Lauryno Ivinskio rankraščiai Krokuvoje
Full text
Albina AUKSORIŪTĖ
Lietuvių kalbos institutas, Vilnius
DIE HANDSCHRIFTEN VON LAURYNAS IVINSKIS IN KRAKAU
Die erst 1846 zu erscheinen beginnenden litauischen Kalender von Laurynas Ivinskis, einem žemaitischen Aufklärer des 19. Jahrhunderts, erreichten zwar die damaligen Leser, der größte Teil seiner Werke blieb jedoch unveröffentlicht. Die meisten Handschriften von L. Ivinskis werden im Handschriftenarchiv des Instituts für litauische Literatur und Folklore (im Folgenden LLTIR) aufbewahrt; einige wenige seiner Handschriften befinden sich auch in den Handschriftenarchiven der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften, der Universitätsbibliothek Vilnius und der Litauischen Nationalbibliothek M. Mažvydas. Einige Arbeiten von L. Ivinskis werden im Ausland aufbewahrt – in Sankt Petersburg und Krakau.
Im Handschriftenarchiv der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Polska Akademia Umiejętności) in Krakau befinden sich vier Arbeiten von L. Ivinskis. Von der ersten Handschrift „Prigimtūmėnė turentė sawieje dalijkus žemės, żoliun ir giwunun su parodimu anun wartojimo (Spis minerałów, roślin i tworów żyjących (zwierzęcych)“ (im Folgenden „Prigimtūmėnė“) werden zwei Teile aufbewahrt: Dalis 1. Część 1. Žemiėmina. Mineraly. Fossilia und Dalis 2. Część 2. Żoliėmina. Rośliny. Vegetabilia. Das Entstehungsdatum der Arbeit ist nicht angegeben. Beide Teile sind in verschiedenen Büchern des Bibliothekskatalogs verzeichnet; die Nummer des ersten Teils lautet 1801, die des zweiten 2824. Der erste Teil „Žemėmina“ ist in ein Heft im Format 22,5 × 18 cm eingebunden und umfasst 61 Seiten; am Ende der letzten Seite steht: Pabajga pirmojo Atskiriaus. Finis primi Regni Fossiliorum.
Der erste Teil ist sehr ordentlich und kalligrafisch geschrieben; die Seiten sind nummeriert. Neben dem litauischen Terminus werden seine lateinische und polnische, stellenweise auch seine deutsche Entsprechung angegeben. Die Entsprechungen in den verschiedenen Sprachen sind mit Bleistift in unterschiedlichen Farben unterstrichen, die bis heute sehr schön erhalten geblieben sind. Dass diese Termini tatsächlich von L. Ivinskis selbst unterstrichen wurden, zeigt seine beigefügte Erläuterung, welche Farbe zur Kennzeichnung eines Wortes der jeweiligen Sprache verwendet wird. In der Erläuterung mit dem Titel „Iszguldimas krosu. Explicatio colorum (lot.). Objaśnienie farb (lenk.). Bedetung der Farben (vok.).“, weist er darauf hin, dass litauische Wörter grün unterstrichen sind, jene in Klammern als žemaitische bezeichneten Wörter, blau die lateinischen, rot die polnischen und gelb die deutschen.
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Wörter sind blau unterstrichen, polnische rot und deutsche gelb.
Gleich zu Beginn der Einleitung definiert L. Ivinskis die „prigimtūmen듹: „Prigimtumenė ira taj surinkimas wiso sutwierimo dalijku, kurius regam, galem susėktė, anun dasilitietė arba jaustė anus kokiu- noris budu“ (S. 1). Nachdem der Autor all dies ausführlicher erläutert hat, unterscheidet er drei Abteilungen oder Reiche: Pirmasis Atskir ius: Karaliste negiwojė, taj ira: Zemietras (Žemiėmina). Fossilia (lot.). Ciała kopalne (lenk.). Antrasis Atskir ius: Karaliste pus–giwojė, taj ira: Zoliėmina. Vegetabilia (lot.). Rośliny (lenk.). Tretinsis Atskir ius: Karaliste giwojė, taj ira: Giwumina. Animalia (lot.). Zwierzeta (lenk.) (S. 2). L. Ivinskis gliedert diese Abteilungen weiter und führt die Termini der systematischen Kategorien der Reihe nach auf.
