Kompiuterijos terminijos sinonimija: yda ar būtinybė
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Angelė KAULAKIENĖ
Institut für Litauische Sprache
SYNONYMIE IN DER COMPUTERTERMINOLOGIE: MANGEL ODER NOTWENDIGKEIT
Die rasante Entwicklung der Computertechnik und ihre Verbreitung in nahezu allen Bereichen menschlichen Handelns bringen eine Vielzahl von Termini hervor, die funktionale Computerkomponenten, die Architektur von Computersystemen und -netzen, die Datenverarbeitung und -übertragung, Software, ihre Funktionsweise usw. bezeichnen. Daher ist es kein Zufall, dass in den vergangenen Jahren gleich vier Wörterbücher der Computerterminologie erschienen sind (K. Paulauskas und J. Jasinevičius, „Erklärendes Wörterbuch der Computertechnik“ (K., 1995. – 370 S. – im Folgenden AKŽ); das erklärende englisch-litauische Terminologie-Wörterbuch „Informatik und Computerausrüstung“ (V., 1995. – 96 S. – im Folgenden IK); „Erklärendes englisch-litauisches Wörterbuch der Computerterminologie“ (K., 1997. – 366 S. – im Folgenden AKTŽ); das litauisch-englisch-russisch-deutsche Terminologiewörterbuch „Informatik“ (V., 1997. – 943 S. – im Folgenden I). Darin sind die aktuellen Termini der Computerterminologie gesammelt und inventarisiert.
Da die Entwicklungsgeschichte der Computerterminologie nur ein Vierteljahrhundert umfasst (das erste „Russisch-litauisch-englische Wörterbuch der Termini der Rechentechnik“ erschien 1971 und war lange Zeit das einzige auf diesem Gebiet), lässt sich dieser Zeitraum als Anfangsphase der Herausbildung der Computerterminologie betrachten, deren Hauptmerkmale Synonymie und Variantenreichtum sind, zum Beispiel: engl. file: Datei, Datensatz AKŽ 61; Datei, Datensatz IK 35; Datei / Datensatz / AKTŽ 87; Datei (Syn. Datei, Datensatz) I 86; Datei siehe Datei I 42; Datensatz siehe Datei I 307; engl. hardware: Hardware AKŽ 22; Hardwareausstattung AKŽ 84; technische Ausrüstung IK 39; 1. Hardware; Hardwareausstattung; Hardwaremittel. 2. technische Ausrüstung; technische Mittel AKTŽ 104; Hardware (vgl. Hardwareausstattung) I 17; Hardwareausstattung (vgl. technische Ausrüstung, Hardware) I 121; technische Ausrüstung (vgl. Hardwareausstattung, Hardware) I 124; engl. software: Software AKŽ 84; Softwaremittel AKŽ 175; Software IK 76; Software; Softwaremittel AKTŽ 201; Software I 123 usw.
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Ähnlich entwickelt sich in Litauen auch die Terminologie anderer wissenschaftlicher Fachgebiete. So wurde etwa in der ersten Entwicklungsphase der physikalischen Terminologie, die die Jahre 1850–1900 umfasste, ein Begriff häufig mit zwei oder drei, manchmal sogar mit vier Synonymen bezeichnet, die Synonymgruppen bildeten1 (siehe Tabelle 1).
Tabelle 1. Formen der Wiedergabe von Synonymgruppen physikalischer Termini
Gruppe aus zwei Synonymen
beide litauisch
litauisch, entlehnt
entlehnt, litauisch
beide entlehnt
klystugnė arba žalvtykslė (A)*
Lüftung oder Ventilation (F)
maliavos arba daktai darantieji (A)
bombarda arba armota (A)
Seidenblase oder Ohrhörer (K)
Nagės oder Metalle (A)
Telegraf(e) oder Fernschreiber (K)
Beispiel oder Püppchen (Š)
Metalle oder Nagės (Š)
Raum, Weltraum (T)
Stoff, Material (A)
Resonator, Antwortgerät (T)
–
Komprimierbarkeit, Verdichtbarkeit (T)
Schwerkraft, physikalisch (A)
Thermometer, Wärmemesser (T)
freie (lose) Elektrizität (T)
Erstling (Atom) (A)
Gazaz (Gas) (P)
–
Lichtstrahlen (sichtbare Strahlen) (F)
Wärmemesser (Thermometer) (A)
Telefon (Sprechgerät) (A)
Laterne (Leuchtturm) (Š)
Vorstellungskraft (Fotografie) (Š)
Spektiv (Fernglas) (Š)
