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Kai kurių žuvų pavadinimai

Kazimieras Gaivenis

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ĮVAI RENYBĖS Kazimieras GAIVENIS DIE NAMEN EINIGER FISCHE Vielleicht fangen auch wir den Goldfisch nach all den Katastrophen und Kriegen. A. Baltakis In den Meeren, Flüssen und Seen der Welt leben etwa 21.000 Fischarten. Einige von ihnen beachtet der Mensch überhaupt nicht, weil sie winzig (1–2 cm) und unscheinbar sind. Andere fürchtet er wie das Feuer, denn er weiß, dass ihre scharfen Zähne Badegäste oder Menschen, die einfach ins Wasser geraten, tödlich verletzen können. Die Farbe und Gestalt weiterer Arten zieht die Blicke auf sich, weshalb der Mensch sie in Aquarien hält und sich an ihnen erfreut. Wieder andere fängt er, wie es ihm gerade in den Sinn kommt, salzt sie ein, friert sie ein und legt sie in die Pfanne. So waren die Beziehungen der Menschen zu den Fischen seit alters her unterschiedlich. .. In den Süßgewässern Litauens leben etwa 60 Fischarten, in der Ostsee vor der litauischen Küste weitere rund 30 Arten. Die meisten unserer Fische sind einheimisch, einige wurden eingeführt und akklimatisiert. Die ältesten litauischen Fischnamen sind alte indoeuropäische Wörter, z. B.: erškėtas, ešerys, karšis, lašiša, lydeka, lynas, menkė, plekšnė, ungurys, vėgėlė und andere. Ein charakteristisches Merkmal unserer Fischnamen ist ihre Synonymie. Beliebte Fische wurden mit mindestens mehreren Namen bezeichnet, z. B.: gružlys (Gobio gobio) – kilbūkas, zablys, gūirė, gramzdė, kriaunys; kūoja (Rutilus rutilus) – mėkšras, brunšė; plākis (Blicca bjoerkna) – béržalpe, plėgždė, ykutis; raudė (Scardinius erythropthalmus) – raudonsp... Sie ähneln einander, weshalb viele auch ihre Namen verwechseln. So ähneln beispielsweise sėliavos (Coregonus albula) den Maränen (Coregonus lavaretus) sehr. Außerdem ist die letztgenannte Fischart sehr variabel. Ichthyologen sagen, dass in den Gewässern Litauens mindestens vier Formen der Maräne leben, z. B.: Baltijos sykas, ežerinis sykas und andere. Die größte Maräne wurde 1985 in Tau- 86 …ragnė. Er wog 4,2 kg, war 76 cm lang und 1,4 m alt1. J. Lyvinskis bezeichnete den Hasel mit dem Wort šalvė, während es im „Dabartinės lietuvių kalbos žodynas“ (1993) heißt, dass mit dem Wort šalvis ungenau mindestens vier Fische bezeichnet werden: Forelle, Kleine Maräne, Äsche und Rapfen. Prof. T. Ivanauskas wiederum bezeichnete die Stinte mit den Wörtern salava, šalava. Die Fischnamen sind also ziemlich verwirrend. Entwirren können sie nur Fachleute. Eine weitere Besonderheit der Fischnamen besteht darin, dass wir Litauer aus Fischnamen entsprechende Verben gebildet haben, die das Fangen dieser Fische bezeichnen, zum Beispiel: aukšliúoti, lydekauti, stintinėti, šapalaúti (šapalinėti) usw. Bei manchen anderen Sprachen, die uns besser bekannt sind, ist eine solche Wortbildung nicht üblich. Obwohl die Konversion im Englischen beispielsweise sehr häufig ist (vgl. the fish “zuvis” ir to fish “žvejoti”), würden Engländer nicht to burbot “vėgėliauti” sagen, sondern catch burbots. Selbst unsere lettischen Nachbarn können nicht „auf Quappe fischen“ sagen, sondern sagen ķert vēdze-les. Auch vergleichsweise wenige