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Terminas prie termino. IV

Jonas Klimavičius

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Ein Begriff neben dem anderen. IV JONAS KLIMAVIČIUS Institut für Litauische Sprache ORTSNAMEN MIT DEM GLIED - VIETĖ Bei der Beurteilung, ob radimvietė zu korrigieren ist und anstelle von radvietė radavietė vorgeschlagen wird, dürfte es kaum genügen zu sagen, dass „Komposita des genannten Typs mit dem Glied vieta in der Sprache nicht zahlreich sind“ und dass es sich „im Wesentlichen um Neubildungen des 19. und 20. Jahrhunderts handelt“ (Umbrasas 2007: 14). Schon der elementarste Anspruch auf Genauigkeit erfordert den Hinweis, dass es bereits in den Wörterbüchern von Konstantinas Sirvydas Neubildungen wie paleidavietė „Haus der Prostitution“ und reikiavietė „Toilette“ gab (Pakalka 1979: Register). Kalvietė „Gefängnis“ findet sich im Wörterbuch von Jokūbas Brodovskis (~1692–1744) (LKŽ V 1959). Auch heute werden Termini wie lydvietė, litavietė. gebildet. Bei der Erörterung der Unregelmäßigkeit dieses einen Wortes radimvietės und seiner Ersatzformen steht zwar nicht nur dies im Vordergrund, doch darf man nicht vergessen, dass es zahlreiche Komposita nach einem anderen Bildungstyp gibt – Substantiv/Adjektiv + vieta –, darunter viele alte. In den Wörterbüchern von K. Sirvydas finden sich bereits turgavietė, ugniavietė. Die Neubildungen K. Sirvydas’ mergavietė, auksavietė, geležiavietė „Erzgrube“ (Pakalka 1979: Register) setzten sich nicht durch, obwohl es im Wörterbuch von K. Milkus neben dem gebräuchlichen rūd yną (1. „Moor mit braunem Wasser, Torfmoor“, 2. „erzführend, Wasser mit Rost“, 3. „erzführender Boden“) auch die Bedeutung 4. „Erzlagerstätte, Grube“ gab. In neuerer Zeit wurde nach Sirvydas’ Vorbild rū dvietė gebildet (LEnc VI 1937 568 (LKŽ XI 1978)); erst DŽ 1993 führt rū dvietė mit Verweis auf rūd ynas 1. geol. „Erzlagerstätte“ (DŽ 1954 und 1972: rū dvietė geol. „Ort, an dem Erz vorkommt; Erzgrube“, während rūd ynas 1. „Erzlagerstätte, Erzbergwerk“ bedeutet). Aus der lebendigen Sprache sind die alten Formen (mit unveränderter Endung) dvarvietė und kėl vieta zu nennen, als jüngere kel iavietė / kėl vietė, daržavietė, gubavietė sowie statvietė, kaimavietė, kiemavietė, kluon(a)vietė, kaupavietė, kérvietė „mit Gestrüpp bewachsener Ort“, kūgiavietė, miškavietė, namavietė und trobavietė, butvietė „Ort, an dem ein Haus stand; Stelle eines Gehöfts“ (: butas 3. „Gehöft, Wohnung, Leben“, während 1. „Wohnhaus, Bauernhaus, Hütte“ bedeutet), sodybvietė ir sodvietė, žagvietė. In Schriftquellen (und Wörterbüchern) finden sich noch mehr: aklavietė, alkvietė, bebravietė BM und RT 281, darbovietė bei S. Daukantas / darbavietė in den Wörterbüchern von P. Ruigys und F. Kurschat / 160 Jonas Klimavičius | Terminas prie termino. IV darbovietė, dyk(a)vietė, dvarovietė, gaisravietė, gimtavietė, kapavietė, karūvietė „Schlachtfeld“ im Wörterbuch von F. Nesselmann und bei S. Daukantas, kurortavietė GKr 1988 36 6, laužavietė, lizdavietė, mokslavietė „Schule“, nakuyvietė, naudovietė bei L. Ivinskis, pelkiavietė, poilsiavietė, ponvietė, slaptavietė, startavietė, statybvietė, stirtavietė, stovyklavietė, šventvietė im Wörterbuch von F. Kurschat / šventavietė bei J. Šlapelis, vandenvietė, vasarvietė, verslavietė, žaibavietė, žygvietė. Nicht vergessen werden darf, dass es auch ganz misslungene Bildungen gab, zum Beispiel senrašvietė A 1883 80, kalnavietė und slesnavietė (Auch wenn du die slesnavietes trockenlegst, so bewässere die kalnavietes) bei Vaižgantas. Zu bedenken ist auch, dass es zahlreiche (und mehrfach vorkommende) ähnliche Ortsnamen gibt: Būdvietė, Būdvietės (auch Būdvietis, Būdviečiai und Būdviečiai, Būdąviečiai); Arlõvietė, Čerioškavietė, Diliãvietė, Gražiãvietė, Gùčiavietė, Kluonãvietė, Linksmãvietė, Liẽgavaitė, Pirktãvietė, Ramõvietė, Saliniavietė, Šilvietė, Šmylavietė, Šūkiavietė, Zumbrickãvietė; Žãrdavieta; außerdem Bilvietis, Masikuvietiškis, Põcvietis, Rãdvietis, Šãkuvietis, Ūosvietis; Bãzviečiai, Daukšviečiai, Didviečiai, Dvãrviečiai / Dvarviečiai, Gėrviečiai, Júostaviečiai, Kiškėlviečiai, Kúokeaviečiai, Lénkviečiai, Mėtirkeviečiai, Mìlviečiai, Mìsviečiai, Nõrkviečiai, Pũzraviečiai, Sãrviečiai, Skeŕsviečiai, Svirnaviečiai, Šiauďviečiai, Tatõrviečiai, Žárdoviečiai; Dangviečiai. Radimvietė und augimvietė sind regelwidrige Bildungen; in der