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Klimawanderweg auf der Landesgartenschau in Bamberg 2012

Foken, Thomas

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UNIVERSITÄT BAYREUTH Abteilung Mikrometeorologie Klimawanderweg auf der Landesgartenschau in Bamberg 2012 von Thomas Foken Arbeitsergebnisse Nr. 50 Bayreuth, April 2012 2 Arbeitsergebnisse, Universität Bayreuth, Abt. Mikrometeorologie, Print, ISSN 1614-8916 Arbeitsergebnisse, Universität Bayreuth, Abt. Mikrometeorologie, Internet, ISSN 1614-8924 http://opus.ub.uni-bayreuth.de/schriftenreihen_ebene2.php?sr_id=4&la=de Eigenverlag: Universität Bayreuth, Abt. Mikrometeorologie Vervielfältigung: Druckerei der Universität Bayreuth Herausgeber: Prof. Dr. Thomas Foken Universität Bayreuth, Abteilung Mikrometeorologie D-95440 Bayreuth Die Verantwortung über den Inhalt liegt beim Autor. 3 Klimawanderweg auf der Landesgartenschau in Bamberg 2012 von Thomas Foken Inhalt 1. Einleitung 4 2. Entstehung des Lokalklimas 6 3. Der Klimawanderweg 13 4. Der erweiterte Klimawanderweg zur Altstadt 32 Weiterführende Literatur 34 Quellen 34 4 1. Einleitung Klima ist heute in aller Munde. Der Begriff hat die Stammtische erreicht und es ist so einfach für oder gegen die Klimaerwärmung zu sein oder etwas für oder nicht für den Schutz des Klimasystems zu tun. Nur wenige kennen das Klimasystem in all seiner Kompliziertheit und gerade die Zweifler am Klimawandel beleuchten nur kleine Teile und glauben dadurch schon alles erkannt zu haben. Für viele bleibt Klima etwas sehr Abstraktes – zum Wetter kann man schon eher etwas sagen. Und doch passiert Klima bereits vor der eigenen Haustür – oder im Sprachgebrauch der Landesgartenschau – im eigenen Garten. Klima zum Anfassen soll der Klimawanderweg auf der Landesgartenschau vermitteln, dabei aber nicht den Blick für das Klima der Erde völlig ausblenden, aber vielleicht durch Verstehen im Kleinen das große Menschheitsproblem besser wahrnehmen zu können. Dem Klimawanderweg kann man sich auf verschiedene Weise nähern. Man besucht im Erba-Gelände einfach die 14 Schautafeln, wobei die Reihenfolge sogar unwichtig ist. Damit ist vieles schon verständlich, soweit man das in wenigen Worten sagen kann. Wer mehr erfahren will, besucht eine angebotene Führung oder vereinbart eine solche für eine kleine Gruppe von Interessenten. Auf einem etwa einstündigen Rundweg kann man dann viel Wissenswertes hören. Für den Individualisten oder den ganz Neugierigen ist diese kleine Broschüre gemacht. Sie versucht Hintergrundwissen zu vermitteln und die doch recht einfachen Erklärungen auf den Schautafeln wissenschaftlich zu verstehen. Dies ist nicht nur für den Gärtner von Nutzen, der seinen Garten möglichst optimal an die Lebensbedingungen der Pflanzen anpassen will. Das Heft ist aber auch für den Geographieund Physiklehrer geschrieben, der Anregungen erhalten soll, wie man Naturbeobachtungen zu Wetterund Klima den Schülern nachhaltig beibringen kann. Wenn es dann auch noch der Stadtplaner oder gar Politiker liest, dann ist uns allen geholfen und mancher Schaden kann vermieden werden. Aber was ist nun Klima und vor allem was ist Klimaänderung. Der sehr warme Dezember 2011 und Januar 2012 sind kein Anzeichen der Klimaerwärmung. Auch die eisige erste Februarhälfte hat nichts mit einer Klimaabkühlung zu tun. Schon etwas mehr mag man an Klimaerwärmung glauben, wenn man sich das letzte Jahr ansieht, in dem nur der Februar und Juli etwas zu kühl waren. In weiten Teilen Deutschlands war sogar nur der Juli zu kühl und 2011 war das fünftwärmste Jahr seit 1881 (in den Jahren davor war es aber auch sehr kühl, nur feh- 5 len die umfassenden Wetteraufzeichnungen). Leider ist unser Klimagedächtnis sehr schlecht. Die kühlen Sommertage sind uns mehr in Erinnerung geblieben als die warmen und sonnenscheinreichen Frühjahrsund Herbstwochen. Das macht es für uns schwierig über Klima zu reden, denn es ist etwas Langfristiges und die Experten betrachten immer Zeiträume von 30 Jahren und vergleichen solche, damit kurzzeitiges Wettergeschehen zu keinen Fehlschlüssen führt. Die Älteren unter uns haben eine Chance. Wenn sie an kalte Wintertage in der Kindheit zurück denken, sind diese immer auch Tage mit Schnee, der kalte Februar 2012 brachte mit 1-3 cm für Bamberg nicht einmal den Kindern einen Rodelspaß. Der Atlantik ist heute einfach zu warm und Regenwolken bringen im Flachland meist nur Regen und nur im Gebirge Schnee, dort oft sogar viel, denn wärmere Wolken bringen eben auch mehr Wasser mit. Wir kommen hier und da auf den Klimawandel zurück bei unserem Klimastreifzug durch die Landesgartenschau. Vorerst steht die Frage, was kann man davon auf einem Klimawanderweg überhaupt sichtbar machen. Wir betrachten auf der Landesgartenschau das lokale Klima, nicht das Klima von Bamberg, sondern das Klima in vielen kleinen Ecken auf der Landesgartenschau und in der Stadt Bamberg, an Stellen, die sich von anderen unterscheiden und immer wieder typische Verhältnisse zeigen. Lufttemperaturund Luftfeuchte sind meist gar nicht so einheitlich wie wir glauben. Es gibt zwar an einem normalen Tag in der üblichen Messhöhe von 2 m Höhe kaum Temperaturunterschiede in Bamberg. Würde man aber etwas näher am Boden messen, wo in unseren Gärten die Pflanzen wachsen oder unter einem Blätterdach oder an einem Wasserlauf, dann können doch beachtliche Unterschiede auftreten. Und diese sind so typisch, dass man diese immer wieder findet und von einem lokalem oder Kleinklima spricht. Diesem wollen wir auf der Landesgartenschau nachspüren. Das sich so etwas ausbilden kann ist ein kompliziertes Wechselspiel von Strahlung, Erwärmung, Verdunstung und Wind – leider sehr komplex miteinander verknüpft, so dass man wie beim Klimasystem nicht immer ganz einfache Erklärungen hat, wie das auf den Schautafeln versucht wurde. Das zweite Kapitel ist deshalb nicht ganz leicht zu verstehen, denn es wird versucht, das komplizierte Wechselspiel erkennbar zu machen. 