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Amplifikacija kaip stiliaus figūra

Juozas Abaravičius

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Juozas ABARAVIČIUS AMPLIFIKATION ALS STILFIGUR (Anmerkungen zu den charakterisierenden Merkmalen) Von Amplifikation hört man heutzutage kaum noch etwas. Sie ist, könnte man sagen, vor allem zu einem Begriff akademischer Lektüre und Untersuchungen (in Rhetorik, Poetik, Stilistik und ähnlichen Disziplinen) geworden. Offenbar interessiert sich keiner der litauischen Philologen für den Inhalt des Begriffs Amplifikation, seine charakterisierenden Merkmale, seine systematische Zugehörigkeit und seinen Rang. In den stilistischen Arbeiten litauischer Forscher finden wir sie nicht unter den selbstständigen Stilfiguren behandelt. So wird die Amplifikation in J. Pikčilingis’ „Stilistik der litauischen Sprache“ als Mittel zur Steigerung der Ausdruckskraft der Sprache und zur Erzeugung von Emphase erörtert. Hier wird sie (neben der Akkumulation) als einer der Typen der stilistischen Aufzählung behandelt1. Nur im „Wörterbuch der linguistischen Termini“ von K. Gaivenis und St. Keinys wird dieses Ausdrucksmittel durchaus zu Recht als Stilfigur betrachtet. Dies ist die erste dort angegebene Bedeutung des Terminus. Amplifikation wird hier definiert als „1. Stilfigur, bei der mehrere Sprachelemente nebeneinander verwendet werden, um den Ausdruck zu verstärken: Menschen mühen sich ab, plagen sich für das Glück ihres Landes (A. Venclova)“.2 Die zweite hier angegebene Bedeutung des Begriffs, „2. Verlängerung eines Textes bei der Übertragung von einer Sprache in eine andere (…)“, ist für diese Anmerkungen nicht relevant. Selbstverständlich ist das im genannten Wörterbuch angeführte Beispiel für Amplifikation sehr elementar. Bevor wir die weniger elementaren, typischeren und stärker ausgearbeiteten Varianten dieser Stilfigur behandeln, müssen wir uns zweifellos von dem bisweilen angeführten irrelevanten und wenig hilfreichen Merkmal der Amplifikation abgrenzen – der Behauptung, sie müsse ein zusammenfassendes Schlussglied enthalten. Dadurch unterscheide sie sich angeblich von der Akkumulation, der ein solches Glied fehle. Eine solche Auffassung wird beispielsweise in einigen deutschen Stilistiken vertreten. So heißt es in W. Fleischers und G. Michels „Stilistik der deutschen Gegenwartssprache“: „Neben der einfachen Aufzählung – der A k k u m u l a t i o n – gibt es die A m p l i f i- 1 P i k č i l i n g i s J. Lietuvių kalbos stilistika. V., 1971. T. 1. P. 202 – 205. 2 G a i v e n i s K., K e i n y s S. Kalbotyros terminų žodynas. Kaunas, 1990. P. 18. 50 kation, womit eine Aufzählung mit einem zusammenfassenden Schlussglied bezeichnet wird³. Eine ähnliche Auffassung findet sich auch in J. Pikčilingis’ „Stilistik der litauischen Sprache“ (im Folgenden nur „Stilistik“), wo E. Riesels Behauptung, der Unterschied zwischen den beiden Aufzählungstypen sei „rein formal“: Die Akkumulation (?) habe ein zusammenfassendes Glied, die Amplifikation (?) dagegen nicht⁴, anhand von Beispielen veranschaulicht wird. Hier liegt in der „Stilistik“ (S. 202) ein Irrtum vor: Die Aufzählungstypen wurden vertauscht. Bei der anschließenden Erörterung der Beispiele wird dagegen mit guten Gründen betont: „Hier haben wir es mit einer Akkumulation zu tun – die aufgezählten Glieder der Kette <...> enden ohne Zusammenfassung.