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Der marentypus des Strickers in der deutschen kurzerzahlung des mittelalters

Abstract

Der Stricker nimmt eine herausragende Stellung im Kontext der deutschsprachigen Kurzerúihlung des Mittelalters ein, denn es gehort zu seinen Verdiensten, das ,Mare', im ersten Drittel des 13. Jahrhundertslitera risiert und dadurch eine neue Gattung begründet zu haben. Ziel dieser Arbeit ist es daher, eine Form- und Funktionsbestimmung des Strickerschen Marentypus durchzuführen. In einem ersten Schritt soll anhand einiger ausgewahlter Erzahlungen wie , Der kluge Knecht',Der begrabe ne Ehemann' oder ,Die drei Wünsche' die konstitutiven Elemente der narrativen Struktur des Stricker schen Mare beschrieben werden, wobei nicht nur der Aufbau, sondern auch die Personenkonstellationen und ihre konkrete Rolle im Handlungsverlauf zu berücksichtigen sind. In eine m zweiten Arbeitsschritt soll dann die Funktionalitat dieses Ma rentypus naher bestimmt werden (moral-didaktische Absicht; Aufrechterhaltung einer patriarchalen Ordnung, etc,). In einem dritten Schritt so llen dann auch andere Texte hera ngezogen werden, die in der vom Stricker eroffneten Traditionslinie ste hen. Das wird gestatten, bestimmte Varianten der Ordnungsdiskussion zu konstatieren und kurz zu beschreiben.

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Der marentypus des Strickers in der deutschen kurzerzahlung des mittelalters

Author: Lykhohray, Sofiya
Year: 2018
Source: https://minerva.usc.es/bitstreams/03dd3ce4-f40c-4a84-abc9-58ef8aae3fbf/download
1
Inhal s e zeichnis
1. Einlei ung ........................................................................................ S. 2-3
2. Das Mä e: De ini ion und Ga ungsp oblema ik .............................. S. 4-7
3. De S icke ..................................................................................... S. 7-8
4. Die Mä en
4. 1. „De kluge Knech “
4. 1. 1. Handlungs e lau ....................................................... S. 9-12
4. 2. 3. Analyse .................................................................... S. 12-22
4. 2. „De beg abene Ehemann“
4. 2. 1. Handlungs e lau .......................................................... S. 23
4. 2. 3. Analyse .................................................................... S. 24-31
4. 3. „Die d ei Wünsche“
4. 3. 1. Handlungs e lau .......................................................... S. 32
4. 3. 2. Analyse .................................................................... S. 32-39
4. 4. „De nack e Ri e “
4. 4. 1. Handlungs e lau .......................................................... S. 40
4. 4. 2. Analyse .................................................................... S. 40-43
5. Schluss olge ung ......................................................................... S. 44-45
6.Li e a u e zeichnis ...................................................................... S. 46-47

2
1. Einlei ung
Auch wenn das soziale Um eld sei den We ken des S icke s sich nich wenig
e ände ha , und die Sp ache – das Mi elhochdeu sche –, in de sie gesch ieben
wu den, schon Teil de Sp achgeschich e gewo den is , sind diese noch on besonde em
In e esse aus ielen Pe spek i en, z. B., aus de sozialen, dich e ischen und
linguis ischen Sich . De S icke , mögliche weise ein Geis liche , dien e als B ücke
zwischen de hohen Kul u des Mi leal e s und de populä en Reali ä des Volkes, au
de Suche, seine Sch i en mi nü zlichen Beleh ungen in einem geeigne en Fo ma
auszus a en; dami olg e e dem li e a ischen P inzip de Zei , gee b on den
Klassike n: das doce e e delec a e.
Die Mä en des S icke s scheinen eine simple E zähls uck u zu haben, mi ein achen
Figu en, eine leich en E zählzei und einem wenig komplexen E zähl aum. Doch wenn
man seine Mä en bis zum Ende lies , beme k man auch so o die Bedeu ungs ie e die
hin e diesen Figu en s eh . Um den komplexen Zweck de E zählungen e assen zu
können, müss e man on eine li e a ischen Pe spek i e ausgehen, den Hin e g und de
Rollenkons ella ion be ücksich igen sowie die E zähls uk u und den Um eld de
E zählung e assen. Deswegen is es nö ig, die kons i u i en Elemen e de E zählung zu
un e suchen, um dami auch zu die beleh ende Absich diese E zählungen bes immen
zu können.
Die S icke mä en haben eine kla e S uk u : es i imme ein Handlungs äge au ,
de du ch den Ve lus de Reali ä gegen die e ablie e gesellscha liche O dnung
e s öß . Dabei wi d de Figu eine Möglichkei gegeben, die Wi klichkei spe spek i e
wiede zugewinnen. Wi d diese nich ausgenu z , olg eine Bes a ung und somi eine
Wiede he s ellung de O dnung. Doch um diese S uck u auch in den S icke mä en
e kennen zu können, is es e o de lich, o allem genaue die Rollen de Figu en, ih e
Umgebung, ih Ve hal en, ih en Sp achgeb auch und ih e Reak ionen au die gegebene
Si ua ion zu un e suchen.
Um die kons i u i en Elemen e de S icke mä en genaue e assen zu können, schein
es emp ehlenswe , on einigen Beispielen auszugehen, die, so e n dies im Rahmen
eine solchen A bei möglich is , die hema ische Viel al diese E zählungen
wide spiegeln. Wü de man zum Beispiel nu on den Eheb uchsmä en ausgehen, wä e
es nich möglich das Wesen und die Funk ion de kons i u i en Elemen e zu e assen,
3
auch wenn alle S icke mä en au die gleiche didak ische Absich hinauszulau en
scheinen. Ziel diese A bei is es dahe , on de e zähle ischen Viel al ausgehend,
diese kons i u i en Elemen e de E zählung zu e assen und die Fo m und Funk ion de
S icke mä en zu bes immen. Um dieses Ziel zu e eichen, wu de eine Auswahl on
e schiedenen S icke mä en ge o en, die sich du ch ih e hema ische und s uk u elle
Vielsei igkei auszeichnen. Folgende E zählungen we den in diese A bei analysie :
De kluge Knech , De beg abene Ehemann, Die d ei Wünsche und De nack e Ri e .
Beabsich ig wi d haup sächlich eine Un e suchung de E zählmus e und ih e
kons i u i en Elemen e sowie eine Bes immung und E läu e ung de Rollenzu-
weisungen, um den S ellenwe de in den E zählungen handelnden Figu en nähe
es legen zu können.Dies wi d dann ges a en, die du ch die Handlung e mi el e
E zählin en ion des S icke s genaue zu de inie en.
In einem e s en Kapi el wi d zunächs das Mä e als Ga ung um issen und ku z au die
in de Fo schung o allem ab Hanns Fische S udien ge üh e Diskussion übe die
Angemessenhei in de deu schen Li e a u ein solches Gen e zu un e scheiden. Die on
Fische o geschlagene De ini ion, die seh schnell an ih e G enzen s ieß, wa es o
allem, die diese Zwei el un e einigen Fo sche n zu eigen lichen Exis enz de Ga ung
auslös e.
Im da au olgenden Kapi el soll dann ku z au die Figu des S icke s eingegangen
we den, um einen ku zen Einblick zu haben, was heu zu age on diesem Mä endich e
bekann is .
De Haup eil de A bei wi d sich anschließend mi de aus üh lichen Analyse de ie
ausgewähl en Mä en beschä igen.
Im le z en Kapi el sollen nochmals ku z die E gebnisse de Un e suchung
zusammenge ass we den.
Fü die Du ch üh ung de A bei wu den u. a. einige de g oßen Monog a ien zu
Mä endich ung und zum S icke , die in den le z en Jah zehn en e schienen sind,
1
he angezogen.
1
RAGOTZKY, Hedda: Ga ungse neue ung und Laienun e weisung in Tex en des S icke s. Tübingen
1981; FISCHER, Hanns: S udien zu deu schen Mä endich ung. 2., du chgesehene und e wei e e
Au lage, beso g on Johannes Jano a. Tübingen 1983; ZIEGELER, Hans-Joachim: E zählen im
Spä mi elal e . Mä en im Kon ex on Minne eden, Bispeln und Romanen. München/Zü ich 1985;
GRUBMÜLLER, Klaus: Die O dnung, de Wi z und das Chaos. Eine Geschich e de eu opäischen
No ellis ik im Mi elal e : Fabliau – Mä e – No elle. Tübingen 2006.