gemeinten Bedeutung gilt das auch für kirtimvietė. In einer anderen Bedeutung hingegen könnte kirtimvietė „Stelle eines früheren Kahlschlags“ zumindest als potenzielle Bildung ein Antonym zu miškavietės „Ort, an dem Wald wuchs, Stelle eines ehemaligen Waldes“ (LKŽ VIII 1970) sein. In der Terminologie kommt man ohne komplex gebaute Wörter nicht aus, zum Beispiel: šlapimtakis, šilumvežis, geležinkelis, kritulmatis, sodybvietė, statybvietė, vainiklapis, žiedynkotis, žiedynlapis, žiedynpumpuris, žiedynsostis, žiedynstiebis... In dieser Hinsicht ähnelt die Terminologie dem Namengut – dort sind noch komplexere Bildungen, insbesondere hinsichtlich der Akzentuierung, unvermeidlich, zum Beispiel: Ąžuolpamušė und Lašmėnpamušis, Aržūolupis, Dambāvaragio piliakalnis, Didžprūdėliai, Kerkùtviečiai, Ketūrnaujiena, Kunigókālnis, Mėldikviršiai, Paantvardỹs, Pabūdupiai, Pabūdviečiai, Pajúodupė, Pāłazdijis und Pāpalazdijai, Pāpiliakalnis, Pasandravõys, Pašilūpiai, Pavilkūjys, Pykuõliakalnis, Plinkāgalis, Salapėraugis, Tiltėliamiškio kalnas,... Entscheidend ist, dass Wörter beider unterschiedlichen Bildungstypen – Substantiv/Adjektiv + vieta (etwas war oder ist vorhanden) und Verb + vieta (gewöhnlich etwas ist vorhanden) – in gemeinsame semantische Mikrosysteme eingehen: rūdvietė und kasvietė, gręžvietė, kirtavietė; lizdavietė und tuokvietė; poilsiavietė, kurort(a)vietė und gydvietė. Die Zuordnung mancher Wörter zu dem einen oder anderen Bildungstyp ist recht schwierig. Deshalb sollte man sprechen, solange noch Zeit ist. Terminologija | 2007 | 14 161 Das beste Beispiel war Vincas Urbutis’ Aufsatz Noch zu kirtavietė und kirtimvietė (KK III 1962: 45–50) – eine Erwiderung auf Antanas Lyberis’ kurzen Artikel Ist das Wort kirtavietė richtig gebildet? (KK I 1961: 35–36). Die Frage nach der Wortbildung und der Form des Derivats – kirtavietė – löste Urbutis mustergültig. Doch ein Punkt blieb ungeklärt, und das über lange Zeit. Die Bedeutung des Wortes kirtavietė wurde vom Opponenten klar angegeben – russ. забой (Lyberis 1961: 35). Interessant ist, dass dort bereits kasvietė, gręžvietė erwähnt werden, obwohl kasvietė weder im LKŽ V 1959 noch in DŽ 1954 und 1972 vorkommt (erst in DŽ 1993 erscheint); gręžvietė findet sich weder in LKŽ III 1956 noch in DŽ 1993, obwohl gręžvietė schon früher von A. Lyberis selbst erwähnt wird (Lyberis und Ulvydas 1958: 71, 102) und in Terminologiewörterbüchern verzeichnet ist: забой – kirtavietė (im Bergbau), gręžvietė (in einer Bohrung), забой скважины – 1. gręžvietė, gręžinio dugnas (Geol.), 2. gręžinio dugnas (Geol.), забой штрека – štreko kirtavietė (Bergbau) in G und FGTŽ 1956, забой – kirtavietė, vgl. забойщик – rūdos kirtėjas PolŽ 1959, забой – 1. Bergbau: kirtavietė, 2. Geol. gręžvietė, забой скважины – gręžvietė PolŽ 1984. Vorgeschlagen wird jedoch, kirtavietė nicht nur durch kirtvietė, sondern „am besten durch kirtimvietė“ zu ersetzen (Lyberis 1961: 35). Urbutis erwidert: „<...> Das Wort kirtavietė <...> kann ohne Weiteres weiterhin als Terminus mit einer speziellen Bedeutung verwendet werden (etwa anstelle des russischen забой). Für die Alltagssprache ist es natürlich kaum nötig. Statt kirtaviečių valymas (im Wald) kann man am schönsten kirtimų valymas sagen“ (Urbutis 1962: 49). Erstaunt stellen wir fest, dass auch DŽ 1954 kirtavietė mit Verweis auf kirtimas (Bedeutung 2) aufführt: „zur Abholzung bestimmter oder abgeholzter Waldabschnitt“, während LKŽ V 1959 schon ohne Verweis kirtavietė „zur Abholzung bestimmter Waldabschnitt; Abholzung“ angibt: Die Räumung der Abholzungsflächen ist eine der wichtigsten Arbeiten der Forstwirtschaft (sowjetische Schriften), obwohl auch kirtimas in Bedeutung 6 „abgeholzter Waldabschnitt, Kahlschlag“ sowohl aus der gesprochenen Sprache als auch aus Schriftquellen belegt ist. Demnach hätten die Forstleute, noch bevor der Bergbauterminus kirtavietė entstand (vielleicht zusammen mit kasvietė und gręžvietė), das volkssprachliche Wort kirtimas – warum auch immer, vielleicht aus eigenem Antrieb oder auf Empfehlung anderer – durch die Neubildung kirtavietė ersetzt, die für etwas anderes bestimmt war. Ob Urbutis’ Ermahnung von 1962 unbeachtet blieb oder wahrscheinlich gar nicht gehört wurde – vielleicht sogar von den Sprachwissenschaftlern selbst –, zeigt auch DŽ 1972: kirtavietė bedeutet dort nur „zur Abholzung bestimmter Waldstreifen; zur