litauische Nachnamen, die von Fischnamen abgeleitet sind, gibt es, zum Beispiel: Lydys, Lydekà, Lydekáitis, Lidekáuskis, Lidekávičius; Vėgėlė (und Vėgelávičius); Karosas, Šapalas; Šalvìs (und Šalvys); Kūjoja. Interessant ist, dass es keinen litauischen Nachnamen Ešerys gibt (zumindest finden wir ihn nicht im „Lietuvių pavardžių žodynas“), obwohl diese Fische in Litauen zu den beliebtesten gehören. Die Stinte (Osmerus eperlanus L.) waren, wie Prof. V. Urbutis es ausdrückte, einst an den Ufern des Kurischen Haffs die wichtigsten Ernährer Tausender Menschen, besonders der ärmeren2. Im Frühjahr gingen alle zum Stintenfang. Der Dichter E. Matuzevičius schreibt über den Stintenzug: So ist der Brauch – daran lässt sich nichts ändern, Und gleich, ob Wind weht oder Regen fällt: Im Frühjahr gehst du zum ersten Fischfang, Dann bleibst du das ganze Jahr gesund3. 1 V i r b i c k a s J. Lietuvos žuvys. V., 1986, P. 34. 2 U r b u t i s V. Baltų etimologijos etuidai. V., 1991. P. 175. 3 M a t u z e v i č i u s E. Rinktiniai raštai. V., 1987. T. 1. P. 136. 87 Das Wort stinta ist ein Germanismus, während das von den Ostlitauern verwendete Wort stinka ein Polonismus ist. Die Seestinte, die Zoologen ežerinėmis stintelėmis (Osmerus eperlanus m. relicta) nennen, duften überaus köstlich. Die Menschen in La-banoras sagen, ihr Geruch erinnere an frisch eingelegte Gurken. Die nordischen Meere didstintės duften nicht. Eine Zeit lang wurden sie nach dem Krieg mit dem russischen (in Wirklichkeit finnischen) Wort moiva bezeichnet. Heute wurde zu ihrer Benennung der Begriff stintenė geprägt. Im großen „Wörterbuch der litauischen Sprache“ findet sich beim Wort seliava aus dem Wörterbuch von A. Juška folgender Satz: „Die Seliava hat ein weißes Auge, die Smaila ein rotes.“ Von welcher rotäugigen Verwandten der Seliava sprach A. Juška also? Aus demselben Wörterbuch geht hervor, dass mit dem Wort smaila zwei Fische bezeichnet wurden: die Ukelei und die Gründling. Leider sind die Augen von keinem der beiden rot. Vielleicht wurde mit dem Wort smaila also noch ein dritter Fisch bezeichnet – die raudė oder žiežulė (Scardinius erythrophtalmus L.). Ihre Augen haben tatsächlich im oberen Teil einen roten Fleck. Genau genommen sind auch die Augen der Rotaugen oder Plötzen (Rutilus rutilus L.) rot. Übrigens wurde das Wort žiežulė („zornig sein“) wahrscheinlich ebenfalls wegen ihrer roten Augen für diesen Fisch verwendet. Es kommt vor, dass die Jungfische anders bezeichnet werden als die erwachsenen Fische. Zum Beispiel ist das Wort nėgė ein Germanismus. Mit den Worten von Prof. V. Urbutis: „Die Litauer werden diese Bezeichnung wohl eher – vermutlich über die Nehrungskuren aus dem Lettischen – übernommen haben.“ In der systematischen Terminologie ist das Wort nėgė vergleichsweise neu. J. Elisonas verwendete dieses Wort noch nicht, sondern bezeichnete den betreffenden Fisch als septyntaškė (an ihrem Kopf befinden sich sieben Paar kiemenartiger Öffnungen, die Punkten ähneln). Als wohl Erster führte Prof. T. Ivanauskas das Wort nėgė in die Terminologie der Fischsystematik ein. Die Flussneunauge (Lampetra fluviatilis L.) wurde von A. Juška und F. Kuršaitis devynakė genannt. Offenbar ist die Wahl der Zahl „neun“ in diesem Fall nur im übertragenen Sinne motiviert, nämlich: neun bedeutet „viele“ (vgl. den Vogelnamen devynbalsė – Sylvia). Die Neunaugenlarven werden mit den Wörtern graužavirba (graužavirbla), smegžernė und anderen bezeichnet. Die Motivation dieser zusammengesetzten Wörter zeigt, dass die Fischchen gern im Flussgrund wühlen. Das Wort ‘ Urb u l i s V. Ebenda. S. 153. 