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Dar kartą dėl „eksperto“, „koncerto“ ir panašių žodžių kirčiavimo

Aldonas Pupkis

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ALDONAS PUPKIS NOCH EINMAL ZUR AKZENTUIERUNG VON EXPERTO, KONCERTO UND ÄHNLICHEN WÖRTERN Dem Andenken meines lieben Freundes Aleksas Girdenis gewidmet SCHLÜSSELWÖRTER: Standardsprache, Akzentuierung, Kodifizierung von Normen, Akzentkennzeichnung, Realisierung der Intonationsakzente. EINLEITUNG Seit mehr als einem halben Jahrhundert erneuert sich immer wieder die Diskussion unter Akzentologie- und Phonetikfachleuten über die Akzentuierung internationaler Wörter wie ekspertas, koncertas, nervas, rezervas usw.: Soll man die derzeitige offizielle Kennzeichnung der betonten Silbe solcher Wörter mit einem Gravis befürworten (d. h. ekspertas, koncertas, nervas, rezervas und solche Wörter der Akzentklasse 1 zuordnen), oder zur Vorkriegspraxis zurückkehren und den fallenden Intonationsakzent kennzeichnen (d. h. ekspertas, koncertas, nervas, rezervas und sie als Wörter der Akzentklasse 2 behandeln). Besonders hervorzuheben ist, dass von der Akzentkennzeichnung (dem Intonationsakzent) die Akzentklasse dieser Wörter und die Bedingungen für die Anwendung der Vorletzte-Silbe-Regel abhängen. Außenstehenden mag dieser Streit recht belanglos, vielleicht sogar nichtig erscheinen oder Verwunderung darüber auslösen, warum manche die Tradition der letzten Jahrzehnte ändern wollen. Bei näherer Betrachtung der Frage wird sich jedoch zeigen, dass die Diskussion keine private Laune von jemandem ist – es handelt sich um eine grundlegende Frage, die mit dem Sprachsystem und seiner Struktur zusammenhängt und deren ungelöste Aspekte im Sprachgebrauch viele Unklarheiten bestehen lassen, die die praktische Arbeit mit der Akzentuierung erschweren und die Akzentuierungsfertigkeiten öffentlicher Sprecher – Moderatoren und Journalisten bei Radio- und Fernsehsendungen, Schauspieler, Lehrer usw. – beeinträchtigen. Besonders aktuell wird diese Frage zudem bei der Herausgabe eines neuen Wörterbuchs der litauischen Standardsprache, das den gegenwärtigen Sprachgebrauch widerspiegelt: Bendrinės lietuvių kalbos žodyną. Es ist zu betonen, dass hier internationale Wörter und sonstige Lehnwörter eines bestimmten Typs gemeint sind und mindestens zwei Fragen geklärt werden sollen: 1) die Geschichte der Akzentkennzeichnung (Normierung) von Wörtern dieses Typs zu überblicken, 2) die systemischen Beziehungen der betonten Silbe solcher Wörter innerhalb des gesamten prosodischen Systems der litauischen Standardsprache zu bestimmen. Nach Abschluss dieser Arbeiten stellt sich als dritte Aufgabe, begründete Empfehlungen für die Kodifizierung der Standardsprache und die praktische Tätigkeit vorzulegen. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 2 GESCHICHTE DER AKZENTKENNZEICHNUNG Angaben zur Akzentuierung fremder (und/oder internationaler) Wörter und zur Kennzeichnung betonter Silben mit bestimmten Akzentzeichen finden sich seit dem 19. Jahrhundert – in den Wörterbüchern von Frydrikas Kuršaitis (dt. Friedrich Kurschat). In ihnen finden sich keinerlei Hinweise darauf, dass Wörter des hier behandelten Typs mit einem Gravis akzentuiert worden wären; genauere Angaben, anhand deren sich die Herkunft des Akzents solcher Wörter bestimmen ließe, fehlen jedoch ebenfalls. So finden sich etwa im deutsch-litauischen Wörterbuch (Kurschat 1870) einige einschlägige Akzentuierungsbeispiele: Kellner – kė̃lneris I 681, Nerv – nė́rva II 90, Reserve – rezė́rvai II 130. Im litauisch-deutschen Wörterbuch (Kurschat 1883) sind die Entlehnungen aus dem Deutschen kė̃lmeris „freier Bauer“ 177, ėrcikis (mit Ableitungen) „Herzog“ 177 und o erbas „Wappen“ 107 ohne Akzent aufgeführt. Somit ist in diesen Wörterbüchern keine Klarheit zu erkennen, und wie Pranas Skardžius sagte: „Wir können nicht länger allein aufgrund von Kurschats Grammatik und Wörterbüchern endgültige Schlüsse über die Akzentuierung der litauischen Sprache ziehen“ (Skardžius 1999: 289). Eine ausführlichere Erörterung dieser Frage kann bei Jonas Jablonskis ansetzen, der die Grundlagen für die Normierung vieler Bereiche der litauischen Sprache legte und zugleich die Grundlagen der litauischen Akzentologie festigte. Den ersten Hinweis auf die Akzentuierung solcher Wörter finden wir laut Arvydas Vidžiūnas (1997: 147) in Petro Avižonis’ 1892 verfasstem Lietuviškoje gramatikėlėje („Kleine litauische Grammatik“), die Jablonskis den Anstoß gab, seine bekannte Lietuviškos kalbos gramatiką („Grammatik der litauischen Sprache“) auszuarbeiten und 1901 zu veröffentlichen (dazu siehe Piročkinas 1977: 144–145). In jener kleinen Grammatik ist auf S. 10 das Wort terminas mit Zirkumflexakzent versehen (vermutlich dank Jablonskis’ Bemühungen). Die Authentizität dieser Akzentuierung durch Jablonskis wird durch einen von ihm gelesenen Text in Jurgis Gerulis’ dialektologischer Studienarbeit bestätigt: Dort ist tẽrminu akzentuiert (Gerullis 1930: 7). Daugiau informacijos apie kalbamų žodžių kirčiavimą yra Vidžiūno (1997) monografijoje Jono Jablonskio akcentologija. Išstudijavęs Jablonskio kirčiavimo dalykus autorius teigia, jog turint prieš akis kai kurių tarptautinių daiktavardžių (skolinių) kirčiavimą „spėtina, kad ir ne vienas tarptautinis žodis su kirčiuotais dvigarsiais i, u, o, e + l, m, n, r, kurie šiandien paprastai yra tvirtrapradžiai, Jablonskio kalboje galėję turėti tvirtagalę priegaidę“ (Vidžiūnas 1997: 147–148). Taip esą leidžia manyti ir Jablonskio pasekėjo Benjamino Sereiskio kirčiavimas hercogas, koncėrtas, tẽrminas. Iš tiesų Sereiskis 1926–1928 m. buvo Jablonskio sekretorius, o pats Jablonskis apie jo lietuvių kalbos mokėjimą yra atsiliepęs teigiamai („Sereiskis, būdamas ne lietuvis, lietuvių kalbos mokėjimu daro gėdą daugeliui lietuvių.“ – Juozo Senkaus liudijimas. Žr. Atsiminimai 2010: 357). Tie Sereiskio sukirčiuoti pavyzdžiai cituojami iš jo 1929 m. rusų kalba Kaune išleisto Sisteminio lietuvių kalbos vadovo (žr. Sereiskis 1929). BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 3 In Sereiskis’ Lehrbuch gibt es auch eine gewisse Einführung, in der einige Aspekte der litauischen Rechtschreibung, Akzentuierung und anderes erörtert werden. Darin wird eigens erläutert, dass „[a]lle litauischen Wörter nach einer einzigen Mundart akzentuiert werden – der westlichen Unterdialektgruppe der Aukštaitier am Nemunas, die heute die Grundlage der Schriftsprache bildet“ (Sereiskis 1929: V). Zu diesem Zweck überprüfte der Verfasser die Wörter bei mehreren zuverlässigen Gewährspersonen und befragte vor allem Prof. Jablonskis. Die Sprecher dieser Mundart akzentuierten Fremdwörter wie folgt: spórtas, kurórtas, pórcija, <...>, heṙbas, bel̇gas, <...>, kel̇neris, fel̇čeris... tėrminas, heṙcogas, eneṙgija, gubeṙnija, ineṙcija, komeṙcija... (ebd.). Auf S. VII wird ferner daran erinnert, dass konceṙtas, remȯntas und nicht kòncertas, rèmontas zu akzentuieren ist. Selbstverständlich werden die uns hier interessierenden Wörter nach der ersten Akzentklasse akzentuiert (wenn in der Grundform die drittletzte Silbe betont ist, mit Ausnahme von terminą – 3b) oder nach der zweiten (wenn die vorletzte Silbe betont ist). Somit werden alle Beispiele ausnahmslos nach einem einzigen System angeführt; obwohl dies als mundartliche Akzentuierung (die Mundart Jablonskis’) bezeichnet wird, dient es doch als Grundlage für das entstehende Modell zur Akzentuierung fremder und/oder internationaler Wörter in der Standardsprache. Dabei wird tatsächlich der Tendenz der gesprochenen Sprache Rechnung getragen, fremde Wörter, die aus slawischen (weißrussischen, polnischen) Sprachen ins Litauische übernommen wurden, mit Zirkumflex zu akzentuieren (mit wenigen Ausnahmen; einige slawische Entlehnungen, die schon in ältester Zeit übernommen wurden, werden mit Akut akzentuiert, z. B. bažnyčia, lenkas, vyskupas, svietas u. a.), während die Entlehnungen aus dem Deutschen überwiegend Akut aufweisen (siehe Skardžius 1999: 31–36). Über Vermittlersprachen gelangte auch die Mehrheit der internationalen Wörter ins Litauische, deren Ursprung im Altgriechischen oder Lateinischen liegt; im älteren Sprachgebrauch spielte dieser ursprüngliche Ursprung jedoch kaum eine Rolle. Mit der Verbreitung der Kultur gewannen Entlehnungen aus dem Französischen sowie aus dem Spanischen, Italienischen und anderen Sprachen an Bedeutung; heutzutage entlehnen wir zunehmend Wörter aus dem Englischen. Daher wird es wichtig, auch die neuesten Wege der Wortentstehung zu berücksichtigen und sie mit der älteren Entlehnungstradition in Einklang zu bringen. In der Zwischenkriegszeit erschienen in Litauen auch mehrere Lehrbücher zur Akzentuierung. Einige davon (Būtėnas 1931, Skardžius 1936) enthalten Angaben zur Akzentuierung der hier interessierenden Wörter. 1931 erschien ein umfangreiches Lehrbuch zur Akzentuierung mit Grundlagen der Phonetik von Petro Būtėnas, in dessen § 124 diese Frage erstmals wohl ausführlicher erläutert wird. Dort heißt es zur Akzentuierung von Fremdwörtern: „Im Allgemeinen akzentuieren die Litauer Fremdwörter ebenso wie litauische oder entlehnte Wörter, z. B.: 1) áltas, álgebra, buhá lteris <...>; krėi̇seris, kel̇neris, fel̇čeris; eneṙgija, heṙcogas, gubeṙnija, ineṙcija, komeṙcija; <...