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Naujieji avalynės pavadinimai

Aušra Rimkutė-Ganusauskienė

Abstract

    The article is aimed at determining the origins of 47 names of contemporary footwear found in the “Database of Lithuanian Neologisms”, discussing their expression, and unveiling the peculiarities of their use. The majority of the names are neologisms that were created not by footwear experts or linguists; we will not find them in any official recommendations for language use or terminological dictionaries. they are used mostly by stylists, journalists, and bloggers writing about fashion. the emergence of new names of contemporary footwear, their spread or non-adoption is a natural development of terminology.

Full text

doi.org/10.35321/term26-09 Neue Schuhbezeichnungen AUŠRA RIMKUTĖ-GANUSAUSKIENĖ Institut für Litauische Sprache ZUSAMMENFASSUNG Ziel dieses Artikels ist es, die Herkunft von 47 Schuhbezeichnungen zu bestimmen, die im Neologismen-Datenbank der litauischen Sprache gefunden wurden, ihre Ausdrucksformen zu erörtern und die Besonderheiten ihrer Verwendung aufzuzeigen. Fast alle Bezeichnungen sind Neuschöpfungen, die nicht von Schuhfachleuten oder Sprachwissenschaftlern geprägt wurden; in offiziellen Empfehlungen zum Sprachgebrauch oder in terminologischen Wörterbüchern sind sie nicht zu finden. Verwendet werden sie vor allem von Stylisten, Journalisten und Bloggern, die über Mode schreiben. Das Entstehen neuer Bezeichnungen für modernes Schuhwerk, ihre Verbreitung oder ihr Nichtdurchsetzen im Sprachgebrauch ist ein natürlicher Vorgang in der Entwicklung der Terminologie. SCHLÜSSELWÖRTER: Modebegriff, Schuhwerk, Schuhbezeichnung, Bekleidungsbegriff, Neologismus, Datenbank. ABSTRACT Der Artikel hat zum Ziel, die Herkunft von 47 Bezeichnungen für modernes Schuhwerk zu bestimmen, die in der Datenbank der litauischen Neologismen gefunden wurden, ihre Ausdrucksformen zu erörtern und die Besonderheiten ihrer Verwendung aufzuzeigen. Bei der Mehrheit der Bezeichnungen handelt es sich um Neologismen, die nicht von Schuhfachleuten oder Sprachwissenschaftlern geprägt wurden; sie sind in keinen offiziellen Empfehlungen zum Sprachgebrauch oder terminologischen Wörterbüchern zu finden. Verwendet werden sie vor allem von Stylisten, Journalisten und Bloggern, die über Mode schreiben. Das Entstehen neuer Bezeichnungen für modernes Schuhwerk, ihre Verbreitung oder ihr Nichtdurchsetzen ist eine natürliche Entwicklung der Terminologie. SCHLAGWÖRTER: Modebegriff, Schuhwerk, Schuhbezeichnung, Bekleidungsbegriff, Neologismus. EINLEITENDE BEMERKUNGEN Archäologische Ausgrabungen zeigen, dass Kleidung bereits in den frühesten Entwicklungsphasen des Menschen aufkam. Es wird angenommen, dass einer der Hauptgründe, die den Menschen dazu veranlassten, sich mit etwas zu bedecken, das ungünstige Klima war (Ogijienė, Šakienė 1995: 19). Ein besonders wichtiger Teil der Kleidung war das Schuhwerk. Im Laufe der Jahrhunderte veränderte es sich. Heute schützt Schuhwerk nicht nur die Füße, sondern spiegelt auch die Individualität des Menschen, seine Beziehung zur Mode und seine künstlerische Weltsicht wider, 184 Aušra Rimkutė-Gan ausauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai trägt dazu bei, sich von anderen abzuheben. Seit jeher wird es „aus verschiedenen Materialien hergestellt: Leder, Holz, Kork, Gewebe, Flachs, Hanf, Jute, Wolle und anderen“ (VLE 2019) und vielfältig verziert. Schuhwerk mit komplexerer Konstruktion wird als Schuhwerk bezeichnet. Somit ist der Begriff Schuhwerk weiter gefasst als der Begriff Schuhe; außerdem umfasst er auch seit ältester Zeit hergestellte Vorläufer des Schuhwerks – Bastschuhe, Fellschuhe, Holzschuhe, Überschuhe, Strümpfe, Sandalen, verschiedene Schuhe, Halbschuhe usw. (Näheres siehe den Artikel über Schuhwerk in VLE 2019). Die Terminologie des Schuhwerks wurde von Sprachwissenschaftlern vergleichsweise wenig untersucht. Über Schuhwerkbezeichnungen deutschen Ursprungs hat Danutė Sabaliauskaitė (jetzt Liutkevičienė) geschrieben. 1995 erschien in Lietuvių kalbotyros klausimuose ihr Artikel „Vokiškos kilmės drabužių ir apavo pavadinimai lietuvių kalboje“ (Sabaliauskaitė 1995: 100–120). Informationen zum Wortschatz des Schuhwerks finden sich in dem Buch des Sprachwissenschaftlers Algirdas Sabaliauskas Lietuvių kalbos leksika (Sabaliauskas 1990). In der Zeitschrift Lietuvos archeologija erschien der Artikel „Senojo odinio apavo terminija“ des Archäologen und Restaurators Arūnas Puškorius (Puškorius 2007: 229–256). Einzelne Anmerkungen zu Schuhwerktermini haben Jonas Šukys (1993: 14), Pranas Kniūkšta (2001: 550–551) und andere verfasst. Die meisten Schuhwerkbezeichnungen finden sich in terminologischen Wörterbüchern: im Rusų–lietuvių kalbų prekių žodyne (1996) von Juozas Pričinauskas und im Aprangos žodyne: lietuvių–anglų–vokiečių–prancūzų–rusų kalbų aprangos žodyne (2002), im Aiškinamajame aprangos terminų žodyne: daugiau nei 6000 terminų lietuvių, anglų, vokiečių, prancūzų ir rusų kalbomis (2014) von Stanislovas Algimantas Ratautas, Eugenija Strazdienė und Ada Gulbinienė; außerdem in Normen: im Lietuvos standarte LST EN 1222: 2000. Avalynė. Avalynės ir jos komponentų kondicionavimo ir bandymo standartinės atmosferos sąlygos und im Lietuvos standarte LST EN ISO 19952: 2005. Avalynė. Žodynas. Einzelne Schuhwerktermini finden sich auch im Aiškinamajame tekstilės terminų žodyne: su vokiečių, anglų, prancūzų ir rusų kalbų atitikmenimis (2001), im Sporto terminų žodyne (2002) von Stanislovas Stonkus und anderen. Am Institut für Litauische Sprache wird seit Ende 2011 die internetbasierte Lietuvių kalbos naujažodžių duomenynas (im Folgenden Naujažodžių duomenynas, http://naujažodziai.lki.lt)) aufgebaut. Sie ist eine der wichtigsten und interessantesten fortlaufend erweiterten Ressourcen zur modernen litauischen Sprache, die unter anderem hinsichtlich Herkunft, Normierung und Semantik untersucht werden kann. Darin wird, wie die Initiatorin der Datenbank, die Sprachwissenschaftlerin Rita Miliūnaitė, schreibt, der neue Wortschatz des 21. Jahrhunderts gesammelt, der die lexikalischen und semantischen Entwicklungen der litauischen Sprache in den vergangenen Jahrzehnten widerspiegelt, Terminologija | 2019 | 26 185 morfeminės, dar ybinės struktūros pokyčius (Miliūnaitė 2018: 1–2). Naujažodžių duomenyne galima rasti ir įvairių sričių naujų vartosenoje atsiradusių terminų, jų apibrėžčių ir kitų semantikos paaiškinimų, atitikmenų kitomis kalbomis, sinonimų bei autentiškų vartosenos pavyzdžių su šaltinių nuorodomis. Ziel dieses Artikels ist es, die in der Naujažodžių duomenyne verzeichneten neuen Schuhwerkbezeichnungen zu erörtern. Als neue Schuhwerkbezeichnungen gelten Wörter, die weder im Lietuvių kalbos žodyne, Dabartinės lietuvių kalbos žodyne und Bendrinės lietuvių kalbos žodyne erwähnt werden, sowie in einigen Fällen neue Wortbedeutungen, die in diesen Quellen nicht verzeichnet sind. Zur Erreichung dieses Ziels wurden folgende Aufgaben festgelegt: 1) die neuen Schuhwerkbezeichnungen zu inventarisieren, 2) das Verhältnis zwischen litauischen, entlehnten und gemischtstämmigen Bezeichnungen zu bestimmen, 3) die vorherrschenden Wortbildungstypen zu erörtern und 4) die Besonderheiten der Entstehung der neuen Schuhwerkterminologie aufzuzeigen. Die Schuhwerkbezeichnungen wurden ermittelt, indem die Stichwörter der Datenbank der Reihe nach durchgesehen wurden. Zum Stand vom 23. Dezember 2018 umfasste sie etwa 4.900 Stichwörter und rund 19.000 Belegbeispiele (http://nauja zodziai.lki.lt/?Apie_duomenyną). Gegenstand des Artikels sind 47 neue Schuhwerkbezeichnungen (38 verschiedene Bezeichnungen und ihre Synonyme), die vorwiegend mit beschreibend-analytischen und vergleichenden Methoden untersucht werden. Die in der Naujažodžių duomenyne gefundenen neuen Schuhwerkbezeichnungen werden im Artikel jeweils in einer neuen Zeile, in Großbuchstaben und alphabetischer Reihenfolge gesetzt und durch Sperrsatz hervorgehoben. Bei der Erörterung der Schuhwerkbezeichnungen stützt sich die Untersuchung auf terminologische Wörterbücher und die dort angegebenen Definitionen. Wo eine Schuhwerkbezeichnung in terminologischen Wörterbüchern fehlt, wird auf die Beschreibung in der Datenbank zurückgegriffen. Bei der Untersuchung der Schuhwerkbezeichnungen wird außerdem berücksichtigt, was darüber von Schuhwerkinteressierten, Journalisten und Stylisten geschrieben wird. Quantitative Angaben werden in Abbildungen dargestellt. AUSDRUCKSFORMEN NEUER SCHUHBEZEICHNUNGEN Nach ihrer Herkunft lassen sich neue Schuhbezeichnungen in 1) eigene, d. h. litauische, Herkunft, 2) fremder Herkunft, d. h. aus anderen Sprachen entlehnte Wörter, und 3) gemischter Herkunft, oder hybride Bezeichnungen (mit Bestandteilen aus anderen Sprachen) einteilen (siehe Abb. 1). Den größten Anteil der im Neologismen-Datenbank gefundenen Schuhbezeichnungen bilden Bezeichnungen fremder Herkunft (51%); am wenigsten wurden, wie aus Abbildung 1 ersichtlich, Bezeichnungen gemischter Herkunft gefunden (21%). 