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Geopolitik_Groenland_Nordischer_Rat_2026 1 Apl. Prof. Dr. Dr. K. Saalbach Geostrategy and Geopolitics Department 1 49069 Osnabrueck Arktische Geopolitik – ein weiterer GrönlandKonflikt im Nordischen Rat 19.01.2026 Zusammenfassung Dieses Arbeitspapier gibt einen kurzen Überblick über den Grönland-Konflikt im Nordischen Rat und über die aktuellen Entwicklungen im parallelen Grönland-Konflikt mit den Vereinigten Staaten. Während sich die internationale Gemeinschaft auf den aktuellen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark um die Kontrolle von Grönland konzentriert, findet zurzeit ein weiterer weitgehend unbemerkt gebliebener Konflikt um Grönland im Nordischen Rat statt, bei dem es ebenfalls um den Status von Grönland geht und der mit der jetzt geplanten Revision des Grundlagenvertrages von Helsinki von 1962 über die Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten ein kritisches Stadium erreicht hat. Im Ergebnis muss Dänemark den Status Quo in Grönland jetzt parallel gegen die Vereinigten Staaten und Präsident Trump auf der einen Seite und im Nordischen Rat auf der anderen Seite verteidigen, wobei in beiden Konflikten der Verlust der Kontrolle über Grönland droht. Im Jahr 2024 erklärten die Färöer und Grönland, dass sie einen Ausschluss von nordischen Gipfeltreffen zur Außenund Sicherheitspolitik, zu denen sie nicht eingeladen wurden, nicht länger akzeptieren und Vollmitglieder werden wollen. Man einigte sich auf eine rechtliche Überprüfung des Helsinki-Vertrags, für den 2026 eine Revision geplant ist. Ende 2025 hat der Nordische Rat dann durch die Änderung der Geschäftsordnung jedoch Fakten geschaffen, ohne die Revision des Helsinki-Vertrages abzuwarten. Mit Wirkung vom 01.01.2026 sind Grönland, die Färöer und Åland gleichberechtigte Mitglieder des Präsidiums und somit an allen wichtigen Entscheidungen des Nordischen Rates gleichberechtigt (equal footing) beteiligt . Zudem wurden sie offiziell als ‚three countries‘ (drei Länder) bezeichnet . Die Revision des Vertrages wurde von der gemeinsamen Präsidentschaft von Dänemark und den Färöern zur Priorität erklärt. Insbesondere die Färöer streben einen Umbau Dänemarks zu einem Staatenbund an, wobei die Details (Assoziation, Föderation, Dominion usw.) zwar noch unklar sind, aber der Verlust der dänischen Kontrolle über Grönland unmittelbar im Raum steht. Die Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard hat nach Informationen des Wall Street Journals die USGeheimdienste Central Intelligence Agency (CIA), Defense Intelligence Agency (DIA) und National Security Agency (NSA) im Mai 2025 angewiesen, die Sammlung von Informationen über die grönländische Unabhängigkeitsbewegung zu intensivieren, woraufhin Dänemark den USamerikanischen Botschafter einbestellte. Mitte Juni 2025 wurde die militärische Anbindung Grönlands seitens der USA durch die Ausgliederung aus dem europäischen Kommandobereich European Command EUCOM und die Eingliederung in das nördliche Kommando Northern Command NORTHCOM, welches der Heimatverteidigung dient, verstärkt. Es wurde daraufhin ein Strategiepapier entwickelt, in dem ein Konzept für die Integration und Transformation Grönlands vorgelegt wurde. Demnach soll Grönland einen assoziierten Status (Associated Territory of the United States) bekommen, der den Grönländern größtmögliche Freiheiten gibt, aber den Vereinigten Staaten Mitsprache und die Möglichkeit zu einer systematischen Modernisierung von LuftSchiff und Straßenverkehr sowie der digitalen Infrastruktur gibt. Nach circa 10 bis 15 Jahren soll Grönland dann über seinen endgültigen Status abstimmen. Eine weitere Zusammenarbeit in der NATO und mit Dänemark soll es auch weiterhin geben. Zudem bauen die Vereinigten Staaten ihre militärische Präsenz weiter aus: Dänemark hat 2025 dem US-Militär ungehinderten Zugang zu drei Luftwaffenstützpunkten in Karup, Skrydstrup and Aalborg auf dem dänischen Festland gegeben. Die Außenminister Dänemarks und die Außenministerin Grönlands trafen sich am 14.01.2026 in Washington mit dem Vizepräsidenten JD Vance und dem Außenminister Marco Rubio, wobei beide Seiten an ihren Positionen festhielten („We agree to disagree“), aber die Bildung einer hochrangigen Arbeitsgruppe vereinbarten, die nah USAngaben technical talks on the acquisition agreement for the U.S. to acquire Greenland dienen soll, während die Dänen davon ausgehen, dass es um die Klärung der Differenzen gehen soll. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dänemark von zwei Seiten gleichzeitig unter starkem politischem Druck steht und der Verlust der Kontrolle über Grönland möglich ist.
