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Kindertagespflege aus theoretischer Perspektive. Diskurse, Deutungen und Entwicklungen

Publisher: München : Verlag Deutsches Jugendinstitut e.V.
Year: 2025
DOI: 10.25656/01:34138
Source: https://www.pedocs.de/volltexte/2025/34138/pdf/Flaemig_Schoyerer_2025_Kindertagespflege.pdf
Flämig, Ka ja [H sg.]; Schoye e , Gab iel [H sg.]
Kinde agesp lege aus heo e ische Pe spek i e. Disku se, Deu ungen und
En wicklungen
München : Ve lag Deu sches Jugendins i u e.V. 2025, 218 S. - (DJI-Fach o um Bildung und E ziehung;
14)
Quellenangabe/ Re e ence:
Flämig, Ka ja [H sg.]; Schoye e , Gab iel [H sg.]: Kinde agesp lege aus heo e ische Pe spek i e.
Disku se, Deu ungen und En wicklungen. München : Ve lag Deu sches Jugendins i u e.V. 2025, 218 S. -
(DJI-Fach o um Bildung und E ziehung; 14) - URN: u n:nbn:de:0111-pedocs-341386 - DOI:
10.25656/01:34138; 10.3224/87966462
h ps://nbn- esol ing.o g/u n:nbn:de:0111-pedocs-341386
h ps://doi.o g/10.25656/01:34138
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DIPF | Leibniz-Ins i u ü Bildungs o schung und Bildungsin o ma ion
In o ma ionszen um (IZ) Bildung
E-Mail: [email p o ec ed]
In e ne : www.pedocs.de
Ka ja Flämig,
Gab iel Schoye e (H sg.)
Kinde agesp lege aus
heo e ische Pe spek i e
Disku se, Deu ungen und En wicklungen
14 DJI-Fach o um
Bildung und E ziehung
Kinde agesp lege aus
heo e ische Pe spek i e
Disku se, Deu ungen und En wicklungen
Ka ja Flämig,
Gab iel Schoye e (H sg.)
14 DJI-Fach o um
Bildung und E ziehung
Ka ja Flämig, Gab iel Schoye e (H sg.)
Kinde agesp lege aus heo e ische Pe spek i e
Disku se, Deu ungen und En wicklungen
Deu sches Jugendins i u (H sg.)
DJI-Fach o um Bildung und E ziehung
Band 14
Das Deu sche Jugendins i u
Das Deu sche Jugendins i u e.V. (DJI) is eines de g öß en sozialwissen-
scha lichen Fo schungsins i u e Eu opas. Sei übe 60 Jah en e o sch
es die Lebenslagen on Kinde n, Jugendlichen und Familien, be ä Bund,
Lände und Gemeinden und lie e wich ige Impulse ü die Fachp axis.
Ak uell sind an den beiden S ando en München und Halle (Saale) e wa
380 Beschä ig e ä ig, da un e und 240 Wissenscha le innen und Wis-
senscha le . Finanzie wi d das DJI übe wiegend aus Mi eln des Bundes-
minis e iums ü Bildung, Familie, Senio en, F auen und Jugend (BMBFSFJ)
und den Bundeslände n. Wei e e Zuwendungen e häl es im Rahmen on
P ojek ö de ungen u.a. on de Eu opäischen Kommission, S i ungen und
ande en Ins i u ionen de Wissenscha s ö de ung. www.dji.de
Die Ka holische S i ungshochschule München
Die Ka holische S i ungshochschule München (KSH) is eine s aa lich
ane kann e, na ional und in e na ional hoch angesehene Hochschule ü
Sozial-, Gesundhei s- und pädagogische Be u e in ki chliche T äge scha .
Sie s eh Menschen allen Glaubens o en und bie e ih en e wa 2.500
S uden innen und S uden en an den beiden S ando en Benedik beue n
und München kos en ei ein hochwe iges akademisches S udium und
eine p o essionelle Beglei ung. Neben den Bachelo s udiengängen Soziale
A bei , Hebammenkunde, Heal hca e-Managemen , P legepädagogik, P le-
ge p imä quali izie end, Kindhei spädagogik sowie Religionspädagogik und
ki chliche Bildungsa bei bie e die KSH auch Mas e s udiengänge und iel-
äl ige Fo bildungs e ans al ungen an. Ein wissenscha liches und zugleich
p axiso ien ie es S udium sowie das ch is liche Menschenbild beg ünden
den besonde en Au ag de Hochschule. www.ksh-muenchen.de
Ka ja Flämig, Gab iel Schoye e (H sg.)
Kinde agesp lege aus
heo e ische Pe spek i e
Disku se, Deu ungen und En wicklungen
Ve lag Deu sches Jugendins i u , München 2025

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ISBN 978-3-87966-462-7 (Pape back)
eISBN 978-3-87966-463-4 (PDF)
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5
Inhal
Einlei ung
Theo e ische Pe spek i en au ein komplexes Feld
Zu No wendigkei eine di e enzie en Auseinande -
se zung mi de Kinde agesp lege
Ka ja Flämig und Gab iel Schoye e 7
I Feldbezogene und his o ische Pe spek i en
1 Was is eldspezi isch ü Kinde agesp lege?
Empi ische Annähe ungen an das Selbs e s ändnis
eine Be euungs o m zwischen ö en lich und p i a
Ma ia Ihm und Gab iel Schoye e 23
2 Vom Ve sp echen de E möglichung eine Bildungskindhei
Das Disku s eld de Pädagogik de ühen Kindhei und
seine Ein- und Ausschlüsse
Ma c Schulz 45
3 Auße amiliale Tagesbe euung ü Kinde un e
d ei Jah en in den 1970e -Jah en
Die Rolle des „Modellp ojek s Tagesmü e “
Dominik Hank 63
4 Vo läu e de Kinde agesp lege im 19. Jah hunde
Eine Spu ensuche in de Geschich e de ö en lichen
Kleinkinde ziehung
Diana F anke-Meye 77
II Wohl ah s- und amilien heo e ische Pe spek i en
5 Wohl ah sp oduk ion als heu is ische Zugang
zum Eigensinn de Kinde agesp lege im Feld
de F ühen Bildung, Be euung und E ziehung
Sabine Bollig 93
6
Inhal
6 Familiale Konzep ualisie ung on Be euung
Anme kungen zu Kinde agesp lege aus eine
p axis heo e isch in o mie en Familien o schung
Dominik K inninge 111
7 Zwischen Ö nung und Abg enzung
Dimensionen de Familiennähe in de Kinde agesp lege
Ma eike Tudo 129
III Ins i u ionalisie ungs- und ca e- heo e ische
Pe spek i en
8 Eine so ge heo e ische Pe spek i e au
Ins i u ionalisie ungsp ozesse in de Kinde agesp lege
Ok ay Bilgi und Gab iel Schoye e 147
9 Die Ve be u lichung de Kinde agesp lege
Feminis ische Ca e-Poli ik zwischen Ökonomisie ung
und Re-Familialisie ung
Janina Glaese 165
IV P o essions- und aum heo e ische Pe spek i en
10 Was is das P o essionelle an Kinde agesp lege?
Hinweise aus de Pe spek i e eldspezi ische
P o essionalisie ungs o schung
Ma ga e e Jooß-Weinbach und Gab iel Schoye e 179
11 Ges al ung kindge ech e Räumlichkei en de
Kinde agesp lege
Raum- und ma e iali ä s heo e ische Pe spek i en au E ziehung
S ephanie Ka che 195
Au o innen und Au o en 217
7
Einlei ung
Theo e ische Pe spek i en au ein
komplexes Feld
Zu No wendigkei eine di e enzie en
Auseinande se zung mi de Kinde agesp lege
Ka ja Flämig und Gab iel Schoye e
De o liegende Sammelband is aus eine A bei s agung he o gegangen, au
de das kindhei spädagogische Tä igkei s eld de Kinde agesp lege aus e -
schiedenen heo e ischen Pe spek i en hema isie und disku ie wu de. Das
Deu sche Jugendins i u München (DJI) und die Ka holische S i ungshoch-
schule München (KSH) haben diese A bei s agung gemeinsam im No embe
2023 du chge üh . Konzep ionelle Ausgangspunk wa zunächs die Beob-
ach ung, dass die Kinde agesp lege sei Mi e de 2000e -Jah e du ch eine
Reihe on bundes- und landesgese zlichen Ve ände ungen sowie poli ischen
Schwe punk se zungen eine hohe poli ische und achp ak ische Au me ksam-
kei e ah en ha . Sie a ancie e on eine eins übe wiegend p i a o ganisie -
en und nebenbe u lichen Tä igkei zu eine ö en lich ge ö de en und kon -
ollie en Fo m de Kinde agesbe euung, die heu e g öß en eils als be u liche
E we bsa bei on selbs s ändig ä igen Kinde agesp legepe sonen ausge üh
wi d.
Heu e sind im SGB VIII die Angebo e de Kinde agesp lege und de Kin-
de agesein ich ungen ü Kinde in den e s en d ei Lebensjah en gleichge-
s ell , wodu ch die p o essionelle An o de ungss uk u zu Umse zung on
E ziehung, Bildung und Be euung o mal ech lich iden isch is . Als Bes and-
eil de Kinde - und Jugendhil e un e lieg die Kinde agesp lege dabei de
Au sich s- und S eue ungs e an wo ung des ö en lichen Jugendhil e äge s,
de als gewäh leis ungsp lich ige Gesam e an wo liche die P lich zu Um-
se zung des bundesgese zlichen Fö de au ags in de Kinde agesp lege ha .
Un e dem übe geo dne en Rech sbeg i de Kinde agesp lege ha sich in-
zwischen ein ace en eiches Spek um un e schiedliche Fo men und Se ings
on ö en lich ge ö de en Angebo en he ausgebilde . Es eich on de klassi-
schen Kinde agesp lege im Haushal de selbs s ändigen Kinde agesp lege-
pe son mi wenigen be eu en Kinde n bis zu G oß agesp leges ellen (Zu-
sammenschlüssen on meh e en Kinde agesp legepe sonen) in angemie e en
ode ö en lich zu Ve ügung ges ell en Räumen. Da übe hinaus is die Kin-
Ka ja Flämig und Gab iel Schoye e
14
gogischen Phänomenen kann dahe nu in eingesch änk em Maße zum Ve -
s ändnis des kindhei spädagogischen Feldes bei agen.
Die wissenscha lichen Auseinande se zungen dieses Bandes zeigen, dass
die Kinde agesp lege als „Pa adebeispiel“ ungie ü die enge Ve wobenhei
de kindhei spädagogischen Be euungsa angemen s mi s aa liche Ins i u-
ionen- und Sozialpoli ik sowie (a bei s)ma k bezogenem, amiliä em und
zi ilgesellscha lichem Sek o . Als eines de „Sozio ope“ im A bei s- und Fo -
schungs eld, „de en Handlungslogiken sich wechselsei ig e gänzen, neu a
-
lisie en ode übe lage n können“ (Honig 2012, S. 99), e inne die Kinde -
agesp lege die Kindhei spädagogik an ih e Posi ion als gesellscha liche O ,
an dem wide s ei ende E wa ungen e schiedene soziale Ak eu e au ein-
ande e en (Be z/Vie nickel 2016, S. 14).
Kinde agesp lege im eld heo e ischen Disku s
Fas alle Bei äge dieses Bandes hema isie en eine gesellscha liche Ten-
denz de Ma ginalisie ung de Kinde agesp lege, insbesonde e im Ve häl -
nis zu Kinde agesein ich ungen (Ihm/Schoye e , Schulz, Hank, K inninge ,
Tudo , Bilgi/Schoye e , Glaese , Jooß-Weinbach/Schoye e ). Wie die ins i-
u ions heo e ischen Aus üh ungen on Ok ay Bilgi und Gab iel Schoye e
sowie die eld heo e ischen Be ach ungen on Ma c Schulz in diesem Band
nahelegen, is die Kinde agesp lege im Ins i u ionalisie ungsp ozess üh-
kindliche Bildung im Sinne eines Legi imie ungsp ozesses on O ganisa-
ionen wenige du chse zungsk ä ig „gegenübe konku ie enden No men
in e dependen e Handlungskon ex e“ (Honig 2012, S. 105). Diese No men
bewe en beispielsweise das Wissen übe P o ession und P o essionali ä , den
S a us on Bildung (in Rela ion zu Be euung) und die We igkei on Ins i-
u ion und O ganisa ion, wobei hohe Fo malisie ung beispielsweise mi „bes-
se e “ Quali ä gleichgese z wi d (Bilgi u.a. 2021; Bilgi/Schoye e in diesem
Band).
Aus eine eld heo e ischen Pe spek i e (Bou dieu 2013) is die Kinde -
agesp lege in ein mach olles „Ne zwe k on Rela ionen“ (Honig 2012,
S. 106) eingebe e , das Klassi ika ionen und Posi ionie ungen o nimm in
Fo m on Kämp en um Deu ungshohei zu lei enden We en und Aushand-
lungen zu de F age, we übe haup zum Feld gehö (G omala 2024, S. 3).
So wi d die Ins i u ionalisie ung de Kinde agesp lege o mals an Quali ä s-
maßs äben gemessen, die p imä au die T adi ion de Kinde agesein ich un-
gen angewende we den (Schulz, Bilgi/Schoye e , Glaese , Jooß-Weinbach/
Schoye e in diesem Band). Demgegenübe machen die Bei äge dieses Ban-
des da au au me ksam, dass die Ve s ändnisse, was Bildungs- und Be eu-
ungsquali ä is , on den Ak eu en gemäß ih e Posi ion im Tä igkei s eld de

Einlei ung
15
Kinde agesp lege (Kinde agesp legepe sonen, Fo schende und El e n) a ia-
bel gese z we den (Ihm/Schoye e , K inninge , Tudo , Ka che ).
Die empi ischen E gebnisse und Auseinande se zungen in diesem Band
zeigen, dass die Kinde agesp lege wegen ih e hyb iden Posi ion zwischen
S aa , Ma k und Familie sowie ih e s e igen meh dimensionalen „G enz-
a bei “ das kindhei spädagogische Feld dazu he aus o de n kann, eld heo e-
isch zu ekons uie en, „we legi ime - ode illegi ime weise die Mach besi z
bzw. sich die Mach nimm , da übe zu en scheiden, was Quali ä is bzw. sein
soll […] wie und du ch wen ein la en es Ve s ändnis on Quali ä in e ak i
he ges ell und umkämp wi d“ (G omala 2024, S. 3).
Kinde agesp lege als Gegens and on De-/Re-Ins i u ionalisie ungs-
p ozessen?
Es kann jedoch auch es gehal en we den, dass eine einsei ige Fokussie ung au
die ma ginalisie e S ellung de Kinde agesp lege sowie ih e Posi ionie ung in
de izi o ien ie en Disku sen als wenig zielo ien ie zu be ach en is . Wei-
e üh end e scheinen hie die empi ischen E kenn nisse zu Vollzugs p axis
und all äglichen O ganisa ion de Kinde agesp lege, die au einen ge wissen
Au onomieansp uch des Tä igkei s eldes hindeu en, de als g undlegende Be-
dingung ü die Kons i u ion ih es P axiszusammenhangs anzusehen is (Ihm/
Schoye e , Bilgi/Schoye e , Jooß-Weinbach/Schoye e in diesem Band). Die-
se Au onomieansp uch bezieh sich beispielsweise au ma e iale P ak iken
de äumlichen Abg enzung und e i o ialen G enzbea bei ung (Ka che in
diesem Band), eine „pe sönliche Passung“, die Kinde agesp legepe sonen
mi El e n und Kinde n aushandeln (Ihm/Schoye e in diesem Band), ode
indi idualisie e Beziehungsges al ungen du ch Fachbe a ungen (Schoye e /
Wiesinge 2017). Deu lich wi d dabei, dass es ü Kinde agesp legepe so-
nen möglich und no wendig is , selbs übe das „In e mediä e“ zu bes im-
men, welche Räume, Gegens ände und Pe sonen p i a bzw. ö en lich sind.
Wei e üh end e scheinen da übe hinaus die Auseinande se zungen mi
dem Be euungsbeg i in de Pädagogik de ühen Kindhei (Bilgi/Saue -
b ey/S enge 2021; Die ich/S enge /S ie e 2019), die so ge heo e isch ge-
üh we den (Hüne sdo 2021; Fa enbe g 2020; Bilgi/Schoye e in diesem
Band). Bezugnehmend au Heidegge zeig Be ina Hüne sdo beispielswei-
se, wie ela ional sich „einsp ingende“ (d.h. un e s ü zend- eak i e) Fo men
de Fü so ge zu „ o aussp ingenden“ (d.h. be ähigenden, p oak i en) Fo -
men e hal en und beide Va ian en als in e dependen e s anden we den
müssen (Hüne sdo 2021, S. 51), wenn Be euung als meh dimensional
und pädagogisch du chzogen gelingen soll. De Gedanke on zwei Modi
de So ge wi d auch on Dominik Fa enbe g (2020) in Fo m on „Ve so -
Ka ja Flämig und Gab iel Schoye e
16
gen“ und „Umso gen“ au geg i en, wobei Le z e es im o malisie en und
ins i u ionalisie en pädagogischen All ag on Kinde agesein ich ungen nu
eingesch änk ealisie ba is und So gea bei auch hie nu in Ve wobenhei
beide Modi ih e Quali ä en en al en kann. Dominik Fa enbe g esümie ,
dass „ein Umso gen o allem dann möglich [wi d], wenn P axis ollzüge
e einzel nich ode zumindes nich olls ändig on den o angig gene a-
ional und pädagogisch-ins i u ionell o ma ie en O dnungsbildungen de
päda gogischen Ins i u ion du chzogen sind“ (Fa enbe g 2020, S. 186). Hie
komm die Kinde agesp lege mi ih e hyb iden Posi ion im Zwischen aum
zwischen P i a hei und Ö en lichkei ins Spiel. In ih e ande en O gani-
sie hei mani es ie en sich auch ande e Ins i u ionalisie ungsp ozesse, die
z.B. die Scha ung und Au ech e hal ung on a ek i en Bindungen, wie
Ve auen und Zugehö igkei inne halb on ela ionalen A angemen s zwi-
schen den Ak eu en, e möglichen (Bilgi/Schoye e in diesem Band). Übe die
Scha ung on „a ek i -so genden Ge ügen“ (ebd.) nimm die Kinde ages-
p lege p ak isch Bezug au die E wa ung, einen ö en lichen Fö de au ag
„ amilienähnlich“ umzuse zen.
Mi ih e spezi ischen S uk u , die sich den Deu ungshohei en des kindhei s-
pädagogischen Feldes zu P o essionalisie ung, Bildung, Be euung, Adminis ie-
ung und Quali ä nich so ech üg , kann die Kinde agesp lege als Impuls-
gebe ü eldspezi ische En wicklungen auch ins i u ionalisie ungs heo e isch
be ach e we den. Wie Helmu B eme und Fabian Kessl aus üh en, gehen Ins-
i u ionalisie ungsp ozesse meis mi De-Ins i u ionalisie ungsp ozessen einhe ,
„die aus eine g undlegenden K i ik bes ehende Bildungs- und E ziehungsein-
ich ungen und ih e monopolisie enden und he scha s s abilisie enden Funk-
ion“ he o gehen (B eme /Kessl 2021, S. 4). Wie ausge üh , s ell die Kinde -
agesp lege übe ih e hyb ide Posi ion, ih e pe manen e Ve handlungsa bei im
Zwischen aum on „ö en lich“ und „p i a “, ih Insis ie en au So ge und ih en
Ansp uch au Au onomie eine Reihe on An agen an Ve häl nisse, Sich weisen
und E wa ungen des kindhei spädagogischen Feldes.
In O ganisa ions heo ien, die Ins i u ionalisie ung als P ozess in eine Ab-
olge on Phasen au assen (Jeppe son 1991), lassen sich diese An agen als
Momen e on De-Ins i u ionalisie ungen beg ei en, die wiede um P ozesse on
Re-Ins i u ionalisie ung, d.h. on E ablie ung neue Ins i u ionsmodi und
Neujus ie ung bes ehende Deu ungen, o be ei en. Anja Te oo en mach
da au au me ksam, dass de Beg i de De-Ins i u ionalisie ung das Feld
e wei e , „schon allein dadu ch, dass e das ande e Ende des Kon inuums
ma kie “ und ein Spannungs eld ö ne , „in welchem G enzen gezogen und
un e lau en, Un e scheidungen ma kie ode ange och en, Beg i e ak uali-
sie ode neu alisie we den“ (Te oo en 2021, S. 34).
Einlei ung
17
Es is also da ü zu plädie en, nich nu Ins i u ionen und P o essionelle
zum Gegens and de Analysen zu machen, sonde n auch Ve häl nisse und
Rela ionen, die das kindhei spädagogische Feld als wohl ah ss aa lich ge ahm-
es, in e sek o al e loch enes P axis eld be ach en (Bollig in diesem Band).
Insbesonde e neue e kindhei s heo e ische Übe legungen weisen da au hin,
dass die Fo schung zu Kindhei zu seh au diejenigen Ins i u ionen se z , die
Kindhei kons i uie en (Eße /Sch öe 2019; Bollig in diesem Band). Mi dem
Beg i de „In as uk u en“ (S a 1999) e weisen Flo ian Eße und Wol -
gang Sch öe (2019) au P ak iken des O ganisie ens, die einzelne Ins i u-
ionen übe sch ei en und anso ganisie end gedach we den müssen. Solche
Ve häl nisse und Rela ionen als Resul a spezi ische P ak iken des O ganisie-
ens in wohl ah sp oduk i en Pe spek i en zukün ig s ä ke zum Gegens and
kindhei s pädagogische Fo schung zu machen, will auch de o liegende Band
an egen. Die Pe spek i en de Kinde agesp lege zwischen ö en lich und
p i a scheinen uns da ü in besonde e Weise geeigne .
Wi danken den Au o innen und Au o en ü ih e O enhei und ih In-
e esse, sich mi ih en Pe spek i en au den – ü manche Au o innen und
Au o en – wenig bekann en Gegens and Kinde agesp lege einzulassen. Au
diese Weise haben sie ein wei es Spek um on Einsich en möglich gemach .
Zu danken haben wi auch Susanne Opi z ü die umsich ige und k i ische
Beglei ung de He s ellung dieses Sammelbandes und die so g äl ige Übe -
p ü ung de Tex e und des Manusk ip es. Finanziell möglich wu de dieses
o ganisa ionenübe g ei ende P ojek des Deu schen Jugendins i u s und de
Ka holischen S i ungshochschule München du ch die in e essie e Au me k-
samkei und eundliche Fö de ung des Bundesminis e iums ü Bildung,
Familie, Senio en, F auen und Jugend (BMBFSFJ).
Ka ja Flämig und Gab iel Schoye e im Juni 2025
Ka ja Flämig und Gab iel Schoye e
18
Li e a u
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21
Teil I
Feldbezogene und his o ische
Pe spek i en
23
1 Was is eldspezi isch ü Kinde ages-
p lege?
Empi ische Annähe ungen an das
Selbs e s ändnis eine Be euungs o m
zwischen ö en lich und p i a
Ma ia Ihm und Gab iel Schoye e
1.1 Einlei ung
De o liegende Bei ag is zu e s ehen als eine empi ische Annähe ung an das
immanen e Selbs e s ändnis des kindhei spädagogischen Tä igkei s elds de
Kinde agesp lege, wie es on Ak eu :innen des Handlungs elds Kinde agesp le-
ge en wo en wi d. Dies e schein inso e n ele an , als dass die Kinde agesp lege
im Ve gleich zu Kinde agesein ich ungen ein ‚ande es‘ Angebo de ö en lich
ge ö de en ühkindlichen Bildung, E ziehung und Be euung is , welches sich
in besonde e Weise mi E wa ungen an eine spezi isch e kennba e P o ilie ung
kon on ie sieh (Schulz, Bilgi/Schoye e in diesem Band), obgleich zu eld-
immanen en P axislogiken nu wenige empi ische gesiche e Da en o liegen
(zum Übe blick: Schoye e 2024). Von dahe können E gebnisse aus S udien
mi päda gogischen Fachk ä en aus Kinde agesein ich ungen nu beding au
das Feld de Kinde agesp lege übe agen we den (Schoye e u.a. 2020; Vie ni-
ckel/Ihm/Böhme 2019). Vielmeh is die Kinde agesp lege als ein eigens ändi-
ges Tä igkei s eld in de ühkindlichen Bildung, E ziehung und Be euung zu
be ach en, was au g und seine En s ehungsgeschich e sowie S uk u - und O -
ganisa ionsbedingungen spezi ische Feldlogiken e mu en läss .
In me hodologische Hinsich in e essie sich de o liegende Bei ag in
Anlehnung an eld heo e ische Übe legungen (Neumann/Honig 2006) ü
das immanen e Selbs e s ändnis on Kinde agesp lege, also ü die F age,
wie e schiedene Ak eu :innen (Kinde agesp legepe sonen, Fachbe a e :in-
nen, Quali izie ungsp axis) mi je un e schiedlichen E wa ungen und S a-
egien de Du chse zung dieses Feld en we en. Gegens ands heo e isch ü-
cken P axislogiken und O ien ie ungsmus e in den Fokus. Ziel is es, übe
die Bündelung on empi ischen E gebnissen aus zwei quali a i en S udien
1
1 Diese sind en s anden im Rahmen de wissenscha lichen Beglei o schung zum Bundesp og amm „P o-
Kinde agesp lege: Wo Bildung ü die Kleins en beginn “ ( gl. aus üh lich: www.wb-p oki a.de).
Ma ia Ihm und Gab iel Schoye e
30
plizi e bi g sich da in de En wu , dass die Tä igkei als Kinde agesp lege-
pe son zugleich wesen liche Be eiche des P i a lebens du chzieh . Dies d ück
sich ebenso in de implizi en Au o de ung an die eilnehmenden Kinde -
agesp legepe sonen aus, im Kon ex de Quali izie ung (auch) ih p i a es
Zei managemen ö en lich sich ba zu machen.
Die Teilnehme :innen des Ku ses schließen an den p oposi ionalen Vo -
schlag de Re e en in alidie end an, indem sie die Au gabe bea bei en, ohne
die Au gabens ellung zu hin e agen. Dies deu e da au hin, dass die be-
sch iebene En g enzung on ö en lich und p i a auch on den Teilneh-
me :innen als selbs e s ändlich bzw. unau lösba wah genommen wi d, und
dami wi d de Aspek nich in den Disku s einbezogen und bleib unbea -
bei e . Im wei e en Ve lau alidie eine Teilnehme in die Ve mischung und
Un ennba kei de beiden Sphä en explizi („ iele Sachen im Leben, die so
ineinande g ei en“). Exempla isch üh auch sie Si ua ionen au , die in e -
p e a i sowohl dem P i a en als auch dem ä igkei sbezogenen Kon ex
zugeo dne we den könn en („als Tagesmu e daheim“, „wenn die Kinde
schla en, kochen ode mal was au äumen ode mich hinse zen und Hobby ma-
chen“). Es wi d deu lich, dass zwischen den ö en lichen und p i a en Be ei-
chen keine kla e T ennschä e auszumachen is („Das kann man ja ga nich
so au sch eiben.“).
Insgesam s ell de P o okollausschni die Gleichzei igkei ö en liche
und p i a e An o de ungen in de Kinde agesp lege exempla isch he aus –
wie sie sich in unse en Da en als homologes Mus e zeig – und e deu lich
dami die Tie e de En g enzung on ö en lich und p i a . Au allend is ,
dass die Ve mischung de beiden Sphä en als no mal und gegeben e schein ,
das ‚G enzland‘ schein ohne Beg enzung mi de Kinde agesp legepe son in
Beziehung gese z zu sein. So dokumen ie sich in diese Sequenz keine e-
lexi e Bea bei ung des Phänomens de En g enzung. Vielmeh wi d diese als
selbs e s ändlich en wo en, und die Ak eu :innen okussie en zu o de s au
das Managemen de En g enzung bzw. au ih e Bewäl igung im Sinne eine
ä igkei sspezi ischen Handlungsan o de ung. Somi en s eh de Ansp uch
an Kinde agesp legepe sonen, ein wei ge ass es Au gabenkonglome a zu e -
üllen („bewäl igen muss“), das kon ex ungebunden und ohne Di e enzie-
ung („das alles“) e schein .
1.2.3 Selbs so ge: zen ale P ak ik zu Siche ung de
Leis ungs ähigkei
Kinde agesp legepe sonen we den in ih em Tä igkei sall ag eine sei s mi
spezi ischem (physischen und psychischen) S ess sowie mul iplen Meh ach-

