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GSEducationalVersion Entwicklung eines Umnutzungskonzepts für das Bauhofgelände im Altonaer Volkspark Zusammenspiel von Ressourcenschutz, gesundheitsfördernder Raumgestaltung und Partizipation
Masterthesis im Studiengang Architektur HafenCity Universität Hamburg Erstprüferin: Prof. Dipl-Ing. Antje Stokman Zweitprüfer: Prof. Dipl-Ing. Karsten Schlesier Vorgelegt von: Carolin Zillikens Hamburg, 11.04.2023 Matr. Nr.: 6028598
Einleitung 1 Gesundheitsfördernde Raumgestaltung 3 Einflussfaktoren der Natur Beziehung zwischen Natur und Gestaltung Ressourcenschutz 9 Definition Baustoffeinsatz Erhaltung von Bestandsgebäuden Partizipation 15 Wertschätzung durch Partizipation Flexible und adaptive Nutzung Gemeinschaftsbildung Zwischenfazit 19 Der Volkspark 21 Historie Geländeanalyse 25 Historische Entwicklung Rechtliche Gegebenheiten Der heutige Bestand Der Verein 41 Vereinskonzept Nutzergruppen und Organisation Bedarfe und Wünsche Partizipativer Planungsprozess Entwurf 49 Gestaltungsprinzipien Nutzungskonzept Gestaltungskonzept Maßnahmenkatalog Nutzung 79 Ausblick 91 Literaturverzeichnis 92 Abbildungsverzeichnis 94 Inhalt
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Entwicklung eines Umnutzungskonzepts für das ehemalige Gelände des Bauhofs im Altonaer Volkspark, auf dem der Verein Heilende Stadt e.V. einen Heilund Bewegungsgarten aufbauen möchte. In diesem Konzept soll durch verschiedene Analyseschritte das Potenzial des Geländes – und insbesondere der Gewerbehalle im hinteren Bereich des Grundstücks – herausgearbeitet werden. Die Arbeit beginnt mit einer theoretischen Einführung in die drei übergeordneten relevanten Themen gesundheitsfördernde Raumgestaltung,Ressourcenschutz und Partizipation in den ersten drei Kapiteln, die im weiteren Verlauf auf ein konkretes Beispiel angewendet werden. Nach einem Zwischenfazit folgt ein kurzer Abriss zur historischen Entwicklung des Altonaer Volksparks und weiter die Vorstellung und Analyse des Grundstücks. Der zukünftige Nutzer, der Verein Heilende Stadt e.V., wird mit seinen Anforderungen an das Gelände im nächsten Kapitel vorgestellt, bevor dann der Entwurf mit Außenund Innenraumkonzept sowie die späteren Nutzungsszenarien erläutert werden. Die Entwurfsausarbeitung erhebt nicht den Anspruch genauso umgesetzt zu werden.Vielmehr soll aufgezeigt werden, dass es neben dem, vom Bezirksamt präferierten Abriss der Halle, auch noch viele verschiedene Handlungsoptionen für eine zukunftsweisende Nutzung der Halle gibt, die zudem dem benötigten räumlichen Bedarf des Vereins gerecht werden und in das gesundheitsfördernde Leitbild des Volksparks passen. 1 Einleitung
Gesundheitsfördernde Raumgestaltung
Definition Wenn von Ressourcen und deren Schutz gesprochen wird, sind damit häufig „energetische, materielle und finanzielle Ressourcen“ gemeint (Hartwig et al., 2021, S. 4). Das Thema des Ressourcenschutzes lässt sich aber sowohl auf die bauliche Umwelt als auch auf den Menschen selbst beziehen. Zum einen werde es in Zukunft immer wichtiger, Baustoffe und bestehende Gebäude wiederzuverwenden, statt sie neu zu produzieren. Zum anderen sei in den letzten Jahren zu beobachten, dass die physischen und psychischen Ressourcen des Menschen durch Bewegungsmangel und psychische Erkrankungen gerade in Städten immer weiter schwinden. Dem müsse mit ganzheitlichen Sportund Gesundheitsangeboten entgegengewirkt werden. Darüber hinaus gebe es in unserer Gesellschaft noch andere immaterielle Ressourcen, wie zum Beispiel das Wissen über traditionelle Bauweisen, welche im Gegensatz zu den anderen Ressourcenarten nur erhalten blieben, wenn sie eingesetzt würden. (Hartwig et al., 2021, S. 4) Anpassung Entsorgung Kompostierung Rohstoffwachstum nicht nachwachsender Rohstoff nachwachsender Rohstoff Nutzung Wiederverwendung von Bauteilen technische Wiederverwertung von Materialien Rückbau Aufarbeitung Trennung Aufbereitung Sekundärrohstoff Baustoff biologische Wiederverwertung von Materialien Instandsetz ung Bau Nutzung von Bauwerken Wiederverwendung von Bauwerken Nutzung Instandhaltung Nutzung Nutzung Instandhaltung Nutzung Rückbau Nutzung Instandsetz ung Nutzung Sanierung / Umbau Nutzung Instandhaltung Nutzung Instandsetz ung Nutzung 10 Abb. 2: Materiallebenszyklus
Baustoffeinsatz Unser Wirtschaftssystem hat sich im letzten Jahrhundert in eine Richtung entwickelt, die mit heutigen Ansprüchen an Klimaund Ressourcenschutz nicht mehr vereinbar ist. Dirk E. Hebel und Felix Heisel gehen diesem Thema in ihrem Buch „Besser – Weniger – Anders Bauen“ auf den Grund und beschreiben unter anderem, dass in der Bauwirtschaft heute der größte Teil der auf der Erde vorhandenen Rohstoffe einfach verbraucht und nach ihrer Nutzungsdauer unter nochmaligem Energieeinsatz und Ausstoß von Treibhausgasen entsorgt würde, ohne dass das Recyclingpotenzial ausgenutzt werde. Die Folgen dieses Handelns würden wir bereits deutlich spüren, sei es die Knappheit des Sandes, welcher zur Herstellung von Beton benötigt wird, oder die daraus resultierenden, immer weiter steigenden Preise für Baustoffe. Um von diesen endlichen Materialressourcen unabhängiger zu werden, sei es von großer Bedeutung, neue Strategien im Bereich des Materialrecyclings zu entwickeln. Unsere gebaute Umwelt biete dafür ein erhebliches Potenzial, denn grundsätzlich sei die Lebensdauer vieler Baustoffe länger, als die der Gebäude, in denen sie verbaut würden. Problematisch sei bisher allerdings zum einen die Art des Einbaus wie die Verklebung und Beschichtung von Baustoffen. Zum anderen sei die Herstellung von Verbundbaustoffen, beispielsweise Wärmedämmverbundsystemen, sowie Stahlbeton und Holzwerkstoffplatten, die nach der Nutzung nicht mehr sortenrein in ihre einzelnen Grundstoffe getrennt werden könnten, ein Problem. Ein weiteres Beispiel der großen Bedeutung des Materialrecyclings bildet die Herstellung von Aluminium. Im Vergleich zu konventionell hergestelltem Material sei die Herstellung von 100 % recyceltem Aluminium nur ein Zehntel so umweltschädlich (Zeumer et al., 2014, S. 44). Neben dem Bestreben in Zukunft andere Bautechniken zu entwickeln, um zukünftige Bauten als sogenannte urbane Mine verwenden zu können, gehe es vor allem um den Umgang mit dem Bestand. Hierbei beschreiben Hebel und Heisel drei Ansätze, zwischen denen es zu unterscheiden gelte: „die Wiederverwertung von Materialien (durch bessere Aufbereitungsprozesse), die Wiederverwendung von Bauteilen und Produkten (durch einen Wandel vom Abriss zum Rückbau) und die Wiederverwendung von Bauwerken (durch Umbau statt Neubau [...])“ (Hebel & Heisel, 2022, S. 31). Die ersten beiden Ansätze, die sich auf den Materialund Bauteillebenszyklus beziehen, sind in Abbildung 2 genauer dargestellt. Abbildung 3 auf der nächsten Doppelseite zeigt den Zyklus zur Wiederverwendung von Bauwerken. Die Definition von Abriss und Rückbau unterscheidet sich dahingehend, dass der Abriss lediglich die Freimachung des Grundstücks zum Ziel habe, während beim Rückbau die geordnete Zerlegung des Gebäudes mit technischen Hilfsmitteln im Vordergrund stehe. Bisher würden nahezu alle nicht mehr benötigten Bauwerke abgerissen und nicht rückgebaut, was aus rein wirtschaftlicher Sicht auch sinnvoll erscheine, denn bisher seien die Materialkosten immer noch geringer als der finanzielle Aufwand, der betrieben werden müsste, um ein Gebäude sortenrein zurückzubauen. Wenn man allerdings die ökologischen und kulturellen Werte, wie die Abfallreduzierung auf 11
