Page 1KALBA
IRENA SMETONIENĖ
BRIGITA DAMBRAUSKAITĖ
Vilniaus universitetas
AUF DEN SPUREN VON JONAS JABLONSKIS: KASUSFEHLER UND MOTIVE IHRER KORREKTUR
SCHLÜSSELWÖRTER: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ, Normierung.
EINLEITENDE BEMERKUNGEN
Über den Gebrauch, die Bedeutungen und Fehler der Kasus ist viel geschrieben worden. Ende des 19. Jahrhunderts begann man, die litauische Standardsprache intensiv zu normieren; für ihre Entwicklung waren die bereits in Varpe veröffentlichten sprachwissenschaftlichen Artikel von Bedeutung. Zweifellos wurde die Systematisierung und Festigung der Normen der litauischen Standardsprache seit Jonas Jablonskis konsequent vorangetrieben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beeinflussten die Sprachwissenschaftler der Zeitschrift Gimtoji kalba die Normierung maßgeblich: Pranas Skardžius, Antanas Salys, Petras Jonikas, Jurgis Talmantas und später Juozas Balčikonis sowie Leonardas Dambriūnas (Dambrauskas). Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die normative Tätigkeit kollektiv und organisierter. In verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften begann man regelmäßig Artikel zu praktischen Fragen der Sprache zu veröffentlichen und kontroverse Debatten zu führen. In diesen Artikeln wurden meist einzelne Fälle des Gebrauchs verschiedener Kasus und Fehler untersucht, die mit dem damaligen Sprachgebrauch und aktuellen Fragen zusammenhingen.
Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Anfänge der Korrektur von Kasusfehlern, die Bemühungen der Sprachwissenschaftler der Zwischenkriegszeit um die Normierung des Kasusgebrauchs, die Motive der Korrekturen von J. Jablonskis und den Sprachwissenschaftlern der Zeitschrift Gimtoji kalba sowie einige spätere Resonanzen. Als wichtigste Arbeit wurde J. Jablonskis’ Linksniai ir prielinksniai ausgewählt, die herausge-
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Page 2dieses aus dem Jahr 1928, da darin die Bedeutungen der Kasus systematisch und konsequent beschrieben, Grundsätze für den Kasusgebrauch formuliert, Beispiele angeführt und fehlerhafte Fälle aufgezeigt werden. Ebenfalls durchgesehen und in die Untersuchung einbezogen wurden Publikationen, in denen J. Jablonskis zahlreiche Artikel zu Fragen des Sprachgebrauchs veröffentlichte (Varpas, Viltis, Švietimo darbas, Santara, Lietuva, Lietuvos, Kalba, einschlägige Sprachrubriken in den Zeitungen Lietuvos žinių und Lietuvos aido), sowie wertvolle Artikel aus anderen Zeitschriften und Zeitungen (zu nennen sind Vairas, Rytas, Pradai ir žygiai, Aidas, Draugija, Panevėžio balsas u. a.). Die Daten wurden auch aus Publikationen zur Sprachpraxis gesammelt. An erster Stelle sei der in der Zwischenkriegszeit von den Sprachwissenschaftlern der Gimtoji kalba – P. Skardžius, A. Salys und L. Dambrauskas – erarbeitete Kalbos patarėjas genannt, der 1939 erschien.
NOMINATIV
Die meisten Fehler beim Nominativ wurden beobachtet, wenn dieser Kasus anstelle des partitiven Genitivs verwendet wird, wenn Personen, Personengruppen, Tiere, Dinge oder Erscheinungen im Nominativ angeredet werden, wenn man sich wegen des schwankenden Gebrauchs von Nominativ und Akkusativ irrt, sowie beim Nominativ als Prädikativ und beim Gebrauch des Nominativs bzw. Genitivs von Namen. Der Nominativ anstelle des partitiven Genitivs wurde bereits von J. Jablonskis korrigiert: In der Stadt Varėna leben neben Juden auch Litauer (=lietuvių) (Jablonskis 1911a: 1); mancher fand unerwartete Freunde (=netikėtų draugų)1 (Jablonskis 1912a: 1–2); sie besuchten Einrichtungen, in denen sich kranke Juden aufhielten (=sergančių žydų) (Jablonskis 1914: 4); auf der Erde kommen salzige Quellen vor (=žemėje pasitaiko sūrių šaltinių) (Jablonskis 1920: 26); schon kommen auch Wälder aus Fichten, Zedern und Birken vor (=eglynų, kedrynų ir beržynų) (Jablonskis 1926a: 2); nicht einmal im Traum dachte ich, dass solche Dinge (=tokių dalykų) möglich wären (Jablonskis 1926d: 159); es gibt Menschen (=žmonių) mit größeren oder kleineren Fehlern (Jablonskis 1926b: 50).
J. Jablonskis empfahl den partitiven Genitiv auch dann, wenn der Nominativ abstrakte Begriffe oder Stoffe bezeichnet: jetzt gibt es bereits Hoffnung (=vilties), dass der Kranke genesen wird (Jablonskis 1911a: 1); mach es wieder so, dass dir daraus Nutzen entsteht (=naudos) (Jablonskis 1925a: 1212); Wasserstoff ist im Bestand verschiedenster Körper enthalten (=vandenilio yra visokiuose kūnuose, visokių kūnų sudėtyje) (Jablonskis 1920: 26); Ton gibt es in vielerlei Farben: weiß und gelb (=molio yra, esti visokio) (Jablonskis 1920: 25).
1 Die zitierten Beispiele sind gemäß den heutigen Rechtschreibregeln geschrieben; einige Beispiele wurden von den Verfassern des Artikels gekürzt. Anm. d. Red.
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Page 3Straipsnių paskelbimo metai (1911, 1912, 1914, 1920, 1925, 1926) rodo J. Jablonskio taisymų nuoseklumą. Jis yra rašęs, kad kai kuriuos pasakymus būtų galima ir „viena kita žmonių kalbos tarme pateisinti“ (Jablonskis 1911: 2), tačiau siūlė tokių vardininkų vengti. Sakinių, kuriuose kalbininkas teikia ir vardininką, ir kilmininką, yra gerokai mažiau: auksas, sidabras ir dabar pasilaiko gryname pavidale (=aukso, sidabro ir dabar pasitaiko gryno pavidalo) (bet kalnų auksas, žemės auksas gali būti ir gryno pavidalo) (Jablonskis 1920: 26). Vieno straipsnio pabaigoje J. Jablonskis prisipažįsta, kad taisydamas beveik niekur nesiteisina, neaiškina klaidų taisymo („sunku buvo ir vietos rasti visokiems kalbos aiškinimams“) (Jablonskis 1925a: 1217). Vienas svarbiausių taisymo kriterijų – gyvoji žmonių kalba ir gramatikose užfiksuotos kalbos normos. Kalbininkas yra pabrėžęs, kad taisyklingai vartoti kalbą labiausiai padėtų pačių žmonių domėjimasis tarmėmis, tautosaka, reikėtų „naudoties vieno-kito kalbininko nurodymais ir bent vienu kalbos vadovėliu (kalbos sintakse)“ (Jablonskis 1911a: 3)2. Remdamasis dalies kilmininko taisykle vardininką taisė ir Pranas Meškauskas: pasklido apylinkėj gandai (=gandų) (Meškauskas 1931: 61); iš Amerikos atėjo žinios, kad bankrutavo dar 4 bankai (=žinių; pvz., pasklido kalbų) (Meškauskas 1932: 67).
Viel erörtert und diskutiert wurde auch der Nominativ der Anrede, insbesondere der Gebrauch des Anredezusatzes ponas („Herr“). P. Skardžius befürwortete den Nominativ für den Anredezusatz aufgrund der Gebrauchstradition. Seiner Ansicht nach kann neben pone mokytojau stehen
2 Eine scharfe Erwiderung auf J. Jablonskis’ Korrekturen erschien 1912 in der Publikation Draugijos. Adomas Jakštas (der mit dem Namen Druskius unterzeichnete) kritisierte den Sprachwissenschaftler heftig wegen der zahlreichen unnötigen Korrekturen, seines übermäßigen Selbstvertrauens, der Strenge seiner Auffassungen und des Absolutheitsanspruchs seiner Entscheidungen („Rygiškių Jonas duldet keinerlei Zweifel, er schlägt zu wie mit einer Axt“) (Jakštas 1912: 285). A. Jakšto zufolge behauptet J. Jablonskis, man müsse schreiben: jetzt gibt es Hoffnung, dass der Kranke genesen wird; iss, wenn du Appetit hast; es gab Gelegenheit, mit ihm zu sprechen; ob er Verstand hat usw., während die Sätze jetzt gibt es Hoffnung; iss, wenn du Appetit hast; es gab eine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen; ob er Verstand hat usw. angeblich falsch seien. Nach A. Jakštas’ Ansicht sind beide Varianten gut und unterscheiden sich lediglich in ihrer Bedeutung; J. Jablonskis wird vorgeschlagen, sich nicht so strikt auf den Sprachgebrauch der Menschen zu stützen.
J. Jablonskis veröffentlichte 1912 in Viltyje einen ironischen Artikel, in dem er sich an A. Jakštas wandte und versuchte, alle dessen Anmerkungen systematisch zu widerlegen. Er erklärte, A. Jakštas habe die Anmerkungen übersehen, in denen es hieß, dass er, J. Jablonskis, gar nicht versucht habe, alle Korrekturen aufzulisten, da dies die Kenntnis sämtlicher Dialekte voraussetze. J. Jablonskis versucht, sich zu rechtfertigen und bestimmte Fälle des Kasusgebrauchs argumentativ zu begründen. Der Korrektur der Sätze jetzt gibt es Hoffnung; es wird auch Menschen geben widerspricht er. Die Begründung ist eindeutig: Seiner Ansicht nach eignet sich in diesen Sätzen und in diesem Verwendungsfall der partitive Genitiv am besten; zugleich betont er jedoch, dass auch der Nominativ möglich ist, wenn allgemein von Hoffnung beziehungsweise von allen Menschen die Rede ist (Jablonskis 1912d: 2).
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Page 4Man kann auch ponas mokytojau sagen, besser ist es jedoch, Visagalis Dieve zu sagen, denn visagalis ist in erster Linie ein Adjektiv (vgl. gerasis tėve) (Skardžius 1998: 514)3.
J. Jablonskis empfahl den Subjektnominativ als normgerecht. Bei der Satzkorrektur ersetzte er den Akkusativ durch den Nominativ: girtą vyrą (=girtas vyras) matyti bjauru (Jablonskis 1912b: 2)4; saldainius (=saldainiai) jų perkama ten, kur gražiau
3 Später wurde viel über die Anredeform diskutiert; Vytautas Ambrazas etwa hält den Nominativ für die geläufigere Form: Bei der mündlichen Anrede mit dem Wort ponas ist der Nominativ die geläufigere Form (ponas direktoriau), obwohl auch der Vokativ gebraucht wird (pone direktoriau). Nach Ansicht des Linguisten hat sich der Nominativ hier offenbar deshalb durchgesetzt, weil das als Höflichkeitszusatz fungierende Wort eine für Adjektive typische Position einnimmt (Ambrazas 1990: 11). Somit seien in diesem Fall beide Formen korrekt. Jonas Šukys stimmt zu, dass beide Formen möglich sind, meint jedoch, man solle den Nominativ vermeiden (Šukys 1995: 13). In der Grammatik heißt es, dass die offizielle höfliche Anrede gelegentlich in der Umgangssprache durch den Singularnominativ des Substantivs ponas ausgedrückt wird; in anderen Fällen ist der Nominativ nicht zu empfehlen und gilt als Fehler. Auch Antanas Rasimavičius ist der Ansicht, dass ein vor der Anrede stehender Zusatz gewöhnlich mit der Anrede kongruiert, der Nominativ des Substantivs ponas jedoch kein Fehler ist. In den Kalbos praktikos patarimuose (1976) werden Nominativ und Vokativ der Substantive ponas, draugas als gleichwertig empfohlen; in allen anderen Fällen ist der Nominativ zur Wiedergabe einer Anrede nicht zu verwenden. In den Kalbos patarimuose (2009) gilt ponas als Nebenvariante der Norm, die für informelle Stile besser geeignet ist.
4 1912 begann in der dritten Ausgabe von Vilties eine Polemik zwischen Emša (dem Schriftsteller Marcelinas Šikšnys) und J. Jablonskis. Abgedruckt wurden Emšas Artikel über J. Jablonskis’ Korrekturen sowie die Antwort von J. Jablonskis selbst. Bei seiner Kritik an den Korrekturen des Linguisten berief sich Emša auf etablierte Traditionen. Statt des von J. Jablonskis empfohlenen Akkusativs schlägt er den Nominativ vor: jie kūną jau subrendę, jau ir protą bręsta (=jų kūnas jau subrendęs, jau ir protas bręsta) (Jablonskis 1912c: 1). Emša führt vergleichbare Beispiele an („man sage ja rugiai subrendę, vasarojus bręsta, bet ne vasarojų, rugius bręsta“) (Jablonskis, ebenda) und sagt, J. Jablonskis empfehle eine solche Ausdrucksweise mit Verweis auf die Umgangssprache. Emša bezweifelt, dass die Menschen tatsächlich so sprechen, und kritisiert den Linguisten dafür, der Sprache der Menschen zu sehr zu vertrauen („meiner Meinung nach verwenden die Menschen viele Formen falsch, nicht entsprechend den Anforderungen der Grammatik und Logik“) (Jablonskis 1912c: 1).
J. Jablonskis stimmt zu, dass der Nominativ in diesem Satz verwendet werden kann, verteidigt aber auch seinen eigenen Korrekturvorschlag anhand anderer Sprachbeispiele: jis kojas šalą; kojas pavargau; jis sprandą nutrūko; kad tu galvą nutrūktum; katinukas kojeles išlūžo; ar jau apšilai rankas; rankas kojas pailsau (Jablonskis 1912c: 2). Er behauptet, das von Emša angeführte Beispiel rugius bręsta beweise nichts. Hier liege, so J. Jablonskis, ein Akkusativ der näheren Bestimmung oder des Bestimmungsteils vor. J. Jablonskis hat auch folgenden Satz korrigiert: jie kūniškai jau subrendę, jau ir protiškai bręsta; im allerersten Artikel ersetzte er also diese Adverbien durch einen Akkusativ, womit er in diesem Fall beide Varianten als korrekt anerkannte, aber die ihm genehmere – den Akkusativ – wählte.