31
Teil I | 1 Was is eldspezi isch ü Kinde agesp lege?
belas ungen kon on ie und agen ande e sei s als einzige Be euungs-, Bin-
dungs- und Bezugspe son eine hohe pe sönliche Ve an wo ung gegenübe
den on ihnen be eu en Kinde n (Schoye e /Ihm/Bach 2021; F ank u.a.
2019; Bollig 2016; Schoye e /Weimann-Sandig 2015). Vo diesem Hin e -
g und ha die physische und psychische Kons i u ion on Kinde agesp lege-
pe sonen im Be euungsall ag hohe Rele anz, ge ade auch deshalb, weil übe -
wiegend keine unmi elba e kollegiale Un e s ü zung o handen is .
Inso e n übe asch es auch in unse en Da en (Schoye e u.a. 2022) nich ,
dass de Selbs so ge on Kinde agesp legepe sonen – im Sinne on Gesund-
hei s ö de ung und P ä en ion – be ei s im Rahmen on Quali izie ungsku sen
ein hohe S ellenwe einge äum wi d. Zugleich kann die o ensich lich in
das Tä igkei p o il eingesch iebene Au o de ung zu pe sönliche Selbs so ge
auch als eine Reak ion au die spezi ischen S uk u bedingungen de Kinde -
agesp lege gelesen we den (Abschni e 1.2.1 und 1.2.2).
En sp echend dokumen ie sich in den Da en aus den Quali izie ungs-
ku sen eine O ien ie ung au eine in den Tä igkei sall ag, abe auch in das
P i a leben zu in eg ie ende Selbs so gep axis. So wu de die pe sönliche
Selbs so ge on Kinde agesp legepe sonen que schni a ig übe e schiedene
Ku se hinweg hema isie – sowohl als explizi e Handlungsau o de ung als
auch au implizi e Ebene zu Siche ung de eigenen (physischen und men al-
emo ionalen) Leis ungs ähigkei . Ma kan is dabei, dass on den Re e en-
innen wie den Teilnehme :innen pe sönliches Wohlbe inden zwa als Zweck
on Selbs so ge en wo en wi d, dieses Wohlbe inden jedoch – im Sinne on
Quali ä ssiche ung – wiede um eng an die Leis ungse b ingung de Kinde -
agesp legepe son gebunden wi d. Diese Da s ellung on ä igkei szweck-
bezogene Selbs so ge kann demnach als eine kinde ages p legespezi ische
Feld kon u ie ung gelesen we den.
De olgende P o okollausschni e anschaulich diese O ien ie ung, die
sowohl on de Re e en in als auch on den Teilnehmenden gemeinsam ein-
geb ach und aus o mulie wi d. Hie bei handel es sich um eine Sequenz aus
eine ä igkei sbeglei enden G undquali izie ung, das heiß , die anwesenden
Kinde agesp legepe sonen sind be ei s sei länge e Zei ä ig. In diese Se-
mina einhei wi d un e ande em die zei liche O ganisa ion des (Be euungs-)
All ags de Teilnehme :innen besp ochen:
„Eine Teilnehme in e läu e die eigene Tagess uk u : ‚Punk ün au s ehen,
Punk sieben Waschmaschine be ä igen. (…) Viel Zei gebe ich ü Haushal ,
weil ich so iele Pe sonen da habe, abe ich habe das auch gu im G i , weil
ich auch gu s uk u ie bin.‘ Sie besch eib die De ails des Tagesablau es und
dass sie eine S unde des Tages ü sich einplane, abends spazie e und Pila es
Ma ia Ihm und Gab iel Schoye e
32
mache – und dann schließlich um neun schla en gehe. Ein e s aun es Raunen
de ande en Teilnehmenden geh du ch den Raum. Die Re e en in se z hie
ein und u dazwischen: ‚Abe man muss auch de Typ da ü sein! Sie haben
ja schon mal e zähl , dass Sie seh s uk u ie sind. Und jede muss das so ü
sich inden, was einem gu u . Wich ig inde ich, dass Sie auch Zei ü sich
selbs einplanen und das wi klich auch bewuss dann wah nehmen und nich
ich häkel schnell was, weil die Toch e das will. Das müssen Sie ü sich wah -
nehmen. Fü Menschen, die es nich gu scha en, ü sich selbs zu so gen, kann
es schon hil eich sein, zu sagen, ich habe ein Da e mi mi selbe . Und plan
mi das ein, bis es zu Rou ine gewo den is . Abe le z endlich müssen Sie alle
selbe he aus inden, was bin ich ü ein Typ und was hil mi . Abe ü Men-
schen, ü die das schwie ig is , p obie en Sie das mal aus, so eine S unde am
Tag, angen Sie mi eine ie el S unde an und bauen Sie es langsam aus. Und
das nehmen Sie auch ganz bewuss wah . Dass Sie auch wi klich ganz bewuss
sagen, je z leg ich die Kinde schla en und je z inke ich in Ruhe meine Tasse
Ka ee. Dass Sie mal wi klich un e ah en.‘“
Zu Beginn diese Sequenz s ell eine Teilnehme in ih e eng ge ak e e und sich
äglich wiede holende Tages ou ine als S a egie zu Bewäl igung des (Kinde -
agesp lege-)All ags im Sinne eine hal gebenden, o ien ie enden S uk u o
und e o e diese im posi i en Ho izon („ich habe das auch gu im G i “).
Implizi e bi g sich in diese Besch eibung de En wu eine hohen Au -
gaben- bzw. Zus ändigkei sdich e („Haushal “, „ iele Pe sonen“) in einem
en g enz en Ve häl nis on ö en lich und p i a , was du ch die A und Weise
de Da s ellung jedoch als unp oblema isch bzw. ealisie ba en wo en wi d.
Die En g enzung dokumen ie sich beispielsweise da in, dass keine Un e -
scheidung zwischen ä igkei sbezogenem und p i a em All ag o genommen
wi d („Waschmaschine be ä igen, (…) iel (…) Haushal , weil ich so iele
Pe sonen da habe“), sowie da in, dass sich die Da s ellung au den gesam en
Tagesablau (24 S unden) bezieh („Punk ün au s ehen (…) schließlich um
neun schla en“). Gleichzei ig e weis sie implizi da au , dass ü diese A
de All agsbewäl igung die eigene Pe sönlichkei ele an is („weil ich auch
gu s uk u ie bin“), womi sie ih e Bewäl igungss a egie als eine indi idu-
elle und pe sönliche E b ingungsleis ung posi ionie . Zudem inszenie sich
die Teilnehme in selbs in eine S ellung pe sönliche und alleinige S eue-
ungs e an wo ung bzw. All(ein)zus ändigkei („weil ich so iele Pe sonen
da habe, abe ich habe das auch gu im G i , weil ich auch gu s uk u ie
bin“) (Abschni 1.2.1).
Wei e hin äll in de Besch eibung de Teilnehme in au , dass sie Selbs so -
ge explizi als in den (Kinde agesp lege-)Tagesablau zu in eg ie en en wi .
33
Teil I | 1 Was is eldspezi isch ü Kinde agesp lege?
Dabei e schein es zum einen ele an , dass all agsin eg a i e Selbs so ge be-
ieben wi d, und zum ande en, dass diese – im Sinne eine spezi ischen Deu-
ungspe spek i e – explizi als solche e kann und benann wi d („eine S unde
des Tages ü sich einplane[n], abends spazie e[n] und Pila es mache[n], (…)
um neun schla en gehe[n]“). Bezeichnend is hie bei, dass die Teilnehme in
de Selbs so ge keinen spezi ischen Zweck zusch eib , sonde n sie als (selbs -
e s ändlich e scheinenden) in eg a i en Bes and eil ih es (en g enz en) All-
ags e o e . Die P ak ik de Selbs so ge kann im Rahmen diese Da s ellung
de zu bewäl igenden hohen All agsbelas ung demnach als Siche ungssys em
gedeu e we den, um sowohl im p i a en als auch im ä igkei sbezogenen
(So ge-)All ag leis ungs ähig zu sein.
De En wu eines s eng s uk u ie en All ags als S a egie zu Bewäl igung
de (implizi alidie en bzw. gesiche en) hohen Au gaben- und Zus ändig-
kei sdich e is ü die ande en Teilnehme :innen jedoch nich anschluss ähig
(„e s aun es Raunen de ande en Teilnehmenden“), womi die No wendigkei
des Findens on indi iduellen, pe sönlichkei sbezogenen Selbs so ges a egien
kollek i alidie wi d. Auch die Re e en in bezieh unmi elba S ellung zu
de Da s ellung de Teilnehme in und schließ an den Aspek de Pe sönlich-
kei sbezogenhei on Selbs so gep ak iken an („Abe man muss auch de Typ
da ü sein!“, „Und jede muss das so ü sich inden, was einem gu u .“).
Gleichzei ig en wi sie eine ä igkei s- bzw. all agsin eg a i e Selbs so ge als
explizi e No m („Das müssen Sie ü sich wah nehmen“, „le z endlich müssen
Sie alle selbe he aus inden, was bin ich ü ein Typ und was hil mi “). E -
wei e nd mach sie plu ale Modelle des nied igschwelligen, all agsin eg ie -
en Selbs so gebe eibens gül ig (z.B. „Da e mi mi selbe “, „eine S unde am
Tag, angen Sie mi eine ie el S unde an und bauen Sie es langsam aus“,
„je z inke ich in Ruhe meine Tasse Ka ee“). Die Niede schwelligkei de
o geschlagenen Selbs so gep ak iken kann hie bei als eine Suchbewegung de
Re e en in mi dem Ziel gelesen we den, die Teilnehme :innen nich un e
D uck zu se zen und gleichzei ig die No wendigkei on ou inie e , all ags-
in eg ie e Selbs so ge zu e mi eln.
Au allend is dabei, dass die Re e en in o nehmlich Umdeu ungsp ak-
iken o schläg . So leg sie den Fokus au eine bewuss e( e) (Selbs -)Wah -
nehmung bei gleichzei ige Umdeu ung on be ei s p ak izie en Hand-
lungsabläu en („Zei ü sich selbs einplanen und das wi klich auch bewuss
dann wah nehmen und nich ich häkel schnell was“, „Und das nehmen Sie
auch ganz bewuss wah . Dass Sie auch wi klich ganz bewuss sagen, je z leg
ich die Kinde schla en und je z inke ich in Ruhe meine Tasse Ka ee“).
Eine si ua i e Umdeu ung wi d dami als explizi e En las ungss a egie en -
wo en.
Ma ia Ihm und Gab iel Schoye e
34
Als eine übe geo dne e, zusammen assende E kenn nis äll in Bezug au
den En wu de No wendigkei all agsin eg ie e und ä igkei szweckbe-
zogene Selbs so ge au , dass g undsä zlich wenig s uk u elle bzw. ex e ne
Ve ände ungs- und/ode Un e s ü zungsmöglichkei en zu En las ung de
indi iduellen Kinde agesp legepe son au ge u en we den, also de Bewäl-
igungsau ag eng an die indi iduelle Kinde agesp legepe son gebunden
bleib . So wi d übe wiegend au pe sönlichkei sbezogene Op imie ungs o -
schläge on all agsin eg ie en Selbs so gep ak iken in enge Ve zahnung mi
dem All agsmanagemen on Kinde agesp legepe sonen okussie .
1.2.4 Zusammena bei mi El e n: Schlüsselkonzep
„pe sönliche Passung“
Ein wei e es zen ales Phänomen, welches im genann en Da enko pus – insbe-
sonde e in de Teils udie zu Zusammena bei mi El e n (Schoye e u.a. 2023)
– im Sinne eines Felden wu s sich ba wi d, is die O ien ie ung on Kinde -
agesp legepe sonen an pe sönliche Passung mi den El e n de be eu en Kin-
de . Mi dem Beg i de pe sönlichen Passung is im Folgenden, lau Beg i s e -
s ändnis de Au o :innen, ein Ideal eines pe sönlichen zwischenmenschlichen
Zueinande passens bzw. mi einande Kong uie ens zwischen de Kinde ages-
p legepe son und den El e n de be eu en Kinde gemein , das on gegensei i-
ge Sympa hie und (wei gehende ) Übe eins immung on ‚pe sönlichen‘ (z.B.
pädagogischen, wel anschaulichen ode habi uellen) Au assungen ge agen is
und sich neben de Umse zung ‚gu e ‘ pädagogische A bei au die gesam e
Ges al ung des Be euungs e häl nisses bezieh . Pe sönliche Passung bezieh
sich inso e n ausd ücklich au die Ges al ung de zwischenmenschlichen Be-
ziehungen zwischen den beiden Ak eu :innen(g uppen).
Im Zusammenhang mi de O ien ie ung an pe sönliche Passung is die
Kinde agesp lege als ö en liches Fö de angebo de Kinde - und Jugend-
hil e eine sei s zu Umse zung eine „Bildungs- und E ziehungspa ne scha “
(Be z/Bollig 2023) mi den El e n de be eu en Kinde au ge u en. Ande e -
sei s wi d die Kinde agesp lege p og amma isch als ‚ amilienähnliche bzw.
-nahe‘ Be euungs o m cha ak e isie (Webe ling 2015; Al /Hei kö e /Rie-
del 2014), was zwa den implizi en Au ag zu He s ellung on ‚Familienähn-
lichkei ‘ beinhal e , de abe inhal lich unbes imm und dami de In e p e-
a ion de einzelnen Kinde agesp legepe son übe lassen is . Einen wei e en
eldspezi ischen Kon ex in de Zusammena bei mi El e n bilde die übe -
wiegende be u liche Selbs s ändigkei on Kinde agesp legepe sonen, was ge-
wisse Ma k logiken nach sich zieh , indem El e n auch als Kundinnen und
Kunden in e p e ie we den. Eine wei gehende Ges al ungs eihei on Kin-
35
Teil I | 1 Was is eldspezi isch ü Kinde agesp lege?
de agesp legepe sonen is dabei kons i u i . Das bedeu e , dass sie in konzep-
ionelle Hinsich nu wenigen o malen Vo gaben olgen müssen (z.B. keine
Ve p lich ung zu egelmäßigen Du ch üh ung on El e n- ode En wick-
lungsgesp ächen sowie El e nabenden) (Schoye e u.a. 2023), in (d ohenden)
Kon lik si ua ionen mi El e n hingegen ih e Alleins ellung cha ak e is isch
zum T agen komm . Fo mal is dabei zwa die Fachbe a ung Kinde ages-
p lege als un e s ü zende Ins anz zus ändig ( gl. aus üh lich Schoye e /Wie-
singe 2017), e schiedene empi ische Be unde weisen jedoch sei ens de
Kinde agesp legepe sonen au einige Hemmnisse hin, Un e s ü zungsleis-
ungen du ch die Fachbe a ung in Ansp uch zu nehmen (Schoye e u.a. 2023;
Vie nickel/Ihm/Böhme 2019; Schoye e /Weimann-Sandig 2015).
Im Anschluss da an zeig sich in den hie o ges ell en Da en – insbeson-
de e aus de Teils udie zu Zusammena bei mi El e n –, die im Rahmen on
G uppendiskussionen mi Kinde agesp legepe sonen en s anden sind, dass
diese in de Tendenz on o nhe ein seh da au bedach sind, Kon lik si ua-
ionen mi El e n zu e meiden (Schoye e u.a. 2023). Inso e n übe asch die
zug unde liegende basis ypische O ien ie ung5 on Kinde agesp legepe so-
nen an pe sönliche Passung mi den El e n de be eu en Kinde wenig. Viel-
meh kann sie als ein eldkons i uie endes Spezi ikum de Kinde agesp lege
mi ih en e schiedenen Face en e s anden we den. En sp echend kann pe -
sönliche Passung als ein meh dimensionales Kons uk gelesen we den, mi
dem (die be ag en) Kinde agesp legepe sonen au e schiedene s uk u elle
Rahmenbedingungen sowie p og amma ische Ansp üche (kollek i ) eagie-
en. Als Pa ame e ü die Fes s ellung pe sönliche Passung we den dabei
zum einen die pe sönliche in ui i e Wah nehmung und zum ande en eine
Übe eins immung pädagogisch-konzep ionelle Übe zeugungen zwischen de
Kinde agesp legepe son und El e n gel end gemach .
De olgende Gesp ächsausschni e anschaulich den g undlegenden En -
wu sowie zen ale Face en de basis ypischen O ien ie ung an pe sön liche
Passung. E s amm aus eine G uppendiskussion mi Kinde agesp lege-
pe sonen, die mindes ens sei ün Jah en ä ig sind. Die be e ende Pe son
p ak izie allein in ih en p i a en Räumen:
„B: Ja, also ich en scheide das ein aus dem Bauch he aus, also wenn ich mi
den El e n sp eche und mi ihnen ins Gesp äch komme, dann weiß ich di ek ,
en wede es pass ode es pass nich . Da au hin älle ich dann meine En schei-
dung, ob ich das Kind nehme.“
5 Basis ypik mein eine O ien ie ung, die in allen Fällen des Un e suchungssamplings zu inden is , d.h. ein
„gemeinsame übe g ei ende O ien ie ungs ahmen“ (Bohnsack 2017, S. 240).

Ma ia Ihm und Gab iel Schoye e
36
Indem die Kinde agesp legepe son die Fes s ellung on pe sönliche Pas-
sung zei lich noch o dem Beginn eines Be euungs e häl nisses e o e und
das (Nich -)Zus andekommen eines Be euungs e häl nisses da an binde ,
en wi sie pe sönliche Passung als undamen al zu e üllendes Basisk i e i-
um des gesam en Be euungs e häl nisses. Dabei wi d pe sönliche Passung als
posi i e Ho izon gezeichne , also als ausd ücklich anges eb und po enziell
umse zba . Im Rahmen diese hema ischen und zei lichen Ve o ung doku-
men ie en sich in diesem Gesp ächsausschni meh e e Aspek e de implizi
handlungslei enden O ien ie ung an pe sönliche Passung:
Zunächs wi d pe sönliche Passung ausschließlich („ ein“) in ui i bzw.
emo ionsbasie es ges ell („aus dem Bauch he aus“). Indem au die eigene
in ui i e Wah nehmung eku ie wi d – die nich nähe illus ie wi d bzw.
nich nähe umsch ieben we den kann, da es sich hie bei um ein nich s an-
da disie ba es sowie nich a ikulie ba es Phänomen handel –, bleib pe sön-
liche Passung inhal lich wei gehend unbes imm . Gleichzei ig wi d die eigene
In ui ion als höchs zu e lässige Indika o en wo en, welche Gewisshei im
Sinne eines ‚siche en‘ Wissens einb ing und dami allein gül ig gemach we -
den kann. Ande e K i e ien spielen in diesem (Basis-)En wu (zunächs ) kei-
ne Rolle („dann weiß ich di ek “, „da au hin älle ich meine En scheidung“).
Indem einzig au das eigene Gespü analog einem Ins ink eku ie („aus
dem Bauch“) und dies zudem inhal lich nich nähe bes imm wi d („dann
weiß ich di ek “), wi d eine gewisse Nich -Gene alisie ba kei bzw. Nich -
S anda disie ba kei und dami enge Gebundenhei on pe sönliche Passung
an die Pe son und Pe sönlichkei de indi iduellen Kinde ages p legepe son
implizie .
Wei e hin wi d pe sönliche Passung als absolu es, nich e ände ba es Fak-
um bzw. Ein- und Ausschlussk i e ium kons uie : Sie is en wede gege-
ben ode nich gegeben. Ein p ozessha es En s ehen im Sinne eines e lexi-
en E a bei ens on pe sönliche Passung im Lau eine gewissen Zei wi d
in diesem En wu ausgeschlossen („en wede es pass ode es pass nich “).
Da übe hinaus wi d in diese Da s ellung die eigene En scheidungsmach
bzw. Handlungs ähigkei de Kinde agesp legepe son als zen ale G öße im
posi i en Ho izon he o gehoben, indem sie da au e weis , dass die „En -
scheidung“, ob ein Be euungs e häl nis zus ande komm , allein bei ih lieg
(„ älle ich (…) meine En scheidung“). Dami we den El e n implizi in de
Rolle on Bewe be :innen posi ionie , die sich um einen Be euungspla z be-
mühen müssen, so e n sie als ‚passend‘ e scheinen.
Das Kind e schein in diesem En wu als passi e ode nach angige Ak-
eu . So wi d es zwa als le z endliche Ad essa de Leis ung da ges ell , dies
abe e s , wenn die pe sönliche Passung mi den El e n als in ui i gesiche
37
Teil I | 1 Was is eldspezi isch ü Kinde agesp lege?
wah genommen wi d („Da au hin älle ich dann meine En scheidung, ob
ich das Kind nehme.“). Pe sönliche Passung zwischen de Kinde agesp lege-
pe son und den El e n wi d dami als Basis ü die pädagogische A bei mi
dem Kind en wo en. In diese Lesa wi d pe sönliche Passung ü das Kind
eine sei s als zu bewäl igende Zugangshü de in die Kinde agesp lege da ge-
s ell . Ande e sei s wi d sie zwischen de Kinde agesp legepe son und dem zu
be euenden Kind als genuin gegeben kons uie , so e n pe sönliche Passung
mi den El e n o handen is .
Als ein wei e e Aspek wi d die Ebene des zwischenmenschlichen Kon-
ak s, also die Ges al ung de in e pe sonalen Beziehung zwischen Kinde -
agesp legepe son und El e n als ele an he o gehoben. Konk e wi d das
au de Basis on pe sönliche Passung en s ehende (Ideal-)Be euungs e häl -
nis in de Kinde agesp lege implizi übe die Quali ä zwischenmenschliche
Aus auschbeziehungen a ibuie . In diesem Sinne wi d pe sönliche Passung
im Gesp äch, also im zwischenmenschlichen Kon ak mi einande , es ges ell
(„also, wenn ich mi den El e n sp eche und mi ihnen ins Gesp äch kom-
me“). Gleichzei ig weis diese En wu da au hin, dass es ü jede Kinde -
agesp legepe son indi iduelle ‚Ideal-El e npe sönlichkei en‘ gib . Insgesam
posi ionie sich die Kinde agesp legepe son in de G uppendiskussion hin-
sich lich de Fes s ellung on pe sönliche Passung du ch ein Hö en-au -die-
eigene-In ui ion deu lich im posi i en Ho izon . Gleichzei ig deu e sich da-
in de indi ek e Gegenen wu des Nich -Beach ens in ui i e Eingebungen
im nega i en Ho izon an.
Eine wei e e zen ale Dimension on pe sönliche Passung is das Zuein-
ande passen de eigenen pädagogischen Übe zeugungen und P ak iken hin-
sich lich de Umse zung on Bildung, E ziehung und Be euung on Kin-
de n mi den el e lichen Vo s ellungen. Cha ak e is isch is dabei, dass sich
die G uppendiskussions eilnehme :innen au die p axise p ob e Konzep ion
ih e Kinde agesp leges elle
6
beziehen und diese als abschließend gesiche -
en (P axis-)Rahmen posi ionie en. In diesem Kon ex wi d pe sönliche Pas-
sung mi de ( ollum änglichen) el e lichen Ane kennung und Annahme de
konzep ionell (abschließend) gesiche en Rahmenbedingungen und Hand-
6 Bundesgese zliche Vo gaben sehen ü Kinde agesp leges ellen keine e p lich ende Vo gabe eine päda-
gogischen Konzep ion zu E eilung de P legee laubnis o (SGB VIII § 43). Im übe wiegenden Teil de
bundesdeu schen Jugendam sbezi ke müssen Kinde agesp legepe sonen ü ih e Kinde agesp leges el-
le jedoch eine sch i liche pädagogische Konzep ion nachweisen, um die E laubnis zu Aus üh ung de
Tä igkei als Kinde agesp legepe son zu e hal en. Von dahe e üg de G oß eil de Kinde agesp lege-
s ellen bzw. Kinde agesp legepe sonen in Deu schland übe eine sch i liche pädagogische Konzep ion
mi indi iduellen Schwe punk se zungen (Vie nickel/Ihm/Böhme 2019). Die E a bei ung de sch i lichen
Konzep ion wi d meis on de Fachbe a ung un e s ü z bzw. is Teil de ä igkei s o be ei enden G und-
quali izie ung zu Kinde agesp legepe son.
Ma ia Ihm und Gab iel Schoye e
38
lungsp axen in de Kinde agesp leges elle gleichgese z . Wie de olgende Ge-
sp ächsausschni zeig , wi d das eigene (konzep ionell und/ode du ch P axis-
e ah ungen gesiche e) pädagogische Vo gehen als gese z e, un e handelba e
Vo gabe en wo en, mi de El e n en wede übe eins immen ode nich . Die
be e ende Kinde agesp legepe son is eben alls sei mindes ens ün Jah en
allein in ih en p i a en Räumen ä ig:
„B: Ich o ien ie e mich an den El e n. Also bei mi müssen die El e n passen.
Na ü lich, wenn das Kind je z einkomm und, keine Ahnung, aus welchen
G ünden das nich passen soll e beim Kind, ja. Abe ich ach e au die El e n,
weil mi den El e n muss ich zusammena bei en. Ich muss wissen, ich s elle ja
mein Konzep o , ich s elle mich o , ich s elle o , was ich ue, was ich mi
o s elle, wie ich mi den Kinde n a bei e. Und dann hö-, ühle ich ja schon,
ob die El e n sagen: Ach nee, das will ich abe nich . Ach nee, da-, das will ich
abe nich , dass die das mi meinem Kind mach . Ode sowas. Ich bas el zum
Beispiel mi den Kinde n nich . Da ü bin ich iel d außen, ich mache iel Sin-
ne-, ege die Sinne an. Bas eln is ga nich s ü mich. Das woll-, also die Kin-
de mi einem Jah bas eln auch nich . (…) Und wenn die dann sag : Ach, ich
möch e das abe , dann is es nich –, dann pass es nich . Also ich such’ sie mi
nach den El e n aus, weil das Kind en wickel sich. Alle d ei Mona e en wickel
sich das Kind. Ich kann also, wenn ich das Kind sehe, sagen: Ach, das is abe
süß. Das kann abe nach einem Jah –, die haben dann so Phasenabschni e,
das kann dann nich meh süß sein. Und deswegen muss ich wissen, mi den
El e n muss es klappen, dass wenn das Kind nich meh so süß is und an äng
hal ebellisch zu we den ode auszup obie en, was imme bei den Kinde n
is , ja, wü de ich je z mal sagen, muss ich mi den El e n zusammen a bei en
können und sagen können: Das wü de ich ge n machen. Was hal e ih da on?
Weil ich mache das so und so. Bi e mach ’s zu Hause auch. Und das muss pas-
sen. Deswegen suche ich’s mi nach den El e n aus.“
Explizi es Thema diese Passage is die Fes s ellung on Passung hinsich lich
de pädagogisch-konzep ionellen Vo s ellungen on Kinde agesp legepe son
und El e n bei de En scheidung, ob mi Familien (El e n und Kind) ein Be-
euungs e häl nis begonnen wi d ode nich . In diesem Zusammenhang wi d
(pe sönliche) Passung zwischen de Kinde agesp legepe son und den El e n
als e p lich end zu e üllendes (Zugangs-)K i e ium ü die Inansp uchnah-
me de pe sönlichen („bei mi “) Be euungsdiens leis ung bzw. als un e han-
delba e En scheidungsg undlage im posi i en Ho izon au ge u en („Also bei
mi müssen die El e n passen“; „Und das muss passen“). Dabei e s ä k die
zei liche Ve o ung de Fes s ellung on (pe sönliche ) Passung in die Phase
39
Teil I | 1 Was is eldspezi isch ü Kinde agesp lege?
des e s en gegensei igen Kennenle nens – also explizi o dem Beginn eines
Be euungs e häl nisses – den En wu on (pe sönliche ) Passung als Basis-
bedingung de gesam en Be euungsbeziehung.
Inhal lich wi d (pe sönliche) Passung in diesem Fall on de Kinde -
agesp legepe son zunächs als eine wei gehende Kong uenz konzep ionelle
Vo s ellungen zwischen Kinde agesp legepe son und El e n hinsich lich de
Bildung, E ziehung und Be euung on Kinde n kons uie . Bei genaue-
e Be ach ung wi d pe sönliche Passung jedoch als die el e liche Ane ken-
nung und Annahme de konzep ionell gesiche en Rahmenbedingungen de
Kinde agesp leges elle bes imm , wobei diese Zus immung au de Ebene
de pe sönlichen O ien ie ungen e o e wi d („Und dann hö-, ühle ich ja
schon, ob die El e n sagen: Ach nee, das will ich abe nich . Ach nee, da-, das
will ich abe nich , dass die das mi meinem Kind mach .“).
Zugleich wi d die po enzielle Au nahme eines Be euungs e häl nisses
au de Basis (pe sönliche ) Nich -Passung zwischen Kinde agesp legepe -
son und El e n implizi ka ego isch ausgeschlossen, indem Nich -Passung als
unbeding he auszu il e n, zu e kennen und zu umgehen posi ionie wi d.
Gleiches i ü die Möglichkei eine gegensei igen Annähe ung bzw. En -
wicklung on (pe sönliche ) Passung hinsich lich pädagogisch konzep ionel-
le Vo s ellungen zu: Auch diese Op ion wi d in diese Da s ellung implizi
ausgeschlossen („Und wenn die dann sag , ach, ich möch e das abe , ne, dann
is es nich , ne, dann pass es nich .“).
Wei e hin zeig sich in diese Passage, dass die pädagogische Konzep ion
ü die be ag e Kinde agesp legepe son ein seh pe sönliches Dokumen da -
s ell , welches neben g undlegenden Abläu en und pädagogischen Bezugnah-
men pe sonenbezogene Aspek e de Kinde agesp legepe son selbs ep äsen-
ie („ich s elle ja mein Konzep o , ich s elle mich o , ich s elle o , was ich
ue, was ich mi o s elle, wie ich mi den Kinde n a bei e“; „Ich bas el zum
Beispiel mi den Kinde n nich . Da ü bin ich iel d außen, ich mache iel
Sinne-, ege die Sinne an. Bas eln is ga nich s ü mich.“). Übe spi z gesag ,
kann das pädagogische Konzep als ein Zeugnis de Selbs deu ung de p o es-
sionellen Iden i ä de Kinde agesp legepe son gelesen we den. Denn eine -
sei s gehen die heo e isch-konzep ionellen Übe legungen, Auswahlen schei-
dungen und p ak ischen Schwe punk se zungen bei de pädagogischen A bei
au die Kompe enzen de Kinde agesp legepe son selbs zu ück. Ande e sei s
lieg die Ve an wo ung ü die p ak ische Umse zung de Konzep ion allein
bei de Kinde agesp legepe son, womi sie au de Ebene de Handlungs-
p axis unmi elba ‚zu ih em Wo s eh ‘ und gegenübe ih en Ad essa :innen
(Kinde n und El e n) sowie dem e an wo lichen Jugendhil e äge in de
P lich is , den eigenen (sch i lich es gehal enen) konzep ionellen Rahmen
Ma c Schulz
46
Kindes zu eine selbs bes imm en, eigen e an wo lichen und gemeinscha s-
ähigen Pe sönlichkei [zu] ö de n“, „die E ziehung und Bildung in de Fa-
milie [zu] un e s ü zen und [zu] e gänzen“ und schließlich „den El e n dabei
[zu] hel en, E we bs ä igkei , Kinde e ziehung und amiliä e P lege besse
mi einande e einba en zu können“ (§22Abs.2N .1–3SGBVIII). Zwei-
ens um ass diese Fö de ungsau ag „E ziehung, Bildung und Be euung
des Kindes und bezieh sich au die soziale, emo ionale, kö pe liche und geis-
ige En wicklung des Kindes“ (§22Abs.3SGBVIII).
Als ak uell gemeinsame Au gabe dieses A bei s eldes lassen sich demnach
sowohl die Fö de ung on indi iduellen Bildungs- und En wicklungsp ozes-
sen des Kindes (Bildungsp ima ) als auch eine zei lich um assende und au
die indi iduellen Beda e de El e n zugeschni ene Be euung ablei en (Be-
euungsp ima ). De o mal ech liche Au ag an die beiden Tä igkei s elde
Kinde agesp lege und Kinde agesein ich ung als Teil kindhei spädagogische
Diens leis ungse b ingungen is olglich nich nu gleich angig, sonde n sie
liegen im selben „Schni eld mul iple gesellscha liche In e essen“ (Honig
2010, S.93).
T o z diese o mal ech lich gleich angigen Pla zie ung schein die F a-
ge nach de Gleichwe igkei des Tä igkei s eldes Kinde agesp lege im Dis-
ku s eld de Pädagogik de ühen Kindhei nich unbeg ünde zu sein: De
wissenscha liche und poli ische Fokus lieg hie maßgeblich au dem Tä ig-
kei s eld de Kinde agesein ich ungen, was alleine quan i a i an den ho-
hen In es i ionsleis ungen in Fo schung zu Kinde agesein ich ungen bzw.
Kinde agess ä en ablesba is .3 Dieses In es men wi d au Kinde agesp le-
ge bezogen wede symbolisch noch pekuniä e b ach , dies is auch an de
e gleichsweise übe schauba en Fo schungslandscha ablesba .
4
Es schein
naheliegend zu sein, dieses Ungleichgewich übe die quan i a i ungleiche
Ve eilung on Be euungszahlen zu beg ünden, die ein en sp echend un e -
schiedliches In es men plausibilisie en. Jedoch is die These des Bei ags, dass
das quan i a i e Ausmaß nich allein en scheidend is , ielmeh ungie als
Re e enzpunk des Disku s eldes de Pädagogik de ühen Kindhei de To-
pos ‚Bildung‘ (Koch 2022). ‚Bildung‘ is abe , wie spä e ausge üh wi d, kein
einhei liche gegens ands heo e ische Re e enzpunk (Je gus/Thompson 2017,
3 Exempla isch hie ü die Fö de ich linie des Bundesminis e iums ü Bildung und Fo schung (BMBF) „Qua-
li ä sen wicklung ü gu e Bildung in de ühen Kindhei “, de en Ziel es is , „Gelingens ak o en ü die
Quali ä sen wicklung in Kinde agesein ich ungen zu iden i izie en“ ( gl. Vo wo Rahmenp og amm).
4 Eine Möglichkei , einen Übe blick zu e hal en, sind die Publika ionslis en de DG E-Kommission Pädago-
gik de ühen Kindhei , siehe h ps://www.dg e.de/sek ionen-kommissionen-ag/sek ion-8-sozialpaeda-
gogik-und-paedagogik-de - uehen-kindhei /kommission-paedagogik-de - uehen-kindhei /publika ionen
(04.07.2025).

