„Kasyba“, „iškasenos“, „gręžyba“, „išgavos“
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Jonas KLIMAVIČIUS
BERGBAU, BODENSCHÄTZE, BOHRUNGEN, GEWINNUNG
Weit verbreitet sind Ausdrücke wie Bergbauministerium, Bergbauindustrie usw.; das heißt, überall sagt man, man baue Berge ab, obwohl gemeint ist, dass man unter Tage gräbt. Vielleicht ist das eine Übersetzung aus dem Russischen горнорудный, aber sie ist völlig misslungen, denn russisch горно heißt auf Litauisch „žaisdras“. Sollte man also Bergbauindustrie besser „žaisdras-Erzindustrie“ nennen? Zwar taugt auch die erste Variante nicht viel, doch diese ist ebenfalls nicht besser.
Aus einem Brief
Interessant, wenn auch für Fachleute nichts Neues – der Geologe Eduardas Vodzinskas schrieb bereits vor 16 Jahren in „Mūsų kalba“ darüber und schlug mit guten Gründen einen neuen, wenn auch ähnlichen Begriff vor – Bergbau: Bergbauindustrie, Bergbauinstitut, Bergbauingenieur (MK 1979 5 62–63). Es ist also keine Neuigkeit, aber auch noch kein alter Hut; vielen ist es noch unbekannt oder unverständlich. Daher lohnt es sich, das Thema ausführlicher und systematischer zu untersuchen – die Geschichte der Wortbildung zu überblicken und die Möglichkeiten und Grenzen der Benennung von Begriffen zu erörtern.
Tatsächlich ist kalnakasyba ein zweistämmiges Wort und nicht die vom Fragesteller erwähnte Wortverbindung kalnų kasyba, obwohl es früher daneben auch diese gab: горная наука – die Wissenschaft des Bergbaus, BŽ 101. Kalnakasyba ist nach den Angaben des LKŽ V erst ab 1932 belegt (горный промысел – Bergbau, BŽ 448) und wäre zweifellos eine Art Lehnübersetzung aus dem Russischen („Eine Lehnübersetzung ist ein Wort, eine Wortverbindung oder Redewendung, die aus einer anderen Sprache entlehnte Bedeutung, Motivation und oft auch Struktur aufweist“, KTŽ). Sie ist jedoch nicht auf das Wort горно (normierte Variante горн – von корень „brennen“) zurückzuführen, sondern auf das Adjektiv горный (vom Substantiv гора „Berg“) und das Erstglied von Zusammensetzungen горно-. In entsprechenden Wortverbindungen hat горный die Bedeutungen „Bestandteil der Erdkruste“, „aus dem Erdinneren gewonnen“ und „mit der Gewinnung und Verarbeitung von Bodenschätzen verbunden“ (siehe CCPJA III). Die russischen Wortverbindungen und Zusammensetzungen:
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горное дело, горная наука, горнопромышленность, горнозаводский wiederum sind aus dem Deutschen Bergbau, Bergwesen und Ähnlichem übersetzt: Berg bedeutet „Berg“, während das Element -wesen dem russischen дело entspricht: „Sache“, aber auch „Arbeit; Tätigkeit; Handwerk; Gewerbe“, sogar „Unternehmen; Gewerbe“ (im Litauischen wird dieses russische дело oft durch eine Suffixbildung wiedergegeben: касирка дело – Schlosserhandwerk, мокарное дело – Drechseln, военное дело – Kriegswesen; ausführlicher siehe LKK XXIV 204); Bau bedeutet „Bau; Bauwerk“, „Höhle, Gang“ und stammt von bauen 1. „bauen; anlegen; herstellen“; Nester bauen – ein Nest bauen, die Bienen bauen Waben – die Bienen bauen Waben; 2. „anbauen, säen“; 3. „Felder bestellen, bearbeiten“ (daher Bauer „Bauer, Landwirt“, übertragen „Schachbauer“, bei Spielkarten „Bube“).
Kalnakasyba wäre im ersten Bestandteil formal genau, semantisch aber eine sklavische Lehnübersetzung. Der zweite Bestandteil ist keineswegs sklavisch – er ist völlig frei und sogar systematisch und passt zu kasykla (1884), kasynys (1887; vgl. niederlitauisch kasinys „befestigter Weg, Landstraße, Damm“: In Impiltis gibt es überall schlechte Wege, solange der Damm noch nicht aufgeschüttet ist. Und wenn man mit einem kleinen Karren fuhr, wirbelte der Sand auf Vž), iškasena.
