Tarptautinė jungtinė Lietuvių terminologijos forumo (LTF) ir Lietuvių kalbos instituto konferencija „Moksliniai, administraciniai ir edukaciniai terminologijos lygmenys“
Full text
Internationale gemeinsame Konferenz des Litauischen Terminologieforums (LTF) und des Instituts für die litauische Sprache Wissenschaftliche, administrative und bildungsbezogene Ebenen der Terminologie
VITALIJA ŠPOKIENĖ
Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission
EGIDIJUS ZAIKAUSKAS
Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission
Am 4. und 5. Juni fand im Konferenzsaal des III. Seimas-Gebäudes in Vilnius (Gedimino pr. 53) die internationale wissenschaftliche Konferenz zur Terminologie Wissenschaftliche, administrative und bildungsbezogene Ebenen der Terminologie statt. Organisiert wurde die Konferenz vom Terminologiezentrum des Instituts für die litauische Sprache, der Koordinierungsgruppe des Litauischen Terminologieforums (LTF), der Abteilung für litauische Sprache der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission (GDÜ), der Kanzlei des Seimas der Republik Litauen, der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache, der Abteilung für litauische Sprache der Übersetzungsdirektion des Generalsekretariats des Rates der Europäischen Union sowie von „Infoterm“.
Die fünfte Konferenz des Litauischen Terminologieforums (LTF) ist eine Jubiläumskonferenz. Bereits zum fünften Mal kamen in einem Saal des litauischen Seimas Fachleute zusammen – Menschen, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit terminologischen Problemen auseinandersetzen und Lösungen dafür finden. Bei den früheren Konferenzen standen vor allem praktische Themen im Mittelpunkt. In diesem Jahr entstand jedoch die Idee, das Themenspektrum der fünften Konferenz zu erweitern. Der vom Terminologiezentrum des Instituts für die litauische Sprache unterbreitete Vorschlag, eine gemeinsame Konferenz des Litauischen Terminologieforums und des Instituts für die litauische Sprache zum Thema „Wissenschaftliche, administrative und bildungsbezogene Aspekte der Terminologie“ zu veranstalten, erwies sich als sehr interessant. Daher bestand die Konferenz in diesem Jahr aus zwei Teilen: Der erste Tag war der Erörterung theoretischer wissenschaftlicher Fragen der Terminologie gewidmet, der zweite den traditionellen praktischen Themen. Ziel dieses Überblicks ist es, die Arbeit der gemeinsamen Terminologiekonferenz zu erörtern.
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Am ersten Tag wurden 15 Vorträge gehört. Die Vortragenden waren eingeladene Gäste und Fachleute aus Litauen. Die Vorträge hielten Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern – neben den Gastgebern aus Litauen sprachen Gäste aus Österreich, Lettland, Ungarn, Spanien, Russland und Deutschland. Die Themen der Vorträge waren sehr breit gefächert – von der Analyse theoretischer Probleme der Terminologie und Sprachwissenschaft bis hin zur Erörterung praktischer Fragen.
Die wissenschaftliche Konferenz eröffnete und ein Grußwort sprach die litauische Ministerin für Bildung und Wissenschaft, Audronė Pitrėnienė. Sie erinnerte daran, dass die jährlich stattfindenden Konferenzen zur Terminologie der litauischen Sprache, bei denen theoretische und praktische Fragen erörtert werden, für die Entwicklung der Sprache und ihre alltägliche Verwendung sehr wichtig sind.