6 2. Entstehung des Lokalklimas Grundvoraussetzung für die Entstehung des Klimas überhaupt ist die Energie, die die Erde von der Sonne durch Strahlung empfängt. Durch die Neigung der Erdachse um ca. 23° gegenüber der Bahnebene der Erde um die Sonne (Ekliptik) entsteht zumindest in den mittleren Breiten das typische Jahreszeitenklima (Abbildung 1) mit hohen Sonnenständen und starker Sonneneinstrahlung im Sommer und niedrigen Sonnenständen im Winter. Die Exponierung zur Sonne kann auch durch geneigte Flächen verändert werden, was beim Lokalklima eine besondere Rolle spielt. Abbildung 1: Position der Erde zur Sonne am (Nord-)Sommeranfang (oben) und am (Nord-) Winteranfang (unten) Ein Großteil der Strahlungsenergie der Sonne wird im sichtbaren Licht ausgesandt auf Grund der hohen Temperatur der Sonne von ca. 6000 K. Daneben gibt es Anteile im ultravioletten und infraroten Licht. Hochenergetische ultraviolette Strahlungen mit sehr kleinen Wellenlängen werden glücklicherweise durch die Ozonschicht von der Erde ferngehalten, ansonsten würde hohe Krebsgefahr bestehen. Die Erde erreichen Strahlen mit Wellenlängen von 0,29 bis 5 µm, die als solare oder extraterrestrische kurzwellige Strahlung bezeichnet werden. Jeder Körper hat die Eigenschaft Strahlung in Abhängigkeit von seiner Oberflächentemperatur in einem bestimmten Wellenlängenbereich auszustrahlen. Das gilt auch für die Erde und alles, was sich auf ihr befindet. Bei den typischen 7 Temperaturen ergibt sich dann eine terrestrische langwellige Strahlung in einem Wellenlängenbereich von ca. 3 bis 100 µm. Diese ist wahrscheinlich Wenigen bewusst und doch ist sie maßgeblich für unser Wärmeempfinden und auch das Lokalklima verantwortlich. Die kurzwellige Sonnenstrahlung (Globalstrahlung) erreicht nur zu etwa 50 % die Erdoberfläche. Der Rest wird in Wolken absorbiert oder an diesen und an der Erdoberfläche reflektiert (Reflexstrahlung). Die trotz Wolken noch an die Erdoberfläche gelangende Strahlung wird als Himmelsstrahlung bezeichnet. Die an der Erdoberfläche absorbierte Strahlung wärmt die Unterlage auf, wobei Wasser und feuchte Oberflächen durch die hohe Wärmekapazität besonders viel Energie speichern können. Andere Oberflächen wie u. a. Sand werden zwar deutlich heißer, doch ist die Wärmekapazität und Wärmeleitung gering, so dass schon eine geringe Strahlungsmenge ausreicht, um die dünne Oberflächenschicht kräftig aufzuheizen. Ein Teil der kurzwelligen Strahlung wird auch reflektiert, und zwar um so mehr, je heller die Oberfläche ist, so dass bei frisch gefallenem Schnee fast 100 % erreicht werden, Sandflächen liegen bei 30-40% und Wasser ist mit deutlich unter 10 % am geringsten. Die meisten pflanzlichen Oberflächen liegen bei etwa 15-20 %. Das Verhältnis aus reflektierter und einfallender kurzwelliger Strahlung wird als Albedo bezeichnet und in der Regel in Prozent angegeben. An der Obergrenze der Atmosphäre erreichen uns im Sommer im Tagesmittel fast 500 W m-2 (1 W m-2 = 1 J m-2 s-1) kurzwellige Strahlung, im Winter nur 100 W m-2. Am Boden sind es durch Lufttrübung und Absorption durch Wolken im Mittel nur ca. 50 % davon. Während kurzwellige Strahlung (abgesehen von der Ozonschicht in 20 km Höhe) nicht zur Erwärmung der Luft beiträgt, ist dies bei der langwelligen Strahlung nicht der Fall. Ihre Wellenlängen können von nicht symmetrischen Molekülen wie die des Wasserdampfes, des Kohlendioxids, des Methans, des Lachgases, des troposphärischen Ozons u.a., den sogenannten Treibhausgasen, absorbiert werden. Die Gase erwärmen sich dabei geringfügig. Sie werden durch ihre Eigentemperatur selbst wieder zu einem langwelligen Strahler, der in alle Richtungen strahlt. Während die langwellige Strahlung, die von unten kommt, als atmosphärische Ausstrahlung bezeichnet wird, wird die nach unten gerichtete langwellige Strahlung als Gegenstrahlung bezeichnet. Die natürlich in der Atmosphäre vorhandenen Treibhausgase führen dazu, dass die Erde um 33 Grad wärmer ist, als sie es ohne Treibhausgase wäre. Der natürliche Treibhauseffekt ist also Grundvoraussetzung dafür, dass auf der Erde in äquatorfernen Gebieten überhaupt Leben vorhanden ist. Verantwortlich ist die von den Gasmolekülen 8 wieder zur Erde zurückemittierte langwellige Strahlung. Der durch anthropogene Treibhausgase (durch menschliche Aktivitäten erzeugte Treibhausgase) verursachte Treibhauseffekt von gegenwärtig 1 bis 2 Grad ist demgegenüber relativ gering, aber eben groß genug, um deutliche Effekte im Klimasystem wie Gletscherschmelze, Polareisschmelze, Meeresspiegelanstieg, extreme Wetterlagen u.a. hervorzurufen. Abbildung 2: Schematische Darstellung warmer (T+) und kalter (T-) Turbulenzelemente. Durch die Verbindung mit einer aufwärtsgerichteten vertikalen Windkomponente (W+) oder einer abwärtsgerichteten vertikalen Windkomponente (W-) entsteht im turbulenten Windfeld der fühlbare Wärmestrom Die Konzentration an Treibhausgasen reicht aber nicht aus, um die tägliche Erwärmung der Luft nach Sonnenaufgang hervorzurufen. Dieser Erwärmungsprozess erfolgt durch den sogenannten fühlbaren Wärmestrom. Die durch die kurzwellige Strahlung erwärmte Unterlage überträgt ihre Wärme im untersten Millimeter zuerst von Molekül zu Molekül (molekulare Leitung) aber schon unmittelbar darüber zu Luftkörpern, wobei die kleinsten eine Größe von Zentimetern haben. Diese Luftkörper werden als Turbulenzelemente oder turbulente Wirbel bezeichnet. Kleinere Wirbel vereinigen sich zu größeren, in größeren