4
2. Das Mä e. De ini ion und Ga ungsp oblema ik
Das Wo „Mä e“ lei e sich om mi elhochdeu schen mæ e ab, das „Kunde,
Nach ich , Be ich , dich e ische E zählung ode auch Ge üch “
2
bedeu e . Im Mi elal e
wa mæ e oglich keine Ga ungsbezeichung, und dies zeig sich da in, dass We ke seh
un e schiedliche T adi ion und Bescha enhei on den Dich e n als mæ e bezeichne
wu den. Hie wi d uns auch kla , wohe die mode ne Bedeu ung dieses Wo es s amm ,
und zwa ha es mi de Ankündigung eine Nach ich , einem Be ich zu un. Diese
Be ich e wu den im Mi elal e o allem mündlich e mi el . So äng de Dich e des
Nibelungenliedes sein We k mi dem Ve s Uns is in al en mæ en wunde s il gesei
3
und e weis dami au den o alen U sp ung seine Geschich en.
Heu e hingegen wi d Mä e haup sächlich als Ga ungsbeg i ü eine um ang eiche
G uppe on Ku ze zählungen e wende , die beim S icke ih en An ang nimm .
De mode ne Beg i „Mä e“ als Ga ungsbezeichnung is bis heu e ein seh
ums i enes und noch unkla de inie es Thema. Die Haup igu diese Diskusion wa
de Tübinge Ge manis Hanns Fische , de als e s e eine sys ema ische, o male
Besch eibung de Ga ung Mä e du ch üh e und auch ein Mä enko pus e s ell e. De
Ke n de jah elangen Dikussion wa seine g oß ums i ene De eni ion ü das Mä e, das
Fische olgende maßen besch eib :
„Nach unse en Beobach ungen und Übe legungen is das Mä e eine in paa weise
ge eim en Vie ak e n e si izie e, selbs s ändige und eigenzweckliche E zählung
mi le en (d.h. du ch die Ve szahlen 150 und 2000 unge äh umg enz en) Um angs,
de en Gegens and ik i e, diessei ig-p o ane und un e wel lichem Aspek
be ach e e, mi ausschlieβlich (ode o wiegend) menschlichem
Pe sonal o ges ell e Vo gänge sind.“
4
Diese Ve such, eine De ini ion ü das Mä e zu e s ellen, wa au g und de Themen-
und Fo men iel al de Tex e ech kon o e s, o allem weil de Beg i „Ga ung“ ein
mode nes Konzep is und au die Tex e des Mi elal e s, wo die Tendenz zu
Sys ema isie ung und Klassi izie ung nich ausgep äg wa und nich unp oblema isch
anzuwenden is . Die mi elal e lichen Au o en sch ieben ih e Tex e ohne ihnen eine
gewisse E ike e zu geben. T o zdem haben es in de mode nen Zei iele e such , die
2
LEXER, Ma hias: Mi elhochdeu sches Taschenwö e buch. Mi den Nach ägen on Ul ich P e zel.
38., un e ände e Au lage. S u ga 1992, S. 134.
3
Das Nibelungenlied. Nach de Ausgabe on Ka l Ba sch he ausgegeben on Helmu de Boo . 22.,
e idie e und on Roswi ha Wisniewski e gänz e Au lage. Wiesbaden 1996.
4
FISCHER [Anm. 1], S. 62-63.
5
b ei e Viel al de Mä en ex e einhei lich zu klassi izie en und den Te minus „Mä e“ als
Ga ungsbeg i einebeg enz e und eindeu ige De ini ion zu geben.
Zwa ha Fische s A bei g oßes Au sehen e eg , abe die Fo schung wies ela i
schnell au die Schwachpunk e seine De ini ion hin. So schlug zum Beispiel de
ge manis ische Mediä is Joachim Heinzle o , „den Fische schen Mä enbeg i aus
unse em ga ungspoe ologischen Ins umen a ium zu s eichen“
5
; de G und dieses
A gumen s sei seine Uneinigkei mi dem Mä enbeg i und dem Mä enko pus so wie
Fische sie es geleg ha e: die on Fische „angenommene“ Indi iduali ä des Ko pus
e laube wede einen p ak ischen E kenn nisnu zen noch leis e sie einen Bei ag zu
his o ischen Wesense kenn niss
6
. Ihm is un e ande em auch au ge allen, dass un e
Fische s De ini ion sich auch die No elle on Boccaccios „Decame on“ pe ek
subsumie en ließe, da es sich im G unde genommen auch um eine Ku ze zählung
handel Deshalb ag e sich Heinzle, wa um das Mä e eigen lich eine eigene
Klassi ika ion b auche, wenn sie sich im Wesen lichen nich on de No elle
un e scheide.
7
Fü Heinzle is de Beg i Mä e nu zlos, da e nich p äzise genug is , und auch kein
his o isches Fundamen ha . Seine Meinung nach gib es schon in de mi elal e ichen
No elle solche E zählungen, die sich on den Mä en nich un e scheiden. E schläg
dahe o , den Beg i kleine e E zählungen es zulegen.
Au diese K i ik eagie Hans-Joachim Ziegele mi einem Gegena gumen :
„Fische s Tex ko pus is demnach wede eine Ga ung in dem on ihm posi i
de inie en Sinn noch e s ech eine Ga ung in Heinzles Ve s ändnis, sonde n eine
Tex sammlung ela i he e ogene P o enienz, de en einzelne G uppen sich in
bezug au ein Me kmal on jeweils eine de ausgesonde en Ga ungen
un e scheiden... Man kann on de De ini ion absehen, on dem Ga ungss a us,
welche mi ih ü die Tex sammlung behaup e wi d, Abschied nehmen, on de
Tex sammlung abe als einem Ke nbe eich de Un e suchung zunächs einmal
ausgehen.“
8
Mi ande en Wo en is Ziegele ein e s anden, dass sich das Mä e schon on ande en
es geleg en Ga ungen un e scheide . Was Ziegele eindeu ig als unnü zlich ablehn is
die De ini ion Fische s, de on Fische e s ell e Mä enka alog wi d abe zum
5
Die Aus üh ungen Heinzles e e ie e ich hie nach ZIEGELER [Anm. 1], S.5.
6
Ebda.
7
HEINZLE, Joachim: Al esund neues zum Mä enbeg i , in: Zei sch i ü deu sches Al e um 117
(1988), S. 277-296, hie : S. 279 .
8
ZIEGELER [Anm. 1], S. 32.
12
Nachdem e die Analogie zwischen den Elemen en de Geschich e und de p ekä en
Si ua ion im Hause seines He n en hüll ha , wi d de P a e ge essel und die Ehe au
schwe e p ügel . De P a e kann abe mi dem Leben da onkommen, nachdem e ein
Teil on seinem Besi zdem Eheman übe geben ha , wäh end die F au on nun an on
ih em Mann missach e wi d, egal wie seh sie sich um ihn kümme . De Knech
jedoch ‚was dem meis e liep,/ daz e im zeic e sînen diep/ sô ge uoge âne
bœsiumæ e‘
26
(V.303-305). Zum Schluss wi d in einem e was länge en Epimy hion die
leh ha e In en ion de Geschich e e läu e , die man aus dem E zähl en ablei en kann.
Dadu ch soll de Hö e das Nü zliche diese E zählung e kennen, um es e en uell in
seine eigenen Si ua ion anwenden zu können.
4. 1. 3. Analyse
Als Haup hema de E zählung, könn e man au den e s en Blick den Eheb uch
be ach en, doch nach eine aus üh liche en Lek ü ewi d man sich bewuss , dass hie
de T euee weis des Knech s seinem He n gegenübe die eigen liche Haup olle spiel .
De Eheb uch de F au is eigen lich nu Anlass zu En wicklung de Handlung, in
de en Mi elpunk die lis ige Ve hal ensweise des Knech es s eh . Sein Dilemma bes eh
ge ade da in, wie e seinem He n die Wah hei bezeugen kann, ohne sich selbe
schuldig zu machen. Seine schlaue S a egie üh im Höhepunk de E zählung den
Baue n zu Wah hei hin und en la die Un eue seine Ehe au.
Geh man on de gesellscha lichen Posi ion des Knech es aus, dann läss sich
es s ellen, dass sein lis en eiches Handeln ge ade au diese S ellung zu ückzu üh en is ,
die ih e kla en G enzen ha . De Knech is Zeuge eines unge ech en Geschehens, und
zwa des Be ugs de F au an seinen He n. Die F au e le z dami das Gese z de Eh e,
also e üll sie nich das, was on ih als Ehe au e wa e wi d. Dies s ell den Knech
in eine schwe e Lage: in seine Rolle is e e p lich e seinem He en eu zu dienen. E
könn e die He -Knech Beziehung auch e le zen, die F au bes echen und die Lage zu
seinem Vo eil ausnu zen, dies mach e abe nich , sonde n handel mi Eh e und hil
seinem He en die Wah hei he auszu inden. De Knech könn e abe auch di ek dem
He en mi eilen, dass seine F au ihm Un eu is , dies mach e abe auch nich , sonde n
beweis es ihm au indi ek em Wege du ch eine Binnengeschich e.