“ Und an anderer Stelle: „Hier sind die zusammenfassenden Wörter alles, das Ganze. Die Sätze bilden eine Amplifikation“⁵. Wenn ein solches formales Merkmal der Amplifikation angesetzt wird, ist es leicht, sich zu irren und das Wesentliche außer Acht zu lassen. Dieses ist jedoch ein anderes. Übrigens wird auch in der „Stilistik“ selbst auf einen wesentlichen Unterschied zwischen Akkumulation und Amplifikation hingewiesen, den der französische Stilist A. Albalat formuliert hat und dem M. Meyer gefolgt ist. Die Akkumulation entsteht durch die Fülle aufeinanderfolgender Details, die Amplifikation dagegen durch eine Fülle von Vergleichen, verdoppelten Metaphern, variierten Bildern und allerlei Epitheta⁶. Dies sind bereits wesentliche, wenn auch nicht ganz einheitliche Merkmale. Tatsächlich werden bei der Akkumulation Details zusammengetragen, die jeweils etwas Neues aussagen, hinzufügen, ergänzen und Ähnliches. Bei der Amplifikation hingegen wird der Gedankeninhalt erweitert und verstärkt, bisweilen auch rückläufig variiert und dergleichen. Eine Akkumulation findet sich in M. Martinaitis’ Gedicht „Das auf der Müllhalde gefundene Familienalbum“. Hochzeitsfoto. Mit dem Neugeborenen. / Die ersten Schritte. Es war ein Mädchen. / Etwas älter geworden. Ein weißes Kleid bis zum Boden. / Mit Blumen. Konfirmation, Bischof. Dieselbe – / schon ein Teenager, hässlich, mit langen Beinen. MMartA 23. Das ist, könnte man sagen, ein typisches Beispiel für Akkumulation. Nominativ- 3 F l e i s c h e r W., M i c h e l G. Stilistik der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig, 1975. S. 126. 4 P i k č i l i n g i s J. Min. veik. P. 202; Riesel E. Stilistik der deutschen Sprache. Moskau, 1963. S. 320. 5 P i k č i l i n g i s J. Min. veik., P. 203. 6 Siehe ebenda sowie die dort zitierten Autoren und Quellen. 51 In nebensächlichen Sätzen, durch hinzugefügte Glieder von Satzgefügen und auf andere grammatische Weise (das ist nicht wesentlich) werden viele Details aufgezählt, von denen jedes etwas Neues „hinzufügt“, das beim Blick auf das alte Foto sichtbar wird. Und diese Aufzählung wird in den folgenden Strophen des Gedichts fortgesetzt, ohne etwas zu wiederholen oder rückwirkend zu variieren. Vgl. auch die zweite Strophe: Lernen zu musizieren. Ballettstunden. Die Geige, / unters Kinn geklemmt (die Brüste, die von der Musik nicht entwöhnt sind). / Ein plötzliches mädchenhaftes Aufblühen. Ein schlanker / Hals. Ein aufmerksamer Blick. Augen! Ein wenig retuschiert. / Ein Mann, ein steifer Kragen. Vor dem Altar, mit Schleier. (Ebenda). Diese Beispiele veranschaulichen treffend das Wesen der Akkumulation. Anders verhält es sich mit dem Wesen der Amplifikation. Darüber wurde bereits gesprochen. Beispiele mögen es zeigen. Die Masuren Jonušo sind heute, als hätten sie einen Pflock verschluckt – die Nacken beherrscht und still, das lose Geschwätz bissig zum Schweigen gebracht. POrinEK 136. Amplifiziert wird hier mit gleichartigen oder synonymischen Mitteln, die den Gedankeninhalt verstärken und ihn variieren. Hier finden wir semantischen Parallelismus und somit auch einen Überschuss an Ausdrucksmitteln (als hätten sie einen Pflock verschluckt; die Nacken beherrscht und still, das lose Geschwätz bissig zum Schweigen gebracht). Doch lässt sich nicht sagen, dass es sich um einen unmotivierten Überschuss handelt. Durch den phraseologischen Vergleich und die Epitheta (übrigens auch metaphorische) wird die Art des stillen Verhaltens der jungen Leute aus den Masuren in der Halle der Burg Trakai beschrieben; das Bild wird von leicht unterschiedlichen Seiten beleuchtet, jene „kaum, kaum“ wahrnehmbaren Züge und Bedeutungsnuancen des Dargestellten werden hervorgehoben. Aus diesem größeren semantischen Zusammenhang wird die Motivation des Verhaltens der Figuren deutlich. Die Schriftstellerin P. Orintaitė verwendet gern Amplifikationen. Eine ganze Reihe davon findet sich in den Beschreibungen der Hochzeit von Danutė, der Tochter von Kęstutis und Birutė. Noch ein paar Beispiele: Die künftige Braut war seltsam ruhig: nun war ohnehin alles gleichgültig. Die Entscheidung war endgültig gefallen. Das Zeichen der Verbannung war ihr in die Stirn geritzt – unwiderruflich verurteilt... Und doch schien sie von Gefühl erfüllt, wie ein junger Becher voller Saft. Aber sie hatte sich gefasst. POrinEK 129; Nur Danutė – gleichsam ein den Göttern geweihtes Opfer des Mitleids. Wie lebendig versteinert, in sich selbst verkrochen, nichts wahrnehmend, nichts fühlend. POrinEK 130. In