Alb ech , Ge ha d
A icle
De junge Schmolle und die A bei e age
Schmolle s Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha
P o ided in Coope a ion wi h:
Duncke & Humblo , Be lin
Sugges ed Ci a ion: Alb ech , Ge ha d (1959) : De junge Schmolle und die A bei e age, Schmolle s
Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha , ISSN 1619-6244, Duncke & Humblo ,
Be lin, Vol. 79, Iss. 5, pp. 1-20,
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513] 1
De junge Schmolle und die A bei e age
Von
Ge ha d Alb ech - Ma bu g/Lahn
I.
Wenn wi heu e — inmi en de sich ollziehenden Wandlungen in
Wi scha und Gesellscha des zu wes lichen Wel gehö igen Teiles
Deu schlands und de dami e bundenen E hellung de sozialen
A mosphä e und dami eie als noch o wenigen Jah en on Leh en
und Ideologien, In e essen und Bes ebungen, welche die sozialen Aus-
einande se zungen so lange Zei unheil oll behe sch haben — wenn
wi on diese Wa e au die Zei zu ückblicken, in de in Deu schland
de die sozialen Ve häl nisse on G und au umges al ende wi scha -
liche Umb uch zum g oßun e nehme isch o ganisie en Indus ialis-
mus allgemeine en Cha ak e anzunehmen begann, so bie e sich au
dem Felde des damals ge üh en Meinungss ei es übe die P obleme
de sozialen Si ua ion jene Jah e und übe die Wege, ih e He zu
we den, das olgende Bild.
Die allgemeine e Beschä igung mi de F age des indus iellen P o-
le a ia s, mi de Lage und dem Schicksal de indus iellen Lohna bei-
e scha se z e in Deu schland gegen Ende de d eißige Jah e des
19. Jah hunde s ein; sie e hiel e s ä k en An ieb An ang de ie -
zige Jah e, als imme deu liche als bis dahin Elendse scheinungen
k asses e A ans Tageslich a en. De en scheidende Gesich spunk
wa hie bei de humani ä e, dem auch das zunächs emp ohlene und
zu Anwendung geb ach e Abweh mi el eine on philan opischem
Geis e üll en A menp lege en sp ach. Das Re olu ionsjah 1848, das
in iel äl igen E scheinungen und Ak ionen die aus de sozialen K ä e-
kons ella ion Gesellscha und S aa bed ohenden Ge ah en sich ba
we den ließ, besei ig e jeden e wa noch geheg en Zwei el da an, daß
die soziale F age schicksalha e Bedeu ung ü die Völke und S aa en
des sich imme s ä ke indus ialisie enden Wes eu opa zu gewinnen
begonnen ha e und daß ih nich meh allein mi humani ä -philan o-
pischen Bemühungen um Abwendung ode Linde ung on Einzelnö en
im Be eiche de neuen und schnell wachsenden Schich de Lohna bei-
e scha zu begegnen sei.
1 Schmollen Jah buch 79, 5.
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2 Ge ha d Alb ech [514
Bis An ang de sechzige Jah e, de Zei des Beginnes de o gani-
sie en deu schen A bei e bewegung, ha en sich die F on en in den
Auseinande se zungen um U sachen und Wesen de sozialen F age des
Jah hunde s und die zu ih e Lösung geeigne en Wege und Mi el in
dem Sinne geklä , wie sie Schmolle o and, als e in bedeu-
ungs olle und, wie de Ve lau de En wicklung leh , en scheiden-
de Weise in diese Auseinande se zungen eing i und neue Wege ü
die Lösung de sozialen F age wies. Den Ausgangspunk seine ebenso
empe amen ollen wie besonnenen Au sa z olge un e dem Ti el „Die
A bei e age" in den P eußischen Jah büche n in den Jah en 1864
und 18651, in de das geschah, bilde die sozialgeschich lich so olgen-
eiche Kon o e se Schulze-Deli zsch — Lassalle.
Die sozial-konse a i e Rich ung, die du ch die Wiede belebung
ko po a i e Ges al ungen und die E weckung pa ia chalische Ge-
sinnung in den Beziehungen zwischen Un e nehme n und A bei e n
au be iebliche Ebene die Möglichkei des Ausgleichs de in e essen-
bes imm en Gegensä ze sah, ha in diese F on enbildung nu ge inge
Bedeu ung e lang , sich auch spä e nich , e wa in den on He -
mann Wagene als Sachwal e Bisma cks un e nommenen Be-
mühungen im s aa ssozialis ischen Sinne, als du chschlagsk ä ig e -
wiesen. Wohl ha sie — übe V. Ai. H u b e — Ein luß au die En -
s ehung und En wicklung des Genossenscha swesens gehab und lange
Zei in de Handwe ke bewegung eine meh hemmende als hil eiche
Rolle gespiel . T o z e schiedene e neu e Bemühungen in spä e e
Zei is sie abe — besonde s nachdem ih e noch einmal sich abzeich-
nende E olgschance zwischen den beiden Wel k iegen in olge de poli-
ischen Zei e häl nisse ungenu z geblieben und de uch ba e Ke n
ih es Anliegens du ch poli ischen Mißb auch komp omi ie wo den
wa — ü die soziale En wicklung und in de Diskussion übe die Mög-
lichkei en ih e Beein lussung im Sinne des Gemeinwohls bedeu ungs-
los geblieben.