sind aber weiterhin auch kleinere vorhanden. Die Wirbel können sich relativ schnell bewegen und machen den „turbulenten“ Austausch deutlich effektiver als die molekulare Leitung unmittelbar über der Unterlage. In Kopfhöhe sind mehrere Dezimeter bereits die typische Größe und mit zunehmender Höhe werden die Wirbel immer größer. Die größten sind dann Hochund Tiefdruckgebiete. Für die Aufund Abwärtsbewegung ist im Wesentlichen die Dichte des jeweiligen Luftkörpers verantwortlich und die vertikale Windgeschwindigkeit, die das tur- 9 bulente, d.h. das sich unregelmäßig und schnell verändernde, Windfeld auf den jeweiligen Wirbel ausübt. Dieser in Abbildung 2 schematisch skizzierte Aufund Abwärtsfluss wird als fühlbarer Wärmestrom bezeichnet, der im Tagesgang für die Erwärmung der Luft bis zu mehreren 100 m Höhe verantwortlich ist. Ähnlich verhält es sich mit der Verdunstung, das heißt dem Wasserdampffluss. Auch hier wird über Boden und Blättern im ersten Millimeter der Wasserdampf durch molekulare Diffusion transportiert. Darüber bilden sich Turbulenzelemente mit mehr oder weniger Gehalt an Wasserdampf, d. h. sie sind leichter oder schwerer als ihre Umgebung (Anmerkung: Feuchte Luft ist bei gleicher Temperatur leichter als trockene, da Wasserdampf das geringere Molekulargewicht von 18 g mol-1 gegenüber trockener Luft von 29 g mol-1 hat). Auch hier wird der Transport zusammen mit der Vertikalkomponente des Windes sehr effektiv. Die Verdunstung wird auch als latenter Wärmestrom bezeichnet, da für den Übergang von Wasser in Wasserdampf viel Energie gebraucht wird, die erst bei der Kondensation des Wasserdampfes in der Wolke wieder frei wird. Wasserdampf übt somit einen latenten Energietransport aus. Völlig analog verhält es sich bei Transport von anderen Gasen und Stoffen in der Atmosphäre. Damit ist nun das energetische Bild der Atmosphäre komplett. Die einfallende kurzwellige Strahlung der Sonne liefert im jährlichen Mittel über die gesamte Erde 342 Wm-2. Nicht alles kommt bis zur Erdoberfläche. Ein Teil wird reflektiert, ein anderer durch Dunst und Wolken absorbiert. Sowohl die Erdoberfläche als auch Treibhausgase, Wolken und Dunst geben entsprechend ihrer Temperatur langwellige Strahlung ab. Schaut man sich die Bilanz aller Strahlungsströme an der Erdoberfläche an, so erhält die Erdoberfläche etwa 100 W m-2 mehr Strahlungsenergie als sie wieder abgibt. Diese 100 W m-2 werden durch die turbulenten Flüsse des fühlbaren und latenten Wärmestroms in die Erdatmosphäre wieder abgegeben und damit wird der Kreislauf geschlossen (Abbildung 3). Die Aufteilung dieser 100 W m-2 in fühlbaren und latenten Wärmestrom ist je nach Klimazone sehr unterschiedlich. In Wüsten und ariden Zonen überwiegt der fühlbare Wärmestrom. In unseren Breiten ist in der Regel der latente Wärmestrom etwa doppelt so groß wie der fühlbare. Aber auch die Unterlagen beeinflussen das Verhältnis aus fühlbarem und latentem Wärmestrom, welches Bowen-Verhältnis genannt wird. Und wie beeinflussen die zusätzlichen anthropogenen Treibhausgase diesen Kreislauf? Da die Gasmoleküle die von unten nach oben gerichtete langwellige Strahlung (Ausstrahlung) absorbieren und anschließend wieder Strahlung entsprechend 16 3.3 Steingartenklima Im Steingarten werden gleich mehrere Klimaphänomene ausgenutzt, um ein besonders warmes und trockenes Klima zu erzeugen. Die Steine dienen dabei als Wärmespeicher, da sie sich bei Sonneneinstrahlung stark erwärmen und in der Nacht lange die Wärme speichern und somit eine zu starke Auskühlung verhindern. Eine geneigte Anlage unterstützt diese Prozesse noch. Der Steingarten soll nach Süden bis Südwesten offen sein, um volle Sonneneinstrahlung zu ermöglichen aber auch Schutz gegen kalte Winterwinde aus Nordosten bieten. Ganz windgeschützt sollte er nicht sein, damit ausreichend Wasser verdunsten kann und der Steingarten sein trocken-warmes Lokalklima erhält. Der Steingarten ist ein sehr schönes Beispiel, wie lokales Klima optimal ausgenutzt werden kann, um Wärme und Trockenheit liebenden Pflanzen auch in unseren Breiten optimale Lebensbedingungen zu geben. Dabei kommt den Steinen in Form einer kleinen Wand eine besondere Bedeutung zu. Diese sollte möglichst ganztägig von der Sonne beschienen werden. Die Steine speichern so viel Energie, dass sie tags wie nachts als langwelliger Strahler dienen. Am Tag ist dies vielleicht nur in den Übergangsjahreszeiten von Bedeutung – aber in der Nacht von erheblichem Nutzen. Die Abkühlung des Steingartenbeetes durch langwellige Ausstrahlung findet nur in einem Halbraum zur offenen Seite statt, während in der den Steinen zugewandten Richtung die langwellige Strahlungsbilanz nahezu ausgeglichen ist. Diese Reduktion der Abkühlung durch Ausstrahlung bei gleichzeitig vorhandener Wärmequelle kann zu einigen Grad höheren bodennahen Temperaturen führen. Entgegen den Erwartungen in einem warmen Steingarten sind fühlbarer Wärmestrom und Verdunstung sogar relativ niedrig, da die Steine das Windfeld abschirmen und somit die Voraussetzung für turbulente Energieflüsse. Dieser Windschutz ist gegen kalte Nordostwinde im Winter sicher sinnvoll, im Sommer sollte aber eine ausreichende Belüftung gewährleistet sein, damit das lokale Klima auch trocken ist, denn Wärme ohne Wind schafft noch keine ausreichende Verdunstung. Die Nutzung von Steinwällen zur Veränderung des lokalen Klimas ist den Menschen seit alters her bekannt. Abbildung 5 zeigt Steinwälle auf Lanzarote. Diese schützen gegen den Nordostpassat, nicht weil er zu kühl ist, sondern weil er eine zu hohe Verdunstung in dieser wasserarmen Gegend verursachen würde. Außerdem bietet er der Pflanze durch die Steine noch ausreichend Wärme analog dem Steingarten. 