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Kai kurie sinoniminių religijos terminų vartosenos atvejai katekizmuose (XVI a. ir XIX a. galas – XX a. pradžia)

Aušra Rimkutė

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Einige Fälle des Gebrauchs synonymischer Religionsbezeichnungen in Katechismen (16. Jh. und Ende des 19. – Anfang des 20. Jh.) AUŠRA RIMKUTĖ Institut für litauische Sprache Synonymie ist besonders für die Anfangsphase der Terminologiebildung charakteristisch, wenn der geeignetste Terminus zur Bezeichnung eines Begriffs noch nicht ausgewählt ist und gleichzeitig mehrere Termini (Synonyme1) und/oder Varianten verwendet werden, von denen eine – meist ein Fremdwort – ist. Ziel dieses Artikels ist es, den Gebrauch nebeneinander angeführter synonymischer Religionsbezeichnungen in Katechismen aus der Anfangsphase der Entstehung der schriftlichen Religionsterminologie (16. Jh.)2 und aus der Zeit, in der sich die heutige litauische Standardsprache herausbildete (Ende des 19. – Anfang des 20. Jh.), zu erörtern. Nicht untersucht werden synonymische Religionsbezeichnungen, die an verschiedenen Stellen der Katechismen verwendet wurden. Da religiöse Schriften seit etwa der Mitte des 17. Jh. stärker mit Fremdwörtern, insbesondere Polonismen, durchsetzt sind (ausführlicher siehe Palionis 1979: 106), werden die Religionsbezeichnungen in Katechismen vom 17. bis zum frühen und mittleren 19. Jh. nicht behandelt. 1. ÜBERBLICK ÜBER DIE QUELLEN Quellen dieses Artikels sind drei Katechismen aus dem 16. Jh.: Martynas Mažvydas’ Katechismusa Prâty Szadei, Makslas skaitima râfta yr gieſmes del krikſczianiſtes bei del berneliu jaunu naujey ſuguldytas (1547), Mikalojus Daukšas’ Katechismas arba mokslas kiekwienam krikszczioniui priwalus. Paraſzitas per D. Iakuba Ledesma... Iſzgulditas iſz Lieźuvio Ląnkiſhko ing Lietuwiſhka per Kuniga Mikaloiu Daugſha Kanonika ſemaicziu (1595), Merkelis Petkevičius’ Katekizmas (1598)3 sowie drei Ende des 19. – Anfang des 20. Jh. veröffentlichte katholische 1 Apie terminų sinonimiją plačiau žr. Keinys 1980: 97–104; Gaivenis 2002: 33–36; apie atskirų sričių terminijos sinonimiją žr. Kaulakienė 2000: 23–28; Kazlauskaitė 2000: 25–31; Žemlevičiūtė 2001: 34–49; Umbrasas 2004: 100–118; Stunžinas 2005: 7–26 ir kt. 2 Es besteht kein Zweifel, dass Religionsbezeichnungen schon deutlich früher verwendet wurden. Zudem bestätigen die ältesten erhaltenen Gebetstexte aus dem frühen 16. Jh. lediglich die Tatsache, dass religiöse Texte schon viel früher existierten – Ende des 14. oder Anfang des 15. Jh., sie jedoch nicht erhalten geblieben sind. J. Lebedys und J. Palionis zufolge „gab es Ende des 14. oder zumindest Anfang des 15. Jh. bereits elementarste litauische religiöse Texte. Es gab davon natürlich nur wenige, denn der Verbreitung des Christentums wurde damals tatsächlich nur sehr wenig Aufmerksamkeit gewidmet“ (Lebedys, Palionis 1964: 110). 3 Fälle des Gebrauchs der im Artikel behandelten synonymischen Religionsbezeichnungen wurden in M. Petkevičius’ Katechismus nicht gefunden. Terminologija | 2007 | 14 135 katekizmai: Mokslas Rimo Kataliku (1879), Trumpasis Kun. Filochowskio katekizmas (1901), Katakizmai katalikiszkie. Visureikalingiausi dėl vaikų ir žmonių praszcziokų su Lementoriu ir Ministranturu (1903). Medžiaga rinkta tik iš katekizmų, atsiribota nuo giesmių, apeigų, suplikacijų ir kitų tekstų. XVI a. išleistus pirmuosius trijų Vakarų krikščionybės šakų katekizmus (evangelikų liuteronų, evangelikų reformatų ir katalikų), nors jie verstiniai, galima laikyti labai svarbiais rašytinės religijos terminijos šaltiniais. XIX a. galo – XX a. pradžios katalikų katekizmai yra išleisti spaudos draudimo laikotarpiu. Tuo metu iš kalbos nuosekliai imtos guiti svetimybės. Kadangi minėtus katekizmus skiria bemaž trys šimtmečiai, straipsnyje norėta panagrinėti ir palyginti dviejų tolimų ir skirtingų laikotarpių sinoniminių religijos terminų pateikimą, išsiaiškinti, kuriems sinonimams teikiama pirmenybė ir kodėl. Aptariant greta vartojamus sinoniminius religijos terminus paliečiami kilmės (lietuviškas ar nelietuviškas terminas) ir kiti svarbesni kalbos dalykai. Be to, vertinant nagrinėjamus religijos terminų sinonimus, atsižvelgiama į jų vartosenos aplinkybes. 