Miežiškių tarmės vokalizmo bruožai
Full text
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, II
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
VOKALISMUSMERKMALE DES DIALEKTS VON MIEŽIŠKIAI
J. ŠUKYS
Transkription
Im Artikel wird die Transkription des „Programms zur Sammlung von Material für den Atlas der litauischen Sprache“ verwendet. Die Abweichungen sind folgende:
1. Die Lautlänge wird durch einen Punkt oben rechts neben dem Buchstaben bezeichnet (ein Strich über dem Buchstaben kennzeichnet nur die historische Lautlänge). Die Länge wird nicht nur bei unbetonten, sondern auch bei betonten Lauten markiert.
2. In einer Konsonantengruppe wird nur die Weichheit desjenigen Konsonanten bezeichnet, der unmittelbar vor einem Hinterzungenvokal oder am Wortende steht.
3. Die Aspiration der Konsonanten wird nicht bezeichnet.
4. Zusätzlich wurde der Buchstabe ъ eingeführt; er bezeichnet einen Hinterzungenvokal, der etwas weiter ist als litauisch u.
Der Dialekt von Miežiškiai ist Teil jenes ostaukštaitischen puntininkai-Dialekts, der weder zu den rotininkai noch zu den dadininkai, žalininkai oder žadininkai gehört1. Er liegt südöstlich von Panevėžys und umfasst die Städtchen Miežiškiai (Mieškai) und Raguva samt den benachbarten Dörfern.
Die westlichen Nachbarn von Miežiškiai sind Pontininkai, die Nachbarn von Raguva hingegen Pantininkai. Folgende am Rand gelegenen Pontininkai-Dörfer, die an die Puntininkai angrenzen, sind zu nennen: Pakruošiniai, Tautkūnai, Pajūodžiai, Preidžiai, Kabėliai, Klepšiai und Velykiai; zu den Puntininkai gehören bereits die Dörfer Pučekai, Bajoriškiai, Trakininkai und Būkališkiai. Diese Grenze muss hervorgehoben werden, weil sie in unserer linguistischen Geografie nicht ganz genau gezogen wurde. So ist das Städtchen Miežiškiai (Mieškai) auf der Karte von A. Salys2 den Pontininkai zugeordnet. Einige Ungenauigkeiten (die Zuordnung der Dörfer Pučekai, Bajoriškiai und Kūlbagalis zu den Pontininkai) finden sich im Artikel von P. Būtenas „Die Grenzen der aukštaitischen Dialekte sprechenden Mundarten“3.
I. Faktoren, die den Vokalismus der Mundart bestimmen
Es gibt mehrere Bedingungen, von denen die Aussprache des einen oder anderen Vokals oder Diphthongs der beschriebenen Mundart abhängt.
§ 1. Die Stellung des Vokals im Wort. Ein wortfinaler Vokal oder Diphthong im Litauischen entspricht meist anderen Lauten der Mundart als ein Vokal im Wortstamm.
1Zum Vokalismus des nördlichen Teils dieser Mundart siehe I. Jašinskaitė, Kirtis, priegaidė ir jų poveikis vokalizmui Biržų tarmėje. — Lietuvių kalbotyros klausimai, 1. Vilnius, 1957.
2Siehe Archivum Philologicum, 4, Kaunas, 1933.
3Siehe Archivum Philologicum, 3, 185, Kaunas, 1932.
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Diphthong. Das kommt daher, dass neben dem allgemeinen Gesetz der Kürzung unbetonter Silben auf das Wortende noch ein spezifisches Gesetz der Kürzung der Endungen einwirkt, auf den Wortstamm dagegen ein spezifisches Gesetz der Dehnung kurzer betonter Silben. Deshalb entsprechen die am Wortende neu entstandenen Mundartvokale meist anderen litauischen Vokalen, z. B.: pi˙evo~piejove, má˙ta~mãto. Am Wortende ist auch die Wortkategorie von Bedeutung, z. B.: bei Substantiven šakàs~šakõs, bei Pronomen katràs~katrõs.
§ 2. Wortakzent und Intonation.
Die Mundart von Miežiškiai, die zur Zone des bedingten Akzentrückzugs gehört, weist fünf Intonationen auf.
Die stoßende Intonation (') können die Diphthonge ai, au, ei, ui und die gemischten Diphthonge haben, z. B.: lá˙ibus~láibas, lá˙uža~láužo, sé˙ilas~séilės, smú˙ike~smúikė, šá˙ltu~šálta, lẽ˙mpu~lẽmpa, tri.ni~trinti, kū.rmi.s~kūrmís.
Die schleifende Intonation (~) können die Diphthonge ai, au, ei, ui und die gemischten Diphthonge haben, z. B.: žai˙bus~žaibas, láu˙kos~laukas, šveit˙ši~šveisti, muí˙lus~mui-las, kal˙tus~kaltas, kem˙šu~kemša, pn˙ktus~penktas, bur˙bu~burba. Außerdem hat jede lange Wurzel, die die oben genannten Diphthonge enthält, eine schleifende Intonation, selbst wenn sie von Natur aus stoßend ist, sofern der Akzent aus einer kurzen Endung auf sie zurückgezogen wird, z. B.: lá˙ibu~laibą, šáu˙ki~šauki, svei˙kus~sveikus, puí˙kus~puikus, kal˙n~kalnė, ver˙ki~verki.
Die kurze (˘) Intonation haben: kurze wortfinale Vokale, z. B.: sukì~sukį, šakù~šaką, katràs~katràs, katè~katę; kurze Vokale einiger einsilbiger Wörter, z. B.: àš~aš, kàt~kad, bèt~bet, nègi~nėgi, tìk~tik, dù~dū; Interjektionen und Verben des Augenblicksakts, die eine plötzliche, aber schwache Handlung bezeichnen, z. B.: bákši~bãkšt, bákštelė~bãkštelėti, žìpi~žìbt, žìptelė~žìbtelėti; Verben der 3. Person Präsens mit lautmalerischem Charakter, deren Infinitiv das Suffix -ėti hat, z. B.: žãksi~žaksia, trẽpsu~trėpsia, die 3. Person Futur, z. B.: nèš~neš, bū's~būs, matìs~matýs; die verkürzte Form der 3. Person im Konjunktiv, z. B.: rãst „rastų“, nẽšt „neštų“, bùt „būtų“⁴.
Die mittlere (˙) Intonation haben gedehnte betonte litauische kurze i, u im Wortstamm, z. B.: kì.tus~kitas, nù.neše~nunešė, bernù.kus~berniukas. Die mittlere Intonation haben außerdem die Langvokale und die Diphthonge ie, uo, sowohl solche mit altem Akzent als auch solche, die den Akzent nach dessen Zurückziehung aus einer kurzen Endung auf eine lange Wurzel erhalten haben, z. B.: rá˙te~ratai, žẽ˙me~žemė, kė˙le~kėlė, pi˙kstu~pyksta, žõ˙džius~žodžius, krū˙me~krūmai, pienus~pienas, juõdu~juoda. Bei den langen Vokalen und Diphthongen ie, uo der Mundart sind die stoßende und die schleifende Intonation nicht hörbar.
Die mittlere abgeschnittene (˙) Intonation haben betonte lange wortfinale Vokale, die im Litauischen schleifend ausgesprochen werden, z. B.: žìnė~žinai, akì~aký, maũ~matau, miškù~miškų. Die abgeschnittene Intonation unterscheidet sich von der mittleren nur durch eine stärkere Akzentuierung der betonten Silbe. Zu bemerken ist, dass auch die Intonation einer kurzen betonten Endung einen abgeschnittenen Charakter aufweist.
