Dėl kai kurių baltų kalbų žemės ūkio augalų pavadinimų kilmės
Full text
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, III
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
ZUR HERKUNFT EINIGER BEZEICHNUNGEN FÜR ACKERPFLANZEN IN DEN BALTISCHEN SPRACHEN
A. SABALIAUSKAS
Rettich (Raphanus sativus)
1. Nach Ansicht von A. de Candolle (38,553) liegt die Heimat des Rettichs in Westasien. Der Aussage des Talmuds zufolge gediehen Rettiche im alten Babylonien ausgezeichnet (vgl. O. Schrader, Reall., 2, 251). Aus Asien muss diese Pflanze schon sehr früh nach Ägypten gelangt sein. Herodot (2,125) berichtet, dass die Erbauer des Cheops-Pyramide, den Darstellungen in der Pyramide zufolge, neben Zwiebeln und Knoblauch auch reichlich Rettiche aßen (συφαρθη) (vgl. G. Buschan, 243). Als Volksnahrung werden Rettiche in den alten griechischen Komödien erwähnt (vgl. O. Schrader, Reall., 2, 251). Auch die alten Römer kannten Rettiche. Gewöhnlich fügten sie der Bezeichnung für den Rettich noch das Epitheton Syriaca hinzu oder bezeichneten ihn als quae Assyrio semine venit. Auch das weist auf die orientalische Herkunft der Pflanze hin (vgl. O. Schrader, Reall., 2,251).
2. Die Balten und Slawen lernten dieses Gemüse wahrscheinlich etwas später kennen. Archäologische Belege, die sein Alter in den baltischen und slawischen Gebieten bezeugen, liegen bislang nicht vor. So können wir beispielsweise auf Grundlage sprachlicher Daten feststellen, dass die Litauer bereits im 12. Jahrhundert Rettiche kannten. Natürlich mussten die Slawen sie früher gekannt haben, denn die Balten lernten, wie wir sehen werden, diese Pflanze durch die Slawen kennen.
3. In den indogermanischen Sprachen finden sich am weitesten verbreitet Rettichbezeichnungen unterschiedlicher Herkunft.
Die griechische Bezeichnung für Rettich, ῥαφανίς, ῥαφάνη, ῥάφανος, hat dieselbe Wurzel wie die Bezeichnung für Rübe, ῥάπυς, ῥάφυς. Im Griechischen erhielt der Rettich seinen Namen nach dieser Pflanzenbezeichnung. Aus dem Griechischen gelangte eine solche Bezeichnung für Rettich ins Lateinische — raphanus. Später blieb diese Bezeichnung in den romanischen Sprachen erhalten: ital. rafano, span. rábano, port. rabanete.
Neben dem Lehnwort gab es im Lateinischen auch eine eigene Bezeichnung für den Rettich, rādīx, deren ursprüngliche Bedeutung „Wurzel“ ist. Dieses lateinische Wort gelangte in die germanischen Sprachen: althochdeutsch rat(i)c(h), retich, altenglisch rǣdic, mittelhochdeutsch retich, rātich, deutsch Rettich, schwedisch rättika. Das althochdeutsche merrātich zeigt, dass dieses Wort im Germanischen ursprünglich ein ā in der Wurzel hatte (vgl. F. Weigand, 577—8; F. Kluge, Et. Wb., 597). Aus dem Germanischen gelangte die letztgenannte Rettichbezeichnung ins Finnische — räättikka (vgl. T. E. Karsten, IF, 26, 250—1; Germ., 207). Sie kommt auch im Ungarischen vor — retek.
17. Kalbotyros klausimai, III
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4. Solche Bezeichnungen für den Rettich finden sich auch in den slawischen Sprachen: ssl. redьky, rъbъky, alt-russ. репька (И. И. Срезневский, 3, 216), russ. редька, weißruss. рэдзька, ukrain. редька, serb.-kroat. родаква, ротква, ро́ква, slowen. redkev, tschech. ředkev, řetkev, slowak. red’kev (V.Machek, Rost., 60), poln. rzodkiew, obersorb. rjedkej, niedersorb. radkej (vgl. F.Miklosich, Et. Wb., 284–5; А. Преображенский, Эт. сл., 2, 194; M.Vasmer, Et. Wb., 2,504; J.Holub, F.Kopečný, Et. sl., 321; V.Machek, Et. sl., 432).
Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass sich für diese slawischen Rettichbezeichnungen keine einheitliche Urform rekonstruieren lässt. Aus den genannten Beispielen lassen sich mindestens vier Urformen rekonstruieren: *redъky, *rodъky, *rъbъky, *rьdъky (vgl. V. Machek, Rost., 60). Diese Uneinheitlichkeit zeigt, dass die betreffende Rettichbezeichnung kein slawisches Wort ist: In die meisten slawischen Sprachen gelangte sie aus dem Germanischen (vgl. A. Meillet, Étud., 184; C. C. Uhlenbeck, AfslPh, 15, 490; V. Kiparsky, Lw., 276–7). Die russischen Formen der Bezeichnung stammen wahrscheinlich aus dem Niederdeutschen (vgl. V. Kiparsky, Lw., 276–7). Das deutsche enge e konnte im Russischen durch ь wiedergegeben werden, wie auch im Wort Бърнъ < deutsch Bern (vgl. K. Būga, ZfslPh, 1, 42). In den slawischen Sprachen konnte sich die Phonetik dieser Rettichbezeichnung auch infolge volksetymologischer Einflüsse verändern. Einige dieser Bezeichnungen könnten auch aus den romanischen Sprachen in die slawischen gelangt sein (vgl. M. Vasmer, Et.Wb., 2,504; V. Machek, Rost., 60).
Später gelangte eine solche Rettichbezeichnung aus dem Russischen auch in einige Sprachen anderer Völker der Sowjetunion: evenk. редька, evenkik. редька, bur.-mong. редьке usw.
5. Eine Rettichbezeichnung dieser Wurzel findet sich auch in den baltischen Sprachen, nämlich im Litauischen und Lettischen.
Wir finden sie bereits in den alten Denkmälern unserer Sprache: im Wörterbuch von K.Širvydas (331), in J. Morkūnas’ Postille (270). Dieses Wort gelangte aus dem Altrussischen ins Litauische. Es trat bereits vor ъ> e ein, also spätestens im 12. Jahrhundert (vgl. K. Būga, ZfslPh, 1, 42; В. И. Костельницкий, 397).
In den ostlitauischen Hochlanddialekten findet sich die Form ru-dikas dieser Bezeichnung. K. Būga (ZfslPh, 1, 42) meint, dass sie ebenso wie die lettische Rettichbezeichnung aus der altrussischen Form (in K. Būgas Terminologie: weißrussischen — Weiss-russen) *ръбъка hervorgegangen sei, wobei ъ in der Wurzel infolge der Verhärtung des Konsonanten r entstanden sei. Eine ähnliche Veränderung des Vokalismus sieht K. Būga auch im lettischen Wort krusts (neben kristis) (K. Būga, RRš, 2,538). Diese Form lässt sich jedoch, wie wir sehen werden, auch anders erklären.
6. Im Lettischen ist die Rettichbezeichnung rutks am weitesten verbreitet. J. Endzelīns (EM, 3,565) meint, dass diese Form wahrscheinlich aus der Form *ridiks hervorgegangen sei, wobei sich der Vokalismus der Wurzel nach dem Wort ruds „rötlich, braun“ verändert habe. Darauf könnten teilweise auch solche Formen dieser Bezeichnung wie ruduks (EM, 3, 554; J. Endzelins, La. Gr., 72), rudaks (T. Šmite, FBR, 12,51; EH, 2, 381) hindeuten, die neben der Form rutaks vorkommt (F. Adamovičs, FBR, 3, 107). Auf diese Weise ließe sich auch die litauische Form rudikas erklären, denn die Form *ръбъка, aus der nach K. Būgas Ansicht die genannten lettischen und litauischen Rettichbezeichnungen hervorgegangen sein könnten, ist in den Denkmälern der russischen Sprache nicht belegt.
In den lettischen Dialekten ist einmal auch die Form ridiks belegt (EH, 2, 375). Aufgrund ihrer isolierten Stellung lassen sich kaum Schlussfolgerungen ziehen.
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Die lettische Bezeichnung für Rettich findet sich in der heutigen lettischen Sprache auch in einer anderen zusammengesetzten Gemüsebezeichnung – māmuts „Meerrettich“, die nach dem deutschen Wort Meerrettich gebildet wurde, indem der zweite Wortteil übersetzt wurde.
Nach der Bezeichnung für Rettich wurden auch einige andere Pflanzen benannt: ezera rutks, velna rutks, juodu rutks „Cicuta virosa“, meža rutks „Geum rivale“, lauka rutks „Raphanus raphanistrum“ (EM, 3,565).