Ähnlich ersetzte J. Jablonskis 1926 den Nominativ durch den Akkusativ, als er in der Zeitschrift Lietuvos die von Motiejus Gustaitis verfasste Monografie: Darin fühlte sich der Schüler … wiedergeboren im Geiste der Vorfahren (wiedergeboren im Geist der Vorfahren); und alle kehren gestärkt im Geist des Volkes zurück (=gestärkt im Geist des Volkes) korrigierte (Jablonskis 1926c: 8). Eine Begründung für die Korrektur wird nicht angegeben. Nach Ansicht von Jonas Palionis begründete J. Jablonskis die Notwendigkeit des Akkusativs mit solchen volkstümlichen Wendungen, deren konkrete Bedeutung zwar klar, deren Sinn aber weit davon entfernt ist, wie „mit erfrorenen Händen, müde Beine, den Kopf ermattet, das Gesicht erhellt“.
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Page 5padaryta (Jablonskis 1914: 4); prisieis badą kęsti (=teks badą kęsti) (Jablonskis 1917: 2). Panašiai taisė Jonas Murka: jaunam mat berneliui reik protą (=protas) plėtot, kad vėliau išaugus naudingu pastot („suvestinis veiksnys šalia bendraties vardininko reikalingas“) (Murka 1917: 14–15). Gimtojoje kalboje teikiamos abi formos: reikia turėti tą veikalą, reikia turėti tas veikalas (Talmantas 1933: 40). Kalbos patarėjuje abu variantai (reikia darbas dirbti ir reikia darbą dirbti) teikiami kaip lygiaverčiai, nurodomas svarbus argumentas: galininkas plačiau vartojamas vakarų aukštaičių bei žemaičių tarmėse ir todėl teiktinesnis bendrinei kalbai (Kalbos patarėjas 1939: 105). P. Skardžius, nors ir rašė, kad sakiniai šulinys kasti nelengva ir šulinį kasti nelengva yra lygiaverčiai (Skardžius 1998: 177), dar kartą pabrėžė mintį, kad vardininkas plačiai vartojamas rytų tarmėse, tačiau žemaičiai vietoj vardininko sako galininką. Istorija ir dabartinė vartosena rodo, kad vardininkas nebėra gajus, todėl norminė forma galėtų būti galininkas (Skardžius 1998: 688).
J. Jablonskis berief sich auf die lebendige Sprache (man šonus skauda, rankas gelia) und korrigierte den in schriftlichen Texten bei den Verben sopėti, skaudėti anzutreffenden Nominativ zum Akkusativ: skaudėjo visi raumenys, visi kaulai (=raumenis, kaulus) (Jablonskis 1925b: 186); suskaudo rudžiui širdis (=širdį) (Jablonskis 1926b: 50); bei den Verben pavargti, suktis dagegen lässt der Linguist den Nominativ stehen und ändert die gesamte Konstruktion: jis galvą pavargo (=jo galva pavargo) (Jablonskis 1927: 2, 4).
Die Verwendung des Nominativs und des Instrumentals gab immer Anlass zu vielen Fragen. In seinen Artikeln ersetzte J. Jablonskis den nominalen Prädikatsnominativ wiederholt durch den Instrumental: kun. Justinas buvo Petrapilio Kunigų Akademijos profesorius (=profesoriumi) ir ekonomas (=ekonomu), o paskui – Žemaičių Kunigų Seminarijos inspektorius (=inspektoriumi), galop jos rektorius (=rektoriumi); Varnių seminarijos rektorius tuo metu buvo Motiejus Valančius (=rektoriumi); ir tapo jis katalikų šeimynų židinys (=židiniu) (Jablonskis 1926g: 404)5. Der Instrumental-
Emša kritisierte J. Jablonskis’ Korrekturen auch wegen der veränderten Satzbedeutung. J. Jablonskis führte hier Beispiele aus anderen Sprachen (Polnisch, Französisch, Deutsch) an und betonte damit die Bedeutung des Kontexts. Offensichtlich versuchte J. Jablonskis, systematisch zu korrigieren, eine Systematik zu etablieren und allgemeine Regeln aufzustellen.
5 In einem in der Publikation der Draugijos veröffentlichten Artikel kritisiert A. Jakštas J. Jablonskis scharf dafür, dass er bei dem Verb būti überall den Nominativ vorschreibt und die Konstruktion mit dem Instrumental ablehnt. Dem Kritiker zufolge „handelt der Autor falsch, wenn er nur eine Konstruktion zulässt. Es erstaunt uns sogar, dass Rygiškių Jonas den Bedeutungsunterschied zwischen solchen Sätzen nicht erkennt: jis yra karalius (tikras) ir jis yra karaliumi (ant scenos)“ (Jakštas 1912: 287). J. Jablonskis weist A. Jakštas’ unbegründete Kritik zurück. Er habe auch in seinen Artikeln nicht so geschrieben. Der Linguist erklärt, er habe den erwähnten Satz aus dem Wörterbuch von Antanas Juška zitiert, sich darauf gestützt und empfohlen, ähnliche Sätze auf diese Weise zu korrigieren. Der Unterschied zwischen Nominativ und Instrumental wird wahrgenommen, doch J. Jablonskis führt genauer aus, abgesehen von den genannten
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Page 6Der Instrumental, wie J. Jablonskis schrieb, wird verwendet, um einen vorübergehenden Zustand, eine Veränderung oder ein Werden auszudrücken.
Den heute üblichen Terminus Nominativ des Namens verwendete J. Jablonskis nicht; in seinen Arbeiten wird der Subjekt-Nominativ als unbestimmter Name erwähnt, der durch den Genitiv ersetzt wird: der Fluss Kražantė fließt (=der Fluss Kražantė fließt); auch das Dorf Beduonai ist bereits zu sehen (=das Dorf Beduonai). Nach Analogie korrigierte er auch die Wortstellung: in der vergangenen Nacht riss man im Dorf Serdokai (=im Dorf Serdokai) einem Bauern eine Scheune auf; nun werde man im Dorf Bedruskiai (=im Dorf Bedruskiai) eine Schule einrichten; wahrscheinlich wurde nach Analogie auch der Lokativ korrigiert: eine Mühle in der Stadt Radviliškis (=in der Stadt Radviliškis) (Jablonskis 1911b: 2). Jurgis Talmantas schrieb in Gimtojoji kalba, dass der Nominativ des Namens den Genitiv des Namens aus dem Sprachgebrauch verdrängt. Die Wendungen das Dampfschiff „Kęstutis“, das Gymnasium „Aušra“ sind der litauischen Sprache fremd. Man sollte sagen: das Dampfschiff „Kęstutis“ fährt ab (Talmantas 1934: 118). Gestützt auf die lebendige Sprache rechtfertigte Juozas Balčikonis Wendungen wie der Fluss Kražantė (Balčikonis 1978: 72). P. Skardžius schrieb, dass man in Bezeichnungen besser den sogenannten bestimmenden Genitiv verwendet: Druckerei Šviesa, Ostsee, Buchhandlung Švyturys, Labor „Regina“ (statt hergestellt im Labor „Regina“), Imbiss Pienocentras (statt Imbiss Pienocentras), wenngleich auch manche Fälle des Nominativs des Namens nicht zu beanstanden seien (Skardžius 1998: 741). A. Salys sagt in einem 1938 veröffentlichten kurzen Artikel, der Genitiv des Namens sei eine alte
Beispiele führt er hier nicht weiter aus: „Der Unterschied zwischen diesen beiden Kasus, wenn sie als Prädikativ verwendet werden, ist eine sehr verwickelte Angelegenheit“ (Jablonskis 1912d: 3). Dass A. Jakšto Kritik unbegründet war und J. Jablonskis keineswegs strikt den Gebrauch des Nominativs vorschrieb, zeigen Fälle, in denen J. Jablonskis für zu korrigierende Sätze sowohl den Nominativ als auch den Instrumental vorschlägt: sie würden gern das Volk führen (=sie würden gern Volksführer, Führer des Volkes sein, das Volk führen) (Jablonskis 1911b: 2). Für J. Jablonskis war die Systematik der Sprache eines der wichtigsten Kriterien für Korrekturen.
A. Jakštas erklärt nicht, warum er den von dem Sprachwissenschaftler korrigierten Satz kritisiert, wenn er behauptet, J. Jablonskis vermeide den Instrumental: fünf Menschen wurden als Experten eingeladen und später zurückgebracht (=fünf Experten wurden eingeladen und später zurückgebracht) (Jakštas 1912: 287). Über den Instrumental und dessen Vermeidung schrieb J. Jablonskis, dass er für denselben Satz mehrere Korrekturen vorgeschlagen habe, aus denen man eine passende auswählen könne, die auch dem Sinn gerecht werde. J. Jablonskis zufolge kritisierte A. Jakštas, ohne seine Kritik zu begründen und ohne Beispiele anzuführen. In seinem gesamten Artikel verteidigt sich J. Jablonskis gegen den Vorwurf, er verlange oder befehle jemals strikt, eine seiner Korrekturen zu verwenden. Im Gegenteil bemühe er sich, mehrere Varianten vorzulegen. Indem A. Jakštas Korrekturen kritisiert und tadelt (nicht notwendigerweise nur Kasuskorrekturen), wirft er J. Jablonskis vor, nicht zu erklären, warum die vorgeschlagene Korrektur besser sei; der Sprachwissenschaftler dränge unbegründet Wörter aus seiner Mundart auf, die sich mit keiner Logik erklären ließen, korrigiere nur, weil ihm ein Wort oder eine Konstruktion schlicht nicht gefalle, versuche, ein Wort an die Stelle anderer gebräuchlicher Wörter zu setzen, verlange, dass die Menschen seine vorgeschlagene Konstruktion verwendeten, rate dazu, slawische Sätze zu übersetzen, ersetze Wörter durch Konstruktionen, die man nirgendwo gehört habe, und seine Argumente seien unwissenschaftlich. J. Jablonskis wurde also vorgeworfen, Korrekturen ohne Begründung und Argumente vorzunehmen und sich zu sehr auf Intuition und Sprachgefühl zu stützen.
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Page 7ein Merkmal der litauischen Sprache, z. B.: die Stadt Telšiai, der Fluss Nemunas. Doch setzt sich zunehmend eine Neuerung durch – der Nominativ des Namens. Beispiele, die J. Jablonskis anführt, wie das Café „Aldona“, sind Neubildungen, aber unvermeidlich. In einer zusammengesetzten Bezeichnung müssen nicht nur die Bestimmungswörter, sondern auch der Eigenname flektiert werden: Erzeugnisse von „Lana“ (=Erzeugnisse von „Lana“); aus der Zeitung „Ūkininko patarėjas“ (=aus der Zeitung „Ūkininko patarėjas“); er arbeitet in der Gesellschaft „Ranga“ (=er arbeitet in der Gesellschaft „Ranga“) (Salys 1938a: 4).
Über den Gebrauch des Nominativs und des Akkusativs in Grußformeln wurde diskutiert. Die meisten Diskussionen entbrannten über den Gebrauch von Begrüßungen wie Guten Morgen, Guten Tag und Ähnlichem. A. Jakštas hält den Nominativ für vorzuziehen. Sein wichtigstes Argument ist, dass der Akkusativ einen guten Tag, einen guten Morgen ein Germanismus sei, eine nicht für alle Situationen geeignete Wendung; der Nominativ sei sowohl wegen der gefestigten Traditionen passender als auch deshalb, weil er sich für beinahe alle Sprechanlässe eigne (Jakštas 1933: 2–3). A. Salys empfiehlt wie A. Jakštas die Nominativform vor allem aufgrund der Gebrauchstradition, die durch Dialektdaten und alte Schriften bestätigt werde. Seiner Ansicht nach sei der Akkusativ durch den Einfluss der deutschen Sprache entstanden (Salys 1937: 135; Salys 1938d: 3). Im Kalbos patarėjas wird der Nominativ empfohlen, weil er gebräuchlicher als der Akkusativ ist. Später wurden beide Kasus als gleichwertige normative Varianten vorgeschlagen.
GENITIV
Am häufigsten wurden Fälle des Genitivs korrigiert, die viele Fragen aufwarfen und mit dem für die litauische Sprache charakteristischen Ausdruck von Objekt und Teil eines Ganzen zusammenhingen. Es zeigt sich, dass der Genitiv zum Nominativ oder Akkusativ korrigiert wurde, wenn das durch diesen Kasus ausgedrückte Objekt keine Teilbedeutung hatte. Am wenigsten Zweifel warfen konkrete Substantive auf, die Dinge oder Gegenstände bezeichnen; am ausführlichsten wurde über den Genitiv von Substantiven im Singular mit abstrakter Bedeutung beraten.
Interessanterweise wurde der Genitiv bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Žemaičių ir Lietuvos apžvalga (1890: 13) zum Akkusativ korrigiert: von dort wird er kommen, die Lebenden und die Toten einzusalzen, nicht der Lebenden und der Toten. Als Begründung für die Korrektur wird die Rektion des Verbs angegeben (das Wort sūdyti regiert den Akkusativ, nicht den Genitiv).
J. Jablonskis korrigierte den Genitiv, wenn er unpassenderweise bei Verben verwendet wurde, die den Akkusativ regieren, z. B. erreichen: und das Ziel (=das Ziel) werden wir leichter erreichen (Jablonskis 1925a: 1212); dann wird die Religion das Ziel erreichen (=das Ziel) (Jablonskis 1926g: 404); herankommen: jeder Mensch gelangt zu jener Meinung (=zu jener Mei-
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Page 8monę) (Jablonskis 1925a: 1212); visuomenė turi teisės piktintis ir prieiti tos išvados (=išvadą) (Jablonskis 1926b: 50); Bedier priėjo išvados (=išvadą), kad autorius naudojosi kitų kūriniais (Jablonskis 1926f: 741, 746).
Anhand der Beispiele von J. Jablonskis korrigierte ähnliche Fälle auch P. Meškauskas: von drei Staaten erreichte nur einer, Litauen, sein Ziel (=das Ziel) (Meškauskas 1931: 236); lange ging er durch die dunklen Straßen des Vororts und erreichte ein kleines, hölzernes Häuschen (=ein kleines, hölzernes Häuschen) (Meškauskas 1931: 393); dem System des Notars folgend, kann man zu einer Schlussfolgerung gelangen (=zu einer Schlussfolgerung) (Meškauskas 1932b: 354). In Anbetracht analoger Sätze empfahl auch P. Skardžius den Akkusativ statt des Genitivs (zu einer Schlussfolgerung gelangen, nicht zu einer Schlussfolgerung) (Skardžius 1998: 710). In der Zeitschrift Gimtoji kalba kritisierte er unnötige, überflüssige und jeder ernsthaften Grundlage entbehrende Korrekturen und ersetzte den Genitiv durch den Nominativ: es steigen Bläschen auf (=es steigen Bläschen auf). Dabei stützt man sich auf ähnliche Beispiele (Schaum entsteht, Wolken ziehen auf, nicht es entsteht Schaum, es ziehen Wolken auf) (Skardžius 1936: 14). Die Gründe für den Gebrauch solcher Genitive lassen sich nicht leicht bestimmen. Es wurde geschrieben, dass dieser Sprachgebrauch unter dem Einfluss anderer Sprachen und der Dialekte entstanden sein könnte; unter dem Einfluss des Russischen sei der Genitiv mit dem Verb pasiekti verwendet worden, und einige dieser Genitive könnten auch Hyperkorrekturen sein.
