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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXXVII (1997)

LEKSIKOGRAFIJOS IR LEKSIKOLOGIJOS PROBLEMOS

Adelė JUDEIKIENĖ

GEBRAUCH ENKLITISCHER VERBFORMEN mi, ti IN EINIGEN SÜDŽEMAITISCHEN MUNDARTEN*

Ziel dieses Artikels ist es, bei einem sehr alten und interessanten Sprachphänomen wenigstens kurz innezuhalten – dem Gebrauch enklitischer Verbformen mi, ti. Dieses Phänomen wurde bereits in ihren dialektologischen Arbeiten von Prof. V. Grinaveckis (Grinaveckis 1960: 41–110), A. Salys (Salys, 1992: 337) und Prof. Z. Zinkevičius (Zinkevičius 1966) untersucht. Zahlreiche Beispiele dieser Art, entnommen den Werken von K. Sirvydas, M. Daukša, J. Bretkūnas und anderen Autoren unserer alten Schriften, finden sich auch in den Bänden des LKŽ.

Auch Sprachwissenschaftler aus anderen Ländern interessierten sich für dieses alte Phänomen unserer Sprache – der Deutsche S. Hermanas (Hermann 1926: 15) und der Norweger Ch. S. Stangas (Stang 1966: 253–254).

Man nahm an, dass die enklitischen Verbformen inzwischen völlig ausgestorben seien. Dem muss widersprochen werden: Sie werden noch von den älteren Vertretern der südschemaitischen (dūnininkai-) Mundart verwendet. Zwar kennen die Jüngeren diese Formen überhaupt nicht mehr, obwohl sie ihre Mundart gut beherrschen.

Es soll noch etwas näher auf die Äußerungen mit diesen erhalten gebliebenen enklitischen Formen eingegangen werden, die in alten Schriften vorkommen, in der Zettelsammlung des Wörterbuchs festgehalten oder in den Mundarten gehört wurden.

Man nimmt an, dass die enklitischen Formen aus Verb + Personalpronomen entstanden sind. Da dieses Pronomen, dem betonten Verb angelehnt, unbetont war, veränderte es sich bei der Verkürzung: Aus mun entstand mi, aus tau – ti. Dies könnten auch Beispiele aus alten Schriften belegen: dokly duomi SD 72 „duoklę duomi“ [„den Tribut gebe ich dir“], afch iemus dūmi ambina giwenima BP II 83 „Aš jiemus duomi amžiną gyvenimą“ [„Ich gebe ihnen das ewige Leben“], galwa sawa dūmi ūbu awis mana BP II 74 „Galvą savo duomi užu avis mano“ [„Mein Leben gebe ich für meine Schafe“], dūkem nauie tikra Dwaje BP II 301 „Duokem (duok mi) naują tikrą dvasią“ [„Gib mir einen neuen, wahren Geist“], padūmi ing twirtas rakas tawos βweczeusios meiles DK 180–181 „Paduomi į tvirtas rankas tavos švenčiausios meilės“ [„Ich übergebe mich den festen Händen deiner heiligsten Liebe“].

Solche Beispiele finden wir auch in den Arbeiten unserer Sprachwissenschaftler. Viele davon gibt es in den Schriften von J. Jablonskis: duokiam (duokia + mi, d. h. duokiam) duonos kasnelį Ky (J. Jabl), tylėk, vaikeli, tuoj duonelės duosiut (duosiu tau) (J.Jabl 1957: 256), paskum ir savo veidą pamirodė (parodė man), dantį svembiam, dantį geliam

* Ich danke herzlich Doz. Dr. V. Vitkauskas für den Themenvorschlag und die Hilfe beim Verfassen dieses kurzen Artikels (Erstellung der Karte und Bereinigung der Transkription).

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(es tut mir weh, es sticht mich) (J. Jabl 1957: 255–256).

Profesoriaus Z. Zinkevičiaus teigimu (Zinkevičius 1966: 300), keletas panašių pavyzdžių yra pateikta K. Jauniaus Lietuvių kalbos gramatikoje. Galima būtų paminėti tokius sakinius: suspauskiam (= suspauskim) galvelę “сожми мне головушку”, dantį skaudam “у меня болит зуб”, ar dantį skaudat? (= skauda tau) “болит у тебя зуб?”, tylėk, ryškė paimsiuot (= paimsiu tau) “молчи, возьму тебе розгу”(Zinkevičius 1966: 300–301). F. Kuršaičio manymu (KGr 1876: 299), tokios formos Prūsų lietuviams buvo žinomos iš senųjų giesmynų, o gyvojoje kalboje beveik nebevartojamos. Vis dėlto pietų žemaičiai varniškiai, laukuv iškiai, kvėdarniškiai, švėkšniškiai, žvingiškiai, pajūriškiai ir kiti seni tų kraštų žmonės dar kartais pasako būsimojo laiko I asmens formas su priaugusiu t (< ti) arba gretutines (esam. I asm.) formas, net prie veik. rūšies dalyvio prideda tą -t (< ti) (bovâu os'ek'ėšos'ít “buvau užsikišusi”, bova žad'iejøs'it “buvai žadėjusi”). Tai netekęs reikšmės datyvas.

