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Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje

Palmira Zemlevičiūtė

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Morphologische Varianten anatomischer Termini in der litauischen Lexikografie des 17.–18. Jahrhunderts PALMIRA ZEMLEVIČIŪTĖ Institut für die litauische Sprache SCHLÜSSELWÖRTER: Medizin, anatomischer Terminus, Variante, morphologische Variante, Wörterbuch EINLEITENDE BEMERKUNGEN Wörter und Wortverbindungen mit Bezug zur Medizin finden sich bereits in den ersten schriftlichen Quellen des Litauischen – in allgemeinen zweisprachigen Übersetzungswörterbüchern (meistens deutsch–litauisch und litauisch–deutsch), die nicht nur für die Entwicklung der litauischen Schriftsprache und Lexikografie, sondern auch für die Entstehung der litauischen medizinischen Terminologie von großer Bedeutung waren. Der verstorbene litauische Arzt, Anatom und Anthropologe, Professor Gintautas Jurgis Česnys (1940–2009), der die Geschichte des litauischen anatomischen Wortschatzes erforschte, betrachtet das dreisprachige (polnisch–lateinisch–litauische) Wörterbuch von Konstantinas Sirvydas als dessen Ursprünge. Ein beträchtlicher Teil seiner Wörter ist zu anatomischen Termini geworden und wird bis heute verwendet, zum Beispiel Ellenbogen, Mund, Kopf, Gaumen, Hals, Leber, Leiste, Scheitel, Hinterkopf, Finger, Hand, Kinn, Gehirn, Herz und andere (Česnys 2002: 56). Diese und andere Wörter, die wichtige Körperteile und Organe sowie die von ihnen produzierten Flüssigkeiten bezeichnen, finden wir auch in späteren, bereits in Kleinlitauen verfassten Wörterbüchern. Die Quellen des Artikels sind somit folgende Wörterbücher des 17.–18. Jahrhunderts aus Groß- und Kleinlitauen (im Folgenden GL und KL): Dictionarium trium linguarum, In usum Studiose Iuventus, Auctore [...] Constantino Szyrwid (im Folgenden SD), Clavis Germanico–Lithvana (im Folgenden C), Lexicon Lithuanicum (im Folgenden Lex), Lexicon Germanico=Lithvanicum et Lithuanico=Germanicum, darinnen [...] von Iacobo Brodowskij, Praecentore Trempensi (im Folgenden B), Vocabularium litthvanico–germanicum, et germanico–litthvanicum [...] von Friederich Wilhelm Haack (im Folgenden H), Littauisch=Deutſches und Deutſch=Littauiſches Lexicon, [...] von Philipp Ruhig (im Folgenden R), Littauiſch=deutſches und Deutſch=littauiſches Wörter=Buch, [...] von Chriſtian Gotlieb Mielcke, Cantor in Pillckallen (im Folgenden MŽ). Terminologija | 2012 | 19 105 Als Gegenstand des Artikels wurde eine semantische Mikrosystematik medizinischer Termini gewählt – die anatomischen Termini. Aus den genannten lexikografischen Quellen wurden Wörter und Wortverbindungen gesammelt, die anatomische Begriffe des Menschen (Körperteile, Organe und die von ihnen produzierten Flüssigkeiten) bezeichnen und bis heute gebräuchlich sind (d. h. zu medizinischen Termini geworden sind) oder nicht mehr verwendet werden. Untersucht wird eine Art von Terminivarianten – morphologische Varianten. Sie wurden zu Reihen von Varianten gruppiert, die denselben Begriff bezeichnen (insgesamt 58 Reihen und 216 verschiedene Varianten). Ziel ist es, die morphologischen Varianten anatomischer Termini in den Wörterbüchern des 17.–18. Jahrhunderts aus GL und KL zu beschreiben, ihre Typen und Untertypen zu bestimmen, die Ursachen der Terminivariation zumindest ansatzweise zu erörtern und ihre Entwicklung aufzuzeigen. Einige Worte zu bestimmten terminologischen Begriffen. Im Artikel wird der Terminus Variante1 verwendet. Dabei wird von seinem traditionellen Verständnis ausgegangen: Als Variante gilt ein ein- oder mehrgliedriger Terminus, der dieselbe Bedeutung, aber eine unterschiedliche Ausdrucksform hat. Auch zur Benennung des untersuchten Typs von Terminivarianten und seiner Untertypen werden traditionell die Termini morphologische (Genus-, Numerus- und Endungs-)Varianten verwendet. In der sprachwissenschaftlichen und terminologischen Literatur werden gewöhnlich solche Spracheinheiten als Varianten betrachtet, die sich in einem Merkmal unterscheiden, anhand dessen sie in verschiedene Arten eingeteilt werden. Das untersuchte Material zeigte jedoch, dass es nur sehr wenige derartige reine Varianten gibt. Die meisten anatomischen Termini in den Wörterbüchern unterscheiden sich in mindestens zwei, mitunter sogar in mehr Merkmalen2. Daher werden im Artikel auch die Termini reine Varianten, Mischvarianten verwendet. Als reine Varianten von Termini werden jene bezeichnet, die sich, wie bereits erwähnt, nur in einem Merkmal (im vorliegenden Fall einem morphologischen) unterscheiden. Mit dem Terminus Mischvarianten werden Termini bezeichnet, die sich in zwei oder mehr Merkmalen unterscheiden. In diesem Fall gilt das unterscheidende morphologische Merkmal als Hauptmerkmal, die unterscheidenden phonetischen und orthografischen Merkmale hingegen als Nebenmerkmale. Eine Gruppe aus zwei oder mehr Varianten, die denselben Begriff bezeichnen, wird als Variantenreihe bezeichnet (vgl. Synonymreihe). 1 Der Variantenbegriff wird in der Terminologie im Artikel von Asta Mitkevičienė ausführlich behandelt (siehe Mitkevičienė 2004). Daher werden hier keine eingehenderen theoretischen Erörterungen angestellt; es wird lediglich die Position der Autorin und die einschlägige Literatur angeführt. 2 Aus diesem Grund ist es ziemlich schwierig, Varianten anatomischer Termini in einzelne Arten einzuteilen, denn es gibt nur sehr wenige Varianten, die ausschließlich einer bestimmten Art angehören – dieselben Varianten können verschiedenen Arten zugeordnet werden. Daher wurden in dieser Arbeit die unterscheidenden morphologischen Merkmale anatomischer Terminivarianten als Grundlage für ihre Einteilung gewählt. 106 Palmira Zemlevičiūtė Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje Variantenreichtum3 ist eine Eigenschaft nicht nur der Sprache, sondern auch der Terminologie in den Bereichen Wissenschaft, Technik und Kunst (historisch oder gegenwärtig). Am deutlichsten zeigt er sich jedoch wohl in frühen schriftlichen Texten, als die Schriftsprache erst im Entstehen begriffen war. Daher ist die große Zahl unterschiedlicher Formen desselben Wortes nicht nur in den Schriften einzelner Autoren, sondern nicht selten auch innerhalb der Werke desselben Autors völlig verständlich. Es liegt die Annahme nahe, dass Varianten bei der Untersuchung der Ursprünge der Terminologie eines bestimmten Fachgebiets dazu beitragen, die Entwicklung der Termini sowie Tendenzen ihrer Auswahl und ihres Gebrauchs aufzuzeigen. MORPHOLOGISCHE VARIANTEN In dieser Arbeit gelten als morphologische Varianten Wortbildungs- und Flexionsvarianten von Wortformen (vgl. Župerka 1983: 28, Miliūnaitė 2009: 143, 172, vgl. Ахманова 2005: 71). In den untersuchten Wörterbüchern wurden drei Arten morphologischer Varianten gefunden – Varianten des Genus, des Numerus und der Endungen. Morphologische Varianten sind meist einwortige Anatomietermini; zusammengesetzte Termini kamen nur vereinzelt vor – ihre Varianten betreffen entweder das Genus oder die Art der Bestandteile. 