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Iš karybos terminų istorijos

Vincentas Drotvinas

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GESCHICHTE DER TERMINOLOGIE Vincentas DROTVINAS Pädagogische Universität Vilnius AUS DER GESCHICHTE DER KRIEGSTERMINOLOGIE Nicht so sehr tut mir das kleine Schloss Sudačio leid wie die kleinen Kriege Sudačio. Aus dem Manuskript von M. Miežinis aus dem Jahr 1849 1. Krieg und seine Lexik Der Krieg ist so alt wie die Welt. Die Geschichte vieler Völker besteht aus langjährigen Eroberungs- oder Verteidigungskriegen, die auf den Seiten der Weltliteratur erzählt und besungen werden. Bei der Lektüre begegnen wir der Kriegslexik verschiedener Länder – Bezeichnungen für Soldaten, Waffen, Kampfhandlungen und -weisen und anderes. Auch in der alten litauischen Literatur sowie in der Folklore finden wir viele aus der Antike stammende kriegskundliche Termini. Somit bilden Kriegstermini eine der ältesten Schichten des litauischen Wortschatzes. Bislang haben jedoch weder die alten noch die heutigen Kriegstermini die Aufmerksamkeit der Forschenden auf sich gezogen. Zwar hat der Historiker der litauischen Schriftsprache Jonas Palionis (1967) die Herkunft der Kriegstermini überblicksartig dargestellt. Der Autor unterscheidet drei Herkunftsschichten der Kriegstermini: volkssprachliche Umgangslexik (248–250), literatursprachliche litauische Lexik – Neubildungen (263–264) sowie Lehnlexik (278–279); außerdem beschreibt er das quantitative Verhältnis dieser Termini zu anderen Gruppen entsprechender Herkunft: Unter den Gruppen der volkssprachlichen litauischen Lexik gehören Kriegstermini zu den kleineren (248–249), während Bezeichnungen für Krieg und Kriegstechnik eine relativ umfangreiche Gruppe von Slawismen bilden, die in Denkmälern der litauischen Sprache aus der älteren Periode belegt sind (278–279). Eine beträchtliche Menge an Kriegsvokabular, das im heutigen Litauisch nicht verwendet wird, ist in J. Palionis’ jüngster Arbeit (2004) aufgeführt. Kriegskunde wird unter den gelungenen Neubildungen von Simonas Daukantas erwähnt (Zinkevičius 1990: 152). Kriegskunde wird verstanden als Kriegskunde 27 Theorie und Praxis im weitesten Sinne, d. h. 1) „ein Tätigkeitsbereich, der die Organisation, Vorbereitung und den Einsatz der Streitkräfte eines Staates in Kriegs- und Friedenszeiten umfasst“, 2) „Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Soldat benötigt“, 3) „die Kriegswissenschaft, deren Hauptgegenstand die Untersuchung der bewaffneten Auseinandersetzung im Krieg ist“; außerdem wird noch die Kunst der Kriegführung unterschieden (Smetona 1995). In diesem Artikel werde ich versuchen, die Ausprägung des semantischen Feldes „Kriegführung“ vor allem in lexikografischen Arbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts zu untersuchen, insbesondere in handschriftlichen Wörterbüchern Kleinlitauens (einige davon, erst vor Kurzem veröffentlicht, haben noch nicht breitere Verbreitung in der wissenschaftlichen historischen Lexikologie gefunden) – die Herkunft, Synonymie und Bedeutungsentwicklung wichtiger Benennungen für Begriffe der Kriegführung sowie deren Fortbestand in der heutigen litauischen Terminologie zu erörtern. 2. Krieg, karias und andere Das Wort karas findet sich bereits in den ältesten Denkmälern der litauischen Sprache, ist jedoch wesentlich älter als das 16. Jahrhundert. Karas ist nicht nur eine baltische, sondern auch eine indoeuropäische lexikalische Gemeinsamkeit. Wie prußisch *kargis, *karjas „Heer“, „Krieg“ hatte litauisch karias in alten Schriften die Bedeutungen „Krieg; Heer; Trupp, Regiment“, ebenso karia „Krieg; Heer“ und karė „Krieg“, karis „Heer, Krieg“ LKŽ V (ausführlicher siehe Mažiulis 1993; Palionis 1967: 2501). In den Schriften von Martynas Mažvydas, Mikalojus Daukša und anderen Autoren des 16. Jahrhunderts war das Wort karas (und seine Varianten) die litauische Bezeichnung für die genannten Bedeutungen, wenn auch mit Synonymen. Im Wörterbuch von Konstantinas Sirvydas aus dem Jahr 1642 lautet das litauische Äquivalent für poln. woyna, lat. bellum karionė, das übrigens auch in den Schriften von M. Mažvydas verwendet wurde. In den handschriftlichen Wörterbüchern Kleinlitauens aus dem 17. und 18. Jahrhundert finden sich jedoch neben karas bereits auch Lehnwörter – Slawismen und Germanismen. Das häufigste Synonym des litauischen Terminus karas ist das Slawismus vaina(s) (poln. wojna, weißruss. война): Krieg Karas, Wayna Lex2, Heerfahrt, Karas, ô. M. Wainas, ô. M C II, Krieg Waina, ôS., C II, Krieg Karas Wayna Richt 144, Karas Wayna Q. 1 Die Herkunft einzelner kriegsbezogener Termini hat der litauische Lexikologiehistoriker Algirdas Sabaliauskas (1990) erörtert. 