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Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute

Kuke, Neele

Abstract

Der Artikel untersucht den Einfluss der englischen Sprache auf deutsche Geographieschulbücher von 1945 bis heute. Als Untersuchungsmaterial dienen 15 Geographieschulbücher, die zwischen 1948 und 2015 im Westermann Verlag für die Sekundarstufe I erschienen sind. Hieraus ergibt sich ein Korpus mit einem Gesamtumfang von 2570 Seiten. Zunächst wird der Begriff Anglizismus diskutiert und für den Artikel definiert. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass das Vorkommen von Anglizismen von 10 im Jahr 1948 bis 144 im Jahr 2015 erheblich angestiegen ist. Insgesamt finden sich 913 Anglizismen, die im Anhang tabellarisch aufgelistet sind. Im zweiten Teil des Beitrages werden diese Anglizismen unter Berücksichtigung verschiedener Aspekte untersucht. Der starke Einfluss des Englischen auf die Sprache in den untersuchten Geographieschulbüchern zeigt sich deutlich.

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Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute Eckert. Beiträge 2016/1 Neele Kuke Diese Publikation wurde veröffentlicht unter der creative-commons-Lizenz: Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Unported (CC BY-ND 3.0); http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/ Zitierhinweis: Kuke, Neele. „Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute.“ Eckert. Beiträge 2016/1. http://www.edumeres.net/urn/urn:nbn:de:0220-2016-0039. Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung ............................................................................................................................................................. 4 2 Anglizismus und lexikalische Entlehnung ............................................................................................................ 5 2.1 Der Begriff ´Anglizismus` ........................................................................................................................... 5 2.2 Modell der lexikalischen Entlehnung .......................................................................................................... 6 2.2.1 Äußeres Lehngut ................................................................................................................................. 7 2.2.2 Inneres Lehngut .................................................................................................................................. 9  3 Konzept der empirischen Untersuchung ............................................................................................................... 9 3.1 Auswahl der Schulbücher ............................................................................................................................ 9 3.2 Identifikation der Anglizismen .................................................................................................................. 11  4 Ergebnisse der empirischen Untersuchung ......................................................................................................... 12 4.1 Absolute und relative Verwendungsfrequenzen ........................................................................................ 12 4.2 Verwendungsfrequenz pro Anglizismus .................................................................................................... 15 4.3 Häufigkeiten nach Wortarten der Anglizismen ......................................................................................... 16 4.4 Häufig verwendete Anglizismen ............................................................................................................... 17 4.5 Wortfelder der Anglizismen ...................................................................................................................... 18 4.6 Verteilung der Anglizismen auf die Textelemente .................................................................................... 20  5 Fazit und Ausblick .............................................................................................................................................. 22 Literaturverzeichnis ............................................................................................................................................... 23 Quellenverzeichnis ................................................................................................................................................ 25 Anhang .................................................................................................................................................................. 27 Neele Kuke 4 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 1 Einleitung Der Einfluss der englischen Sprache auf die deutsche Sprache ist ein aktuelles Thema, mit dem sich die Wissenschaft vielfach auseinandersetzt (Burmasova 2010: 9); die Aufnahmebereitschaft für Lehngut aus dem Englischen zu Beginn des 20. Jahrhunderts war so groß, dass Befürchtungen des Fortbestehens des Deutschen geäußert wurden (Meder 2003: 69); keine andere Fremdwortgruppe im Deutschen wächst derart schnell wie die der Anglizismen (Eisenberg 2013: 57). Im Rahmen der Anglizismen-Forschung wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl von Arbeiten zu verschiedenen Gebieten des Wortschatzes wie der Werbung (Meder 2006), der Pressesprache (Götzeler 2008), in der gesprochenen deutschen Gegenwartssprache (Glahn 2000) oder in Berufsbezeichnungen in deutschen Stellenmärkten (Kruff 2014) veröffentlicht. Die Debatte ist jedoch keine neue, bereits 1899 veröffentlichte Hermann Dunger sein Werk Wider die Engländerei in der deutschen Sprache (Meder 2006: 245). Laut Wilss (2001) findet der größte Teil der „Fremdworteinfuhr über die Tagespresse (Tageszeitungen, illustrierte Zeitschriften, Wochenblätter, Modejournale, Filmprospekte u.a.)