186 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai Abb. 1. Verteilung neuer Schuhbezeichnungen nach Herkunft Bezeichnungen litauischer Herkunft Insgesamt wurden in der Neologismen-Datenbank 13 Schuhbezeichnungen rein litauischer Herkunft gefunden (28%, Abb. 1). Eine davon besteht aus zwei Wörtern, die übrigen aus einem. Letztere Schuhbezeichnungen sind, wie die Beispiele zeigen werden, Präfix- oder Suffixableitungen sowie Zusammensetzungen. Überschuhe. Im Erklärenden Wörterbuch der Bekleidungsfachbegriffe (im Folgenden AATŽ), herausgegeben von S. A. Ratautas, E. Strazdienė und A. Gulbinienė, bezeichnet diese Ableitung mit dem eigenen litauischen Präfix ant- Schuhe, die über anderem Schuhwerk getragen werden, um vor Kälte, Feuchtigkeit und Schmutz zu schützen oder beispielsweise Fußböden vor Verschmutzung zu bewahren (AATŽ 2014: 21). Die Neologismen-Datenbank führt für diesen Begriff zwei Bedeutungen an: Die erste stimmt mit der Bedeutung im bereits erwähnten Wörterbuch überein, die zweite lautet „kurze Gamaschen, die über die Schuhe gezogen werden“. Der litauische Terminus antbačiai mit der Bedeutung „über dem Schuhwerk getragener Schutzschuh“ wird anstelle der Fremdwörter bachilai, bachilos (russ. бахилы)1 verwendet, die zweite Bedeutung anstelle des Fremdworts getrai (russ. гетры <franz. guêtres)2. 1 Die Entlehnung bachilai ist im Datenbestand zum Gebrauch terminologischer Bezeichnungen der Seefahrt zu finden. Dort wird sie als nicht zu verwenden eingestuft. In den 1992 erschienenen Terminologischen Korrekturen gilt sie als Fremdwort und wird durch die Wortverbindung Fischerstiefel ersetzt (TT 1992: 21). Im AATŽ findet sich diese Entlehnung nicht; dort wird jedoch der Terminus pušnys angegeben, dessen zweite Bedeutung lautet: „spezielle hohe, bisweilen hosenartige Stiefel, die beim Angeln, Reiten usw. getragen und am Gürtel oder an Hosenträgern befestigt werden; verwandt mit puškėti – durch Wasser waten, puškuoti – mühsam waten; auch Wathosen genannt“ (AATŽ 2014: 351). 2 Das Wort getrai finden wir in VLE 2019; Interleksis 2003; VaitkTŽŽ 2003. Es ist im Wörterbuch der litauischen Sprache, Wörterbuch der heutigen litauischen Sprache (im Folgenden DŽ; angegeben wird die Singularform getras „Gamasche; Überschuh“) verzeichnet Terminologija | 2019 | 26 187 Im Wörterbuch der litauischen Sprache (im Folgenden LKŽ) ist das Wort antbačiai nicht verzeichnet; in dieser Bedeutung wird jedoch das in schriftlichen Quellen belegte Wort antkurpiai verwendet: „Stoffschuhwerk, das über den Schuhen befestigt wird, Gamasche, Beinschutz“: Viele tragen, damit die Füße nicht frieren, antkurpiai rš. Der Terminus antkurpiai in der Bedeutung „Schuhwerk aus Stoff oder Leder, das über einem Herrenschuh befestigt und von Militärangehörigen und Zivilisten getragen wird“ wird im Illustrierten Glossar (IŽ 2015: 435) aufgeführt. Er wird bei der Beschreibung von Schuhwerk des frühen 19. bis 20. Jahrhunderts verwendet. Bemerkenswert ist, dass im Buch zur Modegeschichte Mode: von der Urzeit bis heute der Terminus blauzdinės in der Bedeutung „Schutzbekleidung für Beine und Schuhe, die ursprünglich aus Leder hergestellt wurde“ verwendet wird (TŽ 2014: 278)3. Im neuesten normativen Wörterbuch des litauischen Standardsprachgebrauchs (im Folgenden BŽ, http://bkz.lki.lt/) ist die Bedeutung „Schuhe“ nicht verzeichnet, vgl.: blauzdinė „Schutzstrumpf (gegen Kälte, Schürfwunden, Krampfadern u. Ä.) ohne Fußteil“ und blauzdinės „Leggings“. KILLERSCHUHE (engl. killer shoes). Diese zweigliedrige Bezeichnung wird in nicht fachsprachlichen Texten4 für eine Art von Schuhen mit hohen Absätzen5 verwendet – Schuhe mit sehr hohem Absatz, in denen das Gehen schwierig ist und man stürzen kann. Vermutlich wurden sie gerade deshalb metaphorisch benannt, indem den Schuhen die Eigenschaften eines Killers zugeschrieben wurden. Im AATŽ ist diese Bezeichnung nicht verzeichnet; Schuhe mit sehr hohem Absatz werden jedoch mit dem zweiteiligen Terminus aukštingakulnė avalynė bezeichnet, vgl. LKŽ aukštingas „viele hohe aufweisend, sehr hoch (von einem Gebäude)“. Im Neologismen-Datenbestand werden die Varianten batai-žudikai und bateliai-žudikai sowie die Synonyme killeriai (siehe Bezeichnungen englischen Ursprungs) und taksi batai (siehe Bezeichnungen gemischten Ursprungs) angegeben. In den Medien werden diese Schuhe auch aukštakulniai-žudikai6 genannt. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Varianten mit Bindestrich nicht korrekt sind, da nach den litauischen Rechtschreibregeln zwischen syntaktisch nicht gleichrangigen Substantiven kein Bindestrich gesetzt wird. ohne jegliche wertende Kennzeichnung. Das Wort findet sich in den eingangs des Artikels erwähnten Wörterbüchern von J. Prčinauskas (Prčinauskas 1996: 587; 2002: 36) mit dem Verweis siehe blauzdines. In der 2005 erschienenen Ausgabe des Buches Sprachratgeber Lexik: Gebrauch von Entlehnungen wurde das Wort getrai als nicht zu verwendendes Fremdwort eingestuft: „1. knielange Strumpfhosen (Strumpfhosen ohne Fußteil); 2. Strumpfhosen; 3. Überschuhe; 4. Sport: Stulpen“ (KP 2005: 53), 2013 als zu vermeidendes Fremdwort: „1. Stulpen; 2. Überschuhe; 3. Leggings“ (KP 2013: 31). In Sportterminologie-Wörterbüchern bezeichnet getrai knielange Socken ohne Fußteil (STŽ 1996: 171; 2002: 276). 3 Vgl. DŽ blauzdinė „Schutzstrumpf (gegen Kälte, Schürfwunden, Krampfadern u. Ä.) ohne Fußteil“. 4 Im Artikel wird die Bezeichnung „nicht fachsprachliche Stile“ für Texte des alltäglichen, künstlerischen und teilweise auch publizistischen Stils verwendet. 5 Der Terminus aukštakulniai ist in Wörterbüchern der Bekleidungsterminologie nicht verzeichnet, obwohl dieses Adjektiv im alltäglichen Sprachgebrauch substantivisch verwendet wird. 6 N. Bunkė hat sich Killerschuhe gekauft: Sie bittet um Rat. Online verfügbar: www.tv3.lt/naujiena/pramogos/975970/n-bunke-isigijo-aukstakulnius-zudikus-praso-patarimo [abgerufen am 2019-08-03]. 188 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai Diese Schuhbezeichnung dürfte in den Online- und Printmedien entstanden sein, weil es keine kurze, einwortige Bezeichnung für diese Art von Schuhwerk gibt. TSCHEZUTĖS. Diese Neubildung schlug der Sprachwissenschaftler Jonas Šukys bereits 1993 in češkės (russ. чешки) als Ersatz für die Fremdbezeichnung Gimtojoje kalboje vor: „In Kindergärten treiben die Kinder Sport und tanzen in bestimmten leichten Schuhen, den sogenannten čėškėmis. Üblicherweise wird die zweigliedrige Verbindung gimnastikos bateliai verwendet. Man könnte auch die Neubildung čėžutės vorschlagen, denn diese Schuhe knirschen beim Anziehen und Laufen“ (Šukys 1993: 14). Im AATŽ ist gimnastikos bateliai als Terminus verzeichnet (AATŽ 2014: 88). In der Broschüre Kalbos patarimų finden wir beim Wort čėžučės die Abkürzung šnek.. Die Neubildung wird also für die Umgangssprache, das heißt die nichtoffizielle Sprache, empfohlen; dem Terminus gimnastikos bateliai ist der Vorzug zu geben (KP 2005: 38). BŽ: čėžutė: 1. „leichter Schuh aus weichem Leder ohne Absatz für Gymnastik, Tanz u. Ä.; Syn. gimnastikos batelis“; 2. Pl. „ein Paar solcher Schuhe“. ĮSPIRTUKĖS. Dies ist ein leichter Sommerschuh zum Hineinschlüpfen. Diese litauische Schuhbezeichnung wurde aus dem Verb įspirti „4. (einen Fuß in einen Schuh, eine Schlinge) hineinstecken, einsetzen“ (LKŽ) und dem Diminutivsuffix -ukė gebildet. Im Abschnitt Kalbos patarimų der 2011 vom Informationszentrum der Litauischen Nationalbibliothek Martynas Mažvydas herausgegebenen Publikation wird gefragt, ob man weiß, wie „pliažankės“ korrekt auf Litauisch heißt. Wir finden folgende Antwort: „Der einfachste Ersatz ist paplūdimio basutės. Für Sandalen zum Hineinschlüpfen, nicht unbedingt für den Strand, kam im Sprachgebrauch auch eine kürzere Bezeichnung auf – įs sort? Für Sandalen zum Hineinschlüpfen, nicht unbedingt für den Strand, kam im Sprachgebrauch