2 Illustrative Beispiele aus zweisprachigen (dreisprachigen) Wörterbüchern werden in der Originalform wiedergegeben (nicht in die Standardsprache überführt). 28 In anderen Wörterbüchern des 18. Jahrhunderts rückt das Germanismus an erster Stelle: krygė: Krieg Karas, aro, M. Kryges, iu, f, pl., Wainas, no, M. R, Krieg Bellum Karas, Kryge, Waijkas, Waina B. Die Verbreitung des Germanismus zeigt sich auch in den Belegen: Neben girdziu kara dabar ne turrinti galo B finden wir bereits Kryge eiti, į Krygę traukti, į kryge suſti B, vgl. Feldzug Traukimmas į kryges, karą M. Das litauische Element karas bleibt jedoch in den litauischen Entsprechungen deutscher Zusammensetzungen sowie Ableitungen und Wortverbindungen erhalten, z. B.: Krieg führen karauju Lex, Krieg Cammer – Kar Kamare, Kriegs Macht Karo macis, Kriegs Räncke Karo kitrafis Richt und Kriegs=Rancke, Guddyste Karo Q. Im ersten Wörterbuch von K. Sirvydas ist ir kavimasis (Woyna / bellum, militia, kawimafis SD¹ aufgeführt. Im Wörterbuch von F. Petorijus finden wir neben den erwähnten Krieg Karas, aro, M Kriegas, giu, f, pl. Wainas, no m auch einen spezialisierten Terminus ruba: Plunderung Rubba, ós. F C III; ebenso im Wörterbuch von P. Ruigys Grenzkrieg, Rubba, bos, f. „militärischer Grenzkonflikt, Zusammenstoß“ R (brus. руба „Raub, Plünderung, Überfall“). Von der verbalen Militärlexik sind die zur Bezeichnung der Kriegshandlung selbst, des Kampfes, verwendeten Wörter zu nennen: kariauti, kovauti, karą vesti, širmavoti, kautisi, krygavoti: Kämpffen kowauti, karauti Lex, Kämpffen, Kowawoju, jau, su, ti, Karauju, rawau etc. C II, Kriegen Karauti Lex, Kriegen. Karauju, awau, su, ti Bellum gerere, Karą weddu, ḋzau, su sti C II; vgl. außerdem bekriegen apk arauti Lex, Bekriegen Apk arauju, rawau, su, ti C I, Kriegführen karą weddu, ḋzau, su, sti C II, kämpfen kowauti, Szirmavoti Richt, streiten Kautisi, krygawojū Lex. Kowawoju, jau, su, ti C III, Streiten kowauti kautisi Lex. Von den Verben zur Bezeichnung des Gebrauchs von Schusswaffen sind sušaudyti, šaudyti: archibusiren suβaudytį Lex, suβaudytį C I, Schüßen szauti Lex und weitere zu nennen. 3. Alte Bezeichnungen für das Heer Die häufigsten Bezeichnungen für die Streitkräfte sind a bazas und vaiskas, seltener logeris (logoris). Bemerkenswert ist, dass Wörter derselben Wurzel wie 29 der Germanismus lageris deutsche verwandte Wörter litauische Entsprechungen haben, vgl. belagern. Apgulti Lex, apgullu, lau, lšu, lti CI, Belagerung apgulimas Lex, apgulimas, o CI. Abazas (poln. oboz): Armee abazas, waiskas Lex, Feldlager abazas Lex, Heer; Abažas, ô. M. Pulkas, ô. M. C II, Feldschlacht abazo mußis Lex, [Feld]schlacht Mußis, Abazu Mußis B, vgl. [Feld]Haupt Mann Wyrausis ant Abazo C II, vgl. FeldHerr diddisis Etmons Abazo B, [Feld] Prediger Abazo Klebons, kunnigs B, Heerlag er Waiskas Abazas B, Heerhorn Abazo Ragas B, Heereskrafft Waiskas, Abazas, Zalneru Pulkas B, [Heeres]Spitze abazo Pryßakkis B und weitere. In den Wörterbüchern von K. Sirvydas wurde abazas mit einer litauischen Entsprechung wiedergegeben: Oboz / caftra, tentorium, flatitia karioftowis / kariowiete SD¹, vgl. obozny / adjectiu. caftrenfis [ubf] menfor, [...] karioftowinis SD¹, ferner potyczki / Acies, căpus, [...] Wieta kariones / karionawite SD³, vgl. auch Oboz / Caftra, orum. Taworay Kariewiu SD³. Abazas wird auch durch eine umschreibende Erklärung wiedergegeben: Tabor žolnierski / Carago, onis. Karias wężymays aplinkuy apfijtatis SD³, vgl. auch im Wörterbuch von J. Brodovskis Lager. Caftra. S zietras. Abazas. Karo wieta. Wieta apfijto jimo B, [Lager] schlagen abaza pamufßti / nustatyti B, vgl. außerdem Heereskraft Waiſkas, Abazas, Zalneru Pulkai B. Vaiskas (poln. wojsko „Heer“): Kriegesheer Waiſkas Lex, KriegesHeers, Waiſkas, ô. M C II, [Heeres] Volck Žalneru Pulkai, tikkri Žalnerei Waiſkas B; neben abazas und vaiskas wird auch der Germanismus logeris, logoris verwendet (dt. Lager „Lager“): Kriegs lager abazas, Logeris, rio. M. R, Kriegesheer Waiſkas, ko. M; Feldlager Logeris, rio, M. Kriegslager Abazas, Waiſkas, Logoris B, Abazas, zo M. è pol. M. Eine Heereseinheit wird ansonsten auch pulku genannt: Heer pulkas Lex, Heerscharen pulkai Lex, Parthey Pulkas Lex, Heer Pulkas Richt, [Heer]führer Wadas Pulko ebenda, Heerscharen Pulkai ebenda; Heerscharen Pulkai Q; Parthey Pulkas B. 30 4. Krieger, Soldat, Zalnierius Für die Bezeichnung einer in der Armee dienenden Person finden sich in den alten Schriften wohl besonders viele Termini – sowohl litauische als auch entlehnte, außerdem ihre Synonyme und Varianten. Karias konnte neben karas zunächst nur ein Adjektiv gewesen sein, erst später bedeutete es „Krieger“ (Skardžius 1996: 61). Der Terminus karys findet sich in Schriften des 16.