Der Genitiv wurde in Verbindungen mit dem Verb padaryti korrigiert. Einen unpassend gebrauchten Genitiv korrigierte J. Balčikonis: Liudui Vasariui neišdildomo įspūdžio (=einen unauslöschlichen Eindruck) padarė (Balčikonis 1935: 45)6. Der von Verben regierte Genitiv kann ein unbestimmtes Objekt, einen Teil davon bezeichnen. Im Kalbos patarėjas wird folgender Satz als empfehlenswerte Formulierung angeführt: duok, paskolink peilio (Kalbos patarėjas 1939: 31). Die Begründung ist die kurzfristige Bitte. P. Meškauskas ersetzte häufig den Nominativ und den Akkusativ durch den partitivischen Genitiv (der Gebrauch schwankte), räumte jedoch ein, dass auch dieser in manchen Fällen nicht passend ist: In Kaunas wird ein in Litauen bisher beispielloser Verein gegründet, der den Zweck hat, Menschen zu helfen (=dessen Ziel es ist, Menschen zu helfen) (Meškauskas 1932: 66).
6 Der Artikel, in dem J. Balčikonis Anmerkungen zur Sprache des Romans Altorių šešėly von Vincas Mykolaitis-Putinas vorlegte,Altorių šešėly, fand Widerhall (Balčikonis 1935: 45–48; Skardžius 1935c: 124–126; Skardžius 1997: 192). In Vairas wurde ein Artikel von Eduardas Viskanta veröffentlicht, in dem er zu widerlegen versuchte, was J. Balčikonis und P. Skardžius in sprachlicher Hinsicht beanstandet hatten (Viskanta 1935). P. Skardžius zufolge kritisierte E. Viskanta die Sprachkorrektoren von Putinas Werk unverblümt und sogar spöttisch und nahm sich selbst an, Sprachfragen oberflächlich zu beurteilen (Skardžius 1997: 192). J. Balčikonis ersetzte den Genitiv im Satz atėjau baronienės atsisveikinti durch eine Präpositionalfügung. E. Viskanta hielt einen solchen Genitiv mit Infinitiv zum Ausdruck eines Zwecks für sprachüblich im Litauischen, z. B. motina atėjo vaiko parsivesti (Viskanta 1935: 369), išėjau į girėlę balandžių šaudyti (Viskanta 1935: 700). P. Skardžius’ Ansicht nach entschied E. Viskanta vieles, ohne sich näher damit auseinanderzusetzen, und auf oberflächliche Weise. Es wird betont, dass hier mehrere Dinge miteinander vermengt werden: Kein Sprachwissenschaftler plädiert für eine blinde Nachahmung der Volkssprache, doch muss der Sprachgebrauch des Litauischen sich an litauischen Neigungen orientieren (Skardžius 1997: 193).
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Page 9Über den Gebrauch von Verbindungen mit Objektbedeutung bei Substantiven im Singular, die abstrakte Begriffe bezeichnen (Ehre, Mitgefühl, Einfluss, Bedeutung, Eindruck usw.), wurde geschrieben, dass in diesen Fällen, wenn man einen anderen Menschen nicht kränken oder beleidigen will, nicht der partitive Genitiv, sondern der Akkusativ erforderlich ist: turiu garbės (=die Ehre) zu grüßen; reiškiame gilios užuojautos (=unser tiefes Mitgefühl) (Kalbos kertelė 1933: 3). Dieser Kommentar erhielt später Zustimmung in Gimtoji kalba: „statt turiu garbės, reiškiu užuojautos ist natürlich zu sagen und zu schreiben turiu garbę, reiškiu užuojautą“ (Labokas 1933: 63). P. Skardžius schrieb, der Genitiv sei nur dann zu verwenden, wenn ein Teil ausdrücklich gemeint ist: gib mir etwas Brot, schöpfe etwas Wasser, aber er buk Brot, verlor sein Geld usw. Möglich sind užuojautos (wenn nur wenig, nur ein Teil gemeint ist; diese Mitgefühläußerung ist schwächer, geringer) und užuojautą (das Ganze; diese Äußerung ist stärker und bedeutungsvoller). Entsprechend kann man sagen daryti įspūdžio und įspūdį, turėti įtakos und įtaką. Besonders befremdlich war für P. Skardžius die häufig in Zeitungen verwendete Formulierung reiškiu giminėms didžiausios užuojautos („wie kann hier größtes Mitgefühl gemeint sein, wenn nur ein Teil davon bekundet wird? Wenn man großes, geschweige denn größtes Mitgefühl ausdrückt, muss man nach den Neigungen unserer Sprache užuojautą, nicht užuojautos ausdrücken. [...] Ebenso sagt man [...] turime garbę, nicht turime garbės prašyti, reiškiu Jums pagarbą, nicht pagarbos“). Somit lehnt P. Skardžius (1936: 17) den Gebrauch des Genitivs ab und empfiehlt den Akkusativ. M. Jurkynas schlägt ebenfalls den Akkusativ statt des Genitivs vor: pasiteiraujant ir suradus (=nachdem wir uns erkundigt und die gesuchte Person gefunden haben), turime garbės (=die Ehre haben) pranešti; turiu garbės (=die Ehre haben), den Herrn Direktor (=Herrn Direktor) zu bitten (Jurkynas 1938: 21). Im Kalbos patarėjas sind inzwischen beide Varianten zulässig, doch hängt die Wahl zwischen Genitiv und Akkusativ vom Kontext ab. In bestimmten Fällen heißt es reiškiu užuojautą (das ganze Mitgefühl) und reiškiu užuojautos (einen Teil des Mitgefühls) (Kalbos patarėjas 1939: 31). Später äußerte L. Dambriūnas in Gimtoji kalba eine andere Meinung (1962, 1964). In vielen Fällen empfahl er den Genitiv.
In der Standardsprache ist der Genitiv von durch Zahlwörter näher bestimmten Substantiven sowie von Mengenbezeichnungen unzulässig, wenn er bei Komparativadverbien eine vergleichende Mengenangabe ausdrückt. Der Genitiv wurde konsequent durch eine Vergleichskonstruktion ersetzt: im vergangenen Jahr wurden hier mehr als hundert (=über hundert) Menschen ermordet (Jablonskis 1911a: 1, 2); es ist schon mehr als ein Jahr (=mehr als ein Jahr), seit wir in unserer Zeitungsspalte zum Kampf gegen die Tuberkulose aufgerufen haben (Jablonskis 1911b: 2); mehr als hundert Menschen kamen ums Leben (=mehr als hundert) (Jablonskis 1914a: 2, 3); spätestens im kommenden Herbst (=wie im nächsten Herbst) werde man eine Gewerbeschule eröffnen (Jablonskis 1914a: 2, 3); unser Körper besteht zu mehr als drei Vierteln aus Wasser (=mehr als drei Viertel) (Jablonskis 1920: 26); bereits mehr als zwei
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Page 10likos (=daugiau kaip dvylika) mėnesių praėjo (Jablonskis 1925d); šis „Fondas“ yra įsteigęs daugiau 900 (=daugiau kaip 900) knygynėlių (Jablonskis 1926b: 50). P. Skardžius rašė, kad slavų ir mūsų kalbos duomenys rodo, jog anksčiau toks posakis jis yra geresnis manęs galėjo būti vartojamas su vienu atskirties kilmininku, tačiau šiandien jis yra svetimas ir nebevartojamas (Skardžius 1998: 720).
DATIV
Zunächst ist der Dativ zu nennen, der fälschlich als Objektkasus verwendet wurde. Viele Sprachwissenschaftler haben ihre Meinung zum Gebrauch des Verbs tikėti geäußert. Hier werden auch Korrekturen des Dativs zur Bezeichnung eines Mittels oder einer Art sowie des finalen Dativs mit Infinitiv behandelt.
Der Dativ wird oft fälschlich als Objektkasus verwendet – er steht bei solchen Verben oder Adjektiven, die den Dativ nicht regieren. Zunächst ist das Verb atitikti: dein Verhalten entspricht den Worten (=entspricht die Worte) (Jablonskis 1925a: 1212); Wort für Wort entspricht den Losungen (=die Losungen)7 (Jablonskis 1926b: 50); diese Erscheinungen entsprechen auch anderen Erscheinungen (als Erklärung wird angeführt: die Axt passte zum Stiel) (Jablonskis 1928: 61, 62); die abgegebenen Versprechen entsprachen den kühnen Träumen der Arbeiter und Bauern (=die Träume) (Meškauskas 1931a: 394); das ist ein Getränk, das den klimatischen Bedingungen des Ortes entspricht (=Bedingungen) (die Axt passte zum Stiel) (Meškauskas 1932c: 70). Bei užjausti: die Stadtverwaltung empfand Mitgefühl für diesen Kongress (=diesen Kongress) (als Beleg dienen andere Beispiele: Ein Hungriger möge mit einem Hungrigen Mitleid haben) (Jablonskis 1914a: 2, 3). Bei sekti: schnell gesprochen, folgt der Gedanke dem Gedanken (=der Gedanke folgt dem Gedanken) (Jablonskis 1926b: 50); ohne Grund folgt er diesen Sprachbeispielen (=ohne Grund folgt er diesen Sprachbeispielen) (Jablonskis 1928: 62). P. Skardžius korrigierte den fälschlich verwendeten Dativ beim Verb atsiliepti:als sie auf diese Worte reagierte (=auf diese Worte) (Skardžius 1998: 655).
Der Dativ wird auch nach Adjektiven korrigiert (durch eine Präpositionalfügung mit Akkusativ). Eines der häufigsten Beispiele ist panašus. J. Jablonskis korrigierte es: Der Bundesstaat Orange ist einem Kriegslager ähnlich (=einem Kriegslager) (Jablonskis 1914: 4); in dieser Hinsicht ist er den größten Lehrern der Welt ähnlich (=den Größten (den gr
7Im selben Jahr 1926 korrigierte J. Jablonskis auch den Lehnübersetzungsfehler obalsis (Raštai, Bd. 5, S. 7). Anm. d. Red.
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Page 11džiausius) pasaulio mokytojus) (Jablonskis 1926c: 3); J. Balčikonis: žemė panaši plytai (=į plytą) (Balčikonis 1935a). Taisyta ir kitų kalbos normintojų: bulgarų būdas kiek panašus lietuviškam (=į lietuvišką) (Meškauskas 1932a: 505); „Eneida“ yra panaši „Iliadai“ (=panaši į „Iliadą“) (Barzdukas 1940: 24). P. Meškauskas nurodo motyvaciją – taisoma dėl vokiečių kalbos įtakos. P. Skardžius taip pat teigė, kad vartotinas ne naudininkas, o prielinksninė konstrukcija: visos priesagos panašios kitoms priesagoms (=į kitas priesagas) (Skardžius 1936a: 92); troškimas laimės ieškoti buvo panašus paukščių jausmui (=į paukščių jausmą) (Skardžius 1998: 639). Taisyta ir po daiktavardžio panašumas: lietuvių kalbos panašumas graikiškajai kalbai (=į graikiškąją kalbą) (Kalbos kertelė 1933b: 3).
Über den Gebrauch des Verbs tikėti in der Standardsprache besteht Uneinigkeit. Es wird behauptet, dass dieses Verb eine schwankende Rektion aufweist und mit Dativ, Instrumental, Akkusativ oder Präpositionalfügungen verwendet wird. Bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts äußerten litauische Sprachwissenschaftler ihre Ablehnung der Dativform und der Präpositionalfügung, da sie diese als Einfluss anderer Sprachen betrachteten8. Kazimieras Būga schrieb, gestützt auf Dialektdaten, dass die Formen tikėti kam und tikėti į ką aus den slawischen Sprachen übernommen seien, während tikėti kuo eine zweifellos litauische, aus dem Altertum überlieferte Eigenheit sei. Mit dem Instrumental (so nannte K. Būga den Instrumental) werden auch die Verben kliauties, abejoti, rūpintis verwendet (Būga 1914: 18). Auf diesen Aufsatz von K. Būga stützte sich P. Skardžius, als er erklärte, tikiu į Dievą sei eindeutig eine der litauischen Sprache fremde Wendung. Anstelle der Präpositionalfügung schlug P. Skardžius unter Berufung auf K. Būga, J. Jablonskis und alte Schriften den Gebrauch des Akkusativs oder Instrumentals vor (tikiu Dievą oder tikiu Dievu). Tikiu Dievą würde bedeuten, dass es Gott gibt, dass man an Gottes Existenz glaubt. Tikiu Dievu würde bedeuten, Gott zu vertrauen und Gott als Grundlage des Glaubens zu betrachten. Der hier verwendete sogenannte Instrumental der Grundlage ist in unserer Sprache gut bekannt (Skardžius 1998: 299). Wie ihr Gebrauch zeigt, insbesondere in alten litauischen Sprachdenkmälern, sind Dativ und Präpositionalfügung wahrscheinlich nach entsprechenden slawischen Vorbildern in der Kirchensprache entstanden und könnten später auch in die Umgangssprache eingegangen sein (Skardžius 1998: 407). Tikėti wird mit dem Akkusativ, Instrumental und selten mit dem Dativ verwendet (glaube den vom Himmel gegebenen Lehren) (Skardžius 1998: 410). In seinen Arbeiten zeigt P. Skardžius, dass die Rektion des Verbs tikėti in Übersetzungen variiert (Skar-
8Ausführlicher dazu: „Glaubensbekenntnis: an Gott glauben oder Gott glauben“ (http://www.vlkk.lt/lit/naujienos/naujiena.1092.html).
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Page 12džius 1998: 544). Naudininką taisė P. Meškauskas: sulig tais daviniais, kuriems (=kuriais) net sunku patikėti, indėnai yra turtingiausioji pasaulyje tauta (Meškauskas 1931c: 350). Tokios nuomonės, kad bendrinei vartosenai netinka naudininkas ir tikėti su prielinksniu, laikomasi ir Kalbos patarėjuje. Čia rašoma, kad prielinksninė konstrukcija yra verstinė, paimta iš bažnytinės kalbos, o naudininkas atsiradęs dėl kitų kalbų įtakos (Kalbos patarėjas 1939: 128).