Ausgrabungsstück bedeutete zu Beginn der Herausbildung der Gemeinsprache „ein beim Graben in der Erde gefundener Gegenstand“ (Bs, V. Kudir, Š, Vr; ebenso Ausgrabungsstücke J. Jabl, Vr). Selbst DŽ definiert Ausgrabungsstück als „das, was aus der Erde ausgegraben wird“: archäologische Ausgrabungsstücke. Doch in DŽ₂ – 1972 – ist der erste Teil der Bedeutung von Ausgrabungsstücken, „aus der Erde ausgegrabene Überreste der Kultur früherer Menschen, nützliche Mineralien usw.“ (nur er wird veranschaulicht: archäologische Ausgrabungsstücke), bereits ein Anachronismus. Er wurde erst 21 Jahre später beseitigt – in DŽ₃ sind die bei Ausgrabungen (und nicht beim bloßen Graben!) gefundenen Überreste der Vergangenheit bereits archäologische Funde, während Ausgrabungsstücke nur noch „ausgegrabene mineralische Rohstoffe“ bedeutet: Bodenschätze. Übrigens bedeutet bereits K. Sirvydas’ Ausgrabungszeug „Eisenerz“: Ruda/Materia seu terra metallica fossilis. Iškasinos/materia iškasama gietažies/ etc. SD 392, obwohl SD 119 auch eine unbestimmte Bedeutung enthält: Kopáne rzeczy w ziemi. Fossilia, orum. Iškasinos/iškasti dayktay iż žiemes. Laut LKŽ IV bedeutet Sut Ausgrabungsstoffe ebenfalls „das, was aus der Erde ausgegraben wird (Metalle, Erz“.
Wortbildungsmäßig ist Bergbau keine Ableitung (ein zusammengesetztes Wort), obwohl zwei-
* Hier und andernorts wurden die für den Druck schwer lesbaren Schriftzeichen der alten Quellen durch heutige ersetzt.
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Stammwort (nach dem Aufbau, nicht nach der Tätigkeit!). Bergbau ist eine Ableitung mit dem Suffix -yba vom zusammengesetzten Wort Bergmann (etwas Ähnliches ist das seltene Bergbautätigkeit NdŽ). Auch Bergmann unterscheidet sich beträchtlich von seinen Vorlagen – russ. горняк, dt. Bergmann (während Bergvolk – горцы) unterscheidet sich in der Bedeutung – Bergbewohner, Bergler). Hinzuzufügen ist, dass es den Angaben des LKŽ V zufolge neben dem zeitgleichen Wort Bergbau Bergmann BŽ 493 (рудокоп – рудокас, Bergmann, Bergwerker) auch die ältere Form kálnakasis J. gibt.
Und auch hier muss man sich, so banal und geradezu zeitgemäß es auch klingen mag, über das alte Fenster des litauischen Volkes zur westlichen Kultur nach Europa wenden – nach Kleinlitauen. Zwar gehen die Wörter den Sachen hier vielleicht etwas voraus, doch sind sie viel älter, zahlreich und belegt. So finden sich im größten Regionalwörterbuch dieser Gegend, F. Kurschats „Deutsch-Litauisches Wörterbuch“ (Bd. I, 1870), folgende Einträge: Bergwesen – kalnųkasystės dalykai. kalnkasystė K I 210, Bergbau – etwa: kalnų kasimas. kalnakasė; uralt und ungebräuchlich: rūdu kasimas K I 209, Bergarbeit – etwa: kalnakasystės darbas K I 209, Bergakademie – etwa: kalnakasystės šiūlė K I 209; Bergmann – kalnakasys K I 210, Bergarbeiter – etwa: kalnakasys K I 209, Bergknappe – jauns kalnakasys K I 210. Hinzuzufügen sind hier auch kalnóvė und kálnkasis: Bergwerk – alt und ungebräuchlich: kalnowė. rūdų kasimas. besser: kálno kasimas, oder auch etwa: kálnkastis. jės K I 210 (der erste findet sich bereits bei P. Ruhig: Bergwerk – Kalnówė, ês, Kálnų Rūdų Kassimmas R 62; ebenso in MŽ 83; nur Kálnówė N); kálnkasis – ein Bergwerk K. Aus Schriften ist auch kalnakasýklė LC 1886 41 „Betrieb der Bergbauindustrie“ bekannt.
