Page 1ACTA LINGUISTICA LITHUANICA
LI (2004), 125–139
ÜBERSICHT ÜBER NEUE ARBEITEN
Überblick über jüngere Veröffentlichungen
LITAUISCHE SPRACHWISSENSCHAFT IM JAHR 2003: IN LITAUEN VERÖFFENTLICHTE ARBEITEN
Das Jahr 2003 war für die litauische Sprachwissenschaft nicht besonders ergiebig. Unter dem Erscheinungsjahr 2003 wurden in Litauen veröffentlicht und werden hier drei Monografien besprochen (von Vytautas Kardelis, Rita Miliūnaitė und Juozas Jurkėnas), drei Sammelbände (Leksikografijos ir leksikologijos problemos, Sintaksinių ryšių tyrimai, der 3. Band von Zigmas Zinkevičius’ Rinktinių straipsnių) sowie eine Veröffentlichung zum historischen Orts- und Personennamenbestand Litauens (Jono Palionis’ XVII a. antrosios pusės Punios parapijos asmenvardžiai ir vietovardžiai).
Die Monografie von Vytautas Kardelis Phonologische Merkmale der slawischen Lehnwörter in den ostoberlitauischen Mundarten (Vilnius: Verlag der Universität Vilnius, 2003, 195 S., ISBN 9986-19-562-4 [Wissenschaftliche Arbeiten der Philologischen Fakultät der Universität Vilnius]) wurde auf der Grundlage einer 1999 verteidigten Dissertation verfasst. Sie besteht aus einem Vorwort, einer Einleitung und drei Kapiteln. Am Ende des Buches stehen eine ausführliche deutsche Zusammenfassung der Arbeit, übersetzt von Birno Wiemer (S. 146–158), ein umfangreiches Literaturverzeichnis (S. 159–168), eine Erläuterung der Abkürzungen (S. 169) und ein alphabetisches Verzeichnis der Slawismen (S. 170–195), in dem für jeden Slawismus grammatische Formen, Akzentuierung, Bedeutung und mögliche Entlehnungsquellen angegeben sind.
Im Vorwort (S. 9–10) wird die Aktualität der Arbeit begründet: Obwohl die Slawismen der litauischen Sprache bereits vergleichsweise umfassend untersucht worden sind, „fehlen weiterhin strukturelle und insbesondere diachrone Untersuchungen zu Slawismen. Eines der am wenigsten erforschten Gebiete ist die Phonologie der Slawismen“ (S. 9). In der recht ausführlichen Einleitung (S. 11–33) werden Forschungsrichtungen und Problemstellungen bei der Untersuchung der Slawismen des Litauischen sowie methodische Prinzipien der Untersuchung und Rekonstruktion erörtert. Als wichtigste Forschungsmethode wurde die interne Rekonstruktion gewählt; die Untersuchung gilt als Einführung in weiterführende und umfassendere Studien zur Integration von Slawismen (S. 27). Das Untersuchungsmaterial wurde unter Berücksichtigung der Primärquellen ausgewählt (vgl. S. 27–28) und ist daher zuverlässig und zweifelsfrei. Am Ende der Einleitung werden die Prinzipien der phonologischen Rekonstruktion knapp dargestellt (S. 29–33). Bemerkenswert ist, dass der Autor es für nötig hielt, in der Einleitung so grundlegende theoretische Fragen wie die unterschiedliche Chronologie von Entlehnungen oder die Systematizität der phonologischen Integration hervorzuheben.
Im ersten Kapitel des Buches, „Das phonologische System der Mundarten“ (S. 33–44), werden die wichtigsten und unterscheidenden Merkmale der Mundarten, die Phonemdistribution, die distinktiven Merkmale und das phonologische System knapp behandelt.
Im zweiten Kapitel, „Merkmale des Vokalismus der slawischen Sprachen“ (S. 44–62), das zusammen mit dem vorangehenden den einleitenden Teil der Untersuchung bildet, werden die erforderlichen Begriffe und Klassifikationen der slawischen Sprachen erörtert und das Vokalsystem der slawischen Sprachen überblicksartig dargestellt. Das Kapitel ist informativ, jedoch etwas zu umfangreich; Wiederholungen ließen sich darin nicht vermeiden.
Im dritten, zentralen Kapitel, „Die Entwicklung der Integration von Slawismen“ (S. 62–145), werden die qualitative und quantitative Integration slawischer Vokale und ihre Entwicklung untersucht; außerdem wird der Einfluss der Slawismen auf das Vokalsystem der Mundarten zusammengefasst.
Page 2126 |
ARTŪRAS JUDŽENTIS
Die Untersuchung der qualitativen Integration beginnt mit den Vokalen o und e. Es werden die grundlegenden Integrationsgesetze für betonte Positionen ermittelt: „slawisches o → betontes halblanges ā. in Slavismen“, „slawisches e → betontes halblanges ē. in Slavismen“; außerdem wird ihre Umformung zu den Gesetzen „slawisches o → betontes halblanges u̯ō. in Slavismen“, „slawisches e → betontes halblanges i̯ē. in Slavismen“ aufgezeigt. Überzeugend werden die Gründe für die Umformung der Gesetze dargelegt – eine Lücke im Teilsystem der halblangen Vokale der Mundarten (das Fehlen von Elementen mittlerer Zungenhöhe) (S. 89). Die relative Chronologie, die dem Wandel der Integrationsgesetze entspricht, lautet: Slavismen mit betonten halblangen ā., ē. seien älter, jene mit betonten halblangen u̯ō., i̯ē. dagegen jünger (S. 76). Die nicht-etymologischen Gesetze „slawisches o, e → betonte halblange ū., ī. in Slavismen“ seien infolge der Entwicklung der Vokalsysteme der slawischen Sprachen entstanden: Zum Zeitpunkt der Entlehnung stammten u- und i-artige Vokale aus den „Jers“; später seien sie in diesen Sprachen mit o und e zusammengefallen (S. 78–81). Slavismen mit Vokalismus solchen Ursprungs bildeten die älteste Schicht der slavischen Entlehnungen in den Mundarten: Sie seien bereits vor dem 12. Jahrhundert entlehnt worden. Die Erklärung der Slavismen der Mundarten mit betontem Langvokal ie: unterscheidet sich von Būgas Deutung: Sie beruhten nicht auf einer diphthongischen Aussprache des früheren slawischen „Jat“, sondern auf der Entwicklung des mundartlichen Vokals ie:. Zum Zeitpunkt der Entlehnung sei dem „Jat“ der enge, mittelhohe vordere Mundartvokal *e. am nächsten gewesen, aus dem sich später in betonter Position ie: entwickelt habe (S. 84–85). In dieser Argumentation scheinen Chronologie und Semantik der Entlehnungen nicht ausreichend berücksichtigt worden zu sein. Bei der Untersuchung der Integrationsgesetze für den slawischen Vokal a wird deren Wandel anschaulich dargestellt; angestoßen habe ihn die Veränderung des mundartlichen *a zu ɒː (S. 89–91). Überzeugend werden die Zusammenhänge zwischen den Umformungen der Integrationsgesetze für die slawischen Vokale o, e, a aufgezeigt und die durch die Entwicklung des mundartlichen Vokalismus bedingten Beweggründe offengelegt. Ausgehend von der früheren Distribution der mundartlichen Vokale *a: und *e: (nach weichen Konsonanten, in Neutralisierungsposition, habe nur *e: stehen können) wird Būgas Erklärung verworfen, wonach Slavismen, deren unterschiedliche Entsprechungen für slawisches ja in den Dialekten vorkommen, nicht zur selben Zeit entlehnt worden seien (Būga 1912/1958: 347). Die Entstehung des Integrationsgesetzes „slawisches y → betonter Diphthong ui in Slavismen“ wird phonologisch erklärt. Būgas Auffassung, ui in Slavismen könne aus dem hinteren slawischen y hervorgegangen sein (1912/1958: 348), wird zurückgewiesen und die Hypothese aufgestellt, dass es „entstanden sein könnte, als į, u aus Sonanten zu Vokalen wurden. Mit dieser Änderung ihres Status konnten į, u – wobei u ein Vokal war – den ersten Bestandteil eines Diphthongs bilden“ (S. 103). Diese Erklärung des Ursprungs des Diphthongs ui ist nicht besonders überzeugend.
Bei der Untersuchung der quantitativen Integration werden die Unterschiede in der Vokalquantität der Slavismen im Buch – anders als bei Būga (1912/1958: 344) – nicht durch die Länge oder Kürze der slawischen Vokale selbst, sondern durch die Entwicklung des phonologischen Systems der Mundarten erklärt. Slavismen mit unterschiedlich langen Vokalen seien zu verschiedenen Zeiten entlehnt worden und spiegelten die Entwicklung des mundartlichen Vokalsystems wider: Früher seien betonte kurze Vokale in den Mundarten noch nicht verlängert und gespannt gewesen; daher seien die slawischen i, y, u hinsichtlich des distinktiven Merkmals der Gespanntheit den langen mundartlichen iː, uː näher gewesen. Nachdem sich später in den Mundarten gespannte halblange iː, uː. herausgebildet hätten, seien die genannten slawischen Vokale mit ihnen in Korrelationen getreten (S. 111–113). Die Entsprechungen in unbetonter Position seien an jene in betonter Position angeglichen worden. Die neue Erklärung erscheint überzeugend, sollte aber auch durch Untersuchungen zur Chronologie und Semantik der Slavismen gestützt werden. Der im Verlauf der Entwicklung der quantitativen Integration beobachtete Wandel der Gesetze wird mit einer historischen Veränderung des phonologischen Integrationszentrums erklärt: Zunächst habe es das Teilsystem der langen Vokale gebildet, später dann das der halblangen Vokale. Die Veränderung des phonologischen Zentrums sei durch den quantitativen Wandel des Vokalismus bedingt gewesen – die Verlängerung der kurzen i, u in betonter Position zu halblangen Vokalen (S. 116–119). Die Integration der slawischen Vokale a, ja in unbetonter Position wird fundiert und aufschlussreich erklärt: Bei der Integration tiefer Vokale seien nicht quantitative Merkmale (oder die Gespanntheit), sondern die Qualität entscheidend (S. 122–124).
