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Kuršių Neringos žvejų lietuvių tarmė ir lietuvių kalbos įtaka šių žvejų latvių kalbai

K. Morkūnas; A. Sabaliauskas

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, II LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA DIE LITAUISCHE MUNDART DER FISCHER DER KURISCHEN NEHRUNG und der Einfluss der litauischen Sprache auf die lettische Sprache dieser Fischer K. MORKŪNAS ir A. SABALIAUSKAS Einleitende Bemerkungen Der Name Neringa wird bereits in Dokumenten des 13. Jahrhunderts erwähnt. In den Dokumenten finden sich verschiedene Formen dieses Namens: Neria, Nerei, Nergia, Nerya, Nerie, Nerye, Nerge, Nerga und andere.1 Diesen Wörtern wird gewöhnlich auch das Epitheton Curoniensis hinzugefügt. So schreibt beispielsweise Peter von Dusburg (gestorben um 1330) im dritten Teil seiner „Chronicon Terrae Prussiae“: „Anno Dn. MCCLXXXIII octingenti viri de Lethowia equites tempore hyemali per Neriam Curoniensem intraverunt Sambiensem terram et duo territoria ejus scilicet Abendam et Pubetam per incendium et rapinam vexaverunt, occidentes CL. homines cristianos, et nullo eis resistente omnes salvi redierunt“2. Dort findet sich auch ein eigenes Kapitel „De edificacione castri novi in terra Sambia supra litus maris salsi in Neria Curoniensi“3. An einer anderen Stelle der erwähnten Chronik Dusburgs heißt es: „Anno domini MCCCVI1 in die beati Georgii Mansto et Sudargus et alii nobiles de Samethia cum V milibus equitum circa castrum novum in Neria Curoniensi intraverunt terram Sambie et territoria Powundie et Rudowie incendio vastaverunt“4. Über die Herkunft dieses Ortsnamens lässt sich kaum etwas Sicheres sagen. Es gibt verschiedene Erklärungen. F. Klugë meint, Nehrung sei eine von den niederdeutschen Deutschen umgebildete Form von Niederung „Tiefland“. Dieser Ansicht schloss sich auch H. Paulius an (Deutsches Wörterbuch, 4. Aufl, (1935), 375)6. G. H. F. Nesselmann (Thes. ling. Pr., 111) brachte diesen Ortsnamen mit lit. nerti in Verbindung7. Andere behaupteten, er leite sich aus dem Al- 1 Vgl. R. Ekblom, Uppsala Universitets Årsskrift, 13, 138, Uppsala - Leipzig (1948); H. Frischbier, Preussisches Wörterbuch, 2, 93-4, Berlin, 1883. 2 Vgl. Scriptores Rerum Prussicarum, herausgegeben von Th. Hirsch, M. Töppen, E. Strehlke, 1, 144, Leipzig, 1861. 3 Vgl. ebenda, 144. 4 Vgl. ebenda, 174-5. 5 Plg. F. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 347, Berlin-Leipzig, 1924. 6 Vgl. R. Ekblom, ebenda, 133. 7 Vgl. ebenda, 141-2. 131 des prußischen Wortes *neria; dieses Wort ist jedoch in keinem der altpreußischen Sprachdenkmäler belegt. Man hat auch versucht, den Namen Neringa mit den von Herodot erwähnten neurais8 in Verbindung zu bringen. In jüngster Zeit hat R. Ekblom nachzuweisen versucht, dass dieser Ortsname skandinavischen Ursprungs ist9. Das Epitheton Curoniensis ist wohl aufgrund der Nachbarschaft Neringas zu Kurland (Curonia) entstanden, zu dem bis 1328 auch Klaipėda gehörte10. Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung auf der Kurischen Nehrung reichen sehr weit zurück. Der älteste archäologische Fund sind von Menschen bearbeitete Rentierehörner, die nahe Rasytė gefunden wurden und nach Einschätzung von Fachleuten etwa 10.000 Jahre in der Erde gelegen hatten. Funde aus der späten Steinzeit wurden auf der Kurischen Nehrung recht zahlreich entdeckt; sie zeugen von der vergleichsweise hohen Kultur der damaligen Bewohner11. Natürlich haben diese menschlichen Spuren mit den späteren Bewohnern der Kurischen Nehrung in historischer Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach nichts zu tun. Der wichtigste Erwerbszweig der Bewohner der Kurischen Nehrung ist die Fischerei. Dies wurde durch die natürlichen Bedingungen bestimmt: Auf der einen Seite umgibt die Ostsee die Halbinsel, auf der anderen das Kurische Haff, und Ackerland gibt es fast keines. Früher fischten die Fischer der Nehrung offenbar überwiegend im Haff; an dessen Ufer entstanden auch Fischerdörfer, die bereits recht früh in Dokumenten erwähnt werden: So wird Rasytė 1372 und Nida 1437 erwähnt12. A. Bencenberger hörte folgende Überlieferung über die Gründung von Nida und anderen Orten. In Klaipėda habe man drei Räuber gefangen, von denen der erste Švarceris, der zweite Preileris und der dritte Nideris hieß. Statt sie zu töten, habe man sie auf Flößen aufs Meer hinausgeschickt. Die Wellen hätten diese Flöße an die Dünen der Kurischen Nehrung getrieben, und dort habe Švarceris Juodkrantė (deutsch Schwarzort), Preileris Preila und Nideris Nida gegründet13. Diese Überlieferung hat, wie P. Šmitas zu Recht bemerkte14, nur insofern einen historischen Kern, als ein großer Teil der Dünenbewohner von verschiedenen Flüchtlingen und von Stürmen angetriebenen Fischern abstammte. Tatsächlich kamen die Vorfahren der alten Bewohner der Kurischen Nehrung zu verschiedenen Zeiten und aus verschiedenen Gegenden hierher. Möglicherweise stammten die meisten von ihnen aus Lettland. P. Einhorn schreibt 1649 in seiner „Historia lettica“, dass Letten, die auch Deutsch können, entlang der gesamten Meeresküste bis nach Danzig leben. Sie selbst wüssten schon nicht mehr, woher und wann ihre Vorfahren gekommen seien15. Wegen der harten Leibeigenschaft und des langen Militärdienstes flohen auch in späterer Zeit zahlreiche Letten auf die Nehrung. Die Dünenbewohner sagten, die späteren Bewohner seien aus „Finlandė“ hierhergezogen. Diese Bezeichnung verwechseln sie jedoch zweifellos mit „Lyfland“. Dass sie … 8 Vgl. P. Šmits, Kuršu kāpu folklora, 4, Rīga, 1933; vgl. auch A. Bezzenberger, Die Kurische Nehrung und ihre Bewohner, 22 (182), Stuttgart, 1889. 9 Vgl. R. Ekblom, ebenda, 133-160. 10 Vgl. J. Endzelīns, Par kurseniekiem un viņu valodu, 6 (Sonderdruck aus „Burt nieks“ 1931, 1102-8). 11 Vgl. P. Kulikauskas, Iš lietuvių kultūros istorijos, 2, 73-4, Vilnius (1959). 12 Plg. A. Bezzenberger, Über die Sprache der preussischen Letten, 137, Göttingen, 1888. 13 Plg. A. Bezzenberger, Die Kurische Nehrung und ihre Bewohner, 24 (184). 14 Vgl. P. Šmits, ebenda, 10. 15 Vgl. J. Endzelīns, ebenda, 6. 132 Dass sie nicht von anderswo, sondern aus Lettland kamen, zeigen auch ihre Familiennamen16. Einzelne Familien kamen nach Neringa aus Österreich (die Familie Romakar = dt. Rademacher), aus dem Inneren Russlands (die Familien Petrovičius und Bezorukas)16. Natürlich zogen auch zahlreiche Einwohner aus verschiedenen näher gelegenen Orten Litauens hierher. Die aus Lettland eingewanderten Fischer bewahrten ihre Sprache. Auch die meisten Fischer, die aus anderen Gegenden stammten, lernten Lettisch und sprachen diese Sprache zu Hause. Die einheimischen Bewohner der Kurischen Nehrung halten sich jedoch nicht für Letten; sogar die Wörter für die Begriffe „Lette“ und „lettische Sprache“ entlehnten sie aus dem Deutschen (letis, letisku). Sie alle halten sich für Kuren, die kursisku sprechen. Ein charakteristisches Merkmal dieser Bewohner ist, dass sie, könnte man sagen, überhaupt keine Folklore haben. Es ist schwer, jemanden zu finden, der eine Erzählung erzählen oder einige Liedstrophen vortragen könnte, ganz zu schweigen davon, das Lied zu singen. Dieses merkwürdige Phänomen hat man auf verschiedene Weise zu erklären versucht. A. Bezzenberger meint, die Hauptursache seien hier die karge Natur und das armselige Leben der Fischer selbst. P. Šmits Ansicht nach sei dies auf die Isolation der Kuren zurückzuführen. P. Mitman erklärt, dass verschiedene religiöse, sektiererische Überzeugungen eine Rolle gespielt haben könnten, die das Singen von Liedern oder Erzählen von Geschichten verbieten, weil dergleichen Sünde sei. Wahrscheinlich sind jedoch alle drei Faktoren dafür verantwortlich17. Die alten Kuren bewahrten ihre Sprache nur in jenem Teil der Kurischen Nehrung, der seinerzeit zu bürgerlichen Litauen gehörte; hier war der Einfluss der deutschen