88 vingilis bezeichnet tatsächlich nicht die graužavirba, sondern ein Individuum, das seine Metamorphose noch nicht durchlaufen hat5. Die Vingiliai der kleinen Neunaugen (Lampetra planeri) können sogar laichen. Alle Neunaugen sind nicht-symbiotische, blutsaugende Fische. So anschaulich schrieb der Zoologe J. Elisonas über sie: „Die septyntaškė ernährt sich meist von Aas oder, wenn es ihr gelingt, sich festzusaugen, auch vom Körper lebender Fische. Auch verschiedene Wassertierchen, zum Beispiel Würmer und dergleichen, verschmäht sie nicht. Hat sich die septyntaškė an einem Wassertier festgesaugt, durchbohrt sie zunächst mit ihren hornigen Zähnen dessen Haut und beginnt dann, wie ein echter Parasit, mit ihrer Zunge die Körpersäfte und das Fleisch ihres Wirts auszusaugen. Den Fischern bereiten die septyntaškės mitunter große Sorgen, denn wenn sie ihre ausgelegten Netze befallen, können sie diese in einer einzigen Nacht beschädigen, anders gesagt, die darin gefangenen Fische auffressen.“6 Die alten litauischen Fischbezeichnungen sind zumeist keine zusammengesetzten Wörter. Neue Bezeichnungen werden (wohl analogisch) inzwischen sehr häufig mit dem zweiten Bestandteil žuvis (-žuvė) gebildet, zum Beispiel: bizonžuvė (Ictiobus ap- prinellus), katžuvė (Ictalurus punctatus), saulažuvė (Leneaspius delineatus), taukvė (Pholis gunellus L.), vėjažuvė (Belone belone L.), vilkžuvė (Anarchichas lupus L.) und andere. Aus der „Haushaltsenzyklopädie“ (V., 1987) ließen sich noch juodažuvė (ein großer Fisch, der bis zu 10 kg wiegen kann und in den nördlichen Meeren des Fernen Ostens gefangen wird), šernažuvė (ein kleiner, aber schmackhafter Fisch, der vor den Hawaii-Inseln gefischt wird) und papūgažuvė (ein sehr schmackhafter Fisch, der vor der Küste Kubas gefangen wird) hinzufügen. All diese Bezeichnungen sind möglich, doch sollte man diese Wortbildung nicht allzu weit ausdehnen. Aus systematischer Sicht sind all diese Bezeichnungen mangelhaft, da sie den Anforderungen internationaler Nomenklaturkodizes widersprechen. Außerdem sollte man bei der Schaffung von Neologismen primitive Lehnübersetzungen vermeiden, zum Beispiel lydėlinė baltažuvė (Champsocelus esox), vgl. russisch щучья белокопка. Man sollte sie anders nennen (zum Beispiel paprastąją ledžuvę). Auch die Bezeichnung didžiažuvė (Percottus glenhi), vgl. russisch головешка, ist nicht besonders gelungen. Als Bezeichnung könnte man den Namen eines Schimmelpilzes aus der Klasse der Aspergillus-Pilze (Aspergillus) übernehmen, also galvenė. Der Artname könnte also … 5 Urbutis V. Ebenda. S. 153. 6 Elisonas J. Zoologijos vadovėlis aukštesniosios mokykloms. K., 1925. P. 386. 