1 Kaulakienė A. Fizikos terminijos raidos tarpsniai // Lituanistica. 1997. Nr. 3 (31). P. 66-73.
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Dreiergruppe von Synonymen
drei litauische
zwei litauische, ein Lehnwort
ein Lehnwort, zwei litauische
zwei Lehnwörter, ein litauisches
–
–
positives oder bejahendes (wirkliches) Bild (Š)
galvanische Säule oder galvanische Batterie oder galvanischer Stapel (K)
Vorhandensein, Zustand, Stand (T)
vergleichende, sichtbare, relative Bewegung (T)
Form, Gestalt, Geschlecht (T)
–
Elastizität, Spannkraft, Steifigkeit von Gasen (T)
Meridian, Mittagslinie, Tageskreis (T)
–
Härteskala, Stufe (Skala) (T)
–
–
Viergliedrige Synonymgruppe
vier litauische
litauisch, drei Lehnwörter
–
–
Bruchstücke; Scherben, Splitter, Späne (T)
–
feste, steife, starre, elastische Körper (T)
–
Haufen, Reservoir (Bass), Tank (T)
Fünfgliedrige Synonymgruppe
fünf litauische
ein Lehnwort, vier litauische
–
–
Neigung; Schrägstellung; Absenkung; Gefälle; Schwingung (T)
–
–
Temperatur (Erwärmung, Erwärmungswert; Wärme; Wärmegrad) (T)
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*Die Buchstaben kennzeichnen die Quellen:
K – Keleivis iš Karaliaučiaus broliams lietuvininkams žinias parnešą (1849–1879). A – Auszra, Laikraštis išleidžiamas per Dra. Basanaviczų (1883–1886). F – I. Končius. Fizika: Fizikos vadovėlis gimnazijoms [Rankraštis]. P – S. Neris. Populiariškas rankvedis fizikos. V., 1905. Š – K. Šakenis. Fizika. 1920, d. 3. T – Terminai fizikos reikalams, Lietuva (1923–1924).
Eine ähnliche Situation findet sich auch in der heutigen Computerterminologie anderer Länder. So werden in der kroatischen Computerterminologie2 für Computer 11 Bezeichnungen verwendet, für Drucker 10, für Hardware 13, für Software 10, für Bildschirm 10, für Tastatur 5, für Schnittstelle 3 und für Menü 3 (siehe Tabelle 2, die während der erwähnten Konferenz vorgestellt wurde).
Tabelle 2
computer
kompjuter, kompjutor, (elektroničko) računalo, (elektronički) računar, računač, obradnik, rednik, (obradni) stroj
printer
printer, štampač, štampalo, ispisivalo, pisač, pisalo, pisaljka, tiskač, tikalo, tiskaljka
hardware
hardver, očvrsje, sklopovlje, sklopovi, strojevina, sklopovska oprema, sklopovska konfiguracija računala, materijalna osnovica, sklopovska podrška, sklopovska osnova, oprema, željezarija, računala oprema
software
softver, software, napudbina, softverska podrška, programska podrška, napudbena sredstva, programska biblioteka, programska oprema, programi, računalna podrška
display
pokazivač, predočnik, ekran predočnik, cijev za podataka, prikazni uređaj, prikazna jedinica, indikatorska naprava, ekran, zaslon, video-jedinica
keyboard
keyboard, kibord, kejbord, tipkovnica, slovište
interface
interfejs, medus(k)op, sučelje
menu
meni, jelovnik, izbornik
2 Mihaljevic M. Recent Developments in Croatian Computer Terminology / / Towards a European Terminology. International Conference. Budapest. 1998. P. 31–32.
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Daher lässt sich sagen, dass die Synonymie und Variantenvielfalt in der Anfangsphase der litauischen Computerterminologie ein natürlicher Entwicklungsprozess ist. Die gegenwärtige Lage der Computerterminologie wird zweifellos von mehreren Faktoren bestimmt.