>“ (Būtėnas 1931: 113). In der Mitte desselben Paragraphen wird hinzugefügt, dass „[d]ie Litauer heutzutage manche Wörter auch anders akzentuieren, nämlich so, wie sie in den Sprachen akzentuiert werden, aus denen diese Wörter übernommen wurden, z. B.: himnas, kel̇neris, heṙcogas, eneṙgija, ineṙcija, komeṙcija, priṅcipas, cil̇inderis, receṅzija, siṅtaksė, audieṅcija, konfereṅcija, teṙminas“ (Būtėnas 1931: 113–114). Darüber hinaus heißt es bei der Übersicht über die Suffixe von Fremdwörtern, BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 4 dass die Akzentuierung diktȧntas, praktikȧntas, muzikȧntas, -òntas, audiėncija, konferencija, koncėrtas mundartlich sei (trm.; siehe Būtenas 1931: 114). Aus den genannten Aussagen wird deutlich, dass Būtenas die Akzentuierung mit Zirkumflex für eine unzweifelhafte Norm der Standardsprache hält. Nichtnormative Akzentuierungsvarianten werden sehr widersprüchlich beschrieben. Zunächst ist unklar, warum „andere Litauer“ die Wörter auch so akzentuieren, wie sie in den Sprachen akzentuiert werden, aus denen sie entlehnt wurden. Was wurde dabei mit diesen Wörtern übernommen – die Akzentstelle oder der Akzenttyp? Kann man Akzenttypen aus anderen Sprachen, die keine Akzenttypen besitzen (nicht zwischen ihnen unterscheiden), übertragen? Auch wird nicht gesagt, ob diese Akzenttypen aus slawischen oder germanischen Sprachen übernommen werden. Andererseits bleibt unklar, welche Mundarten der Verfasser meint und wo beispielsweise diktȧntas usw. ausgesprochen wird. Vielleicht war lediglich eine andere Aussprache des Diphthongs gemeint – diktántas (im Vergleich zu diktȧntas)? Über eine andere (mit Akut gekennzeichnete) Aussprache wird somit nichts deutlich, denn der Verfasser hat offenbar die Akzentstelle mit den Akzenttypen der betonten Silbe verwechselt und einerseits prosodische Merkmale, andererseits die sogenannte Morentheorie angewandt, der zufolge der Gravis das erste Glied und der Zirkumflex das zweite bezeichnet (vgl. kȧltas: kãltas, ski̇rtas: skīrtas; siehe Girdenis 1981: 196). War Būtenas also nicht der Erste, der die Verwirrung um die Akzentuierung der hier behandelten internationalen Wörter in unserer Sprache auslöste1? Das maßgeblichste akzentologische Lehrbuch der Zwischenkriegszeit war Pranas Skardžiuss Bendrinės lietuvių kalbos kirčiavimas („Akzentuierung der litauischen Standardsprache“, 1936). Zu Fremdwörtern heißt es darin, sie würden wie litauische Wörter der entsprechenden Akzentklasse akzentuiert; unter den Beispielen finden sich jedoch keine der hier interessierenden Wörter (siehe Skardžius 1936: 22–23). Einige wenige Beispiele dieser Art stehen allerdings im III. Kapitel des Buches, „Akzentuierte Wörter“, in einem kurzen Wörterverzeichnis akzentuierter Wörter. Es sind desertas S. 47, ekspertas 49, herbas 53, koncertas 58, modernų 64, rezervas 73. Andere Wörter dieses Typs mit Gravisakzent wurden nicht gefunden. Daraus lässt sich schließen, dass in dieser Arbeit Skardžius’, möglicherweise in Anlehnung an die Auffassung Jablonskis’ und Sereiskis’, die Akzentuierung internationaler Wörter mit dem Diphthong er mit Zirkumflex klar festgelegt ist. Diese Regel sollte a priori auch für Wörter mit dem Diphthong el gelten. Andere ihnen ähnliche Diphthonge, em und en, werden ausschließlich mit Zirkumflex akzentuiert. Diese Akzentuierung wird auch im 1938 erschienenen Lietuvių kalbos rašybos vadovėlyje („Lehrbuch der litauischen Rechtschreibung“) bestätigt. Im Vorwort heißt es, dass die Akzentuierung von Fremdwörtern viel Mühe bereitet habe. „Bei ihrer Akzentuierung haben wir uns bemüht, folgendem Prinzip zu folgen: Diejenigen, die uns, insbesondere dem Volk, bereits aus der Vorkriegszeit bekannt sind, wurden so akzentuiert, wie sie auch ausgesprochen werden; die neuen hingegen nach den Regeln unserer Sprache“ (Lietuvių kalbos rašybos vadovėlis 1938: 4). Unter den Beispielen zu diesem Grundsatz finden sich die hier interessierenden Wörter nicht; dafür stehen sie im dem Lehrbuch beigefügten Wörterbuch. Dort wird wie folgt akzentuiert: energija 89, 1 Toje Būteno knygoje yra pripainiota ir kitų, ypač fonetikos dalykų (žr. Pupkis 1968). BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 5 končertas 118, konsėrvas 118, peršikas 147, rezėrvas 160, teṙminas 189, aber desėrtas 81, kėlnėris 112, nėrvas 136, ebenso sėlteris 166. Die Kennzeichnung des rechten Akzents könnte man vielleicht mit dem tatsächlichen oder vermeintlichen germanischen oder romanischen Ursprung dieser Wörter begründen, doch die Akzentuierung von sėlterio ist eine klare Ausnahme von jedem noch so weit gefassten System. In seiner Rezension dieses Wörterbuchs warf Skardžius (1938) den Verfassern zahlreiche Mängel unterschiedlicher Art vor; unter diesen Einwänden findet sich der interessante Gedanke, nicht desėrtas, sondern deseṙtas zu betonen, und dies wird mit der Betonung des Wortes končertas und anderer verglichen (Skardžius 1938: 94–95). Diese Kritik wird bei der folgenden Erörterung weiterer Akzentuierungsfälle dieser Art bei Skardžius sehr hilfreich sein. Informationen über die Akzentuierung der fraglichen Wörter finden sich auch in zweisprachigen Wörterbüchern und Glossaren der Zwischenkriegszeit2. In einem der umfangreichsten damals begonnenen Werke, dem Lietuvių rašomosios kalbos žodyne, dessen Akzentuierung Alfred Senas besorgte (für die Akzentuierung „ist nur ein einziger A. Senn verantwortlich“, S. XI), sind Wörter dieses Typs mit Anfangsbetonung (durch einen rechten Akzent gekennzeichnet) und mit Zirkumflexakzent ungefähr gleich häufig vertreten, zum Beispiel ené̌rgija 152, ené̌rgiškas 152, hérbas 219, hipérbolė 220, hipérbolinis 220, hipérboliškas 220, iné̌rcija 255 und fė̌lčeris 155, fė̌ldfebelis 155, fė̌ldšeris 155, kėlnėris 459, klė̌kas 491, komė̌rcija 506, komė̌rcinis 506, komė̌rciškas 606, končertas 507, končertinis 507, konsėrvai 508. Nur wenige Beispiele weisen einen linken Akzent auf: čėlsiškas 93, hėrcogas 219, fėrma 155. Es zeigt sich, dass derjenige, der die Akzente setzte, noch nicht alles systematisch durchdacht hatte und dass die Kennzeichnung mit linkem Akzent offenbar eine gewisse Ausnahme darstellt. Auch Skardžius (1999: 289) hat festgestellt, dass man der Akzentuierung in diesem Wörterbuch nicht vorbehaltlos vertrauen kann. Mūsų temai labai svarbus Jono Barono (1932) žodynas ir jame sukirčiuoti kalbami žodžiai. Nors Barono žodyno kirčiavimą savo recenzijoje gerokai kritikavo Skardžius (1999: 632–639), bet kirčiuodamas mums rūpimus žodžius autorius elgėsi gana nuosekliai: daugumą žodžių sužymėjo riestiniu kirčio ženklu ir tik kelis – dešininiu. Taigi tvirtagališkai sukirčiuoti: hérbas 94, hėrcogas 94, desė̌rtas 114, desė̌rtinis 114, iné̌tingas 186, iné̌rcija 186, komė̌rcija 207, konsėrvai 208, končertas 209, nėrvas 290 (2x), pė̌rlas 364, pė̌rlamotė 364, pė̌rlinis 364, rezėrvas 488, teṙminas 588. Tik trys žodžiai turi tvirtapradę priegaidę: dėltė „delta“ 112, fėrma 594, fėrmeris 594. Tų trijų žodžių atskyrimo iš bendro būrio motyvai nėra aiškūs. Kairiniu kirčio ženklu žymimų žodžių neteko aptikti. Später, offenbar dank eines besseren Systemverständnisses und einer feineren Unterscheidung der Intonationen, erscheinen in verschiedenen Wörterbüchern immer seltener Wörter mit einem linken Akzent. So ist beispielsweise von den Wörtern dieses Typs im litauisch-polnischen Wörterbuch von J. K. Zablockis und Č. Kuleša mit einem linken Akzent angegeben: 2 Einige größere zweisprachige Wörterbücher (zum Beispiel Benjamino Sereiskio Lietuviškai rusiškas žodynas (1932), das spätere Lietuviškai angliškas žodynas von Vilniaus Pėteraitis (1948) und andere) waren unakzentuiert; in Jurgis Šlapelis’ akzentuierten Wörterbüchern wiederum vermied man die Aufnahme internationaler Wörter, sodass sich die für uns relevanten Fälle darin nicht finden. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 6 oder nur ein einziges Wort hipèrbole 45. Etwa zehn Wörter sind mit Zirkumflexakzent versehen: cisternà, –os (2) 23, ekstè̇rnas 34, energìja 35, fèlčeris 36, hèrbas 45, koncèrtas 69, konsèrvai 70, modèrniškas 88, rezèrvas 137, tèrminas (3b) 176, und nur einige wenige Wörter mit rechtem Akzent: dėltè „Delta“ 27, desèrtas 28, nèrvas 96 (Zablockis, Kuleša 1940). Arba tokiame mažučIame K. Tamučio (1940) žodynėlyje duodami tvirtagališkai sukirčiuoti fèlčeris 32, hèrbas 44, nèrvas 83; farmacèutas turi pažymėtą kairinį kirčio ženklą, nors kirčiuotė nurodyta antroji (2). Žodis čerkesas 20 išvis paliktas nesukirčiuotas, bet prie jo nurodyta 1-oji kirčiuotė, vadinasi, kirčiuotas pirmasis skiemuo. Bendrojoje pedagogikos terminijoje (Šalkauskis 1991), svarstytoje 1940 m. balandžio mėn. Lietuvių kalbos draugijos, kurios pirmininkas buvo Pranas Skardžius3, terminologijos sekcijoje, rašoma enèrgija, modèrnų, nèrvas. Man kann auch die Akzentuierung in den von Balčikonis redigierten Bänden I und II des großen Lietuvių kalbos žodyno betrachten. Interessanterweise blieb in Band II (1947) eine beträchtliche Zahl von Wörtern dieses Typs, von denen wir einige als Internationalismen bezeichnen könnten, ganz ohne Akzentangabe, zum Beispiel fèlčeris, ferma, elmè, energìja; einige Lehnwörter sind mit Zirkumflex markiert: fèŕnicas (auch fèŕnicas), èlkeris „Alkierius“, èlkierius „ebd.“, èlmentas, èlštrikas; das eine oder andere dagegen mit Akut: féršas, élskis. Wörter mit linkem Akzent ließen sich nicht finden, weshalb der Schluss naheliegt, dass Balčikonis bei Internationalismen sehr vorsichtig vorging, bei anderen Fremdwörtern jedoch nicht durchgehend konsequent war. Daraus folgt, dass sich in der Vorkriegszeit eine klare Tendenz abzeichnete, die meisten Internationalismen mit Diphthongen in der betonten Silbe el, er mit Zirkumflex zu akzentuieren und seltener (je nach Entlehnungsquelle des Wortes?) mit rechtem Akzent. Wörter mit linkem Akzent sind als gewisse seltene Ausnahmen zu betrachten. Diese sich bis dahin herausbildenden Tendenzen wurden im 1948 erschienenen Lietuvių kalbos rašybos žodyne gefestigt. Einen großen Teil dieses Wörterbuchs verfasste der bekannte Sprachwissenschaftler Alfonsas Kalnius (Pupkis 2010: 250–251), darunter auch den Abschnitt zur Akzentuierung. Da das Wörterbuch während des Krieges am Institut für litauische Sprache erstellt, von Antanas Salys redigiert und der bereits begonnene Druck durch die Kriegshandlungen unterbrochen wurde, gilt es als Werk aus der lexikografischen und akzentologischen Schule von Salys. Dies ist bei der folgenden Untersuchung der Geschichte der Normierung der Akzentuierung der fraglichen Wörter zu berücksichtigen. Im Abschnitt zur Akzentuierung dieses Wörterbuchs wird die Betonung fremder (internationaler) Wörter nicht behandelt; daher muss man das Wörterbuch selbst durchgehen und nach akzentuierten Beispielen suchen. Im Wörterbuch ließen sich nur wenige Wörter mit linkem Akzent finden: fèrma 201, fèrmeris 201, hèrcogas 3 Zu den später von Skardžius aufgegriffenen, in der Terminologiesektion erörterten Termini von Šalkauskis siehe Lietuvių kalbos vadovas 1950: 13. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 7 215. Angesichts des wechselnden Akzents bleibt nur fè rma (1) 201, plėura (1) 301 relevant. Die meisten anderen Wörter in diesem Wörterbuch sind mit Zirkumflex akzentuiert: aler̃gija 153, bel̃gas 170, deser̃tas 188, diver̃sija 191, ekspèr tas 198, ekstèrnas 198, ener̃gija 199, fel̃čeris 201, her̃bas 215, iner̃cija 218, iner̃cinis (iner̃tinis) 218, komer̃cija 245, koncer̃nas 246, koncer̃tas 246, konser̃vai 246, rezèrvas 316, sel̃teris 324, terapèu tija 354, ter̃cija 354, terma, -õs 354, ter̃minas 354, ter̃mosas 354. Einige Wörter sind mit Akut akzentuiert: hipérbolė 215, kélneris 235, pérsas 297, stérlingas 338, während nérvas 281 auch eine Nebenvariante nerṽas hat. Vielleicht ließe sich der Unterschied der Intonationen hier anhand der Herkunft der Wörter aus slawischen oder germanischen Sprachen beurteilen? Doch ansonsten sind kaum klare Motive erkennbar. Als Zusammenfassung der Vorkriegspraxis kann das 1950 in Deutschland erschienene Lietuvių kalbos vadovas (LKV)4 von Pranas Skardžius, Stasys Barzdukas und Jonas Martynas Laurinaitis gelten. Obwohl es sich um ein Gemeinschaftswerk handelt, wurde es von Skardžius redigiert und akzentuiert; außerdem ist vermerkt, dass bei der Arbeit auch das 1948 erschienene Lietuvių kalbos rašybos žodynas benutzt wurde (es ist auch im Quellenverzeichnis auf S. 20 aufgeführt). Es gibt Unterschiede gegenüber der Akzentuierung der betreffenden Wörter in jenem Wörterbuch, aber keine wesentlichen; manche sind schwer zu erklären. Mit Gravis akzentuiert ist offenbar als einziges Wort ener̃gija 248; die Formen des Wörterbuchs von 1948 fèrma, hèr cogas, plėura wurden durch férma 2545, hèr cogu 281, pleurà, pleūros 439 ersetzt. Abgesehen von diesen Beispielen gibt es nur wenige Wörter mit abweichender Akzentuierung: 1948 – Bel̃gija 388 (und bel̃gas 170), Per̃sija 414 (aber pérsas 297), stérlingas 338; 1950 – Bélgija 201, Pérsija (und pérsas) 430, stérlingas 517. In den übrigen Fällen, die fast 20 ausmachen, stimmt die Akzentuierung in beiden Wörterbüchern überein; die meisten Wörter sind mit Zirkumflex, einige mit Akut akzentuiert. Warum sich die Intonation in manchen Fällen unterscheidet, ließ sich nicht feststellen; auch die tatsächliche oder vermeintliche Herkunft eines Internationalismus aus der einen oder anderen Sprache erklärt den Unterschied nicht. Dennoch kann man schlussfolgern, dass die Zeitspanne zumindest von 1929 (wenn man von Kurschatts Akzentuierung absieht) bis 1950 durch ein allmählich sich festigendes, einheitliches System gekennzeichnet ist, das zum Zirkumflex tendiert. Eine regelrechte Revolution bei der Akzentuierung der Wörter dieses Bereichs vollzog sich im 1951 erschienenen Tarptautinių žodžių žodyne. Es handelt sich um ein aus dem Russischen übersetztes Werk, dessen „Material für die Erfordernisse der litauischen Sprache aufbereitet“ wurde (TŽŽ 1951: 4) von Chackelis Lemchenas; folglich hat er auch alle Wörter akzentuiert. Im Vorwort zur litauischen Ausgabe heißt es, dass „die Stichwörter nach den derzeit in der litauischen Sprache am weitesten verbreiteten Akzentuierungsgewohnheiten akzentuiert sind“ (TTŽ 1951: 4). Vielleicht wurde vielerorts tatsächlich auf diese am weitesten verbreiteten Akzentuierungsgewohnheiten Rücksicht genommen, doch in der hier behandelten Wortgruppe wurden solche Gewohnheiten völlig außer Acht gelassen – fast alles ist mit Gravis akzentuiert 4 Es ist schwer zu glauben, dass die in jenem in Deutschland erschienenen Werk angegebenen Normen unter den Bedingungen des Eisernen Vorhangs irgendeinen Einfluss auf die in Litauen festgelegten Sprachnormen hätten haben können. 5 Vielleicht war hier die unterschiedliche Bedeutung dieses Wortes ausschlaggebend: Im Wörterbuch von 1948 ist die Bedeutung dieser Form nicht angegeben (wie auch bei den anderen Wörtern), während sie im LKV „Bauweise (im Bauwesen)“ bedeutet? BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 8 Zeichen, ohne auch die Akzentuierung des bereits zuvor etablierten Wortes terminas auszunehmen6 – zumindest in dieser Hinsicht bemühte man sich um systematisches Vorgehen, vielleicht mit der einen oder anderen Ausnahme, etwa perlas. Anders als eine Revolution lässt sich eine solche Akzentuierung kaum bezeichnen7 – weder wurde sie im Vorwort des Wörterbuchs erwähnt noch öffentlich erörtert oder auch nur in der Presse angesprochen. So ging diese Akzentuierung, ohne dass darüber diskutiert wurde, in das 1954 erschienene Dabartinės lietuvių kalbos žodyną (im Folgenden DŽ) ein und wurde von Wörterbuch zu Wörterbuch weitergegeben; sie fand Aufnahme in zweisprachige Wörterbücher und Enzyklopädien und ist bis heute, zumindest bis zu den ab 2003 von der Staatlichen Kommission für Litauische Sprache (im Folgenden VLKK) veröffentlichten Akzentuierungsempfehlungen, als vorherrschend zu bezeichnen – wenn man von zahlreichen Ausnahmen und unerklärlichen Merkwürdigkeiten der Akzentuierung sowie den praktischen Akzentuierungsproblemen absieht. Tatsächlich haben sich nicht wenige Linguisten dieser Akzentuierung über viele Jahre widersetzt und tun dies weiterhin; sie haben ihre Argumente veröffentlicht, doch die Wörterbuchredaktionen berücksichtigten sie nicht. Die Diskussion über die mit TTŽ 1951 vollzogene Reform ist jedoch über alle Jahrzehnte hinweg bis in unsere Zeit nicht abgebrochen. Sie betrifft nicht nur die praktische Akzentuierung der Diphthonge el, er, sondern auch die Frage nach der phonologischen Identität des Vokals dieser Diphthonge, e ([ę]). SYSTEMATISCHE GRUNDLAGEN DER AKZENTUIERUNG DER BETREFFENDEN DIPHTHONGE Nach der praktischen Durchführung der Revolution begann man rasch, theoretische (ideologische) Rechtfertigungsgrundlagen für diesen Schritt zu suchen. Als eine der Ersten sprach 1957 wohl Janina Dambrauskaitė (Urbelienė), Französischlehrerin am Pädagogischen Institut Vilnius (heute Universität für Bildungswissenschaften), über die Eigenständigkeit des Vokals [ę] in fremden bzw. internationalen Wörtern. In ihrem Artikel über das phonologische Vokalsystem des Litauischen stützte sie sich auf die Lehre von Lev Ščerba, dem Begründer der damaligen phonetischen Schule Leningrads (heute Sankt Petersburg) (in seiner 1948 erschienenen Prancūzų kalbos fonetikoje wird die Methode der „Oppositionen“ beschrieben). Obwohl sie einräumte, dass das internationale [ę] und das litauische [e] „sich überhaupt nicht voneinander unterscheiden“ (Dambrauskaitė 1957: 222), ersann sie Wortpaare wie èstù: éstù, kabinètas: kabinétas, kadètas: kadétas, taip pat èsti: èsti=škas8 und fand keinen Wechsel mit dem langen Vokal [ę˙]; dennoch erklärt sie, es gebe „das Recht, das nichtlitauische e den eigenständigen … zuzuordnen“. 6 Vielleicht wäre die Akzentuierung dieses Wortes nicht besonders aussagekräftig (in Wörterbüchern wird es heute durchweg mit Zirkumflex akzentuiert), doch ein Blick auf andere Quellen zeigt auch abweichende Akzentuierungsfälle. So ist es im TŽŽ 1951: 665 als tèrminas akzentuiert, im TŽŽ 1969: 753 dagegen bereits als tė̀rminas; auch TŽŽ 1985: 487, TTŽ 2000: 581 und TŽŽ 2013: 811 haben tèrminas. Interessant ist, dass TTŽ 2000: 581 ein weiterer Eigenname gleichen Ursprungs (lat. terminus) erscheint, Tèrminas, „ein solcher Gott der alten Römer“; im TŽŽ 2001: 737 ist er jedoch bereits mit Gravis akzentuiert – Tèrminas „ein solcher Gott der alten Römer“; ebenso wird er im Interleksyje und in TŽŽ 2013: 811 akzentuiert. Dennoch wird dieser Eigenname in manchen Quellen mit Zirkumflex akzentuiert (LTE XI: 273; VLE XXIII: 688, Kuzavinis 2007: 1050; AMŽ 1996: 274 und TŽŽ 2007: 1090 haben dagegen Tèrminas). 7 Wir könnten nicht völlig ausschließen, dass dies ein bewusster oder zumindest unterschwelliger Russifizierungsangriff auf die gesamte litauische Sprache war. Wie bekannt, übersetzte Lemchenas nach dem Krieg Lenins Schriften ins Litauische und erarbeitete das Rusų–lietuvių kalbų žodyną (erschien 1949; ohne Akzentangaben); der ständige Umgang mit dem Russischen könnte daher seine litauisch-akzentologischen Entscheidungen direkt oder indirekt beeinflusst haben. 8 Tatsächlich zeigen diese Paare den Gegensatz zwischen kurzen und langen Vokalen, nicht aber die phonemische Eigenständigkeit des Vokals [ę]. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 9 der Phoneme, obwohl wir daneben die minimale Rolle dieses Lautes betonen müssen“ (Dambrauskaitė 1957: 224). Dieser Auffassung widersprach Bronius Svecevičius (1960: 30), Dozent für Englisch am selben Institut, da wir seiner Ansicht nach in der Praxis keinen Unterschied zwischen den beiden Färbungen des Vokals e wahrnehmen. Eine theoretisch genauere Bestimmung des Systems der Vokalphoneme des Litauischen wurde bei den Vorbereitungen zur Abfassung der ersten akademischen Grammatik der litauischen Sprache erforderlich. Zu diesem Zweck führte Valerija Vaitkevičiūtė, Wissenschaftlerin am Institut für Litauische Sprache und Literatur, in der zweiten Hälfte der 1950er und der ersten Hälfte der 1960er Jahre bestimmte phonetische Untersuchungen durch und veröffentlichte deren Ergebnisse in der wissenschaftlichen Sammelschrift Lietuvių kalbotyros klausimai. Später wurden die Ergebnisse dieser Arbeit mit einigen Präzisierungen in die akademische Lietuvių kalbos gramatiką übernommen, und zwar in das Phonetikkapitel des ersten Bandes (1965). Vaitkevičiūtė beschrieb die Prinzipien der phonetischen und phonologischen Beurteilung von Sprachlauten zutreffend. In Anlehnung an die Thesen der damaligen Leningrader Phonetischen Schule schrieb sie, das Phonem sei „die kleinste Lauteinheit, die Wort- oder Morphembedeutungen unterscheidet“ (Vaitkevičiūtė 1957: 5). „Als Phoneme bezeichnet man historisch entstandene Lauttypen, die Wörter, ihre Formen oder Morpheme unterscheiden und deren Aussprache nicht von ihrer phonetischen Stellung im Wort abhängt“ (Vaitkevičiūtė 1961: 19). Zur Bestimmung des phonemischen Inventars einer Sprache bedient man sich der sogenannten Minimalpaarmethode; die entsprechenden Verfahren werden in den erwähnten Artikeln Vaitkevičiūtės dargestellt. So ermöglicht beispielsweise die Länge und Kürze der Vokale die Unterscheidung langer und kurzer Vokalphoneme: lĩs: lìs, mẽs: mès, mãno: màno usw. Soll jedoch der kurze Vokal [ę] erörtert werden, der nur in Internationalismen vorkommt, wird kein Minimalpaar angeführt; es heißt lediglich, dass er sich nur wenig vom litauischen kurzen Vokal [ę] unterscheide und die Färbungen insgesamt undeutlich seien; nur das Phonem in Internationalismen sei geschlossener und „unterscheide sich von Natur aus von ihm“ (Vaitkevičiūtė 1961: 21): Es sei sowohl betont als auch unbetont kurz, während der litauische Vokal betont lang und unbetont kurz sei (vgl. mėta: metù, lėsa: lesù9). In diesen Überlegungen zeigt sich eine Vermengung der phonetischen und phonologischen Ebene, eine unzureichend strikte Abgrenzung dieser Ebenen10 sowie die Anwendung absoluter statt relativer Maßstäbe (Girdenis, Žulys 1973: 207, 208). Aus diesen Gründen entstand auch der theoretische Fehler, den Vokal [ę], der ausschließlich in Internationalismen verwendet wird, als selbstständiges Phonem der Standardsprache zu betrachten. Die Befürworter dieser Auffassung stützen sich vor allem auf phonetische Merkmale: Der Vokal [ę] in Internationalismen sei geschlossener und enger als der Vokal [ę] in litauischen Wörtern. Elzbieta Mikalauskaitė (1975: 17) zufolge ist dieser Unterschied schwerer wahrzunehmen; in den Dialekten sei er geringer. Von ihr 9 Mit dieser Aussage widerspricht Vaitkevičiūtė ihrer eigenen Definition des Phonems, wonach die Lauttypen der Phoneme nicht von ihrer phonetischen Stellung im Wort abhängen. 10 Sowohl Jonas Kazlauskas als auch insbesondere Aleksas Girdenis haben in unseren Gesprächen wiederholt die Leningrader Phonetische Schule dafür kritisiert, dass sie häufig die phonetische und die phonologische Ebene vermengt. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 10 Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt der Erörterung ist die Aussage, dass dieser Vokal fremder Herkunft nicht am Wortende verwendet wird (Mikalauskaitė 1975: 17). Antanas Pakerys (1986) plačiai remiasi ir fonetiniais, ir sintagminiais to tarptautinių žodžių balsio [ɛ] požymiais. Lietuvių bendrinės kalbos fonetikos autorius rašo, kad tas balsis vartojamas kirčiuotuose daiktavardžių kamienuose (lietuviškuose žodžiuose balsio ilgumas priklauso nuo (ne)kirčiuotos padėties: gėlia: geliù, plg. dar ãktas: aktù). Padėtinio ilgumo balsis [ɛ] (gėlia) esti tik senuosiuose skoliniuose, pvz., Pẽtras (plg. Petrù), jis atsiranda ir svetimos kilmės žodžiuose po minkštųjų priebalsių vietoj ilgojo [aː]: pliãžas: pliažù. Tas balsis nepr itempa prie žemutinio pakilimo balsių [ɑ], [ɑ], [ɛ], [ɛ] posistemio. Šie ir kiti požymiai rodantys, kad tas tarptautinių žodžių balsis [ɛ] vartojamas panašiai kaip ir vidutinio pakilimo trumpasis balsis [o], plg. ėpas: òmas, genẽžė: prognòžė, fèrma: fòrma (Pakerys 1986: 38–39). Die funktionale Selbstständigkeit der Vokale in litauischen und nichtlitauischen Wörtern lasse sich angeblich überprüfen, indem man beispielsweise die Wörter gèstų (Genitiv Plural des Substantivs gèstas) und gèstų (Konjunktiv des Verbs gèsti) vergleiche. „Unseren Daten zufolge erkennen die meisten (75–80%) der Hörer diese isoliert ausgesprochenen Wörter richtig“ (Pakerys 1986: 39)11. Neben anderen Argumenten sei dies der wichtigste Beleg für die Selbstständigkeit dieses Vokals. In den letzten Jahren wird dieses Argument jedoch selten angeführt, da man erkannt hat, dass jenes Paar in der Untersuchung nicht ganz korrekt ist: Erstens handelt es sich um morphologische Formen verschiedener Wortarten, und die Substitution solcher Wörter im selben Text ist nahezu ausgeschlossen. In der wichtigsten, klassischen Position für Minimalpaare – am absoluten Wortanfang – ließe sich allenfalls ein Paar wie èt: èteris (ètika), finden; doch auch das ist keine völlig identische Position (das t am Wortende ist aspiriert, vor vorderen Vokalen hingegen palatalisiert bzw. weich). Zweitens ist es noch weniger korrekt, dem Publikum eigens erfundene, isoliert ausgesprochene Wörter zur Erkennung vorzulegen. ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 11 Im Abschnitt des Buches „Die Betonung von Wörtern fremder Herkunft“ schrieb sie: „In Wörtern fremder Herkunft werden Silben mit den Lautverbindungen el, er betont, die mit fallender Intonation ausgesprochen werden; diese Wörter gehören zur ersten Akzentklasse: kẽlneris, desẽrtas, enẽrgija, epidẽrmis, fẽrma, fẽrmeris, hẽrbas, Hẽrmis, inẽrcija, koncertãtas, nẽrvai, pẽršikas, tẽrmosas...“ (Laigonaitė 1959: 97). Mit der Zuordnung zur ersten Akzentklasse hat die Autorin nicht überall recht: Wörter, die auf der vorletzten Silbe betont werden (fẽrma12, hẽrbas, Hẽrmis, nẽrvai), gehören zur zweiten Akzentklasse; viel wichtiger ist hier jedoch, die Fußnote der Autorin zu dieser Aussage genau zu lesen: „In den Wörterbüchern der litauischen Sprache wurde die Betonung solcher Wörter bisher mit dem Graviszeichen gekennzeichnet: kẽlneris, desẽrtas, fẽrma... Dies entspricht jedoch nicht dem tatsächlichen Gebrauch des Litauischen: In Wörtern dieses Typs bilden der Vokal e und die Konsonanten l, r die gemischten Diphthonge el, er, die Litauer nur mit festem Anfang oder mit fallender Intonation aussprechen können. Eine kurze Intonation ist hier nicht möglich, ebenso wenig wie in den Verbindungen em, en, am, an, die in Wörtern fremder Herkunft seit Langem mit dem Zeichen für festen Anfang oder fallende Intonation gekennzeichnet werden (vgl. diktántas, leitenántas, tendeñcija...)“ (Laigonaitė 1959: 97). In seiner Rezension des ersten Bandes der akademischen Lietuvių kalbos gramatikos stellte Jonas Kazlauskas fest, dass es im Litauischen weder Bedarf noch Grund gebe, einen weiteren Vokal des internationalen Wortschatzes [e] zu unterscheiden. In einer 1965 veröffentlichten Rezension schrieb er: „Tatsächlich kommt ein engeres e in internationalen Wörtern gelegentlich vor (zum Beispiel im Wort poetas), doch hängt sein Vorkommen hier eindeutig von der phonetischen Umgebung ab (es steht nach einem kurzen Vokal o). <...> Warum sollte man hier künstlich einen weiteren neuen, ungewohnten Laut in das ohnehin schon reiche phonologische System des Litauischen einführen und damit die Sprache im Theater und im Rundfunk erschweren?“ (Kazlauskas 2000: 223). Ergänzend sei erwähnt, dass Kazlauskas hier zugleich Minimalpaare anführte und darauf hinwies, dass der Vokal e in internationalen Wörtern wie im litauischen Wortschatz ausgesprochen wird. Ein Jahr später erklärte er an anderer Stelle, dieser Laut werde „wie das e einheimischer Wörter ausgesprochen, vgl. etwa lèmą und lèpti, šèpingas und šèpti, metòdas und metù, bemòlis und berãnķis usw. Der Versuch, das neue Phonem [e] in die Literatursprache einzuführen, ist schwer zu verstehen; außerdem hat die Sprachpraxis diese Bemühungen aussichtslos gemacht“ (Kazlauskas 2000: 136). Gegen einen gesonderten Vokal e in internationalen Wörtern wandte sich auch Juozas Senkus, einer der bedeutendsten Theoretiker und Normierer der litauischen Umgangssprache. In einem 1970 veröffentlichten Artikel über die Akzentvarianten im Dabartinės lietuvių kalbos žodyno (1954) erklärte er, „Wörter mit der betonten Lautverbindung er sind mit fallender Intonation zu empfehlen und gehören zur ersten oder zweiten Akzentklasse, z. B.: desẽrtas (2), enẽrgija (1), fẽrmeris (1), hẽrbas (2), inẽrcija (1), koncertãtas (2), nẽrvai (2), pẽršai (2), pẽršikas (1), rezẽrv as (2), tẽrmosas (1), vẽršija (1)“ (Senkus 2006: 543). Zur Begründung seiner Aussage berief er sich auch auf Laigonaitės 1959 veröffentlichte Ansicht. 12 Nach dem Saussure-Fortunatov-Gesetz müsste es fermà heißen. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 12 Etwas anders äußerte sich Laigonaitė 1978 in der zweiten Auflage ihres Lehrbuchs zur Akzentuierung über die Akzentzeichen dieser Diphthonge: „Wie bekannt, müssen die Diphthonge mit festem Anfang el, em, en, er in internationalen Wörtern nach den heutigen Normen der Standardsprache mit dem kurzen, für internationale Wörter charakteristischen e ausgesprochen werden. Nur sehr wenige schaffen es, sie so auszusprechen. Die meisten Litauer sprechen diese Wörter in solchen Fällen mit fallender Intonation aus: hėrbas, hėrcas, pėrsai. Der Gebrauch einiger solcher Wörter ist bereits im „Dabartinės lietuvių kalbos žodynas“ verzeichnet. Neben nèrvo wird dort auch nèrv̇as angeführt; die internationalen Wörter pèrlas, stèndas, tẽmbras werden jedoch mit fallender Intonation betont (vgl. auch die älteren Formen sè rbas, veñgras). Das spräche dafür, diese Norm der Standardsprache für Aussprache und Akzentuierung zu überprüfen“ (Laigonaitė 1978: 48–49). Laigonaitė sagt hier also nicht mehr, dass es unmöglich sei, den ersten Bestandteil solcher Diphthonge kurz auszusprechen; vielmehr fasst sie sie alle zusammen, d. h., sie behandelt el, er ebenso wie em, en. Sie akzeptiert jedoch nicht die damalige Kennzeichnung der Betonung von el, er und schlägt vor, eine andere Norm anzunehmen, die dem tatsächlichen Sprachgebrauch entspricht. Übrigens stützt sich Laigonaitė in ihrem Akzentologie-Lehrbuch von 1978 auch auf die 1971 in Mūsų kalboje geäußerte kollektive Ansicht des Redaktionskollegiums dieser Zeitschrift (siehe Kuzavinis 1971: 14), die ihre Position stützt: Die Redaktion von „Mūsų kalba“13 ist der Ansicht, dass in den hier besprochenen Fällen (d. h. bei den Diphthongen el, er, em, en) die fallende Intonation zu kennzeichnen ist, weil 1) sie in den Dialekten entweder ausschließlich mit fallender Intonation oder ausschließlich mit festem Anfang und gedehntem e ausgesprochen werden (Letzteres ist für die Standardsprache nicht zu empfehlen), und 2) der Gebrauch in der Standardsprache zeigt, dass hier ein Diphthong mit fallender Intonation gesprochen wird; nur ein oder zwei geschulte Phonetiker können èr mit festem Anfang und kurzem Vokal e aussprechen. Daher „gehören zwei- und dreisilbige Wörter mit Betonung auf der vorletzten Silbe zur zweiten Akzentklasse, die übrigen zur ersten (selten zur dritten). Die Intonation der betonten Silbe sollte mit dem Zirkumflexzeichen gekennzeichnet werden.“ Schon vor dem Krieg, etwa 1934, sagte Antanas Salys, dass das sogenannte internationale [ę] in „Fremdwörtern der älteren Generation [von Menschen]“ vorhanden (ausgesprochen) sei (zitiert nach Pupkis 2010: 397). Diesen Gedanken wiederholte er später noch in zwei Artikeln für die Bostoner Enzyklopädie. So erklärte er im Artikel „Tartis“ [„Aussprache“] (LE XXX [1964]): „Auch heute gibt es in der Standardsprache noch nicht ganz gefestigte Dinge. Zum Beispiel sprechen manche in Fremdwörtern den kurzen Vokal e wie im Litauischen aus, andere dagegen als ein halb offenes e, wie in den benachbarten russischen und polnischen Sprachen. Die meisten Litauer sprechen A m è r i k a und e l e k t r à mit einem e aus, das ‚ähnlich wie ė, nur kürzer‘ ist.“ 13 Den Inhalt dieser Ansicht formulierte das Mitglied des Redaktionskollegiums Vytautas Būda; das Kollegium beriet darüber und redigierte sie. Übrigens vertrat Būda diese Ansicht auch später. In einem 1982 veröffentlichten Büchlein über die Akzentuierung von Eigennamen erwähnte er die besprochenen Fälle nicht, sondern überging sie mit Stillschweigen. Auch im hier gerade erwähnten Artikel von Kuzavinis (1971) bleiben die betreffenden Fälle unerwähnt. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 13 klingt dennoch irgendwie unlitauisch. Wegen einer solchen, aus der russischen Schule übernommenen Aussprache hatte man vor dem vierten Jahrzehnt sogar zu schreiben versucht, z. B. poezija, poētas, teorēma, doch später nahm man davon wieder Abstand“ (Salys 1985: 100). Ein paar Jahre später äußerte Salys in dieser Enzyklopädie auch eine Meinung zur Kennzeichnung des Akzents der Diphthonge el, er. Über Wörterbücher schreibend und DŽ 1954 erwähnend, erklärte er: „Bislang wurde die Betonung koncertas, konsertai (wie vērtas, mizėrnas) empfohlen, nun aber werden konkèrtas, konkèrnas, konsèrvai vorgeschlagen. So müsste man vielleicht betonen, wenn wir zustimmten, dass in diesen Wörtern auch ein halbgeschlossenes e ausgesprochen werden muss, wie im Russischen. Zwar empfiehlt die akademische Grammatik eine solche Aussprache für internationale Wörter, doch ist sie wohl kaum annehmbar. Für das litauische Ohr klingen universitetas, komitetas, wenn sie so ausgesprochen werden (eher ein e, nur kurz), sehr russisch. Menschen, die keine Fremdsprachen gelernt haben, sprechen hier gewöhnlich dasselbe e aus wie in den litauischen Wörtern tēkti, tēpti“ (Salys 1985: 237). Somit fand Salys auch mehr als ein Jahrzehnt nach der Einführung der Kennzeichnung des sogenannten internationalen [e] in Diphthongen mit dem Gravis keine Argumente, die eine solche Kodifizierung rechtfertigten. Seine Argumente beruhen auf empirischen Beobachtungen, ähnlich wie bei Laigonaitė: 1) Die Mehrheit der Litauer, die eine lebendige, von anderen Sprachen unbeeinflusste Sprache sprechen, kennt (spricht) diesen Laut nicht; 2) die Natur dieses Lautes ist nicht litauisch – seinen Ursprung sieht Salys im Gebrauch anderer (slawischer) Sprachen. Auch Antanas Salys hielt sich in der Praxis an dieselbe Auffassung. So versah er bei der Akzentuierung der Stichwörter der Bände II–IV des Lietuvių rašomosios kalbos žodyno im Band II die gesamte Wortfamilie nérvas (6 Wörter) auf S. 166 mit dem Akut; im Band III akzentuierte er Wörter mit Akut oder Zirkumflex: pérsikas 50, rezèrvas 543, rezèrvinis 543, sèĮteris 634, sèrbas 642 (vgl. auch rèversas 543, TŽŽ 1951 revèrsas 583); im Band IV stèrlingas 97, teṙminas, tè̇rminis, tè̇rmiškas, tè̇rmosas ir tèrmosas 644, 644, 944, 645; im Band V (im Anhang mit Eigennamen und Völkernamen) bèlgas, Bèlgija, bèlgiškas, Cèlsijus, Ėlba, Ėlbė, EĮbingas, HeĮsinkis, HeĮbertas, HeĮkulas, keĮtas, keĮtiškas, Kèrčė, Pèrme, pèrsas, Pèrsija, pèrsiskas, Pèrtas, SeĮvinas, Sèrgiijus, Vèlsas 497, 497, 497, 500, 506, 506, 506, 512, 512, 512, 519, 519, 519, 537, 537, 537, 537, 538, 544, 544, 555. Salys akzentuierte also recht konsequent, überwiegend mit dem Zirkumflex; es lässt sich jedoch nicht genauer nachvollziehen, warum manche Wörter den Zirkumflex, andere den Akut tragen. Eine Ausnahme für eine zweite Variante machte er nur bei termosui. Bemerkenswert ist, dass die aus dem Russischen übernommenen Namen Kerčės ir Permės mit dem Zirkumflex akzentuiert wurden, obwohl sie nach der allgemeinen Regel ebenfalls mit dem Gravis hätten gekennzeichnet werden müssen (so wurde es später auch in Enzyklopädien gehandhabt). BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 14 Es muss gesagt werden, dass weder in Litauen noch in Amerika oder anderswo im Ausland jemand angemessen mit den Argumenten von Laigonaitė, Kazlauskas und Salys diskutiert hat14. Weder der lebendige Sprachgebrauch noch der mögliche Ursprung dieses Lautes aus anderen Sprachen wurde widerlegt. Der Übergang von empirischen zu linguistischen Argumenten erfolgte später, bereits bei einer anderen Generation von Sprachwissenschaftlern. Der bedeutendste litauische Phonologe Aleksas Gird enis bezweifelte bereits zu Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ernsthaft, dass der Vokal [ɛ] in internationalen Wörtern als eigenes Phonem anzusehen sei; er nahm ihn mit einem Fragezeichen in das Inventar der Vokalphoneme auf (vgl. Girdenis 2000 [I]: 310). Später schrieb er in seiner Fonologijoje: „Einige Sprecher der Standardsprache sprechen in Wörtern fremder Herkunft auch ein geschlossenes [ɛ] aus (gewöhnlich nur in betonten Silben) <...>. Dies ist ein fakultativer Laut, denn nach der traditionellen „suvalkischen“ Norm wird an seiner Stelle ein einfaches kurzes [ɛ] gesprochen – wie in Wörtern des Typs sėkti, vežti. Aufgrund dieser Fakultativität und weiterer Besonderheiten des Gebrauchs ist [ɛ] (und erst recht ɛ) als Kombination des Phonems /e/ mit einer bestimmten soziolinguistischen „Prosodeme“ (oder einem soziolinguistischen I n d i k a t o r) anzusehen. Diese „Prosodeme“ erfüllt eine e x p r e s s i v e Funktion – sie zeigt an, dass das Wort zum gehobenen Stil gehört und dass der Sprecher seinen hohen (realen oder eingebildeten) sozialen Status zur Schau stellt“ (Girdenis 1981: 126; Hervorhebung des Autors). Die Fakultativität dieses Phonems betonte Girdenis auch im gemeinsam mit Garšva verfassten Phonetik-Kapitel der Dabartinės lietuvių kalbos gramatikos (vgl. DLKG: 23). Ähnlich schrieb er auch später: Der Laut [ɛ] könne nicht als Phonem (nicht einmal als peripheres) gelten, weil seine Funktion nicht distinktiv sei; auch seine fakultative Verwendung spreche dagegen, ihn als Phonem zu behandeln. Im besten Fall handle es sich um ein Phonem bestimmter lokaler S o z i a l e k t e. Es erfülle eine expressive Funktion – es kennzeichne den gehobenen Stil; daher sollte man es nicht als echtes Phonem ansehen, da es keine distinktive Funktion habe (Girdenis 2003: 191). Ergänzend sei gesagt, dass Vaitkevičiūtė eine solche Norm des gehobenen Aussprachestils für die Standardsprache konsequent einzuführen beabsichtigte (vgl. ihre Arbeit von 2001). In ihrem Aussprachelehrbuch und Wörterbuch polemisierte sie mit Sprachwissenschaftlern anderer Auffassung und erklärte, sie halte sich an die Normen des DŽ, „die von den Sprachwissenschaftlern der älteren Generation A. Salys, dem bereits erwähnten P. Skardžius, J. Balčikonis u. a. kodifiziert wurden“ (Vaitkevičiūtė 2001: 9). Sowohl dieser Vokal [ɛ] in internationalen Wörtern als auch die von ihr propagierten Regeln zur Aussprache des präkonsonantischen [ʎ] in internationalen Wörtern nach dem Muster anderer Sprachen (Vaitkevičiūtė 2001: 14, 141–150) und der unterschiedliche Grad, in dem sich diese fremden Laute im Gebrauch der litauischen Standardsprache etabliert hatten, sollten die Aussprache der Oberschicht (Elite) von der unter üblichen Bedingungen entstehenden Aussprache unterscheiden und die Entwicklung der gesamten Standardsprache auf einen etwas anderen Weg lenken als den, den sie heute nimmt. 