2. EINWORTIGE SYNONYME RELIGIONSBEZEICHNUNGEN In Katechismen des 16. Jahrhunderts und vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts werden einwortige synonyme Religionsbezeichnungen recht unterschiedlich wiedergegeben: Sie stehen in Klammern oder in einer Fußnote, werden mit der Konjunktion oder verbunden oder durch ein Komma getrennt. 2.1. In allen untersuchten Katechismen des 16. Jahrhunderts und vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts werden nebeneinanderstehende synonyme einwortige Religionsbezeichnungen mit der Konjunktion oder verbunden. 2.1.1. Ein Begriff ist litauisch4, der andere entlehnt5 (oder ein Hybrid): Von den anderen untersuchten Katechismen des 16. Jahrhunderts unterscheidet er sich dadurch, dass in ihm wesentlich mehr Fremdwörter verwendet werden, die durch wörtliche Übersetzung aus dem Polnischen entstanden sind. 4 Da Katechismen Übersetzungen sind, finden sich darin auch recht schwer erkennbare Entlehnungen, nach K. Gaivenis „verdeckte Entlehnungen“ oder Lehnübersetzungen (Gaivenis 2002: 58). Meist wird die Bedeutung eines Wortes entlehnt (Bedeutungsentlehnungen) oder seine Struktur, d. h. es wird Morphem für Morphem übersetzt (Lehnübersetzungen) (vgl. KTŽ 1990: 228–229, siehe auch LKE 1999: 700). Bildungen, die nach dem Vorbild von Entsprechungen in einer anderen Sprache geschaffen wurden, nennt St. Keinys Lehnbildungen (Keinys 1999: 113). Lehnübersetzungen finden sich in allen hier behandelten Katechismen, besonders in denen des 16. Jahrhunderts; heute lässt sich jedoch schwer sagen (das könnten nur Sprachhistoriker feststellen), ob der Katechismusautor die Lehnübersetzung selbst gebildet und als Erster verwendet hat. Bei Katechismen des 16. Jahrhunderts ist es möglich, dass die Lehnübersetzung aus Schriften übernommen wurde, die unveröffentlicht blieben (z. B. von St. Rapolionis, A. Kulvietis u. a.). Vielleicht stammt das Wort aber auch aus der gesprochenen religiösen Sprache. Daher werden in diesem Artikel Lehnübersetzungen und auch Neubildungen mit großer Vorsicht beurteilt. 5 Als entlehnte Religionsbezeichnungen gelten in diesem Artikel alte Entlehnungen und notwendige Wörter fremder Herkunft – sogenannte Internationalismen – sowie überflüssige, aufgezwungene Formen, also Fremdwörter. Alte Entlehnungen haben sich dem System der litauischen Sprache angepasst und sind normgerecht. Die meisten von ihnen bilden die älteste Schicht der religiösen Terminologie. 136 Aušra Rimkutė | Kai kurie sinoniminių religijos terminų vartosenos... Glaube oder viera6 MK 28, Herr oder ponas MK 36; Lehrer oder mistras DK 235; Häretiker7 oder eretikas MRK 181, Habgier oder godulystė MRK 430, Bezauberung oder čėras MRK 174; Ablass oder atpuskai KK 38, Tugend oder cnata KK 40, Demut oder pakara KK 49, Glaube oder viera KK 48; Kommunion (oder Teilhabe) TFK 36, Kommunion oder Vereinigung TFK 62. Dies lässt sich als heterogene Synonymie bezeichnen. Meistens (mit Ausnahme von lokamstva oder godulystė sowie Kommunion (oder Teilhabe), Kommunion oder Vereinigung) steht zuerst die einheimische Bezeichnung, auf die nach der Konjunktion oder ein Fremdwort, seltener eine alte Entlehnung, folgt. Möglicherweise wurde so versucht, die Sprache der Kirche zu reinigen, besonders in den Katechismen vom Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. 