4Die Mundart hat auch vollständige Formen der 3. Person des Konjunktivs, in denen die alte Endungsbetonung bewahrt ist, z. B.: raštų~rašty, neštų~neštų, būtų~būtų.
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Die Länge der Bestandteile der Diphthonge im beschriebenen Dialekt hängt hauptsächlich von der Intonation ab. Unbetonte Vokale oder Diphthonge des LK. entsprechen gewöhnlich anderen Dialektlauten als betonte.
§ 3. Wirkung der Konsonanten. Nach j und palatalisierten Konsonanten, denen früher ein j folgte, werden die hinteren Vokale des Miežiškiai-Dialekts, ebenso wie in anderen Dialekten und im LK., nach vorn verlagert; der nach vorn verlagerte hintere Vokal u wird sogar als vorderer Vokal i ausgesprochen.
Einige Vokale des beschriebenen Dialekts werden vor harten Konsonanten offener. Bei den Vokalen i, u ist diese Öffnung sehr gering, während der LK.-Vokal e vor einem harten Konsonanten als Zwischenlaut zwischen e und a ausgesprochen wird.
II. Das Vokalsystem des Dialekts
A. Vokalismus des Wortstamms
1. Vokale
§ 4. Die a, e, entsprechenden Vokale des Miežiškiai-Dialekts und des LK. a, e, sind lang und kurz. Sowohl das lange als auch das kurze e ist vor einem harten Konsonanten stark geöffnet und wird als Zwischenlaut zwischen e und a ausgesprochen, z. B.: gė'ras~gėras, ma'dus~medus, nėš~nėš. Vor einem weichen Konsonanten wird e wie im LK. ausgesprochen; wenn es lang ist, ist es jedoch etwas gespannter und enger als im LK., z. B.: kė·li.s „kėlias“, mė·džių~mėdžių. Das lange und kurze a des Dialekts unterscheidet sich qualitativ nicht vom langen und kurzen a des LK., z. B.: bà·dus~bàdas, žàdė·ti~žadėti.
§ 5. Die kurzen a, e sind gewöhnlich nur unbetont, z. B.: vakarė'lis~vakarėlis, nebegerė'~nebegerai. Betont sind sie in folgenden Fällen: in einigen einsilbigen Wörtern, z. B.: aš~aš, kàt~kad, bèt~bet, nėgi~nėgi; in Lautmalereien und Verben der Augenblicksaktion, die eine plötzliche, aber schwache Handlung bezeichnen, z. B.: bàkst~bakst, bàkštelė't~bakštelėti, trėkšt~trėkšt, trėkštelė't~trėkštelėti, in lautmalerischen Verben der 3. Person Singular Präsens, deren Infinitiv das Suffix -ėti, trägt, z. B.: žàksi~žaksia, trèps~trepsia, in der Form der 3. Person Singular Futur, z. B.: ràš~raš, nėš~nėš; in der verkürzten Form der 3. Person Singular des Konjunktivs, z. B.: ràst „würde schreiben“, nėšt „würde tragen“.
§ 6. Betontes a, e, ist wie im LK. lang, z. B.: mã·žus~mažas, svẽ·či.s~ „svẽčias“. In manchen Fällen hat der Dialekt jedoch lange a, e auch dort, wo das LK. kurze betonte a, e aufweist, und zwar: in den Präfixen von Verben und verbalen Ableitungen (Partizipien des Aktivs und Gerundien), z. B.: ã·tkase~atkàse, nebė·kepu~nebėkėpa, pà·likus~pàliktas, nė·pirkus~nėpirktas, prà·lakin~pràlekian, bė·šnėkunt~bėšnekant; im Infinitiv der primären Verben und seinen Ableitungen – im Präteritum frequentativum und in den Halbpartizipien, z. B.: rà·ši~ràšti, nė·šti~nėšti, là·gdava~làkdavo, kà·bdava~kėpdavo, plà·gdamus~plakdamas, vė·ždàmus~vėždamas. Außerdem weist der Dialekt das lange a· anstelle des kurzen betonten a des LK. noch in den Possessivpronomen mã·na~mã·no, tã·va~tã·vo, šã·va~šã·vo auf, und das lange e· anstelle des kurzen betonten e des LK. in den Komparativen von Adjektiven, z. B.: didė·sni.s~didėsnis, gražė·sne~gražesnė.
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§ 7. Die Dialektsprechende hat keine langen a, e, die dem standardlitauischen ą, ę entsprechen. Die alten an, en dieser Mundart, wie auch die aller Puntininkai-Dialekte, aus denen standardlitauisches ą, ę entstanden sind, entwickelten sich zu un, in. Der Konsonant n fiel aus und verlängerte den davorstehenden Vokal u, i, z. B.: užžūlus~ąžuolas, grįžti~gręžti. In unbetonten Silben sind diese u, i verkürzt, z. B.: kusnėliš~kasnėlis, grįžtiš~gręžiotis. In neueren Wörtern, die erst vor Kurzem in den Dialekt gelangt sind, bleiben standardlitauisches ą, ę erhalten, z. B.: sąjungu~sąjunga, spręsti~spręsti, bręstu~bręsta.
§ 8. Das anlautende lange oder kurze e wird im beschriebenen Dialekt meist zu a. Vor harten Konsonanten wird anlautendes e regelmäßig zu a, z. B.: asũ~esą, ãgla~ėglė. Vor weichen Konsonanten wird e manchmal zu a, manchmal aber auch nicht, z. B.: aketė~aketė, Alū.ne~Eliūnė, (j)ėžĩs~ežys, (j)ėrziĩ~ėrzyti, (j)ėžas~ėžios.
Das e des Dialekts wird in der Verbindung le unter dem Einfluss des verhärteten l ebenfalls zu a, z. B.: lākĩ~lėkia, ladanĩ~ledan.
§ 9. Die dialektalen ė˙, o˙, die standardlitauischem ė, o entsprechen, unterscheiden sich in ihrer Klangqualität etwas von standardlitauischem ė, o. Der Vokal ė˙ ist etwas weniger gespannt als standardlitauisches ė, der Vokal o˙ weniger gerundet als standardlitauisches o. Die ė˙, o˙ im Wortstamm des Dialekts sind nur betont und können daher selbstverständlich nur lang sein, z. B.: dė˙den~dėdė, našlaitėliš~našlaitėlis, stō˙vn~stōvia, žō˙gus~žiōgas. Unbetonte ė˙, o˙ müssen sich nach dem allgemeinen Gesetz der Kürzung unbetonter Silben verkürzen. Bei ihrer Verkürzung änderten die langen unbetonten ė˙, o˙ ihre Klangqualität. Im beschriebenen Dialekt verlief dieser Prozess wie auch in den benachbarten pontininkai-Dialekten durch Vokalverengung. Über die verengten Vokale ę, o ging der Übergang zu ɪ, ʋ, die offenbar stärker zurückgezogen und offener sind als standardlitauisches i, u, z. B.: vỹžĩs~vėžys, mirkėlã~mirkėlė „Kruste, in Borschtsch eingeweicht“, kujĩte~kojytė, žmugōs~žmogaus. Zu erwähnen ist, dass in einem Teil des beschriebenen Dialektgebiets (um Raguva) dem unbetonten standardlitauischen Stammvokal ė ein e entspricht; dieses e stammt jedoch vermutlich nicht von ė, sondern vom alten langen ē, nachdem dieses verkürzt worden war, z. B.: sedėĩ~sėdėti, mesĩte~mesytė.
