Kazimiero Gaivenio medicinos terminų taisymai
Full text
Berichtigungen medizinischer Fachbegriffe durch Kazimieras Gaivenis
PALMIRA ŽEMLEVIČIŪTĖ
Zum 80. Geburtstag von Kazimieras Gaivenis
„<...> Seine Spuren in der Sprachwissenschaft und in der Sprachpraxis, insbesondere der Terminologie, zu untersuchen und zu beschreiben, würde nicht einmal für ein umfangreiches Buch ausreichen.“
St. Keinys
EINLEITENDE ANMERKUNGEN
Am 18. Januar dieses Jahres wäre der bedeutende litauische Sprachwissenschaftler und Terminologe Kazimieras Gaivenis (1934–2003) 80 Jahre alt geworden. In 40 ununterbrochenen und fruchtbaren Arbeitsjahren auf den Gebieten Sprache und Terminologie veröffentlichte K. Gaivenis in Publikationen der litauischen Sprachwissenschaft, einzelner Wissenschaftsbereiche und der allgemeinen Periodika mehr als 400 Artikel zu Fragen der Sprachwissenschaft und Sprachpraxis sowie der Terminologie. Zahlreiche Artikel befassten sich mit der Korrektheit, Bildung, Entwicklung usw. von Fachbegriffen aus Chemie, Physik, Mathematik, Militärwesen, Botanik, Zoologie, Radioelektronik, Elektrotechnik, Architektur, Landwirtschaft, Wirtschaft und anderen Bereichen. Der größte Teil dieser Veröffentlichungen hat aufgrund seiner theoretischen und praktischen Einsichten in die Terminologie nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Und wie viele Fachbegriffe K. Gaivenis korrigierte oder präzisierte, ließe sich nur schwer zählen …
Neben den vielen erwähnten Wissenschaftsbereichen widmete K. Gaivenis auch den Missständen in der Sprache und Terminologie der Medizin zumindest etwas Aufmerksamkeit. Wie er selbst sagte, behandelte er kränkliche, angeschlagene Wörter der Mediziner.
Zwar ist dieses schriftliche Vermächtnis nicht umfangreich – es umfasst vier gedruckte und sieben handschriftliche Arbeiten. Vier Artikel wurden in Periodika veröffentlicht – in Tarybiniame mokytojuje erschien der Artikel „Netikęs terminas“ (1981), zwei Artikel – „Negaluojantys medikų žodžiai“ (1987) und „Sveiki ir liguisti medikų žodžiai“ (1990) – erschienen in den Rubriken „Kalbos kultūros“ und „Gimtosios kalbos“ von Sveikatos apsaugos sowie ein
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Antwort auf die Frage „Ist die von Ärzten häufig verwendete Wendung vollständige Genesung (vollständig genesen) korrekt?“ (1991), in der Zeitschrift Gimtoji kalba, in der Rubrik „Fragenkorb“.
Gesondert zu erwähnen sind die im Auftrag der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache (im Folgenden VLKK) 1998–2000 verfassten Rezensionen medizinischer Arbeiten¹. Innerhalb von drei Jahren verfasste K. Gaivenis Rezensionen zu sieben Arbeiten (Česnys G. u. a. Terminų rinkinys Nomina anatomica (1998), Baltrušaitis K. u. a. Citologijos, histologijos ir embriologijos terminų žodynas (1999), Jonutienė G. Vokiečių–lietuvių kalbų medicinos terminų žodynas (1999), Stropus P. u. a. Žmogaus anatomijos terminai (1999), Gedrimas V. u. a. Anatomijos vardynas (2000), Lapytė A. u. a. Psichiatrijos terminų enciklopedinis žodynas (2000) und Vitkus A. u. a. Medicininės histologijos ir embriologijos vardynas (2000))². Nach den Angaben der bibliografischen Übersicht von K. Gaivenis verfasste er 2001 eine Rezension zur Norm „LST Ophthalmologische Optik. Brillengläser. Begriffe und Definitionen“; leider konnte ihr Manuskript jedoch bei der VLKK nicht aufgefunden werden.
Dieser Artikel möchte K. Gaivenis’ Terminologiekorrekturen in Rezensionen medizinischer Arbeiten, ihre Präsentation und ihre charakteristischsten Gruppen vorstellen und erörtern.
TERMINOLOGIEKORREKTUREN IN REZENSIONEN MEDIZINISCHER ARBEITEN
Wie bereits erwähnt, hat K. Gaivenis sieben medizinische Arbeiten rezensiert. Die Rezensionen³ sind nicht lang – sie umfassen zwei bis vier Manuskriptseiten. Ihre Titel sind unterschiedlich, doch am häufigsten verwendete der Autor den Begriff Rückmeldung: „Rückmeldung zu „Anatomijos vardynas“⁴“ (siehe Abb. 1), „Rückmeldung zu A. Lapytės, V. Mačiulio und J. Šurkaus „Psichiatrijos terminų enciklopedinis žodynas““, „Rückmeldung zu G. Jonutienės „Mokomąjį vokiečių–lietuvių kalbų medicinos terminų žodynas““. Der Begriff Rezension wurde nur verwendet
1 Es sei darauf hingewiesen, dass nicht alle von K. Gaivenis rezensierten Arbeiten Terminologiewörterbücher sind – darunter befindet sich eine Terminologiesammlung (Terminų rinkinys Nomina anatomica), zwei Nomenklaturen (Anatomijos vardynas, Medicininės histologijos ir embriologijos vardynas), und eine davon ist eine Terminologie (Žmogaus anatomijos terminai). Daher wird im Artikel der Begriff „Arbeiten“ verwendet.