89 vielleicht paprastoji galvė. Die Schreibweise mancher Fischbezeichnungen variiert sehr häufig. Selbst in sehr schön herausgegebenen Büchern findet man mitunter Fehler, zum Beispiel: skernukis (= skerssnukis), strimėlė (= strimelė) und andere. In der „Haushaltsenzyklopädie“ (1987) finden sich weitere misslungene Bezeichnungen, zum Beispiel: čavica (= pazifischer Lachs), saida (= Seelachs), vobla (= Kaspische Plötze) und andere. Der wohl schrecklichste aller exotischen Fische ist die piranija (Rooseveltiela nattereri). Zoologen nennen sie häufig auch amerikiniu lašiškarpiu. Neben dem Wort piranija kommt gelegentlich auch die nicht standardsprachliche Form piraja vor. Diese Fische leben im Amazonasbecken. Ihre Raubgier soll unbeschreiblich sein. Ein Fischer schrieb: „Einmal, als wir mit dem Boot den Fluss überquerten, erschossen wir ein Wildschwein, das neben uns ebenfalls den Fluss durchschwamm. Der Indianer am Steuerruder band das Wildschwein an das Boot, und wir zogen es ans Ufer, in der Absicht, uns ein Festmahl zu bereiten. Doch unser Traum sollte sich nicht erfüllen: Ein großer Schwarm Pirajas (= Piranjas – K.G.), die Blut gerochen hatten, umzingelte sofort das Wildschwein und stürzte sich auf es. Im Nu brodelte das Wasser von den heftigen Bewegungen dieser Teufelchen, die Stücke des Wildschweins herausrissen. Als wir pasiekėme das andere Ufer erreichten, war vom Wildschwein kaum noch etwas übrig“⁸. Das Wort piranija kam über das Portugiesische aus der Sprache der Tupi (indianische Völker Brasiliens). Prof. T. Ivanauskas schrieb bei der Beschreibung einer Expedition nach Brasilien, sie hätten Piranjas im See Piri-Piri gefangen; in der Sprache des dortigen Indianerstammes bedeutet der Name „Fisch, Fisch“⁹. Es ist also möglich, dass die Wurzel des Wortes piranija ebenfalls „Fisch“ bedeutet. Interessant und schön sind auch die Aquarienfischchen: die in allen Regenbogenfarben schillernden gupiai, die phlegmatischen guramiai, die grünen und flinken pecilijos, die großäugigen Vettern der Silberkarauschen, die teleskopai, die rosafarbenen kardučiai, die mit ihren Barteln den Boden abtastenden šamukai, die farbenfrohen Kämpfer, die gaidėliai, die schwarzen, anmutigen molinēzijos, die flachen skaliarai und andere. Die Bezeichnungen fast all dieser Fischchen sind nicht litauisch. Manche sind auch fehlerhaft. Zum Beispiel nennen Aquarianer den karduočius (Hipophorus) oft … 7 Virbickas J. Ebenda. S. 19, 57. 8 Durch Kontinente und Länder. K., 1979. S. 17–18. 9 Ivanauskas T. Trys mėnesiai Brazilijoje. V., 1960. P. 112. 90 … nennt man sie häufiger Schwertträger, da die Männchen dieser Fische einen schwertähnlichen Fortsatz an der Schwanzflosse besitzen. Letzteres Wort ist häufig eine Lehnübersetzung aus dem Lateinischen. Ähnliche Lehnübersetzungen wie Schwertträger versuchte J. Pabrėža einst für die Terminologie der Pflanzensystematik zu bilden, doch später wurden sie alle durch andere Begriffe ersetzt. Für einige kleine Fische aus den Gewässern warmer Länder, die ebenfalls in Aquarien gehalten werden, haben wir gemeinsam mit Fachleuten auch einige litauische Namen geprägt, z. B.: grauer Hechtling (Ctenolucius hujeta insculpatus), grüne Rüsselbarbe (Labeo frenatus), gewöhnlicher Punkt-Salmler (Chilodus punctatus) und andere. Das ist jedoch erst der Anfang. Viele Aquarienfische haben noch keine geeigneten litauischen Namen. Außerdem müssen auch ihre Fischbezeichnungen noch geordnet werden. 91