Geopolitik_Groenland_Nordischer_Rat_2026 2 Inhalt 1 Der Grönland-Konflikt im Nordischen Rat ............................................................................................ 3 1.1 Einleitung ....................................................................................................................................... 3 1.2 Die Revision des Vertrages von Helsinki........................................................................................ 3 2 Aktuelle Entwicklungen im Konflikt mit den Vereinigten Staaten ....................................................... 4 3 Zusammenfassung ................................................................................................................................ 6 4 Literaturquellen .................................................................................................................................... 7
Geopolitik_Groenland_Nordischer_Rat_2026 3 1 Der Grönland-Konflikt im Nordischen Rat 1.1 Einleitung Dieses Arbeitspapier gibt einen kurzen Überblick über den Grönland-Konflikt im Nordischen Rat. Während sich die internationale Gemeinschaft auf den aktuellen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark um die Kontrolle von Grönland konzentriert, findet zurzeit ein weiterer weitgehend unbemerkt gebliebener Konflikt um Grönland im Nordischen Rat statt, bei dem es ebenfalls um den Status von Grönland geht und der mit der jetzt geplanten Revision des Grundlagenvertrages von Helsinki von 1962 über die Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten ein kritisches Stadium erreicht hat. 1.2 Die Revision des Vertrages von Helsinki Der Vertrag von Helsinki von 1962 1 bildet die Rechtsgrundlage für die Nordische Zusammenarbeit (Nordic Cooperation) und den Nordischen Rat (Nordic Council), das offizielle Gremium für die nordische interparlamentarische Zusammenarbeit zwischen Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, Island und den selbstverwalteten Ländern Grönland, Färöer und der autonomen Region Åland 2 . Im Nordischen Ministerrat (Nordic Council of Ministers) als Plattform für die zwischenstaatliche Zusammenarbeit sind die Färöer, Grönland und Åland ebenfalls vertreten, haben jedoch kein Stimmrecht 3 . Im Jahr 2024 erklärten die Färöer und Grönland, dass sie einen Ausschluss von nordischen Gipfeltreffen zur Außenund Sicherheitspolitik, zu denen sie nicht eingeladen wurden, nicht länger akzeptieren und Vollmitglieder werden wollen 4 . Die Färöer drohten daher mit dem Austritt aus der Nordischen Zusammenarbeit: „Entweder wir sind ganz dabei oder gar nicht.“ (“We Are either All in or Not at All”). 5 Die Vollmitglieder zögerten, einen neuen Status zu gewähren 6 , aber man einigte sich auf eine rechtliche Überprüfung des Helsinki-Vertrags, für den 2026 eine Revision geplant is 7 . Ende 2025 hat der Nordische Rat dann durch die Änderung der Geschäftsordnung jedoch Fakten geschaffen, ohne die Revision des Helsinki-Vertrages abzuwarten. Mit Wirkung vom 01.01.2026 sind Grönland, die Färöer und Åland gleichberechtigte Mitglieder des Präsidiums und somit an allen wichtigen Entscheidungen des Nordischen Rates gleichberechtigt (equal footing) beteiligt 8 . Zudem wurden sie offiziell als three countries (drei Länder) bezeichnet 9 . Die Revision des Vertrages wurde von der gemeinsamen Präsidentschaft