2 Ich danke herzlich Dr. Vilija Ragaisienė, Leiterin der Programmabteilung der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache, die Kopien der Manuskripte von sieben Rezensionen K. Gaivenis’ sowie drei eingescannte Rezensionen bereitgestellt hat; deren erste Seiten werden in diesem Artikel abgebildet (siehe Abb. 1, 2 und 3).
3 Obwohl K. Gaivenis die betreffenden Arbeiten mit verschiedenen Begriffen bezeichnete (Rückmeldung, Anmerkungen, Rezension), nennt die Verfasserin dieses Artikels sie der Einheitlichkeit halber alle mit einem einzigen Begriff – Rezensionen.
4 K. Gaivenis korrigierte den Untertitel der Nomenklatur Tarptautinė anatomijos terminologija. Seinen Worten zufolge ist Terminologie die Wissenschaft von den Termini, während Terminija die Gesamtheit der Termini bezeichnet; daher wäre als Untertitel dieser Nomenklatur die Bezeichnung Tarptautinė anatomijos terminija besser geeignet.
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Abb. 1. Erste Seite des Manuskripts von K. Gaivenis’ Rezension „Besprechung des „Anatomischen Verzeichnisses“
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einmal: „Rezension der Terminologiesammlung „Nomina anatomica““, ebenso wie der Anmerkung als Titel: „Anmerkungen zu den Termini des „Anatomischen Verzeichnisses““. Zwei Beiträge tragen schlicht die Titel „Zu korrigierende Termini der medizinischen Histologie und Embryologie“ und „Medizinische Histologie- und Embryologietermini“.
Im Folgenden wird im Artikel erörtert, wie K. Gaivenis Terminologiekorrekturen vorlegt und schließlich, welche medizinischen Termini er korrigierte und welche Ersatzformen er zur Verwendung vorschlug.
DARSTELLUNG DER TERMINOLOGIEKORREKTUREN
K. Gaivenis’ Rezensionen sind sehr knapp – sie enthalten nahezu keinen Fließtext; die zu korrigierenden oder fraglichen Termini sind meist in einer Spalte aufgeführt, zum Beispiel:
Aminosäuren5 (=Aminosäuren) MHET 1999,
periventrikuläre (=?) Glia-Grenzmembran MHET 1999,
Endometrium- (=Endometrium-)krypten MHET 1999,
Ernährung durch (=mittels) Sonde VLMTŽ 1999,
Nukleinin- (=Nukleinsäuren) MHET 1999,
Wochenbettzeit (=Zeit nach der Geburt) VLMTŽ 1999,
Prätestikel (=Prätestikeln) NA 1998,
einsegmentige (=einsegmentierte) Muskeln MHET 1999,
ampula – Ampulle MHET 1999, Ampulle des Samenleiters (=Wulst?) MHET 1999,
cartilago cordis – Herzknorpel (=?) MHET 1999,
oppositio – Gegenüberstellung (=Gegenüberstellung) AV 2000,
os cordis – Herzknochen (=?) MHET 1999,
preplacenta – Vorplazenta (=priešplacentis) MHET 1999,
tela subpericardialis (subseroza) – subperikardiales Gewebe (=unteres Herzbeutelblatt?) MHET 1999,
trabecula – Balken (=?) – Organ der Blut- und Lymphbildung MHET 1999,
tubulo-alveolus – röhrenförmiges Bläschen =? MHET 2000.
K. Gaivenis legte die Terminologiekorrekturen auf traditionelle Weise vor, d. h. neben dem zu korrigierenden Terminus steht in Klammern nach dem Gleichheitszeichen der von ihm vorgeschlagene korrekte Terminus, der verwendet werden soll (siehe Abb. 2), z. B.:
chirurgisch (=Chirurgen-)Pinzette VLMTŽ 1999,
chirurgisch (=Chirurgen-)Messer VLMTŽ 1999,
5 Die Termini werden alphabetisch aufgeführt – zuerst die litauischen, danach die zu korrigierenden lateinischen Termini. Am Ende der Termini werden die Abkürzung der Quelle (Rezension) und das Jahr in arabischen Ziffern angegeben.