17 Abbildung 5: Aprikosenbaum auf Lanzarote geschützt vor zu starker Verdunstung infolge des Nordostpassats durch einen nach Südwesten geöffneten Steinwall. 3.4 Strahlungsklima Auf geneigte und nach Süden ausgerichtete Flächen scheint in unseren Breiten die Sonne zeitweise sogar senkrecht, so dass sehr viel Wärme an Pflanzen und Boden übertragen wird. Daher werden derartige Standorte für wärmeliebende Pflanzen – wie in Franken für den Wein – besonders bevorzugt. In der Nacht können diese Flächen durch ihre offene Lage stark auskühlen. Hier ist es wichtig, dass die oberhalb der Anpflanzungen entstehende Kaltluft gut in die Täler abfließen kann und Standorte im Tal nicht mit frostgefährdeten Pflanzen bestückt werden. Wichtig ist aber auch ein Schutz vor kalten Winden aus Nordwest bis Ost, so dass Südhänge an geschützten Talhängen besonders bevorzugte Standorte sind. 18 Die Intensität der einfallenden kurzwelligen Strahlung ist immer dann besonders groß, wenn die Lichtstrahlen senkrecht auf eine Fläche fallen. Abbildung 6 zeigt, dass ein gleiches Strahlenbündel bei senkrechtem Einfall eine deutlich kleinere Fläche bestrahlt als das gleiche Bündel bei schrägem Einfall. Die Flächen mit senkrechtem Einfall, wie beispielsweise die Pyramidenseiten auf der Landesgartenschau, bekommen also mehr Energie ab und können sich stärker erwärmen. Diese Tatsache wird bei der Aufstellung von Solaranlagen genutzt. Der Aufstellungswinkel hängt von der geographischen Breite und der Sonnenhöhe in Jahreszeiten ab, in denen ein besonders hohes Energiepotential erwartet wird. Aufwendigere Anlagen drehen die Kollektoren immer so in die Sonne, dass ständig nur ein senkrechter Einfall der Strahlen vorhanden ist. Abbildung 6: Schematische Darstellung von senkrechtem (rechts) und schrägem (links) Einfall der Sonnenstrahlen auf eine Fläche. Eine optimale Ausnutzung des Strahlungsklimas erfolgt in Franken an den Weinbergen. Hier werden Südhänge mit maximaler Strahlungsausbeute bevorzugt (Abbildung 7). Der neu errichtete Weinberg am Michelsberg ist ein Beispiel dafür (siehe Abschnitt 4). In wärmeren Gegenden Deutschlands, wie in Rheinhessen, kann man Wein auch auf ebenen Feldern anbauen, was im Bamberger Raum unmöglich ist; immerhin gehört das fränkische Anbaugebiet neben den noch nördlicher gelegenen Gebieten an Elbe und Saale-Unstrut eher zu den kühleren deutschen Anbaugebieten. Hangige Weinberge haben weiterhin den großen Vorteil, dass Kaltluft gut abfließen kann. Man darf die Pflanzungen nur nicht bis an den tiefen Talboden ausdehnen und muss durch Wege und Mauern verhindern, dass Kaltluft von höher gelegenen Flächen oder aus Büschen und Wäldern auf den Kuppen in den Weinberg fließen kann. Die historischen Weinberge bei Steinbach vor den Toren Bamberg haben eine fischgrätenartige Struktur, die ein gutes Abfließen und Sammeln der Kaltluft ermöglicht. 19 Abbildung 7: Fränkische Weinbaulandschaft bei Zeil-Ziegelanger 3.5 Kleingartenklima Bei der Anlage einer Laube mit Terrasse im Kleingarten sollte man sich vorab überlegen, ob man lieber in der Morgensonne frühstücken möchte oder eher lange Sommerabende noch bei Sonnenschein genießen will. Danach sollte die Terrasse eher nach Südosten oder Südwesten ausgerichtet werden. Beim Dach der Laube sollte man an ein Süddach denken, um die Sonnenenergie nutzen zu können. Windschutz durch Hecken von Nordwest bis Nordost ist für ein angenehmes Gartenklima ebenfalls günstig. Bäume als Schattenspender sind wichtig, sollten aber nicht im Süden stehen und den ganzen Garten beschatten. Beim Hausbau gilt dies ebenso, wobei hier der Sichtschutz ggf. noch stärker beachtet werden sollte. Die Gestaltung eines Kleingartens ist oft durch Vorschriften eingeschränkt. Dies betrifft sowohl den Standort der Laube als auch Anpflanzungen wie Bäume und Hecken. Wichtig ist, dass man dennoch an einige wichtige Fragen bei der Gar- 20 tengestaltung denkt. Der Garten sollte ausreichend kurzwellige Strahlung von der Sonne erhalten, ohne dass schattige Stellen völlig vermieden werden. An den stärker von der Sonne beschienenen Flächen wird man in der Regel wärmeliebende Pflanzen anbauen. Oft sind diese dann aber auch frostgefährdet – da relativ offen. Hecken, Büsche und Sträucher in angemessenem Abstand können in der Nacht die zu große Wärmeabstrahlung durch langwellige Strahlung vermindern und unterstützen eine ausgeglichene langwellige Strahlungsbilanz zwischen ihnen und den Anpflanzungen. Sinnvoll ist es, den Garten durch Hecken oder Büsche vor von außerhalb einfließender Kaltluft speziell an hangigen Lagen oder bei großen offenen Flächen in der unmittelbaren Nähe, zu schützen. Trotz allem Schutz vor Frost und Wunsch nach Schatten sollte man auf eine angemessene Durchlüftung achten. Dies ermöglicht nicht nur den Luftaustausch, sondern unterstützt die Verdunstung, denn gerade in Buschoder Heckennähe ist diese durch die fehlende Luftbewegung gering und es kann z. B bei lehmigen Böden zur Vernässung führen. Der Windschutz ist auf alle Fälle sinnvoll von Nordwest über Nord bis Ost, um vor kalten Winden im Winter zu schützen. 