Di sios, E win
Kinde und Jugendliche als Expe innen und Expe en ih e eigenen
Gesundhei – Pa izipa ion, Selbs bes immung und Empowe men
Somme , Nicola [H sg.]; Mülle , Sa ah [H sg.]; Langnickel, Robe [H sg.]: B ücken zu Teilhabe: Wo
K ankhei und Schule sich begegnen. Chancen inklusi e Bildung ü Kinde und Jugendliche mi
ch onischen E k ankungen. Bad Heilb unn : Ve lag Julius Klinkha d 2025, S. 92-103
Quellenangabe/ Re e ence:
Di sios, E win: Kinde und Jugendliche als Expe innen und Expe en ih e eigenen Gesundhei –
Pa izipa ion, Selbs bes immung und Empowe men - In: Somme , Nicola [H sg.]; Mülle , Sa ah [H sg.];
Langnickel, Robe [H sg.]: B ücken zu Teilhabe: Wo K ankhei und Schule sich begegnen. Chancen
inklusi e Bildung ü Kinde und Jugendliche mi ch onischen E k ankungen. Bad Heilb unn : Ve lag
Julius Klinkha d 2025, S. 92-103 - URN: u n:nbn:de:0111-pedocs-343951 - DOI: 10.25656/01:34395;
10.35468/6197-07
h ps://nbn- esol ing.o g/u n:nbn:de:0111-pedocs-343951
h ps://doi.o g/10.25656/01:34395
in Koope a ion mi / in coope a ion wi h:
h p://www.klinkha d .de
Nu zungsbedingungen Te ms o use
Dieses Dokumen s eh un e olgende C ea i e Commons-Lizenz:
h p://c ea i ecommons.o g/licenses/by-nd/4.0/deed.de - Sie dü en das We k
bzw. den Inhal e iel äl igen, e b ei en und ö en lich zugänglich machen,
solange Sie den Namen des Au o s/Rech einhabe s in de on ihm
es geleg en Weise nennen und das We k bzw. diesen Inhal nich bea bei en,
abwandeln ode in ande e Weise e ände n.
This documen is published unde ollowing C ea i e Commons-License:
h p://c ea i ecommons.o g/licenses/by-nd/4.0/deed.en - You may copy,
dis ibu e and ansmi , adap o exhibi he wo k in he public as long as you
a ibu e he wo k in he manne speci ied by he au ho o licenso . You a e
no allowed o al e o ans o m his wo k o i s con en s a all.
Mi de Ve wendung dieses Dokumen s e kennen Sie die
Nu zungsbedingungen an.
By using his pa icula documen , you accep he abo e-s a ed condi ions o
use.
Kon ak / Con ac :
peDOCS
DIPF | Leibniz-Ins i u ü Bildungs o schung und Bildungsin o ma ion
In o ma ionszen um (IZ) Bildung
E-Mail: [email p o ec ed]
In e ne : www.pedocs.de
92
E win Di sios
Kinde und Jugendliche als Expe innen und
Expe en ih e eigenen Gesundhei –
Pa izipa ion, Selbs bes immung und
Empowe men
Abs ac
Ch onisch e k ank e Kinde und Jugendliche s ehen in de Schule o be-
sonde en He aus o de ungen–schulisch, emo ional und sozial . De Bei-
ag beleuch e p axisnah, wie Pa izipa ion, Selbs bes immung und Em-
powe men in de Beglei ung diese Schüle innen und Schüle wi ksam
we den können . Leh pe sonen spielen dabei eine Schlüssel olle: Sie un e -
s ü zen nich nu beim Le nen, sonde n ö de n geziel Eigen e an wo ung
und Selbs wi ksamkei . Modelle wie das Gesundhei s-K ankhei s-Kon i-
nuum und die Aneignungsdidak ik hel en, E k ankung nich de izi ä zu
be ach en, sonde n in ih e Vielschich igkei zu e s ehen . Anhand zahl-
eiche Beispiele wi d au gezeig , wie ch onisch e k ank e Kinde und Ju-
gendliche als Expe innen und Expe en ih e eigenen Gesundhei e ns ge
doi .o g/10 .35468/6197-07
93
Kinde und Jugendliche als Expe innen und Expe en
nommen und in schulische P ozesse ak i einbezogen we den können . Das
s ä k nich nu ih e Resilienz und Lebensquali ä , sonde n be eiche den
schulischen All ag insgesam . De Bei ag mach Mu , sich diesen F agen
zuzuwenden–und bie e konk e e Impulse ü eine inklusi e und gesund-
hei s ö de nde Un e ich sp axis .