Zusammenfassend wird festgestellt, dass der Einfluss der Slavismen auf das mundartliche Vokalsystem nicht groß gewesen sei: „Alle Vokale der slawischen Entlehnungen sind in das System integriert und haben sich dessen syntagmatischem und paradig-
Page 3NAUJŲ DARBŲ APŽVALGA
| 127
matischen Beziehungsmodell angepasst“ (S. 124). Das System wird lediglich um zwei Elemente ergänzt – die halblangen ie., uo., die sowohl in betonter als auch in unbetonter Position vorkommen können. In der Studie „Zu den Verbindungen le, re, se in Slavismen“ (S. 126–138) wird die sogenannte Verhärtung der Konsonanten l, r, s in den ostaukštaitischen Dialekten untersucht.
In den Schlussfolgerungen (S. 138–145), die den abschließenden Teil des dritten Kapitels bilden, werden die Integrationsgesetze und ihre Entwicklung erneut erörtert. Die relative Chronologie aller Gesetze wurde bestimmt. Zuverlässig datierbar sind nur jene Slavismen der ältesten Schicht, in denen die slawischen „Jers“ durch betonte halblange (und, abhängig von der Position, unbetonte kurze) ů, į. wiedergegeben werden. Als sich die kurzen Vokale u, i in betonter Position verlängerten, entstanden neue Integrationsgesetze, die zugleich die Grenze zur neuen Schicht der Slavismen markieren. Nach dem Wandel der mundartlichen a·, e· zu ɔ·, ɛ· begann sich die jüngste Schicht der Slavismen herauszubilden.
Die Untersuchung von Vytautas Kardelis zeichnet sich durch Systematik, gute Argumentation, Scharfsinn und wohlabgewogene Zurückhaltung aus. Dank der konsequenten Untersuchung eines umfangreichen und zuverlässigen Dialektmaterials, der neuen Ideen und der gewichtigen Schlussfolgerungen ist die Arbeit für die litauische Dialektologie, die historische Phonologie, Lexikologie und Etymologie von Bedeutung.
Das Buch wurde von Danguolė Mikulėnienė und Olegas Poliakovas rezensiert. Seine Veröffentlichung wurde vom Bildungs- und Wissenschaftsministerium der Republik Litauen und der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache finanziert. Eine ausführlichere Rezension der Monografie erschien in der Zeitschrift Baltu filologija (Judžentis 2004).
2. Die Monografie von Ritos Milūnaitės Grundlagen der Normierung der litauischen Grammatik (Vilnius: Verlag des Instituts für Litauische Sprache, 2003, 332 S., ISSN 1648-3316, ISBN 9986-668-47-6 [Opera Linguistica Lithuanica 3]) beruht ebenfalls auf einer 1992 an der Universität Vilnius verteidigten Dissertation. Ein ganzes Jahrzehnt lang blieb diese Arbeit „die einzige verteidigte Dissertation, die unmittelbar dem Bereich der Sprachkultur gewidmet war“ (S. 5). Sie wird so veröffentlicht, wie sie ursprünglich verfasst worden war; lediglich bei Bedarf werden in den Fußnoten redaktionelle Anmerkungen hinzugefügt (S. 6).
Die untersuchte Arbeit besteht aus einem Vorwort, vier Kapiteln und Schlussfolgerungen. Am Ende des Buches finden sich ein Verzeichnis der Quellen und Literatur (S. 301–306), Angaben zu den Artikeln der Autorin, die vor und nach der Verteidigung der Dissertation veröffentlicht wurden (S. 306–307), eine recht ausführliche Zusammenfassung der Arbeit auf Englisch (S. 309–323) sowie ein von der Autorin erstelltes Personenregister (S. 325–328). Das praktische Inhaltsverzeichnis steht am Anfang des Buches (S. 7–11).
Im Vorwort des Buches (S. 13–17) wird das Verständnis von Entstehung und Entwicklung der Standardsprache dargelegt. Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der litauischen Standardsprache wird festgestellt, dass „heute ein beträchtlicher Teil der Sprachwissenschaftler der Ansicht ist, eine einheitliche wissenschaftliche Theorie zur Normierung der litauischen Standardsprache sei noch nicht entwickelt worden“ (S. 13–14); daher stütze sich in der praktischen Normierungsarbeit „jeder Sprachwissenschaftler nicht nur auf die entstandenen Normierungstraditionen, sondern auch auf seine eigene Erfahrung, Intuition, sein Sprachgefühl und die Grundlage des Dialekts, über den er verfügt“ (S. 14). Als Forschungsgegenstand wurde „nicht das Sprachsystem selbst, sondern der bewusste Einfluss der Sprachwissenschaftler auf die Standardsprache und die Motive für die Regulierung ihrer Normen“ gewählt (S. 14–15); entsprechend wurden auch die Ziele der Arbeit festgelegt: Methoden (Motive) zur Bewertung grammatischer Erscheinungen offenzulegen und nach Gesetzmäßigkeiten der grammatischen Normierung zu suchen (S. 15). Anschließend werden im Vorwort die Quellen der Forschungsdaten aufgelistet sowie Methodik, Aufbau und Begutachtung der Arbeit beschrieben.
Im ersten, einleitenden Kapitel des Buches (S. 19–53) werden theoretische Aspekte der grammatischen Normierung erörtert, die Quellen von Empfehlungen und die Methodik ihrer Untersuchung beschrieben sowie die grundlegenden Begriffe definiert (Grammatik, Gegenwartssprache, Norm, Variante, Normierung). Den Ausgangspunkt bilden die allgemeinsten Fragen – normative Sprachwissenschaft, Sprachebenen, Sprachwandel und Sprachgebrauch sowie Sprachentwicklung. Erörtert werden die Ursachen und Voraussetzungen des Sprachwandels; behandelt wird die Frage der Sprache
Page 4128 |
ARTŪRAS JUDŽENTIS
das Problem der Weiterentwicklung. Diese Themen werden anhand der theoretischen Literatur der 1960er- und 1970er-Jahre (vorwiegend russischer und tschechischer) untersucht, in der häufig noch linguistische Ideen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erörtert werden. Die Grenzen des Zeitraums für die synchrone Untersuchung des grammatischen Systems sind festgelegt: ein Zeitraum von 60 Jahren vom Tod Jablonskis bis zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit (1930–1990). Beschrieben wird der für die gesamte Arbeit bedeutsame Begriff der Sprachnorm: Das Verständnis der Sprachnorm durch die Prager Schule und Eugenio Coseriu sei unzureichend und „bedürfe einer wesentlichen Ergänzung und Präzisierung“ (S. 32), da es den Gegensatz zwischen Volkssprache und Standardsprache nicht berücksichtige; eines der wesentlichsten Merkmale der Standardsprache sei das bewusste Bestreben, die Sprachnormen einzuhalten. Da der Begriff der Standardsprache im Buch nicht erörtert wird, bleibt der Gegensatz zwischen Volkssprache und Standardsprache eher unklar. Andererseits erscheint die Rolle des „bewussten Schaffens und Regulierens“ (S. 32), zumindest in der gegenwärtigen Entwicklungsphase der Standardsprache, übertrieben. Treffend wird die Neigung der Praktiker der litauischen Sprachpflege festgestellt, die Sprachnorm mit der Kodifizierung gleichzusetzen (S. 33). Das Konzept einer realen Standardsprache-Norm, die „im Spannungsfeld zwischen dem Sprachgebrauch der Standardsprache und dem Einfluss der Kodifizierung (d. h. der kodifizierten Norm) existiert“ (S. 35), erscheint weder besonders klar noch notwendig. Noch unklarer wird es, wenn behauptet wird, die gegenwärtige reale Norm der Standardsprache „existiere nur insofern, als sie durch die Kodifizierung und bewusst entwickelte Gewohnheiten gestützt werde“ (S. 37). Die Autorin (wie auch viele Praktiker der Sprachpflege) versteht Kodifizierung als Teil der normierenden Tätigkeit, als eine ihrer Phasen (die anderen sind die Präzisierung kodifizierter Normen und deren Einführung in den Sprachgebrauch) (S. 42). In der Einleitung werden die Quellen der untersuchten Empfehlungen beschrieben: Juozas Balčikonis’ Rinktiniai raštai und die Zeitschriften Gimtoji kalba (1933–1941), Gimtoji kalba (1958–1968), Kalbos kultūra (1961–1990), Mūsų kalba (1968–1989); außerdem wird die Statistik der darin veröffentlichten Empfehlungen vorgelegt (S. 50). Kurz werden die Empfehlungen zur grammatischen Normierung der 1930 erschienenen Zeitschrift Kalba überblickt. Am Ende der Einleitung werden die Methodik zur Untersuchung von Sprachkorrekturen sowie die Begriffe Empfehlung, deren Begründung und einige weitere Begriffe erläutert.