Den ersten Vortrag hielt der eingeladene Konferenzgast Georgas Löckinger von der Fachhochschule Oberösterreich. Das Thema des Professorenvortrags lautete „Terminologiearbeit – bewährte Praxis und was sich dahinter verbirgt“. Interessanterweise vertritt der Vortragende die österreichische Terminologieschule – eine sehr bedeutende Schule, deren Forschende (der Wiener Schule) als Begründer der Terminologiewissenschaft gelten. In seinem Vortrag betonte der Professor, wie wichtig engere Verbindungen zwischen der Terminologie und anderen verwandten Bereichen sind. Heute wird Terminologiearbeit von Fachleuten geleistet, es wurden Arbeitsstandards festgelegt und theoretische Diskussionen finden statt. In Zukunft wird es jedoch sehr wichtig sein, die Zusammenarbeit mit Vertretern verwandter Bereiche, etwa mit Softwareentwicklern, weiter zu fördern, denn eine solche Verbindung ist für die weitere Entwicklung unerlässlich. Der Professor führte ein konkretes Beispiel an: Bei der Analyse der Werkzeuge und Quellen, die Übersetzer bei ihrer Arbeit verwenden, stellte er fest, dass sie sich meist auf Translation Memories und Terminologiedatenbanken stützen, jedoch in Übersetzungsprogramme integrierte Korpora vermissen. Große Organisationen sind mit diesem Mangel natürlich seltener konfrontiert, selbstständige Übersetzer hingegen haben diesen Bedarf. Es wäre sehr hilfreich, wenn die Entwickler von Übersetzungsprogrammen von diesem Bedarf wüssten. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ist daher wichtig, und ihr Bedarf wird in Zukunft nur noch wachsen.
Als Nächstes sprach der Gast aus Lettland, Juris Baldunčikas (Hochschule Ventspils). Er erörterte die Tendenzen der lettischen Terminusbildung, nämlich die ursprüngliche und die sekundäre Benennung. Der Professor führte interessante Beispiele aus der Geschichte der lettischen Terminusbildung an und stellte fest, dass die deutsche und die russische Sprache die Terminusbildungsprozesse stark beeinflusst haben. Den Anwesenden ist, glaube ich, eines der vom Professor angeführten Beispiele in Erinnerung geblieben: die Entsprechungen des Wortes hotdog im Litauischen und Lettischen. Die litauische Entsprechung dešrainis,
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ist laut dem Professor das Ergebnis einer eingehenderen Analyse des Begriffs. Wie sich herausstellt, haben die Letten keinen derart treffenden Terminus. Bei der Bildung von Termini ist es wichtig, die Möglichkeiten der Terminusbildung genau auszuloten, die Begriffe gründlicher zu analysieren und assoziatives Denken einzusetzen.
Eine Analyse zu einem sehr wichtigen und interessanten Thema, nämlich zu einigen theoretischen Aspekten der Synonymie von Termini, stellte Asta Mitkevičienė vom Institut für Litauische Sprache vor. In ihrem Vortrag wurden Typen systemischer (nicht kontextueller) Synonyme erörtert, die nach der Struktur der Termini, den Sprachebenen und dem Wortstamm der Termini unterschieden werden. Die Vortragende hob hervor, dass bei der Untersuchung der Synonymie von Termini Schwierigkeiten bei deren Erkennung und Auswahl auftreten. Fragen der terminologischen Synonymie erwiesen sich als äußerst aktuell – darüber sprach später auf der Konferenz auch die Doktorin Rasuolė Vladarskienė von der Technischen Universität Vilnius Gediminas. Sie präsentierte interessante und aktuelle Überlegungen zu entlehnten und litauischen Wirtschaftstermini. Die Vortragende erläuterte ausführlich die theoretischen Aspekte dieses Problems und kam zu dem Schluss, dass zwischen synonymen Termini ein ständiger, erbitterter Wettbewerb herrscht. Dies ist ein fortwährender Zustand der Terminologie, denn es entstehen neue Phänomene, für die passende Termini gesucht werden. In der litauischen Wirtschaftsterminologie gibt es zahlreiche Terminusvarianten; es fehlt an einem umfangreicheren originären erklärenden Wörterbuch der Wirtschaftsterminologie, und die schon vor längerer Zeit erarbeiteten Wörterbücher der Wirtschaftsterminologie sollten aktualisiert und ergänzt werden.
