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Karl V. und Ferdinand I. — Politik, Residenzen und Memoria im Vergleich

Abstract

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Karl V. und Ferdinand I. — Politik, Residenzen und Memoria im Vergleich

Author: Kohler, Alfred
Publisher: Univerzita Karlova, Filozofická fakulta
Year: 2015
Source: https://dspace.cuni.cz/bitstream/20.500.11956/96428/1/1423202_alfred_kohler29-41.pdf
Ka l V. und Fe dinand I. — Poli ik, Residenzen
und Memo ia im Ve gleich
al ed Kohle
KARL V. AND FERDINAND I. — A COMPARISON OF POLITICS, RESIDENCES AND MEMORIA
Cha les V and Fe dinand I exe ed a s ong in luence on he Eu opean policy in he 16 h cen u y.
Cha les V li ed in esidences and owns in Spain, he Ne he lands and he Holy Roman Empi e like
a “Reisekaise ” ( a elling Empe o ). Abo e all, Cha les V was he Empe o o he i s global Eu opean
Empi e and he e o e his memo y, in compa ison wi h his younge b o he Fe dinand I is mo e i id.
KEYWORDS:
Cha les V; Fe dinand I; Ma ia o Hunga y; Residences; P ague; Innsb uck; Wien; Memo ia
Wa um diese Ve gleich? Was b ing e ü einen Kong ess in P ag, welche de Re-
sidenzgeschich e gewidme is ?
Nun, die beiden B üde , Ka l V. de äl e e, 1500 gebo ene, Fe dinand I. de jünge e,
1503 gebo ene, wa en eng au einande angewiesen, was ih e Poli ik und He scha
be i .1 Beide wa en agie ende He sche , die zwa ih Leben lang on Residenz zu
Residenz bzw. on O zu O eis en, also „Reisehe sche “ gewesen sind, und doch
gewisse S äd e als ih e Residenzen bzw. gewisse He scha sgebie e be o zug en.
Sie gehö en de selben hocha is ok a ischen Familie aus dem Haus Ös e eich bzw.
Habsbu g an und wa en doch g und e schieden, auch wenn sie sich de Familien-
loyali ä seh e p lich e ühl en.
Wie kann man den beiden Pe sonen nähe kommen?
1. Du ch die e gleichende Analyse ih e lang is igen poli ischen Ziele,
2. eine e gleichende Analyse ih e Residenzen und Au en hal so e,
3. du ch die Be ach ung de Memo ia de beiden He sche .
ZU DEN LANGFRISTIGEN POLITISCHEN ZIELEN
Beide B üde wuchsen in e schiedenen habsbu gischen He scha sgebie en au : Ka l
V. in den Niede landen (Gen e c.), Fe dinand I. in Spanien, genaue gesag in Kas i-
lien (Alcalá de Hena es e c.). Dadu ch we den neben dem un e schiedlichen Al e und
de Rang olge als E s gebo ene (Ka l V.) und Zwei gebo ene (Fe dinand I.) wei e e
cha ak e is ische und olgenschwe e Un e schiede deu lich, so e wa im Be eich de
sp achlichen Begabungen. Hie bei schneide Fe dinand besse ab als sein äl e e B u-
1 Vgl. zum Folgenden die beiden Biog aphien on Al ed KOHLER, Ka l V. 1500–1558. Eine
Biog aphie, München 1999; 3. du chgesehene Au lage, München 2001; Beck’sche Reihe
(BsR) München 2005; 2. Au lage München 2013; DERS., Fe dinand I. 1503–1564. Fü s , Kö-
nig und Kaise , München 2003.
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de , abe seine he scha spoli ische Benach eiligung als Zwei gebo ene wa o en-
sich lich und g undsä zlich nich zu ände n. So muss e Fe dinand 1517 Spanien e las-
sen, als Ka l die He scha do an a , um du ch diese Maßnahme konku ie ende
K ä e zuguns en Fe dinands ga nich e s au kommen zu lassen. Abe ge ade da-
du ch le n e de jünge e B ude anschließend in den Niede landen am Ho e seine
Tan e Ma ga e e in Mechelen ieles dazu, nich zule z die anzösische Sp ache, die
spä e die Kommunika ion mi Ka l wesen lich e leich e e, wäh end diese in Spanien
ge üg wu de, als nunmeh ige König de spanischen König eiche nich asche Kas-
ilisch zu le nen. Fe dinand ha spä e , nach seinem He scha san i in den ös e -
eichischen Lände n, d. h. in den om gemeinsamen G oß a e Kaise Maximilian I.
