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Spitzensport und Migration: Theoretische Überlegungen zu Lebensmittelpunktversetzungen von Spitzensportlern / von Marc Kukuk

Abstract

Veröffentlichungen der Universität ohne VL-DOI. Spitzensport und Migration : Theoretische Überlegungen zu Lebensmittelpunktversetzungen von Spitzensportlern / von Marc Kukuk. Paderborn, 2016

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Spitzensport und Migration: Theoretische Überlegungen zu Lebensmittelpunktversetzungen von Spitzensportlern / von Marc Kukuk

Author: Kukuk, Marc
Year: 2016
Source: https://digital.ub.uni-paderborn.de/hsx/content/titleinfo/1936536/full.pdf
Spi zenspo und Mig a ion
Theo e ische Übe legungen zu
Lebensmi elpunk e se zungen on Spi zenspo le n
De Fakul ä ü Na u wissenscha en
de Uni e si ä Pade bo n
zu E langung des akademischen G ades
Dok o de Philosophie (D . phil.)
o geleg e Disse a ion on
Ma c Kukuk
Pade bo n, 25. No embe 2015
Spi zenspo und Mig a ion 1
Inhal s e zeichnis
Vo wo ............................................................................................................................................... 4
I Ein üh ung ............................................................................................................................... 7
1 P oblems ellung ..................................................................................................................... 7
1.1 Fo schungs age und Fo schungsziele ..................................................................................................... 14
1.2 Fo schungss and ............................................................................................................................................... 16
1.2.1 Mig a ion in de spo wissenscha lichen Fo schung ...................................................................... 17
1.2.2 Zusammen assung de Be undlage und Fo schungsde izi e ....................................................... 32
1.3 Anlage und Au bau de A bei ..................................................................................................................... 35
II Theo e ische Übe legungen ................................................................................................ 40
2 Re e enzpunk e: Beg i e und Theo ien de Mig a ionssoziologie .............................. 40
2.1 Mig a ion: ein schille nde und ielschich ige Beg i ....................................................................... 41
2.2 Theo e ische Ansä ze zu E klä ung on Mig a ion ............................................................................ 48
2.2.1 Mak o heo e ische E klä ung on Mig a ion ...................................................................................... 51
2.2.2 Mik o heo e ische E klä ung on Mig a ion ....................................................................................... 58
2.2.3 Meso heo e ische E klä ung on Mig a ion........................................................................................ 65
2.3 Zusammen assung: E klä ungsgehal ü Mig a ionsp ozesse im Spi zenspo ...................... 73
2.3.1 E klä ungsk a und E klä ungsmängel de o ges ell en Theo ien ü den Be eich des
Spi zenspo s ................................................................................................................................................... 75
2.3.2 Folge ungen ü eine heo e ische E klä ung on Mig a ion im Spi zenspo ...................... 83
Spi zenspo und Mig a ion 2
3 Ebenen eine Theo ie de Mig a ion im Spi zenspo .................................................... 84
3.1 Mig a ionsbedingungen au de Mak oebene des Spi zenspo s ................................................. 88
3.1.1 Codie ung: Zu Bedeu ung on Sieg und Niede lage ..................................................................... 89
3.1.2 Zwei ach sch ankenlose Siegescode .................................................................................................... 93
3.1.2.1 Me i ok a ische Sch ankenlosigkei : Hype inklusion ................................................................ 94
3.1.2.2 Te i o iale Sch ankenlosigkei : Na ionali ä e sus T ansna ionali ä ............................... 98
3.1.3 Zwischen esümee ....................................................................................................................................... 103
3.2 Mig a ionsbedingungen au de Mesoebene des Spi zenspo s................................................ 107
3.2.1 P og ammie ung: Zu Bedeu ung on O ganisa ionen und Mi gliedscha sbedingungen
............................................................................................................................................................................ 108
3.2.1.1 Ge ah de Exklusion: Mi gliedscha sbedingungen in Spi zenspo o ganisa ionen 110
3.2.1.2 S ando o e en: Raum- und Zei bezüge de O ganisa ion des Spi zenspo s ......... 114
3.2.2 S uk u analyse: Spo a spezi ische Mig a ionsbedingungen ................................................. 119
3.2.2.1 Me hodische Hinweise ....................................................................................................................... 119
3.2.2.2 Hie und da und hie und do : Fußball als Beispiel eine Spo a mi Ligabe ieb.. 121
3.2.2.2.1 O ganisa o ische Rahmenbedingungen des Ligabe iebs ............................ 121
3.2.2.2.2 Mi gliedscha sbedingungen im p o essionellen Fußball ............................. 125
3.2.2.2.3 Folge ungen ü Lebensmi elpunk e o ungen on p o essionellen
Fußballspiele n ............................................................................................................... 133
3.2.2.3 In 365 Tagen einmal um die Wel : Tennis als Beispiel eine Spo a mi
Tu nie be ieb ........................................................................................................................................ 134
3.2.2.3.1 O ganisa o ische Rahmenbedingungen des Tu nie be iebs ...................... 135
3.2.2.3.2 Mi gliedscha sbedingungen im p o essionellen Tennis ............................... 139
3.2.2.3.3 Folge ungen ü Lebensmi elpunk e o ungen on p o essionellen
Tennisspiele n ................................................................................................................. 145
3.2.2.4 Dem Schnee hin e he : Ski alpin als Beispiel eine Spo a mi Wel cupbe ieb ....... 148
3.2.2.4.1 O ganisa o ische Rahmenbedingungen des Wel cupbe iebs ................... 148
3.2.2.4.2 Mi gliedscha sbedingungen im p o essionellen Ski Alpin .......................... 153
3.2.2.4.3 Folge ungen ü Lebensmi elpunk e o ungen on p o essionellen
Ski ennläu e n ................................................................................................................. 157
3.2.3 Zwischen esümee ....................................................................................................................................... 158
Spi zenspo und Mig a ion 3
3.3 Mig a ionsbedingungen au de Mik oebene des Spi zenspo s ............................................... 163
3.3.1 Nu zba machung spi zenspo ele an e S ando o e en: s a egische Implika ionen
............................................................................................................................................................................ 164
3.3.2 Umgang mi Mobili ä und Mig a ion im Spi zenspo : implizi e He aus o de ungen .. 179
3.3.3 Zwischen esümee ....................................................................................................................................... 186
4 In eg a ion de heo e ischen Übe legungen: Re lexionen au Basis de
Mig a ionsbedingungen .................................................................................................... 190
III Schluss .................................................................................................................................. 204
5 Fazi und Ausblick .............................................................................................................. 204
5.1 Zusammen üh ung de heo e ischen Übe legungen .................................................................... 205
5.2 Schluss olge ungen und Konsequenzen............................................................................................... 209
Li e a u e zeichnis....................................................................................................................... 216
Abkü zungs e zeichnis................................................................................................................. 246
Tabellen e zeichnis ....................................................................................................................... 247
Abbildungs e zeichnis ................................................................................................................. 248

Spi zenspo und Mig a ion 4
Vo wo
Viele sozialwissenscha liche Fo schungsa bei en mi einem spi zenspo lichen
Themenbezug haben au obiog a ische Züge. Fo sche und Fo sche innen s oßen
im Rahmen ih e eigenen Spo ausübung au Phänomene, die sie in insisch mo-
i ie nähe e g ünden wollen und in ein Fo schungsp oblem und eine Fo -
schungs age übe se zen.
Eine solchen Genese de P oduk ion on Wah hei en olg die hie o liegende
A bei nich . Dem Ti el de A bei is zu en nehmen, dass das Fo schungs hema
zwei Be eiche e ass , die sich in eine wie auch imme gea e en Weise übe -
schneiden, aneinande bedingen und sich i gendwie gegensei ig beein lussen:
Spi zenspo und Mig a ion. Nun is meine pe sönliche Spi zenspo ka ie e in
d ei Wo en schnell e zähl : Es gib keine! E was, abe auch nu ge ing ügig an-
de s, ges al en sich meine biog a ischen E ah ungen mi Mig a ion. Imme hin bin
ich wäh end meines S udiums aus dem El e nhaus ausgezogen, um danach as
wiede do hin zu ückzukeh en. Meinen ak uellen Lebensmi elpunk bewohne
ich nach einem d eimona igen In e mezzo in eine ande en Wohnung am selben
O be ei s zum zwei en Mal. Insgesam wü de ich mich als seh o sgebunden
besch eiben, meine Heima , meine Ve eine und mein soziales Um eld sind mi
wich ig. Was ich mi on einem e üll en Leben wünsche, inde ich do .
Da um g ünde mein An ieb, mich mi dem Thema de Mig a ion im Spi zenspo
auseinande zuse zen in einem Kon as de Biog a ien. Mi eine spi zenspo li-
chen Ka ie e – so die Ausgangs hese de o liegenden A bei – gehen auße ge-
wöhnlich hohe Mobili ä s- und Mig a ionsan o de ungen einhe , die eine O s-
gebundenhei kon e ka ie en und mi meinen spä lichen E ah ungen nich zu
e gleichen sind. Was junge Menschen dazu beweg , die dami einhe gehenden
Spi zenspo und Mig a ion 5
Konsequenzen au sich zu nehmen, möch e ich au den olgenden Sei en aus ei-
ne analy ischen Dis anz genaue e g ünden.
Was es bedeu e , au ein Ziel übe Jah e hinweg hinzua bei en – die Basis ü
spi zenspo lichen E olg –, habe ich beim Ve assen de o liegenden Disse a-
ion selbs e leben können. Beglei e on Höhen und Tie en, Fo sch i en und
Rücksch i en konn e ich Sch i ü Sch i imme wei e in das Thema hinein au-
chen. Am Ende ga mi höchs mögliche Fokussie ung und de No wendigkei ,
ande e mi wich ige Lebensbe eiche empo ä schwei en zu lassen, sodass ich
mich in zei liche , sachliche und soziale Hinsich ollends au den Abschluss des
ange angen P ojek s Disse a ion konzen ie en konn e.
Dies wä e mi ohne ein Un e s ü zungsum eld, das mi au di ek e und indi ek e
Weise behil lich wa , nich möglich gewesen. Mein Dank gil den beiden Gu ach-
e n meine Disse a ion: P o . D . Heiko Meie , de nich nu den no wendigen
Ans oß zum Eins ieg in das Thema gelie e ha , sonde n mich auch mi eno men
und on mi geschä z en Ve auen ge ö de und ge o de ha , und P o . D .
Sabine Rad ke, ü die es keine F age wa , das Vo haben zu beglei en und s e s
ih e Hil e anzubie en.
Kons uk i e K i ik und Denkans öße kamen on ihnen ebenso wie on meine
Kollegin Cindy Adolph-Bö s, die mi eine wich ige Aus auschpa ne in wa , sowie
on meinem Kollegen D . La s Riedl, de mi ein wich ige S uk u gebe meine
Gedanken wa . Den S uden ischen Hil sk ä en de Spo soziologie an de Uni e -
si ä Pade bo n, Julia G o e, Anna Kö ing, Julia Schönlau und Daniel Pöche, sei
auch gedank . Mi ielen kleinen Hil en haben sie einen wich igen Bei ag an de
En s ehung de nach olgenden Sei en geleis e .
Meine Familie gil ein spezielle Dank. Mein Va e und meine Mu e haben die
no wendigen Rahmenbedingungen ü meine wissenscha liche En al ung ge-
scha en. In de Phase de Fe igs ellung de Disse a ion ha Die ha d Lange wie
Spi zenspo und Mig a ion 6
selbs e s ändlich seine Be euungsau gaben ausgewei e und mi so zei liche
F ei äume gescha en. Einen wesen lichen Bei ag haben F anz Happe und Gaby
Lange-Happe du ch die Be ei s ellung eine en spann en und p oduk i en A -
bei sumgebung in ‚Sch eibhausen‘ geleis e .
Zu gu e Le z möch e ich einen Dank aussp echen, de so g oß is , dass e ‚bis
zum Mond und zu ück‘ geh . Diese he zliche Dank gil meine F au B i a Kukuk
und meinen Kinde n Kian und Maja. Alle d ei haben mich s e s liebe oll in mei-
nem Vo haben bes ä k , muss en e hebliche Ve zich sleis ungen au sich nehmen
und mi gezeig , was wi klich wich ig ü mich is .
D ingenbe g im No embe 2015
Ma c Kukuk
Spi zenspo und Mig a ion 7
I Ein üh ung
1 P oblems ellung
Robe Lewandowski wechsel on Bo ussia Do mund zum FC Baye n München,
Toni K oos om FC Baye n München zu Real Mad id, Angel di Ma ia on Real
Mad id zu Manches e Uni ed und Shinji Kagawa on Manches e Uni ed (zu ück)
zu Bo ussia Do mund. Das mediale Somme loch zwischen zwei Spielzei en im
Fußball wi d alljäh lich mi eine eigenen Spannung au geladen, wenn sich das
T ans e ka ussell d eh und es heiß : Welche Spiele
1
wechsel zu welchem Fuß-
ball-Klub
2
? Aus Sich de Fußball-Klubs is es gängige P axis, das Pe sonal, d. h.
die Spiele egelmäßig aus spo lichen und wi scha lichen G ünden auszu au-
schen. Das üh beispielsweise dazu, dass in de Saison 2014/2015 in de Bun-
desliga nu ca. 7 P ozen de Spiele ü einen Fußball-Klub ih e Gebu ss ad
spielen, d. h. die dominie ende Meh hei de Fußballspiele wi d aus ande en O -
en ek u ie .
3
Was abe bedeu e dies ü die Spiele ? Zu o de s is he auszu-
s ellen, dass ü sie äumliche Mobili ä eine wich ige Vo ausse zung ü die e -
olg eiche Teilhabe am globalisie en A bei sma k des P o i-Fußballs zu sein
schein . Rela i ku ze Ve agslau zei en und Ad-hoc-Wechsel ku z o Ende de
T ans e pe ioden e hinde n dabei egelmäßig eine lang is ige Planba kei on
Lebensmi elpunk e o ungen im P o i ußball.
1
Aus G ünden de Lesba kei wi d an diese S elle und im Folgenden bei pe sonenbezogenen Subs an i en das gene i-
sche Maskulinum e wende . Dieses e s eh sich als geschlech sneu al und bezieh Pe sonen jeglichen Geschlech s
ein, so e n es nich ande s angegeben is .
2
Da de Beg i Fußball-Klub keine Rech s o m implizie , e häl e in diese A bei den Vo zug o de Bezeichnung
Fußball-Ve ein, de als O ganisa ions ypus im p o essionellen Fußball kaum meh eine Rolle spiel , und dem Beg i
Fußball-Un e nehmen, de im Zusammenhang de Komme zialisie ung des P o i ußballs häu ig nega i konno ie
wah genommen wi d.
3
Eigene Be echnung anhand on Kicke -Online Da en ( gl. Kicke Online, 2014)
Spi zenspo und Mig a ion 14
s ellung soziale und amiliä e Bindungen gegenübe – so könn e man die em-
pi isch gewonnenen E kenn nisse subsummie en ( gl. Rüge , Feldhaus, Becke &
Schlegel, 2011; Schie , 2009b; Schneide e al., 2002; Schwedes, 2013).
En scheidungen ü ode gegen einen Umzug on Spi zenspo le n sind somi
imme in den we kamp spo lichen Kon ex einzube en. De Um ang, die benö-
ig en zei lichen und inanziellen Ressou cen und die un e Ums änden dami ein-
he gehenden psychischen und physischen Folgen on Mig a ion sind somi ele-
an e Pa ame e des All ags- und Ka ie emanagemen s im Spi zenspo , die ei-
ne genaue en, ie e gehenden Be ach ung zu un e ziehen sind. Denn in diese
Hinsich gil auch ü den speziellen Be eich des Spi zenspo s, was de b i ische
Mig a ions o sche King (2002) mi Blick au neue Mig a ions o men im Allgemei-
nen beme k : "The e is a endency o mig a ion no o be documen ed i i is no
seen as p oblema ic" (S. 101).
1.1 Fo schungs age und Fo schungsziele
Vo dem Hin e g und, dass im Spi zenspo e häl nismäßig häu ig g oße äum-
liche Dis anzen zwischen Wohno en, T ainingso en und We kamp o en zu
übe winden sind, is zu un e suchen, welche spezi ischen Bedingungen im Spi -
zenspo Mig a ionsp ozesse e ozie en. Dahe wi d olgende Fo schungs age
nachgegangen:
Wie lassen sich Mig a ionsp ozesse im Spi zenspo e klä en?
He auszus ellen is in diesem Zusammenhang nich nu wie e s ens das im Spi -
zenspo he schende Leis ungsp inzip Mig a ionse o de nisse he o u , son-
de n zwei ens auch wie (a) spo a spezi ische S uk u bedingungen wie de
We kamp yp (Wel cup, Tu nie - ode Ligenbe ieb), (b) die o ganisa o ische Ein-
be ung de A hle en (Ve eins- ode Kade zugehö igkei ) sowie (c) die T ainings-
bedingungen (T aine , T ainingspa ne , T ainingsin as uk u ) O sbindungen

Spi zenspo und Mig a ion 15
und O swechsel beein lussen. Dabei is au Dispa i ä en in den einzelnen Spo -
a en besonde es Augenme k zu widmen. Denn es is anzunehmen, dass sich die
Mobili ä se o de nisse de Spo a en un e scheiden. Inso e n sind mi den In-
klusionsbedingungen des Spi zenspo s und den S uk u bedingungen de
Spo a en zwei p äjus ie ende Ein luss ak o en au die mig a ionsbeein lussen-
den Op ions- und Ges al ungsspiel äume de A hle en in den Blick zu nehmen.
Hie bei geh es nich nu um die Analyse de Bedeu ung on spo a spezi ischen
K is allisa ionspunk en wie beispielsweise T ainingsg uppen, Spo in e na en,
Leis ungszen en ode S ü zpunk en und des Zugangs de Spo le innen und
Spo le hie zu, die an de Pe iphe ie diese K is allisa ionspunk e heimisch sind
( gl. Hohmann, 2005). Da übe hinaus sind auch die s uk u ellen Vo gaben des
Spo sys ems zu beleuch en, das mi wachsendem Leis ungsni eau imme höhe e
Mobili ä sansp üche s ell ( gl. mi Blick au Fußball Lan anchi & Taylo , 2001).
Dabei bilden eine sei s die Pe spek i e de Lebens üh ung und ande e sei s die
Pe spek i e des Lebenslau s jeweils analy ische Ebenen ( gl. Bau , 1989, 1998),
um e schiedene A en on Mobili ä di e enzie e assen und eino dnen zu
können. Mi Hil e de beiden analy ischen Ebenen läss sich die äumliche Mobi-
li ä in de all äglich-p ak ischen Lebenso ganisa ion on de äumlichen Mobili-
ä im Lebenslau en lech en.
Mi de Bea bei ung diese Fo schungs age wi d das übe geo dne e Ziel e olg ,
e s mals sys ema isch Mig a ionsp ozesse im Spi zenspo sys em Deu schlands
heo e isch zu e klä en und Mig a ionsbedingungen spo a enübe g ei end
sich ba we den zu lassen. Das Wissen übe solche g undlegenden Mechanismen
is no wendige Basis eines p axisbezogenen O ien ie ungs- und Handlungswis-
sens zu En wicklung on mig a ionsun e s ü zenden Rahmenbedingungen ü
die Ak eu e im Spi zenspo .
Spi zenspo und Mig a ion 16
1.2 Fo schungss and
Die wissenscha liche Beschä igung mi Mig a ion und Mobili ä e olg mi le -
weile mul idisziplinä . Viele Fo schungsdisziplinen inden ih en eigenen Zugang
zu diesem Thema. Ende de 1960e Jah e iden i izie Cli o d Jansen (1969; zi ie
nach King, 2002) die e schiedenen disziplinspezi ischen Sich weisen:
5
In de Ge-
og a ie we den die Umwel e ände ungen in de Ankun s- und He kun s egion
on Mig an en un e such , wozu neben s äd ebaulichen Siedlungsaspek en auch
demog a ische Ve ände ungen zählen. Auch die sich hie aus e gebenden poli i-
schen Folgen bleiben in de Poli ikwissenscha nich unen deck und es we den
Kon oll- und Res ik ionsmöglichkei en on Mig a ion – e s anden als Wohn-
o wechsel übe Lände g enzen hinweg – un e such und disku ie . Die F age
nach den Mig a ionsmo i en beda dahingegen ehe eine psychologischen He -
angehensweise. Da übe hinaus is Mig a ion ein Thema de Geschich swissen-
scha , de Li e a u wissenscha , de Rech swissenscha , de Philosophie und ie-
len ande en Wissenscha sdisziplinen.
Selbs e s ändlich is Mig a ion auch ein wich iges Thema de Soziologie, die sich
mi de wechselsei igen Beein lussung on mig a ionsbeein lussenden sozialen
S uk u en und dem Mig a ions e hal en de Indi iduen beschä ig . Im Folgen-
den wi d de ak uelle S and de einschlägigen spo soziologischen Mig a ions-
o schung he ausgea bei e . P ononcie we den dabei insbesonde e spo wis-
senscha liche Be unde zu Mig a ion on p o essionellen Spo le n im in e na i-
onalen Raum.
5
Jansen weis wohlweislich da au hin, dass diese Au lis ung als nich e schöp end zu be ach en is und somi nu die
augen älligs en und wich igs en disziplinä en Zugänge zu Mig a ions o schung beinhal e .
Spi zenspo und Mig a ion 17
1.2.1 Mig a ion in de spo wissenscha lichen Fo schung
In de spo bezogenen Mig a ions o schung lieg de Fokus de deu schen Spo -
wissenscha eindeu ig au dem Aspek de sozialen In eg a ion bzw. Desin eg a-
ion on Menschen mi Zuwande ungsgeschich e. Insbesonde e wi d die in eg a-
i e Wi kung des e eins- und e bandso ganisie en Spo s analysie . Die wis-
senscha lichen Un e suchungen übe In eg a ionsmechanismen sind häu ig e a-
lua o isch angeleg und zielen au den F eizei - und B ei enspo ab ( gl. z.B.
B aun & Finke, 2010; B aun & Nobis, 2011; B öskamp, 2011; Kleindiens -Cachay,
Cachay & Bahlke, 2012; Rulo s, 2009). Auch die Un e suchungen on Kal e (2002;
2003; 2005) übe Mig an en im ligen ö mig o ganisie en Fußball hema isie en
die He aus o de ungen, die du ch Mig a ion und e hnische Di e enz en s ehen,
indem e Disk iminie ungen on Zugewande en un e such . Beim Auslo en de
In eg a ionspo en iale des Spo s in olge de Massenmig a ion de Nachk iegs-
zei s ehen P ozesse de e hnischen und kul u ellen Plu alisie ung im Vo de -
g und ( gl. B öskamp, 2009, S. 138). De o gelage e Mig a ionsp ozess an sich
wi d im Rahmen all diese A bei en jedoch nich hema isie , sonde n als gese z
angesehen.
Die Bean wo ung de F age, wie sich Mig a ionsp ozesse im Spi zenspo e klä-
en lassen, is in de deu schsp achigen spo wissenscha lichen Fo schung hin-
gegen nich explizi he ausgea bei e . Nich sdes o o z lassen sich aus o hande-
nen, quan i a i angeleg en A hle enbe agungen zu sozialen Bedingungen de
Talen ö de ung e einzel e Hinweise sezie en, die andeu en, inwie e n de Woh-
no on Spi zenspo le n ka ie ewi ksamen Ein luss haben kann. In s enog a i-
sche A seien diese Hinweise wie olg genann :
In ih e Be agung on 199 deu schen Teilnehme n de Olympischen Spiele 2004
und 2006 konn en Em ich, F öhlich, Klein & Pi sch (2008) Un e schiede in de E -
olgsquo e on Schüle n an Eli eschulen des Spo s es s ellen. In e na sschüle
Spi zenspo und Mig a ion 18
haben signi ikan häu ige Medaillen gewonnen als ex e n wohnende Tagesschü-
le .
6
Eine wei e e E kenn nis diese Be agung is , dass Teilnehme an olympischen
Win e spielen mi höhe e Wah scheinlichkei Schüle an Eli eschulen des Spo s
sind bzw. wa en als Teilnehme an olympischen Somme spielen. Da übe hinaus
können die Au o en inne halb de G uppe de Win e spo le einen s a is ischen
Zusammenhang on Medaillengewinnen mi dem Besuch eine Eli eschule des
Spo s e mi eln, de demzu olge eine nahezu no wendige Bedingung ü win e -
spo lichen E olg da s ell . E klä wi d dies o allem dami , dass Win e spo le
g öß en eils abhängig sind on de an Eli eschulen lokal be ei ges ell en T ai-
ningsin as uk u . So be inden sich o mals Eli eschulen mi Win e spo bezug in
di ek e äumliche Nähe on Bobbahnen, Eisspo hallen ode Skisp unganlagen,
ohne die beispielsweise we kamp mäßiges T aining im Bob ah en, Renn odeln,
Skele on, Eisschnelllau , Eiskuns lau und Skisp ingen nich möglich wä e ( gl.
auch Em ich, F öhlich, Klein & Pi sch, 2009).
Die hie angedeu e e Abhängigkei des spo lichen E olgs on den in as uk u-
ellen Rahmenbedingungen wu de on Fla au & Em ich (2011) anhand des em-
pi ischen Ma e ials obige Be agung dezidie analysie . Die Au o en un e schei-
den dabei Spo a en anhand ih e Sachkapi alspezi i ä und ih e S ando spezi-
i ä . Dies is inso e n in e essan , als sie he aus inden, dass die Talen en wicklung
an Eli eschulen des Spo s dann o eilha sei, wenn die Ausübung on Spo a -
en eine sei s an in es i ionsin ensi e echnische Vo ausse zungen (wie beispiels-
weise eine Rad ennbahn, küns liche Wildwasse kanäle, Bobbahnen ode
Skisp ungschanzen) und ande e sei s an geog a ische S ando bedingungen (wie
6
Dabei konn e alle dings nich geklä we den, ob es sich hie bei um einen Selek ions- ode einen Sozialisa ionse ek
handel ; denn denkba is auch, dass die spä e e olg eichen A hle en au g und ih es besse en Leis ungs e mögens in
ein In e na gezogen sind.
Spi zenspo und Mig a ion 19
beispielsweise nied ige Win e empe a u en und Be ge ü Ski alpin ode Wasse -
lächen ü Segeln und Su en) gebunden is . Als Ke ne gebnis diese Un e su-
chung läss sich es hal en, dass eine hie a chisch-zen alis ische O ganisa ion de
Talen en wicklung insbesonde e in den Spo a en e ek i und e izien sei, die
sich du ch eine hohe Sachkapi alspezi i ä ode eine hohe S ando spezi i ä aus-
zeichnen. Dahingegen schein in Spo a en, die wede on hohen Sachkapi alin-
es i ionen noch on geog a ischen Ein luss ak o en abhängig sind, eine dezen -
ale Talen en wicklung ziel üh end.
Auch die Be unde on Fessle (2002) zu den Wegezei en zum T aining on D-
Kade a hle en in Baden-Wü embe g bes ä igen de a ige spo a spezi ische
Disk epanzen: In Spo a en wie Faus ball, Handball, Hockey, Kanu und Schießen
e eichen übe 80 P ozen de A hle en ih en T ainingso inne halb on höchs-
ens zehn Kilome e ein ache Wegs ecke. Fessle schluss olge , dass „diese
Spo a en ih e Spo le p imä aus dem ö lichen Um eld ek u ie en ('Hochbu -
gen') und auch Ve einswechsel on Kade a hle en zu wei e en e n en Ve einen
sel en sind“ (S. 63). In Spo a en wie Tisch ennis, Fußball, Tennis und Ringen gebe
es hingegen au allend hohe En e nungen zum T ainingso , weshalb hie zu
Fo se zung leis ungsspo liche Ka ie en Ve einswechsel no wendig wü den.
Vo diesem Hin e g und e wunde es auch nich , dass Hohmann (2005) in seine
aus üh lichen Analyse on Aspek en de Talen en wicklung es s ell , dass eine
„mangelnde Ve ügba kei on spi zenspo lichen An o de ungen genügenden,
hochwe igen bzw. hoch quali izie en T ainingss ä en, -ge ä en und -pa ne n
auße halb de Olympia- und Bundess ü zpunk e […] die meis aus de en e n e-
en Pe iphe ie de S ü zpunk e s ammenden A hle en be ei s ühzei ig o das
P oblem des Wohno wechsels s ell “ (S. 267, He o h. im O ig.).

