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Litauische historische Personennamen in dem „Marienburger Tresslerbuch der Jahre 1399–1409“

Author: Darius Ivoška
Year: 2019
DOI: 10.35321/all81-04
Source: https://journals.lki.lt/actalinguisticalithuanica/article/download/395/480
S aipsniai / A icles 97
DARIUS IVOŠKA
Ins i u ü li auische Sp ache
Wissenscha liche Fo schungs ich ungen: Onomas ik,
Bal isch-deu sche Sp achkon ak e.
DOI: h ps://doi.o g/10.35321/all81-04
LITAUISCHE HISTORISCHE
PERSONENNAMEN IN DEM
MARIENBURGER TRESSLERBUCH
DER JAHRE 1399–1409
Lie u ių asmen a džiai Ma ienbu go iždininko
1399–1409 me ų knygoje
ANNOTATION
De o liegende Au sa z be ass sich mi den Neu unden de li auischen his o ischen
An h oponymie und zwa mi den Pe sonennamen, die dem Ma ienbu ge T essle buch de
Jah e 1399–1409 en nommen sind. In den inanziellen Dokumen en des Deu schen O dens
handel es sich gegeben alls um auszulösende li auische K iegsge angene. Die d eizehn li-
auischen Pe sonennamen we den aus dem S andpunk de en Bildung und He kun analy-
sie , mögliche ekons uie e Fo men we de angegeben.
SCHLÜSSELWÖRTER: An h oponymie, his o ische Pe sonenname, E bwo ,
Pe sonennamengu .
ANNOTATION
This a icle examines new ac s o he Li huanian his o ical onomas icon selec ed om
MTB 1394–1409. This inancial documen s collec ion o he Ge man O de con ains
names o Li huanians, who we e p isone s o wa and we e held o ansom in P ussia. All
13 pe sonal names ound in he GO inancial documen s a e analyzed in e ms o composi-
ion and o igin wi h an a emp o iden i y hei au hen ic o ms.
KEYWORDS: An h oponomy, his o ical pe sonal name, inhe i ance, onomas icon.
DARIUS IVOŠKA
98 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXI
1. ZUM FORSCHUNGSGEGENSTAND UND
HISTORISCHEN KONTEXT
Diese Bei ag beschä ig sich wiede mi den li auischen his o ischen Pe -
sonennamen. Dieses Mal sind die neuen Funde dem Ma ienbu ge T essle buch
de Jah e 1399–1409 (im Wei e en – MTB) en nommen. Was in de li auischen
his o ischen An h oponymie „neu“ bzw. e o schungswe , und was schon be-
kann is , beda hie eine genaue en E klä ung. Die Ta sache, dass bishe kei-
ne Sammlung de li auischen his o ischen Pe sonennamen zu Ve ügung s eh ,
zeug da on, dass es nach de en Bes änden imme noch in de Ka ei de li au-
ischen his o ischen Pe sonennamen und in einzelnen Bei ägen e schiedene
Au o en zu suchen is . Be ach e man die genann e Ka ei, beme k man ohne
wei e es, dass die ühes en da in en hal enen E wähnungen de li auischen Pe -
sonennamen aus dem 16. Jh. s ammen. Die Namen sind nu aus dem A eal on
G oßli auen gesammel und en hal en keine Zeugnisse aus Kleinli auen sowie
aus P eußen. Den g öß en Teil de his o ischen Quellen, denen sie en nommen
sind, machen die Ki chenbüche aus. Le z en Endes, die Pe sonenamen sind
nu egis ie , die Bildungs- und e ymologische Deu ung sind nich angegeben.
Dahe läss sich schluss olge n, dass nich nu die Ta sachen neue , bishe in den
Bes änden de li auischen A h opnymie nich o handenen Pe sonennamen als
neue und we olle Funde zu be ach en sind, sonde n auch die mi denen e -
bundenen Da en, und zwa : ühe e Da ie ungen, neue Lokalisie ungen on
den Pe sonennamen, unbekann e Bildungs älle de Pe sonennamen u.a.
