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Der Begriff der "produktiven Kräfte" bei Friedrich List und das heutige Entwicklungsproblem

Abstract

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Der Begriff der "produktiven Kräfte" bei Friedrich List und das heutige Entwicklungsproblem

Author: Jaksch, Hans Jürgen
Publisher: Berlin: Duncker & Humblot
Year: 1972
DOI: 10.3790/schm.92.3.307
Source: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/291275/1/schm.092.3.307.pdf
Jaksch, Hans Jü gen
A icle
De Beg i de "p oduk i en K ä e" bei F ied ich Lis und
das heu ige En wicklungsp oblem
Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en (ZWS) - Vie eljah essch i de
Gesellscha ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en, Ve ein ü Socialpoli ik
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Jaksch, Hans Jü gen (1972) : De Beg i de "p oduk i en K ä e" bei F ied ich
Lis und das heu ige En wicklungsp oblem, Zei sch i ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en
(ZWS) - Vie eljah essch i de Gesellscha ü Wi scha s- und Sozialwissenscha en, Ve ein ü
Socialpoli ik, ISSN 0342-1783, Duncke & Humblo , Be lin, Vol. 92, Iss. 3, pp. 307-319,
h ps://doi.o g/10.3790/schm.92.3.307
This Ve sion is a ailable a :
h ps://hdl.handle.ne /10419/291275
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De Beg i de
„p oduk i en K ä e" bei F ied ich Lis und
das heu ige En wicklungsp oblem
Von Hans Jü gen Jaksch, Tübingen
1. In Lis s Haup we k, dem „Na ionalen Sys em de poli ischen
Ökonomie" [5], wi d die Ausbildung de p oduk i en K ä e eine
Volkswi scha als das um assende Ziel de Wi scha spoli ik bezeich-
ne . Die Fö de ung de na ionalen A bei s eilung du ch den Eisen-
bahnbau und die Besch änkung de in e na ionalen A bei s eilung
du ch die Ein üh ung on E ziehungszöllen ü die in den Kinde -
schuhen s eckende Indus ie, beides wei hin bekann e Vo schläge
Lis s, sind Mi el zu diesem Zweck. Hie sei die F age au gewo en,
welche Vo s ellungen Lis mi de En wicklung de p oduk i en
K ä e e bunden ha . Auße dem sei un e such , ob die da aus ol-
genden E kenn nisse au Volkswi scha en angewand we den kön-
nen, die man heu e gemeinhin als En wicklungslände bezeichne . Die
Ta sache, daß Lis selbs diese Lände aus seinen Un e suchungen
wei gehend ausgenommen ha ( gl. e wa [5], S. 185), dü e kein
schlüssiges Gegena gumen gegen dieses Vo gehen sein, da e die En -
wicklung in ielen diese Lände , die sei de Ab assung seines We -
kes einge e en is , nich ha o aussehen können.
2. Lis nenn das zwöl e Kapi el seines We kes, das das zwei e
Kapi el des heo e ischen Teils is , „Die Theo ie de p oduk i en
K ä e und die Theo ie de We e". Hie s ell e seine eigenen
Thesen den Aus üh ungen de englischen Klassike gegenübe und
beginn mi den olgenden Wo en:
„Adam Smi hs be ühm es We k üh den Ti el: ,Übe die Na u
und die U sachen des Reich ums de Na ionen.6 Dami ha de S i e
de he schenden Schule ich ig den doppel en Gesich spunk ange-
geben, aus welchem die Ökonomie de Na ionen wie de einzelnen P i a-
en zu be ach en is . Die U sachen des Reich ums sind e was ganz
ande es als de Reich um selbs . Ein Indi iduum kann Reich um, d. h.
Tauschwe e besi zen, wenn es abe nich die K a besi z , meh
we olle Gegens ände zu scha en als es konsumie , so e a m es.