26
‚Schä z e de He , weil e ihm den Dieb so klug und, ohne dass üble Nach ede en schehen konn e,
übe üh ha e.‘

13
Wenn sich de Knech also au diese Weise e häl , dann lieg das an den spezi ischen
Rolleneigenscha en, an die e gebunden is
27
. Als „kluge Knech “ e wa e man on
ihm ein gewisses Ve hal en, das e nich ei übe sch ei en da . E nu z die Si ua ion
nich zu seinem Vo eil aus, denn zu seine Rolle gehö die T eue dazu, und deshalb
e zähl e auch nich di ek dem Baue n on de Si ua ion, da sein Wo als Knech
wenige we is als das de Ehe au. In den Ve sen 320-334 wi d das auch noch om
E zähle e klä :
hæ e e gesp ochen eh e:
`de p a e minne iuwe wîp,
als uo si sê e sînen lip´,
daz hæ e de meis e nih e swigen
und hæ e si ouch lîh e geslagen.
sô begunde ouch sis dem p a en sagen;
sô schüe en lîh e i sinne,
daz de wi i zweie minne
nimme eh e e üe e
und ze junges wol geswüe e,
de kneh hæ e in be ogen
und hæ e die ouwen ane gelogen
du ch sînen bœsen haz,
und wü de im umbe daz gehaz.
28
(V.320-334)
Man kann hie on eine kla um issenen O dokons ella ion sp echen
29
: de Baue is an
de Spi ze de Rollenbeziehung, un e geo dne is die F au, und e s dann s eh de
Knech . Alle Figu en soll en sich nach diese O dnung e hal en, doch da die Ehe au
dies nich mach , sp echen wi on einem O dnungs e s oβ.
De O dnungs e s oβ und auch die exis ie ende O dokons ella ion sind im Tex du ch
eine spezie ische Sp ach e wendung sich ba : Die Ehe au e inne ih en Mann nu an
seine äglichen Ve p lich ungen:
si hiez in balde û s ân
27
RAGOTZKY [Anm. 1], S.87.
28
‚Hä e e ge ade he aus gesag :”De P a e lieb Eu e F au und sie ihn auch he ig“, dann hä e de
Meis e nich den Mund gehal en und es ih au de S elle o gewo en; und leich hä e e sie auch
e p ügel . Da au hin hä e sie es dem P a en e zähl , und ih lis ige Ve s and hä e es wohl leich
e ig geb ach , dass de He ih Ve häl nis nie ech kennengele n und am Ende noch geschwo en
hä e, de Knech hä e ihn belogen und die F au angeschwä z , weil e sie hass e. Dann wä e e
wü end au ihn gewo den.‘
29
GRUBMÜLLER [Anm. 1], S. 82 .
14
und hiez in hin ze holze a n.
30
(V. 32-33)
si sp ach: ´wil du die a spa n,
unz uns diu nah geûme ,
sô hâs du dich e sûme .
31
(V.34-36)
Manchmal sind auch di ek e Be ehle wah nehmba :
du sol dich üewen des e baz!
32
(V.42)
` a enwec!´ sp ach daz wîp
33
(V.161)
und sp ach: lâ iu wesen gâch,
i habe iuch e sûme nâch!
34
(V.173-174)
In den meis en Gesp ächen zwischen de F au und dem Baue n e wende die F au das
Impe a i du sol , a , b inge , ode sie benu z Redensa en, die den Baue n und den
Knech zu Eile an eiben. Dies weis – wie gesag – au einen O dnungs e s oβ hin, da
es sich nich gehö , als F au ih em Mann Be ehle zu e eilen. Auch de spö ische Ton
de ganzen E zählung s eh im Diens e de ano malen Si ua ion, in de de Mann nich
die Zügel in de Hand ha . De sp achliche Aus ausch zwischen de F au und dem
Knech bes ä ig auch die Exis enz und Gül igkei de sozialen Rango dnung:
si sp ach:`nu iz den g immigen ô !
dune uos ez du ch den hunge nih ;
mahs du daz we c gesûmen ih ,
des bis du ze allen zî en be ei
du ch dîne g ôze schalchei ´.
35
(V.62-64)
Im Ve gleich zu dem Baue n beme k man, dass die F au dem Knech gegenübe
an änglich einen iel abwe ende en Ton geb auch : sie mach ihm Vo wü e, dass e
30
‚Sie be ahl ihm, schnell au zus ehen und in den Wald zu ah en.‘
31
‚Zöge s du zu ah en, bis die Nach o übe is , dann komms du zu spä . Die Tage sind nu noch
ku z - denke da an und ah asch o .‘
32
‚Und so ühe muss du los!‘
33
„Fah wiede los“ ieb die F au an.‘
34
„Beeil euch, ih hab lange genug ge ödel !“
35
Sie sp ach: „Nun iss dich zu Tode! Du iss nich aus Hunge ; weil du bösa ig bis , has du allezei
nich s ande es im Kop , als dich on de A bei zu d ücken“
15
aul is , und au die Bi e des Knech es nach einem ku zen Imbiss eagie sie mi olle
Ve ach ung Doch de Ton ände sich, als de Knech ein zwei es Mal nach Essen
e lang :
sie e in ougen manigen luoch,
doch sp ach si:`ezze as e!´
36
(V.202-203)
In beiden Fällen s eh diese om Knech e lang e Mahlzei que zu den Plänen de
F au, die da au zo nig eagie . Im e s en Fall wende sie sich nu an den Knech , im
zwei en sind sowohl de Knech als auch de Baue be o en. Man beme k zudem
einen kla en Un e schied im sp achlichen Ve hal en de F au, indem sie bei de zwei en
Gelegenhei den Knech scheinba liebenswü dige behandel . De Knech e heb gegen
die Vo wü e de F au keinen Wide sp uch, was seine un e geo dne e Posi ion bes ä ig .
In seinem Ve häl nis zum Baue n zeig sich de Knech s e s eue oll und e geben,
wäh end jene on seine höhe en Posi ion aus dem Knech mi Ve auen
en gegenkomm . Ih T eue e häl nis be uh eben au de gegensei igen Ane kennung
ih e sozialen S ellung.
he e meis e , uo sô wol
und lâ uns ein wênic ezzen
37
(V.178-179)
De Baue sp ich aus einem höhe en Rang zum Knech , abe e ach e ihn nich . Das
Ve auen das e zum Knech ha , is gu spü ba :
meis e , neme disen ga ,
sp ach de kneh wide in,
und a ein wîle hin!
ich muoz hin wide gân,
ich hân dâ heime e lân
mîne ius elinge und mînen hou .
des wa de meis e ungemuo ,
dô sp ach e : nu lou balde!
38
(V.70-77)
36
Insgeheim s ieβ sie iele Flüche aus, doch sp ach sie: „Ess nu üch ig!“
37
„He und Meis e , seid so gu und lass uns noch ein bisschen essen!“
38
„Meis e , nehm diese Ru e und ah ein wenig o aus! ich muss zu ück, ich habe meine Feus linge
und Meine Mü ze zu Hause gelassen.“ Da übe ä ge e sich de Meis e und an wo e e: „Nun mach
schon!“
16
Obwohl de Baue ein wenig e ä ge übe sein ungewöhnliches Ve hal en wi k , ha e
dennoch Ve s ändnis mi ihm und läss ihn seine Sachen holen. E weiss den Knech zu
schä zen, weswegen e sich auch spä e au ein zwei es Essen einläss . De Knech is
sich seine Rollenun e o dnung bewuss . Im Einklang dami nu z e die
Hö lichkei s o m des Impe a i s neme , a , uo sô wol, ezz ... und nenn ihn seinen
Meis e und He n. Folglich is sein Ve hal en auch nich des O dnungs e s oβes
e däch ig. Doch dem Baue n äll seine sei s das ungewöhnliche Benehmen de F au
au , als sie ohne zu adeln, beiden eine zwei e Speise se ie , und s ell den Knech
so o zu Rede:
de wi sp ach zuo dem kneh e:
`dîn ouwe, diu uo eh e
hiu e allen den ac, sam si dich
noch ha e ü h e denne mich.
ich weiz wol, hæ e ich mi nu
ze ezzen ge ode alsam du,
si wæ e mi nimme sô ge eh ´.
