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Kafka und Marty. Anhand der Zwei Gespräche aus Beschreibung eines Kampfes

Hirano, Yoshihiko

Abstract

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Full text

Kafka und Marty. Anhand der Zwei Gespräche aus Beschreibung eines Kampfes Yoshihiko Hirano– Universität Tokio ABSTRACT Zwei Gespräche, die aus Kafkas unvollendeter Novelle Beschreibung eines Kampfes ausgewählt wurden, weisen eine epistemologische Intentionalität auf, die auf eine Sprachkritik bezo‑ gen wird. In ihnen sind einige Referenzen auf die Philosophie Anton Martys enthalten, an dessen Vorlesungen Kafka als Student in Prag teilnahm. Dort ist die anscheinende Identität der Eigennamen einer Kritik des antinominalistischen Diskurses im Stil Martys ausgesetzt. Dieser philosophische Kontext kann erst dann erhellt werden, wenn man die briefliche Disputation berücksichtigt, die Marty als Konzeptualist mit seinem Lehrer Franz Brentano gegen dessen „kopernikanische Wendung“ zu einem Nominalismus hielt. Dann ließe sich auch seitens Kafkas der Ansatz zu einem Realismus in seinem Proceß ‑Roman konstatieren. SCHLÜSSELWÖRTER Franz Kafka; Anton Marty; Franz Brentano; Nominalismus; Eigenname. ABSTRACT Kafka and Marty. Read in Two Conversations from Description of aStruggle Two Conversations, which were selected from Kafka’sunfinished novell Description of aStrug‑ gle, display an epistemological intentionality that is related to acritique of language. They furthermore contain references to the philosophy of Anton Marty, whose lectures Kafka attended as astudent in Prague. These expose the ostensible identity of proper names to the criticism of Marty’santi ‑nominalist discourse. This philosophical context becomes apparent only in light of the letters that make up the disputation between the conceptu‑ alist Marty and his teacher Franz Brentano, written against the latter’s“Copernican turn” towards nominalism. This connection, in turn, allows us to confirm Kafka’sattempt at realism in his novel The Trial. KEY WORDS Franz Kafka; Anton Marty; Franz Brentano; nominalism; proper name. 1. KAFKA UND MARTY Franz Kafka hat die beiden kurzen Prosastücke Gespräch mit dem Beter und Gespräch mit dem Betrunkenen zur Ausgabe März/April 1909 der Zweimonatsschrift Hyperion beigetragen. Diese Texte stammen eigentlich aus der sogenannten „Fassung A“ der 104 BRÜCKEN 28/1 Beschreibung eines Kampfes.1 Während diese unvollendete Erzählung selbst ein recht schwer zu entwirrendes Werk ist, lässt sich hingegen leicht einsehen, warum die beiden Passus eigens daraus ausgewählt wurden, um zu den formal selbständigen Novellen ausgearbeitet zu werden: Beider Textur ist durch eine epistemologische und sprachkritische Disposition bestimmt. Im vorliegenden Aufsatz soll somit versucht werden, einen Teil der ideengeschichtlichen Konstellation zu erhellen, in der die beiden Gespräche Kafkas situiert sind, indem wir hierzu die sprachphilosophischen Schriften Anton Martys heranziehen, des zur Brentano ‑Schule gehörigen Professors an der damaligen deutschen Universität Prag. Der mutmaßliche Einfluss der Brentanisten auf Kafka wurde zwar schon mehrmals behandelt. Aber dabei ging es in erster Linie um Franz Brentano selbst, und Marty als dessen Schüler wurde nur am Rande erwähnt. Kafka hat im Sommersemester 1902 Martys Vorlesung Grundfragen der deskriptiven Psychologie gehört (Wagenbach 1958: 243).2 Von 1902 bis 1905 hat er mit Max Brod am „Louvre ‑Zirkel“, einer Rede‑ und Diskussionsrunde der Schüler von Brentano und Marty, wenn auch sporadisch, teil‑ genommen. Nach Wagenbach hat Kafka zugleich die Kolloquien besucht, die in der Privatwohnung Martys abgehalten wurden, aber er hat die Abschlussprüfung nicht bestanden (Wagenbach 1958: 107).3 Im Jahre 1905 ist, mit der Verbannung Brods, auch Kafka aus dem „Louvre ‑Zirkel“ ausgetreten, aber er hat auch weiterhin im von Berta Fanta veranstalteten Salon mit den Schülern Martys wie Oskar