“ (Wilss 2001: 16) statt – wie groß ist jedoch der Einfluss der englischen Sprache auf deutsche Schulbücher? Das Forschungsinteresse der vorliegenden Arbeit besteht darin, zu untersuchen, ob die Anzahl der Anglizismen in Geographieschulbüchern des Verlags Westermann für die Sekundarstufe I von 1945 bis heute zugenommen hat. Des Weiteren soll aufgezeigt werden, welcher Wortart die erfassten Anglizismen angehören, ob es Bereiche innerhalb der Schulbücher gibt, in denen verstärkt englisches Wortmaterial zu finden ist und ob es vorherrschend beeinflusste semantische Felder gibt. Hierfür wird in Kapitel 2 zunächst die theoretische Grundlage in Form des Aufzeigens von Definitionen des Begriffs `Anglizismus` sowie des Modells der Arten der lexikalischen Entlehnung gebildet. Es folgt in Kapitel 3 das Vorstellen von der Untersuchung zugrunde liegenden Daten und Methoden. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in Kapitel 4, unterteilt in absolute und relative Verwendungsfrequenzen, Verwendungsfrequenz pro Anglizismus, die Wortarten, häufig vorkommende Anglizismen, die Wortfelder sowie die Verteilung der Anglizismen auf Textelemente innerhalb der Schulbücher aufgezeigt. Die Arbeit schließt mit einem Fazit mit integriertem Ausblick. Neele Kuke 5 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 2 Anglizismus und lexikalische Entlehnung Dieser theoretische Teil der Arbeit stellt die Basis für die im nächsten Kapitel folgende Untersuchung dar. Zunächst wird der Begriff ´Anglizismus` näher erläutert. Anschließend wird anhand der Modelle der lexikalischen Entlehnungsarten veranschaulicht, dass sich Anglizismen in der deutschen Sprache in unterschiedlichen Formen zeigen. Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass die deutsche Sprache, wie auch viele andere Sprachen, eine Mischsprache ist. Demnach findet sich in der deutschen Gegenwartssprache neben dem englischen auch z. B. französisches oder lateinisches Wortmaterial (Kruff 2014: 11). Ebenfalls wichtig ist die Tatsache, dass der Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache bereits im 19. Jahrhundert begann, jedoch im 20. Jahrhundert eine ´neue Dimension´ (Kruff 2014: 17) erreicht hat, die mithilfe der vorliegenden Arbeit aufgezeigt werden soll. 2.1 Der Begriff ´Anglizismus` Die Identifizierung eines Anglizismus ist anhand seiner äußeren Form in dem meisten Fällen einfach, dessen Definition jedoch schwierig (Kruff 2014: 47). Es existiert keine einheitliche Definition für den Begriff ´Anglizismus`. Die Dissertation Anglizismen in der deutschen Pressesprache nach 1945 von Zindler (1959), die als erste umfassende Arbeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Thema Anglizismus gilt (Busse 1993:15), definiert Anglizismus folgendermaßen: „Ein Anglizismus ist ein Wort aus dem britischen oder amerikanischen Englisch im Deutschen oder eine nicht übliche Wortkomposition, jede Art der Veränderung einer deutschen Wortbedeutung oder Wortverwendung (Lehnbedeutung, Lehnübersetzung, Lehnübertragung, Lehnschöpfung, Frequenzsteigerung, Wiederbelebung) nach britischem oder amerikanischem Vorbild.“ (Zindler 1959, zitiert nach Busse 1993:15) Laut Busse (1993: 15) wie auch Plümer (2000: 18) ist dies eine im englisch-deutschen Sprachkontakt weit verbreitete Definition. Carstensen (1965) modifiziert diese Definition in seiner für die Anglizismus-Forschung in Deutschland als Standardwerk (Yang 1990: 5, Plümer 2000: 11) geltenden Arbeit Englische Einflüsse auf die deutsche Sprache nach 1945 um den Einbezug von Aussprache und Syntax (Carstensen 1965: 30). Der Duden definiert Anglizismus als „Übertragung einer für das britische Englisch charakteristischen Erscheinung auf eine nicht englische Sprache“ (Dudenredaktion 2001: 66). In dem Metzler Lexikon Sprache heißt es, ein Anglizismus ist eine „Lexikal., morpholog., graphem. oder syntakt., mehr oder weniger ins Dt. integrierte Entlehnung aus dem Engl.“ (Glück 2010: 43). Bereits anhand dieser Auswahl von Zitaten zeigt sich die Verschiedenheit der Definitionen, die die folgende Aussage treffend summiert: Neele Kuke 6 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 „Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich das Definieren des Anglizismus als problematisch erweist, weil unter diesem Konzept viele sehr unterschiedliche sprachliche Einheiten vereinigt werden können. Dem Forscher bleibt überlassen, welche Perspektive er einnimmt: die diachrone (d.h. Herkunft) oder die synchrone (d.h. englischsprachige Merkmale).