Es is nochmals zu un e s eichen, dass die his o ischen Dokumen e des
Deu schen O dens (im Wei e en – DO), besonde s die handgesch iebenen O i-
ginalu kunden, die Haup quellen de li auischen his o ischen Pe sonennamen
sind, die imme noch iel Ve hüll es be gen. Ein ausgezeichne es Beispiel is
das Ma ienbu ge T essle buch de Jah e 1399–1409 (im Wei e en – MTB), he -
ausgegeben 1896 on dem A chi a E ich Joachim. Das MTB is das Einnahme-
und Ausgabe egis e de O dens aa skasse, ge üh on dem T essle ode dem
O densscha zmeis e bzw. einem hie mi beau ag en Sch eibe 1. Es sind keine
ande en Dokumen ensammlungen des DOs solche A e hal en. Deswegen is
es schwe zu u eilen, ob solche o dem Anlegen des MTB ode danach on
de O denskanzlei ge üh wu den. Die in das MTB eige üg en Da en muss-
en s eng im Geheimnis gehal en we den. Die Gene alab echnungen zwischen
T essle und G oßkom u , welche die Kon olle übe dem T essle am ha e,
anden zunächs in mündliche Ve handlung s a . Die Auss ellungen (Ze el)
1 MTB S. VI.
S aipsniai / A icles 99
Li auische his o ische Pe sonennamen in dem Ma ienbu ge T es-
sle buch de Jah e 1399–1409
sowie ande e Beläge einzelne Finanzo gane, wenn es solche gab, wu den nach
den Ve handlungen e nich e . Fü die Jah esab echnungen, die gewöhnlich
um Weihnach en un e nommen wu den, genüg en summa ische Ein äge übe
To aleinnahme, -abgabe und e waige Übe schüsse ode Fehlbe äge2.
De o liegende Au sa z be ass sich mi den Pe sonennamen de Ve wand-
en bzw. Familienmi gliede on li auischen Gesinden, die in P eußen aus de
K iegsge angenscha e lös wu den:
1404 losunge de Li owen gesinde. Gandeln dem is gelos eyn b ude on
16 ja en o 4 m. Hulyde 1 son und 1 och e o 8 m. Assipe 2 sone o 6 m.
Na eyken son o 2 m. Mosebu he 1 och e o 4 m. Medi hen 1 b ude o
4 m. Wygayl 1 son o 3 m. Ywane son o 2 m. Woballe 2 sone o 6 m.
Gibbune 1 son und 1 och e o 8 m. Nesdila 1 wip mi 2 kinde n o 10 m.
Radasch 1 wip und 1 och e o 8 m. i em 24 m. o Ki s an olks gesinde zu
Memel, das wu on Li ouwen gelos (MTB 315).
Die im MTB e wähn en Einwohne des G oß ü s en ums Li auen wu den
wäh end de , im Janua und Feb ua 1394 du chge üh en Win e eise des DOs
nach Li auen, als K iegsge angene nach P eußen geb ach . De Ch onis Wi-
gand on Ma bu g be ich e e im Ok obe 1394 (SRP II 653)3 on unzähligen
Männe n, F auen und Kinde n, die imme noch in de K iegsge angenscha in
P eußen gehal en gewesen seien. Die Gesam zahl de Ge angenen soll 2200 ge-
wesen sein4, den An eil on 663 Leu en sollen Li aue 5 ausgemach haben (Pa a-
icini 1995: 103). Übliche weise wu den die K iegsge angenen en wede ausge-
lös (wenn sie wohlhabend wa en) ode e skla und als A bei sk a eingese z .
Die Zwangsa bei p lich igen konn en wei e hin e kau ode gegen ande e Ge-
angenen ausge ausch we den (Webe 1878: 636–637; Pa a icini 1995: 102).
2 Ebenda.
3 ...adducun in P usziam cap i os innume os i o um, mulie um ac pue o um, de quibos plu es
supe sun in P uszia in hodie num, e longe pos 4 ebdomadas sun e e si.
4 Von eyne gu in eyse. Anno domini (13)94 czog de ma schalk us mi eyme he e mi den ges in,
und gewonnen und o b an in dese huse czu Russen: Cleyne Nowga din und Lyda und Me kin
und D ogoczin, und he in il landes do umme, und b och in XXIIc ge angen und XIIIIc p e d
und g osin oub (SRP III 191).