Das Lettland gewidmete Konferenzthema wurde in der Vormittagssitzung von der Gästin Anita Butanė vom Institut für Lettische Sprache der Universität Lettlands fortgeführt. Ihr Vortrag trug den Titel „Die Rolle der Terminologie in Bildungsprozessen: Bildung und Abstimmung sprachwissenschaftlicher Termini in Lettland zu Beginn des 20. Jahrhunderts“. Die Vortragende hielt ihren Vortrag auf Litauisch. Es war interessant, die umfassendere Geschichte der lettischen sprachwissenschaftlichen Termini kennenzulernen und die sehr einfallsreichen lettischen Bezeichnungen für Satzzeichen zu erfahren (Punkt – graudiņš „Körnchen“, Komma – skabarga „Splitter“). Auf den Vortrag der Gästin aus Lettland folgte der Vortrag von Regina Kvašytė von der Universität Šiauliai über eine Untersuchung desselben Bereichs, nämlich einen kontrastiven Vergleich sprachwissenschaftlicher Termini im Litauischen und Lettischen. Die Vortragende verglich die sprachwissenschaftlichen Termini beider Sprachen und versuchte, die Gebrauchstendenzen, charakteristischen Merkmale und Muster der Termini zu bestimmen.
Zum Abschluss der ersten Konferenzsitzung wurde der Vortrag von Robertas Stunžinas vom Institut für Litauische Sprache über litauische Entsprechungen des Terminus sustainability gehört. Dieses Thema ist für Übersetzer in der Praxis tatsächlich von außerordentlicher Aktualität. Dem englischen Terminus entsprechen fast zwei Dutzend litauische Entsprechungen. Eine solche Vielfalt könnte nach Ansicht des Autors auf die Unschärfe der Begriffe, die Suche nach genaueren Entsprechungen sowie die Polysemie des englischen Terminus und seines Grundworts zurückzuführen sein-
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…lichkeit. Eine solche Untersuchung ist für Übersetzer sehr wichtig, die diesem Begriff häufig begegnen. Es ist hilfreich, sich mit einer ausführlichen Analyse vertraut zu machen, das Spektrum der Bereiche und die Tendenzen zu betrachten und alle möglichen Bedeutungsnuancen zu klären.
Die Nachmittagssitzung der wissenschaftlichen Konferenz eröffnete der Gastreferent Klaus-Dirk Schmitz von der Technischen Hochschule Köln. Das Thema seines Vortrags waren Fachbegriffe in Texten und die Schwierigkeiten, die sie für die terminologische Arbeit mit sich bringen. Anhand interessanter Beispiele sprach der Referent sehr anschaulich und klar über die auf Begriffsanalysen gestützte terminologische Arbeit, die Bedeutung der Autonomie von Fachbegriffen und die Extraktion von Fachbegriffen aus Texten.
Am Nachmittag war der größte Teil der Konferenzvorträge konkreten Forschungsarbeiten gewidmet.
Ein Vortrag über Werkzeuge für die automatisierte Terminografie wurde angehört (Autoren des Vortrags: Erika Rimkutė, Loïc Boizou und Jolanta Kovalevskaitė von der Vytautas-Magnus-Universität). Der Referent L. Boizou sprach Litauisch; es war sehr interessant, von den laufenden Forschungsarbeiten zu hören und zu erfahren, dass die Werkzeuge online verfügbar sein werden.
Ágota Fóris von der Károly-Gáspár-Universität hielt einen Vortrag über die Erstellung einer englisch-ungarischen Datenbank zur Laserphysik. Wir erfuhren, dass ein umfangreiches Wörterbuch der Laserphysik (mit etwa 5000 Fachbegriffen) in englischer und ungarischer Sprache erstellt worden war. Die Referentin sprach über die Arbeit an der Erstellung des Wörterbuchs, die Zusammenarbeit zwischen Linguisten und Fachexperten sowie über Zukunftspläne.
Ricardas Eito-Brunas von der Universität Madrid Carlos III stellte eine sehr interessante, auf bibliometrischer Analyse beruhende Untersuchung vor. Untersucht wurden wissenschaftliche Texte der Weltraumagentur sowie die Häufigkeit der verwendeten Fachbegriffe. Der Autor erläuterte ausführlich, wie die Fachbegriffe zusammengestellt wurden, auf deren Grundlage visuelle Karten wissenschaftlicher Forschung erstellt wurden.