Sprache nämlich etwas geringer. Der andere Teil, der die ganze Zeit unter deutscher Herrschaft gestanden hatte, wurde vollständig germanisiert. Zwar schreibt A. Bezzenberger, dass Ende des 19. Jahrhunderts noch manche in Sarkau und Pillkoppen Lettisch gesprochen hätten. In Rasytė habe A. Bezzenberger gehört, dass es Menschen der älteren Generation gebe, die Lettisch verstünden; selbst habe er jedoch keine solchen getroffen18. Die Fischer der Kurischen Nehrung standen stets in regem Austausch mit den umliegenden Litauern: Sie verkauften ihnen Fisch und kauften bei ihnen landwirtschaftliche Erzeugnisse. Litauer von der anderen Seite des Kurischen Haffs zogen auch immer wieder hierher, und es kam zu Eheschließungen. Der rege Umgang mit Litauern veranlasste auch die aus Lettland zugezogenen Fischer, etwas Litauisch zu lernen. Außerdem wurde Litauisch bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs auch in den Kirchen der Kurischen Nehrung gebraucht. Häufig konnten die Bewohner Neringas drei Sprachen – Lettisch, Litauisch und Deutsch. Paulius Megotas, der Abelis Vilius dabei half, Luthers Enchiridion ins Altpreußische zu übersetzen, schreibt, er habe auch die kurische Sprache (= Lettisch, K. M., A. S.) und Litauisch beherrscht19 („…In deme ich mich nebenst meinem Tolkenambt Zum offtern in Visitationibus, Preuscher Littauscher und Churischer sprache, wie auch in Vertirung des Preuschenn Catechismi nach vermogen gebrauchen lassen…“)20. Kr. G. Milkus savo lietuvių kalbos gramatikoje nurodo: „Bey den Curen auf der Nahrung ist die Curische oder lettische Sprache als lingva domestica 16 Vgl. J. Plāķis, Kursenieku valoda, 3, Rīgā, 1927. 17 Vgl. P. Šmits, Kuršu kāpu folklora, 9. 18 Plg. A. Bezzenberger, Über die Sprache der preussischen Letten, 1. 19 Vgl. G. Gerullis, Filologu biedrības raksti, 8, 51, Rīgā (1928). 20 Vgl. ebenda, 52–3. 133 im Gebrauch; außerdem aber verstehen und reden sie auch die littauische, so wie andern Fischer, es wird ihnen auch der Gottesdienst in littauischer Sprache gehalten“21. In Kuršių Neringa, im Dorf Karvaičiai, wurde Liudvikas Rėza geboren, von dem A. Becenberger sagte: „das einzige Kind der kurischen Nehrung… welches sich einen Namen gemacht hat“22. Kuršių Neringos žvejų latvių kalba yra nemažai tyrinėta. Apie šią kalbą kai kurių žinių duoda jau ir Povilas Ruigys savo lietuvių kalbos gramatikoje. Jis rašo: „Bey den Curen ist zu merken, daß ihre Mundart eine Mixtur aus der Sprachart der Curländer, (vor deren Abkömmlinge sie sich ausgeben,) und der Fischer ihrer sey; wiewol sie auch beyderseitige Mundarten absonderlich gebrauchen, und ihre eigene Provinzialwörter und Redensarten haben. Z. E. Meise heißt bei ihnen Brot, Ko tu gribba was machest du? Duodma gieb mir, Naude Geld, Manne myl Kungsin mein lieber Herr, Meitine ein Mädchen, Wessele pargājis willkommen, Karautis ein Löffel, Ką klaujas was machest du? Tellis ein Ochse. Vornehmlich unterscheiden sie sich durch ihre zärtlichere Ausdrücke und höfliche Redensarten“23. Fast 300 Wörter aus dieser Gegend finden sich im Wörterbuch „Linguarum totius orbis vocabularia comparativa“ von P. S. Palas, das 1786–1789 in Petersburg erschien24. Über diese Sprache schrieb auch M. I. A. Fiolkelis25, doch seine Arbeit ist voller Fehler26. Über den Dialekt der Fischer von Pervalka wurde eine Arbeit von I. P. Beker veröffentlicht27. Die lettische Sprache der Fischer der Kurischen Nehrung wurde auch von solchen bedeutenden Baltisten wie A. Becenberger, J. Plakis und J. Endzelynas erforscht28. Die litauische Sprache dieser Fischer ist bisher, kann man sagen, von niemandem erforscht worden. Deshalb organisierte das Institut für Litauische Sprache und Literatur im Juni 1957 eine dialektologische Expedition an diese Orte und entsandte die Verfasser dieser Zeilen, damit sie nach dem Programm zur Sammlung des Materials für den Atlas der litauischen Sprache die litauische Sprache der genannten Fischer beschrieben. An der Expedition nahmen auch Mitarbeiterinnen des Instituts für Sprache und Literatur der Lettischen Akademie der Wissenschaften teil — die Kandidatinnen der philologischen Wissenschaften E. Šmitė und M. Graudinia, deren Ziel es war, die lettische Sprache dieser Einwohner eingehender zu erforschen. 21 Plg. Chr. G. Mielcke, Anfangs-Gründe einer Littauischen Sprach-Lehre, 165, Königsberg, 1800. 22 Vgl. A. Bezzenberger, Die Kurische Nehrung und ihre Bewohner, 58 (212). Zu L. Rėzas Herkunft vgl. auch K. Forstreuter, Zeitschrift für slavische Philologie, 14, 25-8, Leipzig (1937); P. Šmits, Kursu kāpu folklora, 6. 23 Plg. P. F. Ruhig, Anfangsgründe einer Littauischen Grammatik, 132, Königsberg, 1747. 24 Zur Ungenauigkeit der hier gefundenen Wörter vgl. A. Bezzenberger, Über die Sprache der preussischen Letten, 2. 25 Plg. M. I. A. Voelkel, Die lettischen Sprachreste auf der Kurischen Nehrung, Heidelberg, 1879. 26 Vgl. A. Bezzenberger, ebenda, 2-3. 27 Plg. I. P. Becker, Die Sprache der kurischen Fischer in Perwelk auf der Kurischen Nehrung, BB, 28, 257-81, Göttingen (1904). 28 Vgl. die vorherigen Fußnoten. A. Becenberger schrieb über die Letten der Neringa auch in der Zeitschrift „Aust­rums“, XII, 21-5 (1896). 134 Die meisten älteren Einwohner, die sowohl Lettisch als auch Litauisch sprechen, wurden in Nida gefunden, wo die Expeditionsteilnehmer sich am längsten aufhielten; jeweils etwa ein Dutzend wurde in Preila und Pervalka gefunden, einige in Juodkrantė. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren es wesentlich mehr, doch die Deutschen evakuierten beim Rückzug die Bewohner dieser Gegend gewaltsam, und später gelang es nur einem Teil, in die Heimat zurückzukehren. Das meiste dialektale Material wurde von Einwohnern Nidas aufgezeichnet: Jonas Pinkis, Mikelis Pugelis, Dovydas Pinkis und Jonas Sakutis; von Einwohnern Juodkrantės: Martynas Šilbakas und Mikelis Pičius; von Einwohnern Pervalkas: Mikelis Bastikis, Mikas Bastikis und Fricis Pleikis; von Einwohnern Preilas: Martynas Kakis, Marija Jakaitienė und anderen. Alle befragten Personen sind Vertreter der älteren Generation, meist 70–85 Jahre alt. Deutlichere dialektale Unterschiede zwischen den Bewohnern der einzelnen Orte der Kurischen Nehrung konnten nicht festgestellt werden. Meist unterscheiden sie sich lediglich in einzelnen lexikalischen Kleinigkeiten sowie im Grad der Sprachbeherrschung und des Einflusses der Literatursprache. Phonetik I. Wortakzent und Intonation In der litauischen Mundart der Fischer der Kurischen Nehrung ist die Akzentzurückziehung allgemein. Der Akzent wird hier von einer kurzen und einer langen Endung auf einen langen und einen kurzen Stamm zurückgezogen. Von einer kurzen Endung wird der Akzent stets auf den Stamm (einen langen oder kurzen) verlagert; in einer langen Endung bleibt er manchmal erhalten, zum Beispiel recht häufig bei Adverbien: mažai, skersai, daugáũs~daugiaũs, arčáũs~arčiau, in der 3. Person des Futurs von Verben: statý~statỹs, pataisý~pataisỹs, padarý~padarỹs sowie in einigen weiteren Fällen. Einzelne Wörter behalten manchmal den Akzent auf der Endung, werden aber bisweilen auf dem Stamm betont, zum Beispiel: arklìs und árklis~arklỹs, kapaĩ und kàpai, kviečiaĩ und kviečiaĩ~kviečiai. Eine solche Schwankung der Betonung lässt sich auch in der Sprache ein und desselben Mundartsprechers beobachten. Im Unterschied zu anderen litauischen Mundarten, die den Akzent zurückziehen29, zieht die beschriebene Fischermundart den Akzent sogar von einer langen Endung mit fallender Betonung zurück. Doch auch in diesem Fall gibt es Wörter, die ein und derselbe Sprecher auf zweierlei Weise betont, zum Beispiel: vaikams und vaikaĩms, kálnams und kañlams. Ähnlich wie in den litauischen Mundarten im Grenzgebiet Lettlands wird auf der Kurischen Nehrung in mehrsilbigen Wörtern der Akzent häufig aus der Wortmitte an den Wortanfang zurückgezogen. Solche Fälle der Akzentzurückziehung sind zweifellos durch den Einfluss der lettischen Sprache zu erklären. Nach der Akzentzurückziehung bleiben keine Spuren des ursprünglichen Akzents zurück: Der gesamte Druck der Stimme konzentriert sich auf der neu betonten Silbe. Die Intonation des zurückgezogenen Akzents hängt gewöhnlich davon ab, auf welchen Stamm der Akzent verlagert wird. Wird der Akzent auf einen Stamm mit kurzem Vokal verlagert, ist die Intonation stets kurz: drùška~druskà, su žėme~su žeme, pàti~pati, mažì~maži, vìsi~visi, kèturi~keturi, sèpti·ni (ir septì·ni)~septyni, èsu~esù, mètus~metùs, ràgu~ragù, vìsu~visų, svèčiai~svečiai, būvau~buvau, sèsuo~sesuõ, šùlinì~šulinỹs, dėbėsai~debesiai „dėbesys“, dàktarai~daktarai. 