Bendrinės kalbos regionai jaunųjų lietuvių kalbos bendruomenės narių požiūriu: kompetencija ir vaizdiniai
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DAIVA ALIŪKAITĖ
Humanistische Fakultät Kaunas der Universität Vilnius
ERIKA MERKYTĖ-ŠVARCIENĖ
Humanistische Fakultät Kaunas der Universität Vilnius
REGIONEN DER STANDARDSprache AUS DER SICHT JUNGER MITGLIEDER DER LITAUISCHEN SPRACHGEMEINSCHAFT: KOMPETENZ UND VORSTELLUNGEN
SCHLÜSSELWÖRTER: Standardsprache, Regionen der Standardsprache, einfaches Mitglied der Sprachgemeinschaft, Kompetenz in der Standardsprache, Vorstellung von der Standardsprache, perzeptive Dialektologie.
EINLEITENDE BEMERKUNGEN
Man kann sagen, dass die Ortsangabe bei der Beschreibung eines Nutzers der Standardsprache (bk) ein begleitendes Merkmal ist1. Üblicherweise wird ein Vertreter der bk durch ein System von Faktoren charakterisiert, das die Bildung und die soziokulturelle Erfahrung des Nutzers umfasst. Schließlich kann sogar ein bestimmter Beruf oder eine bestimmte Tätigkeit des Nutzers ein eindeutiger Hinweis auf einen Vertreter der bk sein2. Wie dem auch sei, die Ortsangabe zählt nicht zu den bedeutsamen Faktoren3.
Es ist darauf hinzuweisen, dass man bei der Standardsprache die Opposition zwischen Stadt und Land nicht völlig außer Acht lassen kann, da diese Unterscheidung gewöhnlich oft mit der bereits erwähnten Bildung zusammenhängt-
1Natürlich wäre eine solche Feststellung unpassend, wenn es um die Standardsprachen jener Länder (in unserem Fall die bk) geht, deren Grundlage die Sprache der Hauptstadt ist.
2Die bk wird üblicherweise mit Vertretern von Berufen des öffentlichen Sprechens, also Fernsehen, Rundfunk und Ähnlichem, in Verbindung gebracht, obwohl auch diese Bereiche, wie neueste soziolinguistische Untersuchungen zeigen, eine größere Vielfalt des Ausdrucks aufweisen, vor allem weil die Rollen von Fernseh- und Radiomoderatoren nicht ausschließlich von Personen mit einer einschlägigen (also auf diesen Bereich ausgerichteten) Ausbildung ausgeübt werden (mehr dazu siehe Tamaševičius 2012).
3Natürlich kann man angesichts der unterschiedlichen Schichten dialektaler Erfahrung der Nutzer und der Dialektgrundlage der bk a priori vermuten, dass Vertreter einiger Regionen Litauens bessere Vertreter der bk sein könnten als Vertreter anderer Regionen; ohne konkrete Daten sind dies jedoch lediglich Überlegungen. Anders als bei den Nutzern regionaler Dialekte lässt die Sprache der Vertreter der bk weder auf ihre Herkunft noch auf ihren Wohnort schließen. Zweifellos muss man einräumen, dass dies ein optimistisches Szenario ist. Genauer gesagt sollte die Sprache der Vertreter der bk ihre Herkunft und ihren Wohnort nicht verraten.
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…bildungs- (und auch sozial-kulturellen Erfahrungs-)faktor, der häufig entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung der BK-Kompetenzen eines Sprachbenutzers hat, vor allem deshalb, weil der Bildungsbereich a priori mit der BK verbunden wird. Aus objektiven Gründen (vgl. die entwickelte Infrastruktur, die angesiedelten Bildungseinrichtungen, die Vielfalt des Arbeitsmarkts usw.) sind Städte zweifellos Anziehungspunkte für gebildete Mitglieder der Sprachgemeinschaft; der Versuch, BK-Sprecher in erster Linie mit der Stadt in Verbindung zu bringen, kann daher teilweise zutreffen. Außerdem wird auch in der traditionellen Dialektologie zwischen Stadt und Land unterschieden; auf dieser Grundlage sucht man Dialektsprecher in erster Linie in Dörfern (vgl. das NORM-Kriterium4), obwohl man BK-Sprecher auch in Städten suchen sollte. Natürlich wäre es ungenau, ein gebildetes Mitglied der Sprachgemeinschaft eindeutig als wahrscheinlicheren BK-Sprecher und ein wenig gebildetes Mitglied als wahrscheinlichen Sprecher anderer Varietäten, meist dialektaler oder halb dialektaler Codes, einzustufen. Eine solche Sichtweise vereinfacht das Konzept sprachlicher Variabilität stark. Andererseits verpflichtet der Untersuchungsgegenstand dieses Artikels nicht dazu, genaue Entsprechungen zwischen dem soziolinguistischen Profil eines bestimmten Sprachbenutzers und seinem Sprachcode zu erörtern. Angesichts der sehr unterschiedlichen Entstehungs-, Entwicklungs- und Gebrauchsgeschichte der BK in verschiedenen Ländern sind selbst die theoretischen Modelle zur Verbreitung sprachlicher Varianten in der Gesellschaft, die häufig von Geolinguisten oder Soziolinguisten vorgelegt werden (vgl. Peter Trudgills Trapez- oder Dreiecksschema, das das System der Barrieren zwischen regionalen Akzenten und sozialen Codes veranschaulicht, siehe Trudgill 1983: 41), nur teilweise zutreffend, d. h. sie eignen sich zur Verallgemeinerung der Situation sprachlicher Variabilität in einem bestimmten Land, wenn die soziale Struktur der Gesellschaft sehr klar ist, die in dieser Gesellschaft angewandten Modelle der Spracherziehung gut bekannt sind usw. Aus dem Gesagten wird also deutlich, dass Forschende, etwa Soziolinguisten, Geolinguisten, Vertreter der normativen Sprachwissenschaft usw., die Ortsangabe im soziolinguistischen Profil eines typischen (oder, genauer gesagt, stereotypischen!) BK-Sprechers nur durch die Untersuchung einer konkreten Sprachgemeinschaft (vielleicht genauer: einer Generation der Sprachgemeinschaft) überprüfen können.
Theoretiker, die dem Begriff der Standardsprache (in unserem Fall der BK) beträchtliche Aufmerksamkeit widmen (dazu siehe Hilton 2010: 58–69; zu den theoretischen Diskussionen über die BK siehe auch Aliūkaitė 2009a: 164–168), äußern Zweifel daran, ob eine mündliche Form des Standards überhaupt existiert. So zufolge Deborah Cameron verwirklicht im Grunde nur das Schreiben den Mythos der Standardsprache (d. h. der BK) (zit. nach Jafte 2000: 500). Diese Überlegungen ließen sich weiter vertiefen, wenn ein entsprechender … vorhanden wäre.
4 Das Akronym NORM fasst folgendes soziolinguistische Profil eines Dialektsprechers zusammen: nonmobile, older, rural male = sesshaft, älter, aus dem Land [Hervorhebung von uns – D. A. und E. M.- Š.] Mann (siehe Chambers, Trudgill 1998: 29).
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…lung gewählt und Daten gesammelt wurden. Ziel dieses Artikels ist es, zu erörtern, warum die BK aus Sicht einfacher Mitglieder der Sprachgemeinschaft zu einem lokal verankerten Code wird, also zu einer Varietät, die mit einer bestimmten Stadt, Region oder Ähnlichem verknüpft wird.
DIE FORSCHUNGSTRADITION DER PERZEPTIVEN DIALEKTOLOGIE ALS MÖGLICHKEIT ZUR UNTERSUCHUNG VON BK-VORSTELLUNGEN
Das Paradigma der perzeptiven Dialektologie (engl. perceptual dialectology) (zu den Ansätzen der perzeptiven Dialektologie siehe ausführlicher Preston 1988: 373–395; 1989; 1999: xxiii–xl; Long 1999: 198–226; Inoue 1999: 147; Diercks 2002: 51–70; Evans 2002a: 95–975; siehe auch Aliūkaitė 2006: 88–89; 2007: 52–61), das die Sichtweise eines einfachen Mitglieds der Sprachgemeinschaft6 zunächst in dialektologischen Untersuchungen legitimierte, ermöglichte im Wesentlichen die Entstehung der sogenannten Sprachgefühl-Perspektive (dt. Sprachgefühl)7 auch in Untersuchungen, die nicht mit dem Dialektdiskurs verbunden sind. Das Untersuchungsproblem – die Regionen der BK aus der Sicht junger Mitglieder der litauischen Sprachgemeinschaft – wird also anhand der Vorstellungen einfacher Mitglieder der Sprachgemeinschaft von BK-Varianten erörtert. Eine nahezu objektive Projektion dieser Vorstellungen, die zugleich Gegenstand der Analyse in diesem Artikel ist, sind die sprachlichen Einstellungen der Sprachbenutzer und Beurteiler zu den Stimulus-Texten hinsichtlich ihrer Korrektheit, Verständlichkeit, Ähnlichkeit mit der BK, Attraktivität und natürlich …
5 Es sei darauf hingewiesen, dass hier nur kanonische Arbeiten von Vertretern des Paradigmas der perzeptiven Dialektologie vorgestellt werden, in denen die Methodik unter verschiedenen Gesichtspunkten entwickelt, präzisiert und erweitert wird. Mehr zu den Forschungen der perzeptiven Dialektologie weltweit siehe HPD1 1999; HPD2 2002; PD 2010.
