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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, III LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA

MIT DEM ERSCHEINEN DER AKADEMISCHEN GRAMMATIK DER GEGENWÄRTIGEN LETTISCHEN LITERATURSPRACHE

A. SABALIAUSKAS

Die Entwicklungsgeschichte der Grammatiken der litauischen und lettischen Sprache verlief über drei Jahrhunderte hinweg sehr ähnlich – dieselben Wendungen, derselbe Staub, herbeigetragen von fremden Füßen. Wenn Letten und Litauer über die Geschichte ihrer Grammatiken sprechen, erwähnen sie bisweilen, dass der deutschbaltische Historiker O. Mirbach in seinen „Briefe aus und nach Kurland...“ schreibt, dass bereits im 13. Jahrhundert Bischof Wilhelm von Modena, der ins Baltikum gekommen war, die Grammatik des Donatus „Ars Donati grammatici urbis Romae“ übersetzt habe. Die einen sagen gewöhnlich, er habe die Grammatik ins Lettische (Semgallische), die anderen, er habe sie ins Preußische übersetzt. Natürlich glauben weder Letten noch Litauer diesen „Briefen“, die zwar in sehr schönem Stil geschrieben, aber voller Fantasie sind, und datieren die Geschichte ihrer Grammatiken dennoch erst ins 17. Jahrhundert. 1644 erschien in Riga „Manuductio ad linguam Lettonicam facilis et certa, monstrata à Joanne Georgo Rehehusen“, und 1653 kam in Königsberg „Grammatica Litvanica...in lucem edita à M. Daniele Klein Pastore Tils. Litv.“ heraus. Im 17. Jahrhundert erblickten noch einige weitere Grammatiken in deutscher Sprache das Licht der Welt: 1654 in Königsberg wiederum Kleins „Kurtze und gantz deutliche Anführung zur Littauischen Sprache“, 1685 in Mitau Heinrich Adolfis (Adolphi) „Erster Versuch einer kurtz verfasseten Anleitung zur Lettischen Sprache“ und im selben Jahr in Riga Georg Dressels (Dressel) „Gantz kurtze Anleitung zur Lettischen Sprache“ und andere. Allen diesen Grammatiken sind, unabhängig davon, ob auf ihrem Titelblatt „Lettonica“ oder „Litvanica“, „Littauische“ oder „Lettische“ steht, dieselben Merkmale eigen: Sie tragen deutlich den Stempel der gesellschaftlich-politischen Verhältnisse jener Epoche, die sie hervorgebracht hat. Beide Arten wurden in fremden Sprachen von Fremden, zumeist deutschen Geistlichen, verfasst, und zwar nicht aus Liebe zum lettischen oder litauischen Volk – sie waren auch nicht für dieses bestimmt, sondern für die Amtsbrüder, damit diese den ihnen Anvertrauten erfolgreicher das „Wort Gottes“ und den Gehorsam gegenüber der Obrigkeit verkünden konnten. In dieser Hinsicht waren die Litauer wohl nur insofern glücklicher, als die Ausländer, die für sie schrieben, die litauische Sprache besser beherrschten. Hinzu kam der Umstand, dass die allerersten litauischen Schriften, wenn auch religiösen Inhalts, von Litauern selbst verfasst worden waren und sich durch eine weitaus bessere Sprache auszeichneten als die ersten von Deutschen geschriebenen lettischen Bücher. Wohl irren wir nicht, wenn wir behaupten, dass unsere Grammatiken noch bis ins 20. Jahrhundert besser waren als die lettischen. D. Kleins Grammatiken sind ja viel vollkommener als beispielsweise die von J. G. Rehehūzen und G. Dressel, und die Werke von August Schleicher und Friedrich Kurschat übertreffen August By-

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lenšteins (Bielenstein) und andere lettische Grammatiken jener Zeit1. Die Lage änderte sich in den letzten Jahrzehnten. 1922 ragte in der Geschichte der lettischen Grammatik ein Gipfel auf, der für uns noch lange unerreichbar sein dürfte: Jānis Endzelīns’ „Lettische Grammatik“. 1938 erschien vom selben Autor „Latviešu valodas skaņas un formas“. 1951 gaben die Letten die große Grammatik von J. Endzelīns mit Ergänzungen in lettischer Sprache heraus; nun ist auch der erste Band der akademischen Grammatik der heutigen Literatursprache erschienen2.