Deponien oder die Wiederverwertung und -verwendung von Baumaterialien in die Betrachtung miteinbeziehe, sei der Rückbau um einiges effizienter als der Abriss. (Hebel & Heisel, 2022, S. 30–33) Erhaltung von Bestandsgebäuden Der Ansatz der Wiederverwendung von Bauwerken ist für die vorliegende Arbeit besonders relevant, da es im konkreten Fall darum geht, die bestehenden Gebäude zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen. In unserem heutigen Gebäudebestand gebe es eine Vielzahl von Gebäuden, die nur aufgrund von wechselnden Nutzungsansprüchen abgerissen würden, da der Umbau aus wirtschaftlicher Sicht zu aufwändig wäre. Dieser Praxis solle in Zukunft durch eine vorausschauende Planung im Hinblick auf die angestrebte Nutzung und potentielle Nutzungsänderungen entgegengewirkt werden. Denn trotz aller Bestrebungen Baustoffe wiederzuverwenden, sei die Umnutzung von ganzen Gebäuden immer noch die beste Variante um die Umwelt zu schützen. Dabei sei es sinnvoll, schon in der Planung die jeweiligen Gebäude in Nutzungstypen einzuteilen, um daraus die Materialwahl abzuleiten. Je höher der angenommene Grad des Nutzungswechsels ist, desto mehr solle darauf geachtet werden, dass der Aufwand für spätere Umbauten so gering wie möglich gehalten werde. Dieser könne sonst schnell den Primärenergieanteil zur Gebäudeerstellung am Gesamtenergiebedarf im Lebenszyklus des Gebäudes überschreiten. Bei einem, durch Standortanalyse prognostiziertem, niedrigen Nutzerwechel könne es jedoch auch sinnvoll sein, auf Langlebigkeit der verwendeten Baustoffe zu achten, statt auf besonders hohe Flexibilität. (Zeumer et al., 2014, S. 55–60) Die Energie, die für die Produktion von Baumaterialien, den Bau der Gebäude und die damit verbundene Transportlogistik aufgewendet würde, bilde bei den meisten Gebäuden einen nicht unerheblichen Anteil am Gesamtenergiebedarf. Dazu komme noch die Energie für einen Abbruch und die Entsorgung der Materialien, daher sollte baulicher Bestand erhalten und energetisch aufgewertet werden, um auch den Betriebsenergiebedarf zu senken. (Bahner et al., 2021, S. 17) Zudem müssten sich, laut Forderung aus den Vorschlägen für eine Muster(um)bauordnung von Architects for Future, auch bauordnungsrechtliche Rahmenbedingungen ändern, um zum einen die Umnutzung von Gebäuden zu vereinfachen und zum anderen den Abriss von Gebäuden nur unter bestimmten Bedingungen zu ermöglichen. (Architects for Future Deutschland e.V., 2021) 12
13 Rohstoffe Instandsetzung Entsorgung Rückbau Nutzung Instandhaltung Umbau Baustoff Recycling Abriss Bau Bauschutt Abb. 3: Gebäudelebenszyklus
Partizipation
Wertschätzung durch Partizipation Partizipatorisches Planen und Bauen werde in der heutigen Zeit immer wichtiger, da unsere Gesellschaft zunehmend die Beteiligung an der Planung von Veränderungen in ihrem Umfeld einfordert. Susanne Hofmann, Professorin am Fachgebiet Entwerfen und Baukonstruktionen der TU Berlin, beschreibt in ihrem Buch „Partizipation macht Architektur“ die damit einhergehenden Herausforderungen, vor denen der oder die planende Architekt*in steht. Im Kern gehe es darum, die Umsetzung der Entwurfsidee mit den Nutzerwünschen und -vorstellungen in Einklang zu bringen und dabei die Nutzer*innen als gleichberechtigte Partner*innen im Planungsprozess anzuerkennen. Das Alltagswissen der Nutzer*innen über den Gebrauch eines Gebäudes sei für den oder die Architekt*in von essentieller Bedeutung, denn jeder Mensch habe andere Vorstellungen und individuelle Lebensweisen. Es bedürfe also einem intensiven Austausch zwischen allen an der Planung Beteiligten. (Hofmann, 2014, S. 8ff.) Peter Hübner, deutscher Architekt und Vorreiter in Sachen Partizipation, ist der Ansicht, dass nicht das ästhetische Erscheinungsbild eines fertig errichteten Gebäudes entscheidend sei, sondern sein Innenleben, die Zufriedenheit der Nutzer- *innen und die Identifikation mit dem geBETEILIGUNG 16 Abb. 4: Beteiligung
bauten Objekt. Es sei von größter Bedeutung, die eigenen gestalterischen Ansprüche an die Architektur hinter die Kreativität und Nutzungsansprüche der künftigen Nutzer*innen zu stellen. (Hofmann, 2014, S. 14) Diese Identifikation der Nutzer*innen mit dem Gebäude habe zur Folge, dass das Gebäude nachhaltig nutzbar sei und der Baubestand geschont wird – etwas das selbst mit geplant oder gebaut wurde, werde als eigene Leistung wertgeschätzt und nur in seltenen Fällen zerstört. Selbst die Beteiligung an Umgestaltungsprozessen von beispielsweise öffentlichen Freiräumen in der Nachbarschaft, die also nicht den direkten Lebensmittelpunkt betreffen, könne einen positiven Einfluss auf die Akzeptanz der Projekte haben. Partizipation müsse also so früh wie möglich in den Planungsprozess eingebaut werden, damit die Nutzer*innen eine echte Chance hätten, Dinge mit zu entscheiden und nicht schon alle Entscheidungen festgelegt seien. So sei es möglich Konfliktpunkte bereits in der Planungsphase zu lösen. Da die sogenannte „Phase Null“ aber nicht explizit als Planungsleistung des oder der Architekten*in definiert ist, werde sie häufig außen vor gelassen mit dem Argument des zusätzlichen Zeitaufwandes. (Hofmann, 2014, S. 8ff.) Partizipation könne nicht nur in der Projektentwicklung und im Planungsprozess eines Gebäudes eingesetzt werden, sondern auch in der Bauphase oder der späteren Nutzung und Umnutzung. Beispielsweise sei es in den Niederlanden üblich, neu gebaute Wohnungen und Häuser in einem erweiterten Rohbauzustand an die Nutzer*innen zu übergeben. Das habe den großen Vorteil, dass die sofort anstehenden Baukosten dort deutlich geringer seien, als im europäischen Vergleich. Zudem könnten sich die späteren Bewohner*innen durch zum Beispiel selbstausgesuchte Bodenbeläge und Einbauküchen einen stärkeren emotionalen Bezug zu ihrer Umgebung aufbauen, was die Zufriedenheit erhöhe. Darüber hinaus würden durch den individuellen Ausbau ein unnötig hoher Ressourcenverbrauch sowie hohe Kosten verhindert, welche zum einen durch den Einbau von nicht bedarfsgerechter Ausstattung und zum anderen aus der Realisierung von komplexen Sonderlösungen zustande kommen könne. Durch den Selbstausbau reduziere sich die Ausstattung also auf das wirklich notwendige, welches auch mit einfachen Mitteln hergestellt werden könne. Bei allen Vorteilen und dem weitverbreiteten Traum vom selbstgeschaffenen Eigenheim solle auch immer das nötige Know-how, der Zeitaufwand und eine mögliche Entscheidungsüberforderung mit berücksichtigt werden. (Drexler, 2021, S. 70f.) Auch in den bereits erwähnten Umgestaltungsprozessen von öffentlichen Räumen wie beispielsweise Schulgeländen, Parkanlagen oder Spielplätzen können Bürger*innen an der Umsetzung beteiligt werden – sei es durch gemeinsame Baumpflanzaktionen oder den Bau von Sitzgelegenheiten, was auch die Akzeptanz der Umgebung fördert. 17