2.1.2. Beide Begriffe sind litauisch: Retter oder Erlöser DK 97, paduksis oder Hoffnung DK 159, Wille oder Wunsch DK 125. Daukšas Katechismus verwendet die Bezeichnung išganytojas als Bedeutungsentlehnung, vgl. poln. zbawiciel „Retter“. paduksis hingegen ist eine Neubildung (vgl. poln. nadzieja, ufność, dufność Palionis 2004: 291), abgeleitet aus der Bedeutungsentlehnung duksėti 4. „hoffen, Hoffnung hegen, hoffen“ (LKŽe pasiduksėti – nur bei A. Baran). Einwortige synonyme Religionsbezeichnungen, die mit der Konjunktion oder verbunden werden, finden sich in allen untersuchten Katechismen. Mit ihr können auch Nicht-Synonyme verbunden werden, z. B.: Bedrohung oder Rache MK 36, Salbung oder Runzel MK 33 u. a. 2.2 Im Katechismus von Daukša werden synonymische Religionstermini in Fußnoten8 angeführt. Folgende Fälle lassen sich besprechen: 2.2.1. Ein Terminus ist litauisch (möglicherweise eine Neubildung Daukšas), der andere ist entlehnt (oder ein Hybrid): Natur9 – cnata DK 263, Ehre – čėstis DK 397, Bekenntnis – žyvatas DK 105, Beichte – spaviedis DK 309, Welt – svietas DK 177, Bild – abroz as DK 191, Hölle – pekla DK 399, Gegner – neprietelius DK 177, Glaube – viera DK 103, Wunde – rona DK 351. 6Die Herkunft der Termini wird im Artikel nicht näher erläutert. Die Herkunft nahezu aller einwortigen Religionstermini, die häufig als Bestandteile zusammengesetzter Termini auftreten, wird im Artikel Nichtlitauische Termini in katholischen Katechismen vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts behandelt (vgl. Rimkutė 2005: 42–66). 7Vermutlich eine Lehnübersetzung aus dem Polnischen krzywowierny. 8Im Artikel wird es mit einem Bindestrich geschrieben. 9Im LKŽe gamta – 3. S. Dauk „dorybė“. Terminologija │ 2007 │ 14 1 3 7 Nach J. Kruopas verwendete Daukša häufiger als Mažvydas entlehnte und litauische Bezeichnungen für dieselbe Realität nebeneinander (Kruopas 1998: 245–252). Man kann vermuten, dass Daukša Wörter der litauischen Umgangssprache bewusst durch Entlehnungen erläuterte, damit Geistliche, die des Litauischen nicht gut mächtig waren, sie verstehen konnten. Im Katechismus von Daukša werden bedeutungsbezogene Entlehnungen, z. B.: išpažinimas („Beichte“, vgl. poln. wyznanie, spowiedź), gamta („Tugend“, vgl. poln. cnota Palionis 2004: 115), synonymisch mit Fremdwörtern gebraucht (spaviedis, cnata). 2.2.2. Beide Termini sind litauisch: Hochmut – Aufgeblähtheit10 DK 253, Tod – Giltinė DK 355, Sünde – Sündigen DK 183, Niedergeschlagenheit – Zweifeln DK 28511, Ermutigung – Stärkung DK 259, Erwartung – Hoffen DK 377, Versuchung – Versuchung DK 409, Brauch – Unterwerfung DK 317, Verführung zum Skandal – Verderben DK 141, Beihilfe – Hilfe DK 199, Gewissen – Seele DK 271, Seele – Gewissen DK 321, Seelenleid – Verdruss DK 315, Schöpfer12 – Macher DK 335. Ein erheblicher Teil der hier behandelten Religionstermini litauischer Herkunft ist als kontextuelle Synonyme anzusehen, da gewöhnlichen Wörtern häufig eine neue Bedeutung verliehen wird. Außerdem zeigen die Beispiele Daukšas große Bemühungen (in diesem Fall in der Fußnote), den Katechismustext möglichst genau und einfach zu übersetzen: Statt Bedeutungslehnwörtern, z. B. priejauta „Gewissen“, vgl. poln. sumnienie Palionis 2004: 365, priežinė „Gewissen“, vgl. poln. sumnienie Palionis 2004: 371, sutvėrėjas, vgl. poln. Stworzyciel, wird vorgeschlagen, Wörter der gewöhnlichen Sprache zu verwenden. 2.2.3. Beide Termini sind entlehnt: abyda – krivda DK 181 (weißruss. abida und weißruss. kpuoda, poln. krzywda). Daraus lässt sich schließen, dass beide Wörter recht weit verbreitet waren, obwohl auch das litauische Wort skriauda verwendet wurde. 