diesen Beispielen spiegelt sich die für die Amplifikation typische Erweiterung des Gedankenin- 52 halts, die Intensivierung und die Verstärkung des Eindrucks durch semantisch verwandte Sprachelemente wider, wobei ein maßvoller Überschuss an Ausdrucksmitteln geschaffen wird. Vgl.: Wie lebendig versteinert, in sich selbst verkrochen, nichts wahrnehmend, nichts fühlend und ähnliche Bilddetails. In vielen Facharbeiten wird die Amplifikation als Mittel zur Erweiterung und Bereicherung der Sprache und des Gedankeninhalts behandelt (lat. amplificatio – Erweiterung, Vergrößerung, Vervielfachung; rhet. Verstärkung; Überladung mit unnötigen Wörtern). In der Antike unterschied man die sachliche (gegenständliche), die stilistische und die Wortamplifikation. Die sachliche Amplifikation hing damit zusammen, über etwas auf unterschiedliche Weise zu sprechen, um eine wirkungsvolle und überzeugende Rede zu erreichen. Sie war gleichsam ein „Vergrößerungsglas rhetorischer Suggestion“: Voraussetzungen und Argumente wurden zusammengetragen, um nicht zu belehren, sondern zu beeinflussen⁷. Auch die in der Antike verwendete stilistische Amplifikation vergleichen Forscher „mit einem Teleskop, das durch Vergrößerung dem Rezipienten (odbiorcy) unsichtbare Bereiche (obszary) des Gedankens und der darin verborgenen Bedeutungen, vor allem der emotionalen, anzeigt“⁸. Wortamplifikation bedeutet die Erweiterung einfacher Wendungen durch einzelne Wörter oder Wortverbindungen, damit sie wirkungsvoller werden⁹. In vielen Arbeiten zur Rhetorik und Stilistik wird die Amplifikation mit zusammenfassenden Gliedern nicht einmal erwähnt. Mitunter werden jedoch spezifischere Varianten dieser Stilfigur untersucht. So behandeln einige Forscher die Amplifikation, die auf der Entfaltung eines Themas im Nominativ oder auf einer expressiven Verbindung beruht¹⁰. Wir werden nicht alle Varianten erörtern. Vielleicht sollte zur Amplifikation des Themas im Nominativ doch einiges gesagt werden. Tatsächlich wird das Thema im Nominativ im Text häufig amplifiziert und entfaltet, indem ihm eine entsprechende Charakterisierung beigegeben wird. Z. B.: Germas Güte germas – ursprünglich, nie dagewesen und vergessen / unglaublich wie ein blauer Schwan / verdächtig wie eine Mittagsglocke / geheimnisvoll wie ein Fichtenabend <...>JDegPA 24. Diese Variante ist etwas 7 Plačiau apie tai žr.: Korolko M. Sztuka retoryki. Przewodnik encyklopedyczny. Warszawa, 1990. S. 74. 8 Siehe ebenda. S. 121. 9 Näheres dazu siehe ebenda. S. 121–122. 10 Čmykova N., Baskakova L. Gramatičeskij trop i amplifikacija. – Problemy ekspressivnoj stilistiki. Izd-vo Rostovskogo universiteta, 1987. S. 84 – 86. 53 erinnert an die Wortamplifikation. Die Amplifikation, die emotionale Ausweitung und Verstärkung, beginnt hier bereits mit der Wiederholung des Themas im Nominativ. Anschließend wird der „Güte“ eine vielseitige Charakteristik gegeben; dabei geht es weniger darum, neue Details und Eigenschaften aufzuzählen, als vielmehr darum, die allgemeine Aufzählung ausdrucksstark und emotional zu gestalten. Obwohl sich hier auch ein Element der Akkumulation erkennen lässt. Vgl. ferner: Buchstaben! / Schlichte, gleiche, einheitliche und kleine Buchstaben PTarGS 14. Auch hier ist die Wiederholung des Themas im Nominativ charakteristisch. In der Fachliteratur wird offenbar ganz unbegründet behauptet, dass die Amplifikation weder mit Wiederholung noch mit Ellipse oder Inversion zusammenhänge¹¹. Über die beiden letztgenannten Stilfiguren muss man vielleicht nicht streiten. Dennoch ist es kaum wahrscheinlich, dass Wiederholung kein Bestandteil der Amplifikation sein kann. Sie erweitert nämlich den Inhalt der Rede, verstärkt dessen Ausdruckskraft und Emotionalität sowie die Intensität, mit der die Wirklichkeitselemente in Erscheinung treten. So vermittelt die Wiederholung in dem Auszug aus J. Marcinkevičius’ Poem „Homo sum“ sehr treffend, wie das lyrische Subjekt, „in der Galeere der Zeit