Das Erscheinen dieses Bandes ist das Ergebnis der mehrjährigen intensiven Arbeit des Kollektivs der Grammatikabteilung des Instituts für Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Lettischen SSR. Die Verfasser des Werkes sind A. Ahero, A. Bergmanė, A. Blinkena, R. Grabis, M. Lepika, R. Melbiksė, A. Mikelsonė, T. Puorytė, M. Saulė-Sleinė. Die Redaktion bilden A. Bergmanė, R. Grabis, M. Lepika und E. Sokolas (verantwortlicher Redakteur). Die größte Last bei der Abfassung dieser Grammatik trug R. Grabis, ein verdienter Kulturschaffender der Lettischen SSR, der nicht nur einzelne Kapitel verfasste und redigierte, sondern auch den gesamten Prozess der Vorbereitung der Grammatik leitete. Das Manuskript der Grammatik war bereits 1956 fertiggestellt. Im Herbst desselben Jahres fand eine Besprechung des Manuskripts statt, an der neben den Mitarbeitern des Instituts für Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Lettischen SSR auch Hochschullehrer, Lehrer, Journalisten und weitere Vertreter der Öffentlichkeit teilnahmen. An der Besprechung des Manuskripts waren direkt oder indirekt auch einige litauische und estnische Sprachwissenschaftler beteiligt. Bei der Erörterung des Grammatikmanuskripts wurden zahlreiche strittige Fragen und ungelöste Probleme aufgeworfen. Unter anderem wurde auch die Frage einer Reform der lettischen Rechtschreibung besonders scharf zur Sprache gebracht. Die Rechtschreibreform, die schwierige Redaktionsarbeit und einige andere Hindernisse verzögerten das Erscheinen der Grammatik etwas.

Eine Grammatik der heutigen lettischen Literatursprache von diesem Umfang erscheint zum ersten Mal. Sie ist nicht nur die erste Grammatik dieser Art des Lettischen, sondern überhaupt der baltischen Sprachen. Der Begriff der Gegenwartssprache umfasst in dieser Grammatik nicht nur die lettische Literatursprache der letzten Jahrzehnte, sondern den gesamten Entwicklungszeitraum der Literatursprache, von den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts (bei der Erörterung des Grammatikmanuskripts schlugen manche, zum Beispiel Prof. J. Loja, vor, diesen Zeitraum mit der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnen zu lassen) bis in unsere Tage. Die Grammatik stützt sich auf ein außerordentlich reiches Sprachmaterial – die Werke der besten lettischen Schriftsteller, angefangen bei den Brüdern R. und M. Kaudzīte, Apsīšu Jēkabs und Rūdolfs Blaumanis bis hin zu den Meistern der sowjetlettischen Literatur. Auch Folklore, wissenschaftliche Prosa und Periodika werden umfassend herangezogen.

Da die Grammatik normativen Charakters ist, werden diachrone Erscheinungen nur wenig behandelt, meist nur in Fällen, in denen sie unmittelbar mit einzelnen

1 Zur Charakterisierung der Grammatiken des Lettischen vgl. R. Grābis, Pārskats par 17. gadsimta latviešu valodas gramatikām. — Valodas un literatūras instituta Raksti, 5, 205—266, Rīgā, 1955; R. Grīsle, 17. gadsimta gramatikas kā latviešu valodas vēstures avots. — Valodas un literatūras instituta Raksti, 7, 245—255, Rīgā, 1958; R. Grīsle, Rēhehūzena gramatika un pret to vērstais Einhorna raksts. — Rakstu krājums, veltījums akadēmiķim profesoram dr. Jānim Endzelīnam viņa 85 dzīves un 65 darbu gadu atcerei, 479—526, Rīgā, 1959; J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, 22—23, Rīgā, 1951; J. Endzelīns, Ievads baltu filoloģijā, 67—68, Rīgā, 1945; A. Bielenstein, Die lettische Sprache, 1, 20—28, Berlin, 1863; J. Niedre, Latviešu literatura, 1, 76—78, Rīgā, 1952.

2 Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika, 1, fonētika un morfoloģija, Latvijas PSR Zinātņu Akadēmijas Izdevniecība, Rīgā, 1959, 830 psl.