Elena Logunova von der Staatlichen Technischen Universität Kaliningrad sprach über die Terminologie des wirtschaftlichen Computerdiskurses und stellte deren Analyse vor.
In ihrem Vortrag „Über Abkürzungen (und nicht nur über sie) in Rechtsakten“ fasste Daiva Nenartavičiūtė vom Finanzministerium die praktischen Probleme beim Gebrauch von Abkürzungen zusammen: ihre Einführung und ihre Gültigkeit im jeweiligen Rechtsakt. Sie erörterte Fälle, in denen es besser ist, statt Abkürzungen Fachbegriffe oder Oberbegriffe zu verwenden, und gab Empfehlungen, wie sich die auftretenden Probleme vermeiden lassen.
Valerijonas Žalkauskas von der Universität Vilnius sprach über große polytechnische Wörterbücher und deren Erstellung. Wörterbücher dieser Art sind ein umfangreiches Unterfangen, bei dem zahlreiche Fragen zur Bearbeitung mehrdeutiger Fachbegriffe und andere komplexe terminografische Probleme gelöst werden müssen.
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Neben diesen praktischen Vorträgen sprachen Egidijus Zaikauskas und Audra Ivanauskienė in der Nachmittagssitzung über das One-Stop-Shop-System als Instrument zur Abstimmung der Terminologie komplexer Dokumente der Europäischen Union (die erste Anfrage ging Anfang 2011 ein, bis März 2015 wurden 143 Anfragen gestellt); die Vortragenden wiesen auf die auftretenden Probleme und Schwierigkeiten hin und freuten sich zugleich über die im Laufe von fünf Jahren erzielten Ergebnisse.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der erste Teil der gemeinsamen Konferenz eine hervorragende Einführung in das Treffen am zweiten Konferenztag bildete. Wir hörten zahlreiche interessante und vielfältige Vorträge, die allen Anwesenden ermöglichten, den breiteren Kontext zu erfassen, sich mit den Forschungsarbeiten der Wissenschaftler vertraut zu machen und sich erneut davon zu überzeugen, dass gegenseitiger Nutzen nur durch fortwährende enge Zusammenarbeit erzielt werden kann.
Am zweiten Konferenztag fasste Vitalija Špokienė (Europäische Kommission) vor dem Mittagessen die Arbeit des ersten Konferenztags zusammen. Es wurden vier Vorträge gehalten, und am Nachmittag fanden die traditionellen Diskussionsrunden statt.
Arūnas Butkevičius, Leiter der Abteilung Litauische Sprache in der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission und Vorsitzender des Forums für litauische Terminologie, gab einen Überblick über die Ergebnisse der Tätigkeit des LTF in den Jahren 2011–2015. In dieser Zeit fanden fünf LTF-Konferenzen statt, bei denen mehr als 700 Teilnehmende Vorträge hörten und aktuelle Fragen der Terminologie diskutierten. Es wurden vier Terminologieseminare für Expertinnen und Experten aus Litauen veranstaltet (eines gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Bank von Litauen); an litauischen Universitäten wurden Vorlesungen zur Terminologietheorie gehalten und praktische Seminare durchgeführt. Das LTF trägt dazu bei, engere Beziehungen zwischen Übersetzerinnen und Übersetzern der EU und Expertinnen und Experten aus Litauen zu knüpfen: Zahlreiche Expertinnen und Experten, die Mitglieder des LTF sind, beraten EU-Übersetzerinnen und -Übersetzer zu Terminologiefragen, wirken an Fachterminologieprojekten mit, halten Vorträge aus ihrem Fachgebiet für Übersetzerinnen und Übersetzer und unterbreiten Vorschläge zu terminologischen Anfragen über das One-Stop-Shop-System (VLS). Das LTF trägt außerdem dazu bei, die Stellung der Terminologie als Wissenschaft zu stärken und ihr Ansehen als Lehrfach an litauischen Universitäten zu erhöhen. Seit der ersten Konferenz im Juni 2011 ist die Zahl der LTF-Mitglieder von 70 auf 120 gestiegen; über die Tätigkeit des Forums wurde in der Presse der Republik Litauen berichtet sowie im Rundfunk und Fernsehen der Republik Litauen erzählt. Die Website des LTF http://ec.europa.eu/translation/lithuanian/ltf/index_lt.htm1 ist zu einem wichtigen Medium für die Verbreitung terminologischer Informationen geworden.