e e b en He scha sgebie en die deu sche Sp ache gele n und nich sel en, wie au
Reichs agen, seinem B ude au F anzösisch wich ige, ü Ka l un e s ändliche Aussa-
gen on Reichss änden e läu e bzw. übe se z . Bekann is die Episode, als Ma kg a
Geo g on B andenbu g-Ansbach au dem Augsbu ge Reichs ag on 1530 e klä e, e
lasse sich liebe den Kop abschlagen, als dass e sich on seinem lu he ischen Glauben
enne, und Fe dinand ihm au F anzösisch kla mach e, wie das gemein sei.2 Da an
wi d e sich lich, dass Ka l V. damals noch imme nich genug Deu sch e s and, denn
das Niede deu sche-Niede ländische de bu gundischen Amme seine Kindhei in
Gen hal ihm da wenig. Am Beginn seine Regie ung in den ös e eichischen Lände n
und sei 1526/1527 in Böhmen — Unga n wa s i ig mi Johann Szápolyai — dü e
Fe dinand in la einische , anzösische und deu sche Sp ache e keh haben; mi
seine Ga in Anna Jagiello F anzösisch und La einisch, spä e auch Deu sch, das sie
in Innsb uck in den Jah en zwischen 1515 und 1521, also o ih e Hochzei in Linz, ge-
le n haben wi d. Jeden alls inde sich in de Familienko espondenz Fe dinands I.
ein gemeinsame la einische B ie Annas und Ma ias on Unga n an Fe dinand om
22. Feb ua 1519, ausges ell in Innsb uck,3 e ne ein B ie Fe dinands an Anna Jagiello
om Juli/Augus 1518 in anzösische Sp ache und zwei B ie e Annas an Fe dinand om
7. Sep embe 1527 aus Wien und on Ende 1527 in deu sche Sp ache.4 Aus dem Jah 1543
is beispielsweise ein B ie Annas an Fe dinand eben alls in deu sche Sp ache e hal en.5
An de Episode om Augsbu ge Reichs ag 1530 wi d auch deu lich, wie seh die
beiden B üde in de Reichspoli ik au einande angewiesen wa en, wobei Fe di-
2 S aa sa chi Nü nbe g, SI Lade 196, Nü nbe ge Reichs agsp o okoll zum Augsbu ge
Reichs ag 1530, ad 15. Juni.
3 Wilhelm BAUER (ed.), Die Ko espondenz Fe dinands I. I: Familienko espondenz bis 1526
(Ve ö en lichungen de Kommission ü Neue e Geschich e Ös e eichs 11), Wien 1912,
S. 9; gl. auch S. XX (Einlei ung).
4 He wig WOLFRAM — Ch is iane THOMAS (edd.), Die Ko espondenz Fe dinands I. III: Fami-
lienko espondenz 1531 und 1532 (Ve ö en lichungen de Kommission ü Neue e Geschich-
e Ös e eichs 58), Wien 1973/1977/1984, S. 688–690 (N . 8b), S. 716 . (N . 100a) und S. 718 .
(N . 718 .). Im Üb igen is ge ade de ün e Band de Ko espondenz Fe dinands I. de Jah e
1535 und 1536 e schienen, bea bei e on Ch is ophe La e l und ande en, Wien — Köln —
Weima 2015 — eine Edi ion, die sich auch du ch englische Reges en auszeichne .
5 Diesen und ande e Hinweise zu Sp achen- und Ve s ändigungsp oblema ik e danke ich
Ja osla a Hausenblaso á.
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nand I. im Lau e de Jah zehn e imme selbs ändige agie e, ohne illoyal zu sein.
Einige Reichs age muss en on Fe dinand soga allein besuch we den, weil Ka l V.
om Reich abwesend wa . Als S a hal e seines B ude s e a Fe dinand I. in den
1520e Jah en seinen abwesenden B ude , ebenso als Römische König sei 1531. Gegen
Ende de He scha Ka ls V. wa diesem sein B ude eine unen beh liche Hil e, so
im Schmalkaldischen K ieg und im Zuge des so genann en Fü s enau s andes 1552,
den e mi dem Passaue Ve ag be ieden konn e, de den Weg zum Augsbu ge
Religions ieden on 1555 ebne e. Da in zeig sich ein seh p agma ische Umgang
Fe dinands I. mi den poli ischen P oblemen, auch mi Rücksich au seine Nach olge
im Reich. Das gil auch ü den Umgang mi den P o es an en, auch wenn Fe dinands
Ka holizi ä un e kennba is . Es is im Üb igen e s aunlich, dass in Anbe ach de
damaligen Kommunika ionsmöglichkei en de Aus ausch an Meinungen und Au -
ägen in de Regel doch ech gu unk ionie e. Dies wa umso wich ige , als Ka l V.
sich als Che seines Hauses jede En scheidung in ech lichen und poli ischen F agen
o behiel , also zu o beim Kaise nachge ag we den muss e. Als Nu znieße des
digi alen Zei al e s kann man diese P obleme kaum nach ollziehen.