Flexible und adaptive Nutzung Flexible und adaptive Nutzung sind, wie schon im Kapitel Ressourcenschutz beschrieben, wichtige Bausteine um die Lebensdauer eines Gebäudes verlängern zu können und das Zusammenspiel von Bewohner*innen und Gebäude zu verbessern. Der Unterschied in den beiden Begriffen, die häufig gleichbedeutend benutzt werden, definierte Steven Groák 1992 in seinem Buch „The Idea of Building“ in der Art der Anpassungsfähigkeit. Bei der flexiblen Nutzung eines Gebäudes sei dieses im Vorfeld so geplant worden, dass es durch unkomplizierte bauliche Anpassungen entweder temporär oder dauerhaft an neue Nutzungsanforderungen angepasst werden könne – beispielsweise durch das Herausnehmen von nichttragenden Wänden, das temporäre Verschieben von Trennwänden oder das Integrieren von multifunktionalen Einbaumöbeln. Die benötigte Wohnfläche könne so vergleichsweise gering gehalten werden. Im Gegensatz dazu beschreibe die adaptive Nutzung nutzungsneutrale Räume, die so angelegt wurden, dass sie ohne physische Anpassungen für verschiedene Nutzungen geeignet seien. Dabei müsse eine Mindestgröße von ca. 14 m² und eine ungefähr quadratische Grundfläche der einzelnen Räume gewährleistet sein, was zu einem erhöhten Flächenverbrauch führe. Es ist also eine Abwägungsfrage, welche Strategie im Einzelfall mehr Potenzial habe. (Drexler, 2021, S. 75–78) Beide Konzepte lassen sich auch auf Nichtwohngebäude wie beispielsweise Vereinsund Gemeinschaftsräume übertragen. In dem konkreten Fall der vorliegenden Arbeit wird das Konzept der adaptiven Nutzung Anwendung finden, in dem sich durch veränderliche Möblierung unterschiedliche Nutzungen abbilden lassen. Gemeinschaftsbildung Ein weiterer wichtiger Aspekt der Beteiligung sei die Möglichkeit, dass sich daraus eine Gemeinschaft entwickeln könne. Menschen mit gleichen Ansichten und Zielen finden sich zusammen und könnten so die sozialen Ressourcen eines Projekts stärken. Die beschriebenen Konzepte zur flexiblen und adaptiven Nutzung von Räumen ermöglichten auch eine gemeinschaftliche Nutzung dieser Räume von verschiedenen Akteur*innen, sei es zum Wohnen, als Treffpunkt in der Nachbarschaft oder als Ausstellungsfläche. Dies bringe wiederum eine effizientere Ausnutzung der vorhandenen Raumressourcen mit sich. Ressourcenschonendes Teilen lasse sich aber nicht nur auf Räume beziehen, sondern auch auf alltägliche Gebrauchsgegenstände. Nicht alles, was ab und zu gebraucht werde, muss extra gekauft werden, sondern könne in einer Nutzergemeinschaft geteilt werden. Dies schütze sowohl materielle, finanzielle als auch energetische Ressourcen. (Hartwig et al., 2021, S. 9) 18
19 Bestandsanalyse Nutzungsanalyse Nutzungskonzept Gestaltungskonzept Entwurfsausarbeitung Umsetzung Partizipation Rückkopplung durch Workshop Zwischenfazit In den vorangegangenen Kapiteln wurde unter anderem die Bedeutung von Bestandserhaltung, der Einsatz von kreislaufgerechten Baustoffen, die partizipative Aneignung von Freiflächen und Gebäuden sowie die Wirkung von Aufenthalt in der Natur zum Verständnis der Thematiken herausgearbeitet, um diese übergeordneten Grundprinzipien im Folgenden auf den konkreten Sachverhalt anzuwenden. Denn nur durch die Nutzung verschiedenster Arten von Ressourcen kann ein Projekt gelingen. Das nebenstehende Diagramm zeigt die Entwicklung des Projekts von der ersten Bestandsanalyse über den Einbezug der Nutzer*innen in das Nutzungskonzept bis hin zur fertigen Entwurfsausarbeitung. Abb. 5: Projektentwicklung
Historische Entwicklung Der Bauhof für die Pflege und Instandhaltung des Volksparks wurde in den 1920erJahren an der Schnackenburgsallee (heute August-Kirch-Straße) auf einem ca. 1600 Quadratmeter großen Gelände angelegt. Zunächst wurde nur eine Unterbringung für die Waldarbeiter errichtet, was die nebenstehende historische Karte von 1925 zeigt. Im Zeitraum zwischen 1957 und 1966 wurden weitere Bauten auf dem Gelände errichtet, um Material und Maschinen zu lagern. (Kulturbehörde, 2016) Im Jahr 2007 wurde angrenzend an den Schulgarten ein neuer Standort für den Bauhof errichtet, um den veränderten Platzanforderungen gerecht zu werden. In den folgenden Jahren stand das Gelände an der August-Kirch-Straße lange leer. Als Zwischennutzung hatte ein Waldkindergarten dort seine Anlaufstelle, und seit 2015 bemüht sich der Verein Heilende Stadt e.V. um die Nutzungsgenehmigung seitens des Bezirksamts Altona. Die rechte Abbildung zeigt den aktuellen Zustand des Geländes (eigene Aufnahme) in Kombination mit der Umgebung aus dem Orthofoto von 2022 (Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung, 2022). 26 Abb. 8: Historische Karte 1925, M 1:2500 Abb. 9: Historische Karte 1966, M 1:2500 Abb. 10: Luftbild aus eigener Aufnahme und Orthofoto, 2022
27 Rechtliche Gegebenheiten Das Grundstück liegt in einem Landschaftsschutzgebiet, was nebenstehender Baustufenplan von 1955 zeigt. 1971 wurde dies rechtlich verbindlich mit der „Verordnung zum Schutz bei Landschaftsteilen in der Gemarkung Bahrenfeld“ festgelegt. Schutzwürdig sind sowohl die besondere Pflanzenund Tierwelt als auch die Bodenbeschaffenheit. Dies bedeutet formal unter anderem, dass für jede bauliche Änderung an den Außenseiten bestehender Gebäude, welche eine Schädigung der Natur, eine Beeinträchtigung des Naturgenusses oder eine Verunstaltung des Landschaftsbildes zur Folge haben könnten, eine Genehmigung erforderlich ist, auch wenn dieselben Eingriffe in nicht geschützten Gebieten keiner bauordnungsrechtlichen Genehmigung bedürften. Darüber hinaus ergeben sich aus denkmalschutzrechtlichen Gesichtspunkten weitere Auflagen. Abb. 11: Baustufenplan von 1955
Der heutige Bestand Gebäude Auf dem Gelände befinden sich vier Gebäude. Das Waldhaus ist das älteste der Gebäude, es steht unter Denkmalschutz (Behörde für Kultur und Medien, 2023, Denkmal 17842) und bildet den Mittelpunkt des Geländes. Zu Zeiten der Bauhofnutzung wurden hier Duschen, Toiletten und Umkleideräume für die Waldarbeiter*innen zur Verfügung gestellt. Die Bausubstanz besteht aus Mauerwerk mit Holzverkleidung, das Dach ist mit Schieferschindeln gedeckt. Die Fenster wurden im Laufe des Leerstandes beschädigt und aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht durch das Bezirksamt Altona mit Siebdruckplatten verschlossen. Die Innenräume befinden sich in einem vergleichsweise schlechten Zustand, was unter anderem auf einen Wassereinbruch im Dach zurückzuführen ist. Daher wird das Gebäude seit Anfang 2023 durch das Bezirksamt Altona saniert. Weiter nördlich liegt eine Halle, welche das größte Gebäude auf dem Grundstück darstellt und als Maschinenlager genutzt wurde.An der Vorderseite befinden sich zwei große Sektionaltore. Das Dach besteht aus Trapezblechen und Lichtplatten und die Wände sind gemauert. Die Rückseite ist mit zwei kleinen Fenstern aus Glasbausteinen versehen. In den 1990er-Jahren wurde die Halle mit zwei GSEducationalVersion 28 Abb. 12: Geländeübersicht
29 zusätzlichen Stahlträgern und Stützen ertüchtigt. Links der Halle schließt sich eine Remise an, die teilweise als offener Unterstand ausgebildet ist. Der schmale, langgestreckte Flachdachbau bildet den westlichen Abschluss des Grundstücks zum Park hin.Am südlichen Ende des Geländes befindet sich eine Garage – ebenfalls ein Ziegelbau mit flach geneigtem Satteldach, einem Hauptraum mit zwei großen zweiflügeligen Holztüren und zwei angrenzenden Nebenräumen. Die Halle Die Garage Das Waldhaus Die Remise Abb. 13: Gebäude
N Oberflächen Der nebenstehende Lageplan zeigt die verschiedenen Oberflächenarten auf dem Gelände. Der zentrale Bereich des Grundstücks ist mit verschiedenen Arten von Pflaster oder Asphalt versiegelt. In den Randbereichen ist der Boden unversiegelt und die Vegetation geht in den umliegenden Wald über. Hinter der Halle liegt eine mit Gras bewachsene Lichtung, die teilweise zum Gelände gehört. Erde Gras Sukzessionsfläche Kopfsteinpflaster Sechseckpflaster Asphalt 30 GSEducationalVersionN Abb. 14: Oberflächen, M 1:500
Vegetation und Verschatttung Die besondere Qualität des Grundstücks liegt in der Einrahmung durch den umgebenden Baumbestand des Volksparks, der überwiegend aus Buchen und Eichen besteht. Im südlichen Bereich des Geländes befindet sich eine offene Vegetationsfläche, die von Bodendeckern und kleinen Sträuchern bewachsen ist. Davor wurden Hochbeete mit saisonaler Bepflanzung aufgestellt. Gegenüber des Eingangstores an der östlichen Hauswand des Waldhauses liegt ein Beet mit mehreren Kirschlorbeerpflanzen und einer Tanne. Im Zentrum des Geländes, zwischen Waldhaus und Halle, steht eine große Eiche, die im Sommer Schatten spendet und eine einladende Atmosphäre erzeugt. Der nebenstehende Lageplan zeigt die genordete Ausrichtung des Grundstücks und die damit verbundene Verschattung der einzelnen Bereiche. Der nördliche Hof wird vormittags besonnt und der südliche nachmittags. Der östliche und südliche Randbereich des Grundstücks wird durch die Kronen der Bäume stark verschattet. 31 Abb. 15: Vegetation, M 1:500 GSEducationalVersionN
