаголов въ литовскомъ и латышскомъ языкахъ. Москва, 1903). Sein Modell zur Beschreibung der Reflexiva in den baltischen Sprachen prägte sowohl die lettischen als auch die litauischen Grammatiken. In der akademischen lettischen Grammatik von 1959 finden wir auch einen Hinweis auf den Zusammenhang mit dem Genus, zudem finden wir die Bedeutungen direkter und indirekter reflexiver Verben sowie ihre semantische Klassifikation, die die derivationale Rolle des Reflexivaffixes nicht herausstellt (S. 554–564).
Den ersten Versuch in der litauischen Linguistik, die Rolle des Reflexivaffixes und das Verhältnis reflexiver Verben zu einfachen intransitiven Verben zu untersuchen, deren Klasse sie ergänzen, indem das Affix die Handlung auf den Bereich des Subjekts beschränkt, finden wir in der Dissertation von Audronė Jakulienė (damals Kandidatin der Wissenschaften).
Die Idee dazu entstand, als Petronėlė Bernadišienė mehrere Aufsätze über reflexive Verben des Litauischen in wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte und 1961 ihre Dissertation Sangrąžinių veiksmažodžių reikšmė ir vartosena dabartinėje lietuvių literatūrinėje kalboje verteidigte. (Auf Grundlage dieser Dissertation wurde auch das Kapitel über reflexive Verben in der dreibändigen Lietuvių kalbos gramatikos verfasst.) Jakulienė nahm unter der Leitung von Jonas Kazlauskas das Studium der Geschichte der Verben in den baltischen Sprachen auf, veröffentlichte Aufsätze in wissenschaftlichen Publikationen und verteidigte 1969 ihre Dissertation Lietuvių ir kitų baltų kalbų sangrąžinių veiksmažodžių istorija. Der zweite Band der Lietuvių kalbos gramatikos erschien 1971, doch darin konnte man die Ergebnisse von Jakulienės Forschungen schlicht nicht berücksichtigen, weil die Zeit dafür nicht gereicht hatte. Daher findet sich dort die von Bernadišienė erarbeitete Klassifikation reflexiver Verben, die derjenigen in der akademischen lettischen Grammatik von 1959 sehr ähnlich ist. Somit dürften die Beschreibungen reflexiver Verben in den akademischen Grammatiken des Lettischen und Litauischen ein gemeinsames Analysevorbild gehabt haben.
Obwohl reflexive Verben des Litauischen auch von anderen Autoren untersucht wurden, hat Jakulienės grundlegende Arbeit fast ein halbes Jahrhundert lang nicht an Wert verloren. Nachdem sie den Jonas-Kazlauskas-Preis erhalten hatte, erkannte Audronė, inzwischen nicht mehr Jakulienė, sondern Kaukienė, dass sie einst eine einzigartige Arbeit geleistet hatte, die, etwas überarbeitet, auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts veröffentlicht werden konnte. So erschien 2006 Audronė Kaukienės Monografie Sangrąžinių veiksmažodžių istorija, mit der sich alle vertraut machen sollten, die über reflexive Verben in den baltischen Sprachen schreiben.
Die Geschichte der Grammatikforschung zeigt, dass das Adverb aus folgenden Gründen am schwierigsten zu beschreiben ist: 1) Alle Wörter dieser Klasse sind Ableitungen; 2) die Wortbildungsmethoden sind äußerst vielfältig: Nur ein kleiner Teil der Adverbien wird durch Affigierung gebildet, während alle übrigen durch Adverbialisierung verschiedener Wortarten
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und syntaktischer Konstruktionen entstehen; neben adverbialisierten Kasusformen und grammatischen Verbformen werden in derselben Bedeutung auch die entsprechenden nicht adverbialisierten Formen verwendet. Am besten gelungen sind Gunta Smiltniece die beiden Teile des Adverbkapitels: 1) der Abschnitt, in dem die Beziehung des Adverbs zu anderen Wortarten bestimmt wird (S. 596–601), und 2) die Klassifikation der Adverbien nach ihrer Bedeutung (S. 606–617). In der Definition selbst (S. 595) wird das Adverb mit dem Adjektiv verglichen; unter Bezugnahme auf Emīlija Soidas Studie von 1969 heißt es, die Bedeutung des Adverbs sei umfassender und vielfältiger als die des Adjektivs. Nicht die Breite und Vielfalt der Bedeutung unterscheidet das Adverb vom Adjektiv, sondern seine endungslose Form, die es ermöglicht, es sowohl an konjugierbare als auch an deklinierbare Wörter anzulehnen: Das Adjektiv kongruiert, das Adverb wird angelehnt – zwei unterschiedliche syntaktische Beziehungen.