Die spätere Lexikografie setzte die Tradition F. Kurschats fort – Antanas Lalis’ „Litauisches und englisches Wörterbuch“ (3. Aufl., Chicago, 1915): kalnakasys – miner L, kalnakasystė – mining; art or science of mining L (und kalnavertis, -čio – wörtlich: Zerstörer von Bergen; miner L), kalnovė – hill; hillock; // mine L, mining – kalnakasystė, kasytnės; <…> L 432. Obwohl sich im Sprachgebrauch die Anglizismen maina und mainierius durchgesetzt haben.
Somit haben wir die russische Lehnübersetzung kalnakasyba und die deutsche kalnakasystė; J. Baronas’ kalnakasys könnte auch F. Kurschat entnommen sein.
Wahrscheinlich ging es mit den Bergen los, nur grub man nicht die Berge ab, sondern in den Bergen und aus den Bergen – die Motivation der Wortbildung sollte man nicht so wörtlich nehmen wie in dem zitierten Brief. P. Ruhigs kalnų rūdų kasimas bringt jedoch bereits eine ganz klare Motivation zum Ausdruck; das viel ältere, kalnakasis sehr ähnliche rūdakasy(su visa grupe) ist jedoch viel älter:
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Kruszco[w?]y kopacz/Scitator auri, Kūdakas(is)/ [Korrekturfehler: K=R–J.K.] ruda kasejas SD 133. Rudakassis – ein Erzgräber N, rūdakys I, J: hier wohnen rūdakasia(i), wo sie in den Tiefen der Erde arbeiten J. Jabl; selten: rūdų kasinkas: Bergmann, oder Knappe – Rudū Kassinkas, ūk(a) = (Sidabra =)Kassis, sio R 62; rūdininkas: Hammerschmid – Rudininkas, ko R 189, MŽ 252, Rudininkas, o – ein Metallarbeiter, Eisenschmidt N, rūdininkas, –o – ein Metall- oder Erzarbeiter [K] (2. Plv, Žp „Einwohner der Umgebung von Kazlų Rūda, Višakio Rūda“ LKŽ XI), rūdininkas = rūdakasy(s) NdŽ; selten rūdakas(yba – Bergbau NdŽ. Die neuere Bezeichnung rūdvietė Enc VI 568, NdŽ „Ort, an dem Erz vorkommt, Erzstätte“ LKŽ XI hat zahlreiche alte Synonyme – rūdynas 4. M, BŽ 493, NdŽ „Erzlagerstätte, Bergwerk“¹⁵ (am weitesten verbreitet 1. Q 515, Lex 85, Krz 158, N, Jbl 209, D. Pošk, J, dz., zem. „Sumpf mit erzartigem Wasser, Torfmoor“, selten 3. Dg „erzführender Boden“) LKŽ XI; rūdà KzR „Eisenschmelzofen, Betrieb“ (rudnia, vgl. rudnė) LKŽ XI; sogar rūda 2. „Eisenherstellungsbetrieb; Eisengießerei“ LKŽ XI: 1. ein Hammer, Eisenhütte (2. das Erz) R, MŽ, Metall, Erz; eine Metallhütte, ein Eisenhammer, in letzterer Bedeutung besser Rudinvezia N, der Eisenhammer [K]; selten rūdvsis O 79 „Erzbergwerk“ LKŽ XI. Es gibt auch ganz ähnliche Ortsnamen (mit rūdka-sys als Bestandteil): rūdakasis „Erzbergwerk“ LKŽ XI: Erzbergwerk – rūdkasis K I 410, Erzgrube – rūdų duobė. rūdkasis, io K I 410 (es gibt noch weitere: Erzütte – rūdų tirpnyčia K I 410); rūdakasa K n „Ort, an dem Erz abgebaut wird“ LKŽ XI. Früh belegt ist auch der Wortschatz des „Eisenbergbaus“: geležavietė „Berge, Orte, an denen Eisenerz vorkommt“ LKŽ III: želane gory huty. Ferrariae, Gielazawiute SD 541; gelžkasis „Eisengrube“ LKŽ III: Eisenbergwerk – etwa: gelžkasis, io K I 364, Eisengrube – gelžkasis, io K I 364; gelžkalvystė „Eisenhütte“ LKŽ III: Eisenhammer – etwa: gelžkalvė (und Eisenhütte s. Eisenhammer) K I 365. Diese Bezeichnungen sind heute unnötig (auch akmuo geležiatraukis „Magnet“ SD 161 hat sich nicht durchgesetzt). Am jüngsten und spärlichsten ist der Wortschatz des Kohlebergbaus – nur angliakasy(s) Š, Vd, angliavietė tsp und selten, mundartlich anglės Įky „Kohlengruben“ (zu dieser Gruppe gehören nicht die Begriffe für Holzkohle angliadegys, angliaduobė und die chemischen Fachwörter angliarūgštė, angliavandenis,...). Somit ist nur kalnakasys, kalnakasyba durch „Berge“ motiviert (tatsächlich,