auch eine kürzere Bezeichnung auf – įs sort? „schlurfen“. In diesen Schuhen geht man schlurfend. Diese Schuhbezeichnung, gebildet aus dem Dialektwort klepė und dem Diminutivsuffix -utė, findet sich auch im AATŽ: kleputės siehe klepės (AATŽ 2014: 195). Klepės werden hier etwas genauer definiert als in der untersuchten Quelle: „Offene Holzpantoffeln mit durchgehender Holz- oder Kunststoffsohle, deren Oberteil aus einem kleinen schmalen Stück im Ristbereich besteht; werden gewöhnlich den Pantoletten zugerechnet“7 (ebd.). Die Bezeichnung hat sich im Sprachgebrauch nicht verbreitet. PUMPS. Eine Bezeichnung für bequeme, flache Damenschuhe, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit einem kleinen Boot entstand. Diese Schuhe halten nur durch die Elastizität der Seitenteile und des Fersenbereichs am Fuß. Die Bezeichnung laiveliai wurde aus dem Wort laivas8 und dem Diminutivsuffix -elis gebildet. Sie steht auch im AATŽ, wird dort jedoch als Synonym des Terminus laivutės angegeben. Vgl. außerdem die Entsprechungen in anderen Sprachen: engl. court shoes, pumps; dt. Pumps; russ. лодочки, туфли-лодочки; franz. escarpins, souliers décolletés (AATŽ 2014: 230). J. Pričinauskas schlägt vor, kurpaitės: laivutės als Hauptterminus zu verwenden; siehe kurpaitės (Pričinauskas 2002: 67)9. Im LKŽ wird die Einzahl des Wortes angegeben; die Bedeutung „Schuhe“ wird nicht erwähnt. SCHNÜRGERADE SOHLEN. Mit einer litauischen Ableitung aus dem Adjektiv lygus „1. völlig gleichmäßig – ohne Vertiefungen, Erhebungen, Unebenheiten oder Einschlüsse (von einem Gegenstand, seiner Oberfläche, Kante, seinem Rand, seiner Form, Farbe usw.)“ und dem Substantiv padas „2. Schuhsohle“ werden Schuhe mit einer ebenen Sohle bezeichnet. Dieses substantivisch gebrauchte Adjektiv findet sich weder im LKŽ noch im AATŽ. Es entstand als Synonym zur Bezeichnung von plokščiapadžiai, vgl. DŽ plokščias „mit einer geraden und ebenen Oberfläche“: P. stogas, kalnas. ~ia krūtinė, nosis, pėda. Plg. plokščiapadžiai. SCHUHE MIT FLACHEN SOHLEN. Schuhe mit flachen Sohlen werden mit der litauischen Ableitung plokščiapadžiai bezeichnet (vgl. plokščias ir padas). Im AATŽ wird Schuhwerk mit flachen, unprofilierten Sohlen und ohne Absatz als plokščiapade avalyne bezeichnet (AATŽ 2014: 65). Im LKŽ finden wir das Substantiv plokščiapadis „jemand mit flachen Sohlen“: Anas plokščiapādis Ad. Diese Bezeichnung wird vorwiegend in der ungezwungenen Sprache verwendet. Vgl. lygiapadžiai. 7 Pantoletten (vgl.: russ. пантолеты, engl. pantolettes, dt. Pantoletten) – offenes Sommer- oder Hausschuhwerk, dessen Oberteil aus Riemen oder einem breiten Band nur den vorderen Teil des Fußes bedeckt, mit offenen oder geschlossenen Zehen; anders als Sandaletten hat es keinerlei Oberteilteile, die die Ferse berühren, z. B. Klompen, Pantoffeln, Schlappen (AATŽ 2014: 301). Pantoletten ist eine ältere Fremdbezeichnung; heute sollten die Wörter klepės (eine solche Art Schuhwerk), kleputės verwendet werden (KP 2013: 87). 8 Über die Herkunft dieses Wortes besteht Uneinigkeit. Manche meinen, es könnte sich um einen Finnizismus handeln, vgl.: finn. laiva, estn. laev, Sabaliauskas 1990: 227, ferner vgl. http://etimologija.balt.netus.lt/?w=laivas. 9 Im AATŽ werden kurpaitės gesondert definiert: „Elegante, leichte, kleine, eher offene, gewöhnlich hochhackige historische Damenschuhe, die an moderne Schuhe erinnern und besonders für die Rokokozeit typisch sind“ (AATŽ 2014: 219). 190 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai ROTSOHLEN. Mit dieser litauischen Bezeichnung werden hochhackige Schuhe mit roten Sohlen benannt (vgl. LKŽ raudonas „1. von der Farbe des Blutes“ und padas). Meist handelt es sich um hochhackige Schuhe des berühmten französischen Schuhdesigners Christian Louboutin. Im Internet gibt es zahlreiche Synonyme, deren Bestandteile alle litauisch sind: rote Sohlen, rote Schuhe, außerdem „Schuhe mit roten Unterseiten“, Schuhe mit roten Sohlen, Damenschuhe mit roten Sohlen usw., vgl. engl. red sole shoes (ausführlicher siehe Französische Herkunftsbezeichnungen – die Schuhbezeichnung lubutenai). Diese Bezeichnung entstand offenbar durch Übersetzung. Im AATŽ findet sie sich nicht. ROLLSCHUHE. Engl. roller shoe, vgl. engl. shoes with wheels. Dies ist eine weitere im Neologismen-Datenbestand belegte litauische Schuhbezeichnung, gebildet aus den litauischen Wörtern riedėti „fahren“ und batai „Schuhe“, vermutlich als Übersetzung aus dem Englischen entstanden10. Damit werden, wie im Neologismen-Datenbestand steht, „Sportschuhe mit ausziehbaren Rollen bezeichnet, die die Schuhe in Rollschuhe verwandeln“. Dieses Schuhwerk kann wie gewöhnliche Sportschuhe getragen oder zum Fahren verwendet werden. In verschiedenen Internetartikeln finden sich die Bezeichnungen Schuhe mit Rollen, Turnschuhe mit Rollen, Sportschuhe mit Rollen, rollende Sportschuhe, rollende Turnschuhe. Im AATŽ findet sich der Begriff nicht. Er ist in der jüngsten normativen Quelle, dem BŽ, verzeichnet: riedbatis: „1. Schuh mit einer in der Ferse eingebauten Rolle“; „2. Pl. ein Paar solcher Schuhe“. LOCHSCHUHE. So werden im nicht offiziellen Sprachgebrauch Schuhe der Marke „Crocs“ mit kleinen Löchern bezeichnet. Diese litauische Bezeichnung ist aus dem Adjektiv skylėtas „mit Löchern versehen, durchlöchert“ und dem Substantiv batai „Schuhe“ gebildet. Die Benennung entstand offenbar, weil diese Schuhe Löcher haben. Bemerkenswert ist, dass sich diese Bezeichnung ebenso wie kiaurabačiai, kiaurakaliošiai im Sprachgebrauch nicht durchgesetzt hat. Siehe auch die Synonyme kiaurabačiai, kiaurakaliošiai, kroksai. KURZSTIEFEL. In der Umgangssprache werden Schuhe mit kurzen Schäften mit dem litauischen Wort trumpukai bezeichnet, vgl. das Adjektiv trumpas „1. von geringer Länge“. Die im Neologismen-Datenbestand verzeichnete Schuhbezeichnung wird auf der Website voolyvooly.blogspot.com verwendet. Offenbar handelt es sich um eine zufällige, individuelle Neuschöpfung. Wäre die untersuchte Quelle nicht vorhanden, wüssten wir vielleicht gar nichts davon. Im LKŽ bedeutet trumpukas „kurzer, kleiner Zug“: Jie trumpukù parvažiavo Gs. Im DŽ ist dieses Wort nicht verzeichnet. Im AATŽ wird offenbar für diese Bedeutung der Fachbegriff pusauulinukai verwendet: „Kurzschaftige Schuhe, Stiefel, deren Schäfte deutlich 10 Rollschuhe entstanden in den Vereinigten Staaten. Diese Schuhe wurden von dem Psychiater Roger Adams entwickelt – er befestigte Rollen an Sportschuhen. Die Schuhe wurden 1999 patentiert. Originale Rollschuhe werden von der Firma „Helleys“ hergestellt. Deshalb werden sie im Englischen häufig einfach Heelys genannt. Terminologija | 2019 | 26 191 über die Knöchel reichend, jedoch nicht höher als bis zur Hälfte der Wade; auch kurzschaftige Stiefel oder Kurzschaftstiefel genannt“ (AATŽ 2014: 338). ZUSAMMENFASSUNG. Aus den erörterten neuen Schuhbezeichnungen geht hervor, dass litauische Bezeichnungen bevorzugt mit Diminutivsuffixen gebildet werden: -ėlis; -utė; -(i)ukas, -ė; (in+)-ukas, -ė. Diese Suffixe haben gewöhnlich die Bedeutungen „klein“, „angenehm“, „gering“ u. Ä., die für Termini untypisch sind, in der Schuhterminologie jedoch eine besondere Bedeutung erlangen. Auffällig sind auch die durch Zusammensetzung gebildeten Bezeichnungen mit den Zweitgliedern -bačiai und -padžiai. Sie wurden nach einem Modell gebildet; das Erstglied und mitunter der Bindevokal variieren. Einige Bezeichnungen sind offenbar aus dem Englischen übersetzt worden, z. B.: Killer-Schuhe, Rotsohlen, Rollschuhe. Für Schuhe der Marke „Crocs“ wurden zwei litauische Bezeichnungen gefunden – Lochschuhe und Lochstiefel. Die Entstehungsumstände und die semantische Motivation dieser Zusammensetzungen sind leicht zu verstehen und zu erklären, doch die vorgeschlagenen Bezeichnungen haben sich im Sprachgebrauch nicht durchgesetzt. Die in der Datenbank der Neologismen gefundenen litauischen Schuhbezeichnungen werden in der informellen Sprache verwendet. Von allen ist nur die Bezeichnung antbačiai gemäß AATŽ zur Verwendung empfohlen; die Bezeichnungen laiveliai und kleputės werden als Synonyme aufgeführt. Alle anderen einheimischen Schuhbezeichnungen sind offenbar durch Übersetzung entstanden, im Bemühen um eine motivierte, präzise und kürzere Benennung. Außerdem wird in einigen Fällen angestrebt, sie an das bestehende System anzupassen, vgl.: kleputės, čežutės. Fremdsprachigen UrsprungsBezeichnungen Der heutige Entlehnungsprozess wird gewöhnlich mit dem zunehmenden Einfluss des Englischen in Verbindung gebracht: Viele neue Entlehnungen stammen aus dem Englischen oder sind über das Englische in die Sprache gelangt. Die lange Tradition der lexikalischen Sprachpflege hat dazu geführt, dass es neben einem Teil der neuen Entlehnungen auch litauische Entsprechungen gibt. Einige dieser Entsprechungen sind ebenfalls Neologismen, genauer gesagt Neubildungen. Nicht alle vorgeschlagenen Entsprechungen gelangen in den aktiven Sprachgebrauch – manche werden kaum verwendet und erwecken einen Eindruck von Neuartigkeit und Ungewöhnlichkeit. In der Datenbank der Neologismen wurden mit Abstand am meisten Schuhbezeichnungen englischen Ursprungs gefunden – 16; daneben jeweils nur wenige aus anderen Sprachen: 3 Bezeichnungen lateinischen, 2 französischen sowie je 1 italienischen, spanischen und arabischen Ursprungs (siehe Abb. 2). Wahrscheinlich sind auch Letztere über das Englische in unsere Sprache gelangt. Nichtlitauische Schuhbezeichnungen werden angepasst, durch litauische Entsprechungen ersetzt oder in der Originalsprache geschrieben. Schuhbezeichnungen fremden Ursprungs werden nicht nach ihrer unmittelbaren, sondern nach ihrer ursprünglichen Quelle in Gruppen eingeteilt. 