Jono Jablonskio dėmesys stiliui
Full text
REGINA KOŽENIAUSKIENĖ
Universität Vilnius
JONAS JABLONSKIS’ AUFMERKSAMKEIT FÜR DEN STIL
EINLEITUNG
Im Vorwort zu Lietuvių kalbos stilistikos schreibt Juozas Pikčilingis: „Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, von wem man den Stil lernen sollte, richtet sich der Blick zunächst auf dieselben Quellen, auf die sich Jonas Jablonskis stützte.“ (Pikčilingis 1971: 3). Hier sollte man hinzufügen, dass sich der Blick des Stilisten nicht nur auf dieselben Quellen richtet, sondern vor allem auf die Schriften von Jonas Jablonskis selbst.
Und tatsächlich sind die stilistischen Arbeiten von J. Pikčilingis voller Zitate, Beispiele, Korrekturen und Überarbeitungen von J. Jablonskis. Die Schriften von J. Jablonskis waren für ihn eine wahre Schule der praktischen Stilistik: „Als Stilist muss ich mich immer wieder ihm zuwenden und überprüfen – ob ich diesen Weg gehe...“ (Marčiulionytė 1991: 23).
J. Pikčilingis hat J. Jablonskis’ Beitrag zur Stilistik wiederholt auf Konferenzen, in Fernsehsendungen, Radiosendungen und Interviews gewürdigt1. Zuletzt ehrte er ihn mit dem Festartikel „Möge sie leben, das Gewissen der Sprache“ (Pikčilingis 1990: 5–6), der dem 130. Geburtstag des Schöpfers der Standardsprache gewidmet war.
Be J. Pikčilingio, apie J. Jablonskio pažiūras į stilių yra rašę Jonas Palionis (1959: 43–47), Arnoldas Piročkinas (1975: 4–11; 2000: 162–163), o apžvalginėje monografijos dalyje „Apie lingvistinės lietuvių stilistikos formavimąsi“ – Vaida Knabikaitė (2006: 50–63). Tačiau J. Jablonskio atliktų darbų mastas toks didelis, o stilistų tyrimai tokie fragmentiški ir epizodiški, kad jų laukia dar gana daug darbų. J. Jablonskio dėmesys stiliui atsiskleidžia įvairiais aspektais: 1) praktinės stilistikos, t. y. stiliaus kultūros; 2) minties logikos ir stiliaus santykio; 3) kalbos etikos, iš jos – ir etinės stilistikos. Kiekvienas iš jų galėtų būti medžiaga atskirai temai. Antra vertus, dėmesio nusipelno ir paties J. Jablonskio rašymo stilius, buvęs pavyzdžiu to meto rašytojams – ne tik literatams, bet ir laikraštininkams, vertėjams, recenzentams, vadovėlių autoriams. Iš minėtų aspektų straipsnyje paminėsiu tik vieną kitą ryškesnį kalbininko dėmesio stiliui ženklą. Pamė-
1 Apie tai yra sakęs interviu pats J. Pikčilingis (žr. Marčiulionytė 1991: 23).
66
KALBOS KULTŪRA | 83
Wir bemühen uns, auch den Stil von J. Jablonskis selbst zu beschreiben (zu dieser Frage ist, wie es scheint, bislang überhaupt noch nichts geschrieben worden).
Die logisch abgewogenen, knappen Auslegungen von J. Jablonskis zu dieser oder jener Äußerung sowie seine aufmerksame Polemik mit Schriftstellern lassen vermuten, dass es nicht nur Kriterien für sprachliche Korrektheit und Logik, sondern auch für Stilgemäßheit sowie allgemeine Grundsätze der Stilanforderungen gibt. Den Normierer der Standardsprache beschäftigten sprachliche Korrektheit und Reinheit ebenso wie Genauigkeit, Klarheit, Flüssigkeit, Lebendigkeit und Kürze. Alle von J. Jablonskis genannten Spracheigenschaften – flüssig, klar, weithin verständlich, anständig, angemessen – sind zugleich allgemeine Eigenschaften einer stilistisch gelungenen Sprache.
J. Jablonskis’ Einstellung zu stilistischen Korrekturen wird in der einen oder anderen Anmerkung oder einem ausführlicheren Kommentar deutlich: „Eine Korrektur eines aus dem Text herausgelösten einzelnen Satzes oder Wortes hat, so scheint mir, für den Leser nur geringen Wert, wenn der Text selbst fehlt“ (JablR IV 1935: 222); „In den von mir zusammengestellten Sprachbeispielen gibt es viele solche Wörter [...], die hier, im betreffenden Schriftstück, lediglich an unpassender Stelle verwendet werden. Die Wörter selbst sind in der Sprache gebräuchlich“ (JablR IV 1935: 328); „dazu müsste man auch sämtliche Dialekte der menschlichen Sprache am besten beherrschen“ (JablR IV 1935: 114). „Ein Autor, der vom Leser verstanden werden [will], muss sich beim Verfassen seines Textes auch darüber im Klaren sein, für wen er schreibt. Für Menschen mit geringer Bildung muss er verständlich schreiben; für einen gebildeteren Menschen kann er auch kompliziertere, ausgefeiltere Ausdrucksweisen verwenden...“ (JablR V 1936: 37). Diese Kommentare lassen sich als Erläuterung objektiver Stilfaktoren verstehen: Bei der Auswahl, Verwendung oder Empfehlung bestimmter sprachlicher und stilistischer Mittel ist es wichtig, den Inhalt des gesamten Textes, seinen Kontext und die Sprechsituation, den Bereich des Sprachgebrauchs sowie den Adressaten, sein Alter und seine Bildung zu berücksichtigen. Vgl. „Wenn der Autor [Jonas Jablonskis] etwa ein Schulbuch rezensiert, äußert er sich natürlich oft auch zu dessen Eignung unter pädagogischen Gesichtspunkten...“ (Balčikonis 1935: VII). Außerdem erkennt J. Jablonskis an, dass ein Redakteur den Gedanken des Autors genau erfassen muss und dass er ihn bei der Überarbeitung des Textes nicht entstellen darf. Diese Bemerkungen sind auch für die linguistische Stilistik unserer Zeit relevant.
KRITIK DES UNLOGISCHEN DENKENS
Eines der umfangreichsten Kapitel von Stilistik der litauischen Sprache begann J. Pikčilingis mit dem Unterkapitel „Sprachkultur – Kultur des Denkens“, das heißt mit logischem Denken sowie sprachlicher Klarheit und Genauigkeit als Grundlage eines guten Stils, wobei er sich im Wesentlichen auf J. Jablonskis Korrekturen stützte und ihn zitierte
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
67
seine auf kritischem Denken beruhenden Gedanken. Zeitgenossen, die J. Jablonskis kannten, betonen seine eiserne Logik: „Bei den Schülern achtete er besonders auf die Entwicklung logischen Denkens.“ (Jokantas 1921: 541); „Natürlich war seine Haltung überall kritisch, denn er war ja ein Mensch von großer Logik, der viel gesehen und nachgedacht hatte.“ (Smetona 1930: 44).
Selbst in Kunstwerken, wie J. Jablonskis zu sagen pflegte, in künstlichen Märchen, müsse die Logik des Gedankengehalts gewahrt bleiben; die Bilder müssten überzeugend sein und dürften sich nicht von der Wirklichkeit entfernen. Hier sei daran erinnert, dass er klassische Philologie studiert und sich mit antiker Rhetorik beschäftigt hatte, in der eine der wichtigsten sprachlichen Eigenschaften eines Textes hervorgehoben wird – Wahrheit, Wahrhaftigkeit (lat. veritas), Wirklichkeitsnähe (lat. veri similis).