1. GENUSVARIANTEN Dieser Typ morphologischer Varianten umfasst überwiegend Reihen einwortiger Anatomietermini (insgesamt 17 Reihen und 78 verschiedene Varianten), deren Termini sich im Genus unterscheiden – ein bzw. einige Mitglieder der Variantenreihe sind feminin, andere maskulin: Alkūnė4 (lat. cubitus) – Alkune5, poln. Łokieć / członek rękt od przegubu aż do dłoni, lat. Cubitus, ulna, lacertus SD 2536 / Alkune, vok. Ellenbogen B I 406747 / Elkune, vok. Arm B I 11922, Elkune, vok. Ellen- 3 Zu diesem Thema sind zahlreiche theoretische Arbeiten (Aufsätze und Bücher) erschienen (ausführlicher siehe Miliūnaitė 2009, Авербух 2003, Ахманова 2005, Бабанова 1994, Граудина 2003, Лейчик 1994, Марузо 2004, Сложеникина 2005, Татаринов 1996 u. a.). Die litauischen Terminologen stützten sich bei der Untersuchung der Termin-Mikrosysteme bestimmter Fachgebiete (Literatur, Bauwesen) auf die theoretischen Überlegungen litauischer und russischer Autoren zur Terminvariation (siehe Mitkevičienė 2004, Stunžinas 2008). 4 Terminus der aktuellen anatomischen Nomenklatur (siehe Medž). 5 Im Artikel werden die Anatomietermini in der Originalschreibweise und alphabetisch angeführt. Die Mitglieder der Variantenreihen sind chronologisch angeordnet, d. h. nach dem Erscheinungsdatum des Wörterbuchs, aus dem der Terminus entnommen wurde. Nach dem Terminus werden die Entsprechungen in anderen Sprachen – Polnisch und Latein (im Wörterbuch von K. Sirvydas) sowie Deutsch – angegeben, ebenso die Quellenabkürzung (in der Form, in der sie im Lietuvių kalbos žodyne erscheint) und die Seite. Unterschiedliche Terminvarianten werden fett gedruckt. 6 Originalseite. 7 Originalseite und -zeile. Terminologija | 2012 | 19 107 begen C I 5118, Elkune, vok. Ellenbog[en] Lex 309 / Élkūnė, vok. Arm B I 11921 / Elkuns, vok. Ellenbogen B I 40647 / Alkunė, vok. Arm, das untere Theil Rvl 31, Alkunė, vok. der Ellnbogen MŽiv 4, Alkunė, vok. Arm, der untere Theil MŽvl 41, Alkunė, vok. der Ellbogen MŽiv 66 / Elkunė, vok. der Ellbogen MŽiv 66 / Elkūnas, vok. Elbogen C I 553 / Alkūnas, vok. Elbogen C I 553. LKŽe duomenimis, moteriškosios giminės variantas Elkune / Élkūne / Elkunė ~ elkūnė10 vartojamas gyvojoje kalboje (Grž) ir Rytų Prūsijos raštuose, o vyriškosios giminės varianto Elkūnas ~ elkūnas pirminis šaltinis nurodytas Clavio žodynas. Beje, pastarajame žodyne duodamas ir variantas su šaknies balsiu a – Alkūnas ~ alkūnas, kuris LKŽe pateiktas tik kaip šio šaltinio žodis. Antakis (lat. supercilium) – Ant-Akkis, deutsch Augenbrauen C I 180 / Antakė, deutsch Augenbrahue Rvl 40, MŽvl 54; Antakkei, deutsch Augen Brauen B I 1566 / Antakės, deutsch die Augen=Brauen MŽlv 2. Als Primärquelle für die femininen Varianten Antakė ~ antakė, Antakės ~ antakės nennt das LKŽe das Wörterbuch von P. Ruigys; dort wurde dieses Wort außer in seiner Grundbedeutung „Augenbrauen“ auch im Sinne von „Augenlidern“ gebraucht. K. G. Milkus verwendete in seinem Wörterbuch ebenfalls diese Formen; möglicherweise wurde er dabei vom Wörterbuch seines Vorgängers P. Ruigys beeinflusst. Blakstiena (lat. cilium) – Blakſtenai, deutsch Augenbrauen C I 180, Blakſtenai, deutsch Augen Brauen B I 1566, Blakſtenai, deutsch Augen Haar B I 15629, Blakſtenai, deutsch Augen Wimpern B I 1572, Blakſtenai, deutsch die Wimpern Rlv 16, Blakſtenai, deutsch Augen=Wimpern MŽlv 28 / Blakſtēnai, deutsch Wimpern der Augen MŽvl 542 / Blakſtenos, deutsch Wimpern der Augen MŽvl 542. Eines der akzessorischen Augenorgane wird in den meisten Wörterbüchern der Kleinlitauischen Literatur (mit Ausnahme des Wörterbuchs von K. G. Milkus, in dem dieser Begriff mit einem femininen Terminus bezeichnet wird) durch den maskulinen Terminus Blakſtenai / Blakſtēnai ~ blakstienai bezeichnet. Das LKŽe gibt an, dass dieses Wort in der gesprochenen Sprache (Kp, Gs) und in Schriften (R, J) verwendet wird. Blauzda (lat. crus) – Blauȥda, poln. Goleń, lat. Crus, Tibia SD 170, Blauȥda, poln. Lyft mięśinty / pega, lat. Sura SD 258 / Blauȥda, deutsch Bein C I 268, Blauȥda, deutsch Waden C IV 891, Lex 435, Blauȥda, deutsch Bein pro pede B I 21048, Blauȥda, deutsch Lenden B II 86647, Blauȥda, deutsch Wade B I 51424, Blauȥda, deutsch Schienbein B I 51424, Blauȥda, deutsch die 8Originalseite. 9Originalseite. 10Nach dem Tildezeichen (~) wird der in heutiger Orthografie umgeschriebene Terminus angegeben. 108 Palmira Zemlevičiūtė Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje Wade am Fuß Rlv 16, MŽlv 28 / Blauzdà, vok. Schenkel Rvl 305, MŽvl 409, Blauzdà, vok. Wade MŽvl 525 / Blauzdas, vok. Beinschiene B I 21116. LKŽe duomenimis, vyriškosios giminės variantas Blauzdas ~ blauzdas fiksuotas tik rašytiniuose šaltiniuose (I.Simon, Ch). Delnas (lat. metacarpus) – Delnas, poln. Dłoń spódnia, lat. Vola manus SD 144 / Delwas, deutsch hole Hand Lex 50a / Délna, deutsch x hole Hand B II 62735 / Delna, deutsch die flache Hand inwendig MŽlv 47. Die feminine Variante Délna / Delna ~ delna wird, wie aus den im LKŽe angeführten Belegbeispielen hervorgeht, in der gesprochenen Sprache (Skr, Vvr, Plt, Tl) und in Schriftquellen (J, K, R, Žem, I, I.Simon, MŽ) verwendet. Das Wort Delwas ~ delvas in Lexicon Lithuanicum könnte ein Druckfehler sein (siehe Lex 1987: 495). Lenden, Flanken (lat. lumbus); seitliche Bauchregion (lat. regio hypochondriaca) – šlepšna, poln. Słabizna, lat. Hypochondrion SD 506 / Slepšnas, deutsch Lenden C II 1191. Die feminine Form šlepšna / Slepšna ~ slėpsna und die maskuline Form Slepšnas ~ slėpsnas wurden in Wörterbüchern mit mehreren Bedeutungen verwendet – lumbus und regio hypochondriaca. In der heutigen anatomischen Nomenklatur hat sich der feminine Terminus slėpsna durchgesetzt; das LKŽe führt für die maskuline Variante Slepšnas ~ slėpsnas nur schriftliche Belege an (N, NdŽ). Kaukolė (lat. cranium) – Kaukolas, deutsch Schedel C III 404, Rvl 304, MŽvl 407, Kaukolas, deutsch Scheitel des Hauptes Rvl 305, MŽvl 408, Kaukolas, deutsch die Hirnschädel MŽlv 111 / Kaukolė, deutsch die Hirnschädel MŽlv 111, Kaukolė, deutsch Scheitel des Hauptes MŽvl 408 / Kaukolė, deutsch Scheitel des Hauptes Rvl 305. Den Angaben des LKŽe zufolge ist die maskuline Variante Kaukolas ~ kaukolas, die eine der grundlegenden osteologischen Begriffe bezeichnet, nur in schriftlichen Quellen belegt (K.Būg, J, BzBk, R, MŽ, BtMr). Kulnas (lot. calx) – Kułnas, lenk. Koftká / nogicześc, lot. Talus SD 222 / Kulnis, vok. Ferfen vid Verfen B I 46535, Kulnis, vok. Heße B II 69331, Kulnis, vok. Ferfe