En scheidend is ielmeh de Au einande p all de on de libe-
alen und sozialis ischen Dogma ik behe sch en Anschauungen und
Bes ebungen jene Tage gewesen. Ru e im S ei im Sinne des Libe-
alismus, wonach alle sozialen Nö e, die im Ge olge de wi scha -
lichen Umwälzung g oße Teile des Handwe ks und die neue Schich
de Lohna bei e be allen ha en, nu schicksalha hinzunehmende
S ö ungse scheinungen des Übe ganges on den al en zu den neuen
Wi scha s e häl nissen seien und bei komp omißlose Anwendung
des wi scha lichen F eihei s- und We bewe bsp inzips, an de es
noch allzuseh ehle, k a de de Ma k wi scha innewohnenden
1 G. Schmolle , Die A bei e age, in: P eußische Jah büche , 14. Band
(1864), I, S. 393 .; II, S. 523 .; 15. Band (1865), III, S. 32 .
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515] De junge Schmolle und die A bei e age 3
Gese zmäßigkei e schwinden und eine ollen Ha monisie ung de
sozialen Zus ände weichen wü den, wa en die üh enden Männe des
un e maßgebendem Ein luß on Schulze-Deli zsch Ende de
ün zige Jah e geg ünde en Volkswi scha lichen Kong esses. Die
Sozialis en e schiedens e P ägung dagegen sahen die einzige Mög-
lichkei de Übe windung de sozialen Nö e, die nach ih e Meinung
de nach den G undsä zen des Libe alismus ge üh en, de „kapi a-
lis ischen" Wi scha inhä en sind, in de E se zung de bes ehenden
e keh swi scha lichen du ch eine sozialis ische Wi scha so dnung,
die nach bes imm en Plänen au zubauen sei ode sich mi unau hal -
same No wendigkei k a de de ma e ialis ischen Dialek ik inne-
wohnenden Gese zmäßigkei aus de eien Un e nehme - und Ve -
keh swi scha en wickeln wü de.
Die in ih en Polgen ü Rich ung und Weg de deu schen A bei e -
bewegung en scheidend gewo dene Auseinande se zung übe die ge-
eigne en Mi el, de sozialen Nö e de Zei He zu we den, wu de in
jenen Tagen nich zwischen den ex emen Ve e e n de beiden so-
zialen Heilsleh en, den unbeding en Manches e leu en — de en on
Schönbe g s ammende Bezeichnung als solche on ihnen ebenso
als Ve unglimp ung emp unden wu de, wie die on dem libe alen
Li e a en Oppenheim s ammende Benennung de einen e mi -
elnden S andpunk einnehmenden Na ionalökonomen als Ka hede -
sozialis en als solche gemein wa — und den Anhänge n on Ma x
und seinen Leh en ge üh , sonde n au Sei en des Libe alismus on
demjenigen Manne des Volkswi scha lichen Kong esses, nämlich
Schulze-Deli zsch, de diesen doch in e s e Linie als Sp ach-
oh zu P opagie ung de on ihm ins Leben ge u enen Genossen-
scha sbewegung be ach e e und on dem Schmolle spä e (1884)
zu e end gesag ha , daß e „unbewuß die on ihm bekann e Man-
ches e leh e jeden Momen du ch seine eigene Tä igkei wide leg e246,
und au Sei en des Sozialismus on Fe dinand Lassalle, des-
sen his o isch gewo dene Ta , die Beg ündung de poli ischen A bei-
e bewegung (mi dem — alle dings nie e eich en — Ziele eines p o-
duk i genossenscha lichen Sozialismus), in den B u c h e z sehen und
Louis Blanc sehen Ausp ägungen des o wissenscha lichen So-
zialismus wu zel e3.
Diese Auseinande se zung is es gewesen, die den jungen
Schmolle au den Plan ie .
2 G. Schmolle , He mann Schulze-Deli zsch und Edua d Las-
ke , in: Jah buch ü Gese zgebung, Ve wal ung und Volkswi scha im Deu -
schen Reiche, VIII. Band (1884), S. 327.
3 Siehe hie zu G. Alb ech , Schulze-Deli zschs Leben und We k, in:
Schulze-Deli zsch, Fes sch i zu 150. Wiede keh seines Gebu s ages, Wiesbaden
(1958), S. 60 .
1*
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4 Ge ha d Alb ech [516
Gewiß is Schmolle nich de einzige wissenscha liche Weg-
be ei e de sozialen Rich ung gewesen, welche die Übe windung de
sozialen Schäden, die de Übe gang zum g oßun e nehme ischen In-
dus ialismus he au beschwo en ha e, in eine Poli ik sahen, die on
den G undsä zen des unbeding en Wi scha slibe alismus ebensowei
en e n wa wie on denen des Sozialismus jedwede A . Schmol-
1 e selbs be u sich o allem au Wilhelm Rosche und au
Lo enz on S ein, den e in eine beme kenswe en Abhand-
lung om Jah e 18674 als den „Va e alle heu igen Sozialpoli ik64,
zu dem e du ch „seine bahnb echenden Un e suchungen übe die Be-
deu ung und En wicklung de Gesellscha " gewo den sei, bezeichne
ha 5. Neben Schmolle haben sich o allem Gus a Schön-
be g, Lujo B en ano, Adolph Wagne und E ns
Engel un e gängliche Ve diens e um den Du chb uch de neuen
Sich au dem Gebie e de sozialen F age e wo ben. De Ums and
abe , daß Schmolle s Sozialleh e ih en U sp ung in seine S el-
lungnahme zu de Auseinande se zung zwischen Lassalle und
Schulze-Deli zsch ha , de en Ausgang die Rich ung de
deu schen A bei e bewegung ü lange Zei bes imm ha und die eben
da um neben de Ve kündigung des Kommunis ischen Mani es es
du ch Ma x und Engels zu den bedeu sams en Ma ks einen de So-
zialgeschich e des 19. Jah hunde s gehö , ech e ig es, ihm den
e s en Rang un e denen zuzuweisen, die dem Gedanken de Sozial-
e o m und de Sozialpoli ik Bahn geb ochen haben.