2.3. In Katechismen vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts werden synonyme Religionstermini in Klammern gesetzt. Folgende Fälle sind zu behandeln: 2.3.1. Ein Terminus ist litauisch, der andere entlehnt (oder Hybrid): Brot (Hostie) MRK 322, Habsucht (lokamstva) MRK 234, Leiden (mūka) MRK 88, Demut (pakara) MRK 432, Geheimnis (tajemnyčia) MRK 10 Anot K. Būgos, tai Daukšos naujadaras, plg. putlus (Būga III 1961: 77). 11 Kontextuelles Synonym. 12 Dies ist ein Bedeutungslehnwort, vgl. poln. Stworzyciel. Nach K. Būga ist „unser tverti ‚tworzyć, schaffen‘ seiner Herkunft nach ein eigenes Wort. <…>; wenn tverti in der Bedeutung des polnischen Wortes ‚tworzyć‘ verwendet wird, dann gebraucht man nicht sutvėrėtojas, sondern sutvėrėjas“ (Būga II 1959: 132). Nach Z. Zinkevičius war sutvėrtojas „keine Neuschöpfung Mažvydas'. Offenbar war dies ein altes litauisches Wort“ (Zinkevičius 2000: 76, 123); das LKŽ XVII bestätigt dies jedoch nicht – aus der gesprochenen Sprache (Dialekten) führt es weder sutvėrtojo noch sutvėrėjo an. 138 Aušra Rimkutė | Kai kurie sinoniminių religijos terminų vartosenos... 35, Weihe (Konsekration) MRK 322, Gotteslästerung (Wahnsinn) MRK 185, Hölle (Hölle) MRK 144, Verstand (Vernunft) MRK 240, Thron (Thron) MRK 101, Götzendiener (Heide) MRK 173, Wunder (Wunder) MRK 81, Vollkommenheit (Vollkommenheit) MRK 281, Hoffnung (Hoffnung) MRK 170, Zeichen (Wunder) MRK 2313; Habgier (Habgier) KK 47, Tod (Sterben) KK 16; Ablass (Ablass) TFK 6, Tugend (Tugend) TFK 70, Habgier (Habgier) TFK 26, Almosen (Almosen) TFK 27, Gnade (Gnade) TFK 47, Demut (Demut) TFK 26, Pflicht (Pflicht) TFK 69, Hölle (Hölle) TFK 28, Gewissen (Gewissen) TFK 54, Götzendiener (Heide) TFK 39. Es ist anzunehmen, dass in den genannten Katechismen der einheimische Terminus bevorzugt wird, selbst wenn in Klammern internationale Wörter (Hostie, Konsekration) und ältere Entlehnungen (Heide) stehen. Wie die Beispiele zeigen, sind die in Klammern gesetzten Fremdwörter (und hybriden Termini) in Moksle Rimo Kataliku und im Trumpajame Kun. Filochowskio katekizme aus heutiger Sicht der Standardsprache als nicht gebräuchlich anzusehen; sie stammen aus dem Polnischen, Weißrussischen und anderen Sprachen. Nichtlitauische Religionsbezeichnungen waren weit verbreitet und geläufig; offenbar sollte daher sichergestellt werden, dass die vorgeschlagenen litauischen Entsprechungen für alle verständlich sind. In den Katekizmuose katalikiškuose steht in Klammern ein litauischer Terminus, doch gibt es nur einige wenige solche Fälle. In Moksle Rimo Kataliku und den Katekizmuose katalikiškuose finden sich Unterschiede in der Darbietung, z. B.: Tugend (cnata) MRK 17 und cnata (Tugend) MRK 168, Verzweiflung (desperacija) MRK 169 und desperacija (Verzweiflung) MRK 431; Liebe (Gnade) KK 10 und Gnade (Liebe) KK 12. Dies deutet darauf hin, dass der Wechsel nicht immer gut durchdacht und eindeutig war. 2.3.2. Beide Termini sind Fremdwörter: Buße (Beichte) MRK 303, TFK 25. Es handelt sich um kontextuelle Synonyme (poln. pokuta und spowiedź); daher kann man hier nicht von Normierung und Wandel sprechen. 2.4. Im Katechismus Mokslas Rimo Kataliku wurde ein Fall gefunden, in dem das Synonym durch ein Komma abgetrennt ist, z. B. tajemnyčia, paslaptis MRK 86. Bevorzugt wird weiterhin die polnische Form (poln. tajemnica). Zusammenfassende Bemerkungen. Im untersuchten Material finden sich Fälle von Synonymie ausschließlich bei rein litauischen Termini in den Katechismen von Mažvydas und Daukša. Dies lässt sich mit den Bemühungen der Autoren erklären, bei der Übersetzung der Katechismen eine genauere Entsprechung zu finden. Daneben werden synonymische einwortige Religionsbezeichnungen verwendet 13 