“ (Burmasova 2010: 35). Somit hängt die Bestimmung des Begriffs `Anglizismus` von dem Autoren, bzw. dem Forscher, ab. In der vorliegenden Arbeit wird lediglich die synchrone Perspektive eingenommen und somit die Formen der Entlehnung zu einem bestimmten Zeitpunkt beschrieben (Kruff 2014: 46). Die diachrone Perspektive, mit einer Darstellung der Historie eines Wortes und der etymologischen Herkunft, ist oftmals fast unmöglich (Kruff 2014: 46). Die meisten Anglizismen im Deutschen sind auf das britische oder das amerikanische Englisch zurückzuführen, sodass ein Einfluss durch z. B. das australische oder kanadische Englisch als wenig bedeutend eingestuft wird (Glahn 2000: 15-16). Eine Differenzierung zwischen den spezifisch britischen oder amerikanischen Einflüssen ist wiederum nicht praktikabel, sodass auf eine Unterscheidung im Großteil der Anglizismen-Forschung (vgl. Carstensen 1965: 18, Yang 1990: 9, Plümer 2000: 17, Götzeler 2008: 145) wie auch in dieser Arbeit bewusst verzichtet wird. Der Begriff ´Anglizismus´ wird somit als Oberbegriff für alle Entlehnungen aus dem angloamerikanischen Sprachraum genutzt. Ausgehend von den Definitionen wird im folgenden Kapitel eine Art der Klassifikation von Anglizismen vorgestellt. 2.2 Modell der lexikalischen Entlehnung Für die Klassifizierungen der lexikalischen Entlehnungsarten existieren eine Vielzahl von Modellen, die sich oft deutlich voneinander unterscheiden (Kruff 2014: 46). Nach einer Betrachtung verschiedener Modelle, habe ich mich entschieden in dieser Arbeit auf das Modell von Yang (1990) Bezug zu nehmen, welches er 1990 in seiner Studie Anglizismen im Deutschen – Am Beispiel des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL vorgestellt hat. In dieser untersucht er Anglizismen in sechs Ausgaben des Nachrichtenmagazins Der Spiegel der Jahrgänge 1950, 1960, 1970 und 1980 hinsichtlich ihrer Frequenz, Semantik, Wortbildung, Integration sowie der stilistischen Funktion (Yang 1990: 166). Hierbei orientiert sich Yang (1990) unter anderem an den bereits in Kapitel 2.1 erwähnten Werken von Fink (1959) und Carstensen (1965) und summiert diese übersichtlich und in einer für den Zweck dieser Arbeit nützlichen Form. Neele Kuke 7 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Abb. 2.2.1: Klassifizierung des Lehnguts (Yang 1990: 16) Wie der Abbildung 2.2.1 zu entnehmen ist, unterscheidet Yang (1990) in dem Modell der lexikalischen Entlehnungsarten zunächst zwischen den Kategorien des ´äußeren Lehnguts´ sowie des ´inneren Lehnguts´, welche im Folgenden erläutert werden. Andere Autoren bezeichnen diese Kategorien als ´evidentes Lehngut´ oder ´latentes Lehngut´ (vgl. Carstensen 1979 1 , zitiert nach Glahn 2000: 35; Glahn 2000: 35-39). 2.2.1 Äußeres Lehngut Das ´äußere Lehngut´ unterteilt Yang (1990) weiter in Fremdwort, Lehnwort, Scheinentlehnung und Mischkompositum, wobei die beiden erstgenannten die größten Gruppen bilden (Yang 1990: 11). Da auf diese Unterkategorisierung in der vorliegenden Arbeit verzichtet wird, soll hierauf nur kurz eingegangen werden. Bei einem Fremdwort handelt es sich um „Lexeme oder Lexemverbindungen, die aus einer Fremdsprache übernommen und im Deutschen ohne phonologische, orthographische, morphologische und semantische Veränderung gebraucht den“ (Yang 1990: 11). Die fremde Herkunft lässt sich demnach ohne weiteres erkennen. Als Beispiele nennt Yang (1990) Cowboy, Quizmaster oder Show. 1 Carstensen, Brode. „Evidente und latente Einflüsse des Englischen auf das Deutsche.“ In: Braun, Peter (Hrsg.): Fremdwort-Diskussion. München: Fink, 1979, 90-94. Neele Kuke 8 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Das Lehnwort ist ebenfalls aus einer Fremdsprache entlehnt, hat sich jedoch (im Gegensatz zu dem Fremdwort) „phonologisch und/oder morphologisch und/oder orthographisch“ (Yang 1990: 11) der Sprache angeglichen, in die es übernommen wurde und ist dadurch nicht mehr ohne weiteres als ein Wort mit fremder Herkunft zu identifizieren (Glahn 2000: 36). Ein Beispiel der Angleichung aus der Morphologie ist das Infinitivmorphem -e(n), welches an alle englischen Verben angehängt wird, die in die deutsche Sprache entlehnt werden, so wird z. B. to start zu starten. Orthographisch wird z. B. das englische cdurch das deutsche kersetzt und phonologisch werden die Lehnwörter den deutschen Regeln der Aussprache angeglichen, wie z. B. Klub. Somit bezeichnen die beiden genannten Kategorien den Grad der Eindeutschung von einem Anglizismus in das Deutsche (Yang 1990: 11). Angemerkt werden muss, dass es zwischen diesem einerseits völligem Angleichen und dem Nichtangleichen Übergansstufen gibt, was sich zum Beispiel an dem Anglizismus Computer zeigt. So findet sich einerseits eine Angleichung durch die Großschreibung (Eisenberg 2011: 11) und anderseits eine Nichtangleichung durch das Beibehalten der c-Schreibung. Ebenso zeigt sich diese Übergangsstufe in der Aussprache. Die englische Aussprache /kəmˈpjuː.tər/ wird im Deutschen zu /kɔmˈpjuːtɐ/; demnach aus dem unbetonten e im Deutschen ein o wird, jedoch u die englische Aussprache beibehält (Schmitz 2001: 60). Yang (1990) definiert Scheinentlehnung als Lexeme oder Lexemverbindungen, die in der Herkunftssprache nicht bekannt sind und in der deutschen Sprache mit Mitteln der Herkunftssprache gebildet wurden. Die Scheinentlehnung sind, wie der Abbildung 2.2.1 zu entnehmen ist, weiter in Lehnveränderungen, lexikalische Scheinentlehnungen und semantische Scheinentlehnung unterteilt (Yang 1990: 13-14). Lehnveränderungen sind englische Sprachzeichen, welche morphologisch verändert wurden. Ein Beispiel ist die im Deutschen gewöhnliche Abkürzung Pulli von Pullover. Diese Kürzung ist in der Form in der Herkunftssprache nicht mehr verständlich (Meyer 19742, zitiert nach Yang 1990: 13). Lexikalische Scheinentlehnungen sind Lexeme oder Lexemverbindungen, welche zwar aus englischem Morphemmaterial gebildet wurden, in der englischen Sprache aber wiederum zu dem Zeitpunkt unbekannt waren. Als Beispiel nennt Yang (1990) Showmaster, welches sich an das englische Wort quizmaster anlehnt (Yang 1990: 14). Semantische Scheinentlehnungen sind in die deutsche Sprache übernommene Worte, welche jedoch eine andere Bedeutung haben. Das Wort Flirt beschreibt im Englischen eine flirtende Person, wohingegen im Deutschen die Handlung des Flirtens, welche von einer Person ausgeführt wird, gemeint ist (Yang 1990: 14). 