Spi zenspo und Mig a ion 20
Dass on zen alen Fö de ein ich ungen eine Sogwi kung ausgehe, e kenn auch
Webe (2003) in ih e quali a i en S udie zu Bedeu ung on Familie im Spi zen-
spo . Webe analysie die amilialen Reak ionen au die an jugendliche Spo le
he ange agenen Umzugse wa ungen und bekomm ein uneinhei liches E geb-
nis. Die Reak ionen de El e n „ eichen on s ik e Ablehnung bis hin zu wohl-
wollende Be ü wo ung“ (S. 222). Und auch bei a sächlich e olg en spo indu-
zie en Mig a ionen we den die Folgewi kungen de Seg ega ion des Familien-
e bandes nich nu unk i isch du ch die El e n beu eil . Mi de Abkopplung om
El e nhaus seien häu ig zahl eiche Bedenken und Be ü ch ungen e bunden.
Au de Basis um ang eiche Einzel allanalysen in den Spo a en Gewich heben,
Rhy hmische Spo gymnas ik, Tennis und Zehnkamp haben Be e, Schimank,
Wahlig & Webe (2002) Ka ie e e läu e on Spi zenspo le n un e such . Ziel de
Un e suchung wa es, ypische biog aphische Mus e on Nachwuchsa hle en
he auszua bei en. Die Fall ekons uk ion e olg e mi els eine quali a i en He -
angehensweise, bei de au In e iews mi A hle en, El e n eilen und T aine n zu-
ückgeg i en wu de.
7
Die Be ach ung e waige Mig a ionsak e wa hie bei zwa
hema isch nich mi den In e iewlei äden abgedeck . Die mig a ionsspezi i-
schen Be unde sind dahe als Nebenp oduk e des eigen lichen Un e suchungs-
ziels zu we en und we den dahe on den Au o en nich sys ema isch he ausge-
a bei e und analysie . Nich sdes o o z lassen sich aus dem aus üh lich da ge-
s ell en empi ischen Ma e ial Bezüge zu Bedeu ung des Wohno s wie olg ex -
ahie en:
 Beim Gewich heben de Männe seien zwa Ve einswechsel an de Tages-
o dnung. Ähnlich wie im Fußball wü den au diese Weise „Angebo und
7
Das Sample um ass e jeweils ün Einzel allun e suchungen p o un e such e Spo a . Insgesam wu den 20 A hle en,
19 El e n eile und 17 T aine be ag . E gänz wu de das Da enma e ial du ch wei e e 13 In e iews mi ehemaligen
Spi zenspo le n sowie Spi zenspo le n, die o E eichen de Spi ze ausges iegen sind.
Spi zenspo und Mig a ion 21
Nach age des kleinen Ma k es ü Gewich hebe leis ungen ausgeglichen“
(S. 118). Diese Wechsel seien abe ehe sel en mi Wohno wechsel e -
bunden. Denn im Gewich heben wü den mi dem „Fe n aining“ (S. 139),
dem selbs s ändigen Aba bei en on de aillie en T ainingsplänen, g oße
äumliche Dis anzen zwischen den Wohno en on A hle und T aine
übe b ück . Inso e n seien in diese Spo a höchs ens länge e An ah s-
zei en zu wenigen Bundesligawe kämp en die Folge de ela i häu igen
Ve einswechsel.
 In de Rhy hmischen Spo gymnas ik sind die leis ungsspo lichen O gani-
sa ionss uk u en seh zen alis isch angeleg . Unabdingba schein es, an
einem S ü zpunk zu ainie en, um spo lich e olg eich zu sein. Be e e
al. (2002) sp echen angesich s de äumlichen Alloka ion on einem „indi-
ek en Wechseld uck“ (S. 50), dem sich die A hle innen beugen müssen,
um sich spo lich wei e zuen wickeln. Lieg de Wohno nich unmi elba
am S ü zpunk , so seien en wede all ägliche T anspo leis ungen de El-
e n onnö en, die als seh belas end ü A hle en und El e n emp unden
we den, ode es müsse ein Wohno wechsel in Kau genommen we den.
Dass zuguns en de Ka ie e de Wohno gewechsel we den müsse, sei
insbesonde e im G uppenklassemen de Fall, da hie geeigne e A hle in-
nen aus dem gesam en Bundesgebie zusammengezogen we den. Als
Vo eile ü diese Zen alisie ung de Leis ungseli e we den die Op imie-
ung eines quali izie en T ainings, die S imula ion du ch leis ungss a ke
und leis ungshomogene T ainingspa ne sowie Möglichkei en de s eu-
e nden Ein lussnahme au den schulischen Quali ika ionsp ozess genann .
Nich sel en s ünde mi solchen Umzugsen scheidungen auch die spo li-
che Ka ie e au dem Spiel. Als Lockmi el ü den Umzug wü den den A h-
le innen bisweilen Teilnahmen an in e na ionalen We kämp en und de en
Spi zenspo und Mig a ion 22
El e n Hil en bei de Ve mi lung on Wohnungen und A bei ss ellen an-
gebo en.
 Ein ähnliches Bild e gib sich bei de Be ach ung de Spo a Tennis. Die
un e such en Ka ie e e läu e on Tennisspiele innen zeigen au , dass
auch hie lange Fah s ecken ü quali a i hochwe ige T ainingsbedin-
gungen und T ainingspa ne innen an S ü zpunk en ole ie ode ein Um-
zug in E wägung gezogen we den müsse. Dies üh e mi un e sowei , dass
eine A hle in im Al e on 13 Jah en das El e nhaus e lassen ha , um mi
eine gleichal igen F eundin in die Nähe eines Landesleis ungszen ums
zu ziehen. Fü die Fo en wicklung de pe sönlichen leis ungsspo lichen
Ka ie e wu de diese Umzug on de A hle in und ih e Mu e als al e -
na i los bewe e ( gl. S. 268). Da übe hinaus sind im Tennis nich nu
Wohno wechsel bedeu end. Die Spo a p ägen seh hohe An o de un-
gen an äumliche Mobili ä im Allgemeinen, da die Spo a wel wei e,
jäh liche Tu nie zyklen ins i u ionalisie ha . Die Teilnahme am Tu nie be-
ieb habe Kos en im wi scha lichen als auch im sozialen Be eich zu
Folge. Zu bedenken sei, dass die Auslandsau en hal e im Tenniszi kus Rei-
sekos en gene ie en, die beispielsweise du ch Gewinnp ämien wiede ein-
gespiel we den müss en. Das Reisen on Tu nie zu Tu nie e schwe e da-
neben das Ausüben on Hobbys sowie den Au bau on F eundscha en
und Paa beziehungen.
 Im Falle des Zehnkamp s lassen die Be unde on Be e e al. leide keine
p o unden Rückschlüsse au e waige Wohno wechsel de A hle en zu.
Dies muss jedoch nich bedeu en, dass Mig a ion in diese Spo a keine
Rolle spiel . Vielmeh legen einzelne In e iewpassagen die Ve mu ung
nahe, dass Umzüge im Ka ie e e lau de a in e nalisie sind, dass sie
on den in e iew en A hle en nich zu Sp ache kommen und somi nich
Spi zenspo und Mig a ion 23
p oblema isie we den – auch dann nich , wenn sie explizi danach ge ag
we den, inwiewei Spo ih en Lebensmi elpunk ausmache ( gl. S. 225).
Fass man obige Fo schungse gebnisse de ange üh en quan i a i en und quali-
a i en E hebungen zusammen, so läss sich die Bedeu ung des Wohno s im
Spi zenspo in Anlehnung an F ei ag (1997) wie olg s ichpunk a ig zuspi zen:
1. S ando o eile nu zen können, da es in de Nähe bes ens geeigne e T ai-
ningss ä en, -ge ä e und -pa ne gib
8
ode
2. S ando e au suchen müssen, was bedeu e , dass das El e nhaus üh e -
lassen we den muss, um sich an einem S ü zpunk niede zulassen
9
ode
3. au Spi zenspo e zich en.
Meh als diese akzen uie e E kenn nis eines wie auch imme gea e en, agen
Mig a ionsd ucks im Spi zenspo geh aus den obigen A hle enbe agungen
nich he o . Inso e n sind die Übe legungen on B öskamp (1998) e hellend, de
ganz spezi isch das Mig a ions e hal en und die Mig a ionsbedingungen on
Spi zenspo le n analysie . B öskamp e kenn , dass sich die Wande ungsbedin-
gungen on Spi zenspo le n on solchen de Massenmig a ion un e scheiden
und nu eine Eli e mi besonde en P i ilegien o behal en sind. Eine sei s sei bei-
spielsweise in Deu schland die Ve gabe de S aa sbü ge scha an Spi zenspo le
„au ällig unkomplizie , zumal au diese Weise die S a be ech igung ü deu -
sche Na ionalmannscha en gleich inbeg i en“ (S. 4) sei. B öskamp no ie wei-
e hin, dass imme dann, wenn ein S aa symbolische Repu a ion mi dem Spo
8
Hie bei sind spo a spezi ische Un e schiede zu beach en. En sp echend de E gebnisse on Fla au und Em ich (2011)
äll die Wah scheinlichkei ü diesen Fall bei nied ige Sachkapi alspezi i ä bzw. nied ige S ando spezi i ä höhe
aus. Übe dies eduzie sich bei Spo a en wie dem Gewich heben, in denen ein Fe n aining möglich is , die No wen-
digkei eines Wohno wechsels.
9
Ein solche spo induzie e Wohno wechsel se z die P io i ä des Spo eibens an obe s e S elle und is somi eine
bewuss e biog a ische En scheidung ü die Leis ungsspo ka ie e mi allen Konsequenzen u. a. de Inkau nahme wei-
e e spo induzie e Wohno wechsel.
Spi zenspo und Mig a ion 30
game“ (S. 806). Die E üllung diese Möglichkei so g un e ande em ü Zu ie-
denhei bei den Mig ie en, was sich an de F eude am Spiel und de Bindung
zum Team ausd ücke. Daneben blenden die Au o innen auch die nega i e Sei e
de Spo mig a ion nich aus ih e Beobach ung aus, denn imme hin müss en die
Spiele innen ü die Liebe zum Spiel auch op e be ei sein und sich beispielsweise
häu ig mi einem Leben in kleine en S äd en – und eben nich glamou ösen
Haup s äd en –, nied igen Gehäl e n, ge ingen Ve agslau zei en sowie insbe-
sonde e mi de Aussich au Nich -Sessha igkei und unsiche en Zukun spe -
spek i en a angie en ( gl. S. 816 sowie Age gaa d & Bo elho, 2011). Die s a ke
Be onung des spo lichen We es bei Mig a ionsen scheidungen inde ih e Be-
s ä igung auch in eine S udie on Tiesle (2012) übe Mig a ionsmus e po u-
giesische Spiele innen, wonach Mig a ion „ ü die Ambi ionie es en de ac o
eine No wendigkei “ da s elle (S. 106).
Welche Konsequenzen die Mig a ion in ein ande es Land bedeu en kann, haben
e s malig Magui e & S ead (1996) hema isie und dabei he ausges ell , dass
mig ie ende Spi zenspo le bisweilen ih e Familien, ih e Kul u und Teile ih e
sozialen Iden i ä ü ih e Ka ie e au geben müss en ( gl. auch S ead & Magui e,
2000). Wie dies on Fußballspiele n e leb und bewe e wi d, haben Molna &
Magui e (2008) im Rahmen on eils uk u ie en In e iews mi unga ischen Fuß-
ballp o is, die mindes ens ein Jah Auslandse ah ung au weisen, un e such . Aus
eine igu a ions heo e ischen Pe spek i e, die sie als „mig a ion igu a ions“
(S. 75) besch eiben, gene ie en sie de ail eiche E kenn nisse im Ge lech des glo-
balen Fußballma k s. Au de Mak oebene inden sie Bes ä igung ü klassische
ökonomische Theo ien, wonach die Mig a ion de unga ischen Spiele du ch ein
Ungleichhei sge üge zwischen dem Heima - und den Ziellände n ini iie we de.
Die di ek e Aussich au eine besse es Einkommen und indi ek wi kende inanzi-
elle Fak o en wie eine a ak i e e Liga, besse e In as uk u und T ainingsmög-

Spi zenspo und Mig a ion 31
lichkei en sowie höhe e mediale Au me ksamkei seien lei end bei den Mig a i-
onsen scheidungen – abe eben nich das allein wi kende Mo i . Denn bei eine
Be ach ung de Mik oebene wi d deu lich, dass eine Kombina ion on Push- und
Pull-Fak o en die Mig a ionsmo i e in komplexe Weise e mengen. Welche Fak-
o en he ausgea bei e we den, zeig Tabelle 1. Molna und Magui e weisen e -
ne da au hin, dass die Ve mengung und Bedeu ungszuweisung de einzelnen
Fak o en on Indi iduum zu Indi iduum a iie en und sich zusä zlich jeweils im
Zei e lau e ände n.
Tabelle 1: Push- und Pull-Fak o en unga ische Fußballmig an en. Eigene Da s ellung au de Basis
on Molna & Magui e (2008).
Push
Pull
Lokal
- Ge inge Quali ä und Repu a ion de unga-
ischen Liga
- Ve al e e Fußballin as uk u
- Unsiche e Beschä igung/unbes ändige
Ve gü ung als Fußballspiele in Unga n
- F eunde
- Familie
- Heima liebe
Global
- Einsamkei
- Kommunika ionsschwie igkei en
- Be u liche He aus o de ungen
- Pe sönliche He aus o de ungen
- Höhe e Quali ä und Repu a ion de Liga
- Besse en wickel e Fußballin as uk u
- Höhe e soziale S a us
- E heblich höhe es Einkommen
Au de Mesoebene de „mig a ion igu a ions“ wu de die Rolle on Spiele e -
mi le n analysie . Die E kenn nis lau e hie : Die un e such en Spiele sind bei
Mig a ions o haben Agen en, Klub-Manage n ode Bekann en mi Ve bindungen
zum p o essionellen Fußballma k ausgelie e . Die Spiele selbs hä en zwa Vo -
s ellungen und Wünsche, wohin die Reise gehen soll. Abe „in eali y, hey ha e
li le con ol o e his p ocess and hos coun ies a e o en selec ed o hem by
ep esen a i e uni s o oo ball ne wo ks“ (S. 83). Wenngleich die Rahmenbedin-
gungen de unga ischen Fußballspiele als seh spezi isch und nich e allgemei-
ne ba einzuschä zen sind, lie e diese S udie e s e e ag eiche Eind ücke, inwie-
e n die Spo le mig a ion on In e dependenzen au Mak o-, Meso- und Mik o-
ebene s uk u ie wi d.
Spi zenspo und Mig a ion 32
1.2.2 Zusammen assung de Be undlage und Fo schungsde izi e
Den Fo schungss and bilanzie end, lassen sich im Hinblick au die F ages ellung
de A bei zu E klä ung on Mig a ionsp ozessen im Spi zenspo olgende Be-
undlage sowie da aus esul ie ende Fo schungsde izi e iden i izie en:
(1) In Deu schland ha die E o schung de Spo mig a ion keine T adi ion. Zwa
exis ie en einige S udien, welche die S uk u en des Spi zenspo s analysie en
und hinsich lich Zen alisie ungs- e sus Dezen alisie ungsdeba en F agen nach
Wohno wechsel au we en. Die S uk u en we den dabei alle dings nich spezi-
isch au e waige Mig a ionsen scheidungen un e such . Wide E wa en we den
zudem auch psycho-soziale Komponen en de Mig a ion nich behandel ; selbs
in de psychologisch o ien ie en Fo schung zum Ka ie emanagemen und zum
D op-ou on Spi zenspo le n ( gl. g undlegend Al e mann, 2010; Hack o ,
2001) we den Mig a ions- bzw. Mobili ä she aus o de ungen wede empi isch
noch heo e isch abgebilde .
(2) Die Mig a ions o schung im Feld des Spi zenspo s ha sich auße halb
Deu schlands e ablie . Im Fokus de Wissenscha s eibenden s ehen globale,
mak osoziologische Aspek e in e na ionale Spo mig a ion. Hie bei konzen ie
sich die Fo schung wei es gehend au die komme zialisie en Spo spiele und in
de b ei en Masse au die Spo a Fußball. Als Quin essenz diese meis quan i-
a i angeleg en, Mig a ionss öme beobach enden Un e suchungen läss sich
he auss ellen, dass die spo induzie en Wande ungen komplexen, mul idimensi-
onalen und dynamischen P ozessen un e wo en sind, die in den Kon ex on glo-
balen Mach e häl nissen und Ungleichhei en in de A ak i i ä de We kamp -
ligen eingeo dne we den müssen. Wenngleich im Rahmen diese Un e suchun-
gen beispielsweise Push- und Pull-Fak o en konzep ualisie we den, muss insge-
sam kons a ie we den, dass de Rückg i au allgemeine, nich im Kon ex des
Spo s en wickel e Mig a ions heo ien nu unzu eichend e olg .
Spi zenspo und Mig a ion 33
(3) Un e suchungen zu mik osoziologischen Aspek en de Spo le mig a ion sind
a gesä . Wie Mig a ionsen scheidungen un e den Bedingungen des Spi zen-
spo sys ems p äjus ie und ge äll we den, wie Spi zenspo le die s uk u ell
o ge o m en Op ions- und Ges al ungsspiel äume s a egisch zu Ka ie een -
wicklung nu zen und wie es ihnen schließlich geling , den An o de ungen eine
(hoch-)mobilen Lebensweise zu begegnen, sind Fo schungs agen, de en Bean -
wo ung bislang noch in den Kinde schuhen s eck .
(4) Noch une giebige is die E o schung de Rolle e mi elnde Ins anzen, die
man au de Mesoebene de Spo mig a ion e o en kann: Ve bände, Ve eine,
Ve ma k ungsagen u en, Ve mi le , Agen en, Scou s und nich zule z T aine . In-
wie e n diese als „ga ekeepe s“ (Age gaa d & Ryba, 2014, S. 235) ungie en und
welche Bedeu ung sie ü Mig a ionsen scheidungen on Spi zenspo le n haben,
is wei es gehend une o sch . Dass de en Ein luss nich zu un e schä zen is , zeig
zumindes die ausgep äg e En scheidungsgewal on Spiele e mi le n unga i-
sche Fußballspiele (Molna & Magui e, 2008). Da übe hinaus sind keine ein-
schlägigen Un e suchungen bekann , sodass dieses Fo schungs eld genügend
Pla z ü e gänzende und ie e gehende empi ische und heo e ische A bei en
bie e .
(5) Spo mig a ion läss sich nich ausschließlich mi ökonomischen Theo ien ab-
bilden. Aus dem skizzie en Fo schungss and wi d e sich lich, dass Geld allein
nich aus eich , um das Mig a ions e hal en im Spi zenspo zu e klä en. Ein
„ ollowing- he-money“ (Magui e & Pea on, 2000, S. 761) mag zwa ü einige
Ak eu e in dem Feld als Haup mo i ü einen Wechsel gel en; als monokausale
E klä ung is das S eben nach inanziellem Gewinn abe längs nich hal ba
– und dahe als nu ein Aspek neben eine komplexen und disjunk en Viel al an
En scheidungsein lüssen zu be ach en. Insbesonde e zu Beginn eine spi zen-
spo lichen Ka ie e dü e diese Fak o übe haup keinen E klä ungswe haben,
Spi zenspo und Mig a ion 34
da ein hohe Ve diens noch ga nich absehba is . Ande e Fak o en spielen eine
wich ige e Rolle, nämlich solche, die p imä mi den Möglichkei en zu En wick-
lung de spo lichen Leis ung und nich zule z de We bewe bslogik des Siegens
im Spo im Einklang s ehen. Da übe hinaus is de Ein luss on F eunden, Familie
und Lebenspa ne n (und Kinde n) nich zu e ach en. In den Besch eibungen de
Mig a ions ypen schläg sich die Ve mengung de Mig a ionsmo i e zwa niede .
Abe da die Mig a ions ypen allesam explo a i en Cha ak e haben, kann die
Lis e beliebig e wei e ode umge o m we den.
Ohnehin sind die E äge de einzelnen Fo schungsa bei en zwei ellos seh we -
oll, weil sie p o unde und de aillie e E kenn nisse im Feld de Spo mig a ion
gene ie en. Eine ganzhei liche Sich weise au Spo mig a ion is abe kaum e -
kennba . Vielmeh handel es sich bei den bishe igen Un e suchungen um ein-
zelne Puzzles eine, die ausschni ha und willkü lich einzelne Face en de Spo -
le mig a ion empi isch-phänomenologisch illus ie en. Indessen bes eh ein The-
o iede izi hinsich lich de In eg a ion de Besonde hei en des Spi zenspo s. So
bleib o en, wa um Mig a ionss öme im Spi zenspo quan i a i he aus agen,
welchen Ein luss die o ganisa ionalen Rahmenbedingungen und die Mi glied-
scha sbedingungen im Spi zenspo haben und wie es zu den ypischen Bünde-
lungen an Mig a ionsmo i en on Spi zenspo le n komm . Diese d ei F agen e -
weisen da au , dass sich Spo mig a ion augenscheinlich in Einzelaspek en on
auße spo liche Mig a ion un e scheide und eigene Gese zmäßigkei en au -
weis . Die Fo schung übe Mig a ionsp ozesse im und du ch Spo be inde sich
somi noch in de An angs- und Findungsphase. Vo nehmlich wu den Teilaspek e
behandel , die sich au einen G enzübe sch i als ele an es K i e ium de Mig-
a ion beziehen. Diese Fo schungss a egie is ein Vo gehen inhä en , das in de
Mig a ions o schung als „me hodologische[ ] Na ionalismus“ (Glick Schille , 2014,
S. 158; gl. auch Wimme & Glick Schille , 2003) en la wu de und bei de mo-
Spi zenspo und Mig a ion 35
nie wi d, dass du ch die O ien ie ung an Na ionals aa sg enzen in de Mig a i-
ons o schung die e hnische Pe spek i e zu seh in den Vo de g und ge ück
we de. Binnenmig a i e Aspek e, Wohno wechsel inne halb eines Na ionals aa-
es, ge a en nich in den Blick de Fo sche , obwohl diese Fo m de Mig a ion
quan i a i wei aus häu ige o kommen dü e als die Mig a ion übe Na ional-
s aa sg enzen hinweg.
11
Zudem können au g und de eingeeng en Pe spek i e
au den p o essionalisie en und e be u lich en Spo – und insbesonde e au
Fußball – keine e allgemeine ba en Aussagen au die Mig a ion in Bezug au
Spo a en gemach we den, in denen die Ve be u lichung nich so wei o ge-
sch i en is . Ebenso gib es keine wissenscha lichen E kenn nisse da übe , inwie-
wei Mig a ion be ei s ü Nachwuchsleis ungsspo le ele an is , obwohl dies
beispielsweise die Be undlage de A hle enbe agungen an Eli eschulen des
Spo s naheleg . Folglich läss sich kons a ie en, dass es neben eine wei e en em-
pi ischen E kundung des Fo schungs elds o allem eine ie e gehenden heo e-
ischen Fundie ung beda , um die komplexen P ozesse de Spo mig a ion e klä-
en, e s ehen und deu en zu können und dami einen e s en Sch i zu un e -
nehmen, um das Theo iede izi zu ilgen.
1.3 Anlage und Au bau de A bei
Eine G undlegung zu heo e ischen E klä ung de Mig a ion on Spi zenspo -
le n is das Anliegen diese A bei . Die o zunehmenden Übe legungen olgen
de P ämisse, dass das Spi zenspo sys em ande e Mobili ä sbedingungen e o-
zie als auße spo liche Gesellscha sbe eiche wie beispielsweise Wi scha ode
Poli ik. Aus diesem G und lassen sich die E kenn nisse aus de b ei en, auße -
11
Diese Tendenz spiegel sich im Üb igen auch in de b ei en, auße spo lichen Mig a ionswissenscha wide . All ägliche,
banale und scheinba unp oblema ische Mig a ionsp ozesse sind quasi une o sch (King, 2002).

Spi zenspo und Mig a ion 36
spo lichen Mig a ionswissenscha , speziell aus den wissenscha lichen E kenn -
nissen zu A bei smig a ion, nu beding au den spezi ischen Be eich des Spi -
zenspo s übe agen – und genau deshalb sind auch eigene, die speziellen Rah-
menbedingungen des Spi zenspo s in eg ie ende Theo iegebäude onnö en.
Um eine möglichs um assende Sich weise anzus eben, we den sich die zu en -
wickelnden heo e ischen Übe legungen mi mig a ionsbeein lussenden Fak o-
en au de Mak o-, Meso- und Mik oebene des Spi zenspo s auseinande se zen
müssen. Diese Sys ema ik d äng sich au , da – wie de ak uelle Fo schungss and
zu age ge ö de ha – spezi ische Wi kmechanismen de Spo mig a ion au allen
d ei Ebenen zu beobach en sind. Alle dings sind die empi isch gewonnenen E -
kenn nisse bislang noch nich zu eine einhei lichen Theo ie e schmolzen wo -
den.
Da bei de heo e ischen E klä ung de Mig a ion on Spi zenspo le n es alle -
dings ah lässig wä e, elabo ie e Theo ien, Modelle und Konzep e zu Mig a ion
auße halb des Spo s zu igno ie en, bilden diese den Ausgangspunk de heo e-
ischen Übe legungen. Die Besonde hei en des Spi zenspo s we den dann an
diesen heo e ischen Re e enzpunk en sukzessi e gespiegel . Dabei wi d zu e-
lek ie en sein, inwie e n die Mus e auße spo liche Mig a ion kon e gen zu
den Mus e n de Spo mig a ion sind. Eine ähnliche Vo gehensweise haben e s -
malig Ellio & Magui e (2008) in einem A ikel eingeschlagen, indem sie ih e
spo soziologische Pe spek i e pe „ hinking ou side o he box“ (S. 482) Fo -
schungse gebnissen zu Mo i en, Mechanismen und E ek en in e na ionale Mig-
a ion hochquali izie e Fachk ä e gegenübe ges ell haben. Die Bo scha die-
ses A ikels, dass es un e kennba e Gemeinsamkei en und cha ak e is ische Un-
e schiede gäbe, soll in diese A bei kons uk i genu z we den. Hie zu wi d das
Haup augenme k au die Iden i izie ung s uk u elle Di e genzen zwischen au-
ße spo liche Mig a ion und Spo mig a ion zu ich en sein. Denn exak diese
Spi zenspo und Mig a ion 37
bilden den Näh boden ü die eigenen heo e ischen Übe legungen zu E klä ung
de Spo mig a ion.
Somi olg die Bea bei ung de Fo schungs age einem explika i en Ansa z, de
p oblemo ien ie und heo iegelei e un e schiedliche Ansä ze aus de Mig a i-
onswissenscha und de Spo wissenscha in eg ie . Dies lieg da in beg ünde ,
dass nich au lediglich eine uni e salis ische Theo ie zu ückgeg i en we den
kann – zumal es die Theo ie de Mig a ion nich gib . Deshalb wi d es die Au gabe
sein, sich mi einem ausgewähl en Kanon an Theo ien auseinande zuse zen, die
jeweils spezi ische Teile de Spo mig a ion behandeln (en wede Mig a ion ode
Spi zenspo ode so e n o handen die Syn hese beide : Spo mig a ion) und so-
mi zum E kenn nisgewinn bei agen ( gl. zu Explika ion Ko nmeie , 2011, S. 62).
Dami „ein möglichs b ei es und in sich di e enzie es Spek um de sozialen
Reali ä einge angen we den kann“ (Münch, 2002, S. 11), e schein es legi im eine
„Komplemen a i ä spe spek i e“ (Knee & Sch oe , 2009, S. 11) im Umgang mi
Theo ien einzunehmen und e schiedene heo e ische Ansä ze zu kombinie en.
Die Chance diese Vo gehensweise lieg da in, die Theo ien so zu nu zen, dass
ih e jeweils un e schiedlichen Ausschni e bzw. Pe spek i en sich gegensei ig e -
gänzen und blinde Flecken möglichs minimie we den. Die Ge ah lieg im
Eklek izismus, bei dem willkü lich Einzelaspek e zu einem he e ogenen E klä-
ungszusammenhang zusammenge üg we den. Deshalb muss bei de Bes ü-
ckung des soziologischen „We kzeugkas ens“ (Schimank, 2007, S. 335), d. h. de
Auswahl de heo e ischen Bezüge zu Explika ion de Spo mig a ion, zwingend
da au geach e we den, dass die Auswahl nich beliebig und planlos e olg und
am Ende ein Aussagensys em en s eh , das logisch, konsis en und übe p ü ba
is .
Vo diesem Hin e g und üg sich die heo e ische E klä ung de Mig a ion on
Spi zenspo le n olgende S uk u :
Spi zenspo und Mig a ion 38
De in Kapi el 1 e olg en Da legung de P oblems ellung, de Fo schungs age
und de Fo schungsziele sowie des ak uellen Fo schungss ands olgen nunmeh
die heo e ischen Übe legungen zu Lebensmi elpunk e o ung on Spi zen-
spo le n.
De e s e Sch i hie zu wi d in Kapi el 2 ge ä ig . In dem Kapi el we den zunächs
g undlegende Beg i sbes immungen o genommen und sich be ei s elabo ie -
en mig a ionssoziologischen Theo ien gewidme . Da mig a ionssoziologische
Analysen sich schon sei länge em mi de Mig a ion als einen komplexen Gegen-
s and auseinande se zen, wu den in olgedessen iel äl ige E klä ungsansä ze de
Mig a ion en wickel , die jeweils un e schiedliche Ausschni e okussie en. Das
Ziel dieses Kapi els is es, einen Übe blick übe gängige Theo ien zu e scha en,
indem diese de Mak o-, Meso- und Mik oebene zugeo dne e ö e und
schließlich au de en Bei äge ü die E klä ung on Mig a ionsp ozessen im Spi -
zenspo hin übe p ü we den.
In einem zwei en Sch i we den in Kapi el 3 übe einen sys em heo e ischen Zu-
gang spezi ische Besonde hei en des Spi zenspo s und de en mig a ionsbeein-
lussende Wi kung e ö e . Das Kapi el un e gliede sich in d ei Un e kapi el, die
sich jeweils mi den Mig a ionsbedingungen de zu un e scheidenden Ebenen
auseinande se zen. Au de Mak oebene wi d dabei das dis ink e Spo sys em und
dessen Logik analysie und hinsich lich seine mig a ionsbeein lussenden Fak o-
en hin e ag . Au de Mesoebene e olg die Bes immung de Rolle e mi eln-
de Ins anzen zwischen dem Spi zenspo sys em und den Spi zenspo ak eu en.
Hie zu we den O ganisa ionen (Ve bände, Ve eine, Fö de ein ich ungen) und ih e
S uk u en hinsich lich ih e in e mediä en Funk ion be ach e und de en mig a-
ionsbeein lussende Wi kmechanismen e lek ie . Zu o de s ücken dabei die
Inklusionsbedingungen des Spi zenspo s und die S uk u bedingungen on
Spi zenspo und Mig a ion 39
Spo a en als zwei wi kmäch ige und p äjus ie ende Ein luss ak o en au die Op-
ions- und Ges al ungsspiel äume de Spi zenspo le in den Blick. Au de Basis
eines s uk u analy ischen Zug i s we den dabei aum-zei liche Ve o ungen on
Spi zenspo le n au de Ebene einzelne Spo a en abgelei e . Die S uk u ana-
lyse ha eine zen ale S ellung und e möglich es, sich mi De ails und Einzelas-
pek en zu beschä igen, die da ü so gen, dass sich die heo e ischen Übe legun-
gen nah am konk e en Gegens and o ien ie en. Sie so g da ü , dass das no wen-
dige Abs ak ionsni eau heo e ische Übe legungen du ch eine ak enbasie e
subs anzielle Tie enschä e komplemen ie wi d. Au de Mik oebene kommen
die Spi zenspo le mi ih en ypischen Ka ie e e läu en, S a egien und ih en so-
zialen Beziehungen in den Analyse okus. Hie bei wi d zu e uie en sein, in welchem
Spannungs eld zwischen o gegebenen Bedingungen und wählba en Hand-
lungs- und Ges al ungsmöglichkei en Mig a ionsen scheidungen zu ällen sind.
Da au au bauend we den in einem ie en Sch i , Kapi el 4, die mig a ions ele-
an en Bezüge sys ema isie , konsolidie und mi den Re e enz heo ien de all-
gemeinen Mig a ionssoziologie abgeglichen. Das Ziel is eine Re lexion de o -
he in den Kapi eln 2 und 3 he ausk is allisie en Übe legungen sowie eine Übe -
üh ung in einen in eg ie enden E klä ungszusammenhang de Mig a ion im
Spi zenspo .
Eine zusammen assende Schlussbe ach ung wi d in Kapi el 5 geleis e . Hie in
we den nich nu die wich igs en E kenn nisse zu E klä ung on Mig a ionsp o-
zessen im Spi zenspo zusammenge agen, sonde n es wi d auch ausblickha
au kün ige Fo schungsmöglichkei en im Feld de Spo mig a ion und Spo le -
mobili ä eingegangen.
Spi zenspo und Mig a ion 46
Sei enblick in die Mobili ä s o schung, die sich in einem übe g ei enden Ve -
s ändnis mi de Besch eibung und Analyse on Bewegungen in Zei (F equenzen)
und Raum (Dis anzen) beschä ig ( gl. Tully & Baie , 2006). Hie läss sich Mig a-
ion als eine Fo m äumliche Mobili ä deklinie en, wobei ehe daue ha e und
wenige daue ha e Wohno wechsel au de einen Sei e sowie ehe g oße äum-
liche Dis anz übe windende und ehe klein äumige Dis anz übe windende Woh-
no wechsel au de ande en Sei e zu un e scheiden sind.
Daue ha e Wohno wechsel we den als esidenzielle Mobili ä bezeichne und in
de Regel dicho om zu zi kulä e Mobili ä behandel . Umzüge inne halb eine
Gemeinde ode Region (in ana ionale Mig a ion ode auch Binnenmig a ion)
we den ebenso de esidenziellen Mobili ä zugeo dne wie die Ve se zung des
Lebensmi elpunk s in ein ande es Land (in e na ionale Mig a ion). Bei zi kulä e
Mobili ä bleib de Wohnsi z hingegen e hal en und ungie als Ausgangs- und
Endpunk beispielsweise ü s Fe npendeln und auch ü be u sbeding e und ou-
is ische Reisen ( gl. Rüge e al., 2011; Ruppen hal, 2010; Tully & Baie , 2006;
Wagne , 1989). We den mindes ens zwei Wohnsi ze espek i e Behausungen
zum Übe nach en – die wie z. B. Tou busse ode Wohnwagen auch einen mobilen
Cha ak e haben können – al e nie end benu z , sp ich man on mul ilokales
Wohnen ( gl. Hil i, 2009, 2013) ode auch on esidenzielle Mul ilokali ä ( gl.
Weichha & Rumpol , 2015). Die Besonde hei on esidenzielle Mul ilokali ä
lieg in eine „halbnomadischen Lebens o m“ (Weichha , 2009, S. 3), die da in
beg ünde is , dass ein Wohns ando nich au gegeben wi d, obwohl diese
S ando aus subjek i e Pe spek i e de Be o enen als de izi ä ü die Exis enz-
siche ung bzw. Bedü nisbe iedigung klassi izie wi d. S a egischen Abwä-