Das Adverb verfügt über keine eigenen grammatischen Kategorien, die die gesamte Vielfalt seiner Formen umfassen. Die Bedeutungen und Formen der Steigerung hängen von der Wortbildungsgrundlage ab; sogar das Suffix richtet sich nach den entsprechenden Adjektivstämmen: labs ‚gut‘ (labi ‚gut‘) – labāks ‚besser‘ (labāk ‚besser‘) – vislabākais ‚der beste‘ (vislabāk ‚am besten‘). Die Zuweisung der Steigerung zum Adverb ist jedoch ein traditioneller Fehler vieler Grammatiken. Wäre eine paradigmatische Analyse der drei Steigerungsstufen bei steigerbaren Adjektiven vorgenommen worden, ließe sich kaum von einer morphologischen Steigerungskategorie des Adverbs sprechen; man hätte erkannt, dass die auf S. 604–605 angeführten Beispiele für den Ausdruck von Eigenschaftsqualität und -quantität nicht zur morphologischen Steigerungskategorie gehören, sondern zur intensivierenden Reduplikation, zur Wortbildung und zum Lexikon (dziļdziļi jūrā, dienu dienā, labi ilgi, stipri drėgni, mazliet par agru).
Bei der Steigerung des Adverbs ist wiederum ein umfassenderer grammatischer Blick erforderlich: Man muss erkennen, dass das Adverb ein Merkmal eines Merkmals bezeichnet und dass Wörter, die Merkmale bezeichnen, sowohl konjugiert als auch dekliniert werden. Daher muss das Adverb, das an Wörter angelehnt wird, die ein Merkmal bezeichnen, unveränderlich sein. Und genau das ist allen Adverbien gemeinsam, ihr grammatisches Unterscheidungsmerkmal. In der linguistischen Literatur ist das anschauliche Bild haften geblieben, das Adverb sei eine „Müllgrube“, in die die Überreste selbstständiger Wortarten hineingefallen seien. Das ist natürlich eine Aussage, die sich für eine ernsthafte Grammatik nicht eignet; anschaulich zeigt sie jedoch, wie schwierig es ist, die allgemeine Bedeutung dieser Wortart und die davon abhängige Form zu bestimmen.
Die Syntax der Grammatik unterscheidet sich auf bestmögliche Weise von der Syntax von 1962 (Autorinnen: Ilzė Lokmane, Daina Nītina, Baiba Valkovska, Linda Lauze). Hier gliedert sie sich in zwei Teile: 1) die traditionelle Syntax, die sich in vielen Grammatiken findet, und 2) die Textsyntax, die völlig neu verfasst wurde. Der Begriff des Textes ist sehr weit gefasst: Er umfasst die Gesamtheit sprachlicher Ausdrucksformen – sowohl Schriftliches als auch gesprochene Sprache. Diesen Teil der Syntax ohne entsprechende Fachkompetenz zu beurteilen, wäre schlicht unethisch. Daher wird die Rezension nur auf das eingehen, was auch ohne spezielle Studien erkennbar ist.
Die Situation eines Dialogs oder einer Erzählung ermöglicht es, den Satz auf vielfältige Weise zu verändern; manchmal genügt es, eine Frage mit einem einzigen Partikel zu beantworten, und verschiedene Wörter können den ganzen Satz ersetzen, die je nach
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Ihre Struktur aus dem Kontext herauszulösen – sie sind nicht einmal Sätze: Das Satzmodell ist im Bewusstsein von Sprecher und Hörer verankert und wird aus dem gesamten Text erschlossen. Die syntaktischen Strukturen der gesprochenen Sprache zu beschreiben, ist eine notwendige, aber sehr schwierige Aufgabe. Daher ist es zu begrüßen, dass sie in Angriff genommen wird.