39
(V.207-213)
Mi seinen Wo en äuße de Baue seine Übe aschung übe das Ve hal en seine F au
gegenübe dem Knech und gib dadadu ch an, dass dahin e eine ihm nich bekann e
Mo i a ion s ecken muss. Diese Si ua ion nu z nun de Knech aus, um dem Baue n die
Wah hei mi eine ein ausge ädel en Geschich e zu e mi eln. De Knech sieh sich
in eine ausweglosen Lage, aus de e nu en kommen kann, wenn e seine Klughei und
Scha sinnigkei anwende . Deswegen g ei e au Lügen und Lis en, um den
angemessenen Kon ex zu Wah hei se schließung he beizu üh en. Zue s äusch e
g ossen Hunge o , um sich nich so o an die A bei zu machen, und anschließend
lüg e seinen He n an, dass e seine Mü ze im Haus e gessen habe. Als de Baue
zu ückkeh , um nach ihn zu schauen, behaup e e auße dem, e sei die ganze Zei
seine Abwesenhei leißig gewesen. Das is inso e n ich ig, als de Knech aus seinem
Ve s eck he aus genau beobach en kann, wo die F au die ü den P a en o be ei e en
39
‚De He sp ach zu dem Knech : „Deine He in e häl sich heu e schon den ganzen Tag lang so, als
ob sie o di noch meh Angs hä e als on mi . Mi is ganz kla : Hä e ich wie du nach Essen
e lang , sie wä e meinem Wunsch nich nachgekommen.“
17
Kös lichkei en e bi g . Du ch sein hin e lis iges Ve hal en kann de Knech somi eine
mo alisch ko ek e Ta e üllen.
40
Auch die F au kennzeichne sich du ch Lug und Be ug: so lüg sie in zahl eichen
Si ua ionen um ih eheb eche isches Ve häl nis o dem Ehemann geheim zu hal en und
e weis so ih heim ückisches Vo gehen als ein de o bildlichen Geselscha so dnung
en gegengese z es. Die Übe eibung des Zei e lau s äll einem besonde s au , und
gib de ganzen Si ua ion einen zusä zlichen sa kas ischen Ton.
ie nah es, sô de wi lac
bî dem wîbe unde slie ,
sô p lac si, daz si in ane ie ,
unz e sîn slâ en muose lân.
41
(V.28-31)
unz i zwei uode noch gehol ,
sô is es ez, wezgo , ins e nah .
42
(V.168-169)
Im e s en Abschni is dem Lese kla , dass de Mo gen noch nich angeb ochen is ,als
die F au den Mann be ei s zu A bei weck . Im zwei en wi d die übe iebene Eile
deu lich, mi de die F au sie aus dem Haus jagen möch e. Selbs mi de A bei des
Holzsammelns sollen sie sich Eile geben holen, da im Somme de P lug au sie wa e:
und enspa inde noch den lîp
und b inge holzes genuoc,
daz i hin ze sume e den p luoc
nih ensûme du ch die holz a !
43
(V.162-165)
Gewöhnlich wi d das Holz im Janua aus den Wälde n gehol
44
, deswegen kann man
da on ausgehen, dass die Handlung in diese Jah eszei abläu , was wiede um die
S a egie de F au bes ä ig , ih en Ehemann so schnell wie möglich aus dem Haus zu
eiben, um anschließend genügend Zei ü die Vo be ei ung des Fes schmauses zu
haben, mi dem sie ih en gelieb en P a en e wöhnen möch e. In olgedessen s ell man
40
RAGOTZKY [Anm.1], S.88
41
‚Jede Nach , wenn de He bei seine F au lag und schlie , p leg e sie ihn so lange zu u en, bis e
nich meh schla en konn e.¡
42
„bis ih noch zwei Fude gehol hab , is es weiβ Go , s ockdunkel.“
43
„Schon wede die Ochsen, noch euch selbs und b ing genügend Holz he bei, dami ih wegen de
Holz uh en nich das P lügen des Somme eldes e säum !“
44
h p://www.baue n egeln.ne /baue njah .h ml (abge u en am 30.03.2018)

18
es , dass die F au ähnliche Lis en, Lügen und Übe eibungen anwende wie de
Knech , abe sie e wende sie um eine mo alisch schlech e Ta zu e decken.
Hie üh de S icke den Beg i „kündigkei “ ein. Das Wo „kündigkei “ s eh
übliche weise mi dem Nega i en in Ve bindung:
„kündigkei bezeichne hie die Fähigkei , alsche Absich en und Handlungsweisen
so geschick zu a nen, daβ die Umwel in ih em U eil ehl gelei e wi d,
kündigkei ha das Ziel alsche ge zu e decken“
45
.
Doch de S icke s a e das Konzep de kündigkei mi eine posi i en Bedeu ung aus,
indem e das Adjek i ge üege hin üg , also eine Lis , die e wende wi d um e was
gu es zu olb ingen, weil sie im Diens e de on Go gewoll en gesellscha lichen
O dnung s eh .
Die Beg i e kündigkei und ge üege kündigkei sind in de E zählung somi am Knech
und an de Ehe au zu e kennen. De Knech is das Medium, das die Wah hei
anspo ie , wäh end die Ehe au, die Wah hei e be g und die O dnung ge äh de .
Die Cha ak e iesie ung des Knech s als ge üegekönn e man als einen d eis u igen
P ozess be ach en: Schon in de e s en Kon ak au nahme des Rezipien en mi dem
Knech wi d e als ge üege o ges ell . Dies bewi k im Rezipien en be ei s eine
Einschä zung wie de Knech wohl handeln wi d.
Hœ e waz einem manne geschach
[...]
de he einen ge üegen kneh .
46
(V. 1 und 4)
An zwei e S elle näh en sich die Ve mu ungen des Lese s an de Ve wi klichung seines
Cha ak e s: es wi d dem Lese das ge üege Vo haben des Knech s angekündig . Hie
wi d einem e s bewuss , dass de Knech ein ge ech es Vo haben plan :
deiswâ , gedâh e de kneh ,
ez wæ e billich unde eh ,
wesse mîn meis e iuwe n muo ,
waz i un iuwen uns uo .
deiswâ , mac ich ez ge üegen,
45
RAGOTZKY [Anm.1], S. 84
46
,Hö , wie es einem Mann e ging [...]. E ha e einen klugen Knech .‘
19
ich wil iuch schie e üegen
sô eh e mi de wâ hei ,
daz ez iu wi ein he zelei .
47
(V.43-50)
Zule z beweis de Knech sein ge üege du ch die E zählung eine Geschich e. Mi
diesem Sch i wi d dem Lese ohne Zwei el kla ges ell , dass de Knech on An ang
an eine noble Absich mi de Lis und den Lügen e olg e.
Die Binnengeschich e des Knech s, kann man als Bîspel eino dnen, denn die
kons i u en Eigenscha en dieses Tex yps sind im Tex e kennba :
48
An e s e S elle
handel es sich um eine E zählung, de en Sinn und We nich in dem E zähl en als
solchem lieg , sonde n in dem, was es bedeu e . Das heiss , die E zählung des Knech s
om Wol und dem Fe kel ha ga keinen Sinn ohne die Haup e zählung. De Knech
weis jeden wesen lichen Bes and eil de E zählung au ein deik isches Elemen : das
ge issene Schweinchen weis au das geb a ene Fe kelchen, die d oβen S eine au den
Kuchen, das Blu des Wol es au die Kanne Me und de Wol au den P a en. Diese
Elemen e sind die Ve bindung zwischen de Haup e zählung und dem Bîspel,
alleins ehend ohne den Rahmen de Haup e zählung hä en sie keine leh ende
Bedeu ung.
49
Folglich ha das om Knech e zähl e Bîspel als Ziel, eine au einem Analogie e ah en
be uhende Leh e zu e mi eln. Doch nich au eine di ek e A und Weise, ode mi
Hil e eines eindeu igen Epimy hion, sonde n es geh um ein E kenn nisp ozess, de
Sch i ü Sch i e olg und de auch den Lese au o de , den Zusammenhang selbe
zu in e p e ie en und seine eigenen Schluss olge ungen aus ihm zu ziehen. Auch im
Tex lös de Knech g aduell den E ken nisp ozess aus, wodu ch e den He n zu
Teilnahme an diese E ken niss e p lich e und ihn so allmählich zu Wah hei gelei e .
Die Wah hei wi d dem He en o Augen ges ell , und dadu ch geling es ihm auch,
diesen P ozesse olg eich du chzu üh en:
47
„Bei Go , dach e de Knech , es wä e ech und billig, wenn mein Meis e Eu e Gedanken kennen
wü de und wüss e, wie alsch Ih uns gegenübe seid. Bei Go , wenn es mi geling , dann we de ich
bald die Wah hei ans Lich b ingen und Euch so unzweideu ig en la en, dass es Euch seh
schme zlich zu He zen gehen wi d.“
48
Zu diesem Aspek siehe ACHNITZ, Wol gang: Ein mae e als Bîspel. S icke s Ve se zählung ›De
kluge Knech ‹,in: Ge manis ische Mediä is ik. H sg. on Volke Honemann und Tomas Tomasek.
Müns e 1999, S.177-203. Die olgenden Aus üh ungen ich en sich haup sächlich nach diese A bei .