von Dänemark und den Färöern zur Priorität erklärt 10 . Das „Drei-in-Eins“-Konzept des Königreichs Dänemark und seiner Länder Grönland und der Färöer fußt auf dem Begriff Rigsfællesskabet der mit „Reichsgemeinschaft“ übersetzt werden kann, was auf die rechtliche Gleichstellung der drei Länder hinweist, während die dänische 1 Offizielle Datei des Nordic Council of Ministers and Nordic Council 2018 2 Åland ist eine autonome und entmilitarisierte Region Finnlands. Bisher wird die Kooperation im HelsinkiVertrag in Artikel 44 wie folgt geregelt: “Article 44 It is in the Nordic Council that the popularly elected assemblies of the Nordic countries and those of the Faeroe Islands, Greenland and the Åland Islands, the Governments of the Nordic countries and the Home Rule Governments of the Faeroe Islands and Greenland and the Regional Government of the Åland Islands co-operate.” 3 vgl. Edvardsen 2025 4 vgl. Dam 2024, Edvardsen 2024 5 vgl. Edvardsen 2024 6 vgl. Dam 2024 7 vgl. Edvardsen 2025 8 vgl. Nordic Council 2025. Besonders die Klärung der Frage, wie drei gleichberechtigte Länder gleichzeitig untergeordneter Teil anderer gleichberechtigter Länder sein können, dürfte interessant werden. 9 vgl. Nordic Council 2025 10 vgl. Nordic Council of Ministers 2026
Geopolitik_Groenland_Nordischer_Rat_2026 4 Regierung den Begriff „Reichseinheit“ 11 bevorzugt. Die Aktivitäten der Färöer betreffen natürlich auch Grönland und werden von Grönland unterstützt. Dänemark versucht jedoch, diesen Debatten aus dem Weg zu gehen, denn am Ende könnten diese zur Auflösung Dänemarks als Unionsstaat in drei Staaten führen, wodurch Dänemarks Landfläche auf 43.100 km² schrumpfen würde 12 . Diskutierte Modelle sind freie Assoziationen von kleinen Inselstaaten nach dem neuseeländischen Modell 13 , eine Föderation, das niederländische Modell gleichberechtigter konstitutioneller Länder 14 , ein Commonwealth oder eine Dominion-Konstruktion oder Staatenbund, in der das dänische Festland zwar weiterhin der größte Akteur wäre, aber nur Teil der rechtlich gleichberechtigten und unabhängigen Nationalstaaten. Eine weitere Option wäre die Freie Assoziation. In Grönland wird eine Freie Assoziation als mögliche Lösung diskutiert, wie sie von einigen pazifischen Inselstaaten mit den USA praktiziert wird, die die Verteidigung übernehmen, aber im Gegenzug ein Vetorecht in verteidigungspolitischen (defense veto) und strategischen Fragen (right of strategic denial) haben 15 . In der Arktis könnten so Russland und China blockiert werden. Im Ergebnis muss Dänemark den Status Quo jetzt parallel gegen die Vereinigten Staaten und Präsident Trump auf der einen Seite und im Nordischen Rat auf der anderen Seite verteidigen. 2 Aktuelle Entwicklungen im Konflikt mit den Vereinigten Staaten Ende März 2025 stattete der US-Vizepräsident J.D. Vance, dem Nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz und dem Energieminister Chris Wright dem US-Militärstützpunkt Pittufik in Grönland einen Kurzbesuch ab, wobei es jedoch zu keinem offiziellen Treffen mit grönländischen Regierungsvertretern kam 16 . Die Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard hat nach Informationen des Wall Street Journals die US-Geheimdienste Central Intelligence Agency (CIA), Defense Intelligence Agency (DIA) und National Security Agency (NSA) im Mai 2025 angewiesen, die