Kontextuelles Synonym. Terminologija | 2007 | 14 139 Sie werden mit der Konjunktion oder verbunden (Mažvydas’ und Daukšas Katechismen, Mokslas Rimo Kataliku, Katakizmai katalikiški), in einer Fußnote angegeben (Daukšas Katechismus), in Klammern gesetzt (Mokslas Rimo Kataliku, Trumpasis Kun. Filochowskio katekizmas, Katakizmai katalikiški) oder durch ein Komma getrennt (Mokslas Rimo Kataliku). In den Katechismen vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts überwiegt die Synonymie unterschiedlicher Herkunft (ein Terminus ist litauisch, der andere entlehnt oder ein Hybrid). Fälle eines solchen Synonymgebrauchs finden sich auch in Katechismen des 16. Jahrhunderts, jedoch erheblich seltener (dabei ist natürlich nicht zu vergessen, dass sich der Umfang der Quellen unterscheidet). In den besprochenen Katechismen lässt sich eine Regelmäßigkeit erkennen: Litauische einwortige Religionstermini werden bevorzugt verwendet. Dies ist ein Bestreben zur Sprachreinigung. 3. SYNONYME BESTANDTEILE KOMPLEXER RELIGIÖSER TERMINI In den Katechismen werden auch Begriffe verwendet, die durch zwei komplexe Termini bezeichnet werden. Synonymisch kann eines (oder mehr als eines) der Bestandteile eines komplexen Terminus sein. Synonyme Bestandteile komplexer religiöser Termini werden ebenfalls auf unterschiedliche Weise dargestellt. 3.1. Synonyme Bestandteile komplexer religiöser Termini werden durch die Konjunktion oder. verbunden. 3.1.1. Herkunftsverschiedene Bestandteile: a) synonymischer Hauptbestandteil: Bild oder Abbild des Heiligen MRK 181, Riten oder Zeremonien der heiligen Kirche MRK 419, Bild oder Abbild des Herrn Jesus MRK 181; Tugend oder göttliche Gnade KK 48. b) synonymischer Nebenbestandteil: Teilablass oder vollkommener Ablass KK 38. In Mažvydas’ Katekizme und Moksle Rimo Kataliku sowie in den Katakizmuose katalikiškuose werden Lehn- und litauischstämmige Bestandteile synonymisch verwendet. Bevorzugt wird der litauische Terminus. 3.1.2. Gleichstämmige Bestandteile: Schöpfer oder Erschaffer des Himmels DK 131, vgl. Erschaffer oder Schöpfer der Erde DK 133, Bekenntnis oder Beichte der Sünden DK 289. Wie die Beispiele zeigen, gehören zu dieser Gruppe auch Wörter wie Schöpfer, Erschaffer und Bekenntnis, deren Bedeutung entlehnt, deren Form jedoch litauisch ist. Beispiele dieses Typs, bei denen alle Bestandteile zusammengesetzter Termini litauisch sind, fanden sich nur in Daukšas Katechismus. 140 Aušra Rimkutė │ Kai kurie sinoniminių religijos terminų vartosenos... 3.2. Ein synonymisches Glied eines zusammengesetzten Terminus wird in einer Fußnote angegeben. 3.2.1. Bestandteile unterschiedlicher Herkunft: heiligster Skomis – Tisch DK 379 (weißruss. dial. скам’я, russ. скамья). 3.2.2. Gleichstämmige Bestandteile: die größte Sünde – die verderbliche DK 331. 3.3. In den Katechismen vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts werden synonymische Bestandteile zusammengesetzter religiöser Termini in Klammern gesetzt. 3.3.1. Gleichstämmige Bestandteile: unauslöschliches Zeichen (Merkmal) MRK 314. 3.3.2. Bestandteile unterschiedlicher Herkunft: a) synonymisches Grundglied: Riten (Zeremonien) der heiligen Taufe MRK 316, heilige Riten (Zeremonien) MRK 24, Riten (Zeremonien) der heiligen Kirche MRK 185, reinste Abkehr (Reue) MRK 325, Betrachtung [der reinsten Leiden (Qualen)] MRK 353, Tugend (Keuschheit) der Reinheit MRK 276, christliche Tugend (Keuschheit) MRK 278, Tugend (Keuschheit) der Buße MRK 342, berühmtestes Wunder (Wunderzeichen) MRK 81, Ausspruch (Dekret) [des Kirchenoberhaupts] MRK 129, Ausspruch (Dekret) des Heiligen Vaters MRK 129, christliche Tugend (Keuschheit) MRK 280, christliche Vollkommenheit (Vollendung, Heiligkeit) MRK 283, blutiges Leiden (Qual) MRK 