Vielleicht ist dies nur eine Kleinigkeit, doch auf den ersten Blick scheint der Plan der „Textsyntax“ (8) nicht auf einer einheitlichen Grundlage erstellt worden zu sein: 8.1. – Begriff des Textes und seine allgemeine Charakterisierung; 8.2. – Reduktion, ihre Arten und Ausdrucksformen; 8.3. – Parzellierung als Verfahren der Textgestaltung; 8.4. – Syntax der gesprochenen Sprache. Natürlich werden in diesen Unterkapiteln unterschiedliche Gegenstände behandelt, aber Reduktion und Parzellierung sind stilistische Mittel, die auch für die gesprochene Sprache charakteristisch sind. Daher scheint es, als hätte man für alle Unterkapitel eine allgemeinere Grundlage suchen sollen. Vielleicht hätte man dann das ganze Kapitel in zwei Unterkapitel gliedern können – von Daina Nītina und Linda Lauze. Das ist jedoch nicht der entscheidende Punkt. Wichtig ist, dass diese Grammatik sowohl die aktuelle Gliederung als auch viele andere Themen behandelt, die in der Grammatik von 1962 nicht zu finden sind.
Die allgemeine Definition der Syntax und die Beschreibungen der formalen und semantischen Strukturen des einfachen Satzes stammen von I. Lokmane; die Analyse der kommunikativen Struktur des einfachen Satzes ist eine Gemeinschaftsarbeit von Baiba Valkovska und I. Lokmane. Autorin der erweiterten Strukturen des einfachen und des zusammengesetzten Satzes sowie der Beschreibung des zusammengesetzten Satzes ist Daina Nītina.
Am nächsten an der Morphologie ist der einfache Satz, und hier lässt sich bereits einiges sagen. Die traditionelle Grammatik konnte den einfachen Satz von der Antike an, vielleicht sogar bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, nicht vom logischen Urteil unterscheiden. Schon die grammatischen Termini zeigen, dass der Hauptbestandteil des Satzes das Subjekt (priekšmets) ist, also das Subjekt, ein Gegenstand, ein Handelnder, während das Prädikat (izteicējs) aussagt, wer oder was das Subjekt ist, wie es beschaffen ist, was es tut und was mit ihm geschieht.
Eine solche Charakterisierung des Satzkerns ist nicht aus der Luft gegriffen. Sie hängt mit der menschlichen Wahrnehmung der Welt, mit dem Denken und mit den Ergebnissen der morphologischen Forschung (dem Inhalt grammatischer Kategorien) zusammen. In der Morphologie bezeichnet nur das Substantiv etwas Selbstständiges; all seine grammatischen Kategorien, die sich leichter oder schwieriger aus der Wirklichkeitswahrnehmung erklären lassen, sind inhaltstragend und unterscheiden sich von den entsprechenden Kategorien kongruierender Wörter. Ein Tisch beispielsweise ist ein Gegenstand. Er kann verschiedene Formen, Größen und Farben haben; Tische lassen sich zählen, während seine Eigenschaften unselbstständig und untrennbar sind, da sie dem Gegenstand zugehören. Daher zeigen Wörter, die Eigenschaften ausdrücken, durch ihre Formen für Genus, Numerus und Kasus diese Unselbstständigkeit an. Auch die Prädikatsformen zeigen, dass es die Merkmale des Subjekts bezeichnet.
Im Laufe der Zeit entdeckte die Grammatik jedoch einen Weg, den Satz als etwas vom logischen Urteil Getrenntes darzustellen. Die Trennung des Satzes vom logischen Urteil gelang, als man auf die Idee kam, an seine wichtigste Stelle (ins Zentrum) das Unselbstständige zu setzen, das Ergänzungen und Argumente erfordert. Diese Idee entstand bei der Erforschung von Sprachen, die fast keine Endungen haben. Man erkannte, dass das, was durch Flexion ausgedrückt wird, häufig durch die Stellung des Wortes im Satz wiedergegeben wird und dass das Unselbstständige sowohl die Wortgruppe als auch den Satz formt. So verlangt etwa labs ‚gut‘ eine Präzisierung: wer ist gut? Nach der Präzisierung zu labs cilvēks ‚ein guter Mensch‘ ergibt sich eine Wortgruppe
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mit einem attributiven Merkmal des Gegenstands. Ebenso wird eine Wortgruppe mit possessiver Bedeutung gebildet: brāla ‘brolio’ kas brolio? – brāla cepure ‘brolio kepurė’.