In den ös e eichischen Lände n ha e Fe dinands He scha mi g oßen Schwie-
igkei en begonnen, denn nich on o nhe ein wa Ka l V. zu eine Teilung des Ma-
ximilianischen E bes be ei , e s nach meh e en Ve ägen 1521/1522 wa es so wei ,
dass Fe dinand seine He scha in den ös e eichischen Lände n an e en konn e,
doch wa e mi eine S ände e ol e kon on ie , die e alle dings ha bes a e
(im so genann en Wiene Neus äd e Blu ge ich ). Fe dinands wich igs e Residen-
zen wa en Wien, P ag, wenige Linz und Innsb uck. Da in bes and auch de g oße
Un e schied zu seinem B ude , de als „Reisekaise “ seh o on Residenz zu Resi-
denz und S ad zu S ad un e wegs wa . Dies gil ü die Niede lande mi Gen , B üs-
sel, An we pen e c. ebenso wie ü Spanien, wo e häu ig in Valladolid, Bu gos und
Toledo, daneben auch in Se illa und G anada und ielen ande n O en esidie e,
e ne lange Reisen du ch das Heilige Römische Reich zu ückleg e, wenn e zu den
Reichs agen in Wo ms, Augsbu g, Regensbu g e c. uh — I alien nich zu e gessen
(K önungs eise nach Bologna 1529 und sein T iumphzug du ch Südi alien nach dem
Sieg in Tunis 1535).
ZU DEN RESIDENZEN UND AUFENTHALTSORTEN
Das Phänomen des Reisekaise s wi d mi Ka l V. in Zusammenhang geb ach , e -
üg e diese doch übe wei auseinande liegende He scha sgebie e. Fe dinands e -
i o iale Si ua ion wa hingegen ande s, doch wa auch e gezwungen, iel und o
zu eisen und dabei be äch liche Dis anzen zu übe winden. Im Folgenden wi d ein
Blick au Fe dinands Mobili ä , die Häu igkei seine Au en hal so e und die Zu-
nahme de S abili as loci in den spä e en Regie ungsjah en zu we en sein.
Sind Zahl und Ve eilung de Au en hal so e Fe dinands I. in Analogie zu jenen
Ka ls V. zu sehen ode sind es wenige Residenzen gewesen?6 Es wa en wohl schon
6 Vgl. zum Folgenden A. KOHLER, Fe dinand I., S. 118–122.
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wenige , doch in de Rela ion zu den He scha sgebie en nich iel wenige . Um
welche Residenzen Fe dinands handel es sich? In seinen ös e eichischen He -
scha sgebie en um Innsb uck und Wien, wei wenige hingegen um Linz und G az.
Die hie gewähl e Reihen olge gib auch den Bedeu ungswandel jene O e wiede .
Wenn beispielsweise Innsb uck zue s genann wi d, soll dami zum Ausd uck ge-
b ach we den, dass diese S ad wohl bis in die Spä zei Fe dinands imme wiede
on ku z is ige Bedeu ung ü den Fü s en selbs wa , meh noch ü seine Kinde
und manche seine Ve wand en, wogegen Wien e s sei den 1530e Jah en endgül-
ig an Bedeu ung gewann und sukzessi e an die e s e S elle ück e. In den böhmi-
schen Lände n dominie e P ag als Au en hal so ; alle ande en S äd e wu den nu
spo adisch besuch . Imme hin be eis e Fe dinand auch zweimal B eslau/W ocław
in Schlesien. In Unga n wiede um dominie e P eßbu g/B a isla a/Pozsony, zwa
nich so kla wie P ag in Böhmen, jedoch wei o S uhlweißenbu g/Székes ehé -
á ode G an/Esz e gom. K iegsbeding , und sei 1541 endgül ig Ve wal ungsmi -
elpunk im Rahmen des Osmanischen Reiches, iel O en/Buda aus. Neben diesen
Residenzen wa en es jene Reichss äd e, in denen Reichs age s a anden, die Fe di-
nand egelmäßig besuch e und au denen e als Ve e e seines B ude s Funk ionen
zu übe nehmen ha e: in e s e Linie Augsbu g, ge olg on Regensbu g, Nü nbe g,
Speye und Wo ms.
Eine genaue e Analyse, wie o Fe dinand die e schiedenen Au en hal so e e-
quen ie e, zeig e schiedene Phasen au : die Jah e 1521 bis 1527 sind gep äg om
häu igen Wechsel de Au en hal so e, und dies o allem in süddeu schen S äd en.