Das zweite Kapitel „Überblick über die Normierung grammatischer Erscheinungen“ (S. 55–213) ist das umfangreichste und macht die Hälfte des gesamten Buches aus. Darin wird untersucht, „worauf sich die Normierung konkreter grammatischer Erscheinungen stützte, die in den zusammengestellten Empfehlungen behandelt werden“ (S. 55). Zu Beginn des Kapitels werden methodische Anmerkungen erörtert sowie der Begriff der grammatischen Variante, die Einteilung der Varianten und Fragen der Auslegung von Empfehlungen behandelt. Es wird betont, dass die Bewertung grammatischer Erscheinungen im Buch nicht korrigiert wird; vielmehr wird lediglich versucht, den Gedanken des Autors zu verstehen. Variierende grammatische Erscheinungen werden in fünf Gruppen unterteilt: Ausgehend von Wortformen werden anschließend Wortverbindungen und Konstruktionen, indirekte Satzglieder, zusammengesetzte Sätze und die Wortstellung im Satz behandelt. Das Kapitel endet mit zusammenfassenden Anmerkungen. Bei der Interpretation der untersuchten Grammatik-Korrekturen fehlt eine kritische Bewertung. Unbegründete oder unzureichend begründete Empfehlungen werden gemeinsam mit gut begründeten erörtert. Beispielsweise wird der Vorschlag, koordinierte Sätze mit dem Konnektor kai tuo tarpu zur Bezeichnung eines Gegensatzes nicht zu verwenden, weil dieser Konnektor durch Übersetzungen entstanden sei (S. 189), als durch das Reinheitsgebot begründet eingestuft. Ohne jedoch zu bewerten, ob die Empfehlung hinreichend begründet ist und ob der fremde Ursprung der betreffenden Sätze nachgewiesen wurde, entbehrt ihre Interpretation einer Grundlage. Ähnlich verhält es sich in anderen Fällen (Sätze mit jei(gu)…, tai; kuomet; tegu(l); konzessive Nebensätze mit dem Verbpräfix be-): Die Empfehlungen nach den von den Autoren selbst angegebenen Begründungen zu klassifizieren, ohne deren Stichhaltigkeit zu berücksichtigen, erscheint nicht sinnvoll. Die Autorin selbst merkt an, dass „Unkorrektheit und die Tradition der Korrekturen für sich genommen keine hinreichend aussagekräftigen“ Begründungen für Korrekturen sind (S. 196). Die Chronologie der Korrekturen, die für die Untersuchung recht wichtig sein sollte, wird von der Autorin nicht immer berücksichtigt. Zum Beispiel Sätze mit
Page 5NAUJŲ DARBŲ APŽVALGA
129
den Konjunktionen o taip pat habe nach den Angaben der Autorin zuerst Aldonas Pupkis korrigiert (ab 1970), doch der Überblick über die Korrekturen beginnt mit Stasys Keinys (1977) und Angelė Kaulakienė (1983) (S. 189). Dieser Teil der Arbeit ist ein gutes thematisches Verzeichnis der grammatischen Empfehlungen aus dem im Buch behandelten Zeitraum. In den zusammenfassenden Anmerkungen des Kapitels werden variierende grammatische Erscheinungen in formale und funktionale eingeteilt; außerdem wird ihre Distribution im Hinblick auf die reale Norm der Standardsprache behandelt. Da die Arbeit weder die Stichhaltigkeit der Empfehlungen noch den Forschungsstand zu den bewerteten Erscheinungen oder die von der Autorin selbst angeführten psychologischen Faktoren berücksichtigt (vgl. S. 212), erscheint das vorgeschlagene System zur Abstufung der Bewertung variierender grammatischer Erscheinungen (S. 209–212) nicht hinreichend begründet.
Im dritten Kapitel (S. 215–278) werden die Begründungen der erörterten grammatischen Empfehlungen verglichen. Unterschieden werden beispielsweise folgende Begründungen für die Korrekturen von Juozas Balčikonis: lebendige Sprache, Belletristik und ältere Schriften, die Autorität von Jonas Jablonskis, Korrektheit, Reinheit, funktional-stilistische Zweckmäßigkeit und einige weitere (Sprachgefühl, sprachliche Etikette). Das Kapitel berücksichtigt weder die Genauigkeit noch die Stichhaltigkeit der in den Empfehlungen angeführten Begründungen.
Das vierte Kapitel „Prinzipien und Kriterien der grammatischen Normierung“ (S. 279–292) fasst die Ergebnisse zusammen. Es behandelt die Prinzipien und Kriterien, an denen sich die Verfasser der untersuchten Empfehlungen orientierten. Begonnen wird mit der Begründung anhand des Anwendungsbereichs, das heißt mit der Quelle der Normen. Die übrigen Bewertungsprinzipien und -kriterien werden in grundlegende (Systemhaftigkeit, Korrektheit, Reinheit) und ergänzende (Sprachgefühl, sprachliche Etikette, sprachliche Ästhetik, sprachliche Ökonomie, Benutzerfreundlichkeit, Klarheit) gruppiert. Die grundlegenden Kriterien seien „auf das Eigenwesen der Sprache ausgerichtet“, die ergänzenden hingegen „auf den Sprachbenutzer“ (S. 283). Gesondert von allen anderen werden „das allgemeinste, auf die Sprachbenutzer ausgerichtete Prinzip – die Zweckmäßigkeit“ (S. 288) sowie nichtstandardisierte Methoden zur Begründung von Empfehlungen behandelt. Das Wesen der aufgelisteten Prinzipien und Kriterien wird herausgearbeitet, ihr Zusammenspiel aufgezeigt; häufig sind ihre Grenzen unklar.
Im Fazit des Buches (S. 293–300) werden die wichtigsten Aussagen der durchgeführten Arbeit in Erinnerung gerufen. In diesem Teil des Buches werden die Prinzipien der Normierung der Standardsprache (Stabilität der Normen und Berücksichtigung von Veränderungen im Sprachgebrauch) wohl am klarsten von den Kriterien unterschieden; das erste Prinzip gilt als wichtiger (S. 296). Das Fazit enthält aufschlussreiche Bemerkungen der Autorin zur unterschiedlichen Bewertung derselben Erscheinung in verschiedenen Empfehlungen und zu den subjektiven Ursachen solcher Bewertungen (S. 295), zu den recht apriorischen, nicht hinreichend durch Fakten gestützten theoretischen Erörterungen der vergangenen Jahrzehnte über Prinzipien und Kriterien der Normierung der Standardsprache (S. 297), dazu, dass jede sprachliche Erscheinung ihre eigenen Gebrauchs- und Bewertungsbesonderheiten hat (S. 298) und deshalb kein universelles Schema von Prinzipien und Kriterien für alle grammatischen Erscheinungen festgelegt werden kann (S. 299), sowie dazu, dass sich zwischen den funktionalen Stilen der Standardsprache keine klaren Grenzen ziehen lassen (ebd.). Das untersuchte Material erlaubt der Autorin die Feststellung, dass „auch die normierende Arbeit nicht frei von Unstimmigkeiten blieb und stellenweise eine etwas oberflächliche, wissenschaftlich nicht hinreichend fundierte Begründung aufweist“ (ebd.). Mit der Betonung der Bedeutung der Metasprache normierender Arbeit – einigen Korrekturen fehle unter anderem „eine klarere und präzisere Terminologie (im Sinne eines Systems sprachpflegerischer Begriffe), die es dem Sprachbenutzer ermöglichen würde, den Wert der einen oder anderen Erscheinung eindeutig zu erfassen“ (S. 299) – wird die Rolle der Linguisten und der von ihnen geschaffenen Terminologie etwas überbewertet.
Die Untersuchung von Rita Miliūnaitė wurde gewissenhaft und sorgfältig durchgeführt und ist vertrauenswürdig. Die Definitionen der wichtigsten Fachbegriffe und die Erläuterungen der Konzepte werden für die weitere Entwicklung der angewandten Linguistik nützlich sein. Für die Erforschung des grammatischen Aufbaus des heutigen Litauischen ist dieses Buch als Verzeichnis variierender grammatischer Erscheinungen nützlich, das den Stand ihrer Erforschung widerspiegelt. Für Soziolinguisten und Sprach-
Page 6130
ARTŪRAS JUDŽENTIS
Für Sprachhistoriker ist sie nützlich, um den Zustand der litauischen Sprachkultur in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennenzulernen. Das Buch ist zweifellos besonders bedeutsam für die weitere Arbeit an der Kodifizierung der litauischen Standardsprache.
Die Herausgabe des Buches wurde vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Litauen unterstützt. Die Monografie wurde in der Zeitschrift Kalbos kultūra rezensiert (Labutis 2004).
3. In Juozo Jurkėno auf Russisch verfasstem Buch Grundlagen der baltischen und slawischen Anthroponymik (Основы балтийской и славянской антропонимики, Vilnius: UAB Ciklonas, 2003, 194 S., ISBN 9955-497-40-8) wird der alte litauische Namenschatz untersucht. Darin werden die langjährigen Forschungen des Autors zusammengefasst (vgl. die Publikationen im Literaturverzeichnis, S. 186–187). Bereits 1980 hatte er in Moskau seine Dissertation zum Doktor (heute: habilitierter Doktor) mit dem Titel „Die Onymisierung von Appellativa und die Entwicklung der anthroponymischen Systeme der indoeuropäischen Sprachen“ verteidigt. Die im Buch behandelten Fragen werden als an der Schnittstelle von Sprachwissenschaft, Kulturgeschichte, Ethnogenese und sogar Psychologie angesiedelt betrachtet (vgl. S. 10). Die Verbindung kulturwissenschaftlicher und linguistischer Ansätze wird auch auf dem hinteren Einband betont, wo das Buch als Beschreibung der Wege und Verfahren zur Rekonstruktion des Denkens vorgestellt wird, das sich in den überlieferten Eigennamen widerspiegelt.