6 Mit dem Begriff einfaches Mitglied der Sprachgemeinschaft werden in diesem Artikel jene Mitglieder der Sprachgemeinschaft bezeichnet, die über keine professionellen Sprachkenntnisse verfügen. In diesem Jahr erörterten Vertreter der perzeptiven Dialektologie und der Volkslinguistik (engl. folk linguistics) auf dem 19. Soziolinguistik-Symposium in Berlin in einer der abschließenden Diskussionen der Veranstaltung, „Folk linguistics and society: Discussion“, darüber, welche Versuchsperson das Kriterium eines nichtprofessionellen Mitglieds der Sprachgemeinschaft erfüllt. Zu einer gemeinsamen Auffassung gelangte man nicht. Die Dichotomie professionell vs nichtprofessionell ist jeweils an den Untersuchungsgegenstand gebunden. Selbst in diesem Untersuchungsfall ist die Behauptung, die Studienteilnehmer verfügten über keine professionellen Kenntnisse, nicht ganz zutreffend. In der Schule erwerben Schülerinnen und Schüler Kenntnisse über die BK; sie werden in der BK unterrichtet (im Litauischunterricht), und selbst die Unterrichtssprache fachfremder Lehrkräfte ist häufig die BK oder man bemüht sich zumindest darum, dass sie es ist. Andererseits begründet gerade ein solcher „Professionalisierungsgrad“ der Versuchspersonen den Reiz der Untersuchung – ob die Schule einen bedeutsamen Einfluss auf den sprachlichen Eindruck eines einfachen Mitglieds der Sprachgemeinschaft ausübt.
7 Mehr zur von H. Būld 1939 formulierten Unterscheidung zwischen „Sprachgefühl“ und „Sprachwirklichkeit“ (dt. Sprachwirklichkeit) siehe Goeman 1999: 136.
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die Lokalisierung von Textstimuli auf sogenannten mentalen Karten (engl. mental map)8.
Die Aufgaben zur Korrektheit, Verständlichkeit, Ähnlichkeit mit der Standardsprache (bk), Attraktivität von Textstimuli sowie zur mentalen Karte gehören traditionell zu den Arbeiten der Forscher der perzeptiven Dialektologie. Im Rahmen der Untersuchungen wird ermittelt, welche Sprachcodes aus Sicht der Mitglieder der Sprachgemeinschaft am korrektesten, attraktivsten usw. sind. Mit der Aufgabe zur mentalen Karte, bei der die Probanden die gehörten dialektalen Textstimuli auf einer Karte lokalisieren sollen, wird die Vorstellung der Sprecher vom Dialektkontinuum (und dessen räumlicher Ausdehnung) ermittelt. Ebenso ermöglicht die Einbeziehung von Textstimuli in Standardsprache in Untersuchungen der perzeptiven Dialektologie, die Einstellungen und Überzeugungen einfacher Mitglieder der Sprachgemeinschaft gegenüber der Standardsprache sowie den Stellenwert des Ortes im soziolinguistischen Profil eines Sprechers der Standardsprache zu beurteilen, also festzustellen, ob ein einfaches Mitglied der Sprachgemeinschaft einen Sprecher der Standardsprache mit einer bestimmten Region verbindet. Es lässt sich behaupten, dass durch die Bestimmung der Ortsparameter der Standardsprache bei einfachen Mitgliedern der Sprachgemeinschaft bis zu einem gewissen Grad auch die perzeptive Kompetenz der Sprecher in Bezug auf die Standardsprache ermittelt wird. Dieses Segment der soziolinguistischen Kompetenz ist wichtig, um einerseits die Leitlinien für die muttersprachliche Bildung zu präzisieren, und andererseits allgemein für Fragen der kulturellen Bildung bedeutsam, zu der auch die Dialektbildung als unverzichtbarer Bestandteil gehört (gehören sollte!). Darüber hinaus offenbart das System der Vorstellungen von der Standardsprache bis zu einem gewissen Grad auch die Dialektkompetenz der Sprecher, d. h. die Untersuchung zeigt, ob ein dialektaler Code von einem nichtdialektalen unterschieden wird. Diese Erkenntnisse sind für Geolinguisten, Soziolinguisten und Vertreter der normativen Linguistik gleichermaßen wichtig.
Es sei darauf hingewiesen, dass bei der Entwicklung des Instruments für die in diesem Artikel behandelte Studie beschlossen wurde, BK-Texte als Stimuli in die perzeptive Untersuchung aufzunehmen, wobei man sich an einer bestimmten Forschungstradition und entsprechenden Erfahrungen orientierte. Bei der 2004–2006 durchgeführten Studie „Wahrnehmung und Bewertung dialektalen Sprechens“ ermöglichten die Daten zu einem der bewerteten dialektalen Stimulus-Texte, in dem lediglich die sogenannten begleitenden Merkmale des ostaukštaitischen Dialekts von Anykščiai realisiert waren, die Feststellung eines ungenauen BK-Bildes bei gewöhnlichen Mitgliedern der Sprachgemeinschaft. Sogar 40,63% aller Res-
8 Greta Willio Dierckso (2002) pasiūlyto mentalinio žemėlapio termino perceptyviosios dialektologijos tyrėjų darbuose vartojamas ir pažintinio, kognityviojo žemėlapio (angl. cognitive map) terminas (pvz., Clopper 2004: 6). Be to, kad kartais tyrėjai panašia reikšme pavartoja ir okazinius terminus (labai tikėtina, kad pačių susikurtus, be aiškios tradicijos), pavyzdžiui, kognityvusis peizažas (angl. cognitive landscape) ir mentalinis peizažas (angl. mental landscape) (žr. Wales 1999, paskaitos medžiaga). Daugiau apie mentalinio žemėlapio užduotis perceptyviosios dialektologijos tyrėjų darbuose žr. Aliūkaitė 2007: 174–182; Aliūkaitė 2009b: 164–179).
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Die Probanden bewerteten sowohl die dialektalen Textstimuli als auch die Textstimuli in Standardsprache anhand der Kriterien Korrektheit, Attraktivität, Verständlichkeit und Ähnlichkeit mit der Standardsprache. 9 gaben an, der genannte dialektale Text unterscheide sich nicht von der Standardsprache (mehr zu dieser Untersuchung siehe Aliūkaitė 2009a: 160–187). Ähnliche Daten wurden auch bei der Untersuchung dialektaler Einstellungen im Jahr 2008 erhoben (siehe Aliūkaitė, Merkytė 2009: 259–274)10. Die festgestellte Ungenauigkeit der Vorstellungen von der Standardsprache gab Anlass, die Untersuchungen fortzusetzen, um weitere mit der Standardsprache verbundene Aspekte zu klären. Somit bildet auch in diesem Fall ein Teil der Daten einer komplexen Untersuchung der perzeptiven Dialektologie, die sich in erster Linie der Wahrnehmung und Bewertung dialektalen Sprechens (tk) widmete, die Grundlage für die Erörterung der Frage der Verortung der Standardsprache įvietinimo. Die Untersuchung fand im November 2009, im Dezember 2010 und im Januar 2011 statt. Im Rahmen der Untersuchung zur perzeptiven Dialektologie wurden die apriorischen Einstellungen zur Bewertung dialektalen Sprechens, Merkmale des soziolinguistischen Profils der Urheber des dialektalen Diskurses sowie die Wahrnehmung und Bewertung konkreter dialektaler Textstimuli anhand der Kriterien Verständlichkeit, Korrektheit, Ästhetik und Ähnlichkeit mit der Standardsprache untersucht; anhand der Daten aus der Aufgabe zur mentalen Karte wurde die Orientierung einfacher Mitglieder der Sprachgemeinschaft im Dialektkontinuum analysiert. Unter den 13 Textstimuli, die den Probanden zur Bewertung vorgelegt wurden, befanden sich auch 3 Textstimuli in Standardsprache. Diese 3 Textstimuli entsprechen zweifellos den Normen der Standardsprache (unter anderem auf der Ausspracheebene), da sie aus Aufnahmen der CD zusammengestellt wurden, die dem Heft Lietuvių kalbos bendrinės tarties (2004) beigefügt war. Die Aufnahmen auf der CD dienten dazu, Journalisten, Schauspieler, Pädagogen und Juristen die korrekte Aussprache zu vermitteln11. Hinsichtlich der Vielfalt der sprachlichen Mittel sind alle 3 Textstimuli in Standardsprache gleichwertig: Es handelt sich um wortreiche, bildhafte Fragmente im literarischen Stil. Die Sprecherin des ersten Textstimulus ist eine Frau, die Sprecher des zweiten und dritten sind Männer.