Kraus, Alfred Kastil usw. Umgang gehabt (Bergmann 2001: 248). Da es sich bei Kafka zumeist wohl nur um auditive Rezeptionen von Martys Theorie handelt, müssen wir umso mehr versuchen, ihre Spuren auch in dessen später veröffentlichten Schriften zu eruieren und die recht hohe Wahrscheinlichkeit zu bestätigen, dass Kafka, direkt von Marty oder indirekt von dessen Schülern darüber im Voraus mündlich informiert war. 2. ANHAND DES GESPRÄCHS MIT DEM BETER Das Gespräch mit dem Beter beginnt mit einem merkwürdigen Vorfall. Dem Erzähler, der in der „Fassung A“ als „der Dicke“ auftritt, fällt in der Kirche ein junger Mann auf, der mit gekünstelten, demonstrativen Attitüden betet. Indem das „ich“ an einem anderen Tag diesen „Beter“ anhält und mit Fragen bedrängt, gibt er unbegreifliche Worte von sich, dass es „der Zweck“ seines Lebens sei, „von den Leuten angeschaut zu werden“.4 Daraufhin spricht das „ich“ dem „Beter“ gegenüber von der „Seekrankheit auf dem Lande“, die dieser sich offenbar zugezogen habe: Deren Wesen ist so, daß Ihr den wahrhaftigen Namen der Dinge vergessen habt und über sie jetzt in einer Eile zufällige Namen schüttet. Nur schnell, nur schnell! Aber kaum seid Ihr von ihnen weggelaufen, habt Ihr wieder ihre Namen vergessen. Die 1 Die Einteilung in die „Fassung A“ und die „Fassung B“ stammt aus der Revision von Ludwig Dietz (Kafka 1969: 5ff.). 2 Brod bezeugt aber, dass er selber Kafka „nie bei Seminaren oder Vorlesungen Martys gesehen“ habe (Brod 1979: 168). 3 Hartmut Binder verneint allerdings diese Tatsache (Binder 1979: 287). 4 In der „Fassung B“ führt der „Beter“ seine Exzentrik auf das „Bedürfnis“ zurück, „von diesen Blicken“ sein morbides Dasein „für eine kleine Stunde festhämmern zu lassen“ (Kafka 1993: 157). 105YOSHIHIKO HIRANO Pappel in den Feldern, die Ihr den ‚Turm von Babel‘ genannt habt, denn Ihr wußtet nicht oder wolltet nicht wissen, daß es eine Pappel war, schaukelt wieder namenlos, und Ihr müßtet sie nennen ‚Noah, wie er betrunken war‘. (Kafka 1994: 389) Der „Beter“ befindet sich demnach anscheinend in einer kognitiven und sprach‑ referenziellen Komplikation. Während die „Dinge“, wie das „ich“ vermutet, etwa in der Kindheit 5 die Träger der „wahrhaftigen Namen“ gewesen seien,6 verhalte es sich nunmehr deshalb ganz anders, weil die „Vorstellungen“, die die „Namen“ und die „Dinge“ vermitteln sollten, ganz „hinfällig“ geworden seien (Kafka 1994: 390). Dabei ist der Eigenname so als das ideale Modell angenommen, wie die mythischen Orts‑ und Personennamen „Babel“ und „Noah“, wenn auch als Ersatz oder Notbehelf, doch aus der Heiligen Schrift genommen werden. Diesem Diskurs liegt offensichtlich eine Art von nominalistischem Gedanken zugrunde: Da jedes „Ding“ eigentlich eine eigen‑ ständige Entität besitzen solle, mache das Wort, das es bezeichne, als solches je einen „wahrhaftigen Namen“ aus. Indem man aber dann, wie Marty über den „gemäßigten Nominalismus“ sagt, auf „eine Ähnlichkeit“ gestützt, „welche unter diesen indivi‑ duellen Gegenständen besteht“ (Marty 2011: 120), anscheinend genetisch verwandte Bäume etwa als „populus“ klassifiziert hat, sind ihre hypothetischen Ursprungsna‑ men in Vergessenheit geraten. Dieses Geschehen wurde nicht etwa von einer akuten Amnesie des „Beters“ verursacht, sondern von der ihm eigenen idiosynkratischen Neigung zum Nominalismus, wie es heißt: „Ihr wußtet nicht oder wolltet“ vielmehr „nicht wissen, daß es eine Pappel war“,7 wie sie für ihn denn nur ein Gattungsname mit einem unbestimmten Artikel ist. Den scholastischen Nominalisten gemäß sollten die Universalien wie Art und Gattung doch keine platonischen Ideen mehr darstel‑ len, sondern nur die Begriffe oder die Wörter, die im menschlichen Verstand durch Abstraktion nachträglich gebildet wurden. Wenn der „Beter“ auch der „Pappel in den Feldern“, die zwar vor seinen Augen schon „wieder namenlos“ schaukelt, aber in seinem Verstand immer noch ein substantielles „Ding“ sein sollte, „nur schnell“ einen solchen „zufälligen“, willkürlichen Eigennamen wie „Turm von Babel“ oder gar „Noah, 5 Dem gegenwärtigen krisenhaften Zustand des „Beters“ wird dessen glückliche Erinnerung an die Kind‑ heit gegenübergestellt: „[…] als ich als Kind nach einem kurzen Mittagsschlaf die Augen öffnete, hörte ich noch ganz im Schlaf befangen meine Mutter in natürlichem Ton vom Balkon hinunterfragen: ‚Was machen Sie meine Liebe. Es ist so heiß.