Keywo ds: Pa izipa ion; Empowe men ; Gesundhei s-K ankhei s-Kon inu-
um; Aneignungsdidak ik
Einlei ung
Jedes Kind und jede Jugendliche kann im Lau e de Schulzei e k anken und
au medizinisch- he apeu ische Hil e angewiesen sein . De Themenbe eich
K ankhei und Schule gewinn besonde s dann an Rele anz, wenn be o e-
ne Schüle innen und Schüle au g und gesundhei liche Einsch änkungen
nich egelmäßig am Un e ich eilnehmen können . E k ankungen können
die schulische En wicklung und das Wohlbe inden on Kinde n und Jugendli-
chen in un e schiedliche Weise beein lussen (Papas e anou 2009) . Dabei sind
sowohl soma ische als auch psychische E k ankungen zu be ücksich igen, da
sie das Le nen und die soziale In eg a ion be e en können . Leh pe sonen
s ehen o de He aus o de ung, den be o enen Schüle innen und Schüle n
sowohl wäh end de E k ankung als auch nach de en Genesung die bes mög-
liche Un e s ü zung zu bie en (Haep&B endgen 2008) .
Ak uelle E gebnisse eine 2024 du chge üh en El e nbe agung an eine ös-
e eichischen Mi elschule zeigen bei n=238 Schüle innen und Schüle n,
dass 24%da on on eine (Vo -)E k ankung be o en sind . Diese eilen sich
in olgende Be eiche au : 14%Alle gien, 2%Medikamen enun e äglich-
kei en, 2%He ze k ankungen, 2%ADHS und 1%Lebensmi elun e äg-
lichkei en . 0,5%weisen wei e e (Vo -)E k ankungen wie As hma, Skoliose,
Epilepsie, Rheuma, Leukämie und Mig äne au .
Dies zeig , dass de Themenbe eich K ankhei und Schule kein Randphäno-
men is (Somme &Di sios 2022), wie u . a . be ei s We gen (2019) sowie die
E gebnisse de WHO-HBSC-S udie zeigen . Diese „bes ä igen das Bild, das
ande e in e na ionale und na ionale S udien, […], gezeig haben: Gesundhei
und Wohlbe inden de Schüle innen und Schüle haben sich e schlech e ,
und auch bei einigen Lebenss il a iablen und Gesundhei sde e minan en
sind nega i e e E gebnisse als in de Ve gangenhei zu beobach en“ (HBSC
2023) . Die Langzei -Kinde gesundhei ss udie (KiGGS) des Robe -Koch-Ins-
i u s zeig e be ei s 2017, dass und 11%de Mädchen und 16%de Jungen
in Deu schland an ch onischen E k ankungen leiden, die länge als ein Jah
andaue n (Robe -Koch-Ins i u 2017) .
doi .o g/10 .35468/6197-07
94
E win Di sios
De o liegende A ikel e s eh sich als p axiso ien ie e Bei ag zu einem ge-
lingenden Un e ich , an dem alle Schüle innen und Schüle , unabhängig on ih-
em Gesundhei s- ode K ankhei szus andes gleichbe ech ig eilhaben können .