1 Auf der Website des LTF findet sich außerdem ein Bericht über die fünfte Konferenz des Forums für litauische Terminologie, ergänzt durch Zusammenfassungen einiger Vorträge, Präsentationsfolien und weiteres terminologisches Material.
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Einen Vortrag über die Lage der Terminologie in Litauen, die wissenschaftliche Terminologieforschung, terminologische Standardisierungsprozesse und die Lehre der Terminologie an Hochschulen hielt Dr. Albina Auksoriūtė, Leiterin des Terminologiezentrums des Instituts für Litauische Sprache. Die Vortragende sprach über die terminologische Standardisierung in Litauen, die Tätigkeit des Terminologiezentrums des LKI und des Terminologie-Unterausschusses der VLKK sowie die Erstellung von Terminologiewörterbüchern. Sie stellte die wichtigsten litauischen Terminologiedatenbanken vor und untersuchte die aktuelle Lage der Terminologielehre in Litauen. Die Vortragende unterstrich den Status der Terminologie als Metawissenschaft, die Notwendigkeit, dass Studierende an litauischen Universitäten den angemessenen Fachwortschatz ihres Gebiets anwenden lernen und sich mit den Grundlagen der Terminologie vertraut machen, und wies zudem darauf hin, wie wichtig es ist, dass litauische Wissenschaftler ihre Ideen auf Litauisch veröffentlichen.
Ieva Panavaitė und Indrė Mockaitytė, Juristinnen-Linguistinnen des Rates der EU, betonten in einer Fernsehschaltung aus Brüssel die wichtige Rolle der Juristinnen und Juristen-Linguisten des Rates bei der Prüfung von Entwürfen für Rechtsakte der EU. Die Juristinnen und Juristen-Linguisten der EU-Institutionen bilden das letzte Glied in der Qualitätssicherungskette für EU-Rechtsakte und sind außerdem dafür verantwortlich, rechtliche Folgen aufgrund fehlerhafter Übersetzungen zu vermeiden. Die Vortragenden erläuterten die Besonderheiten ihrer Arbeit und die Probleme, mit denen sie am häufigsten befasst sind, sowie was Juristinnen und Juristen-Linguisten in Entwürfen für EU-Rechtsakte ändern und was sie nicht ändern. Die Rednerinnen erinnerten daran, dass die Fassungen der EU-Rechtsakte in allen Amtssprachen der EU die gleiche Rechtskraft haben; deshalb wird darauf geachtet, dass ihre Terminologie die Begriffe möglichst einheitlich wiedergibt. Außerdem wurde daran erinnert, dass in neuen EU-Rechtsakten korrekt verwendete Termini aus früheren EU-Rechtsakten Vorrang haben und nationale Rechtsterminologie – in diesem Fall die Terminologie des Rechts der Republik Litauen – vermieden wird.
Den Vortrag der Juristinnen-Linguistinnen des Rates der EU ergänzte Laima Mašalaitė-Chouteau, Juristin-Linguistin des Europäischen Parlaments, die kurz über die Besonderheiten der Arbeit der Juristinnen und Juristen-Linguisten des EP berichtete.