‘ Eine Frau antwortete aus dem Garten: ‚Ich jause im Grünen.‘ Sie sagten es ohne Nachdenken und nicht allzu deutlich, als müßte es jeder erwartet haben.“ (Kafka 1994: 391) Diese Episode stammt aus Kafkas eigenem Erleben. Er schreibt am 28. August 1904 an Max Brod: „Da staunte ich über die Festigkeit mit der die Menschen das Leben zu tragen wissen.“ (Brod / Kafka 1989: 12) 6 In Bezug darauf sei eine Deskription Fritz Mauthners über den „wahrhaftigen Namen“ des Baumes an‑ geführt, die mit der Kognition der Kinder begründet wird: „Die uralte Annahme, daß wir unsere Begriffe oder Worte von den Dingen ‚abstrahieren‘, ist grundfalsch. Wenn der Begriff ‚Baum‘ so gebildet würde, daß ich z. B. von allen Bäumen, die ich je gesehen habe, dasjenige abziehe, abstrahiere, fortlasse, was jedem Baum individuell ist, so würde als platonische Idee, als Begriff ‚Baum‘ etwas völlig Leeres übrig bleiben, der Schatten eines Hohlgefäßes. Der Weg ist gerade der umgekehrte. Zuerst mag der Begriff ‚Baum‘ oft eine Art Eigenname sein. Der große Nußbaum z. B., der allein und einsam hinter dem Hause des Onkels stand, war mir Baum. Dann kam es, daß ich hörte, daß auch Tannen, Kirschen, Föhren usw. Bäume genannt wurden.“ (Mauthner 1902: 281) Dass Kafka von der Sprachkritik Mauthners tangiert wurde, ist zwar wahrscheinlich, aber nicht belegbar. 7 In der „Fassung B“ wird der erste Satz: „Ihr wußtet nicht“ ohne weiteres weggelassen, und es heißt nun einfach: „denn Ihr wolltet nicht wissen […].“ (Kafka 1993: 158). 106 BRÜCKEN 28/1 wie er betrunken war“ verliehe, so wäre es nichts anderes als eine Ausgeburt seiner Ungeduld, die einer extrem nominalistischen Obsession verhaftet und nur noch auf die scheinbar unerschütterliche Existenz der einzelnen „Dinge“ angewiesen sein mag. Diese Textpartie stellt allerdings keine eigene Aussage des „Beters“ dar, sondern die Mutmaßung des „Dicken“ als des Gesprächspartners, der deshalb schon geahnt habe, „in welchem Zustand“ der „Beter“ gewesen sei, weil er selbst auch „Erfahrung“ habe (Kafka 1994: 389). Es ist eine Ambivalenz des virtuellen Autors, die sich in der reflexiven ironischen Kritik eines ehemaligen Nominalisten an einem gegenwärtigen Nominalisten äußert. Übrigens behauptet Marty in seiner Vorlesung Grundfragen der Sprachphilosophie (1904), dass „die Namen der menschlichen Sprache stets nur begrifflichen Gehalt bedeuten, niemals etwas Anschauliches“, und „was wir demnach durch die Namen der Sprache einander mitteilen, sind immer Begriffe“ (Marty 1965: 116f.; Herv. i. O.). Marty steht damit den Nominalisten gegenüber, die meinen müssen, „dass durch unsere Sprache“ auch ohne Vermittlung der Begriffe doch variable „Anschauungen dargestellt“ werden könnten. Laut Otto Funke, dem Herausgeber des Nachlasses, habe Marty dann begonnen, „noch vom ‚Nominalismus‘ zu sprechen, und mit dem Beginn von dessen Kritik endet diese Vorlesung“ (Marty 1965: 117). Bei Marty ließe sich eine solche Abwehrreaktion gegen den nominalistischen Denkansatz bemerken, die ihn zu seinem Konzeptualismus geführt haben soll. Diese Fragestellung Martys beschränkt sich nicht nur auf die Appellativa, son‑ dern reicht auch bis zu den Eigennamen. In seinen Untersuchungen zur Grundlegung der allgemeinen Grammatik und Sprachphilosophie8 schreibt er wie folgt: „Der Satz, daß die Namen die Gegenstände nennen mediantibus conceptibus[,] könnte nur eine An‑ fechtung erfahren hinsichtlich der Eigennamen im engsten Sinne des Wortes, wie Aristoteles, Napoleon, Friedrich, Rom, Wien usw.