Fe dinand hiel sich 1521 in Wo ms (Reichs ag), sei 1522 in Nü nbe g (Regimen s-
bzw. Reichs age), e ne in Passau, Regensbu g, Augsbu g, S u ga , Tübingen und
Speye (Reichs ag 1526) au . Auße dem eis e e in den Jah en 1521/1522 zu seinem
B ude nach Gen und B üssel (mi d eimona igem Au en hal in B üssel). In den
ös e eichischen Lände n s anden Linz (Hochzei 1521) und Innsb uck im Vo de -
g und. In Wien hiel sich Fe dinand hingegen e s mals im Jah e 1524 (Mi e Juli bis
An ang Dezembe ) ü länge e Zei au , nachdem e zu o in Wiene Neus ad (1522)
übe die ebellischen S ände Ge ich gehal en ha e; nach de Niede schlagung de
S ände e ol e mied e Wien bewuss .
Sei de Wahl Fe dinands zum böhmischen und unga ischen König in den Jah-
en 1526–1527 sind deu liche Ve ände ungen zu sehen. 1527 hiel e sich e s mals
länge e Zei ( as zwei Mona e) in P ag au , ebenso in Unga n: zue s im Lage o
O en (Mi e Augus bis Ende Ok obe 1527), danach ku z in S uhlweißenbu g und
wesen lich länge in G an ( on Ende Dezembe 1527 bis Feb ua 1528). Zum Reichs ag
in Speye eis e Fe dinand 1529 (An ang Mä z bis Ende Ap il); auße dem hiel e sich
inLinz (übe zwei Mona e) au , eis e meh mals nach Böhmen, on wo aus e 1530
den Augsbu ge Reichs ag besuch e; do blieb e nach einem einmona igen Au en -
hal in Innsb uck ün einhalb Mona e.
Eine neue Epoche b ach un e de He scha Fe dinands I. ü Wien an. Wa das
Ve häl nis des neuen He sche s zu diese S ad an angs ehe schlech , und esi-
die e de Landes ü s noch häu ig in P ag, Linz und B ünn/B no, so ände e sich
dies nach de Tü kenbelage ung on 1529, als sich gezeig ha e, dass Wien wei e hin
in Reichwei e eines osmanischen Ang i s lag. Es wa dahe naheliegend, die S ad
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zu eine (uneinnehmba en) Fes ung auszubauen; schon 1530 nahm Fe dinand diese
Au gabe in Ang i . Von Bedeu ung wu de abe die Ve legung des Ho lage s on P ag
nach Wien im Jah e 1533. Sei de zuguns en des Landes ü s en e lau enen Mach -
p obe mi den S änden nahm Wiens Gel ung als Ve wal ungszen um s ändig zu.
Un e Fe dinand wu den hie wei e e Zen al- und Mi elbehö den e ich e , die ab
nun ü die Gesam hei de habsbu gischen Lände und da übe hinaus auch ü das
Reich — man denke an den Ho a , die Ho kanzlei ode den Ho k iegs a — zus ändig
wa en. Diese Zunahme zen ale wi scha liche und adminis a i e Funk ionen
ug wesen lich dazu bei, dass Wien sei den 1550e Jah en zu eine de wich igs en
Residenzen Fe dinands I. we den soll e.
Die Zukun un e den S äd en des Heiligen Römischen Reiches gehö e dem Typ
de Residenzs ad und nich den imme als Vo bild he angezogenen Reichss äd en,
denen es nich gelang, ih e Wi scha sk a gegenübe dem e s a kenden Te i o ial-
ü s en um auch poli isch zu Gel ung zu b ingen. Wie s a k die Residenzs äd e, im
Gegensa z zu den eichsunmi elba en, dem Kaise un e s ehenden Reichss äd en,
alle dings dem landes ü s lichen Zug i o ens anden, zeig die doppel e Funk ion
ih e S ad e wal ung als Selbs e wal ung de Kommune und als du ch üh endes
O gan landes ü s liche Weisungen. Auch wenn Fe dinand sich e s gegen Ende sei-
ne Regie ungszei meh und meh in Wien au hiel , ha e e die „in as uk u ellen“
Weichen schon ühe ges ell . Wien, die g öß e und doch nu landsässige und kei-
nes alls mi dem S a us eine Reichss ad e sehene S ad im Land un e de Enns,
ge ie im Zuge de Tü kenbelage ung 1529 und de neue lichen osmanischen Bed o-
hung im Jah e 1532 in die „eu opäischen Schlagzeilen“, und dies nich nu als bed oh e
Residenzs ad , sonde n sei de Abweh de Osmanen auch die „einzige G enzspe e
de Ch is en“ gegen den Sul an zu sein, wie de enezianische Gesand e Gio anni
Michele Jah e spä e , nämlich 1563, diese zwei e wich ige Funk ion Wiens cha ak e-
isie en soll e.7
ZUR MEMORIA DER BEIDEN HERRSCHER
A) ZU KAISER KARL V.