Im Lesebuch entdeckte der Sprachwissenschaftler eine fehlerhafte Darstellung von Bienen und erklärte geduldig, dass Bienen „ihren Honig nicht in ihrem eigenen Bäuchlein sammeln“, nichts „durch ihr Röhrchen“ gießen und nichts mit ihren Schwestern teilen!... Sprechen wir auch mit Kindern direkt, aber schreiben wir im Lehrbuch so, dass die Kinder uns verstehen und dass ihnen jene Wissenschaft, die wir ihnen vermitteln, zuträglich ist“ (JablR II 1933: 224). Wie dieses Beispiel zeigt, lassen sich die Wachsamkeit des Rezensenten, sein logisches Denken und sein Streben nach Wahrheit nicht durch zärtliche Diminutive einlullen (Bäuchlein, Röhrchen, Schwestern). Als J. Jablonskis im selben Buch den Satz „Der Adler baut sich sein Nest in Eichen“ fand, bemerkte er darin gleich zwei Abweichungen und schrieb, dass man in einem Schulbuch auf keinen Fall so sprechen dürfe: Solche Vögel bauen keine Nester, sondern „tragen Material zusammen oder bauen ihre Nester auf andere Weise; andererseits legt der Adler sein Nest nur irgendwo weit entfernt, hoch oben in Felsen an, wo es offenbar nicht einmal Eichen gibt“ (JablR II 1933: 225).
J. Pikčilingis folgt der Tradition J. Jablonskis und schreibt: „Bevor ein Satz stilistisch überarbeitet wird, muss er anhand der Anforderungen logischen Urteilens geprüft werden, denn andernfalls kann die gesamte stilistische ‚Verzierung‘ sinnlos bleiben“ (Pikčilingis 1971: 36). Natürlich sollte man „nicht jede Äußerung künstlich auf das Prokrustesbett der Logik spannen [...]. Allzu große Logisierung liegt der Sprache nicht immer. Besonders dort nicht, wo sie eine emotionale Wirkung erzielt“ (ebd., 42), das heißt in literarischen Werken.
DIE REDAKTION LITERARISCHER TEXTE
J. Jablonskis korrigierte vor allem Sprachfehler, die unter dem Einfluss der slawischen Sprachen (Russisch, Polnisch) entstanden. In mehreren Artikeln nennt der Sprachwissenschaftler die objektiven Ursachen solcher Fehler. Diese Worte richtete er an Vincas Krėvė-Mickevičius, Juozas Tumas-Vaižgantas, Faustas Kirša und andere Schriftsteller: litauische Schriftsteller
68
KALBOS KULTŪRA | 83
Sie seien deshalb der Sprache ihres Volkes entfremdet, weil sie russische Schulen besucht, Russisch oder Polnisch gesprochen und geschrieben und sich daran gewöhnt hätten, ihre Gedanken mit Wendungen der russischen Literatur sowie stellenweise mit polnischer Phraseologie auszudrücken. Nicht wenige hatten lange in Russland gelebt und gearbeitet und „dort auch Gelegenheit bekommen, jene Fremdwörter gründlich zu verlernen“ (JablR IV 1935: 335). Beim Korrigieren einer Vielzahl von Rechtschreib-, Zeichensetzungs-, Grammatik- und Lexikfehlern (einzelner lexikalischer Einheiten und Wortverbindungen) berührte der Sprachwissenschaftler auch Fragen der sprachlichen Eigenart und des Stils, hob sie jedoch nicht eigens hervor.
Die Eigenart der litauischen Sprache, die untrennbar mit der Muttersprache und dem Stilgefühl verbunden ist, zeigt sich besonders deutlich beim Übersetzen aus einer fremden in die eigene Sprache: „Der Sprachwissenschaftler könnte hier sein Augenmerk auf den Stil zweier unserer Schriftsteller richten und prüfen, wie weit diese ganze Übersetzung mit den Wörtern und Sätzen unserer Sprache angemessen wiedergegeben ist“ (JablRR II 1959: 416), schreibt J. Jablonskis über die von Krėvė redigierte Übersetzung von Petro Vaičiūnas. In einer anderen Rezension, in der er über die von B. Grigai ty tė übersetzte Ausgabe von Skvorcov Nuostabūs skruzdės gyvenimo atsitikimai schreibt, vermisst J. Jablonskis die Lebendigkeit der Sprache – der „Leser sollte sich, wenn er die ‚Übersetzung‘ vor sich hat, ganz zu Hause fühlen, als hätte er es mit einem Text zu tun, der unmittelbar für die Kinder Litauens, für unser Volk bestimmt ist“ (JablRR II 1959: 241–242). Er wollte Übersetzungsarbeit sehen, die „den Meister lobt“ (JablRR II 1959: 292), und korrigierte deshalb selbst geduldig alle Unebenheiten der Übersetzung und verbesserte den Stil. Auch den Adressaten, für den die Übersetzung bestimmt war, verlor er nicht aus den Augen. So tadelte er beispielsweise weder Internationalismen noch dialektale Wörter, sondern sagte nur, man müsse sie richtig zu verwenden wissen: „nur dort, wo wir nicht ohne sie auskommen können“ (JablR IV 1935: 144). „Die Übersetzerin darf bestimmte mundartliche Wörtchen mögen oder verwenden, die vielen unverständlich sind; dennoch sollte man sie nicht unbedingt in eine für die Schule bestimmte Übersetzung hineindrängen: Sie erschweren das Verständnis des Textes.“ (JablRR II 1959: 243). In einer anderen Rezension äußerte er sich aus stilistischer Sicht ähnlich über den Gebrauch von Internationalismen – ohne diese „bösen Disteln“ seien die Sätze für den Schüler viel klarer, verständlicher, lebendiger, menschlicher …
J. Jablonskis kritisierte einen großen Mangel übersetzter Texte – die wörtliche Übersetzung. Der Sprachwissenschaftler lehrte, den Gedanken und nicht die Wörter zu übersetzen; dies galt besonders für die Phraseologie. Selbst übersetzte er verschiedene Wortverbindungen recht einfallsreich und stilvoll mit litauischen Konstruktionen. Das lässt sich an seinem 1908 angefertigten Übersetzung des russischen Büchleins von M. Bogdanov Visuomenės įnamiai erkennen. Hier einige Beispiele: zabrošennaja dereuška – menkiausias kaimelis; kruglyj god – ištisi metai; mucha-babucha – muselė-pasiutėlė; durak-durakom – kaip koks vėpla; važnoje lico – didelis daiktas; suščij vzdor – tušti plepalai und andere. „Tatsächlich war in diesen Übersetzungen die ganze Sprachwissenschaft J. Jablonskis’ enthalten [...], die Übersetzung von Phraseologismen und
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
69
spezifischen Wortverbindungen zeigt, dass der Übersetzer den Geist sowohl der fremden als auch der eigenen Sprache zu erfassen vermag. Hier ist die wörtliche Übersetzung am meisten zu vermeiden …“ (Vasili auskaitė 1970: 154–155).
J. Jablonskis hielt sogar einige heute bereits etablierte Phraseologismen für korrekturbedürftig: laužyti rankas: laužydama rankas (= grąžydama rankas) sako... (JablR IV 1935: 327), iš proto išeiti (= iš galvos išeiti) (JablL 1985: 28, 29). In Krėvė’s Skirgailoje störte ihn der Phraseologismus turėti omenyje (= turėti galvoj, akivaizdoj): Ar tu omeny turi tą vokietį? (JablR IV 1935: 327). Die Phraseologismen laužyti rankas, iš proto išeiti, turėti omenyje, obwohl sie tatsächlich Übersetzungslehnprägungen sind, finden sich sowohl in der Folklore als auch im Werk der besten Schriftsteller2. Üblicherweise werden Fremdwörter in Phraseologismen nicht korrigiert, selbst wenn die Wörter nicht ganz verständlich sind; auch fehlerhafte Syntax wird nicht redigiert. J. Jablonskis korrigierte jedoch auch solche Dinge. Wie A. Piročkinas (2000: 153) beispielsweise feststellte, änderte J. Jablonskis bei der Redaktion von Vaižgantas die Wortverbindung viso svieto pirkl ys in viso pasaulio pirklį.