Seine Au sa z eihe übe die A bei e age gehö dami zu den
wich igs en Zei dokumen en zu sozialen F age.
IL
G undlage und Ausgangspunk de K i ik Schmolle s an den
Sozialp og ammen de ex emen ebenso wie de gemäßig en Ve e e
des Libe alismus und des Sozialismus wa seine Beu eilung de du ch
den wi scha lichen Umschwung bewi k en Ve ände ungen de sozialen
Ve häl nisse. F ei on dogma ischen Vo u eilen sah und beu eil e e
mi dem geschul en Blicke des His o ike s und zugleich des wissen-
scha lichen Na ionalökonomen, de nich nu ein o enes Auge ü die
wi scha lichen und sozialen Reali ä en ha , sonde n auch die in ihnen
wi ksamen Zusammenhänge au G und und mi den Mi eln des heo-
e ischen Rüs zeuges de Zei zu du chschauen e s eh , die in de
En wicklung beg i ene Umges al ung de S uk u de Wi scha sge-
4 G. Schmolle , Lo enz S ein, in: P eußische Jah büche , Band 19 (1867),
S. 245 .
5 Ebenda, S. 261.
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517] De junge Schmolle und die A bei e age 5
6ellscha un e dem Ein lüsse de Indus ialisie ung und die sie be-
s immenden K ä e.
In de E assung de Reali ä en de wi scha sgesellscha lichen
Ve ände ungen un e scheide e sich besonde s on Schulze-
Deli zsch, de , wie iele seine Zei genossen, mindes ens bis in
die sechzige Jah e hinein, noch in den Vo s ellungen de Zus ände
de o indus iellen Zei be angen wa , de die Vo gänge de Zei
ziemlich einsei ig om S andpunk ih e Bedeu ung ü die Exis enz
des Handwe ks und Kleingewe bes sah, un e „A bei e " so gu wie
unun e schieden den handwe klichen Kleinmeis e und den Fab ik-
a bei e e s and, keine kla e Vo s ellung on de en scheidenden
Ta sache des Au kommens de neuen Schich de Lohna bei e scha
und seine Bedeu ung ü die Neuges al ung de sozialen Ve häl nisse
besaß6.
Die geniale Vision des G a en S . Simon on dem zukün igen
Bilde des Indus iezei al e s und die om „Klassendenken" bes imm e
Ma x sehe Sich de indus iellen Wi scha gesellscha gewann in
Schmolle s sachliche , a sachen undie e , die Reali ä en, ih e
U sachen und Folgen e assende und abwägende Zeichnung de Vo -
gänge und E scheinungen den Cha ak e his o ische Wi klichkei s-
da s ellung. In ih e en die ü die g undlegende Ve ände ung de
Sozials uk u en scheidenden Ta sachen de En s ehung eine neuen
Schich de wi scha lich abhängigen Lohna bei e scha und ih e
Lage in den Vo de g und. „Die A bei sk ä e, die die Fab ik in Masse
b auch , müssen eine ande e sociale und ökonomische S ellung einneh-
men als de ühe e Handwe ksgeselle. Besi zlos, ohne Ho nung au
die Zukun , s eh de A bei e seinem He n gegenübe , on Tag zu
Tag on seinem Lohn abhängig, muß e diesen um jeden P eis haben;
in dem g oßen We kamp de Concu enz is e imme de schwache
Teil. Das unsi lich has ige S eben nach Besi z und Reich um au
Sei e de Fab ikan en, die No h au Sei e de A bei e üh zu Lohn-
bed ückung, zum D ucksys em, zu absolu en He scha des Capi als
in de Wi scha , in de Gesellscha , im S aa " (I. S. 39S/967). Mi
de indus iellen En wicklung „ha e sich eine neue Gesellscha sklasse8
gebilde , welche die Gedanken des humani ä en Menschen eundes
ebenso beschä igen muß e, wie die des, au de Schablone S m i -
6 Siehe hie zu: G. Alb ech , a.a.O., „Schulze-Deli zsch und die A bei e -
age", S. 53 .
7 Die im Tex ange üh en Sei enzahlen beziehen sich au Schmolle s Abhand-
lung übe die A bei e age, a.a.O., I und II.
8 „Klasse" is bei Schmolle nich im Sinne de Leh e on den sozialen
Klassen (also audi nich im Sinne de Ma xschen Klassenleh e), sonde n de so-
zialen G uppenbildung als E gebnis des wi scha lichen Di e enzie ungsp ozesses
schlech hin gemein . — Siehe Schmolle s G und iß de Allgemeinen Volkswi -
scha sleh e, I, S. 425, Leipzig 1908 (7.—10. Tausend),
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6 Ge ha d Alb ech [518
hisch-Say' sche Weishei siegessiche schlumme nden Na ional-
ökonomen ' (I. S. 398).
Von den Ve e e n des Sozialismus un e scheide Schmolle
die Eino dnung de neuen En wicklungen im Wi scha sleben mi
ih en sozialen Folgen in den Gesam ablau des his o ischen P ozesses.