Pa izipa ion–Un e ich ü
e k ank e Schüle innen und Schüle
K ankhei und Schule s ellen ü Schüle innen und Schüle eine besonde e He -
aus o de ung da . Sie beein äch igen häu ig sowohl die schulische Leis ung als
auch das emo ionale Wohlbe inden (Desch 2010) . Leh pe sonen komm dabei
eine zen ale Rolle zu: Sie un e s ü zen e k ank e Kinde und Jugendliche da -
in, den schulischen und sozialen Anschluss zu hal en und gleichzei ig ih e ge-
sundhei lichen und psychosozialen Bedü nisse zu be ücksich igen . Ein lexibles
und un e s ü zendes Um eld, das sich an den indi iduellen Bedü nissen de
be o enen Schüle innen und Schüle o ien ie , kann sie nachhal ig ö de n .
Vo ausse zung ü gelingende Teilhabe is eine di e enzie e Be ach ung jene
Fak o en, die den schulischen Ve lau bei ch onische E k ankung beein lussen .
Eine E k ankung be i nich nu den Kö pe , sonde n kann auch e hebli-
che psychische Auswi kungen haben . Kinde und Jugendliche e leben häu ig
Angs , T au igkei und F us a ion–insbesonde e dann, wenn sie du ch die
E k ankung den Kon ak zu Schule und ih en F eunden e lie en . Schwe-
e ode langwie ige (ch onische) E k ankungen, insbesonde e bei jungen
Menschen, die sich ge ade in eine sensiblen En wicklungsphase be inden
(P ei e &Pinqua 2013), können die schulische Mo i a ion und das Selbs -
we ge ühl beein äch igen (Webe &Wi z 2019) . Ein länge e Au en hal
zu Hause ode im K ankenhaus bedeu e zudem eine soziale T ennung, die
den Kon ak zu Mi schüle innen und Mi schüle n e schwe und das Zugehö-
igkei sge ühl zu Klassengemeinscha schwächen kann . Besonde s Jugend-
liche, die sich s a k übe Pee s de inie en, e leben Isola ion o als zusä zliche
psychische Belas ung–e wa in Fo m on Ängs en ode dep essi en Symp o-
men . Schüle innen und Schüle , die au g und eine E k ankung übe länge e
Zei nich zu Schule gehen können, e lie en schnell den Anschluss an den
Un e ich . Fehlende Le ninhal e und nich nachgehol e Au gaben können zu
Wissenslücken und Mo i a ionsp oblemen üh en . Besonde s ge äh de sind
dabei Schüle innen und Schüle mi ch onischen E k ankungen, die egelmä-
ßig du ch K ankenhausau en hal e ode The apien im Un e ich ehlen .
Bei länge andaue nde E k ankung können Leh pe sonen im Sinne eines
Nach eilsausgleichs (We gen 2013) die schulischen An o de ungen indi-
iduell anpassen . Dies kann beispielsweise das Ve schieben on P ü ungen
ode das E s ellen on e ein ach en Le nma e ialien um assen . Mi de zu
doi .o g/10 .35468/6197-07
95
Kinde und Jugendliche als Expe innen und Expe en
nehmenden Nu zung digi ale Technologien is es ü e k ank e Schüle innen
und Schüle heu e möglich, wäh end ih e Abwesenhei online am Un e ich
eilzunehmen . Dies e möglich nich nu den Zugang zu Le nma e ialien, son-
de n auch die ak i e Teilnahme an ideobasie en i uellen Klassen äumen .
Viele Schulen bie en zusä zlich Be a ungsdiens e an, die da au abzielen, die
psychischen Belas ungen on e k ank en Schüle innen und Schüle n zu min-
de n . Diese Angebo e un e s ü zen Schüle innen und Schüle dabei, emo io-
nale und soziale He aus o de ungen, im Umgang mi ih e (ch onischen) E -
k ankung, zu bewäl igen . Um eine mögliche soziale Isola ion zu e inge n,
sollen geziel Möglichkei en zum Aus ausch mi Mi schüle innen und Mi -
schüle n gescha en we den, e wa du ch digi ale G uppena bei en, Besuche
ode B ie wechsel . Die enge Zusammena bei mi den El e n is dabei ein zen-
ale Baus ein (Webe 2008), um das Wohlbe inden be o ene Kinde und
Jugendliche zu ö de n und mögliche Ängs e ode F us a ionen ühzei ig zu
e kennen . Eine wei e e–wenn auch nich imme umse zba e Un e s ü zungs-
möglichkei bes eh im Un e ich zu Hause du ch Leh pe sonen, die den Un-
e ich ss o e mi eln ode Un e ich sma e ialien pe sönlich übe mi eln .