Die Halle Da es für die Halle noch kein konkretes Nutzungskonzept seitens des Vereins gibt, gleichzeitig aber in diesem Bereich der größte Handlungsbedarf besteht, liegt hier der Schwerpunkt der weiteren Planung. Der Bezirk Altona sieht die Halle als Fremdkörper in dem denkmalgeschützen Umfeld des Volksparks an und würde sie daher gerne abreißen lassen. Um dem entgegenzuwirken sind im Folgenden die schon jetzt vorhandenen Vorteile der Halle dargestellt, welche das große Potenzial für die Erhaltung verdeutlichen. 32 Abb. 16: Halle von vorne Abb. 17: Halle von innen Abb. 18: Halle von hinten
33 Belichtung durch das Dach Die Dachbahnen mit durchsichtigen Lichtplatten bringen viel Licht in die Halle und erhöhen so deutlich die Aufenthaltsqualität. Lagermöglichkeiten Die Halle bietet einen wettergeschützten Platz um Sportund Veranstaltungsequipment zu lagern, es fehlt lediglich an Möbeln zur Aufbewahrung. Massive Wände Die solide Wandkonstruktion mit 24 cm starken Ziegelwänden bietet Schutz vor Wind und Wetter. Robuster Boden Der vorhandene Betonboden ist sehr strapazierfähig und somit sowohl für ausgelassene Partys als auch Bestuhlung geeignet. Zudem wird eine "ehrliche" Atmosphäre erzeugt. Großzügiger Raum Die Halle bietet, im Gegensatz zu den anderen Gebäuden, eine große zusammenhängende Fläche, die vielseitig genutzt werden kann. Überdachter Ort Die Überdachung der Halle bietet Schutz vor Witterungseinflüssen, sodass die Fläche bei jedem Wetter für Veranstaltungen und Kursangebote genutzt werden kann. Abb. 19: Vorteile der Halle
Aufmaß der Halle Für die weitere Planung war eine genaue Bestandsaufnahme der Halle notwendig. Da dem Bezirksamt keine Baupläne der Halle vorliegen, wurden die Daten selbst erhoben. Das Aufmaß der Gebäude erfolgte photogrammmetrisch mit Hilfe des Prinzips Structure-from-Motion (SfM). SfM ist eine Methode um aus einer Reihe von 2D-Bildern eine 3D-Struktur zu erstellen. Dafür können auch Bilder von nicht kalibrierten Kameras genutzt werden und es werden nicht zwangsweise Passpunkte benötigt – so wird die Aufnahme mit handelsüblichen Kameras und ohne spezielle Messtechnik möglich. Um aus den Bilddaten ein 3D-Oberflächenmodell zu erzeugen, werden automatisiert identische Punkte in den verschiedenen Bildern identifiziert. Aus diesen Verknüpfungen können die äußere (Lage und Ausrichtung der Kamera im Raum) und innere Orientierung (Brennweite, Lage des optischen Mittelpunktes zum Sensor, Verzeichnung) sowie die Lage der Verknüpfungspunkte bestimmt werden. Diese erste Punktwolke kann weiter verdichtet werden und dann mittels Vermaschung (siehe Abb. 20) ein Oberflächenmodell erzeugt werden (siehe Abb. 21). Sofern nicht weitere Daten wie Koordinaten der Kameras aus einem Satellitennavigationssystem (Global Navigation Sa34 Abb. 20: Dreiecksvermaschtes Modell Abb. 21: Oberflächenmodell
35 tellite System, GNSS) oder ähnlichem zur Verfügung stehen, ist dieses Modell zwar maßstäblich, aber der Maßstab und die Ausrichtung unbekannt. (Luhmann, 2018, S. 491f.) Die Aufnahme der Bilder erfolgte hauptsächlich mittels eines Multikopters (DJI Mini 2), ergänzt um terrestrische Bilder einer Spiegelreflexkamera und eines Smartphones. Das Smartphone und der Multikopter verfügten hierbei über GNSS, sodass hieraus der Maßstabsfaktor und die Lage berechnet werden konnten. Unterstützend wurden die Grundmauern der Halle mittels Maßband eingemessen und codierte Verknüpfungsmarker am Gebäude angebracht. Die Berechnungen der Daten erfolgte in einer Structure-from-Motion-Software (Agisoft Metashape und OpenDroneMap), anschließend wurden die Daten in CAD an die manuelle Messung angepasst. 4,5654,00 1,33 2,49585 35 18,50 2,26 3,22 3,33 6,0756,5759,32 9,42 10,37 12,65 25 3,29 6,45 9,58 12,76 13,18 13,42 15,72 18,62 25 13 96 95 15 13 50 13,24 A A BRH: 1,38 72 BRH: 1,38 72 2,81 3,885 N GSEducationalVersionN Schnitt A-A Abb. 22: Aufmaß, M 1:200 Abb. 23: Texturiertes Oberflächenmodell
Bewegungs wiese Sportund Bewegungsdeck Heilgarten Nördlicher Hof für Veranstaltungen Südlicher Hof für Veranstaltungen Garage mit Werkstatt DraußenKüche Verleihdepot Büro und Info-Treff Vereinskonzept Der Verein Heilende Stadt e.V. gründete sich 2013 mit dem Bestreben, gesundheitsfördernde Projekte in der Stadt mit Bezug zur Natur aufzubauen. In den ersten Jahren fanden Green-Gym-Projekte, Naturcamps und andere Veranstaltungen in verschiedenen Hamburger Parks statt, da dem Verein keine eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung standen. Das soll sich nun mit der Nutzung des alten Bauhofgeländes ändern. Seit 2015 steht der Verein mit dem Bezirksamt Altona in Kontakt und bemüht sich mit großem Engagement um die Nutzungserlaubnis und Finanzierung des Instandsetzungsbedarfs auf dem Grundstück. Bis zum Juni 2023 wird ein Teil des Geländes instandgesetzt, sodass der Verein das Gelände dann vollumfänglich nutzen kann. Ziel des Konzeptes ist es, die schon bestehenden Angebote sowie neue Angebote an einem zentralen Ort zusammen zu führen und daraus einen Bewegungsund Heilgarten zu entwickeln. Die Angebote kommen aus den Bereichen Sport, Bewegung, Achtsamkeit, sinnlich-körperliche Naturerfahrung, Integration von Menschen mit Handicap oder Geflüchteten und gesunder Ernährung, welche sich auch in dem Fachwissen und den Fähigkeiten der rund 30 aktiven Menschen in dem Projekt widerspiegeln. Diese Angebote ergänzen sich optimal mit den schon vorhandenen Parksport-Angeboten und Entwicklungszielen des Volksparks. Zudem kann das Gelände als Startund Endpunkt für Führungen oder dergleichen im Volkspark genutzt werden. Die Organisation erfolgt in Eigeninitiative mit interessierten Freiwilligen und in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Einrichtungen in der Umgebung. Dadurch soll die Gemeinschaftsbildung und das Engagement in und um den Altonaer Volkspark verstärkt werden, da es bisher keine Bürgerinitiative gibt, die sich um Hamburgs größten Park kümmert. Um die Angebote des Heilgartens im Stadtteil bekannter zu machen und so eine weitere Rechtfertigung zur Nutzung seitens der Stadt zu erarbeiten, sind eine breite Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationen mit der Stiftung Alsterdorf, der Schule Kielkamp und verschiedenen Sportvereinen geplant. In Abbildung 28 sind die Bausteine des Konzepts in ihrer räumlichen Beziehung zueinander dargestellt: eine mobile Draußen-Küche, eine Sportund Bewegungsfläche, ein Heilgarten mit Wildkräutern und -pflanzen, das Waldarbeiterhaus mit Büro und Info-Treff, ein Verleih-Depot für Sportausrüstung und eine Bewegungswiese. In 2023 soll neben der Sanierung des Waldarbeiterhauses auch der Bau der Draußen-Küche erfolgen, um diese für eine teilweise Refinanzierung des Projekts zu nutzen. 42 Abb. 28: Vereinskonzept