49
STEINMETZ, Ral -Henning: Fik ionali ä s ypen in de mi elal e lichen Epik. Übe legungen am
Beispiel de We ke des S icke , in: GONZÁLEZ, Emilio/MILLET, Víc o (Hg.): Die Kleinepik des
S icke s. Tex e, Ga ungs adi ionen und In e p e a ionsp obleme. Be lin 2006, S. 79-101, hie : S.97
20
de meis e mi zo ne û sp anc,
e sp ach: ich bin zewâ e
alle dîne mæ e
il ga an ein ende komen
und hân il eh e e nommen,
wes mich dîn ouwe ûzjage
ze allen zî en ez age .
50
(V.280-286)
Haup sächlich dien das e zähl e Bîspel dem Knech als En la ung de Wah hei
dadu ch als E weise seine ge üegen kundikei . Du ch seine in elligen e
Ve hal ensweise geling es ihm auch, seine eigene Unschuld o seinem He n zu
beweisen:
diu schulde, diu was nih elliu mîn,
wan ich sîn leide nih ensach,
sô lange, unz mi ein lei geschach,
daz e beg ie ein wênigez swîn.
51
(V.222-225)
Hinzuzu ügen is auch de Lob des Baue n: au g aduelle Weise eu e sich übe die
on de E zählung bewi k e allmähliche Au hellung de Si ua ion du ch das angewand e
Analogie e ah en. Jedes Elemen e de E zählung e schließ ihm meh und meh die
Wah hei . Es is ein Hinweis da au , dass e sch i weise das Ve auen zu seinem
Knech wiede au bau , da dieses du ch sein sel sames Ve hal e ins Schwanken ge a en
wa . Im E kenn nisp ozess des Baue n e weis sich auch eine agische I onie. De
Baue is scheinba in bes e S immung wäh end de Knech ihm seine Geschich e
e zähl :
»sich bezze n dîniu mæ e«
52
(V.230)
»unse he e go gesegne dich!«
53
(V.243)
»dîniu mæ e, diu sin wol bewan .«
54
(V.246)
50
Da sp ang de Meis e zo nig au und ie : „Je z habe ich endlich deine Geschich e ganz beg i en
und weiβ, wa um mich deine He in imme aus dem Haus jag , wenn es Tag wi d.“
51
„Zwa a die Schuld nich nu mich, abe ich habe ihn leide e s gesehen, als das Unglück
geschehen wa und e ein kleines Schweinchen ge issen ha e.“
52
„Deine Geschich en we den ja imme besse “
53
„Unse He go segne dich!“
54
„Deine Geschich en sind ausgezeichne .“
21
e sp ach:»en iuwen, ich spü
die sælde an dînen mæ en wol,
daz ich si ge ne hœ en sol;«
55
(V.262-264)
De Lese ha in diesem Momen einen Wissens o sp ung gegenübe dem Baue n und
wäh end e sich mi de Geschich e e gnüg , und sich noch nich bewuss is , dass es
sich eigen lich in ih um ihn und seine Si ua ion im Hause handel , kenn de Lese
schon die Au lösung. Dies u eine i onische Wi kung he o , die dem Lese In ige
be ei e .
Auch de E zähle lob im Lau e de ganzen E zählung das Ve hal en des Knech s und
be on dami , welches das Haup hema des Mä es is : die Ve mi lung de Wah hei
du ch die ge üege kundikei des Knech es, um die ge ech e O dnung im Hause des
Baue n zu es i uie en. Diese Idee wi d noch ein Mal am Ende des Mä es im
Epimy hion besonde s he o gehoben:
de iun lîche kündigkei
mi eh e uoge kan begân,
de hâ da an nih misse ân.
kündigkei hâ g ôzen sin.
e e wi be alschen gewin,
de si mi alsche zeige ,
de hâ sîn lop ge eige .
de dâ iun lîche wi be mi e,
daz is ein hö ischlîche si e.
man mac mi kündigkei begân,
daz il hö ischlîche is ge ân.
daz me ke bî dem kneh e!
56
(V.308-319)
Mi ande en Wo en lob de E zähle die Eigenscha sich ech mässig und
si ua ionsbedü ig zu e hal en, ohne die na ü liche O do-kons ella ion zu e le zen.
Diese Eigenscha en e üll de Knech und somi is e in Augen des E zähle s ein
Mus e beispiel ü ich iges Ve hal en und o bildha e Lis .
55
E sag e “Wah ha ig, ich me ke schon, deine Geschich en b ingen Glück, ich möch e sie ge ne wei e
hö en, sie sind schön und gu .“
56
„We sein Ve s and ein ühlsam und ech geschick einse z , de e häl sich ich ig. Klughei is
e was seh Sinn olles. Sie alsch einzuse zen, ha keinen We , und man e spiel dabei seinen
Renommee. We jedoch ein ühlsam dami umgeh , e häl sich ein gebilde und gesi e .“ Mi
Klughei kann man eine Bildung und Si e e eichen, wie sie am Ho e üblich is . Dies soll ih on
dem Knech le nen!
28
daz i e leide e de eh e man.
77
(V.167-170)
E wähnenswe is die Szene, in de eines Tages de Baue seine F au mi dem P ies e
aus de Scheune kommen sieh und ih eine Liebesa ai e o wi . Denn es is sein
einzige Ve such, die O dungshie a chie wiede he zus ellen. Die F au an wo e au den
Vo wu mi eine D ohung, sie wü de den Baue n e lassen, alls e ih e Unschuld
nich ü glaubwü dig häl . Ans a diese Un e schämhei ein Ende zu se zen, äll e
wiede in die schändliche Rolle des Un e gebenen zu ück und be eue , alles was die
edle He in sage, en sp eche de Wah hei . Dami gib e en gül ig sein Schicksal in ih e
Hände und beweis , dass e nun ollkommen seine Wah nehmung de Reali ä
au gegeben ha . Dass die F au o den Augen des Baue s un eu is und e sich dennoch
so nä isch e häl , bewi k beim Lese ein in ensi es Auslachen.
De E zähle un e s eich meh mals, wie läche lich sich de Baue den Be ehlen seine
Ehe au un e wi und be on zugleich die Übe mach de F au:
si dûh e an disem mæ e,
daz si sîn meis e wæ e;
des wa si s olz unde bal .
78
(V.113-115)
und beleip da an sô s æ e,
daz si in i mah e so hol
79
(V.128-129)
Auch de Ton den die F au ih em Mann gegenübe anwende is e nied igend, o allem
wenn e das on ih Ve lang e nich ich ig aus üh e was nich ich ig mach . In diesen
Fällen an wo e die F au mi Beschwe den, Missbilligungen und D ohungen,um bei
ih em Mann ein schlech es Gewissen he o zu u en und ihn so zu e p essen:
nu hœ e ich des die wâ hei ,
daz de manne iuwe bœse is .
80
(V.60-61)
nu sihe ich unde hœ e wol,
daz ich dich ieme haben sol
77
‚Nun kam es abe hin dahin, dass sich die F au in den P ies e so he ig e lieb e, dass ih de ich ige
Mann e leide wu de.‘
78
‚Sie ha e o , ihn mi diese P obe gänzlich zu un e we en; dies lies sie hochmü ig und d eis
we den.‘
79
‚Und sie lieβ da in so wenig nach, dass sie ihn sich öllig e geben mach e.‘
80
‚Nun beweisen mi deine Wo e, dass die T eue de Männe nich s we is .‘

29
ü ein iuwelôsez ez.
81
(V.67-69)
nu is dîn iuwe uns æ e.
des scheide sich diu iun scha nu.
82
(V.78-79)
Diese D ohungen lösen Angs beim Baue n aus:e ü ch e sich o seine eigenen F au,
so dass die P oben nich i e lichen Mu p oben ähneln, sonde n ehe eine Fol e .
83
nu was e des muo es sô a m,
daz e dâ wide nih ensp ach,
wan e sich abe des e sach,
daz e i hulde e lü .
84
(V.118-121)
Wie im KlugenKnech wi d auch in diesem Mä e Lis angewende , um die Handlung
o anzu eiben, doch mi umgekeh en Vo zeichen. Hie s eh die Lis nich im Diens e
de gesellscha lich sank ionie en O dnung, sonde n in dem de bosha en
Ve schlagenhei de F au, die die go gewoll e O dnung de mi elal e lichen
Gesellscha ze s ö . Die Boshei de F au geh so wei , das sie den Baue n on seinem
eigenen Tod übe zeug und ihn da au om P ies e bee digen läss . So kann sie ih en
Ehemann loswe den, ohne dass die Nachba n i gendwelchen Ve dach schöp en. Da de
Mann die In e p e a ion de Reali ä öllig de F au übe lassen ha , glaub e alles und
ho au eine Belohnung:
dannoch wânde de a e,
si e suoh e in abe alsô
und wolde e il gewis hân.
85
(V.220-223)
Doch diese Reali ä s e lus b ing die P eisgabe seine eigenen Iden i ä und
Legi imi ä als Mann mi sich und in le z e Ins anz den Ve lus seine i dischen
Exis enz als ex eme Pe e sion de O dnung, die e selbs e schulde ha .