Die die Zei behe schenden Vo gänge und E scheinungen müssen nach
Schmolle s Meinung in ih en Wi kungen und mi ih en Folgen
als solche des Übe ganges on übe leb en zu neuen Fo men des Wi -
scha slebens gesehen we den, die de Konsolidie ung in e ände e
Ausgeglichenhei de K ä e zus eben. ,.Die Haup elemen e des Übe -
ganges in das mode ne Indus ieleben sind . . . die allgemeine Ein üh-
ung de Maschinen und des G oßbe iebes, sowie die S ockungen und
K isen des sich umbildenden Wi scha slebens. Sie gel en zugleich als
die Haup u sachen des A bei e p ole a ia s" (I, S. 400), das de Haup -
leid agende diese En wicklung is .
Un e den Op e n des Übe ganges be inden sich auch Teile des
Handwe ks und de hausindus iellen P oduk ionsweise; es is eine
o d ingliche Au gabe sowohl de Wi scha s- als auch de Sozialpoli-
ik, ih e Ge äh dung, sowei ih e Lebens ähigkei nich o ganisch
in F age ges ell , sonde n nu du ch die unausbleiblichen Beglei -
e scheinungen eine Übe gangszei bed oh is , zu begegnen; da um
beg üß e Schmolle (besonde s in dem d i en Teil seine Au -
sa z eihe, III, S. 32 .) beinahe übe schwänglich die Mobilisie ung de
genossenscha lichen Selbs hil e du ch Schulze-Deli zsch.
In de Ta sache abe , daß sich — gewiß auch dank de ihm zu eil
gewo denen genossenscha lichen Fö de ung — das Handwe k bis um
die Mi e de sechzige Jah e gu behaup e und bi3 dahin das Übe -
gewich übe die Zahl de Fab ikun e nehme mi ih en A bei sk ä -
en behal en ha 9, wäh end iele Kleinmeis e , die de Konku enz-
d uck zum Übe gang in abhängige A bei ss ellen in indus iellen P o-
duk ionss ä en gezwungen ha , hie „unendlich besse e und ein äg-
liche e S ellungen" ge unden haben, als sie ühe als Selbs ändige
innegehab ha en (I, S. 404/05), sieh e die Bes ä igung de Unhal -
ba kei jede schabionisie enden Be ach ung de wi scha sgesell-
scha lichen S uk u en wicklung.
Zwischen den „zwei Menschenklassen", den g oßen Fab ikhe en
und den — nach de sozialis ischen Klassenleh e — in äuße s em und
unausweichlichem Elend schmach enden A bei e n gib es in Wi klich-
kei — „s a zweie Schablonen" — ..eine unendlich abges u e S u-
enlei e on Exis enzen, unendlich iele Mi elgliede ", nich nu
kleine und mi le e Selbs ändige in Handwe k und Gewe be, sonde n
9 So auch Schulze-Deli zsch; siehe G. Alb ech , a.a.O., S. 55.
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519] De junge Schmolle und die A bei e age 7
auch in g oße Zahl Ve wal e , Buchhal e , Commis, Technike , Che-
mike , Au sehe in den Fab iken und Beam e im Eisenbahn-, Pos -
und Teleg aphenwesen — eine b ei ges eu e „Mi elklasse bü ge -
liche [gemein als Gegensa z zu p ole a ischen] Exis enzen" (I, S. 405).
Schon damals, so mein Schill olle , is „in manchen eine en In-
dus ien44 beinahe jede gewöhnliche A bei e in diese Lage.
E weisen sich die sozialen No s ände des beginnenden Indus ie-
zei al e s en gegen de sozialis ischen Leh e und de de Gewinnung
de A bei e scha — mi ollem E olge — dienenden P opaganda
L a s s a 11 e s nich als de bes ehenden Wi scha so dnung imma-
nen e, dahe un e ih e He scha niemals zu übe windende Übel,
sonde n als menschliche Ku zsich igkei , ja Schuld en sp ingende Be-
glei e scheinungen eine Übe gangsphase, dann heiß das eilich nich ,
daß man im Ve auen au die schon o handenen Ansä ze de Besse-
ung den wei e en Gang de Dinge den de Ve keh swi scha inne-
wohnenden Selbs egulie ungs- und Ha monisie ungsk ä en zu übe -
lassen be ech ig is ; mi Schmolle s Wo en: mi de Fes s el-
lung un e kennba e Besse ungs endenzen is die „F age nach de
Lage und Zukun de a bei enden Classen nu eingeeng , nich e -
ledig 44 (I, S. 412). Es gil ielmeh , zu e kennen, welches die den so-
zialen Ausgleich und dami das Gemeinwohl ge äh denden E schei-
nungen in diesem du ch die Indus ialisie ung he o ge u enen Übe -
gangss adium de gesellscha lichen En wicklung sind, um in de Lage
zu sein, den Hebel zu Besse ung an de ich igen S elle anzuse zen,
ehe sich die den sozialen F ieden s ö enden Elemen e zu unübe s eig-
lichen Sch anken jedes e olg e sp echenden Ausgleichs de du ch
In e essengegensä ze geschiedenen Gesellscha sg uppen ges eige und
e es ig haben.
Hie ü dien S c h m o
1 1
e die geschich liche E ah ung als Lei -
aden.
Nach den Leh en de Geschich e, so üh e aus, is es imme om
Übel, wenn die Ve mögens e eilung eine zu ungleiche is , es is nach
ihnen imme wünschenswe , daß „neben dem Reich hum de G oßen
und de A mu h de Kleinen ein mi le e Besi zs and die b ei e Masse
des Gesellscha skö pe s e üll 44, es ha sich s e s als heilsam e wiesen,
„wenn die e schiedenen ökonomischen Classen sich nich geschlossen
gegenübe s ehen, sonde n übe all ein allmähliche Übe gang s a -
and, wenn die Klu zwischen den e schiedenen S änden de ischen
K a s e s übe windba blieb, wenn die Classenin e essen nich jenen
eindlichen Gegensa z, jenen egois ischen Wide s ei annahmen, de
alle si liche Wechselwi kung, alle Gemeinsamkei de Ideen und de
Wel anschauung, de die P lich de E ziehung ü die höhe en S ände
gegenübe den niede en e schwe ode au heb 44 (I, S. 413).