Es wa Ka ls Sohn Philipp II., de das „gu e Andenken“ an seinen Va e p leg e. Dem
Heiligen Lau en ius, dem Tagesheiligen de Schlach on S . Quen in, widme e Phi-
lipp II. den Esco ial, seine sei 1561 geplan e königliche Klos e esidenz. 1574 ließ e
hie in g andios ges al e en Königsg äbe n seinen Va e Ka l beise zen.
Schon bald nach dem Tode Ka ls V. en s and die Legende, de Kaise sei in San
Jé onimo de Yus e, seinem kas ilischen Al e ssi z, Mönch gewo den, habe nach de
Hie onymi en-Regel geleb und sein eigenes Beg äbnis ge eie . De G und da ü is
in de on Ka l V. e ans al e en To en eie ü seinen Va e und seine G oßel e n zu
sehen. Im 17. Jah hunde ha de bekann e Ch onis Sando al diesen Geschich en
7 Zi . nach Ch is iane THOMAS, Wien als Residenz un e Kaise Fe dinand I., S udien zu
Wiene Geschich e. Jah buch de Gesellscha ü Geschich e de S ad Wien 49, 1993,
S. 101–117, hie S. 104.

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Glauben geschenk , und im 19. Jah hunde wu den die Legenden wiede au ge isch
und als ypische ka holische A i üde jenes Kaise s akzen uie , de in de Epoche
de Re o ma ion die al ki chlichen S uk u en und Ins i u ionen e eidig ha e.
Be ach e man Bildbeispiele zum Nachleben Ka ls V., so äll das Thema des
Wel he sche s besonde s au — ob es sich nun um die Da s ellung de his o ischen
Szene in B üssel (1555), e bunden mi de Übe gabe de He scha an Philipp II.,
handel ode ob Ka l als „Siege des gesam en E dk eises“ — quasi in E üllung de
Mission seine Mona chia uni e salis im Nachhinein — da ges ell wi d.8
Ka l V. schien sich sei dem 20. Jah hunde auch gu als Symbol igu ü die Eu-
opaidee und als „Ahnhe “ de Eu opäischen Union zu eignen. Im Jubiläumsjah
2000 anlässlich de Feie des 500. Gebu s ages wa dies deu lich zu spü en. Abe
was ha die Eu opäische Union a sächlich mi de Uni e salmona chie Ka ls V. zu
un? Im De ail iel wenige , als eine obe lächliche Bezugnahme e mu en läss .
Au die Ge ah poli ische und ideologische Ak ualisie ungen ha e anlässlich des
400.Todes ages on Ka l V. 1958 schon Pe e Rassow hingewiesen und sich dagegen
ausgesp ochen, dass Ka l V. als Symbol igu sowohl ü die Eu opaidee als auch ü
die Idee de „Hispanidad“ in Ansp uch genommen wü de. Das seien „his o ische Ne-
belbilde “ mi eine „i e üh enden Analogie“. Au die Eu opaidee bezogen, s ell e
Rassow die F age: „We will eine geschei e e Pe sönlichkei als ideellen Füh e ane -
kennen?“ „De his o ische Ka l eigne sich nich zu Gallions igu ü das Schi de
Eu opa-Bewegung“, s ell e Rassow damals mi g oßem Nachd uck es . Seine K i ik
bezog sich o allem au den Ame ikane Wyndham Lewis und dessen Buch Cha les o
Eu ope on 1932 (im Üb igen auch au A is ide B iand), de ü die Wiede he s ellung
eines ka holischen Eu opa plädie e und da in die Vo ausse zung ü ein geein es
Eu opa e blicken woll e.9
Die angebliche „Ahnhe nquali ä “ Ka ls V. wu de abe wei e hin p opagie . So
ha de belgische P o esso ü S aa s ech und Geschich e an de Uni e si ä Löwen,
Vicom e Cha les Te linden (1878–1972), en scheidenden An eil da an: 1965 e schien
in B ügge sein Buch Cha les Quin . Empe eu des Deux Mondes, in de on O o on
Habsbu g eingelei e en deu schen Übe se zung on 1978 äg es den Ti el Kaise Ka l
V. Vo läu e de eu opäischen Idee. De Ein luss des Hauses Habsbu g is un e kennba ,
8 Ka l V. als Wel he sche , Gemälde on Pe e Paul Rubens nach Pa migianino, um 1670, sie-
he: F ied ich POLLEROSS — And ea SOMMER-MATHIS — Ch is ophe F. LAFERL (edd.),
Fede schmuck und Kaise k one. Das ba ocke Ame ikabild in den habsbu gischen Lände n: eine
Auss ellung des Bundesminis e iums ü Wissenscha und Fo schung: 10. Mai — 13. Sep embe
1992, Schloßho im Ma ch eld, Wien 1992, Abb. 58. Vgl. e ne Ka l als Siege des gesam en
E dk eises, Apo heose um 1593/1594, Gemälde, ebd., Abb. 59. Ölgemälde, Linz, S ad mu-
seum No dico: Ka l V. s eh mi einem Fuß au dem Globus, lankie on den Säulen des
He kules am Ho izon , die sei de An ike das Ende de Wel ma kie en. Aus einem Bil-
de zyklus zu Ve he lichung des Hauses Habsbu g, in Au ag gegeben on Ba on S ein
on Schwa zenau, ü sein Schloss F eidegg in Niede ös e eich. Die kleinen Figu en zu
Füßen Ka ls s ellen e obe e S äd e und Lände sowie besieg e Fü s en da : P o es an en,
Tü ken, F anzosen, auch Inka- und Az ekenhe sche .