Dass ɪ, ʋ nicht aus den verkürzten alten ē, ā, sondern aus ė, o entstanden sind, zeigt sich daran, dass die alten ē, ā des Dialekts bei der Verkürzung ihre Klangqualität nicht ändern, z. B.: mā˙ta<*matā~māto, mā˙te<*matē~mātė. Daraus lässt sich schließen, dass die Kürzung der langen Vokale in unbetonten Stammsilben des Miežiškiai-Dialekts erst später einsetzte, nachdem die alten ē, ā bereits zu ė, o geworden waren.
§ 10. Die für die Ostlitauer typische Verhärtung der Verbindung lė ist zugleich auch eine Erscheinung des Vokalismus, denn das verhärtete l verschob den Vokal ė aus der vorderen in die mittlere Reihe und erzeugte einen neuen Laut — den mittleren Vokal e˙, den die Literatursprache nicht kennt, z. B.: lė˙k~lėk, tilė˙ĩ~tylėti. Unbetontes e˙ wird reduziert: Durch quantitative Reduktion wird es zum kurzen Vokal verkürzt, durch qualitative Reduktion ändert es seine Klangqualität. In unbetonter Stellung ist nach einem velarisierten, nichtfinalen l ein undeutlicher kurzer Vokal zu hören, der zwischen u und ʋ liegt, z. B.: plukė˙~plekai, lukė˙-mus~lėkimas, priėkuti˙s~priekletis. In Verben des momentanen Aspekts klingt unbetontes e stark verengt, z. B.: ka˙ukštelėĩ~kauštelėti, trūktelė˙ĩ~trūktelėti.
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§ 11. Die kurzen dialektalen i, u ähneln standardlitauischem i, u; das dialektale i ist lediglich etwas weniger gespannt, während u fast ungerundet ist. Vor einem harten Konsonanten sind i, u leicht geöffnet5.
§ 12. Die kurzen i, u sind gewöhnlich nur unbetont und entsprechen den litauischen i, u, z. B.: vis̃~visi, žinõ~žinau, suku~suki, žuváuti~žuvauti. Da in der Mundart unbetonte lange Vokale gekürzt werden, entsprechen die mundartlichen i, u auch den unbetonten litauischen i, y, u, ū, z. B.: grįžõ~grįžau, linõ'ji~lynoja, skustũ~skųstų, grūdė~grūdai. Wie aus § 7 ersichtlich, können die mundartlichen i, u auch den unbetonten litauischen ą, ę entsprechen, z. B.: grįžtũs~gręžiotis, kusnė.li.s~kąsnėlis. Außerdem können die mundartlichen i, u auch aus gekürzten ė, o entstanden sein (siehe § 9).
§ 13. Nach j und palatalen Konsonanten, auf die früher j folgte, ist das dialektale u in Miežiškiai (das gilt auch für u, das den unbetonten langen standardlitauischen ū, ą, ū, o entspricht) stark nach vorn verlagert, z. B.: u̇žkliuvõ~užkliuvau, žiūrėk~žiūrėk, bliovi.mus~bliovimas; gegenwärtig ist es meist vollständig in den vorderen Vokal i übergegangen, z. B.: u̇žkliuvõ~užkliuvau, žiūrėk~žiūrėk, bliovi.mus~bliovimas. Ursache dieses interessanten, gegenwärtig stattfindenden Prozesses könnte sein, dass das fast ungerundete unbetonte dialektale u in seiner Artikulation dem ungespannten dialektalen i ähnelt.
§ 14. Betonte standardlitauische i, u werden im Dialekt verlängert. Das Gehör unterscheidet die verlängerten i, u nicht von den langen i, u. Vom Gehör her lässt sich beispielsweise nicht feststellen, ob das dialektale sudžiūva standardlitauischem sudžiūvo oder standardlitauischem sudžiūvo entspricht, denn auch zwischen vi̇.sus~visas und vi̇.rus~výras, išdū.ža~išdūžo und išdū́me~išdū́mė scheint es keinen Unterschied zu geben. Solange die Länge dieser Vokale nicht gemessen worden ist, werden die verlängerten betonten i, u der Tradition gemäß als halblang bezeichnet, z. B.: du.ri.s~durys, klu.va~kliuvo.
§ 15. Betonte i, u werden in folgenden Fällen nicht verlängert: in einigen einsilbigen Wörtern, z. B.: ti̇k~tik, dù~dū; in Lautmalereien und Verben des momentanen Aspekts, die eine plötzliche, aber schwache Handlung bezeichnen, z. B.: ži̇pì~žibt, žiptelė~žibtelėti, trūkt~trūkt, trūktelė~trūktelėti; in Präsensformen lautmalerischer Verben, deren Infinitiv das Suffix -ėti hat, z. B.: grikš~grikšia, tūks~tūksia; in der 3. Person des Futurs, z. B.: lis~lis, matis~matys, būs~bus, siūs~siūs; in der verkürzten Form der 3. Person des Konjunktivs, z. B.: dript „driptų“, pikt „pyktų“, sukt „suktų“, būt „būtų“.
§ 16. Die langen dialektalen i̇, u̇ sind nur betont und entsprechen den betonten standardlitauischen i̇, e, y, ū, ą, ų, z. B.: li̇sĩ~lįst, gri̇šĩ~gręžt, ri̇tus~rytąs, skūst~skųst, kūst~kąst, dū.me~dūmai. Die langen dialektalen i̇, u̇ scheinen, wie alle langen Vokale des Dialekts, etwas kürzer zu sein als standardlitauisches y, ū.
§ 17. Betrachtet man alle Vokale im Wortstamm, so zeigt sich, dass das allgemeine Gesetz zur Quantität der Stammvokale im beschriebenen Dialekt lautet: Unbetonte Vokale sind stets kurz, betonte dagegen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, lang.
Die Frage, warum betonte kurze Vokale im Dialekt länger wurden, während unbetonte lange verkürzt wurden, lässt sich nur schwer beantworten. L. Ščerba schreibt bei seiner Erklärung einer ähnlichen Gesetzmäßigkeit des russischen Vokalismus6, dass gleichzeitig aus unbekannten
5 Diese Öffnung wird grafisch nicht dargestellt.
6 Žr. Л. В. Щерба, Русские гласные въ качественномъ и количественномъ отношеніи, 151, С. Петербургъ, 1912.
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Aus diesen Gründen begann man in der russischen Sprache, dem Vokal der betonten Silbe die größte Stimmkraft zuzuweisen; dieser wurde dadurch länger, während die Vokale unbetonter Silben umgekehrt sowohl quantitativ als auch qualitativ reduziert wurden.
Tatsächlich veränderte die Reduktion unbetonter Vokale auch die Qualität einiger Vokale des Dialekts von Miežiškiai. Z. B. wurden die unbetonten langen ė, o durch Verkürzung zu anderen Vokalen.
Die Qualität der Stammvokale im beschriebenen Dialekt hängt außerdem von den sie umgebenden Konsonanten ab.