C II 652, MŽvl 182, Kulnis, vok. Hacke am Fuß C II 829, MŽvl 249, Kulnis, vok. Verfen C IV 711, Kulnis, vok. Ferfen Lex 35a, Kulnis, vok. Hacke Lex 45, Kulnis, vok. die Hacke oder Ferfe am Fuß Rlv 70, Kulnis, vok. die Hacke, Ferfe am Fuß MŽlv 135 / Kulnis, vok. Ferfe Rvl 138. Kaip matyti iš pateiktų variantų pavyzdžių, dabartiniame anatomijos vardyne įsigalėjęs terminas kulnas vartotas tik K. Sirvydo. ML žodynų autoriai vartojo moteriškosios giminės variantą Kulnis / Kulniš ~ kulnis. LKŽe duodama šios apatinės galūnės dalies pavadinimo vartosenos pavyzdžių iš gyvosios kalbos (Grš, VIkv, Šll, Šv) ir raštų (V.Kudir, J.Balt, N, BsP, BB). Terminologija | 2012 | 19 109 N a g a s (lat. unguis) – naga, poln. Pázur, lat. Vuguis SD 386 / Nag-ga, dt. Hufe C II 978, Nagga, dt. Klau C II 1071 / Nagà, dt. Klaue Rvl 225, MŽvl 300 / Nagas, poln. Paźnogieć, lat. Vuguis, vuguculus SD 385–386, Nagas, poln. Pázur, lat. Vuguis SD 386, Nagas, dt. Horn an den Füßen Lex 51, Nagas, dt. Klaue Lex 54, Nagas, dt. der Nagel an den Fingern oder am Fuß MŽlv 177 / Nágas dicit[ur] de hominib[us], dt. Nagel Unguis B II 935₂₃, Nágas, dt. Nagel C III 112, Nágas, dt. ein Nagel an Finger oder Fuß, eine Klaue Rlv 92, Nágas, dt. Klaue Rvl 225, MŽvl 300, Nágas, dt. Nagel an der Hand oder am Fuß MŽvl 353 / Naggas, dt. ein Nagel, eine Klaue Hlv 64. Die konvexe Platte aus verhornter Epidermis, die die dorsalen Oberflächen der Finger- und Zehenspitzen bedeckt (Anusevičie-nė, Cibas, Lilienė 2002: 261), wird in den Wörterbüchern von K. Sirvydas und ML mit Varianten beider Genera bezeichnet – nagu ir naga. Obwohl, wie die Daten des LKŽe zeigen, die feminine Variante naga / Nagga / Nagà ~ naga in der gesprochenen Sprache weit verbreitet ist (besonders im Aukštaitischen) (Jrb, Ds, Ktk, Km, Kp, Švnč, KLt, Gs), ist sie aus schriftlichen Quellen nur in SD belegt. P a k a u š i s (lat. occiput) – Pakauβis, poln. Tył głowy, lat. Occiput, occipitium SD 548, Pakauβis, dt. Hinter Haupt Lex 50, Pakauβis, dt. Nacken Rvl 264 / Pakáuβis, dt. Nacke C III 112, Lex 63a, Pakáuβis, dt. Hauptshintertheil Rvl 193, MŽvl 256, Pakáuβis, dt. das Genick MŽlv 112, Pakáuβis, dt. Hinterteil des Kopfes, das Genick MŽvl 272 / Pakauʃzis, dt. Genick B II 551₂₂, Pakauʃzis, dt. Hintertheil des [Haupts] B II 643₁₆, Pakauʃzis, dt. Nacke B II 934₃₈ / Pakáûβis, dt. das Genick Rlv 57 / Pakauβe, dt. Genick C II 717. Die nicht zu einem anatomischen Fachterminus gewordene feminine Variante Pakauβe ~ pakaušė ist im LKŽe aus Dieveniškės (Rajon Šalčininkai) und aus schriftlichen Quellen (C, N, LB) belegt. P a s m a k r ė (lat. regio mentalis) – Paʃmakris, dt. Kropf MŽlv 188 / Paʃmakre, dt. Kinn Bart B II 783₅₁. Im LKŽe sind Belege für die Verwendung der maskulinen Variante Paʃmakris ~ pasmakrys aus der gesprochenen Sprache (Vb, Kp, Vdk) und aus schriftlichen Quellen (R, J) aufgeführt. P ė d a (lat. pes) – Pėda, dt. Fuβ=Stapffe C II 757, Pėda, dt. der Fußtapffen Hlv 94, Pėda, dt. Fuβtapf Hvl 177 / Pėda, dt. der Fußtapfe Rlv 104, MŽlv 193 / Pėdas, dt. 2. ein Fußtapfe Rlv 104, Pėdas, dt. eine Garbe, ein Fußtapfen MŽlv 193. Wie im LKŽe angegeben, wird die maskuline Variante Pėdas ~ pėdas in der Bedeutung „Fuß“ in der gesprochenen Sprache (Pn, Grž) und in schriftlichen Quellen (V.Krėv, NdŽ) verwendet. 1 1 0 Palmira Zemlevičiūtė Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje P r i e š i r d i s (lat. atrium) – Prißbirdis, dt. Hertz₃=Grube C II 912, Prißbirdis, dt. Herzgrube Rvl 202, MŽvl 268 / Prießirdis, dt. Hertzens Grüblein B II 692₃₄, Prießirdis, dt. Brußtbeeren des Menſch[en] B I 296₃₄ / Pryßbirdis, dt. Brußt Rvl 86, MŽvl 113, Pryßbirdis, dt. die Brußt MŽlv 276 / Prißbirde, dt. Hertz Grube Lex 48a / Prif̨irde, dt. Brußtbeeren des Menſch[en] B I 296₃₄ / Pryßbirdĕ, dt. Brußt Rvl 86, MŽvl 113. Bemerkenswert ist, dass der Terminus prieširdis zur Bezeichnung der Herzkammer atrium des Menschen in der heutigen anatomischen Nomenklatur bereits sehr lange in dieser Bedeutung verwendet wird – in den ML-Wörterbüchern des 17.–18. Jahrhunderts. Daneben gab es auch die feminine Variante Prißbirde / Prif̨irde / Pryßbirdĕ ~ prieširdė, die neben der genannten maskulinen Variante in den Wörterbüchern von J. Brodovskis, P. Ruigys und K. G. Milkus vorkommt. Wie die Daten des LKŽe zeigen, ist das Wort prieširdė in der gesprochenen Sprache (Sdk) und in schriftlichen Quellen (Š) belegt. Š l a p i m o p ū s l ė (lat. vesica urinaria (masculina)) – Myžeklis, dt. Mannlich Glied C III 14 / Myžėklis, dt. Harm=Röhr C II 849 / Myzeklis, dt. Harn Röhre Lex 46, Myzeklis, dt. Pefenck Lex 67 / Mÿžėklis, dt. [Harn] Röhre B I 636₂₆ / Mÿžėklis, dt. Männlich Glied B II 897₄₃ / Mižėkle veſica, dt. Blaſe, Harnblaße in Menſch[en] B I 266₁₆ / Myžėklė, dt. das Harnglied Rlv 88, Myžėklė, dt. Harnblaße MŽvl 253, Myžėklė, dt. Waßerblaße eines Menfchen MŽvl 529. Im LKŽe hat das Wort Myžeklis / Myžėklis / Myzeklis / Mÿžėklis / Mÿžeklis ~ myžeklis nicht die Bedeutung „männliche Harnblase“, während die feminine Variante Mižėkle / Myžėklė ~ myžeklė mit der Bedeutung „Harnblase“ aufgeführt wird; Quellen für dieses Wort sind die Wörterbücher von P. Ruigys und F. Kuršaitis. V o k a s (lat. palpebra) – Wūkas, dt. ein Augenlied Rlv 182 / Wokas, dt. ein Augenlied MŽlv 333 / Wókas, dt. Augenbrahue MŽvl 54 / Wokà, dt. ein Augenlied MŽlv 333. Den Angaben des LKŽe zufolge stammen die Belege für die feminine Variante Wokà ~ voka, die eines der akzessorischen Augenorgane bezeichnet, überwiegend aus den Schriften von ML (R, MŽ, N, [K]); daneben gibt es nur einen Beleg aus der gesprochenen Sprache (Pt). Ž a r n a (lat. intestinum) – 3arnai, dt. Eingeweÿde B I 392₄₂ / Źárnos, dt. Gedērm Rvl 161 / Źarnos, dt. Gedērm MŽvl 213. Die maskuline Variante 3arnai ~ žarnai ist im LKŽe überhaupt nicht belegt. Wie aus den angeführten Beispielen ersichtlich ist, weisen die Varianten der anatomischen Termini neben dem grundlegenden morphologischen Unterschied noch zahlreiche weitere – phonetische und orth- Terminologija | 2012 | 19 1 1 1 tographischen11 – Unterschiede. Die Glieder der Variantenreihen unterscheiden sich meist durch einfache Vokale und Diphthonge sowie durch Vokale und Diphthonge mit verschiedenen diakritischen Zeichen (à, á, é, ẽ, ì, ó, ú, û; iė), mit denen die betonte Silbe oder bestimmte Kasusformen gekennzeichnet werden12. Auch die Schreibweise des Vokals y und der Konsonanten ł, š, ž variierte – sie wurden mit den Schriftzeichen ÿ, ł, β, ∫з, з́, з wiedergegeben. Darüber hinaus sind Verbindungen zweier gleicher Konsonanten (in diesem Fall k und g) charakteristisch. Es trat eine Reihe von Varianten zusammengesetzter anatomischer Termini auf, deren Varianten durch verwandte Termini geprägt sind. Der Terminus für eines der Hilfsorgane des Auges weist auch die