3.6 Heckenklima Hecken stellen nicht nur einen Sichtund Windschutz her. In windstillen Nächten kann sich die Luft in unmittelbarer Heckennähe nicht so stark abkühlen wie auf freien Flächen. Grund ist die Wärmestrahlung der Hecke, die zumindest von einer Seite eine stärkere Auskühlung verhindert und damit die Frostgefährdung mindert. Durch die geringen Windgeschwindigkeiten in Heckennähe wird auch die Verdunstung reduziert. Damit ist es in Heckennähe in der Regel feuchter, insbesondere an der Schattenseite mit dem Nachteil einer stärkeren Moosbildung. Hecken in der Landschaft haben durch ihre Minderung der Windgeschwindigkeit einen positiven Einfluss auf die Vermeidung von Bodenerosion und stärkerer Austrocknung. Zu Hecken ist schon manches gesagt, was nochmals zusammengefasst werden kann (siehe auch Abschnitt 3.13): Sie bieten einen guten Windschutz, sollten Flächen aber nicht zu eng umschließen, um ausreichend Durchlüftung und Verdunstung zuzulassen. Sie sind ein wirksamer Schutz gegen zu große nächtliche Abkühlung. Da ihre Temperatur etwa der der Unterlage entspricht, ist zwischen Anpflanzungen und der Hecke immer eine ausgeglichene langwellige Strahlungsbilanz. Für Anpflanzungen ist meist nur die heckenabgewandte Seite offen und kann sich durch langwellige Ausstrahlung abkühlen. In der Summe beider 21 Effekte ist es in Heckennähe etwas wärmer in der Nacht und die Frostgefährdung ist gemindert. 3.7 Frostgefährdung Große freie Flächen sind in klaren windstillen Nächten – speziell im Frühling – besonders stark frostgefährdet. Ursache ist die ungehinderte Wärmeabstrahlung des Bodens. Hier kühlt sich die Luft stärker ab als unter Bäumen oder in bebauten Gebieten. Kann noch Kaltluft von benachbarten Hängen einfließen, wird der Effekt zusätzlich verstärkt. Besonders hoch ist die Nachfrostgefahr, wenn trockene Kaltluft aus dem hohen Norden eingeströmt ist (Eisheilige). Da hilft kaum ein Schutz. Empfindliche Kulturen kann man kurz vor Frostbeginn mit Wasser einsprühen, dann gefriert erst der Wasserfilm, bevor Blüten und Blätter erfrieren können. Leider sind die Eisheilgen nicht durch den Klimawandel abgeschwächt. Die Frostgefahr (insbesondere die Gefahr von Spätfrösten) ist immer die Kombination einer speziellen Wetterlage mit einer lokalklimatologischen Verstärkung. An der Rückseite eines nach Osten abziehenden Tiefdruckgebietes bei gleichzeitig hohem Luftdruck über England kann von Norden sehr kalte und durch den direkten Weg über Skandinavien meist auch trockene Luft einfließen. Diese kommt in dem sich nach Osten ausdehnenden Hochdruckkeil zur Ruhe, d.h. Windgeschwindigkeit und Wolken nehmen ab. In dieser sehr kalten, trockenen und sauberen Luft ist die langwellige Gegenstrahlung des Himmels sehr gering und würde Temperaturen von -50 bis -60 °C entsprechen, also deutlich kälter als die bodennahen Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Die langwellige Ausstrahlung am Boden ist somit sehr groß und die Luft kann sich zum Teil erheblich abkühlen. Insbesondere offene und tief gelegene Flächen sind hier sehr frostgefährdet. Generelle Maßnahmen gegen Spätfröste sind in den anderen Kapiteln durch geeignete Anpflanzungen schon erörtert worden. Wenn das Ereignis aber sehr stark ist oder man beispielsweise Streuobstwiesen nicht effektiv schützen kann, dann hilft in den Abendund Nachtstunden vor dem erwarteten Frostereignis das Einsprühen von Blüten und empfindlichen Pflanzen mit Wasser. Damit Wasser gefrieren kann, muss ihm Energie durch Abkühlung entzogen werden. Dieser Prozess, bei der die Temperatur nicht unter 0 °C fällt, kann einige Zeit dauern und reicht oft schon, um die stärkste Auskühlung zu verhindern. Effek- 22 tiv, aber bei den Nachbarn sicher nicht beliebt, ist das Erzeugen von Rauch. In der nächtlichen stabilen Luftschichtung (am Boden kälter als in der Höhe) fehlt jeglicher turbulenter Austausch, d.h. die Luft hat eine geschichtete blätterteigähnliche Struktur. Der Rauch würde in einer Schicht über den Büschen sich anreichern und sich an der Obergrenze abkühlen. Dort treten nun die niedrigsten Temperaturen auf und unterhalb des Rauches wird die Bilanz der langwelligen Strahlung durch die Temperatur des Rauches und der Unterlage bestimmt. Da diese weitgehend ausgeglichen ist, kommt es zu keiner weiteren Abkühlung am Boden. In Niederungen kann man in derartigen Nächten dieses Phänomen am Nebel beobachten. Zuerst bildet sich dieser an der kältesten Stelle unmittelbar am Boden. Es dauert nicht lange und der Nebel hebt sich und bildet dünne Schichten, die oben weiter abkühlen, darunter aber eine weitere Abkühlung verhindern. 3.8 Parkklima Ein Park soll zwei Funktionen haben, er soll kühle Luft an die umgebenden Stadtgebiete abgeben und an heißen Tagen angenehme Temperaturen aufweisen. Dazu müssen Parks relativ groß sein (Ausdehnung in alle Richtungen mindestens 500 m und keine Bebauungen) und viele offene Flächen besitzen, die sich in der Nacht abkühlen und dann Kaltluftspenden an die angrenzenden Stadtgebiete abgeben können. In trockenen Perioden muss allerdings gewährleistet sein, dass Parks bewässert werden können, denn feuchte Flächen bleiben kühl, während sich trockene stark erhitzen. Daneben sollten Baumgruppen ausreichend Schatten spenden. Der Typ des Englischen Gartens kommt diesem idealen Parkklima am nächsten. Kleine Parks in Häuserlücken und an Straßenoder Flussrändern sind im Stadtbild sehr beliebt und als Schattenspender an heißen Sommertagen auch willkommen. Oft ist ihre nächtliche Auskühlung nicht groß genug, um die Maxima der Lufttemperatur am Tage deutlich zu mindern. Flächen, die auch als Kaltluftspender für umliegende Gebiete dienen können, müssen sich mindestens 500 m in alle Richtungen erstrecken, um genügend Luft in der Nacht produzieren zu können, die dann auch in die Umgebung abfließen kann. Besonders gut ist es, wenn die Parklandschaft genügend offene Stellen hat, die sich stärker abkühlen als die Baumgruppen (Englischer Garten). Im Bamberg entspricht der Hain weitgehend diesem Idealbild. Das Erba-Gelände der Landesgartenschau zusam- 23 men mit dem angrenzenden Main-Donau-Kanal kann auch eine derartige Funktion für den Stadtteil Gaustadt entwickeln. Wichtig ist es aber, dass in Parks das Bowen-Verhältnis immer deutlich unter Eins bleibt, d.h. die Verdunstung muss größer als der fühlbare Wärmestrom sein. Dies bedeutet, dass größere offene Flächen, die notwendig sind für das Parkklima, aber durch die bessere Durchlüftung auch stärker austrocknen, immer feucht bleiben müssen, was durch den Einbau von Bewässerungsanlagen bei der Parkanlage berücksichtigt werden sollte. Anderenfalls überwiegt der fühlbare Wärmestrom und die Luft erwärmt sich deutlich und Parks können dann unangenehm heiß werden. Die zu starke Austrocknung kann dann sogar noch die Erosion von Boden unterstützen. 