Die F au ih e sei s se z ih heim ückisches Ve hal en o : sie u alle Nachbe n
zusammen, um auch o izielle Zeugen des Todes zu haben. Danach spiel sie auch noch
81
‚Nun muss ich es s ellen, dass Du nich s wei e als ein eulose Schu bis .‘
82
‚Es is also au Deine Liebe kein Ve lass. Deshalb is es aus zwischen uns.‘
83
ACKERMANN [Anm. 75], S. 67.
84
‚Inzwischen wa e so ängs lich, dass e ih nich wiede sp ach, weil e ü ch e e, noch einmal ih e
Guns zu e lie en.‘
85
‚Und doch glaub e de Na , sie s elle ihn wie zu o au die P obe, um ihn zule z glücklich zu
machen.‘
30
g oβe T aue o , um ih en Be ug glaubwü dige zu machen. Ta sächlich wi d de
Baue lebendig beg aben und die Boshei de F au ha den Sieg da onge agen.
Man kann im Ve hal en de F au – im Gegensa z zum klugen Knech – on eine
zwei achen Cha ak e isie ung sp echen: eine sei s wi d sie om Lese nega i
ka ego isie , da auch sie die Rollenhi a chie nich eingehal en ha : sie ha übe ih en
Mann gehe sch und ihn noch dazu be ogen und e spo e ; diese Eigenscha en
en sp echen nich de Rolle eine o bildlichen Ehe au. Ande e sei skann man abe
auch on eine posi i en Bewe ung sp echen, da es die F au is , die als Vollziehe in de
Bes a ungagie und dami dem Publikum o weis , wie man sich nich zu e hal en
ha , um den Bes and de gesellscha lichen O dnung zu ga an ie en.
De Baue hingegen wi d, wie schon aus üh lich e läu e wu de, als zu k i isie endes
Objek in de E zählung da ges ell . Auch hie könn e man einen Ve gleich mi dem
Klugen Knech ans ellen. De Baue im Klugen Knech is im s ande, einen
E kenn nisp ozess du chzu üh en, um die Reali ä in seinem Hause zu e kennen und die
na ü liche O dnung de Rollenhie a chie zu es i uie en. Im Gegensa z dazu, is de
Baue im Beg abenen Ehemann un ähig, einen E kennungsp ozess zu bewäl igen, denn
on An ang an gib e seine E kennungs ähigkei in die Hände de F au, die ihn imme
wei e on de Wi klichkei wegzieh , bis e ollkommen seine eigene
Deu ungs ähigkei e lie . Is das Ve hal en des Baue n im Klugen Knech lobenswe ,
so e dien e hie nu Spo und Demü igung. Das be on auch de E zähle , de dem
Rezipien en auch keinenPla z läss , um den Baue n zu bemi leiden.
De Höhepunk is – wie gesag – die Bes a ung des Baue n mi dem Tode: jemanden
lebendig zu beg aben is eigen lich ü Mö de ode besonde s ü ha e Diebs ähle
gedach . Sonde ba is abe auch, dass es in einigen Fällen auch ü den Eheb uch als
S a e dien e.
Wa um sich de S icke diese S a e ü den Baue n ausgedach ha , is e mu lich
e bunden mi de Ta sache, dass die F au, obwohl sie auch das Ehe ech geb ochen ha ,
nich bes a wu de. Doch de Baue ha mi seinem Ve hal en als einzige den
Eheb uch seine F au e möglich und is deshalb in Augen des E zähle s alleine schuld
an dem O dnungs e s oβ.
86
Das kann man auch mi dem Klugem Knech e gleichen:
do ha de Baue kein Hinweis au den Eheb uch seine F au, nu de Knech beme k
eine e däch ige Beziehung und üh es auch gleich dem Baue n mi seine a inie en
86
KRATOCHVÍLOVÁ, Ka eřina: Die böse F au in de Mä endich ung des 12.-14. Jah hunde s.
(Bakalářska diplomo á p áce, Masa yko a uni e zi a) 2014, S. 3
31
E zählung o . So o be ei e dann de Baue de unge ech en Si ua ion ein Ende,
indem e den P a en und seine F au bes a , diese soga ü imme seine Guns
en zieh .
Doch im Beg abenen Ehemann wi d dem Baue n de Eheb uch o die Nasege üh . E
hingegen un e nimm nich s, sonde n akzep ie , dass seine F au ihn noch dazu als
Lügne beschimp . Zusammen assend is also de Baue schuld da an, dass die F au
ihm un eu is , und demen sp echend e dien e auch eine S a e die de Un eue
angemessen is .
De S icke se z seine Geschich e ein Ende mi eine p ägnan en Zusammen assung
de Konsequenzen, die sich aus solch eine alschen Handlungsweise e geben:
Den schaden muose e des haben,
daz e sa z e ein umbez wîp
ze meis e übe sînen lîp.
87
(V.246-248)
87
‚So muß e e zu g unde gehen, weil e eine un e s ändigen F au die He scha übe sich zuges anden
ha .‘
32
4.3. Die d ei Wünsche
4. 3. 1. Handlungs e lau
Mi den üblichen Wo en Ein man sp ach ze sînem wîbe, lei e de S icke das
Geschehen des Mä e ein. Wiede einmal be inden sich in de Exposi ion die
Haup igu en: ein Mann und seine F au. Anschließend we den die Ve häl nisse, in de
sie sich be inden, da geleg : De Ehemann beschwe sich übe die A mu , die sie
leiden; da beide sich siche sind, nich gegen Go es Gese z e s oß zu haben, glauben
sie, dass Go zu mi g oßem Reich um belohnen soll e.
De Haup eil des Mä es e zähl , wie das Ehepaa Tag und Nach um Reich um be en,
und wie Go dann einen Engel zu ihnen schick , um das Ehepaa zu Rede zu s ellen.
T o z de Wa nung des Engels, Go nich um Reich um zu bi en, beha de Mann au
sein Ve langen, so dass de Engel ihnen d ei Wünsche gewäh .
De Höhepunk de E zählung zeig , wie du ch die To hei des Ehepaa s, die d ei
Wünsche au dumme Weise e geude we den. Die Konsequenz is , dass das Paa mi
soziale Ve spo ung bes a wi d, die den Mann zum Tode üh . Die E zählung wi d
mi einem um ang eichen Epimy hion abgeschlossen (V. 195-228), in dem das
leh eiche Fazi aus de E zählung gezogen wi d.
4. 3. 1. Analyse
88
Das Ch is en um e s eh sich als die Religion de A men: de Mensch wa übe zeug ,
dass ein Leben in Reich um ode A mu s e s on Go es Gnaden abhängig wa , de
Mensch soll e demzu olge die ihm on Go au e leg e Las in Demu e agen
89
. Was
man in de E zählung o inde , is das Gegen eil dieses Glaubens: de Mann beschwe
sich wegen seine A mu und inde sich auch nich mi ih ab. Zudem d oh e mi eine
wei e en Missbilligung des Ch is en ums, dem Selbs mo d:
solde ich unz an mînen ô
on a muo lîden solhe nô ,
ich wolde mich selben œ en ê.
90
(V.5-7)
88
Die Analyse olg haup sächlich dem Au sa z on SOWINSKI, Be nha d: Die d ei Wünsche des
S icke . Beobach ungen zu E zählweise und gedanklichen S uck u ,in:Zei en und Fo men in
Sp ache und Dich ung. Fes sch i ü F i z Tschi ch. Köln/Wien 1972, S.134-150. De Tex wi d
nach de Ausgabe on GRUBMÜLLER [Anm. 57] zi ie .
89
‚A mu im Mi elal e ‘: h p://a chaeole .de/?page_id=302 (abge u en am 30.04. 2018)
90
‚Wenn ich bis zu meinem Tod de a un e A mu leiden soll, b inge ich mich liebe selbs um.‘
33
Somi könn e man on einem Ve s oß gegen das gö liche Gese z spechen, also dem
O dnungs e s oß. De Mann ag auch gleich seine Ehe au, ob sie ielleich Go es
Gese zmi eine Un eue geb ochen ha , und sie deswegen auch diese A mu als
Bes a ung e dien hä en. Genau mi diese F age äll de Mann in den Wide sp uch,
de den E zähl e lau bes imm : die G ünde de A mu in de Sünde zu suchen is eine
Sünde selbs ; wenn de Mann seine F au nach ih en Sünden ag , sündig e eigen lich
selbe .
hâs u iende go es gebo
ze b ochen, daz sol du mi sagen.
ich hil e di die bouze agen,
unz ich dich dîne schulde b inge an go es hulde
91
. (V.14-18)
De sa kas ische und konno a i e Ton is besonde s au ällig, da de S icke da au
au meksam mach , dass diese E zählung nich on eine Bes a ung de un euen Ehe
handel , – ielleich mach de E zähle dami auch eine Anspielung au sein ypisches
E zählmodell –, sonde n es wi d so o das Fehlen de Einsich in die eigenen Sünden
du ch die To hei des Ehepaa es un e s ichen:
e sp ach: sôn is mi nih bekan ,
wa umbe uns go habe gep an
ê en und g ôzes guo es.