“ (Marty 1908: 438) Von seinem konzeptualistischen Standpunkt aus, dass all „die Namen“ erst vermittelst der begriff‑ lichen Konzeptionen „die Gegenstände nennen“ könnten,9 weist Marty die Hinfälligkeit einer nominalistischen Spekulation nach, wonach der Eigenname von der rein an‑ schaulichen Vorstellung herrühre und daher direkt „die Gegenstände nennen“ könne: In Wahrheit fungiert wohl manchmal ein Eigenname so, daß er „das dadurch Ge‑ nannte als solches“ bezeichnet […]. Aber dies ist nichts anderes, als was auch einem Appellativum begegnen kann, wie wenn ich im Hinweis auf einen wirklichen Hund, einen Seehund und etwa eine Porzellanfigur von der Gestalt eines Hundes fragen 8 Dieses Hauptwerk Martys ist erst 1908 erschienen. Wie es aber im Vorwort „als Frucht längerer Studien“ präsentiert wird (Marty 1908: V), ist es wahrscheinlich, dass der Inhalt in seinen früheren Vorlesungen bereits antizipiert wurde und sich in die „Fassung A“ von Kafkas Beschreibung eines Kampfes eingeschli‑ chen hat. Die Datierung der beiden Gespräche von Jost Schillemeit ist die genaueste: Man werde mit dem Gespräch mit dem Beter „aus der Zeit um 1904 zu rechnen haben“, und mit dem Gespräch mit dem Betrunkenen „aus den Jahren 1906 oder 1907“ (Schillemeit 1984: 108). S. a. Anm. 11 und 13. 9 Marty ist schon sehr früh für diese Position eingetreten (Marty 1893: 116). Mauro Antonelli, ein Heraus‑ geber des Nachlasses Martys, bestätigt, dass Marty sich „im Wesentlichen an den aristotelischen Kon‑ zeptualismus“ anlehne (Antonelli 2011b: LXIII). Ludwig Landgrebe überprüft den „Begriff“ bei Marty: „Das Nennen setzt hier das Beurteilen des betreffenden Gegenstandes voraus […], z. B. als ein zur Gattung von ‚Baum‘ oder ‚Hund‘ gehöriges. Ein Ding […] mit dem Namen Baum zu nennen, setzt also voraus, daß es unter den schon bekannten Begriff des Baumes […] subsumiert wird.“ (Landgrebe 1934: 59) Dieser Hinweis belegt, dass der Konzeptualismus Martys dem Realismus näher steht als dem Nominalismus. 107YOSHIHIKO HIRANO würde: Welchen Hund meinst Du? wo dies ja nichts anderes heißen könnte als: „Welches Hund ‑Genannte?“ (Marty 1908: 438f.) Marty versucht das angenommene Privileg der Eigennamen zu annihilieren, indem er den Nachweis dafür erbringt, dass eine solche Mehrdeutigkeit der Appellativa auch auf die Eigennamen zutrifft: Auch hier wird eine Vorstellung des einzelnen Gegenstandes, die seine Nennung vermittelt […], nicht fehlen. Aber es ist dem Zusammenhang überlassen, welche gerade erweckt werde, während der Name für sich allein in dieser Beziehung nicht determinierend wirkt. Er ist für sich allein nicht bloß äquivok in dem Sinne, daß er unentschieden läßt, welcher unter den verschiedenen Heinrich‑, Fritzgenannten gemeint sei, sondern auch, durch welche individuelle Vorstellung der Betreffende vorgestellt werden solle oder möge. (Marty 1908: 439)10 Es gibt demnach keinen prinzipiellen Unterschied der Nennungsarten zwischen den Eigennamen und den Appellativa, sofern sie dem kontextualen und performa‑ tiven „Zusammenhang überlassen“ werden müssen. Marty greift anderenorts die Undeterminiertheit der Referenz der „Namen“ wieder auf: „Wenn ich“, zuerst bei den Appellativa, „etwas, wovon ich nicht weiß, ob es ein Pudel oder ein Seehund ist, einen ‚Hund‘“ nennte, und „die Roßkastanie wie die wirkliche Kastanie, trotzdem ich ihren Unterschied kenne, eine ‚Kastanie‘“, dann könne es „offenbar nur gemeint sein: ein ‚Hund‑ resp. Kastanie ‑Genanntes‘“. „Wenn ich“, dann auch die Eigennamen betreffend, „von ‚einem Frankfurt‘ spreche, unbestimmt, ob Frankfurt am Main oder an der Oder gemeint ist“, könne es dann auch „nur heißen: ‚ein Frankfurt ‑Genanntes oder einer der Frankfurt genannten Orte‘“ (Marty 1908: 509). Diese Argumentation Martys wäre nicht nur für „ein Pappel ‑Genanntes“ gültig, sondern auch für „ein Turm von ‑Babel ‑Genanntes“ oder gar für „ein Noah ‑wie ‑er ‑betrunken ‑war ‑Genanntes“,11 sofern solche ebenfalls immerhin „Namen“ sind. 3. ANHAND DES GESPRÄCHS MIT DEM BETRUNKENEN Ein ähnliches