319, unzählbares (Wunderzeichen) Wunder MRK 85, Bestimmung (Weihe) der Kirche MRK 126, Thron des Allerhöchsten MRK 421, Thron Gottes MRK 281, Heiligkeit (Vollkommenheit) der Christen MRK 278, Vollkommenheit (Vollendung, Heiligkeit) der Christen MRK 278; ewige Qual (Leiden) KK 16, Gnade (Barmherzigkeit) Gottes KK 12, vgl. Barmherzigkeit (Gnade) Gottes KK 10, Lohn (Vergeltung) nach dem Tod KK 9; Kirchenriten (Zeremonien) TFK 40, göttliche Tugend (Keuschheit) TFK 27, höchste Tugend (Keuschheit) TFK 27, S. Kirchenriten (Zeremonien) TFK 70. b) synonymisches Nebenglied: Akt des Glaubens (Hoffnung) MRK 337, tugendhaftes (keusches) Leben MRK 275, Verleihung der zeitlichen (vergänglichen) Krone MRK 363, Geist [vollkommen (vollendet)] MRK 37, Tilgung der zeitlichen (vergänglichen) Krone MRK 306, freie (ungezwungene) Wahl des Menschen MRK 292, Vernachlässigung der Pflichten (Verpflichtungen) des heiligen Glaubens MRK 34, Verlust der Hoffnung (Zuversicht) MRK 431, Beharren in der Tugend (Keuschheit) MRK 406, allgemeine (vollkommene) Ablässe MRK 371; allgemeine (vollkommene) [Ablässe] KK 38, allgemeine (vollkommene) Ablässe KK 38; Die wahrhaftige Frau (die treue Frau) TFK 18, Häuser der Knechtschaft (der Unfreiheit) TFK 6, allgemeine (vollkommene) Ablässe TFK 61. Terminologija | 2007 | 14 141 Die meisten Beispiele wurden im Katechismus Mokslas Rimo Kataliku gefunden. In den Katechismen vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts werden fremdsprachige Bestandteile am häufigsten in Klammern angegeben. Man kann daraus schließen, dass damit eine Litauisierung angestrebt wird. Zusammenfassende Bemerkungen. Synonyme Bestandteile zusammengesetzter Termini werden, ebenso wie synonyme einwortige Religionsbegriffe, mit der Konjunktion oder verbunden (die Katechismen von Mažvydas und Daukša sowie Mokslas Rimo Kataliku, Katakizmai katalikiški), oder in Klammern gesetzt (Mokslas Rimo Kataliku, Trumpasis Kun. Filochowskio katekizmas, Katakizmai katalikiški). Nur vereinzelte Fälle wurden gefunden, in denen sie in einer Fußnote angegeben werden (Daukšas Katechismus). Da die synonymen Bestandteile zusammengesetzter Religionsbegriffe überwiegend fremden Ursprungs sind, lässt sich vermuten, dass die Autoren der Katechismen durch diese Darstellungsweise die Sprache der Religion litauisierten. 4. WEITERE GEBRAUCHSFÄLLE SYNONYMER RELIGIONSBEGRIFFE In den Katechismen werden auch religiöse Konzepte mit ein- und mehrgliedrigen Termini bezeichnet. Auch solche synonymen Termini werden durch die Konjunktionen oder, oder verbunden; außerdem kann eines der Synonyme in Klammern oder in einer Fußnote stehen. 4.1. Beide Termini sind litauisch: der Tod oder der ewige Tod DK 97, böse Geister oder Teufel KK 10. 4.2. Einer der Termini ist litauisch, der andere entlehnt: Heiligkeit14 oder Sakrament der Kirche MK 18, Heiligkeit oder Sakrament des Altars MK 25; Reue über die Sünden – Buße DK 259, Beichte der Sünden – Spaviedis DK 349, Lehre der Beichte – Spaviedis DK 309; Firmung oder Bestätigung im heiligen Glauben MRK 434; Heiliger Vater oder Papst KK 23; Bestätigung im Glauben (Firmung) TFK 25. 4.3. Der einwortige Terminus ist entlehnt, der zusammengesetzte besteht aus Bestandteilen verschiedener Herkunft (alle Bestandteile sind entlehnt; sie können hybrid sein): Credo oder Versammlung der Apostel DK 115–117, Credo oder Zusammenstellung der Apostel DK 119; Verzweiflung oder Verlust der Hoffnung auf Erlösung KK 48, Firmung oder Bestätigung im Glauben KK 47, Beichte oder Bekenntnis aller Sünden KK 32; Šventastis, vgl. poln. świętość (siehe LKŽė). Der Terminus šventastis wird in der Bedeutung „Sakrament“ verwendet. J. Kruopas zufolge handelt es sich um eine Lehnübersetzung von Mažvydas (Kruopas 1998: 252). Im LKŽė ist das Wort mit „x“ gekennzeichnet, d. h., es gilt als in der heutigen Sprache nicht gebräuchlich. 