Uni e si ä sbiblio hek Pade bo n
Ka l Kunz, Gemälde und Zeichnungen
Kunz, Ka l
Kaise slau e n, 1966
u n:nbn:de:hbz:466:1-37578
PROF .DR.J.A.SCHMOLL GEN.EISENWERTH
Wo e zu E ö nung de Auss ellung on Ka l Kunz
in de P alzgale ie Kaise slau e n am 12.Mä z 1966
We o Bilde n on Ka l Kunz das Wo e g ei ,muß sich auch halb zum Bänkel¬
sänge eignen .Das is jeden alls einwich ige Aspek ,denn diese Bilde e zählen
iel,und o sind es egel ech e Mo i a en .Da inde sich zum Beispiel au dem Ge¬
mälde „Die lus igen Weibe "eine ausgelassene Gesellscha kos ümie e F auen ,
die o ensich lich mi Männe n nich ge ade san umsp ingen .Masken sind au ge¬
se z ,abe zum Teil auch ge allen .Eine F au ha ein Thea e schwe gezück ,es
he sch Hochs immung ,es wi d ges ikulie ,es geh nich ge ade ein zu,alles is in
Bewegung —und doch he sch eine eigen ümliche Ve loch enhei de G uppe in
ih en linea en Bezügen ,als sei sie zum lebenden Bilde e s a .
Die g oßen Fo ma e sind in de Meh zahl e üll on solchen d ama ischen Szenen .
Mo i a au Mo i a oll o uns ab ,e s a zu G uppe ,wi d lächengebundenes
Bild.Das Plaka i e und O namen ale is genauso Ausd ucksmi el wie die einge¬
kleb en Pos ka en ,Reklamed ucke ,Zei sch i enausschni e und Fo og a ien ,um die
Handlung zu Figu a ion ge innen zu lassen ,um sie im Ne z de Komposi ion mi
kon as eichen Fo melemen en ,abe auch mi Symbolen au zuladen .De Be ach¬
e wi d in Ve wi ung e se z ob de Vielzahl de Mi el und angesich s zahl eiche
e schlüssel e ode auch o ene Symbol agmen e .Noch imme gil ü iele Bil¬
de on Ka l Kunz jene e liche Beobach ung des Male s Con ad Wes phal :Die
s a e Viel al de Dinge s ände im s engen Bühnen ahmen zunächs o uns wie
die Objek e und Figu en im Inne n eine Schießbude .T e e de Be ach e ein Ziel,
begönne de geheimnis olle und o e sch eckende , ucka ige Ablau mechanische
Appa a u en .Plö zlich we de übe bes imm e Gelenks ellen Figu ü Figu ,Schei¬
ben und Ku ens ücke e schiedens e Fo m,Fa be und Bedeu ung nach und nach
in Bewegung e se z ,—bis de K eislau beende sei und alles wiede uhe .Mi
diesem Ve gleich de ün zige Jah e wa Ka l Kunz ge ne ein e s anden .E bie e
einen op ischen Schlüssel zum Ve s ändnis de e sch änk en igü lichen Komposi io¬
nen .Wi s ell en schon ühe es ,daß o den Bilde n on Ka l Kunz wiede de
mi a bei ende , ä ige ,denkende ,assoziie ende Be ach e no wendig is ,wie e
e wa o den g oßen Passions -und Ma ienal ä en des spä en Mi elal e s gedach
und ge o de we den muß .Hie genüg es nich ,sich Imp essionen on Fa ben und
S immungen hinzugeben ,hie muß en knäuel ,au geknüp ,nach ollzogen und mi ¬
gelesen we den .
Un e den Symbolen seine Bildsp ache gib es e schiedene Ränge und K eise .
Einen un e en ,abe in höhe e Sphä en hineinwuche nden nimm de Komplex des
Fleischlichen ,E o ischen und Geschlech lichen ein .Was ühe unbewuß ode e ¬
d äng geäuße wu de , i sei Sigmund F euds Leh en ins Lich de wissenscha ¬
lichen E ö e ung und de küns le ischen Ges al ung .Nu P üde ie e hüll da o
das Haup .Ins Zen um diese Zone üh uns das Bild „Au s and des Fleisches "
(1962).Wie geile O chideenblü en ,schwellende O gane ,Kö pe on schille nden
Robben ,Eingeweide und Fanga me ü m sich de Be g au bäumenden Fleisches .