43 Nutzergruppen und Organisation Der Verein besteht aus einer Kerngruppe, die sich kontinuierlich alle zwei Wochen trifft. Dort werden Handlungsbedarfe besprochen und verbindliche Aufgaben verteilt, um den Heilgarten weiter aufzubauen. Darüber hinaus gibt es offene Treffen im Heilgarten für alle, die sich nicht in einer kontinuierlichen Verantwortung binden möchten, aber trotzdem gerne am Feuer zusammensitzen, reden, lachen und ein nettes, offenes Miteinander in der Natur genießen möchten. Diese zwei Gruppen entstanden aus der Problematik heraus, die verschiedenen Ansprüche an den Verein zusammenzubringen – einerseits die momentan noch fehlende Strukturierung und Verantwortlichkeiten und andererseits das Bestreben, ein paar ungezwungene Stunden am Lagerfeuer zu verbringen. Nutzer*innen des Volksparks Sportvereine Kerngruppe Kursanbieter*innen Stadtteilbewohner*innen, besonders Familien und Senior*innen Menschen mit gesundheitlichen Problemen, Handicap Abb. 29: Nutzergruppen
Die Fläche soll überdacht sein Fläche (mind. 10 x 10 m) für Sportund Bewegungsangebote Lagermöglichkeiten für Stühle, Sitzkissen etc. Die Halle soll verschließbar/ öffenbar sein, je nach Wetter und Jahreszeit mit Blickbezügen in die Natur Möglichkeit zum Heizen in der Wintersaison Möglichkeiten zur Lautstärkereduktion bei Regen Der Boden sollte aus Holz sein Die Halle sollte innen Bepflanzung ermöglichen Die Halle sollte für Veranstaltungen nutzbar sein mit potenziell einem Bühnenbereich/ Leinwand und ca. 30–40 Sitzmöglichkeiten Bedarfe und Wünsche Um die in Zukunft geplanten Angebote auf dem Gelände umsetzen zu können, wünscht sich der Verein einen wetterunabhängigen Ort mit großer nutzungsneutraler Freifläche. Nebenstehend sind die ersten Ideen und Wünsche des Vereins dargestellt, die in Gesprächen mit Norbert Nähr, dem Gründer und Vorstandsmitglied des Vereins, kommuniziert wurden. Die überwiegende Mehrheit der Vereinsmitglieder*innen war zunächst ebenso wie das Bezirksamt Altona der Meinung, die Halle zumindest teilweise abzureißen und die Fläche mit einer offenen Zeltdachkonstruktion und eventuell mit der vorhandenen Tragkonstruktion und dem Betonboden zu nutzen. Inzwischen hat sich diese Ansicht seitens des Vereins jedoch grundlegend geändert, da die Möglichkeiten, die der Erhalt der Halle bietet, von großem Vorteil sind. Nach Abwägung der in Abbildung 31 dargestellten Vorund Nachteile von Abriss oder Umnutzung der Halle lässt sich diese Ansicht bestätigen. Besonders der zuerst angedachte Teilabriss der Halle würde hohe Kosten und einen großen statischen Aufwand bedeuten. Ein Komplettabriss wäre unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten negativ zu bewerten, da sich die Bausubstanz augenscheinlich in einem nutzbaren Zustand befindet. 44 Abb. 30: Bedarfe und Wünsche
Weniger Nutzungsmöglichkeiten Teilabriss / Abriss Hohe Kosten Nicht ressourcenschonend Mehr Gestaltungsfreiheit Hoher Genehmigungsaufwand Ressourcenschonend Geringere Kosten Keine statische Neuberechnung Weniger Gestaltungsfreiheit Mehr Nutzungsmöglichkeiten Umnutzung 45 Abb. 31: Abriss oder Umnutzung
Partizipativer Planungsprozess Workshop im Heilgarten Nach einer grundlegenden Geländeanalyse wurde Mitte Dezember 2022 ein Workshop mit einigen Mitglieder*innen des Vereins durchgeführt. Ziel war es, die Bedarfe und Wünsche für die Halle in den Bereichen Fußboden, Wärmeerzeugung, Pflanzen, Öffnungen, Regenschall und mobile Innenmöblierung zu konkretisieren, um so die Ansprüche an die Nutzung besser zu verstehen und die Mitglieder*innen des Vereins in den Planungsprozess einzubeziehen. Eigentlich war geplant, dass die Teilnehmer*innen dies anhand von einem Modell und Zeichnungen visuell darstellen, was aber aufgrund der Kälte nicht zielführend gewesen wäre. Stattdessen wurde über verschiedene Varianten gesprochen und sich zwischendurch an der vor der Halle aufgestellten Feuerschale gewärmt. So entstand eine konstruktive Diskussion, in der sich die einzelnen Persönlichkeiten mit ihren Erfahrungen einbringen konnten und sich so mit dem Vorhaben identifizierten. Als Fazit lässt sich sagen, dass sich die Teilnehmer*innen die Erarbeitung erster konkreter Handlungsschritte wünschen, die sie in Eigenleistung mit überschaubarem Aufwand realisieren können. Wärmebox: Erlebnis des großzügigen Hallenraumes und die Öffnung zur Natur werden eingeschränkt Dagegen Nutzen abwägen Jahreszeitlich angepasste Nutzung sehr wahrscheinlich – „mit der Natur leben“ Wärme durch biologische Aktivierung denkbar Fußboden: Fester Holzfußboden nicht für alle geeignet, ggf. temporäre Abdeckung Holzplatten schwierig, dürfen keine scharfen Kanten haben und nicht zu schwer sein Dämmung in aufgeständertem Boden von Vorteil Judomatten flexibler aber auch teuer Lagerung mit einplanen, nicht nur in die Ecke stapeln Boden so lassen wie er ist („robust, ehrlich“) 46 Abb. 32: Workshop
47 Öffnungen: Blick/Öffnungen und Terrasse nach hinten wichtig Öffnungen an rechter Wandseite kritisch diskutiert (Bereich sehr schmal, nicht besonnt, zu viele Öffnungen = Wärmeverlust) Pflanzen: Gerne mobile und/oder feste Pflanzkübel im Innenraum Bei mobilen Boxen Gewicht der Erde beachten →Schwerlastrollen Für außen im ersten Schritt Fokus auf Wandbegrünung statt Dachbegrünung Regenschall / Dachbegrünung: Dachbegrünung grundsätzlich gut Verdunkelt die Begrünung die Halle zu stark? Stehen die Kosten im angemessenen Verhältnis zum Nutzen? Wie oft regnet es so heftig? Regen akzeptieren = Naturverbindung Mobile Innenmöblierung: Beweglichkeit nach draußen evtl. schwierig Untergrund muss befestigt sein Abb. 33: Aufwärmen am Feuer
Entwurf
Ressourcenschutz Bei der Umgestaltung der Halle sollte auf einen möglichst geringen Eingriff in den Bestand und den Erhalt der vorhandenen Bausubstanz geachtet werden. Bezug zur Natur Der Bezug zur umgebenden Natur ist sowohl für das Konzept des Vereins als auch für die denkmalpflegerische Akzeptanz der Halle von zentraler Bedeutung, daher sollte diese Einbettung der Halle in die Umgebung durch geeignete Maßnahmen verstärkt werden. Partizipation und Eigeninitiative Der Verein hat viele fachlich kompetente und motivierte Mitglieder*innen, daher sollte dieses Potenzial bei der Gestaltung der Halle miteinbezogen werden. Zudem können die Kosten gering gehalten werden und der Zusammenhalt der Gruppe gestärkt werden. Gestaltungsprinzipien Aus der Voranalyse und den konkreten Wünschen und Bedarfen des Vereins wurden nebenstehende Gestaltungsprinzipien als Grundlage für den späteren Entwurf zur Umnutzung der Halle entwickelt. Zum einen greifen diese die relevanten Grundprinzipien Ressourcenschutz, Naturbezug und Partizipation, die am Anfang der Arbeit behandelt wurden, wieder auf und wenden sie auf den konkreten Fall an. Zum anderen fassen sie die Ergebnisse des Workshops auf das Wesentliche zusammen. 50 Abb. 34: Gestaltungsprinzipien
51 Kälte Die Halle sollte eine möglichst lange Zeit des Jahres für Aktivitäten nutzbar sein, daher wäre eine Maßnahme zur Wärmeerhaltung wünschenswert. Wärme Im Sommer soll die Halle geöffnet werden können, um die Wärme von draußen zu nutzen und gleichzeitig einen Bezug nach draußen zu schaffen. Regen Bei Regen ist es in der Halle bisher sehr laut und eine Verständigung bei Kursen dann kaum noch möglich. Hier wäre eine Lösung zur Schallreduktion wünschenswert. Durchblick Die Öffnung der hinteren Wand schafft einen Durchblick vom Innenhof bis zur Wiese und damit eine ganz neue innenräumliche Qualität. Diese visuelle Verbindung zur Natur kann einen positiven Effekt auf die Kursteilnehmer*innen in der Halle haben. Innenhofcharakter Der zentrale Hof zwischen der Halle, dem Waldhaus und der Remise hat durch die dreiseitige Geschlossenheit einen gemütlichen Charakter, welcher durch die gemeinsamen Feuerrunden verstärkt wird. Diese Qualität sollte erhalten bleiben. Flexibilität Durch die sehr unterschiedlichen Nutzungsansprüche in der Halle ist eine Flexibilität der Inneneinrichtung ein zentrales Gestaltungskriterium, welches gleichzeitig mit dem Anspruch an den möglichst geringen Bestandseingriff korrespondiert.