192 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai Abb. 2. Verteilung der Bekleidungsbezeichnungen neuerer Zeit fremder Herkunft nach ihrer Herkunft Bezeichnungen englischer Herkunft Es wurden 16 neuere Schuhbezeichnungen aus dem Englischen ermittelt (Abb. 2). Im AATŽ werden 6 Bezeichnungen als zu verwenden empfohlen; die übrigen werden am häufigsten in publizistischen Artikeln oder auf Internetseiten gebraucht. BOTILLONEN. So werden Stiefeletten mit dünnen hohen Absätzen bezeichnet. Im AATŽ ist dieser Terminus enthalten. Im Wörterbuch wird er genauer definiert: Botillonen nennt man „Schuhe, deren oberer Rand bis zu den Knöcheln reicht oder sie teilweise bedeckt und deren nicht geschnürter oberer Teil locker sitzt und an einen abgeschnittenen Schaft erinnert“ (AATŽ 2014: 95), vgl. engl. bottillons, ordinary ankle boots; dt. Bottillon, knöchelhohe Stiefel; russ. ботильоны; frz. bottillon bas. Im Internet finden sich Schreibvarianten batilionai, batiljonai. BROGUES. Mit diesem Wort fremder Herkunft, vgl. engl. brogues, brogue shoes, ferner altir. bróg „Halbschuh, Schuhwerk“, werden klassische Herrenhalbschuhe oder Schuhe mit dekorativen Lochverzierungen bezeichnet. Diese Schuhe „ähneln den von irischen Bauern und schottischen Hochländern getragenen Schuhen; ihre heute typische Konstruktion als festliches Schuhwerk erhielten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem dank der Schuhmacher Budapests“ (AATŽ 2014: 96). Interessant ist die Entstehungsgeschichte der Brogues: Vor vielen Jahren begannen die Iren, Löcher in das Leder der Schuhe zu machen, die heute das wichtigste Erkennungsmerkmal dieser Schuhe sind. Damals dienten sie jedoch nicht als Stildetail, sondern praktischen Zwecken – damit die beim Gehen auf nassem Boden angesammelte Feuchtigkeit leichter aus dem Schuh verdunsten oder das Wasser abfließen konnte, das beim Durchwaten von Pfützen hineingelangt war. Terminologija | 2019 | 26 193 C H E L S E A - S T I E F E L. Schuhe mit seitlich eingenähten Gummistreifen oder Streifen aus einem anderen elastischen Material, die das Anziehen erleichtern, werden mit dem nichtlitauischen eponymischen Terminus11 čelsiai (engl. Chelsea Boots) bezeichnet, der sich vom Namen des historischen Londoner Stadtteils Chelsea ableitet (engl. Chelsea). Zur Zeit Königin Victorias trugen sowohl Männer als auch Frauen Chelsea-Stiefel; in den sechziger Jahren wurden sie in Großbritannien zu einem der Stilsymbole jener Zeit. Im AATŽ heißt es, dass diese Schuhe auch bitlai genannt wurden (AATŽ 2014: 101; siehe auch IŽ 2015: 438), ebenfalls ein eponymischer Terminus, der sich vom Namen der populären Gesangsgruppe „The Beatles“ aus den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts herleitet: D E R B Y S C H U H E. Klassische Schuhe mit offener Schnürung, bei denen die Seitenteile auf das Vorderteil des Schuhoberleders aufgenäht sind, werden mit der nichtlitauischen Bezeichnung derbiai12 bezeichnet. Im AATŽ werden diese Schuhe als Schuhe mit aufgesetzten Seitenteilen bezeichnet (vgl. engl. quarter over shoes, Derby shoes; AATŽ 2014: 53). Die englische Schuhbezeichnung hängt mit dem Familiennamen des englischen Grafen Edward Derby zusammen. Im Wörterbuch findet sich noch ein Synonym nichtlitauischer Herkunft – bliukeriai (engl. Blucher). Auch diese Bezeichnung entstand aus einem Eigennamen, dem Familiennamen des preußischen Feldmarschalls Gebhard Leberecht Blücher, der die preußische Armee in die Schlacht bei Waterloo führte. Im englischen Wörterbuch der Schuhterminologie findet sich ein weiteres Synonym – gibsonai (engl. Gibsons, Gibson shoes). Es wird mit dem amerikanischen Künstler und Illustrator Charles Gibson in Verbindung gebracht, der mit seinen Zeichnungen von 1895–1910 einen besonderen Damenmodestil des späten 19. Jahrhunderts populär machte. Im AATŽ wird der Terminus gibsonai nicht als Synonym für derbiai verwendet, sondern als eine Art von Derbys: Als gibsonai bezeichnet man „Damenhalbschuhe vom Typ Derby mit hohen Absätzen (Derbys mit hohen Absätzen)“ (AATŽ 2014: 151). P L A T T F O R M S C H U H E. Die Bezeichnung leitet sich vom englischen Wort flat-forms < flat „flach“ und form „Form“ ab. Damit werden absatzlose Schuhe mit flacher Sohle und Plateau bezeichnet. Im AATŽ gibt es diesen Terminus nicht. Diese Schuhe werden allgemein als Schuhe mit Plateau (AATŽ 2014: 52) oder Plateau-Schuhwerk (AATŽ 2014: 64), außerdem als Schuhwerk mit dicker Sohle (AATŽ 2014: 68) bezeichnet, nicht aber als Schuhe auf einem Plateau. Obwohl der Terminus Schuhwerk mit dicker Sohle in Wörterbüchern als Hauptbezeichnung angegeben wird, zeigt die große Zahl an Synonymen, dass noch keine optimale Bezeichnung gefunden wurde. 11 Als eponymische Termini gelten in diesem Artikel solche Termini, die von einem Eigennamen abgeleitet sind (mehr zu eponymischen Termini siehe Mikelionienė 2017: 127–144). 12 Derby – Rennen über 1600 m für vierjährige Traber und über 2400 m für dreijährige Springpferde, VaitkTŽŽ 2003; Interleksis gibt zwei Bedeutungen an: 1. Rennen über 1600 m für vierjährige Traber und über 2400 m für dreijährige Springpferde; 2. Wettkampf zwischen zwei Mannschaften derselben Stadt (Interleksis 2003). Eine Bedeutung „Schuhe“ gibt es nicht. 194 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai Wie die Kleidungsdesignerin Laura Mizgiryte-Latour schreibt, ist die Sohle von Flatforms im Gegensatz zu gewöhnlichen Schuhen mit Plateau durchgehend und flach: „Von einem bis zu zwanzig Zentimetern Höhe, von Zehensandalen bis zu Stiefeln“ (MŽ 2016: 297). Flatform-Schuhe waren „bei Underground-Straßenmodefans und Goths sehr beliebt, besonders in den 1990er-Jahren in Japan. In die Massenmode gelangten sie 2011 über die Laufstege der Kollektionen von „Chanel“, „Prada“ und Vivienne Westwood“ (MŽ 2016: 297). Es handelt sich also um eine bestimmte Art von Schuhwerk mit dicker Sohle. Interessant ist, dass die Schreibvariante flatformos des Wortes platformos (frz. plate-forme) ebenfalls nicht zur Beschreibung von Schuhen verwendet wird. Im vergangenen Jahrhundert verbreitete sich das Wort platforma in vielen europäischen Sprachen als Eisenbahnbegriff. „Zwischen dem Plateau eines Schuhs und einem Bahnsteig besteht keinerlei direkter Zusammenhang. Die Bezeichnung für die dicke Schuhsohle entstand aus einer anderen Bedeutung des Wortes platforma. Die älteste und lebendigste Bedeutung des Wortes platforma ist ‚flache Grundlage von etwas‘ (Gaivenis 2014: 557). Heute wird mit dem Wort platforma also das Schuhteil zwischen Innensohle und Laufsohle bezeichnet.