Die Probanden bewerteten sowohl die dialektalen Textstimuli als auch die Textstimuli in Standardsprache anhand der Kriterien Korrektheit, Attraktivität, Verständlichkeit und Ähnlichkeit mit der Standardsprache.
9 Die Stichprobe umfasste 548 Befragte im Alter von 13 bis 17 Jahren. An der Untersuchung nahmen Schülerinnen und Schüler der Dukstynos-Grundschule in Ukmergė, der Šilas-Mittelschule in Ukmergė, der katholischen Schule „Ąžuolas“ in Kaunas, der 6. Mittelschule in Marijampolė, der Pivašiūnai-Mittelschule im Bezirk Alytus, der Bartuva-Mittelschule im Bezirk Skuodas, der Kartenos-Mittelschule im Bezirk Kretinga und der Pandėlys-Mittelschule im Bezirk Rokiškis teil.
10 An der Untersuchung nahmen 46 Schülerinnen und Schüler der Milikoniai-Mittelschule in Kaunas teil (bei der Durchführung der Untersuchung unterstützten die Lehrerinnen Audronė Babajan und Violeta Sventkauskienė) sowie 40 Schülerinnen und Schüler der Vinco-Grybo-Mittelschule in Lukšiai (bei der Durchführung der Untersuchung unterstützte die Lehrerin Aldona Urbaitienė).
11 Die dialektalen Textstimuli wurden ausgewählt, um die gesamte dialektale Vielfalt Litauens abzubilden. 6 Textstimuli gehören zum Aukštaitischen (d. h. zu den westaukštaitischen Kaunern (2 Texte), den westaukštaitischen Šiauliaiern, den südaukštaitischen, den ostaukštaitischen Panevėžysern und den ostaukštaitischen Širvintosern), 4 hingegen zum Niederlitauischen (d. h. zu den westniederlitauischen, den südniederlitauischen Raseiniaiern, den nordniederlitauischen Kretingaern und den südniederlitauischen Varniaierrn). 9 dialektale Textstimuli wurden dem LKTCH (2004) entnommen, der Textstimulus der westaukštaitischen Kauner (Bezirk Šakiai) LT (2005). Der Analyse ihrer Wahrnehmung und Bewertung wird in diesem Artikel nur so viel Aufmerksamkeit gewidmet, wie für eine klarere Erörterung der untersuchten Fragestellung erforderlich ist.
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Es ist anzumerken, dass das Kriterium der Ähnlichkeit mit der BK bei der Bewertung des BK-Textstimulus aus Sicht des Forschers überflüssig erscheinen und der Logik widersprechen kann; bei der Erstellung des Forschungsinstruments ist eine solche Strategie für ein einfaches Mitglied der Sprachgemeinschaft jedoch gerechtfertigt. Ziel der Untersuchung ist es, nicht den Wert der BK als abstrahiertes System zu ermitteln, sondern das Bild der BK im Bewusstsein eines einfachen Mitglieds der Sprachgemeinschaft. Daher ermöglicht gerade eine solche Aufgabe (d. h. das Kriterium der Ähnlichkeit mit der BK) festzustellen, ob das von einem einfachen Mitglied der Sprachgemeinschaft verinnerlichte Bild der BK mit deren Realisierung übereinstimmt oder nicht. Darüber hinaus ermöglichte die den Probanden zur Bewertung vorgelegte Skala des semantischen Differentials, die Übereinstimmung des bewerteten Textstimulus mit der BK zu erfassen (siehe Abb. 1).
ABB. 1. Bewertungsskala des semantischen Differentials12
Für die Erörterung der Forschungsfrage dieses Artikels ist die Aufgabe der mentalen Kartierung aus der Untersuchung der perzeptiven Dialektologie von größter Bedeutung.
Bei der Aufgabe zur mentalen Kartierung wurden die Probanden gebeten, den Ort zu markieren und aufzuschreiben, aus dem die Sprecher ihrer Meinung nach stammen. Die Aufgabe umfasst eine Karte mit eingezeichneten Gemeindegrenzen und Verwaltungszentren; dabei wird berücksichtigt, dass die Probanden der jüngeren Generation angehören und ihnen möglicherweise geografische Kenntnisse fehlen. Eine solche Annahme vertritt auch Dennis R. Preston (1989), der die Prinzipien der perzeptiven Dialektologie entwickelt hat.
Der Artikel behandelt Daten aus einer in den Städten Kaunas, Klaipėda, Panevėžys, Šiauliai, Telšiai und Alytus durchgeführten Untersuchung13. Die anonyme Untersuchung der Probandengruppen in den einzelnen Städten dauerte jeweils 30–40 Minuten. Die Gesamtstichprobe umfasste 276 Befragte. Die Probanden waren 14–18 Jahre alt.
12 In Untersuchungen können auch andere Skalen verwendet werden, etwa Skalen mit 5, 6 oder 9 Punkten (mehr dazu siehe Al-Hindawe 1996: [1–9]).
13 Die hier erörterte Untersuchung wurde nicht nur in den genannten Städten durchgeführt. Insgesamt wurden mehr als 500 Fragebögen aus ganz Litauen gesammelt (z. B. aus Šakiai, Kalvarija, Kartena, Kretinga, Varniai, Radviliškis, Ramygala, Varėna u. a.). Im Artikel wurde jedoch beschlossen, nur die Daten der Probanden aus sechs Städten mit geolinguistisch unterschiedlichen Sprachumgebungen zu analysieren, da die Stichproben an den übrigen Untersuchungsorten sehr ungleichmäßig verteilt waren (von wenigen bis zu einigen Dutzend Personen). Daher wäre es nicht objektiv, von Tendenzen zu sprechen, solange nicht genügend und gleichmäßig verteilte Daten erhoben wurden.
Die Fragebögen der durchgeführten Untersuchung werden am Lehrstuhl für Litauische Philologie der Humanistischen Fakultät Kaunas der Universität Vilnius aufbewahrt.
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ERKENNUNG UND LOKALISIERUNG DER STANDARDSRPACHE: KOMPETENZ UND VORSTELLUNGEN
Es sei darauf hingewiesen, dass an der Untersuchung Personen aus unterschiedlichen sprachlichen Umfeldern teilnahmen (siehe Tabelle 1).
TABELLE 1. Untersuchungsteilnehmende
Sprachliches Umfeld
Stadt
Anzahl der untersuchten Personen
Westliche Oberlitauer aus dem Raum Kaunas14
Kaunas
35
Westliche Oberlitauer aus dem Raum Šiauliai
Šiauliai
40
Östliche Oberlitauer aus dem Raum Panevėžys
Panevėžys
53
Südliche Oberlitauer
Alytus
46
Westliche Niederlitauer aus dem Raum Klaipėda
Klaipėda
56
Telšių nordžemaičių at Telšiai
Telšiai
46
Obwohl im 21. Jahrhundert ein sehr breit geführter (und, geben wir es zu, durchaus begründeter) Diskurs über die Vereinheitlichung und Vermischung der Dialekte sowie ihre Annäherung an die Standardsprache geführt wird, zeigen die neuesten geolinguistischen Untersuchungen in Litauen, dass der Dialektcode nicht bereit ist, alle Domänen aufzugeben15. Auf der Ebene bewusster Einstellungen lässt sich sogar von einer Wiederbelebung der Dialekte sprechen. Natürlich ist anzuerkennen, dass es oft angemessener ist, nicht von einem traditionellen Dialekt zu sprechen, also von einer klar abgegrenzten Sprechvarietät, die einem bestimmten Areal zugeordnet werden kann, sondern von einem bestimmten Codekontinuum zwischen Standardsprache und Dialekt, das heißt von einem Regiolekt. Der Regiolekt bezeichnet ein Gebilde, das die Beziehungen zwischen Standard- und Dialekt, ihre Ähnlichkeit und ihren Ausgleich (Richtung: Dialekt → Standardsprache) widerspiegelt (mehr über Regio-
14 Im Folgenden werden im Artikel die folgenden Kurzbezeichnungen der Gruppen verwendet: VAK – die Untersuchungsteilnehmer der Milikoniai-Mittelschule in Kaunas (bei der Durchführung der Untersuchung half die Litauischlehrerin Audronė Babajan), VAŠ – die der Lieporiai-Gymnasiums in Šiauliai (Hilfe leistete Reda Šteimantienė, Leiterin der Abteilung für Sozialwissenschaften, Litauisch, technologische, künstlerische und körperliche Bildung), RAp – die Untersuchungsteilnehmer der „Aušra“-Mittelschule in Panevėžys (Hilfe leistete die stellvertretende Schulleiterin Daina Jasiūnaitė), PA – des Adolfo-Ramanausko-Vanago-Gymnasiums in Alytus (Hilfe leistete die stellvertretende Schulleiterin Rita Baubonienė), VŽk – des „Ąžuolynas“-Gymnasiums in Klaipėda (Hilfe leistete die stellvertretende Schulleiterin Vida Rudokienė), ŠŽt – die Untersuchungsteilnehmer der „Džiugas“-Mittelschule in Telšiai (Unterstützung leistete die stellvertretende Schulleiterin Janina Šalkauskytė).