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Abb. 2. Erste Seite des Manuskripts von K. Gaivenis’ Rezension „Zu korrigierende medizinische Histologie- und Embryologieterminologie“
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Zytoplasmaorganellen (=Organellen) und Einschlüsse MHET 2000,
zweiköpfige (=doppelköpfige) Furche NA 1998,
Bluterguss durch den (=über den) Mund VLMTŽ 1999,
Kleinfinger-Gegenstellmuskel (=Kleinfinger-Oppositionsmuskel) AT 1999,
Kniekehle (=Kniekehlen-)grube VLMTŽ 1999,
Flüssigkeitsabgabe durch (=über) die Blutgefäße eines Organs VLMTŽ 1999,
Wochenbettbeschwerden (=Schmerzen nach der Geburt) VLMTŽ 1999,
Präamnion (=Präamnionis) MHET 1999,
Harnblasenentleerungsmuskel (=entleerender Muskel) AT 1999,
Ribonukleinsäure (=Ribonukleinsäure) VLMTŽ 1999,
Spitzköpfigkeit (=spitzköpfige Form) MHET 2000,
des Schwanzasts (=des Schwanzasts) des Schwanzkerns AT 1999,
colon descendens – absteigender (=absteigender) Dickdarm AT 1999,
conus elasticus – elastischer Konus (=Kegel) AT 1999,
distributio in utero – Verteilung (=Anordnung) in der Gebärmutter MHET 2000,
epithelium ciliatum – Flimmerepithel (=Flimmerepithel) MHET 2000,
microtubulus – Mikrotubulus (=Röhrchen) MHET 2000; nach der vorgeschlagenen Korrektur wurde noch hinzugefügt: vgl. anat. ductus (Gallen-, Schweißgang), während in der Zytologie die Zellen – Röhrchen sind =?,
otum fertilissatum – befruchtetes Ei (–Eizelle) MHET 2000,
parenchyma – Gewebe, das die für das Organ charakteristische Funktion erfüllt, Parenchym (=Parenchym) MHET 2000,
placenta bidiscoidea – zweischeibige (=zweischeibige) Plazenta MHET 2000,
primordia palatina et vestibulum – Anlage des Gaumens und des Mundvorhofs (=Mundvorhofs) MHET 2000,
stria vascularis – Gefäßstreifen (=Gefäßstreifen) MHET 2000,
stroma – Gewebe, das die Stützfunktion des Organs erfüllt, Stroma (=Stroma) MHET 2000,
tractus rubrospinalis – rubrospinaler (=rubrospinaler) Rückenmarksstrang AV 2000,
typus anovulatorius – anovulatorischer (=anovulatorischer) Typ MHET 2000.
K. Gaivenis hat seinem vorgeschlagenen Terminus mehrfach ein Fragezeichen hinzugefügt und war sich offenbar nicht sicher, zum Beispiel:
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corpus multivesiculare – mehrbläschenförmiger (=mehrbläschen?) Körper MHET 2000,
ovoviviparitas – Ovoviviparie (=Ei-Lebendgebären?) MHET 2000,
spatium subpiale – Zwischenraum der subpialen (=? subpialen?) Membran MHET 2000.
Oft führt er zu korrigierende Termini auf, doch Vorschläge zu ihrer Korrektur fehlen – in Klammern (oder ohne sie) wird nach dem Gleichheitszeichen wieder ein Fragezeichen gesetzt, z. B.:
Handgriff des Brustbeins (=?) NA 1998,
Doktor der zahnmedizinischen Wissenschaften (=?) VLMTŽ 1999,
cisterna terminalis – terminale Zisterne =? MHET 2000,
corpus multitubulare – mehrrohriger Körper =? MHET 2000,
glandula tubulosa – röhrenförmige Drüse =? MHET 2000,
myotubus – Muskelschlauch =? MHET 2000,
pars supra-occipitalis – Teil des Hinterhauptbeins (=?) MHET 2000,
pars-suprastriata hemispherii – suprastriater (=?) Teil der Hemisphäre MHET 2000,
perforatorium – Durchbohrer =? Mensch? Das Suffix passt nicht! Durchbohrender MHET 1999,
sapatium subpiale – Zwischenraum der subpialen (=?) Membran MHET 1999,
satelles – Satellit (allgemeine Zelltermini) =? MHET 2000,
tubulo-acinus – röhrenförmiges Bündel =? MHET 2000,
vagina masculinus – prostatische Gebärmutter =? MHET 2000,
vagina pericapillaris macrophagiosa – perikapilläre makrophagische Scheide =? MHET 2000.
Es gibt Fälle, in denen nur die Termini aus der rezensierten Quelle angeführt werden, daneben jedoch keinerlei Korrekturen oder Anmerkungen stehen, z. B.:
zweiäugig NA 1998,
abortio Fehlgeburt, Abgang, Abort (2 Bedeutungen) MHET 2000,
cisterna – Zisterne MHET 2000,
cisterna nucleolemmae – Zisterne der Kernhülle MHET 2000,
cor triloculare – dreikammeriges Herz MHET 1999,
perforatorius – Durchbohrer (Spermatozoenteilchen) =? Akteur! MHET 2000,
reticulus prostatians – Gebärmutter der Prostata (Teil der männlichen Harnröhre) MHET 2000,
tubulus renalis – Nierenkanälchen MHET 2000.
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A R T E N D E R T E R M I N U S K O R R E K T U R E N
Auf der Grundlage der Manuskripte von sieben Rezensionen K. Gaivenis lassen sich folgende Arten von Terminkorrekturen unterscheiden:
1. Termini mit fehlerhafter Wortbildung
Zahlreich sind schwer zu bildende Adjektive. In den Rezensionen des Terminusbestands Nomina anatomica (vor allem) und des Anatomischen Wörterverzeichnisses führte K. Gaivenis folgende Adjektive an, schlug jedoch keine Korrekturen vor; offenbar ist jedes von ihnen individuell zu korrigieren, z. B.:
pafascijinis NA 1998,
paleidovylikapirštinis NA 1998,
paleikrūtinkaulinis NA 1998,
paleimakštinis NA 1998,
paleipūslinis NA 1998,
paliežuvakaulinis NA 1998,
priedovylikapirštinis NA 1998,
priešjungtinis NA 1998,
prieškrūžmeninis NA 1998,
priešplokštelinis NA 1998,
raudonbranduolinis NA 1998,
užaklažarninis NA 1998,
zwölffingerdarmig NA 1998,
verbunden NA 1998,
subakromial NA 1998,
interlamellär NA 1998,
intraartikulär NA 1998,
suprapleural NA 1998,
supraciliar NA 1998,
fascia extraperitonealis – extraperitoneale Faszie (vgl. auch extraperitoneales Band) AV 2000,
fibrae pretectoolivares – Fasern des Prätectum zur Olive AV 2000,
nucleus suprageniculatus – suprageniculärer Kern AV 2000.