47
Teil I | 2 Vom Ve sp echen de E möglichung eine Bildungskindhei
S. 3), sonde n e möglich als ‚lee e Sammelbeg i ‘, de gegens ands heo e-
isch seh un e schiedlich ge üll we den kann, eine dynamische Feldzuo d-
nung und -ausg enzung zu o ganisie en, indem e als zen ale Funk ionslogik
de Pädagogik de ühen Kindhei die ‚E möglichung on Bildungskindhei ‘
ausweis .
5
‚Bildungskindhei ‘ is in diesem Sinne ein P o essionalisie ungsp o
-
jek (Neumann 2014; Schulz 2013), an dem sich alle– auch po enzielle– A -
bei s- und Tä igkei s elde de Pädagogik de ühen Kindhei zu o ien ie en
und übe p ü en zu lassen haben.
Die zen ale Disku s igu is hie die ideale weise akademisch quali izie e
Fachk a , du ch die e s de Kindhei s- zu einem Bildungso we den kann
(Koch 2022, S. 37–47), ähnlich wie sie ü den Bildungso Schule du ch die
akademische Leh k a e kö pe wi d. De Wille des A bei s eldes zu ‚E -
möglichung on Bildungskindhei ‘ wi d also o mal dadu ch angezeig , dass
neben achschulisch ausgebilde em, o allem akademisch quali izie es Pe -
sonal p oklamie wi d. Ohne diesen P o essionalisie ungs- espek i e Aka-
demisie ungswillen schein eine Anschluss ähigkei kaum da s ellba zu sein.
Das Tä igkei s eld Kinde agesp lege is – allein du ch die Feldbezeichnung
de ‚P lege‘ und die ehlende Möglichkei , hie eine Akademisie ung zu e a-
blie en– eines, welches sp achlich diese O dnungslogik on ‚E möglichung
on Bildungskindhei ‘ wide sp ich , da es p imä die F age nach (ins i u io-
nalisie e ) So ge und dami eine his o isch al e O dnungslogik eine Klein-
kindpädagogik au u , die sich p imä als O de Be euung und e s sekun-
dä als O de E ziehung und Bildung e s and.
Nach olgend wi d diese These en lang on Anme kungen zu Feldbezeich-
nung Pädagogik de ühen Kindhei sowie en lang des A gumen a ions-, Le-
gi ima ions- und Re lexionszusammenhangs des Feldes un e such . Da das
Disku s eld on so eine hohen Dynamik gep äg is , was allein anhand seine
heo e ischen, konzep ionellen und achlichen Ein- und Ausschlüsse ablesba
is , könn e diese Ve such eine Besch eibung de Genese des Feldes sowie die
des ak uellen Feldzuschni s mi seinen Ausdi e enzie ungen, E osionen an
den G enzen und auch Konsolidie ungen hil eich sein, die Anschlussmög-
lichkei en des Tä igkei s eldes Kinde agesp lege– neben seine p og amma-
ischen und o mal ech lichen Pla zie ung im Handlungs eld de Kinde - und
Jugendhil e– zu e s ehen.
5 Dies bedeu e nich , dass inzwischen keine ande en pädagogischen Beg i e als Re e enzpunk e au ge u en
we den, wie e wa So ge, E ziehung, Be euung ode En wicklung. Diese haben abe nich die no ma i e
O ien ie ungsk a , wobei es sich ak uell ü die F ühkindliche Bildung, Be euung und E ziehung (FBBE) he-
auss ell , dass sie im Kon ex on Pe sonal- und Fachk ä emangel zualle e s als ö en liche Ein ich ungen
de Be euung ma kie we den, sp ich sie sich an de Beschä igungs ähigkei de El e n zu o ien ie en haben
(S ichwo : Ve einba kei on Familien und Be u espek i e die E möglichung on Lohne we bs ä igkei ).
Ma c Schulz
48
2.2 Genese und Konsolidie ung eines Disku s eldes als
„Pädagogik de ühen Kindhei “
Die Bezeichnung „Pädagogik de ühen Kindhei “ is e gleichsweise neu–
mi ih wi d ein spezi ische , sei An ang de 2000e -Jah e expandie ende
Akademisie ungs- und P o essionalisie ungszusammenhang au ge u en (Fa -
enbe g 2023): Da un e läss sich ein P o ilie ungsp ojek de Disziplin as-
sen (Hechle /Hykel/Pas e nack 2021), in welchem sich Pädagogik de ü-
hen Kindhei als „e ziehungswissenscha liche Teildisziplin“ (S udiengangs ag
Päda gogik de Kindhei 2022, S. 1) e s eh und sich in S udiengängen aus-
di e enzie , die maßgeblich an Hochschulen ü Angewand e Wissenscha en
und wei aus ge inge an Uni e si ä en angesiedel sind. Fü die S udiengangs-
und P o essionsbezeichnung ha sich inzwischen wei es gehend de Beg i
„Kindhei spädagogik“ bzw. „Kindhei spädagog:in“ he ausk is allisie (ebd.).
Wäh end die akademischen Quali izie ungsbes ebungen e gleichsweise
neu sind (Cloos u.a. 2024), läss sich, his o isch be ach e , die Feldbezeich-
nung „Pädagogik de ühen Kindhei “ bis in die 1970e -Jah e de al en Bun-
des epublik zu ück e olgen. Sie e weis au die eben e wähn e subdiszipli-
nä e Ve o ung de Kinde ga en- und Kleinkindpädagogik im Kon ex de
e ziehungswissenscha lichen Disziplin: So i mie un e de Bezeichnung
die gleichnamige Kommission de Deu schen Gesellscha ü E ziehungswis-
senscha (DG E), die zwa sei den spä en 1970e -Jah en einen achdiszip-
linä en Aus auscho bilde (Be g/He li z/Ho n 2004, S. 47), zugleich abe ,
auch au g und ih e ge ingen bildungs-, sozial- und a bei sma k poli ischen
Ane kennung, inne halb de e ziehungswissenscha lichen Fachgesellscha
als Subdisziplin übe meh e e Jah zehn e als unbedeu end gal . Diese ge inge
wissenscha liche Au me ksamkei zeig sich exempla isch da an, dass sei dem
1978 on Raine Dollase he ausgegebenen Handbuch de F üh- und Vo schul-
pädagogik bis in die ühen 2000e -Jah e kein wei e es einschlägiges Hand-
buch e schien; es bes and o enkundig kein G und ü einen b ei en und an-
hal enden achdisziplinä en Aus ausch6, zumindes nich ohne en sp echende
bildungspoli ische Beau agung.
Es lieg aus Disziplinlogik he aus nahe, dass diese ma ginale Posi ion auch
eng mi de achgesellscha lichen G undaus ich ung de DG E zu Bildungs-
agen ko espondie , denn: Auch wenn die jeweiligen Kommissionen und
6 Dies schläg sich in den Mi gliede zahlen de DG E-Kommission niede : Eines de G ündungsmi gliede ,
Ludwig Liegle, be ich e e, dass diese an änglich bei un e 30, übe 20 Jah e und bis Ende de 1990e -Jah-
e un e 60 lagen und ab Beginn de 2000e -Jah e sp ungha s iegen – inzwischen au knapp 500 Mi -
gliede . Dies läss sich nich ausschließlich da übe e klä en, dass die DG E inzwischen auch assoziie e
Mi gliede , d.h. Pe sonen, die sich wissenscha lich du ch eine P omo ion p o ilie en, au nimm .
49
Teil I | 2 Vom Ve sp echen de E möglichung eine Bildungskindhei
Sek ionen du chaus di e gen e und sich gegensei ig ausschließende Au -
assungen on Bildung e e en, so inde quan i a i be ach e die e zie-
hungswissenscha liche Schwe punk se zung mi dem Beginn de o malen
Bildungslau bahn s a , d.h. mi dem Einse zen de Schulp lich . Die Päda-
gogisie ung on Kindhei e häl ab de mi le en Kindhei , also dem Ein-
i in die G undschule, eine achdisziplinä hohe Au me ksamkei du ch
die (G und-)Schulpädagogik, und dies spiegel sich in eine gesellscha lichen
und poli ischen Au me ksamkei gegenübe dem ö en lichen Au wachsen am
O de Schule wide , bis hinein in ein eigens ändig hie ü zus ändiges Bil-
dungs- bzw. Kul usminis e ium. Die ühe Kindhei hingegen wa als Ziel-
g uppe soziale Diens leis ung bzw. des ö en lichen Au wachsens bis in die
spä en 1990e -Jah e ausschließlich im subdisziplinä en Be eich de Sozial-
pädagogik espek i e eine Kleinkind- und Kinde ga enpädagogik e o e .
Diese inde in Kindhei sins i u ionen s a , die, wenn übe haup , den S a us
on non- o malen Bildungsins i u ionen innehaben und ech lich be ach e
nich Teil des Bildungs- und dami des Schulsys ems, sonde n des Sozial- und
dami des Kinde - und Jugendhil esys ems sind.
Insgesam läss sich also es s ellen, dass ö en liche Ins i u ionen, die mi
de Kleinkind- und Vo schulpädagogik in Ve bindung geb ach we den, his-
o isch be ach e be ei s sei länge e Zei schon E b inge innen soziale
Diens leis ungen sind, welche sowohl Regelangebo e de Kinde agesbe eu-
ung als auch eine Beglei ung de E ziehung in de Familie um assen (Kon ad
2015). Diese Pe spek i ie ung läss sich eine ehe sozialpädagogisch kon-
no ie en Kindhei spädagogik zuo dnen, welche die gesellscha lichen Be-
dingungen ins i u ionellen Au wachsens und die dami e bundenen Be-
euungs- und E ziehungse o de nisse e lek ie . So konno ie , wu de die
Kindhei spädagogik inne halb on achwissenscha lichen Zusammenhängen
als ein subdisziplinä es P ojek ma ginalisie . E s du ch die e gleichsweise
neue Funk ionszuweisung de Bildungsbedeu samkei diese ins i u ionell-
pädagogischen Angebo e expandie das subdisziplinä e P ojek de Kind-
hei spädagogik. Dies häng dami zusammen, dass die o angige S ellung
o male Bildung gegenübe non- o male Bildung mi de Jah ausendwende
inso e n b üchige wi d, als im Zuge de Globalisie ung und Ökonomisie ung
on Bildung bildungspoli isch ‚e kann ‘ wu de, dass de o male Bildungssek-
o no wendige weise au die Leis ungen des non- o malen Bildungssek o s
angewiesen sei.
Die Eingliede ung de auße schulischen O e in diese bildungspoli i-
schen Übe legungen is jedoch kein spezi isches, au die Kindes agesein ich-
ungen ode die ühe Kindhei bezogenes Phänomen, ielmeh läss sich das
In e esse an eine Ve messung des jeweiligen Bildungsgehal s im Zuge de
Ma c Schulz
50
Human essou cen o ien ie ung que du ch alle O e bzw. Se ings on Kind-
hei und Jugend inden: So ge a en nich nu alle Ein ich ungen de Kinde -
und Jugendhil e in die empi ische Ausleuch ung ih es möglichen Bildungs-
gehal s im Sinne o male und non- o male Bildungsse ings, sonde n auch
Pee s, Familien und F eizei o e on He anwachsenden we den hinsich lich
in o melle und o melle Bildungsmodi be ag (Schulz 2020). Au die ü-
he Kindhei bezogen, ge a en o - und nebenschulische Leis ungen (exempla-
ische S ichwo e hie zu: Kompe enze we b on Vo schulkinde n im Kin-
de ga en, kompensa o ische Bildung in de Kinde - und Jugenda bei ; gl.
hie zu Schulz 2020) sowie bildungsbezogene Ne zwe ke (S ichwo Bildungs-
landscha ; gl. hie zu Koch/Schulz 2018) in den bildungspoli ischen Blick.
Diese nunmeh ehe schulpädagogisch-didak isch ausge ich e e Kindhei s-
pädagogik leg ih en Fokus au ühkindliche Bildung und die Ane kennung
de „Tagesein ich ungen ü Kinde als e s e S u e des Bildungswesens“ (Liegle
2008, S. 86). Ku zum: E s mi de ges eige en gesellscha lichen und bil-
dungspoli ischen Au me ksamkei sei Beginn de 2000e -Jah e wu de die-
se wissenscha liche Au s ieg eine Idee on ins i u ionelle Bildung o und
neben dem Schulsys em möglich; o allem ü den Be eich Kinde ages-
ein ich ungen expandie diesbezüglich die wissenscha liche Au me ksam-
kei (Neumann 2019). Au ällig is bei diesem Disziplinp o ilie ungsp ojek ,
dass– o z de be ei s damaligen o mal ech lichen Gleichs ellung– die Kin-
de agesp lege nich explizi in dieses P ojek einbezogen wi d.
Die wissenscha liche Expansion is olglich ausschließlich du ch die poli-
ische Au me ksamkei ( espek i e Mi el luss) möglich gewo den: Spä es ens
ab Beginn de 2000e müssen de mi ungewöhnlich hohen ö en lichen und
p i a wi scha lichen Ressou cen angeschobene Au - und Ausbau des kind-
hei spädagogischen Feldes sowie die dami einhe gehende poli ische und öko-
nomische Au me ksamkei als Teil de sozialin es i en Poli iks a egie einge-
o dne we den, die den ak i en, d.h. ü so genden, Wohl ah ss aa sukzessi
du ch einen ak i ie enden Sozials aa e se z . Diese S a egie wu de maßgeb-
lich on An hony Giddens in De D i e Weg (1999) disku ie und im Sch ö-
de -Blai -Pape De Weg nach o n ü Eu opas Sozialdemok a en (Sch öde /
Blai 1999) als sozialdemok a ische Agenda ausbuchs abie .
De ak i ie ende Sozials aa zeichne sich da übe aus, dass e den Ausbau
on Sozialleis ungen un e dem Mo o de Solida i ä zwa deu lich o an-
eib , wie e wa den quan i a i en Ausbau ühkindliche Be euungsangebo e,
diese Leis ungen abe da an koppel , die Indi iduen e s ä k in die P lich
nehmen zu wollen (Giddens 1999, S. 81). Auch die Expansion de Pädagogik
de ühen Kindhei als ein Disziplinp o ilie ungsp ojek is ein Resul a die-
se T ans o ma ion: In de Kopplung on Bildung und Kindhei bündel de
51
Teil I | 2 Vom Ve sp echen de E möglichung eine Bildungskindhei
Sozialin es i ionss aa en sp echende Au me ksamkei en und Ressou cen und
e möglich den Au - und Ausbau eine kindhei spädagogischen In as uk u ,
die e s eine Disziplinbildung de Pädagogik de ühen Kindhei als wissen-
scha liches In es men p o i abel e scheinen läss . Folglich is die Pädagogik
de ühen Kindhei on poli ischen und ökonomischen Bes ebungen gleich-
alls ge o m und he ausge o de , was sich in eine Reo ganisa ion und Neu-
o ien ie ung de achdisziplinä en Deba e niede schläg .
2.3 Wissensp oduk ion im Disku s eld „Pädagogik de ühen
Kindhei “
Diese on poli ischen und ökonomischen Bes ebungen gleich alls ge o m e
als auch he ausge o de e Disziplinbildung eine Pädagogik de ühen Kind-
hei e e ie , wie be ei s angedeu e , au e schiedene Logiken, die on all-
gemeinpädagogischen, e ziehungswissenscha lichen, sozial- und schulpäda-
gogischen, be eichsdidak ischen bis hin zu en wicklungspsychologischen und
kogni ionswissenscha lichen Impulsen und Wissensbes änden eichen. Au
heo e isch-konzep ionelle Ebene konku ie en diese Pe spek i en zwa bis-
weilen, dennoch scheinen sie zusammengehal en zu we den– sie o mie en
sich ehe locke e bunden und mi un e schiedliche Nähe um den no -
ma i en Bezugsho izon de ‚Bildung‘ als „hegemoniale[ ] Re e enz“ (Je gus/
Thompson 2017, S. 2). Ih e un e schiedlichen wissenscha lichen Beg ün-
dungen sind nich zwingend „au ein einhei liches p og amma isches Konzep
on Bildung“ (ebd.) zugeschni en, also nich im Sinne eines „einhei lichen
gegens ands heo e ischen Re e enzpunk es“ (Je gus/Thompson 2017, S. 3),
sonde n zeigen ielmeh ih e Nü zlichkei in de „Möglichkei de Mobilisie-
ung und Ve bindung seh un e schiedliche Elemen e, [de ] Ve sch änkung
on Wissenscha , Poli ik und P axis“ (ebd.). Dies läss sich am Publika ions-
geschehen, als einem zen alen Teil on Wissenscha , konk e nach ollziehen
( gl. auch Fa enbe g 2024).
So kann de on den damaligen Sp eche innen und Sp eche n de DG E-
Kommission „Pädagogik de ühen Kindhei “ Lilian F ied, Ba ba a Dip-
pelho e -S iem, Michael-Sebas ian Honig und Ludwig Liegle e ass e Band
Ein üh ung in die Pädagogik de ühen Kindhei (F ied u.a. 2003) als maß-
gebliches Elemen de G ündungse zählung eine wissenscha lich undie -
en Pädagogik de ühen Kindhei gel en. Dieses Selbs e s ändnis eine
nachhal igen Gül igkei läss sich auch in ih e Zwei e we ung als Ku z-
leh buch (F ied u.a. 2012) ablesen. Ge ade weil die Au o enscha in beiden
Bänden keine Sys ema ik ans eb , sonde n mi den ie Themen Kind und

Ma c Schulz
52
Kindhei , pädagogische P og amme bzw. Konzep e, pädagogische Ins i u-
ionen sowie P o essionalisie ung bzw. P o ession lose e koppelba e Ele-
men e o leg , die mi de Re e enz ‚E möglichung on Bildungskindhei ‘
zusammengehal en we den, e ablie sie dami auch die Fo m diese Neu-
g ündungse zählung mi . Anhand on wei e en disku skon u ie enden Bän-
den wie e wa Wel en de Bildung in de Pädagogik de ühen Kindhei und in
de Sozialpädagogik (Liegle/T ep ow 2002), de als Tagungsband de DG E-
Sek ion Sozialpädagogik und Pädagogik de ühen Kindhei e schienen is ,
Bildung und Kindhei . Pädagogik de F ühen Kindhei in Wissenscha und
Leh e (Thole u.a. 2008), he ausgegeben on de DG E gemeinsam mi de
Robe Bosch S i ung, ode Theo e ische Zugänge zu Pädagogik de ühen
Kindhei . Eine k i ische Ve gewisse ung (Die ich/S enge /S ie e 2019) läss
sich diese Mobilisie ung und Ve bindung seh un e schiedliche Elemen e
in de Fo m on Ve koppelung on ühe Kindhei , Theo ieaus ich ung
und Disziplinbildung du ch empi ische Fo schung und g undlagen heo-
e ische A bei en wei e nachzeichnen– zu de schließlich die in e na io-
nale disziplinä e Ve o ung und Ausweisung gehö (Bloch u.a. 2022), wie
sich u.a. in de beg i lichen Adap ion on „Ea ly Childhood Educa ion
and Ca e (ECEC)“ als „F ühkindliche Bildung, Be euung und E ziehung
(FBBE)“ zeig .
Die Publika ionslandscha zeichne sich du ch eine inhal liche He e oge-
ni ä aus, die in ih e no ma i en Bindungsk a eine spezi ische P oduk i i-
ä ausweis : Au ällig is , dass Publika ionen in ih en Ti eln häu ig mi den
Chi en de Ve gewisse ung, He aus o de ung, Kon inui ä und des Wandels
sowie de Re lexion a bei en (Bu gha d u.a. 2023; Cloos u.a. 2023; Bloch
u.a. 2020; Die ich/S enge /S ie e 2019). Diese Chi en we den sowohl au
Theo ie- und Fo schungsa bei en als auch au die Feldexpansion bezogen. Alle
Ti el signalisie en den Konsens zu Re o m, konk e : de Siche ung on Kon-
inui ä und de E möglichung on Wandel. Dies läss sich als ein doppel es
Sp echen deu en, sowohl in die subdisziplinä e Scien i ic Communi y hinein
als auch nach außen e wei e , sowohl in den disziplinä en als auch in den
poli ischen Raum hinein. So müssen sich die wissenscha lichen Impulse und
Wissensbes ände selbs legi imie en und im Wissenscha sdisku s bewäh en
sowie ih e jeweiligen Bei ags ähigkei en und Nü zlichkei en au zeigen, o i-
en ie am Bekenn nis de Be eiligung an Re o mie ungsbemühungen. Da in
wi d die sozialpädagogisch einge ä b e Kleinkind- und Kinde ga enpädago-
gik, ü die – übe spi z gesag – eine Ausbildung an Fachschulen zu genügen
schein , abgeblende zuguns en eine Pädagogik, die Bildung in de ühen
Kindhei als anso ganisa ionales P ojek e s eh , in de eine Akademisie-
ung als no wendige Konsequenz e schein .
53
Teil I | 2 Vom Ve sp echen de E möglichung eine Bildungskindhei
Am Publika ionsgeschehen läss sich jedoch nich nu die Fo m de e le-
xi en Disziplinbildung beobach en, sonde n auch de en Inhal : die Fokussie-
ung des Modus de P o essionalisie ung du ch Akademisie ung. Sowohl ü
Ak eu e im Sozial-, abe insbesonde e im Bildungsbe eich is P o ession die
zen ale „Fo mel ü S eige ungsmöglichkei en“ (Reh 2004, S. 359), die sich
an de e heblichen Expansion p o essionsbezogene Disku se in de Leh e -
ausbildung nachzeichnen läss , an die sich wiede um wei e e S eige ungsmög
-
lichkei en koppeln, e wa die Op imie ung o ganisa ionale Rahmenbedin-
gungen, die nach ägliche Ve wissenscha lichung pädagogische Konzep e
ode die Didak isie ung ele an e Bildungsbe eiche, abe auch die S eige-
ung de kompe en en Beglei ung on indi iduellen Bildungs- und En wick-
lungsp ozessen (ebd.). De englischsp achige Band Ea ly Childhood Educa-
ion in Ge many – Explo ing His o ical De elopmen s and Theo e ical Issues
(Bloch u.a. 2022)7 is o dem Hin e g und diese S eige ungslogik zwei ach
au schluss eich: E ich e sich e s ens an ein in e na ionales Fachpublikum
und e o e dami eine deu schsp achige Disku slandscha de Pädagogik
de ühen Kindhei in e na ional in ih e Anschluss ähigkei und Spezi ik,
sp ich in eine Dialek ik on Kon e genz und Di e genz. Zwei ens is da in
die disziplinä e Schwe punk se zung au F agen de S eige ung on P o es-
sionalisie ung/P o essionali ä eingelassen: Wäh end in d ei Kapi eln zen ale
heo e ische Pe spek i en, Ak eu e und Ins i u ionen o ges ell und dami
höchs di e en e Wissensbes ände komp imie we den, wi d im ie en Ka-
pi el de Auseinande se zung mi P o essionalisie ung Raum gegeben, au -
geschlüssel in die Aspek e8 „P o essionalisie ungsdisku s mi seinen sozial-
wissenscha lichen Bezügen“ (Cloos/Faas 2022), „Kompe enzo ien ie ung als
Schlüsselbeg i in P o essionalisie ungs- und Quali ä sen wicklungsp ozes-
sen“ (Nen wig- Gesemann/F öhlich-Gildho 2022), „Handeln inmi en on
Wide sp üchen: Fo schungspe spek i en au Spannungs elde in de p o es-
sionellen P axis“ (Bischo -Pabs /Cloos 2022) und schließlich „E idenz- und
e izienzbasie e P o essionalisie ungsmodelle– Wie agen sie zu Ve besse-
ung de ühkindlichen Bildung bei?“ (F iede ich/Schelle 2022). Diese A
de e mi el en Schwe punk se zung zeig also au , dass die Einwi kung au
die Kon u ie ung des Feldes o allem übe die Chi e „P o ession(alisie-
ung)“ und ih e e lexi e wissenscha liche Beglei ung und Kommen ie ung
ollzogen we den soll und wi d.
7 Als Vo s andsmi glied de DG E-Kommission bin ich Mi he ausgebe und -au o .
8 Eigene Übe se zungen de englischsp achigen Ti el.
Ma c Schulz
54
2.4 Fo schung und Felddynamik in de Pädagogik de ühen
Kindhei
Abschließend soll die F age nach de Wissensp oduk ion und -kommunika-
ion noch au den Zusammenhang on Fo schung und Felddynamik ge ich e
we den: Wenn de wissenscha liche Disku s um eine Pädagogik de Kindhei
subdisziplinä nich on de Sozialpädagogik, de Schulpädagogik ode eine
ande en Disziplin ablei ba is , sonde n on mul idisziplinä en Auseinande -
se zungen gep äg sein muss, so schläg sich dies au die Fo schungskul u
niede . Dies läss sich exempla isch beobach en am deu lich länge lau enden
Disku s de Sozialen A bei in ih em Ve häl nis on Disziplin und ih genu-
in zuzuo dnende Fo schung, welche eben alls on eine hohen Dispa i ä an
Theo iezug i en gep äg is . Hie zeichnen sich schon sei Langem p agma-
ische und wenige sys ema ische Lösungen ab, indem Fo schung pe o ma-
i kenn lich gemach wi d ‚als de Sozialen A bei zugehö ig‘ bzw. behaup e
wi d, dass sie dazugehö e, da „bei allem sys ema ischen Unbehagen b auch-
ba e Al e na i en zu einem solchen P agma ismus ehlen, allzumal ande e
Disziplinen kaum ande s e ah en, gleich ob sie den Na u -, den Geis es-
ode den Sozialwissenscha en zuge echne we den“ (Winkle 2005, S. 18).
Zugleich läss sich Fo schung als ein zen ale Modus de Feldkons uk ion
bzw. Feldkon u ie ung beg ei en– Fo schung beobach e olglich nich be ei s
o handene Einhei en, sonde n s ell diese als o schungs ele an e Felde e s
he . Dass Tä igkei s elde wie Kinde agesp lege übe eine länge e Zei kei-
nen Niede schlag in de Fo schung ge unden haben, d.h. als Fo schungs eld
nich he ges ell wu den, wu de be ei s zu o hema isch. Zugleich sind diese
A bei s- und Tä igkei s elde selbs dynamisch, da sich die Angebo e en lang
gesellscha liche He aus o de ungen und Beda e e ände n, ans o mie en
und neu o mie en. Hie lassen sich e schieden gelage e Beispiele des e -
gangenen Jah zehn s au u en: e s ens die Expansion klassisch ühpädagogi-
sche Ke nins i u ionen wie die En wicklung on de Kinde agesein ich ung
zum Familienzen um; zwei ens die Ein üh ung s uk u analoge Ins i u ionen
wie beispielsweise Familienzen en, die Kinde und ih e El e n o de G und-
schule ansp echen, und Familieng undschulzen en ode das Angebo de Ki a-
Soziala bei analog zu Schulsoziala bei und schließlich d i ens die Neuein-
gliede ung on Angebo en wie den F ühen Hil en ode de Ganz agsbildung.
O enkundig gene ie de P axiszusammenhang nich nu die Auswei ung
on Tä igkei s elde n ( gl. z.B. Helm/Schwe ege 2016), ielmeh e g ö-
ße sich auch die Zus ändigkei ü e schiedene Al e sg uppen und um ass
den Zei aum on de Gebu bis mindes ens zum Ende de G undschule,
s ell also au die Lebensphase Kindhei ab und wi d zu einem Disziplinp o-
55
Teil I | 2 Vom Ve sp echen de E möglichung eine Bildungskindhei
jek eine „Pädagogik de Kindhei “. Dami e odie en gleichzei ig (sub)dis-
ziplinä e G enzziehungen zwischen den e schiedenen Pädagogiken, wenn
o iginä sozialpädagogisch konno ie e A bei s- und Tä igkei s elde de Kin-
de - und Jugendhil e on de Pädagogik de ühen Kindhei disziplinä in
Ansp uch genommen we den– mi ih en un e schiedlichen Konno a ionen
on Be euung, Bildung und E ziehung sind sie bildungs- und e ziehungs he
-
o e isch un e schiedlich ge ahm . Diese Dynamik e möglich , das bislang dis-
ziplinä ehe in de G undschulpädagogik e o e e Feld de Ganz agsg und-
schulen nunmeh als zwei e Ke nins i u ion ü die Kindhei spädagogik zu
beansp uchen (S udiengangs ag Pädagogik de Kindhei 2024), die spä es ens
mi dem Rech sansp uch au Ganz agsbildung ab 2026 zu einem quan i a i
gewich igen Feld we den.
Im Zuge de dynamischen En wicklungen inne halb des P axiszusammen-
hangs e ände sich abe auch de heo e ische Zuschni des Disziplinp o-
ilie ungsp ojek s: Wenn wei e e o - und nebenschulische Ins i u ionen, die
eils be ei s als genuin sozialpädagogisch heo e isch ge ahm wu den, on de
Pädagogik de ühen Kindhei als Teil ih es Disziplinp o ilie ungsp ojek s in
Ansp uch genommen we den, muss neben ih em lebensal e spezi ischen Kon-
zep on Bildung adäqua das Spezi ikum de Lebenslage in eg ie we den.
2.5 Eine Bilanzie ung: das Disku s eld und dessen
P axiszusammenhang
Sei de Jah ausendwende lassen sich deu liche Abse zungsbewegungen ge-
genübe eine sozialpädagogisch konno ie en Kindhei spädagogik mi ih-
e s a ken Akzen se zung au G uppenpädagogik und E möglichung el e -
liche E we bsa bei du ch die ö en liche Be euung de Kinde zuguns en
eine an indi iduellem Bildungse we b und -au s ieg jedes einzelnen Kindes
ausge ich e en Pädagogik de ühen Kindhei nachzeichnen ( gl. z.B. Reye /
F anke- Meye 2019). Wäh end sozialpädagogische Pe spek i en au ins i-
u ionalisie e Kindhei das Doppelp ima Hil e und Bildung eldspezi isch
ausdi e enzie en, gehen schul- und allgemeinpädagogische Pe spek i en s ä -
ke on de an h opologischen P ämisse aus, im Sinn on Lebensal e ühe
Kindhei als eigens ändige Bildungsphase zu be ach en. Pädagogik de ü-
hen Kindhei g enz sich da in auch on de ‚al en‘ Kinde ga en- und Klein-
kindpädagogik ab, indem sie die Viel al de Ins i u ionen des Au wachsens
und die Bedingungen des Au wachsens b ei e zu in eg ie en e such , und
zugleich ing sie um ih e subdisziplinä e Iden i ä und Rela ionie ung zu be-
nachba en (Sub-)Disziplinen.