Abholzung bestimmter Waldabschnitt“, während kirtimas in Bedeutung 2 „abgeholzter Waldabschnitt, Kahlschlag“ heißt. Auch die begründete Zurückweisung des unnötig aufgezwungenen kirtimvietės (забой!) (kirtimvietė siehe kirtavietė, DŽ 1972) hat wohl dazu beigetragen. Erst in DŽ 1993 wird kirtavietė mit zwei Bedeutungen aufgeführt: 1. „zur Abholzung bestimmter Waldstreifen; zur Abholzung bestimmter Waldabschnitt“, 2. „Stelle im Gestein, an der abgebaut wird“: anglių kirtavietė ‚Kohleabbauort‘. Vermutlich handelt es sich hier um eine Übergangs- und Kompromisslösung der Bedeutungsdarstellung. Der Sprachgebrauch bestätigt diese Bedeutungsangaben des Wörterbuchs: 1. Überall gibt es viele Abholzungsflächen, Baumstümpfe ragen auf Vd 2007 32 54. 2. <...> Die Bergleute, <...>, sind gezwungen, in die Abbauorte hinabzusteigen Vd 2007 47 44. 162 Jonas Klimavičius | Terminas prie termino. IV Keiner der Wortbildungsforscher – Pranas Skardžius, Vincas Urbutis, Saulius Ambrazas – hat davon gesprochen, dass solche Bezeichnungen für Handlungsresultate wie kirtimas, -ai eine irgendwie bedeutsame, distinktive zeitliche Nebenbedeutung hätten – das Resultat kann künftig eintreten, gerade jetzt eintreten oder bereits eingetreten sein. Das bestätigen auch die lexikalischen Bedeutungen, zum Beispiel: audimas 2. „die bei einem Arbeitsgang gewebte Stoffmenge“: Aus jenem Garn wird ein Stück Stoff Geistarai, 3. „Stoff, Gewebe“: Wie viele Meter Stoff hast du aufgezogen? Upýna. Spinn dir ein wenig Garn, web dir ein wenig Stoff – du wirst dir etwas nähen, das du anziehen kannst J. Jablonskis; maišymas 4. „Brotteig, eingemischter und vergorener Teig“: Mehl für den Brotteig wird da sein, aber denken wir daran, nicht Geistarai; 2. pūd ymas, pūdymas 1. „brachliegendes, unbestelltes Ackerland“: Heutzutage hält man keine Brachen mehr, man sät nur, sät Juodáičiai (Kreis Jurbarkas). Obwohl man solche Resultate oft eher in der Vergangenheit beschreibt, etwa ich habe den Schnitt geschnitten, ich habe das Geflecht geflochten Kartėna, können sie doch immer auch etwas Zukünftiges, erst noch zu Leistendes bezeichnen, das bereits einen Namen hat (und gegenwärtig auch einen Plan oder ein Projekt). Vielleicht wirkt sich auch die Wortbildung aus – aus dem Präteritum, obwohl „früher wurden Ableitungen mit dem Suffix -imas aus Präsensstämmen von Verben gebildet“ (Ambrazas 1993: 24). Übrigens haben manche solcher Ableitungen nicht die geringste semantische Verbindung mit der Zeit – kinkymas, -ai, grendymas, -ai, pasakymas, -ai. Es ist zu beachten, dass in Bedeutungserklärungen häufig unnötigerweise das Präteritum anstelle des Präsens verwendet wird. Bei Benennungen wird gewöhnlich keine zeitliche Unterscheidung getroffen – entscheidend ist nicht die Zeit, gegenwärtig oder vergangen, sondern der Zweck – vgl. malimas 2. „zu mahlendes oder gemahlenes Getreide“. Wenn pylimas nur „bereits aufgeschüttet“ bedeutete, was wäre dann „noch aufzuschütten“?!“ Die Forstleute griffen ein aufgeschnapptes Wort auf und schufen eine unnötige Unterscheidung – kirtavietė (übrigens stammt der erste Bestandteil aus der Vergangenheitsform – kirt-o) und kirtimas: kirtavietėje findet das Fällen des Waldes oder einzelner Bäume statt – kirtimas –, aber was ist kirtimė? Diese Unterscheidung stützt sich nicht auf die gesprochene Sprache; hier wird vielmehr die Sprache logisch zurechtgelegt. Wenn man schon unterscheiden will, wäre „abgeholzter Waldabschnitt“ genauer und klarer nicht kirtimas, sondern das volkssprachliche iškarta „im Wald abgeholzter Abschnitt; Kahlschlag, Abholzung“ Šimkái čiai, Telšiai, Užventis, Žemaitė, Wörterbuch von A. Juška (LKŽ IV 1957); weniger geeignet wäre miškavietė Gegrėnai, Dūsetos (LKŽ VIII 1970) – dies lenkt möglicherweise den Gedanken auf mišką als zusammenhängendes Waldgebiet. Das System in LTE V 1979 ist völlig durcheinandergebracht: kirtavietė bedeutet 1. „die den Abbauort begrenzende Fläche, die mit einem Gestein zerkleinernden Gerät geschaffen wird <…>“, und 2. „zur Abholzung bestimmter oder abgeholzter Waldabschnitt“; außerdem ↗ biržė 1. „zur Abholzung bestimmter Waldabschnitt, <…>“ LTE II 1977, während kirtimo fehlt, weil kirtavietė „<…> oder abgeholzter Waldabschnitt“ bedeutet. In VLE X 2006 ist „die den Abbauort begrenzende Fläche, <…>“ die Bedeutung 3 von kirtavietė 3.; Bedeutung 1 ist „abgeholzter und nicht wiederaufgeforsteter oder auf natürliche Weise noch nicht wieder bewachsener Waldabschnitt <…>“ (Autor: der Forstwissenschaftler Antanas Juodvalkis), und Bedeutung 2 „zur Abholzung bestimmter Wald Terminologija | 2007 | 14 163 „Fläche“, außerdem ↗ Biržė 3. „Waldfläche, die für Haupt- und Zwischenhiebe bestimmt ist, <...