In der Rezension des Wörterbuchs der Begriffe der Zytologie, Histologie und Embryologie machte er Vorschläge zur Korrektur der betreffenden Adjektive, zum Beispiel:
mehrsegmentige (=vielgliedrige) Muskeln MHET 1999,
zweikammerig (=mit zwei Kammern) MHET 1999,
intraembryonales Zölom – celoma intra-embryonicum (=intraembryonal) MHET 1999,
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intraepitheliale Drüse (=intraepitheliale Drüse) MHET 1999,
intrazellulärer Gang (=intrazellulärer Gang) MHET 1999,
intraverpenspindeliger Myozyt (=intraverpenspindeliger Myozyt) MHET 1999,
eingemiger / zweikeimiger / mehrkeimiger Schwangerschaft (=ein Keim und so weiter) MHET 1999,
cartilago epihyalis – supralinguale Knorpel des Zungenbeins (=oberer Knorpel des Zungenbeins) MHET 1999,
cor biatriale – zweivorhofartig (=mit zwei Vorhöfen) MHET 1999,
defectus septi atrialis – Defekt der interatrialen Scheidewand (=Vorhofseptumdefekt) MHET 1999,
musculus multipenatus – halbgefiedert (=semi-pennat) Muskel AV 2000,
musculus semipennatus, m. unipennatus – mehrgefiedert (=mehrgefiedert) Muskel AV 2000,
sulans interatrialis – interatriale Furche (=Furche zwischen den Vorhöfen?) MHET 1999, aber foramen (interatriale) primum MHET 1999, foramen (interatriale) secundum MHET 1999.
Wie aus den angeführten Beispielen ersichtlich ist, wurden schwierig gebildete Adjektive uneinheitlich korrigiert – entweder wurden sie (meistens) durch Wortverbindungen ersetzt oder das Suffix -inis entfernt oder das litauische Element durch sein lateinisches Äquivalent ersetzt.
Eine weitere umfangreiche Gruppe der von K. Gaivenis korrigierten Termini bilden Adjektive mit Präfixen, die von zusammengesetzten Substantiven abgeleitet sind. Auch in diesem Fall wurde zweierlei verfahren – in den Rezensionen einiger Arbeiten wurden neben den fehlerhaften auch korrekte Termini angegeben, in denen anderer nicht, z. B.:
avaskuläre Zwischenzone – interzona avascularis (=Zwischenzone ohne Blutgefäße) MHET 1999,
parasternal gelegene Lymphknoten AT 1999,
paravertebrale Lymphknoten AT 1999,
pogimdyminis MHET 1999, PTŽ 2000 – netaisyklingas būdvardis, žr.:
postpartale Neurose (=Neurose nach der Geburt) PTŽ 2000, postpartale Psychose (= Psychose nach der Geburt) PTŽ 2000, postpartale Defektivität (=Defektivität nach der Geburt) MHET 1999, postpartale Periode (=Periode nach der Geburt) MHET 1999,
vor dem Zwischenkeilbein AT 1999,
präkarpaler Kern AT 1999,
interkarpale Venen AT 1999,
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postduodenale Tasche AT 1999,
postperitonealer Raum AT 1999,
suprapleurale Platte AT 1999.
Es versteht sich, dass solche Termini, wie der Autor der Rezension zu Terminologie der menschlichen Anatomie schrieb, ebenso wie die oben erörterten ebenfalls unterschiedlich zu korrigieren wären: An einer Stelle könnte vielleicht ein Adjektiv passen, an einer anderen der Genitiv, an einer dritten ein aus zwei Wörtern bestehender Terminus usw.
Nach K. Gaivenis’ Ansicht ist auch das Adjektiv kliediminis unterschiedlich zu korrigieren, mit dem, wie er anmerkt, im Enzyklopädischen Wörterbuch der psychiatrischen Termini zahlreiche zusammengesetzte Termini gebildet wurden, z. B.:
Wahn-Depression PTŽ 2000,
Wahn-Manie PTŽ 2000,
wahnhaftes Verhalten PTŽ 2000,
Wahnvorstellung PTŽ 2000,
Wahnabwehr PTŽ 2000,
Wahnmigration PTŽ 2000,
Wahnstimmung PTŽ 2000,
Wahnwahrnehmung PTŽ 2000,
kliediminė psichozė PTŽ 2000. Pasak recenzento, „terminai su šiuo būdvardžiu taisytini dvejopai: kliedėjimo arba kliedimoji“.