Die Aussprache eines hinteren Vokals hängt davon ab, nach welchem Konsonanten er steht. Nach j oder einem palatalen Konsonanten, dem zuvor ein j folgte, sind die hinteren Vokale nach vorn verlagert. Die Vorverlagerung des unbetonten Vokals u ergab einen Vokal von ganz neuer Qualität, ɨ.
Die Aussprache einiger Vokale hängt auch davon ab, vor welchem Konsonanten sie stehen. Vor einem harten Konsonanten werden die kurzen i, u etwas offener; die Öffnung des Vokals e ist so ausgeprägt, dass er als Laut zwischen e und a ausgesprochen wird.
2. Diphthonge
Diphthonge. Bei der Betrachtung der Diphthonge muss man von den gleichgliedrigen Diphthongen ie, uo abstrahieren, die sich sowohl durch ihre Artikulation als auch durch ihre Entsprechungen von den übrigen Diphthongen unterscheiden.
§ 18. Die Quantität der Bestandteile der Diphthonge ai, au, ei, ui wird durch den Akzent bestimmt. Beim Stoßton konzentriert sich der Stimmaufwand auf den ersten Bestandteil, weshalb dieser lang ist, z. B.: káìlis~káilis, sáula~sáulė, kéìktis~kéiktis, smuĩkė~smuikė. Beim Schleifton konzentriert sich der Stimmaufwand dagegen auf den zweiten Bestandteil, weshalb der zweite Bestandteil lang ist, z. B.: kràitis~kráitis, lãũkas~laukas, rèikì~reĩkia, muĩlus~mūilas. Bei unbetonten Diphthongen sind beide Bestandteile kurz, z. B.: daiktẽlis~daiktelis, šaukõ~šaukiau, meĩlùmus~meilumas, púikybė~puikybė.
§ 19. Die im Wortstamm stehenden, schleiftonbetonten Diphthonge ai, au, ei, ui unterscheiden sich auch qualitativ etwas von denen der Literatursprache. Da sich der Stimmaufwand auf den zweiten Bestandteil konzentriert, wird der erste reduziert und ähnelt dem zweiten ein wenig. Der offene a-Laut des Diphthongs au wird vor dem geschlossenen u enger und erhält eine o-Färbung, z. B.: pãũkštis~paukštis, dãũg~daug. Auch das e des Diphthongs ei ist vor dem geschlossenen i etwas enger, z. B.: peĩkti~peikti, meĩši~meišia „mischt sich“. Der offene a-Laut des Diphthongs ai ist vor dem geschlossenen i ein pharyngal-aspirierter Vokal, z. B.: baĩsus~baisūs, vaĩkus~vaikas. Der geschlossene u des Diphthongs ui wird etwas offener, z. B.: kuĩnas~kunas, puĩkus~puikus. Eine solche Assimilation des ersten Bestandteils ist auch in unbetonten Silben zu hören, z. B.: maiši~maišyti, lãukė~laukai, rèikės~reilės, puikumẽlis~puikurėlis, pãbaigė~pabaigė, atãsmaukė~atãsmaukė, pri.reikė~prireikė.
§ 20. Der Diphthong ei wird am Wortanfang zu ai, z. B.: aĩnu~aina, aĩk~eik, aĩlia~eilia, und nach einem verhärteten l, z. B.: lá risk~léisk, pláiskanas~plėiskanos.
7 Der Diphthong ui ist, insbesondere mit Stoßton, für den beschriebenen Dialekt untypisch.
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§ 21. Die Diphthonge ie, uo stehen aufgrund ihrer Artikulation und ihrer Entsprechungen den Monophthongen nahe. Diese Vokalverbindungen werden als eine unmerklich vom engen über den mittleren zum weiten Vokal übergehende Reihe ausgesprochen: ie wird vor einem palatalisierten Konsonanten wie ein eigentümlicher Triphthong iėe ausgesprochen, vor einem nicht palatalisierten wie ein Triphthong iėa; uo wird wie ein Triphthong uoa ausgesprochen. Aus diesem Grund ist der akzentuelle Ton der Diphthonge ie, uo des Dialekts – fallend oder steigend – nicht hörbar; er ist mittig wie bei Monophthongen.
§ 22. Die Diphthonge ie, uo sind nur betont, z. B.: Pienus~pienas, dienu~dieną, dūodu~dūoda, juokus~juokas. Unbetonte verkürzen sich nach dem Gesetz der Vokalverkürzung in unbetonten Silben, d. h. sie werden zu Monophthongen und ändern ihre Qualität: Der zu einem Monophthong gewordene Diphthong ie wird zum kurzen e (vor einem nicht palatalisierten Konsonanten zu æ), z. B.: penė.li.s~pienėlis, kietū.mus~kietumas; der zu einem Monophthong gewordene Diphthong uo wird nach einem nicht palatalisierten Konsonanten zum kurzen hinteren Vokal u, z. B.: puodė.li.s~puodėlis, dubė-tus~duobėtas, nach einem palatalisierten Konsonanten dagegen zum kurzen vorderen Vokal i, z. B.: paindā.vi.s~pajuodavęs, apsī.libō.~apsiliuobiau. Demnach sind die Entsprechungen des unbetonten standardlitauischen uo dieselben wie die des unbetonten standardlitauischen o; die Entsprechungen des unbetonten standardlitauischen ie unterscheiden sich dagegen8 von den Entsprechungen des unbetonten standardlitauischen ė (siehe § 9).
§ 23. Gemischte Diphthonge. Bei gemischten Diphthongen hängt ebenso wie bei den Diphthongen ai, au, ei, ui die Quantität der Bestandteile vom akzentuellen Ton ab. Beim fallenden Ton konzentriert sich der Stimmimpuls auf den ersten Bestandteil, der daher lang ist, z. B.: kā.lnus~kalnas, supī.ntus~supintas, kė.lī~kelti, dū.rī~durti. Beim steigenden Ton liegt der Stimmimpuls dagegen auf dem zweiten Bestandteil; daher sind die sonoranten Konsonanten l, m, n, r des zweiten Bestandteils gespannt und lang, außerdem ist r mehrfach geschlagen, z. B.: kar’tus~kartus, pėn’kus~penktas, rūm’ta~raimto, kur’či.s~kurčias. Bei unbetonten gemischten Diphthongen sind beide Bestandteile kurz, z. B.: kalnāo-tus~kalnuotas, delnē’li.s~delnėlis, šiltū’mus~šiltumas, pulkūot~pulkuoti.
§ 24. Beim steigenden Ton konzentriert sich der Stimmimpuls gemischter Diphthonge auf den zweiten Bestandteil; deshalb wird der erste reduziert und dem zweiten leicht angeglichen. Besteht der erste Bestandteil aus i, u, werden diese – besonders vor einem nicht palatalisierten Konsonanten – offener ausgesprochen, z. B.: vil’kus~vilkas, pul’kus~pulkas, kin’či~kenčia, dul’ki~dulkia; e dagegen neigt vor einem palatalisierten Konsonanten zur Hebung, z. B.: vēr’ki~verkia, kēr’tu~kerti. Steht der gemischte Diphthong vor einem nicht palatalisierten Konsonanten, bleibt e ebenso wie in Nicht-Diphthongen offen, z. B.: taēn’ku~tenka, vēl’ku~velka. Der Vokal a des ersten Bestandteils ist leicht guttural, z. B.: mai’tu~marti, kai’tus~kaitas.