92
(V.21-23)
Dieses Ve hal en weis den Lese schon au die Toh hei des Mannes hin und be ei e
ihnau das ka as ophale Ende o . Die E eignisse de E zählung lau en nach einem
g aduellen To hei sp ozess ab, in dem das dumme Ve hal en des Paa es imme
deu liche o ges ell wi d.Dies e zeug im Lese auch die Neugie , ob das Ehepaa sich
ih e Toh hei bewuss we den wi d. Die Anhal spunk e dieses Pozesses sind das
Fundamen de E zählung.
93
Diese g aduelle To hei sp ozess be uh wie bei den ande en zwei E zählungen au de
Schwanks uk u , du ch die ein konk e e O dnungs e s oß du ch eine Replik
schließlich bes a wi d. „Ein a mes Ehepaa e gib sich nich in Go es Willen“
94
und
91
‚Wenn du i gendwann die Gebo e Go es übe e en has , dann muß Du mi das sagen. Ich hel e Di ,
Buße zu un, bis ich Dich aus deine Schuld in die Gnade Go es zu ückge üh habe.‘
92
‚E sag e:,,Dann kann ich nch e kennen, wa um uns Go Ansehen und Reich um o en häl .“
93
GRUBMÜLLER [Anm. 57], S. 1047.
94
GRUBMÜLLER [Anm. 1], S. 83.

34
wi d da ü mi de sozialen Ve ach ung bes a . In einem e s en Sch i dieses
sch i weisen To hei sp ozesses en scheide sich das Ehepaa zu be en, um Reich um
on Go zu e hal en. Die Ve zwei lung de P o agonis en, die ih e ä mliche Si ua ion
nich wei e dulden wollen, sowie die übe iebene Bußeleis ung, um Go zu ge allen,
allen dabei besonde s au :
sol ichs e liesen danne den lîp,
sô uo mi baz ein ku ze ô ,
denne daz ich ein lange nô
on a muo müeze lîden;
95
(V. 36-39)
mi wachen und mi as en
liezen si i lîp nih as en
mi enje und mi gebe e.
swaz ieman mi gebe e e e,
des liezen si nih unde wegen.
96
(V. 45-49)
E neu is hie ein Wide sp uch zu e kennen, denn sie be en und as en, als ob es sich
um die Ve gebung ih e Sünden handel wü de, doch im G unde genommen is ih Be en
und Fas en au ih e Habsuch zu ückzu üh en.
De zwei e Sch i des To hei sp ozesses übe i den e s en, denn selbs Go e äg
das dumme Ve hal en des Ehepaa es nich , und gib ihnen eine Gelegenhei ih e To hei
zu e kennen. Ein Engel such den Mann au , um ihn in Go es namen o seine
Dummhei zu wa nen. Die Wö e des Engels s immen mi dem ch is lichen Glauben
de Zei übe ein:
soldes u guo gehabe hân,
go hæ e di daz eh ge ân,
als e den ande en allen uo ,
die e lâ haben michel guo .
97
(V. 57-60)
De Rezipien de E zählung be inde sich hie o de F age, ob de Mann endlich sein
dummes Ve hal en e kann ha , und den Ra des Engels, nich nach Reich um zu
95
‚Wenn ich dabei dann mein Leben e lie e, dann is mi ein ku ze Tod liebe , als ü lange Zei elend
in A mu zu leben.‘
96
‚Beim Wachen und beim Fas en e lauben sie sich keine Pause, au den Knien leh en sie Go mi
ih en Gebe en an. Alles was man zu be en p leg , das mach en sie sich zu eigen.‘
97
„wenn Du eich hä es sein sollen, dann hä e Go Di schon gegeben, was Di zus eh , wie e es bei
allen ande en u , denen e g oßen Besi z gewäh .“
35
s eben, annehmen wi d ode sein ha näckiges Ve langen nach Reich um o se zen
wi d. Die Si ua ion klä sich schnell au , was auch zu einem d i en Sch i de To hei
üh . De Mann is geblende on seine Dummhei , weswegen e auch nich au den
Engel und das Gese z Go es hö . Demen sp echend muss de Engel sich eine S a egie
ausdenken, in de e dem Ehepaa deu lich ih e Fehle kla machen kann.
Zu ückblickend e inne die Si ua ion des Engels an die Lage des klugen Knech es,
denn auch e e such e dem Baue n die Reali ä zu e deu lichen mi Hil e eine klugen
Lis .
De Engel gewäh dem Ehepaa d ei Wünsche, mi denen sie sich alles wünschen
können, was sie wollen. Glücklich s ell de Mann sich o , wie e sich einen g oßen
Be g Gold wünsch , ode eine T uhe, die endlos mi Geld ge üll wi d. Diese Gedanken
lassen den Rezipien en glauben, dass das Ehepaa doch ich ig gehandel ha , da de
Mann scheinba klug die Wünsche einse zen wi d:
nu â , waz uns daz bes e sî.
dunke dich daz wol gewan ,
sô wil wünschen ich zehan
on golde einen g ôzen be g
98
(V.98-101)
Die Habgie F au un e b ich die Re lexion des Mannes, und schnell e lang sie auch
nach einem d e d ei om Engel eiges ell en Wünsche:
du weis wol, daz ich mîniu bein
sô il da nâch gebogen hân.
ez hâ go als wol ge ân
du ch mîn gebe sam du ch daz dîn:
ein wunsch is billîche mîn.
99
(V.118-122)
Wenn man die Reak ion des Mannes mi de de F au e gleich , e kenn man einen
kla en Un e schied: De Mann ha on An ang an die Absich , die Wünsche mi de
F au zu eilen. Dieses Ve hal en könn e da au schließen, dass de Mann de klüge e
on beiden is , denn e wa n zudem die F au, sich mi Klughei e was zu wünschen.
Doch ih Fehl e hal en üh zum Höhepunk dieses To hei sp ozesses: Die F au
98
„Gib mi einen gu en Ra , was das Bes e ü uns is . Wenn Du das ü gu häl s , dann will ich uns au
de S elle einen g oßen Be g Goldwünschen.“
99
„Du weiß doch, daß ich meine Knie so seh da ü gebeug habe. Go ha so gu gehandel wegen
meines Gebe es ebenso gu wie wegen des Deinen: ein Wunsch s eh mi zu.“
36
wünsch sich ein wunde schönes Kleid; sie handel mi dem gleichen Egoismus wie
o he , was den Rezipien en also auch nich übe aschen soll e.
Die olgende Reak ion des Mannes is die Kulmina ion seine To hei , denn e handel
mi Zo n und o allem mi Unübe legenhei , da e wü end au die egois ische F au sich
wünsch , das Kleid möge in ih em Bauch landen. Somi wi d auch de d i e und le z e
Wunsch om Ehepaa e spiel . Da alle d ei Wünsche au eine dummen Weise
e geude we den, e üll sich die Reali ä s o üh ung des Engels. Genau wie de kluge
Knech ha auch e es e eich , dem Ehepaa ih e Fehle zu zeigen und somi auch ih en
O dnungs e s oß gegen Go es Wo zu beweisen. Mi den Wo en des S icke s:
und hâ en die wünsche alle d î
ein schän lich ende genomen,
und wâ en des ze ende komen,
daz si nih guo es solden hân.
100
(V.174-177)
e üll sich auch das ypische Schema des Schwanke zählens: die un e legene Figu (de
Ehemann) wi d on de übe legenen Figu (Go , duch einen Engel) übe lis e , und so
wi d das Ehepaa bloβges ell , da sie bewiesen haben, dass sie nich in de Lage sind,
ih Gu haben e wal en zu können
101
. Ande e sei s, ha diese g aduelle E ken nis-
p ozess auch eine e anschaulichende Funk ion, denn die Leh e ih e To hei wi d dem
Ehepaa e s bewuss , nach dem sie es als eigene E ah ung e leb haben.
Im Ve gleich zu den be ei s behandel en S icke mä en, wo de O dnungs e s oß das
Ehe e häl nis bed oh , lieg die T ang ession hie eigen lich auße halb de
inne menschlichen Ehebeziehung, sonde n ollzieh sich zwischen dem Ehepaa und
Go , denn de O dnungs e s oß be uh au de Missach ung de gö lichen Gese ze.