–17. Jahrhunderts, z. B.: Und er sandte seine Krieger aus und schlug die Räuber nieder Jonas Bretkūnas und Baltramiejus Vilentas. Nachdem er Krieger gegen ihn versammelt hatte, vergalt er ihm die Schmach gründlich K. Sirvydo Punktay Sakimu I 135; ebenso in den Schriften von Simonas Daukantas und Simonas Stanevičius sowie in den Liedern von Antanas Juška (siehe LKŽ V). Allerdings fehlen die Wörter karys, kareivis in späteren lexikografischen Werken des 17.–18. Jahrhunderts – sie wurden wohl durch das entlehnte Äquivalent, den Polonismus zalnierius verdrängt (die Variante žalnierius findet sich bereits in den Schriften von M. Mažvydas und M. Daukša sowie in anderen alten Quellen). Selbst in den Wörterbüchern des 17.–18. Jahrhunderts in Kleinlitauen konnte zalnieriaus das deutsche Soldat nicht verdrängen.3 Die Bedeutung „Soldatenlohn“ ist in K. Sirvydas’ Wörterbuch von 1642 belegt: żold / Stipendium. Mokietis karejewiamus dudama SD3, vgl. żoldowy / Stipendiarius. piniginis SD3, ebenso żoldūje / żoldnierską służę / żold wiodę Mereo, Milito. Ich kämpfe = iu ažų pinigus SD3. Durch dieses Merkmal sind auch andere Bezeichnungen für Soldaten motiviert, z. B.: żoldak / vide. żolnierz pieniężny. Kariejwis ażų pinigus, żolnierz / Miles, Kariautojas, kariejwis SD3. Neben den Wörterbüchern K. Sirvydas’ wird der Polonismus zalnierius auch in den Wörterbüchern Kleinlitauens verwendet: Landsknecht zalnerus Lex, Kriegsknecht Zalnerus B, Kriegsknecht Zalnerus, eraus M. R, Kriegsvollck 3 In den deutschen Wortschatz gelangte Soldat im 16. Jahrhundert aus dem Italienischen soldato. Mittelhochdeutsch solt „Lohn, Sold eines Soldaten“ stammt aus dem Altfranzösischen solt „Goldmünze“, dieses wiederum aus mittellateinisch solidus <, lateinisch (nummus) solidus „rein (Münze)“. Wörter dieses Ursprungs finden sich in den heutigen Sprachen: französisch soldat, spanisch soldado, englisch soldier. In den Wörterbüchern Kleinlitauens entspricht dem deutschen Soldat zalnierius, z. B.: Soldat zalnierus Lex, Zalnerus, eraus R, Soldat, Zalnerus, eraus M. Im Deutschen gibt es auch die Ableitung Söldner. Die alte Praxis, Soldaten gegen Geldlohn anzuwerben, ist auch in polnischen Wörterbüchern belegt: polnisch żold (< tschechisch żold „Sold für einen Soldaten, der den obligatorischen Militärdienst leistet“ < italienisch soldo „alte kleine italienische Münze, 1/20 einer Lira“; Dubisz 2003), daraus polnisch żolnierz. Das deutsche Soldat wurde im 17. Jahrhundert ins Russische entlehnt – солдат (davon stammt der Slawismus soldatos). 31 3 a l n i e r e y Lex, Kriegsleute Z a l n e r e i B, vgl. Werben Soldaten Samdyti Szelnerus Q. Zalnierius ist ein häufiges litauisches Synonym für mehr als einen deutschen Terminus, z. B.: Krieger bellator Z a l n i e r e i R u b i k k a i K a r e i w y s K a r z y g i s B, Krieger Z a l n e r u s, e r a u s, M. K a r z y g y s, y g i o, M. K a r a u j a s partic. R u b b i n a s, n o, m. R, Kriegesmann Z a l n e r u s, e r a u s, K a r e i w i s, w j o, K a r z y g y s, g i o, M. Der Polonismus zalnierius entspricht dem ersten Glied deutscher Zusammensetzungen mit Krieg, z. B.: Kriegszeug z a l n i e r u r i k a i Lex, [Kriegsleute] auf dem Meer Z a l n e r e i a n t J u r u B, [Kriegsleute] abdrucken Z a l n e r u s a i d e k a w o t i B, [Kriegsleute] anwerben [z a l n e r u s] r i n k t i, w e r b o t i4. Ein weiterer Slawismus ist rubikas: Plünderer r u b b i k a s Lex, Plunderer R u b i k k a s, o. M. ka, os F C III, vgl. Plunderung r u b b a Lex, Krieger bellator Zalnerei R u b i k k a s Kareiwis Karzygis B, vgl. rubytì-plündern r u b b i t i, sdrojauni Lex, ferner vgl. r u b a u n i n k a s „Räuber“ (polnisch rubownik). Es ist zu erwägen, ob die heutigen litauischen Familiennamen Rùbikas, Rubìkas nicht von diesem letzteren Terminus abgeleitet werden könnten (zur Herkunft der genannten Familiennamen siehe LPŽ 1989). 