20*
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308 Hans Jü gen Jaks di
Ein Indi iduum kann a m sein, wenn es abe die K a besi z , eine
g öße e Summe on we ollen Gegens änden zu scha en als es kon-
sumie , so wi d es eich" ([5], S. 143/44; He o hebungen im O i-
ginal).
Auch Smi h habe e kann , welche Bedeu ung den p oduk i en K ä -
en zukomme, wenn e sein We k mi dem olgenden Sa z einlei e
([9], S. 3):
„Die A bei sei die Quelle, aus welche jede Na ion ih e Reich-
üme schöp e, und die Ve meh ung de Reich üme hänge g öß en-
eils ab on de p oduk i en K a de A bei , nämlich on dem G ad
de Kenn nisse, de Geschicklichkei und de Zweckmäßigkei , womi
die A bei de Na ion e wende we de, und on dem Ve häl nis
zwischen de Zahl de p oduk i Beschä ig en und de Zahl de nich
P oduk i en." ([5], S. 144, He o hebungen im O iginal.) Smi h habe
diese Idee jedoch nich au genommen, sonde n sei „ on seine eigenen
g oßen En deckung ,Teilung de A bei 6 zu seh behe sch " gewesen,
„um die Idee p oduk i e K a 4 zu e olgen" ([5], S. 145; He o -
hebung im O iginal).
Wei e hin olg bei Lis ein Beispiel, um seine Theo ie de p oduk-
i en K ä e gegen die Smi h zugesch iebene „Theo ie de (Tausch)-
We e" abzug enzen: „Wenn on zwei Familien ä e n, die zugleich
Gu sbesi ze sind, jede jäh lich 1 000 Tale e spa und jede ün
Söhne besi z , de eine abe seine E spa nisse an Zinsen leg und
seine Söhne zu ha e A bei anhäl , wäh end de ande e seine E spa -
nisse dazu e wende , zwei seine Söhne zu a ionellen Landwi en
auszubilden, die d ei üb igen abe je nach ih en besonde en Fähig-
kei en Gewe be e le nen läß , so handel jene nach de Theo ie de
We e, diese nach de Theo ie de p oduk i en K ä e. Bei seinem
Tode mag jene an Tauschwe wei eiche sein als diese , ande s
abe e häl es sich mi den p oduk i en K ä en. De G undbesi z
des einen wi d in zwei Teile ge eil we den, und jede Teil wi d mi
Hil e eine e besse en Wi scha so iel Reine ag gewäh en wie
zu o das Ganze, wäh end die üb igen d ei Söhne in ih en Geschick-
lichkei en Nah ungsquellen e wo ben haben. De G undbesi z des
ande en wi d in ün Teile ge eil we den, und jede Teil wi d ebenso
schlech bewi scha e we den wie ühe das Ganze. In de einen
Familie wi d eine Masse e schiedena ige Geis esk ä e und Talen e
geweck und ausgebilde we den, die sich on Gene a ion zu Gene-
a ion e meh en; jede olgende Gene a ion wi d meh K a besi zen,
ma e iellen Reich um zu e we ben als die o angegangenen, wäh end
in de ande en Familie die Dummhei und A mu in de Ve minde-
ung de An eile am G undbesi z s eigen muß" ([5], S. 147/48).
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De Beg i de „p oduk i en K ä e" bei F ied ich Lis 309
Ve suchen wi , Lis s Theo ie de p oduk i en K ä e zusammen-
zu assen und in de Sp ache de heu igen Wi scha s heo ie da zu-
s ellen. Dann kommen wi e wa zu de olgenden Aussage:
En wicklungspoli ik bes eh in de zweckmäßigen Ges al ung de
U sachen und Bedingungen ü das Wachs um eine Volkswi scha .
Wi d s a diese Fö de ung sozusagen de di ek e Weg eingeschlagen
und s a de U sachen des Wohls andes nu de Wohls and selbs
ge ö de , so wi d es im allgemeinen zu keine anhal enden Wohl-
s andss eige ung kommen können.