2 Meyer, H.G.(1974): Untersuchungen zum Einfluß des Englischen auf die deutsche Pressesprache-dargestellt an zwei deutschen Tageszeitungen. Muttersprache 85: 97-134. Neele Kuke 9 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Die letzte Kategorie des äußeren Lehnguts stellen die Mischkomposita dar, welche Zusammensetzungen von „englischen, deutschen oder älteren fremdsprachlichen men“ (Yang 1990: 14) sind. Subkategorien bilden zum einen Mischkomposita nach englischem Vorbild. Als Beispiele nennt Yang (1990) hier Popmusik (nach engl. pop music) oder Jetflug (nach engl. jetflight). Zum anderen zählen Mischkomposita ohne englische Vorlage als weitere Subkategorie, wobei Managerkrankheit ist nach der englischen Lexemverbindung stress disease, das prominenteste Beispiel ist (Yang 1990: 15). 2.2.2 Inneres Lehngut Unter innerem Lehngut versteht Yang (1990) Entlehnungen, die „ausdrucksseitig kein englisches Morphemmaterial enthalten“ (Yang 1990: 15). Demnach ist die englische Herkunft nicht direkt erkennbar, da diese Entlehnungen sich morphologisch nicht von den deutschen Wortbildungen unterscheiden (Yang 1990: 15). Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird lediglich das äußere Lehngut behandelt. Aufgrund dessen werden die in der Abbildung 2.2.1 zu erkennenden Unterkategorien nicht weiter erläutert. 3 Konzept der empirischen Untersuchung In diesem Teil der Arbeit wird das der Untersuchung zugrunde liegende Datenmaterial beschrieben. Zudem wird erläutert, aus welchen Quellen es stammt, weshalb Schulbücher gewählt wurden, und mit welchen Methoden ausgewertet wurde. 3.1 Auswahl der Schulbücher Als Untersuchungsmaterial der vorliegenden Arbeit dienen 15 Geographieschulbücher, die zwischen 1948 und 2015 im Westermann Verlag für die Sekundarstufe I erschienen sind. Hierbei wurde versucht, alle 5 Jahre ein Werk für das Bundesland Niedersachsen für die Schuljahre 5/6 derselben Schulbuchreihe zu wählen, um die in den Büchern behandelten Themen möglichst einheitlich zu halten. Aufgrund der tatsächlich erschienenen Bücher war dies nicht immer möglich, sodass das Werk im Korpus für das Jahr 1984 für das Bundesland Baden-Württemberg erschienen ist und das Buch für das Jahr 1996 für die Jahrgangsstufe 7/8. Auch existiert keine durchgängige Schulbuchreihe von 1945 bis heute, sodass die Schulbücher den Reihen „Heimat und Ferne“ (für das Jahr 1948), „Erdkunde im 5./6. Schuljahr“ (für Neele Kuke 16 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 ten Differenz vor. In den Jahren 1960 und 1962 kamen insgesamt die wenigsten Anglizismen mit der geringsten Differenz vor; jeder registrierte Anglizismus wurde nur einmal genutzt. Im Durchschnitt wurde jeder Anglizismus 2,4mal gebraucht. Yang (1990) kam in seiner Studie zu einer durchschnittlichen Verwendungsfrequenz jedes Anglizismus von 2,76 im Nachrichtenmagazin Der Spiegel; Plümer (2000) kam bei einem Vergleich von Anglizismen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen zu einer gesamten Verwendungsfrequenz von 2,96. Somit liegt die allgemeine Verwendungsfrequenz der Anglizismen in Geographieschulbüchern nur leicht unter der von den Presseerzeugnissen. 4.3 Häufigkeiten nach Wortarten der Anglizismen In den untersuchten Schulbüchern finden sich die Wortarten Substantiv, Verb und Adjektiv. Wie in Tabelle 4.3.1 zu sehen ist, stellen die Substantive mit 96,93 % und einem Vorkommen von 885 Anglizismen die größte Gruppe dar. Verben mit einem Vorkommen von 18 Anglizismen und einem Anteil 1,97% bilden die zweitgrößte Gruppe. Die geringste Anzahl von Anglizismen mit einem Vorkommen von 10 Anglizismen und einem Anteil 1,1% ergeben sich aus den Adjektiven. Auffällig ist zudem, dass das erste Verb in dem Schulbuch des Jahres 1984 aufkommt und in den folgenden Büchern (mit Schwankungen) auf bis zu fünf Verben im Werk von 2015 ansteigt. Tabelle 4.3.1 Wortarten der Anglizismen Jahr Anzahl Substantive Verben Adjektive 1948 10 0 0 1950 7 0 0 1955 7 0 0 1960 4 0 0 1962 4 0 0 1972 34 0 0 1976 59 0 2 1980 48 0 2 1984 31 1 0 1992 72 0 0 1996 99 3 3 2001 111 3 1 2004 118 4 0 2008 144 2 0 2015 137 5 2 gesamt 885 18 10 gesamt in % 96,93 1,97 1,1 Neele Kuke 17 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Zu einer eindeutigen Mehrheit der substantivischen Anglizismen kommen auch Yang (1990) mit 92,16% der Gesamtzahl (Yang 1990: 28) sowie Plümer (2000) mit 93% der Gesamtzahl (Plümer 2000: 142). Laut Plümer (2000) ist diese Dominanz der Substantive auf den Bezug vieler Entlehnungen aus dem Englischen auf Techniken oder Erfindungen in englischsprachigen Ländern zurückzuführen, für die z. B. im Deutschen keine Entsprechung existiert (Plümer 2000: 141).6 Angemerkt werden soll, dass der Großteil der substantivischen Anglizismen orthografisch dem Deutschen angepasst und demnach großgeschrieben werden. Carstensen (1965) schrieb hierzu: „Daß das engl. Wort im dt. Text groß geschrieben wird, ist fast schon eine Selbstverständlichkeit geworden; es teilt in dieser Beziehung das Schicksal aller Übernahmen aus anderen Sprachen.