Spi zenspo und Mig a ion 47
gungsen scheidungen olgend wi d dann mindes ens ein wei e e Wohnsi z nu z-
ba gemach und ü einen Teil de Lebenszei eingenommen, um die De izi e des
e s en Wohnsi zes bzw. de ande en Wohnsi ze auszugleichen.
13
Eine wei e e Dicho omisie ung is die Un e scheidung on empo ä e sus pe -
manen . Tempo ä e Mig a ion inde in In e allen s a und is du ch das K i e-
ium de zwischenzei lichen Rückkeh gekennzeichne . Demgegenübe inde bei
de pe manen en Mig a ion keine Rückkeh zu He kun sdes ina ion s a . Zwi-
schen diesen beiden Polen lassen sich abe noch iele wei e e Möglichkei en e -
o en. Ein besonde es Mischungs e häl nis empo ä e und pe manen e Mig a-
13
Das Konzep des mul ilokalen Wohnens in eg ie somi den on T eibel (2008a) besch iebenen zwei en Zugang, wo-
nach mindes ens zwei O e ü Indi iduen als ele an beach e we den, und das Lebensmi elpunk -Konzep on
Oswald, bei dem benann wi d, was den Lebensmi elpunk on Indi iduen ausmach . Mul ilokales Wohnen is dabei
jedoch als ein wesen lich o ene es Konzep zu e s ehen, das in e na ionale, in ana ionale, empo ä e, pe manen e,
zi kulä e und esidenzielle Mobili ä s o men in ih em jeweils spezi ischen Mischungs e häl nis in den Blick nimm .
Abbildung 2: Di e enzie ungen und Dicho omisie ungen on Mig a ions- und Mobili ä s o men. Ei-
gene Da s ellung.
Spi zenspo und Mig a ion 48
ion e gib sich beispielsweise beim Nomadismus, de sich du ch eine Nich -Sess-
ha igkei und eine Vielzahl an nacheinande einge ich e en Wohns ando en,
also Umzüge in Se ie on A nach B nach C usw., auszeichne .
De Nomadismus als eine Mobili ä s o m, die zwischen empo ä e und pe ma-
nen e Mig a ion eingeo dne we den kann, zeig ebenso wie das mul ilokale
Wohnen, das als eine k ea i e Misch o m on esidenzielle , zi kulä e sowie em-
po ä e und pe manen e Mig a ion angesehen we den kann, dass die in Abbil-
dung 2 da ges ell en Dicho omisie ungen einen beg enz en heu is ischen We
haben, um di e gen e Spiela en de Mig a ion in de globalisie en Mode ne zu
e assen ( gl. k i isch zu den Dicho omisie ungen King, 2002). Vielmeh sind sie
als Pole anzusehen, die eine Viel al an ausdi e enzie en Mig a ions- und Mobi-
li ä s o men au spannen. Abe insbesonde e au g und diese pola igen Eigen-
scha en eignen sie sich, de Theo ie zu E klä ung on Mig a ionsp ozessen im
Spi zenspo eine Silhoue e zu geben, um spezi ische Mig a ionsbedingungen
au einem gewissen Abs ak ionsni eau g undlegend eino dnen und e s ehen
zu können. Mig a ion läss sich in diese wei ge ass en Sich weise mi Spa acio &
Klückmann (2015) besch eiben als „ein au (zumindes e mu e e) P äsenz abzie-
lendes Bewegungsphänomen: Mig a ion is Mobili ä und ha eine wie auch im-
me de inie e Fo m de P äsenz zu Folge. Abe sie is gleichzei ig meh als Mo-
bili ä und meh als P äsenz, sie is de en jeweilige Spezial all“ (S. 28).
2.2 Theo e ische Ansä ze zu E klä ung on Mig a ion
Mig a ionssoziologische Analysen haben ih en U sp ung in den 1920e Jah en in
den USA. Im eu opäischen Raum inde sei den 1980e Jah en eine deu liche Zu-
nahme an empi ische und gleich alls heo e ische Analyse on Wande ungen
s a ( gl. zu Fo schungs adi ion im Übe blick Bade, 2002; Hahn, 2012; Schmi e
Spi zenspo und Mig a ion 49
Heisle , 2008). Beim Ve gleich de einschlägigen Fo schungsa bei en läss sich das
G os de Un e suchungen au zwei Ke n agen eduzie en:
(1) Wa um mig ie en Menschen und wie e ände n sich die Bewegg ünde im Zei -
e lau ?
(2) Was passie mi den Mig an en in de Au nahmegesellscha und welche wi -
scha lichen, poli ischen und sozialen Konsequenzen gib es?
De Fokus wu de zunächs au die, e mein lich gesellscha lich ele an e e,
zwei e F age geleg . Im Mi elpunk s ehen Analysen, die sich o nehmlich mi
Aspek en und Folgen in e na ionale Mig a ion be assen ( gl. z.B. B ücke , 2003;
Dü ell, 2006; F eisl, 1994; Geisen, 2005; im Übe blick Han, 2000, 2006; Hillmann,
2007; King, 2002). Diese Un e suchungen schließen o mals F agen zu Fo men so-
ziale In eg a ion ode Desin eg a ion und de en poli ischen Konsequenzen mi
ein ( gl. insbesonde e Bommes & K üge -Po a z, 2008; Oswald, 2007; T eibel,
2008b). Sie beschä igen sich also mi Phänomenen, die aus be ei s e olg en Mig-
a ionsen scheidungen he o gehen. Nach wie o is diese S ang de Mig a i-
onssoziologie de jenige, de am meis en Au me ksamkei e äh ; ü diese A bei
is e abe ehe nebensächlich.
Bis da o inde sich eine wei en wickel e und ausdi e enzie e Viel al an Mig a-
ions heo ien. Im Kon ex diese A bei zu beach en is , dass die Mig a ions o -
schung sich bis in die 1990e Jah e au his o ische Wande ungsbewegungen wie
die massenha e Einwande ung in die USA wäh end des 19. Jah hunde s ode die
Gas a bei e wande ungen inne halb Eu opas in de zwei en Häl e des 20. Jah -
hunde s konzen ie e. Hie du ch e es ig e sich ein enges Ve s ändnis on Mig-
a ion, das sich „meis au oma isch als ein zei lich daue ha es und äumlich g ö-
ße e Dis anzen sowie in e na ionale G enzen übe sch ei endes soziales Phäno-
men“ (E e & Saue , 2010, S. 18) konzep ualisie e. Diese Fo m de Mig a ion be-
Spi zenspo und Mig a ion 50
a in de Regel wenige p i ilegie e, kapi alschwache Menschen, die on ge in-
ge in höhe en wickel e Na ionals aa en wande en, um do A bei zu inden.
Die e s en Theo e isie ungs e suche on Wande ungsbewegungen sind on die-
sen Vo s ellungen de A bei smig a ion gep äg , was zu eine En wicklung on
ökonomisch a isie en E klä ungsmodellen üh e, die im Wesen lichen au den
Annahmen diese Mig a ions o m be uhen.
Dies gil es bei de Auswahl de im Folgenden nähe zu beleuch enden Theo ien
zu beach en. Die Auswahl e olg anhand on d ei K i e ien: E s ens sollen die
Theo ien ein b ei es Spek um an un e schiedlichen E klä ungsansä zen zu U sa-
chen und Bedingungen on Mig a ion abdecken. Zwei ens soll sich das Spek um
nich au in e na ionale Mig a ion besch änken, sonde n ausd ücklich auch E klä-
ungsansä ze ü in ana ionale Mig a ion be ei hal en. D i ens sollen die ausge-
wähl en E klä ungsansä ze ein Mindes maß an E klä ungsk a ü den Be eich de
Spo mig a ion be ei hal en, weshalb einschlägige A mu s- ode Flüch lings he-
o ien und Übe legungen zu e zwungene Mig a ion nich be ücksich ig we den.
De Übe sich halbe we den die ausgewähl en Theo ien in mak o heo e ische,
mik o heo e ische und meso heo e ische Ansä ze so ie behandel . Mak o heo-
e ische Ansä ze nehmen Mig a ion au eine Agg ega ebene in den Blick. Sie be-
assen sich mi Mig a ion als Kollek i phänomen und iden i izie en und in e p e-
ie en S uk u bedingungen als De e minan en de Mig a ion. Im Fokus diese
Ansä ze s ehen egionale Dispa i ä en, die sich beispielsweise in un e schiedli-
chen Lohnni eaus und A bei slosenquo en sowie ungleiche Siedlungsdich e aus-
d ücken können. Zudem we den Fak o en wie A bei sma k en wicklung, Anzie-
hungsk a u bane Zen en und zu übe windende Dis anzen be ach e , um Mig-
a ionss öme egelha e klä en zu können. Mik o heo e ische Ansä ze sind ak-
eu zen ie und okussie en das indi iduelle Ve hal en in de En scheidungs in-
Spi zenspo und Mig a ion 51
dung. Sie be ücksich igen die Bedeu ung pe sönliche In o ma ionen und subjek-
i e Bewe ungen und zielen au die Abbildung on Gese zmäßigkei en im Ab-
wägungs- und Op imie ungsp ozess on Mig a ionsen scheidungen. Meso heo-
e ische Ansä ze hingegen analysie en, inwie e n Mig a ionsen scheidungen in in-
s i u ionelle und o ganisa ionale Kon ex e sowie soziale Ne zwe ke eingebe e
sind. Die meso heo e ischen Ansä ze ücken – auch wenn sie sachlogisch zwi-
schen Mak o- und Mik oebene sinn olle au gehoben scheinen – aus G ünden
ih e zei his o ischen En s ehungsgeschich e an das Ende de Be ach ungen,
denn sie sind e gleichsweise jünge en U sp ungs und können als Reak ion au
unzu eichende Reichwei en sowie au Lücken und eine un olls ändige In eg a ion
de heo e ischen Ansä ze de Mak o- und Mik oebene gesehen we den ( gl.
Dü ell, 2006; E e & Saue , 2010; Han, 2000, 2006; Haug & Saue , 2006; Kal e ,
1997, 2000; Kley, 2009; K ale & Pa n ei e , 2005).
2.2.1 Mak o heo e ische E klä ung on Mig a ion
In ielen Theo ieübe blicken zu Mig a ion ma kie en die „Laws o Mig a ion“ om
Demog a en und Ka og a en Ra ens ein (1972a), die in den 1880e Jah en e -
ö en lich wu den, den S a punk ü die Wande ungs o schung. Ra ens ein ha
au Basis b i ische Zensusda en de Jah e 1871 und 1881 Mig a ionsak e nach
Dis anz, zei lichen Dimensionen und nach Geschlech analysie und da aus ol-
gende Gese zmäßigkei en abgelei e , die sich mi Dü ell (2006), Geis (2005), Han
(2000) und Kley (2009) sinngemäß wie olg übe se zen und zusammen assen las-
sen:
 Die meis en Mig a ions o gänge e olgen übe eine ku ze En e nung.
 Es e olg in Rich ung g oße Handels- und Indus iezen en ein Abso p i-
onsp ozess und in die en gegengese z e Rich ung ein Dispe sionsp ozess
– le z e e ha alle dings ein ge inge es Ausmaß.

Spi zenspo und Mig a ion 52
 Die hie aus en s ehenden Lücken, we den on Mig an en aus en legene-
en Gebie en ge üll .
 Jede Wande ungss om e zeug einen Gegens om ( on ge inge e
S ä ke).
 In de S ad Gebo ene mig ie en sel ene als die om Land.
 F auen mig ie en meh als Männe jedoch übe kü ze e Dis anzen.
Wenngleich die Wande ungsgese ze on Ra ens ein in den sozialhis o ischen
Kon ex de Indus ialisie ung und U banisie ung Englands einzube en sind und
es diesbezüglich zu P oblemen bei de Ve allgemeine ung seine Gese ze komm ,
e weisen sie sich übe die Zei hinweg als ela i s abil und spiegeln sich in Teilen
auch heu e noch in Agg ega da en wide (Kley, 2009, S. 27). Ra ens ein s ell ü
die Beg ündung diese s a is ischen Beobach ungen eine Reihe an plausiblen
Ve mu ungen an, wie „schlech e ode un e d ückende Gese ze, hohe Bes eue-
ung, unangenehmes Klima, ge inge soziale Übe eins immung und soga Zwang“.
Eine Mig a ionsu sache heb e abe besonde s deu lich he o : das in den meis-
en Menschen o handene Ve langen, „sich selbs in ma e ielle Hinsich zu ‚ e -
besse n‘“ (Ra ens ein, 1972b, S. 83), sodass e als wei e es Gese z hinzu üg :
 Mig a ion wi d haup sächlich on ökonomischen Fak o en beein luss .
Obwohl iel ach k i isie wi d, dass Ra ens eins Beobach ungen s eng genom-
men nich die Quali ä on Gese zen hä en ( gl. Haug & Saue , 2006; Kley, 2009),
we den diese ückblickend als ‚Klassike ‘ einges u und gel en als Wegbe ei e
ü spä e en wickel e G a i a ionsmodelle sowie ü ökonomisch o ien ie e Mig-
a ions heo ien.
G a i a ionsmodelle be ach en die Dis anzen on Wande ungen und gehen au
den Ve such zu ück, das physikalische new onsche G a i a ionsmodell ü die An-
ziehungsk a zweie Kö pe au das Mig a ions e hal en zwischen zwei O en zu
übe agen. Mi Hil e on Fo meln wi d dabei das e wa e e Mig a ions olumen
Spi zenspo und Mig a ion 53
e echne . Das G undmodell wu de on Zip (1946) en wickel und in de Folge
on Dodd (1950) e eine . Die G a i a ionsmodelle pos ulie en hinsich lich de
S ä ke on Mig a ionss ömen eine Wande ungsbeziehung zwischen de En e -
nung und dem Be ölke ungs olumen zweie O e: Es wande n meh Menschen
on einem bes imm en O zu einem ande en, je g öße die O e sind. Und es
wande n wenige Menschen on einem bes imm en O zu einem ande en, je
wei e sie oneinande en e n sind.
G a i a ionsmodelle sind in de Lage, s a is ische Zusammenhänge on Mig a i-
onss ömen o melha zu besch eiben. Im Sinne eines Black-Box-Modells hin e -
agen sie jedoch nich die dahin e liegenden Mechanismen on Mig a ion (Kal-
e , 2000, S. 442). Dies geling auch dann nich , wenn – wie z. B. on S ou e (1940;
1960) o geschlagen – wei e e Va iablen wie Möglichkei en (oppo uni ies), in-
e enie ende Möglichkei en (in e ening oppo uni ies) und Konku enz zu an-
de en Mig an en (compe ing mig an s) zusä zlich be ach e we den. Die Modelle
zeigen zusammengenommen in ih e Ein achhei zwa eind ucks oll au , inwie-
e n isolie be ach e e s uk u elle Gegebenhei en die Mig a ionswah schein-
lichkei und die Mig a ionsen e nung beein lussen. Sie können jedoch keinen
undamen alen Bei ag ü die E klä ung on Mig a ionsp ozessen leis en, wes-
halb sie im Rahmen diese A bei nich um änglich he ausgea bei e we den.
Mak oökonomisch o ien ie e Mig a ions heo ien beschä igen sich mi dem on
Ra ens ein angesp ochenen Aspek de ma e iellen Ve besse ung. Folg man de
A gumen a ion de mak oökonomischen Ansä ze, so sind egionale Lohndi e-
enzen u sächlich ü Mig a ion. Kal e (2000) b ing das zug unde liegende P in-
zip wie olg au den Punk :
„A bei sk ä eangebo und A bei sk ä enach age bes immen im Gleichge-
wich den P eis des P oduk ions ak o s A bei , das Lohnni eau. Dieses Gleich-
gewich is abe zunächs nu egionale A . Als Reak ion au un e schiedli-
che Lohnni eaus in e schiedenen Regionen e en Wande ungen au . E -
we bs ä ige mig ie en on Gebie en mi nied igen Lohnni eaus in Gebie e
Spi zenspo und Mig a ion 54
mi höhe en Du chschni slöhnen und bewi ken somi – da Zuwande ungen
zu eine Senkung des Ni eaus und Abwande ungen zu eine Anhebung des
Ni eaus üh en – das Zus andekommen eines globalen Gleichgewich sp o-
zesses.“ (S. 445)
Es is o ensich lich, dass es sich bei diese A gumen a ionske e um eine ideal y-
pische Kons uk ion handel . Sie implizie s illschweigend Bedingungen wie Voll-
beschä igung, a ionales Handeln au de Basis olls ändige In o ma ion, Kon-
ku enz zwischen den Ma k eilnehme n und kos enneu ale Du ch üh ung de
Mig a ion, die eine empi ischen Übe p ü ung nich s andhal en wü den (K ale
& Pa n ei e , 2005, S. 332). T o z alle K i ik an diesem klassischen ökonomischen
Modell, e weis sich in de empi ischen Übe p ü ung ein hohes Lohnni eau
nich sdes o o z als Magne ü Zuwande e . Hingegen bes ä ig sich die Auswan-
de ungshypo hese aus Regionen mi nied igem Lohnni eau nich . Vieles weis
da au hin, dass Emig a ion in diesen Regionen ge ade du ch das nied ige Lohn-
ni eau behinde wi d, da die Menschen sich einen Wohno wechsel nich leis en
können. Das gleiche Bild e gib sich, wenn man s a de Lohnni eaus A bei slo-
senquo en als Mig a ionsan eibe be ach e . In diesem keynesianischen Denk-
modell wi d da on ausgegangen, dass Wande ungen on Regionen mi hohe
A bei slosenquo e in Regionen mi nied ige A bei slosenquo e und p ospe ie-
endem A bei sma k zu Maximie ung de Einkommense wa ungen e olgen.
Die empi ische Übe p ü ung zeig hie in die äqui alen e Rich ung, dass O e mi
nied ige A bei slosenquo e e meh on Zuwande ung, O e mi hohe A bei s-
losenquo e abe eben nich übe mäßig on Auswande ung be o en sind. Im Ge-
gen eil: Die Be unde eine neue en S udie deu en da au hin, dass mi s eigende
egionale A bei slosenquo e die ela i en Emig a ions a en zu ückgingen und
somi un o eilha e ökonomische Bedingungen o O mi einem T end zu Im-
mobili ä gekoppel seien (Windzio, 2004). Neben de Ve mu ung, dass sich die
Menschen Mig a ion hie schlich weg nich leis en können ode abe ins i u io-
Spi zenspo und Mig a ion 55
nelle Ba ie en, indi iduelle T äghei und In o ma ionsde izi e einem Wohno -
wechsel en gegens ehen, läss sich auch an üh en, dass Mig a ion o mals im Zu-
sammenhang mi E we bs ä igkei s eh , wie dies beispielsweise bei un e neh-
mensin e nen Ve se zungen an einen ande en S ando de Fall is ( gl. im Übe -
blick Kal e , 2000, S. 445-447).
Die Be ach ung ökonomische Ein luss ak o en ha schließlich auch zu abs ak e
o mulie en und mi wenigen G undannahmen auskommenden E klä ungsmo-
dellen ge üh : die mak oökonomischen Push- und Pull-Modelle. Diese haben die
heo e ische Auseinande se zung mi Mig a ion übe eine lange Zei maßgeblich
beein luss und e euen sich dabei unk i ische Popula i ä , wenngleich sie s eng
genommen keinen eigens ändigen heo e ischen Ansa z bilden, sonde n „im
P inzip nu eine sugges i e Sp echweise“ (Kal e , 2000, S. 447) wide spiegeln. Bei
den Push- und Pull-Modellen lieg die Haup au gabe da in, abs oßende Fak o en
(push) und anziehende Fak o en (pull) zu iden i izie en und gegenübe zus ellen.
De en simul ane Analyse en scheide schließlich, ob ein e waiges Mig a ionspo-
enzial zu eine Ve se zung des Lebensmi elpunk s üh ode nich . Zu den Push-
Fak o en zählen alle Bedingungen, die eine unbe iedigend emp undene Si ua-
ion am He kun so bedingen. Diese können nach e b ei e e Lesa z. B. K ieg,
eligiöse ode poli ische Ve olgung, wi scha liche K isen, Einkommensungleich-
hei en, Umwel ka as ophen ode klima ische Bedingungen sein. Die Pull-Fak o-
en sind diejenigen Fak o en, welche die Ziel egion a ak i e scheinen lassen,
z. B. poli ische S abili ä , Aussich au E we bsmöglichkei en, hohe Löhne und ein-
ägliche Sozialleis ungen (Dü ell, 2006, S. 81; Geis, 2005, S. 28-29; Han, 2000, S.
13-15; Oswald, 2007, S. 70-71).
Push- und Pull-Modelle sind als O dnungs e such bei eine Abwägung on Wan-
de ungsg ünden anzusehen. Weil neben Lohndi e enzen mi sozialen Kos en
(Auswi kungen au Familie, Pa ne scha , F eunde) zunehmend auch eine Reihe
Spi zenspo und Mig a ion 62
nu zen besch eiben, den ein Indi iduum seinem Wohno beimiss . Die place u i-
li y is ein subjek i e Na u und wi d mi den eigenen Ansp üchen und Bedü -
nissen (aspi a ion le el) bezüglich des O snu zens abgeglichen. En s eh ein
Miss e häl nis, d. h. die place u ili y deck die Ansp üche und Bedü nisse nich
meh ab, en s eh Unzu iedenhei und es d äng sich die No wendigkei eine
Ve ände ung au . Da ü , dass ein Zu iedenhei ss a us in Unzu iedenhei übe -
geh , können eine sei s eine abgenommene place u ili y, also eine Senkung des
subjek i wah genommen O snu zens, und ande e sei s ges eige e Ansp üche
und Bedü nisse, die o allem im Zusammenhang mi einschneidenden Lebens-
lau e eignissen wie Ausbildung, Be u , Hei a , Gebu on Kinde n au e en, e -
an wo lich sein (Lebenslau ansa z). Die da aus esul ie ende No wendigkei eine
Ve ände ung kann, muss abe nich zwangsläu ig in eine Mig a ion münden, wie
B own & Moo e (1970) e gänzend he ausa bei en. Neben de Ve lage ung des
Lebensmi elpunk s an einen ande en O läss sich auch an den o genann en
S ellsch auben d ehen, indem die place u ili y du ch eine ak i e Ve ände ung de
Umgebung ode das aspi a ion le el du ch eine Anpassung de Ansp üche und
Bedü nisse ni ellie we den.
De Mig a ionsp ozess an sich beginn mi de Suche nach O sal e na i en, die
ein höhe es Le el an place u ili ies besi zen espek i e e sp echen. Ode mi
Wolpe s Wo en: „Thus, he low o popula ion e lec s a subjec i e place-u ili y
e alua ion by indi iduals“ (1965, S. 162). Wolpe weis ausd ücklich da au hin,
dass die S a egien de Suche nach einem geeigne en neuen Wohno de Feld-
heo ie en sp echend du ch den Ho izon des indi iduellen Ak ions aums und In-
o ma ionen du ch Massenmedien, Reisen, F eunde und Ve wand e einge ahm
we den. Deshalb is die En scheidungs indung nich imme op imal und es spie-
geln sich in ih subjek i e Ve ze ungen und eine beg enz e Ra ionali ä de Indi-
iduen wide . Den le z en Punk e gänzend läss sich hinzu ügen, dass Mig a i-