“ Im illustrierten Glossar werden Schuhe mit hohem Absatz und sehr dicker, erhöhter Sohle, die in der Rock- und Disco-Ära der 1970er-Jahre sehr beliebt waren, als Schuhe mit dicker Sohle bezeichnet (IŽ 2015: 458). FLIP-FLOPS. Leichte, aus Gummi gefertigte Badeschuhe zum Hineinschlüpfen, die durch einen Riemen zwischen den Zehen gehalten werden, werden mit dem aus den germanischen Sprachen stammenden Wort flipflopai bezeichnet. Im Englischen wird die Bezeichnung flip-flop seit den 1860er-Jahren für Sommersandalen verwendet. Die Deutschen verwenden Flip-Flops oder Flipflops. Andere Sprachen haben andere Bezeichnungen, z. B. poln. japonki, russ. вьетнамки (das nicht regelgerecht gebildete Wort lässt sich mit dem Tragen dieser Schuhe in Vietnam in Verbindung bringen)13. Im AATŽ ist diese Bezeichnung nicht verzeichnet. Leichte Schuhe für drinnen, die Straße oder das Schwimmbad mit einem Zehensteg, der zwischen dem großen und dem benachbarten Zeh verläuft, werden Zehensandalen oder vietnamesische Sandalen genannt (AATŽ 2014: 356). Beim Gehen mit diesen Schuhen hört man ein Klatschen (siehe auch GST). Die Schuhbezeichnung flipflopai entstand durch das Anfügen einer litauischen Endung. Im Neologismen-Datenbank finden wir den Hinweis, dass „es bislang keine genaue litauische Entsprechung gibt; die Bedeutung der Neubildung įs irtukės etwas weiter gefasst ist“. KILLERS. Die nicht normgerechte Schuhbezeichnung (engl. killer shoes) wird zur Bezeichnung der bereits besprochenen Killer-Schuhe verwendet (siehe Bezeichnungen litauischen Ursprungs). Diese metaphorische Bezeichnung ist im AATŽ nicht verzeichnet. Den Angaben der Neologismen-Datenbank zufolge wird sie auf verschiedenen Internetseiten verwendet. 13 In der Presse findet sich die nicht normgerechte Entlehnung vietnamkės. Terminologija | 2019 | 26 195 Im 2003 erschienenen Fremdwörterbuch Interleksis finden wir den Vermerk ntk. („nicht empfohlen“) und nur eine einzige Bedeutung des Wortes kileris – „Mörder“ CROCS. Wie bereits erwähnt, wird der Gummischuh der Marke „Crocs“ mit dem fremdsprachigen Wort kroksai bezeichnet (engl. crocs, vgl. dt. Crocs). Diese Bezeichnung ist in der Umgangssprache sehr verbreitet, im AATŽ ist sie nicht verzeichnet. Die Bezeichnung kroksai wird bisweilen nicht nur für Schuhe der genannten Firma verwendet, sondern auch für beliebige Clogs mit dicker, meist gummierter Sohle sowie für alle möglichen Gummischuhe zum Hineinschlüpfen. In der Beratungsbank der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache werden weitere Entsprechungen genannt: Gartenschuhe, Freizeitschuhe und Badeschuhe. Sie sind in der Neologismen-Datenbank nicht verzeichnet. Siehe auch kiaurabačiai, kiaurakaliošiai, skylėtb̌ačiai. LORDS. Mit dieser Bezeichnung englischen Ursprungs werden geschlossene, pumpsähnliche Damenschuhe mit einer kleinen Lasche und sehr niedrigem Absatz bezeichnet (engl. Lord’s shoes). Im AATŽ ist sie nicht verzeichnet. Die Bezeichnung wird als Synonym für loaferių verwendet (siehe auch louferiai). LOAFER. Leicht anzuziehende, mokassinähnliche flache Lederschuhe mit einem Zierband vorne (eine elegante Mokassinvariante) sind nach dem Namen eines Schuhunternehmens benannt, das 1939 in London eingetragen wurde; vgl. engl. loafer „Müßiggänger, Landstreicher, Reisender“. Im AATŽ sowie im Illustrierten Glossar und im Glossar der Modezauberwörter wird die Form loaferai angegeben (AATŽ 2014: 239; IŽ 2015: 448; MBŽ 2017). Diese Schuhe werden auch norwegische Mokassins genannt (AATŽ 2014: 239). Auf Internetseiten über diese Schuhe finden sich nicht normgerechte Varianten der Schuhbezeichnung: loaferiai, Loafers tipo batai, einfach Loafers (MSŽ 2010; MŽ 2010; MMŽ 2013); außerdem wird die Wortverbindung batai be raištelių verwendet (B 2018). Im englischsprachigen Schuhterminologie-Wörterbuch werden diese Schuhe auch mokasinais genannt. Die nicht normgerechte Form louferiai wird auch in L. Mizgiryte-Latours Modeglossar verwendet (MŽ 2016: 304). MONKS. Geschlossene Herren- oder Damenschuhe mit breitem Riemen und einer Schnalle (oder mehreren Schnallen) an der Fußseite werden mit der Bezeichnung englischen Ursprungs monkai benannt (engl. monks „Mönche“, monk shoes, monk strap, Monkstrap Shoe). Bemerkenswert ist, dass Mönche früher Schuhe mit einem solchen Verschluss trugen. Im AATŽ werden diese Schuhe mit dem litauischen Kompositum pusbačiai su sagtelėmis bezeichnet (AATŽ 2014: 264), während wir im Modeglossar die Bezeichnung vienuoliai finden (MŽ 2016: 317). Die Wörterbuchautoren führen die angepasste Form monkai als Synonym an. Im Nachschlagewerk zu Herren-Schuhmodellen werden Monks mit einer Schnalle (engl. single buckle monks) und Monks mit zwei Schnallen (engl. double buckle monks) unterschieden. 196 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai OXFORDS. „Kurze, schlichte Schnürhalbschuhe oder Schuhe mit leicht spitz zulaufender Vorderkappe und zwei Details, die sich über der Schuhzunge verbinden“, werden den Angaben des Naujažodžių duomenyno zufolge mit dem eponymischen Terminus oksfordai bezeichnet (engl. Oxford shoes, oxfords). Die Bezeichnung wird mit der Universität Oxford in Verbindung gebracht – Schnürschuhe im Herrenstil mit niedrigen Absätzen waren bei Studenten Anfang des 19. Jahrhunderts sehr beliebt, weshalb die Schuhmacher diese Schuhe so nannten, um sie von Stiefeln zu unterscheiden. Interessanterweise begannen Frauen erst im dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, diese Schuhe zu tragen. Das Erkennungsmerkmal moderner Oxfordschuhe ist die Schnürung an der Vorderseite. Im AATŽ werden sie mit dem Terminus avalynė uždėtinė jungtimi bezeichnet (ATTŽ 2014: 53); außerdem werden Synonyme fremder Herkunft angegeben: oksfordai, rišėlie (vgl. Kardinal Armand Richelieu), balmoralai. Die letztgenannte Schuhbezeichnung wird am häufigsten von Amerikanern verwendet (MŽ 2016: 306). Es heißt, dass die Schuhe populär wurden und diese Bezeichnung erhielten, nachdem Prinz Albert während eines Urlaubs im königlichen Schloss Balmoral in Schottland damit gesehen worden war (engl. Balmorals). SKATE-SCHUHE. Die Bezeichnung für Skateboardschuhe entstand wahrscheinlich aus dem Englischen skate shoes [skeit ʃu:s], ergänzt um die Pluralendung –ai; vgl. auch skateboard shoes „Skateboardschuhe“. Diese Bezeichnung englischen Ursprungs wird in der Umgangssprache verwendet; eine litauische Entsprechung gibt es bislang nicht. Offenbar könnte riedlentininkų batai („Schuhe für Skateboarder“) verwendet werden. Es gibt zahlreiche Schreibvarianten: skateshoozai, skateshoosai, skateshoesai, skateshoos’ai, skate shoe usw. SNEAKER. So werden leichte Sport- oder Freizeitschuhe mit Obermaterial aus Textilcanvas und vulkanisierten Sohlen bezeichnet (engl. sneaker, sneakers „Basketballschuhe14, Sportschuhe, Turnschuhe“; vgl. ferner engl. sneak up „sich anschleichen“). Diese Schuhe kamen Mitte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten auf. Zunächst wurden sie smėlio avalyne genannt, da sie an Stränden am beliebtesten waren. „1873 entstand das englische Wort sneaker; man nimmt an, dass Gummisohlen es Kindern ermöglichten, sich beim Spielen unbemerkt, das heißt lautlos, aneinander heranzuschleichen. Verbreitet wurde die Bezeichnung ab 1917, als man begann, Basketball zu spielen“ (AATŽ 2014: 380). Diese Bezeichnung ist im AATŽ verzeichnet (ebd.). Anderswo werden sie mit zusammengesetzten Termini bezeichnet: sportiniai bateliai (B 2018), sportinio tipo bateliai (BatŽ 2018), kasdieniai sportiniai bateliai (B 2018). Sneaker werden meist beim Tanzen getragen. STIEFELETTEN. Kurze, leichte Stiefel. Der Terminus stammt offenbar aus den germanischen Sprachen, vgl. engl. shtiblet, dt. Stiefelette „Halbschuh, Kurzschaftstiefel“. Im Iliustruotame žodynėlyje wird angegeben, dass diese von Männern wie Frauen getragenen Schuhe … 14 Krepšinio batai anksčiau vadinti ir nevartotina svetimybe basket(k)ės (TT 1992: 22; plg. KP 2013: 14). Terminologija | 2019 | 26 197 … Schuhe im letzten Jahrzehnt des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufkamen. Dieser nichtlitauische Terminus wird im AATŽ als gebräuchlich aufgeführt (AATŽ 2014: 408). Im Didžiajame batų leksikone heißt es auf Deutsch, dass synonym auch dt. Ankle Boots und Booties verwendet werden (DGL). UGGS. Das sind, wie im Naujažodžių duomenyne steht, „flache Schaffellstiefel der australischen Firma ‚Ugg‘“ (engl. Ugg boots „hässliche, unschöne Schuhe“). Diese Stiefel sind für Männer und Frauen gedacht. Ihr Innenfutter besteht aus Wolle, die für Luftzirkulation im Schuh sorgt und die Füße vor Temperaturschwankungen schützt. Im Iliustruotame žodynėlyje wird die Form ugai angegeben (IŽ 2015: 461); im Internet findet man auch Verwendungen wie UGG stiliaus batai, UGG tipo batai usw. Im AATŽ ist diese Schuhbezeichnung nicht verzeichnet. Somit ist dies eine weitere Schuhbezeichnung, die von einem Eigennamen einer Firma abgeleitet wurde. Bislang haben wir dafür keine litauische Bezeichnung. Möglicherweise wird sich die Variante ugai verbreiten, vgl. kroksai. Bezeichnungen lateinischen Ursprungs Es wurden drei neue Schuhbezeichnungen