Idiom wie „Hund ‑Genanntes“ oder „Frankfurt ‑Genanntes“ taucht denn auch in der Rede des „Beters“ auf, der nun in dem Gespräch mit dem Betrunkenen als „ich“ auftritt: Gott sei Dank, Mond, du bist nicht mehr Mond, aber vielleicht ist es nachlässig von mir, daß ich dich Mondbenannten noch immer Mond nenne. Warum bist du nicht mehr so übermütig, wenn ich dich nenne ‚Vergessene Papierlaterne in merkwür‑ 10 Gottfried Gabriel weist darauf hin, dass Marty für Eigennamen zwischen der „Ambiguität der Referenz“ und der „Vagheit der Bedeutung“ unterscheidet: „Eigennamen können mehrdeutig sein, insofern der‑ selbe Name z. B. mehrere Personen ‚desselben Namens‘ benennen kann“, während sie deshalb „vag“ sein könnten, „weil ihre Bedeutung nicht scharf begrenzt ist.“ (Gebriel 1990: 72; Gabriel 1991: 171; Herv. i. O.) 11 Peter Neesen datiert die „Fassung A“ der Erzählung Beschreibung eines Kampfes auf „1904/05“ und bemerkt, dass Kafka sie „schon unter dem Eindruck“ geschrieben habe, „den die Erörterungen der Brentanisten auf ihn gemacht hätten“ (Neesen 1972: 138). Arnold Heidsieck findet in dieser Textstelle „Kafka’sfamiliarity with Marty’susage“ (Heidsieck 1994: 73). 108 BRÜCKEN 28/1 diger Farbe‘. Und warum ziehst du dich fast zurück, wenn ich dich ‚Mariensäule‘ nenne, und ich erkenne deine drohende Haltung nicht mehr Mariensäule, wenn ich dich nenne ‚Mond, der gelbes Licht wirft‘. (Kafka 1994: 395f.) Hier wirkt die Bezeichnung „Mondbenannter“ als ein abschätziger Name für den vorliegenden Gegenstand, der nicht mehr wert ist, ohne weiteres „Mond“ genannt zu werden. Daraus, dass der „Beter“ nichtsdestoweniger einen virtuellen Himmelskör‑ per, der sonst schon der „Mondbenannte“ genannt sein soll, aus Nachlässigkeit „noch immer Mond“ nennt, ergibt sich eine Zeitdifferenz. In der vorangehenden Passage hat er folgendermaßen gesprochen: „Aber doch ist es schon lange her, daß du wirk‑ lich warst, du Himmel, und du Ringplatz bist niemals wirklich gewesen.“ (Kafka 1994: 395; Herv. d. Verf.) In dieser Textpartie ist demnach eine historische Perspektive impliziert. Auf welchen Zeitpunkt ist denn hingedeutet, in dem der „Mond“ nun als den „Mondbenannten“ in doppelter Weise genannt worden sein und zugleich seine „Wirklichkeit“ eingebüßt haben soll? Ist von Kafka vielleicht der Moment suggeriert, in dem ein „Ding“ zum ersten Mal öffentlich als ein soundso „Genanntes“ deklariert wurde? Und zwar von Marty als seinem Lehrer, etwa in dessen Vorlesung? Jedenfalls ist also in der Rede des „Beters“ sicherlich ein intertextueller Bezug enthalten. Der ironische Blick des implizierten Autors, der in dieser sprachlichen Performanz des „Beters“ wahrzunehmen ist, mag zwar zumindest der deskriptiven Psychologie Brentanos gelten, die zur nominalistischen Denkweise neigt. Trifft es aber auch auf die Sprachphilosophie Martys zu? Einige Interpreten schließen aus der Prämisse, dass die Einstellungen von Brentano und Marty prinzipiell dieselben seien, in der Folge darauf, dass sich die getarnte Kritik des Autors sowohl auf Brentano bezieht, als auch auf Marty als dessen mutmaßlich treu gebliebenem Schüler.12 Das verdient aber eine weitere Differenzierung. Vorausgesetzt, dass aus der Textur bei Kafka doch irgendein Einfluss der Brentano ‑Schule gefolgert werden kann: Welche Quelle liegt dann dem merkwürdigen Idiom „Mondbenannter“ zugrunde? In dem „Mondbenannten“ ist wie in dem „Hund ‑Genannten“ oder „Frankfurt‑ Genannten“ selbstverständlich der Akt des „Nennens“ vorausgesetzt. Marty hat schon in seinem frühen Aufsatz auf den Unterschied zwischen dem „Nennen“ und dem „Bedeuten“ aufmerksam gemacht, und außerdem auf das unilaterale Verhältnis der beiden Akte, z. B. auf den Fall, „wenn wir denselben Gegenstand bald unbestimmt als Thier, bald bestimmter als Hund oder noch genauer als Pudel benennen“. Da sei zwar 12 Der Versuch, diese Diskurse des „Beters“ auf die Epistemologie der Brentanisten zurückzuführen, wurde schon einige Male unternommen. Peter