63
3 Auße amiliale Tagesbe euung ü Kinde
un e d ei Jah en in den 1970e -Jah en
Die Rolle des „Modellp ojek s Tagesmü e “
Dominik Hank
3.1 Einlei ung
Die Kinde agesp lege in de Bundes epublik Deu schland is ein noch junges
Phänomen mi eine dynamischen Geschich e. Wie äl e e his o ische A bei en
bezeugen (Kolbe 2002; Pa e ak 1999), kann als ih Ausgangspunk das wes -
deu sche „Modellp ojek Tagesmü e “ (1974–1979) gel en, du ch das sich
die Kinde agesp lege aus dem Feld de Familienp lege e s mals he ausschäl e.
Angesich s on Un e suchungse gebnissen aus dem P ojek „Von de No hil e
zu Bildung. Die gesellscha liche Wah nehmung de auße amilialen Tages-
be euung ü Kinde un e d ei Jah en in Deu schland sei den 1970e Jah-
en“ (2020–2024) schein die olle Bedeu ung des Modellp ojek s nich nu
ü den Be eich de Kinde agesp lege, sonde n ü die gesam e auße amiliale
Tagesbe euung ü Kinde un e d ei Jah en abe un e schä z . Neben eine
Da s ellung des gesellscha lichen Kon ex s des Modellp ojek s und seines Ab-
lau s, a gumen ie de Bei ag dahe , dass das Modellp ojek als die Ini ial-
zündung de wes deu schen pädagogischen Beschä igung mi dem Be eich
de auße amilialen U3-Be euung be ach e we den kann. Wa en die Kon-
sequenzen ü die P axis de Kinde agesp lege nach Abschluss des Modellp o-
jek s auch limi ie , wu de hie dennoch e s malig deu lich, dass eine pädago-
gisch ausges al e e und mi (sozial-)pädagogischen Un e s ü zungs angebo en
ausges a e e Fo m de Kinde agesbe euung ein legi imes Feld ühkind-
liche Sozialisa ion sein konn e.
3.2 Kon ex e
Wenn auch nich unums i en, so s and doch zu Beginn de 1970e -Jah e
die amilien- und jugendhil epoli ische Ges al ung de ühen Kindhei in de
al en Bundes epublik noch deu lich im Zeichen de No malisie ungsbemühun-
gen nach dem Zwei en Wel k ieg (Mie endo /Olk 2007, S. 551). Dies üh -
e zu eine äuße s es ik i en Kinde be euungspoli ik: So exis ie en Ende
Dominik Hank
64
1973 in de al en Bundes epublik 653 Kinde k ippen mi 20.428 e ügba en
Plä zen (S a is isches Bundesam 1974, S. 792). Die Zahl de P legekinde in
Familienp lege lag bei 66.570 (S a is isches Bundesam 1974, S. 790), wobei
hie wede nach Al e de Kinde noch nach A des P lege e häl nisses di e-
enzie wu de. Eine angesich s diese Limi ie ungen du chge üh e Jugend-
am sbe agung kam zu dem E gebnis, dass sich un e diesen 66.570 Kinde n
bundeswei 5.329 Kinde un e d ei Jah en in ö en lich egis ie en Kin-
de agesp lege e häl nissen be anden. Da jedoch eine bedeu ende Anzahl an
Jugendäm e n keine lei Kinde agesp leges ellen melde e, wu de zudem on
eine hohen Dunkelzi e ausgegangen (Wend 1975, S. 179).
Ungeach e diese Einsch änkungen wi d deu lich, dass die Möglichkei en
eine auße amilialen Tagesbe euung ü Kinde un e d ei Jah en zu Beginn
de 1970e -Jah e äuße s limi ie wa en. K ippenplä ze wa en kaum o han-
den und au die G oßs äd e Be lin, Hambu g und München konzen ie , in
denen sich und zwei D i el de Ein ich ungen be anden (Schneide 2010,
S. 135). Die Kinde agesp lege wa dagegen kaum en wickel und wie die S u-
die on Wol Raine Wend (1975) illus ie , ü die Jugendäm e selbs o -
mals ein weiße Fleck au de Landka e. Addie man die Ende 1973 e üg-
ba en Plä ze in Kinde k ippen zu Wend s E gebnissen, dann wi d angesich s
de 1973 in de Bundes epublik lebenden 2.070.733 Kinde un e d ei Jah-
en (S a is isches Bundesam o.J.) die Be euungsmise e iele El e n deu lich:
Lediglich 1,2 P ozen de Kinde un e d ei Jah en wu den in eine ö en lich
egulie en Ins i u ion be eu .1
Diese es ik i en Kinde be euungspoli ik ko espondie e in de wissen-
scha lichen Diskussion eine skep ische bis ablehnende Hal ung zu E we bs-
ä igkei on Mü e n mi kleinen Kinde n und de en „pa hogenisie ende[ ]
Beglei ums ände“ (Pa e ak 1999, S. 177), de E sa zbe euung mi einhe -
gehende Mu e -Kind-T ennung. Besonde s die damalige Familiensoziologie
s ü z e diese Annahmen, indem sie in empi ischen Un e suchungen au die
P oblema ik diese Kons ella ion hinwies. So schluss olge e O o Speck nach
Un e suchungen an Münchne Schüle innen und Schüle n sowie Familien
mi e we bs ä igen Mü e n, dass „Kinde e we bs ä ige Mü e (…) g und-
sä zlich in die Ka ego ie de Kinde aus ges ö en Familien einzu eihen [sind;
D. H.]“ (Speck 1956, S. 127). Auch die deu lich nuancie e e S udie on
Elisabe h P eil (1961) zu den Mo i en e we bs ä ige Mü e wa noch on
eine e heblichen Mü e zen ie ung und de Übe zeugung de Schädlichkei
1 Um den eno men Wandel au dem Feld de U3-Be euung zu e deu lichen: Im Jah 2023 lag die Be eu-
ungsquo e in de Bundes epublik bei 36,4 P ozen ; e wa 856.000 Kinde wu den in Kinde agesein ich-
ungen ode in de Kinde agesp lege be eu (Des a is 2023).
65
Teil I | 3 Auße amiliale Tagesbe euung ü Kinde un e d ei Jah en in den 1970e -Jah en
alle Fo men on E sa zbe euung gep äg : „Selbs wenn das Wo ‚E sa z‘-
Be euung du chaus nu als we eie echnische Te minus gemein is , so
e weck es na ü lich Assozia ionen des Un ollkommenen – und e mu lich
zu Rech “ (P eil 1961, S. 343). Dennoch kam die S udie nich umhin es -
zus ellen, dass Mü e nich nu aus ökonomischen No wendigkei en, son-
de n auch au g und e ände e Geschlech e ollen e we bs ä ig wa en (P eil
1961, S. 78–79).
In diese gesellscha lichen Gemengelage e schien in de F auenzei sch i
B igi e im Janua 1973 ein A ikel übe das schwedische Modell de Dag-
mammas mi de Übe sch i : „Wi o de n einen neuen Be u : Tagesmu e “
(Pape 1973b, S. 48 .). Da in wu de übe das 1969 in Schweden einge üh e
Modell de Tagesmu e als Be u be ich e . Anhand eine Gegenübe s ellung
wu de au die Schwächen de damaligen Kinde agesp lege in de Bundes-
epublik Deu schland hingewiesen: Kaum o handene Plä ze, wenig ö en -
liche Zuschüsse und keine Ausbildung de P legemü e , die ih e Tä igkei
ohne Sozial e siche ung und U laubsansp uch nachgingen. Un e Bezug au
die desola e Be euungssi ua ion on Kinde n e we bs ä ige Mü e in de
Bundes epublik in Kinde gä en sowie das Fehlen on Ganz agsschulen wu -
de le z lich die Au we ung de wes deu schen Kinde agesp lege zu Tages-
mu e nach schwedischem Vo bild ge o de .
Diese A ikel wa de Anlass zu G ündung zahl eiche lokale Ini ia i -
g uppen in de Bundes epublik, de en Mi gliede en wede an eine Tä ig-
kei als Tagesmu e in e essie wa en ode abe nach eine Be euungsmög-
lichkei such en (A bei sg uppe Tagesmü e 1977, S. 65). Die Redak ion de
B igi e beglei e e die ini iale Fo de ung nach de Ein üh ung de Tagesmü e
publizis isch in eine ganzen A ikel eihe und dien e dabei eben alls als zen-
ale Anlau s elle ü In e essen en, die Name und Ansch i in de Zei ung
abd ucken lassen konn en, um so wei e e El e n ode po enzielle Tagesmü e
in ih e Umgebung zu inden ode gemeinsam eine Ini ia i e zu g ünden. Die
B igi e wies da au hin, dass man nich wa en müsse, bis sich e s die Poli ik
zu Au we ung de Kinde agesp lege du chge ungen hä e, ielmeh ginge
es nun da um, die Dinge selbs in die Hand zu nehmen: „Wenn es Ihnen o
allem da um geh , einen ane kann en Be u mi eigene K anken-, Un all-,
In aliden- und Ren en e siche ung zu haben – a bei en Sie Bonn en gegen!
Se zen Sie sich ak i ein. Leis en Sie Pionie a bei ü den Be u Tagesmu e !“
(Pape 1973a, S. 185).
Im damaligen Bundesminis e ium ü Jugend, Familie und Gesundhei
(BMJFG) wu den diese Ak i i ä en g undsä zlich wohlwollend au genom-
men, alle dings lehn e man die aus dem schwedischen Modell übe nom-
mene kindliche Al e sg enze on zehn Jah en ab. Wie A chi un e lagen zu
Dominik Hank
66
en nehmen is , soll e s a dessen die „Bedeu ung des G undgedankens ü
amilien poli ische Belange (…) du ch besonde e Hinweise au die P obleme
im Kleins kindal e he ausges ell we den“.
2
Hin e g und diese Eing enzung
wa die Auseinande se zung im BMJFG mi den ühpädagogischen Implika-
ionen des S uk u plans ü das Bildungswesen on 1970, in dem zwa de mas-
si e Ausbau on Kinde ga enein ich ungen ge o de , die e s en d ei Lebens-
jah e on den Re o m o schlägen abe ausgeklamme wu den (Deu sche
Bildungs a 1970, S. 40). In einem 1972 – also be ei s o dem hema ischen
Au schlag in de B igi e – e ö en lich en Au sa z in de Fachzei sch i Theo-
ie und P axis de Sozialen A bei (TUP) k i isie en Re e en innen und Re e-
en en des BMJFG diese nu zu bekann e Familienzen ie hei in den e s en
Lebensjah en und e wiesen au ein s uk u elles amiliä es Sozialisa ions-
de izi , das eine g oßen Anzahl an Kinde n eine gelingende Sozialisa ion
e schwe en wü de (Henke/Kosmale/Spindle 1972, S. 140). Nachdem die
bishe igen Möglichkei en zu auße amilialen Be euung on Kinde n un e
d ei Jah en eine Reihe quali a i e und/ode quan i a i e P obleme au wie-
sen, schlugen die Au o innen und Au o en die Scha ung eine „P lege mu e
neuen Typs“ (Henke/Kosmale/Spindle 1972, S. 143) o . Konk e soll en
Kinde agesp leges ellen in Haushal en on Mü e n einge ich e we den, die
selbs ein Kleins kind zu be euen ha en. Diese soll en sich ü e wa d ei Jah-
e de E ziehung d ei bis ie wei e e gleichal ige Kinde und zum Ve zich
au eine E we bs ä igkei e p lich en. Die Tä igkei soll e inanziell en lohn ,
om Jugendam kon ollie und mi eine Schulung o be ei e we den. Die-
se Au sa z lös e zwa keine de a ige ö en liche Resonanz aus wie die B i gi e
ku ze Zei spä e , scha e es jedoch als Anlage in den amilienpoli ischen En -
wu de SPD on 1972, in dem nun eben alls neue Fo men de Kinde ages-
p lege ge o de wu den.3
Angesich de du ch die B igi e ku ze Zei spä e ausgelös en bundeswei en
Ak i i ä en kons i uie e sich im Bundes amilienminis e ium im Ap il 1973
eine P ojek g uppe Tagesmü e , an de auch zwei de Au o en des Au sa zes
in de TUP be eilig wa en. Diese sah in dem A ikel in de B igi e und in
den dadu ch en s andenen lokalen Ini ia i g uppen eine güns ige Gelegen-
hei , ih en eigenen Vo schlag zu e wi klichen.
4
Dami zeig sich, dass die
G ündungsgeschich e des Modellp ojek s komplexe is , als o mals übe lie-
2 P ojek g uppe I (1973, 04. Mai). Ve me k zum S and de A bei en in de P ojek g uppe „Tagesmü e “.
BA ch, 189/6119, S. 8.
3 SPD (1972): Familienpoli ik de Sozialdemok a ischen Pa ei Deu schlands – En wu –. BA ch, 189/6117,
S. 39.
4 P ojek g uppe „Tagesmü e “ (1973, 15. Mai): P o okoll übe die 3. G uppenbesp echung am 14.5.1973.
BA ch, 189/6117, S. 95–96.
67
Teil I | 3 Auße amiliale Tagesbe euung ü Kinde un e d ei Jah en in den 1970e -Jah en
e . Wenn exempla isch U sula T impin und Hanne Baue kons a ie en, dass
„[d]ie Repo age [in de B igi e; D. H.] eine engagie e Diskussion aus[lös-
e; D. H.], in de en Folge sich übe ün zig Ini ia i g uppen kons i uie en“
und es „[d]iesen G uppen gelang (…), in de P esse, Ö en lichkei und Poli-
ik eges In e esse ü ih e Anliegen zu mobilisie en“ (T impin/Baue 1996,
S. 527), kann hinzuge üg we den, dass die Bundespoli ik nich e s mobili-
sie we den muss e. Vielmeh sah die P ojek g uppe im BMJFG die du ch
den A ikel in de B igi e e u sach en Ak i i ä en auch als Möglichkei zu
Ve olgung de eigenen amilienpoli ischen P og amma ik an.
3.3 Kon o e sen
Im wei e en Ve lau des Jah es 1973 widme e sich die minis e ielle P ojek -
g uppe eine Vielzahl o ganisa o ische und ju is ische F agen und en wickel-
e schließlich Rahmeng undsä ze ü ein Modellp ojek , die im Janua 1974
e ö en lich wu den.5 Lau diesen Rich linien soll en Tagesmü e maximal
d ei Kinde im Al e on null bis d ei Jah en be euen, jedoch nich meh als
ie Kinde im Al e on null bis zehn Jah en, wobei hie eigene Kinde mi -
einzu echnen wa en. Die Tä igkei de Tagesmu e soll e nach de Anzahl de
Kinde en lohn we den und einen Zugang zu Teilen de Sozial e siche ung
e ö nen. Das Modellp ojek besch änk e sich nich au die Kinde be euung,
sonde n ziel e – au dem Feld de U3-Be euung ein No um – auch au eine
Fö de ung de E ziehungskompe enz de El e n, was du ch Angebo e zu
päda gogischen Wei e bildung e eich we den soll e. Zu Un e s ü zung de
Tagesmü e wa en G uppena bei en und Supe isionen on Be a e innen
und Be a e n mi (sozial-)pädagogische Ausbildung o gesehen.
Die Rahmen ich linien wa en on einem deu lich zu ückhal ende en Ton
gep äg als die Vo schläge in de B igi e ode de TUP. So wu de be on ,
dass das Vo haben wede de mü e lichen E we bs ä igkei Vo schub leis-
en solle, noch eine Schwächung des el e lichen Ve an wo ungsbewuss seins
gegenübe dem Kind zugelassen we de. Be eu we den soll en lediglich Kin-
de e we bs ä ige ode s udie ende Mü e , denen die E ziehungssi ua ion
in eine No mal amilie ande n alls ehle. In den Rahmen ich linien wa zu-
dem ein wissenscha liches Beglei p og amm en hal en, das on Fo sche in-
nen und Fo sche n am Deu schen Jugendins i u du chge üh we den soll e.
Auch hie wa eine gewisse Vo sich e kennba , wa doch eines de Ziele, „je
nach E o de nis in den wei e en Ablau ko igie end einzug ei en und Fehl-
5 BMJFG (1974, 21. Janua ): Rahmeng undsä ze ü das P ojek “Tagesmü e “. BA ch, 189/6116, S. 12–20.

Dominik Hank
68
en wicklungen ühzei ig zu e kennen bzw. zu e meiden“. Die be eu en
Kinde soll en dazu hinsich lich ih e kö pe lichen, kogni i en, sozialen und
beha io alen En wicklung un e such we den.
Wa en die Reak ionen au die Ak i i ä en de B igi e an angs noch übe -
wiegend posi i gewesen, wu den die Rahmen ich linien des BMJFG o z
ih e g undsä zlichen A i ma ion des klassischen Familienmodells schnell
Gegens and he ige Polemiken, die in ih e D as ik heu zu age schwe e -
s ändlich e scheinen. So wa n e e wa die Psychagogin Ch is a Me es in eine
Fe nsehsendung da o , dass die be eu en Kleins kinde mögliche weise zu
„Bomben mi Zei zünde n“ (Me es 1974, S. XI) we den könn en. Be nha d
Hassens ein (1974, S. 943), ein Ve hal ensbiologe, e glich das kindliche E le-
ben bei Abb uch des Be euungs e häl nisses – „mi allem nö igen Vo behal “
– mi eine Depo a ion. Als ehemen es e K i ike des Modellp ojek s a en
jedoch die pädia ischen Fach e bände au .6 In eine gemeinsamen S ellung-
nahme ih e Vo si zenden k i isie en diese, nich in angemessenem Um ang
in das P ojek einbezogen zu sein. Dabei beansp uch en sie ü die Al e sg up-
pe die achliche Zus ändigkei und monie en, dass „die mode nen wissen-
scha lichen E kenn nisse übe die seelische und kö pe liche En wicklung des
Kindes und dami die Belange de be o enen Kinde in keine Weise be ück-
sich ig[ ]“ (Schä e /Ni sch/Fölsing 1974, S. 221) wü den.
Mi den mode nen wissenscha lichen E kenn nissen bezogen sich die Pädi-
a e au die angloame ikanische Hospi alismus- und Dep i a ions o schung,
die im Ve lau de 1950e -Jah e langsam in Wes deu schland ezipie wu de
(Be h 2023, S. 139–147). Die beiden P o agonis en diese Fo schung wu -
den on den Pädia e n gegen das Modellp ojek ange üh : „Die Kinde psy-
chia e René Spi z und John Bowlby haben be ei s in den 40e Jah en und
spä e au G und on klinischen Beobach ungen au die schwe en Schäden
hingewiesen, welche die on ih en Mü e n ge enn en, in Heimen hospi a-
lisie en Säuglinge und Kleinkinde en wickel en“ (Bie mann 1974). Diese
u sp ünglich in s a ionä en Ein ich ungen zu länge is igen bis daue ha en
Un e b ingung gewonnenen E kenn nisse wu den on den Pädia e n au alle
Fo men ins i u ionelle Be euung und P lege ü Kinde un e d ei Jah en
ausgewei e . So dien en die desas ösen Bedingungen in den damaligen Säug-
lingsheimen (Be h 2023, S. 47–59) auch zu Delegi ima ion on auße ami-
liale Tagesbe euung in Kinde k ippen und bei Tagesmü e n, wie eine wei e-
e S ellungnahme de pädia ischen Fach e bände e deu lich : „Jedes Kind,
6 Auch in de Linken wa das P ojek keineswegs unums i en, da eine Rep i a isie ung de eigen lich ö -
en lich zu e ans al enden E ziehung e kann ode angeme k wu de, dass die jah elange Du ch üh ung
eines Modellp ojek s mi wenigen hunde Kleins kinde n die im Be eich de ö en lichen E ziehung d in-
gend no wendigen Re o men nu e schleppe (Schmidbaue 1975, S. 197–199).
69
Teil I | 3 Auße amiliale Tagesbe euung ü Kinde un e d ei Jah en in den 1970e -Jah en
das inne halb de e s en 3 Lebensjah e übe meh als 3 Mona e in F emd e -
so gung, das heiß nich in de eigenen Familie au wächs , muß als schwe
ge äh de es Kind angesehen we den. Schwe ge äh de e Kinde sind auch alle
Kinde , die inne halb de e s en 3 Lebensjah e on wechselnden Bezugspe -
sonen be eu we den. Das sind insbesonde e Säuglinge und Klein kinde in
Heimen, Tagesk ippen, Langzei kliniken und wechselnden P legeplä zen (z.B.
Tagesmu e -Kinde )“ (Hassens ein, B. 1974, S. 941).
Im BMJFG beha e man jedoch da au , dass „die wissenscha lichen E -
kenn nisse übe nach eilige Auswi kungen au die En wicklung des Kindes bei
E ziehung auße halb de eigenen Familie (…) wesen lich di e enzie e [sind;
D. H.] als sie om Be u s e band de Kinde ä z e da ges ell we den“.
7
Man
s ü z e sich in diese Einschä zung au ein Gu ach en on U sula Leh on 1970.
Nach eine Du chsich de bes ehenden Fo schungsli e a u zum Ein luss de Fa-
milie au den kindlichen Sozialisa ionsp ozess wies ih Gu ach en gene alisie en-
de Schluss olge ungen zu Auswi kung eine nich -ausschließlich inne amilialen
Sozialisa ion zu ück und be on e, dass das Gelingen de kindlichen En wicklung
wenige om Bes ehen eine Mu e -Kind-Beziehung abhänge als ielmeh on
aus eichende senso ische S imula ion des Kindes. Diese könne g undsä zlich
auch on ande en Pe sonen s ammen. Zu Beu eilung des Sozialisa ionskon ex-
es bedü e es dahe imme „indi iduelle Diagnose und Be a ung“ (Leh 1970,
S. 87). Die unmodi izie e Übe agung de Hospi alismus- und Dep i a ions-
o schung au die Kinde agesp lege wa demzu olge unzulässig.
Im Anschluss an die K i ik de pädia ischen Fach e bände wu den de en
Ve e e im Ap il 1974 in das Bundes amilienminis e ium eingeladen und
e eich en angesich s des Dissenses, dass einschlägige Expe innen und Expe -
en „eine Ausa bei ung o legen [sollen; D. H.], aus de zu e sehen is , was an
wissenscha lich gesiche en E kenn nissen übe die Sozialisa ion im ühen
Kindesal e zu Ve ügung s eh und wie un e Anwendung de E kenn nisse
das P ojek Tagesmü e zu beu eilen is “.8 Eine hie zu im Juli 1974 e ans al-
e e zwei ägige Fach agung in Le bach e lie ü die kinde ä z lichen Ve bän-
de jedoch en äuschend. Denn be ei s ku z o Tagungsbeginn ha e de dem
BMJFG nahes ehende Wissenscha liche Bei a ü Familien agen eine S el-
lungnahme e ö en lich , welche die K i ik am Tagesmü e p ojek zu ück-
wies. Dies üh e zu eine wei e en Beschwe de de Pädia e beim BMJFG:
„Hie d äng sich au , daß diese Wi kung on Ih em Hause beabsich ig wa .
7 BMJFG (1974, 13. Mä z): F ages unde des Deu schen Bundes ages am 13. Mä z 1974, hie : Ih e F age
N . 81. BA ch, 189/6116, S. 95.
8 BMJFG (1974, 09. Mai): Niede sch i : übe die Besp echung on F au Minis e D . Focke und den Ve e-
e n de Kinde ä z e. BA ch, 189/6116, S. 140.
Dominik Hank
70
Nu so können wi uns nämlich den Te min de P esse e lau ba ung e klä en.
O enba wa es Ih em Haus da an gelegen, unse e S immen nich zu Gehö
kommen zu lassen und nich e s abzuwa en, was die Ve handlungen in Le -
bach e b ingen wü den“.9 Das BMJFG ha e sich dami gegen die Au assung
de K i ike posi ionie .
Einen le z en Ve such un e nahmen die pädia ischen Fach e bände in ei-
nem Sch eiben an die Mi gliede des Deu schen Bundes ages im Sep em-
be 1974, in dem sie ü alle länge als d ei Mona e auße amilial be eu en
Kleins kinde eine um assende Übe wachung de psychologischen, sozialen
und beha io alen En wicklung o de en.10 Diese Maximal o de ungen e -
ie en die Di e enzen zwischen Pädia ie und Bundespoli ik wei e . Nach-
dem im BMJFG es ges ell wu de, dass au das Sch eiben de Kinde ä z e
nu zwei Pa lamen a ie mi eine Nach age beim Bundes amilienminis e-
ium eagie ha en, wu de ange eg , „diese ohnehin uch lose Diskussion“
nich wei e o zuse zen, „[d]ies abe wü de p o ozie , wenn die Kinde ä z e
du ch ein solches Sch eiben neue S ichwo e e hiel en“11 (Hank/Be h 2023,
S. 844 .). Nach diesem einsei igen Abb uch de Diskussion a das Modell-
p ojek in eine uhige e Phase ein. Die A bei an den einzelnen Modells and-
o en begann sch i weise ab Juli 1974 anzulau en (A bei sg uppe Tagesmü -
e 1977, S. 79), womi das P ojek e was aus dem ö en lichen Blick ge ie
und die Kon o e sen ab lau en.12
3.4 Konsequenzen
Wie die E gebnisse de kinde psychologischen Un e suchungen zeig en, konn-
en die aus de Hospi alismus- und Dep i a ions o schung gespeis en Vo be-
hal e hinsich lich de En wicklung de be eu en Kleins kinde bei Tagesmü -
9 Fölsing, Ku /Hellb ügge, Theodo (1974, 10. Sep embe ): Sch eiben an die Abgeo dne en des Deu schen
Bundes ages. Anlage I. B ie de Kinde ä z e an F au Bundesminis e D . Focke. BA ch, 189/15785, S. 321.
10 Fölsing, Ku & Hellb ügge, Theodo (1974, 10. Sep embe ): Sch eiben an die Abgeo dne en des Deu -
schen Bundes ages. Anlage III. Sozialpädia ische Emp ehlungen ü Säuglinge und Kleinkinde in F emd-
be euung. BA ch, 189/15785, S. 326–327.
11 BMJFG (1975, 07. Janua ): Be .: Modellp ojek “Tagesmü e “, hie : Sch eiben de Kinde ä z e an die
Abg. d. Deu schen Bundes ages. BA ch, 189/6116, S. 43.
12 Wäh end die K i ike au Bundesebene ih e Vo s ellungen somi nich du chse zen konn en, kamen sie in we-
nig spä e anlau enden Modellp ojek en zum E ziehungsgeld au Lände ebene (im 1975 begonnenen Modell-
p ojek „Mu e und Kind“ in Baden-Wü embe g und im 1978 begonnenen „Modell e such E ziehungs-
geld“ in Niede sachsen) als S ichwo gebe ode Be eilig e zum Einsa z (Hassens ein, H. 1980, S. 95; G iesinge
1977, S. 112; Schnipkowei 1977, S. 108). Au lange Sich gesehen wa en die Pädia e somi du chaus e olg-
eich: Die E gebnisse de Modell e suche bewogen wei e e Lände zu Ein üh ung eines E ziehungsgeldes und
gip el en im Bundese ziehungsgeldgese z on 1986 (aus üh lich BMJFFG 1989; Kolbe 2002).
71
Teil I | 3 Auße amiliale Tagesbe euung ü Kinde un e d ei Jah en in den 1970e -Jah en
e n nich bes ä ig we den: „Eine solche Lösung üh nich zu den eilweise
be ü ch e en Schädigungen; in manche Hinsich kann sie ü Kinde soga
ö de lich sein“ (A bei sg uppe Tagesmü e 1980, S. 17). Es zeig e sich keine
Häu ung schwe e Ve hal enss ö ungen ode ex eme En wicklungs ücks än-
de. Im Gegen eil: Die Ve b ei ung au ällige En wicklungs e läu e in eine
Kon ollg uppe mi ausschließliche Mu e be euung wide sp ach de allzu
unk i ischen Be onung des klassischen Sozialisa ionsmodells, was sich auch
ü wei e e Be eiche wie de sozialen Kompe enz und de Quali ä de Mu e -
Kind-Beziehung zeig e. Die Un e suchungen wiesen ielmeh au den Fak o
de Zu iedenhei de Mü e mi ih e Rolle hin, die lang is ig einen s ä ke en
Ein luss au die En wicklung des Kindes ausüben wü de als das Be euungsa -
angemen (A bei sg uppe Tagesmü e 1980, S. 74). Folge ich ig o de e de
Abschlussbe ich des Modellp ojek s, dass Mü e n eine Vielzahl an Lösungen
o ens ehen müss en, die sich on Kinde k ippen und Kinde agesp lege übe
die Scha ung on Halb agss ellen bis hin zu einem E ziehungsgeld ü dieje-
nigen Mü e , die sich ausschließlich um ih e Kinde kümme n woll en, e -
s ecken soll en. Wu den die Kinde agesp leges ellen mi en sp echenden
(sozial-)päda gogischen Un e s ü zungs- und Beglei angebo en ausges al e
(Ma in 1982, S. 223), sp ach somi nich s gegen de en Inansp uchnahme.
Fü die wissenscha liche Beschä igung mi de auße amilialen Tagesbe-
euung wa das Modellp ojek on g oße Bedeu ung, lenk e es doch e s -
malig die Au me ksamkei au diesen zu o kaum beach e en Be eich de Ju-
gendhil e.13 So wa en die wei eichenden Gene alisie ungen de Pädia e au
die Kinde agesp lege übe haup nu möglich gewesen, weil die Fo schung
zu länge is igen En wicklung on auße amilial be eu en Kleins kinde n in
de Bundes epublik noch in den Kinde schuhen s eck e (A bei sg uppe Tages-
mü e 1980, S. 39 .). Von 1976 bis 1979 wu de nun als Teil de Beglei o -
schung ein bundeswei es Fo schungsp ojek zu Si ua ion de Tagesbe euung
on Kinde n un e d ei Jah en in K ippen und Tagesp lege du chge üh . Fü
die Ein ich ungen schluss olge e die Un e suchung, dass „K ippenbe euung
un e den gegenwä igen Bedingungen ungüns ige ges al e is als es sein
müß e“ (Schneide 1982, S. 742), und wies au eine Vielzahl on Ve besse-
ungsmöglichkei en hin.
Dami wa en die E gebnisse e gleichba zu denen des Tagesmü e p o-
jek s: Auße amiliale Be euung in Kinde k ippen wa nich an sich en wick-
lungsschädigend, ielmeh konn e diese mangelha ausges al e sein, was zu
nega i en kindlichen En wicklungs e läu en üh en konn e. Wu de die Be-
13 Beinahe zei gleich – alle dings mi deu lich wenige ö en liche Au me ksamkei – begann Kuno E. Belle
mi Un e suchungen in Be line Kinde k ippen (Belle /S ahnke/Laewen 1983, S. 409).
Diana F anke-Meye
78
„Es soll ges a e seyn, daß weibliche Pe sonen, insonde hei die Wi wen [sic!]
de Elemen a schulleh e , kleine e Kinde , welche noch nich das schul ähige
Al e e eich haben, den Tag hindu ch zu Beau sich igung annehmen. In Be-
e solche Pe sonen lieg de s äd ischen Schulcommission nu ob, dahin se-
hen zu lassen, daß dieselben on unbeschol enen Si en, zu e s en E ziehung
de Kinde geeigne , auch ih e Wohnungen gesund und hinlänglich ge äumig
sind, imgleichen, daß sie die Kinde nich länge , als bis zum e eich en sechs-
en Jah e behal en, üb igens abe doch in einigem G ade Tüch igkei genug ha-
ben, um au die Si en und den Ve s and zu wi ken“ (Neigebau 1826/1988).
Die Beau sich igung kleine Kinde übe nahmen in de An angszei de ö -
en lichen Kleinkinde ziehung noch keine ausgebilde en Fachk ä e, son-
de n meis alleins ehende F auen. Eine Ausbildung ü diese Tä igkei gab es
nich und wu de auch nich ü no wendig gehal en. Dies ände e sich ab den
1830e -Jah en, in eine Zei , in de es zu eine e s en G ündungswelle on
Kleinkinde schulen und Bewah ans al en kam. Nun e b ei e en sich auch
Ausbildungss ä en, de en Absol en innen sowohl im ins i u ionellen als auch
amiliä en Kon ex ä ig wa en.
Die En s ehung on Ein ich ungen ö en liche Kleinkinde ziehung wa
on Beginn an du ch ein Spannungs e häl nis zu Familie gep äg . Lau de
im 18. Jah hunde e ablie en bü ge lichen Familienno m wu de insbeson-
de e de Mu e die E s zus ändigkei ü die P imä sozialisa ion des Kindes
zugesp ochen. Demnach konn en sich die Anlagen des Kindes nu im p i a -
amilialen Haushal na ü lich en al en. E ziehungs- und Bildungsp ozessen,
die nich in de Familie s a anden, sp ach man eine minde e Quali ä zu.
Auße amiliale Be euungso e be anden sich deshalb in einem Zwiespal zwi-
schen de He s ellung eines p i a - amilialen und eines ans al s ö migen Rau-
mes, de die wei e e En wicklung de ö en lichen Kleinkinde ziehung p äg e
(Reye /F anke-Meye 2016; Reye 1988).
Einen in e essan en Ve such, dieses Spannungs e häl nis zu en schä en, un-
e nahm Hen ie e Sch ade -B eymann, eine Schüle in und G oßnich e F ied-
ich F öbels. In dem on ih geg ünde en Volkskinde ga en im Pes alozzi-F ö-
bel-Haus in Be lin e band sie sozial ü so ge ische mi pädagogischen Mo i en
und o ien ie e sich dabei an de Familie, indem sie e such e, die unpe sön-
liche Ans al sa mosphä e de damaligen Ein ich ungen du ch g öß mögliche
Familienähnlichkei au zulösen. Mi dem on ih gep äg en P inzip de geis i-
gen Mü e lichkei knüp e sie an das im 18. Jah hunde en s andene Denken
eine Geschlech e pola i ä an, g i die da in en hal ene Zusch eibung on
Geschlech scha ak e en au , in e p e ie e diese um und o de e eine auße -
amiliä e Ane kennung weibliche Tä igkei en. Dami be ei e sie die de F au