Die Abs ak ion e eich hie einen hohen G ad ,de küns le ischen Bewäl igung
des iskan en Themas angemessen . Die Fa ben e inne n in ih e kal en Glu an die
Pale e de Meis e des Blauen Rei e s , an Kandinsky und F anz Ma c . Es ehl abe
die Roman ik diese Male on 1912, ih e Keuschhei , ih e Sehnsuch , ih Flug zu
einen Geis igkei . Ka l Kunz knüp ehe an den g oßen ös e eichischen Meis e
des Jugends ils Gus a Klim an , s eh abe in de Epoche nach Max E ns — um
zwei Male zu nennen , die Vo ausse zungen seines We kes bilden , auch wenn e
ihnen nich unmi elba e p lich e is . Mi Klim e binde ihn auch die Melodie
de Linie, diese übe züch e e Kan ilene , G unds uk u seine Komposi ionen , e ne
die hohe deko a i e Wi kung , die Rolle des O namen s und de Zug zum Monu¬
men alen . Schließlich gehö soga de Sinn ü das Bühnenmäßige , ü den Au ¬
i , ü A i üde und Pa hos seine Ges al en in diese Geis es e wandscha . Man
könn e Ka l Kunz als einen Klim unse e Zei , als einen Symbolis en bezeichnen ,
de unbei wie jene die Bahn de bedeu ungs ollen Inhal e in de Bildkuns des
20. Jah hunde s en langsch ei e , — unbei on de akademisch gewo denen un¬
e bindliche en ungegens ändlichen Male ei unse e Tage . Das Eigen ümliche diese
Si ua ion des We ks on Ka l Kunz wi d e s ückschauenden Be ach e n spä e
ganz bewuß we den .
Einen ande en Be eich on Symbolen — doch o mals e loch en mi dem de
leischlichen T iebe — nehmen die Todesan u ungen ein . Die „To eninsel " on 1957
gab — in deu lichem Bezug au Böcklins T aue landscha — das s ille Reich de
G ü e , de T aue nden , de G abdenkmäle , de Scha enwel . In de G uppe de
„Klagemaue " und in de „Elegie " on 1958 (aus dem Besi z on D . Klewi z/Saa -
b ücken , hie als Leihgabe ) kling das Thema in de Ve dich ung au Klage igu en
an de F iedho smaue und an ze b öckelnden G abdenkmäle n za e an . Noch
ly ische e schein es im „G abmal des Dich e s " (1957), indem die Bleis i zeichnung
au de weißg undie en Leinewand wei e Pa ien des Bild eldes in e schleie em
G au behe sch .
Von unglaubliche P ägek a is schließlich das Todes hema im S aßenbild „Pom¬
pe uneb e " on 1962: Ein Eind uck on einem schwa zausgeschlagenen T aue haus
eine südlichen Kleins ad . S enge Symme ie des zen alen Mo i s de D ape ie .
Die Silbe bo en sind ein ach sugge ie du ch die weißg undie e Leinewand , die
in b ei en S ei en zwischen den schwa zen Fa b lächen s ehenblieb . Feie liche Zei¬
chensp ache eine bü ge lichen To enklage , Todespomp an kleb ige S aßen on ,
neben dem F eudenhaus und bun en Reklamen . Geheimnis oll das Dunkel hin e
dem schwa zen Vo hang , Gang , Schwelle und To zum Tode . Vo n abe das unbe¬
kümme e Leben de S ad .