29 Vgl. Lietuvių kalbos rašybos žodynas, 113, 115, 120, Kaunas, 1948. 135 Wird der Akzent aus der Endung auf eine wurzelfeste Silbe zurückgezogen, hat die betonte Silbe meist den Akzent der wurzelfesten Silbe; wird er auf eine wurzelzirkumflexe Silbe zurückgezogen, den Akzent der wurzelzirkumflexen Silbe, z. B.: á rklis~arklys, árklams~arkliams, žmóna~žmonà, lýtus~lytùs „Regen“, sūnaus~sūnaũs; banga~bangà, barzda~barzdà, ranka~rankà, perkū~perkų, diena~dienà, tvorà~tvorà, vaikai~vaikaĩ, ungurìu~ungurių, ungurìams~unguriams, dienoms~dienóms, kambariai~kambariaĩ, eiguliai~eiguliaĩ. In der Mundart sind der kurze Akzent, der wurzelfeste Akzent und der wurzelzirkumflexe Akzent deutlich zu hören. Der kurze Akzent unterscheidet sich nicht vom entsprechenden Akzent der Literatursprache (lk.). Er tritt gewöhnlich bei kurzen betonten Vokalen auf, z. B.: visas, miškas, būtas „Haus“, kèpt, užnėšt, kàst, mànà~māno, tàvà~tàvo, senèsnis, mažèsnis, nepàkelą~nepàkelia. Der kurze Akzent erscheint mitunter auch anstelle des wurzelzirkumflexen Akzents der Literatursprache, z. B.: vàlandas~valandas, žèmę~žemę, kèpę~kėpę, tèvelis~tėvelis. Der wurzelfeste Akzent liegt auf langen betonten Vokalen und dem ersten Bestandteil von Diphthongen: bėga, vyrai~vỹrai, šonai, kótas, būsiu~būsiu, saulė~saulė, gaunu, áudra, paléidau, sámtis, kàm. Dieser Akzent tritt auch anstelle des kurzen Akzents der Literatursprache auf den ersten Bestandteilen der gemischten Diphthonge i, u+l, m, n, r sowie des Diphthongs ui auf: mìltai~miltai, dirba~dirba, bùlvės~bulvės, pūika~puika „puikì“. Den wurzelfesten Akzent können auch neu entstandene gemischte Diphthonge haben, z. B.: gèrs~gėras, nám s~namas, tūr~turi. Der wurzelzirkumflexe Akzent liegt auf betonten langen Vokalen (gẽ:ras~gėras, kã:ras~kàras, ì:st~įsti, sù:st~siūsti) und Diphthongen. Bei Diphthongen scheint der wurzelzirkumflexe Akzent meist auf beiden Bestandteilen hörbar zu sein, z. B.: náujas, sáusas, vàikas, lãivà~laivą, dãngų~dangų, banga~bangà, pìrkti, gĩntaras, sùn kai~sunkiai, kùr. Diese Aussprache des Akzents ist jedoch nicht bei allen (und nicht einmal bei derselben Person immer) gleich deutlich (in anderen Beispielen wird er auf dem zweiten Bestandteil notiert). II. Lautsystem und Entsprechungen einzelner Laute Im Lautsystem unterscheidet sich die beschriebene Mundart nur wenig von der litauischen Literatursprache. Hier werden lediglich die charakteristischsten Merkmale des Lautsystems der Mundart hervorgehoben. Vokale und Diphthonge. Die kurzen Vokale i, u werden in der Mundart der Fischer der Kurischen Nehrung nicht so gespannt ausgesprochen wie bei den Kapsen, z. B.: visas~visas, visi~visì, mūša~mūšà, guli~gulì³⁰. Die Vokale ė, o der Literatursprache sind, mit Ausnahme der absoluten Endung, überwiegend unverändert erhalten: tėvas, bėga, tėvelis~tėvelis, dà:vèm, brólis, sodìt~sodìti „pflanzen“, nežinom. In der absoluten primären Endung sind diese Vokale unbetont (betonte Formen kommen fast nicht vor, da der Akzent meist aus der Endung zurückgezogen wird) und zu ę (oder e) beziehungsweise a geworden, z. B.: žẽmę (auch žẽme ausgesprochen)~žẽmę, dalgė ~ dalgė, vìrę (oder vìre)~virė, būva~būvo, dárba~dárbo, turėja~turėjo. Die sogenannten Nasalvokale im Wortstamm werden gewöhnlich wie in der Literatursprache ausgesprochen, z. B.: kà:sti~kąsti, žã:sis~žąsis, šã:la~šąla, paspė:st~pa- 30In den Beispielen werden die weniger gespannten Mundartvokale i, u nicht durch besondere Zeichen gekennzeichnet, d. h., es wird i, u geschrieben. 136 spėsti, skėst~skęsti, lišt~lišti, grįšta~grįžta, pasiūst~pasiūsti, skūsties~skųsties „skųstis“. In der Endung werden a, e bisweilen zu u, i, z. B.: lenčiu~lenčia, an- taru~antára „antrą“, būvis~buvęs, mātis~mātės, pasėnis~pasėnęs. Nur sehr selten werden diese Vokale žemaitisch ausgesprochen³¹, z. B. kan „ką“, ąžuoline „ąžuolinė“. Die litauischen Diphthonge ie, uo sind in der Mundart meist erhalten, z. B.: miėstas, lietuviškai, kiek, duona, anúos. Es kommen jedoch einzelne Wörter vor, in denen die Diphthonge ie, uo wie in einigen žemaitischen Mundarten als Monophthonge ausgesprochen werden, z. B.: mī'li, pri'plauka, pri's, nū, šō „mieli“, „prieplauka“, „prieš“, „nuo“, „šuo“. Die litauischen Diphthonge ai, ei bleiben im Wortstamm und in der Endung unverändert. Nur in sehr seltenen Fällen werden sie wie in Žemaitija zu Monophthongen, z. B.: vakā'lis, vakā'li „vaikelis“, „vaikeli!“ Die betonten kurzen litauischen Vokale sind in der beschriebenen Mundart kurz: vīzas, mūša; nur in gemischten Diphthongen (i, u+l, m, n, r) und im Diphthong ui werden betonte i, u gedehnt und halblang ausgesprochen, wenn auch nicht so deutlich wie in den ostaukštaitischen Mundarten, z. B.: mīltai~miltai, būlvę~būlvė, pūika~pūika „puikė“ (in den Beispielen wird die Halblänge nicht eigens bezeichnet; sie wird durch das Zeichen für den fallenden Akzent angezeigt). Die langen Vokale bleiben im Wortinneren in der Mundart sowohl unter dem Akzent als auch unbetont lang: vī'ras~vyras, gi'vē'na~gyvena, dū'mai~dūmai, rū'kēnt~rūkenti „rūkyti“, i'lī'st~lišti, ka'snēlī~kasnėli. In der absoluten Endung werden lange unbetonte (betonte kommen sehr selten vor) Vokale stets kurz ausgesprochen, z. B.: ī'darba~į darbą, nā'kti~naktį, trīju šimtu~trijų šimtų, bū'tu~būtų, vī'ru~vyrų. In der geschlossenen Endung werden lange unbetonte Vokale ebenfalls meist kurz ausgesprochen; bisweilen bleiben sie jedoch ungekürzt erhalten, z. B.: ārklis und ārkli's~arklys. Alte kurze Vokale und seltener gekürzte lange Vokale fallen in der absoluten Endung häufig aus, z. B.: āug~auga, reik~reikia, lē'k~lėkia, baūb~baūbia, grū'n~grūna, i'lēnd „lenda“, praaūšt~praaūšta, sudaušt~sudaužta „sudaužyta“, ēinam~einame, ēisim~eisime, ēinat~eináte, ēikit~eikite, bū'sit~būsite, tūr~tūri, pernāk't~per naktį, lōp~lōpo, nevalōt~nevaliotų „nepajėgtų“ (daneben ist die Form der 3. Person des häufigeren Konjunktivs žinotu~žinotų gebräuchlicher). Aus der geschlossenen Endung fällt am häufigsten a aus (bei Substantiven auf -as > -s), z. B.: kātins~kātinas, ōrs~ōras, bernūks~berniūkas, sēns~sēnas, jāuns~jāunas, žēnts~žentas, mē'ts~mėtas, šālts~šaltas, pardūots~pardūotas. Dieselben Wörter werden jedoch bisweilen auch mit vollständiger Endung ausgesprochen. Der Vokal a bleibt in der Endung gewöhnlich erhalten, wenn bei seinem Ausfall eine schwer aussprechbare Konsonantenverbindung entstünde. Doch wird auch in diesem Fall a bisweilen ausgelassen, weshalb die Mundart Formen aufweist, die denen in den nordostlitauischen Mundarten ähneln³², z. B. smākars „smakras“. Der Vokal u bleibt in der Endung (in absoluter und geschlossener Stellung) immer erhalten. Von den übrigen Besonderheiten des Vokalsystems seien noch einige Fälle erwähnt: a) Kontraktionen: nēšu~nešu < neesú, nebē'tu~nebūtų < nebeeitu, nebē't~ne-bēt < nebeeīt „nebeeina“, nebāt'menu~nebātmenu < nebeatmenu; 31 Senųjų nosinių balsių likimą žemaičių tarmėse žr. Lietuvių kalbos rašybos žodynas, 112; P. Jonikas, Pagramančio tarmė, §§ 22, 25, 27, 28, 33, 40, Kaunas, 1939. 32 Plg. Lietuvių kalbos rašybos žodynas, 121. 