>“ (Autor) VLE III 2003; Kirtimo fehlt jedoch. Kurz gesagt: Vor einem halben Jahrhundert übernahmen die Forstleute Kirtavietė und schwanken seither darüber, was es bedeutet – mal „zum Fällen vorgesehen oder gefällt“, mal eine Fläche, die sowohl „gefällt“ als auch „im Abholzen begriffen“ ist. Ohne ein gründliches forstwissenschaftliches Fachwörterbuch kommen wir hier nicht weiter. Augavietė ist bereits im LKŽ I2 1968 belegt; im DŽ 1993 wurde hingegen normiert: Augimvietė, siehe Augavietė – „Ort, an dem eine Pflanze natürlicherweise wächst“. Radvietė ist erst viel später belegt – AplApsŽ 2000. Weitere sieben Jahre später wurde vorgeschlagen, analog zu Augavietė – Radvietė zu bilden (Umbrasas 2007: 14). Braucht man diese Analogie überhaupt? Wir haben doch ein gutes Beispiel dafür, wie Urbutis die analogisch gebildete Form Kasvietė und Grėžvietė folgend – Kirtvietė – zwar als „ebenso gut“ beurteilte (Urbutis 1962: 48), aber Kirtavietė vorzog, „das bereits seit mehr als fünfzehn Jahren in Gebrauch ist“ (Urbutis, ebenda). Wichtiger ist, dass es nicht an Bereitschaft, Willen und Zeit fehlt, das wirklich Notwendige zu berichtigen. Analogien gibt es viele; sie weisen auch in entgegengesetzte Richtungen, in diesem Fall etwa Radvila: Radvilà, Radviliukas Personenname, mundartlich „Findelkind“ – siehe Pamestinukas DŽ 1954 (DŽ 1972 – weder Personenname noch mundartlich; DŽ 1993 – siehe Rastinukas). A. Umbrasas ließ Perimvietė unerörtert (formaler Grund: nicht in den Wörterbüchern verzeichnet). Es ähnelt Radimvietė, Augimvietė, ist aber anders: Perėjimas „Brüten“ ist ein Verb gemischten Typs; daraus ergäbe sich also das schwerfällige Perėjim(a)vietė, und Zusammensetzungen mit einem solchen verbalischen Erstglied sind unüblich, wenn auch möglich (es gibt Guldavietė „Liegeplatz“ und sogar Gyvenvietė „Siedlung“ – gebildet von einem sekundären Verb). Perimvietė könnte allenfalls aus dem partizipialen Erstglied Perimas, -a abgeleitet sein, doch solche Formen sind nicht bekannt. Die mögliche Ableitung Pera vietė wäre wohl mehrdeutig – vielleicht würde man sie zunächst als Perai (Bienenbrut) + Vieta (im Bienenstock) verstehen. Man müsste sich also für die Form Pérvietė entscheiden (sie würde auch Radvietė stärken). Lizdavietė „Ort für ein Nest“, von Vaižgantas und dem Ornithologen Tadas Ivanauskas gebraucht, lexikografisch im LKŽ VII 1966 belegt, aber im DŽ erst im DŽ 1993. Nicht leicht zu entscheiden ist, welchem Wortbildungstyp Žiemavietė angehört: LEnc IV 1936: 1383, T. Ivanauskas (LKŽ XX 2002) sowie Žiemovietė im DŽ 1972. Auch die Normierung ist nicht abgeschlossen – im DŽ 1993 scheint Žiemovietė vorzuziehen, da es als „Ort zum Überwintern“ erklärt wird, während Žiemavietė lediglich durch ein Synonym erläutert wird: „Žiemovietė“. Das wortbildungsmäßige Antonym Vasarvietė „Ort zum Sommern“ im DŽ 1993 ist ebenfalls nicht eindeutig gebildet – das Erstglied kann auch von Vasar-oti stammen. Žiemovietė wäre formal aus Žiema + vieta, žiema-vietė – iš žiem-oti + vieta gebildet, doch nicht zwingend – der Fugenvokal –a– kann analog auch von Žiemos stammen. Wieder wäre es am besten, sich nach dem Vorrang des Gebrauchs zu richten und die Form Žiemavietė vorzuziehen (T. Ivanauskas). 164 Jonas Klimavičius | Terminas prie termino. IV Nerštavietė „žuvų neršimo vieta“ DŽ 1954, 1972 ir 1993, LKŽ VIII 1970 formaliai irgi galėtų būti abiejų darybos būdų, nors veikiausiai yra iš nerštas + vieta. Žūklavietė „žūklės vieta“ DŽ 1993, LKŽ XX 2002 sudaryta aiškiai – iš žūklė + vieta. Plintant aiškios motyvacijos darinių madai gal kam dingojasi viena žvejyba galėsiant verstis. Bet medž-ioklei į porą kaip tik geriau tinka žū-klė (:žūti ryt. „žvejoti, žuvauti“ DŽ 1993), o žūklavietę keisti žvejybos vieta neracionalu. Ständig entstehen ähnliche Bildungen, aber nicht immer gelungene. So hat der Schriftsteller Pulgis Andriušis das Wort – [der Fliegen] Miegovietė verwendet, Mt 1992 2 36. Vielleicht wäre Miegavietė korrekter, doch mit dem Fugenvokal –o– hat sich auch Darbovietė etabliert. Auf jeden Fall zu berichtigen ist Maudimvietė