Im Vorwort (S. 9–10) werden die Umstände erläutert, die den Autor dazu veranlassten, sich mit dem Studium der alten Anthroponymie zu befassen: Unzufriedenheit mit den Untersuchungen zur baltischen und slawischen Anthroponymie, die zwar einwandfrei, aber nach einer einzigen Methodik durchgeführt wurden. Es galt, Antworten auf die Fragen zu finden, warum Eigennamen nur auf der Grundlage bestimmter Appellativa gebildet werden und ob Etymologien, die sich lediglich auf die formale Ähnlichkeit zwischen dem Stamm eines Anthroponyms und dem entsprechenden Appellativ stützen, als hinreichend begründet und überzeugend gelten können. Man vertrat die Auffassung, dass für die Entstehung eines Eigennamens weniger die Form des motivierenden Appellativs als vielmehr dessen semantische Struktur ausschlaggebend ist. Das alte europäische anthroponymische System sollte umfassend und unter verschiedenen Gesichtspunkten beschrieben werden. Das Buch verfolgt das Ziel, eine bestimmte Anzahl von Wurzeln mit gemeinsamen semantischen Komponenten zu ermitteln, die zur Entwicklung zu Anthroponymen neigen; Wortnester verwandter Sprachen herauszuarbeiten, aus denen in verschiedenen Sprachen Personennamen gebildet werden; auf die Möglichkeiten und Perspektiven arealer Untersuchungen von Anthroponymen hinzuweisen; sowie vorläufige Überlegungen zu den Berührungspunkten und zur Wechselwirkung zwischen der baltischen und der slawischen Anthroponymie zu formulieren („Einleitung“, S. 14).
Die Untersuchung umfasst sechs Kapitel. Im ersten wird anhand der Ansichten von Linguisten, Philosophen und Kulturwissenschaftlern unterschiedlicher Epochen und Schulen die Stellung der Eigennamen im lexikalischen System erörtert („Die Stellung der Eigennamen im lexikalischen System der Sprache“, S. 16–20). Das zweite Kapitel, „Methodologische Probleme der Anthroponymik“ (S. 21–35), betont die Unzulänglichkeit einer Etymologie, die sich allein auf die formale Seite der Sprache stützt, sowie Entlehnungen in der Anthroponymie, die gegenseitige Beeinflussung anthroponymischer Systeme, die Aufnahme von Elementen eines anthroponymischen Systems in ein anderes, Homonymie und anderes. Was Tomas Gamkrelidze und Vjačeslav Ivanov (1984) als Weltmodell bezeichnen (Mythologie und Ritual), bringt Jurkėnas mit dem kognitiven Aspekt der Sprache in Verbindung (vgl. S. 39); deshalb untersucht er im Kapitel „Kognitive Aspekte der Anthroponymie“ (S. 36–46) die Rolle semantischer Oppositionen und semantischer Komponenten in der alten Anthroponymie.
Das Hauptkapitel und zugleich das umfangreichste ist das vierte: „Das System der Einheiten, die bei der Herausbildung der Anthroponymie der indoeuropäischen Sprachen eine besondere Rolle spielten“ (S. 47–115). Da die Etymologie von Eigennamen als Bestimmung der Onymisierungsmuster verstanden wird, die ihnen zugrunde liegende Gattungsnamen hervorgebracht haben (S. 47), richtet sich die Aufmerksamkeit in diesem Kapitel vor allem auf die Auswahlprinzipien für Wörter, die dazu neigen, zu Eigennamen zu werden (onymisiert zu werden). Die von Gamkrelidze und Ivanov (1984) ermittelten
Page 7NAUJŲ DARBŲ APŽVALGA
131
Elemente des indoeuropäischen Weltmodells werden mit Komponenten der alten Anthroponymie verschiedener indoeuropäischer Sprachen verglichen; angestrebt wird die Erstellung eines synoptischen Schemas des Wortschatzes, der bei der Herausbildung der Anthroponymie der indoeuropäischen Sprachen eine entscheidende Rolle spielte (Entwürfe dieses Schemas finden sich auf S. 49). Gemäß dem festgelegten Schema werden Gattungsnamen bestimmter Bedeutungen systematisch Anthroponymen verschiedener indoeuropäischer Sprachen gegenübergestellt, die eine Wurzel entsprechender Bedeutung enthalten (S. 53–115). Die Kommentare des Autors sind spärlich; weder die Bildung noch die Etymologie der angeführten Anthroponyme wird untersucht, und die Quelle, aus der sie stammen, wird bei weitem nicht immer angegeben (ein Gesamtverzeichnis der Quellen ist am Buchende beigefügt). So sieht beispielsweise das Namenfeld von Anthroponymen aus, die mit dem litauischen naujas und seinen Entsprechungen in anderen indoeuropäischen Sprachen in Verbindung gebracht werden; es ist im Abschnitt „Alter, Generationenwechsel“ (S. 108) aufgeführt:
Lit. naujas „neu“, altpreuß. nauns dasselbe, kirchenslaw. новъ, griech. νέος „neu, jung“, lat. novus, „neu“, altir. næue dasselbe, got. niujis dasselbe, ahd. niuwi dasselbe usw. // Anthroponyme: lit. Naujalis, Naujikas, Navūlis; altpreuß. Nawne, Naw-sude, Naw-tarre, Naw-tinte; weißruss. Новак, Новак, poln. Nowo-siodł, Nowosz; germ. Nivo, Nevo, Nivilo, Neu-fred, Niwi-rat, Niwi-rich, Niv-ulf, Niujila, Newio-gast, Nevitta; kelt. Neus, Ne vica, Nevilla, Nevio-dūnon, Novantius, Novānus, Novaros, Novellius, Novios; griech. Νέ-ανδρος, Νεο-κλῆς, Νεο-φίλη, Νέας.
Nach der Erörterung der alten Komponenten des indoeuropäischen anthroponymischen Systems wendet sich die Darstellung arealen Untersuchungen des Namenschatzes zu („Die areale Untersuchung als Suche nach Überresten des ältesten Zustands der Anthroponymie“, S. 116–134). Dabei wird Kazimieras Būgas Aufforderung aufgegriffen, Flussnamen miteinander zu vergleichen und sich erst nach Feststellung ihrer Verbreitung der Etymologie – dem Vergleich mit Gattungsnamen – zuzuwenden (1961: 510). Nach Jurkėnas sind einige zweistämmige Personennamen und ihre Kurzformen Relikte des alten europäischen Namenschatzes (S. 119). Die Aussonderung und Untersuchung einer archaischen Schicht von Anthroponymen kann zusätzliche Erkenntnisse über Ursprung und Entwicklung des alten Eigennamensystems liefern. Als solche Relikte gelten die Personennamenwurzeln ar-, bur-, daun-, gail-, leik-/lik-, sei-/sai-, sal-, sar- (S. 120–130). Es wird darauf hingewiesen, dass neue Anthroponyme nicht nur durch Derivation und Komposition entstehen, sondern auch durch Vermischung von Personennamen aus unterschiedlichen anthroponymischen Reihen (S. 131). Die Gemeinsamkeiten europäischer anthroponymischer Systeme erklärt Jurkėnas mit der Verbreitung bestimmter bereits zuvor existierender Eigennamen oder mit genetischer Verwandtschaft. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen betrachtet er als Ergänzung zu den Arbeiten von Hans Krahe und Wolfgang P. Schmidt (S. 134). In diesem Kapitel werden bereits zuvor vom Autor geäußerte Gedanken recht häufig wiederholt.
Im letzten, sechsten Kapitel des Buches („Die Anthroponymie als Quelle für Informationen über die ältesten sprachlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den baltischen und slawischen Völkern“, S. 135–153) wird hervorgehoben, dass die Ergebnisse der Untersuchungen alter Personennamen nicht mit der genetischen Verwandtschaft der baltischen und slawischen Sprachen übereinstimmen. Viele baltische Personennamen seien archaisch, während das slawische anthroponymische System mehr Neuerungen aufweise (S. 135–136). Um den wechselseitigen Einfluss der anthroponymischen Systeme der baltischen und slawischen Sprachen festzustellen, sollten nach Ansicht des Autors Eigennamen gleicher Form (oder ihre Komponenten) untersucht werden. Diese Formen weisen häufig unterschiedliche Etymologien auf, können jedoch miteinander verwandt oder entlehnt sein. Die Untersuchung der anthroponymischen Systeme hinsichtlich ihrer Bildung, Typologie und Arealverteilung ermöglicht es, die Beziehungen zwischen isomorphen Komponenten des Namenschatzes zu bestimmen und ihre Etymologie genauer zu bestimmen. Eine zentrale Rolle komme bei solchen Untersuchungen der Bestimmung der Stellung eines Anthroponyms im gesamten Personennamensystem zu. Jurkėnas führt Beispiele für die Untersuchung solcher isomorphen Komponenten baltischer und slawischer Personennamen an – er erörtert die Personennamenwurzeln but-, bub-, liaud-, nan- und vaid- (S. 144–152).