Vaižgantas’ Text
Von J. Jablonskis korrigierter Text
Nicht einmal die Heimchen zirpten. Tepl aveno dieser eine große schwarze Schmetterling. Da man gewohnt ist zu sehen, wie irgendeine Tätigkeit die Luftwellen in Schwingung versetzt und einen Laut hervorbringt, verstärkte dieses bebalsis plav enimas mit großen Flügeln, kai auch eine Fliege, die durch die Luft flog und zvembia, noch mehr das Grauen der Stille und steigerte noch mehr die kindliche Vorstellungskraft hin zur Welt der Gespenster, die hier rings um den Valiulis-Hügel beginnt; durch ihn betritt man jenes verwunschene Reich, in dem die Geister regungslos daliegen: lebendig oder tot? Wo sie, selbst wenn sie umherlaufen, ohne dass man weiß, ob mit oder ohne Ziel, mit gyvom ar negyvom kojom treten; mit vygais oder toten Flügeln, wie jener gedulo-Schmetterling, durch die Luft fliegen.“
Nicht einmal die Heimchen zirpten. Ein schwarzer Schmetterling tepleveno mit großen Flügeln. Dieses bebalsiškas jo plevenimas – da man gewohnt ist zu sehen und zu hören, wie irgendeine Tätigkeit die Luftwellen in Schwingung versetzt und einen Laut hervorbringt, kaip auch eine Fliege, die durch die Luft flog und zvimbia – verstärkte noch mehr das Grauen der Stille und steigerte noch stärker die kindliche Vorstellungskraft hin zur Welt der Gespenster, die hier rings um den Valiulis-Hügel beginnt: Durch ihn betritt man jenes verwunschene Reich, in dem die Geister regungslos daliegen, lebendig oder tot, und selbst wenn sie umherlaufen, weiß man nicht, ob mit oder ohne Ziel; mit gyvomis ar negyvomis kojomis treten sie auf die Erde; mit gyvais oder toten Flügeln fliegen sie durch die Luft wie jener gedulio-Schmetterling. (JablRR II 1959: 403)
2 Pavyzdžiui, Frazeologijos žodynas (FŽ 2001: 570) teikia tokius laužyti rankas (reikšme „labai sielvartauti“) pavyzdžius: Taip nelaužyk sau rankų, kaip beržo šakas kad laužo užrūstintas vėjas Mair. Tik Zubrys vienas netylėjo, baltas rankas laužė Krėv. Laužo baltas rankeles jau-nopi martelė ir gailias ašaras lieja Vien. Labiausiai verkė jauna mergelė po sodą vaikščiodama, rankeles laužydama Tvr. Motina rankas laužė, o vaiko jau nėr Grv.
70
KALBOS KULTŪRA | 83
An dieser Stelle wäre es angebracht, J. Jablonskis Versuch zu betrachten, einen Text von Vaižgantas zu überarbeiten. Einige von ihm redigierte Sätze Vaižgantas haben J. Palionis, A. Piročkinas und V. Knabikaitė bereits besprochen; deshalb präsentiere ich hier einen noch nicht analysierten Auszug aus einem Text Vaižgantas. Die Individualität und Originalität dieses Schriftstellers erkannte auch J. Jablonskis selbst an: „Er unterscheidet sich von den anderen auch durch seinen Stil“ (JablRR II 1959: 399).
Es zeigt sich, dass selbst nach J. Jablonskis recht behutsamen Eingriffen in den Text die anaphorischen Parallelismen Vaižgantas verschwunden waren: nečiRškė / teplav(en)o am Satzanfang; auch die liebenswerten dialektalen Formen teplaveno, plavenimas3 waren nicht mehr vorhanden. Auch die Auswahl der Synonyme gibt Anlass zu Zweifeln. So ist Vaižgantas Wort lakioja sanfter und poetischer (wenn von der Welt leichter, flüchtiger, von der Fantasie erschaffener Gespenster die Rede ist); vermutlich passt es besser als das stilistisch neutrale skraido. Außerdem schließt das dreisilbige lakioja rhythmisch den Schluss des ganzen Absatzes besser ab als das zweisilbige skraido. Die Wendung oru skraido scheint kaum passend, wenn man über den „Trauerschmetterling“ schreibt, er bebalsis plavena, denn nach der Änderung ist nun die lärmende Alliteration der Laute r, r zu hören (oru skraido). Selbst die geänderte Zeichensetzung (der J. Jablonskis die größte Aufmerksamkeit widmete) verändert die Intonation der Phrase. So verschwindet beispielsweise durch die Umstellung der Wörter (kur guli nejuda, gyvos ar negyvos, dv asios) und den Verzicht auf das Fragezeichen das faszinierende Dilemma: kur dvasios guli nejuda: gyvos ar negyvos? Was den Leser am meisten fasziniert und ihm den Atem raubt (gyvos ar negyvos?), wird von Vaižgantas völlig zu Recht ans Satzende gerückt; so bleibt die Neugier des Lesers möglichst lange erhalten, und das Fragezeichen ist hier unbedingt erforderlich: Es ist „ein Symbol für die Vergegenwärtigung und Darstellung von Zweifeln, verschiedenartigen quälenden Überlegungen [...], rätselhaften Gedanken“ (Abaravičius 2002: 168). In der redigierten Fassung geht hier das Geheimnis von Vaižgantas Vermutungen und die Überzeugungskraft der ästhetischen Erzählung verloren.
Wortschatz, Syntax und Morphologie, Wortstellung, Rechtschreibung und Zeichensetzung wurden selbstverständlich nicht nur der Korrektheit zuliebe geändert – J. Jablonskis strebte offenbar nach größerer Klarheit, Flüssigkeit und Lebendigkeit des Gedankens. Es wurde wenig und behutsam geändert, doch wie dieser längere Auszug aus Vaižgantas Text zeigt, veränderte J. Jablonskis Überarbeitung die Ausdrucksweise des Schriftstellers. „Stil ist die Gesamtheit der einem Autor eigenen Ausdrucksmittel und deren Wiederholung; er ist die Art, Gedanken und Gefühle zu vermitteln, die durch die Auswahl der Wörter, ihren Gebrauch und die Eigenheiten ihrer Verknüpfung zu Sätzen zum Ausdruck kommt.“ (Pikčilingis 1971a: 6).
J. Jablonskis selbst bekannte, dass er sich nicht gern in den Stil eines Schriftstellers einmischte: „Die Stilfragen möchte ich lieber den Schriftstellern selbst überlassen – mir meistens
3 Vgl. den Text von J. Balčikonis: Žmonės manė, kad ten gulbė plaveno sparnais (LKŽ X 118).
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
71
pati stiliaus kalba terūpi“ (JablR V 1936: 72), tačiau, kaip matėme, net mažiausias žodžių tvarkos pakeitimas keičia rašytojo stilių. Štai, rodos, be reikalo pataisytos net ir daugiskaitos įnagininko galūnės gyvomis ar negyvomis kojomis, nes nebelieka šnekamojo stiliaus intonacijų: plg. gyvom ar negyvom kojom. Nekeliantis abejonių dalykas čia yra J. Jablonskio pastebėta teksto rinkėjų klaida: vygais / gyvais, gal dar nekliūva redaktoriaus prirašytas žodis žemę [mina], nors ir be jo mintis visiškai aiški, todėl belieka pritarti J. Palioniui, kad „[...] savaip perdirbdamas, perstilizuodamas atskirus Vaižganto sakinius, vietomis kiek nublandkino originalų „vaižgantišką“ stilių [...], šitoks tų sakinių pertvarkymas (dalyvinių ar padalyvinių lyčių įvedimas, kai kurių žodžių pakeitimas ir kt.) kiek modifikavo ir patį Vaižganto stilių: perstilizuotieji sakiniai jau nebe tokie glausti ir išraiškingi, jau nebe tokie „vaižgantiški“ (Palionis 1959: 46–47). Panaši ir A. Piročkino nuomonė: „Jablonskis labai rūpestingai ieškojo stilistiškai adekvačių norimai išreikšti minčiai, piešiamam vaizdui pakaitalų. Tačiau ne visada jam tai pavyko padaryti [...]. Apskritai reikėtų pasakyti, kad kiekvienas redaktoriaus įsikišimas į tokio rašytojo kaip Vaižgantas kalbą yra įsikišimas ir į stilių.“ (Piročkinas 2000: 162).