Das Prädikat wurde zum Zentrum, zum Kopf der syntaktischen Relationen des einfachen Satzes und zu dessen Kern, weil die Präzisierung eines prädikativen Merkmals mehr Argumente erfordert und den ganzen Satz formt. Der Ausdruck dieses Zentrums ist das Verb mit all seinen Begleitern und einer bestimmten Menge von Argumenten, die im Satz durch konkrete lexikalische Einheiten realisiert werden (Balkevičius 1998: 18). Da Syntax universell ist, eignete sich diese Trennung des Satzes vom logischen Urteil auch für die Erforschung flektierender Sprachen. Zugleich schuf sie aber die Voraussetzungen dafür, sich von der Morphologie zu entfernen und ihren Zusammenhang mit der Syntax ganz aus dem Blick zu verlieren. Für die Syntaxforscher flektierender Sprachen wurde die Morphologie bedeutungslos; sie bemerkten schließlich nicht einmal mehr, dass gerade die Endungen, die die syntaktischen Funktionen der Wortformen anzeigen, den Satz in diesen Sprachen frei und flexibel machen und dass ein Wort nicht an eine bestimmte syntaktische Position „festgenagelt“ werden muss.
Vom alten logischen Verständnis des zweiteiligen Satzes sind folgende Beobachtungen übrig geblieben: 1. Das Subjekt ist das erste Argument des Prädikats; 2. Zwischen Subjekt und Prädikat besteht eine wechselseitige Beziehung (denn in flektierenden Sprachen lässt sich die Kongruenz des Prädikats mit dem Subjekt nicht übersehen); 3. Man neigt dazu, das unpersönliche Minimalmodell des Satzes in ein zweiteiliges umzuwandeln: Līst // Lietus līst – Lˈyja // Lietus lyja und bildet sogar solche Aktiv- und Passivsätze: Lietus sulijo šieną – Šienas lietaus sulytas; 4. Die Annahme, dass ein eingliedriger Satz, der allein durch ein Substantiv ausgedrückt wird, semantisch einem zweiteiligen Satz mit potenziellen Verben gleichwertig ist: Lietus. Sniegs. Vējš. Pērkons. Krusa. Visapkārt klusums. Karšta vasaros pėcpusdiena – Lietus. Sniegas. Vėjas. Perkūnija. Kruša. Aplink tylu. Karšta vasaros popietė (S. 715, vgl. S. 734).
Die Tatsache, dass einteilige Sätze, die sowohl durch unpersönliche Verben als auch durch Nominative verschiedener Substantive ausgedrückt werden, in gewöhnliche zweiteilige Sätze umgewandelt werden können, zeigt, dass die Prädikation tiefer im Satz liegen müsste, als man sich dies derzeit vorstellt. Denn die Verbkategorien – Modus, Tempus und Person – sind nicht Kategorien des Verbs, sondern des Satzes; nur werden sie in flektierenden Sprachen durch Verbformen ausgedrückt.
Eine Rezension erlaubt es nicht, auf diese Fragen näher einzugehen. Festzuhalten ist jedoch, dass die Struktur des einfachen Satzes in der Grammatik hervorragend und unter verschiedenen Gesichtspunkten untersucht wird – formal, semantisch und kommunikativ. Bei der Beschreibung des einfachen Satzes werden seine Modelle herausgearbeitet und in ihrer Gesamtheit als eine bestimmte syntaktische Paradigma dargestellt. In der Grammatik von 1962 gab es keine Textsyntax. Die Texteinheiten wurden darin als einfache Sätze beschrieben. In der neuen Grammatik umfasst die Klassifikation der Texteinheiten verschiedene Transformationen, die ihrer Struktur nach nicht einmal Sätze sind (zum Beispiel Interjektionen, Partikeln, Substantive im Nominativ und Infinitive). Das ist neu im Vergleich zur lettischen Grammatik von 1962, doch in der Litauistik würde ich es nicht als Neuerung bezeichnen.