Maßnahmenkatalog Ausbaustufen Auf den folgenden Seiten werden die Maßnahmen aus dem Sommerund Wintergestaltungskonzept genauer und für Laien verständlich dargestellt, sodass sie gegebenenfalls in Zukunft weiterentwickelt werden können. Die einzelnen Maßnahmen werden, wie nebenstehend gezeigt, in zwei Ausbaustufen eingeteilt. Die erste Ausbaustufe beeinhaltet dabei einfache Möblierungsprojekte, die in einem ersten Schritt durch den Verein selbst hergestellt werden können. Diese Projekte beeinhalten in ihrer Umsetzung ein geringes Risiko und Einsatz, gleichzeitig aber einen maximal möglichen Nutzen. In Ausbaustufe 2 werden Maßnahmen beschrieben, die auch auf die Bedürfnisse des Vereins abgestimmt sind, aber einen größeren baulichen Aufwand mit sich bringen. Diese Maßnahmen sind nach Wichtigkeit sortiert. Bedarfe Maßnahmen Seitenzahl Ausbaustufe 1 Lagermöglichkeiten Regalsystem S. 60 Pflanzen innerhalb der Halle Mobile bepflanzte Raumteiler S. 62 Veranstaltungsmobiliar Stapelbare Sitzmöbel, Tische S. 63 Lagermöglichkeiten Halbhohe Rollelemente S. 64 Naturbezug, Wissensvermittlung Hochbeete S. 65 Veranstaltungsmobiliar Bühne S. 66 Ausbaustufe 2 Blick in die Natur Wandöffnungen und Terrasse S. 68 Sportfläche Mobiler Holzfußboden S. 70 Überdachung Dacherneuerung S. 72 Lautstärkereduktion Dacherneuerung S. 72 Verlängerte Nutzung Feuerstelle S. 74 Verlängerte Nutzung Vorhangsystem S. 76 58
Beurteilungskriterien Die einzelnen Maßnahmen wurden hinsichtlich der theoretischen Themenbereiche aus ersten drei Kapiteln untersucht und in ihrem jeweiligen Grad des Bestandseingriffs, der Möglichkeit des Selbstbaus und ihrem Naturbezug nach der nebenstehenden Tabelle klassifiziert. Diese Einordnung gibt einen schnellen Überblick über die Art und Tragweite der Maßnahme. 59 Beurteilungskriterien Bestandseingriff Kein Bestandseingriff Geringer Bestandseingriff Mäßiger Bestandeingriff Großer Bestandseingriff Selbstbau Kein Selbstbau möglich Selbstbau in geringem Umfang möglich Selbstbau in mäßigem Umfang möglich Selbstbau in großem Umfang möglich Naturbezug Kein Naturbezug Geringer Naturbezug Mäßiger Naturbezug Großer Naturbezug
2,50 1,00 1,00 1,00 1,20 1,20 Maßnahme 1: Modulare Selbstbaumöbel Kategorie: Ausstattung Ausbaustufe 1 Bestandseingriff: Selbstbau: Naturbezug: 60 Abb. 39: Modulare Selbstbaumöbel
Holzschrauben, Stahlwinkel oder Pfostenverbinder 4 x Möbelrolle 6 x 7 x 7 x 85 cm Rahmenholz 6 x 7 x 7 x 105 cm Rahmenholz 4 x 7 x 7 x 250 cm Rahmenholz Übrigbleibende 10 cm Abschnitte 2 x 61 Die modularen Selbstbaumöbel bestehen alle aus einem Grundsystem, welches so entwickelt wurde, dass es sich hinsichtlich der Maße an Standardholzlängen orientiert. Zum einen wurde die Höhe auf 2,50 m festgelegt, und zum anderen lassen sich jeweils ein kurzer und ein langer Querholm aus einer 2,00 m Länge schneiden, sodass möglichst wenig Verschnitt entsteht. Die verbleibenden 10 cm können diagonal getrennt für eine Versteifung in den Ecken genutzt werden. Des Weiteren wurden die Breiten der Module mit den Maßen der neuen Wandöffnungen abgestimmt, sodass sich optisch ein zusammenhängendes Wandregal ergibt. Als Verbindungsmittel können Holzschrauben oder Stahlwinkel verwendet werden. Es gibt im Handel auch spezielle Pfostenverbinder, die aber deutlich teurer sind und daher weniger in Frage kommen. Aus dem Grundmodul lassen sich verschiedene Konstruktionen wie beispielsweise Sitzmöbel, Regale und Pflanzkästen erstellen, die auf den folgenden Seiten genauer beschrieben werden. Die Platten für den mobilen Holzfußboden lassen sich ebenfalls dort lagern. Es wurde das Material Holz gewählt, da es einfach zu bearbeiten ist und gleichzeitig eine Naturverbundenheit suggeriert. Es würden dafür entweder recycelte Rahmenhölzer oder auch neues, nachhaltig angebautes Holz in Frage kommen. Abb. 40: Ansicht Regalsystem Abb. 41: Bauanleitung Grundmodul
1,20 1,00 1,20 85 64 2,50 Feuerbohne Glockenrebe Zitronenmelisse Waldmeister Mobile bepflanzte Raumteiler In das Grundmodul kann im unteren Bereich ein Pflanzkasten eingebaut und zwischen den waagerechten Holmen Drähte gespannt werden, sodass daraus ein mobiler begrünter Raumteiler entsteht. Für die Bepflanzung eignen sich zum einen rankende Pflanzen, wodurch raumbildende Strukturen entstehen und zum anderen bodennahe Pflanzen, die die Mitte ausfüllen. Außerdem muss bei der Pflanzenauswahl darauf geachtet werden, dass sie schattenliebend sind, da es sonst in der Halle trotz der Belichtung durch das Dach zu dunkel ist. Für die bodennahen Pflanzen sind duftende Kräuter besonders ansprechend, da Gerüche als nicht-visuelle Verbindung zur Natur sofort ins Gehirn weitergeleitet werden und dort Entspannung und Zufriedenheit erzeugen können. 62 Abb. 42: bepflanzte Raumteiler Abb. 43: Pflanzen für Raumteiler
63 93 1,20 1,00 1,20 1,00 1,00 50 Stapelbare Sitzmöbel und Tische Die stapelbaren Sitzmöbel wurden in ihren Abmessungen aus dem 1,00 m hohen Grundmodul (siehe Abb. 39) entwickelt, allerdings um eine Materialstärke eingekürzt, sodass immer zwei Sitzmöbel ineinander verschränkt gelagert werden können und sie sich so in das Rastermaß von 1,00 m x 1,20 m einfügen. Es ist also möglich, die Sitzmöbel bei Nichtverwendung im seitlichen Regalsystem unterzubringen. Da die Abmessungen in etwa mit denen der im Handel weit verbreiteten Palettenmöbel übereinstimmen, lassen sich die entsprechenden Sitzkissen auch optimal für diese Sitzmöbel verwenden. Ergänzend zu den Sitzmöbeln lassen sich in dieser Größe auch Tische herstellen, die sich ebenfalls gestapelt in das Regalsystem einfügen lassen. 1,00 1,20 50 Abb. 44: Sitzmöbel und Tische
Halbhohe Rollelemente Die Rollelemente bestehen aus dem 1,00 m hohen Grundmodul und können vielfältig genutzt werden. Der Bereich unter der Platte kann entweder mit Türen geschlossen oder offen ausgeführt werden. In der offenen Ausführung lassen sich beispielsweise die Holzplatten für den Fußboden lagern, und die geschlossene Ausführung bietet Platz für Kleinteile wie Gartenscheren, Pflanztöpfe und vieles mehr. In ihrer Parkposition vor den seitlichen TürFenster-Kombinationen lassen sie sich als Tresenelemente mit Bezug nach draußen nutzen. Die Rollen ermöglichen zudem eine flexible Aufstellung im Raum für andere Nutzungen, wie zum Beispiel ein Kuchenbuffet bei Veranstaltungen oder als Pflanztisch. 1,00 1,20 1,00 64 Abb. 45: Halbhohe Rollelemente
65 Walderdbeeren Minze Bärlauch Estragon Hochbeete Die Hochbeete für den Außenraum sind ähnlich wie die mobilen Raumteiler konstruiert,nur ohne das nach oben abgehende Rankgerüst. Durch die leicht zurückversetzte Anordnung der Seitenwände und die Abdeckung der Stirnseiten der Eckpfosten ändern sich die Außenmaße etwas, die einzelnen Längen der Hölzer bleiben aber gleich. So ist gewährleistet, dass das Holz vor Witterungseinflüssen geschützt bleibt. Die Kästen können entlang des Weges und rund um die Terrasse aufgestellt werden. Damit die Holzkonstruktion nicht direkt auf dem feuchten Erdboden steht, können die ausgebauten Steine der neuen Wandöffnungen für eine Unterkonstruktion wiederverwendet werden. Als Bepflanzung entlang der Halle eignen sich schattenoder halbschattenliebende Pflanzen. Für den Aufbau eines Heilund Kräutergartens wären das zum Beispiel Minze oder Bärlauch. Im hinteren Bereich an der neuen Terrasse ist es sonniger, daher würden dort zum Beispiel auch Estragon oder Rosmarin gedeihen. 1,20 1,00 1,20 85 64 2,50 Abb. 46: Hochbeete Abb. 47: Pflanzen für Hochbeete