Spi zenspo und Mig a ion 63
onsen scheidungen nich du ch das P inzip des Maximie ens he o ge u en we -
den. Solange jemand mi de je zigen Si ua ion zu ieden is , wi d nich zwingend
nach besse en Al e na i en gesuch (Kal e , 2000, S. 455-456). Dies inde auch in
eine Un e suchung on Spea e (1974) Bes ä igung, de einen Index zu Zu ie-
denhei bzw. Unzu iedenhei als e lässlichen P ädik o ü die Be ei scha zu
Mig a ion he ausa bei en konn e.
De Zu iedenhei sansa z is ü eine en scheidungs heo e ische Mig a ionsana-
lyse in d eie lei Hinsich be eiche nd: E s ens s ell e e s malig die jeweils indi i-
duellen äumlichen P ä e enzen au de Basis subjek i e Bewe ungen in den
Vo de g und und zeig au , dass sich se iöse Gedanken übe einen möglichen
Wohno wechsel e s beim Übe gang eine Unzu iedenhei sschwelle mani es ie-
en. Zwei ens be ücksich ig e , dass bei Mig a ionsen scheidungen auch ande e
Handlungsal e na i en als ein Wohno wechsel ziel üh end ü die Be iedigung
de jeweiligen Ansp üche sein können. Und d i ens en häl e implizi Ko ek u-
en de mik oökonomischen Ansä ze, die in möglichs ealis ischen Annahmen
übe Abwägungsübe legungen in un e schiedlichen En scheidungssch i en be-
s ehen.
Eine Bündelung e schiedene Ansä ze inde sich in de We e wa ungs heo ie,
die de Jong und Fawce (1981) e s malig au Mig a ion bezogen haben und ins-
besonde e on Kal e (1997; 2000) un e dem Aspek de Subjec i e Expec ed U i-
li y (SEU-Modell) mig a ionsspezi isch au gea bei e wu de.
15
Das cha ak e is i-
sche am SEU-Modell is die Ve quickung on subjek i en Mig a ions ak o en mi
ökonomischen Mig a ions ak o en. Klassische mak o heo e ische De e minan en
wie Lohnni eau und Klima we den ebenso be ücksich ig wie die indi iduelle Be-
we ung on Handlungsal e na i en. Im Sinne eines Ra ional-Choice-Ansa zes
15
G undsä zliche Übe legungen zum SEU-Modell (Theo ie des subjek i e wa e en Nu zens) und somi zu Implemen-
ie ung subjek i e Elemen e in Ra ional-Choice-Theo ien ha Esse (1991a; 1991b) o geleg .
Spi zenspo und Mig a ion 64
wi d Mig a ion als ins umen elles Ve hal en ausgeleg , bei dem Ziele und Zwecke
e olg we den, die bes imm en We o s ellungen un e liegen. Bei de Abwä-
gung eine gegebenen Menge on Handlungsal e na i en e s ell das Indi iduum
eine inne e Ranglis e on (Lebens-)Zielen, wobei o ausgese z wi d, dass das In-
di iduum selek ie , inso e n als es höhe angige Ziele zu e eichen e such ( gl.
Ka hmann, 2015, S. 78). Folglich handel es sich bei dem SEU-Modell wie beim
Humankapi alansa z um eine Kos en-Nu zen-Analyse, bei de angenommen wi d,
dass eine En scheidung jeweils den g öß en pe sönlich e wa e en Gesam nu zen
ep äsen ie . Bezieh man dieses G undmodell au Mig a ionsen scheidungen, so
können als Handlungsal e na i en en wede die g undlegende En scheidung
Bleiben/Umziehen ode die En scheidung ü ein bes imm es Ziel de Mig a ion,
d. h. an welchen O de Umzug e olgen soll, in die Modellie ung eingehen. In
de o malen Sp ache de Ma hema ik ausged ück , e kö pe de subjek i e -
wa e e Nu zen olgende Eigenscha en:
𝑆𝐸𝑈(𝑖)=∑𝑝𝑖𝑗 ∗𝑈𝑗
Fü den besch eibenden Te m au de ech en Sei e bezeichne 𝑈𝑗 die Nu zenein-
schä zung und 𝑝𝑖𝑗 die Wah scheinlichkei , eine Zielsi ua ion j du ch eine Hand-
lung i zu e eichen. Es is dabei bedeu sam, dass beide Mul iplika o en, also die
Summe de Nu zeneinschä zungen und de Wah scheinlichkei , au subjek i en
Bewe ungen und E wa ungen basie en. Kos en ü die jeweilige Handlungs-
ode O sal e na i e we den als nega i e Nu zeneinschä zung 𝑈𝑗 be ücksich ig
und haben somi ela i ie enden Ein luss au die En scheidung. Schlussendlich is
maßgeblich, dass diejenige Handlungsal e na i e i gewähl wi d, die den maxi-
malen We e gib , d. h. den höchs en subjek i en Nu zen e sp ich . In de mig-
a ionsspezi ischen Anwendung heiß dies hinsich lich de En scheidung Blei-
ben/Umziehen: Lieg de SEU-We ü eine Ve lage ung des Lebensmi elpunk s
übe dem de Sessha igkei , wi d mig ie (Kal e , 2000, S. 456-458).
Spi zenspo und Mig a ion 65
Ein Vo eil des SEU-Modells is die E möglichung de In eg a ion on Mak o ak-
o en in eine au de Mik oebene angesiedel en En scheidungs heo ie – wie es
Ga dne (1981) schon sei langem ge o de ha . Da es im Ke n bei dem SEU-
Modell um das P inzip de Nu zenmaximie ung nach a ionalen und indi idualis-
ischen Lei gedanken on Einzelpe sonen geh , is es ü den Fall nich gu geeig-
ne , wenn es um komplexe, in e dependie ende Mig a ionsen scheidungen meh-
e e Be eilig e geh . Geh man da on aus, dass bei Mig a ionsen scheidungen
nich de indi iduelle Ak eu de alleinige En scheidungs äge is , sonde n iel-
meh die En scheidung in den Kon ex de Familie zu s ellen is ( gl. S a k, 1991),
bie e das SEU-Modell keine Möglichkei , gemeinsame En scheidungen als eine
Haushal sen scheidung abzubilden. Neben dem empi isch e wiesenen Fak , dass
in den meis en Fällen de weibliche Pa ne gegenübe de Ka ie een wicklung
seines männlichen Pendan s zu ücks eck ( gl. Ab aham & Schönholze , 2009; Be-
cke e al., 2011; Becke & Tippel, 2012; Rüge e al., 2011), dü e im o liegenden
Kon ex auch in e essan sein, un e welchen P ämissen in Familien En scheidun-
gen ge o en we den, wenn ein spo lich alen ie es (minde jäh iges!) Kind ka -
ie ebeding einen Umzug – e wa in ein Spo in e na , in die Nähe eines S ü z-
punk s ode eines Nachwuchsleis ungszen ums – in E wägung zieh .
2.2.3 Meso heo e ische E klä ung on Mig a ion
In einem ielbeach e en Au sa z übe neue Fo men de Mig a ion k i isie de
b i ische Mig a ions o sche King (2002) o dem Hin e g und sich di e si izie en-
de Mig a ionsa angemen s die einge ah enen Wege de E o schung on Mig-
a ion. Un e ande em o de e die scien i ic communi y eingehend dazu au ,
Mig a ion konsequen e weise meh pe spek i isch im Rahmen eine “double em-
beddedness o mig a ion" (King, 2002, S. 101) zu be ach en: Au de Mik oebene
müsse Mig a ion zwingend in den Lebenslau de Mig an en eingebe e analy-
Spi zenspo und Mig a ion 66
sie we den; gleichzei ig müsse au de Mak oebene die Einbe ung de Mig an-
en in gesellscha liche Bedingungsge üge und soziale P ozesse de jeweiligen
He kun s- und Ziel egionen e g ünde we den. Zwei els ei is seine K i ik be-
ech ig . Denn eines eils können die mak o heo e ischen E klä ungsansä ze, die
au de Agg ega ebene Mus e sowie Ko ela ionen zwischen einzelnen Fak o en
und Mig a ionss ömen au zudecken in de Lage sind, die a sächlichen Beweg-
g ünde ü einen Wechsel des Lebensmi elpunk s nich u sächlich e klä en, weil
sie om Kollek i au das Indi iduum schließen und dami handlungs heo e ische
Annahmen und die jeweils konk e e Re lexion de Si ua ion de Indi iduen e -
nachlässigen. Ande n eils is Le z e es zwa Bes and eil de mik o heo e ischen
E klä ungsansä ze. Diese be ücksich igen abe nich den Aspek de wechselsei i-
gen Kons i u ion on sozialem Handeln und sozialen S uk u en. Sie haben ih e
blinden Flecken im in e agie enden Handeln mi ande en Indi iduen in sozialen
Ne zwe ken und bie en keine Möglichkei , Zusammenhänge zwischen e schie-
denen E klä ungsebenen zu be ücksich igen.
In diese Hinsich lohn sich die Auseinande se zung mi neue en Mig a ions he-
o ien, die sich au de Mesoebene ansiedeln lassen und denen man eine – wenn
auch noch agmen a ische - Übe b ückungs unk ion on Mak o- und Mik o-
ebene (und umgekeh ) zusch eiben könn e ( gl. Fais , 1997; Haug & Saue , 2006,
S. 22). Lei end ü meso heo e ische E klä ungsansä ze is dabei die Annahme,
dass Indi iduen in O ganisa ionen, G uppen ode Ne zwe ke eingebunden sind
und diese Einbindung den Mig a ionsp ozess beein luss . Insbesonde e die An-
wendung de beiden bes ehenden Ansä ze Ne zwe k heo ie und Sozialkapi al au
den Gegens andsbe eich de Mig a ion ha die heo e ische Auseinande se zung
neue dings be uch e . Die beiden genann en Ansä ze we den nach olgend ex-
plizie , wobei deu lich we den soll e, dass sie eng mi einande e woben sind.
Spi zenspo und Mig a ion 67
De besonde e E klä ungsgehal de Be ach ung on Mig a ionsne zwe ken be-
s eh da in, den Ein luss on pe sönlichen Beziehungen in Mig a ionsp ozessen
zu bemessen. Dabei sind sowohl die Bleiben/Umziehen-En scheidung, die Ziel-
o en scheidung, de Wohno wechsel an sich und die Möglichkei en de In eg a-
ion on sozialen P ozessen gep äg , bei denen sich Indi iduen au In o ma ionen
und Hil e ih es sozialen Ne zwe ks, bes ehend aus Familienangehö igen, F eun-
den, Bekann en und e ne nü zliche Kon ak e zu O ganisa ionen ode emden
Pe sonen, bedienen. Die Gesam hei alle sozialen Beziehungen eines Indi idu-
ums, die ihm bei eine Mig a ion behil lich sind, wi d als Mig an enne zwe k be-
zeichne . Da au au bauend läss sich die Gesam hei alle Mig an enne zwe ke
eine bes imm en G uppe als Mig a ionsne zwe k agg egie en. Anwendung in-
de dieses Konzep in G uppen mi gemeinsamen geog a ischen, e hnischen ode
na ionalen Bezügen. De Wi kmechanismus on Mig a ionsne zwe ken lieg o
allem in de Nu zung sozialen Kapi als beg ünde . Die en scheidende F age ü
den Mig an en lau e dabei: Welchen Zug i habe ich au die ma e iellen und
imma e iellen Ressou cen de Mi gliede meines Mig an enne zwe ks ( gl. El ick,
2008, 2009)?
En sp echend de Sozialkapi al heo ie
16
gib es e schiedene Mechanismen de
Nu zba machung sozialen Kapi als, ü die die ie Beg i e We e, Solida i ä , Re-
zip ozi ä und Ve auen maßgeblich sind (Po es, 1995, 1998). Haug & Saue
(2006) e deu lichen diese ie Wi kmechanismen olgende maßen:
16
Es exis ie en e schiedene Be ach ungen zum sozialen Kapi al, die sich au e schiedenen Ebenen e o en lassen. Die
ein luss eiche Sozialkapi al heo ie on Pu nam (1993; 1995) s ell lokale Ve gemeinscha ungen wie Ve eine und ki ch-
liche G uppen als Gene a o en sozialen Kapi als ins Zen um seine Be ach ung und zieh da aus mak o heo e ische
Schluss olge ungen ü den kollek i en We on Sozialkapi al ü Gesellscha en. Lin (1999) nimm einen meso heo e-
ischen Blick ein und okussie sich o nehmlich au die Beziehungsmus e im Ne zwe k on Familien und F eunden
und wie übe solche Beziehungen Ressou cen mobilisie we den können. Fü eine mik o heo e ische Fundie ung so-
zialen Kapi als s eh de wei e b ei e e Ansa z on Bou dieu (1983). Soziales Kapi al nach Bou dieu mein die Gesam -
hei de ak uellen und po enziellen Ressou cen, die au gegensei iges Kennen und Ane kennen be uhen und die ein

Spi zenspo und Mig a ion 68
„Im e s en Fall sind es allgemeine mo alische P inzipien, die du ch Sozialisa-
ion e wo ben wu den. Sie können zu nich ein ökonomisch o ien ie em
Handeln üh en, was on Vo eil ü ande e Mi gliede eine (e hnischen) Ge-
meinscha is . Im zwei en Fall bes eh eine Iden i ika ion mi den Zielen und
Bedü nissen de G uppe, was zu solida ischen Handlungen üh . Dieses
g uppeno ien ie e Handeln is zu un e scheiden on we o ien ie em Han-
deln, da es du ch ein G uppenbewuss sein he o ge u en we den kann. Im
d i en Fall we den im Rahmen eines ezip oken Tauschs Ressou cen an Mi -
gliede des sozialen Ne zwe ks e geben, wobei du chaus ein Eigenin e esse
bes eh , und im ie en Fall üh die E wa ung on Belohnungen bzw. die
And ohung on nega i en Sank ionen bei einem Ve auensb uch zu einem
e auens ollen Mi einande un e den Ne zwe kpa ne n.“ (S. 24)
Ein Mig an kann inne halb seines Ne zwe ks übe We e, Solida i ä , Rezip ozi ä
und Ve auen den Zug i au die Ressou cen de einzelnen Ne zwe kmi gliede
siche n. Das soziale Kapi al kann bei einem Mig a ions o haben eingese z we -
den, um In o ma ionen übe den A bei sma k und den Wohnungsma k , inan-
zielle ode a k ä ige Un e s ü zung beim Umzug, eine o übe gehende Be ei -
s ellung on Wohn aum ode Hil en bei de Eingliede ung am neuen Lebensmi -
elpunk zu e hal en.
Die Bedeu ung on sozialen Ne zwe ken bei ans ehenden Mig a ionsen schei-
dungen ha Ri chey (1976) hypo hesena ig e deu lich : In de In o ma ionshy-
po hese d ück sich eine kanalisie ende Funk ion on en e n lebenden Ve wand-
en und F eunden aus, die eine sei s die Mig a ionsabsich be ö de n und ande-
e sei s die Mig a ion an diesen O lenken, da übe die zu e wa enden Bedin-
gungen am Zielo konk e e Vo s ellungen übe Handlungs- und Op ionsspiel-
Indi iduum zu seinem eigenen Nu zen ans o mie en kann. Hie zu beda es In es i ionen in das Beziehungsge üge
du ch eine bes ändige P lege de Kon ak e (zum Ve gleich Pu nam s. Bou dieu gl. B aun, 2003). Da es sich bei Spi -
zenspo le n um eine „Ö en lichkei seli e“ (B aun, 1999, S. 36) handel , dü e im Üb igen auch gel en, was Bou dieu
Adligen zusch eib : „Weil sie bekann sind, lohn es sich, sie zu kennen. Sie haben es nich nö ig, sich allen ih en ‚Be-
kann en‘ selbs bekann zumachen, denn es gib meh Leu e, denen sie bekann sind, als sie selbe kennen“ (Bou dieu,
1983, S. 193). Demzu olge dü e die Anhäu ung on sozialem Kapi al Spi zenspo le n ela i ein ach allen, da de en
Beziehungsa bei seh e ag eich is und sich in de Logik des Ane kennens beweg .
Spi zenspo und Mig a ion 69
äume gebilde we den können. Da übe hinaus komm in de E leich e ungshy-
po hese zum Ausd uck, dass on den am Zielo lebenden Ve wand en und F eun-
den iel äl ige Hil en in Ansp uch genommen we den können und diese den Mig-
a ions- und den sich anschließenden In eg a ionsp ozess e ein achen. Ebenso
können sich soziale Ne zwe ke abe auch mig a ionshemmend auswi ken, was die
A ini ä shypo hese sich ba mach . Denn diese umsch eib , wie po enzielle Mig-
an en du ch eine s a ke lokale Ve wu zelung und einem engen Kon ak zu o s-
ansässigen Ve wand en und F eunden eine Mig a ion en gegens ehen. Eine am-
bi alen e Wi k ich ung on sozialen Ne zwe ken wi d auch in Anbe ach de
Analyse on Hugo (1981) e sich lich, de den o genann en Hypo hesen zusä z-
lich noch die Kon lik - und E mu igungshypo hese zu Sei e ges ell ha . Folg
man seine Kon lik hypo hese, so be uch en in a amiliä e Kon lik e und F ik io-
nen inne halb des lokalen Ne zwe ks eine Mig a ionsen scheidung inso e n als
ein Ausb uch aus diesem Ne zwe k anges eb wi d. Die E mu igungshypo hese
be ö de eine Mig a ionsen scheidung wiede um deshalb, weil Ve wand e ode
F eunde zu eine Ve se zung des Lebensmi elpunk s an a en, z. B. um on eine
besse en Bildungs- ode E we bsmöglichkei en p o i ie en zu können ( gl. Haug,
2008, S. 589).
Nun ließe sich mi Pohjola (1991) a gumen ie en, inwie e n die Einbindung in ein
lokales soziales Ne zwe k Mig a ion behinde ode begüns ig . Schlussendlich is
dies abe imme am konk e en Fall zu bemessen. Allgemeine heo e ische Ablei-
ungen sind nich möglich, da „keine di ek e U sachenke e on sozialen Ne z-
we ken und Mig a ion zu inden“ (Haug & Saue , 2006, S. 23) is . Mi Blick au
bes ehende Mig a ionsne zwe ke lassen sich dessen ungeach e au ällige Mus e
bei in e na ionale Mig a ion es s ellen. So haben Indi iduen mi pe sönlichen
Kon ak en zu en e n wohnenden Mig an en selbs eine höhe e Mig a ionswah -
scheinlichkei . Es wi d da on ausgegangen, dass Mig a ionsne zwe ke inanzielle
Spi zenspo und Mig a ion 70
wie soziale Kos en und Risiken on Mig a ionsak en senken und den Ein luss ha -
e Mak o ak o en wie Lohnun e schiede ode A bei slosenquo en au wiegen.
Neben de Übe windung ökonomische Ba ie en können Mig a ionsne zwe ke
auch poli ische und ins i u ionelle Hinde nisse übe winden hel en. Dies wi d z. B.
bei Familiennachzügen besonde s deu lich, die sich häu ig eine Regulie ung
du ch Ob igkei en en ziehen. Da übe hinaus haben Mig a ionsne zwe ke einen
Selbs e s ä kungse ek , wonach mi jedem wei e en Mi glied das Ne zwe k um
neue po enzielle Mig an en e wei e wi d und schließlich ein Ke enmig a ions-
p ozess ins Rollen kommen kann ( gl. Haug, 2008; Massey e al., 1993; Massey e
al., 1998).
Fes zuhal en bleib , dass die Handlungs- und Op ionsspiel äume bei eine Mig-
a ion du ch soziale Ne zwe ke und soziale Abhängigkei en in jeweils spezi ische
A und Weise e wei e ode eingesch änk we den können. Hie au weisen auch
Ellio & Magui e (2008) bei ih e Suche nach Analogien zwischen A bei e mig a-
ion und Spo le mig a ion hin: „In his espec he signi icance o social ela ion-
ships and human in e dependence is c ucial when conside ing he mechanics o
he a ious mig a o y mo emen s ha a e occu ing globally" (S. 489). Demzu-
olge sind soziale Ne zwe ke und das in ih inhä en e Sozialkapi al als s uk u -
und essou cengebende Elemen e bei de E klä ung on Mig a ionsp ozessen
nich zu e nachlässigen. Wie sich dieses genau aus o m , welche Bedeu ung und
Wi kung das Sozialkapi al inne halb des Mig a ionsp ozesses a sächlich ha , sind
F agen, die alle dings bishe kaum elabo ie sind (Gampe , 2015, S. 354).
Neben de Bedeu ung soziale Ne zwe ke is ü eine meso heo e ische E klä ung
on Mig a ion g undsä zlich auch die Rolle on O ganisa ionen, die au den Mig-
a ionsp ozess einwi ken, zu übe p ü en. Sal (2001) e weis in diesem Zusam-
menhang beispielsweise au eine sich zunehmend p o essionalisie ende Mig a i-
onsindus ie: P o i o ien ie e O ganisa ionen übe nehmen Diens leis ungen zu
Spi zenspo und Mig a ion 71
E leich e ung de Mig a ion, wie z. B. den T anspo de Mig an en du ch Reise-
agen u en, Umzugsun e nehmen ode illegal agie ende Schleppe sowie die A -
bei spla z- und Wohnungssuche du ch Ve mi lungs- und A bei sagen u en.
Die Möglichkei de Nu zba machung on Leis ungen de a ige O ganisa ionen
en wickel sich zunehmend als ein wich iges Elemen bei de Umse zung on Mig-
a ions o haben. Wenn man so will, können diese auch als unk ionales Äqui a-
len des pe sönlichen sozialen Ne zwe ks ungie en. Vo allem sogenann e Relo-
ca ion-Agen u en sind da au spezialisie , den gesam en P ozess eines Umzugs
zu beglei en. Das Angebo solche Agen u en, die sich o allem im globalisie en
Wi scha ssys em e ablie haben, deck alle e denklichen o malen, adminis a-
i en bis hin zu in eg a i en Maßnahmen im Zusammenhang mi eine Wohno -
e lage ung ab. Ans a des sozialen Kapi als komm hie bei de Einsa z ökono-
mischen Kapi als zum T agen. Mi le weile gib es soga au Spo le mig a ion o-
kussie e Reloca ion-Agen u en ( gl. Mülle , 2009, S. 129) – was als Indiz da ü
gewe e we den kann, dass Spo le mig a ion eine quan i a i bedeu same
Ma k ele anz besi z . Insgesam is die Rolle als Ve mi le und Ka alysa o de
Mig a ionsindus ie nu unzu eichend hema isie und un e such (Chia acci,
2012; K issman, 2005). Wäh end die Bedeu ung on Schleppe o ganisa ionen bei-
spielsweise ü die i egulä e Immig a ion in die USA he ausgehoben wu de (Co -
nelius, 2005), sind legal agie ende Reloca ion-Agen u en noch nich in den Fokus
de Mig a ions o schung ge ück .
De Mig a ion on Hochquali izie en im Kon ex o ganisa ionale A bei ss uk u-
en wie beispielsweise on mul ina ionalen Un e nehmen wi d e s in jünge e
Ve gangenhei Au me ksamkei geschenk ( gl. z.B. Kolb, Mu ei a & Peixe o,
2004; Peixo o, 2001). Da o wu de A bei smig a ion „häu ig un e de F age de
In eg a ion in die Au nahmegesellscha hema isie und das P oblem de ge in-
ge Quali izie en ode e hnisch Disk iminie en bei de Analyse de globalen
Spi zenspo und Mig a ion 78
lyse on Mig a ion geh bis da o alle dings kaum übe die Einbindung in den so-
zialen Nah aum hinaus. Die Analyse de Einwi kung on O ganisa ionen wie Ve -
bände, Ve eine und Ve mi lungsagen u en, die als die ‚üblichen Ve däch igen‘
eben alls au de Mesoebene anzusiedeln sind, s ell eine wei e e He aus o de-
ung ü die Mig a ions o schung da .
17
Fass man die E klä ungsk a des G os de Mig a ions heo ien zusammen, so
muss gewü dig we den, dass diese (in e na ionale) Mig a ion o de Pe spek i e
on ( ela i e ) A mu und A bei slosigkei zu iedens ellend e klä en können. Das
Haup augenme k lieg dabei au dem Fak o E we bsa bei . Nich a bei sbeding e
Mig a ions o men allen wei es gehend aus dem Ras e de Be ach ung he aus.
Abe wenngleich die au ge üh en heo e ischen E klä ungsmodelle auch ü bin-
nenmig a i e Wande ungen gel en müss en, basie en auch de en G undannah-
men (meis s illschweigend) au den Implika ionen on Wande ungen übe Na i-
onals aa sg enzen hinweg. Uni e salis ische Theo ien mi dem Ansp uch, alle e -
denklichen Mig a ions o men, Mig a ionsg ünde und s uk u ellen Rahmenbe-
dingungen abzudecken, exis ie en dahingegen nich . Zwa wi d neue dings auch
de Mesoebene in de Mig a ions heo ie Beach ung geschenk , um Schwächen
on mik o- und mak o heo e ischen Mig a ionsansä zen auszugleichen, abe
auch dies ha nich zu En wicklung eines um assenden, olls ändigen E klä ungs-
modells ge üh .
18
Als Theo ien, die den Ansp uch eine hohen Reichwei e e ol-
gen, sind sie obend ein blind – ode p äzise : nich scha genug – ü Spezial älle
17
Die Rolle on Ve mi le n e deu lich sich beispielsweise in den Be unden on Meye (2001), de es s ell , dass Mig-
a ionswege on Hochquali izie en in de Regel du ch Ve mi le beein luss we den. Diese müssen abe nich zwangs-
läu ig p o essionellen S a us haben, wie e wa Agen en, Headhun e ode Ka ie ebe a e . Denn daneben können pe -
sönliche Ve mi le aus dem amiliä en Um eld, dem F eundes- und Kollegenk eis mi Mig a ionse ah ung mobilisie-
end und b ückenbildend ü eine Folgemig a ion wi ken.
18
Da übe hinaus is auch die K i ik on Haug & Saue (2006) zum Theo ie-Empi ie-Bezug zu beach en, wonach eine sei s
die Annahmen klassische Mig a ionsansä ze eilweise empi isch nich nach ollziehba sind und ande e sei s die em-
pi ische Mig a ions o schung das Spek um an Kombina ionsmöglichkei en de Theo ien nich nu z .

Spi zenspo und Mig a ion 79
wie z. B. En sendungen im Rahmen mul ina ionale Un e nehmen ode Auslands-
semes e on S udie enden und le z lich auch nich ü die Mig a ion on Spi -
zenspo le n.
Mi Blick au die Spo le mig a ion lassen sich diese g undsä zlichen K i ik spezi-
ische Übe legungen zu den ün Punk en S uk u bedingungen und Handlungs-
o ien ie ungen, Lebenslau und Lebens üh ung, Häu igkei und Dich e, geog a i-
sche und poli ische Bezüge sowie In as uk u und Pe sonal anschließen:
(1) S uk u bedingungen und Handlungso ien ie ungen
Die elabo ie e Mig a ions heo ie heb insgesam au s a k ökonomische (Ange-
bo /Nach age) und poli ische (Rech e, Res ik ionen, Ve eibung, Anwe bung)
Aspek e ab. Will man die Spo mig a ion analysie en, so sind insbesonde e abe
die S uk u bedingungen des Spi zenspo s zu beach en. Als ein Sozialbe eich,
de sich aus einem spezi ischen Se an No men, We en und Regeln (bis hin zu
eine eigenen Spo ge ich sba kei ), spezi ischen Handlungso ien ie ungen mi
eiwillig au e leg en Zwängen und Besch änkungen sowie spezialisie e O gani-
sa ionen wie Spo be on e Schulen, Spo e eine, Spo e bände zusammense z ,
un e scheide sich diese in s uk u elle Hinsich beispielsweise om A bei s-
ma k sys em, welche das zen ale Bezugsmus e adi ionelle Mig a ions heo-
ien da s ell . Diesbezüglich sind spi zenspo spezi ische P ägungen und Wi kun-
gen au das Mig a ions e hal en anzunehmen, die in eg ale Bes and eil eine
Theo ie de E klä ung on Mig a ion im Spi zenspo sein müssen. Nich zule z
deu en die in Kapi el 1.2 zusammenge ass en Be unde au die besonde e Bedeu-
ung de We bewe bslogik des Siegens hin – eine Ein lussg öße, die im Spo
handlungslei end, auße halb des Spo s jedoch öllig unbedeu end is .
Spi zenspo und Mig a ion 80
(2) Lebenslau und Lebens üh ung
Spi zenspo ka ie en beziehen sich au einen beg enz en Abschni im Lebens-
lau , de g ob on de Jugendzei bis ins mi le e E wachsenenal e eich . Inne -
halb dieses Abschni s sind Spi zenspo le da au okussie , ih kö pe liches Leis-
ungsop imum zu e eichen bzw. zu e hal en und in We kämp en au die P obe
zu s ellen, um Siege und Reko de einzu ah en. Siege und Reko de haben dabei
einen hohen symbolischen We , weshalb z. B. ein Wel meis e scha s i el ein alles
übe s ahlendes Lebensziel eines A hle en da s ellen kann ( gl. Digel, 2013). In
de all äglichen Lebens üh ung gil es, au dieses Ziel hinzua bei en und en sp e-
chende In es i ionen zu ä igen. Inso e n dü e im Spi zenspo auch die human-
kapi al heo e ische E klä ung on Sjaas ad (1962) ein S ück wei g ei en: Es is
da on auszugehen, dass alen ie e junge Spi zenspo le einen hohen An eiz ha-
ben dü en, ü e olg e sp echende Rahmenbedingungen de Ka ie een wick-
lung zu mig ie en, um die bishe in den Spo ges eck en In es i ionen en sp e-
chend ‚ e zinsen‘ zu können. Wäh end alle dings im auße spo lichen Be u sle-
ben die Ve zinsung en sp echend ausgehandel e ode zu an izipie ende zukün -
ige En lohnung als mone ä e Fak o bei de Kos en-Nu zen-Analyse ela i gu
einzukalkulie en is , is die Kalkula ion eines spo lichen E olgs wei aus schwie i-
ge , weil diese on eine undu chsich igen Vielzahl an Kon ex ak o en abhängig
und dahe kaum p ognos izie ba is .
(3) Häu igkei und Dich e
Im Spo exis ie eine abges u e Sys ema ik des Leis ungs e gleichs, die e wa im
Ligensys em ode mi de Un e scheidung egionale , landeswei e , kon inen ale
und wel wei e We kämp e sich ba wi d. Imme dann, wenn mi zunehmenden
(ode abnehmenden) Leis ungsni eau eine ande e S u e e eich wi d, ände n sich
in de Regel auch wich ige Kon ex bedingungen wie z. B. de Zugang zu Fö de -
s uk u en ode die A ak i i ä und Begeh lichkei ü Ve eine und T aine . Die-
Spi zenspo und Mig a ion 81
ses Sys em is me i ok a isch höchs selek i und du chlässig, sodass häu ige Ve -
ände ungen ans ehen, die auch mi nich -daue ha en Ve se zungen des Lebens-
mi elpunk s im Zusammenhang s ehen.
Als Besonde hei des Spi zenspo s wi k sich auße dem die beg enz e Zei -
spanne, in de au g und biologische Vo ausse zungen kö pe liche Höchs leis-
ungen ealisie ba sind, au die Häu igkei und insbesonde e Dich e on Mig a-
ionsen scheidungen aus. Im Spi zenspo komp imie en sich Mobili ä s agen
au einen Zei aum on ci ca zwei Jah zehn en. Die Tak ung, in denen zukun s-
weisende En scheidungen ge o enen we den, is hie eine ganz ande e als in
auße spo lichen Kon ex en. Wäh end Nich -Spi zenspo le auch mi 40 Jah en
noch au g und eines be u lichen Au s iegs mig ie en und dies als (ökonomisch)
sinn olle In es i ion bewe en können, is die Zei spanne, in denen Spi zenspo -
le e was e eichen können, nich so ausgedehn . Inne halb eine ela i ku zen
Zei spanne gil es, das Op imum, d. h. möglichs iele spo liche E olge und de en
ökonomische Ve we ung zu e eichen. Deshalb sind Spi zenspo le mi eine
po enziellen Häu igkei und Dich e an mig a i en En scheidungen kon on ie ,
die im auße spo lichen Kon ex ih esgleichen such . Dies gil es zudem in Ein-
klang zu b ingen mi wei e en Mobili ä san o de ungen, die im Rahmen on Rei-
sen zu T ainingslage n und We kämp en en s ehen.
(4) Geog a ische und poli ische Bezug
Spi zenspo is gekennzeichne du ch eine Simul ani ä globale , na ionale und
egionale Ve anke ungen ( gl. Riedl & Cachay, 2002). Spi zenleis ungen au
höchs em Ni eau we den nu im Ve gleich mi de in e na ionalen Konku enz
sich ba . Gleichzei ig sind Spi zenspo le imme auch in einen na ionalen ode
egionalen Kon ex eingebunden. Dabei sind bes imm e geog a ische und
(spo -)poli ische Res ik ionen, die mi de Na ionals aa szugehö igkei e bun-
den sind, zu beach en. Einige Spo a en sind beispielsweise nu in Regionen mi
Spi zenspo und Mig a ion 82
geog a ischen Besonde hei en (z. B. Ski alpin, Segeln) möglich, ande e wiede um
nahezu übe all au de Wel . Poli ische Implika ionen im Spi zenspo sind bei-
spielsweise im Zusammenhang mi dem Con aine -Denken na ionals aa liche
G enzziehungen denkba . In eine dem Spo eigen ümlichen A und Weise in-
e dependie en die Na ionals aa szugehö igkei mi de Möglichkei spi zen-
spo lichen E olg e ingen zu können, da We kamp eilnahmen in de Regel
übe die Zugehö igkei zu einem na ionalen Spo e band ge egel we den. Ge-
og a ische Abhängigkei en und na ionale Zugehö igkei en sind deshalb als spe-
zi ische O s e lech ungen bei eine E klä ung on Mig a ionsp ozessen im Spi -
zenspo einzubeziehen. Das on Wolpe (1965) eingeb ach e Konzep de place
u ili ies bekomm ü den Spi zenspo inso e n eine besonde e Bedeu ung, da
de O snu zen in Fo m spi zenspo bezogene S ando o e en eine S ando -
spezi i ä au weis , die in Bezug zu Möglichkei en de Leis ungsen al ung gese z
we den muss.
(5) In as uk u und Pe sonal
Spo liche E olg un e lieg auch eine Sachkapi alspezi i ä , d. h. E olg is – je
nach Spo a – abhängig on de E eichba kei und Nu zba machung kos enin-
ensi e T ainings- und We kamp in as uk u . Daneben sind pe sonelle Ve -
lech ungen zu beach en, z. B. T aine -A hle -Beziehungen, Kade zusammense -
zungen, Teamge üge, T ainingsg uppen, die ein gemeinsames Agie en an einem
O e o de n und somi Mobili ä e ozie en.
Alles in allem dü e im Rahmen diese ün spi zenspo spezi ischen Übe legun-
gen deu lich gewo den sein, dass Mig a ionsmus e im Spi zenspo Kon ex be-
dingungen un e liegen, die sich inne halb de klassischen Mig a ions heo ie nu
seh beding abbilden lassen, weil sie ande en Kausali ä en olgen, sich au einen
beg enz en Lebenslau abschni okussie en, in de Regel nich au Daue ausge-
Spi zenspo und Mig a ion 83
leg sind, eigen ümlichen geog a ischen und poli ischen Besonde hei en un e -
liegen und on ne zwe ka igen, in as uk u ellen und pe sonellen Ve lech un-
gen un e minie we den.
2.3.2 Folge ungen ü eine heo e ische E klä ung on Mig a ion im Spi zenspo
Bedenk man diese spi zenspo spezi ischen Kon ex bedingungen, so dü e
deu lich gewo den sein, dass selbs eine Syn hese e schiedene exis ie ende
heo e ische Ansä ze die spezi ischen Begebenhei en des Spo sys ems nich zu-
iedens ellend abdecken könn e und dami sys ema isch blinde Flecken in de
Mig a ions o schung p oduzie en wü de. Was abe is ü die En wicklung eine
Theo ie de E klä ung on Mig a ion im Spi zenspo o diesem Hin e g und zu
beach en? Diese F age läss sich mi eine nähe en Be ach ung on zwei g und-
legenden Aspek e bea bei en:
 Zu o de s müssen die spi zenspo spezi ischen Kon ex bedingungen de-
aillie au ih e mig a i e Wi kung hin hin e ag und in einen E klä ungs-
zusammenhang übe üh we den. Die E klä ungen dü en dabei nich au
eine Ebene e ha e bleiben, sonde n sie müssen meh pe spek i isch die
Mak o-, Meso- und Mik oebene e assen. Somi we den S uk u aspek e
ebenso ins Auge ge ass wie soziale Bedingungen de o ganisa o ischen
und ne zwe ka igen Einbe ung sowie die indi iduelle Rezep ion, Beu ei-
lung und En scheidung. Dabei gil es o nehmlich zu klä en, inwie e n die
Bedingungen im Spi zenspo sys em die Mig a ionsen scheidungen p ä-
jus ie en.
 Eine besonde e He aus o de ung we den dabei zu e wa ende ließende
Übe gange zwischen Mig a ion, e s anden als Lebensmi elpunk e se -
zung, und ande en Fo men de Mobili ä da s ellen. Denn es wi d da on