§ 25. In dem beschriebenen Dialekt werden wie in den anderen puntininkai-Dialekten am, an, em, en zu um, un, im, in, z. B.: sū.mtī.s~samtis, rūm’sti.s~ramstis, kumpē.li.s~kampėlis; sprū.ndus~sprandas, run’ku~ranką, lunki’ī~lankyti; ūi.mī~vėmti, tūm’pī~tempti, kimpī.ne~kempinė; gīvī.nī~gyventi, švīn’te~šventė, kantē.jo.~kentėjau.
§ 26. Es gibt jedoch Fälle, in denen am, an, em, en nicht umgelautet werden, und zwar:
8 Am Rand des Gebiets der Nachbardialekte des beschriebenen Dialekts – der pontininkai-Dialekte (Piniava, Pažagieniai) – sind die Entsprechungen des unbetonten standardlitauischen ie dieselben wie die des unbetonten standardlitauischen ė, z. B.: pne’lī.s~pienėlis, wie bei tvē’lī.s~tėvelis.
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a) in Wörtern, die erst nach der Lautveränderung von am, an, em, en zu um, un, im, in in den Dialekt gelangten, z. B.: lė'mpu~lėmpa, lė'nkus~lėnkas, žė'ntus~žėntas;
b) in Formen, in denen am, an, em, en sekundären Ursprungs sind, d. h. erst kürzlich durch den Abfall des Auslautvokals entstanden sind: bei der Endung des Dativs Singular der Pronominalflexion, z. B.: gerá'm<geramui, antrá'm<antramui, tá'm<tamui; bei der Endung des Dativs Plural der o-Stämme, die aus der alten Dativform des Duals hervorgegangen ist, z. B.: namá'm<*namamu, vi'ram<*vīramu; bei der Endung des Inessivs Singular Präsens der Pronominalflexion, z. B.: senam̃<senamė, pirmam̃<pirmamė, katram̃<katramė; bei der Endung des Inessivs Präsens9, z. B.: miškáñ<miškana, miestañ<miestana; bei der Endung der 1. Person Plural Präsens der a- und ia-Stammverben, z. B.: dirbam<dirbame, sėdžiam<sėdžiame;
c) bei Verben im Präsens, deren Grundformen den Wurzelwechsel im || em, in || en aufweisen, z. B.: kėm̃sū~kemša, lėñdu~lenda, reñku~renka;
d) bei Präsensverben mit Infix, z. B.: rañdu~randa, pakañku~pakanka, geñdu~genda, teñku~tenka. Manchmal sagt man auch bar-žlūm̃pu „ich bin durchnässt“, pakuñku~pakanka, jedoch selten.
§ 27. Bemerkenswert ist, dass standardlitauisches en nach einem verhärteten l im Dialekt als un wiedergegeben wird10, z. B.: lùntù~lenta, luntė'la~lentelė, lùngvus~lengvas lùngvāi~lengviaū Offenbar wandelte sich en nach l zu an, und an entwickelte sich regelmäßig zu un; demnach lùngvus<langvas<lėngvas. Daraus lässt sich schließen, dass sich die gemischten Diphthonge am, an, em, en des beschriebenen Dialekts später zu um, un, im, in entwickelten als die Verbindungen le, lė. verhärteten.
§ 28. Aus der Betrachtung der vokalischen und gemischten11 Diphthonge lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:
1. Die Quantität und Qualität der Diphthonge (mit Ausnahme der homogenen ie, uo) und der gemischten Diphthonge wird vom akzentuellen Ton bestimmt: Diphthonge mit fallendem Ton haben einen verlängerten ersten Bestandteil, solche mit steigendem Ton den zweiten. Der verlängerte zweite Bestandteil beim steigenden Ton schwächt den ersten Bestandteil und assimiliert ihn teilweise.
2. Der beschriebene Dialekt ist durch puntininkavimas gekennzeichnet. In Wörtern, die nach dem historischen Wandel der Diphthonge am, an, em, en zu um, un, im, in in den Dialekt gelangten, sowie in neu entstandenen Formen mit diesen Diphthongen blieben am, an, em, en meist unverändert.
3. Die Diphthonge ie, uo stehen aufgrund ihrer Artikulation, ihres akzentuellen Tons und ihrer Entsprechungen den Monophthongen nahe.
B. Vokalismus am Wortende
1. Vokale
§ 29. Die Miežiškiai-Mundart besitzt gewöhnlich keine wortfinalen Vokale ė, o, die den standardlitauischen ė, o entsprechen. Sowohl betonte als auch unbetonte standardlitauische ė, o werden in der Mundart durch die kurzen e, a wiedergegeben, z. B.: vuvėrė~vovėrė, bá're~bārė, lunkas~lankos, blāũzdas~
9 In der Gegend von Raguva sagt man bereits miškū̃~miškāñ, miestuñ~miestan.
10 Eine Ausnahme bildet das Wort lìn'kti~lenkti.
11 Die neu entstandenen Diphthonge und Triphthonge der Mundart werden in diesem Artikel nicht behandelt, da sie für viele Mundarten charakteristisch sind und kein neues, besonders interessantes Material liefern.
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blauždos. Vermutlich waren zu der Zeit, als die alten ē, ā im Wortstamm der Mundart zu ē, o geworden waren, die wortfinalen ē, ā der Mundart bereits verkürzt oder teilweise verkürzt; deshalb konnten sie nicht mehr zu ē, o werden, z. B.: dė:dė<*dėdė, brō:la<*brālį. Diese Annahme wird auch durch die Tatsache gestützt, dass dem standardlitauischen wortfinalen lė nicht das mundartliche le (siehe § 10), sondern das mundartliche la entspricht, das nur aus le entstanden sein kann (siehe § 8), z. B.: sá:ula~sáulė, varlā~varlē.
§ 30. Die neu am Wortende entstandenen ē, o bewahren ihre Qualität: In betonter Stellung sind sie lang, z. B.: pakapē~pakapēję, lunkō~lankojė, tšō~tōja; unbetont sind sie halblang, z. B.: žė:mē~žemėje, pièvo.~pievóje, šī.to~šitója. Die Vokale ē, o kommen am Wortende auch in den Infinitiven und davon abgeleiteten Formen vor, z. B.: birē?~byrėti, birē:s~byręs, birē:k~byrėk, žinō:t~žinóti, žinō:s~žinos, žinō:k~žinók.
§ 31. Die wortfinalen a, e der Mundart sind meist durch Verkürzung der alten ā, ē entstanden (siehe § 29). Dem standardlitauischen a, e entsprechen gewöhnlich die mundartlichen u, i, die stärker zurückgezogen und offener sind als die standardlitauischen u, i und zudem, besonders in unbetonter Stellung, reduziert sind. In manchen Fällen lässt sich diese Entsprechung historisch erklären (durch das Gesetz der puntininkai-Dialekte), nämlich: in der Endung des Instrumental Singular von Substantiven des o-Stamms im Femininum, z. B.: šakù<*šakum<*šakān~šaką, lū:pu<*lūpun<*lūpān~lūpą, katì<*katin<*katēn~katę, kà:rvu<*karvin<*karvén~karvę; in der Endung des Akkusativ Plural von Substantiven des o-Stamms im Femininum, z. B.: šakùs<*šakuns<*šakāns~šakas, lū:pus<*lūpuns<*lūpāns~lūpas; in den Endungen des Lokativs Singular und Plural, z. B.: miškì<*miškin<*miškēn~miške, aruodà<*aruodin<*aruodēn~aruóde, pièvous<*pievosin<*pievośēn~pievose.