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8 Ge ha d Alb ech [520
Dami sind die Au gaben und Ziele bezeichne , o die sich die
Menschhei im Ablau e de Geschich e im Hinblick au ih e du ch die
s ändig sich wandelnden ökonomischen Ve häl nisse gleich alls dem
Wandel un e wo enen gesellscha lichen Zus ände imme on neuem
ges ell sieh ; die Ziele, die auch ü das sozialpoli ische Handeln de
Zei , de en Sp eche hie Schmolle gewesen is , Gül igkei haben.
III.
Was e bü g die Gül igkei diese Au gaben und Ziele übe die
hinaus, die sie ü ih en Ve ech e , ü den ha , de sie de Sozial-
poli ik se z ?
Nach Schmolle einmal die geschich liche E ah ung, on de
ihm am eind ucks olls en das Schicksal de An ike is . „De gesell-
scha liche Egoismus, de un e söhnliche Wide s ei de e schiede-
nen Gesellscha sclassen, die Ausbeu ung de un e n du ch die obe n",
die Ve nachlässigung de P lich de he schenden Klassen, die un e en
geis ig und si lich zu heben ode wenigs ens diese Hebung nich zu
hinde n, das is es, was „en wede jene Re olu ionen zu Folge ha ,
die eine noch un ei en Masse die Gewal in die Hände geben und so
die Zukun un e g aben, ode . . . mi s eigende Un e d ückung de
Besi zlosen die allmähliche Ve gi ung und [den] Ruin alle Lebens-
e häl nisse on innen he aus bewi k . — Das wa das G ab de an i-
ken Wel ". Das wa „die Klippe, an de die ühe en Cul u epochen
schei e en und an de auch unse e Zei zu G unde geh , wenn sie nich
e hische K a meh ha , sie mi si lichem Geis zu übe winden'6
(I, S. 422).
Zu geschich lichen E ah ung komm die Einsich in die das gesell-
scha liche Leben bes immenden K ä e hinzu, un e denen Schmol-
le de zu imme höhe e Ausbildung be u enen, abe auch du ch
den Fo sch i menschliche E kenn nis ähigen Si lichkei den e s en
und en scheidenden Rang beimiß . Das P oblem de Meis e ung des
imme wiede un e gewandel en ökonomischen Bedingungen sich da -
bie enden sozialen Schicksals de Völke is nich nu „eine ökono-
mische, sonde n eine si liche Cul u age" (I, S. 413).
Schmolle beg ünde das mi olgenden Gedankengängen:
Alles menschliche Handeln häng on de En wicklung de Ideenwel
de Menschhei ab, die eine e hische is . Diese En wicklung „läu s e s
da au hinaus, die e schiedenen be ech ig en Zwecke de Menschhei
in angemessene Ha monie zu b ingen, du ch wechselsei iges Au ein-
ande wi ken de e schiedenen Lebensgebie e jedem seine ich ige
G enze, seine en sp echende Lau bahn zu geben" (I, S. 415). Wie es
die si liche Au gabe des Einzelnen is , die e schiedenen Zwecke seines
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527] De junge Schmolle und die A bei e age 15
Um die A bei e o Benach eiligungen in ih e En lohnung zu
schü zen, i Schmolle ü ih e Ve einigung nach dem Vo bilde
de englischen T ade-Unions und ü ih S eik ech und ü die
Koali ions eihei ein, „weil hie das Nich eing ei en de S aa sgewal
die daue nde si liche und ökonomische Besse ung gewisse e eich ,
als s aa liche Ve bo e". Wich ige dem si lichen und ökonomischen
Wohle de A bei e dienende Hil en sieh S c h m o 11 e e ne in
den Maßnahmen de Be iebswohl ah sp lege, un e denen e die
Be eiligung de A bei e am Geschä sgewinn besonde s he o heb .
E nimm sie gegen die ihnen gegenübe iel ach gel end gemach en
Einwände in Schu z. Wenn es damals auch e s wenige Un e nehme
wa en, die solche be ieblichen Ein ich ungen zuguns en ih e A bei e
gescha en ha en, so sah e in ihnen doch Pionie e eine gu en Sache,
die „eine ech e Idee on ih en P lich en und ein ech es Ve s ändnis
ih es eigenen In e esses" (II, S. 544) auszeichne . P lich und In e -
esse, so mein e , allen au höhe em si lichen S andpunk , den alle -
dings de Mensch sel en e eich , zusammen; sie zu un e scheiden,
mach en nu Ku zsich igkei und Ve blendung übe das eigene In e -
esse nö ig; de Sa z: „In e esse und P lich allen s e s nu dann »aus-
einande , wenn man das In e esse als das des Augenblicks au aß ",
habe sich o allem bei den Bemühungen bewäh , „das Ve häl nis
zwischen Lohnhe en und A bei e n ode zwischen den höhe en und
niede en Classen in eie Weise si lich umzuges al en" (II, S. 536);
und „je meh die Fab ikan en und A bei e , die höhe en und niede en
Gesellscha sclassen ih e gegensei igen Ve häl nisse auch om S and-
punk e de P lich e üllung au aß en, des o meh wi d sich de an-
gebliche Wide s ei ih e In e essen e lie en, des o meh we den
sie sich die Hand eichen in den Bemühungen, den A bei e s and nach
allen Sei en hin zu heben" (II, S. 547).