In den Schlussbemerkungen (S. 154–165) wird die besprochene Arbeit zusammengefasst. Als eines der wichtigsten Entwicklungsgesetze der Anthroponymie betrachtet Jurkėnas die Konvergenz, die durch die formale anthroponi-
Page 8132 |
ARTŪRAS JUDŽENTIS
… von Wörtern, die aus verschiedenen Appellativen hervorgegangen sind, Ähnlichkeit. Sprachkontakte spielten eine wichtige Rolle bei der Herausbildung des Lexikons verschiedener Sprachen. Als Ziel typologischer Untersuchungen gilt die Entwicklung eines hypothetischen Modells der Anthroponymisierung von Appellativen. Derzeit lässt sich lediglich ein System recht häufig verwendeter Stämme feststellen, die sich in der Anthroponymie vieler indoeuropäischer Sprachen aussondern lassen. Das baltische anthroponymische System bestehe aus recht archaischen Einheiten. Ihre Untersuchung könne für die Rekonstruktion des Systems indoeuropäischer Eigennamen von Bedeutung sein.
Das Buch schließt mit Zusammenfassungen auf Litauisch (S. 166–170) und Englisch (S. 171–176) sowie Verzeichnissen der Abkürzungen (S. 177–179), Quellen (S. 180–182) und Literatur (S. 183–190). Als Anhang ist dem Buch am Ende ein Verzeichnis der Anthroponyme und ihrer Komponenten beigefügt, die mit zwei oder mehr Reihen der Onymie verbunden sind (S. 191–193).
Die Monografie hinterlässt widersprüchliche Eindrücke. Die weitreichenden Ambitionen, die weit ausgreifenden Ideen und die interessanten Erklärungen zur Entwicklung der älteren Anthroponymie passen nicht zu dem recht freien und einseitigen Umgang mit dem Quellenmaterial, bei dem der Etymologie und Wortbildung der Personennamen einzelner Sprachen zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die besten Ergebnisse wären wohl von vielseitigen Untersuchungen der älteren Anthroponymie zu erwarten, die sowohl ihre semantischen als auch ihre Ausdrucksaspekte berücksichtigen.
Das Buch wurde von Simas Karaliūnas und Olegas Poliakovas rezensiert; seine Veröffentlichung wurde aus Mitteln des Programms der Republik Litauen zur Verwendung und Förderung der Staatssprache für die Jahre 1996–2005 unterstützt.
4. Der Sammelband Leksikografijos ir leksikologijos problemos (herausgegeben vom Zentrum für Lexikografie des Instituts für Litauische Sprache, Redaktionskollegium: Pietro U. Dini u. a., Vilnius: Verlag des Instituts für Litauische Sprache, 2003, 344 S., ISBN 9986-668-53-0) enthält 27 Beiträge zu verschiedenen Themen der historischen und zeitgenössischen Lexikografie. Thematisch sind sie in vier Kapitel gegliedert. Jeder Beitrag enthält ein Literaturverzeichnis (und, falls erforderlich, auch ein Abkürzungsverzeichnis) sowie eine englische oder deutsche Zusammenfassung.
Den für vergleichbare Sammelbände üblichen Einführungstext ersetzt Evalda Jakaitienės Beitrag „Šiuolaikinės leksikografijos tikslai ir uždaviniai“ (S. 9–14). Darin werden die allgemeinsten Fragen der Theorie und Praxis der Lexikografie erörtert. Lexikografie wird als „eine wissenschaftliche kreative Tätigkeit angewandter Art, die sich auf wissenschaftliche Daten und Aussagen stützt“ definiert (S. 12). Die Etappen der lexikografischen Tätigkeit werden herausgearbeitet und die Aufgaben der lexikografischen Theorie benannt. Erörtert werden das Verhältnis zwischen lexikografischer Theorie und Praxis, die Rolle der Wörterbücher sowie Sinn und Wert der Arbeit von Lexikografen. Die im Beitrag behandelten allgemeinen Fragen hätten stärker mit der gegenwärtigen Lage der litauischen Lexikografie verknüpft werden können.
Im ersten Kapitel, „Geschichte der Lexikografie“, erscheinen Beiträge von Pietro U. Dini und Diego Ardoino, Vidmantas Kuprevičius, Virginija Stankevičienė, Vilma Šaudina sowie Angelė V. Vilutytė-Rimševičienė. Unter den übrigen sticht der Beitrag von Ona Kažukauskaitė „Ne Jumskis, o Ivinskis“ (S. 19–31) hervor. Darin wird überzeugend gezeigt, dass das sogenannte „Jumskis-Wörterbuch“ nichts anderes sei als Laurynas Ivinskis’ „Polnisch-litauisches Wörterbuch“. Auch der Schlussfolgerung der Autorin ist zuzustimmen, dass es an der Zeit wäre, dieses handschriftliche Wörterbuch zu veröffentlichen.
Das zweite Kapitel mit dem Titel „Zeitgenössische Lexikografie“ ist das umfangreichste des Buches. Gesondert sollen die Beiträge von Aloyzas Gudavičius, Evalda Jakaitienė und Jolanta Viburytė besprochen werden.
In Aloyzas Gudavičius’ Beitrag „Žodžio reikšmės definicijos tautinis aspektas“ (S. 61–69) werden Ideen der kognitiven Linguistik auf die Lexikografie angewandt. Dabei stützt sich der Autor vor allem auf die Arbeiten von Anna Wierzbicka. Die nationale Prägung der Bedeutungsdefinition wird begründet durch „Wörter, mit denen gewöhnliche, alltägliche Dinge und Erscheinungen sowie Phänomene der materiellen und geistigen Kultur eines Volkes bezeichnet werden“,
Page 9NAUJŲ DARBŲ APŽVALGA
133
reichere semantische Struktur und stärkere assoziative Verbindungen zu anderen Wörtern aufweist (vgl. S. 63). Ein solches Verständnis des Nationalcharakters einer Definition und das entsprechende Prinzip des Nationalcharakters sind wohl allzu eng und geradlinig gefasst; sie scheinen schlicht aus einer anderen Richtung der modernen Linguistik übernommen zu sein – der Ethnolinguistik. Der Autor selbst bringt am Ende des Artikels die Art der Bedeutungsdefinitionen auch mit dem Zweck (Typ) des Wörterbuchs in Zusammenhang.
In Evalda Jakaitienės Artikel „Homonymie in parallelen Wörterbüchern der litauischen Sprache“ (S. 70–79) werden Erfahrungen aus der praktischen Arbeit zusammengefasst. Erörtert werden konkrete Probleme und deren Lösungswege; dabei treten Diskrepanzen zwischen Lexikologie und Lexikografie (bzw. zwischen Theorie und Praxis der Lexikografie) zutage. Es wäre interessant, die Wörterbücher der litauischen Sprache in dieser Hinsicht mit den entsprechenden Wörterbüchern anderer Sprachen zu vergleichen.
Jolanta Viburytė untersucht die Definitionen von Fellfarben bei Tieren im „Wörterbuch der litauischen Sprache“ (S. 119–135). Nach einer semantischen Analyse der Artikel zu den entsprechenden Wörtern benennt sie Mängel der bestehenden Definitionen und schlägt vor, die Fellfarbe von Tieren nach dem Schema „mit Fell von bestimmter Farbe“ zu definieren. Bei der Definition sollten vorzugsweise gebräuchliche Bezeichnungen für Farben und Farbtöne verwendet werden. Der Artikel ist analytisch angelegt; das gesammelte Material wurde anhand festgelegter Kriterien sorgfältig untersucht, und die Schlussfolgerungen werden künftigen Arbeiten von Lexikografen zugutekommen.
An die analytischen Beiträge schließen sich auch die in diesem Kapitel abgedruckten Artikel von Vilija Sakalauskienė, Agris Timuška und Jolanta Zabarskaitė an. Die Artikel von Jurgita Mikelionienė, Olegas Poliakovas und Ieva Zuicenė sind Überblicksbeiträge.
Im dritten Kapitel „Lexikologie und Etymologie“ erscheinen zwei historische Beiträge (von Bernd Gliwa und Jonas Klimavičius). Nicht ganz zu Recht ist in dieses Kapitel Mildas Norkaitienės Artikel „Litauische Zoonyme. Bezeichnungen für Schweine (Sus domesticus)“ aufgenommen worden. Ebenfalls abgedruckt sind Vidas Rudaitienės recht oberflächlicher Artikel „Die Eigenart der litauischen Sprache und die westlichen Sprachen“ sowie Zita Šimėnaitės umfangreichere Veröffentlichung „Die Semantik von Phraseologismen mit dem Substantiv širdis“.
Bernd Gliwas Arbeit „War die litauische ragana ‚ведьма; witch; Hexe‘ eine ‚Seherin‘? (S. 159–169) besticht durch interessante Einsichten sowie durch gute Kenntnis der Geschichte der Fragestellung und des untersuchten Materials. Dennoch ist der Text etwas langatmig und schwer zu lesen. Die vorgeschlagene neue Etymologie des Wortes ragana *‚Toter; umherwandernder Geist eines Toten; Gespenst‘ erscheint semantisch nicht hinreichend begründet. Noch größere Zweifel wecken die Verbindungen von raganos mit dem lateinischen regina ‚Herrscherin‘ und Ähnlichem.
Auch Jonas Klimavičiaus Artikel „AUKA, APIERA, ATNAŠA: Merkmale ihrer Geschichte und Verwendung“ (S. 170–194) enthält interessante Gedanken. Seiner Ansicht nach muss Kazimieras Būgas Auffassung, auka sei eine halbe Neubildung Simonas Daukantas’, korrigiert werden: Plausibler sei die Annahme, dass Daukantas diese Ableitung mit der Endung aus aukuoti gebildet oder ein früher vorhandenes Wort wiederhergestellt habe. Die Leserinnen und Leser des Artikels müssen sich recht mühsam durch das Dickicht der Fakten kämpfen, da der Gedanke des Autors in der Fülle der Daten untergeht.