Beide sind sich nich bewuss , dass sie mi ih en Ta en sündigen und s eben beide nach
Reich um, in dem sie das Gebe ü einen unmo alischen Zweck einse zen. Wäh end die
F au mi Egoismus handel , zeig de Mann eine ypische männliche Unzulänglichkei :
die Unmi elba kei des Zo ns, die zu eine unübe leg en Bes a ung üh . Abe o
allem äusch e eine eligiöse Mo al o , denn als e die F au au g und ih es
egois ischen Ve hal ens bes a en will, sieh e nich ein, dass e selbe auch gesündig
ha . In de Bibel wi d ein ähnliche Gedanke in Ma häus. 7,3-5 geäuße :
100
und alle d ei Wünsche ha en zum E gebnis, daß ihnen nich gehö e.
101
SOWINSKI [Anm. 88], S.137.
37
„Wa um siehs du den Spli e im Auge deines B ude s, abe den Balken in deinem
Auge beme ks du nich ? Ode wie kanns du zu deinem B ude sagen: Lass mich
den Spli e aus deinem Auge he ausziehen! - und siehe, in deinem Auge s eck ein
Balken!
Du Heuchle ! Zieh zue s den Balken aus deinem Auge, dann kanns du zusehen,
den Spli e aus dem Auge deines B ude s he auszuziehen!“
Obwohl also beide alsch gehandel haben, wi d o allem de Mann bes a . Es is de
Mann, de die schlimms en Fehle gemach ha . Und dami sind nich die zu o
e wähn en Sünden gemein , sonde n das hochmü ige Ve hal en des Mannes. Wiede ha
dies eine biblische G undlage:
„Sp üche 34, 18-19 (Simon): De Hochmu des Menschen e nied ig ihn; de
Demü ige abe wi d Eh e e langen.“
Pe us 5, 5-6: denn Go wide s eh den Hochmü igen, abe den Demü igen gib e
Gnade.“
Lukas 18, 14: Denn we sich selbs e höh , de wi d e nied ig we den; und we
sich selbs e nied ig , de wi d e höh we den.“
Die Ehe au zeig in keinem Momen Hochmu , deswegen wi d sie wiede mi de dem
Ehepaa zus ehenden Si ua ion de A mu bes a . Nach mi elal e lichem Ve ändnis
gebüh jedem Menschen die ihm on Go zugewiesene Posi ion inne halb de
Gesellscha . Dies bes ä ig auch de Engel, als e dem a men Ehemann e klä , Go
habe es nich gewoll , dass sie eich seien. Die Bes a ung des Mannes geh jedoch
da übe hinaus, denn e e häl sich hochmü ig Go gegenübe :
e sp ach: daz ich nih guo hân,
dâ hâ mi go gewal ge ân.
ich wa e als wol guo es we
als alle, die e guo es hâ gewe .
gæbe e mi s, sô solde ichz hân;
e muoz genâde an mi begân
ich bi e in ieme umbe guo ,
unz daz e mînen willen uo .
102
(V.65-72)
102
E an wo e e: „Dami , daß ich nich s besi ze, u Go mi Un ech . Ich bin Reich um genauso we
wie alle denen e Besi z gewäh ha . Wenn es ihn mi gäbe dann könn e ich ihn behal e. E muß mi
seine Guns gewäh en. Ich wede ihn imme zu um Reich um bi en, bis e meinen Wunsch e üll .“
44
5. Schluss olge ung
Wenn man die ie un e such en Mä en nun zum Schluss als Ganzes be ach e , is
he o zuheben, dass es in den S icke mä en s e s um die Ve anschaulichung des
ich igen dem o do gemäßen Ve hal ens geh . Dabei wu de sowei wie möglich e such
das b ei e Themenspek um und die Viel al de e zähle ischen Ausges al ung zu
be ücksich igen. Im Klugen Knech wu de o S icke an einem posi i en Fall
o ge üh , wie man du ch eine angemessene Anwendung de kundikei die ze s ö e
O dnung wiede he s ellen kann. So ende in diesem Mä e die Handlung auch glücklich
ü die an angs un e legenen P o agonis en, die sich an den Eheb eche n ächen können.
Demgegenübe s ell e De beg abene Ehemann ein nega i es Beispiel da , in dem de
alsch Handelnde sein Fehl e hal en mi einem e hängnis ollen Ende büß e. Wu de im
Klugen Knech gezeig , wie es zu handeln gil , um die O dnung zu es i uie en, so wi d
die Handlung hie ins Gegen eil e keh : de Baue is ein Exemplum ü alsches
Ve hal en, das nu den Tod e dien . Im d i en Mä e De d ei Wünsche ging es nich
meh um die inne wel liche Beziehung eines Ehepaa es, sonde n um das angemessene
Ve häl nis des Menschen zu seinem Schöp e . Am bes a en Ehepaa wu de
kla gemach , dass de Mensch die ihm on zugewiesene Posi ion au E den akzep ie en
muss, wenn e sein gesellscha liches Ansehen bewah en und nach dem Tode das
Seelenheil e langen möch e. Auch hie wu de also ein Fall ex nega i o an dem sich die
Rezipien en ein Beispiel nehmen können, um in ih em Leben ein solches Ve hal en
nich nachzuahmen. Schließlich wu de im nack en Ri e das o dogemäße Ve hal en am
Thema de angemessenen Gas eundlichkei und Diens be ei scha eines Gas gebe s
illus ie , de in seinem übe iebenen Ei e , dem Gas einen he lichen Au en hal zu
schenken, die gegen eilige Wi kung e ziel . De un e dem Man el keine Kleidung
agende Ri e , e läss zo nig und blamie den Ho . Auch hie also ein Fall ex
nega i o, bei dem abe im Gegensa z zu den ande en d ei Mä en eine Bes a ung
ausbleib . Das lieg ielleich am eigenen gesellscha lichen Be eich des
O dnungs e s oßes und an de deu lich in ensi ie en komischen Wi kung de
Handlung, die das Lachen p o ozie en möch e und de ein s a endes Ende Abb uch un
könn e.
Beme kenswe is in den S icke mä en de Ve lus de Wi klichkei spe spek i e, de
den Schaden auslös : im Klugen Knech sieh de Baue die Ta sache nich , dass seine
F au ihn be üg . Im Beg abenen Ehemann en e n sich de Ehemann on de Reali ä ,

45
weil e eine alsche Konzep ion seine F au als pe ek e Minnedame en wi . In Die
d ei Wünsche wi d de Reali ä s e lus du ch ih sündiges Ve hal en bewi k . Und im
Nack en Ri e in e p e ie de Gas gebe , die Si ua ion alsch und kann dahe die wah e
Bescha enhei seines Gas es nich e kennen.
So is in allen ie Mä en de Reali ä s elus de Ans oß zu einem unangemessenen
Ve hal ens. Alle Figu en, denen es an eine wi klichen Pe spek i e ehl , zeigen ein
alsches Ve hal en. Die Baue n in De kluge Knech e hal en sich alsch, weil sie ih e
F au übe sie he schen lassen. Das alsche Ve hal en des Mannes in Die d ei Wünsche
lieg o allem in seine Hochmu , und das des Gas gebe s in De nack e Ri e in seine
Ichbezogenhei .
Alle Figu en, die in den Reali ä s e lus und so in das alsche Ve hal en ge a en sind,
haben in de E zäls uk u abe eine Gelegenhei , sich ih es Ve hal ens bewuss zu
we den und zu de Wi klichkei zu ückzu inden. In de E zählung De kluge Knech
wi d dem Baue n eine Binnene zählung da geleg , die e mi E olg in e p e ie , um die
Reali ä spe spek i e zu es i uie en. Ihm wi d keine S a e au gese z , da e die Reali ä
e kann ha . Auch de Ehemann in De beg abene Ehemann bekomm eine Gelegenhei
die Wah hei zu e kennen. Als die Ehe au o den Augen des Mannes zusammen mi
dem P a en aus de Scheune komm , is es eine Da legung de Reali ä ad oculos. Doch
e is nich im S ande diesen Beweis zu in e p e ie en, also is e auch nich ähig sein
alsches Ve hal en zu ko igie en; die S a e da ü is ein g ausame Tod.
De Engel in Die d ei Wünsche gib dem Ehepaa die Gelegenhei ih alsches Ve hal en
zu e kennen. De Mann abe nu z sie nich aus, und s ell den Reali ä s e lus nich
wiede he , wo au e eine e dien e S a e bekomm : die Ve spo ung de Leu e, die ihn
zum Tode üh . Auch in de E zählung De nack e Ri e wi d dem Gas gebe
angegeben, den Wunsch des Ri e s zu e üllen, seinen Man el am Leib behal en zu
können die Kleidung bei zu behal en.
Wenn man nun zu de on G ubmülle skizzie en S uk u O dnungs e s oß – Replik –
Wiede he s ellung zu ückkeh , läss sich schließen, dass sich dessen E üllung in den
ausgewähl en Mä en eindeu ig gezeig ha . Wei e e Fo schungen wä en jedoch nö ig,
um die Un e schiede zwischen diesem Mä en ypus und ande en Tex eihen un e suchen
zu können, besonde s wo änliche Schwanks uk u en zu e kennen sind.
46
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