5 Die Zahl und die Lis e de li auischen K iegsge angenen wu de im Jah 1412 wäh end de Ve -
handlungen zwischen den Ve e e n des DOs und des G oß ü s en ums Li auen in Vilnius (d .
Wilna) o ge üh . Die Ge angenen soll en lau de li auischen Sei e „sei ielen Jah en heils aus
Wolkowisk (w uss. Ваўкавыск), heils aus D ohiczyn (w uss. Дзярэчын), heils on jensei s des
Flusses Rosseye (w uss. Рось, Рос, Роса, li . Rosė) nach P eussen o ge üh “ gewesen sein. Da-
un e wi d auch Me ken (li . Me kinė) mi genann . Die p eußischen O e und Leu e, bei denen
sie sich au hiel en, soll en auch angegeben gewesen sein (SRP II 653).
DARIUS IVOŠKA
100 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXI
2. LITAUISCHE PERSONENNAMEN IN DEM
MARIENBURGER TRESSLEBUCH DER
JAHRE 1399–1409. ANALYSE
In olgendem Teil des o liegenden Au sa zes wi d e such , die neuge un-
denen li auischen his o ischen Pe sonennamen in de en Bildungs- und He -
kun shinsich zu analysie en und ih e au hen ischen Fo men zu ekons uie en.
Gandeln dem is gelos eyn b ude on 16 ja en o 4 m.
1404 im Regis e ü Abgaben und Einkommen des DOs wi d de Name ei-
nes Li aue s Gandiln dokumen ie . In de Ka ei de li auischen his o ischen
Pe sonennamen (li . Is o inių asmen a džių ka o eka, im Wei e en – IAK) sind
keine li . PN mi dem S amm gand- o handen. Die Da enbank de li auischen
Familiennamen (Li . Lie u ių pa a džių duomenų bazė, im Wei e en - LPDB)
e üg übe den li . PN Gand mas, dessen e s e S amm, wie es in de LPDB
angenommen wi d, on *gan - (*Gan - mas) abgelei e sei6.
Ungeach e de Ta sache, dass es beinahe keine li . PN mi dem S amm
gand- im Pe sonennamenbes and o handen sind, neig de Au o des o -
liegenden Bei ages zu glauben, dass de im MTB übe lie e e li . PN Gandiln
on dem A chi a Joachim ko ek gelesen wu de und wegen de Zu e lässig-
kei de übe lie e en Pe sonennamen o m kein Zwei el bes ehen soll e. Da on
ausgehend kann man hypo he isch behaup en, dass Gandiln ein Pe sonenname
li auische He kun gewesen sein konn e. Man kann ielleich schluss olge n,
dass auch wei e e li . PN mi dem S amm gand- in dem his o ischen Pe sonen-
namengu p äsen gewesen sein konn en. Wegen des S ammes gl. li . gañdas
‘Rede ei, Ge üch ’ (LKŽe) und li . gandė i (gañda, -ėjo) ‘genug haben; gelingen,
scha en’ (LKŽe, ALEWe). Li . gandė is (-ėjasi, -ėjosi) ‘ ü ch en, Angs haben’
käme hie ielleich auch in F age (LKŽe). Vgl. auch die p . PN 1360 Gande
(Pie son 1873: 502) und Gande, Gandike, Gandil, Gandi , die E ns Lewy (1904:
48) au li . gas ù, ga ndaũ, gãs i ‘e sch ecken’ zu ück üh . Dahe könn e man
dann annehmen, dass einen li . PN *Gand-il- gegeben ha . Wegen des Su ixes
-il- gl. die li . PN Do las, Gn ilas, Juñdilas, Vadilas, Dab ilà, Gin ilà (Ska -
džius 1996: 181). In diesem Fall Su . -el- is auch nich auszuschließen. Vgl.
6 Zigmas Zinke icius (2008: 89) gib zwei li auische zweis ämmige PN Gañd- imas und Jó-gandas
an. Seine Meinung nach, soll de dem S amm Gand- aus Gaud- s ammen. Die Behaup ung is
abe agwü dig, weil die Quellen, denen e die behandel en Pe sonennamen en nommen ha , un-
bekann sind und de en Validi ä nich nachweisba is .