Im vierten Kapitel des Buches, „Dialektologie: Wortschatz der Mundarten“, sind Beiträge zu recht unterschiedlichen Themen zusammengestellt.
Aurelija Genelytės Artikel „Wortbildungsmotivation volkstümlicher Pflanzennamen: ein vergleichender Blick auf die nördlichen Panevėžys-Mundarten und andere litauische Dialekte“ (S. 271–306) stützt sich auf umfangreiches authentisches Material, das auf interessante Weise untersucht wird. Schwach ist der theoretische Teil des Artikels; problematisch ist die uneinheitliche Klassifikation der Motivation, und der im Titel angekündigte Mundartenvergleich kommt nur in geringem Maße zur Geltung. Der Artikel enthält keine Schlussfolgerungen, sondern endet lediglich mit einigen zusammenfassenden Bemerkungen.
In Rolandas Mikulskas Artikel „Merkmale der Funktionsweise dialektaler Nominationssysteme“ (S. 322–332) zeigen sich originelles Denken und Scharfsinn des Autors. Etwas trocken fällt der Artikel
Page 10134 |
ARTŪRAS JUDŽENTIS
Die eingangs erörterten theoretischen Grundannahmen ermöglichen eine meisterhafte Untersuchung konkreten dialektalen Materials: vgl. die Studie über die semantische Analyse von kibeklis: kebeklis im Žemaitischen und vagis: kebeklis im Ostaukštaitischen.
In diesem Kapitel werden außerdem Arbeiten von Kazimieras Garšva, Adelė Judekienė, Genovaitė Kačiūskienė und Janina Švambarytė veröffentlicht. Aloyzas Vidugiris’ Artikel „Zu den Bezeichnungen priegalvio ir pagalvės in der Mundart von Zietela und anderen litauischen Mundarten“ hätte besser in das dritte Kapitel des Buches gepasst.
Wie ein kurzer Überblick zeigt, unterscheiden sich die in der Sammlung veröffentlichten Artikel hinsichtlich Thema, methodischer Grundlagen und Charakter. Es gibt problemorientierte, analytische wissenschaftliche Artikel, doch auch Überblicksartikel sind recht zahlreich. Einige Artikel ähneln Veröffentlichungen von Sprachdaten. Die theoretischen Überlegungen und Methoden stehen deutlich in Verbindung mit den Schulen der russischen Sprachwissenschaft; nur selten stützt sich ein Autor auf neuere westliche Fachliteratur. Die Sammlung vermittelt ein eher zurückhaltendes Bild vom gegenwärtigen Stand der Theorie der litauischen Lexikologie und Lexikografie. Dennoch finden sich auch darin Lichtblicke, die auf eine raschere Erneuerung dieser Zweige unserer Sprachwissenschaft hoffen lassen.
Die Veröffentlichung des Buches wurde von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache unterstützt.
5. In dem Buch Untersuchungen syntaktischer Beziehungen (herausgegeben von Axel Holvoet und Artūras Judžentis, Vilnius: Institut für die litauische Sprache, 2003, 216 S., ISSN 1648-8628, ISBN 9986-668-51-4 [Arbeiten zur Grammatik der litauischen Sprache 1]) sind Artikel abgedruckt, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Grammatikabteilung des Instituts für die litauische Sprache verfasst wurden. Es ist der erste Band einer Reihe, in der die theoretischen Positionen der Autoren einer im Entstehen begriffenen neuen Grammatik der litauischen Sprache vorgestellt werden (Redaktionskollegium der Reihe: Axel Holvoet, Artūras Judžentis, Bonifacas Stundžia).
Die Sammlung umfasst sieben Artikel von Axel Holvoet, Artūras Judžentis und Loreta Semėnienė. Die Artikel stützen sich auf Ideen der wichtigsten sprachwissenschaftlichen Theorien der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – der strukturalistischen, generativen und kognitiven. Diese werden auf die Beschreibung der grammatischen Struktur des Litauischen angewandt. Die Artikel enthalten zahlreiche Fußnoten, in denen neue Auffassungen mit den in der litauischen Sprachwissenschaft bereits etablierten in Beziehung gesetzt werden.
Das Buch enthält durchaus zahlreiche neue Erkenntnisse. Hier einige davon: Es werden nur zwei Arten der Unterordnung unterschieden – Rektion und Modifikation; die Kongruenz (wie auch die Kasusrektion) gilt nicht als Typ syntaktischer Beziehungen, sondern lediglich als deren Kennzeichnung (Axel Holvoet, Artūras Judžentis, „Typen syntaktischer Beziehungen“; Loreta Semėnienė, „Adjektivkongruenz“). Zur Bestimmung des Hauptglieds einer Wortverbindung wird der Begriff der semantischen Funktionalität eingeführt (Axel Holvoet, Artūras Judžentis, „Typen syntaktischer Beziehungen“); anstelle des prädikativen Attributs und des nominalen Teils des zusammengesetzten Prädikats werden freie und obligatorische Prädikative unterschieden (Axel Holvoet, „Freie Prädikative und ihre syntaktischen Beziehungen“). Thema und Rhema des Satzes werden nicht mit alter und neuer Information gleichgesetzt, sondern als Einheiten der semantischen Satzstruktur betrachtet; der Begriff der geschichteten aktuellen Gliederung wird eingeführt (Axel Holvoet, „Probleme der aktuellen Gliederung“). Sätze mit der Konjunktion nes werden als koordinierte und nicht als subordinierte Sätze aufgefasst; konjunktionslose Sätze gelten als Variante koordinierter Sätze (Axel Holvoet, „Koordinierte und subordinierte Sätze unter dem Aspekt von Form und Funktion“). Nach ihrer Stellung im Satzgefüge werden untergeordnete Nebensätze in Substantiv-, Adjektiv- und Adverbialsätze eingeteilt (Axel Holvoet, Artūras Judžentis, „Grundlagen der Beschreibung des zusammengesetzten Satzes mit Nebensatz“). Koordinierte Wortverbindungen (mit Ausnahme der substantivischen) gelten als reduzierte koordinierte Sätze (Axel Holvoet, Artūras Judžentis, „Grundlagen der Beschreibung der Koordination“).
Am Ende des Buches (S. 205–210) findet sich eine Bibliografie der wichtigsten Werke, auf die sich die Artikel stützen oder mit denen sie sich kritisch auseinandersetzen. Die benötigten Begriffe, Konjunktionen oder Korrelate
Page 11NAUJŲ DARBŲ APŽVALGA
135
Das Auffinden von Wörtern erleichtern dem Leser die von Veslava Čižik erstellten litauischen und englischen Register (S. 211–216). Die von Axel Holvoet angefertigten englischen Zusammenfassungen der Beiträge sind gesammelt abgedruckt (S. 199–203).
Die Untersuchung des grammatischen Baus einer Sprache kann nicht abgeschlossen werden. Jede Generation von Sprachwissenschaftlern verfasst eine Grammatik, in der sie ihre Auffassung zu den behandelten Fragen darlegt und den Horizont unserer Kenntnis der Sprache auf die eine oder andere Weise erweitert. Die Autoren der neuen Grammatik, die in der hier besprochenen Aufsatzsammlung ihre Ansichten dargelegt haben, hoffen auf die Aufmerksamkeit und Anmerkungen der Leser, die eine Verbesserung der Grammatik ermöglichen würden.
6. Zigmas Zinkevičius’ Gesammelte Aufsätze im dritten Band (Anthroponomastik. Sonstige Onomastik. Rezensionen. Persönlichkeiten. Über wissenschaftliche Konferenzen. Sprachpflege. Sprachdidaktik. Nicht unmittelbar mit der litauischen Sprachwissenschaft zusammenhängende Aufsätze, Vilnius: Litauische Katholische Akademie der Wissenschaften, 2003, 759 [1] S., ISBN 5-420-01506-4, Band 3, ISBN 5-420-01493-9, Gesamtwerk) versammeln Publikationen unterschiedlicher Themen und Gattungen. Das Hauptthema der darin nachgedruckten wissenschaftlichen Aufsätze ist das litauische Namenwesen. Der Band enthält achtzehn längere und kürzere Aufsätze zu Fragen der Personennamen sowie ebenso viele kürzere Beiträge zu Ortsnamen, mythologischen Namen, Ethnonymen, Festbezeichnungen und Ähnlichem. Zu begrüßen ist, dass allen Aufsätzen und Beiträgen englische Zusammenfassungen beigegeben sind. Interessant und wertvoll sind auch die Rezensionen des Autors – eine in der litauischen Sprachwissenschaft verschwindende Gattung. In diesem Band sind nicht weniger als einundfünfzig davon veröffentlicht! Die Rezensionen sind nach dem Datum ihrer Erstveröffentlichung geordnet. Viele Informationen bietet der Abschnitt über Persönlichkeiten: Er umfasst zweiundneunzig Beiträge über sechzig Personen – beinahe eine Enzyklopädie der Erforschung der litauischen Sprache. Die Beiträge sind übersichtlich alphabetisch nach den Nachnamen der darin erwähnten Personen geordnet. Es folgen Konferenzberichte und weitere Aufsätze.