Spi zenspo und Mig a ion 84
ausgegangen, dass Spi zenspo le gene ell eine hochmobilen Lebens-
weise ausgese z sind. Eine eindeu ige Kennzeichnung on Mig a ion wi d
du ch länge e und kü ze e P äsenzzei en an di e sen spi zenspo ele an-
en O en im na ionalen und in e na ionalen Raum e heblich e schwe .
Neben de lei enden Be ach ung esidenzielle Mobili ä müssen deshalb
auch zi kulä e, empo ä e, pe manen e, in ana ionale und in e na ionale
Fo men und ih e di e sen Mischungs e häl nisse beach e we den.
Die heo e ische E klä ung on Mig a ion im Spi zenspo is o diesem Hin e -
g und kein i iales Un e angen. Die Mig a ions o men und Mig a ionsen schei-
dungen scheinen angesich s de spi zenspo spezi ischen Kon ex bedingungen
wei aus komplexe und mul ikausale zu sein, als dies die e ein ach e Pe spek i e
au A bei smig a ion zu sugge ie en e mag. Was mi un e anhand neue e phä-
nomenologische Un e suchungen ü die allgemeine Mig a ionsanalyse ge o -
de wi d, gil somi ü die Spo mig a ion im besonde en Maße: „Neben den
ein achen Fällen gib es wei meh G enz älle und Übe gangsphänomene, ü de-
en E klä ung die gängigen Klassi ika ionsschema a nich aus eichen. Es is dahe
ein Se an Zusa zk i e ien nö ig, um Mig a ionsmo i e und -anlässe zu e klä en“
(Oswald, 2007, S. 73). Das He ausa bei en solche Zusa zk i e ien in Fo m on
Mig a ionsbedingungen au de Mak o-, Meso- und Mik oebene des Spi zen-
spo s wi d im nach olgenden Kapi el ogenommen.
3 Ebenen eine Theo ie de Mig a ion im Spi zenspo
Begib man sich au die Suche nach den on Oswald (2007, S. 73) gemein en Zu-
sa zk i e ien, die eine Theo ie de Mig a ion im Spi zenspo zuge üh we den
können, is ein de aillie es Ein auchen in die ü den Spi zenspo ypischen In-
klusions- und S uk u bedingungen onnö en, die Ein luss au die mig a i en Op-
Spi zenspo und Mig a ion 85
ions- und Ges al ungsspiel äume de Spi zenspo le nehmen. G undlegend e -
bi g ich dahin e „die Annahme, dass Spo in iele lei Hinsich ande s unk io-
nie als ande e Gesellscha sbe eiche“ (Thiel, Seibe h & Maye , 2013, S. 33). Und
e s indem die Spezi ika des Sozialbe eichs Spi zenspo au gezeig we den, kann
eingeschä z we den, inwie e n spi zenspo ypische Bedingungen p äjus ie end
au Mig a ionsp ozesse einwi ken. Dieses Vo gehen wi d in den Un e kapi eln 3.1,
3.2 und 3.3 ealisie , wobei die Bedingungen gemäß ih e Ebenen e o ung he -
ausgea bei e und analysie we den. Die He ausa bei ung dieses spi zenspo y-
pischen Bedingungsge üges au de Mak o-, Meso- und Mik oebene s ell dami
die konzep ionelle G undlage da , Mig a ionsp ozesse im Feld des Spi zenspo s
e s ehend und e klä end eino dnen zu können. Da das bloße He ausschälen de
spi zenspo ypischen Mig a ionsbedingungen allein noch keinen heo e ischen
E klä ungsgehal bie e , we den diese anschließend in Kapi el 4 in einen E klä-
ungszusammenhang geb ach , de als ein Ve such eine In eg a ion de E klä-
ungsansä ze on Mig a ion un e den besonde en Bedingungen des Spi zen-
spo s einzuo dnen is .
Obzwa hie bei Eigenhei en und G enzziehungen zu Mig a ionsp ozessen auße -
halb des Spi zenspo s deu lich we den soll en, sei be ei s an diese S elle o -
weggenommen, dass es ein äuße s schwie iges Un e angen is , die komplexen
und he e ogenen Elemen e des Spi zenspo s konsis en in eine einhei liche und
übe g ei ende Theo ie zu übe üh en. Eine ähnliche P oblema ik machen Weich-
ha & Rumpol (2015) ü die En wicklung eine Theo ie esidenzielle Mul iloka-
li ä aus. Sie kons a ie en, dass solch eine Theo ie
„sowohl die gesam gesellscha lichen En s ehungsbedingungen (Globalisie-
ung, pos o dis ische Ökonomie, Mobili ä se o de nisse e c.) als auch die
subjek i en En scheidungsp ozesse und Handlungsmus e de Ak eu e e as-
sen und e klä en können [müsse]. Übe dies müss e sie in de Lage sein, die
ma e iellen Rahmenbedingungen und e möglichenden Vo ausse zungen ei-
ne mul ilokalen Lebensweise einzubeziehen. Eine de a ige ‚Supe -Theo ie‘
Spi zenspo und Mig a ion 86
is de zei nich in Sich und es wi d sie alle Vo aussich nach auch nie ge-
ben.“ (S. 47)
Auch wenn diese Fes s ellung dogma isch anmu e , muss im Rahmen diese A -
bei pos ulie we den, dass de Be eich de Spo mig a ion eine ähnlich dimen-
sionie e He aus o de ung is . Zwa wi d mi dem Spi zenspo ein spezi ische ,
abg enzba e und dami a ianzeinsch änkende Be eich okussie , diese unk-
ionie abe nich unabhängig on gesam gesellscha lichen Ein lüssen und es
müssen ü den Spi zenspo eben alls En s ehungsbedingungen eine sei s und
En scheidungsp ozesse und Handlungsmus e ande e sei s o dem Hin e g und
s ando - und sachkapi alspezi ische Rahmenbedingungen und Spi zenleis un-
gen e möglichenden Bedingungen e g ünde we den. Die Umse zung dieses Vo -
habens geschieh dabei nich ein desk ip i -phänomenologisch, sonde n sie ba-
sie au heo e isch-konzep ionellen Vo annahmen, die in de spo soziologi-
schen Auseinande se zung mi dem Spi zenspo ausgea bei e wu den.
Im Sinne eine „mul ipe spek i ischen Be ach ungsweise“ (Weichha & Rumpol ,
2015, S. 51) we den bei de He aus il e ung des mig a ionswi ksamen spi zen-
spo lichen Bedingungsge üges di e gen e heo e ische Pe spek i en eingenom-
men. Insbesonde e bei dem o liegenden Ansa z, nach mig a ionswi ksamen Be-
dingungen au d ei un e schiedlichen Ebenen zu suchen, müssen sich as
zwangsläu ig sys emanaly ische, s uk u analy ische und handlungsanaly ische
Zugänge in e kenn nis heo e ische Manie mi einande e sch änken: Um den
im Spi zenspo handlungslei enden Leis ungsimpe a i zu beg ünden, is eine
sys em heo e ische Pe spek i e, die sich mi den Inklusionsbedingungen in die-
sem gesellscha lichen Teilsys em auseinande se z , hil eich. Die Sys em heo ie
bilde auch die analy ische Klamme ü die olgenden Sch i e, bei denen die
Spi zenspo o ganisa ionen mi ih en Inklusionsbedingungen hinsich lich ih es
Ein lusses au Mig a ion un e such we den. Um die konk e en s uk u ellen Be-
dingungen spi zenspo liche O ganisa ion au zudecken, is da übe hinaus eine
Spi zenspo und Mig a ion 87
desk ip i e S uk u analyse onnö en, welche sich mi den o he schenden
We kamp -, T ainings- und Fö de s uk u en auseinande se z . Und um den Um-
gang de Spi zenspo le mi den je spezi ischen mig a ionsbeein lussenden Op-
ions- und Ges al ungsspiel äumen de Ak eu e zu analysie en, is eine ak eu -
zen ie e He angehensweise angeb ach , welche das En scheidungs e hal en de
Spi zenspo le skizzie en soll. Dabei sei angeme k , dass es nich da um geh ,
he auszus ellen, welche heo e ischen Konzep e ande en o zuziehen sind. Lei-
end is ielmeh die Vo s ellung, dass eine „gleichbe ech ig e Be ücksich igung
komplemen ä e Theo ien einen E kenn nismeh we “ (Weichha & Rumpol ,
2015, S. 51) p oduzie . Dies s ell inso e n kein unumgängliches P oblem da , als
die genann en Zugänge inne halb de Spo soziologie elabo ie sind und kom-
plemen ä zueinande iel äl ige Einsich en und E kenn nisse zu age geb ach ha-
ben ( gl. im Übe blick Thiel e al., 2013, S. 136-170). Um die F ages ellung nach
de E klä ung on Mig a ionsp ozessen im Spi zenspo s ingen bean wo en zu
können, gil es schließlich, diese Einsich en und E kenn nisse sukzessi e als Ein-
lussg ößen au Mig a ionsp ozesse zu in e p e ie en.
Einsch änkend sei angeme k , dass bei den olgenden Übe legungen und Sys e-
ma isie ungen mi dem Spi zenspo sys em ein Handlungsbe eich un e such
wi d, de als Teil eine globalen medialen Au me ksamkei und Komme zialisie-
ung zwa s a ke In e na ionalisie ungs endenzen au weis , in seine s uk u ie -
en Ve ass hei abe insbesonde e du ch na ionals aa liche Di e enzen gep äg
is (Digel, 2001). Um eine sei s in einem handhabba en, p agma ischen Bezugs-
ahmen a gumen ie en zu können und ande e sei s nich zu seh abs ahie en zu
müssen, wi d deshalb im Rahmen de o liegenden Analyse das spi zenspo liche
Bedingungsge üge inne halb Deu schlands mi seinen endogenen S uk u en
und de en Auswi kungen au das mig a i e Handeln de Ak eu e okussie . Die
Spi zenspo und Mig a ion 94
mi Blick au den Leis ungsaspek , und ande n eils e i o ial, d. h. mi Blick au
den O sbezug.
3.1.2.1 Me i ok a ische Sch ankenlosigkei : Hype inklusion
We am Spi zenspo eilnimm , un e wi sich dem Siegescode und ich e seine
ganze Lebens üh ung konsequen an de „Kommunika ion kö pe liche Leis-
ungs ähigkei “ (S ichweh, 1990, S. 380) aus. Die Inklusion in das Sys em des Spi -
zenspo s e lang on den A hle en die o ale Hingabe. Da das Spo sys em
seine Eli e nach dem Leis ungsp inzip auswähl , kann man on einem me i ok a-
isch ausge ich e en Sys em sp echen, wie Be e (2004) e deu lich :
„Die Belohnungs- und Huldigungs i uale des We kamp spo s bes ä igen
die Einschä zung on de Indi idualisie ba kei des einzelnen du ch Leis ung.
Die Rangdi e enzen inden anschließend in de un e schiedlichen We igkei
on Medaillen und Edelme allen ih en Niede schlag. Und Siege s ehen oben
au dem Podes , und nich un en. Dami heb das Spo sys em den einzelnen
ode die sieg eiche G uppe aus de Masse de Ange e enen he aus, mach
indi iduelle Leis ung ö en lich und un e s eich so die symbolische O d-
nung eines in ex eme Weise me i ok a isch ausge ich e en Sys-
ems.“ (S. 57-58)
Mi Be e & Schimank (2006b) läss sich diese Sach e hal wei e spezi izie en.
Sie e weisen da au , dass de Siegescode eine „g aduelle sachliche Leis ungsdi -
e enz“ (S. 39)
24
in eine sozial pola isie ende Fes legung übe üh , die in Fo m
on hie a chisch angeo dne en Ranglis en o dinal skalie und kommunizie
wi d. Dami s ehen die Ak eu e des Spi zenspo s in einem Konku enz e häl nis
zueinande . Ve s ä k sich ein spi zenspo liche Ak eu , dann üh dies zwangs-
läu ig zu eine ela i en Ve schlech e ung de Konku en en – alls sie sich nich
24
Die g aduelle Di e enz de Leis ung kann mi Hil e mode ne Mess e ah en seh genau dokumen ie we den, was
o allem ü die sogenann en CGS-Spo a en (z. B. Hochsp ung, Gewich heben und Schwimmen, d. h. Spo a en, in
denen de Leis ungs e gleich au den Maßeinhei en Zen ime e , G amm und Sekunde be uh ) ele an is . Au die
Spi ze ge ieben bedeu e dies, dass Un e schiede im Hunde s elsekundenbe eich We kamp eilnehme in Siege und
Ve lie e selek ie en können, wie dies beispielsweise nich sel en beim Bob ah en und im Ski alpin o komm .

Spi zenspo und Mig a ion 95
eben alls e s ä ken. Die Eino dnung de eigenen Leis ung geschieh also imme
im Ve häl nis zu Leis ung de konku ie enden A hle en, wodu ch die Be echen-
ba kei des Siegens e schwe ode ga unmöglich gemach wi d. Gewinnen is
dami nich nu das e s ebenswe e, sonde n igo ose weise auch ein äuße s
knappes Gu . Selbs wenn den Zwei - und D i pla zie en noch die symbolische
E höhung au dem T eppchen gebüh , Ve gleichsmöglichkei en kein singulä e
Ak sind, sonde n egelmäßig wiede keh en sowie au un e schiedlichen Ebenen
(z. B. na ionale, kon inen ale und in e na ionale Meis e scha en) exis ie en, blei-
ben am Ende imme meh Ve lie e üb ig als Gewinne . Das spi zenspo liche
We kamp sys em p oduzie in diese Hinsich einen Flaschenhalse ek , bei dem
die Meh hei de Spi zenspo le nich als Siege ge eie we den kann. Sie sind
Op e de Ve knappung und müssen sich au den nächs en Ve such, den nächs en
We kamp e ös en. Die s ik e Auslegung des Siegescodes e äh allen alls
eine gewisse Kompensa ion du ch eine subjek i e Bedeu ungszumessung on
Ranglis enplä zen jensei s de Numme eins. T o z des ak ischen Nich -Gewin-
nens kann die Leis ung in subjek i e Sich weise ü den Einzelnen einen gewissen
We da s ellen. Abe im P inzip geh es auch hie bei imme um die F age: Wie
wei is die e b ach e Leis ung on de (eigenen ode absolu en) Spi zenleis ung
en e n . Im Spi zenspo is somi ins i u ionalisie , dass egelmäßig nu eine
Minde hei de Inkludie en a sächlich den Posi i we de binä en Codie ung e -
eich . Abe genau weil „nich alle gewinnen können, abe imme iel meh Ak-
eu e gewinnen wollen, als a sächlich können“ (S. 40) e gib sich de Reiz spo -
liche We kämp e und die Fo üh ung de Bemühungen geziel e Leis ungsop-
imie ung de Ak eu e.
Leis ung e weis sich somi als das zen ale K i e ium de Inklusion in das Spi zen-
spo sys em. We keine Leis ung (meh ) e b ing , e üll nich die Zu i s- und
Bleibek i e ien des Spi zenspo s und dem s eh de D opou aus de Spi zen-
spo ka ie e, die Exklusion aus dem Sys em, be o ( gl. Albe , 2010). Die alles
Spi zenspo und Mig a ion 96
bes immende Maxime is deshalb die S eige ung, de E hal ode die Wiede he -
s ellung des spo lichen Leis ungsni eaus. Hie zu müssen die A hle en op e be-
ei sein und au ieles e zich en können, weshalb man on eine Hochkos ensi-
ua ion sp echen kann. Die A hle en sind biog a isch de a au den Spi zenspo
ixie , dass sie in sachliche , zei liche und soziale Hinsich als Ge angene des
Sys ems bezeichne we den können und alles ande e un e o dnen:
Die zei liche Dimension zeig sich o allem in de Anzahl und Ausdehnung de
T ainingseinhei en und de We kämp e. Abe auch Regene a ion, ä z liche Be-
euung sowie de Umgang mi Medien, Wi scha spa ne n und Publikum sowie
nich zule z die zu ückzulegenden Wege e ilgen die zu Ve ügung s ehenden
Zei budge s.
Die sachliche Dimension is da in zu sehen, dass We kamp und T aining zu He -
s ellung hohe kö pe liche Leis ung die dominie enden und subjek i bedeu-
ends en Themen ü die A hle en da s ellen. Die Spezialisie ung in eine Spo a
e läu dabei pa allel zu eine Ma ginalisie ung ande e , nich -spo bezogene
Ak i i ä en.
Die soziale Dimension is gekennzeichne du ch eine Eng üh ung des Bekann en-
k eises und eine Konzen a ion de sozialen Beziehungen au das spo liche Um-
eld. Ku zum: Alles d eh sich nu noch um den Spo (Be e e al., 2002,
S. 308-311).
Fass man diesen heo e ischen Bezug zu den Inklusionsbedingungen zusammen,
so läss e sich als eine Va ian e de Hype inklusion in ein Funk ionssys em sub-
summie en – ein Beg i , den Be e e al. sowie Riedl & Cachay zei gleich (2002)
un e Rückg i au Inklusions- und Exklusionsübe legungen on Göbel und
Schmid (1998) in die sys em heo e ische Be ach ung des Spi zenspo s einge-
üh haben. Ein Spi zenspo le is den Au o en olgend hype inkludie , wenn es
kaum Lebensbe eiche gib , die nich im O ganisa ionskon ex des Spo s s ehen.
Spi zenspo und Mig a ion 97
Die Inklusion in das Spi zenspo sys em is demzu olge de Inklusion in ande en
Funk ionssys emen übe geo dne . Das Spi zenspo sys em is dami ein „Sozial-
zusammenhang, de die ihn agenden Indi iduen mi Hau und Haa en ein e -
leib " (Be e e al., 2002, S. 311-312).
25
Als Folge is eine eigen ümliche Selek i i ä an En scheidungs- und Handlungs-
möglichkei en de Spi zenspo le auszumachen, die du ch einen s eng au den
Siegescode okussie en Au me ksamkei sho izon gekennzeichne is . Eine Ve -
einnahmung de Zei budge s du ch den Spi zenspo üh zu eine Ve nachläs-
sigung ande e Lebensbe eiche und geh so beispielsweise au Kos en on Schule,
Ausbildung, Be u , Familie und F eunde. De Spi zenspo mi all seinen Spezi ika
wi d dami on den Spi zenspo le n als E sa zlebenswel bzw. - eali ä wah ge-
nommen und akzep ie – eine Lebenswel im Zeichen des Gewinnens. Zusam-
mengenommen heiß das, dass de A hle so s a k in das Sys em Spo und seine
Handlungslogik eingebunden is , dass e seine Au me ksamkei und Ene gie nu
au dieses ich e und en sp echend ande e Inklusionsbezüge da un e leiden und
e nachlässig we den müssen. De Siegescode s eh übe allem und kanalisie
die Wah nehmung de Op ions- und Ges al ungsspiel äume de Spi zenspo le
in nu eine Rich ung: E olg!
25
Mi gleichem E gebnis, abe einem ande en heo e ischem Zugang läss sich das Spi zenspo sys em auch als o ale
Ins i u ion (Heinilä, 1982; mi Blick au die Spo a Tennis Schwäge l, 2009) ode noch zu e ende als gie ige Ins i u ion
(g undlegend Cose , 1974; Cose & Egge de Campo, 2015) besch eiben. De Beg i de o alen Ins i u ion geh au
Go man (1973) zu ück und mein den besch änkenden und allum assenden Cha ak e on physisch-ma e iellen Ins i-
u ionen wie z. B. Al e sheime, In e na e ode Ge ängnisse. In gie igen Ins i u ionen wi ken dahingegen maßgeblich
symbolische Ba ie en, um die Innenwel on de Außenwel zu ennen. Gie ige Ins i u ionen we den auch nich du ch
äuße e Zwänge zusammengehal en, sonde n be uhen ielmeh au eiwillige Fügsamkei und e scheinen ü ih e Mi -
gliede hoch a ak i . Gie ige Ins i u ionen zeichnen sich da übe hinaus dadu ch aus, dass de en Mi gliede Bindun-
gen zu ande en Ins i u ionen und Ak eu en schwächen ode ganz ennen. Als eind ingliche Beispiele on gie igen
Ins i u ionen lassen sich Sek en ode Klos e o den an üh en (Cose & Egge de Campo, 2015, S. 11-16).
Spi zenspo und Mig a ion 98
Obwohl die Hype inklusion au eiwillige und selbs bes imm e Basis e olg ,
d oh jede zei die Ge ah de Exklusion, nämlich dann, wenn die aus de Konku -
enzlogik e wachsenen Ansp üche nich (meh ) e üll we den können. Die Hype -
inklusion in das Spo sys em is o diesem Hin e g und als in o melle Zu i s-
ba ie e anzusehen, ohne die de Zugang zu leis ungse möglichenden Ressou -
cen (T aine , In as uk u , medizinische Be euung, wissenscha liche Be a ung
e c.) nich im e o de lichen Maße gewäh wi d.
Welche adikalen Auswi kungen de Siegescode haben kann, zeigen die nich sel-
en o kommenden Fälle de Gesundhei sge äh dung du ch Doping ( gl. z.B.
Be e, Kühnle & Thiele, 2012) ode Playing-Hu ( gl. z.B. Maye , 2010), bei denen
e hische und eilweise auch ech liche G enzen übe wunden we den. Die s ändige
S eige ung de kö pe lichen Leis ungs ähigkei mi allen e denklichen Mi eln
s eh dabei ü die Sch ankenlosigkei des Siegescodes in de e s en Lesa .
3.1.2.2 Te i o iale Sch ankenlosigkei : Na ionali ä e sus T ansna ionali ä
In zwei e Lesa is die Sch ankenlosigkei des Spi zenspo sys ems in de Übe -
windung e i o iale G enzen zu sehen. Da imme nu eine gewinnen kann und
de Zwei e be ei s de e s e Ve lie e is , is de Spi zenspo au Konku enz,
Übe bie ung und Reko d ausge ich e – und zwa im globalen Maßs ab. Die
Handlungslogik pe manen e Op imie ung und Übe bie ung üh dazu, dass Re-
ko de nich den Endpunk de zu e b ingenden Leis ung da s ellen, denn auch
Reko de gil es wiede zu b echen (Riedl & Cachay, 2002, S. 44-46). Diese A de
Leis ungsübe bie ung is p inzipiell o s- und zei unabhängig, weil es nich um
einen Sieg im di ek en Duell mi einem Gegne geh .
Sieh man on diesem „Me a-We kamp “ (Cachay & Thiel, 2000, S. 139) einmal
ab, eduzie sich das We kamp geschehen im Ke n au einen o s- und zei ab-
hängigen Ve gleich: Spi zenspo le kommen zu eine de inie en Zei an einen
Spi zenspo und Mig a ion 99
de inie en O , um sich im di ek en spo lichen We kamp zu messen. Und we
zu de inie en Zei am de inie en O de nach spo lichen K i e ien bewe e e
Bes e is , geh als Siege he o . Die O ien ie ung am Siegescode mach nu in
diesem Konku enz e häl nis Sinn. Dabei is es ganz egal, „we zu welchem Zei -
punk und an welchem O eine Spo a im Rahmen leis ungsspo liche Si ua i-
onen be eib : E will seinen Gegne besiegen und die eigene Niede lage e mei-
den“ (Be e & Schimank, 2006b, S. 39).
Weil de Siegescode einen uni e sellen Gel ungsansp uch ha und nich an Län-
de g enzen hal mach , d äng e au eine Globalisie ung. G undsä zlich bezieh
e alle mi ein, die sich nach spo lichen K i e ien messen möch en und dazu ähig
sind. Gegenübe sys em emden Zu eilungsk i e ien wie Reich um, Al e ode Na-
ionali ä is e immun. Eine e i o iale Eing enzung des Siegescodes is ebenso
nich o gesehen (Be e & Schimank, 2006b, S. 43). Da um is das Bezugssys em
imme die in e na ionale Konku enz. Hie zu ha sich ein wel umspannendes
We kamp sys em mi übe die Kon inen e e eil en Aus agungso en s uk u-
ell he ausgebilde . Fü ambi ionie e A hle en bedeu e dies eine Vielzahl an
T ansi ionen on We kamp zu We kamp , on Tu nie zu Tu nie , on Spiel zu
Spiel in ela i ku zen Abs änden und übe g oße Dis anzen, bei denen sie ih e
Leis ungs ähigkei „s e s au s Neue un e Beweis s ellen und be ei s e ziel e Re-
sul a e imme wiede bes ä igen“ (Thiel e al., 2013, S. 137) müssen.
In einem Ne z an We kämp en, die so o ganisie sind, dass sie höchs e Leis-
ungsni eaus ansp echen und in e alla ig Möglichkei en in e na ional e glei-
chende Leis ungsübe bie ung (z. B. Kon inen almeis e scha en, Wel meis e -
scha en, Olympische Spiele) anbie en, he schen Selek ionsk i e ien, die (bis au
wenige Ausnahmen) gnadenlos du ch das Leis ungsp inzip de inie we den. Eine
zusä zliche Zuspi zung de Leis ungsan o de ungen e ah en Spi zenspo le im