137 b) Synkope: nebleidą~nebleido<nebeleido, nebgaleja~nebgalejo<nebegalėjo, nebmokėja~nebmokėjo<nebemokėjo, pastaise~pastaisė<pasitaise, gelžų~gelžių<geležių; c) Anaptyxe: rìbulis neben rùbelis (wahrscheinlich ein Germanismus) und rùblis, dėsera „dėsra“, aṅtaras „antras“. Konsonanten. Die Verbindungen *dj, *tj werden vor dem alten kurzen a und ai im beschriebenen Dialekt meist als d, t ausgesprochen, z. B.: neleida~neleidžia, žodei~žodžiai, medei~medžiai, vōkietei~vokiečiai, trēteis~trečiais, mēdegos~medžiagos. Doch auch in diesem Fall kann man bisweilen Affrikaten hören, z. B.: brēdžai~brėdžiai neben brēdei, vōkiečai~vokiečiai. In allen anderen Fällen (vor litauisch ią, iau, io, iu, ių, ię und ia<*ijā) werden Affrikaten stets ausgesprochen: valdžia~valdžia, valdžia, žōdžā~žodžio, džāukšmas~džiaugsmas, džū́t~džiūti, blčų~bličių, kviečų~kviečių, bū́čau~būčiau. Lediglich in Präsensformen von Verben fehlen hier, wie auch in einigen Küstendialekten des Samogitischen, bisweilen die Affrikaten, z. B. parōdāu „parodžiau“. Nach den palatalisierten p, b wird in der Wortmitte ein j ausgesprochen, z. B.: papjautas, nusipjaut, bjaūrus~biaurus; im Auslaut ist nach diesen Konsonanten kein j zu hören (verpa~verpia). Nach anderen palatalisierten Lippenkonsonanten wird j nicht ausgesprochen. Wie in anderen litauischen Dialekten wird j am Wortanfang vor ie ausgesprochen, z. B. ieškot. Fällt das kurze auslautende a weg und gerät dadurch in den absoluten Auslaut, fällt auch j weg, z. B.: važiuo~važiuoja, žvejo~žvejoja, žaibuo~žaibuoja. Im Dialekt gibt es nur ein palatalisiertes l, z. B.: liga~liga, smēlis, šluota, lāngus, kaulus, sulōpīta~sulopyta, alaus, plūta~pluta, alksnīne~alksnynė, elkūone~elkūonė „alkūnė“, su gālva, pāmaldose~pamaldosė. Eine solche Aussprache des Konsonanten l im beschriebenen Dialekt lässt sich nur durch den Einfluss des Deutschen erklären. Auch die Umwandlung des Konsonanten s vor p und t in š ist durch den Einfluss des Deutschen zu erklären, z. B.: špiritas~spiritas, študentai~studentai, štālīnas~Stalinas. Ein solches s > š finden wir auch in einigen anderen litauischen Dialekten³³ sowie im lettischen Dialekt der Fischer der Kurischen Nehrung³⁴. Von den übrigen Besonderheiten des Konsonantismus dieses Dialekts seien folgende erwähnt: a) Konsonantenassimilation: išiskāst~išsikąsti, išsidī.rpt~išsidirbti, isigēręs~išsigėręs, užstōtum~užstotum, užšōve~užšovė, abegōjom~apbėgiojom, ataiše~attaisė, adūot~atduoti, ādrēkis~atdrėkis „atodrėkis“; b) Einschub eines Konsonanten: drū́ktas~drūktas „drūtas“, žāltī:s (žāltis)~žalktys „žaltys“, smilktīne~Smiltynė „Smiltynė“, strōve~strovė „srovė“. Morphologie Einige Substantivsuffixe: 1. -ujis. Belegt ist nur das Adjektiv paskūjis „der letzte“, das wie die bestimmten Adjektive eine hervorhebende Bedeutung hat, z. B.: paskūjis nāmas, paskūji kārta~paskui̇jį kartą. 33 Vgl. J. Gerullis ir Chr. Stang’as, Lietuvių žvejų tarmė Prūsuose, 23, Kaunas, 1933. 34 Vgl. J. Plākis, Kursenieku valoda, 19. 138 2. -ikė (-ikė)~ -ikė. Wörter mit diesem Suffix haben eine Verkleinerungsbedeutung: saulikė~saulikė, žuvikė~žuvikė, duonikė~duonikė. 3.-ukas (-iukas). Dieses Suffix wird ziemlich häufig verwendet; es hat eine Verkleinerungs-, mitunter auch eine Kosebedeutung: gaidūkas, vyrūkas~vyrukas, medūkas „Bäumchen“, kiemūks~kiemukas, bernūks~berniukas, daržūkas~daržiukas, paršūkas~paršiūkas, ožolūks „Eichenbäumchen“, kablūks~kabliukas. 4. -u’klis~ūkliš. Belegt ist nur girtū’klis~girtūkliš „Trunkenbold“. 5. -alis. Belegt ist nur vakā’lis „Kindchen“. 6. -elis, -ė. Mit diesem Suffix (wie auch mit -ukas) werden sehr häufig Verkleinerungs- und Koseformen von Substantiven gebildet, z. B.: kalnelis~kalnėlis, tėvelis~tėvėlis, miestėlis~miestėlis, plotėlis~plotėlis, žvejėlis~žvejėlis, kurbėle~kurbėlė „Körbchen“. 7. -ėlė~ėlė: musėlė~musėlė „Fliege“. 8. -ulis: skendūlis „Ertrunkener“. 9. -uolis: gi’zuolis neben gi’zulis „Vieh“. 10. -ininkas, -ė. Dieses Suffix ist im Dialekt sehr produktiv. Die damit gebildeten Substantive bezeichnen: a) eine Person hinsichtlich ihres Berufs oder ihrer Tätigkeit: karčiamininkas~karčiamininkas „eine Person, die eine Schenke besitzt oder dort arbeitet“, darbininkas, paišininkas „Künstler“, moky’klininkas~mokyklininkas „Lehrer“, kolū’kininkas~kolūkininkas „Person, die in einem Kollektivbetrieb gearbeitet hat“; b) eine Person hinsichtlich ihrer Herkunft, ihres Wohnorts oder ihrer Nationalität: nīdininkas „Einwohner von Nida oder aus Nida stammende Person“, preilininkė~preilininkė „Einwohnerin von Preila“, pėrvalkininkas „Einwohner von Pervalka“, kōpininkas „Bewohner der Dünen“, kūršininkas~kūršininkas „Kure“, lietuvi’ninkas~lietuvi’ninkas „Litauer“, lietuvi’ninkė~lietuvi’ninkė „Litauerin“. Anmerkung. Bei Wörtern mit Hauptakzent auf dem Stamm ist bisweilen auch ein Nebenakzent im Suffix zu hören, z. B.: nīdi,ninkas, preili,ninkas. 11. -aitis. Mit diesem Suffix gebildete Substantive haben eine Verkleinerungsbedeutung: tinklāitis~tinklāitis. 12. -utė~-utė. Dieses Suffix dient zur Bildung von Diminutiven weiblichen Geschlechts, z. B.: mergūtė~mergūtė. Numerus. Neben Singular und Plural werden im Dialekt auch Dualformen gebraucht. Pro? Dualformen. Am häufigsten begegnen Dualformen des Maskulinums im Nominativ und Akkusativ, z. B.: dù gėru mētēru~dù gerù mētēru (Meter), dù lēnku būva~dù lēnku būvo, māna dù pūzbroliu palīka~māno dù pūsbroliu palīko, dù girininku būva~dù girininku būvo, dù šīmtu gaūs~dù šīmtu gaūs, tūri dù vaiku~tūri dù vaiku, būvaù dù sīki~būvaù dù sīki, gāl jis dù kambaru īmtu~gāl jis dù kambariu īmtu? In ähnlichen Fällen (insbesondere mit du zur Bezeichnung paariger Dinge) werden Dualformen recht häufig verwendet, obwohl gelegentlich auch Pluralformen auftreten, z. B. dù paūkščai paliēka~dù paūkščiai paliēka. Kasus und Endungen einiger Kasus. Im beschriebenen Dialekt wird der innerliche lokative Präsens (Inessiv) meist durch die Präposition į mit dem Akkusativ ausgedrückt, z. B.: žvejō į jūrą~žvejoja į jūrą „er fischt im Meer“, būvaù į kaūną~buvau į Kauną „ich war in Kaunas“, gi’vėna į nīdą~gyvena į Nidą 139 „er lebt in Nida“. Eine solche Präpositionalkonstruktion ist hier, ebenso wie in den litauischen Dialekten des Memellandes und Ostpreußens⁵⁵, zweifellos unter dem Einfluss des Deutschen entstanden. Im Dialekt der Neringa-Fischer hört man auch Inessivformen, allerdings deutlich seltener, z. B.: jū'roj~jūroje, pabajgoj~pabaigoje, mėtuose. Der innerliche Richtungs-Lokativ (Illativ) wird im Dialekt nicht gebraucht. Es kommen, wie auch in einigen žemaitischen Dialekten (und vermutlich aus diesen übernommen)³⁶, nur einzelne erstarrte (adverbialisierte) Formen dieses Kasus vor, z. B.: šalin, nūmėn, numėn „nach Hause“ (neben nūmė „zu Hause“). Der Illativ wird im Dialekt ebenfalls durch eine Präpositionalkonstruktion (į mit dem Akkusativ) ersetzt, z. B.: eina į nīdą, į klaipėdą~eina į Nidą, į Klaipėdą. Der Instrumental Singular der femininen i-Stämme lautet im Dialekt meist auši „mit dem Ohr“, širdi „mit dem Herzen“, žūvi „mit dem Fisch“. Diese Form könnte aus der Instrumental-Singular-Endung der i-Stämme -imi entstanden sein, die im Dialekt verkürzt manchmal etwa als žūvim (<žuvimi) ausgesprochen wird. Es ist jedoch auch ein anderer Entstehungsweg dieser Endung möglich. Nach Ansicht von J. Endzelīns³⁷ könnten die litauischen (dialektalen und in alten Texten belegten) und lettischen Formen der i-Stämme mit -i analogisch nach dem Akkusativ entstanden sein (vgl. auch andere Stämme, z. B.: Akk. Sg. lett. lēvu, sievu, peli, litauisch ranką, katę und Instr. Sg. lett. tēvu, sievu, peli, lit. ranką, katę). Für diese Herkunft der Form (Instrumental Singular) im beschriebenen Dialekt scheint auch der ostpreußische Fischerdialekt zu sprechen³⁸, in dem feminine i-Stämme im Instrumental Singular die Endung -i haben können, wenn der Akzent nicht auf der Endung liegt, z. B. širdi~širdi „mit dem Herzen“. Man kann annehmen, dass dieser ostpreußische Fischerdialekt, der