bereits genannten phonetischen und orthografischen Unterschiede auf: Vokas (lat. palpebra) – Akkies Wokas, dt. Augenlied C I 180 / Akkiės=Wokas, dt. Augenlied Hᵥₗ 157 / Akkiės-Wokas, dt. ein Augenlied Hₗᵥ 1 / Akiės Wokas, dt. ein Augenlied MŽₗᵥ 333 / Akiės Woka, dt. ein Augenlied MŽₗᵥ 333; Akkiu Wókas, dt. Augen Brun B I 156₈ / Akkiu Wokà, dt. Augenlied Rᵥₗ 41, MŽᵥₗ 54; Akkiu Wोकai, dt. Augen Lieder Lex 10 / Akkiu Wókai, dt. Augen Lieder B I 156₂₇; Akiės Wókos, dt. das Augenlied Rₗᵥ 4. Gesondert zu erwähnen sind einige Wörter männlichen und weiblichen Geschlechts, die nicht zu Termini geworden sind. Nach den Daten des LKŽₑ werden die meisten von ihnen, beispielsweise elkūnė „Ellenbogen“, blakstienai „Wimpern“, delna „Handfläche“, kulnis „Ferse“, naga „Nagel“, pakaušė „Hinterkopf“, pasmakrys „Kinn“, pėdas „Fuß“, prieširdė „Vorhof“, voka „Augenlid“, in der gesprochenen Sprache verwendet, mit Ausnahme von antakė (K, R), blauzdas (I.Simon, Ch), kaukolas (K. Būg, J, BzBk, R, MŽ, BtMr) und myžeklė (R, K), die nur als Wörter aus schriftlichen Quellen (meist ML) belegt sind. Man kann also sagen, dass in den Wörterbüchern des Untersuchungszeitraums sowohl die Wörter männlichen und weiblichen Geschlechts aus der gesprochenen Sprache als auch jene aus früheren Schriften die Entstehung von Varianten unterschiedlichen grammatischen Geschlechts beeinflusst haben könnten, mit denen derselbe Körperteil oder dasselbe Organ bezeichnet wurde. 11 Die Entstehung phonetischer und orthografischer Unterschiede bei Vokalen und Konsonanten dürfte sowohl sprachliche als auch außersprachliche Faktoren zur Ursache gehabt haben. Erstens handelt es sich bei dem betrachteten Zeitraum um die Anfangsphase der Entstehung der litauischen Schriftsprache, in der die Schreibweise stark variierte (dieselben Vokale und Konsonanten wurden von verschiedenen Autoren phonetisch unterschiedlich verschriftlicht) und noch keinerlei gefestigte Prinzipien bestanden. In DL und ML war sie unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt – dem Deutschen und dem Polnischen. Andererseits weisen die Forscher der litauischen Schriftsprache (siehe Palionis 1967, 1995; Zinkevičius 1984) darauf hin, dass die Autoren schrieben, wie sie es verstanden oder indem sie sich an den Schriften ihrer Vorgänger oder Zeitgenossen orientierten; manche Varianten könnten als Druckfehler gelten. 12 Plačiau apie ML senųjų lietuviškų raštų kirčio žymėjimą žr. Šinkūnas 2010. 112 Palmira Zemlevičiūtė | Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje 2. ZAHLVARIANTEN Zu diesem Typ von Terminvarianten gehören solche ein- und mehrgliedrigen anatomischen Termini (insgesamt 11 Belegzeilen und 27 verschiedene Varianten), die in verschiedenen (oder auch im selben) Wörterbuch in Singular- und Pluralformen angegeben sind (bei mehrgliedrigen Termini variiert gewöhnlich die Zahl eines der Bestandteile). Außerdem ist anzumerken, dass bei diesem Typ nur reine Varianten gefunden wurden: Antakis (lat. supercilium) – Ant-Akkis, dt. Augenbrauen C I 180 / Antakkiei, dt. Wienbrauen C IV 980 / Antakkiey, dt. Wien Brauen Lex 106 / Antakkei, dt. Augen Brauen B I 156₆; Antakē, dt. Augenbrahue Rvl 40, MŽvl 54 / Antakēs, dt. die Augen=Brauen MŽlv 2; Ašara (lat. lacrima) – Aβara, poln. Lzą, lat. Lacryma SD 258, Aβara, dt. Thränen C IV 583, Aβara, dt. eine Thräne Rlv 8, MŽvl 469, Aβara, dt. Zähre, Thräne MŽvl 550 / Aβaros, dt. Thränen Lex 87a, Aβaros, dt. die Thränen Hlv 10; Blauzda (lat. crus) – Blauzda, dt. Bein C I 268, Blauzda, dt. Waden C IV 891, Lex 102a, Blauzda, dt. Bein pro pede B I 210₄₈, Blauzda, dt. Lenden B II 866₄₇, Blauzda, dt. Wade B I 514₂₄, Blauzda, dt. Schienbein B I 514₂₄, Blauzda, dt. die Wade am Fuß Rlv 16, MŽlv 28 / Blauždos, dt. die Beine Hlv 18; Galvos plaukas (lat. capillus) – Galwôs Plaukas, dt. Haubt=Haar C II 860 / Galwôs Plaukai, dt. Haupt Haar B II 616₁₆; Kelis (lat. genu) – Kélis, dt. Knie C II 1086, B II 805₁₈, Kélis, dt. Fuβ, Knie B I 514₂₂ / Kélei, dt. Knie C II 1086; Sąnarys (lat. articulatio) – Sanarys, dt. Gelencke C II 708 / Sanaris, dt. Gelencke Lex 40a, Sanaris, dt. Gelenk am Leibe MŽvl 220 / Sanarei, dt. Gliedmaβ B II 590₃₇, Sanarei, dt. [Finger]ˣGelenck B I 472₃₀; Smilkinys (lat. tempora) – Smilkinnys, dt. der Schlaf am Kopf MŽlv 250 / Smilkinnei, dt. Schlaff C III 432, Lex 75; Šlaunis (lat. femur) – Sзlaunis, dt. Hufft Lex 51, Sзlaunis, dt. Huft Rvl 211, MŽvl 280 / Sзlaunys, dt. beyde Hefte Rvl 211; Vokas (lat. palpebra) – Wókas, dt. Augenbrahne MŽvl 54 / Wókai, dt. Augen Brauen B I 156; Žarna (lat. intestinum) – Žárna, dt. Darm Rvl 96, MŽvl 126 / Nom. Pl. Žárnas, dt. Gekröβ, Gedärm B II 544₈. In den Wörterbüchern von Clavius und K. G. Milkus wurde ein Variantenpaar gefunden, dessen zusammengesetzte Termini beide Bestandteile – den Gattungs- und den Artbegriff – nach Zahl unterscheiden Terminologija | 2012 | 19 113 riasi in seiner Zahl: Pirßtas Kojų, dt. Zee C IV 1031 / Pirßtai Kojós, dt. die Zähen am Fuß MŽvl 550. Wie die angeführten Beispiele zeigen, könnte die erste (deutsche) Sprache zweisprachiger Wörterbücher die Entstehung einiger Pluralformvarianten beeinflusst haben: Wenn im deutsch-litauischen Teil ein deutscher Terminus in der Pluralform geschrieben wird, erscheint auch der litauische Terminus in dieser Form, vgl. Thränen – Aßaros Hvl 211, Beine - Blauzdos Hvl 160, beyde Hüfte, Sźlaunys MŽvl 280. 3. ENDUNGSVARIANTEN Zum dritten Typ morphologischer Varianten gehören Varianten von Einworttermini und Bestandteilen zusammengesetzter Termini (insgesamt 30 Zeilen und 121 verschiedene Varianten), die mit unterschiedlich morphologisch markierten Endungen desselben Genus auftreten. Unterschieden werden Varianten der Singular- und Pluralendungen im Maskulinum und Femininum. Mit Abstand am häufigsten sind Varianten der Singularendungen, da Stichwörter in Wörterbüchern gewöhnlich im Singular angegeben werden. Es überwiegen Varianten mit maskulinen Endungen. 