Die Mi a bei an de E üllung alle , sowohl in meh allgemeinem
Sinne als auch unmi elba , dem Wohl und de Fö de ung de A -
bei e dienenden Au gaben is allen au gegeben, den A bei e n selbs
und den" Un e nehme n, de Ki che, den Gemeinden und dem S aa .
Imme müssen Gese zgebung, Ini ia i e gemeinnü zige Ve eine und
umsich ige Un e nehme und die eigene Selbs hil e de e , um de en
Schicksal es geh , zusammenwi ken. „Jede au eine wah ha si liche
Ges al ung wi scha liche Ve häl nisse ge ich e e Ini ia i e on
Un e nehme n, gemeinnü zigen Ve einen, Gemeinden und des S aa es,
die auch ökonomisch den bes en Nu zen b ing , is keine Hil e, die
im Gegensa z zu Selbs hil e s eh ; denn alle Zweck diese Bemühun-
gen is , das Ge ühl de pe sönlichen Wü de und Selbs e an wo lich-
kei de A bei e zu heben (siehe II, S. 539 und S. 542).
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16 Ge ha d Alb ech [528
„De S aa is imme zule z de obe s e Appellho , an den das
si liche Cul u leben appellie . Daß diese Appellho seine Gewal
iel ach mißb auch ha , daß es o gu wä e, wenn de P ozeß schon
in den un e en Ins anzen de Familie, de Gemeinde, de Sippe en -
schieden wü de, die de Sache nähe s ehen, nimm dem allgemeinen
P inzip seine Wah hei nich " (II, S. 537).
Fü die soziale Ve an wo lichkei und die Behebung de sozialen
Schäden gil das P inzip de Subsidia i ä — das is nu ein neues
Wo ü eine schon au den geis igen Va e de Sozial e o m und So-
zialpoli ik in Deu schland (denn das is S c h m o 11 e iel meh als
Lo enz . S ein, wenn man an die p ak ischen Auswi kungen
dessen denk , wozu e in seinen Abhandlungen übe „Die A bei e -
age" um die Mi e de 60e Jah e den G und geleg ha ) zu ück-
gehende Einsich . Nu wo und solange die Fähigkei zu Selbs hil e
und ih e inne e Vo ausse zung, das Bewuß sein de Selbs e an wo -
lichkei , ehlen; nu wo und solange die Ini ia i e de höhe en Ge-
sellscha sschich en und besonde s de Un e nehme aus dem Ge ühl
de Ve an wo ung gegenübe den niede en in olge de Ve kennung
des Zusammen allens on P lich und In e esse ausbleib ode nich
aus eich , is de S aa be u en, das in die Hand zu nehmen, was ü
die Besse ung des Loses de benach eilig en Schich en e o de lich is .
Seine Hil e is abe imme ge ech e ig , „wo es sich . . . um eine . . .
Un e s ü zung eines k anken und hül sbedü igen Gliedes au Kos en
des Ganzen handel " und „wenn de Einzelne nich e s ändig ode
si lich genug is , die ihm obliegende P lich zu e üllen", du ch die
Nich e üllung abe „de Cul u en wicklung des Ganzen daue nde Ge-
ah d oh " (II, S. 533/34). Die E weckung des Bewuß seins de Selbs -
e an wo lichkei und die Be ähigung zu Selbs hil e, die Scha ung
de Bedingungen da ü , daß die e schiedenen Volksk ä e zu Ge-
wäh leis ung de Ha monie des Gesellscha sganzen zusammenwi ken,
is das Ziel alle sozial e o me ischen und sozialpoli ischen Bemühun-
gen; in dem Maße, wie es e eich wi d — es wi d nie ganz e eichba
sein —, kann und soll e de s aa liche Zwang zu ück e en o de
Selbs hil e und dem eien Ausgleich de K ä e und In e essen.
VI.
Die p ak isch am meis en wi ksam gewo dene Auseinande se zung
mi den sozialen P oblemen, die sich als Folge de indus iewi scha -
lichen En wicklung imme d ängende s ell en, und das heiß im
19. Jah hunde o allem die Auseinande se zung mi de A bei e -
age, de F age de wi scha lichen Lage und de S ellung de Masse
de als Unselbs ändige Wi scha s ä igen, de Lohna bei e , in de
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529] De junge Schmolle und die A bei e age 17
Gesellscha , is in Deu schland nach den G undgedanken e olg , die
Schmolle in seine Au sa z eihe übe die A bei e age en -
wickel ha . Und das heiß : de Ve such de Lösung de du ch die o -
sch ei ende Indus ialisie ung und ih en Vollzug nach den G undsä zen
de un e nehme isch o ganisie en Ve keh swi scha ges ell en so-
zialen P obleme is au dem Wege de sozial e o me isch ausge ich e en
Sozialpoli ik in Ang i genommen wo den.