9 Vgl. A. KOHLER, Ka l V., S. 370.
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wa Te linden doch auch Ri e om Goldenen Vlies,10 denn die Sich weise s imm in
his o ische Beziehung schon allein deshalb nich , weil de K one F ank eichs im
Rahmen de habsbu gischen Poli ik damals nu die Posi ion eines Junio pa ne s
zugewiesen wo den is .
Te linden gelang es seh wohl, die o izielle Poli ik Belgiens ü die angebliche
„Ahnhe nscha “ Ka ls V. de Einhei Eu opas zu in e essie en. Sie kam zum Aus-
d uck in de P ägung on Münzen und Medaillen mi Bilde n Ka ls V. E s mals
1973 — noch als P i a medaille de Pan-Eu opa-Bewegung, 1987 schon als Ecu-Münze
anlässlich des 30. Jah es ages de Römischen Ve äge — mi Ka l als Siege on
Mühlbe g an de Elbe und seinem Mo o Plus ul a.
B) ZUR MEMORIA FERDINANDS I.
Bekann lich ha e Fe dinand e üg , im P age Vei sdom, in unmi elba e Nähe sei-
ne Ga in Anna, bes a e zu we den. Und so haben Maximilian II., Fe dinand on
Ti ol und Ka l on Inne ös e eich ih em Va e diesen Wunsch e üll .11
Das Ansehen Fe dinands un e den Zei genossen wa jeden alls g oß. Nich ohne
sein eigenes Zu un wa es ihm gelungen, sich zum „Va e “ des Religions iedens zu
s ilisie en: da in bes and sein Bei ag zu eigenen Memo ia, den e zu Lebzei en ein-
b ach e. Die schon e wähn e Cha ak e is ik im enezianischen Kondolenzsch eiben
b ing diese damals wei e b ei e e Au assung auch seh gu zum Ausd uck. Be-
zeichnend is e ne das ku z o Fe dinands Tod, genau genommen sei de Ab e-
ung de Regie ungs unk ionen an Maximilian im Ap il 1564, om enezianischen
Gesand en Michele Su iano kolpo ie e Ge üch , man wünsche den Tod des Kaise s,
um alles umzukeh en, o allem um eine Ve ände ung in de Religion o zuneh-
men. Dieses Ge üch könn e sich au be ü ch e e Fo de ungen sei ens de ös e ei-
chischen S ände ode au E wa ungen un e e angelischen Reichs ü s en beziehen.
De spanische Diploma Al onso Ulloa ha schon bald nach dem Tode Fe dinands
ein We k mi dem Ti el Vi a del po en issimo e ch is ianissimo impe a o e Fe dinando
p imo gesch ieben, das 1565 in Venedig e schienen is . Ein Jah spä e kam eben alls
in Venedig die Vi a di Fe nando p imo impe ado e, e ass on Lodoci o Dolce, he aus.
Beide We ke sind Beispiele ü das posi i e Bild Fe dinands I. nach seinem Tod, wie
auch das on Hein ich Pan aleon in seinem Opus Teu sche na ion wah ha e Helden,
e schienen in Basel im Jah e 1578: „Als Fe dinand an diese hochhei kommen, ha e
Teu sch na ion loblich ege ie e nd den iden wunde ba wol e hal en. E wa
10 Siehe Raine WOHLFEIL, Kaise Ka l V. — Ahnhe de eu opäischen Union? Übe legungen zum
Ve häl nis on Geschich e und T adi ion, in: No be Fische — Ma ion Kobel -G och (edd.),
Außensei e zwischen Mi elal e und Neuzei . Fes sch i ü Hans-Jü gen Goe z (S u-
dies in Medie al and Re o ma ion 61), Leiden — New Yo k — Köln 1997, S. 221–242, hie
S. 241.
11 Zu den Beg äbnis eie lichkei en und zu Planung des G abmals im Vei sdom in P ag so-
wie zu Tes amen und Teilung des E bes un e Fe dinands Söhnen siehe A. KOHLER, Fe -
dinand I., S. 297–303 und den Bei ag on Václa Bůžek in diesem Band.