Dass J. Jablonskis bei der Überarbeitung mancher Texte von Literaten (meist Übersetzungen, nicht Originaltexte) nicht immer überzeugt war, zeigen auch die sie begleitenden Kommentare das wäre meiner Ansicht nach besser geeignet und Ähnliches. Da er verstand, wie schwer die Grenze zwischen passend / unpassend zu bestimmen ist, schreibt er beispielsweise im Zusammenhang mit den Überarbeitungen von Krėvės Skirgaila: „Wenn der Autor oder jemand anderes einigen meiner Änderungen an dieser Stelle wirklich nicht zustimmen und sich öffentlich mit mir darüber streiten wollte, könnte ich diese Änderungen verteidigen oder, falls nötig, zurücknehmen oder hier und da nachgeben und vielleicht meinem ‚Gegner‘ zustimmen.“ (JablRR II 1959: 312).
Dennoch könnten wir keineswegs behaupten, J. Jablonskis habe nicht zur Verbesserung des Stils der Schriftsteller beigetragen. Selbst wenn sie gekränkt waren und den Änderungen nicht zustimmten, wurden die Schriftsteller dazu gebracht, zu diskutieren, nach einem treffenderen, lebendigeren und klareren litauischen Wort und einer litauischen syntaktischen Konstruktion zu suchen, gründlicher nachzudenken und genauer darauf zu achten, was und wie sie schrieben.
J. Jablonskis erinnerte die Schriftsteller höflich und taktvoll daran, wenigstens jene Änderungen anzunehmen, denen sie zustimmten; durch seine korrekte Sprache und seinen tadellosen Stil disziplinierte er zweifellos Literaten, die allzu große Freiheit liebten und „ohne jede Einschränkung“ schrieben. In den Worten des Sprachwissenschaftlers kann licentia poetica (JablR IV 1935: 304) selbst in der Dichtung die Sprachregeln nicht ersetzen:
72
KALBOS KULTŪRA | 83
„Dem Übersetzer rate ich, endlich auch die eigene Sprache ernsthaft zu lernen: Ohne Sprache gibt es keine Literatur …“ (JablR IV 1935: 305). Švietimo darbe (1924, Nr. 12) zog J. Jablonskis bei seiner Besprechung der wenig gelungenen Übersetzung von Faustas Kirša (J. I. Kraszewskis Vitolio rauda) mit einer rhetorischen Frage eine Analogie, die der Feder eines Stilisten würdig war: „Zum Abschluss meiner Rezension stelle ich dem Übersetzer eine Frage: Wie würde er die Arbeit eines Malers beurteilen, an der zu erkennen ist, dass der Maler die Bedeutung der Farben in der Malerei und das Material sowie die Form des Gemäldes weder versteht noch sich darum bemüht, sie zu verstehen?“ (JablR IV 1935: 305).
STILKORREKTUREN IN ZEITUNGEN
Die Sprache der Zeitungen jener Zeit war, kann man sagen, ausgesprochen schwach und voller Fremdwörter, wörtlich übersetzter syntaktischer Konstruktionen und schwerfälliger Formulierungen. J. Jablonskis war es vor allem ein Anliegen, Fehler der Logik, Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik zu korrigieren; er erwähnte auch Übersetzungen von Phraseologismen, die aus Russland übernommen worden waren: Štai faktas ant veido (JablR II 1933: 364); pastatyk jam klausimą šonkau-liu (ebd.); Tylėk, nes tu nė prie ko (JablR V 1936: 63).
Über die Sprache der Tageszeitung Lietuvos žinių schrieb der Sprachwissenschaftler: „Man sollte sich, scheint mir, darum bemühen, dass die Sprache aller Verfasser einer Zeitung einheitlich ist und sie sich voneinander nur im Stil unterscheiden.“ (JablR IV 1935: 181). Er erkannte also nicht nur die Vielfalt literarischer Stile, sondern auch die der Zeitungsautoren an, bemerkte jedoch stilistische Mängel, weil er wollte, dass die Sprache der Zeitungen „einheitlicher, schöner, korrekter“ sei (JablR IV 1935: 187) und dass „Zeitungen und Schriftsteller […] diese Beobachtungen, s o w e i t s i e i h n e n z u s a g e n, künftig auch nutzen“ (JablR IV 1935: 182). J. Jablonskis’ Kommentare und Anmerkungen zu den stilistischen Mängeln der Zeitungen sind durchaus treffend: „In der Tageszeitung gibt es bisweilen auch […] c) solche ziemlich langen Formulierungen, die unter anderem in einem allzu hohen, nicht ganz guten, nicht ganz korrekten Stil ausgedrückt sind (X, 1 und 2). Diese Art von ‚Fehlern‘ wird der einfache Leser – und gerade dieser sollte dem Schriftsteller zuerst am Herzen liegen – nicht ganz verstehen; sie sind auch nicht leicht zu verbessern.“ (JablR IV 1935: 181).
In kurzen Sätzen wurden vor allem Sprachfehler und unklare Formulierungen korrigiert. Zum Beispiel verbesserte J. Jablonskis solche unlogischen Sätze: Ačių politikos sąlygoms, daugelis mokytojų turėjo mesti mokytojaują; Mokytojų suvažiamas užsidengė, wie er gern sagte, in žmoniška, „menschlicher“ Sprache: Dėl politikos
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
73
aplinkybių, sąlygų daugelis mokytojų turėjo mesti mokę; Mokytojų suvažiavimas užsidarė, pasibaigė (JablR IV 1935: 177). Offenbar wurde nur die Sprache korrigiert; stilistische Fragen waren noch nicht an der Reihe. Doch für jedes unpassende Wort schlägt J. Jablonskis mindestens zwei korrekte Entsprechungen vor (aplinkybių und sąlygų; užsidarė und pasibaigė), aus denen der Verfasser die genauere, passendere Variante wählen kann.
In längeren Zeitungssätzen, die er vorfand, korrigierte er neben sprachlichen auch stilistische Aspekte:
Sätze aus Lietuvos žinių
Redigierte Sätze
1. Was sehen wir heute? Sehen wir nicht die unter der Arbeitslast allzu sehr gebeugten Schultern sich aufrichten? Sehen wir nicht den Kampf um Rechte und das feste Festhalten an den bereits errungenen Rechten?
1. Was sehen wir heute? Sehen wir nicht, wie sich die ermüdeten gebeugten Schultern wieder aufrichten? Sehen wir nicht den Kampf um Rechte und die feste Verteidigung der Errungenschaften?
2. Wir haben einen Organismus, der mit einem Flügel eines Riesen über den Atlantik hinwegschwingt, während der andere im Osten unaufhörlich gejagt wird (JablR IV 1935: 177).