79
Teil I | 4 Vo läu e de Kinde agesp lege im 19. Jah hunde
zugesch iebenen weiblichen bzw. mü e lichen Fähigkei en aus de amiliä en
Einsch änkung, übe ug diese au den ö en lichen Raum und lös e die Rolle
de F au als Mu e on de biologischen Mu e scha . Alle dings, so be on-
e Sch ade -B eymann, bedü en diese weiblichen Fähigkei en eine geziel en
Ausbildung und p ak ischen Übung. In ih e Ausbildungss ä e ü Kinde -
gä ne innen wa es ih Ziel, „mü e liche E ziehe innen zu bilden, nich um
einzelne Beschä igungen zu leh en, sonde n um mi den Kinde n Lebenss o
zu e a bei en, Wohns ubenk a zu e zeugen“ (zi . nach Voß 1937, S. 130).
Das sei den An ängen de ö en lichen Kleinkinde ziehung bes ehende
Spannungs e häl nis zwischen Familie und Ins i u ion bes eh auch heu e
noch und is übe agba au das Ve häl nis zwischen Kinde agesp lege und
Kinde agesein ich ung. Wäh end die Ki a heu e als ühkindliche Bildungs-
ein ich ung e s anden und als Ins i u ion o ganisie wi d, inde die Kin-
de agesp lege im p i a - amilialen Raum s a .
4.3 E s e Spu : das P legekinde wesen im 19. und
ühen 20. Jah hunde 1
In de Quellenli e a u inden sich un e schiedliche Bezeichnungen ü Kin-
de , die in p i a e P lege gegeben wo den sind. Die Bezeichnung P lege kinde
se z e sich e s zu Beginn des 20. Jah hunde s du ch. Zu o bezeichne e
man diese Kinde häu ig als Hal ekinde , Ziehkinde , Wa ekinde ode Kos -
kinde . Dabei handel e es sich meis um uneheliche Kinde , de en Mü e als
Diens mädchen ode in de Landwi scha a bei en muss en und die Be-
euung ih es Kindes nich selbs übe nehmen konn en. Dies a auch au
Fab ika bei e innen zu, de en A bei szei en o meh als 14 S unden am Tag
um ass en (Blandow 2004). Die Kinde wu den di ek nach de Gebu zu
P legeel e n gegeben, die mi de Mu e en wede in einem Ve wand scha s-
e häl nis s anden ode öllig emd wa en. Manchmal gab es auch Nachba n,
die die Be euung übe nahmen. Hil eich wa es, wenn es im O eine Be-
wah ans al ode Kleinkinde schule gab, in de die Mu e ih Kind abgeben
konn e. Diese Ein ich ungen wa en jedoch im 19. Jah hunde ehe eine Sel-
enhei . In einem Be ich aus den 1880e -Jah en wi d e wähn , dass es sich
bei den Kinde n meis um „Säuglinge on solchen F auen [handel ], welche
du ch die No des Lebens gezwungen we den, bald nach de Gebu des Kin-
des ih en E we b wiede ausse dem Hause zu suchen“ (Kun ze 1884, S. 383).
1 Fü eine di e enzie e Be ach ung de Geschich e des P legekinde wesens, in de auch ühe Fo men de
Tagesp lege e wähn we den, gl. Blandow (2004, S. 19–70) sowie Reye (1983).
Diana F anke-Meye
80
Lau Jü gen Blandow gab es im 19. Jah hunde un e de Bezeichnung
„Hal e- und Ziehkinde wesen“ zwei un e schiedliche P lege o men: au de
einen Sei e „die o melle Inp legegabe“ in P legeein ich ungen und au de
ande en Sei e die „p i a e Inp legegabe“ (Blandow 2004, S. 31). Dabei sei
„die p i a e Inp legegabe“ das „g öße e P oblem“ gewesen, da es kaum Re-
glemen ie ungen, s aa liche Au sich und Kon olle gab (ebd.). Zwa wu de
be ei s 1840 in P eußen „die Au nahme on Hal ekinde n an eine polizei-
liche Genehmigung gebunden“ (Reye 1983, S. 101), wodu ch die P lege
de Kinde kon ollie we den soll e, um Fo men de Ve nachlässigung o -
zubeugen. Mi de Ein üh ung de Gewe be eihei 1869 e hiel en die „oh-
nehin nu zagha en und egional beg enz en Ve suche“ eine Au sich und
Kon olle übe die P leges ellen jedoch „zunächs einen Rückschlag“, denn
nun „ließ sich die Ziehkinde hal ung (…) als konzessionsp lich iges ‚ eies
Gewe be‘ in e p e ie en, womi es lediglich un e die gewe bepolizeiliche
Au sich iel“ (Blandow 2004, S. 32). Es olg e ein „P o es aus Fachk eisen“
mi de Konsequenz, dass sich allmählich in e schiedenen Regionen ein
allgemeine „P legekinde schu z“ du chse z e, mi „spezielle[n] Regelungen
ü die Au sich on P legekinde n“ (ebd.). Alle dings gab es wei e hin eine
Vielzahl on uneinhei lichen Vo sch i en in Bezug au die Meldep lich , das
Schu zal e de Kinde , die P lege o m ode die P legedaue . Auch die A
de Kon ollen wa nich einhei lich ge egel (Blandow 2004, S. 33).2 Hie
we den Pa allelen zu heu igen Kinde agesp lege deu lich, die eben alls im
p i a en Se ing s a inde .
S aa lich eglemen ie wu de das P legekinde wesen e s im Zuge de Ve -
abschiedung des Reichsgese zes ü Jugendwohl ah (RJWG) im Jah 1922.3
Im Pa ag aph 19 wu de es geleg , dass es sich bei P legekinde n um „Kinde
un e 14 Jah en“ handel , „die sich daue nd ode nu ü einen Teil des Ta-
ges, jedoch egelmäßig, in emde P lege be inden“. De Pa ag aph 19 gal
auch ü Kinde , die in K ippen, Kinde gä en ode Ho en be eu wu den
(Reye 2015, S. 28). Das RJWG bes imm e auße dem, dass die Au nahme
eines P legekindes an die o he ige E laubnis des Jugendam es gebunden wa
(§ 20). Mi de ech lichen Reglemen ie ung des P legekinde wesens se z-
2 Ve gleiche in diesem Zusammenhang insbesonde e die d ama ische Da s ellung de desola en Wohn e -
häl nisse de P legepe sonen und de dami e bundenen ungesunden Lebensbedingungen, in denen die
Kinde au wuchsen, in einem Be ich übe die Kos s uben und Kos kinde aus dem Jah 1848 (Poli ze
1848; gl. auch Pü ne 1902, zi . nach Reye 1983, S. 101).
3 Im Handwö e buch de Wohl ah sp lege aus dem Jah 1929 in o mie de Düsseldo e Land a D . Ka l
Vossen übe die im RJWG es geleg en Regelungen zum „Schu z de P legekinde “, die in den §§ 19 bis
31 zu inden wa en. Vo de Ve abschiedung des RJWG habe es „42 Gese ze und Ve o dnungen in den
einzelnen Lände n Deu schlands“ gegeben, wodu ch das P legekinde wesen du ch „eine auße o den -
liche Mannig al igkei in den Bes immungen“ kennzeichne wa (Vossen 1929, S. 494).
81
Teil I | 4 Vo läu e de Kinde agesp lege im 19. Jah hunde
e ein Fo malisie ungs- und Ve ech lichungsp ozess ein, de e gleichba is
mi de Au nahme de Kinde agesp lege ins SGB VIII und de dami e -
bundenen Au gabene wei e ung du ch die Gleichs ellung mi Kinde ages-
ein ich ungen.
4.4 Zwei e Spu : Fo men p i a - amiliale Kinde ( ages)p lege
im 19. und ühen 20. Jah hunde
In de An angszei de ö en lichen Kleinkinde ziehung gab es un e schied-
liche Namen und Fo men auße amiliale Be euungso e ü Kinde in den
e s en Lebensjah en. Neben Säuglingsbewah ans al en und K ippen gab es
Spielschulen, S ickschulen, Kleinkinde schulen, Wa eschulen ode Bewah -
ans al en. Dabei geben die Namen nich unbeding Au schluss übe die Fo m
de Be euungsein ich ung. O ganisie und ge agen wu den die Ein ich un-
gen eine sei s on de bü ge lichen P i a wohl ä igkei , z.B. on einem eigens
ü diesen Zweck geg ünde en F auen e ein, ande e sei s abe auch du ch P i-
a pe sonen. So gab es p i a be iebene Be euungsein ich ungen, die meis
im Wohn aum de Be euungspe sonen angesiedel wa en. Diese Ein ich un-
gen wa en im Ve gleich zu de du ch einen Ve ein ge agenen Bewah ans al
ode Kleinkinde schule deu lich kleine und wiesen du ch die A ih e O -
ganisa ion Pa allelen zu heu igen Kinde agesp lege au . Die Kinde wu den
sowohl agsübe in emden Haushal en be eu , abe auch in Wochen-, Mo-
na s-, Jah es- und Daue p lege gegeben.
E s e Ansä ze eine p i a en Tagesp lege inden sich beispielsweise in einem
Be ich aus Schleswig-Hols ein aus dem Jah 1884, in dem meh e e p i a ge-
üh e Wa eschulen au gelis e we den, die meis un e hei a e e ode e wi -
we e F auen ohne spezielle Vo bildung lei e en. Die Un e b ingung and o
im p i a en Haushal de „Vo s ehe in“ s a (Kun ze 1884). So wi d übe die
„P i a -Wa eschule“ de S ad Neumüns e be ich e , die „um 1867 on de
Vo s ehe in als P i a un e nehmen e ich e “ wu de. Die Vo s ehe in Ma ie
Schmid wa un e hei a e , ha e keine Ausbildung und be ieb gleichzei ig
„ein kleines Indus ie-Geschä “ (Kun ze 1884, S. 404). Die Wa eschule be-
such en „20 Kinde on 2–6 Jah en aus dem Handwe ke s ande“ (ebd.). Sie
e hiel en keine Ve p legung. Die P legekos en be ugen 12 Ma k jäh lich.
Die Beau sich igung and in eine Mie wohnung s a , die übe keinen Spiel-
pla z e üg e. Läss man die hohe Kinde zahl auße Ach , dann können hie
Pa allelen zu heu igen Kinde agesp lege gezogen we den. Auch diese inde
e meh und insbesonde e im Rahmen de G oß agesp lege in angemie e en
Räumen s a , die äumliche und zei liche S uk u o ien ie sich am Fami-
Diana F anke-Meye
82
lienall ag, und die Kinde agesp legepe son üb eine selbs s ändige Tä igkei
mi p i a -gewe blichem S a us aus.
Eine wei e e p i a e Wa eschule gab es sei 1882 in Mölln, die eben alls
als P i a un e nehmen ge üh wu de, hie on eine e hei a e en F au, die
Un e s ü zung du ch ih e Toch e e hiel , die eine Ausbildung als Kinde gä -
ne in absol ie ha e. Die Ein ich ung wu de on 30 bis 40 Kinde n im Al-
e on zwei Jah en „aus dem kleine en Bü ge s ande“ besuch (Kun ze 1884,
S. 404). Sie e hiel en keine Ve p legung. Die Be euungskos en belie en sich
au 18 Ma k jäh lich, 27 Ma k ü zwei Geschwis e kinde . Die Ein ich ung
be and sich im „Wohnhause des Ehemanns de Vo s ehe in, eines Gas wi s“
(ebd.). Ein Spielpla z wa o handen, alle dings muss e „die Kinde zahl au 25
besch änk we den“, da es an Raumkapazi ä en mangel e (ebd.). In Pinnebe g
gab es eine p i a e Wa eschule, die „u sp ünglich on einem F auen e ein“
e ich e (Kun ze 1884, S. 405), sei 1876 jedoch „au eigene Rechnung“ on
de Ehe au eines Schneide s „ohne Vo bildung“ gelei e wu de; „11 Kinde
on 2–6 Jah en aus dem A bei e s ande“ besuch en diese Wa eschule (ebd.).
Auch diese Kinde e hiel en keine Ve p legung. Die P legekos en be ugen
wöchen lich 20 P ennige.
In de O scha Büdelsdo gab es sei 1883 on eine un e hei a e en F au
„ohne Vo bildung“ eine p i a ge üh e Wa eschule, die on „14 Kinde n
aus de Fab ikbe ölke ung des O es“ besuch wu de (Kun ze 1884, S. 407).
Es gab keine Ve p legung, die wöchen lichen Kos en be ugen 30 P ennige,
und die Be euung and in eine gemie e en Wohnung ohne Spielpla z s a
(ebd.). De Be ich e s a e beklag e, dass in p i a ge üh en Ein ich ungen
die Räume, in denen die Be euung de Kinde s a and, „zugleich als Wohn-
ode ga Schla s uben benu z [wu den] ode (…) zugleich als We ks ä en
[dien en], so dass de an sich genügende Raum du ch Mobilia und Hausge-
ä unzulässig beeng wu de“ (Kun ze 1884, S. 390). Du ch eine Regie ungs-
e ügung soll e deshalb ge egel we den, dass „[g]enügend ge äumige, lu ige
und helle Schullokale“ o handen sind und dass die „Vo s ehe in“ eine sol-
chen Ans al „eine unbeschol ene, zum Ve keh mi den Kinde n geeigne e
Pe sönlichkei sein“ müsse (Kun ze 1884, S. 395). Alle dings wu de on „ei-
ne besonde en Vo bildung ode echnischen Be ähigung (…) o e s abge-
sehen“ (ebd.). An diese S elle we den wiede s aa liche Fo malisie ungs- und
Ve ech lichungsp ozesse deu lich, die du ch ih e kon ollie ende Funk ion
Auswi kungen au die p i a en Be euungsse ings ha en. Inwie e n dadu ch
auch Ins i u ionalisie ungsp ozesse ausgelös wu den, beda jedoch wei e e
his o ische Fo schung.
Bei den genann en Beispielen aus Schleswig-Hols ein handel e es sich
nich um Einzel älle, sonde n p i a ge üh e Bewah ans al en und Klein-
83
Teil I | 4 Vo läu e de Kinde agesp lege im 19. Jah hunde
kinde schulen scheinen im 19. Jah hunde du chaus üblich und e b ei e
gewesen zu sein. Die Ve mi lung de Be euungsplä ze e olg e e mu lich
p i a und in o mell. Alle dings liegen dazu keine s a is ischen E hebungen
o . Be ücksich ig man jedoch die quan i a i e En wicklung de ins i u io-
nellen Kleinkindbe euung, dann wi d deu lich, dass de Be euungsbeda
du ch die bes ehenden ö en lichen Ein ich ungen nich gedeck we den
konn e. So gab es in de Mi e des 19. Jah hunde s e wa 500 bis 600 Kin-
de agesein ich ungen, mi denen eine Be euungsquo e on lediglich einem
P ozen e eich wu de (Die e ici 1852, S. 12). Auch Ende des 19. Jah hun-
de s sah die Be euungssi ua ion nich besse aus, wenngleich man annehmen
kann, dass sich de Be euungsbeda au g und de Zunahme auße häusliche
E we bsa bei on F auen im Zuge de Indus ialisie ung e höh e. So gab es
1890 nu 2.944 Ein ich ungen mi eine Be euungsquo e on sechs P ozen
(Pappenheim/Vogelgesang/Janke 1893).
Ein wei e e Hinweis übe mögliche Vo läu e de Kinde agesp lege in-
de sich in eine am An ang des 20. Jah hunde s du chge üh en Un e su-
chung des S a is ischen Am es in B emen übe die „Wohnungen de minde
bemi el en Klassen“ (B emisches S a is isches Am 1905). Hie wu de neben
„Hal ekinde n“, die sich in Vollzei p lege in Familien be anden, auch on
„Tageshal ekinde [n]“ be ich e (B emisches S a is isches Am 1905, S. 95).
Im Un e schied zu den „Hal ekinde n, die ganz in de Familie de P lege-
el e n“ leb en, wu den die Tageshal ekinde „nu den Tag übe e p leg und
beau sich ig “ und keh en „abends zu ih en El e n“ zu ück (ebd.). Bei ei-
ne Au nahme solche Kinde in ande en Familien, die nich mi den Kin-
de n in einem Ve wand scha s e häl nis s anden, wu de lau Be ich e s a -
ung „selbs e s ändlich eine Ve gü ung bezahl “ (ebd.). Bei de in B emen
du chge üh en Un e suchung wu den in ün Wohnungen „7 Tageshal e-
kinde ange o en, die zum Teil bei äl e en, nich meh a bei enden Familien-
o s änden un e geb ach wa en“ (ebd.). Die Kinde be anden sich im Al e
zwischen neun Mona en und sieben Jah en. Die P legekos en be ugen mo-
na lich zwischen d ei und 15 Ma k. Je jünge das Kind wa , des o höhe wa-
en die Kos en. Lau Be ich „e klä sich de höhe e P eis ü den Säugling
du ch das E o de nis de Milchnah ung“ (ebd.).
In e essan is auch ein Hinweis in einem An ang des 20. Jah hunde s e -
ö en lich en Au sa z übe die „E leich e ung de Mu e scha du ch Re o m
de Hauswi scha , du ch K ippen und Ho e“ (Radel 1912). Hie wu de
eine K ippen o m o ges ell , die an die heu ige Kinde agesp lege e inne .
So gab es o ensich lich in F ank u am Main „in e schiedenen A bei e -
wohn ie eln in Mie shäuse n kleine Familienk ippen (…), die nich meh als
zehn Kinde “ au nahmen (Radel 1912, S. 633). Einsch änkend wu de hinzu-

Diana F anke-Meye
84
ge üg , dass e mu lich „den Räumen in diesen Qua ie en die hygienischen
und sani ä en Ein ich ungen, die zu a ionellen Kinde p lege une läßlich
sind, und das wei ausgedehn e, sonnige Ga enland ehlen“ (ebd.).
Hinzuweisen is auch au die on Jü gen Reye e mi el en Be euungs-
e häl nisse in C immi schau. Au de G undlage eine S udie aus dem Jah
1906 übe „[d]ie Kinde de in Fab iken a bei enden F auen und ih e Ve p le-
gung“ wu de deu lich, dass on 1.605 Kinde n, de en El e n in Fab iken in
C immi schau a bei e en, as 40 P ozen (39,3%) „ agsübe in P lege amilien
ode in de Nachba scha “ be eu wu den (Reye 1983, S. 102 .). Die meis-
en Kinde be anden sich un e de Au sich ih e G oßmü e (49,7%), ein
ge inge Teil (4,4%) and Au nahme in eine Bewah ans al . Einige Kinde
blieben unbeau sich ig (6,6%). In e essan is de Hinweis, dass die G oß-
mü e „nu in 16 P ozen de Fälle die Be euungsau gabe kos enlos“ übe -
nahmen (Reye 1983, S. 103).4
4.5 D i e Spu : Ausbildungsmöglichkei en ü junge F auen
zu Vo be ei ung au eine Tä igkei in P i a haushal en
im 19. und ühen 20. Jah hunde
Ein wei e e Vo läu e de Kinde agesp lege inde sich im Kon ex de Kin-
de ga enidee F öbels. So wu den Kinde gä ne innen, die eine Ausbildung
in de Pädagogik nach F ied ich F öbel e hal en ha en, en wede in bes ehen-
den Kinde gä en anges ell , a bei e en in Familien als sogenann e Familien-
kinde gä ne innen ode lei e en quasi als selbs s ändige Un e nehme in einen
eigenen Kinde ga en. Die le z en beiden Va ian en weisen Ähnlichkei en mi
de heu igen Kinde agesp lege au , insbesonde e im Zusammenhang mi de
zunehmenden Ausdi e enzie ung in e schiedene Fo men und Se ings ( gl.
h ps://www.wb-p oki a.de).
Wäh end sich de Kinde ga en on eine p i a ge üh en Ein ich ung ei-
ne einzelnen Kinde gä ne in zu eine gemeinnü zigen Ein ich ung in P i a -
wohl ä igkei en wickel e, e schwand de Be u de Familienkinde gä ne in
zu Beginn des 20. Jah hunde s. Eine Familienkinde gä ne in konn e en we-
de di ek in eine Familie zu E ziehung de Kinde anges ell we den ode in
einem on Familien geg ünde en Kinde ga en a bei en. Le z e e Va ian e e -
inne an die heu igen El e nini ia i en, die e s e Va ian e an die Kinde ages-
p lege, die in de Familie des Kindes s a inde . Im Jah 1877 gab es in Be -
4 Einen in e essan en Be ich zu Be euungsno wendigkei kleine Kinde on Fab ika bei e innen in
C immi schau inde man auch bei Alice Salomon (1904/1997).
85
Teil I | 4 Vo läu e de Kinde agesp lege im 19. Jah hunde
lin „unge äh 30 P i a kinde gä en, meis Familienkinde gä en“ (Schindle
1878, S. 23), also Kinde gä en, die on El e n geg ünde und o ganisie
wu den. Diese Kinde gä en en s anden wenige aus einem Be euungsmo i
als aus einem Bildungsmo i he aus. So weck e F ied ich F öbel mi seine
Päda gogik insbesonde e das In e esse bü ge liche Familien, die im Kinde -
ga en einen ühkindlichen Bildungso ü ih e Kinde sahen.
Eine wei e e und aus his o ische Pe spek i e kaum be ücksich ig e Aus-
bildung ü P lege- und E ziehungs ä igkei en in Familien is die de Kinde -
p lege innen bzw. de Kinde mädchen, die es imme auch „neben de E -
ziehung in den Bewah ans al en, Kinde schulen ode Kinde gä en“ gab
(Am ho 2003, S. 185). So konzen ie e sich die Be u s- und P o essions-
geschich e im Be eich de Pädagogik de ühen Kindhei bishe ehe au das
Pe sonal in den Ein ich ungen de ö en lichen Kleinkinde ziehung (F anke-
Meye 2022; Reye /F anke-Meye 2021). Das i auch au ak uelle S udien
zu P o essionalisie ung de F üh- und Kindhei spädagogik zu. Die Kinde -
agesp legepe sonen we den in ak uellen wissenscha lichen Disku sen und
his o ischen S udien ehe sel en be ücksich ig .5
Alle dings gab es sowohl au sei en de Kleinkinde schulbewegung als auch
au sei en de F öbelbewegung Ausbildungsmöglichkei en ü junge F auen,
um sich au eine Tä igkei in P i a haushal en o zube ei en. Sie wu den als
Kinde mädchen ode Kinde wä e innen, abe auch als Bonnen ode Gou-
e nan en bezeichne , spä e auch als Kinde p lege innen (Am ho 2003,
S. 185–189; Koblank 1961, S. 87–125). In einem Ra gebe übe Diens -
pe sonal aus de Mi e des 19. Jah hunde s inde sich de Hinweis, dass die
„Au sich und auch die E ziehung de Kinde (…) in g öße en Häuse n ge-
wöhnlich zwei Pe sonen an e au “ sei, „so, daß eine Bonne ode Gou e nan e
meh die geis ige und die sogenann e Kinds au ode das Kindsmädchen meh
die physische ode kö pe liche En wicklung de Kinde zu übe wachen“ habe
(Müns e 1854, S. 185; He o h. im O ig.). Auch heu e noch gib es mi de
„Kinde au“ eine Fo m de Kinde agesp lege im p i a en Haushal des Kin-
des, wenn auch nu in ge ingem Um ang und ehe als eine Reminiszenz an
die oben besch iebenen bü ge lichen Ve häl nisse.
Eine e s e „Ans al zu Ausbildung on Kinde p lege innen (Bonnen) und
Kinde mädchen“ gab es sei 1864 in Be lin in T äge scha des F öbel e eins
(Schindle 1878, S. 27). Fün Jah e spä e en s and da aus „die e s e einjäh-
ige Kinde mädchenschule mi es em Leh - und S undenplan“, aus de eine
Schule zu Ausbildung on Kinde p lege innen he o ging (Mülle 1957, zi .
5 Eine Ausnahme bilden die A bei en on Gab iel Schoye e ( gl. zu Übe sich Schoye e 2024) sowie die
Disse a ion on S ephanie Spanu (2019).
Diana F anke-Meye
86
nach Koblank 1961, S. 93). De Pla z de Kinde p lege innen und Kinde -
mädchen soll e die Familie sein.
Lau E a Koblank ha en sich die Be u e de Kinde gä ne in und de Kin-
de p lege in „ eils mi -, eils nebeneinande en wickel “ (Koblank 1961, S. 94).
Im Un e schied zu Kinde gä ne in wa die Kinde p lege in jedoch „[ ]o -
wiegend zwa , abe eben nich ausschließlich (…) mi p lege ische und haus-
wi scha liche A bei neben de Kinde e ziehung in de Familie ä ig“ (ebd.).
In de Zei de Weima e Republik kam es au g und on P o essionalisie-
ungs endenzen, die be ei s zu Beginn des 20. Jah hunde s einse z en, zu ei-
nem Ans ieg de Ausbildungss ä en ü Kinde p lege innen. Die bis zu die-
se Zei übliche Bezeichnung als „Kinde gä ne in 2. Klasse“ (Koblank 1961,
S. 95) e schwand allmählich.
4.6 Schlussbeme kungen
De Übe gang om 18. zum 19. Jah hunde ha e b isan e Ve ände ungs-
p ozesse ü die Familien in Gang gese z : Eine sei s wa en sie aus s ändi-
schen Bindungen be ei , ande e sei s zog de eno me Be ölke ungsans ieg
eine massenha e Ve a mung nach sich, in de en Folge die auße häusliche
E we bsa bei on Mü e n no wendig wu de, um die Subsis enz de Fami-
lie einige maßen zu siche n. Dadu ch jedoch e schlech e e sich die Be eu-
ungssi ua ion kleine Kinde d ama isch. Dies s and im Kon as zu de sei
dem 18. Jah hunde e ablie en bü ge lichen Familienno m. Die Basis diese
No m bilde e die Exklusi i ä de Mu e -Kind-Beziehung. Die S ä ke diese
No m e deu lich sich da an, dass p i a - amiliale Be euungs e häl nisse
o enba meh e b ei e wa en als on ö en liche P i a wohl ä igkei o ga-
nisie e Kinde agesein ich ungen. Dabei nahm man auch in Kau , dass die
p i a en P lege e häl nisse o un e desola en Wohn- und Lebensbedingun-
gen e olg en. Alle dings inden sich in de Quellenli e a u imme wiede be-
ech ig e Klagen da übe , dass du ch die mise ablen Be euungs e häl nisse
die kö pe liche, geis ige und si liche En wicklung de Kinde ge äh de sei
(z.B. Poli ze 1848). Au de ande en Sei e e ablie en sich im bü ge lichen
Milieu p i a o ganisie e Fo men eine ühkindlichen Bildung, in dem sich
Familien zusammenschlossen, die eine Kinde gä ne in engagie en ode eine
Kinde gä ne in zu Bildung und E ziehung ih e Kinde inne halb de Fa-
milie eins ell en.
De Ein luss de bü ge lichen Familienno m au die Ges al ung de ö -
en lichen Kleinkinde e ziehung is auch heu e noch zu spü en und mach
sich in den achpoli ischen Deba en zu Kinde agesp lege beme kba . Da-
87
Teil I | 4 Vo läu e de Kinde agesp lege im 19. Jah hunde
bei wi d Familienähnlichkei als ein zen ales Quali ä sme kmal e s anden,
um die Kinde agesp lege hinsich lich Fo m und Au gabenbes immung om
ins i u ionellen Cha ak e de Kinde agesein ich ung abzug enzen. Hinzu
komm , dass ü eine Tä igkei in de Kinde agesp lege keine Be u sausbil-
dung e o de lich is . So eich es ü den Gese zgebe als Eignung ollkom-
men aus, dass die Kinde agesp lege on Pe sonen ausgeüb wi d, die übe
„ e ie e Kenn nisse hinsich lich de An o de ungen de Kinde agesp lege
e ügen, die sie in quali izie en Leh gängen e wo ben ode in ande e Wei-
se nachgewiesen haben“ und „sich du ch ih e Pe sönlichkei , Sachkompe enz
und Koope a ionsbe ei scha mi E ziehungsbe ech ig en und ande en Tages-
p legepe sonen auszeichnen und übe kindge ech e Räumlichkei en e ügen“
(§ 23 SGB VIII). Dami un e scheide sich die Kinde agesp lege wesen lich
on de Kinde agesein ich ung als ühpädagogische Ins i u ion, ü die ein
Fachk ä egebo gil .
Die E höhung de Pla zkapazi ä en in de Kinde agesp lege im Zuge des
2013 in K a ge e enen Rech sansp uchs au eine auße amiliale Be euung
on Kinde n ab dem e s en Lebensjah und die dami e bundene Nach age
e deu lichen eine g undsä zliche Akzep anz diese Be euungs o m (Be h/
G gic 2020; Be h 2019). E kenn nis heo e isch in e essan dabei is die bis-
he unhin e ag e Disk epanz zwischen den An o de ungen an eine Kinde -
agesein ich ung im Ve gleich zu Kinde agesp lege, die ielleich mi wohl-
ah s aa s heo e ischen Pe spek i en e klä we den könn e (Bollig in diesem
Band). So haben beide Be euungs o men lau SBG VIII gleichwe ige Au ga-
ben de E ziehung, Bildung und Be euung zu leis en; die dami e bundenen
Rahmenbedingungen un e scheiden sich jedoch e heblich.
Sabine Bollig
94
b oeck 2017). Ode mi ande en Wo en: Beda es spezi isch di e enzie e
Leis ungs- und Quali ä ss anda ds ü die Kinde agesp lege ode soll sie sich
sukzessi e an die S uk u en und S anda ds ins i u ionelle Kinde agesein-
ich ungen annähe n?
Diese F age bleib auch im komplexen öde alen Sys em Deu schlands bis-
lang unbean wo e , wenngleich du ch zahl eiche Gese zesini ia i en sei den
2000e -Jah en (TAG, KICK, KKG, KIFÖG, KJSG) de einhei liche Fö de -
au ag („Bildung, Be euung und E ziehung“) on Kinde agesein ich ung
(Ki a) und Kinde agesp lege sowie übe g ei ende Au gaben elde wie Ko-
ope a ion und Kinde schu z auch ü die Kinde agesp lege kla e de inie
wu den. Dennoch schein diese o z ih e übe 50-jäh igen Ins i u ionali-
sie ungsgeschich e imme noch die Rolle des „Aschenpu els de Kinde a
-
gesbe euung“ einzunehmen (Bau e s/Vandenb oeck 2017, S. 386). Ih e be-
euungspoli ische Inwe se zung (Glaese /Ke be 2017) is mi ambi alen en
Dynamiken on Au - und Abwe ung sowie einem hohen Maß an ins i u-
ionelle P eka i ä de Kinde agesp lege e bunden. Diese P eka i ä mach
sich insbesonde e an de „Familienähnlichkei “ ode „Familiennähe“ es , die
o dem Hin e g und imme komplexe we dende und mi un e auch wi-
de sp üchliche Leis ungse wa ungen an die FBBE (Be zel /Bode/Ecks ein
2025; Bollig/Sichma 2023) im Fachdisku s zunehmend als P o essionali ä s-
und Quali ä sde izi kon u ie wi d (Bollig 2017).
Gleichzei ig gewinn im Zuge de zunehmenden Quali izie ung on Kin-
de agesp legepe sonen, ausdi e enzie e Angebo s-, T äge - und Koope a -
ionss uk u en sowie de achlichen Anpassung spezi ische Bildungsp og am-
me und de sich e ablie enden be u s- und achpoli ischen In e essen e e ung
auch eine di e enzo ien ie e Pe spek i e au die Kinde agesp lege als in eg a-
lem Teil de FBBE an Bedeu ung. Hie wi d de De izi disku s gegenübe de
Kinde agesp lege k i isch hin e ag (Bilgi/Schoye e in diesem Band; Bau-
e s/Vandenb oeck 2017) und die F age nach de Gleichwe igkei de Kin-
de agesp lege als F age nach dem spezi ischen Eigensinn ih e Bildungs- und
Be euungsp axis e- o mulie . Hinweise au eigens ändige Handlungs- und
Funk ionslogiken lie e n sowohl be u s- und a bei ssoziologische S udien zu
Kinde agesp lege (Wieme 2010) als auch p o essions-, o ganisa ions- und
ins i u ionalisie ungs heo e ische Fo schungsa bei en (Schoye e /Ihm/Bach
2021; Bollig/Honig/Nienhaus 2016; Joos-Weinbach/Schoye e in diesem
Band) sowie die in de eminis ischen Poli ik- und Wohl ah ss aa s o schung
e b ei e en ca e- heo e ischen Analysen zu Kinde agesp lege (Ande son/
Hughes 2010; Ju czyk 2005).
Zu Auswei ung diese Fo schungspe spek i en möch e ich im Folgenden
eine wohl ah sp oduk i e Pe spek i e au das Feld de Kinde agesp lege o -