3.1. Varianten der maskulinen Singularendungen Nur eine kleine Gruppe bilden die reinen Varianten maskuliner Endungen -is und -ys: K r u m p l y s (lat. condylus) – Krumplis, poln. Kłykieć, lat. Condylus, articulus digiti, articulorum nodi SD 108, Krumplis, poln. Przęgub v palcow, lat. Nodus SD 350, Krumplis, dt. Knöchel B II 805₅₂, Krumplis, der Knoren am Finger B I 472₂₈ / Krum(p)lys, dt. Knorren C II 1090, Krum-plys, Knöchel, Knochel, Knebel, am Finger Lex 55, Rvl 227; S è d m u o (lat. clunis, natis)? – Bullis, dt. Arß C I 141, Bullis, dt. Hindern C II 936 / Bulłys, dt. Hinder Lex 49a, vgl. 1 bulis „eine Hälfte des Gesäßes“ und bulys „Gesäß“ LKŽ; S k r a n d i s (lat. gaster) – Skilwis, poln. Żołądek, Ventriculus, venter, stomachus, aluus SD 649, Skilwis, Magen B II 892₃₀, Hvl 192, Skilwis, der Magen Hlv 116, MŽlv 243 / Skilwys, dt. Magen C III 5, Lex 60, Skilwys, Magen, eines Menschen Rvl 249, MŽvl 332; T r a c h ė j a, g e r k l ė (lat. trachea); r y k l ė (lat. pharynx) – gurklis, poln. Gárdło, Gulla, guttur, rumen SD 164 / Gurklys, dt. Kähle B II 766₃₆, Gurklys, Schlund, Gurgel Rvl 312, Gurklys, Schlund, 1 1 4 Palmira Zemlevičiūtė Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje Gurgel MŽvl 418. LKŽe Das Wort gurklys ist im LKŽ weder mit der Bedeutung „Kehle (Luftröhre)“ noch mit der Bedeutung „Rachen“ verzeichnet, mit denen es in den Wörterbüchern von K. Sirvydas, J. Brodovskius, P. Ruigys und K. G. Milkus erscheint; die zweite Bedeutung von gurklio lautet „Kinn, Unterkiefer“. Der größte Teil der Varianten ist gemischt, da sie auch phonetische und orthografische Unterschiede aufweisen. In den Wörterbüchern finden sich überwiegend Varianten der Endungen im maskulinen Singular – sie wurden in nicht weniger als 18 Zeilen gefunden, die jeweils aus zwei bis neun Varianten bestehen. Am häufigsten konkurrieren Varianten mit zwei unterschiedlichen Endungen: -is und -ys: Augapfel (lat. bulbus oculi) – Akkies Pawiddulis, dt. Augapffel B I 15547 / Akiės Pawiddulys, dt. Augapfel Rvl 40, MŽvl 54. Laut den Daten des LKŽe wird pavidulys „das Abbild des Auges“ nur als Wort in den Schriften von ML (R, MŽ, prš, RB) angeführt; Knie (lat. genu) – Kielis, poln. Członek w trźciny, lat. rc. Internodium SD 140, Kielis, poln. Koláno, lat. Genu, genus SD 209, Kielis, dt. das Knie MŽlv 114 / Kélis, dt. Knie C II 1086, B II 80518, Kélis, dt. Fuβ, Knie B I 51422 / Kelis, dt. Knie Lex 54a / Kellys, dt. das Knie Hlv 49, Kellys, dt. Knie Hvl 189 / Kiélis, dt. 1. das Knie Rlv 58, Kiélis, dt. Knie, des Menschen Rvl 227, MŽvl 303; Große Zehe (lat. hallux); (Daumen der Hand (lat. pollex) – Nikβtis, poln. Palec wielki w reki, lat. Pollex SD 282 / Nykβtis, dt. Daume C I 452 / Nykβtis, dt. Daume Lex 116, Nykβtis, dt. Daumen Rvl 98, MŽvl 128, Nykβtis, dt. Zähne am Fuß Rvl 408, Nykβtis, dt. der Daumen MŽlv 185, Nykβtis, dt. Zähe, große Zähe am Fuß MŽvl 550 / Nyk[β]tis, dt. [Finger] der Daume B I 47222 / Ník[β]tis, dt. Daume B I 34052 / Nykβtys, dt. der Daumen Rlv 98; Gesäß (lat. clunis, natis)? – Paſturgalis, dt. Capell C I 423) Paſturgalis, dt. Hinderth eil C II 937, MŽvl 272, Paſturgalis, dt. das Hintertheil Hlv 90, Rlv 103, MŽlv 188, Paſturgalis, dt. Hintertheil Rvl 205 / Paſtúrgallys, dt. Capell C I 424 / Paſturgallis, dt. Hinder theil Lex 49a, Paſturgallis, dt. Hintertheil Lex 50, Paſturgallis, dt. Hinderſtes B II 70331, Paſturgallis, dt. Capelle pars dorsi posterior B I 3081 / Paſturgallys, dt. das Hintertheil MŽlv 70, vgl. pasturgalis „hinterer Teil des menschlichen Körpers, Gesäß“ LKŽe; Schläfe (lat. tempora) – Smilkinis, poln. Skroń, lat. Tempus SD 505 / Smilkinys, dt. der Schlaf am Kopf Rlv 136, Smilkinys, dt. Schlaf Terminologija | 2012 | 19 115 an der Seite des Kopfs MŽᵥ₁ 413 / Smilkinnys, vok. der Schlaf am Kopf MŽₗᵥ 250. Das Wort smilkinis ist im LKŽₑ nicht belegt; S t u b u r g a l i s (lat. os coccygis) – Striengallys, vok. Capell C I 423 / Striéngallys, vok. Capell C I 424 / Striengallis, vok. Capelle pars dorſi poſterior B I 308₁ / Stréngalis, vok. Hufft Bein B II 728₂₁, Strengalis, vok. Hinderteil C II 937 / Strengallis, vok. Hinderteil Lex 49a / Strengalis, vok. Hintertheil Lex 50 / Strèn=Galys, vok. das Kreuz auf dem Rücken Rₗᵥ 142 / Strèngallys, vok. das Kreuz auf dem Rücken, die Kapelle am Huhn MŽₗᵥ 259. Wie die Angaben des LKŽₑ zeigen, ist das Wort strêngalis in der Bedeutung „Steißbein“ nur in schriftlichen, vorwiegend lexikografischen Quellen belegt (Ser, NdŽ, I, rš); –as und –is: I n k s t a s (lat. ren) – Inkſtas, poln. Nerká, lat. Ren SD 298, Inkſtas, vok. die Niere Rₗᵥ 48, MŽₗᵥ 97 / Ingſtas, vok. Nieren C III 148 / Inkſtis, vok. Nieren Lex 65, Inkſtis, vok. Nieren Renes hominis B II 949₄₅, Inkſtis, vok. die Niere Rₗᵥ 48, MŽₗᵥ 97; S k r u o s t a s (lat. zygoma) – Skroſtas, vok. Backen C I 225, Skroſtas, vok. Wange C IV 903, MŽₗᵥ 528, Skroſtas, vok. Backe mala l. maxilla B I 182₂₄, Skroſtas, vok. Backe MŽₗᵥ 68, Skroſtas, vok. eine ſchöne rothe Wange MŽₗᵥ 245 / Skróſtis, vok. Backe mala l. maxilla B I 182₂₄. Es ist festzuhalten, dass keine dieser Varianten im LKŽₑ belegt ist; –is und –us: S m i l i u s (lat. index) – ſmaguris, poln. Palec wtory v reki, lat. Index, demonſtratorius, ſilenti digitus SD 380 / Smaggurus, vok. Leckerer C II 1174, Smaggurus, vok. Naſcher C III 118, vgl. 1 smaguris „Zeigefinger, smilius, Naschkatze“ LKŽₑ. Im LKŽₑ ist smagurus ein Adjektiv: smagurus 1. „naschhaft, gerne naschend, verfressen“, 2. „sehr schmackhaft, zum Naschen geeignet“; –us und –as: S m i l i u s (lat. index) – Smillus, vok. Leckerer C II 1174, Smillus, vok. Naſcher C III 118, Smillus, vok. Zeiger am Fingen(r?) C IV 1036, Smillus, vok. Zeiger am Finger Lex 109, Smillus, vok. Lecker oder Leckerer B II 856₂₇, Smillus, vok. Zeiger B I 472₂₃, Smillus, vok. Naſcher Rᵥₗ 265, Smillus, vok. der Zeigerfinger MŽₗᵥ 185 / Smailus, vok. Zeiger am Fingen(r?) C IV 1036, Smailus, vok. Lecker oder Leckerer B II 856₂₇ / Smail[as], vok. Zeiger am Finger Lex 109. Die Wörter smilus, smailus und smailas haben im LKŽₑ nicht die hier gemeinte Bedeutung; ausgenommen ist Bedeutung 1 von smilius: „der Finger neben dem Daumen, Nascher“. 116 Palmira Zemlevičiūtė │ Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje Besonders zu erwähnen sind konkurrierende Varianten mit den Endungen -as und -‘s (mit verkürzter Endung -as, nach Ausfall des Vokals a) (die letztgenannten Varianten finden sich nur im Wörterbuch von J. Brodovski): G i m d a (lat. uterus) – Źywatas, deutsch Leib C II 1179, Źywatas, deutsch 1. die Barmuttergeburt Rₗᵥ 45, Źywatas, deutsch der mütterliche Leib, die Bärmutter MŽₗᵥ 352 / Źywátas, deutsch Bärmutter Rᵥₗ 51, MŽᵥₗ 70 / Źywat‘s, deutsch 5. Mutter Vulva, Uterus B II 928₃₈, Źywat‘s, deutsch Beermutter B 201₃₀ / Źywátas, deutsch der Leib (uterus) Hₗᵥ 151 / Źywatas, deutsch Leib Hᵥₗ 191. Nach den Angaben des LKŽₑ ist das Wort žywatas slawischer Herkunft in der Bedeutung ‚Gebärmutter‘ nur in schriftlichen Quellen belegt (H, R, MŽ, MŽ70, DP18, Mž171, Mž190, BPII173, BB1Moz38,27, VlnE206, ŽCh30, MP117) LKŽₑ; K o j o s n y k š t y s (lat. hallux) – diddljis Pirʒt‘s Kojos, deutsch Зehe B I 472₂₃ / diddyljis Pirʒtas Kójós, deutsch Зähne am Fuß Rᵥₗ 408, diddyljis Pirʒtas Kójós, deutsch Зähne, große Зähne am Fuß MŽᵥₗ 550; K ū n a s (lat. corpus) – Kunas, poln. Ciało, lat. Corpus SD 33, Kunas, deutsch Leib C II 1179, Lex 58, Hᵥₗ 191, Kunas, deutsch Cörper Lex 22, Kunas, deutsch der Leib Hₗᵥ 54 / Kun‘s, deutsch Cörper B I 315₄₅, Kun‘s, deutsch Haut B II 648₂₃ / Kūnas, deutsch der Leib Rₗᵥ 70 / Kúnas, deutsch Cörper Rᵥₗ 93, MŽᵥₗ 122, Kúnas, deutsch Leib Rᵥₗ 241, MŽᵥₗ 