2. Ungenaue Termini
K. Gaivenis fand in den von ihm begutachteten medizinischen Arbeiten tatsächlich recht viele ungenaue Termini, die meist zusammengesetzte spezifische Begriffe bezeichneten. In einigen Fällen schlug der Rezensent vor, ein präziseres Wort zu verwenden, z. B.:
Stimmband (=Saite) NA 1998,
Deltamuskel (=gestreckter?) Muskel NA 1998,
Sehnenrinne des langen Großzehenbeugers (die Großzehe kann weder lang noch kurz sein) NA 1998,
kasos ampulė NA 1998, kaulinės ampulės NA 1998, kiaušintakio ampulė NA 1998, tiesiosios žarnos ampulė NA 1998, AT 1999 – K. Gaivenis siūlė terminą ampulė keisti kitu žodžiu. 2000 m. recenzuotame Anatomijos vardyne skolinys ampulė jau pavartotas kaip sinonimas greta lietuviško termino išsiplėtimas, pvz.:
ampulla ductus deferentis – Erweiterung des Samenleiters (Ampulle) AV 2000,
ampulla tubae uterinae – Erweiterung des Eileiters (Ampulle) AV 2000,
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crista ampullaris – išsipletimo (ampulės) skiauterė AV 2000, sulcus ampullaris – išsipletimo (ampulės) vaga AV 2000. Tačiau, K. Gai-venio manymu, kalbamasis skolinys ne visai tiksliai pataisytas. Jis pa-žymėjo, kad žodis išsiplėtimas rodo veiksmą, o čia reikia rezultato pavadinimo. Taigi, recenzento manymu, geresnis būtų lietuviškas žo-dis platmuo (plg. platmens skiauterė, platmens vaga ir t. t.). Čia galėtų tikti ir žodis stormuo, bet jis anatomijos terminijoje vartojamas kita reikšme (žodžio bulbus atitikmuo),
Knochengerüst des Beins (=Skelett?) NA 1998,
Membranverknöcherung (=häutige Verknöcherung) MHET 1999,
Fasern des Hügelchens des Vierhügels (=Vierhügelhügels) NA 1998,
lamina perpendicularis – liegende (=senkrechte) Platte NA 1998,
rr.sternocleidomastoidei – Äste des Kopfdrehmuskels (=Dreh- oder Bohrmuskels) AV 2000,
vestibulum oris – Mundvorhof (=Vor-Mund) AV 2000,
an anderer Stelle entfernte er das überflüssige Element mikro-, z. B.:
Mikrozottenepithel (=Zottenepithel) MHET 1999,
Mikrotubulus (=Tubulus) MHET 1999,
Mikropapille – Mikrospenel (=Spenel) MHET 1999,
Mikrovillus – Mikrovillus (=Villus) MHET 1999,
Drittens korrigierte er die ersten (a) bzw. Präfixbestandteile (b) zusammengesetzter Termini, z. B.:
(a) doppellappige (=doppelte) Plazenta MHET 1999,
geburtshilfliche (=geburtshilfliche) Schwangerschaft MHET 1999,
nichtgeburtshilfliche (=nichtuterine) Schwangerschaft MHET 1999,
pars subtrigeminalis – unterer (trigeminaler (=dreifacher) Teil AV 2000,
rr. caudae nuclei caudati – Schwanzäste des Nucleus caudatus (=Nucleus caudatus) AV 2000,
(b) prärenale (=renale) Drüse MHET 1999,
präurethraler (=urethraler) Gang MHET 1999,
Er schlug vor, die Bestandteile von Termini mit den Präfixen pa- und po- zu präzisieren. Wörter mit dem ersten Präfix sollten „entlang gelegen“ bedeuten, mit dem zweiten „unter gelegen“, z. B.:
subdiaphragmale (=subphrenische) Tasche NA 1998,
paralingualer (=sublingualer) Knoten NA 1998,
para- (=subtendinöser) Beutel NA 1998,
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korrigierte die Wortstellung, z. B.:
Implantation an ungewöhnlicher Stelle (=ungewöhnlich gelegene Implantation) MHET 1999,
wies darauf hin, dass im Verzeichnis der anatomischen Termini des Menschen neben zwei unterschiedlichen lateinischen osteologischen Termini ginglymus und articulatio troch oidea derselbe litauische Entsprechungsausdruck Rollenpfannengelenk angegeben ist AT 1999.
3. Statt Adjektiven wären Genitive von Substantiven besser geeignet
In der Terminologiesammlung Nomina anatomica kritisierte K. Gaivenis die durch das Suffix -inis ausgedrückten Artbestimmungen – er empfahl stattdessen Singular- oder Pluralgenitive von Substantiven mit Zugehörigkeitsbedeutung, z. B.:
Orbitalregion (=Region der Augenhöhle) NA 1998,
Orbitalwand (=Wand der Augenhöhlen) NA 1998,
Augenarterie (=Arterie des Auges) NA 1998,
Augenbrauenbogen (=Bogen der Augenbrauen) NA 1998,
Nagelfalz (=Haut am Nagel) NA 1998,
Tränenpapille (=Papille der Tränen) NA 1998,
rechte Lungenarterie (=Arterie der Lunge) NA 1998,
linke Lungenarterie (=Arterie der Lunge) NA 1998,
Frontalregion (=Region der Stirn) NA 1998,
Gefäßplexus (=Plexus der Blutgefäße) NA 1998,
Karotisdreieck (=Dreieck der Schläfe) NA 1998,
weibliche (=der Frau) Harnröhre NA 1998,
Nervenendigungen (=Nervenenden) NA 1998,
Nasenteil (=Teil der Nase) NA 1998,
Gallenvene (=Vene der Galle) NA 1998,
Gesichtsansicht (=Ansicht des Gesichts) NA 1998,
männliche (=des Mannes) Harnröhre NA 1998.
4. Litauischen statt lateinischen Termini sollte der Vorzug gegeben werden
Die Internationalität der medizinischen Terminologie ist eine unbestreitbare Eigenschaft; dennoch schlug K. Gaivenis bei der Begutachtung medizinischer Arbeiten vor, litauische Entsprechungen lateinischer Termini zu wählen, z. B.:
dorsales (=hinteres) Septum NA 1998,
Endoneurium NA 1998,
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Epineurium NA 1998, kraniales Stielchen MHET 1999, kranialer Venenplexus MHET 1999, laterale Nasenäste NA 1998, laterale (=seitliche) Ansicht NA 1998, lateraler blasser Kern NA 1998, Perineurium NA 1998.