Die Grundsätze für die Bearbeitung der nachgedruckten Publikationen entsprechen denen der beiden ersten Bände (vgl. Judžentis 2003: 165–169). Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden nach den geänderten Regeln angepasst; eine nach heutigen Normen falsche Verwendung von Wörtern und Formen sowie einige Wortbildungen und die Wortstellung wurden korrigiert, außerdem wurden Druckfehler berichtigt. Wie es manchmal vorkommt, blieb der eine oder andere Druckfehler den Augen der Redakteurin Agota Sriubienė und der Korrektoren entgangen. So wurde beim Nachdruck des Aufsatzes „Das patronymische Personennamensystem in Litauen“ die Bildunterschrift unter der Karte (S. 31) nicht korrigiert: Anstelle der gedruckten Endung -atis müsste es -aitis heißen. Im dritten Band wurde die Reihenfolge der in den Fußnoten angegebenen Publikationsdaten vereinheitlicht (wenn auch nicht vollständig).
Die an einem Ort zusammengetragenen onomastischen Untersuchungen, Rezensionen und biografischen Beiträge des bedeutenden Sprachwissenschaftlers werden die Arbeit von Sprachforschern und das Studium von Master- und Promotionsstudierenden erleichtern: Sie müssen nicht mehr in verschiedenen, mitunter bereits stark vergilbten und abgenutzten Zeitschriften gesucht werden.
7. In Jono Palionis’ Veröffentlichung Personen- und Ortsnamen der Pfarrei Punia aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (Vilnius: Institut für Wissenschafts- und Enzyklopädieverlage, 2003, 204 S. ISBN 5-420-01517-X) werden Eigennamen veröffentlicht und untersucht, die in den im Archiv der Kirche von Punia aufbewahrten Trauungs- und Taufmatrikeln verzeichnet sind. Die Gegend um Punia – die Heimat des Herausgebers, reich an geschichtlicher Vergangenheit – liegt an den großen Schleifen des Nemunas. Palionis bezeichnet die Publikation bescheiden als Büchlein oder kleine Studie und sieht ihren Wert in den Personen- und Ortsnamenverzeichnissen, bei deren Erstellung man sich „auf Registrierung und Rekonstruktion beschränkt und sich nicht auf Erklärungen ihrer Herkunft eingelassen“ habe (S. 7).
Das Buch enthält Texte zweierlei Art: Drei Fünftel entfallen auf das veröffentlichte Material – Verzeichnisse der Personennamen (S. 67–153) und Ortsnamen (S. 158–175) aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts sowie der Personennamen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts (S. 186–203); der übrige Teil des Buches besteht aus der Studie des Herausgebers.
Page 12136 |
ARTŪRAS JUDŽĖNTIS
Auf das Vorwort (S. 7–8), das Abkürzungsverzeichnis (S. 8) und das Inhaltsverzeichnis (S. 9) folgt eine Karte mit dem Titel „Ungefähre Grenzen der Pfarrei Punia im 17. Jahrhundert“ (S. 10), aus der hervorgeht, dass diese Pfarrei damals erheblich größer war als heute. Danach folgen Anmerkungen zur Vergangenheit Punias (Abschnitt „Einiges über Punia und seine Pfarrei“, S. 11–17) und bibliografische Beschreibungen der untersuchten Quellen (Abschnitte „Trauungsmatrikel (1658–1688)“, S. 18–22, und „Taufmatrikel (1659–1672)“, S. 22–26). In diesen Abschnitten werden auch die für Sprachwissenschaftler interessanten Formeln der Trauungs- und Taufeinträge kurz beschrieben und mehrere Beispiele vollständig zitiert (S. 22 und 24–25). Zwischen den Seiten 16 und 17 des Buches sind vier Blätter mit hochwertigen Farbfotografien eingeklebt (fotografiert von Virginija Valuckienė). Da keine Faksimiles der Quellen veröffentlicht werden, sind solche – wenn auch verkleinerten – Fotografien sehr nützlich: Sie vermitteln einen besseren Eindruck von den untersuchten Quellen als verbale Beschreibungen. Übrigens ist die Bildunterschrift auf dem ersten Fotoblatt wahrscheinlich ungenau: Die abgebildeten Seiten scheinen nicht aus demselben Buch zu stammen, wie dort behauptet wird.
Die sprachliche Analyse der veröffentlichten Personen- und Ortsnamen beginnt mit der Schreibweise (Abschnitt „Besonderheiten der Schreibweise von Personen- und Ortsnamen“, S. 26–29). Obwohl die Schreibweise in den untersuchten Quellen stark schwankt und sich keine strengeren Prinzipien dafür bestimmen lassen, „stützte sie sich auf die lateinische und polnische grafische und orthografische Tradition der damaligen Zeit, wie sie für Handschriften charakteristisch war“ (S. 26). Gesondert werden charakteristische Fälle der Slawisierung litauischer Eigennamen behandelt (Abschnitt „Slawisierung litauischer Personen- und Ortsnamen“, S. 29–40). Es wird festgestellt, dass „der Grad der Slawisierung bei Ortsnamen im Allgemeinen höher ist als bei Personennamen“ (S. 30). Unterschieden werden phonologische und morphologische Slawisierung. Bei Letzterer werden der Wegfall von Personennamenendungen, der Austausch von Endungen bei Personen- und Ortsnamen sowie die Verwendung slawischer patronymischer Suffixe behandelt. Anschließend werden Personen- und Ortsnamen getrennt beschrieben, zunächst die Personennamen. Insgesamt wurden in beiden Quellen etwa 2070 Familiennamen entziffert (Vatersnamen wurden nicht von Familiennamen unterschieden); etwa 800 davon (mehr als ein Drittel!) sind nicht im Litauischen Familiennamenwörterbuch verzeichnet (Abschnitt „Allgemeine Charakteristik der Personennamen“, S. 41). Behandelt werden Taufnamen (S. 42–45), litauische (S. 46–59) und nichtlitauische Familiennamen (S. 60–64). Die damalige Beliebtheit der Taufnamen bei Männern und Frauen in der Pfarrei Punia wird ermittelt (am häufigsten waren Jonas und Kristina). Litauische Familiennamen werden in zweistämmige, einstammige und Übernamen eingeteilt; die einstammigen wiederum in solche mit unverändertem Stamm sowie in Präfix-, Suffix- oder Endungsbildungen. Am ausführlichsten werden die häufigsten Familiennamen mit Suffixbildung behandelt, sowohl patronymische als auch nichtpatronymische. Da die Pfarrei Punia in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ethnisch und sprachlich heterogen war, werden im Buch auch slawische, tatarische und jüdische Familiennamen kurz besprochen.
Das alphabetische Verzeichnis der in den untersuchten Quellen gefundenen Personennamen nimmt den größten Teil des Buches ein – von Seite 67 bis 153). Die Lemmaform eines Personennamens steht im Nominativ. Wenn ein Personenname in den Quellen in einem anderen Kasus eingetragen ist, wird sein Nominativ Singular rekonstruiert. Falls in den Matrikelakten keine maskuline Form des Personennamens gefunden wurde, wird diese aus den vorhandenen femininen Formen rekonstruiert (mit * gekennzeichnet). Auf die Lemmaform (oder -formen) folgen aus dem Litauischen Familiennamenwörterbuch aktuelle Familiennamen, die der Lemmaform entsprechen oder ihr ähneln. Wenn der in den Matrikelbüchern gefundene Personenname in diesem Wörterbuch nicht vorkommt, wird er „nach den für ähnliche bekannte Personennamen charakteristischen Modellen“ rekonstruiert (S. 65). Weicht außerdem die dialektale Betonung eines Personennamens von der im genannten Wörterbuch angegebenen ab, wird die dialektale Betonung übernommen, nicht die Wörterbuchangabe. Nach den rekonstruierten litauisierten Formen heutiger Personennamen werden Angaben zu Ort und Zeit der Belege der Lemmaformen angeführt. Unter jedem Lemma stehen alle belegten Varianten der Personennamenform. Frauennamen werden nur
Page 13NAUJŲ DARBŲ APŽVALGA
137
… im Nest, denn „manchmal ist es schwierig, aus der flektierten Form eines Frauennamens das Geschlecht abzuleiten, insbesondere den Mädchennamen, was auf die Vielfalt der litauischen Suffixe zurückzuführen ist“ (S. 66). Einige der genannten Grundsätze für die Wiedergabe von Personennamen (insbesondere die Angabe des grammatischen Geschlechts in der Lemmaform und die Wiederherstellung der heutigen litauisierten Formen sowie deren dialektaler Akzentuierung) entsprechen nicht den wissenschaftlichen Prinzipien für die Veröffentlichung alter Eigennamen und sind durch die Ausrichtung auf die Einheimischen der Umgebung von Punia und den Wunsch zu erklären, die Wiedergabe der Personennamen zu vereinfachen. Aus diesem Grund wurden in der Liste zahlreiche zweifelhafte Lemmaformen und ihre heutigen Entsprechungen rekonstruiert. Hier einige Beispiele. Aus dem Personennamen CZERKASOWA wird die Form *CZERKASOW rekonstruiert (S. 80). Warum wurde die rekonstruierte Form mit einem Suffix versehen (vgl. *CHUMIN aus CHUMINOWNA, S. 79)? Aus dem Personennamen TRABOWNA wird die Form *TRAB rekonstruiert und als heutige Entsprechung (mit Fragezeichen) der Familienname Trabas angegeben (S. 143). Warum ist die rekonstruierte Form in diesem Fall endungslos (vgl. *TUMAS aus TUMOWNA, S. 143; *TALKUS aus TALKOWNA, S. 142 und viele andere)? Die ausgewählte heutige Entsprechung dieses Personennamens (die übrigens im Wörterbuch litauischer Familiennamen nicht verzeichnet ist) ist nicht die einzig mögliche – ebenso plausibel wären die Entsprechungen Trobas oder Trobus (auch sie sind im Wörterbuch litauischer Familiennamen nicht verzeichnet).