14 Antanas Pakerys savo Lietuvių bendrinės kalbos fonetikoje (1986: 39, 6 išn.) apie jų nuomonę neužsimínė. Tiesa, svarstant tų žodžių kirčiavimą VLKK pakomisės posėdyje Laigonaitę paminėjo, bet netiksliai teigė, kad ji esą teikusi, jog „geriau būtų kirčiuoti tvirtagališkai“ (žr. Protokolai 2015). BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 15 Gewichtige linguistische Argumente gegen den Vokal [ę] in Internationalismen wurden Girdenio ir Pupkio in einem 1985 veröffentlichten Artikel zu den Grundlagen der Kodifizierung der Akzentuierung der Standardsprache vorgebracht (siehe Girdenis 2000 (II): 362–363; Anm. d. Verf.). Darin heißt es: Aus den Akzentuierungsnormen muss alles, was dem Prosodiesystem der Standardsprache selbst widerspricht, mit größter Strenge entfernt werden. Besonders störend und immer störend bleiben dabei die fiktionale Kennzeichnung der Diphthonge in Internationalismen en, em und insbesondere el, er mit dem Akut und die Zuordnung vieler solcher Wörter zur Akzentklasse 1. Übernähmen wir die derzeitige, in Wörterbüchern verzeichnete Norm, hätten wir nicht zwei, sondern drei Akzentuierungen diphthongischer Silben, da an derselben Position Akzente vom Typ ėR, èR und ėR aufträten, vgl. kėltai (kėltas) „Gruppe indoeuropäischer Völker“: kėltas „Floß“: kėltiš „Erhebung des Fußrückens“, vgl. gėltas „gelb“. Dies wäre eine unzulässige Zerstörung der Grundlagen unseres Prosodiesystems, denn nicht nur die südlichen westlichen Aukštaiten, sondern auch kein anderer litauischer Dialekt verfügt über drei phonologische Akzente. <...> Mit einem Wort: Die derzeitige Kodifizierung der Akzentuierung von Diphthongen des Typs eR in Internationalismen ist das schwächste Glied in der Kodifizierung unserer Standardsprache; sie wird weder durch das Sprachsystem noch durch den tatsächlichen Gebrauch gerechtfertigt. Sie ist nicht nur für Sprecher der Standardaussprache unverständlich, sondern erschüttert auch ihr Sprachgefühl – ihr Empfinden für das System – und untergräbt damit die Grundlagen unserer Akzentologie. Ähnliche linguistische Argumente wurden einige Jahre später in einer Rezension zweier weiterer Sprachwissenschaftler vorgebracht, die dem Lietuvių kalbos tarties žodynui gewidmet war (siehe Pupkis, Stundžia 1987). Darin wird die Praxis des Wörterbuchs kritisiert, ein System von drei Vokalquantitäten zu verwenden: él: ẹl: èl; ér: eŕ: èr, das unkritisch aus anderen Wörterbüchern übernommen wurde. Deshalb enthält das Aussprachewörterbuch unterschiedliche, linguistisch in keiner Weise erklärbare Fälle der Akzentkennzeichnung (vgl. fėlčeris: kėlneris u. a.). Außerdem widerspricht die Kennzeichnung mit dem Akut dem allgemeinen Sprachgebrauch im Fernsehen und Rundfunk; ihre Aussprache koncėrte „ist nichts anderes als der Beleg für Dialekte mit zurückgezogenem Akzent im standardsprachlichen Gebrauch“ (Pupkis, Stundžia 1987: 52). In späteren Arbeiten von Pupkis wird die Verwendung der Diphthonge ėl, èr aus verschiedenen Gründen ebenfalls abgelehnt. Ein 1995 veröffentlichter Artikel enthält auch Ergebnisse einer Untersuchung der Aussprache und Akzentuierung von Wörtern aus dem gesprochenen Bereich durch Sprecher und andere Mitarbeiter des litauischen Fernsehens; sie zeigen ein deutliches Übergewicht des schleifenden Akzents (siehe Pupkis 1999: 2–3). Argumente zur Stützung dieser Auffassung finden sich auch in Kalbos kultūros studijose (Pupkis 2005: 239–240). *** In Arbeiten von Sprachwissenschaftlern mit gegenteiliger Auffassung wird der phonologische Wert der fraglichen Diphthonge nicht erörtert; es wird lediglich das Vorhandensein des Phonems /ę/ festgestellt. Bis heute haben sie auch nicht die Frage beantwortet – und beantworten sie nicht –, ob in der Standardsprache drei verschiedene Diphthongquantitäten und drei Arten der Akzentkennzeichnung derselben BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351–7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 16 Diphthonge vorkommen können15. Antanas Pakerys führt ėl, ėr als einen in Wörterbüchern und Enzyklopädien festgeschriebenen Fall der Kennzeichnung dieser Diphthonge mit dem Akut an; die Argumente sind überwiegend außersprachlicher Art, darunter empirische, pädagogische und pragmatische. Bei der Betrachtung systemischer Aspekte der Akzentuierung der fraglichen Diphthonge lässt sich daran erinnern, dass in der modernen Sprachplanungstheorie auch wichtige Fragen der Kodifizierung von Sprachnormen hervorgehoben werden (siehe Cooper 1989) und dass die genannten Kriterien – empirische, pädagogische, pragmatische, linguistische und weitere – in der Normierungstheorie ernst genommen werden; bei der Kodifizierung sprachlicher Phänomene bemüht man sich, alle Faktoren zu berücksichtigen (vgl. Danės 1979). Linguistische bzw. systemische Argumente werden jedoch niemals außer Acht gelassen. Auch in diesen Fällen dürfen sie nicht außer Acht gelassen werden; dabei ist darauf hinzuweisen, dass hier systemische linguistische und nicht systemische graphische Beziehungen gemeint sind (Protokolai 201516). Eines ist, über linguistische Argumente zu sprechen – über die zweifache Realisierung des Stoßtons in den Diphthongen el, er und eu –, etwas anderes ist es, ihre Akzentzeichen in Wörterbüchern, Enzyklopädien und anderswo festzulegen. Die Übersicht der Quellen zeigt, dass es in der gegenwärtigen Praxis in beiden Fällen erhebliche Lücken bei der systemischen Bewertung gibt. Dem Verfasser dieses Artikels erscheinen linguistische (systemische) Aspekte zumindest im Bereich der Phonetik und Prosodie als die wichtigsten. Tatsächlich fügen sich Diphthonge mit drei Quantitäten el, er und eu in keiner Weise in das System der Diphthonge und Doppellaute der Standardsprache ein; sie sind Fremdkörper darin, insbesondere wenn man den westlichen Ursprung der Standardaussprache berücksichtigt17. Die Praxis der heutigen Wörterbücher und Enzyklopädien sanktioniert tatsächlich die einzige zweifache Realisierung des Stoßtons im System der Standardsprache. Mit gesundem Menschenverstand lässt sich keineswegs begreifen, warum aus dem gesamten System der Doppellaute und Diphthonge nur diese drei herausgegriffen werden, während die anderen – vor allem em, en und danach auch ei – anders behandelt, das heißt überwiegend mit Schleifton angegeben werden. Man kann auch daran erinnern, dass Būtenas diese Diphthonge und den Doppellaut an derselben Stelle neben anderen Beispielen des betreffenden Typs aufführte, vgl. kreĩšeris, kẽlneris (kẽlneris), konferèncija (Būtenas 1931: 113–114). Warum werden Hunderte von Internationalismen und sonstigen Lehnwörtern mit dem Diphthong ei mit einem Zirkumflex (selten mit einem Gravis) gekennzeichnet, terapèutas dagegen mit einem Akut? Warum werden unbetonte Diphthonge el, er in Internationalismen genauso ausgesprochen wie in litauischen Wörtern (vgl. Girdenis 1981: 126; 2000: 136)? Man könnte sogar behaupten, dass uns der Akut hier zu den damaligen Bestrebungen mancher Sprachwissenschaftler zurückführt, den Akzent kurzer betonter Silben als Kurzintonation zu betrachten. Tatsächlich wird die Prosodie der Diphthonge ausschließlich durch den Gegensatz zwischen Stoßton und Schleifton bestimmt, der durch unterschiedliche Akzentzeichen realisiert wird. Die Vertreter der Gegenauffassung berufen sich auf Kuršaitis’ 15 Die Frage aufzuwerfen, ob betonte Silben mit Stoßton in den Wörtern dárbas, dìrba, diégas drei Typen darstellen (siehe Pakerys 1993: 6), ist nicht sachgerecht, denn diese Silben gehören zu unterschiedlichen Klassen von Diphthongen (und Doppellauten). 16 Die Protokolle können bei der Staatlichen Kommission für die litauische Sprache eingesehen werden. 17 Eine dreifache Realisierung von Intonationen ist auch für keinen litauischen Dialekt charakteristisch. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 17 der Tradition, den Stoßton mit einem Gravis in den Diphthongen il, im, in, ir, ul, um, un, ur und ui zu kennzeichnen, und bezeichnet den Gravis in den Diphthongen el, er als Repräsentanten des Stoßtons folgt. Dann wird jedoch unklar, warum dieselben Diphthonge el und er gleichzeitig (vgl. kėltas: kél̇tas: kẽltis, Bèrnas: bérnas: bèrtas), wenn sie den Stoßton tragen, sich durch Vokale unterschiedlicher Länge unterscheiden, während sich das über die Fälle der Diphthongkennzeichnung bei Kuršaitis nicht sagen lässt (dort gibt es kein einziges Beispiel für il: íl: iĺ). Es ist auch nicht korrekt, den Blick auf Diphthonge mit kurzem Vokal o18 zu richten: Solche Diphthonge „haben, ebenso wie Diphthonge sekundären Ursprungs, hier nichts damit zu tun, da in ihnen konsequent ein Vokal ausgesprochen wird, der nie mit irgendeinem ‚eigenen‘ Vokal zusammenfällt“ (siehe Girdenis 2000 (II): 362, Anm. 2). Wenn wir also die hypothetische Auffassung zu den vermeintlichen Diphthongen èl, èr akzeptieren, ergibt sich folgendes Inventar der gemischten Diphthonge (siehe Tabelle 1). TABELLE 1. Akzentuierungstypen der Diphthonge in der Gemeinsprache19 l-Typ | r-Typ | m-Typ | n-Typ a-Typ | ál: àl*: aĺ | ár: àr*: ar̃ | ám: àm*: am̃ | án: àn*: añ e-Typ | él: èl*: el̃ | ér: èr*: er̃ | ém: èm*: em̃ | én: èn*: eñ i-Typ | ìl: íl*: il̃ | ìr: ír*: ir̃ | ìm: ím*: im̃ | ìn: ín*: iñ u-Typ | ùl: úl*: ul̃ | ùr: úr*: ur̃ | ùm: úm*: um̃ | ùn: ún*: uñ o-Typ | òl: ól**: ol̃** | òr: ór**: or̃** | òm: óm**: om̃** | òn: ón**: oñ** Aus Tabelle 1 geht hervor, dass Diphthonge des Typs ul, il mit Stoßton seit Kuršaitis’ Zeiten mit einem Gravis gekennzeichnet werden; sie graphisch mit einem Akut zu markieren, úl, íl, wäre ungewöhnlich. Wer nicht das gemeinsprachliche spòrtas, sondern spórtas mit langem o (oder gedehntem Vokal o) ausspricht, spricht auch rajónas, rajõnas, biològija, biolōgija und Ähnliches so aus. Einige ältere Lehnwörter, z. B. mõrkos, tõlkos, werden in der Umgangssprache bisweilen mit dem Zirkumflex õr, õl ausgesprochen; dies entspricht nicht der Norm der Gemeinsprache. Diese Wörter mit dem Minimalpaar órlaivis: spòrtas gleichzusetzen, ist wegen des sekundären Ursprungs des Diphthongs in orlaivio nicht zutreffend. Die Akzentuierung in Enzyklopädien Koñtrimas, Moñtoydas, Moñtvila wirkt wegen der im Sprachgebrauch häufiger gehörten Formen Kòntrimo, Mòntoydo, Mòntvilos recht seltsam; denn die ersteren Varianten sind in der Gemeinsprache etablierte Dialektformen, und die Enzyklopädien haben sie möglicherweise an gemeinsprachliche Entsprechungen angepasst (Kańtrimas, 18 Das Argument, dass, wenn die Betonung von fermà vorgeschrieben wird, auch die Betonung von formà zugelassen werden müsse, zeugt lediglich von der prosodischen Ungebildetheit der Anhänger dieser Auffassung. 