Sammlung von Informationen über die grönländische Unabhängigkeitsbewegung zu intensivieren, woraufhin Dänemark den US-amerikanischen Botschafter einbestellte 17 . Aber auch Dänemark hat die Notwendigkeit einer intensiven Beschäftigung mit den grönländischen Eliten erkannt und dänische Forscher legten 2025 eine umfassende und detaillierte Studie vor, in der die Zugehörigkeiten von 2052 Personen mit 3412 Positionen in 456 Einrichtungen analysiert wurden und ein Kern von 123 vernetzten Personen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft ermittelt werden konnte. Bei den Politikern fand sich praktisch durchweg eine enge biographische Bindung an Grönland 18 . Mitte Juni 2025 wurde die militärische Anbindung Grönlands seitens der USA durch die Ausgliederung aus dem europäischen Kommandobereich European Command EUCOM und die Eingliederung in das nördliche Kommando Northern Command NORTHCOM, welches der 11 vgl. Denmark 2020 12 vgl. Thorwarth 2025 13 vgl. Pearce 2025. Die Cookinseln und Niue haben eine freie Assoziation mit Neuseeland und den Status eines unabhängigen Staates, bleiben aber Teil Neuseelands. 14 vgl. Auswärtiges Amt 2025. Das Königreich der Niederlande besteht aus vier Teilstaaten: den Niederlanden, Aruba, Curaçao und Sint Maarten. Alle Länder regeln ihre inneren Angelegenheiten eigenständig, handeln aber gemeinsam, wenn Angelegenheiten des gesamten Königreichs betroffen sind. 15 vgl. Lam/Vaughn 2017, Christensen 2024 16 vgl. Harding/Murray 2025 17 vgl. O’Rourke et al., 2025 18 vgl. Sivertsen et al. 2025
Geopolitik_Groenland_Nordischer_Rat_2026 5 Heimatverteidigung dient, verstärkt. 19 Es wurde daraufhin ein Strategiepapier entwickelt, in dem ein Konzept für die Integration und Transformation Grönlands vorgelegt wurde. Demnach soll Grönland einen assoziierten Status (Associated Territory of the United States), ähnlich zu dem von anfänglichen Status von Puerto Rico 20 erhalten, der den Grönländern größtmögliche Freiheiten gibt, aber den Vereinigten Staaten Mitsprache und die Möglichkeiten zu einer systematischen Modernisierung von LuftSchiff und Straßenverkehr sowie der digitalen Infrastruktur gibt 21 . Nach circa 10 bis 15 Jahren soll Grönland dann über seinen endgültigen Status abstimmen. Eine weitere Zusammenarbeit in der NATO und mit Dänemark soll es auch weiterhin geben 22 . Zudem bauen die Vereinigten Staaten ihre militärische Präsenz weiter aus: Dänemark hat 2025 dem US-Militär ungehinderten Zugang zu drei Luftwaffenstützpunkten in Karup, Skrydstrup and Aalborg auf dem dänischen Festland gegeben und akzeptiert, dass im Rahmen der Vereinbarung nicht dänisches, sondern amerikanisches Recht gilt 23 . Zudem intensiviert Dänemark die Zusammenarbeit aller Akteure. Im neuen Verteidigungsabkommen 2024–2033 (2024-2033 Defence Agreement) strebt das dänische Verteidigungsministerium eine stärkere Zusammenarbeit an. Die nachrichtendienstlichen Briefings des dänischen Militärgeheimdienstes (Danish Defence Intelligence Service DDIS) mit den Färöern und Grönland werden intensiviert 24 . Im Dezember 2025 warnte der dänische Geheimdienst dann öffentlich vor einer möglichen militärischen Bedrohung Grönlands durch Donald Trump, der nach einer längeren Pause das Grönland-Thema Ende 2025 wieder aufgriff 25 . Ende Dezember wurde dann ein USSonderbeauftragter für Grönland ernannt, der Gouverneur von Louisiana 26 , Jeff Landry, der die Übernahme Grönlands durch die Vereinigten Staaten zu seinem Ziel erklärte. 