S aipsniai / A icles 101
Li auische his o ische Pe sonennamen in dem Ma ienbu ge T es-
sle buch de Jah e 1399–1409
die li . PN Da gels, Jùodelis, Juodlis, Juodlė, Kal lis, Vy lis (Ska džius 1996:
177). De diminu i e li . PN *Gandelis wä e ielleich ganz denkba .
Hulyde 1 son und 1 och e o 8 m.
Den li . PN Hulyde dü e man ielleich mi dem in de LPDB o hande-
nen li . PN Ulydà e binden. E wi d au den, aus den ch is lichen PN Julijnas,
Ulijnas s ammenden li . Familiennamen Uls/Ùlis, zu ückge üh . In de ge-
nann en Da enbank we den auch die li . PN Ùl ydas, U idas angegeben, wo
die He kun des S ammes ul- als unkla be ach e wi d. Vgl. auch den uss.
PN Уля abgelei e on Юлиан, poln. Ul und uk . Уль (LPDB)7. Ein li . PN
*Ulydė mag Ende des 14. ode An ang des 15. Jh. un e den li auischen Pe so-
nennamen o handen gewesen sein.
Assipe 2 sone o 6 m.
Nich abzulehnen wä e auch die Annahme, dass eine on den 13 im MTB
e wähn en Li aue n den li . PN *Asipė ge agen haben mag. Hie zu gl. die li .
PN Asipáuskas und Osipáuskas, die im li auischen Pe sonennamengu bekann
sind und mi den poln. PN Osipowski ode w uss. PN Oсiпаў sowie mi den li .
PN Asipã ičius, Osipã ičius e bunden und au dem w uss. PN Aсiпoвiч zu be-
uhen e mu e we den (LPDB). Zinke ičius (2008: 370) be ach e Asipã ičius,
Osipã ičius als Pe sonennamen heb äische He kun , die du ch slawisches Pe -
sonennamenlehngu in die li auische An h oponymie einged ungen sind. Dazu
gl. auch die poln. PN Osipowicz, Osipowski/Osypowski (AP 2011: 245).
Na eyken son o 2 m.
De li . PN Na eyken mag li auische He kun sein. Vgl. die li . PN Na eikà,
No éika, No eikà, Na ekis, die au li . no  i ‘Wunsch haben, wollen’; no ùs
‘geizig, wünschend’ zu ückge üh we den (LPDB)8. E wähnungswe is die
Ta sache, dass de PN Na eika und dessen Va ian en häu ig in den U kunden
des DOs aus dem 16. Jh. e wähn we den: 1540 Na eigka (aus Be selauken9),
7 Zinke ičius (2008: 153) üh die li . zweis ämmigen PN Ùl- idas, Ùl- ydas, de en e s en S amm
e mi den li . PN Ùlis, Ulėnas e binde und die le z e en au den ch is lichen PN Julijonas
zu ück üh .
8 Zinke ičius (2008: 291) gib auch eine al e na i e Deu ung an, indem e die li . PN Na eikà,
Na ekis mi dem li . PN Na as e binde und den au li . na as ‘See auche , jemand de auch ’
zu ück üh .
9 Be szlack, Do 2,6 km on Muldzen, K . Ge dauen (Blažienė 2005: 29).

DARIUS IVOŠKA
102 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXI
Na eika (aus Pawis eiczscheij10), Na eigka (aus Dunilischken11) (Diehlmann
2008: 172, 174, 193). Diese Ein äge s ammen aus dem Tü kens eue im He -
zog um P eußen 1540 und zeugen on einem ganz langen Bes ehen des PNs in
de bal ischen An h oponymie eines bes imm en A eals. Die Fo m des li . PNs
*Na eikė wä e seh übe zeugend.
Mosebu he 1 och e o 4 m.
De PN Mosebu he mag ein bal ische Pe sonenname sein, de ü Li aue
und P eußen eigen gewesen is . Vgl. die in dem OF 105 des DOs dokumen ie -
en p eußischen PN Massebud (OF 105 95 ) und 1401 Masebu (OF 105 117 ).