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wie es für Lehnübersetzungen üblich ist, unmotiviert). Weder die bereits erwähnten kašykla, kasinys, iškasenos; rūdkasys, angliakasys (und aukakasys) noch viele andere enthalten „Berg“; vgl.: горнопроходческая бригада – prakasėjų brigada, горнорудное дело – rūdų gavyba, горные богатства – žemės gelmių [mineraliniai] turtai, горное масло – geol. žemės aliejus RKLŽ I.
Žemės aliejus, übernommen aus GTŽ, ist weder in LKŽ I₁ noch in LKŽ I₂ noch in DŽ aufgenommen worden. Ob es aus dem Russischen горное масло oder direkt aus dem Deutschen Erdöl stammt – es bedeutet „Erdöl“. Nafta ist auch das deutsche Bergöl – F. Kurschats kalninis (od. ūlinis) aliejus K I 210; es gab auch Steinöl – F. Kurschats akmenės aliejus, pėvoblia K II 206, das LKŽ I₂ zufolge „Kerosin“ bedeutet (heute dt. Kerosin), obwohl auch LL 95 poln. nafta – akmeninis aliejus, nafta verzeichnet. Die Motivation liegt in der Herkunft aus den Tiefen der Erde, aus den dort befindlichen Steinen und Felsen, vgl.: Giliuminiai krikščionybės klodai tūno kaip n a f t a k o r ė t a m e a k m e n y j e und verlangen danach, abgepumpt zu werden, LA 1994 68 11. Somit sind žemės ir akmens aliejus / akmeninis, uolinis aliejus motiviert (obwohl auch dies Lehnübersetzungen sind), kalninis aliejus dagegen kaum.
Auch die Motivation von „Steinkohle“ (bereits bekannt aus dem offenbar verwendeten, aber leider unveröffentlicht gebliebenen Wörterbuch von J. Brovodskis: akmens anglis) ist nicht eindeutig – sie ist vielleicht ebenso „steinern“ (oder „wie aus Stein“), vgl. kūlių (d. h. „Steine“) anglis J (vgl. auch dt. Steinkohlenbergbau „Steinkohlenbergbau“), ebenso sehr aber auch „Berg-“ – obwohl diese Berge felsig sind [vgl. akmens ožys B „Bergziege“, und noch mehr der Adler akmeninis N „Steinadler (Aquila chrysaëtos)“], also echte Berge, die Litauer oft auch so nennen: akmeniniai kalnai JV 311, kalnai akmeningi SD 94. Natürlich gibt es auch solche Ableitungen von akmeninių, deren Motivation nicht „bergig“, aber auch nicht ganz unmittelbar („aus Stein“) ist: akmeninis 2. „an das Leben bei Steinen angepasst (in den Bergen oder Städten)“; zool. akmeninė kiaunė (Martes foina) DŽ₃, akmenė 1. zool. „Vogel aus der Ordnung der Regenpfeifer, der an steinigen Küsten lebt“ (Aronaria interpres) [dt. Steinwälzer]; 2. siehe kūltupis – zool. „Vogel aus der Familie der Drosseln, der sein Nest zwischen Steinen baut“ (Oenanthe oenanthe) [dt. Steinschmätzer] DŽ₃, akmenlinda zool. „sehr beweglicher, brauner Hundertfüßer, der unter Steinen, Brettern und anderswo lebt“ (Lithobius) DŽ₃. Nicht nur mehrdeutig, sondern geradezu irreführend – aus synchroner, gegenwartsbezogener Sicht – kann die Motivation des Adjektivs mėdinis in alten Schriften, Dialekten und der Folklore sein, LKŽ VIII –