Dr. Andrius Utka, Leiter des Zentrums für Computerlinguistik (KLC) der VDU, gab einen ausführlichen Überblick über computergestützte Werkzeuge, die sich für die Suche, Auswahl und Analyse terminologischer Daten eignen und eigens dafür entwickelt wurden. Laut dem Vortragenden finden sich benötigte terminologische Informationen nicht nur in Terminologiewörterbüchern und -datenbanken, wissenschaftlichen Artikeln, Rechtsakten und technischen Beschreibungen, sondern auch in sozialen Netzwerken und Blogs. Die Suche nach solchen Informationen nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch; daher eignen sich für spezialisierte terminologische Arbeiten besser eigens dafür entwickelte
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Hilfsmittel, beispielsweise Terminologieverwaltungssysteme wie „AnyLexic“, „MemoQ“, „Multiterm TRADOS“ usw. Spezielle Programme werden auch zur Extraktion von Termini aus Texten verwendet. Der Referent stellte eine von dem von ihm geleiteten Zentrum durchgeführte Studie zur automatisierten Erfassung von Bildungs- und Wissenschaftsterminologie vor, die ausführlich in der von KLC-Mitarbeitern verfassten Monografie Lietuvių kalbos terminų automatinis atpažinimas ir apibrėžimas (2015) beschrieben ist.
Nach dem Mittagessen diskutierten die Konferenzteilnehmer in nach Interessen zusammengestellten Gruppen in den traditionellen Diskussionsrunden.
In der von Dr. A. Auksoriūtė (LKI) und A. Ivanauskienė (VLKK) geleiteten Diskussionsrunde wurde über die Lage der Terminologie und der Bildung in Litauen diskutiert: über die wissenschaftliche Terminologieforschung, den Terminologieunterricht an litauischen Hochschulen sowie das Verhältnis zwischen Fachwissen, allgemeinen linguistischen Kenntnissen, Kenntnissen der Muttersprache und speziellen Terminologiekenntnissen bei der Ausbildung von Fachkräften. Ein kurzes Referat über die Lage der akademischen litauischen Sprache hielt Dr. Daiya Vaišnienė (VLKK). Sie informierte die Teilnehmer der Runde über eine von der VLKK durchgeführte Untersuchung zur Korrektheit des Litauischen im Hochschulbereich, deren Ergebnisse alles andere als erfreulich sind. Die Diskussionsteilnehmer berieten darüber, wie litauische Wissenschaftler, Hochschullehrende und Studierende dazu ermutigt werden könnten, sich stärker um die litauische Sprache und die korrekte Verwendung der Terminologie ihres Fachgebiets zu kümmern. Die Kollegen der VLKK unterbreiteten ihre Vorschläge.
Eine Diskussionsrunde war der Erörterung rechtsterminologischer Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Institutionen der Europäischen Union und der Republik Litauen gewidmet. Die Diskussion wurde von Ieva Mainardi (Europäisches Parlament) und Dr. Aukšė Razanovaitė (Justizministerium) geleitet; per Videokonferenz beteiligten sich auch Kollegen des Rates der EU und des Europäischen Parlaments. Zunächst wurden die Diskussionsteilnehmer gefragt, ob der Ausdruck teisės terminologija möglich sei. Man einigte sich jedoch darauf, dass im Litauischen zwischen den Begriffen terminija und terminologija zu unterscheiden ist. Daher kann man von teisės terminus, teisės terminiją sprechen, während der Ausdruck teisės terminologija keinen Begriff bezeichnet. Anschließend wurde über die Notwendigkeit einer einheitlichen Terminologie nicht nur innerhalb eines einzelnen Rechtsakts, sondern auch über die Abstimmung der Termini der Institutionen der EU und der Republik Litauen sowie über verschiedene weitere rechtliche und rechtslinguistische Aspekte der Terminologie diskutiert.
Anknüpfend an das Thema des Vortrags von Dr. A. Utka wurde in der dritten Diskussionsrunde über den Einsatz, den Nutzen, die Möglichkeiten und die Hindernisse beim Gebrauch von Computerwerkzeugen für die Terminologieverwaltung diskutiert. Die Diskussionsleiter Dr. A. Utka (VDU) und E. Zai-kauskas (Europäische Kommission) stellten mehrere Werkzeuge zur Verwaltung und Analyse von Texten und Terminologie vor: eine sehr einfache, mit „Microsoft Word“ funktionierende Makro-
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anwendung „Šluota“2 zur Verwaltung von Korrekturzeichen sowie das komplexe und teure Modul „Multiterm“ von „SDL TRADOS“. Es wurde darüber gesprochen, welche vielfältigen Möglichkeiten zum Sammeln, Speichern, Verwalten und Analysieren von Termini gewöhnliche, auf vielen Computern installierte Computerprogramme und Systeme wie „Google“, „MS Excel“, „MS Access“ usw. bieten. Dabei zeigte sich, dass die meisten Diskussionsteilnehmer für die Terminologiearbeit Standardprogramme verwenden und nur wenige spezialisierte Terminologiewerkzeuge einsetzen – und auch dies nur, wenn solche Werkzeuge vom Arbeitgeber, gewöhnlich einer großen Institution, bereitgestellt werden.