Spi zenspo und Mig a ion 100
Rahmen de in e na ionalen Konku enz dann, wenn „imme meh Leis ungsan-
bie e au dem We bewe bsma k e scheinen […] [und] es ü den einzelnen im-
me schwe e [wi d], sich du chzuse zen“ (Be e & Schimank, 2006b, S. 43). Zu
E höhung de Pa izipa ions- und E olgschancen mach es inso e n Sinn, sich an
O e zu begeben, welche die bes en Möglichkei en zu spo liche Höchs leis ung
e sp echen.
Riedl & Cachay (2002) beobach en diesbezüglich in Teamspo a en eine o sspe-
zi ische Konzen a ion au Ligen und Ve eine bzw. Klubs, die das höchs e spo li-
che Leis ungsni eau – und in de Konsequenz auch die höchs en Spiele gehäl e –
bie en. Dies is insbesonde e als eine Folge des Bosman-U eils on 1995 zu se-
hen, welches das Weg allen on Auslände besch änkungen und es geleg e
T ans e summen nach Ablau on Spiele e ägen bedeu e e. Denn ü den Li-
genbe ieb im Teamspo is ab diesem Zei punk die Na ionali ä als o male In-
klusionsbedingung in einem Fußball-Klub wei es gehend obsole und ü Spie-
le e p lich ungen ücken dami ein spo liche Eigenscha en in den Vo de -
g und. Vo diesem Hin e g und wi d on einem „ e mu lich noch lange nich ab-
geschlossenen Globalisie ungsschub im Spo sys em […] [ausgegangen, de
du ch] En e i o ialisie ungsp ozesse gekennzeichne [sei], die o allem au de
Ebene de We kamp o ganisa ion und de Ebene de Spiele ek u ie ung zum
T agen komm “ (S. 46).
Anach onis isch anmu end is , dass dabei die bedeu ends en We kämp e (Olym-
pische Spiele, Wel - und Kon inen almeis e scha en) als e bandso ganisie e
Lände we kämp e inszenie we den, bei denen Teams und Indi idualspo le
qua We kamp o dnung eine (und nu eine ) Na ion zugeo dne we den.
26
Das
Me i ok a iep inzip des Spo s wi d diesbezüglich zuweilen ausgehebel , da hin-
e de Ve gabe on S a plä zen häu ig komplexe Auslesemechanismen s ecken,
26
So gib es beispielsweise beim Vo liegen eine doppel en S aa sbü ge scha kein zwei aches S a ech .
Spi zenspo und Mig a ion 101
die da ü so gen, dass die Anzahl an Spo le n p o Na ion beg enz wi d. Diese
Quo ie ung wi d zunehmend in Fo m des A hle en-Tou ismus, einem geziel en
Wechsel de S aa sbü ge scha , ges al e isch begegne , um das P oblem g oße
na ionale Konku enz beim Ge angel um S a plä ze zu umgehen.
27
Die eigen ümliche Ambi alenz zwischen S ilisie ung de Na ionali ä au de einen
Sei e und sp ichwö liche En g enzung ode ga En we ung de Na ionali ä au
de ande en Sei e schein ypisch ü das „spo ing global illage“ (Magui e e al.,
2002, S. 26), das sich als ein geog a isch- äumlich di use bzw. de-lokalisie e
ansna ionale Raum skizzie en läss . Wenngleich de globale Spo imme noch
un e dem Ein luss de wes lichen Hegemonie s eh , wi d e zunehmend mul ilo-
kale und mul ikul u elle . De Spi zenspo is in diese Hinsich ein soziales Sys-
em, das que zu G enzziehungen on Na ionals aa en lieg . Be o en on Wan-
de ungen en lang de We kamp o e inne halb eines Landes, eines Kon inen s
ode im globalen Maßs ab sind nich nu die Spo le , sonde n auch die ande en
Ak eu e im Spi zenspo sys em. De die Spi zenspo le umgebende Kon oi be-
s eh beispielsweise in den ex em nomadisch kons i uie en Spo a en Tennis,
27
Exempla isch sei hie zu o de s die Spo a Tisch ennis genann , die on chinesisch-s ämmigen A hle en dominie
wi d. Die Be ich e s a ung zu Eu opameis e scha de F auen lies sich wie olg : "Bei den F auen e lo die zwei ache
niede ländische Eu opameis e in Li Jiao (2007 und 2011) gegen die Po ugiesin Fu Yu. Diese wi d im Halb inale de
Schwedin Li Fen gegenübe s ehen, de bes en Eu opäe in au de Wel anglis e (Pla z 11). Das ande e Halb inale wi d
olls ändig deu sch sein und zwischen Shan Xiaona und Han Ying ausge agen we den" (L´equipe, 2013, zi ie nach
B é ille, 2014). De Bia hle Michael Rösch (Belgien), de Rei e Bjö n Nagel und die Rei e in Ka ha ina O el (beide
Uk aine) sind Beispiele da ü , dass deu sche A hle en un e ande e Flagge als de ih es Gebu slands Deu schland
s a en, um besse e Chancen im Kamp um das knappe Gu de S a plä ze zu haben. Bei de Handball-Wel meis e -
scha 2015 sind ü die Mannscha Ka a s insgesam sieben Spiele ange e en, die zu o schon Na ionalspiele in
ande en Landes e bänden wa en. Im Handball gil die Regel, dass nach eine d eijäh igen Wa e is ü einen ande en
Ve band ges a e we den da . In ande en Spo a en (z. B. im Fußball) sind die Regeln bei einem Ve bandswechsel
deu lich s ik e . In e na ional gel ende spo a spezi ische Regeln domes izie en in diese Hinsich den Siegescode
(noch) ein S ück wei ; iden i izie e Schlup löche in diesem Regelwe k we den abe esolu und o z nich une hebli-
che pe sönliche , auße spo liche Konsequenzen ü die Lebens üh ung und den Lebenslau , wie dies beim Wechsel
de S aa sbü ge scha de Fall is , genu z .
Spi zenspo und Mig a ion 102
Gol ode Mo o spo aus annähe nd imme denselben Pe sonenpool aus T ai-
ne n, Ve bands unk ionä en, Manage n, Medien e e e n, Schieds ich e n, Kon-
ku en en, Spo medizine n und Physio he apeu en. Solche spo induzie en
Wande ungen können deshalb mi un e einen Tou neecha ak e au weisen ( gl.
B öskamp, 1998; Magui e e al., 2002).
Abe auch schon o Be e en des ansna ionalen Raums – also o Beginn de
in e na ionalen Ka ie e – s ehen die Spo le ühzei ig de No wendigkei ge-
genübe , die Lebensmi elpunk e zu e ände n, um on besse en Rahmenbedin-
gungen ü die Ka ie een wicklung p o i ie en zu können und „do zu leben, wo
die bes möglichen T ainingsbedingungen gegeben sind“ (Thiel e al., 2013, S.
153). En sp echend des sich langsam en wickelnden Leis ungsni eaus und unbe-
echenba e Pe spek i en de Talen en wicklung is zu e wa en, dass hie zu-
nächs klein äumige Mig a ionsak e im in ana ionalen Raum be o zug we den.
Obige Aus üh ungen dü en deu lich gemach haben, dass im Spi zenspo na i-
onale und ansna ionale Bezüge je eine eigen ümliche Rolle spielen. Die einein-
deu ige Na ionenzugehö igkei , die als Inklusionsbedingung an e bandlich o -
ganisie en We kämp en ge o de is , o cie eine sei s endenziell ein doing
na ionali y und zemen ie dami na ionals aa liches Con aine -Denken. Mi en -
sp echende Symbolik, Na ionalhymnen und Flaggen wi d dies auch hö ba und
sich ba kommunizie . Ande e sei s mach de Siegescode o e i o ialen G en-
zen nich hal . Fü ihn exis ie en keine Sch anken, die poli isch-adminis a i e Ein-
hei en sich ba oneinande ennen. Weil e i o ial beg enz e Spi zenleis ungen
nich mi dem uni e salis ischen Konku enzp inzip zu e einba en sind, sind
ansna ionale S ömungen als kons i u i es Elemen des Sys ems nich on de
Hand zu weisen. Hie au haben sich die hype inkludie en Spi zenspo le en -
sp echend einzus ellen.
Spi zenspo und Mig a ion 103
3.1.3 Zwischen esümee
Be ach e man den Spi zenspo mak ope spek i isch aus Sich de unk ionalen
Di e enzie ung, so is e als ein eigens ändiges Sys em auszumachen, das seinen
Kommunika ionszusammenhang übe den binä en Code Sieg/Niede lage sinn-
ha s uk u ie . De Siegescode gil dabei exklusi ü das Spi zenspo sys em,
kein ande es gesellscha liches Teilsys em eduzie die Beobach ung de Gesell-
scha au die binä e Logik des Siegens und Ve lie ens.
Dies ha ü Spi zenspo le spezi ische Inklusionsbedingungen zu Folge, die au
eine zwei achen Sch ankenlosigkei des Siegescodes g ünden:
(1) Um im hie a chisch au gebau en We kamp sys em an die Spi ze zu kommen,
müssen die A hle en „übe eine auße gewöhnliche, ande en zumindes po en iell
übe legene spo liche Leis ungs ähigkei e ügen […], die nu du ch jah elanges
in ensi es T aining und en sp echende We kamp p axis e lang we den kann“
(Riedl, Bo gg e e & Cachay, 2007, S. 163). We kamp , T aining und Regene a ion
e weisen sich dami als die bes immenden Einhei en, um die Inklusion in das Spi -
zenspo sys em zu e möglichen und au ech zue hal en. Denn wie in keinem an-
de en Teilsys em we den die anges eb en Posi ionen (möglichs oben au dem
T eppchen) und die anges eb en Belohnungen (möglichs die Goldmedaille so-
wie G a i izie ungen inanzielle A – und zwa sys emlogisch genau in diese Rei-
hen olge) nach dem me i ok a ischen P inzip e eil . Ask ip i e Fak o en wie
Hau a be, Al e ode Na ionali ä spielen bei dem spo spezi ischen Ve eilungs-
mechanismus keine Rolle.
Das Spo sys em ha einen uni e salis ischen Gel ungsansp uch, de die maßgeb-
lichen Ak eu e, die Spi zenspo le , in ein Konku enz e häl nis se z , das ange-
sich s de a i iziellen Bedeu ung de agonalen Leis ung sowie de Ve knappung
de Ruhmesop ionen o eno me He aus o de ungen s ell . Aus diese Konku -
enzlogik po enzie en sich Ansp üche an die indi iduelle Leis ungs ähigkei , die
Spi zenspo und Mig a ion 110
Was läss sich da aus olge n? Allgemein läss sich sagen, dass O ganisa ionen
au Mi gliedscha en
29
basie en. O ganisa ionen schließen nu die höchs selek i
on Ihnen ausgewähl en Mi gliede ein; alle ande en we den ausgeklamme
(Luhmann, 1997, S. 844). De Zugang als Mi glied eine O ganisa ion is mi Se-
lek ionshü den e bunden, die
„je nach A ak i i ä de Mi gliedscha meh ode wenige scha kondi io-
nie we den. [….]. We also Mi glied eine O ganisa ion wi d, binde sich an
die Ane kennung de Mi gliedscha sno men, e p lich e sich zu Akzep anz
de o ganisa ionalen Vo gaben, muss Weisungen be olgen und Ve an wo -
ung übe nehmen, ande n alls wi d e ausgeschlossen.“ (Teube , 2009, S. 55)
3.2.1.1 Ge ah de Exklusion: Mi gliedscha sbedingungen in Spi zenspo -
o ganisa ionen
Übe äg man diese heo e ischen Übe legungen au die Mi gliedscha sbedin-
gungen in Spi zenspo o ganisa ionen, so läss sich dies zunächs spo a en-
übe g ei end wie olg da legen:
Die O ganisa ionen, in denen Inklusion und Exklusion im Spi zenspo maßge-
bend ge egel wi d, sind Ve eine, Ve bände und Fö de ungsein ich ungen wie
Olympia-, Bundes- und Landess ü zpunk e. Die Inklusion in diese O ganisa ionen
e olg gewöhnlich übe o male Mi gliedscha en in spi zenspo lichen We -
kamp einhei en. Diese können e einsgebunden sein, z. B. Ve eins eams, die im
Ligabe ieb um Meis e scha en spielen; bei Indi idualspo a en we den die A h-
le en zumeis in leis ungshomogene T ainingsg uppen gebündel . Es gib abe
auch die Fo m de e bandsgebundenen Mi gliedscha , die pa allel zu Ve eins-
mi gliedscha exis ie en kann. Ve bände inkludie en ih e A hle en in eigenen
29
Mi gliedscha en sind in diesem Kon ex im Sinne de o ganisa ionssoziologischen Pe spek i e on Luhmann (2000, S.
110-122) so zu e s ehen, dass Pe sonen, denen eine o ganisa ionsspezi ische Rolle zugesch ieben we den kann, Mi -
gliede sind. In einem Spo e band i dies beispielsweise au angegliede e Kade a hle en, au haup am liche Mi -
a bei e ode au Funk ionä e zu.

Spi zenspo und Mig a ion 111
Auswahlmannscha en und lassen diese du ch zusä zliche T ainingsmaßnahmen
und We kämp e Fö de p i ilegien zukommen, die da au ausge ich e sind, die
E olgswah scheinlichkei im in e na ionalen Ve gleich zu e höhen. Au de
höchs en Hie a chieebene inde dies in den Na ionalmannscha en seinen Nie-
de schlag, die eine Auswahl de leis ungss ä ks en A hle en de jeweiligen spo -
a spezi ischen na ionalen Ve bände p äsen ie en.
30
In allen T äge o ganisa io-
nen des Spi zenspo s gel en zen ale Ein i s- und Bleibek i e ien, die nu – wie
in Kapi el 3.1.2.1 au gezeig wu de – übe Hype inklusion zu e üllen sind. Es müs-
sen jede zei spo liche Höchs leis ungen e b ach we den ode zumindes ü die
Zukun zu e wa en sein ( gl. im Übe blick Bo gg e e, Cachay & Riedl, 2009, S.
52-56; Riedl e al., 2007, S. 166-167; Teube , 2009, S. 56-58).
De Zugang zu We kamp einhei en e olg dabei nach es geleg en Leis ungsk i-
e ien und No mwe en. Inne halb de e bandlichen Inklusion komm de
Ve gabe on Kade plä zen eine zen ale S ellung zu. Zu un e scheiden is zwi-
schen Bundeskade n, zumeis A-, B- und C-Kade , und Landeskade n, zumeis D-
Kade . A-Kade -Mi gliede ep äsen ie en das in e na ionale Leis ungsni eau und
sind deckungsgleich mi den Na ionalmannscha en. Sie p o i ie en on Fö de -
maßnahmen an Olympias ü zpunk en und Bundess ü zpunk en. In den ande en
Kade n inden sich a sächlich ode e mein lich alen ie e A hle en, die an das
in e na ionale Leis ungsni eau he ange üh we den sollen. De S a us de Kade -
mi gliedscha muss übe das Leis ungsk i e ium s ändig neu bek ä ig we den.
Es „müssen also ühzei ig posi i au ällige und nach olgend jäh lich no mge-
30
O mals he sch eine nich au dem e s en Blick zu e kennende s uk u elle Pa alleli ä on eine sei s Auswahlmann-
scha en on Ve bänden und ande e sei s Ve einsmannscha en ( gl. Riedl & Cachay, 2002, S. 56-58). In Mannscha s-
spo a en e schien lange Zei die Na ionalmannscha als Spi ze de Hie a chie, weil in ih die bes en Spiele spielen.
Da im Klub-Fußball nunmeh in e na ional ek u ie we den kann und auch wi d, schein sich diese Hie a chie in punc o
Leis ungs e mögen zunehmend zu e schieben. En sp echende F ik ionen zwischen den jeweiligen O ganisa ionen
sind dabei inbeg i en.
Spi zenspo und Mig a ion 112
ech ges eige e Leis ungen bzw. E olge p äsen ie we den, die s e s am ech-
en Rand de je al e sbezogenen Ve eilung liegen“ (Em ich, Güllich & Pi sch,
2005, S. 86).
Fü die Spi zenspo le bedeu e dies das Gegen eil eine kom o ablen Si ua ion:
Sie s ehen in einem äuße s labilen Mi gliedscha s e häl nis zu ih en O ganisa i-
onen, das nich au Daue ges ell is und du ch Ungewisshei en au g und bein-
lussba e und nich beein lussba e Ums ände gep äg is . Selbs wenn die A h-
le en gewill sind, Leis ungen zu e b ingen, is dies – sei es aus Ve le zungsg ün-
den, weil die Konku enz übe mäch ig is , ode du ch Zu all – nich imme mög-
lich. Die Spi zenspo o ganisa ionen ungie en diesbezüglich igo os als ‚ e län-
ge e A m‘ des Siegescodes und selek ie en ih e Mi gliede s eng nach den Vo -
gaben des Leis ungsimpe a i s. Inkludie wi d und inkludie bleib , we o wäh-
end spo liche Leis ungen in We kamp und T aining nachweisen kann. We die
spo liche Leis ungs ähigkei nich kon inuie lich demons ie en kann, äll du ch
das Beobach ungs as e . E wi d exkludie , weil e nich meh in den sys emeige-
nen Kommunika ionszusammenhang de P oduk ion po enzielle Siege pass . All
diese Aspek e lassen sich komp imie als ein p ekä es Inklusions e häl nis au as-
sen – ein Beg i spaa , das im wei e en Ve lau de A bei noch on Bedeu ung
sein wi d.
Beach e man die Ve quickung de Inklusion in einen Ve ein und übe die Kade -
zugehö igkei in einen Ve band, so e geben sich ü die Spi zenspo le He aus-
o de ungen des Managemen s e schiedene Mi gliedscha en. So sind im Hin-
blick au Mobili ä se o de nisse auch o ganisa o ische A angemen s zu beach-
en, die mi eine äumlichen Inkong uenz zusammenhängen:
„Is zum Beispiel ein Ve ein zugleich als Landes- ode Bundess ü zpunk an-
e kann , können die do inkludie en A hle en wei e hin am S ü zpunk a-
genden Ve ein ainie en und müssen somi keine wei e en Fah wege au sich
nehmen. Gleiches gil ü We kamp einhei en, die zen al am Olympias ü z-
punk o ganisie sind und do ainie en. Is de S ü zpunk hingegen
Spi zenspo und Mig a ion 113
‚übe e einlich‘ o ganisie , e olg das T aining zusä zlich zum T aining im
Heima e ein und e o de wei e e zei liche In es i ionen.“ (Teube , 2009, S.
56-57)
Angesich s solch di e si izie e s uk u elle Besonde hei en de Mi gliedscha -
en in Spi zenspo o ganisa ionen schein es seh e zwick , essen ielle E kenn -
nisse ü Mig a ionsp ozesse abzulei en. Nich sdes o o z dü e deu lich gewo -
den sein, dass die zwingend no wendige o ganisa ionale Bindung an We kamp -
einhei en auch Wohns ando sübe legungen nach sich ziehen. Mig a ion im Spi -
zenspo läss sich bis hie in nu äuße s pauschal in de F age, wa um Spi zen-
spo le mig ie en, e klä en: Nämlich weil sie sich olls ändig an den Sys em o -
gaben aus ich en müssen. Gib de O ganisa ionskon ex Spi zenspo Lebensmi -
elpunk e se zungen o , is Mig a ion die einzige Möglichkei , Bes and eil on die-
sem zu bleiben.
Die F age danach, wie de O ganisa ionskon ex Spi zenspo Mig a ion p äjus-
ie , is dami abe noch nich geklä . Zu Klä ung diese F age müssen die S uk-
u bedingungen des Spi zenspo s in eine gegens ändlichen He angehensweise
analysie we den. Lei end is dabei die F age nach de kö pe lichen P äsenz de
Spi zenspo le in aum-zei liche Pe spek i e in Bezug au spi zenspo bezogene
S ando o e en. Ode ein ache o mulie : Welche O e müssen on Spi zen-
spo le n au gesuch we den, um E olge gene ie en zu können?
Hin e diese F age e bi g sich ein ebenso i iales wie undamen ales Fak um,
das aus de Time-Space-S uc u ed-Theo y nach Häge s and (1975) he o geh :
De Mensch is un eilba und kann nich an zwei O en gleichzei ig sein! Die An-
e kennung de kö pe lichen Exis enz und de äumlichen Un eilba kei sowie on
äumlichen mani es en Gegebenhei en ha eine simple Konsequenz; Raum und
Zei müssen als zusammenhängende Dimension eine En i ä gesehen we den.
Da das Beamen on einem O zu einem ande en Science-Fic ion, abe nich ge-
Spi zenspo und Mig a ion 114
sellscha liche Reali ä is , und spo liche We kämp e nu pe kö pe liche P ä-
senz und nich pe E-Mail ode Videokon e enzen ausge agen we den, gil in
diese Hinsich die Fes s ellung on Be e (2004): „Menschen bleiben abe bei alle
Abs ak hei gesellscha liche Kommunika ion und bei alle Technisie ung des
Pe sonen anspo s an Kö pe und Raum gebunden" (S. 100). S ell man in Rech-
nung, dass Spi zenspo le die Kommunika ion kö pe liche Leis ungs ähigkei
ans eben, so müssen sie physisch mobil sein, da die Vo ausse zungen da ü nich
übe all in de Wel in gleiche Quali ä gegeben sind; die s uk u ellen Gegeben-
hei en ü die Leis ungsop imie ung sind übe die E dobe läche ungleich e eil
( gl. Webe , 2003, S. 213; Weichha , 2009, S. 2; We len, 2000, S. 167-201).
Zu e uie en is o diesem Hin e g und, welche S ando o e en ü Spi zenspo -
le on Bedeu ung sind, wie diese au e schiedene geog a ische O e e eil
sind, welche Dis anzen zwischen ihnen liegen und inwie e n es eines (zei lichen)
T ansak ionsau wands beda , die Dis anzen zu übe b ücken. Die gene elle Be-
deu ung de Raum- und Zei bezüge o ganisa ionale S uk u bedingungen des
Spi zenspo s läss sich anhand de Bedeu ung on We kamp , T aining und Re-
gene a ion he auss ellen. Dies wi d im Folgenden Kapi el geleis e . Die aum-zei -
lichen Dimensionie ungen lassen sich nu au eine konk e e en Ebene, de Ebene
einzelne Spo a en, he ausa bei en. Inwiewei sich die aum-zei lichen S uk u -
bedingungen konk e un e scheiden, wi d aus diesem G und anhand eine S uk-
u analyse e schiedene Spo a en in den sich anschließenden Kapi eln da ge-
leg .
3.2.1.2 S ando o e en: Raum- und Zei bezüge de O ganisa ion des Spi zen-
spo s
Wie schon angedeu e , ope a ionalisie en inne halb des spo lichen We kamp s
spo a übe g ei ende und spo a spezi ische Regeln den Siegescode. Sie sind
Spi zenspo und Mig a ion 115
de no ma i e O ien ie ungsmaßs ab, mi dem die Bedingungen de Leis ungse -
b ingung abges eck we den. Sie sch änken die Handlungsmöglichkei en im
We kamp geschehen ein. Sie zeigen au , was e laub is und was nich (Be e &
Schimank, 2006b, S. 45). Au ges ell , e wal e und du chgese z wi d dieses Re-
gelwe k on na ionalen und in e na ionalen Spi zen ach e bänden. Diesen ob-
lieg auch die Du ch üh ung de We kämp e, d. h. sie kümme n sich um die ad-
minis a i e O ganisa ion de Bedingung de Möglichkei des Leis ungs e gleichs.
Um den Leis ungs e gleich au Daue zu s ellen, sind hie in auch g aduelle und
se ielle Bedingungen de Bes immung on Siege n e anke . Die „g aduelle sach-
liche Di e enz“ (Schimank, 1988, S. 185) des We kämp ens e olg insbesonde e
„du ch die Ausweisung on e schiedenen Leis ungsni eaus, wie Olympische
Spiele, Wel meis e scha en, Eu opameis e scha en, na ionale Meis e scha -
en und egionale Meis e scha en, abe auch du ch die Ein üh ung on Tu -
nie en, Spo ligen ode Wel meis e scha sse ien, bei denen au Basis meh-
e e We kämp e ode Spiele am Ende ein Gesam siege e mi el wi d.“
(Thiel e al., 2013, S. 139)
Da solche We kämp e jeweils einen im Rahmen de spo e bandsin e nen Ve -
gabep ak iken zu Aus ich ung solche We kämp e eils es en, eils e handel-
ba en Raumbezug haben, d. h. die Du ch üh ung de We kämp e is an einen
ode meh e e bes imm e ode zu bes immende Aus agungso e gebunden
31
,
sind Spi zenspo le zwingend da au angewiesen, die We kamp o e auch au -
zusuchen. Eng mi diese Raumdimension e knüp is in olge de Se ialisie ung
noch eine zwei e Dimension bedeu end: die Zei dimension. Denn das P oduzie-
en on Siege n und Ve lie e n du ch das Spi zenspo sys em is nich nach Ab-
schluss eines diese o s ixie en We kämp e beende , sonde n es s a e jedes
Mal wiede on neuem. Fü die Du ch üh ung on We kämp en haben sich Tu -
nusse de se ienmäßigen Wiede holung e ablie : Beispielsweise wechseln sich im
31
Das K ä espiel de e handelnden Ak eu e bei de Ve gabe on in e na ionalen Spo e en s analysie Digel (2013,
S. 360-364) un e Demok a iegesich spunk en k i isch.