5. Verschiedene Bezeichnungen für den Soldaten Die am weitesten verbreitete spezialisierte Bezeichnung für eine in der Armee dienende Person in älteren Schriften ist pėstininkas: Fußvolck p e f t i n i n k a s Lex, Fußvolck Pe f t i n i n k a i, ku, m. pl. R, B, Hayduk Pedes, p e f t i n i n k a s SD³, [Fuß] Knecht Pe f t i n i n k a s, o. M, [Fuß] Gänger U z n o k s t a w e k a i p Pe f t i n i n k a Fugbgänger: C II, Fußgänger zu Fuß Pe f t i n i n k s B, Fußvolck Pe f t i n i n k a i B, Fußgänger Musqvetirer. Pe f t i n i n k a s, ko, m. M irkt. Die Wörterbücher von K. Sirvydas führen neben dem genannten Begriff kareivis (Walecznyk / woien- 4Da die Soldaten, wie erwähnt, damals angeworben wurden und ihr Dienst viele Jahre dauerte (wenn es im Krieg gut lief …), gründete der Soldat in dieser Zeit auch eine Familie. Davon zeugen die Bezeichnungen für die Frau eines Soldaten: Soldatenweib Z a l n i e r k a, o s Lex, Soldatin Zalnierka, os R, Soldatin Zalnierka, os f M, Kriegerin K a r e i w j e n e B; vgl. auch Dragonerfrau Dragunkà M. 32 nik. Bellator, pugnator. K a r i e y w i s SD3), führt auch weitere Bezeichnungen an – kariauninkas: Rycerski człowiek / Equestris ordinis homo. K a r i a u n i k a s SD3, Waleczny / Bellicosus, pugnax. K a r i a u n i k a s SD3, Jancarowie / Triarij Turcarum. K a r i a u n i k a y T u r k u SD3, Leža žolnierjka zimna / Hyberna, orum. hyemalia. ž i e m a g u o l i s / ž i e m a g u l t a s k a r i a u n i k u SD3; kariautojas: žolnierz / Miles. K a r i a u t o j a s / k a r i e y w i s SD3, walecznik / prealiator, bellator. k a r i a u t o j a s SD1; Kirišnik / Cathaphractus, loricatus, […] G i e l a ž i n i n k a s k a r i a u t o i a s SD3; kazokas: žolnierz lekky/kozak. Veles itis; miles leuis armaturae. K a z a k a s SD3. Zu den selteneren Bezeichnungen für den Soldaten zählen die litauischen S a n - K a r a w i s, w j o e i n Mitgenoβ H, ein Mitstreiter S a n k a r a w i s, w j o, M. R; vgl. auch Draug=Karaujas, janžio ein Mitstreiter, G. Maſc., janti, žios foem H. Weitaus häufiger sind Lehnbezeichnungen belegt: drobas: Drab maſc. et drabant / ex germ. pedescalo fatelles, ſtipator, ſpiculator. drobas SD1; dragūnas: Dragonner dragunas Lex; Dragoner Dragun’s, no, m M, Draguner dragun’s, ô M C I, Dragouner Dragun’s B. Letzterer wird als antiker Fußsoldat erklärt, später als leicht bewaffneter Reiter, der ein Erkennungszeichen trug – einen Umhang mit einem Drachenbild (zur Herkunft vgl. franz. dragon „Drache“ < lat. draco, onis „Schlange, Drache“); ei-dukas: Wybrantz. Puczkininkas, E i d u k k a s, ô. M. C IV, Wybrantz E i d u k a s Putzkininks. Wybrancas Q (< poln. hayduk < ung. hajdu „Wächter, Hirte“, seit dem 16. Jh. Bezeichnung für angeworbene ungarische Soldaten); pučkininkas: Wybrantz P u c z k i n i n k a s. E i d u k k a s, o. M C IV, vgl. Džialo / machina, tormentum, pucźka SD1, Büchse putczka Lex; ručinykinykas: Muszkietnicy / Fistulatores. Szauditoiay ruciniknikay SD3, vgl. rušnica, bombarda, tormentum ruciničia „Gewehr“ SD1; striel-čius: Schütze S t r e l c z u s Lex, Schütz S t r e l c z u s Q; šarvininkas: Kurijbirer S ӡ a r w i n i n k a s, ô, M. C II, vgl. Kurijb Sӡarwas, ó. M. C II, ferner rynſlunek / ex germ. apparatus, szarway SD1; wybrancas: Wybrantz. Eidukas, Putczkininks W y b r a n z a s Q „Neuling“, vgl. poln. wybraniec / wybrańcy / Delecti viri, Iβ r i n k t i n i s SD3. 33 6. Bedeutungswandel von Termini An der Bedeutung der Termini Krieger Ka z i g i s (=kar – V. D.) Lex, gerüsteter Mann Kar ž y g i s Richt, Gerüsteter Mann K a r z y g y s (y korrigiert aus i – V. D.) Q zeigt sich, dass karžygys früher (in den Schriften Kleinlitauens des 17.–18. Jahrhunderts) die denkbar weiteste Bedeutung hatte, nämlich „Soldat“; zum zweiten Bestandteil vgl. žygis (Gang e j i m a s, z y g i s Lex, Reise kellone, kellawimas, z y g i s Lex), demnach bedeutet karžygys „derjenige, der marschiert, in den Krieg zieht“. In etwas späteren Wörterbüchern des 18. Jahrhunderts findet sich jedoch auch eine Bedeutungsänderung des Terminus karžygys: karžygys entspricht dt. Held, Ritter (übrigens hatte Letzterer zuvor keine litauische Entsprechung: Ritter rycerus Lex, Held K a r z y g i s R i c z i e r u s Richt; Held K a r z y g i s R y c z i e r u s Q, Held K a r z i g y s R y c e r u s (mit einer Bibelstelle illustriert) B; [Heer]Führer Karžigis Generōlus B. Somit nimmt karžygys