Ein beträchtlicher Teil der Einleitung (S. 3–9) ist der Beschreibung der Erde gewidmet. L. Ivinskis vergleicht die Erde auch mit anderen Planeten: „Musu žemė […] ira kajpo smulkė dulkelė prilig inus jen pri planetu wisos pasaulies. Ture buožies arba kamulio pawejkstą […]. Su kitomis planetomis drauge wadinas: pasaulė. Systema solare“ (lot.) (S. 3). Er behandelt die Zusammensetzung der Erde, Maße, Erdteile und Klimazonen und nennt die Bezeichnungen für die Abschnitte des Tages und der Nacht sowie für die Wochentage.
Bei der Beschreibung des Wassers (Wānduo, unduo. Aqua (lot.). Woda (lenk.). Wasser (vok.) (S. 9)) führt L. Ivinskis zunächst die Bezeichnungen der Gewässer an, beginnend mit Ozean und Meer (Acėonas. Oceanus (lot.). Ocean (lenk.); Mārė, jūrė. Mare (lot.). Morze (lenk.). See (vok.) (S. 9)) und endend mit dem Springbrunnen (Trīszkīne. Aqua saliens (lot.). Fontana (lenk.) (S. 10)). Der Autor unterscheidet zwei Arten von Wasser: a) Wan-
¹ Einige Überlegungen zur Schreibung des Vokals ū in prigimtūmenės. Die Schreibung dieses Vokals in diesem Wort variiert leicht: An manchen Stellen steht ein diakritisches Zeichen, an anderen nicht, z. B.: prigimtūmenė und prigimtumenė. Ähnliche Beispiele finden sich auch in anderen Arbeiten von L. Ivinskis, z. B.: jaunūmenė („Polnisch-samogitisches Wörterbuch“, S. 593); wisumenė und kitu- menies („Pasauga“, S. 18 und S. 26). In den im LLTIR aufbewahrten Handschriften „Słowko o pisowni języka Litewskiego“ und „O pisowni języka Litewskiego“ erläutert L. Ivinskis ebenfalls die Schreibung des Vokals ū. Aus dieser Erläuterung und den vom Autor angeführten Beispielen geht hervor, dass ū und u den langen ū-Laut seines Dialekts bezeichnen. Dies bestätigen auch die Beispiele aus V. Vitkauskas’ „Wörterbuch der Mundarten der nordöstlichen dünininkai“ (V., 1976): jaunūmenė (S. 113); karūmenė (S. 125); kitūmenė (S. 139).
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gewöhnliches Wasser. Reines Wasser (lat.). Süßwasser (poln.) und b) gefrorenes Wasser. Durch Kälte erstarrtes Wasser (lat.). Gefrorenes Wasser (poln.) (S. 10), die er noch weiter untergliedert.
Im Folgenden führt L. Ivinskis die Elemente auf, aus denen die Luft besteht (Luft. Luft (lat.). Luft (poln.) (S. 11)), nämlich Wasserstoff. Hydrogenium (lat.). Wasserstoff (poln.); Sauerstoff. Oxygenium (lat.). Sauerstoff (poln.); Kohlenstoff. Carbonicum (lat.). Kohlegas (poln.); Salpeterstoff. Nitrum (lat.). Salpetersäurestoff (poln.) und Stickstoff. Azotus (lat.). Stickstoff (poln.) (S. 11); er nennt auch die Bezeichnungen der Winde.