lateinischen Ursprungs gefunden. Ins Litauische gelangten sie natürlich über Vermittlersprachen. BALLERINAS. So werden Damenhalbschuhe mit niedrigen Absätzen bezeichnet, die Ballettspitzenschuhen ähneln (it. ballerina < lat. ballo „ich tanze“). Wie es in dem Buch Ledi. Klasikinės moterų mados žinynas heißt, kamen Ballerinas 1932 in London auf. Sie wurden von Jacob Bloch entworfen. Zunächst trugen Balletttänzerinnen Ballerinas. Echte Ballerinas werden „den ursprünglichen Traditionen folgend aus Stoff hergestellt und unterscheiden sich von Ballettschuhen nur durch die Sohle. Die Sohle ist etwas dicker, damit der Schuh auf Asphalt getragen werden kann“ (Piras, Roetzel 2003: 173). In LKŽ, DŽ und BŽ hat das Wort balerina die Bedeutung „Ballettkünstlerin, Tänzerin“. Die Bedeutung „Schuhe“ ist somit neu. In der Standardsprache wird die gemischtherkunftliche Bezeichnung balerinukės empfohlen (siehe Bezeichnungen gemischten Ursprungs). GLADIATOREN. Dies ist eine Bezeichnung lateinischen Ursprungs: lat. gladiatores < gladius „Schwert“; vgl. engl. gladiator sandal, DŽ gladiatorius histor. „Kämpfer in den blutigen Kämpfen des antiken römischen Zirkus“. Wie im Naujažodžių duomenyne steht, bezeichnet man damit sommerliche, ausgeschnittene oder geschnürte Schuhe mit langem Schaft und offenen Zehen. Im AATŽ finden wir den Terminus gladiatoriški sandalai. Hier wird diese Schuhart genauer definiert: „Flache Sandalen mit mehreren breiten Riemen quer über den Fuß und einem oder mehreren Riemen, die um den Unterschenkel verlaufen“ (AATŽ 2014: 355). In Wörterbüchern der Fremdwörter werden mit gladiatoriais gewöhnlich die Krieger des antiken Rom bezeichnet, die in den Arenen der Amphitheater gegeneinander oder gegen Raubtiere kämpften (Interleksis 2003; VaitkTŽŽ 2003). Schuhe waren ein wichtiger Teil der Gladiatorenkleidung – sie erfüllten eine Schutzfunktion. Heute ist „diese Schuhart geworden 198 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai nepakeičiama vasaros ir hipiško-bohemiško stiliaus avalyne“ (MŽ 2016: 297). L. Mizgirytės-Latour sudarytame Mados žodynėlyje pateikiamas lietuviškas šio avalynės pavadinimo atitikmuo dirželinės basutės (MB 2016: 297). Internete dar randame vadinant gladiatoriaus batais. LKŽ, DŽ ir BŽ pateikiama tik „vergo ar karo belaisvio“ reikšmė. STILETTS. In der Neologismendatenbank werden „spitz zulaufende Schuhe“ mit sehr hohem Absatz mit dem nichtlitauischen Wort stiletai bezeichnet. Die Bezeichnung leitet sich von ital. stiletto „Dolch“ < und lat. stilus „Schreibgriffel“ ab (VaitkTŽŽ 2003), vgl. engl. stiletto15. Ein klassisches Stilett ist, wie die Allgemeine litauische Enzyklopädie schreibt, „ein kleiner italienischer Dolch mit sehr schmaler, meist dreieckiger Klinge und geschärften Kanten“ (VLE 2019). „Zum ersten Mal wurden Schuhabsätze Anfang der 1930er-Jahre mit diesem Dolch in Verbindung gebracht. Schließlich setzte sich die Tradition durch, als Stilettos Schuhe mit äußerst dünnen Absätzen von 2,5 bis 25 Zentimetern zu bezeichnen. Absätze unter 5 cm werden heute als Kitten-Heels (engl. kitten heels) bezeichnet. Zu allen Zeiten waren elegante Schuhe mit hohen, schlanken Absätzen ein Symbol für einen hohen sozialen Status – mit solchen Schuhen kann man nicht viel laufen, nicht arbeiten usw. <...>. Spitz zulaufende Stilettos waren im wohlhabenden Jahrzehnt der Fünfzigerjahre am beliebtesten; in den Sechzigern wurden die Spitzen eckig, die Absätze blockförmig (<...>), in den Siebzigern wuchsen Plateaus dazu, in den Achtzigern erhielten sie ihr für die heutige Zeit typisches Aussehen, in den Neunzigern wurden sie wieder stumpf und mit dicken Absätzen, <...>“ (MŽ 2016: 313). Im Schuhlexikon wird als litauisches Äquivalent hohe Schuhe mit spitzem Absatz angegeben (BatŽ 2018). Dort heißt es, die „Geschichte der Stiletto-Schuhe begann 1955, als R. Vivier, Schuhdesigner des Modehauses „Dior“, die ersten Stiletto-Pumps vorstellte“ (ebd.). Neben dieser wird im Artikel „Schuhe, die man haben muss. Für sie und ihn“ noch ein weiteres litauisches Äquivalent vorgeschlagen – Abendschuhe (B 2018). Im AATŽ ist diese Bezeichnung nicht verzeichnet. Im Großen Schuhlexikon heißt es auf Deutsch, dass Stilettos (dt. Stilettos) ein Synonym für den Begriff High Heels sind (DGL). Dort steht, dass sie im 19. Jahrhundert aufkamen, um die Füße optisch kleiner erscheinen zu lassen. Bezeichnungen französischen Ursprungs LOUBOUTINS. So werden die von dem Designer Ch. Louboutin entworfenen hochhackigen Schuhe mit roten Sohlen bezeichnet (siehe auch den Abschnitt Bezeichnungen litauischen Ursprungs 15Im Cambridge Dictionary bedeutet engl. stiletto Damenschuhe mit hohem, schmalem Absatz. Online verfügbar unter: https://dictionary.cambridge.org/dictionary/english/stiletto. Terminologija | 2019 | 26 199 zeichnungen – Schuhe mit roten Sohlen). Diese eponymische Schuhbezeichnung entstand aus dem französischen louboutin < Louboutin. Im von Deimantė Bulbenkaitė erstellten Modelexikon heißt es, diese Schuhe gelten als „Symbol für Qualität und Modebewusstsein, daher ist es eine Prestigefrage, mindestens ein Paar Schuhe mit roten Sohlen im Schrank zu haben“ (MŽ 2010). Interessant ist, dass die rote Sohle dieser Schuhe zufällig entstand – der Designer „versuchte, um seinen Kreationen etwas Neues und Unerwartetes zu verleihen, mit rotem Chanel-Nagellack einer Kollegin die Sohle eines Paar hochhackiger Schuhe zu lackieren“ (MŽ 2010). Im Internet findet man die Verwendungen „labutinai“, „lubutenai“, louboutinai, Louboutin, „Louboutinai“, „Louboutin“-Schuhe. Diese Bezeichnung ist im AATŽ nicht verzeichnet. In der Datenbank neuer Lehnwörter (im Folgenden NSDB 2013) ist die Form lubutenai belegt. T R O P E Z I E N N E S. „Offene Sandalen mit dünner Ledersohle und Riemchen“ werden, wie es in der Neologismendatenbank heißt, als tropezetės (franz. tropéziennes) bezeichnet. Es handelt sich um eine gelegentliche Bezeichnung. Im Litauischen nennt man solche Schuhe gewöhnlich einfach Sandalen. Die Bezeichnung tropezetės ist im AATŽ nicht verzeichnet. Bezeichnung italienischer Herkunft „A R M A D I L A I“. It. armadillo „Gürteltier“16, vgl. engl. Armadillo boots. Mit dieser Bezeichnung werden, wie im Neologismen-Datenbank vermerkt, klobige, unbequeme High Heels mit einer an ein Gürteltier erinnernden Form bezeichnet, die für das Gehen auf dem Laufsteg bestimmt sind. Sie wurden vom britischen Modedesigner und experimentellen Gestalter Lee Alexander McQueen entworfen. Diese Schuhbezeichnung wird in Anführungszeichen geschrieben. In Bezug auf sie werden außerdem die Ausdrücke „Armadillo“-Schuhe, Schuhwerk für Außerirdische, „außerirdische“ Schuhe, Weltraumschuhe, Mörderschuhe, Hufe u. a. verwendet. In AATŽ ist diese Bezeichnung nicht enthalten. Bezeichnung spanischer Herkunft M A N O L A I. Die sehr eleganten, originell gestalteten, hochwertigen, luxuriösen High Heels des spanischen Schuhdesigners Manuel (Manolo) Blah niko Rodríguez wurden nach einem Wort spanischer Herkunft benannt, das auf span. manolos < Manolo zurückgeht. Es handelt sich also um einen eponymischen Terminus, der aus einem nichtlitauischen Wort hervorgegangen ist. In AATŽ ist diese Schuhbezeichnung nicht enthalten. Sie ist 2013 in NSDB verzeichnet. Manchmal wird die zweigliedrige Bezeichnung Manolo-Schuhe verwendet (Jacobbi 2007: 24). 16Gürteltiere, auch Armadillos genannt, sind in den südlichen Teilen Süd- und Nordamerikas verbreitete Tiere, deren Körper von einem flexiblen Hautpanzer aus harten, beweglich in Querreihen angeordneten Schildern bedeckt ist (VLE 2019). 