3.9 Stadtklima Das Stadtklima wird durch den Klimawandel am ehesten ungünstig beeinflusst. Städte heizen sich durch die hohe Wärmekapazität von Steinen und Gebäuden besonders stark auf, wobei auch die Nacht durch die nur langsame Wärmeabgabe deutlich milder als im Umland ist. In Hitzeperioden beginnt die tägliche Erwärmung somit auf einem höheren Niveau als in der Umgebung, womit am Tage sehr hohe Temperaturen auftreten können. Um dem entgegen wirken zu können, sollten größere Parks angelegt werden und Kaltluftabflüsse aus der Umgebung ungehindert in die Stadt gelangen können. Bamberg hat mit dem Regnitztal und dem Hain sowie mit teilweise nicht zugebauten Kaltluftschneisen von den Hügeln recht gute Bedingungen. Städte sind im Zeitalter der Klimaerwärmung die größten Sorgenkinder. Die hohe Verbauungsdichte und die Vielzahl versiegelter Flächen führen zu einer erheblichen Wärmespeicherung am Tag. Bowen-Verhältnisse deutlich über Eins verursachen große fühlbare Wärmeströme und erhöhen die Erwärmung der Luft. An heißen Sommertagen ist dies für die Bevölkerung sehr belastend. Auch wenn die Abendstunden in einer Stadt noch angenehm warm sein können, so sind es gerade diese hohen Nachtemperaturen, die dann bei der täglichen Erwärmung diese von einem höheren Niveau starten lassen als im Umland, so dass Städte deutlich wärmer sein können. Es ist in Zeiten des Klimawandels eine vordringliche Aufgabe von Städteplanern, eine stärkere nächtliche Auskühlung durch die Anlage größerer zusammenhängender Parklandschaften und die Ermöglichung einer Frischluftzufuhr 24 aus dem Umland zu gewährleisten. Gerade auf diesem Gebiet ist in vielen deutschen Städten in den letzten Jahren gesündigt worden. Bamberg hat u.a. mit der Waldwiese in Gaustadt (siehe Abschnitt 4) eine Möglichkeit der Frischluftzufuhr. Es ist aber ständig darauf zu achten, dass diese Kaltluft auch ungehindert in das Zielgebiet abfließen kann und derartige Kaltlufttrassen nicht durch Verkehrswege zerschnitten werden. Der Kaltluftstrom würde sonst die Abgase in die zu schützenden Gebiete transportieren und der ganze Effekt wäre kontraproduktiv. Auch wenn wir heute Luftverschmutzung nicht mehr sehen und riechen können, so ist die Luft in Innenstädten und an Verkehrswegen häufig über das zulässige Maß mit Stickstoffoxiden und Feinpartikeln angereichert, so dass ein Austausch mit Frischluft weiterhin angeraten ist. 3.10 Waldklima Wald hat nicht nur durch sein Wasserspeichervermögen und die hohe Aufnahme von Kohlendioxid eine wichtige Rolle im Klimasystem. Gerade das Waldklima empfinden wir als besonders angenehm an heißen Sommertagen. Die Luft erwärmt sich nur im oberen Kronenbereich und kann kaum in den Wald eindringen, da unter den Bäumen die kühlere und schwerere Luft aus den Morgenstunden nicht verdrängt wird und ein angenehmes Temperaturniveau schafft. In der Nacht kühlt sich auch zuerst der obere Kronenbereich ab. Diese schwerere kühlere Luft sinkt aber bis in den Stammraum ab. Trotzdem empfinden wir es noch als angenehm mild, da die Bäume im Gegensatz zur offenen Landschaft die Wärmeabstrahlung vom Boden verhindern. Wald ist eher untypisch im Erba-Gelände, doch ist Bamberg von Wäldern eingeschlossen und sie sind das Ziel vieler Wanderfreunde, nicht zuletzt wegen des angenehmen Waldklimas. Am Tag erwärmt sich vor allem der Kronenraum. Diese warme und leichte Luft kann nur in sehr geringem Maße in den Stammraum absinken, meist nur im Zusammenhang mit kleinen Windböen. Somit bleibt es im Stammraum und auf Waldwegen angenehm kühl, meist einige Grad gegenüber dem Waldrand, also ideale Bedingungen an heißen Sommertagen (Abbildung 8). In der Nacht findet die Abkühlung durch langwellige Ausstrahlung auch im Kronenraum statt. Diese kühle und schwerere Luft sinkt nun aber in den Stammraum und mit nur geringer Verzögerung gleichen sich die Temperaturen an, so dass weitgehende Isothermie im Wald herrscht. Dennoch empfinden wir in der Nacht den Wald gegenüber dem Waldrand als angenehm warm. Ursache ist die langwellige Strahlungsbilanz im Wald. Da Waldboden und Kro- 25 nenraum nahezu die gleiche Temperatur haben, findet keine zusätzliche Abkühlung statt und auch die langwellige Strahlungsbilanz gegenüber unserer Körperoberflächentemperatur ist gering, so dass wir keinen Abkühlungseffekt verspüren. Die nahezu vorhandene Windstille unterstützt dieses Empfinden. Abbildung 8: Temperaturverlauf in und über dem Wald am Tag und in der Nacht. Wald ist ein natürlicher Speicher von Kohlendioxid, indem er mehr aufnimmt als er durch die Zersetzung u.a. von abgestorbener Biomasse wieder frei setzt. Der Schutz der Wälder ist somit gleichzeitig Klimaschutz und ein hoher Waldanteil in einer Region ist ein effektiver Beitrag zum Erhalt des Erdklimas. Bei der Waldnutzung ist zu beachten, dass diese durch Ausdünnung von bis zu einem Drittel der Bäume und Wiederaufforstung geschehen sollte. Nur so bleibt die Speicherwirkung des Waldes erhalten, denn bei einem Kahlschlag würde erst einmal 10-20 Jahre der Kohlenstoff aus dem Boden und Bruchholz freigesetzt. Beim Waldumbau durch Ausdünnung wird das freigesetzte Kohlendioxid gleich wieder assimiliert. Es tritt also ein Recycling ein. Demgegenüber sind Ackerkulturen und intensiv genutzte Wiesen in der Regel Kohlendioxidquellen. Nur extensiv genutzte Wiesen in den Höhenlagen unserer Mittelgebirge mit nur 1-2 Mahden pro Jahr können auch Kohlendioxid speichern. 