Im weiteren Verlauf des Buches werden die Ortsnamen behandelt (Kapitel „Allgemeine Charakteristik der Ortsnamen“, S. 154–156, sowie die einleitenden Anmerkungen zum Kapitel „Ortsnamenverzeichnis“, S. 156–157). Herkunft und Form (Bildung) von 298 Ortsnamen werden erörtert. Etwa 60 Ortsnamen wurden gefunden, die nicht im Verzeichnis der administrativ-territorialen Gliederung der Litauischen SSR enthalten sind. Das alphabetische Ortsnamenverzeichnis (S. 158–175) folgt ähnlichen Grundsätzen wie das Personennamenverzeichnis: Als Lemma erscheint der in den Urkunden verwendete oder rekonstruierte Nominativ, während in eckigen Klammern die heutige normgerechte Form angegeben wird, die dem Autor aus dem Sprachgebrauch bekannt ist und anhand des Verzeichnisses der administrativ-territorialen Gliederung der Litauischen SSR überprüft wurde. Auch in diesem Verzeichnis finden sich zweifelhafte rekonstruierte Formen. Ein gutes Beispiel ist BIRSZTAN, das bereits im Kapitel über die Slawisierung von Eigennamen (S. 35) erwähnt wurde und aus den Belegen ex BIRSZTANY, de BIRSZTANY, de BIRSZTAN und de BIRSZTANI rekonstruiert ist (S. 159). Mindestens drei dieser Konstruktionen enthalten den Ortsnamen im Plural, doch der Bearbeiter rekonstruiert anhand der heutigen normgerechten Form den Singular (vgl. das aus de CZESAN rekonstruierte CZESANY, S. 160; aus dem Ortsnamen NARUN – NARUNY, S. 166 usw.). Im Verzeichnis kommen auch rekonstruierte, aber nicht mit (*) gekennzeichnete Ortsnamenformen vor (BALBIERISZKI, BUYWIDY u. a.).
Am Ende des Buches stehen die von Irena Meikšinaitė ins Deutsche übersetzte Zusammenfassung „Personen- und Ortsnamen der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts aus der Gemeinde Punia“ (S. 176–182) sowie das Literaturverzeichnis (S. 183–185). Als eine Art Anhang ist das „Verzeichnis der Personennamen aus den Eheschließungsregistern der Pfarrei Punia von 1732–1759“ abgedruckt (S. 186–203).
Die von Jonas Palionis herausgegebene Publikation besitzt unbestreitbaren wissenschaftlichen Wert: In ihr werden erstmals Personennamen und Ortsnamen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Pfarrei Punia veröffentlicht, aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht und beschrieben. Mit der Veröffentlichung sollte wertvolles Namengut Fachleuten – Onomastikforschern – zugänglich gemacht werden; zugleich hoffte man, die Öffentlichkeit durch die Bezüge der veröffentlichten Daten zu einem konkreten Ort und durch die historische Bedeutung der in den Urkunden erwähnten Personen zu interessieren (vgl. S. 204). Es ist tatsächlich schwierig (wenn überhaupt möglich), mit ein und derselben Publikation den fachlichen Bedürfnissen von Linguisten und der Neugier der Ortsbewohner gerecht zu werden: Der Herausgeber musste einen Mittelweg, also einen Kompromiss, wählen. Das Werk ist weder eine wissenschaftlich-kritische Neuausgabe des Schriftdenkmals noch eine populärwissenschaftliche Veröffentlichung für die Öffentlichkeit, weist aber Merkmale beider Publikationstypen auf. Ein Fachmann wird darin vor allem Faksimiles der untersuchten Quellen vermissen – angesichts des geringen Umfangs des Büchleins (wohl 64 und 93 bedruckte Seiten) wäre es weder schwierig noch sehr teuer gewesen, sie zu veröffentlichen. Zumal nicht alles in die veröffentlichten Verzeichnisse aufgenommen wurde und die veröffentlichten Formen der Eigennamen unterschiedlich zuverlässig sind:
Page 14138 |
ARTŪRAS JUDŽENTIS
„In die Verzeichnisse der Personen- und Ortsnamen wurden nicht alle Wörter dieser Art aufgenommen; außerdem kann die eine oder andere Form ungenau rekonstruiert sein“ (S. 20); „unleserliche oder mit großen Zweifeln behaftete Personennamen wurden nicht rekonstruiert und nicht in das Verzeichnis aufgenommen“ (S. 64). Ein nach den Anforderungen wissenschaftlicher Publikationen herausgegebenes Buch wäre wertvoller gewesen: Aus einer wissenschaftlichen Ausgabe lässt sich stets eine populärere Veröffentlichung erarbeiten, der umgekehrte Weg ist jedoch leider unmöglich.
Das Buch wurde von Vitalija Maciejauskienė rezensiert; den Abschnitt zu den Personennamen prüfte Bronys Savukynas und gab dem Herausgeber Ratschläge. Die Veröffentlichung wurde von der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache gefördert.
Zum Abschluss dieses Überblicks sollen noch angewandte Arbeiten zur litauischen Sprachwissenschaft erwähnt werden – eine Grammatik, Wörterbücher und bibliografische Verzeichnisse.
Die Praktische litauische Grammatik von Meilutė Ramonienė und Joana Pribušauskaitė (Vilnius: Baltos lankos, 2003, 256 S., ISBN 9955-584-36-X) richtet sich an Lernende der litauischen Sprache. Der grammatische Aufbau wird darin unter funktionalem Aspekt beschrieben.
Irenos Ermanytės Antonimų žodyne (Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla, 2003, XXIII, 584 p., ISBN 9986-668-52-2) abėcėlės tvarka pateikiamos antonimų poros iliustruojamos gyvosios kalbos, Lietuvių kalbos žodyno, jo kartotekos, grožinės literatūros ir smulkiosios tautosakos pavyzdžiais. Knygos pabaigoje įdėta antonimų lizdų rodyklė. Žodyną redagavo Jonas Paulauskas, jo rengimą ir leidybą rėmė Valstybinė lietuvių kalbos komisija. Zanavykų šnektos žodyno (teksto autorės Janina Švambarytė, Giedrė Čepaitienė, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas, 2003, 830 p., ISBN 5-420-01504-8) pirmasis tomas apima A–K raidžių žodžius. Tai išsamusis tarminis žodynas, atspindintis XIX a. antrosios pusės–XX a. zanavykų šnektos leksiką, gramatikos, iš dalies ir fonetikos ypatybes. Žodžiai jame pateikiami laikantis panašių principų kaip Lietuvių kalbos žodyne. Šis žodynas – kolektyvinis daugelio žmonių darbas, kuriam duomenis organizuotai pradėta rinkti dar 1987 metais. Žodyną redagavo Aldonas Pupkis (vyriausiasis redaktorius) ir Klementina Vosylytė.
Išėjo net trys lietuvių kalbotyros bibliografijos rodyklės: Lietuvių kalbotyra, 1981–1985: Literatūros rodyklė, sudarė Regina Sedekerskytė, Adelė Ubeikaitė; spaudai parengė Lina Kanopkienė (Vilnius: Lietuvos mokslų akademijos biblioteka, Lietuvių kalbos institutas, 2003, 339 p., ISBN 9986-498-28-7); Lietuvių kalbotyra, 1991–1995: Literatūros rodyklė, sudarė Sigita Dagienė, Jolanta Matuzaite; atsakomoji redaktorė Rasa Pukėnienė (Vilnius: Lietuvos mokslų akademijos biblioteka, Lietuvių kalbos institutas, 2003, 544 p., ISBN 9986-498-32-5); Adelė Ubeikaitė, Lietuvių kalbotyra, 1944–1972: Literatūros rodyklė: Papildymai, redagavo Kazys Morkūnas, Algirdas Sabaliauskas (Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla, 2003, 396 p., ISBN 9986-668-46-8). Lietuvių kalbotyros bibliografija šiuo metu turbūt yra viena geriausiai sutvarkytų mūsų bibliografijos sričių. Ateina metas parūpinti elektroninę XX a. lietuvių kalbotyros bibliografiją su įvairiomis paieškos galimybėmis.
LITERATŪRA
BŪGA, K. 1912/1958: Lituanica. In: id., Rinktiniai raštai I, sudarė Z. Zinkevičius, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 339–383.
BŪGA, K. 1923/1961: Upių vardų studijos ir aisčių bei slavėnų senovė. – In: id., Rinktiniai raštai III, sudarė Z. Zinkevičius, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla, 493–550.
GAMKRELIDZE, T. V., IVANOV, V. V. 1984.: Индоевропейский язык и индоевропейцы. Реконструкция и историко-типологический анализ праязыка и протокультуры. Часть вторая: Семантический словарь
Page 15NAUJU DARBŲ APŽVALGA
139
общеиндоевропейского языка и реконструкция индоевропейской пракультуры, Тбилиси: Издательство Тбилисского университета.
Judžentis, A. 2003: Lietuvių kalbotyra 2002-aisiais metais: Lietuvoje išleisti darbai. Acta Linguistica Lithuanica 49, 2003, 153–170.
Judžentis, A. 2004: [Rec.] Vytautas Kardelis, Rytų aukštaičių šneketų slavizmų fonologijos bruožai, Vilnius: Vilniaus universiteto leidykla, 2003, 195 p. (Vilniaus universiteto Filologijos fakulteto mokslo darbai). Baltų filologija XIII (2), 151–155.
Labutis, V. 2004: [Rec.] Studija apie gramatikos norminimo pagrindus. Kalbos kultūra 77, 67–75.
Artūras Judžentis