LP 1985 86 2; die richtige Form wäre aber keinesfalls Maudymvietė, sondern Maudavietė. Man sollte daran erinnern, dass die Bedeutungen eines Kompositums und einer entsprechenden Wortgruppe voneinander abweichen können, z. B.: Darbovietė „Arbeits- bzw. Dienststelle (als Institution)“ und Darbo vieta „eigens eingerichteter, zum Arbeiten bestimmter Platz“; Gyvenvietė wird im DŽ₃ ungenau als „Wohnort“ erklärt: Das ist Gyvenamoji vieta, „der Ort, an dem eine Person wohnt“, während Gyvenvietės, gyvenamosios vietovės „Orte menschlichen Lebens und Wirkens“ sind – Städte, Kleinstädte und Dörfer, VLE VI 2004. N E S U T A P D I N T A S, O P L O K Š Č I A S I S S T O G A S Die Frage, ob sutapdintas stogas eine gute Bezeichnung ist, wäre beinahe überflüssig – was soll daran gut sein, wenn sie unklar ist? Sie ist nicht nur unklar, sondern auch merkwürdig. Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass andere mögliche Kandidaten beanstandet wurden – zwar ohne zwingenden Bedarf, aber auch nicht völlig grundlos. Natürlich muss die Beanstandung zurückgenommen werden, denn gewählt wurde die schlechteste Variante (und keineswegs von allen). Es heißt, ein solches Dach sei bündig mit der Decke. Doch hier zeigt sich sofort die Ungenauigkeit des Terminus – auch ein Schrägdach (oder ein Teil davon) kann bündig mit der Decke sein. Ein weiterer Mangel: Aus dem Terminus selbst geht nicht hervor, womit es bündig ist. Und sonst gibt es im Bauwesen nichts Bündiges, obwohl zum Beispiel die Decke eines Stockwerks mit dem Fußboden des nächsten Stockwerks bündig sein kann. Ein bündiges Dach wird sowohl in der wissenschaftlichen Bauliteratur als auch besonders in der Periodika verwendet (ein ganz aktuelles Beispiel: ist auf die Eindeckung bündiger und geneigter Dächer spezialisiert Vd 2007 31 20). Bemerkenswerterweise findet es sich jedoch nicht nur weder im DŽ 1993, LKŽ XIII 1984 und XV 1991, RLKŽ II 1983 und IV 1985 noch im LRKŽ 1988, sondern auch nicht in PolŽ 1959 und 1984 oder StatŽ 2002. In den Fachwörterbüchern finden sich dafür noch allerlei andere Varianten. So gibt PolŽ 1959 плоская крыша – lėkštas stogas, PolŽ 1984 dagegen sowohl плоская als auch плоскоскатная крыша – Terminologija | 2007 | 14 1 6 5 lėkštasis stogas (Gegensatz zu скамая крыша – šlaitinis stogas), obwohl плоское перекрытие – plokščioji perdanga, und StatŽ 2002 dafür plokščiasis stogas – flat [deck] roof, terrace – Flachdach – toiture-terrase – toit plat [en terrasse] – плоская крыша, für statusis stogas – steep roof – steiles Dach – toit abrupt – крутая крыша. In der Literatur kommt auch eine Mischform vor, z. B.: Jeigu pastatas be pastogės, tai perdenginio ir stogo funkcijas atlieka viena konstrukcija, vadinama sutapdintu denginiu CivilP 1969 7. Je nach Größe der Neigung lassen sich Dächer in steilgeneigte (mit einer Neigung von mehr als 10⁰), flachgeneigte (4–10⁰) und flache (0–4⁰) einteilen (ebd., 98). Die Konstruktion von Flachdächern besteht aus einer Stahlbetondecke, Dampfsperre, Wärmedämmung, Abdichtungsschicht und Fußboden, der zugleich auch die Dachdeckung bildet (ebd., 119). Schon DŽ 1972 führt für stogas 1. die Bedeutungen lėkštas, status, plokščias an (ebenso DŽ 1993). Alle verschieden, aber sind sie alle klar? Vielen wird die Frage belanglos erscheinen, doch die Antwort wird überraschend sein. Wirklich überraschend ist die Erklärung des Wortes lėkštas – 1. „flach, seicht“ (obwohl die Beispiele keine Flachheit erkennen lassen: lėkštas dubuo (vgl. lėkštė – 1. „flache Schüssel“), lėkštas stogas, lėkšti salos krantai (nicht steil, sanft abfallend) DŽ 1954; 1. „flach, eben“: lėkštos dirvos – vanduo nenubėga, 2. „nicht steil, geneigt“: lėkštas stogas, lėkšti salos krantai, 3. „seicht“: lėkštas dubuo DŽ 1972 und 1993 (vgl. lėkštė – 1. „rundes Gefäß mit schrägen Rändern“ DŽ 1972, 1. „rundes Essgeschirr mit schrägen Rändern“ DŽ 1993, obwohl sowohl DŽ 1972 als auch DŽ 1993 anführen: gili lėkštė sriubai, negili – mėsai¹. Bei tiefen lėkštės sind wohl auch die Ränder steiler. Schon DŽ 1954 wird plokščias 1. „eben, nicht gewölbt, flachgedrückt“ veranschaulicht durch 1 In DŽ 1954 gibt es das Wort puslėkštė nicht, während DŽ 1972 und 1993 eine falsche Bedeutung von puslėkštės angeben – 1. „kleiner Teller“ (2. „eine halbe Tellerportion“); tatsächlich handelt es sich – wie der Gebrauch deutlich zeigt! – um lėkštelė „kleiner