Um eine Analogie aus de Ma hema ik zu e wenden: Die Lösung
eines Ex emalp oblems mi Nebenbedingungen häng on den Pa a-
me e n ab, die in den Ex emanden und die Nebenbedingungen ein-
gehen. Das Au suchen des Ex emums bei gegebenen Pa ame e n
en sp ich dem P oblem de Theo ie de We e, die Umges al ung de
Pa ame e de a , daß ein Ex emum Ex emo um bes imm we den
kann, de Theo ie de p oduk i en K ä e.
3. Von Lis s wi scha spoli ischen Emp ehlungen ü das Deu sch-
land seine Zei sind zwei auch auße halb de Wissenscha am be-
kann es en gewo den: sein Ein e en ü E ziehungszölle zum Schu z
de in den Kinde schuhen s eckenden deu schen Indus ie und seine
Emp ehlungen zum Bau on Eisenbahnen. F agen wi , inwiewei du ch
beides die „p oduk i en K ä e" de deu schen Volkswi sdia hä en
ges ä k we den können.
De Eisenbahnbau, übe haup die En wicklung des T anspo wesens,
gehö zu den In es i ionen in die heu e so genann e In as uk u .
Zwa wu de sie im o igen Jah hunde o nehmlich dem p i a en
Un e nehme übe lassen, und Lis ha sich in den Ve einig en S aa en
on Ame ika selbs an de Finanzie ung solche In es i ionen be eilig
( gl. [1], S. 153),sie is abe heu e im allgemeinen wenigs ens s aa liche
Kon olle un e wo en. Abe abgesehen da on, ob die En wicklung
des T anspo wesens übe haup P i a en übe lassen we den soll e,
bleib zu agen, inwiewei sein Ausbau die „p oduk i en K ä e" de
Na ion ö de .
Die An wo is ein ach: Die Wi scha swissenscha is mindes ens
sei Smi h die Wissenscha on de A bei s eilung. T anspo kos en
hemmen jedoch die Ausbildung de A bei s eilung. Eine Senkung de
T anspo kos en bewi k also s e s eine Ve g öße ung de P oduk-
i i ä du ch eine besse e Ausnu zung de A bei s eilung ( gl. [6],
S. 72 .).
De Eisenbahnbau begüns ig dahe die Ausnu zung de Ressou cen
eine Volkswi scha . Die Ve eilung des P oduk s is unp oblema-
isch, solange man da on ausgeh , daß die poli ische Füh ung du ch
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310 Hans Jü gen Jaksch.
eine ge ech e Bes eue ung und du ch Un e s ü zung de Bedü igen
da ü so g , daß das E gebnis de A bei s eilung ge ech e eil wi d.
Was ge ech is , wi d du ch eine poli ische En scheidung bes imm .
Ande s jedoch im in e na ionalen Handel. Hie gib es keine übe -
geo dne e Ins anz, die den Gewinn aus de in e na ionalen A bei s-
eilung nach übe geo dne en Gesich spunk en um e eilen kann; iel-
meh wi d diese Gewinn on de be ühm en „unsich ba en Hand"
Smi hs e eil . Man kann zwa nachweisen, daß alle aus dem F ei-
handel in dem Sinn gewinnen, daß ein g öße es P oduk zu Ve ei-
lung gelang als bei de Exis enz on Handelssch anken, nich abe ,
daß sich alle Na ionen besse s ellen, wenn es keine Besch änkungen
des Handels gäbe. (Die heu ige En wicklungshil e mag als ein schwache
Ve such zu Um e eilung des Gewinns aus de in e na ionalen A -
bei s eilung angesehen we den.) Im Gegen eil, geh man da on aus,
daß Na ionen am in e na ionalen Handel eilnehmen, die übe einen
gu ausgebilde en Vo a an p oduzie en P oduk ionsmi eln ode ,
allgemeine , an p oduk i en K ä en e ügen, und ande e, in denen
diese Vo a kaum ausgebilde is , so we den die e s e en den ganzen
Gewinn aus dem in e na ionalen Handel eins eichen. Nich nu das:
Die Ausbildung on Indus ien ode , wiede allgemeine , p oduk i en
K ä en wi d in den un e en wickel en Volkswi scha en gehemm , so
daß sie niemals den e s eb en Zus and e langen können, de ihnen
ges a e , auch aus dem in e na ionalen Handel zu gewinnen. (Die
oben apos ophie e En wicklungshil e kann diesen Zus and noch e -
schlimme n, wenn sie nämlich die He ausbildung de p oduk i en
K ä e ehe hemm als ö de .)