2. Wir haben einen Organismus, der mit einem Flügel eines Riesen über den Atlantik schwingt und mit dem anderen im Osten ständig, ohne Unterlass, unaufhörlich aufgerichtet, emporgehoben (?) wird.
Die Sätze des Zeitungsautors sind grammatisch fehlerhaft, weshalb auch ihr Sinn unklar ist. Der von J. Jablonskis redigierte erste Satz wurde durch die korrigierte Wortstellung und den Gleichklang der grammatischen Formen am Ende der rhetorischen Fragen flüssiger: Sichaufrichten / Verteidigung. Im zweiten Satz ersetzte er nesiliaujančiai durch mehrere korrekte Synonyme – nuolat, be paliovos, nepaliaunamai –, und anstelle des völlig unklaren Wortes „bėginamą“ setzte er keliamu, skęčiamu (?). Das Fragezeichen zeigt, dass J. Jablonskis selbst an dieser Korrektur ein wenig zweifelte; vielleicht ließ er außerdem dem Verfasser Raum für eine eigene Wahl. Der Sprachwissenschaftler schlug meist lediglich ein seiner Ansicht nach korrekteres, besseres Wort vor, nannte mehrere Möglichkeiten und räumte tolerant ein, noch nicht alle sprachlichen und stilistischen Schätze erschöpft zu haben: „Diese Gedanken lassen sich natürlich auch anders ausdrücken; man muss nur stets darauf achten, dass sie den Regeln der Volkssprache gemäß formuliert werden.“ (JablRR II 1959: 210).
Die Korrekturen von Jonas Jablonskis waren eine große Unterstützung für die Pressearbeiter jener Zeit; nicht weniger Einfluss hatte auch sein persönliches Beispiel: Er war nicht nur Zeitungsredakteur, sondern schrieb aktiv Artikel und Rezensionen in seinem eigenen, ausgefeilten Stil. „Wie sollen Mitarbeiter lernen, verständlich für die Zeitung zu schreiben, wenn die Zeitung ihnen durch ihre Sprache und die gesamte Organisation ihrer Arbeit kein gutes Beispiel gibt?“ (JablR IV 1935: 186).
74
KALBOS KULTŪRA | 83
ÜBER DEN BESONDEREN STIL VON JONAS JABLONSKIS
J. Balčikonis schreibt, dass es beim Sammeln sämtlicher Schriften von Jonas Jablonskis, die „fast ein halbes Jahrhundert lang“ verfasst worden seien, manchmal unter Pseudonymen, häufig auch ganz ohne Unterschrift, nicht besonders schwierig gewesen sei, festzustellen, was seiner Feder entstammte: „[G]roße Irrtümer konnten dabei nicht vorkommen, denn seine Sprache unterscheidet sich von der anderer Schriftsteller nicht nur durch ihre Korrektheit, sondern auch durch ihren besonderen Stil (Hervorhebung von mir. – R. K.) (Balčikonis 1932: VII). Dennoch ist in der litauischen Sprachwissenschaft bislang offenbar nicht erörtert worden, worin genau die Besonderheit seines Stils besteht.
Tatsächlich fallen bei der stilistischen Betrachtung der Texte von J. Jablonskis nicht nur die Korrektheit, Logik und Klarheit seiner Sprache ins Auge, sondern auch ihre Geschmeidigkeit, die häufigen zum Nachdenken anregenden rhetorischen Fragen und die besonders beliebten Perioden. Der Zeitgenosse des Sprachwissenschaftlers, Motiejus Gustaitis, nannte die Periode „die Fülle oder Vollständigkeit des Stils“.
Hören wir uns die rhetorisch formulierten stilistischen Fülleperioden von J. Jablonskis an – rhythmische Perioden. Denn „um zu überprüfen, ob ein Satz eurhythmisch ist, müssen wir ihn laut vorlesen“ (Pikčilingis 1971: 255). In der klassischen Rhetorik galt die Periode unter semantischen, rhythmischen und intonatorischen Gesichtspunkten als erstrebenswertes Satzbaumodell. Die Kunst, Perioden zu konstruieren, erlernte J. Jablonskis während seines Studiums der klassischen Philologie an der Moskauer Universität, wie man vermuten und deutlich spüren kann, aus Ciceros Reden und Briefen. Die Perioden von J. Jablonskis haben den Klang gesprochener Sprache4; wir hören die rhythmische Wellenbewegung des Satzes, die sich in „rund und kunstvoll gefügten Sätzen“ ausdrückt (Gustaitis 1923: 77). Und tatsächlich – eine lebendige Kette logischer Gedanken schließt sich gleichsam zum Kreis; völlig klar wird sie erst dann, wenn sich der Anfang des Gedankens der Periode schließlich mit ihrem Ende verbindet und gleichsam in einem Zug einen komplexen Gedankengang zum Ausdruck bringt:
Ich selbst verwende zwar das Wort „Krieg“, aber nur deshalb, weil ich es aus der Sprache der Menschen – aus Juškas Liedern und Wörterbuch sowie aus der Sprache der Menschen in Preußen – kenne, dieses „Krieg“. (JablRR II 1959: 111)
Betrachten wir eine längere Periode ausführlicher:
Noch bleibt eine Frage zu beantworten: Eignet sich das besprochene Lehrbuch für die Bedürfnisse unserer Grundschule – für das zweite Schuljahr? Statt diese heikle Frage zu beantworten, möchte ich hier zunächst darauf hinweisen, dass es für unsere Lehrer längst an der Zeit ist, sich ernsthaft darum zu kümmern, dass die freie Schule unseres Volkes
4 Felicija Bortkevičienė schrieb in Lietuvos žinios (1930 02 25), dass „die litauische Sprache auf Jablonskis’ Lippen wie die schönste Musik klang“.
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
75
wirklich gute Lehrbücher der Sprachwissenschaft für die erzieherischen Bedürfnisse der Kinder bald zu bekommen: Wir brauchen sie dringend, wenn wir ernsthaft über die Zukunft unserer Schule, unseres Volkes sprechen wollen, wenn uns die Schule, unsere junge Generation, das Leben und Glück des väterlichen Landes lieb sind... (JablR II 1933: 91)
Der Satz ist rhythmisch und lebendig, hat einen Anfang – eine rhetorische Frage – und einen Schluss – eine klare, mit gleichrangigen Satzgliedern formulierte Antwort. Der Satz ist periodisch, mit einer reichen Aufzählung intonatorischer Einheiten sowie Wiederholungen und Steigerungen ähnlich langer Satzglieder. Der erste Teil der Periode ist ruhiger, zurückhaltender, feststellend (es ist bereits an der Zeit [...] sich zu kümmern). Das Einzige, was sich an diesem Teil der Periode beanstanden ließe, ist vielleicht die Wortstellung im allzu langen Nebensatzglied (dass die freie Schule unseres Volkes bald wirklich gute Lehrbücher der Sprachwissenschaft für diesen Zweck bekomme...). Der auf den Doppelpunkt folgende zweite Teil der Periode (wir brauchen sie dringend) begründet und erläutert, warum gute Lehrbücher nötig sind; er steigert sich emotional, wächst an, ist sehr rhythmisch, durch bedeutungsvolle Pausen gegliedert und besteht aus ähnlich langen gleichrangigen Nebensatzgliedern:
Wir brauchen sie dringend, wenn wir ernsthaft über die Zukunft unserer Schule, unseres Volkes sprechen wollen, wenn uns die Schule, unsere junge Generation, das Leben und Glück des väterlichen Landes lieb sind...