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„dieses Holz“, aber das wäre bereits eine Remotivierung (→ Baum), während die eigentliche Bedeutung „waldig, wild“ ist (→ medė, medžio (Wald): medinis Esel „Wildesel“ SD 271, medinis jaučias „Wisent“ SD 9, medinė (d. h. Berg-„Wildziege“) B, R 167, medinė kiaulė „Wildschwein“ R, girinis (medinis) paukštis K II 336, mediniai kaveliai J. Jabl (Dv), gaidys medinis „Birkhahn“ R 75, medinė katė „Luchs“ R 402, medinis obelys Kal, mediniai obulai Slnt; Sie aßen Heuschrecken (d. h. getrocknete Wanderheuschrecken) und medų medinį Bt Mr 1, 6. Vielleicht ist es schwieriger, sich bei der Variante medūnas, a täuschen zu lassen: ožka medinōji „Reh“ Grv, teterukas – višta medinōji Lz, medinė kiaulė „Wildschwein“ Grv; O tu asile medinąsis! Mžk. Wunderschön irreführend ist sogar ‚häuslich‘ LKŽ VIII 1. „in der Nähe des Hauses lebend“: naminė pelė (Mus musculus) tsp [prš?] im Gegensatz zu laukinė!; Naminis žvirblis (Passer domesticus) – das ist der ewige Nachbar des Menschen Blv; musia naminė Kp; Ei, Bruder, Bruder, mein Brüderchen, warum hast du das Täubchen erschossen, das häusliche Vöglein? LTR (Ds). In der Biologie werden solche Organismen als synanthrop bezeichnet, sogar als Synanthropen (wieder Vorsicht! – nicht abgeleitet von Sinanthropus – dem fossilen „Chinesenmenschen“, sondern aus gr. syn- „zusammen, mit“ + anthropos „Mensch“) – dazu gehören sowohl die Bewohner von Innenräumen (Fliege, Silberfischchen, Kakerlake, Floh) als auch die Unkräuter von Höfen und Feldern – Parasiten der menschlichen Umgebung (aus gr. para „neben, bei“ + sitos „Nahrung“), nicht aber die kultivierten Tiere (ein weiter gefasster Begriff als die domestizierten, gezähmten Tiere). LKŽ VIII fasst dies jedoch nur als Unterbedeutung der genannten Bedeutung „in der Nähe des Hauses lebend“ auf: „vom Menschen gepflegt, am Haus gehalten, gezüchtet“: naminė antis, naminė bitė, naminiai gyvuliai.
Schließlich kann горный sogar geologisch bedeuten: горный компас – geologischer Kompass, горная геометрия – geologische Geometrie. О горная порода – schlicht Gestein.
Das unklare Neuwort kalnininkystė, siehe kalnakasyba DŽ, ist als Unsinn zu bewerten.
Eduardas Vodzinskas’ Bemühungen waren nicht vergeblich. R LKŽ I hat 1982 noch wenig geschafft; lediglich bei дело wurde горное дело schon teilweise entsprechend angepasst – (kalnų) kasyba. PolŽ änderte 1984 mehr: горное дело – kasyba, горная промышленность – kasybo pramonė, горник – kasybininkas. VLKŽ I 1989 ist leider alles beim Alten – „kalniška“, kasybos gibt es überhaupt nicht. PŽ III 1992 hat kasyba: atviroji kasyba 131, jūrų dugno kasyba 128,
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129. DŽ reagierte, doch als allgemeines und nicht als Fachwörter- oder enzyklopädisches Wörterbuch konnte es kalnakasybos nicht sofort verwerfen: kalnakasyba „Industrie des Abbaus von Bodenschätzen, kasyba“, während kasyba nur „kalnakasyba“ bedeutet; aufgenommen wurde lediglich kalnakasys „Förderer von Bodenschätzen“, aber kasybininko fehlt leider noch. Am bedauerlichsten ist, dass es noch immer kein neues Wörterbuch geologischer Fachbegriffe gibt.