den Akzent nicht zurückzieht, in der genannten Instrumentalform auch den Akkusativakzent aufweist. Im litauischen Dialekt der Neringa-Fischer stehen die Dativformen des Plurals stets mit s-, z. B.: paukščiams~paukščiams, sēniams~seniams, seniems žmōnēms, naktims~naktims, pietums~pietums. Ähnlich sind auch die verkürzten Instrumentalformen des Plurals, z. B.: naktims (<naktimis), su žūvims (<su žuvimis), tōms (<tomis), su žmōnoms (<su žmonomis), žmōnēms (<žmonėmis). Stammvermischung. Im beschriebenen Dialekt zeigt sich eine allen litauischen Dialekten eigene Erscheinung: die Verringerung der Zahl der Deklinationstypen. Wie auch in anderen Dialekten verschwindet hier vor allem der konsonantische Deklinationstyp. Flexionsformen dieses Typs sind nur in einigen Kasus erhalten geblieben, doch werden auch dort bereits häufig Formen vokalischer Stämme daneben gebraucht. Hier folgen einige im Dialekt verwendete Formen konsonantischer Stämme und die sie ersetzenden Formen vokalischer Stämme: Nom. Sg. sesuo (sesuō) und seserė~seserė, dūkterė~dūkterė. Gen. Sg. dukterės~dukterės, seseres~seserės, sesers~sesers, žūves~žuvės, vāndenes~vandenės, vāndens~vandenės und vāndēna~vandenio. 35 Vgl. A. Laigonaitė, Vietininkų reikšmė ir vartosena dabartinėje lietuvių kalboje, 32-3, Vilnius, 1957; J. Gerullis ir Chr. Stang’as, Lietuvių žvejų tarmė Prūsuose, 27. 36 Vgl. P. Jonikas, Pagramančio tarmė, §§ 78, 181. 37 Zu den Instrumentalformen des Singulars mit -i bei den litauischen und lettischen i-Stämmen siehe J. Endzelynas, Baltų kalbų garsai ir formos, § 230, Vilnius, 1957; J. Endzelins, Latviešu valodas gramatika, § 279 mit der dort angegebenen Literatur, Rīgā, 1951. 38 Vgl. J. Gerullis ir Chr. Stang’as, Lietuvių žvejų tarmė Prūsuose, 33,34. 140 Nom. Pl. dãkteres, aber àkmenai~akmenai, šùnai „Hunde“. Gen. Pl. dãkterų~dukterų, dùrų~durų, àkmenų~akmenų, žuvų~žuvų und žùvių~žuvivių, naktų~naktų und nãkčių~nakčių. Wie in die konsonantischen Stämme dringen auch in die übrigen Stämme vor allem Endungen der (i)o-Stämme ein, z. B.: dẽbesai~debesai „Wolken“, sūna~sūno neben sūnaus~sūnaus. Das litauische Wort lẽdas ist im Dialekt u-stämmig: Nom. Sg. lẽdus, Gen. Sg. lẽdaus, Nom. Pl. lẽdus (lẽdus). Einige litauische u-stämmige Adjektive sind im Dialekt o-stämmig, z. B.: stipras „stark“, sūras~sūras „salzig“, skaidras „klar“. Pronominale Adjektive. Im Dialekt werden pronominale Adjektivformen verwendet: sènasis (senãsis)~senasis, senóji (ohne Entsprechung im Standardlitauischen auch in der Bedeutung „der/die Älteste“: sènasis sūnus~senasis sūnus), didėji (didėji vỹrai~didieji vyrai), gerėji, jaunėji. Steigerung. Der Komparativ der Adverbien wird mithilfe des Suffixes -aus gebildet, z. B.: gerãis~geriaũs, gražãus~gražiaũs, tolãus~toliaũs, menkãus~menkiaũs, brangãis~brangiaũs. Seltener kommen Komparativadverbien mit dem Suffix -esn (<*-esniai) vor: šiltėsn neben der häufiger verwendeten Form šilčiaũ~šilčiaus. Der Superlativ der Adverbien wird mit den Suffixen -ausiai und -ausia gebildet, z. B.: gerãusiai~geriausiai, pilnãusia~pilniausia, brangãusia~brangiausia. Adverbien mit dem Suffix -ausia können in den beschriebenen Dialekt auch aus dem Žemaitischen gelangt sein, wo sie phonetisch Adverbien mit dem Suffix -ausiai entsprechen (vgl. Kretinga daugause~daugiausiai)⁳⁹. Im Dialekt werden auch analytische Superlativformen verwendet, z. B. bei Adjektiven: visu seniaũsas~visų seniausias, visu pigãusa žuvis~visų pigiausia žuvis; bei Adverbien: vis durniaus „am dümmsten von allen“. Verb. Das Reflexivpartikel steht am Wortende meist als -s~ -si: darbuojas~darbuojasi, darbãvos~darbavosi, lãkos~laikosi, und in der Wortmitte häufiger als -si- und seltener als -s- (<-si-): atsirãdis~atsiradęs pasilìka, pasilìka~pasiliko. In Verbformen mit dem Präfix ne- steht das Reflexivpartikel gewöhnlich am Wortende, z. B. nebijókitės „habt keine Angst“, während Verben mit anderen Präfixen auch zwei Partikel aufweisen können, z. B.: pasklausìtis~pasiklausytis „sich etwas anhören“, pasitaisìšimės~pasitaisysimės „wir werden uns wieder herrichten“. Die Formen des literarischen Präteritums Frequentativs (eidavau …) werden im litauischen Dialekt der Fischer der Kurischen Nehrung nicht gebraucht. Hier werden, wie auch in Niederlitauen, zusammengesetzte Formen dieser Zeit verwendet, die aus dem Hilfswort liūbėti oder liuobėti und dem Infinitiv des konjugierten Verbs gebildet werden, z. B.: onš lūbėja sakīt „er pflegte zu sagen“, lūbėjom vėžt „wir pflegten zu transportieren“. Die Formen des Wortes liūbėti werden hier bisweilen, wie es scheint, auch als lūbija~liūbijo, lūbėjom~liūbėjome ausgesprochen. Die Formen der Hilfswörter sind bisweilen auch verkürzt, z. B. aš luob ėit „ich pflegte zu gehen“. Ähnliche Beispiele kommen bisweilen sogar im lettischen Dialekt der Fischer der Kurischen Nehrung vor (obwohl die lettische Sprache, wie bekannt, diese Zeit nicht kennt), z. B.: Kad nauda luobjuši degt un kad paredz, 39 Außerdem wird das Suffix -ausiai neben -aus für diesen Zweck auch im ostpreußisch-litauischen Dialekt gebraucht, der dem beschriebenen Dialekt in vieler Hinsicht nahesteht; siehe J. Gerullis und Chr. Stang’as, Lietuvių žvejų tarmė Prūsuose, 57. 141 man muss hineinwerfen; die Kinder spielen alle gern mit Knüppeln; sie raufen gern [schubsen], und wenn man das Kind stößt, dann ist es ganz verwirrt40 Der Jussiv wird in der Mundart aus der Form der 3. Person Singular des Präsens des Verbs und dem Partikelchen tegu(l) gebildet: tėgùl važiuo~tegùl važiuoja, tėgùl paràšo~tegùl parašo, tėgù pėšasi~tegùl pėšasi. In der Mundart sind vergleichsweise zahlreiche Reste athematischer Konjugation erhalten geblieben. Am häufigsten werden hier Formen der 3. Person Singular verwendet, die gewöhnlich eine verkürzte Endung haben, z. B.: ēsti~ēsti, ēit (ē’t)~ēiti „geht“, liēkt~liēkti „bleibt“, miēkt~miēgti „schläft“, skaūst~skaūsti „tut weh“. Von den genannten athematischen Formen wird ēit besonders häufig gebraucht (ebenso mit verschiedenen Präfixen: parēit, parēiti „kommt zurück“, išēit „geht hinaus“). Die übrigen Personen athematischer Verben erhalten meist Endungen der a-Stämme; so entstehen Kontaminationsformen, z. B.: ēitu „ich gehe“, miēktam~miēgtame „wir schlafen“. Im Präsensstammauslaut der Verben grįžti, pjauti, lyti... steht fast immer der Konsonant n, z. B.: grīūn~grįūna, nudžīn~nudžīna, užklīn~užklīna, pjāuna, līn~līna „regnet“. Seltener sagt man auch supūšta~supūsta, līja~līja. Literatursprachliche Verben mit den Stammauslauten -in-, -en- haben in der Mundart meist -i-, -e-, z. B.: parūpit~parūpiti „besorgen“, prisimīt~prisimīti „sich erinnern“, sodīt~sodīti „pflanzen“, trīt~trīti „reiben“, pargabēt~pargabėti „zurückbringen“, atsimīšu~atsimīsiu „ich werde mich erinnern“, augīsi~augīsi „du wirst aufziehen“, pargabēsim~pargabēsime „wir werden zurückbringen“, skīšu~skīsiu „ich werde pflücken“. Man sagt aber auch gyvent~gyventi, rukēnt~rukēnti „rauchen“. Formen des Partizips Präsens Aktiv werden sehr selten verwendet; belegt sind nur: ē’sas~ēšas, ē’santi~ēšanti, ē’sa~ēša. Das Partizip der Vergangenheit ist erheblich häufiger: būvis~buvęs „gewesen“, žūvis~žuvęs „umgekommen“. Verwendete Gerundialformen sind ē’sant~ēšant, nežinant~nežinant „nicht wissend“. In der Mundart wird überwiegend die verkürzte Infinitivform verwendet, z. B.: ēit~ēiti, žvejot~žvejoti „fischen“, palikt~palikti „lassen“; seltener matīti~matyti „sehen“. In der reflexiven Infinitivform ist gewöhnlich die ältere Endung erhalten, z. B.: darbuoties, maitīties~maitīties „sich ernähren“, vōkties~vōgties, pėsties, elties~elgties, doch sagt man (offenbar seltener) auch maudīties~maudytis „baden“, badīties~badytis „sich stechen“. Syntax Unter den charakteristischeren syntaktischen Merkmalen der Mundart lassen sich der Gebrauch bestimmter Kasus und Präpositionen, die Verknüpfung von Nebensätzen sowie die eine oder andere Konstruktion nennen. Neben anderen in der Mundart gebrauchten Fällen des Nominativs kommt dieser Kasus hier mit dem Infinitiv und dem Gerundium vor, z. B.: reikėja pėčius taisīt~reikėjo pečius taisyti „man musste den Ofen reparieren“; kur dar fulementai matīt~kur dar (dabar) fulementai (pamatai) matyti „wo noch die Fundamente zu sehen sind“; sāka, penki ē’sant~sāko, penki esant „es begann, fünf waren da“. Statt des Nominativs wird hier jedoch oft, vielleicht sogar häufiger, der Akkusativ gebraucht, z. B.: reikė tinklāičius taisīt~reikia tinklaičius taisyti „man muss die Netze reparieren“; kàt tīk jį kur gaut~kad tik jį kur gauti „wenn man ihn nur irgendwo bekommt“. 