Prof. V. Grinaveckis erklärt, dass in seinem Dialekt (bei Laukuva) Verben des Indikativs Futur in der 1. und 2. Person häufig mit einem t am Ende ausgesprochen werden; dazu werden folgende Sätze angeführt: d'ėrpsūt špuok'ė.n'ę ~ dirbsuot špok inę „ich werde einen Nistkasten bauen“; asût nòmin ~ eisuot numien „ich werde nach Hause gehen“; važ'úsūt i š'el'al'ę ~ važiuosuot („ich werde fahren“) nach Šilalė; v'ėrsūt v'ėč'er'ė pōtra ~ virsuot („ich werde kochen“) Brei zum Abendessen; ar ės'it' i jėž'era „ob du in den See gehen wirst“; a dūs'it mon p'itos ~ ar duosyt („ob du geben wirst“) mir Mittagessen; je jės'it, gàus'it ~ jei esyt („wenn du bist“), gausyt („du wirst bekommen“) (Grinaveckis 1960: 109). Die 1. Person Futur mit der Endung t wird häufiger verwendet als die 2. Person.

Manchmal wird t auch am Ende anderer Verbformen ausgesprochen, z. B.: ož'b'l'õskas bov'âu os'ę k'ėšos'ít ~ hinter der Bluse („Blüschen“) hatte ich mir das Taschentuch eingesteckt (Grinaveckis 1960: 109).

Man nimmt an, dass die Endungen t der genannten Verben ein Überrest des Dativs des enklitischen Pronomens ti („dir“) sind. Nachdem ti seine Bedeutung verloren hatte, verschmolz es mit der Verbform der 1. Person und wurde als Endung aufgefasst. Später wurde t analog zur 1. Person auch an die Verbendungen der 2. Person angefügt.

Manchmal wird es, nach meinen Aufzeichnungen, auch an andere Verbformen angefügt. Häufig ist es mit der Endung der Verben der 1. Person Präsens verschmolzen; bisweilen ist es sogar an die Endungen von Partizipien angewachsen. All dies könnten auch die von mir sowie aus anderen benachbarten žemaitischen Dialekten aufgezeichneten Beispiele belegen (ein Teil davon stammt aus der Zettelkartei des LKŽ, der andere Teil wurde von Dr. V. Vitkauskas aufgezeichnet). Hier sind sie: būsūt naž'ėnos nuv'erc'au jūkās Pj (LKŽ K) „ich werde wohl unwissend sein – ich warf es scherzhaft um“; kon dar'īs'it Šv „was wirst du tun?“; kon p'ėrks'it torgū Šv „was wirst du auf dem Markt kaufen?“; mos'iet tor'ies'it t'ik p'ėn'ingu, ka tūok'os dal'ik'os p'ėrkal'ūoje Šv (LKŽ K) „du wirst wohl so viel Geld haben, dass du solche Dinge kaufen kannst?“; ka to l'ie ks'it pro dor'ės Grdm „dass du zur Tür hinausfliegst“; kaž'ė ar aš tau it'ėksūt Šv „ob ich dir wohl gefallen werde?“; dā nū galvùos tabl'ieč'o tòruūt Kv (LKŽ K) „noch Kopfwehtabletten haben“; làukūt làukūt, vọ ànūo jau nàb'ie (verstorben) Šv „warten, warten, aber er ist ja schon nicht mehr da“

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Verbreitungskarte der Verbformen mi, ti im südlichen Žemaitischen (dūnininkai)

Verzeichnis der Orte, aus denen Material gesammelt wurde

286 – Judrėnai (Rajon Klaipėda)

288 – Kvėdarna (Rajon Šilalė)

254 – Laukuva (Rajon Šilalė)

322 – Pajūris (Rajon Šilalė)

289 – Šiauduva (Rajon Šilalė)

323 – Šilalė

285 – Švėkšna (Rajon Šilalė)

321 – Tenэнiai (Rajon Šilalė)

356 – Vainutas (Rajon Šilalė)

357 – Žvingiai (Rajon Šilalė)

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laukuot, aber jenes gibt es schon nicht mehr“; išp’ėrso, ę žęnuosit Jdr (LKŽ K) „ich werde ausziehen (das Fell), und ihr werdet es wissen“; tòriūt m’iž’o, kv’ičiū Šv „turuot miežių, kviečių“; važ’usūt i t’orgo Šv „važiuosuot į turgų“; ašūt pas raibę Šv „eisuot pas Raibį“; tujau b’ėnksūt s’ūt’ę Grdm „tujau bengsuot siūti“; at’ędūk, k’on bovà žad’ėjosiŧ Lkv (LKŽ K) „gib zurück, was du versprochen hattest“; aš in’ėšūt Žv (LKŽ K) „ich werde hineintragen“; kan aš ęš juo išv’ėrsūt (iš to gėrimo), aš paval’g’os’ę ęso Tn (LKŽ K) „was ich daraus ausgießen werde, ich habe gegessen“; ànà mòn bòva s’èn’ė žad’ėjosiŧ Lkv (LKŽ K) „jene hatte es mir schon lange versprochen“; je nežad’insūt, m’on’ę k’ėks Vn (LKŽ K) „wenn du mich nicht weckst, wird er mich verfluchen“; buoc’parnašos’it iš sošiedo (tūbelį) Šv „ich hätte es aus der Nachbarschaft hergebracht“; gal nabràšūt – važ’ūjo i l’ęgūon’ęn’ę Kv „vielleicht sollte man nicht schreiben – ich fahre ins Krankenhaus“; lišk lišk, kol uodega įkišyt Šv (LKŽ XVII 469).