allmählich seine heutige Bedeutung „Held, Hero“ an. Die Bedeutung „Mann des Krieges, Krieger; Soldat“ von Karininkas, karin y kas findet sich bereits in den Schriften von J. Bretkūnas (LKŽ V). Karininkas ist aufgrund seiner Bedeutungsbreite ein militärischer Terminus, der viele Diskussionen ausgelöst hat. Obwohl Jonas Jablonskis bereits 1911 vorschlug, karininkas, karo žmogų anstelle von kariškio zu verwenden, und Juozas Balčikonis das Lehnwort apicieras vorschlug (Balčikonis 1978: 146–147), setzte sich laut Pranas Skardžius karys anstelle von kariškio mit der Zeit durch, während karininkas die Bedeutung „Offizier“ annahm (Skardžius 1996: 142, 589, 603). Heute wird karininkas als „Mitglied des Führungspersonals der Armee oder Polizei“ definiert; die zweite Bedeutung ist veraltet: karys3. Ein Beispiel für Bedeutungswandel ist auch der Terminus pulkininkas. Im sogenannten Richter-Wörterbuch wird seine abweichende Form pulk auninkas angeführt: [Partey] Gänger P u l k a u n i n k a s Richt; vgl. poln. potkownik; vgl. auch [Partey] Gänger P u l k i n i n k a s B (also ein Krieger eines pulkas, einer kleinen kämpfenden Einheit), P u l k a u n i n k a s, k o der Oberste, der Hauptmann H, P u l k a u n i n k a s, k o, M. ein Hauptmann ziemlich obsol. M. Bereits in den Wörterbüchern von K. Sirvydas wird pulkininkas in seiner heutigen Bedeutung verwendet: Rotmijfrz / centurio, […] šimt i n i n k a s, p u l k i n i k a s SD¹; Potkownik / Chiliarcha, tribunus militum, legionarius, centurio, p u l k i n i k a s3. 34 7. Bezeichnungen militärischer Dienstgrade In den von uns untersuchten Quellen finden sich zahlreiche Begriffe, mit denen Dienstgrade der militärischen Hierarchie und militärische Ämter bezeichnet werden: apic(i)erius: Officierer appicierus Lex, Officierer Appicierus, aus. M C III, Apicerus, eraus, m. ein Offizier R, Officierer Apicer’s B; desetkininkas: Rott Meister Desetkininkas, Karprolus B; etmonas, hetmonas, hetmanas: Feld=Herr Etmon’s, ó. M. C II, Feldherr hettmons Lex, Feld=Herr Etmon’s, ó. M. C II, [Feld]Marſchall Etmon’s, ó. M. ebenda, Feldherr Etmonas Q; vgl. Hetman / aus dem Deutschen […] hetmanas „Heerführer“ SD¹; generolas: General generolas Lex, General. Generolus C II, General, Generolas, lo, m R, General, Generolus, laus M, General, Generolus (hinzugefügt: der General Feldherr) B; kapitonas, kapteinis, kaptainis: Kapitan / siehe Rotmisftrz / porucznik / Hetman. Kapitonas SD³, Capitein Kapteinis Lex, Capitain. Kapteinis, io. M C I, Capitain, Hauptmann, Kapteinis, nio, m. Szimtininkas, ko. M. R, Hauptmann, Capitain, Kapteinis, nio. Szimtininkas, ko, Wyreſnis ant Zalneriu R, Capitain Kapteinis B, [Haupt] Ambts Pillonis, Szimtininķ’s, Pulkawnink’s. Kaptainis Capitain B; karprolius: Corporal Karprolus Lex, Rottmeister Karprolus Lex, Corporal Karprolus Richt, Rott Meister Desetkininkas, Karprolus B; karūnininkas: Fähnrich Karunininkas Lex, Fähnrich Karunininkas, o. M. C II, Fähnrich Karunininkas, ko. M. R, Karunininks, ko, ein Fähnrich, Fahnenjunker R, Fähnrich Karunininkas Q, Fähnreich Karuninink’s B, Cornett Carunininkas Richt, Raitelis Karunininkas, ko, m M, vgl. auch chorąžý / jgnifer, vexillifer, karužafis SD¹; leitmonas: Leutenant leitmonas Lex, Leutenant Leutmonas, o. M. Paruczininkas C II, Lieutenant. Leutmon’s. Paruczinink’s a Pol. Porucznik B, vgl. K. Sirvydas’ porucznik / Subcenturio, vicarius centurionis. Wietinikas šimtininko SD³; 35 Major: Major, Majoras, joro. M. R, Major, Majoras, joro, m. M, Major Major’s, Bajoras B. 8. Waffenbezeichnungen In den untersuchten Quellen finden sich zahlreiche Waffenbezeichnungen. Das 16.–18. Jahrhundert war eine Epoche der Entwicklung der Kriegstechnik, in der noch weiterhin Kaltwaffen verwendet wurden, zugleich aber auch bereits Schusswaffen mit Pulver aufkamen (Harding 2000). Daher werden hier Bezeichnungen für Waffen und ihre Teile sowie für Ausrüstungsgegenstände behandelt. Zunächst ist die Waffe selbst zu nennen: ginklas: Bron / oreże Arma, armatura Ginklas / Szarwas3 (somit sind Waffe und Rüstung Synonyme, vgl. Deka / pugio, sica. ginklas SD1), Gewehr ginklas, Schützwehre ginklas Lex, Waffen ginklas, Wehr und Waffen ginklas Lex. Im Wörterbuch von J. Brodovskis finden wir auch eine Fliegenwaffe, vgl. [Fliegen] Platz, Wedel. Muſſu baidoma szlutele ſ. Ginklas. Baidyklė B. Das bereits erwähnte dt. Gewehr hat im Wörterbuch von J. Brodovskis drei Entsprechungen: Gewehr Ginklas Plinta Puczka B. Im