Der Dativ wurde fälschlich bei Bewegungsverben verwendet, die eine klare Angabe des Ziels der Handlung erfordern. In solchen Fällen ist der finale Genitiv zu verwenden: schickte Bevollmächtigte zu Verhandlungen (=Verhandlungen) (Jablonskis 1912a: 2); die Burschen stritten sich, hier zu wichtigen Teilungen versammelt (=wichtiger Teilungen) (Skardžius 1998: 639); die Brüder vereinbarten, für Samstagabend einzuladen (=zum Abend) (Skardžius 1998: 655, 656); du wirst mich nicht zu diesem Tanz einladen (=zu diesem Tanz) (Skardžius 1998: 655); die Delegierten trafen sich [...] um die Verhandlungen endgültig abzuschließen (=der Verhandlungen); zur Übernachtung (=der Übernachtung) fuhr ich nach... (Juška 1938: 30); wenigstens zum Abendessen (=des Abendessens, um zu Abend zu essen) kamst du zurück (Balčikonis 1978: 289); heute traf ein offizieller Besuch in Delhi ein (=zu einem offiziellen Besuch) (Balčikonis 1978: 309). Gestützt auf Dialekte schlug J. Balčikonis vor, den Genitiv durch eine Präpositionalfügung zu ersetzen: sie versammelten sich zur Sitzung (=sie versammelten sich zu einer Sitzung), weil damit kein gewünschter Gegenstand bezeichnet wird (wie beispielsweise in fährt Holz holen, schickt Hefe); in einer Sitzung wird beraten, entschieden und etwas anderes angestrebt als die Sitzung selbst (Balčikonis 1938: 297).
Auch der Gebrauch des temporalen Dativs und des Akkusativs war für Sprachwissenschaftler mit zahlreichen Fragen verbunden. In seinen Aufsätzen korrigierte J. Jablonskis Zeitangaben im Dativ: nachdem das Dampfschiff längere Zeit angehalten hatte (=längere Zeit), Halley ging an Land (Jablonskis 1925c: 56); hielt eine Minute lang an (=eine Minute) (Jablonskis 1925a: 1212); Der Kreuzer bleibt noch einige Tage (besser einige Tage); ich bin für ein Stündchen (besser ein Stündchen) hinausgegangen (Jablonskis 1925d: 4); sie beschloss, hier über Nacht zu bleiben (=die Nacht, über Nacht) (Jablonskis 1926b: 50). Später wurde der Dativ auch in Kasus und Präpositionen korrigiert: Er ist nur für einige Tage in Urlaub gefahren (=er fuhr nur einige Tage in Urlaub); man bat den Schreiber, für ein Stündchen ins Büro zu kommen (=für ein Stündchen); man entließ ihn für ein Jahr aus dem Seminar (=man entließ ihn ein Jahr lang) (Jablonskis 1928: 62). Für die gesondert herausgestellte temporale Bedeutung des Dativs führte J. Jablonskis jedoch folgende Beispiele an: der Bruder lernte, auch für einen hungrigen Tag etwas Verdientes zu sparen; von diesem Geld ernährt sich die Pfarrersfamilie, sie wird Küchlein backen und andere für längere Zeit trocknen und dergleichen. Ein solcher Dativ bezeichnet nicht nur Zeit, sondern auch Zweck (Jablonskis 1928:
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Page 1349). Die von dem Sprachwissenschaftler korrigierten Beispiele zeigen, dass zwei Gebrauchsmuster unterschieden werden: Der temporale Dativ ist passend, wenn der Zweck deutlich erkennbar ist; in den übrigen Fällen wird der Akkusativ empfohlen9.
Nach den Beispielen von J. Jablonskis korrigierte P. Meškauskas den temporalen Dativ: Es ist anzunehmen, dass das Schuldenmoratorium um drei Jahre verlängert wird (=drei Jahre) (Meškauskas 1932a: 508). Auch J. Balčikonis kritisierte und korrigierte häufig den unpassend verwendeten Dativ. Es wurde geschrieben, dass der Dativ in folgenden Fällen nicht geeignet ist: Zu Weihnachten entlässt man die Schüler für zwei Wochen in die Ferien; zu Dreikönig müssen die Schüler die Lektionen bereits bis zum Morgen gelernt haben; nachts treibt man das Vieh in die Ställe und schließt sie ab (Balčikonis 1978: 42). In Gimtoji kalba wird darauf hingewiesen, dass in den Sätzen er fuhr für einen Tag weg oder einen Tag lang weg sowohl der Dativ als auch der Akkusativ gebraucht werden können, sie jedoch aus unterschiedlichen Dialekten stammen (Salys 1933: 13).
Korrigiert wurde der Dativ von Substantiven mit der abstrakten Endung –imas (–ymas): Die Frau war schwanger und bereits zur Entbindung registriert (=entbinden) (Meškauskas 1932b: 352); nicht zum Verkauf (=verkaufen) habe ich es gemacht (Balčikonis 1978: 290); keiner der Mähdrescher ist zum Dreschen verwendbar (=nicht zum Dreschen verwendbar) (Balčikonis 1978: 309). Es wurde geschrieben, dass der Dativ zur Bezeichnung eines Zwecks mit einer Bestimmung nicht verwendet werden darf.
9 1925 Lietuvuje erschien ein Artikel von Antanas Vireliūnas über den Gebrauch des Dativs zur Angabe einer Zeitbestimmung. Er äußert Zweifel an J. Jablonskis’ und P. Skardžius’ Versuch, die Sprache zu normieren und neue Regeln einzuführen, und ebenso an den Korrekturen (er gibt nicht genau an, woher die Sätze stammen); er kritisiert folgende Fälle: ging für fünf Stunden hinaus (=fünf Stunden) und fuhr für drei Tage weg (=drei Tage). Er behauptet, der Arbeit der Sprachwissenschaftler fehle es an Begründung und Klarheit, es gebe keine eindeutig festgelegten Gebrauchsstandards und keine Begründung für die Korrekturen. A. Vireliūnas bezweifelt den Gebrauch des Akkusativs; er schreibt, der temporale Dativ eigne sich durchaus für die Standardsprache, da es dafür Beispiele in Dialekten und volkskundlichen Texten gebe (Vireliūnas 1925: 13).
A. Salys verteidigte J. Jablonskis’ Auffassung. Er kritisiert A. Vireliūnas’ unpassend ausgewählte Beispiele, dessen fehlende Unterscheidung zwischen dem Dativ der Bestimmung und dem temporalen Akkusativ sowie die Beschränkung auf nur einen kupiškėnai-Dialekt. Als Beispiele für den Gebrauch des Akkusativs aus der gesprochenen Sprache werden angeführt: zieh dich für ein paar Tage zurück, und die Gendarmen werden uns nicht finden; ich fuhr für ein paar Tage von zu Hause weg, und schau nur – welches Unglück geschehen ist!; ich werde gehen, um mich wenigstens eine Stunde hinzulegen; sie wird für ein paar Tage zur Mutter gehen. Es wird geschrieben, dass der Akkusativ am häufigsten nach Verben der Bewegung steht (Salys 1925: 10).
Bald darauf wurde in der Zeitung A. Vireliūnas’ Antwort an A. Salys veröffentlicht. Diesmal nennt er die Quelle, auf die er sich bei seinem Zitat von J. Jablonskis gestützt hatte: eine Ausgabe von Švietimo darbo (vgl. Jablonskis 1925c: 56). Der Artikel enthält nur einen Fall, in dem J. Jablonskis den Dativ durch den Akkusativ ersetzt. Daraus schließt A. Vireliūnas, dass J. Jablonskis (zusammen mit P. Skardžius) eine Umgestaltung der Sprache anstrebe, „offenbar indem wir den Dativ zur Zeitangabe ganz aufgeben“ (Vireliūnas 1925a, LI, 13). Es wird behauptet, A. Salys habe den Kern seines Artikels nicht verstanden. A. Vireliūnas fragte, ob ein Satz mit Dativ verwendet werden könne oder ob er strikt zurückzuweisen sei, da J. Jablonskis die Verwendung eines solchen Satzes nicht zugelassen habe.
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Page 14Zur Bezeichnung eines Merkmals und einer Art schlug P. Skardžius 1936 in Gimtojoje kalboje den Ausdruck Haus der Inhaftierten vor und nicht Haus für Inhaftierte. Der Sprachwissenschaftler stützte sich auf ähnliche Beispiele: Einrichtung für jugendliche Straftäter, Irrenhaus, Sanatorium für Offiziere, Priesterseminar, Schweinestall. P. Skardžius erklärte, der Genitiv drücke nicht nur Zugehörigkeit, sondern auch Zweckbestimmung aus (Skardžius 1936: 16). J. Balčikonis korrigierte den Dativ zum Genitiv: es gab Schuhcreme für Schuhe (=Schuhe), Pulver für Zähne (=Zähne) (Balčikonis 1978: 227). Es ist ersichtlich, dass der Genitiv als bessere Form empfohlen wurde. Später änderte sich die Bewertung desselben Phänomens etwas: Der von P. Skardžius und J. Balčikonis vorgeschlagene Genitiv wurde später als bessere Kasusform zur Bezeichnung eines Merkmals eines Gegenstands empfohlen, jedoch nicht strikt als fehlerhaft korrigiert.
Es wurde erörtert, ob der finale Dativ mit einem Infinitiv in einem Satz verwendet werden kann, in dem kein Substantiv vorkommt, das ein Mittel zur Erreichung dieses Zwecks bezeichnet. Hier ist vor allem J. Balčikonis zu nennen: Er vertrat konsequent die Auffassung, dass der finale Dativ mit einem Infinitiv nicht passt, wenn das Substantiv kein Mittel bezeichnet, mit dem der Zweck erreicht wird. In den Wendungen ein Messer zum Brotschneiden; Räder zum Heutransport; ich habe keine Zähne zum Nüsseknacken ist der Dativ passend, weil Messer, Räder und Zähne Mittel, konkrete Werkzeuge zur Erreichung des Zwecks sind. Es gibt sehr viele von J. Balčikonis korrigierte Beispiele: Wir legten der Fabrikdirektion Anforderungen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter vor (=damit sie die Lage der Arbeiter verbessere); ich habe keine Lust, Nüsse zu knacken (=Nüsse); einen Kampf zur Reinigung der kirchlichen litauischen Sprache beginnen (=um die Sprache zu reinigen), um Fremdwörter zu beseitigen; wer wird ein Kriterium zur Vereinheitlichung dieser Verschiedenheiten finden (=ein Kriterium zur Vereinheitlichung dieser Verschiedenheiten) (Balčikonis 1978: 330). Später wurde J. Balčikonis’ Auffassung widersprochen. J. Palionis beteiligte sich an der Diskussion; J. Kruopas stimmte J. Balčikonis’ Behauptung nicht zu und erklärte, dass auch abstrakte Begriffe als Mittel gelten können: Ich habe keine Großmutter, um die Aussteuer zu packen („Balčikonis’ Auffassung zum Gebrauch des Dativs mit einem Infinitiv kann man nicht zustimmen. Ein solches Verständnis des Mittels ist eng, subjektiv und hat keine Grundlage im Sprachgebrauch. Im Litauischen wird der finale Dativ mit einem Infinitiv nicht nur bei Wörtern verwendet, die ein konkretes Werkzeug bezeichnen, sondern auch bei Wörtern mit abstrakter Bedeutung.“) (Kruopas 1998: 511). Auf einen Artikel, in dem unbegründete Korrekturen J. Balčikonis’ beschrieben werden, antwortete dieser selbst mit einem weiteren Artikel. Darin werden die Motive des Autors für die Korrekturen sichtbar: Die Grundsätze zum Gebrauch des finalen Dativs mit einem Infinitiv wurden anhand der lebendigen Sprache und des Sprachgebrauchs formuliert; mit den Korrekturen sollten Reinheit und Einheitlichkeit der Sprache erreicht werden (Balčikonis 1978: 310).
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Page 15AKKUSATIV
Der Akkusativ neigt im Litauischen aufgrund des Einflusses anderer Sprachen und innerer Ursachen dazu, andere Kasus zu verdrängen. Einer der häufigeren Fehler beim Akkusativ des Objekts ist seine unangemessene Verwendung anstelle des Genitivs der unbestimmten Menge. Eine der frühesten Korrekturen ist für das Jahr 1890 belegt. Der Sprachkorrektor schreibt: „In das Gebet des Herrn hat man zwischen den Worten ‚Unser tägliches Brot gib uns heute‘ unnötigerweise das verbindende ‚und‘ eingeschoben. In allen Fibeln steht es, und alle Menschen sagen ‚Brot‘ im Genitiv, nicht im Akkusativ“ (Žemaičių ir Lietuvos apžvalga 1890: 13). Die Begründung für die Korrektur sind der üblichere Gebrauch und der Einfluss der Tradition.
J. Jablonskis korrigierte den Akkusativ konsequent zum partitivischen Genitiv: kaufte allerlei Märchen (=allerlei Märchen) (Jablonskis 1911a: 1, 3); die Italiener haben große Verluste (=große Verluste) (Jablonskis 1912b: 2); ich habe Menschen ausgesandt (=Menschen) sie zu finden (Jablonskis 1925a: 1213); im Theater fand ich Beruhigung und Vergnügen (=Beruhigung und Vergnügen) (Jablonskis 1926b: 51); haben viele Siedler keine Eigentumsurkunden erhalten (=Eigentumsurkunden) (Jablonskis 1930: 31, 33).
Seit 1931 wurden in der Literatur-, Kunst- und Wissenschaftszeitschrift Vairas Artikel von P. Meškauskas veröffentlicht, in denen die Sprache der Zeitungen analysiert wird. Darin finden sich zahlreiche Fälle, in denen der Akkusativ fälschlich anstelle des im Litauischen klar unterschiedenen partitivischen Genitivs verwendet wird: wir wünschen dem Jubilar, noch viele Jahre unseren Jüngeren Wissen zu vermitteln, von dem er selbst im Laufe seines langen Lebens reichlich erworben hat (=Wissen, das er selbst) (Meškauskas 1931: 236); das Ausland kennt und interessiert sich für uns nur deshalb, weil wir Holz, Speck und anderes ausführen (=Holz, Speck); Buchverleger hatten vor, während der Saison moderne Buchhandlungen einzurichten (=moderne Buchhandlungen) (Meškauskas 1931: 232); in der Umgebung des Titicacasees fand man die ältesten Überreste der Weltzivilisation (=Überreste) (Meškauskas 1932a: 509).
Aus den in Vaire veröffentlichten Artikeln geht hervor, dass die Begründungen der Korrekturen zunächst nicht angegeben wurden, später jedoch immer mehr Hinweise darauf erschienen, warum korrigiert wurde: In der fünften Ausgabe des Jahres 1931 gab es nur vereinzelte Erläuterungen zu den Korrekturen, in der elften Ausgabe dagegen deutlich mehr. Nun wurden nicht nur Kasus und Präpositionen ausführlich und systematisch erklärt, sondern auch lexikalische Fehler; außerdem wurden Gerundialformen korrigiert. Man stützte sich auf Dialekte und Volksüberlieferung und verwies auf die Arbeiten von K. Būga, J. Jablonskis und K. Jaunius. Besonders hervorgehoben wurde der Einfluss anderer Sprachen (Polnisch, Russisch, Deutsch); fremdsprachige Wendungen wurden angeführt, die wörtliche Übersetzung getadelt und für das Litauische ungewohnte Konstruktionen beanstandet. Der Akkusativ wurde auch in den Artikeln von Gimtoji kalba konsequent zum partitivischen Genitiv korrigiert.