Für Zeitungsübersetzer werden weder Wörterbücher noch Sprachkolumnen geschrieben. So leicht (oder schämen sie sich nicht?) geht ihnen Folgendes von der Hand: Gestern wurden vor dem Weißen Haus Streikposten aufgestellt. Die Aktion wurde von der Gewerkschaft der Bergmetallurgie veranstaltet LA 1994 59 2. Es gibt weder Berg- noch Vorberg- oder Moor-Metallurgie, obwohl es Raseneisenerz gibt. Völlig unlogisch ist dieses Paar: Die Bergleute des Kusbas unterstützen die Kohlenbergleute von Workuta LA 1993 227 2. Einen Gegensatz könnten nur Erzbergleute und Kohlenbergleute bilden. Völlig merkwürdig: Er habe <...> das Erdöl- und Chemieinstitut [wohl Erdölchemie – J.K.] abgeschlossen, wo er sich zum Bergingenieur qualifizierte LA 1993 206 9. Doch hier wird unerwartet deutlich, was auch E. Vodzinskas, obwohl er dem Thema kasybai einen Absatz gewidmet hat (TV 1994 1 44), nicht erörterte – nämlich, dass ein Kas ybos Ingenieur für die Erdölförderung nicht geeignet ist (und was geeignet wäre – etwas weiter unten).
Taigi kalnakasyba labai netinka. Išvartęs LTE V kelis kalnakasybos puslapius ničnieko nerandi apie kalnų kasą, tačiau randi tai, kas sveiku protu nesuvokiama: kalnakasybos pramonė – naudingųjų iškasenų gavyba ir pirminis apdorojimas (sodrinimas) – – – Yra 5 grupės: kuro gavybos pramonė (naftos, gamtinių dujų, anglių, durpių, skalūnų gavyba), rūdų, <...>. <...>; hidromineralinė pramonė (mineralinių, požeminių vandenų, vandens vandentiekiui ir kt. tikslams gavyba). Taigi ne tik durpių kasimas, bet net mineralinio vandens gręžiniai – tai kalnakasyba, dujos, vanduo – tai iškasenos!.. Net mokyklinis FGŽŽ jau 1987 m. aiškina: gręžinys – “apvalus kalnakasybinis kasinys uolienų storymėje, išgręžtas gręžimo instrumentu”... Juoba keista, kad daug anksčiau už kasybą (1979 m.) įksuota gręžyba (1956 m.): буровое дело – gręžyba GTŽ. Priežastis – gręžybai nepavyko atitrūkti nuo буровое дело. Antai net Ž. Kinderio knygoje “Hidrogeologija ir gręžyba” (1974) gręžyba... visiškai nevartojama. Joje yra tik gręžimas (gręžinių) ir gręžiniai. Nie kur nėra kokios nors naftos gręžybos, dujų gręžy-
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ungen. Vielleicht wurde gręžyba deshalb nicht in DŽ2, DŽ3 aufgenommen (obwohl es bereits im LRKŽ von 1971 steht).
Bis sich das gesamte System des Bergbaus herausbildet und etabliert, wird es dauern. Die nicht motivierte Lehnübersetzung kalkakasyba blieb undifferenziert. Kasyba lässt sich natürlich leicht spezifizieren – Kohlenbergbau, Erzbergbau; neben den Formen angliakasybą, rūdkasybą ist jedoch auch eine andere Möglichkeit nicht auszuschließen – angliakasyba, rūdkasyba; bereits belegt ist auksakasyba LA 1994 81 6, 178 2 neben dem sehr alten auksakasys R 62, auksakasys B, K I 558. Leider kommt auch sidabro kalkakasyba M ir G 1990 10 21 noch vor – es muss sidabro kasyba heißen (weniger günstig: sidabrakasyba, obwohl sidabrakasys Ser belegt ist). Übrigens können auksas und sidabras nicht nur kasamas, sondern auch renkamas, also auf andere Weise gewonnen werden.