Im le z e en Fall handel es sich um einen P eußen Masebu , dem zusammen
mi seinen Nachkommen zu Pawsnyken12 ein S ück Land e eil wu de. T au -
mann (1925: 55) gib die p . PN Masebu h und Masebu an13. Es geh hie um
einen zweis ämmigen p . bzw. li PN *Maze-bu -. Dazu gl. auch die p . PN
Masse (Schalaue ), Maze (Samlände ), die William Pie son (1873: 637) mi
dem li . mas ‘klein’ e binde und den p . PN Mase (T au mann 1925: 55). We-
gen des zwei en S ammes –bu gl. die p . PN Bu e (Pomesane), Bu il (E mlän-
de ) (Pie son 1873: 297) und Bu e, Bu il (T au amnn 1925: 21, 22). Hie sind
auch die bal ischen Appella i a zu e wähnen: p . massais ‘wenige ’, li . mažas,
le . mas ‘klein’ (Nesselmann 1873: 101) und p . *mazais ‘wenige ’ (PKEŽe);
bu as (nom.), bu an (acc.) ‘Haus’ (Nesselmann 1873: 24) und *bu an ‘Woh-
nung, Haus’ (PKEŽe). Dahe kann man annehmen, dass die Li aue im Mi el-
al e ih e Nachkommen mi dem PN *Mažbu ė genann haben konn en.
Medi hen 1 b ude o 4 m.
In de li auischen An h oponymie wa bislang kein PN Medi hen zu inden,
wede in de Ka ei de his o ischen, noch un e den gegenwä igen Pe sone-
namen. Es mag sein, dass es sich auch in diesem Fall um einen ü Li aue und
P eußen gemeinsamen li . PN *Medi ė/*Medy ė bzw.*Medi is/*Medy is han-
del , de mi den li . PN Mdikis, Medekis e bunden we den könn e. Vgl.
10 Li . *Pa iš yčiai. Das e schollene Do muss in de Umgebung on dem See Viš y is gelegen
haben.
11 Li . *Duniliškė/*Duniliškiai. Das e schollene Do muss in de Umgebung on dem See Viš y is
gelegen haben.
12 Peissnick, K . Ge dauen (Blažienė 2005: 138).
13 Beide T äge de on T au mann au gezeichne en Pe sonennamen wa en P eußen, die in den K .
Wehlau und Ge dauen, also in dem Kon ak gebie de p eußisch- und li auisch-sp achigen Ein-
wohne geleb ha en. Es is seh glaubwü dig, dass die T äge de zwei e wand en Sp achen auch
gemeinsame Pe sonennamen geb auch ha en.
S aipsniai / A icles 103
Li auische his o ische Pe sonennamen in dem Ma ienbu ge T es-
sle buch de Jah e 1399–1409
die li . PN Medeikà, Medeišà, Mdkis, Mediks, die alle au li . mdė, mdis
‘Wald, Fo s ’, mdžias ‘Fo s , Waldung’ zu ückge üh we den (LPDB, Zinke-
ičius 2008: 516–517). Dahe kann man on einem li . bzw. p . PN *Med- -
sp echen. Hie zu gl. auch mdė ‘Wald, Fo s ’, mdis ‘Fo s , Waldung’ (LKŽe).
Vgl. auch die p . PN Medi e, Pogesane, Mede e, Ba e, die Pie son (1873: 637)
mi dem li . PN Medy e Li aue e binde . T au mann (1925: 57) gib den p .
PN Medi he ( amilia in e a Tapiow14) auch an, lehn auch nich ab, dass ihm
de li . PN Medi he zug undeliegen könn e. Üb igens, T au mann zieh die Pa-
allele zwischen dem on ihm au gezeichne en, eine ande en Quelle en nom-
menen p . PN Medy en und dem in diesem Bei ag behandel en li auischen li .
PN Medi hen aus dem MTB 31515.
Wygayl 1 son o 3 m.
Wygayl is wah scheinlich noch ein zweis ämmige ü Li aue und P eußen
eigene PN *Vy-gail-/ *Vi-gail-. T au mann (1925: 117) gib den p . PN Wy-
gail16 an, geh seine Bildung und He kun an, indem e ihn mi dem li . ON
Wigal e gleich . Vgl. auch die p . PN Wigel, Wysinse, Wi a (T au mann 1925:
117, 120) und den li . PN Vy-gailas, den Zinke ičius (2008: 161) ü ein E b-
wo häl . In de li auischen An h oponymie sind die zweis ämmigen li . PN
Výgan as, Vigan as mi dem e s en S amm i-/ y- bekann . De S amm gail- is
in den li auischen eins ämmigen Pe sonennamen Gáila, Galius, Gails, Gail-
ičius en hal en (LPDB). Das Vo handensein de li . PN *Vygailas bzw. *Vy-
gailis im li auischen mi elal e lichen Pe sonennamengu is augenscheinlich.