Teller, auf den ein Glas, eine Tasse o. Ä. gestellt wird“: servizo lėkštelė DŽ 1972, 1. „kleiner Teller“ DŽ 1993 (während 2. „halbe Menge“ pusė lėkštės heißt). Ähnlich wird vielerorts auch pusdubenis erklärt – 1. „kleine Schüssel“ DŽ 1954, 1972 und 1993, 1. „kleine, kleinere Schüssel“ LKŽ X 1976. Kleinere Gefäße werden gewöhnlich nicht mit Zusammensetzungen mit dem Bestandteil pus-, sondern mit Diminutivsuffixen gebildet – statinaitė, kibirėlis, puodukas, skardelė, buteliukas / butelaitis, stiklinėlė / stiklinaitė, lėkštelė / lėkštaitė, dubenėlis (ebenso maišelis, krepšelis, pintinė / pintinaitė, dėžutė); eine Ausnahme bildet nur das neuere pusbutelis, hier jedoch mit der Mengenbedeutung (vgl. puslitr(l)is („Flasche mit einem Fassungsvermögen von einem halben Liter“) – wie auch puskartė, pusmaišis). Der Begriff der Landwirtschaftskammer pusduben(is) sollte anstelle des veralteten palmisks (poln. półmisek) GK 1934 5–8 86 (Var. palunksas 1. „Schüssel“, 2. „Tablett“ LKŽ IX 1973, im LKŽ IX nicht belegt palumickas Pilviškiai) eigentlich puslėkštė lauten – denn auch die Erklärung lautet: 2. „etwas tiefere, längliche Schüssel“; es handelt sich um ein Gefäß aus dem für Teller üblichen Material (Keramik) und in der üblichen Form, jedoch nicht um „einen halben Teller“, sondern um „eine halbe Schüssel“ (vgl. puspriekabė). Beachtenswert ist, dass g(l)oodo zunächst 1. groß, 2. Schüssel und erst 3. Napf bedeutet (PrekŽ 1996). Zwei ähnliche Gefäße sind dubuo 1. „rundes, tiefes Gefäß; <...>“ DŽ 1993, 1. „breites und tiefes rundes Gefäß für Suppe, zum Waschen, Baden u. Ä., <...>“ LKŽ II 1969; lėkštė 1. „rundes Essgeschirr mit schrägen Rändern“ DŽ 1993, 1. „rundes Gefäß mit flachen Rändern, aus dem gegessen wird“ LKŽ VII 1966 (Definitionen 166 Jonas Klimavičius │ Terminas prie termino. IV mit der Wortverbindung plokščias stogas; DŽ 1972 erklärt es genauer als „mit gerader und ebener Oberfläche, horizontal eben“, DŽ 1993 weniger treffend als „mit gerader und ebener Oberfläche“. DŽ 1972 und 1993 führen auch plokščiastogis, -ė (namas). Plokščio an. Die Bedeutung von plokščias in der Standardsprache zeigen eindeutig auch seine Ableitungen – die Termini plokštė, plokštelė, plokštainis, plokštuma Geom. und Geogr., plokščiakalnis (wenn auch mit etwas welliger Oberfläche), plokščiaspaudė, plokščiareplės, plokštinis (kapas) Archäol. (mit ebener Oberfläche) sowie die terminologischen Adjektive plokščia-dugnis, -ė (laivas, valtis), plokščiaviršūnės (kalvos), plokščiagrūdžiai (vikiai), plokščiavarpiai (miežiai). Allerdings bedeutet plokščias 4. im LKŽ X 1976 „flach“: flache Schüssel – plokščias bliūdas im Wörterbuch von P. Ruigys (durch Autopsie überprüft de visu) (plokščias ir plokštus sind in dieser Bedeutung nicht belegt). Natürlich gehört dies nicht zur heutigen Standardsprache – heute wäre plokščias dubuo ein contradictio in adiecto. Ein weiterer vorgeschlagener Beleg ist LKŽ VII 1966 – flach 1. „eben, flach, glatt“ Kvėdarna, Kartena, Skirsnemunė, preußische Schriften, ebenso – 1. „flach“ Sintautai (ZanŽ II 2004), die Variante lėkšnas siehe lėkštas 1: lėkšnas stogas bei J. Jablonskis (obwohl lėkšnus siehe lėkštas 3: lėkšni torielka ebenfalls von J. Jablonskis stammt). Nur flach 2. „geneigt, abschüssig, nicht steil“ (das Verbreitungsgebiet der Bedeutung ist unzureichend angegeben), 3. „mit geneigten Rändern, seicht, nicht tief“: flache Schüssel – lėkštas bliūdas (aber tiefe Schüssel – dubus bliūdas), Wörterbuch von F. Kurschat (durch Autopsie präzisiert) // „seicht“: seichte Stelle Vilkaviškis, ebenso 3. „seicht, nicht tief“ Lukšiai (ZanŽ II 2004). Im Wörterbuch von K. Milkus in beiden Bedeutungen: bliūdas lėkštas, plokštus – eine flache Schüssel (durch Autopsie präzisiert). Plokščias kann als Grundbedeutung in der Standardsprache nur „horizontal eben“ haben. Doch die erwähnten Bedeutungsvarianten von plokščio, ir lėkšto in den Dialekten unterscheiden sich nicht grundsätzlich, ist noch nicht ganz genau) unterscheiden sich nicht grundsätzlich, sondern eher im Material (nicht immer ganz), außerdem ist die Verwendung der Schüssel breiter. Dass es zwei Wörter gibt, hat sich historisch ergeben. Beide sind wurzelverwandt und heute durch Eigenschaften der Gefäßform motiviert (dubuo: hohl, lėkštė: flach), und beide stehen mit Speise und Essen in Verbindung. Schüssel (Kvėdarna, Gargždai; Variante dubenìs Skriaudžiai) ersetzte