Spi zenspo und Mig a ion 116
Fußball alle zwei Jah e Wel meis e scha en und Eu opameis e scha en als Ve -
bandswe bewe be ab. Im Klub-Fußball bes immen dahingegen alljäh lich du ch-
ge üh e na ionale Meis e scha en und Pokale die zei liche Fixie ung de We -
kämp e, lankie on kon inen alen Ve gleichen wie Champions-League und Eu-
opa-League.
Die zei liche und äumliche Fes legung de We kämp e mani es ie sich in einem
We kamp kalende , de im Spi zenspo na ionale und in e na ionale We -
kamp o e und - e mine um ass . De We kamp kalende s uk u ie somi das
aum-zei liche Handeln de Ak eu e. Und je nachdem, ob die We kämp e egel-
mäßig ligen ö mig (z. B. Fußball, Handball, Hockey, Baske ball), u nie ö mig (z. B.
Tennis, Gol , Rei en, Taekwondo) ode in Fo m on Wel cup-Se ien (z. B. Ski alpin,
Bahn ad ah en, Eisschnelllau , O ien ie ungslau , Renn odeln, Rude n, Tu nen) o -
ganisie sind, können die O s- und Zei bindungen de Spi zenspo le ganz un-
e schiedlich aus allen ( gl. Bo gg e e, 2013, S. 58-59). Die Teilnahme an We -
kämp en s uk u ie dami die kö pe liche P äsenz de A hle en in einem spezi i-
schen Ve häl nis on Raum und Zei .
Als zwei e s uk u ie ende Va iable is neben dem We kamp kalende das T ai-
ning im Hinblick au die Op ions- und Ges al ungsspiel äume de A hle en in
Rechnung zu s ellen. Bo gg e e (2013) e anschaulich dies wie olg :
„Anhand des We kamp kalende s e olg dann jeweils eine spezi ische T ai-
ningsplanung und -pe iodisie ung, d. h., es wi d es geleg , in welchen T ai-
ningsphasen mi welchen In ensi ä en und Um ängen ainie wi d und wann
beispielsweise Leh gänge ode T ainingslage s a inden. Ziel eine solchen
T ainings- und We kamp pe iodisie ung is es, die A hle en au die jeweili-
gen We kamp höhepunk e in op imale Weise o zube ei en.“ (Bo gg e e,
2013, S. 59)
In einem engen Wechsel e häl nis zu We kamp und T aining is schließlich als
d i e s uk u ie ende Va iable die Regene a ion zu nennen. Regene a ion is zu-
Spi zenspo und Mig a ion 117
nächs o allem aus ainingswissenscha liche , medizinische und psychologi-
sche Pe spek i e on Bedeu ung.
32
Aus de Mobili ä spe spek i e in e essie je-
doch die aum-zei liche Eino dnung de Regene a ion. Denn es wi d da on aus-
gegangen, dass Regene a ion in spezi ischen Räumen s a inde . Dies wi d be-
sonde s deu lich, wenn man sogenann e passi e Regene a ionsmaßnahmen be-
ach e , zu denen Massagen, En müdungsbäde , Saunagänge und insbesonde e
aus eichend Schla gehö en. In zei liche Hinsich is dabei en scheidend, dass die
passi e Regene a ion einen Gegenpol zu We kamp und T aining da s ell , also
nich gleichzei ig zu Belas ungen du ch We kamp und T aining s a inden kann,
weil Regene a ion geziel e Pausen on diesen e o de . Und auch in äumliche
Hinsich is es de Regene a ion zu äglich, Abs and om We kamp - und T ai-
ningsgeschehen (mi Ausnahme ak i e Regene a ionsmaßnahmen) zu bekom-
men. In diesem Sinne is auch das ‚Nich s-Tun‘ als Ve zich sleis ung im Sinne eine
In es i ion zu He s ellung kün ige Belas ba kei zu e s ehen (Em ich e al.,
2005, S. 80).
33
Zu beach en is , dass Spi zenspo le zwischen We kamp - und T ainingso nich
öllig ei swi chen können. Auch ü sie gil , dass ih „Ak ions adius du ch ages-
hy hmisch s uk u ie e Regene a ionse o de nisse (Schla en, Essen Kö pe -
p lege) eingeg enz is “ (Weichha , 2009, S. 2). Inso e n is die Bedeu ung des
32
Zum Regene a ionsmanagemen im Spi zenspo läu de zei ein in e disziplinä es Fo schungsp ojek , in dem die ge-
nann en Pe spek i en abgedeck we den. Es wi d dabei nach Regene a ionss a egien gesuch , die eine schnelle und
e izien e E holung on in ensi en T ainings- und We kamp belas ungen e möglichen und somi Übe las ungssynd o-
men ode Ve le zungen o beugen ( gl. Meye , Fe au i, Kellmann & P ei e , 2015; Meye , Kellmann, Fe au i & Faude,
2013).
33
Im Rahmen dieses A gumen a ionszusammenhangs gil die Wahl des Campo Bahia als Basisqua ie de deu schen
Fußballna ionalmannscha zu Wel meis e scha 2014 in B asilien medial e mi el als s a egische Clou de e an -
wo lichen Funk ionä e. Das Qua ie lag absei s de We kamp s ä en, de T ainingspla z wa d ei Kilome e en e n .
Die Spiele wu den nich in Ho elzimme n, sonde n zu ün ode sechs in Blockhü en un e geb ach . Eine de Spiele ,
Benedik Höwedes, sp ich in einem Zei ungsin e iew den E holungswe an: „Mi dem Pool und de Ba in de Mi e
haben wi den op imalen O , um zusammenzukommen. Und we keine Lus au Gesellscha ha , zieh sich in sein
Zimme zu ück.“ (Wall od & Wol , 2014).
Spi zenspo und Mig a ion 118
Lebensmi elpunk s als ein Anke punk und Zuhause nich zu un e schä zen. Ihm
komm eine egulie end-s uk u ie ende Rolle zu. E is nich nu Regene a ions-
s ä e, sonde n dem A hle en we den mi dem S ando de Wohnung bes imm e
leis ungsspo bezogene Nu zungspo enziale e ö ne und gleichzei ig ande e
Nu zungspo enziale wiede um eingesch änk .
Die S uk u dynamiken, die sich aus de aum-zei lichen Alloka ion
34
on We -
kamp , T aining und Regene a ion e geben, sind seh komplex. Die maßgebliche
O ien ie ungsg undlage ü eine aum-zei liche Ve o ung bilde dabei imme de
We kamp kalende ; T aining und Regene a ion we den da au abges imm . Da
diese O e in de Regel nich kong uen sind, is bei de Übe windung on Dis-
anzen zwischen We kamp , T aining und Regene a ion ein T ansak ionsau wand
ins Kalkül zu ziehen. Den T ansak ionsau wand gil es o allem in Hinblick au
T ansak ionskos en in de Zei dimension zu minimie en. Im Spi zenspo muss die
beg enz zu Ve ügung s ehende Zei möglichs op imal genu z we den. Zei ,
die nich im Sinne des Siegescodes genu z wi d, gil als e geude e Zei . Weil de
A hle s e s da an a bei en muss, noch meh Zei in den Spo zu in es ie en, s eh
e hohen Oppo uni ä skos en al e na i e Zei e wendung gegenübe ( gl. Be-
cke , 1987; Em ich & Güllich, 2005; Em ich e al., 2005). Länge e Auszei en kann
sich un e den heu igen Konku enz e häl nissen kein Spi zenspo le leis en,
weshalb beispielsweise auch bei Ve le zungen un e Zei d uck da an gea bei e
wi d, den T ainings- und We kamp be ieb schnells möglich wiede au nehmen
zu können ( gl. Maye , 2010; Maye & Thiel, 2014; Schnell, Maye , Diehl, Zip el &
Thiel, 2014). Angesich s dispa a e S ando o e en haben sich on Spo a zu
Spo a ungleich ö mige o ganisa ionale S uk u a angemen s he ausgebilde ,
34
De Beg i de aum-zei lichen Alloka ion is im Rahmen de Time-Space-S uc u ed-Theo y en wickel wo den. E
bezeichne zum einen die exklusi e „Belegung“ on Raum als endliche Ressou ce und zum ande en den unwiede -
b inglichen „Ve b auch“ on Zei ( gl. Häge s and, 1975; K ame , 2012).
Spi zenspo und Mig a ion 119
die du ch die O s- und Zei ixie ung de We kämp e beding we den. Eines ha-
ben sie abe imme gemeinsam: die S eige ung de E olgswah scheinlichkei .
3.2.2 S uk u analyse: Spo a spezi ische Mig a ionsbedingungen
Vo dem Hin e g und de S uk u dynamiken wi d da on ausgegangen, dass in
Abhängigkei on de jeweils be ieben Spo a die Mobili ä s- und Mig a ions-
a angemen s ganz un e schiedlich aussehen. Als s uk u o ma ie end sind dabei
in e s e Linie zwei Dimensionen auszumachen: die o ganisa o ischen Rahmenbe-
dingungen des jeweiligen We kamp yps sowie die Mi gliedscha sbedingungen
de A hle en. Im Folgenden we den diese beiden Dimensionen anhand d eie un-
e schiedlich o ganisie e Spo a en de aillie un e such und au de en Mig a-
ionse o de nisse hin hin e ag . In s uk u analy ische He angehensweise we -
den hie zu die Spo a en Fußball, Tennis und Ski alpin en dé ail in den Blick ge-
nommen.
3.2.2.1 Me hodische Hinweise
Die Auswahl diese Spo a en is nich willkü lich. Sie olg de heo e ischen
Übe legung, möglichs das Spek um un e schiedliche se ielle Ges al ung on
We kämp en abzudecken – und zwa de jenigen We kämp e, die in den Spo -
a en jeweils im Lau e eines Jah es im We kamp kalende quan i a i übe wiegen
und kon inuie lich ausge agen we den. Gemein sind: in Fo m on Ligen o gani-
sie e Fußballspiele; in Fo m on Tu nie en zusammenge üh e Tennis-Ma ches;
in Fo m eines Wel cups ausge agene Ski alpin-Rennen. Wenngleich Sonde älle
wie Kon inen almeis e scha en, Wel meis e scha en und Olympische Spiele ü
die Spi zenspo le in allen d ei Spo a en subjek i einen höhe en S ellenwe
haben dü en, e olg eine Konzen a ion de Analyse au diese We kamp o -
men, weil da on ausgegangen wi d, dass das ‚All agsgeschä ‘ on Ligaspielen,
Spi zenspo und Mig a ion 126
de Fußball-Bundesliga is übe das Lizenzie ungs e ah en de DFL dazu e -
p lich e , ein Nachwuchsleis ungszen um (NWLZ) zu un e hal en, an dem Fuß-
ball alen e au eine spi zenspo liche Ka ie e o be ei e we den und pe Ausbil-
dungs e ag gebunden we den. Wenngleich dami im gesam en Bundesgebie
mindes ens 36 NWLZ op ional zu Ve ügung s ehen, kann man dennoch nich
on eine dezen alen Talen ö de ung sp echen. Nich imme bes eh die Mög-
lichkei , in einem e e ba en Rahmen ü das T aining an die NWLZ zu pendeln.
Da Fußballspiele du ch die NWLZ be ei s im Jugendal e ad essie we den, is
an diesen deshalb en wede ein In e na angebunden ode es wi d die Möglich-
kei des Wohnens in Gas amilien einge ich e . Flankie end dazu is es möglich,
on e bandlichen Maßnahmen des DFB zu p o i ie en, wenn alen ie e jugend-
liche Fußballspiele in die Junio en-Auswahlmannscha en des DFB gelangen. Die
quan i a i übe wiegende Basisa bei , die ü die Lebensmi elpunk e o ung
ausschlaggebend is , is in diesen Fällen dennoch den NWLZ zuzusch eiben.
Spä es ens wenn die Talen e in den Lizenzspiele s a us übe gehen, e olg die
o male Einbindung p o essionelle Fußballspiele übe ein Anges ell en e häl nis
zu ih em Fußball-Klub; die O ganisa ionszugehö igkei wi d pe A bei s e ag
es geleg .
37
Die Ve äge egeln u. a. die Höhe de Ve gü ung und die Daue de
Beschä igung.
Abe obschon die Ve gü ung on Fußballspiele n un e häl nismäßig hoch is
38
,
is de en Beschä igungssi ua ion in de Zei dimension als p ekä zu bezeichnen.
37
Daneben exis ie die Möglichkei übe den na ionalen Fach e band (in Deu schland de DFB) in die Na ionalmann-
scha be u en zu we den. Dies is abe wenige ü die Lebensmi elpunk e o ung ele an als ü e wei e e An o -
de ungen an die äumliche Mobili ä bei ans ehenden Lände spiel eisen.
38
Da es keine Ve ö en lichungsp lich de Ve äge gib und die Inhal e de Ve äge meis wohlgehü e e Geheimnisse
zwischen Spiele n, Be a e n und Fußball-Klubs da s ellen, kann übe die Höhe de Ve gü ungen nu spekulie we den.
Es ku sie en du chaus Inside in o ma ionen in den Medien und Hoch echnungen anhand de Ma k we e de Spiele .
Ak uelle Übe sich en de Gehäl e in de Fußball-Bundesliga, die au Quellen und Be echnungsme hoden basie en,
inden sich un e h p:// ussball-geld.de/gehal -de -bundesliga (Rande a h, 2015). Hie an wi d deu lich, dass selbs

Spi zenspo und Mig a ion 127
Die Ve äge on Fußballspiele n sind s e s zei lich be is e . Dies is soga in de
‚Lizenzo dnung Spiele ‘ des Liga e bands o gesch ieben: „Ve äge müssen nach
Ink a e en eine Mindes lau zei bis zum Ende eines Spieljah es haben. Die
Höchs lau zei eines Ve ages soll ün Jah e nich übe sch ei en“ (§ 5, Abs. 1 in
Liga e band, 2015b).
39
Und wenngleich die du chschni lichen Ve agslau zei en
sei dem Bosman-U eil leich ges iegen sind und nunmeh bei knapp un e d ei
Jah en liegen ( gl. Feess, F ick & Muehlheusse , 2004), zeig diese Be und auch
eind inglich, dass die Spiele im Ve lau ih e Spi zenspo ka ie e ela i häu ig
o Wechselen scheidungen – und dami auch o Mig a ionsen scheidungen –
s ehen.
Dies gil es auch o dem Hin e g und on Leis ungsdi e enzen zwischen den
Teams de Bundesliga zu beach en. Ein Fußballspiele kann en wede una ak i
ü das eigene Team we den, wenn e dem ge o de en Leis ungsni eau nich
s andhal en kann. Ode ande she um: Ein Fußballspiele kann a ak i ü ande e
Teams we den, wenn e sich du ch Leis ung ausweis . Dies gib zwa nu höchs
un olls ändig die Mechanismen des T ans e ma k es und die T ans e s a egien
de Fußball-Klubs wiede , bei dem wei aus di izile e Fak o en eine Rolle spielen.
Au wendige Modellie ungen hie zu ha Vöpel (2006; 2011) o genommen. E
weis da au hin, dass es in de P axis o schwie ig sei, die Leis ungs ähigkei ein-
zuschä zen. Jede Pe sonalen scheidung in einem Fußball-Klub we de au g und
on In o ma ionsde izi en un e Unsiche hei ge o en.
40
So zeig sich schließlich
E sa zspiele on Mannscha en in den un e en Tabellen egionen de Fußball-Bundesliga egelmäßig meh als das
D ei ache des du chschni lichen B u o-Jah esa bei slohns on 31.981 € (Quelle: S a is a, 2015) e hal en.
39
Die Be is ungsp axis s eh ak uell zu Deba e. Nach einem U eil des A bei sge ich s Mainz om 19. Mä z 2015
(3 Ca 1197/14) müssen auch Ve äge on Fußballp o is dem Teilzei - und Be is ungsgese z en sp echen. Ein Be u-
ungs e ah en s eh noch aus. Soll en höhe e Ins anzen die Rech sk ä igkei des U eils bes ä igen, ha dies einsch än-
kende Auswi kungen au die Anzahl de möglichen Be is ungen, was mi un e wei eichende Konsequenzen ü Spiele
und Fußball-Klubs haben dü e.
40
Inneneinsich en de T ans e s a egien einzelne Fußball-Klubs bie e die e hnog a ische Un e suchung on Mülle
(2009).
Spi zenspo und Mig a ion 128
imme auch de Fak o Zu all ü die Unwägba kei en des E olgs e an wo lich.
Um de In o ma ions ülle bei Pe sonalen scheidungen zu begegnen und dami
Komplexi ä und e go zu ällig ich ige ode alsche En scheidungen zu eduzie en,
beschä igen sich im p o essionellen Fußball spezialisie e K ä e wie Scou s, Ka-
de plane , Manage und Be a e mi de Beobach ung on Spiele n und de An-
bahnung on e aglichen Bindungen. Die Au gabe diese Pe sonen is die He -
s ellung eine s immigen Passung om Leis ungs e mögen de Fußballspiele ei-
ne sei s sowie den Ansp üchen und Leis ungen de Fußball-Klubs ande e sei s.
In de Konsequenz bedeu e dies: Mig a ionsen scheidungen im Fußball sind eng
mi dem jeweils ak uellen Leis ungs e mögen und de Dynamik au dem T ans-
e ma k e bunden. Und nu in absolu en Ausnahme ällen dü e bei einem
Wechsel des Fußball-Klubs de ak uelle Lebensmi elpunk beibehal en we den
können, nämlich dann wenn die T ainingss ä e des neuen Fußball-Klubs om
Wohno aus du ch ägliches Pendeln mi e e ba em T ansak ionsau wand zu
e eichen is , z. B. bei einem Wechsel on Schalke 04 zu Bo ussia Do mund.
41
Eine übe meh e e Jah e ausgeüb e Sessha igkei is ü Fußballspiele dahe
U opie und nu in absolu en Ausnahme ällen machba , nämlich dann, wenn eine
jah elange e agliche Bindung an einen Fußball-Klub au ech e hal en we den
kann. Abe selbs dann e olg die Mi gliedscha sbindung an den Fußball-Klub
den Regeln de im Fußball üblichen Ve agsp axis en sp echend in zei lichen Ve -
41
De Ve such, g öße e Dis anzen liegend zu übe winden und dami die ü das Pendeln benö ig e Zei zu minimie en,
wä e eine denkba e Möglichkei ü die Ve inge ung de zei lichen T ansak ionskos en. Demgegenübe s eh abe ein
übe p opo ionale Ans ieg inanzielle T ansak ionskos en. Zudem wi d diese Lösung gesellscha lich nich akzep ie .
Dies muss en sowohl Jens Lehmann in de Saison 2008/09 es s ellen, als e egelmäßig pe Helikop e on seinem
Wohnsi z am S a nbe ge See zum T aining beim VFB S u ga log, als auch Jü gen Klinsmann in seine Rolle als
Teamche de deu schen Na ionalmannscha mi Wohnsi z in den USA.
Spi zenspo und Mig a ion 129
sa zs ücken (Ke en e äge), sodass Lebensmi elpunk e se zungen o wäh-
end in de gesam en Spi zenspo le ka ie e im E wa ungsho izon de Fußball-
Spiele zumindes hin e g ündig mi schwingen.
Beim Au kommen e waige Mig a ionsgedanken in Fo m on Wechselabsich en
dü en au g und de Übe bie ungslogik poli isch-adminis a i e G enzen dem
P inzip de e i o ialen Sch ankenlosigkei nach keine Rolle spielen. Hie zu leis e
auch de Weg all on Auslände besch änken du ch das Bosman-U eil seinen Be-
ag, weil ü die Kade zusammense zung de Fußball-Klubs die Na ion des Spie-
le s nich meh ausschlaggebend is . Fußball-Klubs müssen o mal nich meh be-
ach en, welche S aa sbü ge scha ein Spiele ha ; sie konzen ie en sich au
spo liche und ökonomische Passungen als Selek ionsk i e ien.
42
Fußball-Klubs
können ih e Spiele in e na ional ek u ie en. Dies wi d in de Fußball-Bundesliga
und in den ande en eu opäischen Top-Ligen auch zu Genüge p ak izie ( gl.
F ick, 2008). Eine Besonde hei de Mi gliedscha sbedingungen im p o essionel-
len Fußball is , dass ein Wechsel on einem Fußball-Klub zu einem ande en nu
inne halb eines es geleg en Zei aums anbe aum we den kann. Fü einen Zei -
aum on zwöl Wochen nach eine Saison und on ie Wochen im Janua ö ne
sich jeweils das T ans e ens e . Insbesonde e gegen Ende diese Zei äume en -
wickel sich o mals eine hohe Dynamik an T ans e en scheidungen. Da die Kade
in den Fußball-Klubs aus ökonomischen und spo lich- unk ionalen G ünden
nich unnö ig au gebläh we den, ha eine Ve p lich ung eines Spiele s A in de
Regel auch den Ve kau eines ande en Spiele s B zu Folge; pa allel dazu gil es
ü den abgebenden Fußball-Klub on Spiele A wiede um E sa z zu inden. Da
42
Dass eilweise auch Cha ak e eigenscha en und kul u elle Passungen als Auswahlk i e ien ange üh we den ( gl. Mül-
le , 2009), kann un e de spo lichen Passung subsummie we den, da diese Eigenscha en im Hinblick au die Fö de-
ung de mannscha lichen In eg a ion beu eil we den.
Spi zenspo und Mig a ion 130
dies höchs sel en Spiele B is , wi d ein wei e e Fußball-Klub mi seinem Spie-
le C in die T ans e dynamik mi hineinge issen. Dami is das T ans e ka ussell in
Gang gese z und wi d e s mi Ende de T ans e pe iode ab up angehal en.
So is Fußball die Spo a , in de na ionale, o allem abe auch in e na ionale
Wande ungen womöglich am häu igs en o kommen. Vo diesem Hin e g und
analysie en Lan anchi & Taylo (2001) in eine in e na ional und his o isch e -
gleichenden Pe spek i e die En wicklung de ußballspezi ischen Mig a ion als
eine spezi ische Fo m de A bei smig a ion. Als zen ales E gebnis s ellen sie es ,
dass sei den 1990e Jah en Wande ungen ü Fußballspiele e o de lich sind,
wenn sie in de Ka ie elei e au s eigen wollen:
“Emphasis on he 'global' dimension o mig a ion is almos exclusi ely di-
ec ed o hose in he necessa y pa o he p o ession. To he majo i y o
hese playe s, mobili y has become a necessa y pa o he p o ession. To
each he op, i is essen ial o mo e o he leading clubs in he mos p es ig-
ious leagues. Wi h ew excep ions, he wo ld's bes oo balle s oday a e mi-
g an s.” (S. 229)
Da übe hinaus sch eiben sie eine speziellen G uppe on Fußballmig an en einen
besonde en S a us zu, de sie on A bei smig an en aus ande en Be u s elde n
un e scheide und z. B. die In eg a ion e leich e e. Bei diese G uppe handele es
sich um Spo s a s, die sich du ch eine hohe P äsenz in Medien und We bung
sowie eine ö en liche We schä zung auszeichnen. Von den Fußballp o is wi d
somi höchs es ußballe isches Können gepaa mi einem hohen Maß an Mobili-
ä s- und Mig a ionsbe ei scha e lang ( gl. B öskamp, 2009).
43
Es soll e hie bei
43
Als ein ex emes, abe du chaus ypisches Beispiel ü den Fußball läss sich hie de Ka ie e e lau des ös e eichischen
To hü e s Alexande Manninge an üh en, de inne halb on 18 P o ijah en au g und on Ve einswechseln 14 Woh-
no wechsel du chge üh ha . Manninge spiel e dabei nacheinande in olgenden S ä en: Salzbu g, S ey , G az, Lon-
don, Flo enz, Ba celona, Tu in, Bologna, Siena, Salzbu g, Siena, Udine, Tu in, Augsbu g, wobei sein e s e spo sys em-
induzie e Wohno wechsel im Al e on 18 Jah en e olg e. Das bedeu e e ü ihn: im Schni alle 15,4 Mona e ein
neue Lebensmi elpunk . Nich unbe ech ig wi d e deshalb als „Nomade des Fußballs“ bezeichne . Dass e sich de
P og amms uk u des Fußballs dabei un e o dnen muss e, zeig sich, weil e be on , dass es seine Idee gewesen wä e
„ö e länge an einem O zu bleiben“ (Ma x, 2013). Umzugsmeis e inne halb de Bundesliga is de Fußballspiele
Spi zenspo und Mig a ion 131
abe nich o schnell de Schluss gezogen we den, dass einem Eli espiele sp ich-
wö lich die ganze Wel o ens eh . Es s ehen zwa lächenmäßig gu e eil e
‚Ho spo s‘ (a ak i e Ve eine au allen Kon inen en), also eine p inzipielle Op i-
ons iel al an A bei gebe n zu Ve ügung. Abe in diesem Zusammenhang is
auch au ein ü Spo spielmannscha en spezi isches Rek u ie ungsmus e hinzu-
weisen, wonach es eine Tendenz dahingehend gib , dass sich die Wel eli e de
Tops a s im Fußball au wenige p es ige eiche Ve eine zu e dich en schein .
Diese Beobach ung e klä Vöpel (2013) mi dem „Zidane-Clus e ing-Theo em“,
das besag , dass Spiele gleiche Quali ä sich in Fußball-Klubs clus e n.
44
Beg ün-
de wi d dies mi den E olgsaussich en de Teams, die imme om schwächs en
Elemen de Einhei abhängig seien. Anzus eben sei deshalb eine homogene Zu-
sammens ellung de Teams, bei de Spiele mi hohe Quali ä gegensei ig on-
einande p o i ie en.
Nebenbei beme k : Hie in e bi g sich die Ge ah , dass ökonomische Mach e -
häl nisse im Klub-Fußball das P inzip de Chancengleichhei un e wande n. Dies
d ück sich in eine spo lichen Dominanz inanziell gu ausges a e e Fußball-
Klubs aus. Dass Geld eben doch To e schieß , konn en Un e suchungen bes ä i-
gen ( gl. im Übe blick F ick, 2005; aus eine soziologischen Ungleichhei spe spek-
i e Wilkesmann, 2014). Es sei de Volls ändigkei halbe da au hingewiesen, dass
auch ande e Modelle exis ie en, die eine solchen Übe lage ung des spo lichen
We bewe bs du ch einen pa allel s a indenden Finanzwe bewe b p ä en i
Michael Spies. E spiel e als einzige Spiele sei Bes ehen de Bundesliga ü sieben Bundesliga-Klubs. Mi S u ga ,
Ka ls uhe, Hambu g, Ros ock, D esden und Wol sbu g wa e sowohl im No den, Süden, Wes en, Os en als auch in de
Mi e Deu schlands als Fußballspiele ä ig. In einem A ikel de ZEIT heiß es: „I gendwann ha e e akzep ie , dass
Umzüge zu seinem Be u dazugehö en. E woll e au die e s e Liga nich meh e zich en, au die Annehmlichkei en,
den Ruhm und auch au das Geld“ (Schmid, 2015).
44
Die Bezeichnung üh dahe , da im Anschluss an die Ve p lich ung on Zinedine Zidane auch Da id Beckham zu Real
Mad id wechsel e. Zusammen mi Luis Figo, Robe o Ca los, Ronaldo und Raúl so g en sie zu Beginn des Jah ausends
als ‚die Galak ischen‘ ü E olg und Fu o e (Vöpel, 2013; Vöpel & S einha d , 2006).

Spi zenspo und Mig a ion 132
en gegenzus eue n e suchen. In de Majo League Socce (MLS), de höchs en
Spielklasse in No dame ika, gib es ein ausgeklügel es Bündel an Maßnahmen
zum E hal de Chancengleichhei . Hie zu gehö en un e ande em Gehal sobe -
g enzen (Sala y Caps) ü den gesam en Kade und ü einzelne Spiele . Da übe
hinaus we den e schiedene Auswahl e ah en (D a s) du chge üh , bei denen
die Fußball-Klubs nach eine o gegebenen Sys ema ik aus einem Spiele pool
auswählen dü en.
45
Le z e es is inso e n in e essan , als die Spiele sich ollends
de En scheidungsgewal de MLS – mi dem als F anchise-Gebe eine e agli-
che Ve p lich ung bes eh – auslie e n und Lebensmi elpunk e o ungen pe
Zu eilung quasi despo isch o gegeben we den.
46
Glaub man ak uellen Medienbe ich en übe Spiele e p lich ungen im eu opäi-
schen Spi zen ußball, so he sch o diesem Hin e g und selbs im hochkomme -
zialisie en Fußball nich unbeding ein Following- he-money, sonde n e olgs-
e sp echende Agglome a ionen on Eli e-Spiele n und Eli e-T aine n wi ken als
Pull-Fak o en: Sie so gen ü eine Sogwi kung, die wei e e e olgshung ige Spiele
anzieh . Obwohl z. B. de FC Baye n München ak uell nich die absolu höchs en
Spiele gehäl e bezahl , zieh es Eli e-Spiele im doppeldeu igen Sinne des Wo -
es nach München, weil hie ak uell die Aussich en au spo lichen E olg mi am
g öß en zu sein scheinen. Ein namha e und e olg eiche T aine kann sich ü
einen Fußball-Klub somi als S ando o eil e weisen. De Siegescode behäl hie
Übe hand gegenübe ökonomische Nu zenmaximie ung.
47
45
Zumeis sind D a s nach dem In e se O de Picking-Ve ah en o ganisie . Dieses Ve ah en siche den Klubs nach
Maßgabe des Tabellenpla zes de o he gehenden Saison in au s eigende Reihen olge aus einem Spiele pool zu wäh-
len. De Le z e de Vo saison da sich dami den e mein lich bes en Spiele aussuchen. D a -Rech e können abe
auch ge ausch ode e äuße we den (Daumann, 2015, S. 169-170, gl. k i isch S. 188).
46
Übe agen au die Fußball-Bundesliga läss sich dies sü isan in einem Ve gleich de ZEIT zusammen assen: „Als
müss e Ma io Gö ze zum SC Pade bo n gehen“ (Wimalasena, 2015).
47
Und auch gegenübe emo ionalen lokalen Bindungen an einen O ode an einen bes imm en Fußball-Klub. Wie sons
wä e es beispielsweise zu e klä en, dass Lukas Podolski, de sich selbs als ‚Kölsche Jung‘ bezeichne , nich beim 1. FC
Spi zenspo und Mig a ion 133
3.2.2.2.3 Folge ungen ü Lebensmi elpunk e o ungen on p o essionellen
Fußballspiele n
Als Ke ne gebnis de Analyse des Ligabe iebs sowie de Mi gliedscha sbedin-
gungen im p o essionellen Fußball läss sich es hal en, dass diese die aum-zei -
liche kö pe liche P äsenz de spi zenspo lichen Fußballspiele in eine ypischen
Ausp ägung s uk u ie en. Es e geben sich Mobili ä sa angemen s und Mig a i-
onse o de nisse, die sich wie olg kennzeichnen lassen:
Das Ligasys em im Fußball üh dazu, dass die A hle en – zumindes ü die Daue
ih e Ve äge – an pe manen einem O in nah äumliche Dis anz zum T ainings-
o bzw. de Heimspiels ä e seden ä , also sessha , sind und on do aus We -
kamp mobili ä a angie en. Lebensmi elpunk e o ungen im Fußball sind in Le-
benslau pe spek i e an das Anges ell en e häl nis zum jeweiligen Fußball-Klub
gekoppel . Mi jedem Wechsel eines P o i ußballspiele s zu einem neuen Klub
s eh in de Regel auch ein Wohno wechsel, ein esidenzielle Wechsel an. In de
ku zen Spanne eine Fußballe ka ie e is die Sessha igkei alle dings o mals nu
on ela i ku ze Daue , die jeweils on den Ve agslau zei en dik ie wi d. Mi
eine länge is igen ode ga daue ha en Beibehal ung des Wohnsi zes können
p o essionelle Fußballspiele wäh end ih e ak i en Ka ie e nich planen. Im Ge-
gen eil: Nich sel en we den sie mi seh ku z is igen Mig a ionsen scheidungen
kon on ie , o allem wenn sich das T ans e ka ussell gegen Ende de Wechsel-
pe ioden imme schnelle d eh , s ehen sie o de He aus o de ung, sich ad-hoc
um ein neues Zuhause kümme n zu müssen.
Köln spiel ? Zugegeben: Diese he o ische F age is seh endenziös ges ell ( gl. ebenso k i isch Dobbe , 2011). Um
on dem Einzel all au e allgemeine ba e Mus e zu schließen, beda es eine de aillie e en Un e suchung zum Ve -
häl nis zwischen spo lichen, ökonomischen und subjek i -emo ionalen Fak o en bei T ans e en scheidungen aus Spie-
le sich . Da die A gumen a ion in diese A bei da au be uh , Spi zenspo le in ih e Inklusions olle im Spi zenspo -
sys em zu be ach en, wi d heo iegelei e dem Hype inklusionsgedanken olgend die Dominanz spo liche K i e ien
o ausgese z .
Spi zenspo und Mig a ion 134
Synch on dazu sind im Rahmen de Lebens üh ung Belas ungen in Fo m zi kulä-
e Mobili ä zu bewäl igen, die du ch Reisen zu T ainingslage n und Auswä s-
spielen s uk u ell o gegeben sind und auch die empo ä sessha en Fußball-
spiele insgesam zu einem mobilen Leben zwingen.
3.2.2.3 In 365 Tagen einmal um die Wel : Tennis als Beispiel eine Spo a mi
Tu nie be ieb
Eine Eigen ümlichkei des Tennis is es, dass die Spo a zum übe wiegenden Teil
in einem Tu nie sys em ausge agen wi d. Dies lieg da in beg ünde , dass die
Leis ung nich absolu gemessen we den kann, sonde n nu – wie im Fußball –
ela i zum Gegne .
48
Cha ak e is isch ü Tennis u nie e is das K.-o.-Sys em. Bei
diesem Tu nie o ma we den wenige Spiele ü die E mi lung des Siege s be-
nö ig als beispielsweise im Round Robin-Sys em. Dadu ch können Tennis u nie e
mi einem ela i g oßen S a e eld ausge agen we den. Im K.-o.-Sys em e en
in jede Spiel unde jeweils zwei A hle en au einande . De Siege is zu Teilnahme
an de nächs en Spiel unde be ech ig ; de Ve lie e scheide aus. Dies üh
schließlich in de le z en Spiel unde eines Tu nie s zum Finale, bei dem de Ge-
sam siege des Tu nie s e mi el wi d.
49
Au höchs e Leis ungsebene bes ehen
ü Spi zen ennisspiele zahl eiche Möglichkei en e p lich ende und eiwillige
Tu nie eilnahmen. Die e spiel en E gebnisse we den in eine Wel anglis e übe -
üh , welche die Tu nie e gebnisse de jeweils zu ückliegenden 52 Wochen mi
48
Die nach olgenden Aus üh ungen beziehen sich im Wesen lichen au das Einzel. Das Spielen im Doppel ha die Beson-
de hei , dass es eine Ve sch änkung de aum-zei lichen P äsenz de Doppelpa ne o ausse z , die es e o de lich
mach , Mobili ä sa angemen s in We kamp und T aining – in G undzügen ähnlich wie im Teamspo Fußball - au ei-
nande abzus immen.
49
Au g und des Duellcha ak e s und de Ta sache, dass aus N>2 Teilnehme n die jeweils Bes en e mi el we den, be-
s ünde in de Spo a Tennis g undsä zlich auch die Op ion, das Round Robin-Sys em anzuwenden. De Ve such, dies
au in e na ionale Ebene zu implemen ie en, wu de jedoch nach wenigen Wochen au g und on Umse zungsp oble-
men au gegeben. Das K.-o.-Sys em is im Tennis die quan i a i und quali a i alles übe agende We kamp o m und
wi k sich nachhal ig au das All agsgeschä de Tennisspiele aus ( gl. Schwäge l, 2009).
Spi zenspo und Mig a ion 135
einem es geleg en Punk eschlüssel be ücksich ig . De Punk eschlüssel ich e
sich nach de Ka ego ie eines Tu nie s, die wiede um maßgeblich abhängig on
dem zu e spielenden P eisgeld is , und selbs e s ändlich nach de Anzahl de
e eich en Runden bei diesen Tu nie en ( gl. Schwäge l, 2009, S. 78-83).
3.2.2.3.1 O ganisa o ische Rahmenbedingungen des Tu nie be iebs
De genuine O ien ie ungsmaßs ab ü Spi zen ennisspiele is die Wel anglis e.
Um in diese möglichs wei nach oben zu kommen, s ehen sie nich nu eine
Vielzahl an Gegne n, sonde n insbesonde e eine igiden spo lichen P o-
g amms uk u gegenübe . Im Tu nie be ieb ha sich ein komplexes O ganisa i-
onskons uk ausdi e enzie , das sich ak uell wie olg da s ell :
Fü die E s ellung de Wel anglis e de Tennisspiele zeichne sich die Associa ion
o Tennis P o essionals (ATP) e an wo lich.
50
Diese wu de u sp ünglich als Spie-
le gewe kscha geg ünde , um Spiele in e essen bei de Planung und Ve ma k-
ung on konku ie enden Tu nie se ien einb ingen zu können. De u sp ünglich
gewe kscha liche Gedanke is abe imme meh in den Hin e g und ge ück , so-
dass die haup sächliche Funk ion de ATP heu e in de O ganisa ion de ATP
Wo ld Tou , de üh enden Tu nie se ie im Tennisspo , zu sehen is . In den ein-
zelnen Tu nie en können un e schiedlich iele Wel anglis enpunk e e ziel we -
den. Die ATP di e enzie d ei e schiedene Tu nie we igkei en und bezeichne
diese als ATP Wo ld Tou Mas e s 1000, ATP Wo ld Tou Mas e s 500 und ATP
Wo ld Tou Mas e s 250, wobei die Zahlen die jeweils maximal zu e eichenden
Wel anglis enpunk e angeben.
50
Das o ganisa ionale Pendan ü Tennisspiele innen is die Women’s Tennis Associa ion (WTA).
Spi zenspo und Mig a ion 142
We bewe be wie Da is Cup und bei Koope a ionen de Tu nie e ans al e mi
na ionalen Ve bänden z. B. bezüglich eine Wildca d e gabe.
Vo allem abe – und nu un e Vo ausse zung de e s en beiden G ünde – gil
d i ens, dass das He o b ingen on ( iel Geld e dienenden) Spi zen ennisspie-
le n hochg adig a ak i ü Fo -P o i -O ganisa ionen is . Vo diesem Hin e -
g und wu den p i a wi scha lich agie ende Akademien ins Leben ge u en, um
Spiele anzusp echen, die nich in die e bandlich o ganisie en Kade s uk u en
inkludie sind; sei es, weil sie es nich wollen (da sie sich z. B. on p i a en T aine n
ein indi iduelle es ode quali izie e es T aining e sp echen), weil sie es nich sol-
len (da es z. B. F ik ionen zwischen den El e n und Ve bands unk ionä en gib )
ode weil sie es nich können (da z. B. Au nahmek i e ien sei ens de Ve bände
nich e üll we den).
Sin emal im Tennis eine mi gliedscha liche Bindung an einen Ve ein ode na io-
nalen Ve band eine Kann-Bes immung, abe keines alls eine Muss-Bes immung
is , sind e go auch al e na i e Wege de Ka ie een al ung möglich:
„Tennisakademien, meis on ehemaligen Spi zenspiele innen/Spi zenspie-
le n ode in e na ional e ah enen Tennis aine n ge üh , o e ie en spezi i-
sche P og amme, die au die Bedü nisse de zahlungsk ä igen Kunden zu-
geschni en we den. Auch eine Vielzahl e ablie e Spi zenspiele innen und -
spiele a bei e mi Ein ich ungen diese A zusammen. [….]. Tennisakade-
mien se zen nach eigenen Angaben au eine kon inuie liche und lang is ige
A bei mi den ihnen an e au en, ambi ionie en Jugendlichen.“ (Schwäge l,
2009, S. 102)
P i a e Anbie e sind in de Lage den Ma k e olg eich zu bedienen, da eines eils
die Spo a Tennis eine ge inge S ando spezi i ä und zudem eine einige maßen
ge inge Sachkapi alspezi i ä au weis , und ande n eils die Nach age angesich s
exo bi an e Ve diens möglichkei en ü die Tennis-Wel eli e gegeben is . Exemp-
la isch ü das Bes ei en eines solchen al e na i en Weges jensei s e bandliche
Fö de ung s eh in Deu schland de Tennisp o i Thomas Haas. Als eine de e -
olg eichs en deu schen Tennisspiele mig ie e e mi 13 Jah en on Hambu g an