15 Siehe die Website des Projekts „Aktuelle geolinguistische Untersuchungen in Litauen: Optimierung des Punktnetzes und interaktive Verbreitung dialektaler Informationen“ (Projektcode Nr. VP1-3.1-ŠMM-07-K-01-028, Leiterin Prof. Danguolė Mikulėnienė) www.tarmes.lt, auf der die Daten der neuesten Dialektuntersuchung veröffentlicht sind, das heißt kurze Gesprächs- und Monologfragmente aus ganz Litauen. Das veröffentlichte Material zeigt, dass dialektal markierte Ausdrucksweisen für Vertreter verschiedener Generationen charakteristisch sind.
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ABB. 2 Aufgabe zur mentalen Karte
lektą žr. Hoppenbrouwers 1982: 186–196). Olandų tyrėjo Kornelijaus Antonijaus Johannes[o] Hoppenbrouwerso pasiūlytas regiolekto terminas kai kurių autorių (plg. Bellmann 1998: 23–34) dažnai pasirenkamas ir kelių panašėjančių tarmių dariniui įvardyti.
Bei der Zusammenstellung der Stichprobe wurde zunächst berücksichtigt, dass die Untersuchungsteilnehmer aus unterschiedlichen sprachlichen Umgebungen stammen sollten; dies ist für die Analyse der erhobenen Daten wichtig. Angesichts der Vermischung und Annäherung unterschiedlicher Ausdrucksweisen, das heißt des Regiolekts, ist die Einteilung der Untersuchungsteilnehmer in Sprecher aus dem westaukštaitischen kaunassischen, šiaulischen usw. Dialektgebiet jedoch eher bedingt und etwas zu strikt. Dennoch ist es zutreffend zu sagen, dass die Untersuchungsteilnehmer aus unterschiedlichen sprachlichen Umgebungen stammen. Zweifellos hängen die Einstellungen der Untersuchungsteilnehmer aus verschiedenen Gruppen gegenüber tk und bk sowie ihre Vorstellungen von Dialekten und das System ihrer Vorstellungen von der Standardsprache von ihrem Wohnort ab, der von einer eigenen Ausdrucksweise (Dialekt, Regiolekt o. Ä. – das ist nicht mehr so wichtig) geprägt ist. Es ist wichtig hinzuzufügen, dass selbst in einer Großstadt die Möglichkeit erhalten bleibt, rein dialektale oder in gewissem Maße dialektal markierte Ausdrucksweisen zu hören, oder dass zumindest Vorstellungen von dialektalen Ausdrucksweisen vorhanden sind16. Dies hängt natürlich mit der relativ späten Migration in die Städte und damit auch mit einer recht kurzen urbanen Tradi-
16 Die Daten der Verantwortlichen des Projekts „Städte und Sprachen“ zeigen, dass die Bewohner aller großen Städte (Vilnius, Kaunas, Klaipėda) angeben, Dialekte recht gut unterscheiden zu können (siehe Kliukienė 2010: 95, 99).
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Andererseits ist hier auch die Dichte der sogenannten sozialen Netzwerke (engl. social network)17 mit Verwandten oder Bekannten in einem unterschiedlichen dialektalen Umfeld wichtig; sie bestimmt zumindest die perzeptiven Fähigkeiten hinsichtlich unterschiedlicher Ausdrucksweisen und kann somit nicht nur die sogenannte Dialektkompetenz, sondern auch die Kompetenz in der Standardsprache beeinflussen.
Bei der Aufschlüsselung der Bewertungen der drei Standardsprachen-Textstimuli, die im Fragebogen der Untersuchung mit den Buchstaben F, I und M codiert waren (siehe Abbildung 2, die Ausschnitte aus den Fragebögen mit der durchgeführten Aufgabe zur mentalen Kartierung zeigt18), ist zunächst festzuhalten, dass die Untersuchungsdaten es rechtfertigen, von einem ungenauen Bild der Standardsprache bei den Angehörigen der Sprachgemeinschaft der jüngeren Generation zu sprechen.
Es wäre nicht völlig zutreffend und richtig, strikt zu behaupten, die Kompetenz im Verständnis der Standardsprache sei begrenzt, denn die Versuchspersonen bewerten alle drei Standardsprachen-Textstimuli hinsichtlich der Kriterien Korrektheit und Ähnlichkeit mit der Standardsprache mit sehr hohen Werten (auf einer 7-stufigen semantischen Differenzialskala) und grenzen sie somit klar von den zehn anderen bewerteten dialektalen Textstimuli ab (siehe Tabelle 2 und Abb. 3)19.
TABELLE 2. Bewertungen der Korrektheit und Ähnlichkeit mit der Standardsprache für die Standardsprachen-Textstimuli (Punktwerte)
Kriterium
Standardsprachen-Textstimuli
Gruppe der Versuchspersonen
F
I
M
RAp
Korrektheit
6,0
5,3
5,8
Ähnlichkeit mit der Standardsprache
5,9
5,2
5,9
PA
Korrektheit
6,5
6,2
6,1
Ähnlichkeit mit der Standardsprache
6,5
6,3
6,3
VAš
Korrektheit
6,4
6,2
6,2
Ähnlichkeit mit der Standardsprache
6,3
6,1
6,0
17 Apie socialinių tinklų sampratą daugiau žr. Milroy, Milroy 1992.
18 Wir stellen fest, dass Standardsprachen-Textstimuli mit Großstädten in Verbindung gebracht werden. Diese Tendenz ist unter den Versuchspersonen aller Gruppen eine der häufigsten; siehe weiter unten im Artikel.
19 Wie bereits erwähnt, werden in diesem Artikel die Bewertungsdaten der Textstimuli tk nicht analysiert – dies ist Gegenstand anderer Artikel. Zum Vergleich sei kurz angemerkt, dass der höchste Durchschnittswert für die Korrektheit beim Textstimulus im Dialekt der westlichen Aukštaiten von Kaunas, den die Befragten aller Gruppen mit den höchsten Punktzahlen bewerteten, 5,5 Punkte beträgt; der höchste Durchschnittswert für die Ähnlichkeit mit der bk liegt bei 5,8 (so bewerten die Befragten der Gruppe VŽk). Die Korrektheits- und Ähnlichkeitswerte der übrigen 9 Textstimuli sind deutlich niedriger. So wird etwa die Ähnlichkeit des Textstimulus im Dialekt der südlichen Aukštaiten mit der bk mit 4,1 Punkten bewertet, seine Korrektheit mit 3,7 Punkten (so bewerten die Befragten der Gruppe RAp); die Ähnlichkeit des Textstimulus im Dialekt der nördlichen Žemaiten von Kretinga mit der bk wird mit 3,2 Punkten bewertet, seine Korrektheit mit 3 Punkten (so bewerten die Befragten der Gruppe PA) usw.
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Gruppe der Befragten | Kriterium | Textstimuli der bk | F | I | M | ŠŽt | Korrektheit | 6,2 | 5,6 | 6,0 | Ähnlichkeit mit der bk | 5,6 | 5,9 | 5,7 | VŽk | Korrektheit | 6,6 | 6,4 | 6,5 | Ähnlichkeit mit der bk | 6,6 | 6,5 | 6,4 | VAk | Korrektheit | 6,3 | 6,1 | 6,3 | Ähnlichkeit mit der bk | 6,4 | 6,0 | 6,2
Dies legt im Wesentlichen die Schlussfolgerung nahe, dass die Befragten sie tatsächlich nicht für dialektale Texte halten. Es sei darauf hingewiesen, dass die Befragten ihre Bewertungen nur selten begründeten; ihre Argumente stützen jedoch, obwohl sie vereinzelt sind, diese Annahme, zum Beispiel: KaunM6920 – sprach korrekt und sprach alle Wörter sehr deutlich aus; PanvžV159 – vollkommen korrekt; ŠiaulV201 – echtes Litauisch; ŠiaulV202 – sprach korrekt, indem sie die Wörter aussprach; AlytV238 – weil alles korrekt ist, denn hier wird die Standardsprache gesprochen; AlytM270 – vollkommen korrekt; KlaipV448 – fast korrekt; KlaipM495 – genau wie die Standardsprache.