nach dem Vorschlag von Kazimieras Būga (Sabaliauskas 1990: 293) im LKŽ II₂ 1969 und wohl auf Betreiben von Jonas Jablonskis das bereits im Wörterbuch von P. Ruigys belegte slawische Lehnwort bliūdas (bliūdelė bereits in der Bibel von J. Bretkūnas) im LKŽ I₂ 1968; russ. блюдо ist ein gemein-slawisches Lehnwort aus got. biuþs (Gen. biudis) „Schüssel“ < biudan „anbieten“ (Фасмер I 1986). Auch russ. миска ist eine Verkleinerungsform des Wortes мица; poln. misa, miska, miseczka ist ein gemein-slawisches Lehnwort, vermutlich über got. mēs aus vulgärlat. mēsa < lat. mensa „Tisch; Speise, Gericht“ (Фасмер II 1986; Brückner 1974). Nach mucka wurde auch ein Lehnwort aus lat. discus (< gr. discos) „Wurfscheibe“ (auch zum Abstellen von Speisen; der Form nach ein Vorläufer von Teller/Schüssel) gebildet – über die Germanen (mittelndl. disc, ahd. tisc → nhd. Tisch) die slawische Form – poln. deska, russ. доска, ukrain. дошка (Фасмер I 1986; Brückner 1974). Teller (Šatės, Pandėlys, Ski̇ršnemunė) im LKŽ VII 1966 (vielleicht von Fraenkel 1955–1965 zu Unrecht als Neubildung angesehen) wurde wiederum wahrscheinlich von Jablonskis anstelle des bereits in der Bibel von J. Bretkūnas verwendeten torielkos (es gibt auch Varianten) im LKŽ XVI 1995 eingeführt; es stammt als Lehnwort aus dem Slawischen – russ. миска < poln. talerz < tschech. talíř; die slawischen Formen stammen aus dem Germanischen (mhd. talier), diese wiederum aus ital. tagliere < tagliare „schneiden“ < lat. taliare „schneiden“ (Фасмер IV 1987; Brückner 1974). Terminologija | 2007 | 14 167 scheint, erlaubt es nicht, sie als Synonyme der Gemeinsprache zu betrachten. Hier muss gesagt werden, dass wir noch kein Synonymwörterbuch der Gemeinsprache haben – SinŽ 1980 ist ein Synonymwörterbuch der gesamten litauischen Sprache (obwohl die Bildung von Synonymreihen generell willkürlich ist und keine echten Synonymiedaten liefert, wenn Synchronie und insbesondere Syntopie außer Acht gelassen werden). Das ergibt ein verzerrtes Bild: plokščias 1. (stogas) – lėkštas (stogas), und 2. → seicht, aber seicht bedeutet in erster Linie nicht tief, nicht hohl (Teller) und erst zuletzt lėkštas. AntŽ 2003⁴: steil – flach, sanft abfallend, geneigt, abschüssig – „der fast gar nicht ansteigt, niedrig ist“: Das Ufer dieses Baches ist sehr steil, das jenes flach Višakio Rūdà; dagegen plokščias – spitz „der hervorsteht“ (?!). Es gibt zahlreiche Belege für die Unbeständigkeit der Bedeutung, z. B.: lėkštas – 1. плоский: lėkštas dubuo – плоское блюдо (obwohl auch plokščias – 1. плоский), nur 2. (nicht steil) пологий, отлогий. LRKŽ 1988: пологий – zuerst geneigt, abwärtsgeneigt, sanft abfallend, abschüssig, schräg, abfallend, hangabwärts geneigt, erst danach lėkštas, aber mit der Kennzeichnung Mundart (danach noch šlainus Mundart). RLKŽ III 1984. Es scheint, dass jeder Autor hier die Bedeutungen nach seiner eigenen Mundart definiert und ordnet und die Kennzeichnungen Mundart entsprechend seiner Mundart setzt... SinŽ 1980 führt unter den Synonymen des dominanten Wortes nuotakus („allmählich, mit geringer Steigung abfallend“) nuolaidus (Berg), nuožulnus (Dach), pažulnus, žulnas (Ufer), nuokalnus, nuokalbus, pakalnus, nuožulnus Mundart, pašliaunus Mundart (Dach, Berg) und pašliautinas Mundart, pašlėd­nus Mundart (Ackerboden), pašliuodnus Mundart (Decke), šlainus Mundart auf. – lėkštas fehlt vollständig: denn nach der Mundart des Autors bedeutet lėkštas „flach“... Das ist jedoch falsch. StatŽ 2002 verzeichnet nuožulniosios grindys – inclined floor – einsteigender Fußboden – plancher oblique – наклонный пол. Möglicherweise entstand, weil sich der Konflikt zwischen den Bedeutungen der Adjektive plokščias und lėkštas zwischen den Mundarten nicht beheben ließ – als er auch in der normativen Lexikografie noch nicht beseitigt war –, als Kompromiss der künstliche Ausdruck sutapdintas stogas („abgeflachtes Dach“). Vielleicht ist das der Grund, warum es in MokŽ 2000 neben lėkštės das Wort lėkštas nicht gibt. Die Kompromisslösung muss unbedingt beseitigt werden. Die Bedeutungen der Wörter plokščias und lėkštas müssen dringend kodifiziert und festgeschrieben werden. In der Gemeinsprache darf eine solche Bedeutungsüberschneidung beim Wort lėkštas nicht bestehen bleiben: plokščias – 1. lēzens; plakans: plokščias stogas – lēzens jumts, plokščia krūtinė – plakans krūtis, dagegen