5. Schreibweise der Termini
Im Wörterbuch der Zytologie, Histologie und Embryologie sowie im Enzyklopädischen Wörterbuch psychiatrischer Termini korrigierte K. Gaivenis Rechtschreibfehler in Termini, z. B.: Aganglionose (=Aganglionose) MHET 1999, Amnion (=Amnion) MHET 1999, Endometriumbecher (=Endometriumbecher) MHET 1999, Ischämie PTŽ 2000, Schizophrenie PTŽ 2000, schizoide Konstitution PTŽ 2000; K. Gaivenis erinnerte daran, dass „Sprachwissenschaftler seit vielen Jahren die Verwendung solcher Termini nicht zulassen und in den Terminologiewörterbüchern nur Schizophrenie, Ischämie usw. steht“;
neuro-raumeninė verpstė – neuroraumeninė reikia rašyti vienu žodžiu MHET 1999, raumen s-nervinė jungtis, dentino-cemento jungtis, prieširdžių-skilvelių jungtis, prieširdžio-skilvelio kanalas – reikia ne brūkšnelio, bet brūkšnio MHET 1999, raumen s-nervinė verpstė, Alantojaus-žarninė išgauba – nereikia nei brūkšnelio, nei brūkšnio MHET 1999, synoviocytus secretorius – sinovijocitas (=sinoviocitas), plg. sinovija, bet sinovioma (ne sinovijoma) TrpŽ MHET 1999.
K. Gaivenis wies auf einen charakteristischen Mangel des Enzyklopädischen Wörterbuchs psychiatrischer Termini hin – die uneinheitliche Anpassung eponymischer Termini (mit Familiennamen). An vielen Stellen sind sie korrekt (mit Großbuchstaben) geschrieben, aber zum Beispiel: Charcot-Koschewnikow-Sklerose PTŽ 2000, Schilder-Krankheit PTŽ 2000, Asperger-Syndrom PTŽ 2000. Im Folgenden führt der Rezensent eine Reihe von Termini dieser Art an, die an verschiedenen Stellen des Wörterbuchs unterschiedlich geschrieben werden, z. B.: Bonnet-(=Bonnet-)Halluzination PTŽ 2000, Boujaud-(=Boujaud-)Syndrom PTŽ 2000, Charpentier-(=Charpentier-)Phänomen PTŽ 2000. Auch die Anpassung der Familiennamen ist im Wörterbuch etwas uneinheitlich, z. B.:
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Zimerling-Kreutzfeldt-Krankheit PTŽ 2000, aber Zimerling-Kreutzfeldt-Krankheit PTŽ 2000,
Gakebusch-Geijer-Geimanowitsch-Krankheit PTŽ 2000, aber Gakebusch-, Geijer- und Geimanowitsch-Krankheit PTŽ 2000,
Argyll-Robertson-Syndrom siehe Argyll-Robertson-Syndrom, aber Argyll-Robertson-Syndrom PTŽ 2000,
Bassen-Kornzweig-Syndrom, aber Bassen-und-Kornzweig-Syndrom PTŽ 2000,
Boujaud-Descharet-Syndrom, aber Boujaud-und-Descharet-Syndrom PTŽ 2000,
Kulenkampff-Tarnow-Syndrom, aber Kulenkampff–Tarnow-Syndrom PTŽ 2000,
Löwenfeld-Henneberg-Syndrom, aber Liöwenfeld-Henneberg-Syndrom PTŽ 2000.
K. Gaivenis zufolge „gäbe es solche Uneinheitlichkeiten nicht, wenn die Familiennamen in ihrer Originalform geschrieben würden“.
In der Terminologiesammlung Nomina anatomica fand K. Gaivenis mehrere anatomische Termini, die den Sprachnormen nicht entsprechen, z. B.:
Weg (=Wade) NA 1998,
Daumen (=Großzehe) NA 1998,
substernal (=epigastrisch) NA 1998,
Gelenk (=Gelenk) NA 1998.
6. Variierung der Terminologie
Ein weiterer von K. Gaivenis festgestellter Mangel der von ihm rezensierten medizinischen Arbeiten sind nicht vereinheitlichte Termini derselben Ebene. So verwenden die Autoren bei der Benennung der Knochen des oberen und unteren Körperteils sowie der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane unterschiedliche Termini, z. B.:
apatinės galūnės kaulai, bet viršutinės galūnės griaučiai AT 1999. Apskritai, K. Gaivenio teigimu, žodis griaučiai (plg. kojos griaučiai) nelabai tinkamas kūno dalių kaulams pavadinti,
organa genitalia feminina externa – išoriniai moteriškieji lytiniai organai AT 1999, išoriniai moteriškieji (=moters) lytiniai organai NA 1998, bet plg. organa genitalia feminina interna – vidiniai moters lytiniai organai AT 1999, moters išoriniai lytiniai organai MHET 1999.
Es wurden auch Termini gefunden, die sich in der Reihenfolge ihrer Bestandteile unterscheiden (kongruierendes Attribut + nicht kongruierendes Attribut + Bezugswort und nicht kongruierendes Attribut + kongruierendes Attribut + Bezugswort), z. B.,
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masis Bestimmungswort + kongruierendes Bestimmungswort + Bezugswort), z. B. zusammenziehender Augenbrauenmuskel, aber Augenbrauen senkender Muskel AT 1999, nach der Zahl (Singular und Plural), z. B. trabeculae corporis spongiosi – Septen des HarnröhrenSchwellkörpers AT 1999, aber cavernae corporis spongiosi – Hohlräume des HarnröhrenSchwellkörpers AT 1999, nach der Herkunft der Artbestandteile (hybrid und litauisch), z. B. pränataler Zeitraum, postnataler Zeitraum, aber periodus neonatalis – Neugeborenenzeitraum MHET 1999, nach Adjektivformen (Grundform und pronominale Form)6, z. B. der offene MHET 2000 und geschlossen MHET 2000.