Ywane son o 2 m.
De PN Ywane is ch is liche He kun , de aus dem Heb äischen du ch die
Namengebungs adi ion in den byzan inisch-slawischen Gebie en seh e b ei-
e wa und da au hin auch in das bal ische Pe sonennamengu einged ungen
wo den mag. De uss. PN Иван, au dem de li . PN Ywane basie en muss, is
in dem ussischen Pe sonennamengu seh a iabel, gl. Ивач, Ивантей, Иваш
u.a. (Суперанская 2005: 126). Vgl. auch die li . PN I anáuskas, I anã ičius, die
mi den poln. PN Iwanowski und Iwanowicz e bunden we den (LPDB). Vgl.
14 Bei de in dem OF 107 38 e wähn en Familie des Samlände s Czipel aus Belauken (Behlacken
K . Wehlau, Blažienė 2000: 17) handel es sich um die Ve leihung eines G unds ückes an ihn
und seine Nachkommen, eine on denen Me di he wa . Es geh wiede um das on Li aue n und
P eußen bewohn e Gebie , wo die gegensei ige Auswi kung de li auischen und de p eußischen
Sp ache au einande sowie au de en An h oponymie nich ausweichba gewesen sein muss e.
15 Eine genaue Lokalisie ung de im MTB e wähn en li . PN is nich in de Quelle nich angegeben.
16 De 1384 e wähn e P euße Wygail ha in Samland im K . Wa gen gewohn .
DARIUS IVOŠKA
104 Ac a Linguis ica Li huanica LXXXI
auch noch die poln. PN Iwan, Iwanowski, Iwanowic(z) (AP 2009: 89–90) sowie
den PN Iwan, Onkel des P eußen Blyo h (T au mann 1925: 38). Das zeug da-
on, dass in Gebie en P eußens und Li auens, wo die Einwohne e schiedene
Na ionali ä en zusammen geleb ha en, sie auch die Namen on einande übe -
nommen haben muss en17. Dahe mag auch ein Li aue mi dem PN *I anas
benann gewesen sein.
Woballe 2 sone o 6 m.
In dem MTB is auch de li . PN Woballe au gezeichne , de li auische He -
kun sein mag. Vgl. die li . PN Vãbalas, Vãbuolas, Vobolis, die au li . ãbalas
‘Insek mi ha en Obe lügeln’ e bunden we den (LPDB; Zinke ičius 2008:
513). Vgl. noch li . ãbalas ‘Insek mi ha en Obe lügeln’ (LKŽe). Die Pa -
allelen zu ali . wobalne ‘Ap elbaum’ und woble ‘Ap el’ wä en in diesem Kon ex
ielleich auch zu ziehen (ALEW 2019: 825). Das Vo handensein eines p o he-
ischen „ “ wie in dem ap . wosee - *( )zē ‘Ziege’ da ielleich auch e mu e
we den (PKEŽe). Alle dings li . *Vabalė wä e eine übe zeugende e Rekons u-
ie ung des im MTB dokumen ie en li . PNs Woballe.
Gibbune 1 son und 1 och e o 8 m.
In de Ka ei de li auischen his o ischen Pe sonennamen sind olgende PN
mi de Wu zel gib- zu inden – 1640 Eua Gibowska, 1676 Joannes Gibowicz,
1681 S anislao Gibos (IAK). Wilius Kalwai is (1910: 10) üh in seinem Buch
die li . PN Gibins, Gibinus, Gibiszas, Gibisze o . Un e den p eußischen Pe -
sonennamen inde man auch den p . PN Gibbune18, den T au mann (1925:
32) mi dem li . PN Gibbune e binde , indem e au den Ein ag im MTB S.
315 hindeu e . Hie zu gl. die li . PN Gbas, Gibái is, Gibã ičius, die mi den
pol. PN Gibas, Gybas in Ve bindung gese z und au poln. gibas ‘ein hohe ,
schlanke Mensch; ein hochgewachsene Bu sche’ zu ückge üh we den (LP-
DB). Vgl. auch die poln. PN Gib, Gibas(z), Gibola u.a. (AP 2007: 551–552).