§ 32. Historisch lässt sich nicht erklären, wie in der Endung des Nominativ Singular im Maskulinum (a-Stamm) und Femininum (o-Stamm) der Mundart u anstelle des standardlitauischen a auftrat, z. B.: dā'rbus~dárbas, mā:žus~mãžas, šakù~šakà, bō:bū~bóba. Vielleicht konnte besonders im Femininum das auslautende u des Nominativs anstelle von a analogisch nach dem Instrumental Singular und dem Akkusativ Plural entstehen; wahrscheinlich wurde jedoch das auslautende a, besonders unbetont, infolge der Reduktion kaum hörbar und undeutlich ausgesprochen und ähnelte daher dem reduzierten u. Eine Ausnahme bilden nur die maskulinen Pronomen, die das betonte wortfinale a bewahren, z. B.: kàs~kàs, tàs~tàs, anàs~anàs, katràs~katràs, visakàs~visakàs.
§ 33. Die Mundart besitzt keine langen a, e am Wortende. Eine Ausnahme bilden die bewahrten langen, betonten alten Pronominalendungen, z. B.: katrā~katrō, anū~anō, tūhā~tokió. Nach dem Gesetz der puntininkai-Dialekte entsprechen dem standardlitauischen a, e die u, i; unter Betonung sind die u:, i: lang, z. B.: anū~anā, manī~manē; unbetont sind sie halblang, u., i., z. B.: miēstu.~miēstą, kà:ti.~kàtę, bù.vi.s~bùvęs.
§ 34. Dem standardlitauischen wortfinalen e in der Verbindung le entspricht das mundartliche o. Diese Entsprechung ist das Ergebnis der Verhärtung von l und des puntininkai-Wandels. Das verhärtete wortfinale l wandelte den davor stehenden Diphthong *ēn in an um; an wurde zu un, und nach dem Schwund von un, n blieb u übrig, z. B.: *pelēn > *pelan > *pelun > pelù ~ pelė, *galēn > *galan > *galun > galù ~ galė, *šilēn > *šilan > *šilun > šilù ~ šilė. Dies bestätigt erneut, dass sich das l der Miežiškiai-Mundart verhärtete, bevor an > un entstand (siehe § 27).
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§ 35. Dem litauischen Wortauslaut lę entspricht jedoch nicht das Dialekt-u, sondern das Dialekt-lot.12, z. B.: sã’ulb. ~ saulę, bačkė’lot. ~ bačkėlę, prapãbłot.s ~ prapuolęs, suskł.lot.s ~ suskilęs.
Vielleicht entwickelte sich in der alten zirkumflektierten Endung der Diphthong en früher zu in als in der akutierten (siehe § 34), das heißt noch vor der Verhärtung von l. Dann stellt sich aber die Frage, warum l, das gewöhnlich nur vor e, ė verhärtet wird, auch vor i verhärtet wurde.
§ 36. Das i und u im Wortauslaut des beschriebenen Dialekts können kurz, halblang oder lang sein. Die kurzen i, u, die dem litauischen i, u entsprechen, sind stärker zurückgezogen, etwas offener und besonders in unbetonter Stellung reduziert, z. B.: mažì~mažį, akìs~akis, ti’li~tylia, sukù~sukų, smagùs~smagus, di.rbù~dirbu.
§ 37. Es gibt einige Fälle, in denen dem litauischen i ein halblanges Dialekt-i: entspricht, das offenbar aus langem ī entstanden ist, nämlich: in der ungekürzten13 Infinitivendung des Verbs, z. B.: aī’ii.<*eit(?), dī.rpti.<*dirbti(?), in der Nominativendung von ia-Stämmen14, z. B.: brō.lì.s<*brōlis, ratē’li.s<*ratelis.
§ 38. Das Dialekt-u im Wortauslaut, das dem litauischen u oder litauischen a im Wortauslaut entspricht (siehe § 31 und § 32), wird nach j oder einem palatalisierten Konsonanten, auf den früher i folgte, stark nach vorn verlagert und als Vokal der vordersten Reihe i ausgesprochen (vgl. § 13), z. B.: turiu~turiu, žãlis~žalius, sū’ris~sūrius, žãli~žalia, kó’ji~koja, brū.ngis~brangias. In Miežiškiai entspricht jedoch der Nominativ der Maskulina mit ia-Stamm, der die litauische Endung -ias hat und nach der Regel dem Dialekt -is entsprechen müsste, dem Dialekt -i.s, z. B.: vẽji.s „vėjas“, svẽči.s „svečias“, žãli.s „žalias“. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Analogie zu den Nominativformen der ia-Stämme, in denen das halblange i. historisch entstanden ist (siehe § 37).
§ 39. Den betonten i, y, į, ū im Wortauslaut im Litauischen entsprechen im Dialekt die langen i:, u:, z. B.: īː~į, užī!~ožį!, tūː~tū, stačūː~stačių, būtūː~būtų; den unbetonten entsprechen halblange i., u., z. B.: aũ.si.~ausį, lunkė’li.~lankelį, grã’žu.s~gražus, ã’ču.~ačiū. Die langen und halblangen i, u des Dialekts können auch dem litauischen ę, ą entsprechen (siehe § 33).
§ 40. Nach einem Überblick über alle Vokale im Wortauslaut des Dialekts lässt sich sagen, dass die allgemeine Regel für die Quantität der Vokale im Wortauslaut lautet: Betonte sind lang, unbetonte kurz oder halblang. Die Vokale e, a, die aus den alten ē, ā entstanden sind, sind ausnahmslos kurz.
Die Qualität der Vokale im Wortauslaut des Dialekts wird durch den vor dem Vokal stehenden palatalisierten Konsonanten verändert (u wird nach vorn verlagert zu i) sowie durch das puntininkas-Gesetz (ą>ų, ę>i; außerdem können das u und i des Dialekts aus den alten Wortauslauten *ān, *ēn entstanden sein).
2. Diphthonge
Diphthonge. Bei den Diphthongen am Wortende des Dialekts müssen verschiedene Gruppen unterschieden werden. Die erste Gruppe bilden die Diphthonge ai, ei, au, die zweite die homorganen Diphthonge ie, uo und die dritte der Diphthong ui.
12 Die mittlere Generation bildet den Akkusativ Singular auch mit lu., z. B.: sã’ulu. ~ saulę, bačkė’lu. ~ bačkėlę. Offenbar handelt es sich um eine Analogie zum Akkusativ des o-Stamms, z. B.: vã’rnu. ~ varną.
13 Die verkürzte Infinitivform des Verbs kommt in der Sprache der jüngeren Dialektsprecher häufiger vor, z. B.: aī’ī~eiti, dī.rpti~dirbti.
14 Diese Erscheinung ist nicht im gesamten Gebiet des beschriebenen Dialekts anzutreffen, sondern nur in der Umgebung von Miežiškiai. Bei Narbutai und Raguva sagt man brō’lis~brolis, ratē’lis~ratėlis.