“ (Carstensen 1965: 34). Und Eisenberg (2013) bestätigt: „Anglizismen sind nicht Wörter des Englischen, sondern sie sind Wörter des Deutschen. In aller Regel haben sie Eigenschaften, die sie von den englischen Wörtern unterscheiden, selbst wenn sie entlehnt sind. So haben alle Substantive im Deutschen ein Genus und werden großgeschrieben. Beides ist im Englischen nicht der Fall.“ (Eisenberg 2013: 71). Auf diesen Aspekt kann in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden, er stellt jedoch einen interessanten Ansatz für folgende Arbeiten dieses Themenbereichs dar. 4.4 Häufig verwendete Anglizismen Für die Untersuchung der häufig verwendeten Anglizismen wurden die Grundwörter (oder auch Simplexe (Glück 2010: 617)) der Anglizismen genutzt. Das in allen Werken am häufigsten verwendete Simplex ist Park mit einem Vorkommen von 80 und einem Anteil von 8,8%. Neben dem Simplex Park tritt der Terminus ebenfalls häufig als Kompositum auf wie in Parkanlage, Kurpark, Erholungspark oder Parkverwaltung. In der folgenden Tabelle 4.4.1 sind die am häufigsten verwendeten Anglizismen des jeweiligen Jahres aufgeführt. Es zeigt sich, dass der Simplex Park zudem in dem Werk von 1948, 1972, 1976, 1980 sowie 1992 den Anglizismus mit der höchsten Verwendungsfrequenz darstellt. 6 Für Informationen zu den Wortfeldern in Geographieschulbüchern siehe 4.4. Neele Kuke 18 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Tabelle 4.4.1 Häufigste Anglizismen pro Jahr Jahr häufigster Anglizismus Vorkommen 1948 Park 5x 1950 Lokomotive 2x 1955 Lokomotive 2x 1960 alle gleich häufig - 1962 alle gleich häufig - 1972 Park 12x 1976 Park 9x 1980 Park 8x 1984 City 11x 1992 Park 12x 1996 Tourismus 20x 2001 Tipp 16x 2004 Container 16x 2008 Internet 30x 2015 Tourismus 13x Für die Jahre 1950 wie 1955 stellt Lokomotive den häufigsten Anglizismus dar, jedoch lediglich mit einer Verwendung von 2mal pro Geographieschulbuch. Weitaus häufiger genutzt wird der Anglizismus Tourismus, der im Jahr 1976 das erste Mal vorkommt und im Jahr 1996 wie auch in dem aktuellsten Werk von 2015 den am häufigsten verwendeten Anglizismus darstellt. Container und Tipp, beide mit einem Vorkommen von 16, stellen in den Jahren 2001 sowie 2004 den Anglizismus mit der größten Verwendung dar. 4.5 Wortfelder der Anglizismen Um festzustellen, in welchem Wortfeld besonders viele oder wenige Anglizismen aufgenommen wurden, wurden die Anglizismen in acht semantische Felder, orientiert an Yang (1990) sowie Busse (1993), unterteilt. Diese Felder sind 1. Handel, Industrie, Wirtschaft, 2. Wissenschaft, Technik, 3. Reise, Verkehr, 4. Kleidung, Mode, 5. Sport, 6. Massenmedien, Unterhaltung, 7.Stadtbild,Gebiete und 8.sonstiges. Neele Kuke 19 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Tabelle 4.5.1 Wortfelder der Anglizismen Jahr Reise, Verkehr Stadtbild, Gebiet Massenmedien, Unterhaltung Handel, Industrie, Wirtschaft Sport Wissenschaft, Technik Kleidung, Mode sonstiges 1948 2 6 2 0 0 0 0 0 1950 3 0 0 0 0 1 0 1 1955 3 0 0 2 0 1 0 1 1960 1 1 0 0 1 1 0 0 1962 1 1 0 0 1 1 0 0 1972 8 12 3 0 5 1 0 5 1976 11 14 6 6 6 6 0 12 1980 11 13 6 6 6 4 0 4 1984 4 18 6 0 1 1 1 1 1992 23 24 9 3 6 1 0 6 1996 31 21 7 5 10 16 0 15 2001 29 10 18 2 16 4 3 33 2004 15 18 19 24 19 16 1 10 2008 24 29 49 25 1 5 0 13 2015 37 22 31 13 5 7 5 24 gesamt 203 189 156 88 77 65 10 125 gesamt in % 22,23 20,7 17,09 9,64 8,43 7,12 1,1 13,69 Wie die Tabelle 4.5.1 zeigt, konnten lediglich 10 Anglizismen dem Wortfeld ´Kleidung, Mode´ (1,1%) zugeordnet werden. Dies lässt sich durch die in Geographieschulbüchern behandelten Themen begründen, obwohl u.a. besonders Modejournale von dem Einfluss des Englischen betroffen sind. So erklärt Wilss (2001): „Die größten Bodengewinne erzielt das Fremdwort bezeichnenderweise gerade auf den Gebieten, wo heute ständig neue Begriffe gefunden werden müssen und wo deswegen von der Sprache ein besonders hohes Maß an Ausdrucksund Präzisionskraft verlangt wird: Handel und Wirtschaft, Industrie und Technik, Politik, Rüstung, Reise und Verkehr, Mode, Film, Unterhaltung, u.a.“ (Wilss 2001: 16). Die weiteren, laut Wilss (2001) stark von der englischen Sprache beeinflussten Gebiete, können für die untersuchten Geographieschulbücher bestätigt werden. So gehört der Großteil der Anglizismen dem Wortfeld `Reise, Verkehr`(22,23%) an, dicht gefolgt von `Stadtbild, Gebiet`(20,7%), ´Massenmedien, Unterhaltung`(17,09%) und ´Handel und Wirtschaft´ (9,64%). Yang (1990) unterscheidet zwischen den Kommunikationsbereichen `Sport`, ´Wissenschaft und Technik`, ´Innen-und Außenpolitik´ sowie ´Werbung und Anzeigen`, wobei er die höchste Verwendungsfrequenz im Bereich ´Sport` aufzeigt (Yang 1990: 166). Diesem Bereich gehören in den untersuchten Geographieschulbüchern lediglich 8,43% der Ang- Neele Kuke 20 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 lizismen an, was wiederum auf einen Unterschied der in den Geographieschulbüchern und dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel behandelten Themen zurückzuführen ist. In dem semantischen Feld `Reise, Verkehr` ist Tourismus mit einem Vorkommen von 61, dementsprechend mit einem Anteil von 30,05% des gesamten Wortfeldes, der am häufigsten verwendete Anglizismus. Für das semantische Feld `Stadtbild, Gebiet` stellt Park mit einem Vorkommen von 80 und einem Anteil von 42,33% den größten Anteil der Verwendung dar. Im Bereich ´Massenmedien, Unterhaltung` stellt Internet mit 30,77% und einem Vorkommen von 48 den am meisten verwendeten Anglizismus dar. Auffällig für dieses Wortfeld ist der fast zweieinhalbfache Anstieg des Vorkommen von Anglizismen von 2004 auf 2008. Interessant zudem ist, dass im Jahr 2008 der Anglizismus Internet mit einem Anteil von 43,8% den meist verwendeten Anglizismus darstellt.7 Diese Ergebnisse deuten auf einen eindeutigen Einzug des Mediums Internet in die Schule und speziell den Geographieunterricht zu dieser Zeit hin. Auffällig ist zudem, dass die Anglizismen, die dem Wortfeld `sonstiges´ zugeordnet werden, stark angestiegen sind. Zu ihnen gehören z. B. Tipp, Keks oder Partner. Dies lässt auf eine steigende Varianz der Anglizismen, und eine Zunahme der Anglizismen außerhalb der u.a. von Wilss (2001) geäußerten Bereiche schließen. 