Die Daten zum Korrektheitsgrad und zur Ähnlichkeit mit der bk in der Grafik zeigen, dass die Textstimuli der bk als bk erkannt wurden. Folglich lässt sich bei der Bewertung der Vorstellung der Befragten von der bk von unterschiedlich starken Fehlurteilen sprechen.
Die Bewertungen der Ähnlichkeit der Textstimuli mit der bk lassen darauf schließen, dass nur die Fähigkeit eines sehr kleinen Teils der Befragten, die bk zu erkennen, infrage gestellt werden kann. So wird im Fragebogen der befragten Person AlytM264 die Ähnlichkeit des Textstimulus I mit der bk nur mit 3 und die des Textstimulus M mit 2 Punkten bewertet; der Befragte TelšV391 bewertet die Ähnlichkeit des Textstimulus F mit der bk mit 3 und die des Textstimulus M mit 2 Punkten; der Befragte KlaipV458 bewertet die Ähnlichkeit des Textstimulus I mit der bk nur mit 2 Punkten usw. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nur 11,7% aller Befragten den Textstimulus F als der bk unähnlich bewerten; beim Textstimulus I sind es nur 14,9%, beim Textstimulus M nur 13,7%. Die Korrektheitsbewertungen entsprechen im Wesentlichen den Ähnlichkeitsbewertungen; vgl. F
20 Im Artikel werden folgende Kurzformen der Codes der Befragten verwendet: Kaun – befragte Person der Milikoniai-Mittelschule in Kaunas, Šiaul – befragte Person des Lieporiai-Gymnasiums in Šiauliai, Panvž – befragte Person der „Aušros“-Mittelschule in Panevėžys, Alyt – befragte Person des Adolfo-Ramanausko-Vanago-Gymnasiums in Alytus, Klaip – befragte Person des „Ąžuolyno“-Gymnasiums in Klaipėda, Telš – befragte Person der „Džiugas“-Mittelschule in Telšiai. Der Buchstabe M kennzeichnet eine weibliche, V eine männliche befragte Person; die Zahl gibt die Fragebogennummer an. Die Sprache der Kommentare und Antworten wurde nicht korrigiert.
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ABB. 3. Bewertungen der Korrektheit und der Ähnlichkeit mit der bk bei Textstimuli der bk (in Punkten)
Nur 10,8% der Befragten halten den Textstimulus für inkorrekt; beim Textstimulus I sind es nur 14,4%, beim Textstimulus M nur 13%.
Die Daten aus der Aufgabe zur mentalen Karte erlauben eine wesentlich genauere Aussage über die Ungenauigkeit der Vorstellung junger Mitglieder der Sprachgemeinschaft von der bk. Obwohl die Bewertungen der Mehrheit der Befragten hinsichtlich Korrektheit und Ähnlichkeit mit der bk darauf hindeuteten, dass sie die bk erkannt hatten, bezeichnete nur ein kleiner Teil der Befragten die gesprochenen Texte präzise als bk (siehe Abb. 4). Die Befragten, die dies angaben, markierten die Texte auf der mentalen Karte überhaupt nicht.
Somit geht aus den Forschungsdaten hervor, dass der Ort der bk nur aus wissenschaftlicher Perspektive unwichtig ist; in der Taxonomie der Mitglieder der Sprachgemeinschaft wird dieser Code mit bestimmten Orten verknüpft. Die Ortszuordnung ist weder stereotyp eindeutig noch präzise, doch lassen sich bestimmte Tendenzen feststellen.
Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass Befragte aus unterschiedlichen sprachlichen Umgebungen die bk unterschiedlich häufig mit einem bestimmten Ort verbinden (siehe Abb. 3). Die Forschungsdaten zeigen, dass die Befragten der Gruppe PA die präziseste Vorstellung von der bk haben. Mehr als die Hälfte aller Befragten der Gruppe PA (d. h. 54,4%) markierte die Textstimuli der bk überhaupt nicht auf der mentalen Karte. Hervorzuheben ist, dass die Befragten auf diese Weise alle drei Textstimuli der bk abgrenzten.
Die übrigen Daten der Befragten aus dem sprachlichen Umfeld PA sind nicht besonders repräsentativ oder aussagekräftig. Entscheidend ist die Tendenz, die Textstimuli der bk örtlich zu verorten, doch
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4 ABB. Genaue Benennung der Standardsprache durch junge Befragte
Es lässt sich nicht behaupten, dass die Standardsprache konsequent mit einer bestimmten Stadt Litauens in Verbindung gebracht wird. In der einen oder anderen Stadt lokalisierten lediglich 2–7% der Befragten die Standardsprache-Textstimuli (d. h. 1–3 junge Menschen) (vgl. Vilnius – 4,3% (F- und I-Textstimuli); 6,5% (M); Kaunas – 6,5% (F); Trakai – 2,2% (F, I und M); Marijampolė – 2,2% (I) usw.).
Ein weiterer wichtiger Aspekt der untersuchten Personen aus Alytus ist, dass nur die untersuchte Person AlytM266 den Standardsprache-Textstimulus (d. h. den I-Textstimulus) in Alytus verortete. Diese Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Personen der PA-Gruppe ein nahezu genaues Bild des Codes ihrer sprachlichen Heimat (engl. linguistic homeland21) haben. Genauer gesagt, unterscheiden junge Menschen aus Alytus den Code ihrer sprachlichen Heimat vom Code der Standardsprache. Diese Daten sind für die Geolinguistik aufschlussreich. Aus solchen Ergebnissen zur Wahrnehmung der Standardsprache wird deutlich, dass in Alytus Dialektcodes unterschiedlicher Ausprägung (Dialekt, Regiolekt o. Ä.) verwendet werden; wichtig ist dabei, dass der Ausprägungsgrad für einfache Mitglieder der Sprachgemeinschaft ausreicht, um ihren dialektal markierten Code von dem der Standardsprache-Sprecher zu unterscheiden. Übrigens erkannten die untersuchten Personen der PA-Gruppe den Textstimulus des südaukštaitischen Dialekts-
21 Dėl termino kalbinė gimtinė (angl. linguistic homeland) žr. Diercks 2002: 51.
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(in der Untersuchung war dies A, d. h. der erste bewertete Dialekt-Textstimulus) und verorteten ihn recht genau. 65,2% der Befragten verorteten diesen Textstimulus im Gebiet des südaukštaitischen Dialekts (meist in der Gegend um Varėna, Lazdijai und Alytus).
Abbildung 4 zeigt, dass eine weitere Gruppe, deren Mitglieder die Standardsprache-Textstimuli nahezu erkannten, die Befragten aus der Stadt Klaipėda sind. 17,9% der Befragten hielten den Sprecher des F-Textstimulus für einen Vertreter der Standardsprache; dass die Sprecher der I- und M-Textstimuli Standardsprache sprechen, gaben 16,1% der Befragten an. Übrigens kommentiert eine Befragte (KlaipM472) bei der Bewertung des M-Textstimulus sogar überrascht: Standardsprache (schon wieder?), sodass anzunehmen ist, dass ein Teil der Befragten, ohne sich völlig sicher zu sein, auch geraten haben könnte.
Betrachtet man allein die Aufgabe zur mentalen Karte, sind die Daten der Befragten aus der VŽk-Gruppe tatsächlich nicht aussagekräftig, und es scheint keinen Grund zu geben, von der Genauigkeit des Standardsprache-Bildes zu sprechen. Die Kompetenz, Standardsprache-Textstimuli wahrzunehmen, d. h. die Einschätzungen der Ähnlichkeit der Standardsprache-Textstimuli mit der Standardsprache und ihrer Korrektheit (siehe Tabelle 2 und Abb. 2), zeigt jedoch deutlich, dass das Standardsprache-Bild der jungen Menschen aus Klaipėda der Standardsprache nahezu entspricht (geringe Abweichung auf einer 7-Punkte-Skala); das Bild wird also nur durch die lokale Zuordnung verzerrt.
Bereits bei dieser Gruppe von Befragten zeichnen sich zwei stereotype Merkmale des soziolinguistischen Porträts eines Standardsprache-Sprechers ab: 1) Ein Sprecher der Standardsprache wird häufiger mit Großstädten (Vilnius oder Kaunas) als mit anderen Städten in Verbindung gebracht; 2) ein Sprecher der Standardsprache kann den Code der sprachlichen Heimat der befragten Person verwenden. Solche Tendenzen zeigen somit, dass der Code der Standardsprache für die Befragten mit einer gewissen Besonderheitskonnotation verbunden ist.