Neesen meint, dass diese Textpartie „von einer iro‑ nisch kritischen Distanz“ zeuge: „Die Bemühungen“ Martys „um exakte sprachliche Wiedergabe der Gedanken“ Brentanos, der nur die „Evidenz“ der „inneren Wahrnehmung“ anerkenne (Brentano 1874: 24f.), führten, so Neesen, zu derartigen „grotesk anmutenden Formen“, dass man den Mond als einen Gegenstand der „äußeren Wahrnehmung“ (Brentano 1874: 119) etwa den „Mondbenannten“ nennen könne (Neesen 1972: 138f.). Arnold Heidsieck weist auf „asomewhat ironic light“ hin, das Kafka „on the thinking subject“, d. h. auf den „Beter“, werfe, dessen „Evidenz“ von Brentano bestätigt war (Heid‑ sieck 1986: 14). Barbara Neymeyr entnimmt dieser Passage die „Indizien dafür, daß sich Kafka mit der Bewußtseinspsychologie der Brentanisten, insbesondere mit den sprachphilosophischen Theorien Anton Martys, auseinandergesetzt, auf bestimmte Aspekte allerdings mit kritisch ‑ironischer Distanz reagiert hat“ (Neymeyr 2004: 169). Dabei handelt es sich also in jedem Fall um eine „ironische Distanz“, die Kafka von den Konzeptionen der Brentanisten und dem „Beter“ als deren Parodiefigur gehalten haben solle. 109YOSHIHIKO HIRANO „dasselbe Ding (ein bestimmtes Thier) genannt“, so Marty, aber der Akt des „Nennens“ geschieht „unter Vermittlung verschiedener Begriffe und darum durch Namen von verschiedener Bedeutung“, wie oben erwähnt, „mediantibus conceptibus“. Die Namen nennten wohl dasselbe, aber sie würden „verschiedene Begriffe“ bedeuten und seien daher „nicht synonym“ (Marty 1893: 115f.): Die Namen […] können Zeichen von etwas in mehrfachem, namentlich in doppeltem Sinne genannt werden, indem sie es bedeuten oder indem sie es nennen. Letztere Function ist vermittelt, und zwar durch die erstere. Die Namen sind Zeichen unse‑ rer Begriffe oder Vorstellungen, indem sie solche in uns erwecken. Das Aussprechen eines Namens ist ein Mittel, im Hörer einen gewissen Begriff hervorzurufen, und ihn nennt man darum die Bedeutung oder den Sinn des Namens. (Marty 1893: 116; Herv. i. O.) Marty schreibt aufgrund dieses Unterschiedes zwischen dem „Nennen“ und dem „Bedeuten“ beide Akte sowohl den Appellativa als auch den Eigennamen zu. Er weist dementsprechend darauf hin: „Nicht bloß bedeutet Mensch, Dreieck usw.“ nicht „Menschgenanntes, Dreieckgenanntes“, sondern auch „Fritz, Bismarck, Napoleon, Rom usw.“ heißt ebenso nicht „Bismarck‑ resp. Romgenanntes usf.“ (Marty 1908: 438). Sowohl „Menschgenanntes, Dreieckgenanntes“ als auch „Bismarck‑ resp. Rom‑ genanntes usf.“ werden erst dann „Mensch, Dreieck usw.“ und „Bismarck, Rom usw.“, wenn sie immanent von den begrifflichen „Bedeutungen“ vermittelt werden können, und sonst nicht. Marty stellt in einer Notiz für seine Vorlesung vom Wintersemester 1894/95 13 die Rubrik „der extreme Nominalismus“ auf und führt darunter beide Beispiele an, den scholastischen und den modernen. Demgemäß wären, so Marty, „die allgemeinen Namen entweder bedeutungslos […] (Roscelin)“ oder „sie würden nichts anderes be‑ deuten als das durch sie Bezeichnete als solches (Hobbes)“: Ich kann die Sache vielleicht durch eine Streitfrage, die zur Zeit der Scholastiker ventiliert worden ist, deutlich machen. Sie dachten sich folgenden Fall. In einem verdeckten Kasten soll sich ein Hund befinden und ein uneigentlich sog. Hund, nämlich ein Seehund. Nun bemerkt man, dass sich etwas bewegt. […] Man kann weder sagen, ein Hund habe sich im gewöhnlichen Sinne bewegt, noch in dem Sinne, wie man einen Seehund so nennt. […] Andere sagen, man könne dies wohl, wenn man darunter nichts anderes verstehe als „ein Hund Genanntes“. (Marty 2011: 119) Der Name „Hund“, der sonst auch ein einzelnes bestimmtes Säugetier bezeichnen kann, wird aber dann wie ein Gattungsname verwendet, wenn ihm nun sowohl ein 13 Laut Johann Christian Marek und Barry Smith ist „der Aufbau wie auch der Inhalt der Vorlesung“ Martys „über Jahrzehnte hinweg im wesentlichen gleich geblieben“ (Marek / Smith 1987: 44). Mauro Antonelli meint auch: „Die Hauptvorlesungen an deutschen Universitäten im 19. Jahrhundert pflegten oft jahrelang hindurch nahezu unverändert gehalten zu werden. Dies betrifft auch Anton Marty und seine Psychologievorlesungen.