4.6 Verteilung der Anglizismen auf die Textelemente Um herauszufinden, ob verschiedene Bereiche innerhalb der Schulbücher besonders große Anteile an Anglizismen aufweisen, wurden folgende neun Textelemente unterschieden: 1. fortlaufender Lehrtext, 2. Aufgabenstellung, 3. Legende/im Bild, 4. Überschrift (eines Kapitels oder Textes) , 5. Bildunterschrift, 6. Bildüberschrift, 7. in einer Grafik/Tabelle, 8. Bericht/Text in Box (z. B. Zeitungsberichte) und 9. Infobox (eine ab dem Jahr 1992 vorkommende Box mit der Erklärung von neuen Begriffen). Die Aufteilung der Anglizismen auf diese Textelemente ist in der folgenden Tabelle 4.6.1 dargestellt. 7 Siehe Kapitel 4.3. Neele Kuke 21 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Tabelle 4.6.1 Von den Anglizismen betroffene Textelemente Wie in der Tabelle 4.6.1 zu sehen ist, findet sich der größte Teil der Anglizismen in dem Textelement ´fortlaufenden Lehrtext´ (34,17%) und ist gefolgt von der ´Aufgabenstellung´ (28,26%). Kaum Anglizismen finden sich in der `Bildüberschrift´ (0,33%) wie auch der allgemeinen `Überschrift´(3,5%). Interessant ist, der Einzug von Anglizismen in verschiedene Textelemente. So findet sich z. B. 1984 das erste Mal ein Anglizismus in einer Überschrift, dieses Vorkommen steigt auf 7 im Jahr 2001 und behält einen Wert von 4, bzw. 5 bis zu dem aktuellsten Schulbuch von 2015. In Bezug auf das Textelement ´Infobox´ zeigt sich, dass dieses (wie bereits erwähnt) im Jahr 1992 das erste Mal vorkommt und sich 2001 bereits 11 Anglizismen (9,57% des Gesamtvorkommens der Anglizismen in diesem Schulbuch) in diesem Element finden. In dem Schulbuch von 2001 kommen insgesamt 42 ´Infoboxen´ vor, welche verschiedene Anglizismen erklären, was wiederum einem Anteil von 26,19% entspricht. Dies verdeutlicht den steigenden Stellenwert von Anglizismen aber auch die, insbesondere für die in 4.1 erwähnte Zielgruppe von Schülerinnen und Schülern, Notwendigkeit der Erklärung von aus dem englischen stammenden Begriffe. Jahr fortlaufender Lehrtext Aufgabenstellung Legende/ im Bild Überschrift Bildunterschrift Bildüberschrift in einer Tabelle/ Grafik Bericht/ Text in Box Infobox 1948 10 0 0 0 0 0 0 0 0 1950 5 0 0 0 2 0 0 0 0 1955 5 0 0 0 2 0 0 0 0 1960 4 0 0 0 0 0 0 0 0 1962 4 0 0 0 0 0 0 0 0 1972 7 19 8 0 0 0 0 0 0 1976 23 31 6 0 0 1 0 0 0 1980 20 22 6 0 0 2 0 0 0 1984 15 4 7 1 0 0 0 5 0 1992 23 13 21 5 7 0 0 1 2 1996 22 41 8 6 4 0 6 14 4 2001 39 28 8 7 12 0 3 7 11 2004 50 16 20 4 7 0 19 0 6 2008 38 48 12 5 20 0 9 5 9 2015 47 36 13 4 25 0 7 6 6 gesamt 312 258 109 32 79 3 44 38 38 gesamt in % 34,17 28,26 11,94 3,5 8,65 0,33 4,82 4,16 4,16 Neele Kuke 22 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Im Bereich der Verteilung der Anglizismen auf die Textelemente sind weitere Untersuchungen möglich und nötig, wie z. B. die Berechnung des Anteils der einzelnen Textelemente in den Schulbüchern und eine folgende Berechnung der relativen Häufigkeiten, um weitere fundierte Aussagen treffen zu können. 5 Fazit und Ausblick Das Ziel der vorliegenden Arbeit bestand darin zu untersuchen, ob die Anzahl der Anglizismen in Geographieschulbüchern des Verlags Westermann für die Sekundarstufe I von 1945 bis heute zugenommen hat. Des Weiteren sollten die Wortarten der Anglizismen analysiert, häufige Anglizismen identifiziert und Wortfelder wie auch Textelemente innerhalb der Schulbücher, die besonders viele Anglizismen aufgenommen haben, aufgezeigt werden. In dem dieser Arbeit zugrunde liegenden Korpus, der einen Umfang von 2570 Schulbuchseiten umfasst, wurden 381 verschiedene Anglizismen gefunden. Insgesamt finden sich 913 Verwendungen von Anglizismen. Der starke Einfluss des Englischen auf die Sprache der Geographieschulbücher zeigt sich deutlich. So stieg die Anzahl der Anglizismen pro Seite im Jahr 1948 von 0,09 auf 0,7 im Jahr 2015; Anfang der 1970er Jahre zeigt sich eine Entlehnungswelle. Im Durchschnitt wurde jeder registrierte Anglizismus 2,4mal verwendet. In Bezug auf die grammatischen Wortarten bilden die Substantive mit 96,93% die größte Gruppe, gefolgt von den Adjektiven (1,97%) und den Verben (1,1%). Der in allen Geographieschulbüchern am häufigste verwendete Anglizismus ist Park mit einem Anteil von 8,8% an der Gesamtmenge. In den acht unterschiedenen Wortfeldern zeigt sich besonders aus den Wortfeldern `Reise, Verkehr` (22%) sowie `Stadtbild, Gebiet`(20,7%) eine Vielzahl englischer Entlehnungen. Es folgt das semantische Feld ´Massenmedien, Unterhaltung`(17,09%). Am wenigsten Anglizismen finden sich aus dem Wortfeld `Kleidung, Mode`(1,1%). Für folgende Arbeiten wären weitere Aspekte der Orthographie der Anglizismen in Geographieschulbüchern (siehe 4.2), die Erforschung von z. B. französischen oder spanischen Schulbüchern zum Vergleich des Einflusses der englischen Sprache auf verschiedene Sprachen oder die Untersuchung von Schulbüchern für die Fächer Politik