Zusammen assend läss sich es hal en: Ch onisch beding e psychische und/
ode soma ische Belas ungen können die Bildungsbiog a ie on Schüle in-
nen und Schüle n e heblich beein äch igen . Dahe sind im Sinne de Teilhabe
bzw . Pa izipa ion Un e s ü zungsmöglichkei en du ch die Schule als geeig-
ne e Maßnahmen zu iden i izie en . Dazu können digi ale Angebo e, k ank-
hei sbeding e Anpassung des Un e ich s, psychosoziale Un e s ü zung und
Hil es ellungen, Fö de ung soziale Kon ak e sowie indi idualisie e Un e -
ich und gegebenen alls auch Hausun e ich genann we den . Pa izipa ion
um ass dahe meh als die Teilhabe am Un e ich : Sie bedeu e , dass ch o-
nisch e k ank e Kinde und Jugendliche ak i an En scheidungen, die ih e Ge-
sundhei be e en, mi wi ken können . Dies eich on all äglichen Gesund-
hei sen scheidungen bis hin zu lang is igen, en scheidenden F agen, die ih e
physische und psychische Gesundhei be e en .
Selbs bes immung und Empowe men
Selbs bes immung bedeu e , dass Kinde und Jugendliche die Ve an wo ung
ü ih e Gesundhei übe nehmen können und die F eihei haben, En schei-
dungen zu e en, die ih Wohlbe inden be e en . E k ank e Kinde und Ju-
gendliche können, insbesonde e im schulischen Um eld e mu ig we den, ih e
eigenen Gesundhei sen scheidungen zu e en, sei es in Bezug au ih e Le n-
o sch i e, schulische Leis ungs ähigkei ode den Umgang mi k ankhei s-
beding en He aus o de ungen . Dies um ass auch die Fähigkei , ühzei ig au
doi .o g/10 .35468/6197-07
96
E win Di sios
gesundhei liche Beschwe den zu eagie en, den eigenen Kö pe besse wah -
zunehmen und bei Beda Un e s ü zung zu suchen .
„Leh k ä e wenden ih indi iduelles Wissen und ih e Kompe enzen an, um im Ideal-
all einen siche en Umgang mi ch onisch e k ank en Schüle /-innen zu gewäh leis-
en . Dabei inden si ua i e, pe sönliche sowie gesellscha lich- und umwel beding e
De e minan en au de indi iduellen Ebene Anwendung, um He aus o de ungen
au de Be ölke ungsebene, nämlich den Schüle /-innen, zu begegnen . Du ch ih e
Vo bild unk ion und ih e Un e s ü zungsmöglichkei en könn en Leh k ä e Ein luss
au das Gesundhei s e hal en ih e Schüle /-innen nehmen, welches sich lang is ig
auswi ken kann, e wa au den Gesundhei szus and im E wachsenenal e und da-
mi e bunden au die Inansp uchnahme on Leis ungen des Gesundhei ssys ems .
Auße dem könn e die Gesundhei skompe enz on Leh k ä en gesundhei liche
Chancengleichhei , Pa izipa ion sowie Empowe men on gesundhei lich benach-
eilig en und nich benach eilig en Kinde n und Jugendlichen ö de n“ (Ha mann
u . a . 2020, 1175) .