200 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai Bezeichnung arabischer Herkunft BABUŠAI17. So bezeichnet man gewöhnlich warmes, hochgezogenes Hausschuhwerk oder einfach leichtes Lederschuhwerk ohne Absatz und Seitenteile, das in den östlichen Ländern getragen wird. In AATŽ findet sich die Form babušiai (AATŽ 2014: 76). Die Bezeichnung wird von arab. babush oder pers. papush „Pantoffel“ hergeleitet; vgl. außerdem pers. pa „Fuß“, pouchiden „bedecken“. Ins Litauische gelangte das Wort offenbar über das Russische – russ. бабуши; vgl. engl. babouches, franz. Babouches, dt. Babuschen. ZUSAMMENFASSUNG. Im Neologismen-Datenbank ist mehr als die Hälfte (51 Prozent, siehe Abb. 1) der Schuhbezeichnungen nichtlitauischen Ursprungs. Drei Viertel davon sind nicht in AATŽ verzeichnet. Die in der Umgangssprache verwendeten neuen Schuhbezeichnungen manolai, lubutenai zeigen, dass Schuhe nichtlitauischer Herkunft nach ihrem Urheber, Erfinder oder Gestalter, also nach einem Personennamen, benannt werden können; čelsiai, oksfordai nach einem Ort; kroksai, louferiai, ugsai nach einer Schuhmarke. Schuhbezeichnungen fremder Herkunft, insbesondere solche aus dem Englischen, weisen zahlreiche Varianten auf. Obwohl sich die Gebrauchstendenzen neuer Schuhbezeichnungen oft anhand ihrer Ausdrucksform und Motiviertheit vorhersehen lassen, braucht es mehr Zeit, um zu sehen, welche sich durchsetzen, welche miteinander konkurrieren und welche in Vergessenheit geraten. Schuhbezeichnungen fremder Herkunft werden häufig graphisch hervorgehoben, etwa durch Fettdruck, Kursivschrift oder Anführungszeichen, insbesondere wenn eine nichtadaptierte Form verwendet wird. Die graphische Hervorhebung erfolgt, weil nicht immer bekannt ist, wie die Form anzupassen ist; durch diese Schreibweise werden die Grundsätze der sprachlichen Pflege der Standardsprache nicht verletzt. Bezeichnungen gemischter Herkunft Als neuere Schuhbezeichnungen gemischter Herkunft gelten in diesem Artikel einwortige Schuhbezeichnungen, die neben eigenen auch Bestandteile aus einer fremden Sprache enthalten, sowie eine zweiteilige Bezeichnung, deren ein Bestandteil nichtlitauisch und der andere litauisch ist. Insgesamt wurden im Neologismen-Datenbestand 10 Schuhbezeichnungen gemischter Herkunft gefunden (Abb. 1). BALERINUKĖS. Dies sind leichte Schuhe mit flacher Sohle und sehr niedrigem Absatz, ohne Futter, die Pumps und Ballettschuhen ähneln (AATŽ 2014: 76). Sie werden mit einem Wort gemischter Herkunft bezeichnet, vgl. balerina (it. Ballerina < lat. ballo) und dem Suffix -ukės. Die Bezeichnung entstand aufgrund der Ähnlichkeit mit den von Ballerinen getragenen Spitzenschuhen (frz. pointe „Spitze, Gipfel“) – den harten Damenschu- 17 Babušai, auf Persisch paipušai – Lederschlappen im Osten, die man beim Betreten eines Zimmers auszieht (LEe). Terminologija | 2019 | 26 201 he der klassischen Ballettschuhe. Vgl.: engl. ballerina shoes, ballerina flats, flatties. Im Neologismen-Datenbestand sind auch die synonym verwendeten Varianten balerinos, balerinkės, baletinukės erfasst. Sie werden auch Ballerinaschuhe, Schuhe vom Ballerina-Typ genannt (BatŽ 2018; B 2018). Vgl. auch baletinukės. BALETINUKĖS. Dies ist ein Synonym des Wortes balerinukės, gebildet aus dem Internationalismus baletas (it. Balletto < lat. ballo „Ball, Tanz“) und dem Suffix -inukės. Näheres siehe balerinukės. BASEINUKĖS. Gummi- oder Kunststoffschuhe zum Hineinschlüpfen, die von Schwimmbadbesuchern getragen werden. Die Bezeichnung wird vom Wort baseinas (frz. bassin „Becken, Reservoir“) und dem Suffix -ukės abgeleitet, vgl. engl. basins „Schwimmbecken“. Im AATŽ ist diese Bezeichnung nicht verzeichnet. INKARIUKAI. Die Bezeichnung ist aus dem sogenannten alten Lehnwort18 inkaras (dt. Anker < lat. ancora < gr. ἄγκυρα; Sabaliauskas 1990: 265) und dem Suffix -ukas gebildet. Es gibt noch weitere Schuhbezeichnungen mit dem Suffix -ukas, vgl.: aulinukai, bačiukai, batukai, muklukai, pasaulinukai, sportukai, startukai, žąsinukai und Ähnliches. Dieser Wortbildungstyp ist also nicht neu – das Suffix -ukas hat eine besondere Bedeutung. Mit dieser eponymischen Bezeichnung werden Sportschuhe aus festem Stoff mit Gummisohlen benannt. Sie sind nach der 1933 in Kaunas gegründeten Fabrik „Inkaras“ benannt, in der verschiedenes Gummischuhwerk – Gummistiefel, Galoschen und Sportschuhe – hergestellt wurde. „Als die litauischen ‚inkarai‘ hergestellt wurden, wurden diese Sportschuhe zu einem untrennbaren Bestandteil des Stils der litauischen Jugend“, heißt es auf der Website https://www.zmones.lt/. Auf der Internetseite https://www.lofficiel.lt/ wird daran erinnert, dass „die in der Sowjetzeit beliebten Schuhe mit vulkanisierter Sohle19 nicht nur bei uns hergestellt wurden. Dieses Schuhwerk wurde in vielen Staaten der Sowjetunion und auch in den großen Ländern der Welt produziert. Die Franzosen hatten und haben noch immer ‚Bensimon‘; die Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten und bis heute von den Japanern hergestellten ‚MoonStar‘; die Russen hatten ‚Два мяча‘20 und die Amerikaner ‚Converse‘, die noch immer genauso beliebt sind wie vor hundert Jahren (L’officiel 2019).“ Die Schreibweise variiert. Ziemlich häufig stehen die Bezeichnungen in Anführungszeichen, z. B.: „inkariukai“, „In-karo“-Sportschuhe, „Inkaro“-Turnschuhe, Sportschuhe von „Inkaro“, „inkarai“. All diese Bezeichnungen werden meist in informellen Sprachstilen verwendet. 18 Alte Lehnwörter sind vollständig an unser Sprachsystem angepasst. Für sie gibt es meist keine eigenen Ersatzwörter oder Synonyme; deshalb werden sie in diesem Artikel dem einheimischen Wortschatz zugerechnet. 19 Im zitierten Text liegt ein Zeichensetzungsfehler vor – nach dem Wort padu ist kein Komma erforderlich. 20 Russ. Два мяча. 202 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai In Bekleidungs- und Terminologiewörterbüchern ist er nicht zu finden. Oft werden umgangssprachlich inkariukais (Ankerchen) Sportturnschuhe beliebiger Marken genannt. Vgl. konversiukai (Converse-Schühchen). LÖCHER-GALOSCHEN. Für Schuhe der Marke „Crocs“ mit Löchern wurde die Bezeichnung kiaurakaliošiai („Lochgaloschen“) vorgeschlagen. Diese Bezeichnung ist aus dem Adjektiv kiauras („durchlöchert“) und dem alten Lehnwort kaliošas („Gummischuh, der über einen Schuh oder Filzstiefel gezogen wird“) gebildet, das aus dem Polnischen (poln. kalosz) stammt, das seinerseits auf das Französische galoches („Holzschuhe, Holzsohlen“) zurückgeht, und dieses wiederum auf lat. solea gallica („Schuhwerk der Bewohner Galliens“). Die Bezeichnung hat sich im Gebrauch nicht verbreitet und könnte daher als individuelle Wortneuschöpfung gelten. Siehe auch die Synonyme kiaurabačiai, krobsai, skylėtbačiai („Lochschuhe, Crocs, Lochschuhe“). VIERECKSPITZEN. Dies ist die Bezeichnung für Schuhe mit quadratischer Schuhspitze. Sie ist aus dem Internationalismus kvadratas (lat. quadratus) und dem litauischen Wort nosis („Nase“, LKŽe 4: „ein nach vorn ragender, spitzer Teil eines Gegenstands“: Seine Schuhe haben harte Spitzen Lš. Drück die Spitze des Bastschuhs nicht nieder – sonst läuft Wasser hinein Gdl.). Im AATŽ ist diese Schuhbezeichnung nicht verzeichnet. Offenbar wird sie der Kürze wegen substantivisch gebraucht. Sie ist nur im Neologismen-Datenbank belegt und hat sich im Sprachgebrauch nicht verbreitet. CONVERSE-SCHÜHCHEN. Die englische Entsprechung dieser Schuhbezeichnung lautet Converse shoes. Als Konversiukai werden die Sportschuhe der Firma „Converse“ mit Textilobermaterial und Gummisohlen bezeichnet. Ihr Erkennungszeichen ist ein fünfzackiger Stern. Die Diminutivform der Schuhbezeichnung wurde aus dem eponymischen Namen konversai21 und dem Suffix –(i)ukas gebildet. Im AATŽ ist sie nicht verzeichnet. Die Bezeichnungen konversai und konversiukai werden, ebenso wie inkariukai, meist umgangssprachlich für stilvolle und modische Freizeitsportschuhe beliebiger Marken verwendet. MOCCASIN-STIEFEL. Schuhe in Mokassin-Konstruktion mit Schäften, die Knöchel und Wade bedecken, werden mit einem zusammengesetzten Wort gemischter Herkunft bezeichnet, das aus dem seit Langem bekannten Schuhfachwort mokasinai22 und dem litauischen Wort batai („Schuhe“) gebildet ist. Vgl. engl. moccasins boots. Im AATŽ ist diese Schuhbezeichnung nicht verzeichnet. SPORTSCHÜHCHEN. Mit dieser Wortneuschöpfung werden Sportschuhe bezeichnet. Im DŽ wird das Wort sportinukai in der Bedeutung „zum Sport bestimmte T-Shirts“ gebraucht, im LKŽ dagegen als „ärmelloses Herrenunterhemd“. Leichte Schuhe, die beim Sport getragen werden, heißen gewöhnlich sporto oder sportiniais, batukais („Sportschuhen“) oder bateliais („Schühchen“). Natürlich ist eine zweigliedrige Bezeichnung im täglichen, insbesondere im umgangssprachlichen Gebrauch unpraktisch. Wir alle kennen auch das zusammengesetzte Wort sportbačiai, das 21 NSDB 2013 sind konversai – Stoffturnschuhe mit Gummikappen. 