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auf der Grundlage literatursprachlicher Fakten. Eine recht komplexe Aufgabe für die Verfasser der Grammatik war die historische Betrachtung der Erscheinungen. Eine umfangreichere Grammatik der heutigen lettischen Sprache lässt sich vermutlich kaum ganz ohne historische Elemente verfassen. Auch die Verfasser dieser Grammatik kamen um den Historismus nicht herum. Dieser stellt jedoch keinen Widerspruch zu den Erscheinungen der heutigen Sprache dar, sondern trägt im Gegenteil dazu bei, sie besser zu verstehen. Mit diesem Historismus untrennbar verbunden sind auch Elemente des Litauischen, die einzelne Fakten der lettischen Sprache erhellen helfen. Bei dieser Gelegenheit ist anzumerken, dass Elemente des Litauischen und Fragen des Verhältnisses zwischen lettischer und litauischer Sprache in zahlreichen älteren Grammatiken des Lettischen zu finden sind; die Überlegungen mancher Verfasser älterer lettischer Grammatiken zur Verwandtschaft des Litauischen und Lettischen sind überaus interessant, und man kann kaum widerstehen, sie hier zu zitieren. Schon im 18. Jahrhundert schrieb Gotthard Friedrich Stender in seiner Grammatik: „Die Lettische Sprache ist eine Schwester der Litthauischen. Ich berufe mich nicht bloß auf die Aehnlichkeit ihrer Benennung, indem Litwa, wie die Litthauer ihr Land nennen, und Latwi, wie sich die Letten nennen, ziemlich ähnlich lauten, sondern hauptsächlich auf die Uebereinstimmung beyder Sprachen… Beyde Sprachen, sowohl die Lettische als die Litthauische, sind Abstämmlinge von der Slavonischen“3. Christof Harder erklärt, als Ergänzung zu G. F. Stenders Grammatik, diese Frage noch aufschlussreicher: „Nach dieser Hypothese ließe sich nun auch wohl erklären, wie die littauische Sprache eine Schwester der lettischen seyn kann. So wie die Letten ursprünglich ein russischer Stamm waren, so waren die Littauer ein pohlnisches Volk. Noch jetzt ist die russische und pohlnische Sprache sehr verwandt: wahrscheinlich in jenen Zeiten noch mehr. Nimmt man nun an, daß irgend ein Stamm des deutschen Volks sich hier als Kolonie niederließ, so ist es ja ein geringes, auch noch weiter anzunehmen, daß diese Kolonie nicht blos längs dem Ufer der Ostsee, wo die Letten wohnen, geblieben, sondern auch tiefer ins Land zu den Littauern gegangen sey. Wo sie nun ihre Sprache mit der russischen vermischten, da entstand die lettische Sprache; wo sie solche aber mit der pohlnischen vermischten, da entstand die littauische“4. A. Bielenstein, der in seiner Grammatik einen Überblick über die lettischen Grammatiken gibt, führt als Mangel dieser Grammatiken an, dass ihre Verfasser die Fakten des Lettischen nicht mit Fakten des Litauischen und der slawischen Sprachen verglichen („…die fruchtbare Vergleichung mit dem Litthauischen und Slavischen meist ganz unterlässt“5). Der Grammatik A. Bielensteins selbst kann man diesen

3 Lettische Grammatik, verfasset von Gotthard Friedrich Stender..., Zweyte Auflage... 9—10, Mitau, 1783. (Die lettische Sprache ist eine Schwester der litauischen Sprache. Ich stütze mich nicht nur auf die Ähnlichkeit der Bezeichnungen, darauf, dass Litwa, wie die Litauer ihr Land nennen, und Latwi, wie sich die Letten nennen, ziemlich ähnlich klingen, sondern vor allem auf die Übereinstimmung beider Sprachen... Beide Sprachen, sowohl die lettische als auch die litauische, sind Nachkommen der slawischen Sprachen.)

4 Anmerkungen und Zusätze zu der lettischen Grammatik des Herrn Propst Stender, von Christoph Harder, Zweite und vermehrte Ausgabe, 10—11, Mitau, 1809.