27 Die Außenminister Dänemarks und die Außenministerin Grönlands, Lars Løkke Rasmussen und Vivian Motzfeldt trafen sich am 14.01.2026 in Washington mit dem Vizepräsidenten JD Vance und dem Außenminister Marco Rubio 28 , wobei beide Seiten an ihren Positionen festhielten („We agree to disagree“), aber die Bildung einer hochrangigen Arbeitsgruppe 29 vereinbarten, die nah US-Angaben “technical talks on the acquisition agreement” for the U.S. to acquire Greenland 30 dienen soll, während die Dänen davon ausgehen, dass es um die Klärung der Differenzen gehen soll. Einige europäische Länder wie Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Norwegen, Schweden und die Niederlande schickten eine kleine Gruppe von Soldaten zur Erkundung der Lage in Grönland als Zeichen der Solidarität mit Dänemark 31 , was den US-Präsidenten Trump zur Drohung mit Zöllen veranlasste 32 . 19 vgl. Robertson 2025 20 Puerto Rico wechselte später in den Commonwealth-Status. 21 vgl. Gunasekara-Rockwell 2025 22 vgl. Gunasekara-Rockwell 2025 23 vgl. Gunasekara-Rockwell 2025 24 vgl. Danish Ministry of Defence 2025 25 vgl. Associated Press 2025 26 Dies hat auch symbolische Bedeutung. Ursprünglich war Louisiana eine französiche Kolonie, die sehr viel größer war als der heutige Bundesstaat und von den Vereinigten Staaten 1803 von Frankreich gekauft wurde. 27 vgl. Tamsut/Shelton 2025 28 vgl. Beigang 2026 29 vgl. Tagesschau online 15.01.2026 30 vgl. Burrows et al. 2026 31 vgl. Burrows et al. 2026 32 vgl. Birnbaum/Tucker 2026
Geopolitik_Groenland_Nordischer_Rat_2026 6 3 Zusammenfassung Dieses Arbeitspapier gab einen kurzen Überblick über den Grönland-Konflikt im Nordischen Rat und über die aktuellen Entwicklungen im parallelen Grönland-Konflikt mit den Vereinigten Staaten. Während sich die internationale Gemeinschaft auf den aktuellen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark um die Kontrolle von Grönland konzentriert, findet zurzeit ein weiterer weitgehend unbemerkt gebliebener Konflikt um Grönland im Nordischen Rat statt, bei dem es ebenfalls um den Status von Grönland geht und der mit der jetzt geplanten Revision des Grundlagenvertrages von Helsinki von 1962 über die Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten ein kritisches Stadium erreicht hat. Im Ergebnis muss Dänemark den Status Quo in Grönland jetzt parallel gegen die Vereinigten Staaten und Präsident Trump auf der einen Seite und im Nordischen Rat auf der anderen Seite verteidigen, wobei in beiden Konflikten der Verlust der Kontrolle über Grönland droht. Im Jahr 2024 erklärten die Färöer und Grönland, dass sie einen Ausschluss von nordischen Gipfeltreffen zur Außenund Sicherheitspolitik, zu denen sie nicht eingeladen wurden, nicht länger akzeptieren und Vollmitglieder werden wollen. Man einigte sich auf eine rechtliche Überprüfung des Helsinki-Vertrags, für den 2026 eine Revision geplant ist. Ende 2025 hat der Nordische Rat dann durch die Änderung der Geschäftsordnung jedoch Fakten geschaffen, ohne die Revision des Helsinki-Vertrages abzuwarten. Mit Wirkung vom 01.01.2026 sind Grönland, die Färöer und Åland gleichberechtigte Mitglieder des Präsidiums und somit an allen wichtigen Entscheidungen des Nordischen Rates gleichberechtigt (equal footing) beteiligt . Zudem wurden sie offiziell als three countries (drei Länder) bezeichnet . Die Revision des Vertrages wurde von der gemeinsamen Präsidentschaft von Dänemark und den Färöern zur Priorität erklärt. Insbesondere die Färöer streben einen Umbau Dänemarks zu einem Staatenbund an, wobei die Details (Assoziation, Föderation, Dominion usw.) zwar noch unklar sind, aber der Verlust der dänischen Kontrolle über Grönland unmittelbar im Raum steht. Die Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard hat nach Informationen des Wall Street Journals die US-Geheimdienste Central Intelligence Agency (CIA), Defense Intelligence Agency (DIA) und National Security Agency (NSA) im Mai 2025 angewiesen, die Sammlung von Informationen über die grönländische Unabhängigkeitsbewegung zu intensivieren, woraufhin Dänemark den US-amerikanischen Botschafter einbestellte. Mitte Juni 2025 wurde die militärische Anbindung Grönlands seitens der USA durch die Ausgliederung aus dem europäischen Kommandobereich European Command EUCOM und die Eingliederung in das nördliche Kommando Northern Command NORTHCOM, welches der Heimatverteidigung dient, verstärkt. Es wurde daraufhin ein Strategiepapier entwickelt, in dem ein Konzept für die Integration und Transformation Grönlands vorgelegt wurde. Demnach soll Grönland einen assoziierten Status (Associated Territory of the United States) bekommen, der den Grönländern größtmögliche Freiheiten gibt, aber den Vereinigten Staaten Mitsprache und die Möglichkeiten zu einer systematischen Modernisierung von LuftSchiff und Straßenverkehr sowie der digitalen Infrastruktur gibt. Nach circa 10 bis 15 Jahren soll Grönland dann über seinen endgültigen Status abstimmen. Eine weitere Zusammenarbeit in der NATO und mit Dänemark soll es auch weiterhin geben. Zudem bauen die Vereinigten Staaten ihre militärische Präsenz weiter aus: Dänemark hat 2025 dem US-Militär ungehinderten Zugang zu drei Luftwaffenstützpunkten in Karup, Skrydstrup and Aalborg auf dem dänischen Festland gegeben. Die Außenminister Dänemarks und die Außenministerin Grönlands trafen sich am 14.01.2026 in Washington mit dem Vizepräsidenten JD Vance und dem Außenminister Marco Rubio, wobei beide Seiten an ihren Positionen festhielten („We agree to disagree“), aber die Bildung einer hochrangigen Arbeitsgruppe vereinbarten, die nah US-Angaben technical talks on the acquisition agreement for the U.S. to acquire Greenland dienen soll, während die Dänen davon ausgehen, dass es um die Klärung der Differenzen gehen soll. Zusammenfassend lässt
Geopolitik_Groenland_Nordischer_Rat_2026 7 sich sagen, dass Dänemark von zwei Seiten gleichzeitig unter starkem politischem Druck steht und der Verlust der Kontrolle über Grönland möglich ist. 4 Literaturquellen Associated Press (2025): Danish Intelligence Report Warns of US Military Threat Under Trump Published December 12, 2025 by Military.com Auswärtiges Amt (2025): Niederlande: Politisches Porträt 11.03.2025 Beigang, M. (2026): US-Vize empfängt Außenminister: Heute könnte sich im Weißen Haus die Zukunft Grönlands entscheiden. Tagesspiegel 14 January 2026 Birnbaum, M., Tucker, B. (2026): Trump announces tariffs on European countries opposing Greenland takeover. Washington Post online Last update 18 January 2026 Burrows, E. et al. (2026): European troops arrive in