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§ 41. Die Diphthonge ai, ei, au bleiben nur bei anlautender Betonung erhalten, z. B.: táˑi~tái, gerái~gerái, gražėˑi~gražiai, pačėˑi~pačiai, táˑu~táu, sáˑu~sáu. Bei endbetonten und unbetonten Diphthongen am Wortende ai, ei, au tritt Monophthongierung ein. Die Bedingungen dafür waren günstig. Das erste Glied des dialektalen endbetonten Diphthongs war reduziert, weil der Stimmstoß auf dem zweiten Glied konzentriert war. Die Diphthonge ai, ei, au, die aus offenen und geschlossenen Vokalen bestehen, assimilierten sich, da sie artikulatorisch unbequem waren: Beide Glieder verschmolzen zu einem einzigen Vokal, der hinsichtlich der Öffnung zwischen dem geschlossenen und dem offenen Vokal liegt, nämlich ɛ, é oder o. Die beiden Glieder des Diphthongs au sind hintere Vokale; durch Assimilation ergaben sie den hinteren Vokal ɑ15 (in betonter Endung lang, z. B.: sakóˑ~sakaũ, medõˑs~medaũs, in unbetonter Endung halblang, z. B.: sėˑjo.~sėjau, tūrˑgo.s~tūrgaus). Die beiden Glieder des Diphthongs ei sind vordere Vokale; durch Assimilation ergaben sie den vorderen Vokal é (in betonter Endung lang, z. B.: r̃kėˑ~rėkėi, gražėˑ~gražiai, in unbetonter Endung halblang, z. B.: kãˑtė.~kātėi, kelėlė.s~kelėliais). Die Glieder des Diphthongs ai sind ein hinterer und ein vorderer Vokal; durch Assimilation ergaben sie den mittleren Vokal ɛ, den das Litauische nicht besitzt (in betonter Endung lang, z. B.: žinãˑ~žinai, nagėˑs~nagais, in unbetonter Endung halblang, z. B.: mãˑme.~mãmai, dĩ.rbe.~dirbai).
Die Monophthongierung der Diphthonge ist offenbar eine jüngere Erscheinung als etwa die Velarisierung der Verbindungen le, lė, z. B.: pėˑle<pelai<pelei, azˑeˑle<avelai<avelei. Der Konsonant l wird vor dem monophthongierten Diphthong ei, der aus dem älteren ai hervorging, dem ein j vorausging, nicht velarisiert, z. B.: pėˑi.le.s~peiliais, smãˑi.lė.~smailiai. Dies zeigt, dass j erst später ausfiel, nachdem die Velarisierungsphase der Verbindungen le, lė bereits vorüber war.
§ 42. Die homorganen Diphthonge ie, uo sind überwiegend monophthongiert. Dem standardlitauischen ie entspricht im Dialekt stets das kurze e, z. B.: akėˑs~akiės, petėˑs~petiės, nóˑses~nosies; dem standardlitauischen uo entspricht im Dialekt o (betont lang, z. B.: pamõˑ~piemuo, sesõˑ~sesuo, unbetont halblang, z. B.: úˑndo.~vanduo, mėˑno.~mėnuo). Einige Dialektsprecher, insbesondere ältere, sprechen anstelle des standardlitauischen ie in der 3. Person Futur e (æ) und anstelle von uo a, z. B.: lėˑps~lieps, kvės~kvies, dãs~duos, važãs~važiuos.
§ 43. Die Diphthonge ie, uo bleiben in zwei Fällen erhalten, nämlich in den Endungen der Pronomen, z. B.: tie~tie, kurie~kokie, katrūo~katruo, anuõs~anuos; sowie in Endungen, in denen die betonten Diphthonge ie, uo erst vor kurzem in der letzten Silbe des Wortes entstanden sind16, z. B.: bardamẽs~bardamiesi, visõs~visuose, láukios~laukuose, sukúos~sukúosi. Im zweiten Fall werden die Diphthonge ie, uo, wenn sie unbetont sind, monophthongiert, jedoch nicht nach den Regeln für das Wortende im Dialekt, sondern nach den Regeln für den Wortstamm (siehe § 22), z. B.: Miškus || Miškuos~Miškuose, Gitėˑnus || Gitėˑnos~Gitėnuose. Dies bezeugt, dass die verkürzte Lokativform des Dialekts erst vor kurzem entstand, als die Diphthonge ie, uo bereits monophthongiert waren.
§ 44. Nach den Regeln für den Wortstamm (siehe § 22) werden die Diphthonge ie, uo auch in einsilbigen Präpositionen gekürzt, z. B.: prį_tvoràs~prie tvoros,
15 Im Gebiet des beschriebenen Dialekts (um Miežiškiai) bilden Adverbien des Komparativs eine Ausnahme, z. B.: gražāũ~gražiau, toliāũ~toliau.
16 Die Dialektsprecher, insbesondere die älteren, verwenden weiterhin auch die ungekürzten Formen.
II. Kalbotyros klausimai II.
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nu ká:lna~ von einem Berg. Das geschieht, weil Präpositionen, wenn sie sich an ein betontes Wort anlehnen, mit ihm gewissermaßen eine untrennbare Verbindung bilden und dadurch zugleich wie im Wortstamm erscheinen.
§ 45. Der beschreibende Dialekt kennt den Diphthong ui am Wortende nicht. Bei einem Teil der Substantive des beschreibenden Dialekts mit den Stämmen a ir u lautet die Endung des Singular-Dativs -u17, z. B.: žmó'gu~žmogui, vā'nagu~vā nagui, sū'nu~sūnui. Wie jedes u am Wortende im Dialekt wird dieses u nach einem weichen Konsonanten zu i, z. B.: bró'li~bróliui, vā'gi~vāgiui. Da der beschreibende Dialekt kein unsilbisches i am Wortende kennt18, ist anzunehmen, dass die Dativendung -u aus -ui entstanden ist, nachdem das unsilbische auslautende i weggefallen war.
§ 46. Wie zu sehen ist, hängen die Diphthonge am Wortende hauptsächlich vom Akzent ab. Diphthonge mit fallend-steigendem Akzent bleiben unverändert, Diphthonge mit steigend-fallendem Akzent werden gewöhnlich monophthongiert. Den Diphthong ui am Wortende kennt die Mundart nicht.
§ 47. Gemischte Diphthonge. Gemischte Diphthonge am Wortende kommen selten vor. Auslautende gemischte Diphthonge sind meist erst vor Kurzem entstanden, nachdem am, an zu um, un geworden waren, z. B.: má'n<manie, mažá'm<mažamui, vaika'm<vaikamu, kaira'm<ka ramė, ai'nam<einame. Bei einsilbigen Wörtern fällt bei Diphthongen häufig das zweite Element – der Konsonant – weg, z. B.: dā'<dár, i<īr.
III. Neue Erscheinungen im Vokalismus der Mundart
§ 48. In dieser Arbeit wird der Vokalismus der traditionellen Mundart beschrieben. Wie wir wissen, verändert sich jede Mundart, besonders heutzutage, unter dem Einfluss der Literatursprache. Die jüngeren Sprecher der Mundart von Miežiškiai vermeiden unter dem Einfluss von Schule, Presse, Rundfunk, Versammlungen, künstlerischer Laienselbsttätigkeit und anderen Faktoren zunehmend mundartliche Formen. Unter den neuen Erscheinungen im Vokalismus, die unter dem Einfluss der Literatursprache entstanden sind, seien folgende erwähnt:
1. Manchmal werden am, an, em, en, ą, ę wiederhergestellt, die zu um, un, im, in, ų, į geworden waren, z. B.: sá'mti.s~sámtis, lá'ngus~lángas, pé'mpę~pémpę, givė'nti~gyvénti, kā'~ką, švė'sti~švęsti. Fakultativ kommt es wohl aus Übereifer vor, dass man statt un an sagt, wo an nie vorkam, z. B.: plánksnu „plunksna“, paá'nksni.s „paunksnis“.