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ein mil e eünd liche Fü s so mi seinen g auwen haa nde ande en Fü s en in
g ossem ansehen nd on menigklichen geliebe wo den.“12 Alle dings soll e sich ge-
gen Ende des 16. Jah hunde s die on dem Genealogen Hauben eich on Hi schho n
geäuße e E wa ung, „Fe dinands Leben, seine E hik und Ri e lichkei wü den de -
eins iele Büche üllen“,13 nich e üllen.
Fe dinands gleichnamige Sohn ließ im G oßen bzw. „Spanischen Saal“ des Am-
b ase Schlosses, im Rahmen eines g oßen Deko a ionsp og ammes neben den Ti ole
Landes ü s en, auch jene Kaise in ganze Figu da s ellen, die Ti ol und die Vo lande
egie ha en: Alb ech II., F ied ich III., Maximilian I., Ka l V. und Fe dinand I. „E z-
he zog Fe dinand II. schein mi dem G oßen Saal ein Deko a ionsp og amm e wi k-
lich zu haben, zu dem e be ei s zwei Jah zehn e o he angese z ha e: aus de Zei ,
als de E zhe zog königliche S a hal e in Böhmen wa , exis ie ein Plan (aus dem
Jah 1548) ü eine Pla onddeko a ion, de au ein ühes Beispiel eines e gleichba en
Saales hinweis .“14 Es handel sich um einen geplan en „Kaise “-Saal de P age Bu g, in
de sich bis zu dem B and am 9. Juni 1541 ein Zyklus de Könige Böhmens be unden ha e.
E zhe zog Fe dinand ha e seinem Va e auch o geschlagen, „dessen Ahnen, He zöge,
Kaise und Könige in Böhmen sowie Po ai s de gesam en Familie Fe dinands I. da zu-
s ellen: Fe dinand und seine F au Anna on Unga n, die d ei Söhne und die Töch e .“15
Ein s ad geschich liche Wiene Aspek , de mi de s ändischen Opposi ion zu
un ha , mag da ü e an wo lich sein, dass Fe dinand lange Zei eine zwiespäl ige
Rolle in de Wiene T adi ionsp lege gespiel ha ; dami auch dü e es zu un haben,
dass e in de Nachwel wenig Beach ung ge unden ha . Es handel sich um das Denk-
mal ü Ma in Siebenbü ge als Wiene Bü ge meis e im Du chgang des Tu mes
des (neuen) Wiene Ra hauses. Die Ta el ü Siebenbü ge wu de un e Bü ge mei-
s e Jakob Reumann zu 500. Wiede keh des Todes on Siebenbü ge (1522–1922)
e ich e , sie äg olgenden Tex : „Dem Vo kämp e ü die F eihei Wiens und die
Rech e de S ände Ös e eichs gegen Fü s enwillkü D . Ma in Capini, genann
Ma in Siebenbü ge , 1521 Bü ge meis e on Wien un e Fe dinand I. in Wiene
Neus ad en haup e am 11. Augus 1522, se z e diesen S ein die S ad Wien zu ie -
hunde s en Wiede keh seines Todes ags.“ Von „Fü s enwillkü “ und „Vo kämp e “
is hie die Rede — ein Ausd uck sowohl libe ale Vo s ellungen und K i ik aus den
1860e und 1870e Jah en sowie sozialdemok a ische Iden i ä aus den ühen Jah-
en de „E s en Republik“ Ös e eichs des o igen Jah hunde s.
Wenn man Fe dinand I. nu als „ös e eichischen He sche “ be ach e , so gil
dies doch nu ü einen Teilaspek seine He scha , insowei diese au die ös e -
12 Zi . nach Be hold Su e , Einlei ung zu F anz Be nha d BUCHOLTZ, Geschich e de Regie ung
Fe dinand des E s en. Aus ged uck en und unged uck en Quellen I, G az 1971, S. 223, Anm. 235.
13 Paula SUTTER FICHTNER, Fe dinand I. Wide Tü ken und Glaubensspal ung, G az —
Wien — Köln 1986, S. 7.