Hie aus olg , daß die in e na ionale A bei s eilung un e Ums än-
den besch änk we den muß, solange die ande en Na ionen ih e p o-
duzie en P oduk ionsmi el ode , allgemeine , ih e p oduk i en
K ä e nich ausgebilde haben. Is das abe de Fall, und spiel sich
de in e na ionale Handel un e meh ode wenige gleich en wickel-
en Volkswi scha en ab, so is mi dem F eihandel eine einige -
maßen ge ech e Ve eilung des Gewinns e bunden. Deswegen wi d
auch Lis die These „Du ch Schu zzoll zum F eihandel" zugesch ieben,
und das Mo o seines „Na ionalen Sys ems" lau e „E la pa ie e
l'humani é". Daß umgekeh nich jede Schu zzollpoli ik du ch den
Ve weis au Lis ge ech e ig we den kann, sonde n eben nu die-
jenige, die zu En wicklung de p oduk i en K ä e bei äg , is leich
zu belegen.
4. Was wü de man heu e un e den p oduk i en K ä en eine
Volkswi scha e s ehen? Ve suchen wi , uns ih e De ini ion au
einem Umweg zu nähe n, und agen wi einen mode nen Volkswi
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De Beg i de „p oduk i en K ä e" bei F ied ich Lis 311
nach den U sachen ü die Wohls andsun e schiede in de Wel . Als
An wo dü e e au die un e schiedliche Auss a ung de Volks-
wi scha mi Ressou cen hinweisen. Nach eine au die englischen
Klassike zu ückgehenden T adi ion wi d e mögliche weise e wähnen,
daß die Auss a ung mi p oduzie en P oduk ionsmi eln (ode „Ka-
pi al") und Bodenschä zen e schieden is und daß die Fähigkei en
de A bei sk ä e e schieden ausgebilde sind. Auße dem wi d e
ielleich noch hinzu ügen, daß das echnische und o ganisa o ische
Wissen in e schiedenen Lände n de E de e schieden is und daß
auße dem auch die Menschen un e schiedliche Ansich en da übe ha-
ben, was p oduzie und konsumie we den soll. Wi d beispielsweise
die A bei sleis ung eine bes imm en A ge ing geschä z , so we den
Gü e , die nu mi Hil e diese Leis ungen p oduzie we den können,
ela i eue sein.
Diese Lis e wi d abgeschlossen we den mi einem Hinweis au die
ech liche und soziale O dnung in de aglichen Volkswi scha , und
je nach Tempe amen und Wel anschauung des Be ag en wi d dieses
Da um meh ode wenige s a k be on we den, besonde s dann, wenn
die konk e e Volkswi scha , die .mögliche weise Gegens and des
Gesp ächs bilde , eine ech liche und soziale O dnung au weis , die
den Vo s ellungen des Redenden nich en sp ich .