2. Die Verbindungen le, lė werden von manchen „intellektualisierten“ Mundartsprechern nicht mehr verhärtet, z. B.: sáule~sáulė, lė'dus~lėdas. Wie zu sehen ist, steht am Wortende anstelle des erwarteten literatursprachlichen lė le, da das mundartliche la am Wortende tatsächlich aus le und nicht aus lė hervorgegangen ist (siehe § 29).
3. Die jüngere Generation, besonders die Lernenden, versucht, die literatursprachlichen Formen wiederherzustellen: die Entsprechungen der auslautenden ą, ę, z. B.: vā'rna~vārna, júoda~júoda. Anstelle des langen unbetonten literatursprachlichen ą am Wortende spricht man jedoch meist das für das Wortende der Mundart typische kurze a aus.
17 Bei Narbutai und Raguva ist, wie auch im Debeikiai-Dialekt, die Endung -ai im Singular-Dativ der a-Stamm-Substantive erhalten geblieben, die möglicherweise auf die alte Endung -*oi zurückzuführen ist, z. B.: žmó'ga~žmogai, pār'še~paršai, vaī'ke~vaikai.
18 Anstelle der verkürzten Lokativformen pėvoj, viduj sagt man pėvo, vidu; das Adverb paskui spricht man paskū.
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4. Die lernende Jugend spricht anstelle des für die Mundart üblichen Endungsvokals u im Nominativ der a- und o-stämmigen Nomina ein a, z. B.: kãras~kãras, žẽmas~žẽmas, mažã~maža. Anstelle der Wortauslautvokale der Mundart, die aus fallenden Diphthongen hervorgegangen sind, spricht sie Diphthonge mit stark betontem zweitem Bestandteil aus, z. B.: mataũ~mataũ, matẽi~matẽi, namãi~namãi.
§ 49. Die Mundart weist jedoch auch solche phonetischen Erscheinungen des Vokalismus auf, die keinerlei Tendenz zum Schwinden zeigen. Verlängerte Vokale werden niemals kurz ausgesprochen, z. B.: ši.tus~šitas, bū.va~buvo, kẽp'ti~kẽpti, mã.na~mano. Andererseits werden verkürzte Vokale niemals lang ausgesprochen, z. B.: viŕ'u.si.õ~vyriausias, grudũ~grūdų. Aus diesem Grund werden auch die Monophthongierungen ie, uo im Wortstamm nicht rückgängig gemacht, z. B.: pudẽ.li.s~puodėlis, šẽnaũti~šienauti.
§ 50. Aus dem Gesagten geht hervor, dass die jüngeren Mundartsprecher einige qualitative Besonderheiten des mundartlichen Vokalismus aufzugeben beginnen, die Vokalquantität der Mundart jedoch nicht verändern.
Das Vokalsystem der beschriebenen Mundart ist deutlich innovativer als das der Literatursprache. Es scheint jedoch, dass der Einfluss der Literatursprache weiteren Veränderungen des mundartlichen Vokalismus Einhalt gebieten wird (und bereits gebietet).
VOKALISMUSMERKMALE DER MUNDART VON MEŽIŠKIAI
И. Л. ШУКИС
Zusammenfassung
Der Artikel behandelt das Vokalsystem der Umgebung des Dorfes Mežiškiai, das südöstlich von Panevėžys liegt. Diese Gegend gehört zu den östlichen Aukštaiten-Punktininkai, die weder zum System der Rotininkai- und Dėdinininkai- noch der Žalininkai- oder Žadininkai-Mundarten gehören. Westliche Nachbarn dieser Mundart sind die Pontininkai und Paantininkai.
Die Aussprache der Vokale oder Diphthonge in der beschriebenen Mundart hängt von folgenden Bedingungen ab: ihrer phonetischen Position, ihrer Stellung im Wort (ob sich der Vokal am Wortanfang, am Wortende oder im Wortinneren befindet), der Betonung und der Intonation.
In der Mundart von Mežiškiai gilt für die Vokalquantität im Wortstamm allgemein folgendes Gesetz: Unbetonte Vokale sind stets kurz, betonte – mit wenigen Ausnahmen – lang.
Unter dem Einfluss der quantitativen Reduktion veränderte sich die Qualität einiger unbetonter Vokale im Wortstamm. Die langen ē und o im Wortstamm verkürzten sich, verengten sich dabei und wandelten sich in die Vokale ъ, ь um.
Die Aussprache der hinteren Vokale hängt von den vorausgehenden Konsonanten ab. Nach j oder palatalen Konsonanten, auf die ein j folgte, werden die hinteren Vokale nach vorn verlagert. Der stark nach vorn verlagerte unbetonte Hinterzungenvokal u ergab einen Vorderzungenvokal ь von ganz neuer Qualität.
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Die Aussprache der engen Vokale hängt von den nachfolgenden Konsonanten ab. Vor einem harten Konsonanten werden die Vokale i, u etwas offener ausgesprochen, während die Öffnung des Vokals е so deutlich ist, dass er als Zwischenvokal zwischen е und а ausgesprochen wird.
Die Qualität und Quantität der Diphthonge (mit Ausnahme von ie, uo) und der diphthongischen Verbindungen im Wortstamm hängen von der Intonation ab: Bei Diphthongen mit fallender Intonation ist die erste Komponente gedehnt, bei Diphthongen mit steigender Intonation die zweite. Die erste Komponente eines Diphthongs mit steigender Intonation wird reduziert und teilweise an die zweite assimiliert.
Die Diphthonge ie, uo stehen hinsichtlich der Artikulationsweise, der Intonation und ihrer Entsprechungen in der Standardsprache den Monophthongen nahe.
Die beschriebene Mundart ist, wie alle Mundarten des Puntinger Gebiets, durch den Wandel der diphthongischen Verbindungen am, an, em, en und der Vokale ə, ẹ zu im, un, im, in, ų, i gekennzeichnet. In neuen Wörtern und kürzlich entstandenen Formen tritt diese Erscheinung gewöhnlich nicht auf.
Die Länge der Vokale am Wortende folgt dieser Regel: Betonte Vokale sind lang, unbetonte kurz oder halblang. Die Vokale е, а, die auf die alten ē, ā zurückgehen, sind immer kurz.
Diphthonge am Wortende hängen von der Intonation ab. Diphthonge mit fallender Intonation bleiben unverändert, während Diphthonge mit steigender Intonation gewöhnlich zu Monophthongen werden. Auch unbetonte Diphthonge am Wortende werden zu Monophthongen. Der Diphthong ui kommt in dieser Mundart nicht am Wortende vor.
Diphthongische Verbindungen am Wortende sind größtenteils erst vor kurzem entstanden.
Unter dem Einfluss der Standardsprache geben die mittlere und die jüngere Generation der Mundartsprecher einige qualitative Besonderheiten des Vokalismus dieser Mundart auf. So werden beispielsweise am, an, em, en, ẹ, ə mitunter, wie oben erwähnt, nicht verändert, sondern wie in der Standardsprache ausgesprochen.
Das Vokalsystem der Miežiškiai-Mundart ist neuer als das Vokalsystem der Standardsprache.