In einem gesondert abgegrenzten Abschnitt werden neben Begriffen wie Feuer. Ignis (lat.). Feuer (poln.); Donner, Donnergott, Donnerkeil. Tonitru (lat.). Donner, Donner (poln.); Blitz. Fulmen (lat.). Blitz (poln.); Elektrizität. Electricitas (lat.). Elektrizität, -ik (poln.); Galvanismus. Galvanismus (lat.). Galvanismus (poln.) (S. 12) auch die folgenden Begriffe aufgeführt: Nordlicht. Aura borealis (lat.). Nordlicht (poln.); Erdbeben. Motus terrae (lat.). Erdbeben (poln.); Sternschnuppenfall. Lapsus stellarum (lat.). Sternschnuppenfall (poln.); Nachtmahr, Alp. Incubo (lat.). Drache (poln.) (S. 12) und weitere.
Für den Mond führt L. Ivinskis zwei Synonyme an: Monat. Sonnenmonat. Luna (lat.). Mond (poln.) (S. 12) sowie folgende Erklärung: „50.000 Meilen von der Erde entfernt; 49-mal kleiner als unsere Erde“ (S. 12). Anschließend nennt der Autor die Bezeichnungen der Mondphasen; dafür verwendet er den Ausdruck Mondphasen – Mondphasen. Phases lunares (lat.). Mondphasen (poln.) (S. 13). In diesem Abschnitt gibt L. Ivinskis auch die Bezeichnungen für die Jahreszeiten und alle zwölf Monate an.
Die Einleitung schließt mit einer Beschreibung der Sonne (Sonne (lat.). Sonne (pol.) (S. 14)), wobei ihre Maße, ihr Gewicht und ihre Entfernung von der Erde angegeben werden. Der Autor zählt alle Tierkreissternbilder und einige weitere Sternbilder auf. Den Begriff Tierkreis verwendet L. Ivinskis nicht; stattdessen nennt er zwei andere Synonyme: Himmelswildbahn. Himmelsgürtel. Zodiac (lat.). Himmelszoo, Tierkreis (pol.) (S. 15); die Tierkreissternbilder bezeichnet er als Zeichen des Himmelsgürtels (Zeichen des Himmelsgürtels. Signa zodiacalia. (Viae solaris) (lat.). Tierkreiszeichen (pol.) (S. 15)).
Der Hauptteil, der die Beschreibung der Erdmineralien enthält, beginnt auf S. 16. In diesem 46 Seiten umfassenden Teil werden Gesteine, Meta-
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…le, Steine, Böden, die höchsten Berge Žemaitijas, Flüsse, Seen, Sümpfe und weitere unbelebte Natur.
Wie bereits geschrieben2, wird im LLTIR auch der erste, 42 Seiten umfassende Teil der „Prigimtūmenė“, „Žemėtros“ (Erdlehre. Fossilia (lat.)), sowie das 64 Seiten umfassende Registermanuskript dieses Teils aufbewahrt, in dem Verzeichnisse litauischer, lateinischer, polnischer und deutscher Termini enthalten sind. „Žemėtros“ und das Register wurden in getrennten Heften niedergeschrieben.
Vergleicht man den in Krakau befindlichen Teil „Žemėmina“ mit dem in Vilnius aufbewahrten Werk „Žemėtros“, lässt sich sofort sagen, dass es sich um Varianten derselben Arbeit handelt. Der Hauptteil beider Manuskripte, in dem die bereits erwähnten mineralogischen Gegenstände beschrieben werden, ist nahezu identisch; die Termini sind in derselben Reihenfolge angeordnet und eingeteilt, nur ihre Darstellung oder Schreibweise unterscheidet sich stellenweise geringfügig. So werden im Manuskript aus Vilnius (im Folgenden – Prl. V.) zunächst Gesteine beschrieben – Ein Gestein, das aus einem zusammenhängenden Ganzen besteht und keine versteinerten Überreste von Lebewesen enthält (Prl. V. S. 3); auch das in Krakau aufbewahrte Manuskript (im Folgenden – Prl. Kr.) beginnt mit ihnen – Ein Gestein, das aus einem zusammenhängenden Ganzen besteht und keine versteinerten Überreste enthält. Ein zusammenhängendes Gestein ohne Versteinerungen (poln.) (Prl. Kr. S. 16). Auch beide Manuskripte enden mit denselben Termini, z. B.: Wiśznenė. Cererium (lat.). Ceresstein (poln.). Cerinstein (dt.) (Prl. V. S. 42) und Wiśz- nénė[...] (Prl. Kr. S. 61).