Zinke ičius (2008: 567) deu e die He kun de li . PN Gbas, Gibys, Gibelis
ande s, wobei e sie au li . gyb- i ‘wenige we den, abnehmen; genesen, sich
e besse n’ zu ück üh . Vgl. noch gb i, -s a, -o ‘wenige we den, abnehmen;
besse we den, genesen; eiche we den’ (LKŽe). Es handel sich wiede um um
einen PN, de ü Li aue und P eußen gemeinsam gewesen is . Ein li . PN *Gi-
bunė wä e auch ganz denkba .
17 Ljubo Feok is o a (Любовь Феоктистова) und Dmi ij Spi idono (Дмитрий Спиридонов)
(2016: 76–92) behandeln in ih em gemeinsamen Bei ag die En sp echungen des biblischen Pe -
sonennamens Ίωάννηϛ in de ussischen, polnischen und anzösischen An h oponymie.
18 Ein Samlände aus dem Kamme am Ge mau (Ve came 2010: 501).
S aipsniai / A icles 105
Li auische his o ische Pe sonennamen in dem Ma ienbu ge T es-
sle buch de Jah e 1399–1409
Nesdila 1 wip mi 2 kinde n o 10 m.
Wegen unkla e Bildung, E ymologie und wegen des Mangels an Belegen
kann de PN Nesdila o läu ig noch nich e läu e we den.
Radasch 1 wip und 1 och e o 8 m.
Die He kun des in dem MTB au gezeichne en li . PN Radasch is nich
ganz kla abe es kann nich abgelehn we den, dass ein Li aue mi dem PN
*Radašas/*Radašius benann wa . In de Ka ei de li auischen his o ischen
Pe sonennamen inde man olgende PN mi dem S amm ad-: 1528 Грыгорей
Радайтис, 1670 Ma inus Raday is, 1695 Malche Raday is (IAK). Kalwai is
(1910: 16) gib auch li . PN Radiszus, Radužis an. Man kenn den li . Famili-
ennamen Radašáuskas, de mi den poln. PN Radoszewski, Radosz, Radoszow-
ski e bunden wi d (LPDB). Vgl. noch die poln. PN Radaszewski, Radosz (AP
2013: 197, 198). Das Su ix -aš- is in un e den li auischen Pe sonennamen
kaum zu inden. P anas Ska džius (1996: 316) gib nu zwei li auische Famili-
ennamen Bãlašas und Rabašius an.
I em 24 m. o Ki s an olks gesinde zu Memel, das wu on
Li ouwen gelos .
De Name des Dolme sche knech es aus Memel, namens Ki s an, is ch is -
liche He kun . Den Namen ugen im 14.–15. Jh. auch P eußen, die un e an-
de em auch in dem OF 105 eingebundenen Hand es en des DOs e wähn wu -
den: 1382 Ki s an OF 105 62 , 1401 Ki s an OF 105 115 . S. auch 1448 Ki s an
Kippelle (T au mann 1925: 45). Hie zu gl. auch den d . PN Ki s en, de als eine
niede deu sche Fo m des d . PNs Ch is ian gil (Kohlheim 2014: 105, 248). Es
handel sich hie um einen du ch Li aue und P eußen de deu schen An h-
oponymie im spä en Mi elal e en lehn en Pe sonennamen ch is liche He -
kun – Ki s an, de un e den li auischen Pe sonennamen als *Ki s anas adop-
ie gewesen wo den mag.
3. SCHLUSSFOLGERUNGEN
3.1. Die E o schung de li auischen his o ischen Pe sonennamen beda ei-
ne b ei e en als klassische Be ach ung, wobei man gewöhn wa , nach analogi-
schen S ämmen im o handen Pe sonennamenbes and zu suchen, um die Bil-
dung und He kun de neuge undenen Pe sonennamen zu e lässig deu en zu
können. De Mangel an S ammanalogie un e den gegenwä igen Pe sonenna-
men, die behil lich ü die In e p e a ion de his o ischen Neu unde sein wü -
den, bedeu e nich unbeding , dass die neu au ge undenen Pe sonennamen in