7. Fehler bei der Akzentuierung von Termini
In der Rezension des Wörterbuchs der medizinischen Histologie und Embryologie korrigierte K. Gaivenis falsch akzentuierte Termini, z. B.:
der zweite (=der zweite) Aortenbogen MHET 2000,
die zweite (=die zweite) meiotische Teilung MHET 2000,
die erste (=die erste) meiotische Teilung MHET 2000,
der erste (=der erste) Aortenbogen MHET 2000,
der dritte (=der dritte) Aortenbogen MHET 2000,
defectio – Mangel, Übel= MHET 2000.
Gesondert zu erwähnen ist ein Paar zusammengesetzter Termini: deformitas localis – lokale Deformation =? MHET 2000 und dysmorphogenesis – Entwicklung einer Deformation =? MHET 2000. In deren Bestandteilen Deformation und Deformation sind die Vokale a und u der dritten und vierten Silbe unterstrichen, weshalb sich vermuten lässt, dass K. Gaivenis Zweifel an der Akzentuierung dieser Bestandteile hatte.
Auf häufige Fehler bei der Akzentuierung von Termini weist K. Gaivenis auch in der Rezension des Enzyklopädischen Wörterbuchs der psychiatrischen Termini hin; außerdem merkt er an, dass die Termini in diesem Wörterbuch nach dem Zufallsprinzip akzentuiert seien.
Ein Mangel des Terminologiesammelwerks „Nomina anatomica“ sind die nicht akzentuierten litauischen anatomischen Termini.
8. Mängel in Terminusdefinitionen (Erläuterungen)
K. Gaivenis stellte fest, dass die separat aufgeführten Adjektive im Enzyklopädischen Wörterbuch der psychiatrischen Fachtermini uneinheitlich erklärt werden, z. B.:
neurasthenisch – mit Neurasthenie zusammenhängend (gut!), aber psychotisch – eine psychische Funktionsstörung psychotischen Grades (schlecht!),
6 In der Rezension Medizinische Histologie und Embryologie: Fachtermini werden die Wörter atviràsis und uždaras nebeneinandergestellt. Wahrscheinlich bezweifelte der Rezensent, warum das Adjektiv uždaras nicht in der pronominalen Form wie atvirasis geschrieben wird.
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reaktyvus – physiologische oder pathologische psychische Veränderungen (Reaktionen), die durch psychisch traumatisierende Faktoren hervorgerufen werden (schlecht!),
rezidinis – zurückgebliebene Erscheinungen einer überstandenen Krankheit (schlecht!).
Der Rezensent wies außerdem auf die Adjektive neurotinis, paliatyvusis, primordialinis, protrahinis, psichogeninis, timoplastinis und andere hin. Ähnliche Adjektive seien seiner Ansicht nach Lehnübersetzungen, z. B. primordialinis PTŽ 2000.
Laut K. Gaivenis erkennen Sprachwissenschaftler folgende Verwendung des Wortes stebėti nicht an: priešinsultinė būsena – stebima bei Patienten mit Bluthochdruck und zerebraler Atherosklerose (PTŽ 2000).
9. Terminografische Mängel
Von dieser Art der Korrekturen erwähnt K. Gaivenis im Enzyklopädischen Wörterbuch psychiatrischer Termini Fehler bei der Darstellung von Ober- und Synonymbegriffen sowie bei normativen Verweisen („siehe“).
Er weist darauf hin, dass Oberbegriffe im Wörterbuch in den Einträgen häufig nicht alphabetisch angeordnet sind. Die Darstellung der Synonyme ist uneinheitlich, zum Beispiel:
Abstinent, Antialkoholiker PTŽ 2000; das letztgenannte litauische Wort wird jedoch nicht als eigener Eintrag aufgeführt;
Abasie, Gehunfähigkeit PTŽ 2000 – auch dieser letztgenannte Begriff erscheint nicht als eigener Eintrag (siehe Abb. 3).
Ebenso wird häufig bei internationalen Synonymen verfahren, zum Beispiel: Alogismus, Syn. Alogie PTŽ 2000; das letztgenannte Wort wird jedoch nicht als eigener Eintrag aufgeführt.
In anderen Fällen werden Synonyme von Termini auch als eigene Einträge aufgeführt. Außerdem stehen Synonyme an manchen Stellen am Anfang eines Eintrags, an anderen dagegen am Ende.
Im besprochenen Wörterbuch wird häufig der normative Verweis „siehe“ verwendet, doch wird der Verweisbegriff nicht immer aufgeführt. So heißt es beispielsweise blutiger Schweiß siehe Hämathidrose PTŽ 2000, während nur Hämatidrose PTŽ 2000 und Hemidrose PTŽ 2000 aufgeführt sind; es heißt Lidzittern siehe Zilberlasto-und-Zando-Phänomen PTŽ 2000, im Wörterbuch findet sich jedoch nur Zilberlasto-und-Zando-Symptom PTŽ 2000, kein Phänomen.
Das Wort Blutschande PTŽ 2000 wird auf das Wort Inzest PTŽ 2000 verwiesen. Dem könne man nur schwer zustimmen, schrieb K. Gaivenis.