Bei der Bewertung des ersten Standardsprache-Textstimulus der Untersuchung (F) verortete ihn die größte Zahl der Befragten, nämlich 23,2%, in ihrer Geburtsstadt Klaipėda. Natürlich lässt sich nicht ausschließen, dass der Code der sprachlichen Heimat der Befragten tatsächlich der im Rahmen der Untersuchung angehörten und bewerteten Standardsprache entspricht; eine solche Überlegung sollte jedoch durch Daten empirischer Beobachtung gestützt werden. 17,9% der Befragten meinten, dass diese Ausdrucksweise für die Einwohner von Vilnius charakteristisch sei; 16,1% der Befragten aus der VŽk-Gruppe ordneten diesen Standardsprache-Textstimulus Kaunas zu. Die übrigen Markierungen auf der mentalen Karte scheinen keinem Muster zu folgen – ein- bis zweimal wurde der Text Alytus, Raseiniai, Šiauliai usw. zugeordnet. Insgesamt wurden 11 Orte in Litauen genannt.
Der zweite Standardsprache-Textstimulus (I) wurde am häufigsten in Vilnius verortet – dies meinten 41,1% der Befragten aus der VŽk-Gruppe. 7,1% der Befragten ordneten den zweiten Standardsprache-Textstimulus Klaipėda zu, 3,6% Kaunas. Doch weder Klaipėda noch Kaunas sind in diesem Fall besonders hervorgehobene Städte. Insgesamt nannten die Befragten bei ihren Überlegungen dazu, woher der Sprecher des I-Textstimulus stammen könnte, nicht weniger als 14 Orte in Litauen.
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Der dritte Stimulus für den Standardlitauisch-Text wurde noch uneinheitlicher lokalisiert. Insgesamt wurden 22 Städte genannt, z. B. lokalisierten in Kaunas 10,7% der Probanden der Gruppe VŽk den Stimulus M; in Vilnius waren es 8,9%; in Panevėžys 5,4%; in Kėdainiai 5,4% usw. Es ist anzunehmen, dass diese Uneinheitlichkeit teilweise auch mit der Position des Textstimulus in der Untersuchung zusammenhängt. Die Probanden hörten sich diesen Textstimulus zuletzt an. Diesen Faktor darf man nicht außer Acht lassen; andererseits sollte man ihn auch nicht überbewerten, denn anhand anderer Kriterien, vgl. Korrektheit, Ähnlichkeit mit dem Standardlitauischen und Attraktivität, wurde dieser Textstimulus recht einheitlich bewertet; diese Einschätzung wird auch durch die freien Kommentare gestützt.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass das Verständnis des Standardlitauischen bei den Probanden aus der Stadt Klaipėda eher zutreffend als unzutreffend ist, dass jedoch die stereotype Verknüpfung des Standardlitauischen mit bestimmten Städten das Gesamtbild des Standardlitauischen aus soziolinguistischer Sicht erheblich verzerrt. Es ist gleich vorweg anzumerken, dass das Modell des Standardlitauisch-Bildes der Gruppe VŽk im Wesentlichen auch für die anderen Probandengruppen charakteristisch ist.
Bei der Zusammenfassung der Untersuchungsdaten aus den Gebieten RAp, VAš, VAk und ŠŽt ist festzustellen, dass die Probanden generell kaum dazu neigen zu behaupten, dass die Sprecher der Textstimuli I, F und M Standardlitauisch sprechen; davon ist nur ein sehr kleiner Teil der Probanden überzeugt (siehe Abb. 3). 7,6% der Probanden aus dem sprachlichen Umfeld RAp bezeichnen die Textstimuli F und M als Standardlitauisch, 3,8% dieser Gruppe beurteilen den Textstimulus I so. 5% der Befragten aus dem sprachlichen Umfeld VAš nennen den Textstimulus F Standardlitauisch; nur 2,5% der Probanden beurteilen die Textstimuli I und M so. 4,3% der Probanden aus dem sprachlichen Umfeld ŠŽt neigen dazu, die Textstimuli F und M für Standardlitauisch zu halten; 2,2% beurteilen den Textstimulus I so. Noch strengere Beurteiler des Standardlitauischen sind die Probanden aus dem sprachlichen Umfeld VAk: Nur 5,7% der Probanden überzeugt die Ausdrucksweise des Textstimulus F, während niemand die Textstimuli I und M dem Standardlitauischen zuordnete.
Es ist anzumerken, dass Probanden, die gewöhnlich behaupten, der gehörte Textstimulus sei Standardlitauisch, die Ähnlichkeit des Textes mit dem Standardlitauischen maximal bewerten, d. h. auf der Skala des semantischen Differentials 7 Punkte vergeben. So vergibt die Probandin PanvžM92 bei der Bewertung der Ähnlichkeit des Textes mit dem Standardlitauischen 7 Punkte für den Textstimulus F; ŠiaulV219 vergibt 7 Punkte für die Textstimuli F und I; KaunM58 vergibt 7 Punkte für den Textstimulus F; TelšM405 vergibt für alle drei Standardlitauisch-Textstimuli der Untersuchung jeweils 7 Punkte usw.
Die Erkennung des Standardlitauischen wurde also in allen betrachteten Gruppen (RAp, VAš, VAk und ŠŽt) nur wenige Male ausdrücklich geäußert (d. h. lediglich 1–3 Probanden in jeder Gruppe gaben an, dass Standardlitauisch zu hören sei, und brachten den Textstimulus nicht mit einem bestimmten Ort in Litauen in Verbindung). Folglich lässt sich in diesen Fällen nur von einer recht guten Kompetenz im Verständnis des Standardlitauischen sprechen, die sich in den Ähnlichkeits- und Korrektheitsbewertungen zeigt
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(siehe Tabelle 2 und Abb. 2). Die Daten aus der Mental-Map-Aufgabe dieser Gruppen bestätigen noch deutlicher, dass sich die jungen Mitglieder der Sprachgemeinschaft ein unzutreffendes Bild des Standardlitauischen gebildet haben.
Man kann feststellen, dass das Bild des Standardlitauischen in den Gruppen RAp, VAš, VAk und ŠŽt aufgrund der Tendenz, Standardlitauisch mit den größten Städten Litauens zu verbinden, dem Bild des Standardlitauischen in der Gruppe VŽk entspricht und in einigen Gruppen sogar ausgeprägter ist (siehe Abb. 4).
39,6% der Probanden der Gruppe RAp ordnen den Textstimulus F Vilnius zu; 32,6% der Probanden der Gruppe ŠŽt; 22,5% der Gruppe VAš und 14,3% der Gruppe VAk. Nicht weniger als 57,5% der Vertreter der Gruppe VAš neigen dazu, diesen Text in Kaunas zu verorten; 34,3% der jungen Einwohner von Kaunas sind ebenfalls davon überzeugt, dass der Textstimulus F aus ihrem sprachlichen Umfeld stammt. Ebenso verorten 17,4% der Mitglieder der Gruppe ŠŽt und 13,2% der Probanden der Gruppe RAp den ersten Standardlitauisch-Text in Kaunas.
Bei der Bewertung des zweiten und dritten Textstimulus für Standardlitauisch sind die Probanden nicht mehr so einheitlich, doch die Großstadt bleibt aus dem soziolinguistischen Profil der Sprecher des Standardlitauischen bestehen. Obwohl die aufgeschlüsselten Daten nicht alle gleichermaßen aussagekräftig sind (siehe Abb. 5), lässt sich dennoch die Haupttendenz der jungen Mitglieder der Sprachgemeinschaft feststellen: Sie verbinden Standardlitauisch häufiger mit Vilnius und Kaunas als mit anderen Städten Litauens.
RAp VAš F I M F I M Vilnius 39,6 17,0 15,1 22,5 25,0 15,0 Kaunas 13,2 18,9 15,1 57,5 15,0 5,0 VAk ŠŽt Vilnius 14,3 28,6 5,7 32,6 21,7 17,4 Kaunas 34,3 17,1 20,0 17,4 21,7 8,7
ABB. 5. Tendenz, Standardlitauisch den Großstädten zuzuordnen
Es ist wichtig anzumerken, dass sich weder in den Gruppen RAp und VAš noch in der Gruppe ŠŽt eine Tendenz abzeichnete, die Standardlitauisch-Textstimuli mit der sprachlichen Heimat in Verbindung zu bringen.
In der Gruppe RAp verorteten nur zwei Probanden (PanvžV100 und PanvžV101) den Textstimulus F in Panevėžys; den Textstimulus I verortete nur ein Proband (PanvžV99) dort; den Textstimulus M ebenfalls nur ein Proband (PanvžV84). Aus der Gruppe VAš ordnet nur eine Probandin (ŠiaulM213) den dritten Standardlitauisch-Textstimulus (M) der Sprach-
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heimatlichen, d. h. Šiauliai. Natürlich war auch das Ergebnis sehr erwartbar und vorhersehbar, dass kein einziger Proband aus der Gruppe ŠŽt den Code bk mit seiner sprachlichen Heimat in Verbindung brachte. Hinzuzufügen ist, dass solche Daten auch geolinguistisch relevant sind. Somit zeigt sich, dass eine ausgeprägte dialektale Unterschicht die Kompetenz in bk präzisiert.