Wörterbuch von P. Ruigys steht Ginklas, klo, m. auf Deutsch Wehr oder Waffen. In den Wörterbüchern von P. Ruigys und K. Milkus findet sich die Pluralform des Begriffs: Gewehr Ginklai, lu, m. Pl. R, Ginklai, lu, m. die Waffen M, Gewehr Ginklai, lu, m. Pl. M. Die seit der Antike bekannten Kaltwaffen werden außerdem in Wurf-, Stich- und Hiebwaffen unterteilt. Unter den Wurfwaffen finden sich am häufigsten die Bezeichnungen kilpinis: Flitschbogen Kilpinis Lex, Flitsch=Bogen Kilpinnis, io. M. Temptywa, os C II, Köcher. Seidókas, ó. M. Kilpinis, iô. F C II, Kuſa / arcus, baliſta, ſcorpio, catapulta kilpinis SD1, Łuk / Arcus Kilpinis SD1, Łuk / Arcus Kilpinis SD3; seidokas: Köcher seidokas Lex, Köcher. Seidokas, o. M. Kilpinnis, io. F C II, Köcher, Seidokas, o Detuwe Wylicziu M (lett. sajdak, weißruss. caùdak). Unter den Stichwaffen sind am häufigsten folgende Bezeichnungen zu finden: Bardische: Halabarda / ex ger. bipennis, securis Romana. Amazonia. bardišius SD1 [bardišius wird auch ins Litauische übersetzt: Bardył]. Lunata securis. hafta falcata. Dolgiakinwis SD3, Halabart / Bipennis, amazonia securis. Kirwis dalginis SD3, vgl. auch Halabartnik. Satelles, securifer. apparitor, ſtipator. Kirwelnikas kieno pas ij ſtowis SD3], bartišius: Hellepart 36 bartiβus Lex, Hellepart, B a r t i β u s, aus. M. C II, Hellepart B a r t i β u s Richt, Helepart B a r t i s z k u s Q; vgl. auch Partisan bartiβus Lex, Partisan B a r t i β u s, ßaus. M. C III, Partisan B a r t i β u s, Drauczius B, Partisan B a r t i β u s, ßaus R, Partisan B a r t i β u s, ßaus M, Partisan B a r t i β u s Richt (aus dem Poln. bardyß, Weißruss. бердыш). Hier liegt ein interessanter Fall eines deutschen Militärbegriffs und seines litauischen Äquivalents vor. Partisan – bartiβus könnte aufgrund des ähnlichen Anlauts der deutschen und litauischen Wortstämme entstanden sein: part- – bart-; Dračius: Kopya / hasta driaučius SD¹, kopiynik / haflatus, fudriaučium SD¹, Kopija žolnierfka. Hafta, fariffa, contus. Draučius SD³, vgl. Kopiynik / Haftatus, phalanx. Draučinikas SD³, Kopiynik / co kopije robi. Haftarum artifex Draučiadavlis / vt Ratadadvilis SD³; draučia: Speer Drauczia, os. F. Ragotinė, es. F C III, vgl. Lantze. Ragotine. Kopija. Drauczia. Wyliczia. Ragotinele B (poln. drzewce, weißruss. дрэвец); Schwert: Schlachtmeßer K a l a w i j a s Lex, miecz / gladius, enfis, k a l a w i i a s / mečius SD¹ (vgl. miecznik / macheropoeus, kalawijodaris SD¹) Tafak / Semifpatha K a l a w i j a s trūpas platus SD³, fztych w miecza / Mucro gladii. Wirfune K a l a w i = io SD³; Degen: Degen K a r d a s Lex, Handdegen K a r d a s Lex, Degen. K a r d a s, o. M. Spogas C I, Degen K a r d a s Richt, Degen K a r d a s, do. M. R, vgl. Degenhenk Kardo = Diržas, Kard = Nebys M, Degelein Kardelis, elio M (weißruss. kopd, poln. kord); Kilepas: czekan / coestus, k i l i e p a s SD¹, kilof / caestus claua, kikupas (= kilupas) „eine altertümliche Waffe – Beil und Hammer mit langem Stiel“ SD¹; Ragotinė: Darda / hasta, lancea. r a g a t i n e SD¹, Obcžep / hasta, venabulum r a g a t i n e SD¹ (vgl. obcžepifko / hastile hastae. r a g a t i - n e k o t i s SD¹), Jägerspieß r a g o t i n n e Lex, Speer r a g o t i n e Lex, Spieß r a g o t i n e Lex, Spieß R a g ó t i n e, es, F C II, Speer Drauczia, os F. R a g o t i n e, es. F C III, Spieß R a g o t i n e, es. F. leßunas, o, M. C II, R a g ó t i n e, es, ein Speer H, Lanze R a g o t i n e, es, f. R, Spieß R a g o t i n e, es, F. leßmas, o. M. ppr (propriè „genau“ – V. D.) Brant Spieß C III, R a g o t i n e, n e s, ein Speer H, Spieß R a g o t i n e, es. F. R, Lantze. R a g ó t i n e. Kopija. Drauczia. Wyliczia. R a g o t i n e l e B (weißruss. рагачына); 37 Mèčius: Schlachtschwerd m e c z u s Lex, [Schlacht] Schwerd M e c z u s, aus, M C III, miecz / gladius, ensis, kalawias/ m è c i u s SD¹ (weißruss. мечь, poln. miecz); Säbel: Sebel s z o b l e Lex, Sebel S z o b l i s, lio. M. S z o b l è, es. F. C III, Sebel S z ó b l e, les, f. R (weißruss. шабля, poln. szabla). Eine alte Stichwaffe mit langer Klinge und geschütztem Griff, ein kleiner Dolch, heißt in alten Wörterbüchern spoda, špoda, spogas: Rapier S z p o d a Lex, Stillet s p o d a Lex, Stoßdegen S z p a d a ebenda, Stillet Spoda, os. F. S p o g a s, o. M C IV (poln. szpada), und Rappier s p ó-gas, o. C III, Degen Kardas, do. M S p o g a s C III, Stillet S p o d a, os. F. S p o g a s, o. M. C IV (russ. unaa?). 