Zusammenge aß : U sachen ü den Wohls and eine Volkswi -
scha sind also die Auss a ung an P oduk ions ak o en, das ech-
nische Wissen und die Bedü niss uk u sowie die he schende ech -
liche und soziale O dnung. Dies sind die gesam wi scha lichen
„Da en" Euchens, die nach seine Ansich nich meh Gegens and
wi scha swissenscha liche Fo schung und dami e s ech nich
wi scha spoli ische Beein lussung sein soll en. E e kenn , daß Lis s
p oduk i e K ä e seine „Da en" um assen und sch eib dazu:
„Was F ied ich Lis p oduk i e K ä e6 nenn , sind Da en, die e
alle dings ande s und aus üh liche bezeichne . ,Kaum is ein Gese z
ode eine ö en liche Ein ich ung denkba , wodu ch nich au die
Ve meh ung ode Ve minde ung de p oduk i en K a ein g öße e
ode ge inge e Ein luß geüb wü de/ Wi wü den sagen: Wodu ch
nich ein Da um geände wü de. — Au gabe de Wi scha spoli ik
muß es also sein, daß diese p oduk i en K ä e geweck und gep leg
we den6."
„Bis dahin ha e Lis ech . Abe e i , wenn e eine ,Theo ie6 de
p oduk i en K ä e o de e, die e neben die Theo ie de We e
s ellen woll e. Un e eine Theo ie de p oduk i en K ä e e s and
e eine Theo ie, welche das Zus andekommen konk e e Da en e klä-
en soll. — Jede Ve such zu ih e Scha ung muß schei e n, da die
Bildung konk e e Da en nu dem geschich lich-indi iduellen Ve -
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312 Hans Jü gen Jaksdi
s ehen e kennba is : E wa die F age, wa um Deu schland heu e eine
bes imm e Be ölke ung on bes imm en Fähigkei en und Bildungsg ad
ha ode wa um eine bes imm e soziale und ech liche O dnung da is "
([2], S. 26).
Bei de Beu eilung diese Ansich
Euchens
gehen wi da on aus,
daß die Abg enzung eine Wissenscha on eine ande en eine Kon-
en ion is . De Vo eil de engen, on
Euchen
gegebenen Abg enzung
de Na ionalökonomie lieg in de Möglichkei de Besch änkung au
wenige, g undsä zliche F agen, e wa au die on
Euchen
au gewo ene
F age nach de Wi scha so dnung. Ande e sei s is de Nach eil
diese Besch änkung o enkundig: Allen alls die Auswi kungen on
Ände ungen de „Da en", nich abe ih e Beein lussung und die dami
zusammenhängenden Gese zmäßigkei en können on de Na ionalöko-
nomie un e such we den. Da nun abe die „Da en" bewuß e ände
we den sollen, um das E gebnis des Wi scha sablau es zu e ände n,
kann ih e Analyse nich allein Nich Ökonomen übe lassen bleiben. So
gesehen is die Poli ik de Da enände ung Wi scha spoli ik, und
mindes ens die wi scha lichen Vo ausse zungen und Folgen diese
Ände ungen müssen auch on Ökonomen un e such we den.
Man könn e nun meinen, es sei doch gleichgül ig, welche Wissen-
scha sich mi bes imm en F ages ellungen beschä ig , solange sie
übe haup au gewo en we den. Obwohl diese Aussage zuzus immen
is , muß man doch da au e weisen, daß sozusagen die Nah s ellen
de Wissenscha en besonde s schlech zu ah en scheinen, wobei sich
dies seh zum Nach eil unse e Kenn nis und Behe schung de Vo -
gänge in de Reali ä auswi ken kann. Hie zu ein Beispiel: Die Kapi-
al heo ie is sei jehe ein legi imes Kind de Wi scha s heo ie.
Wäh end abe die Anhäu ung ma e ielle p oduzie e P oduk ions-
mi el lange Zei allein Gegens and de Un e suchung wa , ha man
die Bildung imma e iellen Kapi als, e wa die Ausbildung des Men-
schen, lange e nachlässig . E s als o ensich lich wu de, daß En -
wicklungspoli ik eben nich nu in de Anhäu ung ma e ielle p o-
duzie e P oduk ionsmi el bes eh , ha sich die Wi scha s heo ie
auch de Un e suchung de Ausbildungsin es i ionen zugewand
( gl. [10]).