Die junge litauische Generation nennt J. Jablonskis metaphorisch Leben und Glück des väterlichen Landes... Sowohl metaphorisches als auch allegorisches Sprechen (freilich stets klar, logisch und ungetrübt) ist ihm nicht fremd. So schreibt J. Jablonskis in den Lietuvos žinios (1914, Nr. 111) über die Muttersprache (den Gedanken, dass die Muttersprache „die letzte Burg Litauens“ sei, hatte er in derselben Tageszeitung gelesen und war diesem Gedanken gegenüber5 nicht gleichgültig geblieben). Dem Autor zustimmend, entwickelte er ihn auf schöne Weise in einer Periode weiter:
Ein großartiger, schöner Gedanke! Wenn wir uns nicht jetzt darum kümmern, wenn wir selbst nicht jetzt zur Einsicht kommen, dass wir falsch handeln, indem wir diese Burg niederreißen – wird es später, nach einiger Zeit, sehr schwer sein, den Abriss dieser großen Burg wieder gutzumachen. (JablR IV 1935: 182)
5 J. Pikčilingis taip pat šią mintį yra plėtojęs (žr. Marčiulionytė 1991: 24), kalbėdamas apie gimtojo žodžio bičiulių draugiją „Aidija“: „Mano mintis buvo, kad reikia traukti pavyzdžiu, reikia žodžio, kalbos švenčių. Juk, anot V. Hamilttono, „žodis – tai pilis gimtojoji žemė“, tad kiekvienas turim būti atsakingas už tos pilies tvirtumą.“
76 KALBOS KULTŪRA | 83
M. Gustaitis schreibt in der Stilistikoje: „Neben den Regeln der Grammatik und Syntax benötigt die Periode unbedingt noch zwei Voraussetzungen: eine i n n e r e oder logische, die sich in der strengen Einheit des Gedankens äußert, und eine ä u ß e r e – stilistische, die eine vollständige und fließende Entfaltung des Gedankens verlangt.“ (Gustaitis 1923: 78). J. Jablonskis, ein Spezialist für Grammatik, insbesondere Syntax, erfüllt beide von M. Gustaitis aufgestellten Voraussetzungen in vollkommener Weise.
Immer wieder betonte er, dass „die Schriftsteller selbst damit beginnen müssen, dafür zu sorgen, dass unsere Schriftsprache a) leicht, schön, klar und weithin verständlich und b) korrekt ist (sie muss den Regeln der Sprache des Volkes, der Leser, folgen)“ (JablR IV 1935: 144). Mit seiner korrekten Sprache und seinem leichten, flüssigen Stil gab J. Jablonskis allen schreibenden Intellektuellen Litauens ein gutes Beispiel:
Wenn meine wenigen syntaktischen Notizen dem Kritiker in dieser Frage nichts sagen [...], wird ihm dann nicht wenigstens die Tatsache etwas sagen, dass jene „Leibeigenschafts“-Sprache auch von den Letten, die sich aus dem „Sauerteig der Leibeigenschaft“ befreit haben, und ihren deutschen Unterdrückern sehr häufig verwendet wird, dass sie auch die großen römischen Feldherren und Eroberer (C. J. Caesar...), die Unterdrücker, Bedränger und Erzieher anderer Völker gebrauchten?
Sehr geehrter Pilet! Die „Erzählweise“ ist kein Überbleibsel der Leibeigenschaft. Nicht die Leibeigenschaft ist hier schuld! Dass wir diese Sprache nicht verstehen und sie dort, wo es nötig wäre, nicht verwenden, daran ist allein unser eigenes Unvermögen schuld, unsere Sprache zu beherrschen, sowie unsere Missachtung der Gesetze der Volkssprache... Seien wir wenigstens aufrichtig. (JablRR II 1959: 100)
Wenn wir anerkennen, dass J. Jablonskis in einer äußerst korrekten, klaren und reinen Sprache schrieb, und uns auf M. Gustaitis’ Einteilung der Stile6 stützen, müssen wir sagen (das zeigen auch die zitierten Beispiele), dass der Sprachwissenschaftler sowohl die Anforderungen des „ernsten“, des „periodischen“, des „kunstvollen“, des „einfachen“, des „gehobenen“, des „scherzhaften“ und weiterer Stile gut beherrschte. J. Jablonskis spürte sehr genau, wann in welchem Stil zu schreiben war: wann ein einfacher, ruhiger, zurückhaltender Stil angemessen war (so schrieb er über Fragen der Sprachwissenschaft), wann ein feierlicher, erhabener (so begrüßte er beispielsweise das Erscheinen der Vilniaus žinios in seinem Artikel „Unser Fest und unsere Sorge“ (JablR I 1932: 73)). Tatsächlich leuchtete J. Jablonskis’ Gedanke manchmal, besonders in Antworten an seine Gegner, in subtiler Originalität auf, in M. Gustaitis’ Worten: in scherzhaftem Stil
6 M. Gustaičio Stilistikoje (1923) skiriamos devynios stiliaus rūšys: I. Atskilasis, periodingasis ir mišrasis; II. Paprastasis, dailusis ir vidutinis; III. Liaudies ir meningi liaudiškas; IV. Lietuviškasis ir nelietuviškasis; V. Plast ingasis ir abstraktinis; VI. Rimtasis, juokaujamasis ir aukštasis; VII. Bendrinis ir individinis; VIII. Laiškinis; IX. Nau joviškieji. Toks alogiškas stilių skirstymas ne vienu pagrindu šiandien, be abejo, kelia tam tikrų abejonių, bet J. Jablonskio amžininkas M. Gustaitis nurodo ir lietuviškojo stiliaus pavyzdį: „Idėm lietuviškajam kalbos stiliui pakraipą davė Jablonskis“ (Gustaitis 1923: 201).
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
77
… im Stil. Wie der Arzt Viktoras Vaičiūnas berichtet, verstand J. Jablonskis selbst schwer krank und halbseitig gelähmt noch zu scherzen und war stets guter Dinge. „Mit seiner Offenheit und seinem gesunden Humor [...] gewann er die Menschen schnell für sich.“ (Lukėnaitė-Griciuvienė 2009: 39).
Beispiele für den scherzhaften Stil finden sich in J. Jablonskis’ Schriften reichlich. Bei der Besprechung des Lehrbuchs von Kazys Bizauskas, in dem es um die hohen Gegenstände der Literatur und Stilistik geht, kritisiert er die überaus komplizierte Ausdrucksweise des Autors und die Verwirrung der stilistischen Fachbegriffe und schreibt mit leichter Ironie: „Für uns einfache Leute ist es sehr schwer, diese unentwirrbaren Unterschiede zu entwirren.“ (JablR II 1933: 181).
Nachdem J. Jablonskis in der Sprache der in J. Palukaitis’ Lehrbuch Žiburėlis aufgenommenen Gedichte zahlreiche Mängel, unkorrekte syntaktische Konstruktionen und wörtlich aus dem Russischen übersetzte Wendungen gefunden hatte, schrieb er sehr feinfühlig: „Die in der Sprache der ‚Unbegabten‘ gekennzeichneten Ausdrücke könnten, so scheint es, auch durch solche Wörter ersetzt werden …“ (JablR IV 1935: 219). Nach den Korrekturen fügt er jedoch hinzu, dass „[w]ir auch Gedichten nicht erlauben sollten, sich allzu weit von der Sprache der Menschen zu entfernen!“ (JablR IV 1935: 220).