22 Im AATŽ werden mokasinai (Algonkin moccasinah, „Fußbedeckung“) wie folgt definiert: „Bestimmte Art von ledernen, absatzlosen Schuhen der nordamerikanischen Indianer“ (AATŽ 2014: 264). Es gibt echte und unechte Mokassins (ebd.). Terminologija | 2019 | 26 203 finden wir im DŽ, LKŽ und AATŽ. Im Wörterbuch der Sportterminologie werden diese Schuhe Sportschuhe genannt (vgl. engl. sports shoes), während die einsilbigen Bezeichnungen Sportbačiai und Sportukai als Synonyme aufgeführt werden (LRTB). In der freien Sprachverwendung wird Sportinuku auch ein Sportkinderwagen genannt. Diese neue Bedeutung ist ebenfalls im Neologismen-Wörterbuch verzeichnet. TAXISCHUHE. Damenschuhe mit sehr hohem Absatz werden nicht nur Mörderschuhe, sondern auch Taxischuhe genannt (engl. taxi shoes). Es handelt sich um eine zweigliedrige Bezeichnung, deren erstes Element international ist (vgl. das internationale Wort taksi (franz. taxi)), während das zweite litauisch ist (batai). Die Bezeichnung ist wörtlich aus dem Englischen übersetzt. Im Internetwörterbuch der Umgangssprache Urban Dictionary heißt es, es handle sich um unpraktisches und unbequemes Schuhwerk, in dem man nicht lange gehen könne und das man beim Ausgehen in Clubs oder zu Veranstaltungen trage – weshalb man gerade deshalb ein Taxi rufen müsse. Die Bezeichnung erklärt sich also dadurch, dass das Gehen in diesen Schuhen schwierig ist. Siehe ausführlicher Mörderschuhe, vgl. Killer. ZUSAMMENFASSUNG. Die meisten der besprochenen neuen Schuhbezeichnungen gemischter Herkunft haben einen fremdsprachigen Stamm und ein litauisches Suffix. Im AATŽ findet sich nur Balerinukės. Somit sind nicht alle Schuhbezeichnungen präzise, eindeutig, korrekt und offiziell gebilligt. Im Zusammenhang mit neuen Schuhbezeichnungen passt der Gedanke des Terminologen Kazimieras Gaivenis zu neu entstehenden Wörtern sehr gut: „Die Häufigkeit von Neubildungen (oder Neologismen) wird oft nicht durch sprachliche, sondern durch andere (soziale oder sogar völlig nichtlinguistische) Gründe bestimmt. Deshalb nehmen an der Arbeit an der Entwicklung der Sprache (allgemein) oder der Terminologie (in unserem Fall) nicht nur die aktive Bevölkerungsschicht teil (diejenigen, die selbst sprachliche Neuerungen schaffen und sich für Sprache interessieren), sondern auch die passive (diejenigen, die sprachliche Neuerungen nicht annehmen oder sich überhaupt nicht für sprachliche Fragen interessieren)“ (Gaivenis 1990: 12). SCHLUSSFOLGERUNGEN 1. Neue Schuhbezeichnungen machen einen kleinen Teil der Schuhbezeichnungen aus und spiegeln einen Sprachgebrauch von nahezu drei Jahrzehnten wider. Im Neologismen-Wörterbuch wurden insgesamt 47 Schuhbezeichnungen gefunden. Fast ein Drittel (28%) davon wird mit Wörtern litauischer Herkunft bezeichnet: Antbačiai, batai žudikai, čežutės, įspirtukės, kiaurabačiai, kleputės, laiveliai, lygiapadžiai, plokščiapadžiai, raudonpadžiai, riedbačiai, skyleitbačiai, trumpukai. Etwas mehr als die Hälfte (51%) der ermittelten Schuhbezeichnungen sind nichtlitauisch: englischer Herkunft (68%): botiljonai, brogai, čelsiai, derbiai, flatformos, flipflopai, kileriai, kroksai, lordsai, louferiai, monkai, oksfordai, skeičiužai, snikeriai, štibletai, ugsai; lateinischer Herkunft 204 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai (12%): balerinos, gladiatoriai, stiletai; französischer Herkunft (8%): lubutenai, tropezėtės; italienischer Herkunft (4%): „armadilai“; spanischer Herkunft (4%): manolai; arabischer Herkunft (4%): babušai. Die kleinste Gruppe bilden Schuhbezeichnungen aus Wörtern gemischter Herkunft (21%): balerinukės, baletinukės, baseinukės, inkariukai, kiaurakaliošiai, konversiukai, kvadratnosiai, mokasinbačiai, sportinukai, taksi batai. 2. Für neue Schuhbezeichnungen litauischer und gemischter Herkunft werden häufig Diminutivsuffixe verwendet: –ukai: inkariukai, sportinukai, trumpukai, konversiukai; –ukės: įspirtukės, balerinukės, baletinukės, baseinukės; –utės: čežutės, kleputės; und –eliai: laiveliai. Häufig sind Zusammensetzungen mit den Endungen –bačiai: kiaurabačiai, riedbačiai, sklyletbačiai, mokasinbačiai; und –padžiai: lygiapadžiai, plokščiapadžiai, raudonpadžiai; seltener sind Endungen wie –kaliošiai: kiaurakaliošiai; und –nosiai: kvadratanosiai. 3. Ein Teil der in Wörterbüchern nicht verzeichneten neuen Schuhbezeichnungen wird vermutlich im passiven Sprachgebrauch verbleiben, z. B.: trumpukai, kvadratnosiai, tropezėtės, sklyletbačiai, kiaurakaliošiai und andere. Andere, wie kroksai, inkariukai, konversiukai, sind bereits in den aktiven Sprachgebrauch eingegangen – sie werden im öffentlichen Raum häufig erwähnt und sind in der freien Sprachverwendung verbreitet. Obwohl sie nicht zu den offiziell gebilligten Schuhtermini zählen, werden sie dennoch weit verbreitet verwendet, wie die im Neologismen-Wörterbuch angeführten Gebrauchsbeispiele von Stylisten, Journalisten, Bloggern und anderen zeigen, die über Mode schreiben. Das Entstehen neuer Schuhbezeichnungen, ihre Verbreitung oder ihr Nichtdurchsetzen im Sprachgebrauch ist ein natürlicher Vorgang der Entwicklung der Terminologie (und allgemein der Sprache), der den Wandel von Termini und sogar deren Mangel widerspiegelt. 4. Das Internet ist ein Umfeld, das die Entwicklung der Schuhterminologie beeinflusst, denn die Schöpfer von Schuhterminologie kommen häufig nicht hinterher: Neue Begriffe entstehen sehr viel schneller, sowohl aufgrund der raschen Globalisierung als auch der Entwicklung neuer Technologien. Dies zeigen auch die im Neologismen-Wörterbuch verzeichneten neuen Schuhbezeichnungen sowie ihre Synonyme und Varianten. HAUPTQUELLE Datenbank der Neologismen der litauischen Sprache. Fortlaufendes Online-Nachschlagewerk seit 2011. Zusammengestellt und verantwortliche Redakteurinnen: R. Mi-liūnaitė, A. Aleksaitė, Vilnius: Institut für litauische Sprache. Online verfügbar: http://naujažodžiai.lki.lt [abgerufen Juni–Oktober 2019]. WEITERE QUELLEN AATŽ 2014: Ratautas S. A., Strazdienė E. ir Gulbinienė A. Aiškinamasis aprangos terminų žodynas: daugiau nei 6000 terminų lietuvių, anglų, vokiečių, prancūzų ir rusų kalbomis, Kaunas: Technologija. 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THE NEW NAMES OF FOOTWEAR S u m m a r y The online Database of Lithuanian Neologisms (http://naujazodziai.lki.lt) is a source of the contemporary Lithuanian language that was founded in the end of 2011 and has been updated till now. It accumulates the new 21st century lexicon reflecting changes in the lexicon of the Lithuanian language. The article is aimed at reviewing the names of contemporary footwear found in the Database of Lithuanian Neologisms, determining their origin, and discussing their expression. 47 names, that is to say, 38 different names of contemporary footwear and their synonyms are described in the article. It was found that 28% of the names of contemporary footwear found in the Database of Lithuanian Neologisms are of Lithuanian origin (antbačiai, batai žudikai, čežutės, įspirtukės, kiaurabačiai, kleputės, laiveliai, lygiapadžiai, plokščiapadžiai, raudonpa- Terminologija | 2019 | 26 207 džiai, riedbačiai, skylėbačiai, trumpukai), 51% – of non-Lithuanian origin (English origin: botiljonai, brogai, čelsiai, derbiai, flatformos, flipflopai, kileriai, kroksai, lordsai, louferiai, monkai, oksfordai, skeičiužai, snikeriai, šibletai, ugsai; Latin origin: balerinos, gladiatoriai, stiletai; Italian origin: “armadilai”; French origin: lubutenai, tropezėtės; Spanish origin: manolai; Arabic origin: babušai), and 21% – of mixed origin (balerinukės, baletinukės, baseinukės, inkariukai, kiaurakaliošiai, konversiukai, kvadratnosiai, mokasinbačiai, sportinukai, taksi batai). The names of Lithuanian and mixed origins tend to have diminutive suffixes -ukai: inkariukai, sportinukai, trumpukai, konversiukai; -ukes: spirtukės, balerinukės, baletinukės, baseinukės; -utės: čežutės, kleputės; and -eliai: laiveliai. Compounds are frequent with suffixes -bačiai: kiaurabačiai, riedbačiai, skylėbačiai, mokasinbačiai; -kaliošiai: kiaurakaliošiai; -nosiai: kvadratnosiai; -padžiai: lygiapadžiai, plokščiapadžiai, raudonpadžiai. A part of the names of new footwear discussed in this article are neologisms that were created not by linguists or footwear experts, what is more, they are not found in any official recommendations or language use nor terminological dictionaries. They are used mostly by stylists, journalists, and bloggers writing about fashion. The emergence of new names of contemporary footwear, their spread or non-adoption is a natural phenomenon of terminology (and language in general) development that reflects a change or even lack of terms. Gauta 2019-09-09 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė Lietuvių kalbos institutas P. Vileišio g. 4, LT-10308 Vilnius E. paštas [email protected] 208 Aušra Rimkutė-Ganusauskienė | Naujieji avalynės pavadinimai