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Page 16Der Akkusativ neigt dazu, andere Kasus zu verdrängen, und wird häufig bei Verben gewählt, die ihn nicht regieren. Über das Verb atstovauti wurde viel und leidenschaftlich diskutiert. Bei diesem Verb wird der Akkusativ sehr oft fälschlich verwendet; auch heute lassen sich Fehler in der Standardsprache nicht vermeiden. J. Jablonskis korrigierte den Akkusativ: ich vertrete den polnischen König (=dem König) (Jablonskis 1925a: 1213); der eine vertritt die Liebe (=der Liebe), der andere die Rache (=der Rache) (Jablonskis 1926b: 51); ihr Söhnchen vertrat die beste Schicht unserer Jugend (=der Schicht) (Jablonskis 1926a: 2); er vertritt im Parlament einen Teil von Paris (=einem Teil) (Jablonskis 1930: 31, 33). J. Jablonskis führte als Begründung der Korrektur das gesamte Rektionensystem ähnlicher Verben an: Er ist unser Diener, unser Vertreter; er dient uns, vertritt uns oder leitet uns (auch den Nominativ korrigierte er: Mykolas stand es zu, die Räuber anzuführen (=den Räubern) (Jablonskis 1925d: 4)10. A. Salys schrieb, dass der Akkusativ nach dem Vorbild fremder Sprachen verwendet werde, während die Verben leiten, herrschen, vertreten bei der Bezeichnung einer Funktion nur mit dem Dativ gebraucht werden: er vertrat Litauen fünf Jahre lang in Italien (Salys 1938d: 4). Auch andere Sprachwissenschaftler korrigierten: du wirst die Sonnenblumen vertreten (=den Sonnenblumen), Niaura aber die Freunde (=den Freunden) (Švietimo darbas 1920: 73). J. Kruopas schrieb bei seiner Erörterung des Gebrauchs des Verbs atstovauti, dass meist der Dativ gewählt werde, es aber auch mit dem Akkusativ vorkomme. Der Gebrauch wird durch den Vergleich mit anderen ähnlichen Wörtern deutlich: ein Land vertreten, über die Welt herrschen. In diesem Fall ist also nicht der Akkusativ, sondern der Dativ zu verwenden (Kruopas 1951: 31).
Seit Langem wird der Akkusativ des Objekts zum Genitiv bei Verneinung korrigiert. Schon Antanas Baranauskas empfahl den Genitiv bei Verneinung als gebräuchliche Form: ich kann die Arbeit nicht, ich will kein Heu mähen, weder brauche ich einen Pflug noch Geld (Baranauskas 1896: 68). Auch J. Jablonskis schlug vor, den Akkusativ zum Genitiv bei Verneinung zu korrigieren: halte die Bücher, halte die Bücher nicht; auch der Nominativ wurde korrigiert: ihnen fehlt der Kopf (=Kopf
10 In Lietuvos aidas erschienen Artikel, die J. Jablonskis’ Arbeit kritisierten. In einer Ausgabe des Jahres 1930 wird ein Artikel von J. Jablonskis (Jablonskis 1930: 31–36) analysiert und der Gebrauch des Verbs atstovauti mit dem Dativ erörtert. Dort heißt es: „Die Bedeutung von ‚Vertretung‘ ist der Bedeutung von ‚Ersetzung‘, ‚Stellvertretung‘ viel näher. Schließlich vertritt ein Vertreter das Ganze. Dienen bezeichnet einen Vorgang, der etwas empfängt – er dient mir; aber wenn er an meiner Stelle zu einer Begegnung geht, dann vertritt er mich dort. Wenn wir diese Bedeutung ‚Vertretung‘ nennen, scheint mir, dass die Sache dadurch dennoch keine Bedeutung erhält, die etwas empfängt.“ (Lietuvos aidas 1930: 4). P. Skardžius kritisiert diese Überlegungen. Ausgehend vom Vergleich mit anderen ähnlichen Verben (dienen, Frondienste leisten, den Vorsitz führen, leiten) argumentiert er, dass das Verb atstovauti nicht den Akkusativ, sondern den Dativ regiert (Skardžius 1930: 84–93).
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Page 17vos) neskauda (Jablonskis 1926b: 50); taisė ir kiti kalbos tyrėjai: ėmė melste melsti sūnų, kad nuo jos neslėptų savo ligos priežastį (=priežasties) (Vireliūnas 1923: 486; remiamasi kupiškėnų tarme); tačiau suprantama, kad joks liberalizmas, jokios laisvės negalėjo nuraminti besvajojančius lenkų bajorus (=besvajojančių lenkų bajorų) (Meškauskas 1931: 235); juk niekas jį neprašė pareikšti savo įsitikinimus (=niekas jo neprašė pareikšti savo įsitikinimų) (Jūška 1938: 30); neleido steigti „Šviesos“ draugiją (=draugijos); džiaukimės žiema, bet neužmirškime ir darbą (=darbo) (Stonys 1940: 59).
Der Akkusativ wird in Finalkonstruktionen fälschlich verwendet. Bereits in Varpas schrieb J. Jablonskis, dass das Ziel nach transitiven Verben durch den Genitiv ausgedrückt werden kann: ich gehe Wasser holen, sie schickte mich, um Schriftstücke zu holen, der Mann fährt Holz holen (Jablonskis 1893: 150). Der Genitiv wird auch nach intransitiven Verben verwendet, die einen andauernden Zustand bezeichnen: das Mädchen weint um sein Kränzchen, das Pferd wiehert nach Hafer, er schläft nach dem Mittagessen, sie läuten zum Abendessen (Jablonskis 1893: 151). Die Regel wird so formuliert: Der Genitiv ist passend, wenn ein einzelnes Objekt gemeint ist. Wenn es sich um eine Konstruktion mit Infinitiv (oder Supinum) handelt, ist der Akkusativ zu verwenden: alle stürzten sich darauf, dem Großvater die Hände zu küssen, Stankūnas lief los, um dem Anwalt Geld zu bringen (Jablonskis 1893b: 151). Es wird begründet, weshalb der Genitiv hier nicht passt: Das Verb pulti verlangt keinen Genitiv, und die Hände sind im ersten Satz kein Ziel. Im zweiten Satz lief Stankūnas nicht los, um Geld zu holen, sondern trug es fort, um es abzugeben (Jablonskis 1893b: 151). Allerdings stehen beide Sätze in der Lietuviškos kalbos gramatikoje von 1901 mit Genitiv: alle stürzten sich darauf, dem Großvater die Hände zu küssen, und Stankūnas lief los, um dem Anwalt Geld zu bringen. Dabei stützt man sich auf dieselbe Regel, dass nach Verben der Bewegung der Genitiv steht (Jablonskis 1901: 74). Ähnliche Fälle korrigierte J. Jablonskis auch später: er erklärte, nach Vilnius gefahren zu sein, um seinen Bruder (=seines Bruders) zu besuchen; zum Verhör des Diebes (=des Diebs) fuhr er (Jablonskis 1911a: 1); die Deutschen kamen, um den Fürsten (=des Fürsten) zu begrüßen; auch er kam hierher, um Zwietracht (=der Zwietracht) zu säen (Jablonskis 1925a: 1213).
Auch andere Sprachforscher korrigierten solche Formen: sie sandten Apostel aus, um alle Völker der Welt zu lehren (=sie sandten Apostel aus, um alle Völker der Welt zu unterweisen) (Būtėnas 1929: 30). P. Skardžius schrieb in Gimtoji kalba, dass die Geschichte und der Gebrauch der Kasus zeigten, der Genitiv sei für das Litauische charakteristischer und werde deshalb auch in der Standardsprache bevorzugt: man muss gehen, um Mist zu fahren; obwohl in Westlitauen zur Bezeichnung des Zwecks oft auch der Akkusativ gebraucht wird: man muss gehen, um Mist zu fahren (Skardžius 1935a: 3, 7). P. Skardžius merkte an, dass nach dem Verb kviesti der Genitiv des Zwecks und nicht der Akkusativ zu verwenden sei; vgl.: der Hausherr lud die Gäste ein
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Page 18die Felder zu besichtigen; der Bursche lud das Mädchen zum Tanz des Suktinis ein; also lädt er sie auch ein, seinen Namenstag zu feiern (Skardžius 1999: 738); Sargenis wollte nach Kaunas zurückkehren, um einige Angelegenheiten zu erledigen (=einige Angelegenheiten); er geht hinaus, um den ganzen Ärger (=all den Ärger) aus dem Kopf zu vertreiben (Skardžius 1998: 656). In der Zeitschrift Švietimo darbas von 1923 werden Sätze mit Genitiv angeführt: sie flehte ihren Sohn auf jede Weise an; dasselbe erbitte ich auch von Ihnen; ich gebe eine Viertelstunde, um Gott um Vergebung der Sünden zu bitten (Vireliūnas 1923: 487). Man beruft sich auf den Dialekt von Kupiškis und schreibt, dass hier der Akkusativ erforderlich sei. Die Begründung für die Korrektur lautet: Mit dem Akkusativ ist der Gedanke klarer und präziser. Bei der Äußerung ich bitte um Petras Messer ist unklar, ob man das Messer meint, das Petro gehört, oder ihn um etwas bittet (Vireliūnas 1923: 487). J. Jablonskis ordnete diese Sätze den Genitiven des Ziels zu: der Kranke bat (rief) nach einem Arzt, einem Priester (bat darum, dass man ihm einen Arzt, einen Priester herbringe) (Jablonskis 1928: 33); ich bat um ein Pferd, um einen Menschen (damit man ihn gäbe); hast du ihn um ein Pferd gebeten? (Jablonskis 1928: 34). Beim Verb bitten werden sowohl Genitiv als auch Akkusativ verwendet: der dreiste Vater bat seinen Sohn um Schuhe (Stiefel, Schuhe), der Sohn schenkte sie ihm (Jablonskis 1928: 45). Am Ende des Kapitels heißt es, Genitiv und Akkusativ würden nicht ohne Grund verwendet (eine ausführliche Erklärung fehlt, vermutlich geht es um Mehrdeutigkeit) (Jablonskis 1928: 46). P. Skardžius schlug den Akkusativ vor, weil dadurch die Person, um die gebeten wird, leichter von der erbetenen Sache unterschieden werden kann und so Mehrdeutigkeit vermieden wird (Skardžius 1998: 694, 750). In Aidas wird bei der Erörterung der Rektion mit dem Verb bitten (ich bat die Lehrerin oder ich bat die Lehrerin) auf J. Jablonskis und P. Skardžius Bezug genommen: Für die erbetene Person sollte besser der Akkusativ, für die erbetene Sache der Genitiv verwendet werden. So wird Mehrdeutigkeit vermieden. Man sollte sagen: ich bat die Lehrerin um ein Buch, ich bat den Vater um eine Uhr (Horodničūtė 1938b: 3); man muss die Ausdrücke jemanden nach etwas fragen und jemanden nach etwas fragen. Er fragte mich nach dir (er wollte von mir etwas über dich erfahren) und er fragte mich nach dir (er wollte von dir etwas über mich erfahren) unterscheiden (Horodničūtė 1938a: 3). Fragen zur Verwendung dieser Verben wurden von A. Salys, P. Skardžius, L. Dambrauskas und M. Jurkynas auch in Gimtoji kalba erörtert. In der Standardsprache sollte man besser den Akkusativ verwenden, da so die erbetene Person leichter von der erbetenen Sache unterschieden und Mehrdeutigkeit vermieden wird (Skardžius 1935b: 173). Streng zu unterscheiden sind der Kranke bittet den Priester (ihn selbst, etwas zu tun) und der Kranke bittet um einen Priester (damit man ihn herbringt). Ebenso fragt den Vater und fragt nach dem Vater. Man beruft sich auf Dialekte und den tatsächlichen Sprachgebrauch (Salys 1937: 134). Ähnlich steht auch im Kalbos patarėjas: Besser sagt man fragt das Kind die Gebete ab als fragte das Kind nach den Gebeten (1939: 64–65).
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Page 19INSTRUMENTAL
Die wichtigsten Fehler beim Instrumental: seine Verwendung zur Bezeichnung des Objekts bei Verben, die Fülle ausdrücken, zur Bezeichnung des Inhalts einer Qualität bei Adjektiven, die Fülle bezeichnen, sowie bei Formen des Verbs būti zur Bezeichnung eines unveränderlichen Zustands.
J. Jablonskis korrigierte in seinen Artikeln den Instrumental zum Genitiv: Glas mit Wasser, Quecksilber, Sand füllen (=Glas mit Wasser, Quecksilber, Sand füllen) (Jablonskis 1920: 26). Er korrigierte auch den Instrumental mit einem Mengen bezeichnenden Adjektiv reich: bist du vielleicht reich an Geld (=bist du vielleicht vermögend)?; unser Land war einst sehr reich an Volksliedern (=wurde sehr viel gesungen, wurde viel gesungen) (Jablonskis 1911b: 2); ebenso korrigierte P. Meškauskas: im Ablauf der Arbeiten, reich an Referaten (=reich an Referaten), überwiegt die Information (Meškauskas 1931a: 396); der Verband wächst an Mitgliedern (=wächst an Mitgliedern) (Meškauskas 1931b: 61). P. Skardžius schrieb, dass im Litauischen der Genitiv des Inhalts und nicht der Instrumental zu verwenden sei: Der Herr erfüllte euch mit Liebe; er füllte den Krug mit Milch (Skardžius 1998: 561). Falsch verwendete Instrumentalformen korrigierte er auch bei der Rezension literarischer Werke: das Leben mit seinem greisenhaften Stöhnen erfüllend (=mit seinem greisenhaften Stöhnen); ein Gebäude, von Blut durchtränkt (=von Blut) (Skardžius 1937: 159). Dieser Kasus wurde wiederholt sowohl in Švietimo darbe als auch in Vaire: mit Fackeln könnten sie ein mit Rauch gefülltes Haus betreten (=rauchgefülltes) (Meškauskas 1931a: 395–396); die große Stadt wird zu einem einzigen riesigen Massengrab, zu lauter Trümmern, gefüllt mit Bergen von Leichen (=gefüllt mit Bergen von Leichen) (Meškauskas 1931c: 347). Der Instrumental, der fälschlich bei Verben mit der Bedeutung „füllen“ verwendet wurde, wurde von Sprachwissenschaftlern auch in Gimtojoje kalboje: Haben nicht sie die Tempel mit den den Feinden geraubten Schätzen angefüllt (=mit der den Feinden geraubten Beute) (Balčikonis 1935a); das Stadion wird sich mit Litauern füllen (=mit Litauern) (Lengvinas 1938: 5).