angekettet“, mit einer bösen Notwendigkeit ringt. HOMO SUM! / In der Galeere der Zeit angekettet, / rudere ich schwer, / rudere, rudere... / Und Schweiß rinnt mir übers Gesicht, / und den nackten Rücken peitschen / die bösen Peitschen der NOTWENDIGKEIT, / Wahrlich ein Ozean. / Wahrlich ein Ozean. / Wahrlich ein Horizont. / Wahrlich ein Horizont, / der weder näher kommt noch sich entfernt. / Ich rudere, rudere / und wiederhole mit versengten Lippen: / HOMO SUM... JMarcR III 39. Hier lässt sich keineswegs behaupten, dass die Wiederholung von Wörtern und Wortverbindungen nicht dazu beitrage, die Metapher der Galeere der Zeit sowie die Semantik des schweren Ruderns und seiner Monotonie zu amplifizieren, auszuweiten und zu intensivieren. Der Eindruck, der Mensch sei in der Galeere der Zeit angekettet, wird immer stärker, denn die Wiederholungen: „schwer rudere ich, / rudere, rudere...“; „Wahrlich ein Ozean. / Wahrlich ein Ozean. / Wahrlich ein Horizont. / Wahrlich ein Horizont, der weder näher kommt noch sich entfernt.“ verlangsamen die „Bilder“ des Ruderns und damit auch die Darstellung der bösen Peitschen der NOTWENDIGKEIT und des Peitschens. Diese Wiederholungen helfen der Metapher der Galeere der Zeit, zu einem Anspielungsganzen zusammenzuwachsen – zu einer assoziativen Verbindung mit dem Bild eines Segelkriegsschiffs aus dem 7. bis 18. Jahrhundert, das von angeketteten Sklaven, Verbrechern und Soldaten gerudert wird, und dieses Bild zu nutzen als Hin- 11 Žr.: Š i r i n a L. Amplifikacija v sisteme ekspressivnych sredstv. – Problemy ekspressivnoj stilistiki. 1987. S. 83. 54 tergrund für das Geschehen in der gegenwärtigen „Galeere der Zeit“. Daher haben zweifellos jene Philologen recht, die behaupten, dass unter anderem auch durch verschiedene Wiederholungen amplifiziert wird: durch Wortwiederholungen, synonymische Wiederholungen, Tropenwiederholungen, die Darlegung ausgeprägter wesentlicher Merkmale, eine argumentierende Gedankenfolge und anderes. Eine solche Auffassung spiegelt sich beispielsweise in S. Krahls und J. Kurz’ „Kleinem Wörterbuch der Stilistik“12 wider. Natürlich helfen auch andere Stilfiguren (Steigerung, Antithese, Aufzählung, Korrektur) und viele weitere Stilmittel (Epitheta, Vergleiche, Synonyme usw.), einen Gedanken zu amplifizieren. Hier war es nicht das Ziel, die Vielfalt der Typen und Spielarten der Amplifikation, ihrer Semantik, Struktur und Funktionen zu untersuchen. Hervorzuheben ist lediglich das große darstellerische und wirkungsvolle Potenzial dieser Stilfigur. Wirkungsstark sind beispielsweise Spielarten, bei denen semantisch oft nicht zusammenpassende, widersprüchliche Komponenten regressiv, retardierend angeordnet werden. Jede solche retardierende Komponente hält die Aufmerksamkeit des Lesers fest, bis sich schließlich auch der Sinn des stilistischen Ganzen erschließt. Vgl. ferner den Auszug aus V. Braziūnas’ „Apmaudas“: Endloses Neuansiedeln, ein Umzug ins Gedächtnis, wo alles nicht an seinem Platz ist, aufgehäuft und verstreut, nichts mehr zu finden zwischen abmontierten Tagen und Wochen, abgetragenen Namen und abgeschliffenen Monaten, die unaufhörlich ins Nirgendwo gleiten. VBrazAL 39. Hier lässt sich noch nicht erkennen, worin der Sinn der Amplifikation liegt, solange man nicht die ganze Folge der Satzglieder aufmerksam gelesen hat. Da die Amplifikation semantisch, strukturell und funktional so vielfältig und wirkungsvoll ist, kann sie nicht lediglich als eine Spielart der stilistischen Aufzählung gelten. Sie ist eine völlig eigenständige Stilfigur. Abkürzungen VBrazAL - V. Braziūnas. Alkanoji linksniuote. V., 1993. JDegPA - J. Degutytė. Purpuru atsišvėrusi. V., 1984. JMarcr III - J. Marcinkevičius. Raštai. T. 3. V., 1982. MMartA - M. Martinaitis. Atrankinta. V., 1996. POrinEK - P. Orintaitė. Erelių kuorai. Kaunas, 1992. RTarGS - P. Tarulis. Gyvas stebuklas. V., 1993. 12 Krahl S., Kurz J. Kleines Wörterbuch der Stilkunde. Leipzig, 1984. S. 10. 55