“ (Antonelli 2011a: LXXIX) Dann wird auch Kafka, der im Sommersemes ‑ ter 1902 die Vorlesung Martys besuchte, dieselbe oder eine ähnliche Kritik am Nominalismus gehört haben. Vgl. Anm. 8 und 11. 110 BRÜCKEN 28/1 „Hund im gewöhnlichen Sinne“ als auch ein „Seehund“ im „uneigentlichen“, figür‑ lichen Sinne subsumiert werden, obgleich die beiden „Hunde“ doch taxonomisch zu je anderen Familien gehören. Er ist als „allgemeiner Name“ deshalb „bedeutungslos“, weil er keine immanente „Bedeutung“ als Implikation besitzt, sondern nur noch ver‑ gebens etwas nicht zu Fixierendes „nennen“ will. Ein mutmaßliches Säugetier, das sich in dem Kasten zu bewegen scheint, ist somit nicht „Hund“ zu „nennen“, sondern nur „ein Hund Genanntes“. Daraufhin führt Marty noch den englischen Empiristen an: „Nach Hobbes nun würden alle unsere allgemeinen Namen nur so zu interpretieren sein. Z. B. ein Mensch heiße nichts anderes als ein ‚Mensch Genanntes‘, ein Dreieck ein ‚Dreieck Genanntes‘.“ (Marty 2011: 119; Herv. i. O.) Marty lehnt diese Ansicht von Hobbes rundweg ab: „Ihr zufolge“ würde das, „was wir aussprechen“, ja „die zufällige Tatsache, dass das und jenes den und jenen Namen trägt“ (Marty 2011: 119f.). Dabei ist aber darauf zu achten, dass Marty zwar nicht die universale Aussage Hobbes’ über „alle unsere allgemeinen Namen“ akzeptiert, wohl aber die Nennungsart selbst wie ein „Mensch Genanntes“ oder ein „Dreieck Genanntes“. Es gibt ja auch einen Umstand, dass man einen „Men‑ schen“ ein „Mensch Genanntes“ oder ein „Dreieck“ ein „Dreieck Genanntes“ nennen kann. Marty gebraucht ja eher gern dieses Idiom, um den „wirklichen Gegenstand“ von dem „immanenten Gegenstand“ zu unterscheiden (Marty 1908: 385) und den ersteren als soundso „Genanntes“ hervorzuheben. Marty führt dann Alexander Bain als ein Beispiel des „gemäßigten Nominalismus“ an, demzufolge auch „die allgemeinen Namen“ doch „wirklich etwas“ bedeuten könn‑ ten, und paraphrasiert mehrere Seiten aus einem von dessen Werken: An das Licht des Mondes denken z. B., heißt sich beim Gedanken an den Mond auch an andere leuchtende Gegenstände erinnern; überhaupt abstrahieren oder an eine Eigenschaft in abstracto denken, nicht sie im Geiste von anderen lostrennen, son‑ dern den Gegenstand mit den anderen zusammen klassifizieren, die ihm in einer bestimmten Hinsicht gleichen und diese Eigenschaft ist nichts anderes als eben diese Ähnlichkeit. (Marty 2011: 120; Herv. i. O.) Marty weist auch diese Meinung Bains zurück. Dabei gilt sein Vorbehalt gerade der Mehrdeutigkeit des Begriffs „Ähnlichkeit“. „Die zwei gleichseitige Dreiecke“ z. B. sind zwar „miteinander ähnlich“, sofern „sie gleichseitig sind“, aber „auch sofern sie Drei‑ ecke sind“, ferner „auch sofern sie Figuren sind usw.“ Ohnehin ist, so Marty, „jede von diesen Ähnlichkeiten“ ja „eine andere, ein anderer Begriff“. Erinnert sei daran, dass der „Beter“ bei Kafka auch ein solches Ähnlichkeitsprinzip zur Geltung bringt,14 das sich auf die optische Wirkung wie Licht und Farbe bezieht, wenn er den „Mondbenannten“ und die „vergessene Papierlaterne in merkwürdiger Farbe“ einmal versuchsweise einander überlappen lässt, sowie die mondbeschienene „Mariensäule“ im Himmel und den „Mondbenannten“ selbst, „der gelbes Licht wirft“. 14 Hinsichtlich des Ähnlichkeitsprinzips sei wiederum auf Mauthner hingewiesen: „Ebenso kann das Kind, welches den Mond am Himmel erst links und dann rechts von einem Gebäude erblickt, beide Erscheinungen für zwei Momentanmonde halten, sie also über den Eigennamen hinaus individuali‑ sieren und doch einen Gattungsbegriff (etwa ‚Lampe‘) unklar damit verbinden.“ (Mauthner 1902: 87f.) Diese Exemplifikation gemahnt an den „Beter“ bei Kafka. 