Beim Vergleich der Einleitungsteile beider Manuskripte zeigen sich weitere Unterschiede. Die bereits besprochene Einleitung der „Žemėmina“ ist recht umfangreich und umfasst 15 Seiten, während das Vorwort zu „Žemėtros“ nur 2 Seiten umfasst. Beim Vergleich beider Einleitungen wird deutlich, warum sich der Titel des Vilniuser Manuskripts von dem des in Krakau befindlichen unterscheidet. In dem in Vilnius aufbewahrten Werk verwendete L. Ivinskis andere Bezeichnungen für die Reiche, z. B.: 1. Reich der unbelebten Natur oder Erdlehre. 2. Reich der halb lebendigen Natur oder Pflanzen. 3. Reich der lebendigen Natur oder Tiere (Prl. V. S. 1); daher nannte er auch den ersten Teil „Žemėtros“. Die Einleitung dieses Manuskripts
Žr. Auksoriūtė A. L. Ivinskio „Prigimtūmenės“ taksonų pavadinimai // Terminologija. 1995. Nr. 2. P. 58–65; tos pačios – Lauryno Ivinskio „Prigimtumenės“ sistematikos kategorijų pavadinimai // Lauryno Ivinskio Kalendoriaus 150-mečiui. 1997. P. 33–39.2
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In der „Žolėmina“ wird, wie auch in der Einleitung zu „Žemėmina“, erläutert, was eine Naturkunde ist; die drei Reiche werden unterschieden und dieselben Begriffe für systematische Kategorien angeführt, nur einige davon unterscheiden sich, zum Beispiel: Atskirius. Regnum (lat.). Królestwo (poln.) (Prl. V. p. 2); Atskirius arba Karalistä. Regnum (lat.). Królestwo (poln.) (Prl. Kr. p. 2). Paejta. Sub-Ordo (lat.). Podrzed (poln.) (Prl. V. p. 2); Pòejėlė. Sub-ordo (lat.). Podrzęd (poln.) (Prl. Kr. p. 2). Paatmajnis. Sub-varietas (lat.). Pod-odmiana (poln.). (Prl. V. p. 2); Pāatmājnė. Sub-varietas (lat.). Pod-odmiana (poln.) (Prl. Kr. p. 2).
Auch die Ausarbeitung der beiden Handschriften unterscheidet sich. Die in Vilnius aufbewahrte Handschrift ist ebenfalls kalligrafisch geschrieben, doch finden sich auch korrigierte Wörter; die Entsprechungen in anderen Sprachen sind nicht durchgestrichen. Vergleicht man also beide Handschriften, lässt sich feststellen, dass die in Krakau aufbewahrte Handschrift des ersten Teils der „Prigimtūmenė“ eine ergänzte und korrigierte zweite Fassung des in Vilnius aufbewahrten Teils ist.