142 Aušra Rimkutė | Kai kurie sinoniminių religijos terminų vartosenos… Genehmigung der Kirchenoberen (Dispens) TFK 46. Zusammenfassende Bemerkungen. In den Katechismen finden sich Fälle, in denen ein- und mehrgliedrige Religionstermini synonym sind. Meistens ist der eine Terminus litauisch, der andere entlehnt. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Die Synonymie der Religionsterminologie ist sowohl im 16. Jahrhundert als auch Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein natürliches Phänomen ihrer Entstehung und Entwicklung. 2. In den Katechismen des 16. Jahrhunderts und vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Verwendung nebeneinander angeführter synonymischer Religionstermini (ein- und mehrgliedriger) vielfältig: Die Synonyme werden mit der Konjunktion oder verbunden, in Klammern oder Fußnoten angeführt oder durch ein Komma getrennt. 3. Sowohl in den Katechismen des 16. Jahrhunderts als auch in denen vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts überwiegt die Synonymie von Religionstermini unterschiedlicher Herkunft, das heißt litauischer und nichtlitauischer Herkunft. In vielen Fällen lässt sie sich als begründet ansehen, da auf diese Weise angestrebt wird, entlehnte Termini zu purifizieren oder zu beseitigen. 4. Synonymische Religionstermini werden in den Katechismen offenbar aus verschiedenen Gründen so angegeben: 1) Für die Verfasser der Katechismen war es schwierig zu entscheiden, welchem Terminus der Vorzug zu geben sei: dem litauischen oder dem entlehnten (internationalen, fremdsprachigen oder hybriden); 2) ihnen lag auch die Sprachpurifizierung am Herzen – zuvor verwendete christliche Begriffe litauisch zu benennen (manchmal sogar wiederzubeleben); besonders Daukša bemühte sich darum; 3) ein wichtiger Grund für die Verwendung einiger Religionstermini fremder Herkunft könnte auch die Gewohnheit sein, sie seit Langem zu verwenden. 5. Aus der Synonymität nebeneinander verwendeter Termini lässt sich schließen, dass die Religionsterminologie nicht nur im 16. Jahrhundert, sondern auch Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch geschaffen, geordnet und normiert wurde. ŠALTINIAI DK – Kathechismas arba mokslas kiekwienam krikščioniui privalws. Parasitas per D. Iakuba Ledesma... Įgulditas iš Liežuvio Ląnkiško ing Lietuwišką per Kunigą Mikaloju Daugſa Kanoniką Žemaičių, Vilnius, 1595. – Mikalojaus Daukšos 1595 metų katekizmas. Katechismus von Mikalojaus Daukša vom Jahre 1595. Vilnius, 1995. KK – Katalikizmai katalikiszki. Visureikalingiausi dėl vaikų ir žmonių praszcziokų su Lementoriu ir Ministranturu, Bitėnai, 1903. MK – Mažvydas M. Katechismusa Praſty Szadei, Makſlas skhaitima raſta yr gieſmes del krikſczianistes bei del berneliu jaunu naujey ſuguldytas, 1547. – Guido Michelini. Martyno Mažvydo raštai ir jų šaltiniai. Vilnius, 2000, 61–99. MRK – Mokslas Rimo Kataliku. Naujei perweizetas, pertaisitas ir antra karta atspaustas, Vilnius, 1879 (su pieštuku – 1888). Terminologija | 2007 | 14 143 PK – 1598 metų Merkelio Petkevičiaus Katekizmas. 2-as leidimas (fotografuotinis), Kaunas, 1939. TFK – Trumpasis Kun. Filochowskio katekizmas. Vaiszganto verstas. Antrą kartą išzleistas, pataisytas, Vilnius, 1863 (su pieštuku – Tilžė, 1901, trečia laida). LITERATŪRA Būga K. 1958–1961: Rinktiniai raštai I–III, Vilnius. Gaivenis K. 2002: Lietuvių terminologija: teorijos ir tvarkybos metmenys, Vilnius. Kaulakienė A. 2000: Lietuviškosios terminijos šaltinių kaitos tendencijos. – IX tarptautinis baltistų kongresas: Baltų kalbos amžių kaitoje (Pranešimų tezės), Ryga. Kazlauskaitė G. 2000: Lietuviškų ir tarptautinių fonetikos terminų sinonimija. – Terminologija 7, 25–31. Keinys St. 1980: Terminologijos abėcėlė, Vilnius. Keinys St. 1999: Bendrinės lietuvių kalbos žodžių daryba, Šiauliai. Kruopas J. 1998: Leksiniai paralelizmai Daukšos katekizmo (1595) kalboje. – Rinktiniai raštai, Vilnius, 238–271. KTŽ 1990: Gaivenis K., Keinys St. Kalbotyros terminų žodynas, Kaunas. Lebedys J., Palionis J. 1964: Seniausias lietuviškas rankraštinis tekstas. – Bibliotekininkystės ir bibliografijos klausimai 3, 109–135. LKE 1999: Lietuvių kalbos enciklopedija, Vilnius. 