Der Instrumental wird häufig fälschlich verwendet, um einen dauerhaften oder unveränderlichen Zustand auszudrücken. In Vairas korrigierte ihn P. Meškauskas: das Wasserkraftwerk wäre eine Quelle elektrischer Energie (=eine Quelle) für ganz Litauen (Meškauskas 1931a: 392); Vaitkus ist Eigentümer der Fabrik (=Eigentümer) (Meškauskas 1931a: 395); der Grund dafür (=der Grund dafür) ist, dass der durch die Zusammenbrüche deutscher Banken ausgelöste Sturm noch längst nicht abgeklungen ist (Meškauskas 1932: 67); Grund des Aufstands (=Grund) war die Kürzung des Soldes für die Soldaten (Meškauskas 1932a: 508). Besonders unpassend erschien ihm der Instrumental als Grund; bei seinen Korrekturen verwies er überall auf dieselbe Begründung, nämlich dass es sich um ein aus dem Russischen übernommenes Fremdelement handele. Ein solcher Instrumental wurde auch in Gimtojoje kalboje: Ende 1936 war die schwärzeste Periode ihrer Geschichte (=war die schwärzeste Periode ihrer Geschichte) (Juška 1938: 30) korrigiert.
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Page 20Auf die aggressive Verwendung des Instrumentals in doppelten Kasusformen wurde hingewiesen, wenn für den nominalen Prädikatsteil der Instrumental von Adjektiven oder adjektivischen Wörtern verwendet wird. Den fehlerhaft verwendeten Instrumental haben nahezu alle Sprachwissenschaftler durch den Nominativ ersetzt: Der Priester fordert sie auf, nüchtern und tugendhaft zu sein (=dass sie nüchtern und tugendhaft seien) (Jablonskis 1911b: 2); Alle fühlten sich glücklich (=fühlten sich glücklich) (Jablonskis 1925c: 54, 57); Er sollte unglücklicherweise bucklig (=bucklig) geboren werden (Jablonskis 1926b: 51); Nicht von dem, was wir verdienen, sondern von dem, was wir sparen, werden wir reich (=reich; vgl. bleibt gesund) (Jablonskis 1926e: 12, 13). Viele Korrekturen nahm P. Meškauskas vor: Ich tat absichtlich so, als wäre ich betrunken (=betrunken), denn ich wollte euch erwischen (Meškauskas 1932: 67); Man konnte nicht sagen, die Stimme der Besitzerin des Wintermantels habe triumphierend geklungen (=triumphierend) (Meškauskas 1932b: 351). P. Meškauskas begründete die Notwendigkeit des Nominativs durch einen Vergleich litauischer Konstruktionen mit deutschen und russischen. Der Instrumental wurde in Gimtojoje kalboje= korrigiert: Unser Tempel lehrt uns, wie wir sein sollen; du bist etwas Größeres (=etwas Größeres) (Balčikonis 1935a); Die Helden der „Aeneis“ verstehen es, barmherzig zu sein (=barmherzig) (Barzdukas 1940: 24); fühlt sich schrecklich unglücklich (=unglücklich); sah lächerlich aus (=lächerlich) (Salys 1937: 135); Ich bekenne mich schuldig (=schuldig) (Dambrauskas 1937: 68–69); Er fühlt sich glücklich (=glücklich); gibt sich als guter Mensch aus (=gut) (Kalbos patarėjas 1939: 126); Tarutis wollte absichtlich klein und schwarz erscheinen (=klein und schwarz) (Skardžius 1998: 639).
Wegen der hinzugetretenen Negation wird der Instrumental durch den Genitiv ersetzt: Worte machen einen Menschen nicht heilig und gerecht (=heilig und gerecht), doch rechtschaffenes Verhalten macht den Menschen Gott wohlgefällig (=wohlgefällig) (Jablonskis 1926g: 404); ich bin nicht heilig und will dich nicht heilig machen (=dich nicht heilig machen) (Jablonskis 1925a: 1213); einen anderen (=einen anderen) hatten die Dorfbewohner Burzdulis noch nicht gesehen (Švietimo darbas 1920: 73). Mitunter verdrängt der Instrumental den Dativ: Wird der Fürst mir dankbar sein (=dankbar); es ziemt sich für einen Soldaten nicht, grausam zu sein (=grausam) (Jablonskis 1925a: 1213).
J. Jablonskis ersetzte den Instrumental bei transitiven Verben durch den Akkusativ (pa)daryti: Diese wenigen Jahre machen ihnen das Leben leichter und angenehmer (=leichter und angenehmer) (Jablonskis 1912b: 2); Erdpartikel machen das Wasser trüb (=trüb); Verunreinigungen machen es gesundheitsschädlich (=gesundheitsschädlich); machen die Axt härter (=härter) (Jablonskis 1920: 26); die Eigenschaften der Werke machten sie streng verschieden (=verschieden) (Jablonskis 1926b: 51); Sparsamkeit macht einen Menschen reich (=reich); lateinische Kanonzitate machten seine Sprache langweilig (=langweilig) (Jablonskis 1926e: 12–13). P. Meškauskas korrigierte, indem er
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Page 21sich konsequent auf die Regel stützte, dass in der litauischen Sprache das adjektivische Attribut in Genus, Numerus und Kasus übereinstimmt und nur in sehr seltenen Fällen nicht angepasst wird. Seiner Ansicht nach sollte der aus dem Russischen übernommene Instrumental nicht verwendet werden: Die Frau hat sich in Wirklichkeit jetzt nur noch mehr entblößt, und die Moralisten werden, wenn sie an die Zeit der kurzen Kleider zurückdenken, bald zugeben müssen, dass sie am anständigsten gewesen sind (=dass die Frauenkleidung am anständigsten gewesen sei) (Meškauskas 1931c: 348); durch ihre Beweglichkeit verschönern sie sogar den Frühling und machen ihn wärmer (=wärmer) (Meškauskas 1932b: 351). Den Instrumental neben dem transitiven Verb (pa)daryti korrigierte P. Skardžius: Die Kürzung machte die Sprache flüssiger (=flüssiger) (Skardžius 1998: 722); korrigiert wurde er in Gimtoji kalba: Er wird das Gleichgewicht verlieren, das ihn heute noch mächtig macht (=mächtig) (Balčikonis 1935a); Dieses Maß macht es beinahe unmöglich (=dieses Maß... unmöglich) (Barzdukas 1938: 61). Konsequente Korrekturen erschienen in Švietimo darbas: Niaura betrachtete es nicht (=hielt es nicht für) als Gewinn, der das Vermögen vergrößern könnte und ihn noch wohlhabender machen würde (=wohlhabend, reicher) (1920: 72); allein diese Unterschriften machten Niaura in der Gemeinde notwendig und sogar unverzichtbar (=machten ihn notwendig und sogar unverzichtbar) (1920: 72); Kummer macht einen Menschen gefühllos (=gefühllos) (1920: 73).
In der Standardsprache war schon damals die Konkurrenz zwischen dem Instrumental des Mittels und präpositionalen Konstruktionen mit derselben Bedeutung zu beobachten. J. Jablonskis ersetzte einen ohne Präposition verwendeten Instrumental durch eine Präpositionalphrase: Er wird mit der Waffe in der Hand stehen (=mit einer Waffe); die Gesandten kamen mit Lorbeerzweigen (=mit Lorbeerzweigen) in den Händen an; die Gefangenen wurden von Soldaten mit Speeren (=mit Speeren) in den Händen umringt (Jablonskis 1921: 138); Mit zwei Diplomen – dem Gymnasial- und dem Akademiediplom – entschloss sich Kriaučiūnas, mithilfe dieser einen hohen, weltweit anerkannten wissenschaftlichen Bildungsabschluss zu erwerben, der für den Lehrstuhl am Gymnasium erforderlich war (=mit einem Zeugnis und einem Diplom entschloss er sich, mithilfe dieser) (Jablonskis 1926c: 8)11. Arnoldas Piročkinas, einer der Forscher zu J. Jablonskis’ Werk, schrieb später, J. Jablonskis habe den Instrumental korrigiert, weil ihm dieser Kasus als dialektal erschienen sein könnte (Piročkinas 1986: 197). J. Jablonskis selbst
11Um J. Jablonskis’ Korrekturen besser zu verstehen und zu erklären, ist es sinnvoll, auch einige Sätze heranzuziehen, in denen der Sprachwissenschaftler vorschlug, die Präposition zu ändern. J. Jablonskis korrigierte wie folgt: B. gratulierte dem König per Telegramm zum neuen Jahr (=zum neuen Jahr) (Jablonskis 1914c: 4) (daneben steht ein redaktioneller Zusatz: „wohl am Neujahrstag. Vielleicht wäre in den neuen Jahren, an Namenstagen besser“). Später neigte J. Jablonskis dazu, die Wendung mit großem Vergnügen – wobei er erneut die Bedeutung des Korrekturkontexts betonte, sich auf seinen eigenen Dialekt stützte und ein ähnliches polnisches Beispiel anführte – zu gern, mit Vergnügen zu ändern (Jablonskis 1928b: 3). In Linksniuose ir prielinksniniuose wurde dieselbe Korrektur angeführt: ob man ihn gern (=gerne, bereitwillig, mit Vergnügen) nimmt (Jablonskis 1928: 123). Aus den Korrekturen lassen sich J. Jablonskis’ Überlegungen zur Unterscheidung ablesen, ob der Instrumental das Mittel oder eine Modalbestimmung ausdrückt, oder ob dies durch den Instrumental mit Präposition geschieht.
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Page 22kis erläutert diese Korrekturen in dem Artikel nicht ausführlicher, sondern merkt lediglich an, dass man sich an einige allgemeine Regeln halten müsse (Jablonskis 1921: 140). P. Meškauskas, der sich wahrscheinlich auf J. Jablonskis’ frühe Korrekturen stützte, schlägt vor, eine Präpositionalphrase zu verwenden: Der Engländer kaufte den präparierten Kopf mit großem Vergnügen (=mit großem Vergnügen) (vgl.: nahm mit großer Freude an, gab mit schönen Worten aus) (Meškauskas 1931c: 350); Semionas Jedreikinas zerkratzte alle Scheiben mit größter brüderlicher Gewissenhaftigkeit (=mit größter brüderlicher Gewissenhaftigkeit); die Cafébesitzer bemerkten bald, mit welchem Wohlwollen (=mit welchem Wohlwollen) die Männer diese Neuigkeit aufnahmen (Meškauskas 1931c: 351). Auch J. Balčikonis korrigierte den Instrumental: Mit großer Mühe (=mit großer Mühe) trat er schließlich in irgendein Ministerium ein (vgl.: mit großem Vergnügen, bat unter Tränen); ich nehme diese Gunst gern an (=gern); die Aufführungen fanden mit großem Erfolg statt (=mit großem Erfolg) (Balčikonis 1978: 71); gern (=mit Vergnügen) arbeiten wir (Balčikonis 1978: 828). Aus J. Balčikonis’ Erläuterungen lässt sich schließen, dass er sich auf die Umgangssprache und auf J. Jablonskis’ Beispiele stützte. P. Skardžius vertrat dieselbe Ansicht wie J. Balčikonis – den von ihm vorgeschlagenen Instrumental mit Präposition begründete er mit ähnlichen Wendungen wie mit großer Freude, mit großem Erfolg, mit offenem Herzen (Skardžius 1936b: 97). Auch später wurde der Instrumental in Gimtoji kalba korrigiert, zum Beispiel: Bei den Beratungen hörten die Teilnehmer mit großer Aufmerksamkeit (=mit großer Aufmerksamkeit) zu (Kulbokas 1968: 19).
LOKATIV
Fehler beim Gebrauch des Lokativs gehören zu den häufigsten. Sprachwissenschaftler der Zwischenkriegszeit erklärten, dass der Gebrauch des Lokativs von allen Kasus am stärksten von Fremdsprachen beeinflusst werde; Ursache vieler Fehler sei die Vermischung der Lokative des Litauischen und des Russischen, und neue, besonders abstrakte Lokative entstünden zudem aus dem Bedürfnis, die Sprache zu intellektualisieren. Am häufigsten wird der Lokativ fälschlich verwendet, um den Träger eines Zustands, einen Tätigkeitsbereich, einen Zustand oder ein Merkmal, die Ursache oder Grundlage eines Zustands sowie die Art oder Zeit einer Handlung auszudrücken. Da der Lokativ weder Subjekt noch Objekt bezeichnet, ist er zur Bezeichnung des Trägers eines Zustands nicht zu verwenden. J. Jablonskis rechnete zu den Lokativen, die einen Ort bezeichnen, auch folgenden Satz: außerdem gibt es bei den Kühen keine Milch; daneben führt er jedoch auch ein geläufigeres Beispiel an – außerdem sind die Kühe ohne Milch (Jablonskis 1928: 97). Somit werden beide Sätze von J. Jablonskis als korrekt angegeben.
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Page 23Zahlreiche Korrekturen betreffen den fehlerhaften Gebrauch des Lokativs zur Bezeichnung des Bereichs einer Handlung, eines Zustands oder eines Merkmals (nicht aber eines Ortes). Einen solchen Lokativ korrigierte J. Jablonskis: Sie werden der Spionage beschuldigt (=wegen Spionage) (Jablonskis 1911b: 2). P. Meškauskas gab bei der Korrektur fehlerhaft verwendeter Lokative zur Bezeichnung eines Handlungsbereichs auch die Gründe für die Korrektur an. Er schrieb, diese Lokative seien im Litauischen unter dem Einfluss des Russischen entstanden: Die des Mordes Verdächtigen (=die mutmaßlichen Beteiligten an einem Mord, des Mordes Verdächtige) werden vor Gericht geladen und Zeugen vorgeführt, doch jene bestreiten, sie beim Schießen gesehen zu haben (Meškauskas 1931c: 350); Hier werden Bekanntschaften geschlossen und Liebesbekenntnisse abgelegt (=gesteht seine Liebe) (Meškauskas 1932b: 353). Der Satz Durch die Schule werden wir kulturell aufsteigen (=unsere Kultur wird sich weiterentwickeln) wird anhand ähnlicher, für das Litauische untypischer Beispiele korrigiert: „Man sagt ja nicht: Er stieg in der Gesundheit auf, er stärkte sich in der Gesundheit.“ P. Meškauskas zufolge „wird das Wort hier als eine Eigenschaft von uns selbst verstanden, wie Gesundheit, Weisheit, Verstand. Sich stärken, aufsteigen, wachsen kann man nur unter Umständen, die außerhalb von uns liegen, z. B.: Er machte beruflich, im Leben Fortschritte“ (Meškauskas 1932a: 506). Ähnliche fehlerhaft verwendete Lokative korrigierte P. Skardžius: ihn in Haft halten (=inhaftiert) (Skardžius 1998: 707); verdächtigt, den Vater ermordet zu haben (=des Mordes am Vater) (Skardžius 1998: 306); Das deutsche Gericht befand ihn der rechtswidrigen Verwendung öffentlichen Eigentums und der Bestechung für schuldig (=schuldig) wegen der rechtswidrigen Verwendung öffentlichen Eigentums und der Annahme von Bestechungsgeldern (=wegen der rechtswidrigen Verwendung öffentlichen Eigentums und der Annahme von Bestechungsgeldern) (Skardžius 1998: 306). J. Kruopas nannte in Gimtojoje kalboje die typischsten Fehler beim Gebrauch des Lokativs. Dazu gehört auch der Bereich einer Handlung, der häufig fälschlich durch den Lokativ ausgedrückt wird: Bei der Vernehmung gab er einen falschen Namen an (=während der Vernehmung, als Vernehmener); beim Laufen stellte er einen Rekord auf (=er stellte einen Laufrekord auf); das Stück in der Inszenierung dieses Regisseurs (=inszeniert) war erfolgreich; er wurde der Brandstiftung verdächtigt (=der Brandstiftung) (Kruopas 1939: 124).