Da es in der Belletristik auch in verschiedenen Dialogen genügend Beispiele gesprochener Sprache gibt, gehören solche Texteinheiten (von Vytautas Sirtautas, Vitas Labutis, Čė-
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In den Arbeiten (von Grenda, Jonas Balkevičius) werden sie als elliptische Sätze beschrieben. Mit solchen Sätzen „bestätigt oder verneint der Sprecher dem Gesprächspartner etwas bereits Bekanntes (Ja, ja! Nein! Natürlich! Gut, schon gut...), fordert ihn zu etwas auf, weist ihn zurecht oder reagiert lediglich (Pst! Na! Ah? Hallo!) oder bringt seine Gefühle und seine Stimmung zum Ausdruck (Sei gegrüßt! Gute Nacht! Danke! Aber natürlich! Ach! Zum Teufel! Verdammt noch mal! Donnerwetter!...). Partikeln und Interjektionen sind die typischsten Satzäquivalente. So kann etwa die Interjektion ačiū sogar ein Glied eines zusammengesetzten Satzgefüges sein: Danke, dass du gekommen bist“ (Balkevičius 1998: 20–21). Die Bezeichnung elliptische Sätze ist nicht ganz passend, denn bei der Verwendung der hier angeführten Wörter ist im Bewusstsein des Sprechers ein vollständiger Satz aus dem Text präsent, in dem diese Wörter gebraucht wurden. Sogar ein Präfix kann im Dialog einen zweigliedrigen einfachen oder sogar einen zusammengesetzten Satz ersetzen:
– Hast du schon erledigt, was dir aufgetragen wurde?
– Habe.
Man muss einräumen, dass der Syntaxabschnitt der Grammatik der lettischen Sprache theoretisch stärker ist als die Wortbildung und die Morphologie, weil die Form der grammatischen Bedeutung nicht nur als traditioneller Satz, sondern auch als eine bestimmte Denkstruktur betrachtet wird, die sich im Prozess des Textverstehens herausbildet. Textelemente ohne formale Satzstruktur werden im Kommunikationsakt dennoch als entsprechende syntaktische Strukturen verstanden.
Hätten die Verfasser des Morphologieabschnitts erkannt, dass die Form der grammatischen Bedeutung eines Wortes sich auch außerhalb des Wortes befinden kann (sie hätten es erkennen können, da das Konjugationssystem analytische Formen umfasst), hätten sie nicht bezweifelt, dass der mit einer Präposition verwendete Kasus zur Kasusparadigmatik gehört; und hinsichtlich des Vokativs, der keine Endung hat und nicht als traditionelles Satzglied fungiert, hätten sie verstanden, dass eine Nullendung – einfacher gesagt, ihr Fehlen – nicht bedeutungslos ist.
Bei eingehender Betrachtung des grammatischen Ausdrucks hätte man erkannt, dass die beiden Teile eines Zirkumfixes nicht unbedingt in einem Wort stehen müssen. Ein Blick auf andere Sprachen zeigt, dass ein Präfix auch am Satzende stehen kann (die Rahmenkonstruktion im Deutschen). Hätte man den Formen von Wörtern, die kongruieren, Beachtung geschenkt, müsste man nicht von indeklinablen Substantiven oder vom gemeinsamen Genus usw. sprechen. Obwohl viel Arbeit geleistet worden ist, ist der Erkenntnisprozess grenzenlos: Die Begriffe Wort und Morphem, grammatische Bedeutung, grammatische Form und grammatische Kategorie müssten noch genauer bestimmt werden. Die umfangreiche Forschungsarbeit lettischer Linguisten zu konkreten Fakten ermöglicht auch korrekte theoretische Schlussfolgerungen allgemeiner Art. Dies könnte ein Ziel für die nahe Zukunft sein. Man möchte wünschen, dass auch die Litauisten sich an ein solches Projekt für eine neue Grammatik wagen, das die Letten bereits verwirklicht haben.
Zum Schluss sei den litauischen und lettischen Linguisten gewünscht, beide Sprachen so gut zu erlernen, dass sie die Forschungsergebnisse beider Länder nutzen und künftig eine kontrastive Grammatik des Lettischen und Litauischen verfassen können, die dazu beitragen würde, einige grammatische Erscheinungen besser zu verstehen, und der allgemeinen Grammatiktheorie zugutekäme.
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Įteikta 2014 m. rugsėjo 9 d.
ALDONA PAULAUSKIENĖ
Vilniaus universitetas
Balio Sruogos g. 8-1, LT- 10220 Vilnius, Lietuva
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