Erstens die große Zahl teilweise englischer Synonyme3. Zweitens die enorme Flut neuer Computerbegriffe, über die sich in Litauen oft nicht einmal die Fachleute selbst einig sind. Daher stellt sich die Frage der Auswahl: Welchen Begriff soll man wählen – ein Lehnwort oder ein litauisches Äquivalent, oder soll man beide abwechselnd verwenden?
Gemäß dem Prinzip der Sprachreinheit unseres Terminologiepioniers, Prof. S. Šalkauskis, dem zufolge die Entlehnung „für terminologische Zwecke vor allem dann gerechtfertigt ist, wenn der zu bezeichnende Begriff weder durch die Anpassung eines Wortes der gewöhnlichen Sprache noch durch die Bildung eines neuen Begriffs mittels Zusammensetzung oder Ableitung gewonnen werden kann“4, ist es in einem solchen Fall offenbar notwendig, für das Lehnwort ein litauisches Äquivalent vorzuschlagen, insbesondere da schon seit der Zeit von F. Kuršaitis (etwa ab 1860) eigene Neuschöpfungen zur Benennung neuer Begriffe gebildet wurden. Selbst der französische Linguist M. Brealis (M. Bréal) hatte in seinem „Abriss der Semantik“ (1897) Gelegenheit, die französische Sprache in dieser Hinsicht mit der litauischen zu vergleichen.
Die genannten und weitere Synonyme der Computerterminologie können also eine gewisse Zeit miteinander konkurrieren. Zweifellos wird erst die Zeit zeigen, welche sich durchsetzen. Die Benutzer werden wählen können: Chip, (unarmierter) integrierter Schaltkreis oder Mikrochip; Display, Monitor oder Bildschirm; Driver oder Treiber; File, Datei oder Datenbestand; Kommutierung, Umschaltung oder Schaltung usw. Doch was soll man tun, wenn es nichts zur Auswahl gibt, wenn Lehnwörter geradezu aufgedrängt werden, zum Beispiel: Host, Cursor, Panel, Pixel, Port, Routing, Router, Swapping, Utility usw.
Das Prinzip der Sprachreinheit bedeutet nicht, dass man nun auf alle gebräuchlichen Lehnwörter verzichten und keine neuen in die Terminologie aufnehmen muss. Begriffe sind ebenso wie Wörter der Standardsprache durch Varianten und Synonyme zu normieren. Daher müssen zunächst die bereits vorhandenen litauischen Entsprechungen der Lehnwörter aktualisiert werden
3 Paulauskas K., Jasinevičius R. Aiškinamasis kompiuterijos žodynas. K., 1995. P. 5.
4 Šalkauskis S. Raštai. V., 1991. T. 2. P. 39.
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Entsprechungen und mehr litauische Neuschöpfungen zu bilden, die mit Lehnwörtern konkurrieren könnten5. Andernfalls könnte der unaufhörliche (bisweilen sogar umfangreiche) und ungeregelte Zustrom entlehnter computerwissenschaftlicher Termini zu einer Situation führen, in der der gesamte Fachwortschatz der Computerwissenschaft aus Lehnwörtern besteht. Eine solche Lage der Terminologie der Computerwissenschaft sollte daher als unnormal gelten, da sie eines der wichtigsten terminologischen Prinzipien verletzen würde – das Prinzip des Vorrangs eigener Termini.
Eingegangen am 07.10.1999
Synonymie in der Terminologie der Informatik: Mangel oder Notwendigkeit
Zusammenfassung
Die gegenwärtige Entwicklungsphase der litauischen Terminologie der Informatik ist als Anfangsstadium zu betrachten. Das Auftreten von Synonymen und Varianten in dieser Phase ist ein natürlicher Prozess, der teilweise durch die Vielzahl englischer Synonyme sowie durch die Frage bestimmt wird, ob Lehntermini oder litauische Entsprechungen gewählt werden sollen. Die Fachtermini der Informatik werden durch Varianten und Synonyme normiert, vor allem indem bereits vorhandene litauische Entsprechungen von Entlehnungen in den Sprachgebrauch aufgenommen und weitere litauische Neologismen geschaffen werden, die mit Lehnwörtern konkurrieren könnten.
5 Gaivenis K., Kaulakienė A. Ekstralingvistiniai terminų norminimo principai // Kultūra ir visuomenė. Mokslo darbai. K., 1996. T. 3. P. 42–51.
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