(Wie die litauische Sprache eine Schwester der lettischen Sprache sein kann, lässt sich dieser Hypothese zufolge auch folgendermaßen erklären. So wie die Letten ursprünglich ein russischer Stamm waren, so waren die Litauer ein polnisches Volk. Noch heute sind die russische und die polnische Sprache eng miteinander verwandt; damals waren sie vermutlich noch verwandter. Wenn man annimmt, dass sich irgendein Stamm des deutschen Volkes hier als Kolonie niederließ, ist es nicht schwer, weiter anzunehmen, dass diese Kolonie nicht nur an der Ostseeküste blieb, wo die Letten leben, sondern auch weiter ins litauische Land vordrang. Wo sie ihre Sprache mit dem Russischen vermischten, entstand die lettische Sprache; wo sie sie aber mit dem Polnischen vermischten, entstand die litauische Sprache.)

5 A. Bielenstein, Die lettische Sprache, 1, 28, Berlin, 1863.

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diesen Mangel nicht vorwerfen, denn er schrieb seine Grammatik, wie der lettische Philologe Krišjānis Ancytis treffend bemerkte, mit A. Schleicher’s Grammatik der litauischen Sprache auf dem Schreibtisch6. Zahlreiche litauische Sprachelemente finden sich im dreizehnmal aufgelegten Lehrbuch der lettischen Sprache von J. Endzelīns und K. Mühlenbach („Latviešu valodas mācība“); ganz zu schweigen von J. Endzelīns’ großer Grammatik der lettischen Sprache, aus der K. Būga „die Brüder seines Volkes“ dazu ermunterte, ihre litauische Muttersprache zu lernen7. Auch die Akademische Grammatik der heutigen lettischen Literatursprache kommt nicht ohne Beispiele aus dem Litauischen aus. Diese Beispiele heben Besonderheiten des Lettischen hervor, und manche Erscheinungen der lettischen Sprache, etwa die Einteilung der Verben der dritten Gruppe der ersten Konjugation, wären ohne litauische Beispiele schlicht nicht zu verstehen. Die Beispiele sind sehr treffend gewählt, die Intonationen sind markiert (nur bei wenigen Wörtern fehlt die Kennzeichnung: missingis (S. 120), brīnas (S. 249), antaras (S. 460), daugiau (S. 709).

Der phonetische Abschnitt der Grammatik ist vergleichsweise knapp – nur fünfundfünfzig Seiten (S. 17—71). Hier werden jedoch die Merkmale der Phonetik der heutigen lettischen Literatursprache sehr prägnant und klar dargestellt, mit Blick auf ein breiteres Lesepublikum und ohne übermäßige Belastung durch Zeichnungen und Diagramme. Bei der Beschreibung der Lautartikulation stützten sich die Verfasser auf die experimentelle Arbeit von Dozent A. Laua „Das phonetisch-phonologische System der heutigen lettischen Literatursprache“ („Mūsdienu latviešu literārās valodas fonētiski fonoloģiskā sistēma“).

Die Morphologie beginnt mit einem umfangreichen Abschnitt zur Wortbildung. In diesem Abschnitt (S. 75—374) werden, neben einleitenden Bemerkungen, die Suffixe der Substantive behandelt, wobei Suffixaussilbe gesondert ausgewiesen werden (-a, -e, -is), ebenso die Suffixe internationaler Wörter. Besprochen werden die Präfix- und Halbpräfixbildung bei Substantiven (puspriedēkļiem) sowie zusammengesetzte Substantive. Anschließend werden die Wortbildung der Adjektive und Verben gesondert behandelt. Für die Wortbildung anderer Wortarten gibt es keine eigenen Abschnitte; ihre Wortbildungsfragen werden in der Darstellung der jeweiligen Wortart erörtert. Im Abschnitt über die Wortarten (vārdu šķiras) (S. 375—815) werden der Reihe nach Substantiv, Adjektiv, Zahlwort, Pronomen, Verb, Adverb, Präposition, Konjunktion, Partikeln und Interjektion (izsauksmes vārds) behandelt.

Obwohl diese Abschnitte Erscheinungen der heutigen lettischen Sprache behandeln, findet auch ein Forscher anderer Sprachen hier zahlreiche interessante Fakten. Besonders viel wertvolles Material wird der litauische Sprachwissenschaftler in diesem Buch finden, denn ein großer Teil der Erscheinungen entspricht völlig den Fakten des Litauischen; sehr interessant sind auch jene Aspekte, die dem Litauischen völlig fremd sind. Beide Arten von Erscheinungen veranschaulichen eindrucksvoll die eigenständige Entwicklung zweier eng verwandter Sprachen und die grundlegenden Tendenzen dieser Entwicklung.