40 Plg. P. Šmits, Kursu kāpu folklora, 35, 39. 142 Der Genitiv des Zwecks mit dem Infinitiv (anstelle des Genitivs mit der verbalen Zweckform in den ostlitauischen Dialekten): ich ging Hörner sammeln~ich ging Hörner sammeln; wir gingen Eis (das Eis) hacken. Zeit- oder Anlassakkusativ: den ganzen Frühling kalte Luft; er lebt etwa drei Monate bei meinem Bruderlebte etwa drei Monate bei meinem Bruder. Akkusativ bei Verneinung: wir haben nicht einmal eine Ziege gehabt~wir haben nicht einmal eine Ziege gehabt; niemand konnte weder Vieh halten noch ein Pferd; wir hatten keine Kuh~wir hatten keine Kuh; Kartoffeln können wir nicht pflanzen~Kartoffeln können wir nicht pflanzen; sie hassten die Pfarrer. Der Genitiv wird in diesem Fall offenbar sehr selten verwendet, z. B. wir haben keine Streitigkeiten zu führen~wir haben keine Streitigkeiten zu führen. Der Instrumental des Mittels wird meist mit der Präposition *su* „mit“ verwendet, z. B.: tiñklus su mašinom adgabė·na~Netze bringen sie mit Maschinen heran; vīlna vērpa su ratēlais~Wolle spinnen sie mit Spinnrädern; žiemą su káilinais apsitráuka~im Winter ziehen sie Pelze an; šañdien atvažiuós visi su mašnom, su arklais~heute kommen alle mit Maschinen, mit Pferden. Die Präposition *añt* wird neben anderen Bedeutungen zur Bezeichnung der Richtung verwendet, z. B.: gēra kilometrā añt klaipēdos~es sind gute Kilometer in Richtung Klaipėda; tàs kē·las, kúr añt nìdos ēt, jau sēnai ī·r~der Weg, der nach Nida führt, ist schon seit Langem da. Die Präpositionen *ik(i)* und *lig(i)* werden ohne Bedeutungsunterschied verwendet und stehen stets mit dem Genitiv: nuõ smiltīnēs iš ēt lik pàt nìdos~von Smiltynė aus geht er bis nach Nida; nuõ šešų ligi šešų~von sechs bis sechs; lik šaulių esu būvis~bis Šiauliai bin ich gewesen; nū· pradžos lik pàt gā·la~nū (< nuõ) vom Anfang bis ganz zum Ende; ig devī·nu ceñtnėru~bis zu neun Zentnern; ēsu uždīrbis per mēnesi iki trijų šimtų~ich habe in einem Monat bis zu dreihundert verdient. Zur Bezeichnung eines Zeitraums, innerhalb dessen etwas geschieht oder eintritt, wird die Präposition per (par) mit dem Akkusativ verwendet: per diēna šešis rūblus uždirba~an einem Tag verdient er sechs Rubel; uždirbau tris litus par dienū~ich verdiente drei Litas pro Tag; tàs dar gāun tris šimtus rūblu per mēnesi~der bekommt (jetzt) noch dreihundert Rubel im Monat; mē·tai per mēnus aūga daugāus, didī·n~die Jahre wachsen von Jahr zu Jahr weiter, werden mehr. Viel seltener wird in dieser Bedeutung (anstelle von *per*) die Präposition *añt* verwendet, z. B. du šimtai šešasdešimt rūblu añt mēnesa~zweihundertsechzig Rubel im Monat. Die Präposition *per (par)* wird im Dialekt auch anstelle des prädikativen Instrumentals oder der Präposition *už* verwendet, die in anderen litauischen Dialekten in diesem Fall gebräuchlich sind, z. B.: išsimokina par mūrininku~er hat sich zum Maurer ausbilden lassen; aš per sārgu dirbu~ich arbeite als Wachmann; aš ēiau čia per sārga~ich ging (arbeitete) hier als Wachmann; jis būva i·tráuktas per kareivī~er wurde als Soldat eingezogen. Die Präposition prie wird überwiegend mit dem Genitiv verwendet, z. B.: šìse prì uosto~šisė (hier) pry (<prie) uosto; mē·s ējom prì darbā~mes ėjome pry darbo; dabar jis sargas prie krāutuvēs; trīzdešimt metų prì valdīška darba dirbis~trisdešimt metų pry valdisko darbo dirbęs. Seltener kommt diese Präposition mit dem Dativ vor, z. B.: ar šìs draugas, kúr prie šónui~ar šys (šis) draugas kur prie šonui? aš prì žveji·bai dvīleka metų dirbau~aš prie žve- jybai dvylėka metų dirbau. Anstelle dieser Präposition findet sich häufig auch eine aus dem Lettischen stammende … 143 Aus dem Litauischen entlehntes pie (<prie⁴¹): pie kė́l̇a dirbom ir pie kópu dirbom~wir arbeiteten am Weg und wir arbeiteten an den Dünen; pie vokiečių~bei den Deutschen; aš buvau ir pi’ su’naus~ich war auch beim Sohn und bei seiner Familie< (pie). Einige Fälle des Gebrauchs des Neutrums: mė’s negãlim suprãst, kàs tai i’r~wir können nicht verstehen, was das ist; reikia paklaust, kàs tai i’r~man muss fragen, was das ist; tai būva kálvis~das war ein Schmied; ča dar nebūva kálnai apsodìta~hier waren die Berge noch nicht bepflanzt; mìltai brángu~Mehl ist teuer. In ähnlichen Fällen kommt man jedoch häufig auch ohne das Neutrum aus, z. B.: tàs i’r pamelúota~das ist erlogen; lángai būva išmúšti~die Fenster waren eingeschlagen; jū’su darbai jau atlikti~eure Arbeit ist bereits erledigt; gerai tãm žmogui, kàs žvejìs nėr~gut für den Menschen, der kein Fischer ist. Temporale Nebensätze werden mit der Konjunktion kai an den Hauptsatz angeschlossen: važã’va tik paštas ir daktarai, kai reikėja~es fuhren nur der Postwagen und die Ärzte, wenn es nötig war; kai mė’s būvom maži, jie būva dideli~als wir klein waren, waren sie groß; kai jis bėga per rubėžiu, nušovę~als er die Grenze (die Schranke) überquerte, erschoss man ihn; kai jis girtas, tai jis pernã’kt baũbia~wenn er betrunken ist, brüllt er die ganze Nacht. Finalsätze werden mit der Konjunktion kad angeschlossen: bėga žvejot, kàd daugaiñs premijos gaut~er geht fischen, damit er eine höhere Prämie erhält. Zum Anschluss von Adverbialsätzen der Bedingung werden die Konjunktionen kad (Beispiele mit dieser Konjunktion wurden in Juodkrantė aufgezeichnet) und jei (Beispiele wurden in Nida aufgezeichnet) verwendet: wenn die Zeit trocken ist, bekommt man nichts; wenn es hier nicht regnet, vertrocknet alles< (oder dann?); wenn du dich davorstelltest, würdest du es bekommen; wenn diese Hügel nicht bepflanzt wären, könntest du hier nicht leben; wovon sollte ich leben, wenn ich nicht arbeite; wenn ein solcher Baum dick war, konnte er auch selbst umfallen. Konzessive Nebensätze werden mit der Konjunktion kad ir an den Hauptsatz angeschlossen: kad aš ir turėsiu obuolų, kàs pìrks~auch wenn ich Äpfel haben werde, wer wird sie kaufen? Zum Ausdruck eines Vergleichs mit etwas wird kaip und offenbar seltener kai verwendet: kaip bãrtininks bãrtus lóp~wie der Küfer die Fässer flickt; žvejis kaip šuo (šó)~ein Fischer wie ein Hund; dirpt añs dirba kaip arklìs~arbeiten, ich (er) arbeitet wie ein Pferd; kai kã’tins lenda pró langa~wie ein Kater durchs Fenster schleicht. Der zweite Teil des Vergleichssatzes wird auf verschiedene Weise ausgedrückt: aš esu visų seniausias iš vyrų~ich bin der Älteste unter allen Männern; tàs jau senesnis už man~der ist schon älter als ich; anà buvo dvìleka metų senesnė kaip aš~sie war zwölf Jahre älter als ich. Zu den charakteristischeren syntaktischen Merkmalen des Dialekts lässt sich der recht häufige Gebrauch des Attributs nach dem Bezugswort zählen: tėrp tų kálnu didžiųjų~zwischen diesen großen Bergen; sù tinklu didžiu žvejot~mit dem großen Netz fischen. 41 Vgl. J. Endzelýnas, Baltų kalbų garsai ir formos, § 449. 