322, Kúnas, deutsch Leichnam Rᵥₗ 241, MŽᵥₗ 322, Kúnas, deutsch Zeug. Leib Rᵥₗ 412, Kúnas, deutsch der Leib, das lebendige Fleisch MŽₗᵥ 135, Kúnas, deutsch Körper MŽᵥₗ 306, Kúnas, deutsch Zeug, Leib MŽᵥₗ 556; M a ž y l i s (der fünfte Finger) (lat. digitus minimus) – Maźąlis Pirʒtas, deutsch der Ohrfinger MŽᵥₗ 185 / maźąʃʃis Pirʒt‘s, deutsch Ohr Finger Kl. Finger B I 472₂₇. Die zweithäufigste Gruppe der Varianten maskuliner Singularendungen bilden konkurrierende Varianten mit dreifach gestalteten Endungen – es fanden sich drei Reihen, die aus jeweils fünf bis neun Elementen bestehen: –is, –ys und –ỹs: P e t y s (lat. acromion) – Petis, poln. Bárk, lat. Brachium, humerus, lacertus SD 7, Petis, poln. Lopatka w ciele człowieczym, lat. Omoplata SD 156, Petis, poln. Ramie, lat. Humerus SD 374, Petis, deutsch Achsel Lex 4, Petis, deutsch Schulter Hᵥₗ 205 / Petys, deutsch Achsel C I 53, Pet‘s, deutsch Hebe=Schulder C II 869, Petys, deutsch Schulter C III 500 / Pétis, deutsch Achsel B I 44₄₂, Rᵥₗ 13, MŽᵥₗ 17, Pétis, deutsch Schulter Rᵥₗ 318, MŽᵥₗ 426 / Pettis, deutsch die Schulter Hₗᵥ 98 / Pettys, deutsch Achsel B I 44₄₂ / Pettys, deutsch die Schulter Hₗᵥ 98, Pettys, deutsch Schulter Hᵥₗ 205; Terminologija | 2012 | 19 1 1 7 –as, –is und –ys: Gelenk (lat. articulatio) – funaras, poln. staw w ciele, lat. Articulus, commiffura digitoru SD 520 / Sanarys, dt. Gelencke C II 708 / Sanaris, dt. Gelencke Lex 40a, Sanaris, dt. Gelenk am Leibe MŽvl 220 / Gelenk, dt. Gelenke Rlv 126, Gelenk, dt. Glied, am Leibe MŽvl 237 / Gelenk, dt. ein Gelenk MŽlv 231. LKŽe Das Wort sunaras mit der Bedeutung „Gelenk“ ist als Wörterbucheintrag bei A. Kuršaitis und G. H. F. Nesselmanno verzeichnet; –is, –ys und –(i)us: Vyz d y s (lat. pupilla); Augapfel (lat. bulbus oculi) – Akkies wyzdzus, dt. Augapffel Lex 64 / Akkies Wýzdžius, dt. Augapffel B I 155₄₈ / Akiės Wyzdžus, dt. Augapfel Rvl 40 / Akiės Wiždžius, dt. der Augen (?) das Sehen MŽlv 2 / Akiės Wyzdžius, dt. Augapfel MŽvl 54 / Akkiės-Wyzdis, dt. der Augapffel Hlv 1 / Akkies wyždis, dt. Augapfel Hvl 157 / Akiės Wyždis, dt. Augapfel Rvl 40, MŽvl 54, Akiės Wyždis (?), dt. der Augen (?) das Sehen MŽlv 2 / Akiės Wyzdys, dt. der Augapfel Rlv 4. Wie die angeführten Beispiele zeigen, bezeichnen die Termini akies vyzdžius und akies vyzdys zwei anatomische Begriffe – pupilla (vyzdys) und bulbus oculi (akies obuolys), doch wurden diese Terminusvarianten häufiger für den Augapfel verwendet. Der Terminus mit der Bedeutung „Pupille“ ist nur im Wörterbuch von K. G. Milkus belegt. Die Variante vyzdžius mit der Endung –ius ist für diese beiden Bedeutungen auch im LKŽe verzeichnet. Die Varianten zur Bezeichnung eines Teils der Mundhöhle – des Gaumens – unterscheiden sich durch vier unterschiedlich gebildete Endungen –is, –ys, –ỹs und –as: Gaumen (lat. palatum) – Gamuris, poln. podniebienie w uśćiech, lat. Palatum SD 408 / Gomorys, dt. Gaumen C II 768, Gomorys, dt. Schlundt C III 452 / Gomurys, dt. Gaume Lex 39a, Gomurys, dt. der Gaumen, obere Halsschlund Rlv 41, Gomurys, dt. der Gaumen, obere Halsschlund MŽlv 83 / Gomurÿs, dt. Gaumen B II 527₁₉, Gomurÿs, dt. Hals l. Schlundt B II 624₁₄ / Gomurras, dt. der Gaumen Hlv 31, Gomurras, dt. der Gaumen, obere Halsschlund MŽlv 83 / Gomeris, dt. Gaumen MŽvl 210. Alle genannten Varianten des Wortes gomurys sind im LKŽe verzeichnet: gamuris SD = gomurys, gomorys N = gomurys 1, gomuras R, N = gomurys, gomeris MŽ siehe gomerė „Gaumen“. Aus den angeführten Beispielen wird deutlich, dass die Varianten der Endungen im maskulinen Singular zahlreiche phonetische und orthografische Unterschiede aufweisen. Wie die Varianten der Geschlechtsbezeichnungen unterscheiden sie sich meist durch einfache Vokale und Vokale mit Akut, Gravis und unterschiedlich geformtem Zirkumflex (geschwungenem oder gebrochenem) diakritischen Zeichen- 118 Palmira Zemlevičiūtė Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje zeichen. Zu den charakteristischsten Konsonantenunterschieden zählen konkurrierende Terminusvarianten mit einfachen und Doppelkonsonanten (verdoppelt werden meist die Konsonanten d, g, k, l, n, t, r, s) sowie Konsonanten, die durch unterschiedliche Schriftzeichen wiedergegeben werden: š (β/ś/ʃ), ž (ź/ʒ) und dž (dʒ/dź). 3.2. Varianten der Endungen im Femininum Singular Im Vergleich zum Maskulinum finden sich in den Wörterbüchern relativ wenige Varianten der Endungen im Femininum Singular – lediglich fünf Variantenreihen mit jeweils drei bis sechs Varianten mit unterschiedlichen Endungen. Am häufigsten sind miteinander konkurrierende Varianten, die sich durch drei unterschiedlich ausgeprägte Endungen unterscheiden: –e, –ė und –ė: Seilės (lat. saliva) – Seite, lett. fliná, lat. Saliua, ſpurum tenue SD 507 / Seile, vok. Geiffer Lex 40, Seile, vok. Speichel Lex 81a / Séilé, vok. der Speichel, der Seifer R₁ᵥ 128 / Séile, vok. Geifer Rᵥₗ 164 / Seilė, vok. der Geifer MŽᵥₗ 236 / Seilė, vok. Geifer MŽᵥₗ 217; –e, –ė und –ia: Kaukolė (lat. cranium) – Kiauβe, vok. Hirnſchedel C II 949, Kiauβe, vok. Schedel C III 404 / Kiauſʒe, vok. Haupt Schedel B II 644₁₂, Kiauſʒe, vok. Haupt Scheitel B II 644₁₃, Kiauſʒe, vok. Hirn Schale B II 712₄₅, Kiauſʒe, vok. Hirn ſchedel B II 712₄₆ / Kiáuβe, vok. ein Todtenkopf, Hirnſchädel R₁ᵥ 57, Kiáuſʒe, vok. Hauptſchedel Rᵥₗ 193, Kiáuβe, vok. Hinderteil des Kopfes MŽᵥₗ 272 / Kiáuβė, vok. Hinderteil des Kopfes Rᵥₗ 205, Kiáuβė, vok. Hirnſchädel Rᵥₗ 206, MŽᵥₗ 112, MŽᵥₗ 274, Kiáuβė, vok. Schedel Rᵥₗ 304, MŽᵥₗ 407, Kiáuβė, vok. Hauptſchedel MŽᵥₗ 256 / Kiáuβia, vok. [Hinderteil des Kopfes, Hirnſchädel]¹³ R₁ᵥ 57 / Kiauβia, vok. die Hirnſchädel MŽ₁ᵥ 112. Nach den Daten des LKŽₑ sind die Varianten kiaušė und kiaušia „die Knochen, die das Gehirn bedecken, Schädel“ sind Wörter aus schriftlichen Quellen, vorwiegend aus ML (C, R, MŽ, K.Donel, RB; [K], R, MŽ). Es kam ein Fall vor, in dem Varianten mit drei unterschiedlichen Endungen konkurrieren: –a, –e und –ė: Arterija (lat. arteria) – Gȳw=Gȳſla, vok. Puls Ader B II 988₂₀ / Gȳw=gȳſle, vok. Puls Ader B I 506₂₀ / Gyw=Gyſlē, vok. Pulsader Rᵥₗ 283, Gyw=Gyſlē, vok. Pulsader MŽᵥₗ 378. Die Variante mit der Endung –a im LKŽₑ gygygla 13 Im Original – Kiáuβia – idem. R₁ᵥ 57. Terminologija | 2012 | 19 119 als Wort aus einem handschriftlichen (sogenannten A.