Da man kein Spezialist für die lettische Sprache ist, fällt es schwer, den Verfassern Konkretes hinsichtlich der Struktur des Werkes, der Anordnung des Materials und erst recht hinsichtlich einzelner sprachlicher Fakten vorzuwerfen. Hier wollen wir lediglich die eine oder andere Kleinigkeit anführen, die uns beim Lesen der Seiten dieses Werkes aufgefallen ist.

6 K. Ancytis, Kādas valodnieciskas polemikas simtgadu piemiņai,—Rakstu krājums, veltījums akadēmiķim profesoram dr. Jānim Endzelīnam viņa 85 dzīves un 65 darbo gadu atcerei, 303, Rīgā, 1959.

7 K. Būga, Tauta ir žodis, 1, 423—424, Kaunas, 1923.

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Auf S. 44 ist die Formulierung zur Verwendung von engem e, ė nicht ganz präzise: „...vedu (no senāka vežu), metu (no senāka mešu) u. c.“ Der Leser könnte verstehen, dass lett. vedu < vežu entspricht, also du < žu usw.

Auf S. 106 wird bei der Behandlung der Substantive mit dem Suffix -enis auch das Wort ķermenis angeführt und erläutert, dass es eine Entlehnung aus dem Altpreußischen sei (ķermens). Ein Leser, der mit der Geschichte der lettischen Sprache weniger vertraut ist, könnte meinen, die Letten hätten dieses Wort aus dem Preußischen übernommen, obwohl es erst Atis Kronvalds (1837–1875), mehrere Jahrhunderte nach dem Aussterben des Preußischen, in die lettische Sprache eingeführt hat.

Auf S. 424 wird angegeben, dass das Wort (Grundwort), von dem das Adjektiv pilns abgeleitet ist, ausgestorben sei, während auf S. 155 steht: „piltuvis (blakus verbam pilt ar nozīmi „kļūt pilnam“). Der Zusammenhang zwischen den Wörtern pilns und pilt ist also völlig unklar.

Litauisch visas ist als visas zu akzentuieren, nicht als visas (S. 531); altpreußisch vissa (S. 531) sollte richtiger als vissa geschrieben werden.

Es muss visų geriausias geschrieben werden, nicht visų—geriausias (S. 465).

Lett. ja-, mit dessen Hilfe der Notwendigkeitsmodus (vaizdžibas izteiksme) gebildet wird, ist nach J. Endzelīns8 wahrscheinlich (wohl!) die alte gemeinsame Form des Genitivs und Ablativs des io-Stamm-Pronomens, nicht jedoch des Genitivs und Dativs, wie es in der Grammatik angegeben ist (S. 615).

Auf S. 704 wird vielleicht allzu kühn behauptet, das Adverb vakar stamme vom Lokativ Singular9.

Ebenso ist völlig unklar, warum im Grammatiktext zu einigen literarischen Denkmälern mehrere Ausgaben zitiert werden, zum Beispiel: Kaudz. 1 — Mērnieku laiki, Rīgā, 1913; Kaudz. 2 — Mērnieku laiki, Rīgā, 1949; Kaudz. 3 — Mērnieku laiki, Rīgā, 1954 oder V. L. 3 — Zvejnieka dēls, Rīgā, 1947; V. L. 12 — Zvejnieka dēls, Rīgā, 1956 usw. Von diesen Ausgaben ist doch eine die authentischste, und diese sollte zitiert werden.

Die Spezialisten für die lettische Sprache, die die neue Grammatik mit großem Interesse begrüßt haben, werden sie zweifellos eingehend untersuchen, ihre Stärken hervorheben, auf ihre Mängel hinweisen und Ungenauigkeiten aufdecken. Doch schon jetzt lässt sich sagen, dass das genannte Werk ein sehr bedeutendes Kapitel in der Geschichte der lettischen Grammatiken darstellt und dass die bescheidenen Verfasser dieser Grammatik, die ihre Namen nur in Petitdruck und nicht einmal auf der Titelseite angegeben haben, eine sehr positive Bewertung verdienen.

8 J. Endzelīns, Grammatik der lettischen Sprache, 886, Riga, 1951.

9 Vgl. K. Būga, Rinktiniai raštai, herausgegeben von Z. Zinkevičius, 2, 183, Vilnius, 1959; K. Ulvydas, Lietuvių kalbotyros klausimai, 2, 82, Vilnius, 1959.

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