Der zweite Teil von L. Ivinskis’ „Prigimtūmenė“, „Žolėmina“, ist in einem Heft im Format 22,5 × 18,5 cm niedergeschrieben. Dieser Teil enthält eine systematische Pflanzenliste, in der 219 Pflanzenfamilien und mehr als 2500 Gattungsnamen beschrieben werden, sowie alphabetische Register der litauischen, lateinischen, polnischen und deutschen Pflanzennamen³. Die Seiten der Pflanzenliste sind nummeriert; dieser Teil beginnt auf S. 43 und endet auf S. 261, danach folgen unnummerierte Register. Am Ende sind zwei Blätter eingeklebt, auf denen vier Pflanzennamen stehen; nach den Registern schrieb L. Ivinskis eigenhändig: Pabajga antros dalies. Finis. 2 dae partis (Plantarum) (lat.). Die Handschrift ist mit schwarzer Tinte geschrieben, nur ein Teil des deutschen Registers mit violetter. Im Text finden sich außerdem stellenweise mit violetter Tinte eingefügte Wörter; die Entsprechungen in anderen Sprachen sind nicht durchgestrichen.
Vergleicht man den Bearbeitungsstand des zweiten Teils der „Prigimtūmenė“ mit den beiden Fassungen des ersten Teils, zeigt sich, dass auch „Žolėmina“ ebenso ausgearbeitet ist wie die in Vilnius aufbewahrte Fassung des ersten Teils. Die in LLTIR befindliche Handschrift „Žemėtros“ endet auf S. 42, und „Žolėmina“ wird anschließend ab S. 43 fortgesetzt; diese Nummerierung weist darauf hin,
3 Siehe von derselben Autorin: Die Terminologisierung einfacher Wörter im 19. Jahrhundert (L. Ivinskis’ „Prigimtumenė“) // Lituanistica. 1997. Nr. 3(31). S. 44–53.
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dass L. Ivinskis beide Teile etwa zur gleichen Zeit verfasste und den ersten Teil später ergänzte und neu abschrieb.
Auf den Titelseiten der Handschriften des ersten und des zweiten Teils, die in der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau aufbewahrt werden, ist die Stadt Krakau angegeben. Die Umstände, unter denen diese Handschriften nach Krakau gelangten, werden durch einen im ersten Teil „Žememina“ eingefügten Brief etwas erhellt. Der auf Polnisch verfasste Brief ist auf den 13. September 1877 datiert. Er ist an den Vorstand der Akademie der Wissenschaften in Krakau gerichtet und wurde vom Sekretär der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften, Dr. Kuczyński (Dr. Kuczyński), geschrieben. In dem Brief heißt es, dass gemäß dem Beschluss der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften vom 20. Juli der Fakultät das von Professor Jančevskis (Janczewski) anvertraute, zweiteilige Manuskript von L. Ivinskis zugesandt werde, mit dem Titel Spis minerałów, roślin i tworów żyjących (zwierzęcych), verfasst in litauischer (samogitischer), lateinischer, polnischer und deutscher Sprache. Nach Ansicht der Fakultät wäre es für die Sprachkommission der Akademie nützlich, dieses Werk zu erwerben. Bei dem Briefschreiber handelt es sich wahrscheinlich um den Botaniker und Universitätsprofessor Edvardas Františekas Jančevskis (Edward Franciszek Janczewski, 1846–1918), der 1873 in Krakau seine Dissertation über Pflanzenanatomie und -morphologie verteidigte4. L. Ivinskis könnte dieses Werk E. F. Jančevski selbst übergeben haben, als er vor 1872 eine Botaniker-Tagung in Warschau besuchte5, oder er könnte es auch durch eine andere Person weitergeleitet haben. Es wurden keine Quellen gefunden, die belegen, wie und zu welchem Zweck L. Ivinskis seine Handschrift nach Krakau übergab.
Der Brief erwähnt nur zwei Teile der „Prigimtuimenė“, doch aus dem Titel des Werks und einigen Erläuterungen L. Ivinskis’ (z. B.: Neg pradiejus paskajtimą daliun ipatej wisun trijun atskiriu, reike pirmesnej noris paminiėtė abetnunsius žemės ir dangaus dalijkus (Prl. Kr. p. 3)) lässt sich schließen, dass L. Ivinskis auch einen dritten Teil dieses Werks, „Gyvūmina“, plante; es gibt jedoch keinerlei Informationen darüber, ob dieser Teil verfasst wurde.