oder Geschichte interessant. Auch das Verständnis und Empfinden von Schülerinnen und Schülern gegenüber den Anglizismen, in den untersuchten Geographieschulbüchern, oder auch in anderen Schulbü- Neele Kuke 23 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 chern wäre für weitere Arbeiten ein interessanter Ansatz.8 Fink führte hierzu bereits 1983 eine Studie durch, die zu folgendem Ergebnis führte und an das weitere, aktuellere Forschungen anschließen könnten: „So sind die Anglizismen für die von uns befragten [rd.1000] Schüler keine Lehnwörter da sie formal unassimiliert sind; sie sind aber auch keine Fremdwörter, da sie nicht als fremd empfunden werden. Aus soziound psycholinguistischer Sicht signalisieren alltägliche Anglizismen der deutschen Gegenwartssprache im Wortschatz deutsche Schüler somit nicht einmal ein `fremdsprachlich sein` oder das Vorhandensein fremdsprachlicher Merkmale […]“ (Fink 1983: 371-372). Am Ende dieser Arbeit bleibt die Frage offen, warum die Anglizismen einen derart starken Zuwachs in der deutschen Sprache erlebt haben und womöglich weiter erleben werden. Warum wird die Rohrleitung zur Pipeline oder der Säugling zum Baby? Carstensen (1987) schreibt hierzu: „Der Anglizismus ist wohl dort überflüssig, wo er mit einem deutschen Wort absolut synonym ist, aber wo ist das wirklich der Fall? […] Der Anglizismus ersetzt in vielen Fällen ein deutsches oder nichtenglisches Wort, weil das aus dem Englischen stammende Wort `vornehmer`, exotischer, internationaler etc. ist. […] Offenbar gibt es imaginäre psycholinguistische Faktoren, die für die Annahme oder die Ablehnung des englischen Wortes sorgen.“ (Carstensen 1987, zitiert nach Plümer (2000): 20). Ob der Einfluss der englischen Sprache weiter zunimmt oder ob der unter 4.1 aufgezeigte Rückgang der registrierten Anglizismen, den Meder (2008) bereits im Bereich der Werbung verzeichnet (Meder 2008: 248), eine Entwicklungstendenz auch für Geographieschulbücher darstellt, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Die Möglichkeiten für weitere Forschungen mit dem vorhandenen Korpus, wie aber auch in der Anglizismen-Forschung allgemein, sind jedenfalls umfangreich. Literaturverzeichnis Busse, Ulrich. Anglizismen im Duden. Eine Untersuchung zur Darstellung englischen Wortguts in den Ausgaben des Rechtschreibdudens von 1880-1986. Tübingen: Niemeyer ( = Reihe Germanistische Linguistik 139), 1993. Burmasova, Svetlana. 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Anglizismen Wörterbuch. Der Einfluß des Englischen auf den deutschen Wortschatz nach 1945. 3 Bde. Berlin: de Gruyter, 1993-1996. Dudenredaktion. Duden Fremdwörterbuch. Mannheim: Dudenverlag, 2001. Eisenberg, Peter. Das Fremdwort im Deutschen. Berlin: de Gruyter, 2011. Eisenberg, Peter. „Anglizismen im Deutschen.“ In: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften (Hg.). Reichtum und Armut der deutschen Sprache. Erster Bericht zur Lage der deutschen Sprache. Berlin: de Gruyter, 2013, 57-119. Fink, Hermann. Amerikanisch-englische und gesamtenglische Interferenzen der deutschen Allgemeinenund Werbesprache im aktiven und passiven Sprachverhalten deutscher Grund-, Hauptund Oberschüler. Frankfurt am Main: Peter Lang (= Europäische Hochschulschriften 113), 1983. Georg-Eckert-Institut Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung. Das Institut, 2015. Zugriff am 13. Mai 2015 < http://www.gei.de/das-institut.html>. Glahn, Richard. 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Braunschweig: Georg Westermann, 1976. Hausmann, Wolfram und Dieter Richter (Hg.). Weltund Umweltkunde. Orientierungsstufe – Neuauflage. Braunschweig: Georg Westermann, 1980. Neele Kuke 32 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Supermarkt 82 Skilift 92 1992 Poster 6 Parkplatz 12 Parkplatz 12 Touristikinformation 12 Campingplatz 12 Minigolfplatz 12 Golfplatz 12 Tennisplatz 12 Container 14 Container-Stapelplatz 15 Recycling-Stoff 15 Parkplatz 25 Park 27 Parkplatz 27 Parkhaus 27 Puzzle 40 Puzzle 40 Rekord 45 Rekord 45 Rekord 45 Rekord 45 Supermarkt 74 Tourist 79 Bar 86 Park 120 Park 121 Campingplatz 132 Nationalpark 134 Nationalpark 134 Nationalpark 134 Nationalpark 136 Nationalpark 136 Nationalpark 136 Import 152 Park 168 Hobbyfilmen 186 Video-Kamera 186 Computer 188 Slumviertel 197 Projekt-Partnerschaft 205 Projekt-Partnerschaft 205 Neele Kuke 33 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Showmaster 213 Fan-Club 226 Fan-Club 226 Camping 230 Nationalpark 231 Tierpark 231 Parkplatz 233 Segelklub 233 Surfen 234 Parkplatz 234 Rastplatz 234 Touristikinformation 234 Campingplatz 234 Massentourismus 240 Massentourismus 240 Massentourismus 240 Tourismus 240 Tourismus 240 Massentourismus 244 Intercity 245 Tourist 246 Windsurfen 247 Bar 247 Tourist 247 Touristenort 248 Tourismus 248 Tourismus 248 Tourismus 248 Massentourismus 248 Campingplatz 248 Tourist 248 1996 Mountainbiking 6 Team 8 Sammelbox 10 Supermarkt 12 Supermarkt 12 Interview 13 Interviewpartner 16 Recycling 16 Recycling 16 Recycling 16 Recycling-Firma 17 Tip 21 Parkplatz 21 Neele Kuke 34 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Supermarkt 21 Parkplatz 21 Parkplatz 21 Parkplatz 21 Parkplatz 21 Parkfläche 22 Parkfläche 22 Trend 22 Parkplatz 25 Glascontainer 25 Interview 25 Parkplatz 28 interviewen 41 Killervulkan 50 Videofilm 50 Videofilm 50 Bulldozer 51 Videokassette 51 Wortsuchpuzzle 52 City 62 Stereoanlage 66 Stoppuhr 78 starten 83 Supermarkt 96 exportieren 96 exportieren 96 