-Krauzė-) deutsch-litauischen Wörterbuch des 17. Jahrhunderts angegeben, während als ursprüngliche Quelle für gygyslės „Arterien, Venen“ das Wörterbuch von Fr. Kuršaitis aus dem Jahr 1883 genannt wird. Es wurden zwei Variantenreihen gefunden, deren Glieder vierfach unterschiedliche Endungen aufweisen: –e, –ẽ, –ė und –is: B l u ž n i s (lat. lien) – Blužnė, poln. Jledźioná / v flodzona, lat. Lien, ƒplen SD 506, Blužne, dt. Lunge B II 886₃₇ / Blužnė, dt. Lunge Rᵥₗ 248 / Blužnė, dt. Lunge MŽᵥₗ 331 / Blußnis, dt. Miltz Lex 61a, Blußnis, dt. Miltz C III 52, Bluȥnis, dt. Milȥ MŽᵥₗ 342 / Blužnis, dt. Miltz B II 914₁₈, Bluȥnis, dt. die Milȥ, auch die Lunge MŽₗᵥ 30 / Bluȥnis, dt. Milȥ Rᵥₗ 256. Die LKŽₑ-Variante bluȥnė „bluȥnis“ wird als SD-Wort angegeben; Š l a u n i s (lat. coxa, femur) – Kulβis, poln. Kirsć / łopátká dolna, lat. Coxa, coxendix SD 201, Kulβis, dt. Hufft C II 978, Kulβis, dt. die Hüffte Hₗᵥ 54 / Kulƒzis, dt. Knöchel B II 805₅₁, Kulƒzis, dt. Hufft B II 728₂₀ / Kulƒzę, dt. Hufft B II 728₂₀ / Kulβe, dt. Schenckel C III 412, Kulβe, dt. Hufft Lex 51, Kulβe, dt. Schenkel Lex 74a / Kulβẽ, dt. die Hufte Rₗᵥ 70, Kulβẽ, dt. Knöchel Rᵥₗ 228, Kulβẽ, dt. die Hüfte MŽₗᵥ 135, Kulβẽ, dt. Huft MŽᵥₗ 280, Kulβẽ, dt. Knöchel MŽᵥₗ 303, Kulβẽ, dt. Schenkel MŽᵥₗ 409 / Kulβė, dt. Huft Rᵥₗ 211, Kulβė, dt. Schenkel Rᵥₗ 305. Nach den Angaben des LKŽₑ haben die Varianten kulšė und kulšis mehrere anatomische Bedeutungen – „Oberschenkel“ und „Lenden“. Aus den angeführten Beispielen geht hervor, dass alle Varianten mit feminine Singularendungen Mischformen sind – die Glieder der Variantenreihen unterscheiden sich durch einfache Vokale und Diphthonge sowie durch Vokale und Diphthonge mit diakritischen Zeichen (á, é, ẽ, ì; éi, áu) und durch die Schriftzeichen ÿ, ł, ß, ß, ž, ȥ, die den Vokal y und die Konsonanten l, š, ž bezeichnen. Getrennt zu erwähnen ist ein Paar von Varianten pluralischer femininer Endungen –os und –es, die einen Teil des Zentralnervensystems bezeichnen: G a l v o s s m e g e n y s (einschließlich des verlängerten Marks) (lat. encephalon) – Smagenos, dt. Gehirn C II 796, Lex 40, Smagenos, dt. Hirn Lex 50, B II 712₄₁, Smagenos, dt. March Lex 60a / Smagenes, dt. Marck B II 898₂₆ / Smagines, dt. Hirn B II 712₄₁, Smagines, dt. Marck B II 898₂₅. Im LKŽₑ sind die Varianten smagenos und smagenės verzeichnet; ihre erste Bedeutung ist anatomisch: „Teil des Zentralnervensystems, der aus Nervenfasern und Zellen besteht, die sich im Schädel und im Wirbelkanal des Menschen befinden“. 120 Palmira Zemlevičiūtė Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje 3.3. Varianten der Endungen des Maskulinums Plural Wie bereits erwähnt, werden Stichwörter in Wörterbüchern gewöhnlich in der Singularform angegeben. Wie die zuvor besprochenen Beispiele zeigen, sind anatomische Termini überwiegend in dieser Form belegt; es kommen jedoch auch Varianten der Pluralformen vor. Es wurden zwei Reihen gefunden. Es konkurrieren die Varianten mit den Endungen -ai und -(i)ei, -ei sowie -iei: -ai und -(i)ei: Pūkeliai, plaukeliai14 (lat. lanugo) – Gyw-Plaukai, dt. Milchhaar C III 56 / Gÿw=Plaukai, dt. Milch Haar B II 913₂ / Gywplaukiai, dt. die Augenbraunen Rₗᵥ 46 / Gywplaukei, dt. die Augenbraunen, das Milchhaar MŽₗᵥ 92; -ei und -iei: Petys (lat. acromion) – Péciei, dt. die Schultern Rₗᵥ 106, Péciei, dt. Schulter, Rücken Rᵥₗ 318 / Peczei, dt. die Schultern MŽₗᵥ 197. Diese Varianten unterscheiden sich wie die zuvor beschriebenen durch einfache Vokale und Diphthonge sowie durch Vokale und Diphthonge mit diakritischen Zeichen (e/é; ai/ei), außerdem durch die Grapheme ÿ, č/cž, β/ʒ, die den Vokal y und die Konsonanten č und š bezeichnen. SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Variantenreichtum ist eines der charakteristischsten Merkmale der historischen Terminologie. Am deutlichsten zeigt er sich in den schriftlichen Quellen aus der Anfangsphase der Entwicklung der Schriftsprache, die sich durch eine große Zahl und Vielfalt von Formen desselben Wortes auszeichnen, und zwar nicht nur in den Schriften einzelner, sondern häufig auch desselben Autors. Dies wird durch das untersuchte lexikografische Material des 17.–18. Jahrhunderts bestätigt: Die Variantenreihen von Termini, die denselben anatomischen Begriff bezeichnen, sich jedoch morphologisch, phonetisch und orthografisch unterscheiden, umfassen zwei bis zehn Glieder. 2. Wörter und Wortverbindungen mit Bezug zur Medizin finden sich in den ersten allgemeinen zweisprachigen Übersetzungswörterbüchern, die für die Entwicklung der litauischen medizinischen Terminologie, insbesondere der anatomischen Terminologie, von großer Bedeutung waren – ein beträchtlicher Teil davon bildet die Grundlage des heutigen anatomischen Wortschatzes. 3. In den untersuchten Wörterbüchern wurden drei Typen morphologischer Varianten gefunden (Genus-, Numerus- und Endungsvarianten). Morphologische Varianten sind meist einwortige anatomische Termini; zusammengesetzte Termini sind selten, und bei ihnen variieren die genus- oder artbezeichnenden Bestandteile. 4. Die Reihen der Genusvarianten bestehen überwiegend aus einwortigen anatomischen Termini. Ihre Glieder unterscheiden sich durch maskulines und feminines Genus. 14 Vgl. gyvaplaukiai (lat. lanugo) ME I 294. Terminologija | 2012 | 19 121 5. Die Reihen mit Zahlenvarianten umfassen einwortige und zusammengesetzte anatomische Termini, die in verschiedenen (oder auch im selben) Wörterbüchern in Singular- und Pluralformen angegeben sind (bei zusammengesetzten Termini variiert gewöhnlich die Zahl eines ihrer Bestandteile). 6. Reihen mit Endungsvarianten bestehen aus einwortigen und zusammengesetzten anatomischen Termini – bei einwortigen Termini oder Bestandteilen zusammengesetzter Termini variieren unterschiedliche Endungen desselben Genus. Unterschieden werden Varianten maskuliner und femininer Endungen. 6.1. Vorherrschend sind Varianten maskuliner Singularendungen. Von den konkurrierenden Endungen -is und -ys, -as und -s (verkürzte Endung durch Ausfall des Vokals a), -as und -is, -is und -us, -us und -as, -is, -ys und -ys, -as, -is und -ys, -is, -ys und -(i)us, -is, -ys, -ys und -as-Varianten wurden nicht weniger als zweiundzwanzig Reihen gefunden. Varianten der Pluralendungen dieses Genus, -ai und -(i)ei, -ei und -iei, fanden sich nur in zwei Reihen. 6.2. Im Vergleich zu den maskulinen wurden in den Wörterbüchern relativ wenige Varianten femininer Singularendungen gefunden – nur fünf Reihen. Die Glieder dieser Reihen unterscheiden sich durch die Endungen -a und -ė, -e, -ę und -ė, -e, -ę und -ia, -e, -ė, -ė und -is. 7. In den Wörterbüchern fanden sich überwiegend Mischvarianten; ausgenommen ist der Typ der Zahlenvarianten, dem reine Varianten zugeordnet sind. Die Genus- und Endungsvarianten weisen neben den grundlegenden morphologischen Unterschieden zahlreiche sekundäre – phonetische und orthografische – Abweichungen auf. Die Glieder der Variantenreihen unterscheiden sich meist durch einfache Vokale und Vokale mit diakritischen Akut-, Gravis- und unterschiedlich geformten Zirkumflexzeichen (Bogen- oder Dachakzent), mit denen eine betonte Silbe oder bestimmte Kasusformen gekennzeichnet werden. Zu den charakteristischsten Konsonantenunterschieden gehören konkurrierende Varianten mit einfachen und Doppelkonsonanten (meist werden die Konsonanten d, g, k, l, n, t, r, sverdoppelt), ferner mit dem durch unterschiedliche Schriftzeichen wiedergegebenen Vokal y (y/ÿ), dem Diphthong uo (ū)und den Konsonanten l (ł/ł), š (β/š/ʃ), č (ć/cз), ž (з́/з) und dž (dз/dз́). 