Wie die Beispiele zeigen, wird die enklitische Endung nicht nur bei Verben im Futur verwendet. Verbformen tòriūt, l’àukūt und andere ähnliche Formen zeigen, dass auch Verben im Präsens, sogar Partizipien, enklitische Endungen haben. Es wird angenommen, dass die Enklitika mi, ti, nachdem sie ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hatten, an andere Verbformen angefügt wurden.

Aus den verfügbaren Sprachdaten lässt sich schließen, dass es sich um eine sehr alte, schwindende Spracherscheinung handelt, die für die Sprachwissenschaft jedoch von großer Bedeutung und vorerst noch auf den Lippen der älteren Menschen lebendig ist.

Auf der Grundlage der angeführten Beispiele werden auf der Karte die Verbreitungsgrenzen dieser Erscheinung dargestellt. Im Westen verlaufen sie über Ramučiai–Inkakliai sowie am westlichen Rand von Skomantai, im Norden über Pežaičiai–Petraičiai–Judrėnai und am südlichen Rand von Šiuraičiai, im Osten über Požerė sowie am östlichen und südlichen Rand von Šilalė und im Süden über Žvingiai–Bikavėnai–Gorainiai und enden wieder bei Ramučiai.

LITERATUR UND QUELLEN

BP II – Postilla tatái esti Trumpas ir Prastas Ischguldimas Evangelin... Per J a n a B r e t-k u n a... Karaliaucziuie... 1591. I und II Teil.

DK – Katechismus oder Lehre für jeden Christen, erforderlich. Verfasst von D. Iakvba Ledesma, Theologen der Gesellschaft Jesu. Aus dem Polnischen ins Litauische übertragen von Kanonikus M i k a ł o j u D a u g s z a, Kanonikus der Žemaičiai. Gedruckt in Wilna... 1595.

G r i n a v e c k i s V. 1960: Šiaurės vakarų dünininkų tarmių fonetinės ypatybės ir jų raida. – VVPI Mokslo darbai, Lietuvių kalba ir literatūra 11, 41–110.

G r i n a v e c k i s V. 1957: Šiaurės vakarų dünininkų tarmių vokalizmas. Balsiai a, e. – VVPI Mokslo darbai 3, 161–174.

H e r m a n n S. 1926: Litauische Studien, Berlin.

J.Jabl – J a b l o n s k i s J. Ausgewählte Schriften 1, Vilnius: Staatlicher Verlag für politische und wissenschaftliche Literatur, 1957.

J o n i k a s P. 1939: Pagramančio tarmė, Kaunas: Švietimo ministerijos knygų leidimo komisija.

KGr – Grammatik der littauischen Sprache von F r i e d r i c h K u r s c h a t, Halle a. S.,1876.

LKŽ I–II – Wörterbuch der litauischen Sprache 1, Vilnius, 1941; 2, Kaunas: Staatlicher Verlag für Enzyklopädien, Wörterbücher und wissenschaftliche Literatur, 1947.

LKŽ XVII – Wörterbuch der litauischen Sprache 17, Vilnius: Verlag für Wissenschaft und Enzyklopädien, 1996.

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LKŽ K – Zettelkatalog des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“.

Salvys A. 1992: Raštai 4, Roma: Lietuvių Katalikų Mokslo Akademija.

SD – Sirvydas K. 1713: Dictionarium trium linguarum, In usum Studiosae Iuventutis. Avctore... Constantino Szyrw id... Qwinta editio... Vilnae... M DCC XIII... (žodyno penktasis leidimas).

Stang Ch. S. 1966: Vergleichende Grammatik der Baltischen Sprachen, Oslo [ir kt.].

Zinkevičius Z. 1966: Lietuvių dialektologija, Vilnius: Mintis.

DER GEBRAUCH DER ENKLITISCHEN VERBALFORMEN mi, ti IN EINIGEN DIALEKTEN DES SÜDSAMOGITISCHEN

Zusammenfassung

Der Beitrag untersucht ein sehr altes Phänomen der litauischen Sprache – die enklitischen Verbformen mi, ti und ihren Gebrauch in alten Schriften sowie im südsamogitischen (dūnininkai-) Dialekt. Beigefügt ist eine Karte, die die Verbreitung dieser Formen zeigt.

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