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Abb. 3. Die erste Seite des Manuskripts von K. Gaivenis’ Rezension „Stellungnahme zum Manuskript des „Enzyklopädischen Wörterbuchs psychiatrischer Termini“ von A. Lapytė, V. Mačiulis und J. Šurkus
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10. Sprachfehler
In seiner „Stellungnahme zum „Anatomischen Namensverzeichnis“ stellte K. Gaivenis fest, dass im Anatomischen Namensverzeichnis Großbuchstaben nicht regelkonform geschrieben werden und die von Sprachwissenschaftlern empfohlene Konstruktion „kad mit dem Infinitiv“ verwendet wird (z. B. kad nesupa- nioti, kad prisitaikyti AV 2000). Außerdem werden auf mehreren Seiten des Namensverzeichnisses die Termini nicht verwendet, sondern benutzt AV 2000; auch kommen falsch gebrauchte Lokativformen vor (z. B. patologinių procesų pasekoje AV 2000).
Bei der Korrektur von Mängeln medizinischer Termini ging K. Gaivenis konsequent vor. Bei der Lektüre der Rezensionsmanuskripte wurden nur wenige Fälle festgestellt, in denen er dieselben Termini in verschiedenen Rezensionen unterschiedlich korrigierte, zum Beispiel: weibliche (=mo-terų) Geschlechtsorgane MHET 1999, männliche (=vyrų) Geschlechtsorgane MHET 1999, vgl. äußere weibliche (=moters) Geschlechtsorgane NA 1998, gegenüberstellender (=priešpriešinis) Daumenmuskel NA 1998, vgl. gegenüberstellender (=priešinamasisis) Daumenmuskel AT 1999.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass K. Gaivenis in seinen Rezensionen sprachlich nicht normgerechte, fehlerhafte (insbesondere für die medizinische Terminologie typische Adjektive mit komplexer mehrstufiger Wortbildung), unpräzise und variierende medizinische Termini korrigierte, ebenso Fehler in der Schreibung und Akzentuierung von Termini sowie Fehler in deren Definitionen. Darüber hinaus lenkte er die Aufmerksamkeit der Autoren der rezensierten medizinischen Arbeiten auf terminografische Mängel (die Präsentation von Unterbegriffen und Synonymen sowie den Gebrauch des normativen Verweises „siehe“) und auf Sprachfehler.
Somit steht außer Zweifel, dass K. Gaivenis die Terminologiepflege und -normierung im Bereich der medizinischen Wissenschaft beeinflusst hat. Er betrachtete den Bereich der Medizin ebenso verantwortungsbewusst und anspruchsvoll wie andere Bereiche. Bei der Normierung medizinischer Termini orientierte er sich an den Grundsätzen der Korrektheit, Klarheit, Reinheit, des litauischen Sprachcharakters, der Präzision, der praktischen Zweckmäßigkeit und weiteren Prinzipien.
Aus dem Gesagten lässt sich schließen, dass K. Gaivenis zweifellos zur Schaffung, Pflege und Weiterentwicklung der heutigen litauischen medizinischen Terminologie beigetragen hat.
ŠALTINIAI
AT 1999: Gaivenis K. [recenzija] Stropus P. ir kt. Žmogaus anatomijos terminai.
AV 2000: Gaivenis K. [recenzija] Gedrimas V. ir kt. Anatomijos vardynas.
MHET 1999: Gaivenis K. [recenzija] Baltrušaitis K. ir kt. Citologijos, histologijos ir embriologijos terminų žodynas.
MHET 2000: Gaivenis K. [recenzija] Vitkus A. ir kt. Medicininės histologijos ir embriologijos vardynas.
NA 1998: Gaivenis K. [recenzija] Česnys G. ir kt. Terminų rinkinys „Nomina anatomica“.
PTŽ 2000: Gaivenis K. [recenzija] Lapytė A. ir kt. Psichiatrijos terminų enciklopedinis žodynas.
VLMTŽ 1999: Gaivenis K. [recenzija] Jonutienė G. Vokiečių–lietuvių kalbų medicinos terminų žodynas.
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LITERATŪRA
Gaivenis K. 1981: Netikęs terminas: [dėl terminų kurtumas, kurčneb ylis, prikurtimas, neprigirdėjimas, kurčnebylystė, neprigirdintis ir kt.]. – Tarybinis mokytojas, gruod. 30, 4.
Gaivenis K. 1987: Negaluojantys medikų žodžiai: [apie kalbos kultūrą]. – Sveikatos apsauga 8, 43–44.
Gaivenis K. 1990: Sveiki ir liguisti medikų žodžiai: [apie medikų kalbą]. – Sveikatos apsauga 6, 41–42.
Gaivenis K. 1991: Ar taisyklingas gydytojų dažnai vartojamas pasakymas pilnas pasveikimas (pilnai pasveiko)? – Gimtoji kalba 7, 17.
Kazimieras Gaivenis. Bibliografijos rodyklė. Sudarė A. Noreikaitė, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla, 2003. – 68 p.
Keinys St. 2004: Žiupsnis minčių apie Kazimierą Gaivenį ir jo metą. – Terminologijos istorijos ir dabarties problemos. Straipsnių rinkinys Kazimierui Gaiveniui atminti, Vilnius: Lietuvių kalbos instituto leidykla.
Gauta 2014-12-08
Palmira Zemlevičiūtė
Lietuvių kalbos institutas
P. Vileišio g. 5, LT-10308 Vilnius
E. paštas [email protected]
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