Als der strenge sprachwissenschaftliche Gegner Druskius7 in einem Artikel emotional und nervös ausrief: „Ich werde sterben und die von Rygiškių Jonas’ Wissenschaft verdammten Artikel nicht vergessen, [...] so sehr haben sie sich mir ins Gedächtnis eingeprägt!“, antwortete J. Jablonskis mit seiner charakteristischen inneren Ruhe, scherzend und, wie gewohnt, in flüssigem, periodischem Stil: „Ich möchte den Verfasser des Artikels bitten, sich doch in der ‚Todesstunde‘ des ‚verehrten Sprachwissenschaftlers‘ zu erbarmen; seine Verfehlung oder bloße ‚Erfindung‘ zu vergessen und ihm dafür zu verzeihen: Dann wird es ja wichtigere Dinge geben, die beim Sterben nicht fehl am Platz sein werden, wenn man sie im Sinn und vor Augen hat.“ (JablR IV 1935: 172). So bittet der „läusepickende Sünder“ im Stil einer an Gebetsintonationen erinnernden Rede demütig den tödlich beleidigten Druskius um Vergebung.
Aus heutiger Sicht der funktionalen Stilarten lässt sich J. Jablonskis’ Stil allgemein so charakterisieren: Seine Artikel zu Sprachfragen sind in einem populärwissenschaftlichen Stil verfasst, klar, objektiv und taktvoll. Auch A. Piročkinas schreibt: „Offenbar waren auch die übrigen Korrekturen ähnlich. Alles wurde sehr taktvoll, sanft und freundschaftlich gesagt.“ (Piročkinas 1978: 75). Selbst auf die schärfsten Bewertungen und Beleidigungen – und davon gab es viele, darunter auch sehr kategorische, zum Beispiel: „Ungebetene Stilkorrektoren sind für die heutigen Schriftsteller und Dichter völlig unnötig“ (JablR V 1936: 66); „obwohl sie selbst nicht die geringste Ahnung vom Stil haben“ (JablR V 1936: 62); „haben das litauische Buch für lange Zeit getötet“ (JablR V 1936:
7 Druskius – Adomas Jakštas (bürgerlicher Name Aleksandras Dambrauskas).
78
KALBOS KULTŪRA | 83
61) und dergleichen vermochte J. Jablonskis zurückhaltend, besonnen und prinzipientreu zu begegnen und stets logisch, fundiert und zusammenfassend auf die Vorwürfe zu antworten.
Artikel zu gesellschaftlichen, kulturellen und Bildungsfragen, meist für Zeitungen, schrieb J. Jablonskis im publizistischen Stil, in dem sich seine charakteristische intellektuelle Sprache mit zurückhaltenden expressiven Mitteln verbindet (wie die zitierten Sprachbeispiele zeigen, konnte er nicht nur korrekt und logisch, sondern auch emotional, anschaulich und ausdrucksvoll sprechen).
Indem J. Jablonskis seinen Gegnern gelegentlich in scherzendem Stil antwortete, widerlegte er endgültig die Charakterisierung einiger Schriftsteller, er sei lediglich ein trockener Grammatiker, ein suvalkischer Dogmatiker, der von den Feinheiten des Stils nichts verstehe.
DIE ANFÄNGE DER ETHISCHEN STILISTIK
Die Forschung zur ethischen Stilistik steht in Litauen noch ganz am Anfang. Der Stilist K. Župerka schreibt: „Man sollte die Arbeiten unserer Sprachwissenschaftler überblicken, in denen Fragen der Sprachethik untersucht werden; so entstünde ein Bild der litauischen ethischen Linguistik, aus der sich dann die ethische Stilistik klarer herausarbeiten ließe.“ (Župerka 2005: 28)8.
Auch aus den Schriften von J. Jablonskis ergaben sich so viele Beispiele für Sprachethik, dass das Material für einen eigenen Vortrag ausreichte9. Ich werde daraus zumindest einige Fälle herausgreifen, die mit dem Thema dieses Artikels zusammenhängen und in denen der Sprachwissenschaftler auf den stilistischen Ausdruck aufmerksam macht und die Sprache des Textautors (Übersetzers, Opponenten) aus der Perspektive der ethischen Stilistik beurteilt.
Der Sprachwissenschaftler hat folgende Formulierung kritisiert: In der bulgarischen Thrakien leben fast 500 Tausend Köpfe (JablR IV 1935: 131). In der Stilistik wird eine solche Trope, bei der ein Teil des Körpers (in diesem Fall der Kopf) für den ganzen Menschen steht, Synekdoche oder pars pro toto genannt. In der Umgangssprache oder in literarischen Werken sind solche Synekdochen durchaus passend: Schau aus dem Fenster – lauter Köpfe (im Sinne von: viele Menschen). J. Jablonskis jedoch störte sich an dem genannten Satz deshalb,
8Zur ethischen Stilistik siehe auch Koženiauskienė R. Die Funktion umgangssprachlicher und jargonaler Lexik im öffentlichen journalistischen Diskurs. – Kalbos kultūra, 2009, 82, 126–137.
9Die Sprachethik von J. Jablonskis wird von der Verfasserin des Artikels ausführlicher in dem Vortrag „Rhetorische Kultur: die Bedeutung der Kontinuität der Tradition (Ansätze zur Sprachethik von J. Jablonskis)“ behandelt, der am 3. Dezember 2010 auf der vom Fachbereich Geisteswissenschaften der Universität Mykolas-Romeris organisierten internationalen wissenschaftlichen Konferenz „Herausforderungen der Dynamik der modernen Welt für die Geisteswissenschaften“ gehalten wird; über ethische Stilistik wird hier erstmals geschrieben.
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
79
offenbar daran Anstoß nahm, dass Menschen wie Vieh nach Köpfen gezählt werden (Beispiele aus der Umgangssprache: Acht Köpfe Kühe samt Färsen müssen wir über den Winter durchfüttern Sml; Wir tauschen Kühe Kopf gegen Kopf Ml)10. Zwar wurde der kritisierte Satz wie auch die übrigen aus dem Zusammenhang gerissen, doch lässt sich aus einigen Sätzen erschließen, dass es sich um einen Artikel der Tageszeitung Viltis über eine Volkszählung handelt, also um einen Sachtext und keinen literarischen Text; deshalb schlug der Sprachwissenschaftler eine neutrale Formulierung vor: In der bulgarischen Thrakien leben fast 500 Tausend Menschen oder fast 500 Tausend Einwohner.
J. Jablonskis hatte ein feines Gespür für die ethisch-stilistischen Nuancen von Wörtern. Öffentlich kritisierte der Sprachwissenschaftler die unethische Äußerung des Litauers Povilas Žaldokas, Sohn des Apolinaras, mit dem Wort rioglinti: Brüder-Litauer, schauen wir nicht untätig zu und lassen wir die Polen nicht rioglinti (!) eine polnische Inschrift in Vilnius, der Hauptstadt Litauens, am „Tor der Morgenröte“ neben dem Bild der Gottesmutter anbringen! Auch ohne Kontext ist rioglinti eindeutig ein abwertendes Wort und bedeutet „unschön hinlegen oder hinstellen, unbeholfen gehen, sich dahinschleppen“. In diesem Text wird deutlich, wie respektlos es gegenüber den polnischsprachigen Menschen Litauens ist. J. Jablonskis schreibt: „Wäre von einer litauischen Inschrift die Rede, wäre der Sohn des Apolinaras natürlich auch ohne das Wort „rioglinti“ ausgekommen.“ (JablR I 1933: 102).
Die besprochenen Beispiele zeigen, dass der Patriarch der Sprache11 eine Persönlichkeit von hoher Kultur war, die die Fragen der Stilistik und darunter auch der ethischen Stilistik gut verstand.
ZUSAMMENFASSENDE SCHLUSSFOLGERUNGEN
Bei der Korrektur von Sprachfehlern entwickelte Jonas Jablonskis zugleich Kriterien für die stilistische Normierung der Gemeinsprache. Dies bestätigt lediglich den Gedanken, dass Sprache und Stil untrennbar sind, dass es keine Stilbildung ohne Gedanken- und Sprachkultur gibt und dass es ohne Sprache keine Literatur gibt.