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SOME CASES OF THE USAGE OF SYNONYMOUS TERMS OF RELIGION IN CATECHISMS (16TH CENTURY AND THE END OF 19TH – BEGINNING OF 20TH CENTURIES) Synonymy is particularly characteristic to the initial stages of development of terminology, when the most suitable term for naming the concept is not yet chosen and a few terms (synonyms) and (or) variants of terms, one of which frequently is a barbarism, are in use at the same time. The objective of this article is to discuss the usage of synonymous terms of religion used next to each other in catechisms from the initial stage of the development of written terminology of religion (16th century) and the period of formation of modern Lithuanian (end of 19th – beginning of 20th centuries). Synonymous terms of religion used in different places in catechisms were not investigated. This article deals with varying synonymy of terms of religion in catechisms from 16th century – Katechismusa Praf ty Szadei, Makłas Įkaitima raſta yr gieſmes del krikſcžianiſtes bei del berneliu iaunu nauiey ſuguldy tas (1547) by Martynas Mažvydas, Kathechismas arba mokslas kiekwienam krikščionii priwalvs. Paraszi tas per D. Iakuba Ledesma... Įžguldytas iš Liežuvio Ląnkifko ing Lietuwiſka per Kuniga Mikaloiu Daugſa Kánonika ßemaicziu (1595) by Mikalojus Daukša and Katekizmas (1598) by Merkelis Petkevičius and from catechisms published at the end of 19th and the beginning of 20th centuries – Mokslas Rimo Kataliku (1879), Trumpasis Kun. Filochowskio katekizmas (1901) and Katakizmai 144 Aušra Rimkutė │ Kai kurie sinoniminių religijos terminų vartosenos... katalikiški. Visureikalingiausi dėl vaikų ir žmonių prasčiokų su Lementoriu ir Ministranturu (1903). Synonymous terms of religion (one-word or word combinations) in catechisms are most frequently given in brackets or as a footnote, sometimes they are connected using the conjunction arba or separated by comma. Frequently the synonym of a term is not of Lithuanian origin, for instance, tikėjimas arba viera (faith) MK 28, lokamstva arba godulystė (greediness) MRK 430; atlaidai arba atpuskai (wakes, feast) KK 38, dorybė arba gnata (virtue) KK 40; apeigos (ceremonijos) bažnyčios šv. (church rituals) MRK 24, kančia (mūka) (Calvary) MRK 301, kruvina kančia (mūka) (Calvary) MRK 319, malonė (mylista) Dievo (grace of God) KK 12, nustojimas vilties (nodiejos) (loss for hope) MRK 431, pragaras (pekla) (hell) MRK 144, stebuklas (čiūdas) (miracle) MRK 81 and others. In some cases the non-Lithuanian word is given first – amžina mūka (kančia) (eternal torment) KK 16, smertis (mirimas) (death) KK 16; desperacija (nusiminimas) (despair) MRK 431, Komunija (arba dalyvavimas) (Communion) TFK 36. The conclusion can be drawn that there were attempts to propose Lithuanian words in catechisms. Synonymy of terms of religion shows that terminology of religion was being created, ordered and normalized not only at the initial stage of its development in the 16th century, but also at the end of 19th and the beginning of 20th centuries as well. Gauta 2007-11-05 Aušra Rimkutė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected] Terminologija | 2007 | 14 1 4 5