Häl man üb igens nu die Fö de ung alle das Wachs um beein-
lussenden p oduk i en K ä e ü eine sinn olle En wicklungspoli ik,
so wi d manchem diese E wei e ung noch zu eng sein. Denn nu ein
Teil de Wi kungen on E ziehungsausgaben lassen sich in E äge
um echnen, denen ein bes imm e Geldwe zugesch ieben we den
kann und die allein mi den Ausgaben e gleichba sind, wenn die
„Rendi e" diese In es i ionen be echne wi d ( gl. [7], S. 168).
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De Beg i de „p oduk i en
K ä e"
bei F ied ich Lis 313
5. Die „Da en" ode p oduk i en K ä e müssen also mindes ens
inso e n on de Wi scha s heo ie un e such we den, als ih e Ve -
ände ung wi scha liche Leis ungen e o de und die Bedingungen
ü die wi scha liche En wicklung scha . Wi scha liche P obleme
im enge en Sinn des Wo es we den on nich wi scha lichen Phäno-
menen e u sach , und umgekeh gib es wi scha liche Vo gänge,
die Auswi kungen im nich wi scha lichen Be eich haben. Zwei Fol-
ge ungen hie aus scheinen mi wesen lich zu sein:
E s ens is es nich möglich, das En wicklungsp oblem dadu ch zu
lösen, daß man es mi den Beg i spaa en Ma k wi scha und Zen-
al e wal ungswi scha angeh . Dies is auch nich e wunde lich.
Denn selbs
Euchen
, de glaub e, die S eue ung alle in de Geschich e
bekann en Volkswi scha en au eine Mischung diese beiden Len-
kungsp inzipien zu ück üh en zu können, ging on gegebenen „Da en"
aus. Is abe schon die Zweckmäßigkei dieses Ansa zes agwü dig
(zu eine K i ik gl. [4], S. 110 .), so wi d e ollends p oblema isch,
wenn diese Da en e ände we den sollen.
Ähnliches gil ü das ma xis ische Beg i spaa Kapi alismus und
Sozialismus. Wie das Beispiel de jenigen Volkswi scha en zeig , die
inne halb de le z en Jah e das E ike gewechsel haben und zum
Sozialismus übe gegangen sind, is es dadu ch nich zu eine kohä en-
en und alle wesen lichen Aspek e e assenden En wicklungspoli ik
gekommen. Sinn olle, die wi scha liche En wicklung ö de nde Maß-
nahmen wu den on unsinnigen und nu ideologisch zu beg ündenden
Eing i en beglei e . (Vgl. hie zu e wa die Da s ellung de wi scha -
lichen En wicklung Kubas in den le z en zehn Jah en bei Fu ado, [3],
S. 231 .)
Zwei ens is de du ch die bishe ige Selbs besch änkung de Na-
ionalökonomie e klä liche Ve such, aus den p oduk i en K ä en die
eine ode ande e „K a " auszuwählen und ih e Fö de ung zu emp eh-
len (z.B. Ausbildungsin es i ionen), mindes ens agwü dig, wenn
nich ga im allgemeinen zum Schei e n e u eil . Denn man muß
wohl da on ausgehen, daß zwischen diesen „K ä en" wei gehend limi-
a ionale Beziehungen bes ehen.