Spi zenspo und Mig a ion 143
die enommie e Nick Bolle ie i Tennis Academy nach B aden on, USA. Bis heu e
ha e do seinen Haup wohnsi z. Die Finanzie ung seine Ausbildung an de Ten-
nisakademie e olg e übe einen Sponso enpool. Diesem wu de eine Be eiligung
on 15 P ozen an den spä e en Einnahmen des Tennis alen s zugesiche .
54
Da-
mi ha sich die We e au zukün igen spo lichen (und inanziellen) E olg als
Finanzie ungsquelle on Spo alen en e ablie – und in diesem Fall auch ü
beide Sei en gelohn .
55
Die Tennisakademien – das zeig das Beispiel de Nick Bolle ie i Tennis
Academy – sind wie die Bundess ü zpunk e o s ixie . In beiden Ausbildungs a-
ian en gehö eine aum-zei liche Bindung zu P og amms uk u . Die Lebens-
mi elpunk e o ung zu T ainingszwecken an die jeweiligen Fö de ein ich ungen
wi d s uk u ell un e meidlich o ausgese z . In diese A gumen a ion is auch de
Be und de Be agung on Nachwuchs ennisspiele n on Be e e al. (2002) ein-
zuo dnen, de besag , dass
„auch im Tennis die Nachwuchsspiele und -spiele innen au g und de Zen -
alisie ung de Bundeskade mi gliede zu einem Umzug gezwungen [sind],
wenn sie bezüglich ih e pe sönlichen Leis ungsen wicklung wei e o an-
kommen möch en." (S. 275)
Alle dings gil dies o allem ü die Phase de Talen en wicklung mi dem Ziel
de Op imie ung des T ainingsum eldes: Is de Sp ung in die in e na ionale Kon-
ku enz gescha und de A hle kann mi els Gewinnp ämien und Sponso ing
54
Die biog a ischen Da en en s ammen de Homepage on Thomas Haas (e|mo ion managemen gmbh ge many, 2013),
dem Wikipedia-Ein ag zu ‚Tommy Haas‘ (Wikipedia, 2015a) sowie dem Spiele p o il au de Homepage de ATP (ATP
Tou , 2015b). In den Medien ku sie neben dem Haup wohnsi z B aden on mi Los Angeles noch eine zwei e Angabe,
die da au zu ückzu üh en is , dass die F au on Thomas Haas eine ame ikanische Filmschauspiele in is und ih e sei s
s uk u ell an die P oduk ionso e in Hollywood gebunden is .
55
Eine wei e e, on deu schen Spiele n wie z. B. Benjamin Becke be ei s in Ansp uch genommene Al e na i e is ein
S ipendium an einem US-ame ikanischen College. Solche S ipendien scheinen höchs a ak i ü Tennis alen e zu
sein, weshalb be ei s spezialisie e Ve mi le agen u en diesen Ma k e schlossen haben. Au g und de O s ixie ung
de Anbie e , de Colleges, is auch hie Mig a ion zu Op imie ung de Rahmenbedingungen onnö en.
Spi zenspo und Mig a ion 144
seine Au wendungen gegen inanzie en, so kann man be iebswi scha lich da-
on sp echen, dass de B eak-E en Poin e eich is : De Tennisspiele ha sich
on seinen Fö de ins i u ionen emanzipie .
56
Die Emanzipa ion ins i u ionelle Mi gliedscha en münde in eine indi iduali-
sie en Ve an wo lichkei des A hle en ü den Fo gang seine Ka ie e. Ve eine
und Ve bände sind dann nich meh die maßgebliche Ins anz de S eue ung de
A hle en. Sie haben lediglich ü die In as uk u und We kamp gelegenhei en
in Fo m de Aus ich ung on Tu nie en zu so gen. Als „selbs ändige Gewe be ei-
bende“ (Be e e al., 2002, S. 334) bewegen sich die Tennisspiele dann inne halb
diese Gelegenhei ss uk u en und kämp en mi de Konku enz um Tu nie siege,
P eisgelde und We beeinnahmen.
57
Sie s ehen dann abe un e dem D uck, die
du ch Tu nie mobili ä e u sach en Kos en ü Flüge, Ho els und Pe sonal wiede
einspielen zu müssen ( gl. Be e e al., 2002, S. 295).
Angesich s dessen eduzie sich de Beg i Indi idualspo a ü Tennisspiele ,
die den B eak-E en Poin e eich haben, nich allein au den inne spo lichen Be-
56
Schwäge l (2009, S. 19) geh da on aus, dass hie zu de Be eich de Posi ion 220 bis 80 in de Wel anglis e anges eb
we den muss. Spiele , die sich länge is ig in den Top-50 de Wel anglis e hal en können, dü en ü ein inanziell
so gen eies Leben o so gen können. Allzu o we de abe nich beach e , dass iele de Spiele in den un e en Be ei-
chen de Wel anglis e am Exis enzminimum leben wü den – zumal die ihnen ab e lang e Mobili ä auch hohe Kos en
e u sach .
57
Es sei aus o male Sich da au hingewiesen, dass ü die Teilnahme an ATP-Tu nie en un e schiedliche Fo men de
ins i u ionellen Anbindung an die ATP e o de lich sind, die abhängig on de Posi ion au de Wel anglis e sind. Die
ak i e ATP-Mi gliedscha is in zwei Subg uppen di e enzie : ‚Di ision one playe ‘ (Top-200) sowie ‚Di ision wo
playe ‘ (Pla z 201 bis 500). Alle Spiele e p lich en sich dazu, die Regeln de ATP einzuhal en. Mi de ‚Di ision one
playe ‘-Mi gliedscha sind insgesam meh Ve p lich ungen e bunden, wie die Teilnahme an ATP-Schulungen und
spo medizinischen Un e suchungen. Gehö man zu Top-30, bekomm man den S a us des ‚Commi men Playe s‘
zugewiesen. Diese is mi zusä zlichen P lich en (P lich s a s, Medien e mine, Sponso en e mine, Teilnahme am Rah-
menp og amm on Tu nie en, loyales Ve hal en gegenübe den Funk ionä en) abe auch mi P i ilegien (S a ech e,
Bonuszahlungen) e bunden. Fo mal muss ein Spiele das Commi men Ag eemen nich un e zeichnen, e e zich e
dami abe au säm liche P i ilegien sei ens de ATP ( gl. ATP Tou , 2015a, S. 9-16).
Spi zenspo und Mig a ion 145
eich des Duellie ens au dem Tennispla z, sonde n dehn sich auch au die spo -
liche Pe iphe ie aus: Tu nie planung und -angelegenhei en, T aining, Ve ma k-
ung, Reisemanagemen e c. können und müssen eigen e an wo lich und indi-
iduell o ganisie we den. Dies un e scheide Tennis auch on Mannscha s-
spo a en, bei denen man sich dem o ganisa ionalen Ge üge des jeweiligen
Klubs un e o dnen muss. Diesen Vo zug heb de Tennisspiele Roge Fede e in
einem In e iew he o :
„Das Coole an meinem Job is ja: Ich bin mein eigene Boss und kann machen,
was ich will. Nich wie ein Fußballe , de ein ach i gendwohin ans e ie wi d
ode dem man e bie en kann, sich in eine Hängema e zu legen, weil es nich
zum Image des Ve eins pass .“ (Ziauddin, 2007)
Bei en sp echendem spo lichen E olg und s eigenden inanziellen Möglichkei-
en üh dies in de Regel zu eine Op imie ung des di ek en Spiele um elds, die
da in bes eh , ein eigenes Be euungs eam zu akqui ie en. Dieses se z sich bei-
spielsweise aus T aine n, Physio he apeu en, Ä z en, abe auch Familienmi glie-
de n ode F eunden zusammen, die zu egelmäßigen Beglei e n bei den Reisen
on Tu nie zu Tu nie we den.
3.2.2.3.3 Folge ungen ü Lebensmi elpunk e o ungen on p o essionellen
Tennisspiele n
Die Teilnahme am wel umspannenden Tu nie be ieb im Tennis e o de ein un-
e gleichliches Maß an Mobili ä . Inne halb on gu zehn Mona en is die kö pe -
liche P äsenz on Spi zen ennisspiele n in usuell übe 20 Tu nie en in e schiede-
nen Lände n und Kon inen en ge ag . Die am in e na ionalen We bewe b um
die Spi ze de ATP-Wel anglis e eilnehmenden „Spi zenspo le sind im
wah s en Sinne des Wo es 'global playe '“ (Be e e al., 2002, S. 337). An Tu nie -
eisen inklusi e zahl eiche Übe nach ungen in Ho els und Appa emen s an meh
als de Häl e de Tage eines Jah es haben sich die Spo le sukzessi e mi s ei-
gendem Leis ungsni eau und dami e bundene geog a ische Ausdehnung des
Spi zenspo und Mig a ion 146
We kamp adius gewöhnen müssen. In s a egische Hinsich soll en dabei Rei-
ses apazen möglichs minimie we den, dami diese sich nich minde nd au die
spo liche Leis ungs ähigkei auswi ken. Ein seden ä es Leben s eh ü p o essi-
onelle Tennisspiele nich zu Deba e; sie hal en sich nu seh sel en übe länge e
Zei an einem O au . So spiel o allem in de Tu nie phase die Home-Base eine
wei es gehend un e geo dne e Rolle. Fü die Zei de Tu nie pause schein es hin-
gegen angeb ach , eine Home-Base zu bewohnen, die es e laub , Regene a ion,
Saison o be ei ung und sons ige Ve p lich ungen des Spi zenspo le lebens
(Sponso en e mine, Medien e mine e c.) in Einklang zu b ingen. Lenk man den
Blick au die F age, wo Spi zen ennisspiele ih e Home-Base ein ich en, kann man
schluss olge n, dass sie diese En scheidung gewisse maßen au onom gegenübe
ins i u ionelle Ve einnahmungen e en können, so e n sie den B eak-E en Poin
e eich haben.
58
De ennisspezi ische Mix an Mig a ions o men läss sich wie olg skizzie en: In
ih e Lebens üh ung bes eh die No wendigkei des Reisens zu den Tu nie en.
Dies läss sich au de einen Sei e als zi kulä e Mobili ä besch eiben; nämlich
dann, wenn die Home-Base jeweils als Ausgangs- und Endpunk anges eue
58
Fü die Top-S a s de Tennisszene könn en o diesem Hin e g und auch noch ande e s a egische Übe legung zu
e mu en sein: Da in de Spo a Tennis ela i hohe E äge zu e spielen sind, könn en auch S eue g ünde die Wahl
de Home-Base beein lussen. Imme hin sind Spi zen ennisspiele egelmäßig in de Fo bes-Lis e ‚The Wo ld’s Highes -
Paid A hle es‘ mi Jah eseinnahmen im zweis elligen US$-Millionenbe eich (Einnahmen aus Spo und Ve ma k ung)
zu inden. Eine Ad-hoc-Analyse de ak uellen Top-10 de Wel anglis e zeig , dass ein se bische und ein schechische
Spiele Mon e-Ca lo (Monaco) als Wohnsi z angeben. Ein anzösische Spiele is in die Schweiz mig ie . Beide Ziel-
lände sind neben ih en landscha lichen Vo zügen bekann ü nied ige S eue sä ze on Spi zen e diene n (die An-
gabe de Wohnsi ze basie au den o iziellen Angaben de ATP un e h p://www.a pwo ld ou .com/en/playe s; S and:
12.10.2015). Es äll da übe hinaus au , dass alle Spiele de Top-10 in den beiden Kon inen en leben, in denen die
Meh zahl de hoch angigen Tu nie e s a inden, nämlich in Eu opa und No dame ika. Ein japanische Spiele is aus
de Tu nie pe iphe ie in eines de Zen en, nach Flo ida, USA, mig ie . Die Ad-Hoc-Analyse ha eben alls e geben, dass
die Top-10-A hle en de Wel anglis e Wohnsi ze angib , on denen aus mi ge ingem zei lichen Au wand Flughä en
mi Anschluss an das in e na ionale Linienne z zu e eichen sind. Ein gu e Flugha enanschluss de Home-Base schein
in diese Hinsich unk ional ü die Spiele zu sein, da ü die ennisspielenden ‚global Playe ‘ das Flugzeug das wich-
igs e Ve keh smi el da s ellen dü e.
Spi zenspo und Mig a ion 147
wi d. Da abe zwischen ielen Tu nie en eine Heimkeh häu ig nich unk ional
ode nich ealisie ba is , inden auch di ek e, nomadenha e T ans e s on Tu -
nie zu Tu nie s a . Dies is dann au de ande en Sei e eine äuße s klein eilige
Fo m empo ä e Mig a ion, bei de e ein achend da on gesp ochen we den
kann, dass sich die Lebensmi elpunk e o ung in wochenweisen Zyklen ände
und deshalb äuße s lüch ig is .
Dabei können Spi zen ennisspiele wei es gehend eigen e an wo lich handeln;
ü sie bes eh die Möglichkei , ins i u ionell unabhängig on egionale ode na-
ionale Ve bandszugehö igkei zu agie en. Res ik ionen, die de Tu nie kalende
und die Beziehung zu ATP als zen ale O ganisa ion o geben, s uk u ie en da-
bei aum-zei liche Fixpunk e, die jeweils kö pe liche P äsenz e o de n. In Lebens-
lau pe spek i e gil es, diesen S a us mi els in ensi em T aining und dem E spie-
len on Ranglis enpunk en e s einmal zu e eichen. Hie is de Zen alisie ung
de T ainingsangebo e – sei es du ch e bandliche Maßnahmen un e de Füh-
ung des DTB ode du ch Maßnahmen p i a e Tennisakademien – T ibu zu zol-
len. Da diese Maßnahmen in as uk u gebunden sind, sind zu Op imie ung de
T ainingsmöglichkei en Lebensmi elpunk e lage ungen in Fo m pe manen e
Mig a ion zwingend in E wägung zu ziehen. Es gil schon im Jugendal e do hin
zu mig ie en, wo die E olgsaussich en am iel e sp echends en e scheinen. Syn-
ch on dazu sind Tu nie eisen als Mobili ä se o de nis zusä zlich in Rechnung zu
s ellen.
Die Ve o ung de Home-Base mi E eichen des B eak E en-Poin s is dahinge-
gen nich so s a k an die T ainingsin as uk u gekoppel . T ainingso e koinzi-
die en dann äumlich wei es gehend mi den We kamp o en. Die Home-Base
ungie als Anlau s elle ü Pausen in de Tu nie phase, weshalb eine gu e Anbin-
dung an das in e na ionale Fluglinienne z on Vo eil is , und in e s e Linie ü
die länge e Pause zum Jah esende. Me apho isch ließe sich die Home-Base ü

Spi zenspo und Mig a ion 148
Spi zen ennisspiele als Nes bezeichnen, das ange logen wi d, um Ruhe, E ho-
lung und das Zusammensein mi de Familie genießen zu können. Von do aus
liegen die A hle en imme wiede in die wei e Tenniswel hinaus.
59
3.2.2.4 Dem Schnee hin e he : Ski alpin als Beispiel eine Spo a mi Wel cup-
be ieb
Ski alpin is wie Tennis eine Indi idualspo a , d. h. einzelne Spo le konku ie en
mi allen ande en Teilnehme n des We bewe bs. Die Leis ungse b ingung de
Spo le häng hie nich on de Leis ungss ä ke on Teammi gliede n (wie im
Fußball) ode di ek en We kamp gegne n (wie im Fußball und im Tennis) ab. Sie
de e minie sich ausschließlich aus de eigenen Pe o mance, eine o gegebene
S ecke in kü zes e Zei zu ückzulegen. Einzeln s a indende Rennen we den da-
bei zu einem übe geo dne en We kamp gebündel mi dem Ziel, einen Gesam -
siege nach eine Se ie on Rennen zu e mi eln. Au höchs e Leis ungsebene ha
sich hie zu das Wel cupsys em e ablie , das wiede um den All ag de A hle en in
g aduelle und se ielle Hinsich maßgeblich s uk u ie .
3.2.2.4.1 O ganisa o ische Rahmenbedingungen des Wel cupbe iebs
Die We kämp e im Ski alpin sind als Ve ans al ungsse ie ou neea ig o ganisie ,
weshalb man auch on einem Wel cup-Zi kus sp ich . De Wel cup bes eh aus
Rennen in Eu opa, No dame ika und neue dings auch in Asien. De alpine Ski-
wel cup geh o iziell om 1. Juli bis 31. Mä z; die Rennen sind abe saisonal an
das Win e halbjah de nö dlichen Hemisphä e gebunden ( gl. Tabelle 4). Cha-
ak e is isch am Ski alpin is ein Nebeneinande on e schiedenen Bewe ben:
59
In dem be ei s zi ie en A ikel on Die Wel woche übe Roge Fede e heiß es: „Das eigene Heim sugge ie F eizei
und Müßiggang; ein emdes Be e inne ihn da an, dass e einen Job zu e ledigen ha “ (Ziauddin, 2007).
Spi zenspo und Mig a ion 149
Ab ah , Supe -G, Riesenslalom, Slalom, Ci y E en , Kombina ion.
60
Diese we den
on de Fédé a ion In e na ionale de Ski (FIS) ge egel und koo dinie . Die FIS is
auch ü die Ve gabe de Aus agungso e im Wel cup und de en e minliche
S uk u ie ung e an wo lich. O ganisa o de einzelnen Rennen sind en wede
na ionale Ski e bände ode ein ihnen angeschlossene Ve ein. Die FIS leg die
Regeln es , nach denen die Siege e mi el we den. Im Wel cup we den Siege
einzelne Rennen gekü ; die bes en 30 Fah e e hal en nach einem o gegebe-
nen Schema jeweils Wel cuppunk e. Gesam wel cupsiege is , we am Ende eine
Saison übe alle Bewe be hinweg am meis en Wel cuppunk e e ingen konn e.
Zusä zlich we den noch T ophäen und P ämien ü die Punk bes en de einzelnen
Bewe be e geben ( gl. FIS, 2015a).
Be ach e man nun exempla isch den We kamp kalende de Saison 2015/2016
in Tabelle 4 als maßgeblichen S uk u gebe ü die Spi zenspo le , so lassen sich
d ei Besonde hei en he aus il e n:
(1) Die We kämp e inden saisonal beg enz in eine Zei on Ende Ok obe bis
Ende Mä z s a .
(2) In diesen ün Mona en bzw. 21 Wochen inden 45 Bewe be s a . Im Du ch-
schni bes ünde somi alle 3,3 Tage die Möglichkei de We kamp eilnahme.
Mi wenigen Ausnahmen e dich en sich die einzelnen Bewe be au die Wochen-
enden.
(3) Die Teilnahme an allen We kämp en e o de das Au suchen on 23 Wel -
cupo en in d ei Kon inen en und 14 e schiedenen Lände n.
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De Beg i Bewe b en sp ich de Te minologie de ede üh enden Fédé a ion In e na ionale de Ski (FIS), ü die eine
Disziplin einen Zweig ausmach , de wiede um meh e e Bewe be en hal en kann. Die FIS de inie dies in ih e We -
kamp o dnung wie olg : „Eine Disziplin is ein Zweig eines Spo s und kann einen ode meh e e Bewe be en hal en.
Zum Beispiel is Langlau eine FIS Disziplin, wäh end de Langlau Sp in ein Bewe b is “ (FIS, 2015a, S. 2). Im allgemei-
nen Sp achgeb auch wi d abe auch z. B. ein Slalom ennen als Disziplin bezeichne .
Spi zenspo und Mig a ion 150
Tabelle 4: Wel cupbewe be 2015/2016 im Ski alpin de He en (zusammenges ell au Basis de
o iziellen FIS-Angaben au h p://www. is-ski.com/alpine-skiing/e en s-and-places/calenda ;
S and: 09.10.2015).
Te min
Land
O
Bewe b
25.10.2015
Ös e eich
Sölden
Riesenslalom
15.11.2015
Finnland
Le i
Slalom
28.11.2015
Kanada
Lake Louise
Ab ah
29.11.2015
Supe -G
04.12.2015
USA
Bea e C eek
Ab ah
05.12.2015
Supe -G
06.12.2015
Riesenslalom
12.12.2015
F ank eich
Val d’Ise e
Riesenslalom
13.12.2015
Slalom
18.12.2015
I alien
G öden
Supe -G
19.12.2015
Ab ah
20.12.2015
I alien
Al a Badia
Riesenslalom
21.12.2015
Pa allel-Riesenslalom
22.12.2015
Madonna di Campiglio
Slalom
29.12.2015
I alien
San a Ca e ina Val u a
Ab ah
06.01.2016
K oa ien
Zag eb-Sljeme
Slalom
09.01.2016
Schweiz
Adelboden
Riesenslalom
10.01.2016
Slalom
15.01.2016
Schweiz
Wengen
Ab ah
16.01.2016
Ab ah
17.01.2016
Slalom
22.01.2016
Ös e eich
Ki zbühel
Supe -G/Kombina ion
23.01.2016
Ab ah
24.01.2016
Slalom
26.01.2016
Ös e eich
Schladming
Slalom
30.01.2016
Deu schland
Ga misch-Pa enki chen
Ab ah
31.01.2016
Riesenslalom
06.02.2016
Südko ea
Jeongseon
Ab ah
07.02.2016
Supe -G
13.02.2016
Japan
Yuzuwa Naeba
Riesenslalom
14.02.2016
Slalom
19.02.2016
F ank eich
Chamonix
Ab ah /Kombina ion
20.12.2016
Ab ah
23.02.2016
Schweden
S ockholm
Ci y E en
27.02.2016
Ös e eich
Hin e s ode
Supe -G
28.02.2016
Riesenslalom
05.03.2016
Slowenien
K anjska-Go a
Riesenslalom
06.03.2016
Slalom
12.03.2016
No wegen
K i jell
Ab ah
13.03.2016
Supe -G
16.03.2016
Schweiz
Sank Mo i z
Ab ah
17.03.2016
Supe -G
18.03.2016
Team/Mixed
19.03.2016
Riesenslalom
20.03.2016
Slalom
Fü die Mobili ä sa angemen s ha dies wei eichende Folgen. E sich lich is , dass
de We kamp kalende im Somme halbjah , genaue on Ap il bis Sep embe –
ande s als in den Ganzjah esspo a en Fußball und Tennis – eine lange Pause
Spi zenspo und Mig a ion 151
en häl . De We kamp kalende e möglich dami ela i g oße Zei äume ü
Leh gänge und T ainingslage , die ü eine in ensi e Saison o be ei ung genu z
we den. Cha ak e is isch ü diesen Zei aum is , dass e nich du ch We kamp -
e mine un e b ochen wi d. Da Ski alpin an die S ando spezi izi ä hohe und
s eile Be ge sowie nied ige Tempe a u en gebunden is (Fla au & Em ich, 2011,
S. 105), is dabei jedoch die geog a isch-klima ische Bedingung zu beach en, dem
Schnee zu olgen.
Den e minlichen und geog a isch-klima ischen Rahmenbedingungen sich an-
passend, wechseln die T ainingso e (T aining-Bases) im Ski alpin häu ige , wie
eine exempla ische Saison o be ei ung de deu schen Ski ennläu e zeig : Nach
Abschluss de Saison bes eh im Ap il zunächs die Möglichkei des U laubs und
des T ainings am Heima o . Ab An ang Mai e en sich die A hle en an S ü z-
punk en, um do Leis ungs es s zu absol ie en und die kondi ionellen G undla-
gen mi els Ausdaue aining und K a ausdaue aining zu e besse n. In diese
Phase s ehen beispielsweise Ausdaue camps au dem Renn ad sowie K a -, S a-
bilisa ions- und Schnelligkei s aining au dem P og amm. Diese sind zwa p in-
zipiell o sunabhängig, inden in de Regel abe zen al o ganisie an S ü zpunk-
en s a . Technik aining im Schnee wi d bis Juni ehe sel en absol ie . Die Phase
des in ensi en Schnee ainings e s eck sich ielmeh au den Zei aum on Juli
bis Saisonbeginn. In den Somme mona en we den hie zu meh wöchige T ai-
ningslage in den Gle sche gebie en de Alpen und au de Südhalbkugel in den
Skigebie en Neuseelands, Chiles ode A gen iniens abgehal en.
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Inne halb de
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Die hie g ob skizzie e Saison o be ei ung basie au meh e en Quellen: Hobe g (2010), Heising (2006) sowie einem
Radioin e iew mi de Rennläu e in Vik o ia Rebensbu g (Deu schland unk, 2015). Indi iduelle Abweichungen sind bei
einzelnen A hle en und T ainingsg uppen möglich. Beispielsweise sind Speed ah e (Fokussie ung au Ab ah und Su-
pe -G) au länge e und s eile e Pis enabschni e angewiesen, die in den Gle sche gebie en de Alpen mi Somme be-
ieb nich o zu inden sind – gleichwohl abe z. B. in Chile und A gen inien. Technik ah e (Fokussie ung au Slalom
und Riesenslalom) könn en hingegen auch die Bedingungen genügen, die ihnen die im Somme be iebenen Gle -
sche skigebie e in Eu opa bie en.