32 4. Der erweiterte Klimawanderweg zur Altstadt Wer noch nicht genug hat an Lokalklima und auch noch etwas die bergige Seite von Bamberg kennen lernen will, der sollte nicht gedankenlos einen der angebotenen Wege Richtung Altstadt wählen. Der erweiterte Klimawanderweg (ohne Auszeichnungen) ist mit Sicherheit ein Erlebnis (Abbildung 11). Abbildung 11: Stationen des erweiterten Klimawanderweges bis zum Michelsberg. Der Weg beginnt unweit des Eingangs zur Landesgartenschau an der Kreuzung Schweinfurter Straße / Regensburger Ring. Sie folgen dem Fußweg neben der Caspersmeyerstraße. Der geht schnell in einen Hohlweg über. Insbesondere an Sommerabenden ist es dort noch recht warm. Die Auskühlung durch langwellige Ausstrahlung ist gering, da nahezu von allen Seiten die Böschung und Büsche den Weg umschließen. Kommt man dann nach wenigen 100 m auf der Höhe aus 33 dem Hohlweg wird es schon merklich kühler. Der Hohlweg ist aber auch zu eng, um als effektive Kaltluftabflussschneise geeignet zu sein. In Höhe des REWE-Marktes überquert man die Straße und Richtung Süden das ökologische Wohngebiet Cherbonhof (Rattlerstraße). Ab dem Kindergarten folgt man immer dem Bamberger Weg, der im Norden entlang einer großen Waldwiese unterhalb des Michelsberger Waldes führt. Dies ist das effektivste Kaltluftquellgebiet der Stadt Bamberg. Nicht nur die große freie Wiese kann sich durch langwellige Ausstrahlung sehr gut abkühlen. Gleiches gilt auch für die Baumkronen. Die entstehende Kaltluft sinkt in den Stammraum und durch die Hanglage gelangt sie auf die Wiese. Nicht alle Abflusstrassen sind wünschenswert frei, damit die Luft auch gut Richtung Stadt abfließen kann. Die wabernde Kaltluftmasse (man stelle sich große Luftballons vor) wird häufig schon an Baumgruppen und Häusern aufgehalten und muss schon eine größere Mächtigkeit erreichen, um diese zu überwinden. Diese Frischluftzufuhr ist gerade an heißen Sommertagen, die durch Klimawandel noch verstärkt sein können, von hoher Wichtigkeit, denn die tägliche Erwärmung durch den fühlbaren Wärmestrom beginnt dann auf einem niedrigeren Temperaturniveau und die Maxima können reduziert werden. Heute hört man kaum noch das Argument des Ersetzens der staubund schmutzbeladenen städtischen Luft. Dabei ist es heute genauso wichtig, denn die Luft nahe den Verkehrswegen ist mit Stickoxiden und Feinstaub belastet, obwohl man diese nicht minder gefährliche Belastung heute nicht mehr sieht. Den tiefsten Punkt erreichen wir am Ottobrunnen. Nun steigen wir wieder bergan zum „Michelsberg“, durchqueren die Klosteranlage, genießen den schönen Blick auf Bamberg und finden an der Südseite den zur Landesgartenschau wieder neu angelegten Weinberg und die historische Orangerie. Die Erbauer des Klosters wussten lokalklimatologisch sehr genau, wo der beste Platz an der ganzen Klosteranlage für die Orangerie ist, und der Weinberg ist ein optimal gelegener Südhang in Bamberg, von denen es nicht so viele gibt. Umsonst beginnt das fränkische Weinanbaugebiet nicht erst vor den Toren der Stadt in Unterhaid, obwohl die Regnitz-Niederung bei Bamberg das wärmste Gebiet Oberfrankens ist. Am Tage fällt auf dem Weinberg die Sonne nahezu senkrecht auf den Hang ein, dies besonders im Frühjahr und Herbst, wenn schon bzw. noch viel Wärme benötigt wird. Begrenzungsmauern schützen den Weinberg vor von oben einfließender Kaltluft, während nach unten Kaltluft gut abfließen kann. Von hier sind es nun nur noch wenige Minuten über den Benediktinerweg zum Domberg oder in die Altstadt. 34 Weiterführende Literatur: Beierkunlein, C.; Foken, T.: Klimawandel in Bayern. Auswirkungen und Anpassungsmöglichkeiten, Bayreuther Forum Ökologie No. 113, 501 S., 2008 Bendix, J.: Geländeklimatologie, Borntraeger, Berlin, Stuttgart, 282 S., 2004. Foken, T.: Das Klima von Bayreuth, Status quo und Aufgaben für die Stadtplanung, Standort - Zeitschrift für Angewandte Geographie, 31, 150-152, 2007 Foken, T.: Angewandte Meteorologie, Mikrometeorologische Methoden, Springer, Berlin, Heidelberg, 2. Aufl., 326 S., 2006. Foken, T.; Lüers, J.; Lauerer, M.; Aas, G.: Im Ökologisch-Botanischen Garten: Dem Klima auf der Spur, 28 S., 2004 Häckel, H.: Meteorologie, 7. Aufl., Ulmer, Stuttgart, 448 S., 2012. Häckel, H.: Wetter & Klimaphänomene, Ulmer, Stuttgart, 333 S., 2007 Quellen: Tabelle 2: Foken, T.: Angewandte Meteorologie, Mikrometeorologische Methoden, Springer, Berlin, Heidelberg, 2. Aufl., 326 S., 2006 Abbildung 3: Königliches Niederländisches Meteorologisches Institut (KNMI), übersetzt und modifiziert Abbildung 4: Kartengrundlage Landesgartenschau Bamberg 2012 Abbildung 9: Foken, T.; Lüers, J.; Lauerer, M.; Aas, G.: Im ÖkologischBotanischen Garten: Dem Klima auf der Spur, 28 S., 2004 Abbildung 11: Kartengrundlage Landesgartenschau Bamberg 2012 35 Volumes in the series ‚University of Bayreuth, Department of Micrometeorology, Arbeitsergebnisse’ Nr Author(s) Title Year 01 Foken Der Bayreuther Turbulenzknecht 01/1999 02 Foken Methode zur Bestimmung der trockenen Deposition von Bor 02/1999 03 Liu Error analysis of the modified Bowen ratio method 02/1999 04 Foken et al. Nachfrostgefährdung des ÖBG 03/1999 05 Hierteis Dokumentation des Experimentes Dlouhá Louka 03/1999 06 Mangold Dokumentation des Experimentes am Standort Weidenbrunnen, Juli/August 1998 07/1999 07 Heinz et al. Strukturanalyse der atmosphärischen Turbulenz mittels Wavelet-Verfahren zur Bestimmung von Austauschprozessen über dem antarktischen Schelfeis 07/1999 08 Foken Comparison of the sonic anemometer Young Model 81000 during VOITEX-99 