In der Diskussionsrunde zu aktuellen Fragen der Terminologie in Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft (Moderatoren: Zigmas Medingis (Landwirtschaftsministerium) und Rita Dedonienė (Europäische Kommission)) erörterten die Konferenzteilnehmer konkrete Begriffe aus Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft und die Frage, mit welchen litauischen Termini sie bezeichnet werden sollten. Besprochen wurden unter anderem die Termini miškų ūkis vs. miškininkystė, sužvejotas žuvų kiekis vs. laimikis, valstybės parama vs. valstybės pagalba, sandėliavimas vs. saugojimas. Diskutiert wurde über den Ausdruck vaisių (daržovių, pieno) vartojimo skatinimo mokyklose programa; außerdem wurde erörtert, wann der englische Terminus scheme mit schema, wann mit programa und wann mit sistema zu übersetzen ist. Ferner wurde die Hierarchie der Begriffe erörtert, die durch die litauischen Terminusbestandteile vietovė, teritorija, zona ir rajonas bezeichnet werden. Auch die Art terminologischer Fehler in Rechtsakten und deren Korrektur wurden thematisiert.
Das Schlusswort sprach Dr. D. Vaišnienė, die auch die Konferenz zusammenfasste. Die Vorsitzende der VLKK betonte, dass das Litauische Terminologieforum nicht nur für die litauische Terminologie, sondern für die gesamte litauische Sprache von Bedeutung ist und dass das Forum zur Gestaltung der Sprachpolitik nicht nur in den EU-Institutionen und den litauischen Behörden, sondern auch in den litauischen Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen beiträgt. Die Rednerin bedauerte, dass Internationalisierung und Globalisierung den Gebrauch des Litauischen als Amtssprache allmählich, aber sehr stetig einschränken. Die Neigung litauischer Wissenschaftler, die Ergebnisse ihrer Forschung (Artikel, Monografien, Dissertationen) nicht auf Litauisch zu veröffentlichen, wirkt sich auf die litauische Terminologie aus. Die litauische Sprache wird allmählich auch aus dem Unterricht verdrängt, wodurch die Kluft zwischen Fachleuten und der Gesellschaft wächst. Die Vorsitzende der VLKK betonte, dass die litauische Terminologie nicht allein Sache der Sprachwissenschaftler sein sollte
2 Sie kann kostenlos von der Website des LTF heruntergeladen werden http://ec.europa.eu/translation/lithuanian/ltf/index_lt.htm – der Link zur archivierten Datei findet sich im Überblick über die 5. LTF-Konferenz.
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Auch die Staatliche Kommission für die litauische Sprache (VLKK) und das Litauische Terminologieforum sind ein gutes Beispiel für gemeinsames Engagement für die Belange der litauischen Terminologie. Das LTF ist ein wichtiges Netzwerk Gleichgesinnter, denen die Belange der litauischen Terminologie und das Schicksal der litauischen Sprache am Herzen liegen; es verbreitet die Ideen einer kohärenten litauischen Terminologie und einer starken Staatssprache unter Fachleuten und in der breiten Öffentlichkeit.
Eingegangen am 22.07.2015
Vitalija Špokienė Europos Komisija Bâtiment Jean Monnet C3/115, rue Alcide de Gasperi, L-2920 Luxembourg, Luxembourg E. paštas [email protected]
Egidijus Zaikauskas Europos Komisija Bâtiment Jean Monnet C3/115, rue Alcide de Gasperi, L-2920 Luxembourg, Luxembourg E. paštas [email protected]
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