Diese Weg is in s ändigem Ringen mi den unen weg en Ve -
e e n de De ise des „laissez- ai e, laissez-alle ", de Ablehnung
jede s aa lichen In e en ion auch au sozialem Gebie , und mi denen
des Sozialismus, die das Heil in de Umges al ung de Wi scha s-
o dnung im Sinne de ihn behe schenden Leh en ode Ideologien und
mi den Mi eln de klassenkämp e ischen Ak ion sahen, e olg und
e olg eich besch i en wo den. E konn e sich in einem spä e en S a-
dium de En wicklung mi dem de , o allem gewe kscha lich, o ga-
nisie en A bei e bewegung nach den G undsä zen de e isionis ischen
Rich ung des Sozialismus wei gehend e einigen: das sp ich deu lich
genug da ü , daß e den Gegebenhei en de Si ua ion und den ealen
Bedü nissen de benach eilig en Schich en de indus iewi scha -
lichen Gesellscha en sp ach. Daß sich de Gedanke de Sozial e o m
gegen die Leh en und die P og amme des komp omißlosen Libe alis-
mus und des Sozialismus du chzuse zen e moch e, is ganz gewiß nich
allein das E gebnis de Einsich eines ode eine G uppe on Ge-
leh en, sie moch en noch so kla die inne en Zusammenhänge de
his o ischen Si ua ion e kann und aus ih e E kenn nis das Gebo
des Handelns gewonnen haben, nämlich ih e Ges al ung im Sinne de
He s ellung und E hal ung eines aus eichenden Maßes on Ausge-
glichenhei de K ä e inne halb de un e dem Ein lüsse de Wi -
scha s e häl nisse sich umges al enden Gesellscha zu beein lussen.
Vielmeh sind es, um noch einmal Schumpe e zu zi ie en, „die
unen innba e Gewal de Si ua ion", die on de wi scha lichen,
sozialen und poli ischen K ä e e eilung bes imm en Tendenzen de
geschich lichen S unde gewesen, welche die En scheidung übe Ziel
und Weg de Poli ik zu Lösung de du ch die A bei e age ge-
s ell en P obleme he beige üh haben. In dem diese Tendenzen be-
s immenden K ä espiel sind ohne Zwei el die e schiedena igs en,
on Schmolle s Einsich en unabhängigen, Mo i e, wi scha liche
und soziale G uppenin e essen ebenso wie s aa s- und pa eipoli ische
Übe legungen und Bes ebungen wi ksam gewesen. Ungeach e dessen
bleib es das nich zu bes ei ende Ve diens Schmolle s, daß
e die his o ischen Si ua ionsbedingungen ü eine nich einsei ig
in e essenmäßige, sonde n dem Gesam wohl de Gesellscha dienende
En scheidung übe den in de sozialen F age zu e olgenden Weg
2 Schmolle s Jah buch 79, 5.
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18 Ge ha d Alb ech [530
ühe und kla e als i gendein ande e e kann und sie den Menschen
de Zei bewuß gemach ha .
Fü die Au nahmebe ei scha de maßgebenden K eise de Ö en -
lichkei ü die on Schmolle gewonnenen E kenn nisse is ein-
mal on Bedeu ung gewesen, daß sie ihm dazu dien en, in die damals
die deu sche Ö en lichkei in e essie enden und bewegenden Ausein-
ande se zungen zwischen Libe alismus und Sozialismus, zwischen
Schulze-Deli zsch und Lassalle einzug ei en und den on
ihnen e e enen Fo de ungen die eigene, wissenscha lich undie e
Meinung en gegenzuse zen; und e ne de Ums and, daß sich e wa um
die gleiche Zei auch manche ande en S immen aus dem Lage de
Wissenscha e hoben, die ähnlichen E kenn nissen Ausd uck e liehen
und de en Folge ungen ü das sozialpoli ische Handeln in die gleiche
Rich ung wiesen. Doch alles dies hä e gewiß nich genüg , um die
a sächlich e eich e Wi kung he beizu üh en, wenn es nich gelungen
wä e, in die B ei e wi kende Möglichkei en zu inden, um ü die ge-
wonnene Einsich und die aus ih abgelei e en Fo de ungen — nach
Schmolle s Wo en — un e den „Gebilde en und Besi zenden,
[de ] ö en lichen Meinung, [de ] P esse und [den] Regie enden" Ve -
s ändnis zu wecken und sie zu Ta be ei scha au zu ü eln14.
Sie sind ge unden wo den. Zum en scheidenden Mi le zwischen
den wenigen Männe n in ih en s illen Geleh ens uben und ih en E -
kenn nissen (und den Einsich igen un e den Un e nehme n, den A -
bei e n und im Regie ungs- und Ve wal ungslage ) und de ö en lichen
Meinung is de 1872 geg ünde e Ve ein ü Sozialpoli ik gewo den.
Die en scheidende G undlage de Wi ksamkei des Ve eins ü
Sozialpoli ik bilden abe unzwei elha die Gedanken, die Schmol-
le in seinen Abhandlungen übe die A bei e age en wickel ha ,
sein hie beg ünde es Sozialp og amm de ausgleichenden Einwi kung
au die Ges al ung de sozialen Ve häl nisse s a des den Selbs -
egulie ungsk ä en de Wi scha e auenden Gehenlassens ebenso
wie de Umges al ung de bes ehenden Wi scha so dnung. Mi Siche -
hei gil das ü das e s e, ü seine sozialpoli ische We bea bei en -
scheidende, Jah zehn des Bes ehens des Ve eins, es gil abe auch
ü die Folgezei , sowei seine Un e suchungen und Tagungen die so-
ziale F age zum Gegens ande ha en, in de sich — solange die Lei ung
des Ve eins in seine Hand lag, also bis zu seinem Tode (1917) —
Schmolle s übe agende Au o i ä imme wiede gegenübe allen
on de G undkonzep ion, un e de e ange e en wa , abweichenden
Meinungen du chse z e.
14 Rede zu E ö nung de Besp echung übe die soziale F age in Eisenach, in:
G. Schmolle , Zu Sozial- und Gewe bepoli ik de Gegenwa (Leipzig
1890), S.2.