10/1999 09 Foken et al. Lufthygienisch-bioklimatische Kennzeichnung des oberen Egertales, Zwischenbericht 1999 11/1999 10 Sodemann Stationsdatenbank zum BStMLU-Projekt Lufthygienisch-bioklimatische Kennzeichnung des oberen Egertales 03/2000 11 Neuner Dokumentation zur Erstellung der meteorologischen Eingabedaten für das Modell BEKLIMA 10/2000 12 Foken et al. Dokumentation des Experimentes VOITEX-99 10/2000 13 Bruckmeier et al. Documentation of the experiment EBEX-2000, July 20 to August 24, 2000 01/2001 14 Foken et al. Lufthygienisch-bioklimatische Kennzeichnung des oberen Egertales 02/2001 15 Göckede Die Verwendung des Footprint-Modells nach Schmid (1997) zur stabilitätsabhängigen Bestimmung der Rauhigkeitslänge 03/2001 16 Neuner Berechnung der Evaporation im ÖBG (Universität Bayreuth) mit dem SVAT-Modell BEKLIMA 05/2001 17 Sodemann Dokumentation der Software zur Bearbeitung der FINTUREX-Daten 08/2002 18 Göckede et al. Dokumentation des Experiments STINHO-1 08/2002 19 Göckede et al. Dokumentation des Experiments STINHO-2 12/2002 20 Göckede et al Characterisation of a complex measuring site for flux measurements 12/2002 21 Liebethal Strahlungsmessgerätevergleich während des Experiments STINHO-1 01/2003 22 Mauder et al. Dokumentation des Experiments EVA_GRIPS 03/2003 36 23 Mauder et al. Dokumentation des Experimentes LITFASS-2003, Dokumentation des Experimentes GRASATEM-2003 12/2003 24 Thomas et al. Documentation of the WALDATEM-2003 Experiment 05/2004 25 Göckede et al. Qualitätsbegutachtung komplexer mikrometeorologischer Messstationen im Rahmen des VERTIKO-Projekts 11/2004 26 Mauder & Foken Documentation and instruction manual of the eddy covariance software package TK2 12/2004 27 Herold et al. The OP-2 open path infrared gas analyser for CO2and H2O 01/2005 28 Ruppert ATEM software for atmospheric turbulent exchange measurements using eddy covariance and relaxed eddy accumulation systems and Bayreuth whole-air REA system setup 04/2005 29 Foken (Ed.) Klimatologische und mikrometeorologische Forschungen im Rahmen des Bayreuther Institutes für Terrestrische Ökosystemforschung (BITÖK), 1989-2004 06/2005 30 Siebeke & Serafimovich Ultraschallanemometer-Überprüfung im Windkanal der TU Dresden 2007 04/2007 31 Lüers & Bareiss The Arctic Turbulence Experiment 2006 PART 1: Technical documentation of the ARCTEX 2006 campaign, May, 2nd to May, 20th 2006 07/2007 32 Lüers & Bareiss The Arctic Turbulence Experiment 2006 PART 2: Visualization of near surface measurements during the ARCTEX 2006 campaign, May, 2nd to May, 20th 2006 07/2007 33 Bareiss & Lüers The Arctic Turbulence Experiment 2006 PART 3: Aerological measurements during the ARCTEX 2006 campaign, May, 2nd to May, 20th 2006 07/2007 34 Metzger & Foken et al. COPS experiment, Convective and orographically induced precipitation study, 01 June 2007 – 31 August 2007, Documentation 09/2007 35 Staudt & Foken Documentation of reference data for the experimental areas of the Bayreuth Centre for Ecology and Environmental Research (BayCEER) at the Waldstein site 11/2007 36 Serafimovich et al. ExchanGE processes in mountainous Regions (EGER) - Documentation of the Intensive Observation Period (IOP1), September, 6th to October, 7th 2007 01/2008 37 Serafimovich et al. ExchanGE processes in mountainous Regions (EGER) - Documentation of the Intensive Observation Period (IOP2), June, 1st to July, 15th 2008 10/2008 38 Siebicke Footprint synthesis for the FLUXNET site Waldstein/Weidenbrunnen (DE-Bay) during the EGER experiment. 12/2008 39 Lüers & Foken Jahresbericht 2008 zum Förderprojekt 01879 - Untersuchung der Veränderung der Konzentration von Luftbeimengungen und Treibhausgasen im hohen Fichtelgebirge 2007 – 2013 01/2009 40 Lüers & Foken (Eds.) Proceedings of the International Conference of "Atmospheric Transport and Chemistry in Forest Ecosystems" Castle of Thurnau, Germany, Oct 5 to Oct 8, 2009 10/2009 41 Biermann et al. Mesoscale circulations and energy and gas exchange over the Tibetan Plateau – Documentation of the micrometeorological experiment, Nam Tso, Tibet , 25 June 2009 – 08 August 2009 12/2009 42 Foken & Falke Documentation and Instruction Manual for the Krypton Hygrometer Calibration Instrument 01/2010 Update: 12/2011 37 43 Lüers & Foken Jahresbericht 2009 zum Förderprojekt 01879 - Untersuchung der Veränderung der Konzentration von Luftbeimengungen und Treibhausgasen im hohen Fichtelgebirge 2007 – 2013 07/2010 44 Biermann et al. Tibet Plateau Atmosphere-Ecology-Glaciology Cluster Joint Kobresia Ecosystem Experiment: Documentation of the first Intensive Observation Period (IOP 1) summer 2010 in Kema, Tibet 01/2011 45 Zhao et al. Complex TERRain and ECOlogical Heterogeneity (TERRECO);WP 1-02: Spatial assessment of atmosphere-ecosystem exchanges via micrometeorological measurements, footprint modeling and mesoscale simulations ; Documentation of the Observation Period May 12th to Nov. 8th, 2010, Haean, South Korea 03/2011 46 Mauder & Foken Documentation and Instruction Manual of the Eddy-Covariance Software Package TK3 05/2011 47 Serafimovich et al. ExchanGE processes in mountainous Regions (EGER)- Documentation of the Intensive Observation Period (IOP3) June, 13th to July, 26th 2011 11/2011 48 Hübner et al. Documentation and Instruction Manual for the Horizontal Mobile Measuring System (HMMS) 12/2011 49 Lüers et al. The Arctic Turbulence Experiment 2009 - additional laser Scintillometer measurement campaign 2009 at the Bayelva catchment on Svalbard: Technical documentation and visualization of the near surface measurements during the ARCTEX-2009 campaign, August, 10th to August, 20th 2009 02/2012 50 Foken Klimawanderweg auf der Landesgartenschau in Bamberg 2012 04/2012