Was in diesem Bilde au äll , gemessen an äl e en Komposi ionen on Ka l Kunz,
is die g oße Rolle a chi ek onische Fo men . In ühe e Zei wa en es Ve sa zs ücke
in In e ieu s , Möbel , Fens e - und Bilde ahmen , P o ile , ged echsel e Beine on
Tischen , Modepuppen , Kleide s ände n , — sei de e neu en Begegnung mi dem
Süden is es die g oße A chi ek u de S äd e . F ühe wa es Tischle we k , Remini¬
szenz an den ä e lichen Fou nie handel und die Kundscha de Sch eine . Je z
sind es die Fassaden de Ki chen und Paläs e und auch de kleine en Häuse Süd¬
ank eichs , Ka aloniens und Venedigs . F ühe schon konn e man es s ellen , wie
s a k diese Augsbu ge du ch das ömische E be mi gep äg is . Heu e b ich es in
de Monumen ali ä de Figu en und Fassaden g oßa ig du ch . Die Reihe de S u¬
dienblä e aus Ba celona und o allem aus Venedig , die de Auss ellung dankens¬
we e weise beigegeben sind , e lauben Einblicke in die unmi elba e und sub ile ,
abe auch k a olle Auseinande se zung mi dem Thema de A chi ek u . Meis is
es auch hie , wie in de Wel seine Figu en , die Ges al ung g oße Gebä den ,
monumen ale Um isse , deko a i e Elemen e on Fens e ahmen , Baikonen , Gesim¬
sen , Säulen , Pilas e n und S a uen , die ihn anziehen . Welch in ensi e und in ui i e
A chi ek u zeichne Ka l Kunz is , wi d hie e s mals ganz deu lich . Und sogleich is
die Um o mung zu Hand , mi siche em Blick ü die bühnenbildgemäße Ges al ung ,
ü das A chi ek u s ück , so wenn Ki chenkö pe zu möbela igen Gebilden we den ,
Fassaden zu Kulissen , S aßen und Plä ze mi ih em pe spek i ischen Tie ensog zu
Szene ie ü g oße Au i e . Einiges da on is nich denkba ohne Chi icos Vo ¬
gänge scha . Abe Kunz ha ein iel innige es Ve häl nis zu A chi ek u als o ga¬
nischem Gebilde und zu S a ua ik seine S a age igu en , eine ande sa ige , ei¬
che e Phan asie und eine ie e e Beziehung zum Me aphysischen , das de Bildwel
Gio gio de Chi icos eins zum E ike wu de : pi u a me a isica . Dieses Kennwo
paß eigen lich iel besse zu Ka l Kunz, de eine so ech e Beziehung zum T anszen¬
den en und Religiösen besi z .
E wähnen wi diese Sei e seines Wesens , so is ein wei e e K eis seine Symbolmo¬
i e au ge u en . E s eh mi denen de Todeszeichen , abe auch de i dischen
Sphä en des Fleischlichen in eine kon as ie enden Wechselbeziehung . Die „K euz¬
abnahme " des Saa landmuseums Saa b ücken ( on 1957), das Golga habild on
1961 und das „Ka alanische Golga ha " on 1963 e e en in diese Auss ellung
das Thema de Passion Ch is i . Mäch ig die K euzeszeichen des mi le en Golga ha¬
bildes , e bo gene die chias ische Komposi ion de Saa b ücke K euzabnahme mi
ih en Gegensä zen on ech e male ische Figu eng uppe und linke g aphische
Pa ie . Ein ganz neue Klang ein male ischen Vo ags bes imm schließlich die
schimme nden Figu en de ka alanischen K euzabnahmeg uppe —, die nach dem
Mo i monumen ale Holzskulp u en des Mi elal e s en s and . Wie hin e Schleie n
agie en die Figu en diese he ben Szene ie , Inbild de Passion , wü dig eine sak a¬
len Ve wendung .
He sch in diesen Gemälden die Ges al des Menschen und die menschliche Ge¬
s al Ch is i o , so i noch einmal die neue Begegnung mi de A chi ek u im
Bilde de „Ve kündigung " mach oll o uns hin. Kühn is in diesem Hoch o ma de
Keil des g ünen Himmels zwischen die auseinande e enden Palas assaden eines
imaginä en Venedig gese z . Oben schweb und äll de o e Engel im S u z lug in
diese Bahn . Au eine Al ane si z — nack — die Jung au , gelassen , e geben —
eine Figu ine , die on e n an Ca paccios Ku isanen e inne , abe ih e Vo o men
im We k on Kunz besi z , e wa in de Mu e au dem Dach des Hin e g undge¬
bäudes seine „Römischen Familie " on 1948, in diese Auss ellung das äl es e
Gemälde seines Oeu es . De Schaupla z de „Ve kündigung " is nähe gekennzeich¬