Das zweite Manuskript von L. Ivinskis, das im Handschriftenbestand der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau aufbewahrt wird, trägt im Katalog die Nummer 2232.
4 Apie E. F. Jančevskį žr. Polski Słownik Biograficzny. Wrocław-Warszawa-Kraków. 1962–1964. T. 10. P. 495–496.
5 Plačiau žr. Petkevičiūtė D. Laurynas Ivinskis. V., 1988. P. 93–94.
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der polnisch-samogitische Wörterbuch (Słownik polsko–żmudzki). Dies ist die umfangreichste lexikografische Arbeit von L. Ivinskis mit 2060 Seiten, die die Buchstaben A–R umfasst und aus drei Bänden besteht6. Das Wörterbuch wurde mit schwarzer Tinte geschrieben und in drei separate Bücher gebunden. Der I. Band umfasst 1018 Seiten, der II. Band die Seiten 1019–1767 und der III. Band die Seiten 1768–2060. An einigen Stellen wurden zusätzliche Blätter mit eingefügten Wörtern ergänzt, zum Beispiel wurden auf Seite 1819 sieben Wortnester eingefügt. Der samogitische Teil des Wörterbuchs ist recht umfangreich und enthält zahlreiche Synonyme und Erläuterungen. Einige Beispiele aus diesem Wörterbuch:
Buchta, –ty. f. – Atšiāta, –tōs. m. Wandens ing žiames tārpa ikiszūlis (S. 93).
Clarz, –a. m. – Mūjtines rinkėjas; jamans duōni nuog mūjta (S. 133).
Dysponować, v. a. – Pariedité, patajsité, iszpasakoté, kajp rėjkia kōké dārba wéśté (S. 239).
Przymęczony, –na, –ne. adj. – Prizūditas, priwārgintas, priwėjktas, priwarītas (apej arkli) (S. 1439).
Rozrodzcy, –cza, –cze. part. – Iwajsinamas. Žōliun iwajšos dalijkaj (Rozrodzce narzędzia roślin. Vasa generationis plantarum) (S. 1918).
Im Bibliothekskatalog ist vermerkt, dass dieses Wörterbuchmanuskript von L. Ivinskis von Marija Oginskienė gestiftet wurde (Dar Marii z Potulickich Ogińskiej).
Das dritte in Krakau befindliche Manuskript von L. Ivinskis ist eine Arbeit zur litauischen Grammatik („Czasowanie słów dla ich ułożenia w ścislejszy porządek“. Praca z zakresu gramatyki języka litewskiego); es handelt sich um polnischsprachige Tabellen, in denen die Deklination der litauischen Nomina und die Konjugation der Verben beschrieben werden7. Es ist ein kleines Manuskript im Format 37 × 47 cm. Im Katalog ist vermerkt, dass diese Arbeit eine Schenkung von Stefanija Bireckos ist (Dar Stefanii Bireckiej).
6Siehe ausführlicher: Kruopas J. L. Ivinskio leksikografiniai darbai // Lietuvos TSR Mokslų akademijos darbai. 1960. 1(8). S. 192; Vitkauskas V. Lauryno Ivinskio raštų kalbos ypatybės // Lituanistica. 1996. Nr. 3(27). S. 23–24; Vitkauskas V. Lauryno Ivinskio leksikografiniai principai // Lauryno Ivinskio Kalendoriaus 150-mečiui. 1997. S. 29–32.
7Siehe ausführlicher im genannten Aufsatz: Vitkauskas V. Lauryno Ivinskio raštų kalbos ypatybės. S. 22–23.