Fast-Food-Fleischklops 103 Holzexporteur 103 Holzimporteur 108 Mountainbike 108 Mountainbike 108 hully gully 109 Besichtigungstourismus 112 Tourist-Information 113 Mini-Golf 113 Tennis 113 Squash 115 Skilift 115 Skilift 115 Massentourismus 122 Tourist 123 Tourismus 124 Tourismus 124 Hockey 124 Neele Kuke 35 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Tourist 124 Tourismus 124 Tourismus 124 Tourismus 125 Tourismus 125 Tourismus 125 Recycling-Papier 125 Abfall-Recycling 126 Massentourismus 126 Tourismus 126 Massentourismus 126 Segelyacht 126 Supermarkt 126 Supermarkt 126 Tourismus 127 Tourismus 127 Souvenirladen 127 Surfbrettverleih 129 Tourismus 129 Park 129 Massentourismus 130 Bar 130 Service 132 Tourist 138 Besichtigungstourismus 139 Nationalpark 139 Besichtigungstourismus 139 Städtetourismus 140 Tourist Information 140 Tourist Information 141 Campingplatz 141 Campinggebühr 141 Parkgebühr 141 Skiliftgebühr 141 Surfbrettverleih 151 Videokamera 151 Videokassette 151 Interview 151 Recorder 151 Mikrophon 155 computergesteuert 155 Computer 158 computergesteuert 160 live 161 Neele Kuke 36 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Computer 163 Gülletourismus 166 computergesteuert 182 Supermarkt 182 2001 Rallye 12 Tischtennisplatte 13 Tipp 16 Rekord 24 Rekord 24 Top 13 24 Rekord 24 testen 27 Rekord 35 Tipp 46 Tipp 53 Trick 56 Trick 56 parkend 60 Tipp 60 Touristeninformation 64 Trick 75 Videofilm 78 Tipp 78 Tipp 78 Robbenbaby 95 Tourist 96 Computer 96 Supermarkt 96 Supermarkt 97 Touristikunternehmen 103 Tourist 103 Wohnund Bürocontainer 106 Pipeline 106 Swimmingpool 107 Swimmingpool 107 Souvenir-Verkäufer 107 Tourist 107 Tipp 129 stoppen 129 Tipp 137 Park 148 Tourist 163 Tourist 164 Neele Kuke 37 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Leggings 175 Make-up 176 Tipp 177 E-Mail 186 Internet 186 Computer 186 E-Mail 186 Tipp 186 Internet 189 Tipp 193 Kassettenrekorder 198 Videokamera 198 Tipp 207 Jugendclub 208 T-Shirt 247 Bulldozer 248 Boxausbildung 258 Tipp 261 Boykott 264 Hobby 276 Computerspiel 276 Skateboard 277 Streetball 277 Starposter 277 Skaterbahn 278 Squashcenter 278 Tenniscenter 278 Computer 280 Computer 280 Computerspiel 280 Nationalpark 282 Internet-Adresse 283 Internetseite 283 Tipp 283 Internet 284 Campingplatz 284 Campingplatz 285 Tourist Information 285 Tennisplatz 285 Windsurfing 285 Minigolfanlage 285 Golfanlage 285 Babysocke 286 Tipp 286 Neele Kuke 38 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Tipp 286 Charterflug 289 Tourismus 288 Tourismus 288 Massentourismus 288 Charterflug 289 Intercityexpress 289 Jogger 290 Motocrossrad 290 Mountainbiker 291 Touristenattraktion 292 Tourist 292 Nationalparkprogramm 293 Tourismus 293 Nationalpark 294 Nationalpark 294 Nationalpark 294 Nationalpark 294 Nationalpark 295 Tourismusbereich 296 Massentourismus 296 Tennis-und Golfplätze 296 Supermarkt 296 Tourismus 296 Massentourismus 296 Tourismus 296 Tourismus 296 Down-hill-Biking 298 Massentourismus 298 Tourismus 298 Tourismus 299 stoppen 301 2004 Computerraum 10 Rallye 10 Tischtennisplatte 11 Park 16 Rallye 16 Stadtrallye 16 Skater-Anlage 18 Flyer 18 Kickern 18 Tennishalle 18 Minigolfanlage 18 Neele Kuke 39 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Bowling 19 Beachvolleyball 19 Computerclub 19 Surfen 19 Kickern 19 Minigolfanlage 19 Live-Musik 19 Videothek 19 Computerclub 20 Minigolfanlage 20 Park 20 Stoppuhr 21 Stoppuhr 21 Tourist 24 Touristeninformation 24 Campingplatz 24 Golfplatz 24 Minigolfplatz 24 Tennisplatz 24 Windsurfing 24 Tipp 25 Tintenkiller 25 Nationalpark 32 Tourist 34 Inlinescating 34 Park 42 City 44 Computer 46 Terminal 46 Container 46 Containerbrücke 46 Container 46 Radarstation 46 Containerware 47 Container 47 Container 47 Container 47 Container 47 Container 47 Container 47 Container 47 Container 47 Containertransport 47 Container-Terminal 47 Neele Kuke 40 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Massengut-Terminal 47 Jumbojet 48 Catering-Betrieb 49 Mikrochip 50 Snowboarden 50 Computerindustrie 50 Tourist 50 Chip 50 Computer 50 Chip-Industrie 50 Computer 50 Lokomotive 50 Chiphersteller 50 Großcomputer 50 Hightech-Firma 50 Chip 51 Chip 51 Mikrochip 51 Computer 51 Hightech-Firmen 51 Hightech-Firmen 51 Hightech-Unternehmen 51 Softwarefirma 51 Softwarefirma 51 Container 55 Hightech-Betrieb 55 Party 64 Tourist 64 stoppen 72 City 82 City 82 City 83 Link 84 Homepage 84 Videofilm 85 Nationalpark 91 Abfall-Container 91 Computerprogramm 103 Doppelsessellift 107 Schlepplift 107 Minigolfanlage 107 Tennishalle/-platz 107 Parkplatz 107 City 109 Neele Kuke 41 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 exportieren 117 Holzexport 117 Park 119 Musical 119 Supermarkt 123 Baby 124 Stoppuhr 132 Stoppuhr 132 Supermarkt 140 Satelliten-TV 140 Supermarkt 142 exportieren 152 Wohnund Bürocontainer 156 Ölpipeline 156 Gaspipeline 156 Hotelswimmingpool 157 Campingplatz 157 Tourismus 157 Swimmingpool 157 Souvenir-Verkäufer 157 Tourist 157 Schulpartnerschaft 166 T-Shirt 169 2008 Rallye 8 Rallye 8 Internet 14 Internet 16 Internet 16 Internet 17 Supermarkt 19 Supermarkt 19 Supermarkt 22 Videoaufnahme 24 Schul-Homepage 24 Computerprogramm 25 Supermarkt 26 Parkplatz 26 Parkplatz 27 Parkplatz 27 Tipp 28 Internet 29 Tipp 29 Stoppuhr 30 Neele Kuke 48 Anglizismen in Geographieschulbüchern von 1945 bis heute urn:nbn:de:0220-2016-0039 Eckert. Beiträge 2016/1 Swimmingpool 183 Tourismus 183 Tourismus 184 Pipeline 185 Gaspipeline 185 Tourismus 185 Supermarkt 189