Maßnahme 2: Bühne Kategorie: Ausstattung Ausbaustufe 1 Bestandseingriff: Selbstbau: Naturbezug: Material für Grundrahmen: Holzschrauben, Stahlwinkel oder Pfostenverbinder 12 x 7 x 7 x 250 cm Rahmenholz 14 x 7 x 7 x 100 cm Rahmenholz 9 x 7 x 7 x 62 cm Rahmenholz 9 x 7 x 7 x 69 cm Rahmenholz 33 x 7 x 7 x 114 cm Rahmenholz Zuschnittmöglichkeiten der Rahmenhölzer: 9x114cm+69cm+62cm=246cm 7 x 100 cm + 100 cm = 200 cm 12 x 114 cm + 114 cm = 228 cm 12 x 250 cm GSEducationalVersionGrün markierteWerte sind aufBaumarktmaßeabgestimmt1,15 ergibt sichdaraus, dass diePlatte max. 1,25 istund sie 10cmübersteht nachhinten9 x 1,15 + 0,69 + 0,62 = 2,4612 x 7 x 7x 2,50m33 x 7 x 7 x 1,14m4 x 1,25m x 2,50m x 2,5cm Deckel14 x 7 x 7x 1,00m9 x 7 x 7x 0,69m9 x 7 x 7x 0,62m7 x 1,00 + 1,00 = 2,00m12 x 1,14 + 1,14 = 2,28m12 x 2,50m GSEducationalVersionGrün markierteWerte sind aufBaumarktmaßeabgestimmt1,15 ergibt sichdaraus, dass diePlatte max. 1,25 istund sie 10cmübersteht nachhinten9 x 1,15 + 0,69 + 0,62 = 2,4612 x 7 x 7x 2,50m33 x 7 x 7 x 1,14m4 x 1,25m x 2,50m x 2,5cm Deckel14 x 7 x 7x 1,00m9 x 7 x 7x 0,69m9 x 7 x 7x 0,62m7 x 1,00 + 1,00 = 2,00m12 x 1,14 + 1,14 = 2,28m12 x 2,50m GSEducationalVersionGrün markierteWerte sind aufBaumarktmaßeabgestimmt1,15 ergibt sichdaraus, dass diePlatte max. 1,25 istund sie 10cmübersteht nachhinten9 x 1,15 + 0,69 + 0,62 = 2,4612 x 7 x 7x 2,50m33 x 7 x 7 x 1,14m4 x 1,25m x 2,50m x 2,5cm Deckel14 x 7 x 7x 1,00m9 x 7 x 7x 0,69m9 x 7 x 7x 0,62m7 x 1,00 + 1,00 = 2,00m12 x 1,14 + 1,14 = 2,28m12 x 2,50m GSEducationalVersionGrün markierteWerte sind aufBaumarktmaßeabgestimmt1,15 ergibt sichdaraus, dass diePlatte max. 1,25 istund sie 10cmübersteht nachhinten9 x 1,15 + 0,69 + 0,62 = 2,4612 x 7 x 7x 2,50m33 x 7 x 7 x 1,14m4 x 1,25m x 2,50m x 2,5cm Deckel14 x 7 x 7x 1,00m9 x 7 x 7x 0,69m9 x 7 x 7x 0,62m7 x 1,00 + 1,00 = 2,00m12 x 1,14 + 1,14 = 2,28m12 x 2,50m GSEducationalVersionGrün markierteWerte sind aufBaumarktmaßeabgestimmt1,15 ergibt sichdaraus, dass diePlatte max. 1,25 istund sie 10cmübersteht nachhinten9 x 1,15 + 0,69 + 0,62 = 2,4612 x 7 x 7x 2,50m33 x 7 x 7 x 1,14m4 x 1,25m x 2,50m x 2,5cm Deckel14 x 7 x 7x 1,00m9 x 7 x 7x 0,69m9 x 7 x 7x 0,62m7 x 1,00 + 1,00 = 2,00m12 x 1,14 + 1,14 = 2,28m12 x 2,50m 66 Abb. 48: Bauanleitung Bühne
67 Die Bühne wird wie die modularen Möbel aus Rahmenhölzern gefertigt, weicht aber in ihren Maßen und der Konstruktion etwas von dem modularen System ab. Sie soll nicht mobil sein sondern als dauerhafte Sitzund Lagermöglichkeit für zum Beispiel die Bodenplatten und andere Dinge dienen. Dadurch lässt sich die Konstruktion materialsparender ausführen, da alle Felder miteinander verbunden sind und es so keine doppelten, direkt aneinanderliegenden Holme gibt. Die Tiefe der Bühne orientiert sich an den üblichen Plattenmaßen für OSB-Platten von 1,25 m x 2,50 m. Um die an der Wand vorhandenen Stützen und den Mauerwerksvorsprung auszusparen, ergibt sich daraus eine Tiefe von 1,14 m für die Grundkonstruktion. Die restlichen Maße der Grundkonstruktion wurden ebenfalls mit den üblichen Standardholzlängen geplant, um den Verschnitt möglichst gering zu halten. Im Inneren der Bühne befinden sich acht Schubladen, die zum einen zur Lagerung von Kleinteilen dienen und zum anderen für eine Bühnenerweiterung genutzt werden können. Dazu müssen nur die unter den Trittstufen gelagerten Platten auf die ausgezogenen Schubladen gelegt und die Verriegelung arretiert werden. Beim Verschrauben des Auszugsystems ist zu beachten, dass die waagerechten Hölzer jeweils am richtigen Bauteil befestigt werden (siehe Lupenansicht). 1,25 1,00
Maßnahme 6: Feuerstelle Kategorie: Wärme Ausbaustufe 2 Bestandseingriff: Selbstbau: Naturbezug: Sommer Winter 74 Abb. 57: Feuerstelle
75 Die Feuerschale und der untere Teil des Rauchabzuges können bei Bedarf in der Mitte der Halle aufgestellt werden und mit einem dauerhaft am Hallentragwerk angebrachten Rohr über einen Bajonetverschluss verbunden werden. Der Abzug wird zum Boden hin abgestützt, damit das Tragwerk so wenig wie möglich belastet wird. In den Zwischenraum kann zusätzlich ein Funkenschutzkorb eingesetzt werden. Bei der Installation des Rauchabzuges ist zu beachten, dass das Rohr ausreichend weit über die Dachhaut hinaus geführt wird. Die Feuerstelle selbst kann baurechtlich als offener Kamin eingestuft werden und muss durch einen Schornsteinfeger abgenommen werden. Das offene Feuer erzeugt eine wohlige Wärme und ist viel effektiver als die anfangs angedachte Wärmeerzeugung durch biologische Aktivierung. Jegliche Art von wasserführendem Heizsystem, auch ein Biomeiler oder ähnliches, ist in der Halle nicht effektiv einsetzbar, da dieses kontinuierlich betrieben werden müsste, um im Winter nicht einzufrieren. Eine Kombination mit dem Holzfußboden kann das angenehme Wärmegefühl noch verstärken, da die Kälte des Betonbodens nicht sofort wieder nach oben aufsteigt, auch wenn das Feuer aus ist. Es ist allerdings darauf zu achten, dass direkt um die Feuerschale keine Platten gelegt werden oder das Holz durch eine Metallplatte abgedeckt wird. Abb. 58: Schnitt Feuerstelle
Maßnahme 7: Vorhangsystem Kategorie: Wärme Ausbaustufe 2 Bestandseingriff: Selbstbau: Naturbezug: Abb. 59: Vorhangsystem 76
77 Zur Erhaltung der Wärme, die durch die Feuerstelle erzeugt wird, schlägt diese Maßnahme die Bildung eines verkleinerten Raumes innerhalb der Halle vor, der mit Vorhängen eingefasst wird. Die Aufhängung der Vorhänge kann über Schienensysteme, wie sie auch bei Theaterbühnen verwendet werden, an den vorhandenen Trägern befestigt werden. Diese Schienensysteme können je nach Ausführung eine Spannweite von bis zu 6 m freitragend überbrücken (Bütec Gesellschaft für bühnentechnische Einrichtungen mbH, o.J.). Für die Vorhänge eignen sich schwere Materialien wie Leinen, Wollfilz oder Molton, die in mehreren Lagen verarbeitet werden. Diese Stoffe sind wärmedämmend und schallabsorbierend. Bei der Auswahl sollte auf eine schwer entflammbare Ausführung geachtet werden. Leinen Wollfilz Molton Abb. 60: Stoffarten Abb. 61: Schnitt Vorhangsystem
Nutzung
Nutzungsszenarien Im folgenden Kapitel werden mehrere Szenarien dargestellt, die in der Halle ganz unterschiedliche Veranstaltungsformate zeigen und damit einen Anziehungspunkt für viele verschiedene Personengruppen bilden. Sportkurse Auf der großen Freifläche in der Halle bieten die mobilen Raumteiler die Möglichkeit, neben einzelnen Sportkursen auch mehrere Kurse parallel stattfinden zu lassen. Sowohl zwischen den Kursen als auch zum Hof hin, auf dem ebenfalls eine Parallelveranstaltung möglich wäre, kann eine temporäre Abgrenzung geschaffen werden, um die notwendige ruhige Atmosphäre für die Angebote zu ermöglichen. Zudem wäre so auch eine freie Nutzung für Parkbesucher in einem Teilbereich der Halle möglich. Dies könnte zum Beispiel für Familien mit Kindern interessant sein, die bei Regen einen Aufenthaltsort suchen oder auch einfach einen Treffpunkt zum Spielen und Austauschen. A-34 80 GSEducationalVersionN Abb. 62: Grundriss Sportkurse, M 1:150