Der von allen empfundene, aber nicht behobene, umgangene Widerspruch im Begriff naudingųjų iškasenų. Manche schreiben schamlos die offenkundigsten Unsinnigkeiten: Doch das wichtigste Bodenschatz dieses Gebietes ist Erdöl M ir G 1973 11 22. Eine eigene Gruppe von Bodenschätzen bilden Trink- und Brauchwasser, unterirdisches Mineralwasser sowie Solen M ir G 1982 12 9. Andere suchen nach Lösungen und variieren reichlich; so etwa findet man auf nur einer Seite, S. 297, von A. Linčius’ Buch „Šimtas geologijos mįslių“ (1980) die Ausdrücke naudingosios iškasenos, mineraliniai turtai, mineralinės žaliavos und požeminiai turtai, obwohl es doch auch organische gibt – Torf und Bernstein (über Erdöl wird gestritten – daher wäre es unpraktisch). Es ist geradezu bedauerlich, wenn dann noch irgendwelche gamtinės iškasenos KB 1990 11 2 oder gar žemės iškasenos KB 1994 12 8, irgendwelche natūralūs ištekliai LA 1993 209 1 auftauchen. Auch ist nicht alles žemės gelmių turtai, denn es gibt auch Tagebau, d. h. Oberflächenbergbau. Gamtos turtai ist wiederum ein anderer, weiter gefasster Begriff. Dabei gibt es doch schon lange das durchaus gute Wort išgava „Gewinnung“: Gold- und Steinkohlegewinnung DŽ2, DŽ2 und DŽ2, Goldgewinnung LmŽ 138. Und „das, was gewonnen wird“ hieße išgavos – dieses Wort steht bereits in LKŽ IV, hat dort jedoch nur einen einzigen Beleg – BŽ 117, mit unbestimmter Bedeutung: „Beute, Fülle“. Man könnte auch an der durch „Nützlichkeit“ motivierten Bezeichnung festhalten – naudingosios išgavos. Eine weitere Möglichkeit wäre naudingieji radiniai, denn man sucht und erkundet sie ja (žvalgyba – разведочное дело GTŽ) und findet sie. Doch erst danach werden sie gewonnen; deshalb ist išgavos der präzisere Begriff. Es ist Zeit, darüber nachzudenken, eine Wahl zu treffen und sich festzulegen.
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Abkürzungen
DŽ₁ – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas: DŽ₁ – I leid., V., 1954. DŽ₂ – II leid., V., 1972. DŽ₃ – III leid., V., 1993.
FGŽ – Solovjovas V., Karpovas G. Fizinės geografijos žodynas-žinynas. K., 1987.
GTŽ – Gudelis V. Geologijos ir fizinės geografijos terminų žodynas. V., 1956.
KB – „Kultūros barai“.
KT – Gavienis K., Keinys S. Kalbotyros terminų žodynas. K., 1990.
LA – „Lietuvos aidas“.
LKK – Lietuvių kalbotyros klausimai. V., 1985. T. 24.
LKŽ – Wörterbuch der litauischen Sprache. V., 1941. Bd. I, 1. Ausgabe, 1968. Bd. I, 2. Ausgabe, 1956, Bd. 3, 1957, Bd. 4, 1959, Bd. 5, 1966, Bd. 7, 1970, Bd. 8, 1978, Bd. II. Im Artikel werden auch die Abkürzungen dieses Wörterbuchs verwendet.
LRKŽ – Lyberis A. Lietuvių–rusų kalbų žodynas. V., 1971.
LTE – Lietuviškoji tarybinė enciklopedija. V., 1979. T. 5.
Mir G – „Mokslas ir gyvenimas“.
MK – „Mūsų kalba“.
PolŽ – Rusų–lietuvių kalbų politechnikos žodynas/ Sudarė G. Daugėla. V., 1984.
PŽ III – Pažinimo džiaugsmas: Žemė ir jos gėrybės. V., 1992.
RLKŽ – Rusų–lietuvių kalbų žodynas. V., 1982. T. 1/ Sudarė Ch. Lemchenas.
SD – Das erste Wörterbuch der litauischen Sprache: Konstantinas Sirvydas. Dictionarium trium linguarum [fotografische Wiedergabe der 3. Ausgabe]. V., 1979. Die Seitenzahlen unterscheiden sich von den im LKŽ zitierten Seiten der 5. Ausgabe des SD.
ССРЛЯ – Словарь современного русского литературного языка. Москва–Ленинград, 1954. Т. 3.
TV – Terminologijos vagos. V., 1994. Bd. 1.
VLKŽ – Križinauskas J. Vokiečių–lietuvių kalbų žodynas. V., 1989. T. 1.
Die Zahlen bezeichnen überall Jahre, Nummern (römische Zahlen – Bände) und Seiten.
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