Der Lokativ ist nicht zur Bezeichnung des Zustands, der Verfassung oder des Merkmals eines Gegenstands zu verwenden. J. Jablonskis korrigierte solche Fälle in seinen Artikeln: woran (=womit) ist er schuld? (Jablonskis 1911a: 1, 3); daran ist das Wasser schuld (=dafür) (Jablonskis 1914b: 2, 3); das überzeugt uns darin (=das überzeugt uns davon) (Jablonskis 1920: 26); in Gimtoji kalba korrigierte A. Salys: worum geht es? (=was ist die Sache?); darum geht es nicht (=das ist nicht der Punkt) (Salys 1935: 8), ebenso J. Kruopas: die Sache liegt darin (=so) (Kruopas 1939: 124); J. Balčikonis: der Autor liebt in allem die Genauigkeit (=überall, stets) (Balčikonis 1978: 210). P. Skardžius betonte bei der Korrektur des Satzes das Unglück liegt darin (=das Unglück besteht darin, dass) viele Emigranten ihre Muttersprache vergessen, dass ein solcher Lokativ ein im Litauischen unzulässiger reiner Russizismus sei (Skardžius 1936a: 92).
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Page 24Häufig korrigierten Sprachwissenschaftler Lokativformen wie in Kleidung, in Gewändern, in Uniform u. Ä., z. B.: neben ihr saß eine Frau in weißen Kleidern (=in weißer Kleidung) (Jablonskis 1926b: 52); er ging in Priesterkleidung umher (=in Priesterkleidung) (Jablonskis 1926c: 8); der derzeitige Gutsbesitzer Faria di Castro, ein gemächlicher alter Mann in häuslicher Kleidung aus grobem Wollstoff (=in Kleidung), beklagt sich über die schwierigen Verhältnisse (Meškauskas 1931c: 351); kommen Sie sofort in voller Uniform zu mir (=in vollständiger Uniform; der Lokativ entstand unter russischem Einfluss) (Meškauskas 1932: 69); der Pharao in Kriegskleidung (=mit Kriegskleidung) (Balčikonis 1935a); das Kind in Seidenkleidung (=mit Seidenkleidung) (Dambrauskas 1937: 68, 69); ich traf ihn in der Uniform eines Soldaten (=in Soldatenkleidung) (Juška 1938: 30); er erschien in voller Uniform (=in voller Uniform) (Kruopas 1939: 124); man ließ ihn in Unterwäsche gehen (=in Unterwäsche) (Kruopas 1939: 124); die Berliner Polizisten sehen immer aus, als trügen sie neue Kleidung und weiße Handschuhe (=in neuer Kleidung, mit weißen Handschuhen) (Skardžius 1936: 15); die meisten Samojeden gehen in ihren Pelzkleidern umher (=in Pelzkleidung; mit Pelzkleidung) (Skardžius 1998: 636). Bei der Korrektur solcher Lokative nannte P. Skardžius wiederholt auch die Gründe: Mit dem Lokativ wird gewöhnlich der Ort bezeichnet, an dem sich etwas befindet oder etwas geschieht. Mit dem genannten Satz soll gesagt werden, dass die Samojeden nicht in Kleidern umhergehen, wie etwa im Hof oder im Freien, sondern in Pelzkleidung beziehungsweise mit Pelzkleidung (Skardžius 1998: 636).
Schon in der Zwischenkriegszeit wurden Lokative korrigiert, die sich unter dem Einfluss anderer Sprachen eingebürgert hatten.
In einer Entfernung: 25 Meilen Entfernung vom Mittelmeer (=25 Meilen vom Mittelmeer entfernt) (Balčikonis 1935).
Atvejyje: teisinimasis [...] šiame atvejyje (=šiuo atveju) pakenktų (Juška 1938: 30); tame atvejyje (=tuo atveju) (Kruopas 1939: 124); visuose atvejuose (=visais atvejais) įrodomi paviršutiniai santykiai – vietininkas visuose atvejuose netinka kaip ir visuose atsitikimuose: čia mūsų kalbos palinkimais vartotinas tik įnagininkas (Skardžius 1936a: 93).
Im Exemplar: Dieser Lokativ wurde in Gimtoji kalba so korrigiert: Das Schreiben wurde in zwei Exemplaren eingereicht (=in zwei Exemplaren) (Jurkynas 1938: 19).
In Kraft: Alle Rezepte, die die Frau vor einer Gewichtszunahme bewahren sollen, bleiben in Kraft, und sie muss sich weiterhin daran halten (=bleiben von gleicher Gültigkeit) (dieser Lokativ ist ein Fremdwortgebrauch, der aus dem Russischen übernommen wurde) (Meškauskas 1931c: 348).
Formoje: žaidikas yra geroje formoje (=geros formos) (Kruopas 1939: 124); plg.: jis geros galvos, stiprių plaučių).
Nuotaikoje: jis buvo geroje nuotaikoje (=geros nuotaikos) (Skardžius 1998: 344); P. Meškauskas šį vietininką taiso todėl, kad jis lietuvių kalboje atsi-
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Page 25entstanden unter dem Einfluss der russischen und deutschen Sprachen: wenn Frauen häufig in optimistischer Stimmung wären, dann (=optimistisch eingestellt wären) (Meškauskas 1932: 68).
In der Gestalt: Reiner Kalkstein kommt wie andere Mineralien bisweilen in Gestalt von Kristallen vor (=in Form von Kristallen) (Jablonskis 1920: 26); die Deutschen sollen ganz Litauen Polen zuschlagen wollen, wüssten aber noch nicht, in welcher Form [...] oder in Gestalt der Union von Lublin (=in welcher Form [...] oder nach Art der Union von Lublin) (Juška 1938: 30); erschien in Gestalt einer Schlange (=in Gestalt) (Kruopas 1939: 124).
In der Angelegenheit: Ihre Herzen sind bei den Angelegenheiten des Volkes (=ihre Herzen schlagen für die Angelegenheiten des Volkes) empfindsam (Barzdukas 1940: 24); in dieser Angelegenheit (=diesbezüglich) wende dich an ihn (Kruopas 1939: 125).
In der Zusammensetzung: Wasserstoff ist in der Zusammensetzung verschiedenster Körper enthalten (=Wasserstoff ist in verschiedenen Körpern enthalten, Bestandteil verschiedener Körper) (Jablonskis 1920: 26); ging aus der ständigen Zusammensetzung hervor (=mit ständiger Zusammensetzung) (Kruopas 1939: 124).
Skaičiuje: išspausdino dideliame skaičiuje (=dideli skaičių) (Kruopas 1939: 125).
In der Summe: ein Wechsel über 300 Litas in der Summe (=über 300 Litas) (Kruopas 1939: 124); er stellte eine Rechnung über 100 Litas in der Summe aus (=über 100 Litas) (Skardžius 1998: 344).
Stiliuje: rūmai statyti švedų stiliuje (=švedų stiliaus) (Meškauskas 1932c: 70); namas pastatytas tautiškame stiliuje (=stiliumi) (Kruopas 1939: 124).
Stovyje: ar jums ne gėda tokiame stovyje (=tokiems) rodytis žmonėms (Meškauskas 1931c: 350); prašoma pranešti, kokiame stovyje skolos išieškojimas (=kiek yra skolos išieškota) (Skardžius 1998: 720); gėda tokiame stovyje (=tokiam) rodytis (Kruopas 1939: 124); jį rado girtame stovyje (=girtą) (Skardžius 1998: 344).
Temoje: rašėme rašinį temoje (=tema) „Maironio lyrika“ (Skardžius 1939a: 9).
J. Jablonskis korrigierte auch andere Lokative, z. B.: seine Zeitung werde in zwei Sprachen gedruckt (=in zwei Sprachen); alle Zeitungen erscheinen in litauischer Sprache (=auf Litauisch); und auch die Letten wollten bei der Versammlung in ihrer Muttersprache sprechen (=in der Muttersprache sprechen) (Jablonskis 1911b: 2); er zeigt, dass er sich mit allen Eigenschaften von Strümpfen bestens auskennt (=mit den Eigenschaften) (Jablonskis 1926f: 741, 746). P. Skardžius korrigierte ähnliche Fälle ebenfalls: die Deutschen wissen sehr wenig über die litauische Sprache (=über die litauische Sprache). Seiner Ansicht nach sich in einer Sprache oder in anderen Angelegenheiten auszukennen ist ein durch nichts zu rechtfertigender Übersetzungsfremdling (Skardžius 1936a: 92); die Wendung alles ist in Ordnung ist eine Übersetzungsbesonderheit der Sprache der Intelligenz (aus dem Deutschen und Russischen) und daher dem Litauischen fremd. P. Skardžius korrigiert diesen Lokativ nicht streng, sondern bemerkt-
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Page 26Der Akkusativ wird nicht korrigiert, doch es wird darauf hingewiesen, dass man es auch anders sagen kann (alles ist gut, alles war so, wie es sein sollte, alles war in Ordnung gebracht) (Skardžius 1998: 757). J. Balčikonis korrigierte strenger: dann ist es also in Ordnung (=gut), soll er ruhig umziehen (Balčikonis 1978: 228).
In der Muttersprache schrieb J. Kruopas, dass sich durch die Tendenzen der litauischen Sprache keine aus anderen Sprachen übersetzten Lokative rechtfertigen ließen, wenn sie eine kurze Zeitangabe oder ein Attribut ausdrücken oder wenn sie zur Angabe einer Orts- oder Modalbestimmung dort verwendet werden, wo das Sprachgefühl andere Kasus verlangt (Kruopas 1939: 123–124). In seinem Artikel führt er zahlreiche zu korrigierende Lokative an. Erwähnt werden jedoch auch übersetzungsbedingte Lokativformen, die nicht korrigiert werden sollten: alles ist in Ordnung; er marschierte an der Spitze mit seinem Anführer (Kruopas 1939: 125). Nicht korrigiert werden solche Lokative, die sich durch Beispiele aus dem Litauischen rechtfertigen lassen: er ist im Amt, im Dienst, im Urlaub; führte Reformen im Finanzwesen durch; kennt sich in der litauischen Sprache aus; die Partei gewann bei den Wahlen; blieb in einer traurigen Lage; in einer Reihe von Jahren; das Gesetz bleibt in Kraft; auf Litauisch drücken wir diese Gedanken anders aus (Kruopas 1939: 125). „Man kann es auch anders sagen, doch gibt es Grund zu der Annahme, dass sich die genannten Lokative eng an Lokative anschließen, die keinerlei Bedenken hervorrufen: An einer Stelle drücken wir damit einen bestimmten Bereich aus (führte Reformen im Finanzwesen durch; kennt sich in der litauischen Sprache aus), an anderer Stelle bezeichnen wir damit nahezu einen konkreten Ort (er ist im Dienst)“ (Kruopas 1939: 125). Es zeigt sich, dass J. Kruopas einige von J. Jablonskis und P. Skardžius korrigierte Lokative zu rechtfertigen geneigt war.
Der Lokativ ist auch zur Bezeichnung von Zustandsursache und -grund nicht zu verwenden. Unter dem Einfluss anderer Sprachen entstanden im Litauischen viele unzulässige kausale Lokative: infolge, als Folge, im Ergebnis und Ähnliches. Solche Lokative korrigierte P. Meškauskas: als Ergebnis dieses traurigen Zuges (=das Ergebnis dieses traurigen Zuges) wurden vier Feuerwehrleute beerdigt (Meškauskas 1931a: 395); J. Kruopas: infolge, als Folge, im Ergebnis dessen (=deshalb, damit verbunden) stiegen die Preise (Kruopas 1939: 124); P. Skardžius: als Folge der Kriege (=wegen der Kriege) gibt es immer Flüchtlinge; im Zusammenhang (=im Zusammenhang) mit der Verschärfung der Lage waren zahlreiche Unruhen ausgebrochen (Skardžius 1998: 334); L. Dambrauskas: als Folge dessen kam es in verschiedenen Ländern zum Aufruf zum Kampf (=die Folge davon) (so einfacher und litauischer) (Dambrauskas 1936: 111); J. Balčikonis: als Folge dessen (=deshalb, aus diesem Grund) ereignen sich häufig Unfälle (Balčikonis 1978: 308); als Folge dessen (=aus diesem Grund) wirken die Formen ihrer antiken Eigennamen sehr bunt (Balčikonis 1978: 329).
Der Lokativ ist nicht zur Bezeichnung von Handlungsweise oder Zeit zu verwenden. Solche Fälle korrigierte J. Jablonskis: wir sind vorerst in der Mehrheit sauber (=die Mehrheit) (Jablons-
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Page 27kis 1926e: 12, 13); P. Meškauskas: jeigu aš tikrumoj (=iš tikrųjų) tokia bjauri, tai kodėl tu nepersiskiri su manim (Meškauskas 1932: 68); protinis darbas jai turi sektis, ir tikrumoje (=iš tikrųjų) sekasi (Meškauskas 1932b: 352). Taisyta Gimtojoje kalboje: departamento principe (=iš principo) sutiko (Jurkynas 1938: 19); gyventojai daugumoje (=daugumas gyventojų) yra ūkininkai (Kruopas 1939: 124); negalima pilnumoje (=pilnai) naudotis (Kruopas 1939: 125). Taisė P. Skardžius: vietininkas principe prieveiksmiškai vartoti netinka (Skardžius 1998: 733); tikrumoje (=iš tikrųjų) jis labai turtingas (Skardžius 1998: 344); šios priesagos esmėje (=iš tikrųjų) yra skirtingos (Skardžius 1936a: 92); J. Balčikonis: dalis pavardžių tikrumoje (=iš tikro, tikrai sakant) galėjo atsirasti lietuvių kalboje žymiai anksčiau (Balčikonis 1978: 32); A. Salys: daugumoje (=daugumas) nebeįstengė prisitaikyti prie naujo gyvenimo; susirinkusieji daugumoje (=dauguma susirinkusiųjų) tam pritarė. Šis vietininkas, anot A. Salio, yra gryna rusybė (Salys 1938b: 4).