lėkštas – 1. plakans, 2. lēzens LieLaŽ 1964; lėkštas – 1. flat; plane, 2. (nicht steil) gently-sloping, LAKŽ 1991. Die Annahme, dass lėkštas motiviert die Bedeutung „flach“ haben könnte, würde durch die Etymologie einigermaßen gestützt, jedoch nicht vollständig – die ursprüngliche Motivation wäre sicherlich nur „liegend“ gewesen –, obwohl der lettische Verwandte lēzns, lēzens „flach“ bedeutet (Būga II 1959: 421); doch litauisch ostaukštaitisch ložėti, -ėja (ložti), -ėjo bedeutet „gebrochen, niedergelegen sein“ (aus einem anderen Areal 168 Jonas Klimavičius | Terminas prie termino. IV ložinti „ein wenig biegen“ (Wörterbuch von P. Ruigys (70), Wörterbuch von K. Milkus (92)), 2ložė „Stelle, an der das Getreide niedergelegen ist; niedergelegenes Getreide“, 2. „gebrochene, gebeugte Garbe“; lažoti „sich legen, umfallen (vom Getreide)“ (išležti, -lenža, -ležo „vom Welken niederliegen“ Kuršėnai), lažekai ir lažonai „niedergelegenes Getreide“; 1palažas „das, was umgefallen, niedergelegen und aufgehäuft ist“ (Fraenkel 1955–1965, überprüft in LKŽ VII 1966 und IX 1973 – dort gelten lažoti, lažekai, lažonai und 1palažas als Fremdwörter – als Slawismen; das trifft jedoch nicht zu. Übrigens ist 1palažas nicht von 2palažas „Opfergabe“ bei M. Mažvydas, Wolfenbütteler Postille, zu trennen < * „das, was hingelegt – auf den Opferaltar gelegt – ist“; vermutlich handelt es sich um ein etymologisch anderes Paronym. lėkšnas „weich, zart“ Pagiriai:? lekšti, lėška (lenška), lėško „weich werden, erschlaffen“ Užventis, obwohl auch lėkšti, lėkšta, lėško (siehe lekšti) Kupiškis (LKŽ VII 1966)). Folglich konnte lėkštas *„liegend, niedergelegt, liegend“ mühelos sowohl zu „flach“ als auch zu „geneigt“ werden (vgl. lėkis „Dachsparren“ Fraenkel 1955–1965). Für die heutige Semantik des Wortes lėkštas sind seine Beziehungen zu den Elementen des Mikrosystems am wichtigsten. Entscheidend ist, dass russ. плоский, dt. flach, engl. flat, frz. plat – lit. plokščias. Das gesamte Mikrosystem würde also folgendermaßen aussehen: Sutapdintas passt einfach nicht hinein. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Zusammensetzungen mit einem substantivischen Zweitglied, das einen Ort bezeichnet, und einem ersten substantivischen, adjektivischen oder verbalen Glied sind in der lebendigen Sprache recht häufige Wörter und Neubildungen (oft Fachtermini), die seit dem ersten litauischen Wörterbuch (vor 1620) belegt sind. Während Erstere entweder Bezeichnungen ehemaliger oder gegenwärtiger Orte sind, bezeichnen die Letzteren – mit verbalem Erstglied – ausschließlich gegenwärtige Orte. Einige Bildungen beider Verfahren gehören jedoch zu gemeinsamen semantischen Mikrosystemen, in denen Analogien und Wechselwirkungen auftreten. Das zweite Wortbildungsverfahren ist schwieriger und weniger eindeutig; hier kommen... Terminologija | 2007 | 14 169 Die Schwankungen des Bindevokals werden teilweise durch unregelmäßige Bildungen mit dem ersten Bestandteil imas aus verbalen Abstrakta verdrängt, die Fachleute bilden. Bisweilen stolpern hier auch die Normierer, während die Fachleute – die Hauptverwender dieser Termini – ziemlich schwach wirken. Besonders lang und verworren und deshalb lehrreich ist die Geschichte von kirtavietės. 2. Der recht weit verbreitete, wenn auch nicht approbierte Terminus sutapdintas stogas (zunächst approbiert: lėkštas oder lėkštasis, heute plokščiasis stogas) dürfte als Kompromiss entstanden sein – nachdem es nicht gelungen war, den Bedeutungsgegensatz zwischen den Adjektiven plokščias und lėkštas zu überwinden, als dieser in der normierenden Lexikografie noch nicht (vollständig) aufgehoben war (der Gegensatz spiegelt sich im Wandel der Terminusnorm wider). Wenn plokščias russ. плоский, dt. flach, engl. flat, frz. plat entspricht, dann kann lėkštas nicht „flach“, sondern nur „geneigt“ bedeuten – russ. наклонный, пологий, dt. geneigt, abschüssig, engl. sloping, frz. oblique. LITERATUR UND QUELLEN A: Auszra (Zeitung). Ambrazas S. 1993: Daiktavardžių darybos raida. Lietuvių kalbos veiksmažodiniai vediniai, Vilnius. AntŽ 2003: Ermantytė I. Antonimų žodynas, Vilnius. AplApsŽ 2000: Aplinkos apsaugos terminų žodynas, Vilnius. BM ir RT 2000: Toporov V. Baltų mitologijos ir ritualo tyrimai. 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Vileišio g. 5, LT-10308 E-Mail: [email protected] Terminologija | 2007 | 14 171