Andere Einsichten zur sprachlichen Heimat legen die Bewertungen der bk-Textstimuli durch die Probanden aus der Stadt Kaunas (VAk) nahe. Man kann von einer autostereotypischen Einstellung der jungen Einwohner von Kaunas sprechen: In Kaunas werde am korrektesten gesprochen, also werde bk gesprochen. Die litauische Identität der Stadt Kaunas wird nicht infrage gestellt; dies bestätigen auch die neuesten soziolinguistischen Daten (vgl. Ramonienė 2011). In dieser Hinsicht erscheint es durchaus plausibel, dass die bk-Textstimuli der Stadt Kaunas zugeordnet werden. Forschende weisen darauf hin (vgl. Milroy 2001: 539), dass einfache Mitglieder einer Sprachgemeinschaft die Standardsprache (im vorliegenden Fall bk) häufig mit der Nationalsprache gleichsetzen. Es ist anzunehmen, dass auch hier abstrakte Sprachkonzepte, nämlich bk und Nationalsprache, miteinander vermengt werden. Ein Teil der Probanden ordnet die am korrektesten bewerteten und bk am ähnlichsten eingeschätzten Textstimuli (wie die entsprechenden Bewertungen zeigen) der litauischsten Stadt Litauens zu. Natürlich ist auch der bereits erwähnte Faktor der sprachlichen Heimat nicht auszuschließen. Es ist eine logische und regelmäßige Tendenz, den am höchsten bewerteten Text mit dem eigenen Wohnort zu verbinden. Dies gilt besonders dann, wenn sich die Bewertenden sprachlich sicher fühlen und ihr Code offenes Prestige besitzt. Es ist anzunehmen, dass gerade ein solches Modell der Verknüpfung von bk und dem eigenen Herkunftscode für einige junge Einwohner von Kaunas charakteristisch sein kann.
Zur Gruppe der Probanden aus VAk ist anzumerken, dass noch eine weitere Tendenz festgestellt wurde. Ein Teil der Probanden aus der Stadt Kaunas neigte dazu, die bk-Textstimuli möglichst nahe bei Kaunas zu verorten, zum Beispiel in Kėdainiai (den Textstimulus F – 17,1%, den Textstimulus I – 5,7%) und in Kaišiadorys (den Textstimulus I – 8,6%, den Textstimulus M – 5,7%). Diese Daten könnten teilweise durch den bereits erwähnten Faktor der sprachlichen Heimat bedingt sein; möglicherweise wurde nach folgendem Muster geschlossen: So wird gesprochen, wenn schon nicht in der unmittelbaren Umgebung, dann ganz sicher irgendwo in der Nähe.
Insgesamt regen die Daten einiger Probandengruppen zu Überlegungen über bk-Zonen in der Nähe von Großstädten an. Die Untersuchung zeigt, dass Kaišiadorys, Kėdainiai, Vilkaviškis, Šakiai und Trakai zur bk-Zone gehören.
Nur die Probanden der Gruppe PA ordneten die bk-Textstimuli nicht Kaišiadorys zu. In Kėdainiai verorteten die Probanden aller Gruppen mindestens einmal und mindestens einen der bk-Texte (wie bereits erwähnt, wurde bei den Probanden der Gruppe VAk sogar eine entsprechende Tendenz festgestellt). Auch in Vilkaviškis und Šakiai gab es in jeder Gruppe Probanden, die mindestens einen der bk-Texte diesen Städten zuordneten.
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Es ist anzunehmen, dass Trakai von den Probanden häufig als bk-Zone markiert und nicht von Vilnius unterschieden wird. Anders lässt sich nicht erklären, warum Trakai auf der mentalen Karte eine ziemlich wichtige Zone darstellt; vgl.: 27,5% der Probanden der Gruppe VAš verorten den Textstimulus I in dieser Stadt und 10% den Textstimulus M; 10,9% der Probanden aus ŠŽt ordnen Trakai ebenfalls den Textstimulus M zu; in Trakai verorten den Textstimulus M auch 5,7% der Probanden der Gruppe RAp.
Bemerkenswert ist, dass Marijampolė22 nicht zu den stereotypischen bk-Städten zählt. Die bk-Textstimuli wurden dieser Stadt nur wenige Male zugeordnet: Den Textstimulus F verorteten die Probanden aus VAš und ŠŽt jeweils einmal; den Textstimulus I ordneten die Probanden aus PA, VAk und VAš jeweils einmal zu; ein Proband aus VŽk ordnete Marijampolė den Textstimulus M zu. Diese Daten lassen durchaus Rückschlüsse zu. Es ist möglich, dass Marijampolė für einfache Mitglieder der Sprachgemeinschaft einen höheren geolinguistischen Stellenwert hat, das heißt stärker mit dialektaler Sprechweise als mit bk verbunden wird. Andererseits ist es auch denkbar, dass das gerade hinsichtlich der Ausdrucksform ungenaue Bild von bk so weit von der realen bk entfernt ist, dass die einfachen Mitglieder der Sprachgemeinschaft objektiv bk-nähere Codes nicht mehr als bk-ähnlich wahrnehmen. Das würde zweifellos auf eine besonders schwache bk-Kompetenz einfacher Mitglieder der Sprachgemeinschaft hindeuten. Da jedoch nur Daten zu Einstellungen vorliegen, wäre es nicht gerechtfertigt, weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Probanden wurden nicht gefragt, wo am korrektesten, wo bk oder wo am ähnlichsten zu bk gesprochen werde und Ähnliches. Daher kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass Marijampolė ebenso als markierte Stadt bewertet worden wäre, die nicht mit bk, sondern mit tk verbunden wird, wenn andere Fragen und andere Aufgaben zum Textverständnis gestellt worden wären.
Man kann sagen, dass die Probanden in der Aufgabe zur mentalen Karte insgesamt 41 Orte (Städte oder Städtchen) markierten (Tabelle 3 zeigt, wie viele verschiedene Städte jeweils genannt wurden). Einige Städte (Orte) beginnen bereits, den prototypischen Status einer bk-Stadt (eines bk-Ortes) zu erlangen (zur entsprechenden Bewertung der Stadt Vilnius siehe Čičirkaitė, Vaicekauskienė 2011: 57–76). Dies ist natürlich,
22 Vgl. dazu die subjektive Sprachbewertung, die Laima Grumadienė 1980 mit soziolinguistischen Methoden untersuchte. Die von der Forscherin erhobenen Daten zeigten, dass damals andere Einstellungen vorherrschten. An der Untersuchung nahmen damals 45 Schülerinnen und Schüler der oberen Klassenstufen aus Vilniuser Schulen teil. 44% der Befragten gaben an, die Einwohner der Stadt Vilnius sprächen Normsprache. Nahezu derselbe Anteil der Schüler nannte Suvalkija und Kapsukas (heute Marijampolė) als Regionen, in denen Literatursprache (d. h. bk) gesprochen werde (jeweils 42%); 31% der Antworten werteten die Sprache der Einwohner von Kaunas als Normsprache, 24% die Sprache Ost-Aukštaitijas. Als im Fragebogen darum gebeten wurde anzugeben, ob die Sprache der Einwohner von Vilnius oder der Suvalkija der Literatursprache ähnlicher sei, nannten 56% der Befragten die Suvalkija, 27% Vilnius; die übrigen beantworteten die Frage nicht. Auf die Bitte hin, die Sprache der Einwohner von Marijampolė und Kaunas zu vergleichen, bewerteten 49% der Schüler die Sprache der Einwohner von Marijampolė höher und 22% die der Einwohner von Kaunas (mehr dazu siehe Grumadienė 1980: 91–93).
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Es handelt sich um Dinge auf der Ebene von Einstellungen und Überzeugungen. Die soziolinguistische Auffassung der bk, die die Standardsprache innerhalb eines Variantensystems verortet, ist den Befragten nicht klar. Andererseits würden nur systematische Untersuchungen zur Beobachtung von Sprachcodes Daten zur Sprachwirklichkeit (dt. Sprachwirklichkeit) gewährleisten (zur Unterscheidung zwischen H. Būildos Sprachwirklichkeit und Sprachgefühl siehe ausführlicher Goeman 1999: 136) und eine Grundlage dafür bieten, von einer präzisen oder unpräzisen Vorstellung von bk zu sprechen; dies sind jedoch Ziele anderer Untersuchungen.