81 Abb. 63: Perspektive Sportkurse
Filmvorführung/Lesung Dieses Szenario zeigt eine beispielhafte Raumgestaltung für verschiedene Bühnenveranstaltungen. Die Bühne an der geschlossenen Wandseite bietet Platz für eine mobile Leinwand oder – durch die Möglichkeit der Erweiterung – auch für musikalische Darbietungen aller Art. Die mobilen Raumelemente können sowohl als Empfangstresen am Eingang, als auch als Lenkungmittel der Besucher zwischen Eingang und Sitzplatz genutzt werden. Zudem ist, gerade bei Filmvorführungen, eine Abschirmung gegen mögliche Nebenaktivitäten von Vorteil. 82 Abb. 64: Grundriss Filmvorführung, M 1:150 GSEducationalVersionN
83 Abb. 65: Perspektive Filmvorführung
Angefangen hat die Geschichte der Halle Mitte der 1960er-Jahre, als der ansässige Bauhof eine Lagermöglichkeit für Maschinen und Material benötigte. Was damals schnell als einfache Lagerhalle errichtet wurde, hat heute ein vielfältiges Nutzungspotenzial. In anderen Hamburger Parks wünscht man sich so eine überdachte bauliche Struktur für das Verweilen bei Regen, aber auch für Veranstaltungen und Sportkurse. Im Volkspark ist die bauliche Ressource schon vorhanden und steht für diese neue Nutzung zur Verfügung. In der Arbeit wurden in mehreren Analyseschritten die Potenziale des Grundstücks und insbesondere der Halle herausgearbeitet. Es ist dabei nicht die äußere Gestalt der Halle ausschlaggebend, sondern was darin passiert. Dennoch erhebt das Konzept nicht den Anspruch eins-zu-eins so umgesetzt zu werden, sondern es sollen viele verschiedene Handlungsoptionen für eine zukunftsweisende Nutzung der Halle aufgezeigt werden. Die nächsten Schritte werden zeigen, ob und inwiefern sich das erarbeitete Konzept umsetzen lässt. Entscheidend dafür ist unter anderem das Ergebnis des in Auftrag gegebenen statischen Gutachtens. Daraus wird sich abschätzen lassen wie groß der anliegende Instandsetzungsaufwand ist und welche Folgekosten in den nächsten Jahren zu erwarten sind. Das Konzept sieht vor, dass die meisten Arbeiten in Eigenleistung durch den Verein realisierbar sind. So lässt sich, anders als bei der Sanierung des Waldhauses, ein Weg der Eigeninitiative und förderbasierter Erhaltung der Halle gehen. Eine weitere bisher ungeklärte Herausforderung wird die erforderliche Nutzungsänderung für die Halle und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten und Haftungszuständigkeiten sein. Diese ist notwendig, um die Halle in Zukunft als Veranstaltungsfläche nutzen zu können. Damit einher geht die Frage, wer die Haftung übernimmt, wenn die Halle beispielsweise an manchen Tagen auch ohne stattfindende Kurse für die Parkbesucher geöffnet wird. Aktuell entwickeln sich in Hamburg und auch in anderen Städten immer mehr Projekte, in denen zivilgesellschaftliche Akteure den öffentlichen Raum bespielen, daher kann als Herausforderung gesehen werden, diese neuen Formen der Nutzung von öffentlicher Fläche sowohl für die Verwaltung als auch für die Akteure vor Ort zufriedenstellend zu strukturieren und dabei auch neue Wege zu gehen. 91 Ausblick
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Abb. 1 Foto Naturschutzgebiet Heuckenlock, eigene Aufnahme Abb. 2 Materiallebenszyklus, eigene Darstellung, in Anlehnung an Zeumer et al., 2014, S. 44 Abb. 3 Gebäudezyklus, eigene Darstellung, in Anlehnung an Zeumer et al., 2014, S. 44 Abb. 4 Beteiligung, eigene Darstellung Abb. 5 Projektentwicklungsdiagramm, eigene Darstellung Abb. 6 Übersichtsplan Volkspark, eigene Darstellung, Geodaten: ATKIS, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung, 2022 Abb. 7 Schauplan Volkspark um 1930, Staatsarchiv Hamburg, 720-1/151-05 Bahrenfeld ganze Mappen Abb. 8 Historische Karte 1925, Kulturbehörde Hamburg, 2016 Abb. 9 Historische Karte 1966, Kulturbehörde Hamburg, 2016 Abb. 10 Luftbild, eigene Darstellung, eigener Aufnahme und Orthofoto, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung, 2022 Abb. 11 Baustufenplan, Baubehörde Hamburg, 1955 Abb. 12 Übersicht Gelände, eigene Darstellung Abb. 13 Gebäude, eigene Darstellung Abb. 14 Oberflächen, eigene Darstellung Abb. 15 Vegetation, eigene Darstellung Abb. 16 Foto Halle außen vorne, eigene Aufnahme Abb. 17 Foto Halle innen, eigene Aufnahme Abb. 18 Foto Halle außen hinten, eigene Aufnahme Abb. 19 Vorteile der Halle, eigene Darstellung Abb. 20 Dreiecksvermaschtes Modell, eigene Darstellung Abb. 21 Oberflächenmodell, eigene Darstellung Abb. 22 Aufmaß, eigene Darstellung Abb. 23 Texturiertes Oberflächenmodell, eigene Darstellung Abb. 24 Explosionsisometrie, eigene Darstellung Abb. 25 Bauteilkatalog Teil 1, eigene Darstellung Abb. 26 Bauteilkatalog Teil 2, eigene Darstellung Abb. 27 Aussteifung, eigene Darstellung Abb. 28 Vereinskonzept, eigene Darstellung Abb. 29 Nutzergruppen, eigene Darstellung Abb. 30 Bedarfe und Wünsche, eigene Darstellung Abb. 31 Abriss oder Umnutzung, eigene Darstellung Abb. 32 Foto Workshop 1, Norbert Nähr Abb. 33 Foto Workshop 2, Norbert Nähr Abb. 34 Gestaltungsprinzipien, eigene Darstellung Abb. 35 Nutzungskonzept, eigene Darstellung Abb. 36 Grundriss, eigene Darstellung Abb. 37 Isometrie Sommer, eigene Darstellung Abb. 38 Isometrie Winter, eigene Darstellung Abb. 39 Modulare Selbstbaumöbel, eigene Darstellung Abb. 40 Ansicht Regalsystem, eigene Darstellung Abb. 41 Bauanleitung Grundmodul, eigene Darstellung Abb. 42 Raumteiler, eigene Darstellung Abb. 43 Pflanzen für Raumteiler, eigene Darstellung 94 Abbildungsverzeichnis
Abb. 44 Sitzmöbel, eigene Darstellung Abb. 45 Rollelemente, eigene Darstellung Abb. 46 Hochbeete, eigene Darstellung Abb. 47 Pflanzen für Hochbeete, eigene Darstellung Abb. 48 Bauanleitung Bühne, eigene Darstellung Abb. 49 Ansicht Ost, eigene Darstellung Abb. 50 Ansicht Nord, eigene Darstellung Abb. 51 Konstruktion Stahlrahmen, eigene Darstellung Abb. 52 Konstruktion Holzfußboden, eigene Darstellung Abb. 53 Erweiterung mit Unterkonstruktion, eigene Darstellung Abb. 54 Doppelstegplatten, eigene Darstellung Abb. 55 Dachberankung, eigene Darstellung Abb. 56 Pflanzen für Dachberankung, eigene Darstellung Abb. 57 Feuerstelle, eigene Darstellung Abb. 58 Schnitt Feuerstelle, eigene Darstellung Abb. 59 Vorhangsystem, eigene Darstellung Abb. 60 Stoffe, eigene Darstellung Abb. 61 Schnitt Vorhangsystem, eigene Darstellung Abb. 62 Grundriss Sportkurse, eigene Darstellung Abb. 63 Perspektive Sportkurse, eigene Darstellung Abb. 64 Grundriss Filmvorführung, eigene Darstellung Abb. 65 Perspektive Filmvorführung, eigene Darstellung Abb. 66 Grundriss Festival, eigene Darstellung Abb. 67 Perspektive Festival, eigene Darstellung Abb. 68 Grundriss Bankett, eigene Darstellung Abb. 69 Perspektive Bankett, eigene Darstellung Abb. 70 Grundriss Feuerrunde, eigene Darstellung Abb. 71 Perspektive Feuerrunde, eigene Darstellung 95