111YOSHIHIKO HIRANO Der Mond, der Satellit der Erde, der eigentlich nur als der einzige existieren soll, vermehrt sich doch für den „Beter“ phänomenal, indem dieser ihn mit ähnlichen leuchtenden Dingen identifizieren will. Das Idiom des „Beters“, der sich einer zeitlichen Differenz bewusst ist, wie er den „Mondbenannten noch immer Mond“ nennt, ist somit auf Hobbes zurückzuführen, ja sogar auf die mittelalterlichen Scholastiker, wenngleich durch Marty aus zweiter Hand eingeführt. Wenn diese Argumentationen Martys insbesondere für die Kritik sowohl an dem „extremen Nominalismus“ der Scholastiker und Hobbes’ als auch an dem „gemäßigten Nominalismus“ Bains eingesetzt wurden: Wem galt denn die ironische Haltung Kafkas, die offensichtlich von der kritischen Einstellung Martys gegen die Nominalisten übernommen wurde? Zunächst freilich dem „Beter“ selbst. War dieser dann vielleicht ein karikaturistisches Selbstporträt des jungen Kafka, der wider Willen genötigt wurde, ein „Nominalist“ zu sein? 4. DIE DISKUSSIONEN ÜBER DEN NOMINALISMUS Unter den Brentanisten wurde eine Reihe von Diskussionen über den Nominalismus, ob implizit oder explizit, damals schon seit längerem fortgesetzt. Der Diskurs in der Habilitationsschrift von Alexius Meinong, Hume ‑StudienI. Zur Geschichte und Kritik des modernen Nominalismus (Meinong 1877: 185ff.), die auf Anraten seines Lehrers Bren‑ tano zustande kam und unter dessen Einfluss stand (Kraus 1919: 43f., 70), wurde im zweiten Teil von Edmund Husserls Logischen Untersuchungen (1901) weitergeführt. Hier stellt Husserl als „zwei Mißdeutungen“ zwar „die metaphysische Hypostasirung [sic] des Allgemeinen“ und „die psychologische Hypostasirung des Allgemeinen“ nebenei‑ nander, aber seine weiteren kritischen Argumentationen befassen sich nicht mit der ersteren als „dem platonischen Realismus“, sondern konzentrieren sich auf die letz‑ tere als „den extremen Nominalismus“, den man gegenwärtig „dem Conceptualismus gegenüberzustellen pflegt“ (Husserl 1901: 121), d. h. auf den englischen Empirismus. Während die Kritik von Meinong und Husserl solcherart ausschließlich „dem modernen Nominalismus“ galt, hat die „kopernikanische Wendung“ Brentanos hin‑ gegen, so Kraus, den Ansatz zur radikalen „Neuentfachung des Universalienstreits“ gezeigt (Kraus 1929: 133ff.). Dabei handelt es sich um „the transformation of Brentano from arealism of the concept in the spirit of the Middle Ages to aposition which comes close to nominalism“, wie Hugo Bergmann später treffend formulierte (Berg‑ man [Bergmann] 1968: 300). Diese „Wendung“ Brentanos hat 1904 vorläufig Gestalt angenommen (Brentano 1966: 5) und wurde erst 1911 offenbar: „Eine der wichtigsten Neuerungen ist“, so Brentano, „die, daß ich nicht mehr der Ansicht bin, daß eine psychische Beziehung jemals anderes als Reales zum Objekt haben könne.“ (Brentano 1911: IV) Dagegen hatte Marty von Anfang an in seinem Briefwechsel mit Brentano immer wieder einen Einwand erhoben, so z. B. in seinem Brief vom 1. Oktober 1907 an Brentano: „Wenn wir nur Reales denken könnten, so würde dies […] den Nomina‑ lismus involvieren. Denn auch die Universalien sind nur entia rationis. Real ist nur das Individuelle.“ (Brentano 1966: 177)15 15 Diesem Hinweis Martys entgegnet Brentano brieflich am selben Tag: „Freilich ist nur Individuelles, aber dies hindert nicht, daß ebenso ein Einzellöwe wie ein Einzelsäugetier, ein Einzelwirbeltier und 118 BRÜCKEN 28/1 LITERATUR Antonelli, Mauro (2011a): Editorische Vorbemerkung.– In: Marty, Anton (2011): Deskriptive Psycho‑ logie. Hgg. von Mauro Antonelli / Johann Christian Marek. Mit einer Einl. von Mauro Anto‑ nelli. Würzburg: Königshausen & Neumann, LXXIX–LXXXIII. Antonelli, Mauro (2011b): Die Deskriptive Psychologie von Anton Marty. Wege und Abwege eines Brentano ‑Schülers.– In: Marty, Anton (2011): Deskriptive Psychologie. Hgg. von Mauro Anto‑ nelli / Johann Christian Marek. Mit einer Einl. von Mauro Antonelli. Würzburg: Königshau‑ sen & Neumann, XI–LXXXIII. 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