Als Empowe men wi d jene P ozess bezeichne , du ch den e k ank e Kinde
und Jugendliche ih e eigenen Fähigkei en und Ressou cen e kennen und s ä -
ken, um eigens ändig und selbs bewuss En scheidungen zu e en, die ih e
Gesundhei be e en . Das Ziel is , die pe sönliche und soziale Kompe enz zu
ö de n und die Fähigkei zu en wickeln, gesundhei s ele an e He aus o de-
ungen im schulischen Kon ex zu meis e n .
Empowe men um ass die Fähigkei , gesundhei s ele an e In o ma ionen
zu e s ehen, k i isch zu hin e agen und eigens ändig anzuwenden . Dies
geh übe das bloße Wissen hinaus und schließ auch den Umgang mi psy-
chische Gesundhei , S essbewäl igung und die En wicklung on Resilienz
ein . Je meh Wissen und Fähigkei en Kinde und Jugendliche in Bezug au
ih e Gesundhei en wickeln, des o ges ä k e we den sie da in, ih e eigenen
Gesundhei sen scheidungen zu e en und sich ü ih Wohlbe inden ein-
zuse zen . Schüle innen und Schüle we den so zu wah en Expe innen und
Expe en ih e eigenen Gesundhei . Dies implizie ebenso, dass e k ank e
Kinde und Jugendliche wissen, wo und wie sie Un e s ü zung inden können .
Sie we den da in bes ä k , bei Beda au Hil sangebo e zuzug ei en, sei es
im schulischen, amiliä en ode medizinischen- he apeu ischen Be eich . Das
s ä k ih e Fähigkei , sich in schwie igen gesundhei lichen Si ua ionen Hil e
zu holen . Leh pe sonen können „k anke Menschen dahingehend empowe n,
ih en eigenen Weg zu inden, de in Einklang s eh mi ih e Indi iduali ä , Le-
benswel und K ankhei “ (Röh 2005, 336) . Röh (2005) üh des Wei e en aus:
„G undlage allen pädagogischen Handelns is hie die Ane kennung de Gleich-
be ech igung on be u lichem Hel e und Klien , die Kons uk ion eine symme i-
schen A bei sbeziehung also, die au die A ibu e eine be o mundenden Fü so g
doi .o g/10 .35468/6197-07
97
Kinde und Jugendliche als Expe innen und Expe en
lichkei e zich e , die Ve an wo ung ü den A bei skon ak gleich e eil und sich
au einen Beziehungsmodus des pa ne scha lichen Aushandelns einläss “ (ebd .
2005, 336) .
Zusammen assend kann es gehal en we den, dass Selbs bes immung und
Empowe men im Kon ex ch onisch e k ank e Schüle innen und Schüle zu
eine S ä kung des Selbs we ge ühls, zu Fö de ung on gesundhei sbewuss-
em Ve hal en, zu Reduk ion on S igma isie ungen und schlussendlich auch
zu eine e besse en Lebensquali ä üh en können .
Hil smodelle ü den Un e ich ch onisch e k ank e
Schüle innen und Schüle
Um den He aus o de ungen gewachsen zu sein, die Un e ich ü ch onisch
e k ank e Schüle innen und Schüle mi sich b ingen kann ( an Dick 2006, 39),
we den an diese S elle zwei Modelle e läu e , die eine sei s den S a us de be-
o enen Kinde und Jugendlichen als Expe innen und Expe en ih e eigenen
Gesundhei un e s eichen (Gesundhei s-K ankhei s-Kon inuum) sowie ande-
e sei s einen un e ich sdidak ischen Ansa z au zeigen (Aneignungsdidak ik) .
Gesundhei s-K ankhei s-Kon inuum
„Bei Ihnen in de Klasse is alles gesund? […] In jede Klasse be inden sich Schüle /-
innen, die sich au dem Kon inuum gesund e sus k ank an i gendeinem Punk e
be inden, de nich olls ändig als gesund zu bezeichnen is . Dies is kein Thema,
das nu eine kleine G uppe on Schüle n/-innen be i , sonde n es be i iele .