14 Gab iele VITÁSEK, Das E igie m Caesa m Op s, eine illuminie e Kaise eihe on 1580. Ein
Bei ag zu T adi ion de ila impe a o um an den Hö en de Habsbu ge , F ühneuzei -In o 11,
2000, N . 2, S. 28–49, hie S. 40.
15 Ebd., S. 40. Vgl. dazu auch den Au sa z on E. FUČÍKOVÁ, Kaise Fe dinand I., in diese
Num me de Zei sch i HOP.
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eichischen Lände und dami auch au das heu ige Ös e eich bezogen wi d, im
wei e en Sinne schließ sein He scha sgebie jedoch auch die böhmischen Lände
(Böhmen, Mäh en, Schlesien und die beiden Lausi zen) — heu e Tschechische Repu-
blik, Polen und Deu schland — sowie Teile Unga ns, K oa iens und Slowenien ein.
Abe seine E ah ungen gingen übe Mi eleu opa hinaus: man denke nu an Fe -
dinands Kindhei s- und Jugendjah e in den spanischen König eichen, ebenso seine
Jah e in den Niede landen. Mi ande en Wo en: e ha iel ache P ägungen e ah-
en und im Lau e seines Lebens E ah ungen in Wes - und Mi eleu opa gesammel .
Fe dinand ha sich dabei als äuße s wandelba und anpassungs ähig e wiesen. Was
seine P ägungen und E ah ungen anlang , so wa e zwei ellos Eu opäe , und zwa
in einem übe die bei de eu opäischen Hocha is ok a ie in de Regel anzu e ende
e wand scha liche Zusammengehö igkei de eu opäischen Hocha is ok a ie hin-
ausgehenden Sinn.
Fe dinand kann wenigs ens in zweie lei Hinsich cha ak e isie we den: als „Be-
g ünde “ de sogenann en „Donaumona chie habsbu gische P ägung“ sei 1526, und
als „Va e “ des Augsbu ge Religions iedens sei 1555 im eligionspoli ischen Kon-
ex : das sind die beiden he aus agenden E gebnisse de e dinandeischen Poli ik,
die zukun sweisend wa en.
Fe dinands Bedeu ung ü die En wicklung de ös e eichischen und böhmischen
Lände wa g oß und nachhal ig, was Poli ik, Regie ung, Ve wal ung, e bunden
mi Zen alisie ung und Bü ok a isie ung, anlang . Sei dem Mi elal e bes and
eine Ri ali ä zwischen Ös e eich, Böhmen, Unga n und Polen — wenige zwischen
Böhmen und dem Reich —, und zwa in Hinblick au die in eg a i e Ges al ung de
Mi e Eu opas. Im Jah e 1526 kam die am nachhal igs en wi ksame Va ian e zum Zug,
nämlich die Ges al ung Mi eleu opas un e habsbu gische Dominanz. Gewiss wa
Fe dinands He scha als unga ische König on An ang an s a k beein äch ig ,
und zwa nich nu du ch König Johann I. Szápolyai, sonde n auch übe dessen Tod
hinaus du ch die Gegne scha zum Sul an und dessen He scha in Zen alunga n,
die im G unde bis 1683/1686 andaue n soll e.
Fe dinands ös e eichische und böhmische He scha sgebie e wa en auch s a k
mi Obe deu schland, o allem Sachsen und Mi eldeu schland, e bunden; das
zeig allein schon die zei weise P äsenz Fe dinands in den obe deu schen Reichs-
s äd en — wie Augsbu g, Regensbu g, Nü nbe g, Speye und Wo ms —, e ne die
adi ionell enge und gu e Nachba scha zu Sachsen on Böhmen aus. Hingegen
blieb No ddeu schland auch un e seine ku zen Kaise he scha eine adi ionell
„kaise e ne“ Region des Heiligen Römischen Reiches. Zwei ellos wa Fe dinands
He scha ssys em auch an Wes - und Südeu opa angebunden, nämlich du ch seinen
äl e en B ude . Dabei is insbesonde e Obe i alien on In e esse, wo Ka l V. genau da-
au ach e e, dass seinem B ude keine He scha sgebie e ode wenigs ens S a hal-
e i el e wuchsen, weil e diese de eigenen dynas ischen Linie in de Pe son seines
Sohnes Philipp II. o behiel . Die häu igen Hei a en seine Töch e mi i alienischen
Fü s en, die Fe dinand mi besonde e Konsequenz e olg e, können als Ve such
de Kompensa ion poli ischen Ein lusses gesehen we den. Was Fe dinand au Daue
nich ganz gelang, wa de Ve such, eine nachhal ige mi elos eu opäische dynas i-
sche Ve anke ung in de jagiellonischen Dynas ie zu beg ünden, obwohl seine eigene