Greenland as talks with US highlight ‘disagreement’ over island’s future. Associated Press online 15 January 2026 Bryant, M. (2025): Denmark approves US military bases on Danish soil as Trump eyes Greenland. The Guardian. https://www.theguardian.com/world/2025/jun/11/denmark-votedefence-bill-us-airbases Christensen, J.T. (2024): Greenland gets its own strategy for foreign, security and defence policy: Nothing about us, without us. Canadian Global Affairs Institute. https://assets.nationbuilder.com/cdfai/pages/5625/attachments/original/1719270426/Greenlan d_gets_its_own_Strategy_for_Foreign_Security_and_Defence_Policy_Nothing_about_us_wit hout_us.pdf?1719270426. Dam, R.W. (2024): Faroese independence is suddenly back on the table - Nordic Labour Journal April 29, 2024 Danish Ministry of Defence (2025): Fact Sheet: First agreement on the Arctic and North Atlantic Under the 2024-2033 Defence Agreement Denmark (2020): The Prime Minister's Office Departmental responsibilities: The unity of the Realm https://web.archive.org/web/20200801120418/https://www.stm.dk/_a_2752.html Edvardsen, A. (2025): Support of Independent Membership for Greenland and the Faroe Islands in Nordic Cooperation. High North News Updated at 02 May 2025 Greenland (2024): Greenland in the world – Nothing about us without us. https://paartoq.gl/wp-content/uploads/2024/03/Greenlands_Foreign_Security_and_Defense_Policy_2024_2033.pdf Gunasekara-Rockwell, E. (2025): NORTHCOM Proposal for US–Greenland Integration A Path to the Future In. Strategic Horizons, Fall 2025, page 270-285 Available on the website of the Department of War media.defense.gov Harding, A., Murray, A. (2025): Vance scolds Denmark during Greenland trip. BBC News https://www.bbc.com/news./articles/cr525e49m2do Lum, T., Vaughn, B. (2017): The Pacific Islands: Policy issues. Congressional Research Service. https://sgp.fas.org/crs/row/R44753.pdf. Nordic Council (2025): Nordic Council reform: Greenland, the Faroe Islands and Åland join the Presidium. Nordic Council News Nordic Council of Ministers (2026): Denmark and the Faroe Islands take over presidency of Nordic Council of Ministers 01.01.26 News
Geopolitik_Groenland_Nordischer_Rat_2026 8 Nordic Council of Ministers and Nordic Council (2018): The Helsinki Treaty - Treaty of Cooperation between Denmark, Finland, Iceland, Norway and Sweden. Official PDF File from 2018 ISBN 978-92-893-5833-0 (PDF) http://dx.doi.org/10.6027/ANP2018-746 O’Rourke, R. et al. (2025): Changes in the Arctic: Background and issues for congress. Congressional Research Service. https://crsreports.congress.gov/product/pdf/R/R41153 Østergaard, M. et al. (2023): Free association in a Greenlandic context. Nasiffik Working Paper Robertson, N. (2025): Pentagon shifts Greenland to US Northern Command in shakeup. Defense News. https://www.defensenews.com/pentagon/2025/06/17/pentagon-shiftsgreenland-to-us-northern-command-in-shakeup/ Sivertsen, M.F. et al. (2025): The Power Elite in Greenland British Journal of Sociology, 2025; 00:1–8 1 https://doi.org/10.1111/1468-4446.700027 Tamsut, F. Shelton, J. (2025): Denmark fumes over new US envoy to Greenland. Deutsche Welle https://www.dw.com/en/denmark-fumes-over-new-us-envoy-to-greenland/a-75267414 December 22, 2025 Thorwarth, K. (2025): Färöer-Inseln wollen eigener Staat werden. Frankfurter Rundschau 23.08.2025