95
Teil II | 5 Wohl ah sp oduk ion als heu is ische Zugang zum Eigensinn de Kinde agesp lege
schlagen. Dies e schein mi nich zule z deshalb e kenn nis eich, weil sie sich
gewinnb ingend mi be ei s o liegenden empi ischen Be unden zu ak uellen
En wicklungsdynamiken im Feld de Kinde agesp lege e knüp en läss . So
zeigen e wa Gab iel Schoye e u.a. (2018), dass sich das En wicklungs- und
Leis ungspo enzial de Kinde agesp lege im kommunalen Wohl ah ss aa
Deu schlands maßgeblich übe ih e lokale Einbe ung in poli isch-adminis-
a i e Kons ella ionen ih e sogenann en Sinnbes immung en al e . An den
je konk e en Ve lech ungszusammenhängen de di e sen bundes- und lan-
des ech lichen Fö de o gaben und de kommunalen S eue ungs- und Un-
e s ü zungss uk u en sowie den di e en en lokalen Nu zungsp o ilen, Be-
da en und Angebo slandscha en in un e schiedlichen Jugendam sbezi ken
zeigen die Au o innen und Au o en dabei un e schiedliche En wicklungs-
dynamiken hinsich lich de Angebo sp o ile de Kinde agesp lege au (z.B.
Einzel- Kinde agesp lege in p i a en ode angemie e en Räumen, au un e -
nehme ische Basis ode in Fes ans ellungss uk u en, G oß agesp lege). Ana-
ly isch zeig die S udie, dass diese Di e si ä de Angebo e nich zule z auch
du ch die A und Weise en s eh , in de die Kinde agesp lege on den lo-
kalen Ges al ungsak eu en e s anden wi d: als sys eme wei e ndes, amilien-
o ien ie es Diens leis ungsangebo ode als se ing-plu ale al e na i e Säule des
Gesam sys ems de FBBE beziehungsweise „lediglich“ als s uk u elles Back-up
bes ehende Kinde agesein ich ungslandscha en – wobei eine Kombina ion
all diese Funk ionszusch eibungen nich ausgeschlossen is (ebd.).
Auch Fo schungsa bei en zu luxembu gischen Kinde agesp lege – die
s ä ke ma k bezogen übe Be euungsgu scheine ges eue wi d (Bollig/
Honig/Nienhaus 2016; Honig/Schmi z/Wil zius 2015) – zeigen diese Viel-
al au , machen abe eine ande e Ausdi e enzie ungslogik sich ba : Übe die
e hnog a ische E schließung e schiedene Fälle on indi iduellen Bildungs-
und Be euungsa angemen s we den die iel äl igen Fo men, Funk ionsbe-
s immungen und P axislogiken de Kinde agesp lege als Zusammenspiel on
lokalen Kul u en de FBBE, de lokalen Demog a ie s äd ische und ländli-
che Räume in de supe di e sen Gesellscha Luxembu gs sowie de s ä ke
unmi elba on Kinde agesp legepe sonen und El e n ges al e en Angebo s-
und Nach agedynamiken ausgemach .
Beide Fo schungsa bei en e weisen en sp echend au die hohe lokale
Umwel sensi i i ä de Kinde agesp lege als e gleichsweise schwach ins i u-
ionalisie em wohl ah ss aa lichem Leis ungsangebo . Zu e mu en is da-
he , dass sich de Eigensinn de Kinde agesp lege besonde s im Ho izon
solche lokalen In e dependenz e häl nisse und Aushandlungsp ozesse e -
schließen läss , wobei ein g oße An eil e mu lich dadu ch bes imm is ,
welche ela ionalen Funk ions- und Leis ungsbes immungen die iel äl igen
Sabine Bollig
96
Ak eu e de Kinde agesp lege (z.B. Adminis a ion, Kinde agesp legepe so-
nen, El e n) dem Ve häl nis zum ande en zen alen Angebo de FBBE, den
Ki as, zuweisen. Fü die Analyse solche Ve lech ungszusammenhänge im
wohl ah ss aa lichen Kon ex sind Konzep e ko-p oduk i e und gemisch e
Wohl ah sp oduk ion besonde s anschluss ähig; im Folgenden we de ich sie
als heu is ische Zugänge zu Kinde agesp lege-Fo schung en al en.
5.2 Wohl ah sp oduk ion als wohl ah sanaly isches Konzep
5.2.1 Wohl ah ss aa liche A angemen s und die
p i a -ö en liche Ko-P oduk ion on Wohl ah
Das Konzep de Wohl ah sp oduk ion s amm aus de soziologischen Sozial-
s aa s o schung und geh im deu schsp achigen Raum insbesonde e au die
A bei en on F anz Xa e Kau mann (2002, 1994) zu ück. Ihm ging es o
allem da um, den Fokus weg on eine eindimensionalen Be ach ung s aa -
liche Ve an wo ung hin zu eine meh dimensionalen Analyse de Bedin-
gungen und Dynamiken de sozialpoli ischen Ges al ung on Wohl ah zu
e schieben. Wohl ah um ass dabei die Gesam hei de sozialen, ma e iellen
und imma e iellen Bedingungen, die das Wohl on Indi iduen und Gemein-
scha en siche n, indem sie zu E üllung indi iduelle und kollek i e G und-
bedü nisse bei agen und dami auch soziale Teilhabe siche n.
Wohl ah sp oduk ion wi d dabei als komplexe koope a i e He s ellungs-
leis ung e s anden, die sich au die Gesam hei alle Ak i i ä en ich e , die
Nu zen ü D i e s i en, seien sie ö en liche ode p i a e A , en gel lich
ode unen gel lich, o mell ode in o mell. De P oduk ionsbeg i is um-
assend ausge ich e , sodass e iel äl ige Gü e , Diens leis ungen und imma-
e ielle Wohl ah se äge in den Blick zu nehmen e mag. Alle dings se z
Kau mann (1994) nich alle Ak eu e gleich, sonde n heb den S aa als zen-
ales O dnungssys em he o , das übe e schiedene S eue ungsmedien
(z.B. Rech , Geld, Diens leis ungen, Pädagogik) das Zusammenspiel de
jeweiligen P oduk ionssphä en egulie . Inso e n wi d Wohl ah sp oduk-
ion als „ein gleichzei ig au meh e en Ebenen ekons uie ba e soziolo-
gische[ ] P ozess [ e s anden], de gleichzei ig den S aa , die E we bswi -
scha , den Wohl ah ssek o und die P i a haushal e in ol ie “ (Kau mann
2002, S. 232).
Das Feld de Kinde agesbe euung is in diese Pe spek i e als ein ko-
p oduk i es Wohl ah sa angemen zu e s ehen, in welchem die Siche ung
de Wohl ah on Kinde n lokal o allem in s aa lich o ganisie en A ange-
97
Teil II | 5 Wohl ah sp oduk ion als heu is ische Zugang zum Eigensinn de Kinde agesp lege
men s zwischen Familien, A bei sma k und Ki as gemeinsam ges al e wi d.
Dies bezieh sich nich nu da au , dass Familien und Ki as sich die So ge um
Kinde zei lich eilen, Ki as wi ken zudem s a k au die amiliale E ziehungs-
p axis ein. Umgekeh leis en abe auch die El e n iel äl ige Bei äge zum
Funk ionie en on Ki as, indem sie beispielsweise p i a e Ne zwe ke de No -
be euung bilden, zu Hause Kon lik e un e den Kinde n nachbea bei en ode
mi den Fachk ä en zusammena bei en (Baade /Bollig 2019).
Dass Ko-P oduk ion hie jedoch nich nu als konk e e Zusammena bei
zu e s ehen is , sonde n sich auch da au bezieh , wie sich das s aa liche A -
angie en on Ma k , Wohl ah ssek o und p i a en Haushal en konk e
au die Ko-P oduk ionsleis ungen on Familien auswi k , läss sich da übe
hinaus gu an de poli isch-adminis a i en Regulie ung on Zugangswegen
zu FBBE au zeigen. In dem ü die Kinde - und Jugendhil e ypischen So-
zialleis ungsd eieck, in welchem die Leis ungsbe ech ig en (Kinde /El e n),
die Leis ungsgewäh e (ö en liche T äge ) und Leis ungse b inge ( eie ode
p i a wi scha liche T äge ) übe d eisei ige Ve äge zueinande kons el-
lie we den, is es ja zunächs die Au gabe de El e n, sich um einen FBBE-
Pla z zu bemühen. Die sozial ech lich e bü g e F eiwilligkei de FBBE-
Nu zung sowie die Wahl eihei gegenübe e schiedenen Anbie e n wi d
somi zu eine „ e an wo e en Wahl“ de El e n, was die mi un e müh
-
same Suche nach einem eien Ki a-Pla z sowie die Auswahl de geeigne en
Ki a einschließ .
Dass diese „ e an wo e e Wahl“ un e den Bedingungen on Pla zman-
gel sowie iel äl igen Zugangsba ie en (Be z/Bollig 2016; Vandenb oeck u.a.
2008) nich allen El e n möglich is , bleib in diese sozial ech lichen Kon i-
gu ie ung de Ki a-Be euung jedoch wei es gehend e deck . Dies zeig sich
besonde s gu bei El e ng uppen, die au g und schich - ode mig a ionsbe-
ding e Fehleinschä zungen zu Au nahme e ah en in de FBBE ode eine
habi uellen O ien ie ung am unmi elba No wendigen (Bou dieu 1987) ih e
Kinde zu spä in Ki as anmelden. Von den Ki a-Lei ungen und Fachk ä en
wi d dies wiede um häu ig als Zeichen ge inge Ve an wo ungsübe nahme
gedeu e . Vo dem Hin e g und de hohen Bedeu ung, die wi gesellscha lich
dem Lei bild „ e an wo e e El e nscha “ (Landhäuße 2022) zuweisen, und
dem insgesam ehe abwe ungsbezogenen Disku s gegenübe mig an ischen
ode a men Familien, kann dies auch dazu üh en, dass diesen El e n in den
Ki as die „Ve dien hei “ (dese ingness, La son 2008) de Inansp uchnahme
sozials aa lich inanzie e Plä ze implizi abgesp ochen wi d („die El e n sol-
len oh sein, dass sie übe haup noch in die Ki a einge u sch sind“, Bollig/
Sichma 2023, S. 72). Wi d die Zusammena bei on El e n und Fachk ä en
du ch solche P ozesse belas e , kann dies zu Rückzugs endenzen ode de en-
Sabine Bollig
98
si en S a egien de El e n üh en (G undmann 2011), was wiede um ih e
Handlungs ähigkei in de Zusammena bei mi de Ki a einsch änk . Die
wohl ah sp oduk i e Pe spek i e mach hie en sp echend auch sich ba , wie
sich die ela ionalen Ve lech ungen on e schiedenen Ak eu en de Ko-P o-
duk ion au de en Posi ionie ung und Handlungs ähigkei in wohl ah ss aa -
lichen A angemen s auswi ken ( gl. Oelke s 2011).
Fü den Be eich de Kinde agesp lege is dieses Beispiel zum Zugang be-
s imm e El e n zu FBBE-Diens en inso e n in e essan , weil hie ja zusä zlich
den indi iduellen Passungs e häl nissen zwischen El e n und Kinde ages-
p legepe sonen eine wesen lich höhe e Bedeu ung ü das Zus andekommen
on Be euungs e häl nissen beigemessen wi d als in Ki as (Schoye e u.a.
2023; Ihm/Schoye e in diesem Band). Ungleichhei sbezogen wä e en sp e-
chend zu agen, welche spezi ischen E wa ungsho izon e an amiliale Ko-
P oduk ion sich im Kon ex de iel äl igen poli isch-adminis a i en S eue-
ung de Kinde agesp lege (Abschni 5.1) be ei s beim Zus andekommen
on Be euungs e häl nissen en al en und welche ungleichen Bedingungs-
ge üge de Ko-P oduk ion zwischen Familie und Kinde agesp lege sich da-
bei ausdi e enzie en.
F anz Xa e Kau manns Ansa z (2002, 1994) s ell mi seinem Fokus au Ko-
P oduk ion in wohl ah ss aa lichen A angemen s en sp echend eine Pe spek-
i e au den Eigensinn de Kinde agesp lege be ei , die au zuzeigen e sp ich ,
wie sich das konk e e na ionale, egionale ode lokale wohl ah ss aa liche
A an gie en on di e sen Ak eu en in konk e e Handlungskon igu a ionen
de So ge ü Kinde zwischen Kinde agesp lege und Familie „übe se z “ und
dabei auch soziale Ungleichhei im Zusammenspiel on ö en liche und p i a-
e Kleinkinde ziehung ep oduzie . Die au Kau manns A bei en au bauende
Pe spek i e des Wel a e Mixes se z da an an, e schließ diese Ko-P oduk ions-
e häl nisse jedoch s ä ke in eine wohl ah splu alen Pe spek i e.
5.2.2 Gemisch e Wohl ah sp oduk ion und Wel a e Mixes
Die ü die deu schsp achige E ablie ung des Konzep s des Wel a e Mixes
zen alen Au o en Adalbe E e s und Thomas Olk (1996) e wei e n F anz
Xa e Kau manns Ve s ändnis inso e n, dass Wohl ah s ä ke als gesam -
gesellscha liche Au gabe ge ass wi d und en sp echend die Leis ungen de
Zi il gesellscha s ä ke einbezogen we den. Dies lieg auch da an, dass sich
das Konzep de gemisch en Wohl ah sp oduk ion analy isch wie no ma i
au die sei den 1980e -Jah en sich ba gewo denen Funk ions-, S eue ungs-
und Teilhabep obleme im sich en wickelnden „wel a e se ice s a e“ (Be zel /
Bode 2022, S. 4) bezieh . Adalbe E e s und Thomas Olk ücken inso e n die
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Teil II | 5 Wohl ah sp oduk ion als heu is ische Zugang zum Eigensinn de Kinde agesp lege
Syne giee ek e in de Absiche ung wohl ah ss aa liche Teilhabes uk u en
im Zusammenspiel iel äl ige und endenziell gleich bedeu same Sek o en
de Wohl ah sp oduk ion in den Fokus.
Diese Sek o en de Wohl ah sp oduk ion we den dabei als unk ional-
di e enzie e gesellscha liche Sphä en e s anden – Ma k , S aa , Gemein-
scha (inklusi e Familie) und Zi ilgesellscha –, die jeweils spezi ischen
inne en Logiken olgen. Sie ep äsen ie en keine ealen äumlich-sozialen
Einhei en, sonde n ielmeh p inzipiell konku ie ende O dnungsp inzipi-
en, die endenziell alle Be eiche des sozialen Lebens du chd ingen, wenn-
gleich un e schiedlich dominan . Die olgende Tabelle zeig , wie sich die
eigenen Logiken diese Sek o en übe die zugehö igen kollek i en Ak eu e,
P inzipien de Handlungskoo dina ion, Bezugswe e, Gü ek i e ien, Kom-
plemen ä ollen au de Angebo s- und Nach agesei e, Aus auschmedien
sowie Zugangs egeln au bauen und mi welchen zen alen De izi en die ein-
zelnen Sek o en einhe gehen.
Die konk e e Bezeichnung und Cha ak e isie ung de Sek o en a iie da-
bei in de Wel a e-Mix-Fo schung (G unwald/Roß/Sagmeis e 2024), wenn-
gleich es übe g ei ende Ke nme kmale dieses sek o alen Ve s ändnisses on
wohl ah splu ale Ko-P oduk ion gib . So we den die ie Sek o en e s ens
in unk ionale Beziehung zueinande gedach . Zwei ens sind diese in e - und
anssek o alen Funk ionsbeziehungen komplemen ä ausge ich e , sodass
die zen alen De izi e de einzelnen Sek o en dadu ch po enziell kompensie
we den. Im Ho izon ak uelle Ökonomisie ungs endenzen und neolibe ale
Gou e nemen ali ä (Lemke 2000) ücken d i ens auch die nega i en In e -
dependenzen zwischen den Sek o en in den Blick, die du ch Konku enz-,
Schließungs- und Ve d ängungsmechanismen in de in e - bzw. anssek-
o alen Wohl ah sp oduk ion en s ehen. Deu lich zu e kennen sind diese
Funk ionsk isen im e we bszen ie en Sys em de Wohl ah ssiche ung in
Deu schland zum Beispiel an de s uk u ellen So ge-K ise. Adalbe E e s
und Thomas Olk (1996) be onen mi Blick au diese nega i en Dynamiken
und in e sek o alen Funk ionsk isen alle dings das Po enzial on Wel a e Mi
-
xes hinsich lich eine En ökonomisie ung de Wohl ah sp oduk ion, welche
du ch einen s ä ke en Einbezug zi ilgesellscha liche Au gabenübe nahme
gelingen soll, beispielsweise du ch Ve eine und nachba scha liche Un e -
s ü zungssys eme (k i isch zu diesem „Communi y-Kapi alismus“ an Dyk/
Haubne 2021). Eine ie e Gemeinsamkei on Wel a e-Mix-Ansä zen be-
s eh zudem da in, dass das Feld de sozialen Diens leis ungen (Soziale A -
bei , Kinde - und Jugendhil e e c.) als ein in e mediä e Sek o e s anden
wi d, de imme schon du ch iel äl ige Mischungs e häl nisse sek o ale
Logiken gep äg is .

Sabine Bollig
100
Tabelle: Me kmale de Sek o en de Wohl ah sp oduk ion
Ins i u ion Ma k S aa Gemeinscha Zi ilgesellscha
Sek o de
Wohl ah s-
p oduk ion
Ma k S aa In o melle
Sek o /Sek o
de Haushal s-
p oduk ion
Nonp o i -
Sek o /In e -
mediä e Sek o
P inzip de Hand-
lungskoo dina ion
We bewe b Hie a chie pe sönliche Ve -
p lich ungen
F eiwilligkei
Zen ale kol-
lek i e Ak eu
(Angebo ssei e)
Un e nehmen ö en liche
Ve wal ungen
Familien (Nach-
ba scha en,
e wei e e
Ve wand scha s-
ne ze, Be iebs-
kollegien, F eund-
scha en)
Assozia ionen
Komplemen ä -
olle au de
Nach agesei e
Konsumen ,
Kunde
Sozialbü ge Mi glied de
Gemeinscha
(z.B. de Familie,
Na ion)
Mi glied Assozia-
ion/Mi bü ge
Zugangs egel Zahlungs ähigkei legal e bü g e
Ansp uchs ech e
Ask ip ion/Koop-
a ion
Bedü igkei
Aus ausch-
medium
Geld Rech We schä zung/
Ach ung
A gumen e/
Kommunika ion
Zen ale
Bezugswe
(Wahl-)F eihei Gleichhei Rezip ozi ä /
Al uismus
Solida i ä
Gü ek i e ium Wohls and Siche hei pe sönliche Teil-
habe
soziale und poli i-
sche Ak i ie ung
Zen ales De izi Ungleichhei ,
Negie ung nich
mone a isie ba e
Folgelas en
Ve nachlässigung
on Minde hei-
enbedü nissen,
Einsch änkung
on Disposi-
ions eihei en,
En mu igung on
Selbs hil emo i en
Einsch änkung
de Wahl eihei
du ch mo alische
Ve p lich ungen,
Ausschluss on
Nich -Mi gliede n
ungleiche
Ve eilung de
Leis ungen und
Gü e , P o essio-
nalisie ungsde-
izi e, eduzie e
E ek i i ä de
Managemen -
und O ganisa-
ionss uk u en
Quelle: Eigene Da s ellung in Anlehnung an E e s/Olk 1996, S. 23
101
Teil II | 5 Wohl ah sp oduk ion als heu is ische Zugang zum Eigensinn de Kinde agesp lege
Im Ho izon de genann en wohl ah ss aa lichen T ans o ma ionsp ozesse
en s ehen zunehmend komplexe und auch kon lik ha e Ve lech ungsdyna-
miken zwischen p i a e und ö en liche , o melle und in o melle sowie
gewinn- und gemeinwohlo ien ie e Wohl ah sp oduk ion. Diese we den
aus de Pe spek i e de gemisch en Wohl ah sp oduk ion analy isch au e -
schiedenen, abe eng au einande bezogenen Ebenen un e such :
– au de Ebene de na ionalen und lokalen Wel a e Mixes beispielsweise mi
Blick au die Auswi kungen on P i a isie ung und Ma ke isie ung o -
mals s aa liche Gewäh leis ungs o men in na ionalen Sys emen de FBBE
(z.B. T æ ebe g u.a. 2021) ode en lang de En wicklungsp ade on Wel-
a e Mixes in s äd ischen ode ländlichen Sozial äumen (z.B. Bleck/ an
Rießen/Knopp 2018);
– au de Ebene on gemisch e S eue ung und hyb ide Go e nance, bei de
s aa liche, ma k liche und zi ilgesellscha liche Ak eu e gemeinsam Regeln
se zen, Ressou cen e wal en und/ode poli ische P ozesse und soziale
Inno a ionen ges al en (G unwald/Roß/Sagmeis e 2024); ein Beispiel
da ü sind die lokalen „E indungen“ neue Be euungs o men on Kin-
de n zwischen ö en liche Kinde agesp lege, nachba scha liche Be eu-
ung und eine ma k e mi el en kollek i en Daseins o so ge (z.B. Gallego/
Gonzáles/Maes ipie i 2024; Schoye e /Ihm/Bach 2021);
–
au de Ebene de Hyb idisie ung on O ganisa ionen, d.h. mi Blick au
die in e sek o alen Mischungs e häl nisse de Handlungskoo dina ion in
sozia len Diens en, die sich im Ho izon hyb ide Go e nance und im-
me komplexe we dende O ganisa ionsumwel en ausbilden (z.B. G un-
wald/Roß/Sagmeis e 2024). Ein Beispiel da ü sind die Ve ne zungen on
FBBE-Diens en mi gemeinnü zigen S i ungen, die in Ki as eh enam liche
Lesepa en ode F ühs ücksangebo e o ganisie en, was dazu üh , dass die
T äge s ä ke mi Fund aising-Au gaben kon on ie sind, um au s eigen-
de soziale Ungleichhei en zu eagie en.
–
In diesem Zusammenhang wi d auch die Hyb idisie ung konk e e P axis ollzü-
ge in sozialen Diens en un e such . Hie ücken die zunehmend wide sp üch-
lichen Handlungs a ionali ä en in imme komplexe en Hil e- und Koope a-
ionsbeziehungen in den Blick (z.B. Be zel /Bode 2022), wie beispielsweise
die Aushandlungsp ozesse zwischen Fachk ä en und El e n im Ho izon de
gleichzei ig ges ä k en a bei sma k - wie auch bildungsbezogenen Funk ion
on Ki as (Bollig/Sichma 2023), welche auch dazu üh en, dass sich p o essio-
nelle Iden i ä en und Kompe enzen wandeln (z.B. E inge 2021).
– Zudem ück auch die Ebene de indi iduellen Ve so gungs- und P legemixe
in den Fokus, welche die „nach agenden“ Pe soneng uppen im Ho izon
s aa liche Ansp uchssys eme, lokale Angebo ss uk u en sowie ih e indi-
Sabine Bollig
102
iduellen Ressou cenauss a ung und P ä e enzen zusammens ellen und
nu zen. Mi Blick au die FBBE we den beispielsweise die sozial ungleichen
Bildungs- und Be euungsa angemen s on Familien un e such , d.h. die
spezi ischen Kombina ionen in o melle und o melle Se ings de auße -
amilialen Kleindkindbe euung und -bildung, die El e n all äglich und
im Zei e lau o ganisie en und na igie en (z.B. Bollig/Honig/Nienhaus
2016).
5.3 Heu is ische Po enziale de wohl ah sp oduk i en
und Wel a e-Mix-Pe spek i e ü die Fo schung
zu Kinde agesp lege
Fü die Fo schung zu Kinde agesp lege ha diese Du chd ingung di e en e
Handlungs- und Sys emlogiken imme schon eine Rolle gespiel (z.B. Wie-
me 2010; Ju czyk 2005). So hob die eminis ische Ca e-Fo schung be ei s
üh die Schwie igkei he o , dass de ma k bezogene „Ve kau “ on ami-
liennahe So ge ü Kleinkinde nich ein ach nu ein Business sein kann, weil
dami die E wa ung de emo ionalen Beziehung zwischen Kinde agesp le-
gepe son und Kinde n e bunden is (S ichwo : Kommodi izie ung mü e -
liche So ge, z.B. Ande son/Hughes 2010). Diese A bei en e weisen da au ,
dass auch im Zuge de Fo malisie ung und In eg a ion de Kinde ages p lege
in das FBBE-Sys em de en Leis ung nach wie o au de Mobilisie ung übe -
wiegend in o mell e wo bene So gekompe enzen on ge ing quali izie en
Pe sonen au bau , die dadu ch – zumindes in de du ch Einzelpe sonen e -
b ach en Kinde agesp lege in p i a en Haushal en – in gleich meh ache
Weise an die p ekä en Logiken und Ressou cen amiliale Wohl ah sp o-
duk ion gekoppel bleiben (z.B. Ungleichhei de Ressou cenauss a ung und
Geschlech e o dnung, In isibilisie ung on Ca e-A bei und ge inge Ane -
kennung, komplexe mo alische und ma k liche Ve p lich ungss uk u en, e -
schöp ende emo ionale Wo kload; Glaese in diesem Band).
Die Pe spek i e gemisch e Wohl ah sp oduk ion könn e hie zusä zlich
die wei e en Ve lech ungen mi ande en Sek o en e hellen. So is die Kin-
de agesp lege als quasi-un e nehme ische Tä igkei on (zumeis ) Einzelpe -
sonen ja nich nu in ein e gleichsweise s a k indi idualisie es Nach age-
Angebo - Modell (Ma k ) eingebunden. Auch spiel die no ma i e Anbindung
an die ö en lichen FBBE-Fö de au äge übe Leis ungs e äge, Quali izie-
ung, Wei e bildung und Fachbe a ung (S aa ) eine zunehmend g oße Rolle,
wäh end de In e essens e e ung übe Be u s e bände (in e mediä e Sek-
o , Zi il gesellscha ) eben alls eine zunehmend o ien ie ende Bedeu ung zu-
103
Teil II | 5 Wohl ah sp oduk ion als heu is ische Zugang zum Eigensinn de Kinde agesp lege
komm . Die Kinde agesp lege s ell somi ein nahezu ideal ypisch hyb ides
Feld de Wohl ah sp oduk ion da . En sp echend is da on auszugehen, dass
sich ih e p ekä e Ins i u ionalisie ung und die dami e bundenen Kon lik -
linien nich nu in hyb iden Be u siden i ä en on Kinde agesp legepe so-
nen, sonde n auch in komplexen Aushandlungsp ozessen in de Ko-P oduk-
ion zwischen Familie und Kinde agesp lege e schließen lassen (K inninge ,
Tudo in diesem Band).
Das Konzep de gemisch en Wohl ah sp oduk ion läss sich in ca e- heo-
e ische Pe spek i e alle dings auch da ü k i isie en, dass hie doch on einem
ech echnisie en P oduk beg i ausgegangen wi d, welche de komplexen,
auch poli ischen Na u on Ca e-A bei nich ge ech wi d (Thelen 2022).
Auße dem e schleie de unk ional-di e enzie e Blick au eigen logische
P inzipien de Sek o en endenziell, dass die Un e scheidung in o male und
in o melle, ö en liche und p i a e Be eiche de Wohl ah sp oduk ion selbs
eine mach olle Kons uk ion im Ho izon gesellscha liche Poli iken de
So ge is . So zeigen beispielsweise Ta jana Thelen und Ca i Coe (2019) au ,
dass die Di e enzie ung on „p i a en“ und „ö en lichen“ So ge ä igkei en
und - e an wo lichkei en nich o ab gegeben is , sonde n in konk e en So -
gep axen je si ua i he o geb ach wi d. In de eigenen Fo schungsa bei zum
Doing Familienähnlichkei in de Kinde agesp lege (Bollig 2017) habe ich
an Einzel alls udien au gezeig , dass Kinde , Kinde agesp legepe sonen und
El e n im Kinde agesp lege-All ag pe manen die G enzlinien zwischen p i-
a e und ö en liche , solida ische und ma k liche sowie o melle und in-
o melle Kinde be euung aushandeln und da übe ko-p oduk i seh un e -
schiedliche P axis o men de Kinde agesp lege he o b ingen.
T o z de be ech ig en K i ik am sek o alen Konzep gemisch e Wohl-
ah sp oduk ion kann es jedoch wich ige Ansa zpunk e zu empi ischen Au -
hellung des Eigensinns de Kinde agesp lege lie e n, denn es eigne sich be-
sonde s gu da ü , um
–
heu is isch ü bes imm e „in as uk u elle Schni s ellen“ und Wide -
sp üche de wohl ah ss aa lichen Einbe ung de Kinde agesp lege zu
sensibilisie en und somi de en P axislogiken im Ho izon ih e jeweiligen
S eue ungs- und Go e nance-S uk u en zu e schließen;
–
dabei die komplexen Ak eu skons ella ionen (z.B. Kinde agesp legepe -
sonen, El e n, Kinde , ö en liche T äge ) und Aushandlungsa enen sowie
iel äl ige E äge de Wohl ah sp oduk ion in de Kinde agesp lege auch
neben den ö en lichen Fö de au ägen in den Blick zu nehmen;
–
auch die Bedeu ung lokale Wel a e Mixes im Sinne spezi ische lokale
Angebo s- bzw. Nach age e häl nisse und Kinde be euungskul u en mi -
einzubeziehen.
Sabine Bollig
110
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111
6 Familiale Konzep ualisie ung
on Be euung
Anme kungen zu Kinde agesp lege
aus eine p axis heo e isch in o mie en
Familien o schung
Dominik K inninge
6.1 Einlei ung
Diese Bei ag geh de F age nach, inwiewei die iel ach kons a ie e Fami-
lienähnlichkei de Kinde agesp lege du ch Familien mi he ges ell wi d. Dazu
wi d eine im Rahmen meh e e e ziehungswissenscha liche Fo schungsp ojek-
e zu Familie en wickel e p axis heo e ische Modellie ung o ges ell . Die ü
p axis heo e ische Pe spek i en g undlegende Be ach ung de Familie als sozia-
le und p ak ische He o b ingungsleis ung wi d dabei mi eine besonde en
sozialökologischen Au me ksamkei ü die Einbe ung de Familie in ih e ge-
sellscha lichen Umwel en e knüp . In ih en Koope a ions- (und Spannungs-)
Ve häl nissen zu auße amilialen Ins i u ionen und O ganisa ionen, so die zen -
ale These, bilden sich ü die Familie nich nu je spezi ische Koppelungen aus,
mi denen Funk ionen und Beda e wie die de Be euung bea bei ba we den.
Komplemen ä agen diese Koppelungen auch dazu bei, dass Ins i u ionen und
O ganisa ionen in de Au nahme de ihnen on den Familien en gegengeb ach-
en Beda e und An o de ungen ih e sei s Adap ionsp ozesse du chlau en. De
Bei ag is dabei wie olg au gebau : In einem e s en Teil we den zwei S änge
de sozialwissenscha lichen Familien o schung nachgezeichne . Da an schlie-
ßen im zwei en Teil ein e ie ende Blick in die angesp ochene p axis heo e-
ische Heu is ik und im d i en Teil ein Fallbeispiel zu Ve anschaulichung an.
Im ie en und le z en Abschni we den übe g ei ende Thesen zu den Ve häl -
nissen zwischen Familien und Kinde agesp lege disku ie .
6.2 Familien o schung – Schlaglich e au e schiedene
Pe spek i en
Im e s en Teil dieses Bei ags we den einige de zei ele an e Zugänge aus
dem Disku s de sozial- und e ziehungswissenscha lichen Familien o schung
Dominik K inninge
112
knapp o ges ell . Dabei geh es nich um einen olls ändigen Übe blick, son-
de n o allem da um, den im da au olgenden zwei en Teil skizzie en p axis-
heo e ischen Zugang, de in eine Reihe on eigenen Fo schungsp ojek en
en wickel wu de, einzuo dnen.
Da dezidie e ziehungswissenscha liche und sys ema ische Auseinande -
se zungen mi de Familie noch imme ehe sel en sind (aus üh liche zu die-
sem Disku s und dem Deside a seine Re i alisie ung: K inninge 2019), wi d
man au de Suche nach Theo ieangebo en subs anzielle in de Soziologie ün-
dig, ü die die Familie sei Langem einen spezi ischen ‚Fall‘ gesellscha liche
Ve häl nisse da s ell . Eine zen ale Rolle ü die En wicklung amilien heo e i-
sche Konzep e spiel dabei de Ansa z on Talco Pa sons. Ein g undlegende
Gedanke Pa sons’ is , dass indi iduelles Handeln du ch imme schon o han-
dene kul u elle No men p äjus ie wi d und sich da übe auch ela i s abile
soziale Beziehungso dnungen e geben. Soziale Lebens o men – insbesonde e
die Familie, die in Pa sons’ A bei en einen wich igen Pla z einnimm – bilden
sich demnach unk ional im Kon ex on und ü gesellscha liche S uk u en
he aus. Fü wes liche Indus iegesellscha en in de Mi e des 20. Jah hunde s
sind dabei s abile und ökonomisch auskömmliche A bei s e häl nisse p ägend,
die es e möglichen, eine Familie du ch ein E we bseinkommen zu e so gen.
Fü Pa sons bedingen diese Ve häl nisse eine Au eilung on E we bsa bei und
Sozialisa ions unk ion de Familie im El e npaa , aus de sich die ü diese Zei
ypische ‚Haus auen-Ehe‘ e gib (Pa sons/Bales 1955).1
An diese Figu de In e dependenz on Familie und Gesellscha ss uk u
schließen sich bis heu e heo e ische Konzep e zu Familie an. Eine dominan e
S ellung nehmen dabei handlungs heo e ische Ansä ze ein, die das amilienbe-
zogene Handeln und Ve hal en in den Kon ex s a egische En scheidungen
und des e izien en Einsa zes je o handene (ma e ielle und imma e ielle )
Ressou cen s ellen, mi denen die Handelnden im Rahmen gesellscha liche
S uk u en und No men ih Leben möglichs gu ges al en wollen. Diese lan-
ge T adi ionslinie zeichnen e wa Paul Hill und Johannes Kopp nach (Hill/
Kopp 2023). Sie sehen in Ra ional-Choice-Ansä zen (im Anschluss an Ha -
mu Esse ) und Theo ien ökonomischen Handelns (im Anschluss an Ga y Be-
cke ) zen ale G und igu en de soziologischen Analyse amiliale Lebens üh-
ung. Beiden is gemeinsam, dass dem Momen de En scheidung und dem
de Kos en-Nu zen-Abwägung hohe E klä ungsk a ü amilienbezogenes
Handeln zugesch ieben wi d.
1 Es wü de die G enzen dieses Bei ags sp engen, den Deba en in de Rezep ion on Talco Pa sons s uk-
u unk ionalis ischem Ansa z da übe nachzugehen, ob e insbesonde e in F agen de Geschlech e ollen
konse a i e gesellscha liche Ve häl nisse desk ip i e ass ode selbs eine en sp echende No ma i i ä
anspo ie .
113
Teil II | 6 Familiale Konzep ualisie ung on Be euung
Jünge e Fo schungen, die sich in diesen Zusammenhang eino dnen lassen
und die in alle Regel einem quan i a i en Un e suchungsdesign olgen, in-
den sich beispielsweise in E hebungen zu demog a ischen und sozial-mo -
phologischen Ve eilungen (Schneide 2023) ode zum E we bs e hal en
(ein Fo schungsübe blick: Pollmann-Schul 2023) ode zum Zusammen-
hang ami liale Lebens üh ung mi sozials uk u ellen Aspek en (K eyen eld/
Konie zka 2023). Die S ä ken diese Zugänge liegen in de E assung s uk-
u elle Zusammenhänge zwischen gesellscha lichen Bedingungen amilia-
le Lagen eine sei s und amilialen Lebens o men ande e sei s. Alle dings be-
s eh Beda an wei e e Fo schung, welche die je konk e e E ah ungsebene
des Familienlebens in den Blick nimm , die übe die au ehe globale Fak o-
en ges ü z e Fo schung hinausgeh . Ebenso sind auch T ans o ma ions- und
En g enzungsphänomene, die zwischen ins i u ionelle bzw. o ganisa ionale
Ebene eine sei s und indi iduelle Lebens üh ung ande e sei s zu e o en
sind, mi ande en Zugängen besse auszuleuch en.
In Bezug au diese Binnen- und P ozesspe spek i e is ein S ang de Fami-
lien o schung als wei e üh end einzuschä zen, de sich aus in e ak ionis isch-
kons uk i is ischen Ansä zen en wickel ha . Im Anschluss an sozialkons-
uk i is ische Theo ieen wicklungen zum Kons uk ionscha ak e des
all agswel lichen Wissens übe gesellscha liche Wi klichkei (Be ge /Luck-
mann 1969) besch eiben e wa B igi e Be ge und Pe e Be ge (1984) die
Familie als eine A ena, in de nich nu gesellscha liche Rollen in e nalisie
we den, sonde n in de die konk e e Ausges al ung diese Rollen zugleich e -
handel wi d. Die p ominen gewo denen A bei en on Jean-Claude Kau -
mann aus den 1990e -Jah en zeichnen nach, dass Paa e häl nisse ganz we-
sen lich auch im Rahmen all ägliche Ve handlungen, also beispielweise de
um die „Schmu zige Wäsche“ (Kau mann 1995), kons i uie we den. Auch
die A bei on Angela Kepple zu Kons i uie ung amiliale Gemeinscha
im Medium des Tischgesp ächs (Kepple 1994) olg eine en sp echenden
Aus ich ung. Konzep uell bündel de p axis heo e ische Zugang des Doing
Family diese und wei e e e wand e A bei en im deu schsp achigen Raum de
1990e -Jah e. Einen wich igen Hin e g und s ellen hie Theo ien all ägliche
Lebens üh ung (P ojek g uppe All ägliche Lebens üh ung 1995; Voß 1991)
da , die au die Ausdi e enzie ung enge handlungs heo e ische Pe spek i-
en zielen, indem sie nach de Kons i uie ung pe sonale Handlungssys eme
und -mus e (also e wa Tagesabläu e, Wochenabläu e ode Funk ions- und
Au gabenp o ile) im Kon ex gesellscha liche Bedingungen agen. Mi die-
sem S ang we den in de wei e en En wicklung des Doing-Family-Ansa zes
p axis heo e ische Elemen e e woben, die das Handeln de Ak eu e in seine
Einbe ung in soziale P ak iken und in seine Ve wobenhei mi Technik und
Dominik K inninge
114
Ma e iali ä e assen (Lange 2020). Dami we den sowohl die Kons uk i i-
ä p ak ischen Tuns als auch die soziale Beding hei indi iduellen Handelns
sich ba gemach . G undlegend beg ei de Ansa z in de Ve bindung diese
Pe spek i en Familie nich als gegebene S uk u , sonde n als soziale He s el-
lungsleis ung (Ju czyk 2020; Ju czyk/Lange/Thiessen 2014; zu wei e üh en-
den Diskussionen: Bollig/G oß 2024).
Wäh end die P axis heo ie als Heu is ik ü einen mik oanaly ischen Blick
au den Familienall ag und dessen implizi e O dnung genu z wi d, e mögli-
chen die Theo ien all ägliche Lebens üh ung eine „g obkö nige [e]“ (Lange
2020, S. 88) Pe spek i e, die sich wenige au soziale Mik op ozesse ich e
als au übe g ei ende Mus e und de en gesellscha liche Kon ex ualisie ung.2
Auch eigene A bei en sind in diesen Zusammenhang einzuo dnen (exemp-
la isch Mülle /K inninge 2016). In e hnog a ischen Falls udien haben wi
den amilialen All ag in den Ausschni en de gemeinsamen Mahlzei en, des
Kinde spiels und des gemeinsamen Fe nsehens da au hin analysie , wie sich
dabei je amilienspezi ische soziale und da in eingebe e auch pädagogische
O dnungen kons i uie en (zu wei e en Fo schungsp ojek en: K inninge
2023; K inninge /Kesselhu /Kluge 2018).
Auch wenn diese knappen Skizzen zweie S änge keine Gesam schau de
b ei e en Deba en de Familien o schung bie en, sollen doch wenigs ens zwei
Deside a a zum Abschluss des e s en Teils dieses Bei ags ma kie we den.
Zum einen we den zwa inne - und auße amiliale Ak eu :innen des Doing
Family un e schieden (mi un e du ch die Un e scheidung zwischen Doing
und Making Family). Alle dings dominie deu lich de Blick da au , wie die
Ak eu :innen und Ein ich ungen, mi denen die Familie in e agie , dazu bei-
agen, dass sich spezi ische amiliale Lebens e häl nisse kons i uie en. Wie
dagegen Familien mi ih en Beda en und An o de ungen ih e sei s die en -
sp echenden Felde (hie : de Be euung und Bildung) mi ges al en, e häl
kaum Au me ksamkei . Diese Pe spek i e wi d in den nächs en Abschni en
dieses Bei ags zunächs heo e isch und dann empi isch wei e en al e , um
zu zeigen, dass dies auch in Bezug au die Kinde agesp lege wei e üh end is .
Zum zwei en wä e meh Fo schung dazu wünschenswe , wie Familie als
Lebens o m ih e eigene p ozessuale En wicklung mi äg . Wenn im Sinne des
Doing-Family-Ansa zes P ak iken de all äglichen Lebens üh ung als Dimen-
sion de Ges al ung on Familie e ass we den, dann wi d dies empi isch als
Que schni e ass ode bezieh sich au Übe gangsphasen (in El e nscha ,
2 Einen Übe blick übe en sp echend ausge ich e e und in alle Regel quali a i e Fo schungen im deu sch-
sp achigen Raum geben Ka in Ju czyk und Jaqueline Ludwig (2020). Auch in e na ional lassen sich e -
wand e En wicklungen zeigen, insbesonde e in de englischen Familiensoziologie und hie e wa bei Da id
Mo gan (2011, 1996) ode bei Ca ol Sma (2007).
115
Teil II | 6 Familiale Konzep ualisie ung on Be euung
in de kindlichen Biog a ie, bei T ennung/Scheidung e c.), die als episodi-
sche Abschni e in den Blick ge a en – und zudem o du ch gesellscha liche
S uk u ie ungen induzie sind. P ozesse eines Doing Family on länge e
Daue we den kaum un e such . Dami bleib die P ozessuali ä on Fami-
lie in mi el- und länge is igen En wicklungen, die übe all ägliche Fo men
ih e He s ellung auch hinausgehen, unbe ücksich ig . Auch dies be i An-
passungs- und Kons i u ionsleis ungen on Familien, die sich im Zusammen-
spiel mi Kinde agesp leges ellen e geben können.
6.3 Zen ale Aspek e eine p axis heo e isch in o mie en
Familien o schung
De e ie ende Blick in den spezi ischen p axis heo e ischen Zugang zu E -
o schung de Familie, de hie o ges ell we den soll, be üh in zweie lei
Hinsich das Feld de Kinde agesp lege. Zum einen is die Familie eine un-
mi elba benachba e Ak eu skons ella ion, mi de die Kinde agesp lege ko-
ope ie . Zum zwei en is die Familie als eine soziale Wel zu e s ehen, die –
wie ge ade ma kie – nich nu au bes ehende Angebo e de auße amilialen
Be euung zu ückg ei , sonde n die in ih e Koope a ion (auch ih en Kon lik
-
en) mi den en sp echenden O ganisa ions o men diese ein S ück wei auch
mi kon u ie .
Ein wesen liche Fokus des p äsen ie en e ziehungswissenscha lichen Blicks
au die Familie is die soziale O dnung on Familien. Die Familie als eine dy-
namische Lebens o m zu e s ehen, die on den amilialen Ak eu :innen selbs
mi ges al e wi d, e laub es, die F age nach de Kons i uie ung de Familie mi
de F age nach de in ih e soziale O dnung eingebe e en amilialen Pädagogik
zu e knüp en. Fü diese F age nach dem pädagogischen Eigensinn on Fami-
lien gil es auch, die ü jede Familie und ih e Lage spezi ischen pädagogischen
Po enziale zu e assen und sich nich nu on pädagogisch- ins i u ionellen bzw.
bildungs- ode sozialpoli ischen In e essen lei en zu lassen.
Ein e s e heu is isch zen ale Aspek ü eine p axis heo e ische Modellie-
ung, die diese Pe spek i e au nimm , lieg in de Be ücksich igung de Di e-
enzs uk u en de Familie (Mülle 2007). Neben Di e enzen in de Pa ne -
scha de El e n spielen da ü die Di e enzen im Gene a ionen e häl nis eine
zen ale Rolle. Denn selbs wenn man aus eine e kü z en sozialisa ions heo-
e ischen Pe spek i e annimm , dass sich in Familien eine eine Rep oduk-
ion milieu- bzw. habi usspezi ische O ien ie ungen ollzieh , so e ügen die
Kinde übe diese O ien ie ungen zunächs noch nich und müssen sie sich
au die eine ode ande e Weise aneignen. Nich zule z e geben sich ü die Fa-