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Ein weitaus umfangreicheres, in Polen aufbewahrtes Werk von L. Ivinskis, in dem die litauische Sprache beschrieben wird, ist das auf Polnisch verfasste Manuskript einer litauischen Grammatik. Dieses Werk des Autors ist nicht vollständig ausgearbeitet und geordnet; es ist zu erkennen, dass es sich um einen Entwurf handelt, da darin Absätze gestrichen oder auf eine andere Seite verschoben wurden. L. Ivinskis beginnt dieses Werk mit einer Definition der Grammatik: Die Wissenschaft, die den Wechsel der Wortendungen zur Wiedergabe verschiedener Bedeutungen aufzeigt, nennen wir Grammatik (S. 1)8. Er nennt vier Hauptbereiche der Grammatik: Etymologie (źródłosłów); Syntax (składnia); Rechtschreibung (pisownia) und Akzent (akcent (iloczas))), zählt sechs flektierbare (Substantiv, Adjektiv, Pronomen, Numerale, Verb, Partizip) und vier unflektierbare Wortarten (Präposition, Adverb, Konjunktion, Interjektion) des Litauischen auf. Die Erörterung der Wortarten beginnt der Autor mit dem Substantiv. Er unterscheidet fünf Deklinationsklassen der Substantive, die er Formen nennt (Forma), führt die Nominativ- und Genitivendungen des Maskulinums und Femininums an und zählt anschließend die zehn Kasus des Substantivs mit Beispielen auf: 1. Tièwas. 2. Tièwa (–wo). 3. Tièwuj. 4. Tiewa (–wą). 5. Tiewe! 6. Tièwu. 7. Su Tièwu. 8. Tièwuje. 9. Tièwòn. 10. Tièwòp (S. 1). L. Ivinskis weist darauf hin, dass das Litauische Singular, Dual und Plural hat: Singular: Tièwas; Dual: du tièwu und Plural: Tièwaj. Im Folgenden enthält die Arbeit eine Deklinationstabelle mit Beispielen sowie zahlreiche nach Endungen geordnete Beispiele litauischer Substantive. Adjektive, Pronomen, Numerale und Verben werden auf ähnliche Weise beschrieben. Fotokopien der 82 Seiten umfassenden Grammatik von L. Ivinskis wurden erst kürzlich nach Vilnius gebracht und werden im LLTIR (Bestand Nr. F1–7366) aufbewahrt.
Kopien weiterer Manuskripte von L. Ivinskis, die sich im Handschriftenarchiv der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Krakau befinden, gibt es ebenfalls in Vilnius. Fotokopien von Teil I der „Prigimtūmenė“, „Žemėmina“, werden im Handschriftenarchiv der Bibliothek der Universität Vilnius (F72–754) aufbewahrt, während Kopien und ein Mikrofilm von Teil II, „Žolėmina“, sowie des polnisch-schemitischen Wörterbuchs im Handschriftenarchiv der Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften liegen. Kopien der letztgenannten Manuskripte befinden sich außerdem in der Wörterbuchabteilung des Instituts für Litauische Sprache. Fotokopien der Sprachdatentabellen werden im LLTIR (F1–7365) aufbewahrt.
8 Aus dem Polnischen übersetzt von der Verfasserin des Artikels.
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Die Manuskripte von L. Ivinskis sind bisher nur sehr wenig untersucht worden; einige sind sogar völlig unerforscht. Sie sind für Sprachhistoriker, Grammatiker, Dialektologen, Terminologen, Lexikografen und alle interessant, denen die Geschichte unserer Sprache und unseres Volkes am Herzen liegt9.
Eingegangen am 26.06.1998
9 Ich möchte der Leitung des Instituts für Litauische Sprache sowie dem wissenschaftlichen Sekretär Dr. A. Judžentis dafür danken, dass sie mir die Möglichkeit zu einer Reise nach Krakau gegeben haben, ferner dem wiss. Mitarbeiter Z. Šimėnaitė und der Mitarbeiterin des Instituts für Polnische Sprache in Krakau, Dr. Rozalija Przybytek, die mir half, die Manuskripte von L. Ivinskis ausfindig zu machen.
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