Im Sprachratgeber heißt es, dass tikrenybėje, tikrumoje Lehnübersetzungen aus dem Russischen seien, die nicht adverbial verwendet werden dürfen (1939: 129). P. Skardžius kritisierte ähnliche Lokativformen ebenfalls. Seiner Ansicht nach entstanden viele solcher Lokativformen unter dem Einfluss anderer Sprachen: tikrumoje (=iš tikro) war jene Druckerei tatsächlich von der Sicherheitspolizei aufgelöst worden. Tikrumoje ist ebenso ein Fremdwort wie esmėje: er war esmėje (= iš esmės) ein guter Mensch (Skardžius 1998: 304).
Der Lokativ darf nicht als Prä- oder Postposition zur Bezeichnung einer Zeitspanne verwendet werden. Auch der Gebrauch des temporalen Lokativs wurde erörtert und fehlerhafte Verwendungen wurden korrigiert: sie hat während ihres kurzen Lebens in Vilnius (=während ihres kurzen Aufenthalts in Vilnius) viel geleistet (Jablonskis 1911b: 2); das alles kann innerhalb weniger Stunden (=in wenigen Stunden) beseitigt werden (Jablonskis 1926b); innerhalb von zwei Wochen (=in zwei Wochen) (Jablonskis 1928a: 3); das Kabinett wird im Laufe dieser Woche gebildet (=diese Woche, in dieser Woche) (Jablonskis 1930: 31, 33); die Aufzeichnungen wurden innerhalb von zehn Jahren angefertigt (=in zehn Jahren) (Einfluss des Russischen) (Meškauskas 1931c: 351); er bittet, innerhalb von drei Tagen (=in drei Tagen) alles zu bezahlen (Kalbos kertelė 1933a: 3); innerhalb von drei Wochen, Monaten (=in drei Wochen, Monaten) (Jurkynas 1938: 19); begrüßt sich während der Feierlichkeiten (=bei den Feierlichkeiten, während der Feierlichkeiten) (Kruopas 1939: 124); innerhalb von drei Wochen (=in drei Wochen) kann noch vieles geschehen (Skardžius 1998: 344); im Laufe der Zeit lernte auch das Volk die litauische Aussprache (=mit der Zeit) (unsere Sprache rechtfertigt diese Wendung nicht, weshalb sie nicht verwendet werden sollte) (Skardžius 1935d: 173).
In Aidas stand, dass eine Zeitangabe nicht durch den Lokativ, sondern durch den Instrumental ausgedrückt wird. Auf Grundlage der Korrekturen von J. Jablonskis und P. Skardžius werden die Sätze damals schon
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Page 28lebten hier Menschen; während des Krieges hatten wir kein Brot werden folgendermaßen korrigiert: zu jener Zeit (damals) lebten hier schon Menschen; während des Krieges hatten wir kein Brot; die Sätze „das Kabinett wird im Laufe dieser Woche gebildet“; „innerhalb von drei Wochen“ werden korrigiert zu „das Kabinett wird diese Woche gebildet“; „in dieser Woche“; „in drei Wochen“ (Horodničūtė 1938c: 3). „im Laufe der Zeit“, „während des Zeitraums“ werden auch im Sprachratgeber als zu korrigierende Fälle angeführt.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Eine Übersicht über die frühen Kasuskorrekturen zeigt, dass es an Begründungen für die Korrekturen sehr mangelte; wenn Begründungen gegeben wurden, wurden sie meist pauschal dem Einfluss des Russischen, Polnischen oder Deutschen zugeschrieben. Einige Autoren führen nahezu alle Korrekturen auf den Einfluss fremder Sprachen zurück, ohne sich mit den innersprachlichen Gesetzmäßigkeiten auseinanderzusetzen. Die Argumente werden erst in Diskussionen deutlich. Im Verlauf der Diskussionen treten andere, interessantere Begründungen für die Korrekturen zutage; Meinungen und Standpunkte zu sprachlichen Fragen werden engagiert vertreten.
2. Korrekturen werden oft damit begründet, dass der Satz eines anderen Autors zitiert und vorbehaltlos als Beispiel korrekter Sprache angeführt wird. Anders gesagt: Der von einem anderen Autor vorgelegte Satz ist selbst die Begründung für die Korrektur. In diesen Fällen ist die Autorität des Autors, auf den man sich stützt, von großer Bedeutung. Oft zieht sich dieselbe Korrekturtradition durch die Arbeiten oder Artikel mehrerer Autoren.
3. Jonas Jablonskis erläuterte seine Korrekturen oft nicht, da er mehr Beispiele anführen und Platz und Zeit sparen wollte. Man kann davon ausgehen, dass er sich bei seinen Korrekturen vor allem auf Dialektdaten, Folklore, Liedersammlungen und Grammatiken stützte. Mit all seinen Korrekturen, Aussagen und Argumenten strebte J. Jablonskis nach sprachlicher Korrektheit, Systematik und Konsequenz.
4. Die Korrektur des Nominativs zum partitiven Genitiv zählt zu den konsequentesten. Bei den Korrekturen stützte man sich vor allem auf Dialektdaten und die in Grammatiken festgelegten Normen und berücksichtigte dabei den Kontext und die Gebrauchstradition. Korrigiert wurden nichtlitauische, entlehnte oder dem Litauischen fremde Formen.
5. Am häufigsten korrigiert wurden Genitivfälle, die zahlreiche Fragen aufwarfen und mit dem für das Litauische charakteristischen Ausdruck von Ganzem und Teil zusammenhängen. Die wichtigste Begründung für die Korrekturen war die seit J. Jablonskis entstandene Korrekturtradition sowie der Einfluss anderer Sprachen; bei den Korrekturen wurde die Bedeutung der Äußerung berücksichtigt.
6. Viele Dativkorrekturen wurden lange erörtert, und es wurden zahlreiche unterschiedliche Meinungen vorgebracht. Am konsequentesten wurde der Dativ korrigiert, wenn er fälschlich verwendet wurde-
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Page 29wird als Objektkasus betrachtet. Die Hauptmotivation für diese Korrektur ist der Einfluss anderer Sprachen, des Russischen oder Deutschen, sowie Dialektdaten. Aufgrund des Einflusses anderer Sprachen gilt die Verwendung des Verbs tikėti mit dem Dativ als fehlerhaft.
7. Fasst man alle Korrekturen des Akkusativs sowie die Überlegungen und Gedanken verschiedener Autoren zusammen, so lässt sich feststellen, dass die Verwendung des Akkusativs bei Verben der Anrede Schwankungen unterlag. Die häufigste Motivation für die Korrektur des Akkusativs ist die seit J. Jablonskis entstandene Tradition des Gebrauchs und der Korrektur; großen Einfluss haben der heimische Dialekt und die gesprochene Sprache. Viele Korrekturen werden mit dem Einfluss fremder Sprachen begründet.
8. Die häufigste Motivation für die Korrektur des Instrumentals ist der Einfluss anderer Sprachen (Russisch, Polnisch, Deutsch). Einige Korrekturen begründete J. Jablonskis in der Auseinandersetzung mit anderen Autoren mit Dialektdaten. Spätere Linguisten berücksichtigten den Kontext, seltener die inneren Gesetzmäßigkeiten der litauischen Sprache. Aus der zusammengefassten Korrekturmotivation lässt sich schließen, dass das wichtigste Kriterium die Reinheit der Sprache ist.
9. Die Hauptmotivation für die Korrektur von Fehlern beim Lokativ ist der Einfluss anderer Sprachen, meist des Russischen. In Einzelfällen stützte man sich auch auf die inneren Gesetzmäßigkeiten der Sprache. Bei der Korrektur von Lokativfehlern wurde im Vergleich zu anderen Kasus am wenigsten auf das Sprachgefühl und subjektive Argumente zurückgegriffen. Obwohl es Schwankungen gab, blieben die Korrekturen des Lokativs nahezu unverändert.
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Jablonskis J. 1926d: Kritika ir bibliografija. – Švietimo darbas, Nr. 2, p. 158–159.
Jablonskis J. 1926e: Laikraščio kalbos dalykai. – Lietuvis, Nr. 26, p. 12–13.
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Page 31Jablonskis J. 1926f: Literatūros dalykų kalba. – Švietimo darbas, Nr. 6, p. 741–746.
Jablonskis J. 1926g: Literatūros dalykų kalba. – Švietimo darbas, Nr. 4, p. 401–407.
Jablonskis J. 1926h: Mūsų laikraščių kalbos dalykai. – Lietuva, Nr. 200.
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Žemaičių ir Lietuvos apžvalga, 1890, Nr. 2.
Eingegangen am 30.11.2011
I. SMETONIENĖ, B. DAMBRAUSKAITĖ. Jono Jablonskio pėdomis: linksnių klaidos ir taisymo motyvai
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Page 34AUF DEN SPUREN VON JONAS JABLONSKIS: KASUSFEHLER UND DIE GRÜNDE FÜR IHRE KORREKTUR
Z u s a m m e n f a s s u n g
Seit Jonas Jablonskis sind die Systematik und die Bemühungen um eine Stärkung der litauischen Sprachnorm konsequenter geworden. Zu Beginn des 20th. Jahrhunderts wurde die Norm maßgeblich von Linguisten geprägt, die in der Zeitschrift Gimtoji kalba tätig waren, etwa Skardžius, Salys, Jonikas und Talmantas, später auch Balčikonis und Dambrūnas (Dambrauskas). Seit der Mitte des 20th. Jahrhunderts waren die Bemühungen um die Festlegung der Norm deutlich weniger individualistisch und stärker organisiert. Die Mitwirkenden der Zeitschrift Gimtoji kalba führten lebhafte Diskussionen über zahlreiche Themen der Sprachkulturtheorie sowie über viele ihrer praktischen Fragen, den Sprachgebrauch und die Normsetzung in der Standardsprache. Verschiedene Zeitungen und Zeitschriften begannen, Beiträge zu praktischen Sprachfragen, darunter auch kontroversen Themen, zu veröffentlichen. Die Beiträge befassten sich mit der Erforschung der grammatischen Kasus und ihres Gebrauchs, einschließlich der Fehler, die im tatsächlichen Sprachgebrauch jener Zeit festgestellt wurden.
Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die ersten Schritte bei der Korrektur des Kasusgebrauchs, über die Versuche von Linguisten der Zwischenkriegszeit, den Kasusgebrauch zu korrigieren, über die von J. Jablonskis und den Linguisten der Zeitschrift Gimtoji kalba angeführten Gründe für solche Korrekturen sowie über einige spätere Auswirkungen. Die frühen Korrekturen des Kasusgebrauchs lassen sich dahingehend zusammenfassen, dass ihre Begründungen nicht immer hinreichend detailliert und fundiert waren; meist wurde auf den Einfluss des Russischen, Polnischen und Deutschen verwiesen. Einige Autoren nannten den Einfluss fremder Sprachen als Hauptgrund für alle Korrekturen, ohne auf die Sprachgesetze Bezug zu nehmen. Eine Neigung, Begründungen anderer Autoren zu übernehmen, ist erkennbar. Argumentativ untermauerte Begründungen finden sich nur im Diskussionsteil. Im Verlauf der Diskussion traten weitere, anschaulichere Gründe zutage; unterschiedliche Auffassungen und neue Zugänge zur Sprache wurden lebhaft vertreten. Jablonskis enthielt sich der Kommentierung und versuchte, weitere Beispiele anzuführen sowie Platz und Zeit zu sparen. Sehr oft bestand die Erläuterung hauptsächlich aus einem Satz, der von einem anderen Autor zitiert und als Beispiel für die Standardsprache angeführt wurde. Eine Erörterung seiner sprachlichen Korrektheit fand sich nicht. Mit anderen Worten: Der Satz eines anderen Autors diente als Anlass, ihn anzuführen. In vielen Fällen wurde vor allem auf den Namen des Autors vertraut. Bei mehreren Autoren ist häufig dieselbe Korrekturtradition erkennbar. Jablonskis dürfte sich auf Dialektdaten, Folklore, Liedersammlungen und Grammatiken gestützt haben. Bei all seinen Korrekturen strebte Jablonskis nach sprachlicher Korrektheit, Systematik und Konsequenz. Sein Vor-
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Page 35schlag, den Nominativ durch den partitivischen Genitiv (Genitivus partitivus) zu ersetzen, gehörte zu den konsequentesten. Bei den Korrekturen bezog man sich vor allem auf Dialektdaten und die in Grammatiken festgelegten Sprachnormen; wichtig waren jedoch auch der Kontext und die Gebrauchstradition. Der Genitiv zählte zu den am heftigsten diskutierten und am häufigsten korrigierten Kasus, was wohl auf das Verhältnis zwischen Ganzem und Teil zurückzuführen ist, das im Litauischen oft durch den Genitiv ausgedrückt wird. Zahlreiche Korrekturen des Dativs waren das Ergebnis langjähriger Diskussionen und unterschiedlicher Auffassungen. Der fälschliche Gebrauch des Dativs zur Bezeichnung eines Objekts wurde am konsequentesten korrigiert. Die Übersicht über alle Korrekturen des Akkusativs sowie die Kommentare und Vorschläge verschiedener Autoren führten zu dem Schluss, dass der Gebrauch des Genitivs bei Verben des Anredens schwankte. Die aus den Arbeiten verschiedener Autoren zusammengetragenen Daten ließen darauf schließen, dass der häufigste Grund für Korrekturen des Instrumentals der Einfluss anderer Sprachen (Russisch, Polnisch, Deutsch) ist. In seiner Auseinandersetzung mit anderen Autoren verwendete Jablonskis Dialektdaten. Spätere Linguisten verwiesen häufiger auf den Kontext und nur sehr selten auch auf die Gesetzmäßigkeiten der litauischen Sprache. Bei der Korrektur des Lokativs scheint die Intuition des Linguisten am wenigsten verlässlich gewesen zu sein; es wurden mehr Argumente angeführt. Trotz des insgesamt schwankenden Gebrauchs waren die Korrekturen des Lokativs weitgehend stabil.
SCHLÜSSELWÖRTER: Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental, Lokativ, Kodifizierung.
IRENA SMETONIENĖ
BRIGITA DAMBRAUSKAITĖ
Universität Vilnius
Universiteto g. 3, LT-01513 Vilnius
[email protected]
brigit [email protected]
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