9. Bezeichnungen für Schusswaffen und ihre Teile In Europa wurde Schießpulver ab dem 16. Jahrhundert verwendet. Die Entlehnung aus dem Weißrussischen порох, litauisch parakas, ist bereits aus Schriftquellen des 17. Jahrhunderts bekannt (Sabaliauskas 1990: 249). Aus dieser Zeit sind auch Bezeichnungen für Schießpulverwaffen überliefert: Karabiner: Carrabiener K a r r a b i n a s Lex, Carabiner K a r a b i n a s, o. C I, Carabiner K a r a b i n n a s Richt, Carabiner Karabin’s B (franz. carabine „Reitergewehr“, vgl. ital. carabina, daher carabiniere „heutige italienische Polizei“); Pistole: Holffter ulffteris makßtis pjſtūlu p u l l o k u Lex, Faufroh­r p u l o k a s Lex, Pijſtoll p u l l o k a s Lex, Faust Rohr P u l l ó k a s, o. M. Dimin: P u l l o k e l i s C II, [Faust] rohr P u l l o k a s Richt, Pistolle P u l l o k a s, o. M. C III, Pistole P u l l o k a s Richt (lett. pulhak); Kanone: Dźialo / machina, tormentum, p u c ž k a SD¹, Dźialo. Bombarda fulminea, tormentum. p u c ž k a SD³, Moźdzerz wojenny / Tubus aeneus bellicus. p u c ž k a k a r i e y w i n e SD³ (vgl. auch puſzkarz / faber tormentarius. puczkorus SD¹; Puſzkarz co rychtiue strzelbę / Librator, puczkſzaudis SD³), Büchse p u t c ž k a Lex, Musquet p u t β k a Lex, Büchse. P u c ž k a, os. F. P u c ž k a g w i n t a w o t a, ein gezogenes Rohr C I, Muβavet P u c ž k a, ôs. F; Lohf einer Büchse. Wamzdis P u c ž k o s C II, Muβavet. Pucżka, ôs. F C III, Büchse P u c ž k a Richt, Büchse so gezogen Gwintawota Richt (vok. Büchse „Jagdgewehr“, daher poln. puszka, weißruss. пушка, vgl. lit. buks(v)a „Hülse“). Das Wörterbuch von J. Brodovskis bietet zahlreiche Bezeichnungen für die Bestandteile dieses Artilleriegeschützes und seine Verwendung, zum Beispiel: 38 seine Teile sowie seine Verwendung, zum Beispiel: der Hahn Gaidys, das Schloß Spinna, der Schafft Lazza, Büchfe laden Užkrauti Puczka, [Büchfen]Stein Puczkos Akmū und anderes; Bombe: Bombe, Bumbe, és f. Diddéji geležinne kulka R; Kugel: Kula/ex germ. glans, globus. item malleus ligneus, item Scipia kulka SD¹, Kula / Globus, Kulka SD³, Kula do cifkania / Glans, plumbea, ae. Kulka SD³, Bleykugel Kulka Lex, Bley-Kugel Kulka, os. F. C I, Kugelkau (?) Kulka Lex, Kugel Kule, es. F. Kulka, os. F. Kugel Kulka Lex, Kögel J. Kegal Kegelgekugel, Kulka, kos. f. M (poln. kulka, weißruss. кулька < vgl. vok. küle „Kugel“ Sabaliauskas 1990: 248); Pulvermaß: Patron tasch mierka gen os Lex, Patron=Tasch Mierka, os. F C II (weißruss. мерка); Panzer: Panzer pancierus Lex, Pancerus, raus ein Pantzer 4 decl. gen. masc. H (poln. panzerz < vok. Panzer); Pulverhorn, Pulverflasche: prochownica / theca pulveraria parakaunyčia SD¹, Prochownica / Theca pulveris nitrosi parakaunyčia SD³, Pulverhorn paraknycze Lex, Pulver=Horn. Paraknyczia, os. F C III (weißruss. напахния); Pfeil: Strzala / telum, sagitta, wilicia / strela SD¹, Flitschpfeil strela Lex, Pfeil Strela, wyliczia Lex, [Flitsch] Pfeil Strela, ós. C II, Pfeil. Strěla, ós. F. Wylyczia, ós. F C III; Helm: Helm Sʒalmas Lex, Helm Schalmas, o. M. C II (wahrscheinlich aus dem Altrussischen, siehe Sabaliauskas 1990: 251); Schrot: Schrot für ein Gewehr / Miſſilia minuta bombardaru. śratas SD³; Bogensehne: Sehne temptywa Lex; zur Herkunft von temptywa vgl. ciąćiwa / nervus, chorda, fides. tętiwa SD¹; vgl. auch Seh̆ne Gyſla, os C III; Pfeil: Strala / telum, sagitta, wilicia / strela SD¹, Pfeil wyliczia Lex, Pfeil. Strěla, ós F. Wylyczia, ós F C III, Pfeil. Wylicia, cios. F. Strěla, ós F. Strėlas, lo R, vgl. Pfeil mit Widerhacken Strela su Barzda R (weißruss. билица). 10. Schlussfolgerungen Eine vorläufige Übersicht über das umfangreiche Material zu den Militärtermini aus der Zeit der alten litauischen Schriftsprache ermöglicht einige allgemeinere und zahlreiche sachliche Schlussfolgerungen. 