Und dami g undsä zlich alle, die den Leh be u ausüben ode e was dami zu un
haben“ (S eins 2008, 11) .
Das Gesundhei s-K ankhei s-Kon inuum s ell die Annahme in den Vo de -
g und, dass Schüle innen und Schüle nich ein ach nu k ank ode gesund
sind, sonde n dass sich ih Gesundhei szus and (psychisch und soma isch)
kon inuie lich in einem wei en Be eich zwischen diesen beiden Polen bewe-
gen kann . Das Gesundhei s-K ankhei s-Kon inuum e s eh die e schiede-
nen Zus ände on Gesundhei und K ankhei als ein dynamisches, ließendes
Spek um, ans a sie als zwei oneinande s ik ge enn e und s a ische Zu-
s ände (Ex eme) zu be ach en . An einem Ende des Kon inuums be inde sich
de Zus and ( olls ändige ) Gesundhei . Am ande en Ende be inde sich de
Zus and schwe e K ankhei (ode soga Tod) . Zwischen diesen Polen gib es
eine Vielzahl on Zus änden, die e schiedene G ade on Gesundhei ode
K ankhei wide spiegeln .
doi .o g/10 .35468/6197-07
98
E win Di sios
Ans a Gesundhei und K ankhei als Gegensä ze zu sehen, e möglich dieses
Modell, die e schiedenen Nuancen menschliche Gesundhei zu e s ehen
und s eh dami einem medizinisch o ien ie en De izi modell gegenübe :
„Das medizinische, indi iduelle Modell is o z seine be ei s langen Geschich e
noch nich so ech aus de Mode gekommen und inde wei e hin in e schiedenen
S udien Anwendung . Im Fokus s eh das indi iduelle De izi eine Pe son, welches
es zu diagnos izie en, beheben ode wenigs ens zu linde n gil “ (Luds ock 2023, 6) .
Die Me kmale des Modells des Gesundhei s-K ankhei s-Kon inuums zielen
da au ab, die Dynamik de Gesundhei da zus ellen . Gesundhei wi d nich
als s a ische Zus and e s anden, sonde n als ein dynamische P ozess, de
du ch e schiedene Fak o en beein luss wi d, wie z . B . gene ische Ve anla-
gung, Lebenss il, Umwel ak o en, E näh ung und psychosoziale Aspek e . Ein
Mensch kann sich dahe s ändig zwischen den Polen des Kon inuums bewe-
gen . Menschen können sich an un e schiedlichen Posi ionen des Kon inuums
be inden, die je nach ih e kö pe lichen, men alen und emo ionalen Ve as-
sung a iie en . Zum Beispiel könn e eine Pe son gesundhei lich ela i s abil
sein, jedoch kleine e gesundhei liche Einsch änkungen haben, die sie abe
nich als k ank bezeichnen wü de .
Jede Mensch ha sowohl gesunde als auch k anke An eile, niemand is ausschließ-
lich zu 100%k ank ode zu 100%gesund . Dieses Gleichgewich zwischen gesun-
den und k anken An eilen kann man mi dem Bild de Waage e gleichen ode wie
einen Balken be ach en, au dem das ak uelle Be inden/Gesundhei sge ühl imme
wiede neu einges ell wi d, meh Rich ung Gesundhei , ein ande es Mal meh Rich-
ung K ankhei “ (Damm 2022, 16) .