Fö de man also nich alle Engpaß ak o en gleichzei ig, und zwa
so, daß die En wicklung keine diese Fak o en zu ückbleib und da-
mi den wei e en Fo sch i hemm , so muß das Wachs um zu ück-
gehen ode ga au hö en. Ein Beispiel da ü , wie wich ig die Auswahl
des die En wicklung hemmenden Engpaß ak o s sein kann, zeig die
Geschich e Wes deu schlands nach dem Zwei en Wel k ieg. Die E ich-
ung de Sozialen Ma k wi scha und die Scha ung on An eizen
zu Kapi albildung so g en ü ein apides Wachs um. Will man heu e
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314 Hans Jü gen Jaksch
die sinkende Wachs ums a e de wes deu schen Volkswi scha wie-
de e höhen, so wä e es nich meh nach dem gleichen Rezep möglich
— die Engpaß ak o en haben sich gewandel ( gl. hie zu [8], S. 565).
6. Um an einem empi ischen Beispiel zu e deu lichen, in welchem
Sinn man die En wicklung de p oduk i en K ä e als Au gabe de
Wi scha spoli ik e s ehen kann, seien die Ve häl nisse in de Repu-
blik Kolumbien be ach e .
Sie weis alle wich igen Me kmale eines un e en wickel en Landes
au : ein e häl nismäßig ge inges B u oinlandsp oduk je Kop de
Be ölke ung (e wa 350 US-Dolla ), ein g oße Teil de We schöp-
ung in de Landwi scha (e wa 33%), eine ungleichmäßige Einkom-
mens» und Ve mögens e eilung (das eichs e Zehn el de Be ölke ung
e häl mindes ens 50% des Einkommens), s a ke Abhängigkei de
Expo e löse on de Aus uh nu eines Gu es (de Ka eexpo b ing
e wa 60% de Expo e löse), eine s a ke Reglemen ie ung de Im-
po e du ch Lizenzen und Zölle und eine In la ions a e on as 10%
im Jah .
Fü die O dnungspoli ik is on Bedeu ung, daß zumindes ein wich-
ige P eis in diesem Land seine Funk ion nich e üllen kann: De
Lohnsa z ü ungele n e A bei is nich nu ein P eis, also Knapp-
hei sindika o , sonde n auch ein wesen liches Einkommenselemen ,
kann also nich beliebig ie sinken. Das ha bei de seh g oßen Wachs-
ums a e de Be ölke ung zu Folge, daß au dem Land ebenso wie
in den schnell wachsenden S äd en die A bei slosigkei auße o den -
lich hoch is . Wäh end sich do eine A bei slosenquo e schwe bes im-
men läß und man soga die Zweckmäßigkei dieses Beg i es in F age
s ellen kann, dü e sie in den S äd en e wa ein Fün el des A bei s-
po en ials be agen. Auße dem sind wei e e ün P ozen un e be-
schä ig , a bei en also in de Woche wenige als 32 S unden und dü -
en dami nich genug e dienen, um sich am Leben zu e hal en. Eine
Mobilisie ung de p oduk i en K ä e in Kolumbien bedeu e also in
e s e Linie, daß Bedingungen gescha en we den müssen, die eine
möglichs asche Abso p ion de A bei sk ä e ges a e , zumal eine
Senkung de seh hohen Gebu en a e on 4% schwie ig is .
Auch dü e das hohe Be ölke ungswachs um dazu bei agen, daß
Einkommen und Ve mögen so ungleich e eil sind. Bei Knapphei
de A bei sk a kann selbs eine ech ungleiche Ve mögens e eilung
mi eine ausgeglichene en Einkommens e eilung e einba sein.
Zwei ellos kann das A bei sk ä epo en ial Kolumbiens nu dann
p oduk i abso bie we den, wenn das Land indus ialisie wi d. Je-
doch dü e es kaum möglich sein, diese Indus ialisie ung so schnell
o anzu eiben, daß ku z is ig die A bei slosigkei abgebau we den
OPEN ACCESS | Licensed unde CC BY 4.0 | h ps://c ea i ecommons.o g/abou /cclicenses/
DOI h ps://doi.o g/10.3790/schm.92.3.307 | Gene a ed on 2023-04-04 11:48:02