8. Die Entstehung morphologischer Varianten anatomischer Termini in den Wörterbüchern wurde von sprachlichen und außersprachlichen Faktoren beeinflusst. Unter den Letzteren ist zweifellos der Einfluss unterschiedlicher Schreibtraditionen – der deutschen und der polnischen – zu nennen (dies zeigt sich deutlich beim Vergleich anatomischer Termini aus den Wörterbüchern DL und ML). Eine wichtige Rolle spielen die lebendige Sprache sowie die Schriften der Vorgänger und Zeitgenossen der Verfasser der untersuchten Wörterbücher. Unterschiedliche Formen desselben Wortes, die im mündlichen Sprachgebrauch und in schriftlichen Quellen verwendet wurden, konnten von den Lexikografen der DL- und ML-Wörterbücher des 17.–18. Jahrhunderts übernommen werden. Andererseits lässt sich auch die Möglichkeit individueller Varianten anatomischer Termini sowie von Korrekturfehlern nicht ausschließen. 122 Palmira Zemlevičiūtė Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje WICHTIGSTE QUELLEN B – Jokūbas Brodovskis. Lexicon Germanico=Lithvanicum et Lithvanico=Germanicvm: ein handschriftliches Wörterbuch des 18. Jahrhunderts: dokumentarische Ausgabe mit Faksimile, Transkription und Wortregister / herausgegeben von Vincentas Drotvinas. – Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2009. Bände I–II. C – Clavis Germanico–Lithuana. Ein handschriftliches deutsch-litauisches Wörterbuch des 17. Jahrhunderts. – Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidykla, 1995–1997. Bände I–IV. H – Litauisch-deutsches und deutsch-litauisches Wörterbuch [...] von Friederich Wilhelm Haack. Halle, 1730. Lex – Lexicon Lithuanicum: ein handschriftliches deutsch-litauisches Wörterbuch aus dem 18. Jahrhundert. Vilnius: Mokslas, 1987. MŽ – Littauisch=deutches und Deutfch=littauisches Wörter=Buch, [...] von Christian Gotlieb Mielcke, Cantor in Pillkallen. Königsberg, 1800. R – Littauifch=Deutfches und Deutfch=Littauifches Lexicon, [...] von Philipp Ruhig. Königsberg, 1747. SD – Širvydas K. Dictionarium trium linguarum: das erste Wörterbuch der litauischen Sprache. Vilnius: Mokslas, 1979. HILFSQUELLEN LKŽe – Lietuvių kalbos žodynas (I–XX, 1941–2002), elektroninis variantas. Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 2005. – www.lkz.lt. MedŽ 1980: Astrauskas V., Bizulevičius S., Pavilonis S., Vaitilavičius A., Vileišis A. Medicinos terminų žodynas, Vilnius: Mokslas. ME 1991: Medicinos enciklopedija I, Vilnius: Valstybinė enciklopedijų leidykla. LITERATŪRA Anusevičienė O. V., Cibas P., Lilienė L. 2002: Žmogaus anatomija ir fiziologija, Kaunas: Linos pasaulis. Čės nys G. 2002: Lietuviško anatomijos vardyno istorijos metmenys. – Terminologija 9, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 55–65. Milinaitė R. 2009: Dabartinės lietuvių kalbos vartosenos variantai, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas. Mitkevičienė A. 2004: V. Dubo visuotinės literatūros vadovėlio terminų variantai. – Terminologija 11, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 119–144. Palionis J. 1967: Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a., Vilnius: Mintis. 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Terminologija | 2012 | 19 123 MORPHOLOGICAL VARIANTS OF ANATOMY TERMS IN LITHUANIAN LEXICOGRAPHY OF 17–18TH CENTURIES The article provides the linguistic description of morphological variants of anatomy terms, their types and subtypes and gives a brief overview of the reasons for such variation in the main general translation dictionaries (mostly bilingual German–Lithuanian and Lithuanian–German) of 17–18th century Lithuania Major and Lithuania Minor. Three types of morphological variants (of gender, number and ending) have been found in the researched dictionaries. The majority of morphological variants are one-word terms; variants of complex terms are rare – there are some variations of their generic or specific elements. The gender variants are either masculine or feminine (Kaukolas/Kaukolė/Kaukolė ‘skull’, Wūkas/Wokas/Wókas/Wokā ‘eyelid’). The number variants in the same or in different dictionaries have either singular or plural form (Kélis/Kélei ‘knee’, Sanarys/Sanaris/Sanarei ‘joint’). The ending variants have different feminine endings or different masculine endings. Variants of masculine singular endings prevail. Words ending in -is/-ys (Akkies Pawiddulis/Akiês Pawiddulys ‘eyeball’, Įkilwis/Skilwys ‘stomach’) or -as/-‘s (Mažafis Pirβtas/mažafjisPirʒt‘s ‘little finger’, Źywatas/Źywátas/Źywat‘s/Źywátas/Źywatas ‘womb’) comprise the biggest groups. There were only one or two other ending variants found. Feminine singular endings are quite infrequent. Such variants differ in endings -e/-ẽ/-ė (Seile/Seile/Séilé/Séile/Seilé/Séilé ‘saliva’), -e/-ẽ/-ia (Kiaufβe/Kiaufʒe/Kiáuβe/Kiáuβe/Kiáuβia/Kiauβia ‘skull’), -a/-e/-ė (Gyw=Gýlla/Gyw‘gýlle/Gyw=Gyíle ‘artery’), -e/-ẽ/-e/-is (Bluźne/Bluźné/Bluźné/Bluβnis/Bluźnis/Bluźnis ‘spleen’). Next to the main morphological differences gender and ending variants have quite a lot of secondary – phonetic and orthographic – differences. Variants differ in simple vowels and vowels with various diacritic marks, simple consonants and double consonants or consonants marked using different characters l (ł/ł), š (β/ś/ʒ), č (ć/cʒ), ž (ʒ/ʒ), dž (ʒ/dʒ), etc. Variability is one of the most common features of historical terminology of medicine – lines consisting of two to ten variants of anatomy terms naming the same concept, but having different morphological, phonetic and orthographical form were found in the researched material. There were both linguistic and non-linguistic factors influencing the occurrence of morphological variants of anatomy terms in dictionaries. One of the most obvious non-linguistic factors was the influence of the orthography of the German and the Polish languages. Living language as well as writings of the predecessors and contemporaries of the authors of the researched dictionaries also played an important role. Lexicographers of the 17–18th century Lithuania Major and Lithuania Minor could have taken different forms of the same words used by the people and in the written sources. The possibility of the author’s own variants of the anatomy terms or proofreading mistakes could not be excluded either. Gauta 2012-11-19 Palmira Zemlevičiūtė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected] 124 Palmira Zemlevičiūtė Morfologiniai anatomijos terminų variantai XVII–XVIII a. lietuvių leksikografijoje