De Übe gang on Gesundhei zu K ankhei ode umgekeh e olg o
schleichend und kann e schiedene Zwischens u en um assen, wie e wa das
Vo liegen on leich en Symp omen ode das Fehlen olls ändige K ankhei s-
bilde . Wie die Beg i lichkei en on Gesundhei und K ankhei e leb und
wah genommen we den, häng ausschließlich om be o enen Indi iduum
ab . As hma als ch onische E k ankung beispielsweise kann on bes imm en
Schüle innen und Schüle n als leich e Einsch änkung ehe une heblich emp-
unden we den, wäh end sich ande e s a k beein äch ig ühlen . De subjek-
i e Zus and spiel eine zen ale Rolle in de Zuo dnung zu einem bes imm en
Punk im Kon inuum . K ankhei wi d im Gesundhei s-K ankhei s-Kon inuum
nich nu als Nega i zus and, sonde n als Übe gang und po enzielle Wende-
punk e s anden . Ein K ankhei sp ozess könn e du ch medizinische In e -
en ion, eine Ände ung des Lebenss ils ode eine psychische S abilisie ung
übe wunden und de Gesundhei szus and wiede e besse we den .
doi .o g/10 .35468/6197-07
99
Kinde und Jugendliche als Expe innen und Expe en
Zusammen assend läss sich es hal en: Das Modell des Gesundhei s-K ank-
hei s-Kon inuums e möglich einen um assende en, lexible en Blick au die
menschliche Gesundhei . Es e deu lich , dass sich de Gesundhei szus and
on Menschen kon inuie lich e ände –beein luss du ch gesundhei s ö -
de nde ebenso wie du ch k ankmachende Fak o en .
Aneignungsdidak ik
Die Aneignungsdidak ik e i eine didak ische Pe spek i e, in de Le nen
als ak i e , subjek i e und sinns i ende P ozess e s anden wi d . Sie is eng
mi de kons uk i is ischen Le n heo ie e bunden, die da on ausgeh , dass
Le nen ein ak i e und selbs ges eue e P ozess is , bei dem Le nende neue
In o ma ionen in ih e bes ehende Wissenss uk u in eg ie en .
De Beg i Aneignung bezieh sich da au , dass Wissen nich passi au genom-
men, sonde n ak i du ch die Le nenden selbs e schlossen und e inne lich
wi d . In diesem Kon ex wi d Le nen als ein P ozess de Bedeu ungszuwei-
sung e s anden, bei dem Le nende neue Inhal e in Bezug au ih e Vo e ah-
ungen und Vo s ellungen eino dnen (Klemen 2020) .
Die Aneignungsdidak ik be on die Bedeu ung on Kon ex und Mo i a ion
beim Le nen . Sie geh da on aus, dass Le np ozesse s ä ke on den indi idu-
ellen Bedü nissen, In e essen und Vo e ah ungen de Le nenden abhängen,
als on eine ein on Leh pe sonen ges eue en Wissens e mi lung . So wi d
de Le np ozess als ko-kons uk i e und dynamische P ozess gesehen, in
dem Leh pe sonen als Le nbeglei e und nich als alleinige Wissens e mi le
ungie en .
Ein zen ale Aspek de Aneignungsdidak ik is die Di e enzie ung des Un-
e ich s, um den un e schiedlichen Le n o ausse zungen und -s ilen ge ech
zu we den .
„De indi idualisie ende Un e ich ich e seinen Fokus demnach au das le nende
Subjek und dessen En wicklung: Le nen wi d dann e ek i , wenn emo ionale und
si uie e P ozesse, hohe Selbs ä igkei , pädagogische Koope a ion und Selbs be-
s immung ha monisch ineinande g ei en . Das Objek de einen Beleh ung wandel
sich kon inuie lich zum Subjek eigene (sys ema isch angeeigne e ) Le n ä igkei “
(Klemen 2006, 5) .
Dies bedeu e , dass Le np ozesse iel äl ig ges al e und an die e schiedenen
Fähigkei en und In e essen de Le nenden angepass we den müssen . Dazu
gehö en un e ande em koope a i e Le n o men, p ojek basie es Le nen
ode die Nu zung on Medien und digi alen We kzeugen, die den Le nenden
eine ak i e Rolle im Le np ozess e möglichen (Winkle 2007) . In de P axis
ziel die Aneignungsdidak ik da au ab, die Le nenden zu eigens ändigem
und k i ischem Denken zu be ähigen . Sie ö de nich nu den einen Wis
doi .o g/10 .35468/6197-07