144 Lexik Besondere natürliche und soziale Lebensbedingungen prägten maßgeblich auch die Herausbildung des Wortschatzes der Mundart, der sich in vielerlei Hinsicht von dem anderer litauischer Mundarten unterscheidet. Da geeignete Bedingungen für die Landwirtschaft fehlten, verfügten die Bewohner der Kurischen Nehrung seit jeher nicht über Geräte zur Bodenbearbeitung und zur Verarbeitung der dabei gewonnenen Erzeugnisse (Pflug, Egge, Handmühle, Flachsbreche, Webstuhl...), bestimmte Wirtschaftsgebäude (Scheune, Schuppen, Speicher, Flachsdarre...) und anderes; sie verfügen auch heute nicht darüber. Daher sind in der Mundart auch die Bezeichnungen und Fachausdrücke für diese Gegenstände und viele verschiedene mit der Landwirtschaft verbundene Erscheinungen unbekannt. Die in der Mundart vorhandenen Wörter aus diesem Bereich sind entweder über die Literatursprache (Bücher, Zeitungen...) oder aus anderen Mundarten übernommen worden (meist auch mit den lautlichen Besonderheiten dieser Mundarten). Im Wortschatz der Mundart spiegelt sich der Haupterwerbszweig der Bewohner anschaulich wider – der Fischfang. Die Sprecher dieser Mundart verwenden zahlreiche Bezeichnungen für verschiedene spezifische, mit ihrer Arbeit verbundene Gegenstände und Begriffe; diese Bezeichnungen sind jedoch meist nicht litauischen Ursprungs, sondern Entlehnungen aus dem Deutschen oder Lettischen. In der Mundart finden sich auch alte, in der Literatursprache selten gebrauchte, nur aus einigen Mundarten bekannte sowie weitere schöne Wörter aus dem Alltag, z. B.: girdnė kaulė, medinė kaulė, „Wildschwein“, kiekukė, „Zapfen“, lėnkė, įlėnkė, įlenkis „Tal, Schlucht, eingesenkte Stelle“, pagultis „Bettstatt“, duonpelnė „duonpelnė“ (višta mūsų duonpelnė), gija „Faden“, žėmininks „Bauer“ (weitere Wörter mit diesem Suffix siehe S. 139), gi’vastis „Leben“ (gali gi’vastis kainiuot), augūmas „Körpergröße“ (tokos pūšės gėra vira augūma), atsiminimas „Erinnerung“ (gėra atsiminima tur; aš nėturu nei kokā atsiminima), bėkt~bėgti „schwimmen; fahren“ (gārlaivis bėg; rīta su gārlaivu nubėgam, vākare parbėgam; mokina ratū bėkti „er bringt einem das Fahrradfahren bei“) und anderes. Einen sehr großen Teil des Wortschatzes der Mundart bilden Entlehnungen. Dies ist eines der charakteristischsten Merkmale ihres Wortschatzes. Besonders zahlreich sind hier Germanismen, z. B.: fūnka „Funke“, benkis „Sprung“, šmėterlingė „Schmetterling“, šnideris „Schneider“, šusteris „Schuster“, vūrškė „Wurst“ und anderes. Nicht wenige Wörter sind aus dem Lettischen entlehnt, z. B.: dženis „Specht“, pūkė „Blume“, bāluodis „Taube“, mūca „Fass“, pādūse „Achselhöhle“, kuņģis „Wurst“, kērna „Butterfass“, kioka vāna „Trog“, grīdis „Fußboden“, kāzuoks „Pelz“ und anderes. In der Mundart finden sich auch zahlreiche auf unterschiedlichen Wegen eingedrungene Slavismen, z. B.: čėsas „Zeit“, zīegoris „Uhr“, trōpītis „sich ereignen“ und anderes. Einfluss der litauischen Sprache auf die lettische Sprache dieser Fischer Auch die lettische Sprache der Fischer der Kurischen Nehrung ist stark vom Litauischen beeinflusst. Verstärkt wurde dieser Einfluss besonders durch den Umstand, dass diese Fischer aufgrund bestimmter historischer Bedingungen kaum Kontakt zu den Bewohnern Lettlands hatten, keine lettische Presse lasen usw. Von allen Sprechern der Mundart, denen wir während unserer Expedition begegneten, besaß nur einer ein lettisches Buch und gab an, es zu lesen. Verschiedene neue Begriffe, die neue Lebenserscheinungen widerspiegelten, drangen aus dem Litauischen und Deutschen in das Lettische dieser Menschen ein. Außerdem ist der Einfluss des Litauischen deutlich in der Phonetik, Morphologie und Syntax zu erkennen. Über den Einfluss der litauischen Sprache 10. Kalbotyros klausimai II. 145 auf dessen Ausmaß lässt sich auch anhand dieses kurzen Textes urteilen, den A. Becenberger von einem Fischer aus Preila aufgezeichnet hat42: „Es dievam pasilecavodams likuos gulet ir jau biju nitalu azmidzis ir jūtu, kad jau ta pikta dvase pi manis artinas. Tad es duomaju: viš rasi pi manis klat nepiejes, kad es dieva varda gribu azmikt. Ale vine artinajas vis juo klat ir es gribiju pabust. Tad vinia ganc us reizu taka grūts vės pradėje us mani birpti ir mani juo vis gribija azmidzinat; ali es stengiuos, kad es varėtčiau pabust ir jemu dziedat seve ir dievop dvasiškas maldas aukšum sutinet pasilecavodams dievinam ar tikru tikėjimu, kad mana sutvertojis mani neduos viniam, tam, kur neka nau pi manis piesilicis, nu tava šlūžmas atraut. Ir tad es nu visas sirdes dievam apsijemdams, kal es dzivs, nu sava tikėjima naatserauties. Ir tad mana sirdie tapa taka džiaucsmas, ir meile atseradas, ir tad es jūtu, kad viš gribija nu keršta dar juo mani spiest ir visai žūdet; ale es sava dvasiškas maldas būdams družosi duomaju, kad tu turi nu manis prapult, ir tad viš tījauš nu manis atsiraudams prapuola, ir es jūtu, kad viš jau tur atstat, ir tad es pradem belūgдамs sava dievina pabudu. — Ta pikta dvase ir ta, kur is laumes pasivirš ir dara tuo pašų dinstu pagal mana sirdis pajutima, kuo ir pats vels dara“43. Wie auch dieser kurze Mundarttext zeigt, tritt der Einfluss des Litauischen am deutlichsten im Wortschatz hervor. Zahlreiche litauische Wörter sowie im Litauischen gebräuchliche Slavismen gelangten über die Kirche in diese Sprache, denn wie erwähnt wurden die Gottesdienste hier lange Zeit auf Litauisch abgehalten. Zu Hause lasen die älteren Fischer außerdem recht häufig verschiedene litauische Gesangbücher und andere ähnliche Bücher religiösen Inhalts. Auf diesem Weg gelangten Wörter wie die folgenden in die lettische Sprache der Fischer: apaštals (47)44, apiera (47), artims (48), bedievis (50), dievabaimings (53), dieva kūns (53), kataliks (61), kriščānīs (63), neprietelis (69), neprieteliste (69), spavieda (81), sūdna diena (83), užgavienis (87), venčavanė, venčavanės stāns (89), žegnānė (92), žegnāti (92), sekmines, dangun žengims, velikās und anderes. Nicht wenige litauische Wörter gelangten auch über den Handelsweg in die Sprache. Ein sehr interessantes Phänomen ist, dass in diesen Mundarten litauische Zahlwörter von elf bis neunzehn verwendet werden, die sich in ihrer Bildung völlig von den lettischen Zahlwörtern unterscheiden. Die lettischen Zahlwörter dieser Art wurden erst vergleichsweise vor kurzer Zeit verdrängt, denn A. Becenberger45 schreibt beispielsweise noch: „elf, elf oder wenolāk, wenolik, wenālika, winālāk, wenālik46, wenālika zwölf, zwölf oder dwilāk, dwilika, 42 Der Text wird in veränderter Schreibweise wiedergegeben und bildet die Phonetik der Mundart nur in groben Zügen ab. 43 Vgl. A. Bezzenberger, Über die Sprache der preussischen Letten, 12-4. Hier werden auch Kommentare zum zitierten Text gegeben. 44 Vgl. J. Plāķis, Kursenieku valoda; die Zahlen in Klammern geben die Seiten dieser Arbeit an; Wörter, bei denen keine Quelle angegeben ist, wurden vom Autor aufgezeichnet. 45 Vgl. A. Bezzenberger, ebenda, 71. 46 Der Sprecher der Mundart, der diese Form angab, hatte seinen Vater noch die Form vienpadesimt verwenden hören. 146 dwilāka trispadesimt, trīlāka, trīlika kātrālika peņkālika scheschālik septiņapadesimt, septiņālika aschtunālika, aschtenālāk dewinālika.“ J. Plakis⁴⁷ führt bereits lediglich Folgendes an: vienālika, dwilika, trīlika, ķetrālika, peņkālika, šešālika, šešālka, septiņālika, astuonālika, deviņālika. Zahlwörter sind im Allgemeinen ein sehr beständiger Bestandteil der Sprache, und dieses Eindringen ist eine recht ungewöhnliche Erscheinung. Wahrscheinlich ist hier der Handel dafür verantwortlich. Denn beim Handel werden Zahlwörter besonders häufig gebraucht. Da die Fischer meist mit Litauern Handel trieben, mussten sie diese Zahlwörter ständig verwenden. Allmählich begannen sie, sie auch im Gespräch untereinander auf Lettisch zu gebrauchen. Im Dialekt finden sich recht häufig folgende Wörter aus dem Litauischen: Hase, Spatz, Preiselbeere, Speck, žaibis „Blitz“, Kranker, amakis, žands „Wange“, žents „Schwiegersohn“, rankave, Hinterkopf und Ähnliches. Von den phonetischen Erscheinungen, die sich durch den Einfluss des Litauischen, diesmal der žemaitischen Mundart, erklären lassen, nennt J. Plakis die Diphthongierung des betonten langen e in bestimmten Fällen zu ie: diel, kadiel, bėgiedis, dieku, drieg nas, dviesti, gieda, tekielis, mievs, vielu, viesas angielis, tie „dort⁴⁸“. Soweit ich jedoch beobachten konnte, betrifft diese Wandlung nur solche Wörter, die auch in der žemaitischen Mundart vorkommen. Zusätzlich zu den von J. Plakis angeführten Beispielen ließen sich noch folgende Wörter nennen: atdriekis, erškietę, užgavienis. Folglich könnte man diese Wörter als Lehnwörter betrachten. Mit dem Einfluss des Litauischen dürfte das Vorkommen der Affrikaten č, dž <*tj, *dj in Substantiven zu erklären sein: zalktis — zalkčį, bite — biču, brīedis — brīedži, sprīdis — sprīdži, sirde — sirdžu⁴⁹. J. Endzelīns meint, dass diese Formen bisweilen auch semgallischen Ursprungs sein könnten („laikam nebūtu gluži neiespējams...