ne du ch die enezianischen Vedu e ech s mi dem Canal G ande , eine Fa bpos ¬
ka e nach einem Gemälde des Canale o , de en wolkiges Himmelsblau in ein
Hoch o ma on Kunzens Hand o gese z wu de . Die Palas on en we den so zu
Ikonos asis . Denn links is an en sp echende S elle des Nachba hauses die Fa b¬
ep oduk ion eine byzan inischen Ve kündigung einge üg . Hinweis au die P ä -
igu a ion des Themas , dessen Pa aph ase unse Male gib . Und am Un e bau de
Dach e asse des nied igen Hauses de Ma ia is im Schni punk de keil ö migen
Haus assaden , die dem S ahl des Engelsbo en en sp echen und du ch den Schoß
Ma iens d ingen , die kleine Fa bpos ka e on Tin o e os „Ma cuswunde " on
1550 in das Rahmen eld de A chi ek u applizie . In de Spi ze des S ahlensek¬
o s , de die Mi e de Komposi ion bes imm , be inde sich hie das U bild des
Ve kündigungsengels in winzige Rep oduk ion : Tin o e os kühne aus dem Hi n-
mel dem gläubigen , zu Blendung e u eil en Skla en zu Hil e eilende Heilige
Ma cus , de die Fol e we kzeuge de Sche gen ze b ich . Tin o e os bä ige Heili¬
ge , diese mäch ige Flug igu is du ch Kunz zum Engel de Ve kündigung e wan¬
del , den Eing i des gö lichen P inzips e anschaulichend . Die Bezüge sind olle
Symbolismen und doch bei alle Ve schlüsselung on g oße Kla hei . Die Konzep¬
ion diese „Venezianischen Ve kündigung " is ein Wu on bühnenbildne ische
K a und doch e üll om Geheimnis schwebende Andeu ungen , die das Wissen
um eine zwei ausendjäh ige Geschich e um assen , sich ba in den F agmen en de
An ike — im Todesdenkmal , diesem al en Sinnbild s e benden Heiden ums , — in de
an ikischen Nack hei de Jung au , — sodann in de byzan inischen Ikone , in de
go ischen A chi ek u de Paläs e , in den Renaissancebalus e n , in de Vedu e des
Spä ba ock — in de „me aphysischen " Kon on ie ung , Mon age und Übe höhung .
Un e den neuen S äd ebilde n on Kunz is dieses das male isch bedeu ends e und
welche Gegensa z zum ehe i olen Pa ise „Me o "-P ospek (1962), indem die
Jugends ila abeske des Me opo als Signa u eine inne en Ve wandscha zum
pe sönlichen ege abilischen Linea s il Kunzens bilde . Die „Venezianische Ve kün¬
digung " is dagegen ikonenha hohei s oll , — nich zule z dank de Rolle de
A chi ek u .
Man möch e dem Male wünschen , daß e gelegen lich auch die Au gaben des Büh¬
nenbildne s e p oben könne , wie dies Picasso , Baumeis e und ande e mi Lus und
E olg ge an haben . Wi glauben , daß e auch da Gewich iges leis en wü de . Im
Wandbild ha e es in seine zu ku zen Saa b ücke Zei eben alls bewiesen . Die
Vielsei igkei des Küns le s sei he o gehoben , de uns im e gangenen Jah mi de
g oßen Buchausgabe de Illus a ionen zu Dan es Di ina Commedia in he o a¬
genden D ucken seine Fede zeichnungen übe asch e , on denen einige O iginal¬
p oben hie zu sehen sind . Sie e ö nen den Einblick in eine ande e Wel inne e
Gesich e und Ausdeu ungen des mi elal e lichen Wel gedich s des g oßen Flo¬
en ine s . Das e schlüssel Symbolische in dessen Dich ung is de Male ei on Ka l
Kunz so adäqua , daß man on einem neuen Höhepunk in de ielhunde jäh igen
Geschich e de Dan e -Illus a ionen sp echen da . Mi diesem Buch ha de Jubila
zu seinem 60. Gebu s ag im No embe 1965 uns alle beschenk , da dieses opus
magnum de sub ilen liniens a ken Fede zeichnungen nun ö en lich zugänglich is .
Es bleib uns also nu , nach äglich mi diese Auss ellung , die schon ü den He bs
geplan wa , und die du ch das g oße Ve s ändnis des Lei e s de P alzgale ie nun
in diesem ep äsen a i en Au gebo möglich wu de , Ka l Kunz zu seinem so o igi¬
nä en We k zu g a ulie en und ihm pe sönlich alles Glück zu wünschen , nich nu
ü sein angeb ochenes sieb es Lebensjah zehn , sonde n auch ü sein une müd¬
liches wei ausg ei endes Scha en .