39 Die alten Militärtermini reichen bis in die ferne Vergangenheit zurück und spiegeln auch die Kriege des Großfürstentums Litauen und Preußens mit anderen Ländern wider. Die Kriegsleute und die Bewaffnung wurden mit speziellen Termini bezeichnet, die häufig aus westeuropäischen Sprachen stammten. Die Militärtermini sind unterschiedlich alt: Die ältesten sind aus der indoeuropäischen (karas) und der baltischen (kalavijas) Ursprache ererbt, während die jüngeren sowohl einheimisch als auch entlehnt sind. Litauische Termini bilden den kleineren Anteil. Unter den entlehnten Termini werden häufiger Slawismen verwendet (übrigens auch in den Quellen Kleinlitauens, zumindest in den älteren), etwas seltener Germanismen. Der Vergleich der Bedeutungen alter und in der heutigen litauischen Sprache gebräuchlicher Militärtermini veranschaulicht semantische Prozesse deutlich: Mehr als ein Terminus (karininkas, karžygys, pulkininkas) hat eine neue Bedeutung angenommen. Es ist wichtig, die Untersuchungen zu den Militärtermini fortzusetzen. Dadurch würde nicht nur ihre Geschichte offengelegt, sondern vielleicht würden auch Herkunft, Wortbildung und Bedeutungsentwicklung der Militärtermini der heutigen litauischen Sprache klarer. ŠALTINIAI B – (Lexicon Germanico=Lithvanicvm et Lithvanico=Germanicvm… von Iacobo Brodowskij (~ 1740, rankraštis Lietuvos mokslų akademijos bibliotekoje). C – Clavis Germanico-Lithvana (faksimilinis leidimas). Rankraštinis XVII a. vokiečių-lietuvių kalbų žodynas, I–IV. Parengė V. Drotvinas, Vilnius, 1995–1997. H – Vocavblarivm Litthvanico-Germanicvm et Germanico-Litthvanicvm… von Friedrich Wilhelm Haack […], Halle, 1730. Lex – Lexicon Lithuanicum (faksimilinis leidimas). Rankraštinis XVII a. vokiečių-lietuvių kalbų žodynas. Parengė V. Drotvinas, Vilnius, 1987. LKŽ – Lietuvių kalbos žodynas 1–20, Vilnius, 1941–2002. M – Littaujfch=deutſches und Deutſch=littaujfches Wörter=Buch… von Chriſtian Gottlieb Mielcke… Königsberg, 1800. Q – Vokiečių-lietuvių kalbų žodynas (XVIII a. rankraštis, saugomas Lietuvių kalbos instituto bibliotekoje). R – Littaujfch=Deutſches und Deutſch=Littaujfches Lexicon… von Philipp Ruhig… Königsberg, 1747. Richt – [Johannas Richteris?] Vokiečių–lietuvių kalbų žodynas, Halle, 1728 (rankraštis Hallės-Wittenbergo Martino Lutherio universiteto Frankės fundacijos bibliotekoje). SD¹ – Senasis Konstantino Sirvydo žodynas (fotografuotinis leidimas). Parengė K. Pakalka, Vilnius, 1997. SD³ – Pirmasis lietuvių kalbos žodynas: Konstantinas Širvydas, Dictionarium trium linguarum (fotografuotinis leidimas). Parengė K. Pakalka, Vilnius, 1979. 40 LITERATŪRA Balčikonis J. 1978: Dėl naujosios karininko reikšmės. – Rinktiniai raštai 1, Vilnius, 146–147. Dubisz St. 2003: Uniwersalny słownik języka polskiego 5, pod redakcją prof. Stanisława Dubisza, Warszawa. Harding D. 2000: Waffen Enzyklopädie. 7000 Jahre Waffengeschichte, Berlin. LPŽ 1989: Lietuvių pavardžių žodynas 2. Ats red. A. Vanagas, Vilnius. Mažiulis V. 1993: Prūsų kalbos etimologinis žodynas 2, Vilnius. Palionis J. 1967: Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a., Vilnius. Palionis J. 1995: Lietuvių rašomosios kalbos istorija, II pap. leid., Vilnius. Palionis J. 2004: XVI–XVII a. lietuviškų raštų atrankinis žodynas, Vilnius. Sabaliauskas A. 1990: Lietuvių kalbos leksika, Vilnius. Skardžius P. 1996: Lietuvių kalbos žodžių daryba (fotografuotinis leidinys). – Rinktiniai raštai 1, Vilnius. Smetona A. 1995: Karybos žodynas, Vilnius. Zinkevičius Z. 1990: Lietuvių kalbos istorija 4, Vilnius. FROM THE HISTORY OF MILITARY TERMS Summary A preliminary overview of the abundant material of military terms from the earlier period of the written Lithuanian language allows some general conclusions and a few specific conclusions to be drawn on the subject. Old military terms reach a distant past and reflect the wars of the Grand Duchy of Lithuanian and Prussia with other countries. Military men and weaponry were named using special terms, which were quite frequently coming from Western European languages. Military terms are of a different age: the oldest are inherited from Indo-European (karas (war)) and Baltic parent language (kalavijas (sword)), the newer ones are not only own, but also borrowed terms. Lithuanian terms make a smaller part. Slavonicisms are more frequent borrowings (talking of which, they are also more frequent in sources from Lithuania Minor, at least from the earlier period), Germanisms are slightly less frequent. The comparison of the meanings of old and currently used military terms obviously illustrates semantic changes: not one term (karininkas (officer), karžygys (warrior), pulkininkas (colonel)) has gained a new meaning. It is topical to continue the research of military terms. That would reveal not only their history, but probably it could make the origin, word-formation and meaning development of modern Lithuanian military terms clearer. Vincentas DROTVINAS Gauta 2005-09-08 Vilniaus pedagoginis universitetas T. Ševčenkos g. 31, LT-03111 Vilnius E. paštas drot���[email protected] 41