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531] De junge SchinoIIe und die A bei e age 19
Wenn auch die e s en An egungen zu Beg ündung des Ve eins
nich on Schmolle ausgegangen wa en, wenn auch neben ihm ande e
an de Au s ellung des P og ammes, mi dem e sich an die Ö en -
lichkei wand e, mi gea bei e haben, wenn sein Vo si z auch bis 1890
in ande en Händen gelegen ha , so beweisen doch die Ve lau ba un-
gen übe die Ziele des Ve eins, die Absich en seines Wi kens, seine
Tagungsp og amme und Be ich e, o allem die on ihm he aus-
geb ach en Un e suchungen unwide leglich, daß in allem diesem om
e s en An ang an Schmolle s Geis und seine Ideen Weg und
Wi ken des Ve eins ü Sozialpoli ik im An ange ganz und ga , spä e
übe wiegend bes imm haben. Ebenso is es eine nich zu bezwei elnde
Ta sache, daß, wie Schmolle im Rückblick au die An änge des
Ve eins (1890) es ges ell ha 15, diese „die Fahne de sozialen Re o m
unen weg o ange agen ha " und de E olg seines Wi kens gewesen
is , „in seinen zahl eichen Sch i en iele de Maß egeln und Gese ze
o be ei e " zu haben, „die sei he [und dann auch wei e hin] du ch-
ge üh wu den".
Diese E olg be uh ganz wesen lich au de p og amma ischen
Besch änkung de dem Ve eine ges ell en Au gaben. Du ch sie wu de
mi klugem Bedach in den e s en Jah zehn en de Ve eins ä igkei
die Behandlung de heo e ischen und soziologischen G und agen de
sozialen F age on den Ve handlungen und A bei en des Ve eins aus-
geschlossen. Diese soll en allein de Klä ung bes imm e konk e e
Einzel agen dienen, um „eine Annähe ung auseinande gehende
Meinungen, eine Ve s ändigung wenigs ens in den b ennends en Punk-
en de sozialen F age" zu e eichen16. En scheidend ü die Beg en-
zung de Au gaben des Ve eins is gewesen, daß ih no wendige weise
diejenigen G undanschauungen als Basis dien en, die — bei im
üb igen iel achen Abweichungen de Meinungen — allen Einbe u e n
de e s en Zusammenkun gemeinsam wa en; und zu ihnen gehö e
o allem die Übe zeugung, daß die E üllung iele und de wich-
igs en und o d inglichs en Au gaben zu Besse ung de sozialen Ve -
häl nisse de Mi wi kung des S aa es bedu e, den „sie [die Ein-
be u e ] niemals als ein no wendiges, möglichs zu besch änkendes
Übel", sonde n „als das g oßa igs e si liche Ins i u zu E ziehung
des Menschengeschlech s" be ach en und den sie s a k und mi eine
Gewal ausges a e wünschen, „welche, übe den egois ischen Klassen-
in e essen s ehend, die Gese ze gebe, mi ge ech e Hand die Ve -
wal ung lei e, die Schwachen schü ze, die un e en Klassen hebe"17. Im
sozialen Be eich is dami dem Ve ein ü Sozialpoli ik die Au gabe
15 Ebenda, a.a.O., S. 4.
16 Ebenda, a.a.O., S. 2.
17 Ebenda, a.a.O., S. 9.
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ges ell und in diese Besch änkung auch in um assende Weise e -
üll wo den, (an dem Au - und Ausbau de „Sozialpoli ik" im Sinne
de Au assung des Beg i es im 19. Jah hunde als des Inbeg i es
de , o nehmlich gese zgebe ischen, Wi ksamkei des S aa es zu Lö-
sung de sozialen F age mi zuwi ken, wie sie sich au G und de Folgen
de indus iewi scha lichen En wicklung im Rahmen de e keh s-
wi scha lichen Wi scha so dnung ü das Ve häl nis de wi scba s-
gesellscha lichen G uppen un e einande s ell e.
Auch mi diese Einsch änkung au die nachweisba e, du ch die
A bei en des Ve eins ü Sozialpoli ik wi ksam gewo dene Aus-
s ahlung de Gedankengänge des jungen, zu Zei de Ab assung
seine Abhandlungen übe die A bei e age siebendundzwanzig-
jäh igen Schmolle au die soziale En wicklung und die sie be-
s immende Poli ik in dem im Reiche e ein en Deu schland komm
seine Leis ung und seinem Wi ken his o ische Bedeu ung zu. Abe
ieles auch on den Einsich en und Übe zeugungen Schmolle s,
welche die G undlage seine Beu eilung de sozialen F age
seine Zei und seines Sozialp og ammes bilden, is ühe ode spä e
in das Bewuß sein de an seine Ve wi klichung be eilig en Menschen,
sowohl in K eisen de A bei e scha und de Un e nehme scha als
auch de Regie ungen und Ve wal ungen, einged ungen und ha seine
Wi kung au ih Denken, Wollen und Ges al en ausgeüb .
Manches da on ha selbs ü die Gegenwa , so e schieden die
ih e Wi scha und die ih en sp echende Sozials uk u , also die
ealen geschich lichen Ausgangspunk e ih e sozialen P obleme, be-
s immenden Ideen und K ä e on denen des 19. Jah hunde s auch
sind, Bedeu ung behal en und soll e da um, eilich imme mi dem
Wich igs en des E bes Schmolle s, dem unbes echlichen Sinn
ü das geschich liche Sein und die es ges al enden K ä e, e neu
übe dach we den.
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