Dominik K inninge
116
milie kons i u i e Di e enzs uk u en auch du ch die In e e enzen zwischen
den pe sönlichen Dimensionen de El e n-Kind-Beziehungen und den in de
Familie e mi el en gesellscha lichen Ansp üchen, z.B. den Belangen des Bil-
dungssys ems (K inninge /Maiwald 2023; K inninge 2017). Diese Di e en-
zen bedingen, dass die Familie als soziale O dnung nich ein ach selbs läu ig
ungie , sie e o de n und e möglichen zugleich iel äl ige P ozesse de Di -
e enzbea bei ung. Diese Möglichkei sbedingung de Ges al ung de eigenen
Lebens o m ha eine ganz ähnliche Funk ion wie die zei diagnos ische Fes -
s ellung om „Ve lus de Selbs e s ändlichkei on Familie“ (Ju czyk/Lan-
ge/Thiessen 2014, S. 53). Ohne eine kla e No mal o m wi d die Lebens o m
zum Ges al ungsp oblem. In e ziehungs- und so ge heo e ische Pe spek i e
sind Di e enzs uk u en den asymme ischen El e n-Kind-Beziehungen in-
des be ei s selbs inhä en und we den nich e s du ch sich ans o mie ende
gesellscha liche Rahmungen induzie .
Ein zwei es Ke nmomen de hie o ges ell en p axis heo e ischen Mo-
dellie ung de Familie bes eh da in, dass ih e pädagogischen Po enziale
nich in eine B echung ode Suspendie ung ih e all äglichen Modi zu se-
hen sind, sonde n in eine p ak ischen Re lexi i ä , die diesen Modi selbs
inhä en is . Dabei is insbesonde e solchen P ak iken im Kon ex des a-
milialen All ags Re lexi i ä zuzusch eiben, die nich nu ou ine ö mig den
all äglichen P axismus e n bzw. de en eleoa ek i en S uk u en (Scha zki
2002) olgen. Re lexi i ä is P ak iken dann zu eigen, wenn sie – zumindes
in An eilen – jene Kompe enzen hema isch machen, die zu Pa izipa ion
an den sie ahmenden Si ua ionen ode zu E eichung de jeweils ele an-
en Ziele e o de lich sind. Eine solche in einem wei en Sinn zu e s ehen-
de Re lexi i ä is nich au eine Un e b echung ode Suspendie ung de
p ak ischen Vollzüge angewiesen, sonde n kann auch in den Vollzug selbs
ein ließen. P ak iken sind du ch Mi machen e le nba , sie o enba en eine
„P äsenz on Wissen und Können in kompe en en P axis ollzügen“ (Alke-
meye 2013, S. 58, H.i.O.) und e möglichen in de Teilhabe an ihnen die
En wicklung on Mi spielkompe enz. Zugleich sind sie auch o en ü „in
die P axis eingebundene Kommen a e, K i iken, Ko ek u en“ (ebd.), mi
denen sich ih e Pa izipanden im Modus de P ak ik zeigen, ‚wie es geh ‘.
Mi diese O ien ie ung geh eine Ö nung ü ein b ei es Spek um an
Wissens o men und Geschehensebenen des Familialen einhe : Ma e iali ä ,
Kö pe lichkei und Leiblichkei , A ek e, implizi es und explizi es Wissen,
amilienspezi isches Wissen (biog a isch, kul u ell, lokal) und nich zule z
gesellscha liche Disku se. All diese Dimensionen sind in amiliale P ak i-
ken e woben und können in amilialen Si ua ionen „einen Un e schied
machen“, wie B uno La ou o mulie .
117
Teil II | 6 Familiale Konzep ualisie ung on Be euung
Als d i es Elemen spiel die Ve wobenhei de Familie mi ih en gesellscha -
lichen Kon ex en eine wesen liche Rolle. Hie läss sich eine p axis heo e ische
mi eine sozial-ökologischen Pe spek i e au die Familie e binden. Eine zen-
ale Re e enz is dabei Susan Leigh S a mi ih em – zusammen mi Adele
Cla k en wickel en – Theo em de gesellscha lichen In as uk u , das sich
da au ich e , die O ganisa ion übe g ei ende soziale S uk u en zwischen
au einande bezogenen sozialen Wel en zu e assen (Cla ke/S a 2008). Die
einzelnen sozialen Sphä en begegnen sich in Felde n sich übe schneidende
In e essen und bilden dabei Ve lech ungen aus, die die soziale In as uk-
u bilden. Diese eminis isch gep äg e Ansa z ziel da au ab, Hidden Wo k
sich ba zu machen, jedoch nich in dem Sinne, wie das e wa die Soziologie
de Hausa bei angeh , indem sie die Missach ung häusliche Ca e-A bei on
F auen k i isie (Oakley 1978), sonde n indem die iel äl ige Be eiligung
un e schiedliche Ak eu sg uppen an soziale In as uk u he ausgea bei e
wi d. Das Beispiel eines ik i en, abe nich ungewöhnlichen Familienmo -
gens kann hie zu Ve anschaulichung dienen. Diese Mo gen beginn mi
ühem Au s ehen, e lang dann bald eine on Mu e ode Va e im Halb-
schla e s ändnis oll bis ges ess in onie e Reak ion au die Unlus des Kin-
des, das heu e „wi klich übe haup nich “ in die Ki a ode zu Tagesmu e
gehen will, und s ell El e n und Kinde danach o die Au gabe, F ühs ück,
Anziehen und den Weg zu Be euung in nich meh als eine D ei ie el-
s unde zu scha en, weil man ansons en den Mo genk eis s ö , was – wo-
au on den Fachk ä en be on nachsich ig hingewiesen wi d – „nich so
ge n gesehen“ wi d. So ein Mo gen läss sich als A bei nich nu deshalb be-
sch eiben, weil e an sich Ans engung e o de , sonde n auch deshalb, weil
e spezi ische Vo ausse zungen scha , au denen die dann ins i u ionell ge-
leis e e Be euung wesen lich au bau . Neben eine au ins i u ionelle Abläu e
abges imm en zei lichen Rhy hmisie ung wi d in solchen amilialen Abläu en
auch ganz g undsä zlich die Ve bindlichkei und mo i a ionale Basis des Ins i-
u ionenbesuchs mi he ges ell . Und nich zule z wi d un e ande em übe
die je spezi ische Ges al ung on Mik oübe gängen3 pe o ma i eine päda-
gogische Koppelung zwischen Familie und Be euungsins i u ion e zeug , die
die achliche Au o i ä de ins i u ionellen Ak eu :innen s ü z .
In diese – gegenübe dem klassischen Ansa z on U ie B on enb enne
(1981) ak ualisie en – sozialökologischen Sich weise we den die Ve sch än-
kungsdynamiken besch eibba , die sich in den Felde n de Be euung und de
3 Neben dem im Beispiel au ge u enen Mo genk eis kann es auch um ein F ühs ück mi de G uppe ode
um eine e s e Spielphase e c. gehen – ode im G undschulal e schlich um den Gong, de dann scha
und eindeu ig den Beginn on Un e ich ma kie .
Dominik K inninge
118
Bildung zwischen Familien und O ganisa ionen en al en (Eße u.a. 2022).
In den einzelnen sozialen Wel en, also e wa de Familie, is nun in de Be-
gegnung mi den jeweils ande en Sphä en eine spezi ische Ve s ändigungsa -
bei zu leis en. Zusammen mi James G ieseme e ablie Susan S a hie ü
den Beg i des G enzobjek s (S a /G ieseme 2017). G enzobjek e, die sich
du ch eine simul ane Zugehö igkei zu den e schiedenen sozialen Sphä en
und du ch eine „in e p e a i e Flexibili ä “ (S a 2017, S. 225) auszeichnen,
e möglichen seman ische Anschlüsse zu den jeweils ande en Bedeu ungs äu-
men und dami eine ela i e Kohä enz, ohne bes ehende Di e enzen au zu-
lösen. Familien müssen inso e n eine „ amiliale Übe se zungsa bei “ (K in-
ninge 2020, S. 300) leis en, mi de sie die ihnen aus ih e gesellscha lichen
Umwel begegnenden Au gaben und Themen adap ie en, mi de sie abe
ebenso ih e jeweiligen In e essen in die mi ihnen zusammenhängenden so-
zialen Wel en einb ingen.
Als ein en sp echendes G enzobjek ungie zum Beispiel Be euung. Geh
es dabei meh um Fü so ge ode um Bildung? Welche A soll e die Fü so ge
sein? S ä ke au den Aspek des Schu zes bezogen ode s ä ke au emo ionale
Nähe? Und was wä e eine gu e Bildung? Die En wicklung eines Ge ühls de
Ve bundenhei mi den ande en Kinde n und de Na u ode die En wick-
lung on Vo läu e e igkei en ü einen gu en S a in die Schule? Au sei en
on El e n und on auße amilialen Ak eu :innen de Be euung we den sich
hie un e schiedliche Pe spek i en, abe auch Übe eins immungen inden las-
sen. Im p ak ischen In e agie en zwischen diesen sozialen Wel en, in ih em
disku si en Aus ausch, in indi iduellen En scheidungen, abe auch in sozial-
s uk u ellen und adminis a i en Rahmenbedingungen e geben sich dann je
konk e e Kons ella ionen on Be euung. Das empi ische Beispiel im olgen-
den Abschni üh o , wie so ein P ozess aussehen kann.
6.4 „Ich wa nich ganz zu ieden mi ih “ – eine Fallminia u
zu amilialen Pe spek i e au Kinde agesp lege
Das Fallbeispiel s amm aus de im Jah 2021 e schienenen e hnog a ischen
S udie on Kaja Kesselhu zu Eingewöhnungsp ozessen in de K ippe. Im hie
he angezogenen Fall geh dem Besuch de K ippe ein Be euungsa angemen
bei eine Tagesmu e o aus, sodass auch die di e enzie e Pe spek i e de
Familie ( gl. olgende Abbildung) und insbesonde e de Mu e au die un e -
schiedlichen Be euungs o ma e ekons uie ba wi d.
119
Teil II | 6 Familiale Konzep ualisie ung on Be euung
Abb.: Familie Naza i/Na ai
Fo o: © Kaja Kesselhu
Familie Naza i/Na ai4 bes eh aus de Mu e Sada Naza i (31), dem Va e
Hamid Na ai (30) und dem gemeinsamen Sohn Ja ad (1,7 Jah e). Die El-
e n on Sada sind aus dem I an nach Deu schland mig ie , und sie wächs
in eine hessischen G oßs ad au . Nach dem Tod de Mu e geh sie in
den I an, leb do bei den G oßel e n mü e liche sei s und absol ie ein
S udium de I anis ik, zugleich häl sie den Kon ak nach Deu schland zu
wei e en Teilen de Familie, die hie leben. Nach ih em Bachelo -Abschluss
keh sie nach Deu schland zu ück und wohn sei dem in eine no ddeu -
schen G oßs ad . Zu Zei des Fo schungskon ak s is sie dabei, ih Me all-
design-S udium an eine ö lichen Fachhochschule abzuschließen. Va e Ha-
mid s amm eben alls aus dem I an. E komm im Al e on 18 Jah en ü
ein Maschinenbau-S udium nach Deu schland. E le n hie Sada kennen
und inde nach seinem Abschluss eine S elle als Ingenieu bei einem g oßen
Au omobilzulie e e . In de Lage de Familie e mischen sich Au s iegs- und
4 Die Namen de Pe sonen wu den pseudonymisie .
Dominik K inninge
126
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129
7 Zwischen Ö nung und Abg enzung
Dimensionen de Familiennähe in
de Kinde agesp lege
Ma eike Tudo
7.1 Einlei ung
Die e ziehungswissenscha liche Fo schung zu Pädagogik de ühen Kindhei
ha die Kinde agesp lege in den le z en Jah en, wenn auch noch nich seh um-
assend, in den Blick genommen und die Besonde hei en diese Be euungs-
o m in e schiedenen empi ischen S udien un e such . Im Fokus s ehen da-
bei neben den Un e schieden zu ins i u ionelle Kinde be euung insbesonde e
die pädagogische P axispe spek i e sowie die En wicklungen in Rich ung eine
P o essionalisie ung de Kinde agesp lege im A bei s eld de F ühpädagogik
(z.B. Spanu 2021; Schoye e u.a. 2020; Fuchs-Rechlin 2017; Cloos 2016; Heeg
2012). So gewonnene Einblicke in die pädagogische P axis ö nen den Weg ü
wei e e Anschluss agen. Besonde s in e essan is dabei das Spannungs eld, wel-
ches sich zwischen Besch eibungen und Zusch eibungen de Kinde agesp lege
und de sozialen Wi klichkei des Be euungsall ages au spann .
Kinde agesp lege kann mi Ma ina Hei kö e und Ka in Ju czyk als „ a-
miliennahe Be euungs o m gegen En gel “ besch ieben und als ein „Hyb id
zwischen Familien und Ö en lichkei “ (Hei kö e /Ju czyk 2010, S. 153) e -
s anden we den. Übe die genaue e Be ach ung diese Cha ak e isie ung de
Kinde agesp lege und insbesonde e de Konzep e de Familienähnlichkei
und Familiennähe soll de o liegende Bei ag den bes ehenden Fo schungs-
ansä zen eine wei e e Pe spek i e hinzu ügen. Dabei wi d aus de Binnenpe -
spek i e de Kinde agesp lege au die Beziehungss uk u en dieses Be eu-
ungsa angemen s zwischen Familie und Ö en lichkei geblick . Im Fokus
s eh die Kinde agesp legepe son und ih p i a es Familienum eld als soziale
E b ingungskon ex de Be euungsa bei . T o z zunehmende Ausdi e en-
zie ung de Fo men iel al und s eigende Tendenz on G oß agesp leges ellen
s ell e die Be euung on Tageskinde n im P i a haushal de Kinde agesp le-
gepe son im Jah 2024 mi knapp zwei D i eln noch imme die Meh hei de
Be euungsa angemen s da (S a is isches Bundesam 2024).
Bei de Be ach ung de Ve sch änkung aus p i a em Wohn aum und
A bei ss ä e and bishe die Ta sache, dass dies nich nu die Kinde ages-
p legepe son, sonde n auch wei e e Familienmi gliede um assen und be e -
Ma eike Tudo
130
en kann, ehe wenig Beach ung. Da das Be euungsse ing zumeis die p i-
a e Sphä e eine Familie da s ell , kann die Be euung on Kinde n nich
nu wie in eine Familie, sonde n auch a sächlich in eine Familie s a in-
den, beispielsweise bei gleichzei ige Be euung eigene Kinde . De Bei ag
a gumen ie , dass Kinde agesp legepe sonen die so en s ehende Ambi alenz
zwischen Ö en lichkei und P i a hei übe je indi iduelle P ak iken de Ö -
nung und Schließung ih e Familiens uk u e handeln. Diese Pe spek i e
läss einen Blick au das Konzep de Familiennähe zu, de dami nich nu
au s uk u elle Ähnlichkei en de Kinde agesp lege zu amiliale Be euung
ge ich e is , sonde n auch die F age au wi , inwiewei dadu ch Beziehun-
gen inne halb dieses Be euungsse ings a sächlich einen amiliä en Cha ak-
e au weisen können.
Zu Nähe ung an diese F age we den im e s en Abschni des Bei ags
bishe ige Pe spek i en au die Konzep e de Familienähnlichkei und Fami-
liennähe da ges ell und noch bes ehende Lee s ellen in Bezug au die Bezie-
hungsebene au gezeig . Da au olg de Vo schlag eine Heu is ik zu Analyse
de Familiennähe on Be euungs e häl nissen. In d ei Dimensionen we den
aus de Empi ie ge olge e Lei agen o ges ell , die an die Beziehungen in
Be euungs e häl nissen ge ich e we den können. Empi ische Beispiele aus
einem Disse a ionsp ojek zu G enzziehungen in de Kinde agesp lege e -
deu lichen und un e maue n die Dimensionen. Das Fazi schließ mi eine
Diskussion on Anschlussmöglichkei en de E gebnisse an soziologische und
e ziehungswissenscha liche Disku se zu Pädagogik de ühen Kindhei .
7.2 Theo e ische Annähe ung an Familiennähe
Die Beg i e de Familienähnlichkei und Familiennähe dienen zumeis dazu,
die Kinde agesp lege on ins i u ionellen Fo men de Kinde agesbe euung
abzug enzen, indem dami au das besonde e Ve häl nis zwischen Kinde -
agesp legepe son und Be euungskinde n sowie das p i a e Se ing e wie-
sen wi d. In diesem Zusammenhang we den p imä s uk u elle Ähnlich-
kei en zu amiliale Kinde be euung ins Feld ge üh . So benennen Ma ina
Hei kö e und Ka in Ju czyk die Gemeinsamkei en on Familienbe euung
und Kinde agesp lege olgende maßen: „Soziales Se ing, äumliche Umge-
bung, G uppeng öße, die Kon inui ä de Bezugspe son, A mosphä e, Zu-
wendungsin ensi ä und Indi iduali ä de Be euung in Kinde agesp lege
kommen amiliale Be euung nahe“ (Hei kö e /Ju czyk 2010, S. 160). Auch
As id Ke l-Wienecke, Gab iel Schoye e und Lucia Schuhegge pos ulie en:
„S uk u ell be ach e is die Kinde agesp lege eine Be euungs o m, die au
131
Teil II | 7 Zwischen Ö nung und Abg enzung
den e s en Blick Kinde n und El e n ein Maximum an ‚Familie‘ bie e “ (Ke l-
Wienecke/Schoye e /Schuhegge 2013, S. 50).
Das Bundesminis e ium ü Bildung, Familie, Senio en, F auen und Jugend
(BMBFSFJ) wi b in eine In o ma ionsb oschü e ü El e n ü die Kinde -
agesp lege als „ amiliennahe Al e na i e“. Implizi wi d dami die ins i u ionelle
Be euung als amilien e n ausgewiesen. Es kann eine Lesa diese Cha ak e isie-
ung de Kinde agesp lege in Anschlag geb ach we den, welche Familiennähe
in einem wö lichen Sinn sowohl in äumliche Hinsich als auch in Bezug au
den Typus de Sozialbeziehungen nah bei eine Familie e o e – im Gegensa z
zu auße amiliä e Be euung in de Kinde agess ä e. In de B oschü e we den
da übe hinaus die Kinde de Be euungspe son als ele an e soziale Kon-
ex de Kinde agesp lege hema isie , indem es heiß : „Gemeinsam mi ande-
en Tages p legekinde n ode den Kinde n de Kinde agesp legepe son können
soziale E ah ungen gemach we den“ (BMFSFJ 2019, S. 8). Zudem wi d die
Tages s uk u in de Kinde agesp lege als „Familienall ag“ (ebd.) bezeichne .
Es inden sich auch in de ak uellen Fo schung zu He s ellung und Bea -
bei ung on Familienähnlichkei Hinweise da au , dass die eigene Familie de
Be euungspe son als Be euungskon ex eben alls eine Rolle spiel . So s ellen
Ca ola F ank u.a. es : „Mi Familienähnlichkei wi d auch die Ve zahnung
de Be euung eigene Kinde mi de E we bsa bei zu Hause e bunden“
(F ank u.a. 2019, S. 102). De Ve weis au die Familie de Be euungspe son
geschieh alle dings zumeis ehe bli zlich a ig, ohne dass den sich da aus e -
gebenden Konsequenzen ü das Beziehungsge üge in de Kinde agesp lege
in den empi ischen Un e suchungen ein spezi ische Fokus zukomm . Als
eine Ausnahme läss sich hie de Bei ag on Sabine Bollig (2016) zu He -
s ellungsleis ung on Familienähnlichkei in de Kinde agesp lege als meh -
dimensionales Kons uk an üh en. Die e hnog a ische S udie zeig ü die
un e such en Be euungs e häl nisse un e schiedliche Mus e de Ve woben-
hei zwischen den Familien au de Beziehungsebene und Einbindungen in
die Familiens uk u de Be euungs amilie au .
Diese Un e suchung bes ä k das A gumen de Rele anz eines Blickes au
das Se ing de Kinde agesp lege nich nu im Hinblick au die pädagogische
P axis, sonde n auch au die zug unde liegenden Beziehungss uk u en. Das
In e esse dieses Bei ags ich e sich dabei zunächs au die au nehmende Fa-
milie und insbesonde e die Pe spek i e de Kinde agesp legepe son. Um den
Fokus zu schä en, e weisen sich die Übe legungen on Janina Glaese (2018)
als hil eich. Sie a gumen ie , dass Kinde agesp lege du ch die Einbindung
on ep oduk i e A bei als Lohna bei in ein p i a es Ve so gungs e häl -
nis als Tä igkei de Re-Familialisie ung be ach e we den kann, wäh end es
bei den abgebenden El e n zu eine De-Familialisie ung komm , indem sie