TABELLE 3. Anzahl der im mentalen Kartenbild genannten Städte und Ortschaften
Gruppe der BefragtenAnzahl genannter Städte und OrtschaftenF TextstimulusI TextstimulusM TextstimulusRap 16 16 20PA 9 10 8Vaš 7 13 17ŠŽt 14 12 16VŽk 11 14 22Vak 11 15 15
SCHLUSSFOLGERUNGEN UND ANNAHMEN
Zur Beantwortung der Forschungsfrage – warum die bk aus Sicht gewöhnlicher Mitglieder der Sprachgemeinschaft zu einem verorteten Code wird – sind zwei wichtigste Aspekte zu nennen. Die Daten der perzeptiven Untersuchung wurden als diagnostisch bewertet. Einerseits wird die volkstümliche Taxonomie per se sichtbar; andererseits werden auf diese Weise konkrete praktische Arbeitsfelder für die Sprachforschung erkennbar, ebenso wie Leitlinien der sprachlichen Bildung, die präzisiert werden sollten, und Ähnliches.
Die gute Kompetenz junger Mitglieder der Sprachgemeinschaft im Verständnis der bk legt die Einsicht nahe, dass die bk zweifellos im Bildungsbereich funktioniert. Andererseits zeigt die Aufgabe mit der mentalen Karte, dass dieser Code nicht klar konzeptualisiert ist, das heißt, im Prozess der sprachlichen Bildung nicht angemessen von regionalen, sozialen Varianten und Ähnlichem unterschieden wird. Die Untersuchungsergebnisse zeigen deutlich, dass die in den Paradigmen der normativen Linguistik und der Soziolinguistik vertretene Auffassung von bk den Befragten nur wenig bekannt ist und dass die bk in ihrem Bewusstsein zu einem verorteten Code wird, also beinahe in das System regionaler Varianten fällt. Natürlich wäre es grundsätzlich fehlerhaft zu behaupten, dass die bk ein Mitglied des Systems regionaler Varianten ist.
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Eine solche paradoxe Vorstellung von bk ist jedoch unter den Nutzern wirksam und kann vermutlich sogar den sprachlichen Geschmack und die sprachlichen Präferenzen der Nutzer beeinflussen.
Die erkennbare Tendenz, bk mit Vilnius und Kaunas zu assoziieren, zeigt, dass die Mitglieder der Sprachgemeinschaft der jüngeren Generation verworrene Vorstellungen von Zentren sozialer und kultureller Anziehungskraft und von Sprachidealen haben. Eine solche Verortung der bk lässt sich mit einer besonderen Hauptstadt- und allgemein Großstadtfixierung erklären. Natürlich ist dies bei einem Laien als Sprachbeurteiler sehr nachvollziehbar und natürlich. Die Großstadt ist ein soziales Ideal und wird folglich auch zu einem sprachlichen Ideal. Deshalb ist der bk-Code aus Sicht des Laien eher der Code einer Großstadt als der irgendeiner anderen Stadt. Dass Konkurrenzbeziehungen gerade zwischen Vilnius und Kaunas hervortreten, ist sehr wahrscheinlich: Für Vilnius ist der erwähnte Hauptstadtstatus maßgeblich, für Kaunas das Bild der litauischsten Stadt. Vertreter der perzeptiven Dialektologie in sehr unterschiedlichen Ländern23 erhalten ähnliche Daten: Orte mit positiven kulturellen und sozialen Konnotationen erzielen üblicherweise auch positive Bewertungen auf den mentalen Karten der Sprachvarianten durch die Beurteilenden. Dasselbe gilt allgemein für das Bild einer sprachlichen Heimat auf mentalen Karten (im vorliegenden Fall sind im Hinblick auf bk nur Klaipėda und Kaunas zu nennen). Die Überzeugungen und Vorstellungen gewöhnlicher Mitglieder der Sprachgemeinschaft dürfen also keinesfalls geringgeschätzt werden.
Eine unpräzise Vorstellung eines gewöhnlichen Mitglieds der Sprachgemeinschaft kann nicht als falsch gelten. Man muss lediglich die Perspektiven der Forschenden und der Nutzer klar voneinander unterscheiden. Aus Sicht der Forschenden wäre es falsch zu behaupten, bk sei ein lokalisierter Code, denn sie stützen sich auf die wissenschaftliche Definition und die allgemeine Konzeptualisierung von bk. Aus Sicht der Nutzer, das heißt gewöhnlicher Mitglieder der Sprachgemeinschaft, ist die Aussage richtig, bk sei ein verorteter Code, denn die Nutzer stützen sich auf fest etablierte24 oder sehr vergängliche Stereotype, Einstellungen, sprachlichen Geschmack und Ähnliches, also auf Größen, auf die das Fehlerkriterium grundsätzlich nicht angewandt werden kann; andernfalls würde das gewöhnliche Mitglied der Sprachgemeinschaft sofort auf die Expertenebene gehoben. Damit würden auch die beiden Wissenssysteme, das professionelle und das laienhafte, vermischt, obwohl es sich hierbei um kognitive Aspekte handelt, die berücksichtigt werden müssen. Es steht außer Zweifel, dass unpräzise Vorstellungen gewöhnlicher Mitglieder der Sprachgemeinschaft von bk ein eigenständiger und recht wichtiger Forschungsgegenstand sind.
23 Pavyzdžiui, tirti prancūzų kalbos variantai Kanadoje Kvebeke (žr. Evans 2002b: 83–86), Turkijos dialektai (žr. Demirci, Kleiner 1999: 263—282), olandų bk ir tarmės Olandijoje (žr. Bezooijen 2002: 13–30) ir kt.
24 Es muss eingeräumt werden, dass einige Aussagen sogar eine reale Grundlage haben – vgl. Kaunas ist die litauischste Stadt, wo sonst könnte es Nutzer der bk geben?
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Gauta 2012 11 05
REGIONS OF THE STANDARD LANGUAGE FROM THE POINT OF VIEW OF YOUNG MEMBERS OF THE LITHUANIAN LANGUAGE COMMUNITY: COMPETENCE AND IMAGES
Summary
System of factors which is referred to when modelling a representative of a standard language includes education as well as social and cultural experience of a user. User’s profession or activity could also become a clear reference to the potential representative of the standard language speakers. From a theoretical perspective location mark is not one of the important factors, though theoretical models not always precisely correspond to the system of user’s attitudes and beliefs.
The aim of this article is to discuss why the standard language becomes a localized code in the point of view of the young members of the language community. The researched problem – regions of the standard language from the point of view of the young members of the Lithuanian language community – is being discussed researching the images of the standard language variants prevalent in this group of users. Linguistic attitudes of the language users and estimators towards correctness, intelligibility, similitude to the standard language and appeal of text-
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stimuli and localization of text-stimuli in so-called mental maps provide more or less an objective projection of these images.
The investigation of the standard language localization issue is based on a part of the data collected during a complex research of perceptual dialectology carried out in November 2009, December 2010 and January 2011.
A task of mental map of perceptual dialectology is the most important for the research of this issue. The research was carried out in schools and gymnasiums of Kaunas, Klaipėda, Panevėžys, Šiauliai, Telšiai and Alytus. A total sample of the research included 276 respondents at the age of 14–18.
The research data shows that the standard language is unlocalized only in scientific perspective. In the taxonomy of the members of the language community this code is associated with particular places. The place marker is not stereotypically unambiguous and accurate, but certain trends can be established.
Two clear markers of the sociolinguistic portrait of the standard language user can be brought out: more frequently the standard language user is associated with major cities of Lithuania (Vilnius or Kaunas) rather than other towns and the standard language user can be the user of the respondent’s linguistic homeland code.
Data from some of researched groups suggests an idea about the standard language zones near the cities or major towns. The research shows that Kaišiadorys, Kėdainiai, Vilkaviškis, Šakiai and Trakai could be included into such zones.
During the task of mental mapping the participants of the research marked 41 places (large or small towns) in total. Some of these places start gaining the value of prototypic standard language place. This is the matter of attitudes and views and the respondents are not aware of the sociolinguistic concept of standard language. Only systemic research of the code observation would ensure “linguistic reality” of the data and become the basis for talking about the precise image of the standard language.
KEYWORDS: standard language, regions of the standard language, ordinary member of the language community, standard language competence, standard language image, perceptual dialectology.
DAIVA ALIŪKAITĖ
Vilniaus universiteto Kauno humanitarinis fakultetas
Muitinės g. 8, LT-44280 Kaunas
[email protected]
ERIKA MERKYTĖ-ŠVARCIENĖ
Vilniaus universiteto Kauno humanitarinis fakultetas
Muitinės g. 8, LT-44280 Kaunas
[email protected]
D. ALIŪKAITĖ, E. MERKYTĖ-ŠVARCIENĖ. Bendrinės kalbos regionai jaunųjų lietuvių kalbos bendruomenės narių požiūriu: kompetencija ir vaizdiniai
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