“⁵⁰). In diesem Fall hätte jedoch der Einfluss des Litauischen dazu beigetragen, dass diese Formen neben den Formen zušu, vācieši, pašu, lauži erhalten blieben. Unter dem Einfluss des Litauischen wurden die Konsonanten k, g vor i in bestimmten Fällen nicht zu c, dž palatalisiert (paluoģis, greķinieks). Bei den morphologischen Besonderheiten wäre zunächst der Konjunktiv der Verben zu nennen. In der ersten Person Singular sind hier überall litauische Endungen eingeführt worden: būčiau, duočiau, iečiau, nākčiau, dzievuočiau, zināčiau, pirkčau⁵¹. Unter dem Einfluss des Litauischen entstanden auch Formen der zweiten Person Plural: duotumit, varētumit⁵². ⁴⁷ Vgl. J. Plākis, Kursenieku valoda, 29. ⁴⁸ Vgl. ebenda, 16. ⁴⁹ Vgl. ebenda, 18. ⁵⁰ Vgl. J. Endzelīns, Filologu biedrības raksti, 12, 170-1 (1932); J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, 178-9. ⁵¹ Vgl. J. Plākis, ebenda, 34-5; J. Endzelīns, Par kurseniekiem un viņu valodu, 4; A. Bezzenberger, Über die Sprache der preussischen Letten, 96-7. ⁵² Vgl. J. Plākis, ebenda, 35; A. Bezzenberger, ebenda, 97. 147 Die Formen des Akkusativs Plural der Personalpronomen mumis, jumis lassen sich ebenfalls nur durch den Einfluss der litauischen Sprache erklären53. Solche Formen werden in den benachbarten litauischen Dialekten verwendet54. Das litauische Suffix -ybė hat das lettische Suffix -ība verdrängt! veselība, teisybė55. Auch solche Redewendungen lassen sich durch den Einfluss der litauischen Sprache erklären, wie etwa: es viskuo taru, es nieka nitaru, es kuo nārin turu, viņi tveras viens citu (= lett. viņi ķer viens otru)56. Der litauische Dialekt der Fischer der Kurischen Nehrung und der Einfluss der litauischen Sprache auf die lettische Sprache dieser Gegend K. F. MORKŪNAS und A. I. SABALIAUSKAS Zusammenfassung Der Artikel gibt einen kurzen Überblick über die Geschichte der Bevölkerung der Kurischen Nehrung. Es wird darauf hingewiesen, dass die meisten Einwohner zu verschiedenen Zeiten aus Lettland, Litauen und anderen Ländern zugewandert sind. Fast alle alteingesessenen Bewohner der Kurischen Nehrung kannten seit Langem drei Sprachen: Lettisch, Litauisch und Deutsch. Anschließend werden die Besonderheiten des hiesigen litauischen Dialekts beschrieben. Phonetik. Der Dialekt ist durch eine vollständige Rückverlagerung des Akzents gekennzeichnet. Der Akzent wird von einer kurzen und einer langen Endung auf einen langen und einen kurzen Wortstamm verlagert, z. B.: bãrzda~barzdà „Bart“, mãži~mažì „kleine“, vaikai~vaikái „Kinder“, sèssuo~sesuõ „Schwester“. Charakteristisch ist, dass im untersuchten Dialekt der Akzent häufig sogar von Endungen mit fallender Quantität verlagert wird, z. B. árklams~arkliāms „Pferden“, und von der Wortmitte an den Wortanfang. Dies wird durch den Einfluss des Lettischen erklärt. In einigen Fällen bleibt der Akzent jedoch auf der Endung, z. B.: mažái „wenig“, daugiaũ~daugiaũ „mehr“, padarīs~padarýš „wird machen, werden machen“. Der Artikel betont außerdem, dass selbst ein und derselbe Sprecher des Dialekts den Akzent in einzelnen Wörtern oft unterschiedlich setzt. In der offenen unbetonten primären Endung werden ē, o (betonte Vorkommen sind kaum anzutreffen) entsprechend als ē (oder e) und a ausgesprochen, z. B.: žèmė (oder žẽmė)~žẽmė „Erde“, būva~būvo „war“, während diese Vokale in anderen Positionen (unbetont und betont) wie in der Literatursprache ausgesprochen werden. Auch die Diphthonge ie, uo, ai, ei werden meist wie in der Literatursprache ausgesprochen, nur in einzelnen Wörtern wie in den žemaitischen Dialekten, z. B.: priẽs<priẽs „vor“, nũ<nuõ „von“, šuõ<šuo „Hund“, vakãlis (in der Literatursprache vaikẽlis) „Kindchen“. Unbetonte lange Vokale in der offenen Endung wurden gekürzt, z. B.: dárba~dárba „Arbeit“ (Akk.), nãkti~ ~nãkti „Nacht“ (Akk.), víru~vyrų „Männer“. Häufig sind die alten kurzen 53 Vgl. J. Plākis, Kursenieku valoda, 26; A. Bezzenberger, Über die Sprache der preussischen Letten. 75. 54 Vgl. F. Kurschat, Grammatik der Littauischen Sprache, 234, Halle, 1876; J. Aleksandravičius, Vakarine pajūrio žemaičių tarmė, 59, Vilnius, 1951 (Manuskript). 55 Vgl. J. Plākis, ebenda, 20. 56 Vgl. J. Plākis, ebenda, 29. Zu weiteren syntaktischen Litauismen vgl. A. Bezzenberger, ebenda, 104-9. 148 Vokale, manchmal auch lange, die zu kurzen geworden sind, schwinden am offenen Wortende, z. B.: aug~auga „wächst, wachsen“, tūr~tūri „hat, haben“, lóp~lópo „flickt, flicken“. Am geschlossenen Wortende schwindet meist a, z. B.: bernùks~bernikas „Junge“, séns~sēnas „alt“, doch manchmal bleibt es in denselben Wörtern erhalten. Die Verbindungen *dj, *tj werden vor dem alten kurzen a und dem Diphthong ai meist als d, t ausgesprochen, z. B.: neléid~neléidzia „lässt nicht hinein, lassen nicht hinein“, trēteis~trečiais „als Dritte“, doch manchmal treten auch Affrikaten auf (man sagt z. B. briedei und briedžai „Elche“). In der untersuchten Mundart wird nur ein palatales l ausgesprochen, z. B.: liga~liga „Krankheit“, šliūta „Besen“, sù gálva „vom Kopf“. Diese Aussprache erklärt sich durch den Einfluss des Deutschen. Unter deutschem Einfluss wird der Konsonant s vor p und t zu š, z. B. špiritas~špiritas „Spiritus“, študēntai~studēntai „Studenten“. Morphologie. In der Mundart werden nominale Dualformen verhältnismäßig häufig verwendet (meist Nominativ- und Akkusativformen des Maskulinums). Zum Ausdruck von Inessiv und Illativ wird die Präpositionalkonstruktion -ē „in“ mit dem Akkusativ verwendet, z. B. į klaipėdą~į Klaipėdą „in Klaipėda; nach Klaipėda“. Der Instrumental Singular der Feminina mit einem Stamm auf -i endet meist auf -i, z. B.: širdį „mit dem Herzen“, žuvi „mit dem Fisch“ und sehr selten auf -im (žuvim<žuvimi „mit dem Fisch“). In der Mundart sind noch einige Reste konsonantischer Stämme erhalten, doch werden Substantive dieser Stammklasse größtenteils bereits nach den Typen anderer Stämme flektiert. In der Mundart kommen zahlreiche athematische Verben vor. Meist handelt es sich um Formen der 3. Person, z. B.: ēsti~ēsti „ist, sind“, eit~eiti „geht, gehen“, miegti~miegti „schläft, schlafen“. Anstelle der Formen des Präteritums Iterativs, die in der litauischen Standardsprache verwendet werden, gebraucht man in der untersuchten Mundart zusammengesetzte Formen, z. B. lù'bėjom vėst (in der Standardsprache vėždavome) „wir fuhren“. Syntax. In diesem Abschnitt werden Beispiele für einige Kasus- und Präpositionalkonstruktionen angeführt (z. B.: Nominativ mit Infinitiv und mit Partizipialform, negierter Akkusativ u. a.); außerdem wird die Verwendung einiger Konjunktionen im komplexen Satzgefüge usw. vermerkt. Lexik. Der Wortschatz der Mundart ist durch eine Fülle lettischer und deutscher Entlehnungen gekennzeichnet. In der Mundart kommen auch alte litauische Wörter vor, die in anderen litauischen Mundarten nur selten anzutreffen sind. * * * Die lettische Sprache der Fischer der Kurischen Nehrung stand unter starkem Einfluss des Litauischen. Dieser Einfluss zeigt sich in der Lexik, der Phonetik, der Morphologie sowie der Syntax der Sprache. Sehr interessant ist, dass litauische Zahlwörter von 11 bis 19 in das System der lettischen Sprache eingedrungen sind. 149