Ma eike Tudo
132
E we bsa bei und Familiena bei du ch die Inansp uchnahme ex e ne Be-
euung ennen. In de Kinde agesp lege im p i a en Zuhause sieh Janina
Glaese dagegen eine Rückübe üh ung on A bei und Leben in eine gemein-
same P oduk ions- und A bei ss ä e:
„Hie in lieg ein Alleins ellungsme kmal de Kinde agesp lege. Dieses Spezi i-
kum, im eigenen Familien ahmen ö en lich ge ö de e Ca e-A bei zu leis en,
is a sächlich – wie das Bundesminis e ium in seinen B oschü en da leg – ‚ a-
miliennah‘“ (Glaese 2018, S. 55).
Die Kinde agesp lege wi d dadu ch zu eine Tä igkei , de en Bedeu ung übe
die bloße äumliche Ve legung on E we bsa bei in den p i a en Be eich hi-
nausgeh , wie es e wa bei einem Bü ojob möglich wä e. Sie is somi nich
ein ach eine „Ki a im Homeo ice“. Dien die Kinde agesp lege nich nu ü
die abgebenden El e n, sonde n auch ü die Be euungspe son de Ve einba -
kei on Familie und Be u (Schoye e /Ihm/Bach 2021, S. 83), dann geh die
Ve einba kei nich mi eine Sepa ie ung, sonde n mi eine Gleichzei igkei
einhe . Beide Be eiche gehen in einem wö lichen Sinne eine „Ve einba ung“
mi einande ein. Die Kinde agesp lege wi d im Zuge diese Re-Familialisie-
ung zu einem En g enzungsphänomen:
„Das s aa lich ge ö de e Be euungsmodell du chlöche G enzen amiliale
Sphä en, indem Kinde , die o he in ge enn en Haushal en ‚Familien ages-
zei ‘ e b ach en, nun o übe gehend in die P i a sphä e eine ande en Fami-
lie eingegliede we den. Diese Au nahme in P i a es is zugleich ö en lich –
es handel sich schließlich um ein s aa lich ge ö de es Be euungsmodell“
(Glaese 2018, S. 55).
Wenn als ein spezi isches Cha ak e is ikum und Alleins ellungsme kmal de
Kinde agesp lege ausgewiesen wi d, dass diese „wie in de eigenen Familie“
(Al /Hei kö e /Riedel 2014, S. 793) s a inde , dann kann angenommen
we den, dass de E b ingungskon ex de Be euung in einem doppel en Sin-
ne ein amiliennahe is . Zum einen inde die Tagesp lege im P i a aum ei-
ne Familie s a , zum ande en wi dies die F age au , inwiewei die Be eu-
ungsbeziehungen dadu ch selbs in die Nähe p i a e , amiliale Beziehungen
ücken. Fü den o liegenden Bei ag e gib sich da aus umgekeh auch die
F age, inwie e n de P i a aum und die da in geleb en Familienbeziehungen
du ch den Einbezug de Kinde agesp lege auch eine ö en liche Dimension
e hal en und wie die be eilig en Pe sonen das so gescha ene Spannungs eld
zwischen Ö en lichkei und P i a hei e handeln.
133
Teil II | 7 Zwischen Ö nung und Abg enzung
Es kann eine Wechselwi kung angenommen we den zwischen de S uk u -
ähnlichkei de Kinde agesp lege zu amiliale Be euung, die du ch den Cha-
ak e des Se ings im P i a haushal mi kleinen G uppen und eine mu e -
ähnlichen Bezugspe son gescha en wi d, und de sich da aus e gebenen Nähe
zu amilialen Beziehungs o men. Diese Aspek eine im enge en Sinne ge-
mein en „Familiennähe“ soll anhand de im nächs en Abschni o ges ell en
empi ischen Beispiele e deu lich und mi de o geschlagenen Heu is ik be-
s immba gemach we den. Auch wenn die beiden Beg i e de Familienähn-
lichkei und Familiennähe in de Li e a u zumeis aus auschba und nich
nach eine spezi ischen Bedeu ung di e enzie e wende we den, bezieh sich
de Bei ag im Folgenden explizi au das Konzep de Familiennähe, da diese
Ausd uck die A gumen a ion on eine a sächlichen Nähe zu amiliä en Be-
ziehungen ep äsen ie . Im Gegensa z dazu ziel Familienähnlichkei ehe au
die s uk u ellen Pa allelen on Kinde agesp lege mi Familienbe euung ab.
In diesem Kon ex kann die Pe spek i e au die Familie als „sozial[e] Ins-
i u ionalisie ung on P i a hei “ (S adelbache 2020, S. 106) noch nähe in
den Blick genommen we den. De p i a e E b ingungskon ex und die hy-
b ide S ellung de Kinde agesp lege zwischen Ö en lichkei und P i a hei
e o de n Aushandlungs- und G enzziehungsp ozesse au e schiedenen Ebe-
nen. Dies haben be ei s einige empi ische A bei en insbesonde e in Bezug au
die äumliche Dimension ode die di e enzie e Ve wendung on Gegens än-
den im Haushal he ausgea bei e (z.B. Ka che 2023; Schoye e u.a. 2020).
Auch au de Ebene on Beziehungen in de Kinde agesp lege kann mi den
Annahmen zu P i a hei on Ko nelia Hahn und Co nelia Koppe sch (2011)
da on ausgegangen we den, dass sowohl P ak iken de sozialen Schließung als
auch In eg a ion eine Rolle spielen, da Ö en lichkei und P i a hei „Kons-
uk ionen jedes sozialen Beziehungsge üges“ (Hahn/Koppe sch 2011, S. 9)
da s ellen. Die An o de ung an die G enzziehungsa bei on Kinde ages-
p legepe sonen wi d dami als s e ige und dynamische Aushandlungsp ozess
in diesem Spannungs eld beg ei ba . P ak isch kann dies e wa bedeu en, dass
in Gesp ächen imme wiede neu übe die P eisgabe de p i a en Familien-
si ua ion ode auch übe die Ve ügba kei übe o izielle Be euungszei en
hinaus en schieden we den muss. Auch das Nähe-Dis anz-Ve häl nis zu den
Tageskinde n kann als Aushandlung eine Ö nung und Schließung soziale
Beziehungen in Familiennähe e s anden we den.
Fü die F age, inwie e n Beziehungen zu den El e n de be eu en Kin-
de übe Me kmale p i a e Beziehungen e ügen, e weis sich insbesonde e
die Anbahnungsphase de Be euungs e häl nisse als ele an . Hie legen die
E gebnisse on Gab iel Schoye e u.a. (2023) nahe, dass ü das Zus ande-
kommen eines Be euungs e häl nisses ein indi iduelles „Passungs e häl nis“
Ma eike Tudo
134
zwischen de Kinde agesp legepe son und den El e n bedeu sam is . Dieses
be uh übe wiegend au in o mellen Zugangsk i e ien, welche dem ö en li-
chen Zug i e bo gen bleiben. Me kmale des P i a en sind somi be ei s in
de G undkons i u ion de Be euungs e häl nisse angeleg .
7.3 Empi ische Annähe ung an Familiennähe
Die im Folgenden in diesem Zusammenhang o ges ell en d ei Dimensionen
on Familiennähe s ellen Teile gebnisse eines lau enden Disse a ionsp ojek s
zu G enzziehungen in de Kinde agesp lege da . Die Fo schungsa bei basie
au einem quali a i - ekons uk i en Ansa z. Zu Da ene hebung wu den
na a i e In e iews mi im eigenen Haushal be euenden Kinde agesp lege-
pe sonen in un e schiedlichem Al e und mi a iie ende Beschä igungs-
daue zu ih em Be euungsall ag ge üh . Mi eine sequenzanaly ischen Vo -
gehensweise nach de Me hode de Objek i en He meneu ik (We ne 2009)
wu den die In e iews da au hin analysie , welche Beziehungss uk u en
dem Be euungsa angemen de Kinde agesp lege zug unde liegen. Ausge-
hend on de Kinde agesp lege als Tä igkei im Spannungs eld zwischen Ö -
en lichkei und Familie, s and dabei insbesonde e das G enzmanagemen
au soziale Ebene im Fokus und somi auch die Ve handlung on Zugehö-
igkei en. Die In e p e a ion uß e au de Annahme, dass sich de spezi ische
Cha ak e on Beziehungen in G enzsi ua ionen in besonde em Maße e weis
und übe die Rekons uk ion on la en en Sinns uk u en sich ba gemach
we den kann. Die nach olgend o geschlagene Heu is ik se z an diese S elle
an, indem diese als S uk u gene alisie ung de In e p e a ionse gebnisse zwi-
schen dem Allgemeinen und dem Besonde en e mi el . In de empi ischen
Analyse zeig e sich, dass die Familiennähe on Be euungs e häl nissen du ch
die Dimensionen Ve sch änkung, E gänzung und Abg enzung besch ieben
und inne halb diese bes imm e F ages ellungen an den jeweiligen Fall he -
ange agen we den können. Jede Dimension wi d anhand on Beispielen aus
In e iews mi Kinde agesp legepe sonen e deu lich .
7.3.1 Dimension Ve sch änkung
Die Dimension de Ve sch änkung ag danach, wo Beziehungen in de Kin-
de agesp lege übe o melle Aspek e eines Diens leis ungsa angemen s hin-
ausgehen und sich somi mi Me kmalen p i a e Beziehungen e sch änken.
Dies b ing aus de Pe spek i e de au nehmenden Familie auch die F age mi
sich, inwiewei es zu eine Ö nung inne halb des amilialen Beziehungs ge üges
135
Teil II | 7 Zwischen Ö nung und Abg enzung
ü Pe sonen on außen komm . Wo und wie we den e sch änk e Zugehö ig-
kei en zwischen den Familiensys emen ma kie ? De Blick kann hie au e -
schiedene dyadische Beziehungsachsen ge ich e we den: Zum einen au das
Ve häl nis de Kinde agesp legepe son zu den abgebenden El e n wie auch zu
den Tageskinde n. Zum ande en sind abe auch Beziehungen zwischen den Ta-
geskinde n und wei e en Haushal sangehö igen, wie insbesonde e den eigenen
Kinde n de Kinde agesp legepe son ode dem Pa ne , ele an .
Ve deu lich we den kann die Rele anz de Ma kie ung on Zugehö ig-
kei de Tageskinde zu Be euungs amilie am Beispiel de Kinde ages-
p legepe son Sabine Lich e . Die Zugehö igkei wi d hie übe die Einbin-
dung in geschwis e liche Familiens uk u en mi els gemeinsame Ak i i ä en
zwischen den Tageskinde n und den eigenen Kinde n he ges ell . Sabine Lich-
e besch eib eine ypische In e ak ionssi ua ion nach dem Mi agsschla de
Tageskinde olgende maßen:
„(…) wenn sie mi ags au s ehen, sind meine Kinde da und dann agen die
auch und dann wi d auch einge o de , dass dann gelesen wi d und dies. Also
es is wi klich ja schon mi Familienanschluss. Und das inde ich auch g ade
gu . Nich so dieses-, sonde n wi klich die gehö en dazu.“
In e essan ü diesen Fall is de Al e sun e schied zwischen den Be euungs-
kinde n und den d ei eigenen Kinde n on F au Lich e , bei denen es sich um
Schulkinde im Al e zwischen 9 und 13 Jah en handel . Die He s ellung on
Zugehö igkei uß dami nich au eine Gleichzei igkei de Be euungsa bei
ü die eigenen Kinde und die Tageskinde , sonde n au eine eigens ändigen
Fü so gebeziehung zwischen den Kinde g uppen. Die Kinde de Familie Lich-
e e en übe das Vo lesen ü die jünge en Be euungskinde mi ihnen in
eine quasi-geschwis e liche Beziehung und eilen einen „geschwis e lichen“ E -
ah ungs aum. Es komm eine gemeinsame All ags ou ine zum Ausd uck, bei
de die Tageskinde – ma kie übe den Ak des Ein o de ns – die Kinde de
Be euungs amilie als ak i en Teil des Beziehungsge üges de Be euung wah -
nehmen. Die Zugehö igkei wi d beidsei ig emp unden und on de Tagesmu -
e Sabine Lich e als „Familienanschluss“ ge ahm . Die Tageskinde we den
somi in den K eis de Familie einbezogen („die gehö en dazu“) und nehmen
du ch die enge Beziehung zu den eigenen Kinde n einen S ellenwe ein, de
die empo ä e Übe nahme de Be euung du ch die Kinde agesp legepe son
übe s eig . Die Tageskinde we den au diese Weise in die Familie Lich e e -
gemeinscha e und in das Kollek i de Kinde de Familie subsumie . Es in-
de hie somi eine Ve sch änkung de amiliä en Sys eme du ch Anschluss de
Tageskinde s a , und zwa übe den Anke punk de eigenen Kinde .
Ma eike Tudo
142
Li e a u
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Teil III
Ins i u ionalisie ungs- und
ca e- heo e ische Pe spek i en
147
8 Eine so ge heo e ische Pe spek i e
au Ins i u ionalisie ungsp ozesse in
de Kinde agesp lege
Ok ay Bilgi und Gab iel Schoye e
8.1 Einlei ung
Sei die Kinde agesp lege o 20 Jah en den gleichen bundes ech lichen Fö -
de au ag wie Kinde agesein ich ungen ü Kinde in den e s en d ei Le-
bensjah en zugesp ochen bekommen ha , beglei e sie au achpoli ische und
achwissenscha liche Ebene ein de izi ä e Disku s übe ih en ge ingen In-
s i u ionalisie ungsg ad. Dabei wi d de ih zugesch iebene „ amilienähnli-
che Cha ak e “ (Al /Hei kö e /Riedel 2014, S. 792) in einem „G aube eich
zwischen P i a hei und Ö en lichkei “ (Seckinge 2014, S. 190) e o e
und das P i a e de Kinde agesp lege als Mangel gegenübe de ins i u io-
nellen Ve ass hei on Kinde agesein ich ungen in Anschlag geb ach ( gl.
e wa Ha wich/Rauschenbach 2023; Au o eng uppe Fachk ä eba ome e
2021). Besonde s deu lich läss sich diese De izi he o ik, die aus dem Ve -
gleich mi Kinde agesein ich ungen en sp ing , disku si nach ollziehen am
Be euungsse ing de G oß agesp lege, in dem in de Regel zwei Kinde ages-
p legepe sonen du chschni lich 10 Kinde be euen (S a is isches Bundesam
2024): G oß agesp lege wi d hie mi Blick au die Quali ä pädagogische
P axis k i isch be ach e und als „ein ich ungsähnliches Se ing“ (Deu -
sche Ve ein ü ö en liche und p i a e Fü so ge 2016, S. 9) bzw. als „quasi-
ins i u ionelle Fo m de Kinde agesbe euung“ (Seckinge 2014, S. 199) be-
sch ieben, wobei kons a ie wi d, dass „die Kinde agesp lege im T end imme
‚be ufliche ‘ und de Ki a ähnliche wi d“ (Au o :inneng uppe Kinde - und
Jugendhil es a is ik 2024, S. 61).
In diese K i ik eingesch ieben is eine Vo s ellung, dass kindhei spädagogi-
sche Ins i u ionen, die übe einen höhe en Fo malisie ungsg ad e ügen, eo
ipso die besse en pädagogischen Ins i u ionen seien. Eine in diesem Sinne hö-
he o malisie e Ins i u ion, so das implizi e A gumen , s uk u ie e nich nu
die P axis des O ganisie ens und Ve wal ens de be eu en Kinde , sonde n
siche e auch die Quali ä ih e E ziehung und Bildung: Da ü bedü e eine
gu e pädagogische P axis eines Bündels on Ve ah ensabläu en und aum-
zei lichen Vo sch i en als o ganisa ionale Vo ausse zung (z.B. aumbezogene
Angebo e ü einen Teil de Kinde g uppe mi es em Zei ak ). K i isch an-

Ok ay Bilgi und Gab iel Schoye e
148
zume ken is dazu be ei s aus eine o mal ech lichen Pe spek i e, dass in de
Sys ema ik des SGB VIII de § 45 mi de Be iebse laubnis on Kinde ages-
ein ich ungen lediglich au den ins i u ionellen Mindes s anda d zu Ge ah-
enabweh e weis , wäh end Aspek e on Quali ä eine E ziehung, Bildung
und Be euung in § 22 SGB VIII konk e isie we den. Dami is es gleiche -
maßen in Kinde agesein ich ungen und Kinde agesp lege die Au gabe des
ö lichen Jugendam s, die konk e en Leis ungen nach den Quali ä s o gaben
in § 22 SGB VIII zu gewäh en und inhal lich auszuges al en.1 Zumindes in
o mal ech liche Hinsich kann die pauschale Behaup ung eines ge ingen In-
s i u ionalisie ungsg ads de Kinde agesp lege also nich übe zeugen. Ins i u-
ionalisie ung beda ielmeh eine kon ex spezi ischen Ges al ung.
Dabei is zu beobach en, dass o mals p o essionelle sowie ins i u ionelle
Quali ä se wa ungen an Kinde agesein ich ungen undi e enzie au das
Feld de Kinde agesp lege übe agen we den (z.B. im Hinblick au das, was
Bildung sein soll), ohne die do o indba en, ins i u ionell-o ganisa ionalen
Bedingungen ih e spezi ischen P axis einzubeziehen (Schoye e u.a. 2020).
Im E gebnis zeichne sich eine Un e bes imm hei de Ins i u ionalisie ungs-
p ozesse im Feld de Kinde agesp lege ab: Kinde agesp lege wi d mi abs-
ak en, unspezi ischen E wa ungen an kindhei spädagogische Ins i u ionen
kon on ie , die sie in diesem Lich als de izi ä e scheinen lassen. Da Kinde -
agesp lege jedoch übe ande e o ganisa ionale Vo ausse zungen und Bedin-
gungen e üg , is es aus unse e Sich e kenn nis heo e isch naheliegend, die
Ins i u ionalisie ung de Kinde agesp lege als eine spezi ische soziale P axis
zu e s ehen, die sich o allem bei de in e p e a i en Umse zung ih e o -
mal ech lichen Vo gaben im Sys em de Kinde - und Jugendhil e zu Ausge-
s al ung on Quali ä ealisie .
Vo diesem Hin e g und ziel de o liegende Bei ag au eine doppel e
Ö nung: e s ens au eine spezi ische ins i u ions heo e ische Eino dnung de
Kinde agesp lege, um da an – zwei ens – sich ba zu machen, wie die Ins i-
u ionalisie ung de Kinde agesp lege als spezi ische Ausdeu ung ih es Fö -
de manda s e s anden we den kann. Dazu we den zunächs (Abschni 8.2)
eldspezi ische Bedingungen des O ganisie ens in Kinde agesp lege disku-
ie . Anschließend (Abschni 8.3) nehmen wi in heu is ische Absich au
de Basis ins i u ions- sowie ca e- heo e ische Ansä ze eine spezi ische Ana-
lysepe spek i e zu Ins i u ionalisie ungsp ozessen de Kinde agesp lege ein.
Dazu beziehen wi uns au jünge e En wicklungen de Ins i u ions o schung,
die neben No men, Regeln, In e ak ionen und S uk u en besonde s die so-
1 Die landes ech lich bes imm e Behö de e üll in § 45 SGB VIII mi de Ge ah enabweh „lediglich“ eine
o dnungs ech liche Au gabe. Fü diese ech liche Eino dnung danken wi P o . D . Reinha d Wiesne .
149
Teil III | 8 Eine so ge heo e ische Pe spek i e au Ins i u ionalisie ungsp ozesse in de Kinde agesp lege
zial-dynamische Bedeu ung on (ins i u ionellen) A ek en he o heben. In-
s i u ionalisie ungsp ozesse in de Kinde agesp lege e s ehen wi dabei als
He o b ingung und S abilisie ung on eldspezi ischen A ek o dnungen
(z.B. Bindung, Ve auen, Zugehö igkei ). Dami okussie en wi in beson-
de e Weise au die Wechselwi kungen binnenpädagogische A angemen s
und de Beziehungen ih e Ak eu innen und Ak eu e als konk e e Ausges al-
ung on So gea bei (z.B. bedü niso ien ie en Rauma angemen s, pe sön-
lich-emo ionalen Passungs e häl nissen zu den Familien sowie In e ak ionen
und Ri ualisie ungen).
Au diese Basis wi d im Abschni 8.4 schließlich am empi ischen Beispiel
aus eine All agssi ua ion eine Kinde agesp leges elle de F age nachgegan-
gen, ob und wie Kinde agesp lege als eine an he e ogenen So gebeziehungen
o ien ie e P axis zu einem e wei e en Ve s ändnis on Ins i u ionalisie ung in
de Kindhei spädagogik bei agen kann. Abschließend (Abschni 8.5) we den
E gebnisse diese Analysen im Sinne ih es E ags ü eine ins i u ions heo-
e ische Eino dnung de Kinde agesp lege zusammenge ass , und die F age
wi d disku ie , welche E kenn nisse da aus ü die Wei e en wicklung und
T ans o ma ion kindhei spädagogische Ins i u ionalisie ungs o men ange-
sich s ak uelle eldspezi ische He aus o de ungen und Au gaben gewonnen
we den können.
8.2 Bedingungen des O ganisie ens: Was is spezi isch
an Kinde agesp lege?
Da Kinde agesp lege o mal ech lich dem gleichen bundesgese zlichen Fö -
de au ag wie Kinde agesein ich ungen un e lieg , nähe n sich die dami
e bundenen p o essionellen Leis ungse wa ungen diese beiden Be euungs-
o men zunehmend an (e wa in Fo m on Bildungsplänen, Landesgese z-
gebungen ode kommunalen Sa zungen). So seh dies in o male Hinsich
und auch aus Pe spek i e be u liche Ane kennung sowie gesellscha liche
Au we ung on Kinde agesp lege nach ollziehba e scheinen mag, da dies
nich da übe hinweg äuschen, dass Kinde agesp lege du ch eine Vielzahl
on spezi ischen ins i u ionellen und o ganisa ionalen Bedingungen s uk-
u ie is , die ande e sind als die on Kinde agesein ich ungen.
En sp echend dem bundesgese zlichen Fö de au ag nach § 23 SGB VIII
übe nimm eine Kinde agesp legepe son ( ühe : „Tagesmu e “) ü bis zu
ün gleichzei ig anwesende, ih pe sönlich zugeo dne e Kinde den an sie ge-
ich e en und pe ö en lichem Manda legi imie en Au ag de E ziehung,
Bildung und Be euung. Du ch die be u s eihei liche Posi ion de Kinde -
Ok ay Bilgi und Gab iel Schoye e
150
agesp legepe sonen als übe wiegend selbs s ändig Tä ige beginn ih e Ve an -
wo ung be ei s bei de konzep ionellen und o ganisa o ischen Ges al ung ih es
eigenen Be euungsangebo s sowie bei de Auswahl de be eu en Kinde bzw.
Familien, die ganz übe wiegend au onom du ch die Kinde agesp legepe sonen
bes imm wi d (Schoye e u.a. 2023). Diese ie in den All ag hineing ei ende
O ien ie ung an pe sönlichkei sgebundenen, habi uell bzw. sozio-kul u ell be-
ding en Passungen zwischen Kinde agesp legepe sonen und Familien s ell –
im Ve gleich zu Kinde agesein ich ungen (Jooß-Weinbach/Schoye e in diesem
Band) – ein s uk u elles Spezi ikum de Kinde agesp lege da .
Diese spezi ischen s uk u ellen Bedingungen äuße n sich e schieden lich
in den P axiszusammenhängen de All agsges al ung in de Kinde ages p lege.
Im Folgenden wi d dies exempla isch und e dich e an d ei Pe spek i en e -
deu lich :
1.
Ein besonde s ma kan es Spezi ikum lieg zunächs da in, dass Kinde -
agesp legepe sonen ganz übe wiegend als alleiniges Zen um de Ve an -
wo lichkei sowohl ü Au gaben de E ziehung, Bildung und Be eu-
ung als auch ü alle ande en all agsp ak ischen Ve ich ungen e s anden
we den. Dabei wi d die einzelne Kinde agesp legepe son „als s eue n-
des Zen um in eine Posi ion uni e selle Ve an wo ung und um assen-
de Diens leis ungse b ingung en wo en“ (Schoye e u.a. 2022, S. 37).
Kinde agesp legepe sonen – auch in de G oß agesp lege – s ehen o de
He aus o de ung, „sich als all e an wo liche Ak eu *innen in einem kom-
plexen Ge lech on Zus ändigkei en, Ve an wo lichkei en und E wa -
ungen zu behaup en“ (Schoye e u.a. 2022, S. 43). Dieses Mus e de
Kinde agesp legepe sonen als all(ein) e an wo liche Ak eu :innen mi
di use Au gaben e dich ung e weis au ein o ganisa ional zu e b in-
gendes G enzmanagemen zwischen ö en lichen und p i a en Sphä en
(F ank u.a. 2019; Bollig 2016), um dami zum einen die hohe Au gaben-
und An o de ungsdich e zu bewäl igen sowie die g oße Ve an wo ung als
einzige Be euungs- bzw. Bezugspe son gegenübe den be eu en Kinde n
zu übe nehmen und zum ande en auch die eigene kö pe liche und psy-
chische Gesundhei au ech zue hal en. Die Figu de alleinigen Fü so ge-
e b inge in und all e an wo lichen All agsmanage in zwischen den Polen
de p ekä en Selbs so ge und eine lexiblen Ve einba kei on A bei und
All ag e weis sich dabei als eldspezi isch (Vie nickel/Ihm/Böhme 2019),
was auch in Ve bindung mi einem hohen pädagogischen We geb ach
wi d (Glaese in diesem Band).
2. Eine wei e e spezi ische o ganisa ionale Bedingung de Kinde agesp lege
lieg in de ela i au onom zu ges al enden He s ellung on Passung zu den
be eu en Kinde n und ih en Familien. Au g und ih e Selbs s ändigkei
151
Teil III | 8 Eine so ge heo e ische Pe spek i e au Ins i u ionalisie ungsp ozesse in de Kinde agesp lege
sind Kinde agesp legepe sonen in de Posi ion, „pe sönliche Passung“ zwi-
schen ih en (pe sönlichen) E wa ungen und denen de El e n he zus ellen,
die sie als eine „zwingende Gelingensbedingung“ besch eiben (Schoye e
u.a. 2023, S. 69): „Ma kan bei diesem Mus e is , dass eine ‚passgenaue‘
Zusammena bei inhal lich unbes imm bleib , also nich s anda disie ba
bzw. a ikulie ba is , sonde n pe sönlichkei s- bzw. pe sonengebunden“
(Schoye e u.a. 2023, S. 101). Kinde agesp legepe sonen en we en sich
dabei p imä nich als ein Diens leis ungsangebo , au das Ansp uchsbe-
ech ig e und Koope a ionsak eu e ungeb ems en Zug i hä en, „sonde n
als (p i a e) Einzelpe son, de en indi iduell-pe sönliche Bedingungen zu
den handlungslei enden P axislogiken we den“ (ebd.). Das bedeu e im
Umkeh schluss zwa nich , dass das ö en liche Be a ungs- und Un e s ü -
zungssys em ü die Kinde agesp legepe sonen i ele an wä e (Schoye e /
Ihm/Bach 2020), alle dings e schein de Nukleus de binnenpädagogi-
schen All agsges al ung mi Kinde n und ih en El e n als de a sensible
P axiszusammenhang ü die Kinde agesp legepe son, dass diese in e s e
Linie als bila e ale Klä ung zwischen Kinde agesp legepe son und Familie
be ach e wi d. Mögliche weise kann dies auch einen Bei ag zu E klä-
ung lie e n, wa um in Kinde agesp lege be eu e Kinde häu ige siche e
Beziehungen en wickeln als in Kinde agesein ich ungen und die Kinde -
agesp lege aus en wicklungspsychologische Pe spek i e deshalb o allem
ü die En wicklung on kleinen Kinde n als das güns ige e Be euungs-
se ing be ach e wi d (Ahne 2020). Da ü sp ich auch, dass El e n die
Kinde agesp lege ge ade ü ih e pe sönliche e und siche e e Be euungs-
umgebung schä zen (Ki imäki/Ka ila/Alasuu a i 2023).
3.
In eine d i en Pe spek i e wi d die Rele anz on Räumen ü die Ges al ung
on Beziehungen hema isie . Dabei s ell zunächs de ‚gesellscha liche
O ‘ de Leis ungse b ingung ü die Kinde agesp legepe sonen eine spe-
zi ische Bedingung da . „Eine sei s soll die P i a wohnung ü die ö en -
liche Kinde agesp lege in geeigne e Weise ges al e sein, ande e sei s wi d
sie als ein p i a e Raum ü die eigene Familie posi ionie “ (Schoye e /
Ihm/Bach 2020, S. 205). Fü die Kinde agesp legepe sonen is es gleich-
sam no wendig, selbs da übe zu bes immen, welche Räume, Gegens ände
und Pe sonen p i a bzw. ö en lich sind, wobei diese G enze zum Gegen-
s and ih e äglichen Aus a ie ung wi d: „Die p o essionelle Leis ung, die
on den Kinde agesp legepe sonen hie e b ach wi d, lieg im Ausbalan-
cie en on Nähe und Dis anz zu Familie“ (F ank u.a. 2019, S. 117), wobei
de „ins i u ionelle Tak (…) au de Ebene on aum-zei lichen Gegeben-
hei en de Kinde agesp leges elle, wenn es e wa um Essens-, Schla - ode
B ing- und Abholzei en geh “ (Schoye e u.a. 2023, S. 81), als kla e Be-