19 Ein Sternchen kennzeichnet ungewöhnliche oder unmögliche Fälle der Akzentmarkierung; mit zwei Sternchen markierte Diphthonge sind in der Gemeinsprache möglich, kommen jedoch nur ausnahmsweise vor oder sind nicht normgerecht. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 18 Mañtūydas) die Akzentuierung. Auch das Wörterbuch litauischer Familiennamen liefert nichts Eindeutigeres, vgl. Kóntautas, Koñtrimas, Moñgirdas, Moñtrimas, Moñtvilas, Móntvyda. Hier finden sich nirgends Fälle, in denen in Familiennamen distinktive Paare mit den Diphthongen ón: òn. Moñtvila: Mòntvila sind lediglich Aussprachen an verschiedenen Verwendungsorten. Ergänzend sei gesagt, dass niemand die Opposition zwischen langem [oː] und kurzem [ɔ] bezweifelt; Minimalpaare wie õtas: Òtas, jótas: jòtas usw. bestätigen lediglich die phonemische Selbstständigkeit dieser Vokale in der Standardsprache20. Wir könnten nicht bestreiten, dass man im heutigen Sprachgebrauch in Internationalismen gelegentlich einen eher geschlossenen kurzen Vokal [e] hören kann, ähnlich dem Vokal [e] in litauischen Wörtern. Ein anschauliches Beispiel ist die Aussprache von Gintaras Deksnys, Nachrichtensprecher beim Fernsehsender LNK. Dass manche so sprechen, bestritt auch Antanas Salys nicht, doch hielt er eine solche Aussprache für ein Erzeugnis fremder Sprachen, nicht des Litauischen. Einen solchen Vokal könnte man auch in der Sprache mancher anderer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hören, besonders bei jenen, deren Sprache eine deutliche Nivellierung der Akzente erkennen lässt. Im allgemeinen Sprachgebrauch überwiegt jedoch die fallende Aussprache dieser Diphthonge, weshalb ihre gegenwärtige Kodifizierung überprüft werden muss. Die früheren Ansager und Schauspieler des Litauischen Rundfunks erzählten, dass man sie in den 1950er-Jahren recht nachdrücklich dazu angehalten habe, in Internationalismen einen „anderen“ Vokal [e] als in litauischen Wörtern auszusprechen. Das litauische Ohr habe die Andersartigkeit dieses anderen Vokals einfach nicht erfassen können, sodass sie mit der Zeit begonnen hätten, die vorangehenden Konsonanten hart auszusprechen. So entstanden und verbreiteten sich weithin negras, progresas, chemija und Ähnliches; diese Formen wurden übrigens auch von einigen älteren Intellektuellen (Lehrern u. a.) verwendet. Kazys Ulvydas hatte diesen Vokal als behauchten [ɛ] bezeichnet und unternahm wie andere große Anstrengungen, ihn abzuschaffen. Das gelang; den in der Natur des Litauischen nicht vorhandenen Vokal [ɛ] im allgemeinen Sprachgebrauch zu verankern, gelingt bis heute jedoch immer noch nicht. Man muss annehmen, dass dieser Vokal seit den 1950er- oder 1960er-Jahren wahrscheinlich auch am Pädagogischen Institut Vilnius (heute Universität für Bildungswissenschaften) und andernorts gelehrt wurde. Wie kommt es dann aber, dass es trotz jahrzehntelanger Vermittlung einer solchen Aussprache nicht gelungen ist, sie zu systematisieren? Die Ergebnisse einer explorativen Untersuchung des Sprachgebrauchs von Fernsehmitarbeitern bestätigen auch nicht, dass die Diphthonge èl, èr weit verbreitet sind (siehe Tabelle 2). TABELLE 2. Verhältnis der Verwendung initialbetonter und zirkumflexbetonter Diphthonge er, el, eu in der Sprache verschiedener Fernsehsender èr, èl, èu ér, él, éu 36 – 16,8% 213 – 83,2% 20 Das widerspricht auch keineswegs dem Sprachgebrauch der westlichen Hochlitauer aus dem Raum Kaunas, vgl. òpa, òpstais, òtgi, Audrónė usw. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 19 Zu diesem Zweck wurden eine Zeit lang (14. April bis 3. Mai 2016) gezielt die Aussprache der Nachrichtensprecher und Moderatoren sowie der Korrespondenten in den Nachrichtensendungen und anderen Sendungen von LRT und anderen litauischen Fernsehsendern angehört und die hier behandelten Fälle festgehalten, in denen die Diphthonge el, er, eu betont sind (besonders häufige Wörter ekspertas, energija, koncertas, nervai usw., ältere und neuere Eigennamen Gerda, Velsas, Berm anas, Eltonas, Melburnas, (Angela) Merkel usw.); ebenso em, en, ei (von diesen wurde nur ein kleiner Teil erfasst; notiert wurde die Aussprache der Wörter korespondentas, reidas sowie Džeisonas, Reinas usw.). Die meisten Daten wurden anhand der Aussprache und Betonung folgender Personen aufgezeichnet: Eglė Bučelytė, Gintaras Deksnys, Ugnė Galadauskaitė, Gintarė Grikštaitė, Edmundas Jakilaitis, Viktoras Jakovlevas, Marius Jancys, Andrius Kavaliauskas, Rita Miliūtė, Jolanta Paškevičiūtė, Goda Pečiulytė, Rokas Petkevičius, Rasa Tapinienė, Arūnas Valinskas, Marius Žiedas (ihre Aussprache lässt sich im LRT Mediatekoje und in den Audio- und Videoarchiven anderer Fernsehsender überprüfen). In der Aussprache dieser Sprecher überwiegt eindeutig die fallende Intonation: 83,2 Prozent (von 213 Fällen waren 12 nach der Regel für die vorletzte Silbe betont (in der Endung), 10 Fälle mit zurückgezogenem Akzent; undeutlich ausgesprochene Fälle wurden der Gruppe èl, èr, èu zugeordnet). Die Zahl der Fälle mit fallender Betonung steigt noch, wenn wir auch die als fallend kodifizierten Diphthonge em, en, ei einbeziehen – auf 93,7 Prozent. Es ist verständlich, dass die Ergebnisse etwas anders ausfielen, wenn auch der Sprachgebrauch anderer Quellen untersucht würde; die hier angegebenen Verhältnisse der Daten würden sich dadurch jedoch wohl kaum grundlegend ändern. Die Normgeber mancher Sprachen beziehen mitunter auch das Autoritätskriterium in die übrigen Kodifizierungskriterien ein. Auch in unserer Praxis stützt man sich häufig auf die Meinung anerkannter Sprachwissenschaftler. So wurden auch in diesem Artikel die Auffassungen von Jonas Jablonskis, Antanas Salys, Pranas Skardžius, Aleksas Girdenis, Antanas Pakerys und anderen angeführt. Gesondert muss auf die Berufung auf Skardžiaus Auffassung eingegangen werden. Wie bereits erwähnt, kodifizierte Skardžius als einer der Ersten die für das Wesen der litauischen Standardsprache typische Aussprache solcher Wörter – er neigte zur fallenden Intonation. Vielleicht war ihm nicht völlig klar, wie sich in Fremdwörtern fallende und steigende Intonation zueinander verhalten sollten, doch schlug er nicht vor, das Zeichen für den Gravis als einziges Betonungszeichen für ein solches Wort anzusehen. Seine Auffassung wurde sowohl in einem vor dem Krieg erschienenen Betonungslehrbuch als auch im in der Nachkriegszeit erarbeiteten Lietuvių kalbos vadove klar bestätigt. In seinem 1968 erschienenen Werk Lietuvių kalbos kirčiavime ist von Internationalismen überhaupt nicht die Rede (vielleicht galt ihre Kodifizierung als noch nicht völlig festgelegt), und, wie es heißt, „wurde auf jedes Normalisierungsziel verzichtet“ (Skardžius 1999: 474). Dies schien nötig, weil nun „die Frage nach dem Schicksal der gesamten litauischen Sprache im Ausland aufkommt“ und „strengere Normalisierungsvorgaben für die Betonung ihr Ziel kaum erreichen würden“ (ebd.). Vielleicht änderte Skardžius gerade deshalb in der ersten Hälfte der 1970er Jahre seine frühere Auffassung grundlegend und beschloss, sich an der Betonungspraxis der in Litauen erschienenen Wörterbücher zu orientieren: in dem Buch Lietuviški BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 20 tarptautinių žodžių atitikmenys (1973) beveik visus kalbamo tipo žodžius sužymėjo kairiniu kirčio ženklu ir prie visų prirašė 1-osios kirčiuotės nuorodą. Tiesa, yra ir kitaip sukirčiuotų žodžių, bet tai tik vienetai: fėrma 33, tėrminas 61, gal dar vienas kitas. Čia priimtą praktiką Skardžius pritaikė ir rankraščių likusiame Rašybiniame bendrinės lietuvių kalbos žodyne, rašytame maždaug apie 1974 m. (rankraštis yra Vilniaus universiteto bibliotekos Rankraščių skyriuje, f. 118–134). Diese Änderung von Skardžiaus Auffassung wäre verständlich, wenn er oder jemand von den anderen Akzentologen oder Phonetikspezialisten wichtige Arbeiten zu dieser Frage veröffentlicht oder unwiderlegbare Beweise dafür vorgelegt hätte, dass zur Kennzeichnung mit dem Gravis überzugehen sei und Ähnliches. Doch damals waren weder die Auffassung von Kazlauskas und Girdenis noch die beiden Mitte der 1960er Jahre in der Lietuvių enciklopedijoje veröffentlichten Artikel von Antanas Salys aufgehoben worden, in denen seine Auffassung zur Betonung der betreffenden Wörter klar dargelegt wurde. Offenbar lagen auch in diesem Fall irgendwelche moralischen oder politischen Motive zugrunde, sich auf die Praxis der sowjetischen Sprachwissenschaft statt auf die bereits entstandene Vorkriegstradition zu stützen. Nachdem wir also einige Fragen der Betonungskennzeichnung erörtert haben und uns ausschließlich auf systematische, linguistische Kriterien stützen, müssen wir feststellen, dass der Vokal [ɛ] in Internationalismen, wie er in der Sprache mancher Menschen vorkommt, lediglich eine phonetische Variante des litauischen Vokals [e] ist und aus folgenden Gründen nicht als eigenständiges Phonem gelten kann: 1) Er erfüllt keine distinktive Funktion; 2) mit dem Gravis gekennzeichnet, fällt er aus dem System der litauischen Diphthonge heraus, und wenn man ihn diesem System zurechnet, zeigt er einen in der litauischen Sprache unmöglichen dreiteiligen Fall der Betonungskennzeichnung, nämlich eine doppelte Realisierung der steigenden Intonation. Diese Schlussfolgerungen ermöglichen die Erstellung des folgenden Inventars der Vokalphoneme der Standardsprache (siehe Tabelle 3). TABELLE 3. System der Vokalphoneme der Standardsprache Hintere VokaleVordere VokaleGeschlossene Vokale/u/ /uː//i/ /iː/Halbgeschlossene Vokale/ɔ/ /oː//ɛ/Offene Vokale/a/ /aː//e/ /eː/Vokale mit wechselnder Öffnung/uo//ie/ BENDRINĖ KALBA 89 (2016)www.bendrinekalba.ltISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 21 Hier ist hinzuzufügen, dass die Bemühungen einiger Phonetiker, sich auf die Symmetrie des Phonemsystems zu stützen, nicht durch Daten zu diesem Phänomen aus anderen Sprachen bestätigt werden – in einem System gibt es stets leere Felder. Daher lässt sich mit diesem Argument nicht die Notwendigkeit begründen, in der Vokalphonemtabelle neben dem langen Vokal [e] auch dessen kurzes Gegenstück [ɛ] zu führen. Wie wir zuvor gesehen haben, wird das Symmetrieprinzip auch durch die gegenwärtige formale (grafische) Praxis der Akzentsetzung bei gesprochenen Diphthongen widerlegt. Eines der gewichtigsten Argumente der Befürworter der Gegenposition ist pragmatischer Art: Wie soll man jetzt zahlreiche zweisprachige Wörterbücher, insbesondere Fachwörterbücher und Enzyklopädien, überarbeiten, in denen der linksseitige Akzent fast durchgängig verwendet wird? Doch bei näherer Betrachtung dieser Praxis der allgemeinen Anerkennung tritt oft nicht deren Allgemeingültigkeit zutage, sondern eine stellenweise regelrechte Eklektik, die häufig dazu zwingt, sich nicht auf das Gefühl für das Sprachsystem zu verlassen, sondern die Akzentuierung einzelner Wörter zu lernen21. Wenn wir die gegenwärtige Praxis der Akzentkennzeichnung beibehalten, würden wir die Benutzer nur noch stärker dazu zwingen, die Akzentuierung einzelner Wörter zu lernen, und ihre psycholinguistischen Fähigkeiten, Akzenttypen automatisch zu generieren, weiter nivellieren. Ein weiteres Argument betrifft eine Glaubensfrage: Ob man [ɛ] in internationalen Wörtern anerkennt oder nicht, ist eine Frage der Überzeugung (siehe Protokolai 2015). Wenn wir selbst für wissenschaftliche Zwecke auf Glaubensfragen zurückgreifen, kann es hier keinesfalls noch ernsthafte wissenschaftliche Diskussionen geben. SCHLUSSFOLGERUNGEN Die Frage nach dem Phonemstatus des Vokals [ɛ] in Fremdwörtern und/oder internationalen Wörtern sowie nach der daraus folgenden Akzentkennzeichnung der Diphthonge el, er und eu ist nicht nur eine Frage der Phonetik, sondern auch der Akzentologie – sie hängt mit der Anwendung oder Verletzung der Regel für die vorletzte Silbe zusammen. Die lange Geschichte der akzentuellen Integration von Fremdwörtern und internationalen Wörtern ins Litauische zeigt, dass man seit 1929 konsequent auf die Kennzeichnung der gesprochenen Diphthonge mit dem Zirkumflex hingearbeitet hat und diese Vorgaben 1948 endgültig im Lietuvių kalbos rašybos žodyne verankert wurden. Darin wurden die Akzentideen von Jonas Jablonskis, Pranas Skardžius und Antanas Salys recht genau umgesetzt. Später stimmten Adelė Laigonaitė, Jonas Kazlauskas, Juozas Senkus, Aleksas Girdenis und weitere Sprachwissenschaftler ihnen zu. Die revolutionäre Kennzeichnung des Akzents in gesprochenen Diphthongen (aber nur el, er und eu) mit dem Graviszeichen in Chuckelis Lemchenas’ akzentuiertem Tarptautinių žodžių žodyne von 1951 kann als unmittelbarer Angriff auf das litauische Sprachsystem, als dessen Zerstörung und als Auslöschung systembezogener Akzentuierungsvorgaben im Bewusstsein der Benutzer der Standardsprache betrachtet werden. In einem weiteren Sinne war dies in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts 21 Vgl. die Angaben im Beitrag von Rita Miliūnaitė (http://www.bendrinekalba.lt/Straipsniai/89/Miliunaite_BK_89_straipsnis.pdf), der in diesem Band der Bendrinės kalbos veröffentlicht wird. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 22 Die von Valerija Vaitkevičiūtė entwickelte Theorie der elitären Aussprache, nach der sich die Aussprache von Wörtern fremder Herkunft nicht an der Anpassung natürlicher Fremdwörter an das System und die Tendenzen der aufnehmenden Sprache orientiert, sondern an der Aussprache dieser Wörter in den Sprachen, aus denen sie entlehnt wurden. Diese pseudowissenschaftliche Theorie grundsätzlich segregierenden Charakters, zu deren Erbe auch die Kennzeichnung der Betonung der Diphthonge ėl, ēr, ėu mit dem Gravis gehört, sollte einer auf demokratischen Grundlagen lebenden Gesellschaft und der Kodifizierung ihrer Sprachnormen prinzipiell fremd sein. Auch wenn wir einräumen, dass einige Sprecher der Standardsprache in Fremdwörtern bzw. internationalen Wörtern einen engeren Vokal [ɛ] aussprechen können als in litauischen Wörtern, können wir diesen nicht als tatsächliche Realisierung des Phonems /e/ anerkennen, da uns keine eindeutigen Belege vorliegen, die dessen distinktiven Charakter bestätigen. Um den phonologischen Status dieses Vokals endgültig zu klären, müssen verschiedene Fälle seines Funktionierens berücksichtigt werden, die sowohl syntagmatische als auch paradigmatische Beziehungen umfassen. Die gegenwärtigen Fälle der Betonungskennzeichnung bei den Diphthongen el, er und eu setzen eine zweifache Realisierung des fallend-steigenden Akzents voraus, die den Systemen der Standardsprache und der Dialekte völlig fremd ist. Andererseits schließt die gegenwärtige Praxis der Betonungskennzeichnung aus dem Mikrosystem der Diphthonge zahlreiche Fremdwörter bzw. internationale Wörter mit betonten Diphthongen em, en und ei aus, die im System der Standardsprache genau dieselbe Funktion erfüllen wie die Diphthonge el, er und eu. Auch die tatsächlichen Sprachgebrauchsdaten dürfen nicht vergessen werden – darin überwiegt deutlich die systemgerechte Realisierung der Akzente der betreffenden Diphthonge. Selbst wenn wir eine partielle Phonemizität des Vokals [ɛ] anerkennen würden, könnten wir ihn dennoch nicht in das allgemeine Phoneminventar aufnehmen, da das Phonem /e/ aus psycholinguistischer Sicht den Vokal [ɛ] in bereits normierten Wörtern nicht hervorbringt (nicht nur mit em, en, sondern auch mit eu, ei, vgl. eūras, reidas, sowie in zahlreichen neu hinzugekommenen oder hinzukommenden Wörtern, z. B. Bėrnis, Reiganas usw.) – den litauischen Laut [ɛ] sprechen hier sogar Menschen konsequent aus, die [ɛ] auch in anderen Positionen verwenden. Die einzige Möglichkeit, die genannten Verzerrungen des Systems der Standardsprache zu beseitigen, wäre, konsequent überall zur Kennzeichnung des Akzents der betreffenden Diphthonge mit dem fallend-steigenden Akzent überzugehen, selbstverständlich unter Zulassung von Varianten, wobei jedoch überall das Zeichen für den fallend-steigenden Akzent als erste und Hauptvariante gelten sollte – der Anfang dazu wurde 2003 und in späteren Empfehlungen der VLKK gemacht. Die Regelung der Betonung der betreffenden Wörter in Terminologie- und zweisprachigen Wörterbüchern, Enzyklopädien und anderswo ist lediglich eine Frage der lexikografischen Technik, nicht der Sprachwissenschaft. ŠALTINIAI AMŽ 1996 – Antikos mitologijos žodynas, Kaunas: Šviesa. DLKG 2005 – Dabartinės lietuvių kalbos gramatika. Ketvirtoji pataisyta laida, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo | 23 DŽ 1954 – Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla. LE – Lietuvių enciklopedija 1–38, Bostonas, 1953–1966, 1969, 1985. Lietuvių kalbos rašybos vadovėlis. Su kirčiuotu žodynu. Mokyklai ir visuomenei. Sud. A. Kalnius, Z. Kuzmickis, J. Talmantas, Kaunas: Sakalas, 1938. Lietuvių kalbos rašybos žodynas. Tartis, skyryba, kirčiavimas, lyčių vartojimas, lietuvių kalbos tarmės, žodynas. Red. K. Gasaravičius, N. Grigas, J. Lazauskas, K. Ulvydas ir A. Žirgulys, Kaunas: Valstybinė enciklopedijų, žodynų ir mokslo literatūros leidykla, 1948. Lietuvių kalbos vadovas (LKV). Tartis ir rašyba. Kirčiavimas. Kalbos dalykai. Žodynas. Sud. P. Skardžius, S. Barzdukas, J. M. Laurinaitis, Bielefeld: Lietuvių tremtinių bendruomenė, 1950. Lietuvių pavardžių žodynas 1–2. Ats. red. A. Vanagas, Vilnius: Mokslas, 1985–1989. Lietuvių rašomosios kalbos žodynas [1] / M. Niedermann’as, A. Senn’as, F. Brender’is. Heidelberg: Carl Winters Universitätsbuchhandlung, [1932]; [2] / M. Niedermann’as, A. Senn’as, A. Salys. Ten pat, [1951]; [3] / A. Senn’as, A. Salys. Ten pat, [1957]; [4] / A. Senn’as, A. Salys. Ten pat, [1963]; [5] / A. Senn’as, A. Salys. Ten pat, [1968]. LKŽ – Lietuvių kalbos žodynas 1–2. Red. J. Balčikonis, Vilnius: Lietuvių kalbos institutas, 1941; Vilnius: Valstybinė enciklopedijų, žodynų ir mokslo literatūros leidykla, 1947. LTE – Lietuvių tarybinė enciklopedija 1–12, Vilnius: Mokslas, 1976–1984. TŽŽ 1951: Tarptautinių žodžių žodynas. Vertė O. Katinskaitė, Ch. Lemchenas, J. Talmantas. Lietuviškąjį leidimą redagavo Ch. Lemchenas, Vilnius: Valstybinė politinės ir mokslinės literatūros leidykla. TŽŽ 1969: Tarptautinių žodžių žodynas. Lietuviškąjį leidimą redagavo Ch. Lemchenas, Vilnius: Mintis. TŽŽ 1985: Tarptautinių žodžių žodynas, Vilnius: Vyriausioji enciklopedijų redakcija. TŽŽ 1999–2000: Vaitkevičiūtė V. Tarptautinių žodžių žodynas 1–2, Vilnius: Žodynas. TŽŽ 2001: Tarptautinių žodžių žodynas, Vilnius: Alma littera. TŽŽ 2007: Vaitkevičiūtė V. Tarptautinių žodžių žodynas, Vilnius: Žodynas. TŽŽ 2013: Tarptautinių žodžių žodynas, Vilnius: Alma littera. VLE – Visuotinė lietuvių enciklopedija 1–25, Vilnius: Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas (centras), 2001–2014. BENDRINĖ KALBA 89 (2016) www.bendrinekalba.lt ISSN 2351-7204 ALDONAS PUPKIS. Dar kartą dėl eksperto, koncerto ir pan. žodžių kirčiavimo 24 LITERATŪRA Atsiminimai 2010: Atsiminimai apie Joną Jablonskį. Šaltiniai. Sud. G. Čepaitienė, L. Lapinskienė, Vilnius: Gimtasis žodis. Avižonis P. 1992: Lietuviška gramatikėlė. Rankraštis (VUB RS f. Lr 6842). Baronas J. 1932: Rusų lietuvių žodynas. 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