Bei der Beurteilung von Sprache und Stil eines Werkes richtete J. Jablonskis den Blick zuerst auf die Logik des Gedankeninhalts und beanstandete erdachte, allzu weit von der Wirklichkeit entfernte Bilder. Sein logisch denkender Verstand akzeptierte keine solchen stilistischen „Verzierungen“, die der Logik des Denkens widersprechen.
10 In der gesprochenen Sprache ist eine solche Aussage auch über Menschen möglich: Sieben Köpfe der Familie (zu siebt) – alle müssen essen und sich kleiden Sml. Die Bajorai hatten die Köpfe unter sich geschrieben (hatten Menschen als Leibeigene) Grśl. (LKŽ III 79).
11 Taip savo interviu Joną Jablonskį pavadino J. Pikčilingis (žr. Marčiulionytė 1991: 24).
80
KALBOS KULTŪRA | 83
Bei der redaktionellen Bearbeitung literarischer Werke, sowohl Originalwerke als auch Übersetzungen, berührte J. Jablonskis Fragen der Stilistik mit besonderem Feingefühl. Er sagte, dass sie auch ihm selbst nicht völlig klar seien, und erkannte das Recht der Schriftsteller auf stilistische Vielfalt an. Selbst wenn sie einigen Korrekturen nicht zustimmten, mussten die Schriftsteller diskutieren, polemisieren, nach der Wahrheit suchen und besser überlegen, was und wie sie schreiben sollten. J. Jablonskis’ anhaltende Aufmerksamkeit für Sprache und Stil der Schriftsteller (Literaten, Journalisten und Lehrbuchautoren) zeitigte gute Ergebnisse: Die litauische Sprache wurde einheitlicher, korrekter, lebendiger und leichter.
Betrachtet man den Stil von J. Jablonskis aus der Perspektive der heutigen funktionalen Stile, so lässt sich sagen, dass seine sprachwissenschaftlichen Aufsätze in einem allgemeinverständlichen wissenschaftlichen Stil verfasst sind: klar, sachlich und taktvoll. Auf Vorwürfe seiner Opponenten konnte der Sprachwissenschaftler besonnen, nüchtern, logisch und überzeugend reagieren. Aufsätze zu gesellschaftlichen, kulturellen und bildungspolitischen Fragen, meist für Zeitungen, schrieb J. Jablonskis im publizistischen Stil, in dem sich die für ihn charakteristische intellektuelle Sprache mit zurückhaltenden expressiven Stilmitteln verbindet.
Die erörterten Beispiele zeigen, dass Jonas Jablonskis nicht nur in Sprachfragen, sondern auch in der Stilistik gut bewandert war. Mit seinen sprachlichen und stilistischen Korrekturen und Erläuterungen, seiner Fähigkeit, korrekt, logisch und klar zu schreiben, sowie seinem flüssigen, leichten und überzeugenden Stil gewann der Sprachwissenschaftler andere durch sein lebendiges Beispiel.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jono Jablonskis’ in vielerlei Hinsicht zum Ausdruck kommende Aufmerksamkeit für den Stil sowohl Schriftsteller als auch Stilforscher beeinflusste und der praktischen Stilistik besonders großen Nutzen brachte.
ŠALTINIAI
FŽ 2001: Frazeologijos žodynas, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas.
JablR I 1932: Jablonskio raštai 1, Kaunas: Švietimo ministerijos leidinys.
JablR II 1933: Jablonskio raštai 2, Kaunas: Švietimo ministerijos leidinys.
JablR IV 1935: Jablonskio raštai 4, Kaunas: Švietimo ministerijos leidinys.
JablR V 1936: Jablonskio raštai 5, Kaunas: Švietimo ministerijos leidinys.
JablRR II 1959: J. Jablonskis. Rinktiniai raštai 2, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla.
JablL 1985: Jono Jablonskio laiškai, Vilnius: Mokslas.
LITERATŪRA
Abaravičius J. 2002: Skyrybos stilistika, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas.
Balčikonis J. 1932: Prakalba. – Jablonskio raštai 1, VII–XXVIII.
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
81
Balčikonis J. 1935: Prakalba. – Jablonskio raštai 4, VII–VIII.
Gustaitis M. 1923: Stilistika. Vadovėlis literatūros teorijai, Marijampolė.
Jokantas K. 1921: Jablonskis Mintaujoj, Revely, Pskove. – Lietuvos mokykla 12, 540–543.
Knabikaitė V. 2006: Lingvistinės lietuvių stilistikos raida XX amžiuje, Vilnius: Mintis.
Lukėnaitė-Griciuvienė E. 2009: Konstancijos ir Jono Jablonskių šeima, Lietuvos nacionalinis muziejus.
Marčiulionytė I. 1991: „Žodis – tai pilis gimtojoj žemėj“ (interviu su J. Pikčilingiu). – Gimtoji kalba 3, 23–25.
Palionis J. 1959: J. Jablonskio kalbiniai taisymai. – J. Jablonskis. Rinktiniai raštai 2, 43–47.
Pikčilingis J. 1971: Lietuvių kalbos stilistika 1, Vilnius: Mintis.
Pikčilingis J. 1971a: Kas yra stilius, Vilnius: Mintis.
Pikčilingis J. 1975: Lietuvių kalbos stilistika 2, Vilnius: Mintis.
Pikčilingis J. 1990: Teatgyja ji, kalbos sąžinė. – Mūsų žodis 2, 5–6.
Piročkinas A. 1975: Jablonskis ir kalbos stiliai. – Mūsų kalba 6, 4–11.
Piročkinas A. 1978: J. Jablonskis – bendrinės kalbos puoselėtojas, Vilnius: Mokslas.
Piročkinas A. 1986: Jono Jablonskio kalbos taisymai, Kaunas: Šviesa.
Piročkinas A. 2000: Jonas Jablonskis redaguoja Vaižgantą. – Archivum Lithuanicum 2, 162–163.
Smetona A. 1930: Atsiminimų bruožai. – Kalba 1(2), 37–44.
Vasiliauskaitė S. 1970: J. Jablonskis – frazeologinių junginių vertėjas. – Pergalė 3, 154–157.
Župerka K. 2005: Tekstas etinės stilistikos požiūriu. – Žmogus ir žodis 7(1), 28.
Gauta 2010 10 29
82
KALBOS KULTŪRA | 83
JONAS JABLONSKIS’ CONCERN ABOUT THE LANGUAGE STYLE
Summary
When editing literary texts of other writers, Jonas Jablonskis gave a particular attention to stylistics matters. Although he admitted that certain stylistic issues remained unclear to him, he did recognize the writers’ right to stylistic variation. J. Jablonskis’ constant attention to the written word of writers, newspaper reporters, textbook authors yielded good results: the Lithuanian language was becoming more standardized, correct and expressive.
From the modern perspective of functional styles, the style of J. Jablonskis could be described as popular science writing—his articles on language are written in clear, objective and non-biased language. His responses to opponents are moderate, sensible, logical and argumentative. J. Jablonskis’ articles on social, cultural and educational issues (mostly for the newspapers) are written in the publicistic style which combines the intellectual discourse with moderately expressive stylistic means. Some of his texts are written in witty humourous style which denies the opinion that he was a conservative and dogmatic grammarian insensitive to stylistic subtlety.
It is possible to conclude that the distinctive features of Jonas Jablonskis’ style are an exceptionally correct usage of Lithuanian, transparent and logical expression of ideas as well as easiness in writing and ability to formulate ideas in fluently flowing syntactical periods, showing his fondness for rhetorical questions that focus the reader’s attention and encourage him to think.
REGINA KOŽENIAUSKIENĖ
Vilniaus universitetas
Universiteto g. 3, LT-01513 Vilnius
[email protected]
R. KOŽENIAUSKIENĖ. Jono Jablonskio dėmesys stiliui
83