In der lettischen Sprache der Fischer auf den kurischen Nehrungen kommt die Rettichbezeichnung retichs vor (J. Plāķis, 77). Diese Bezeichnung stammt aus dem Deutschen.
7. Wir sehen, dass die Balten und die Slawen dieselbe Bezeichnung für Rettich haben. In beiden Sprachgruppen ist diese Bezeichnung, wie auch in vielen anderen idg. Sprachen, ein Lehnwort. Die meisten Slawen übernahmen sie aus dem Germanischen, die Balten aus dem Slawischen. Über die Bezeichnung für Rettich im Altpreußischen liegen keinerlei Angaben vor.
Karotte (Daucus carota)
1. Als Heimat dieser Pflanze wird meist Europa oder Vorderasien angesehen (vgl. A. de Candolle, 554; O. Schrader, Reall., 2,69; H. Burchardówna, 170).
Spuren von Karotten wurden in der Schweiz in den Überresten der Pfahlbauten von Robenhausen gefunden (vgl. G. Buschan, 148; O. Schrader, Reall., 2,69). Einige bezweifeln jedoch diesen Fund (vgl. J. Hoops, Reall., 1, 234).
2. Auf polnischem Gebiet finden sich Karottensamen in Fossilien aus dem 7.–9. Jahrhundert (vgl. H. Burchardówna, 164, 175).
Über den Karottenanbau in dieser Zeit auf dem Gebiet Litauens und Lettlands fehlen Angaben. In den Inventaren litauischer Güter aus dem 16. Jahrhundert wird diese Pflanze erwähnt, allerdings vergleichsweise nicht besonders häufig (vgl. K. Jablonskis, 419, 451, 455, 678). Aus den lettischen Güterkatastern von 1624 und 1630 geht hervor, dass lettische Bauern Karotten als Abgabe an die Gutsbesitzer lieferten (vgl. A. Švābe, IMM, 1922, 169; J. Sehwers, 301).
3. In den idg. Sprachen finden sich mehrere Bezeichnungen dieser Pflanze unterschiedlicher Herkunft. Die Karottenbezeichnung aus dem Lat. carota gelangte auf verschiedenen Wegen in einige andere idg. Sprachen: ital. carota, alb. karotë, frz. carotte, engl. carrot, dt. Karote usw.
In den germanischen und slawischen Sprachen ist eine andere Karottenbezeichnung am weitesten verbreitet: ahd. mor(a)ha, mhd. morhe, mörhe, dt. Möhre, ae. more, engl. more, alt-dän. mora, alt-schwed. mora usw. (vgl. J. Hoops, Reall., 1, 234; F. Weigand, 2, 206–7; F. Kluge, Et. Wb., 484), russ. морковь, морква (В. Даль, 2, 347), weißruss. морква, ukrain. морква, bulg. морков, serb.-kroat. мрква, slowen. mrkve, tschech. mrkev, slowak. mrkva, poln. marchew, obersorb. morchej, niedersorb. marchew (vgl. M. Vasmer, Et. Wb., 2, 158–9; A. Преображенский, Эт. сл., 557; F. Miklosich, Et. Wb., 192).
Aus dem Slawischen gelangte diese Karottenbezeichnung auch in andere Sprachen: rum. morcov (vgl. A. Rosetti, 44), mold. морков. Aus dem Russischen übernahmen später auch die Sprachen anderer Völker der Sowjetunion dieses Wort: tuv. морковь, burj.-mong. морхооб, evenk. морковь, evenkik. морковь usw. Aus dem Slawischen, wie wir sehen werden, übernahmen auch die Litauer dieses Wort.
Über die Herkunft dieses Wortes gibt es verschiedene Ansichten. Zunächst wird es mit dem bei Hesiod belegten gr. βράκανα· τὰ ἄγρια λάχανα in Verbindung gebracht, wobei für die griechische Form eine Vorform *mr̥k- rekonstruiert wird (vgl. A. Walde, Vgl. Wb., 2, 313; É. Boisacq, D. ét., 131; J. Hoops, Reall., 1, 234; M. Vasmer, Et. Wb., 2, 158; F. Kluge, Et. Wb., 484). Semantisch …
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Eine solche Verbindung mit Erbsen ist sehr gut möglich, da eine Kulturpflanze häufig ihren Namen von irgendeiner Wildpflanze erhält (gr. ἄγρια λάχανα „Wildgemüse“). Eine gemeinsame Urform für die Wörter der griechischen, germanischen und slawischen Sprachen wiederherzustellen, ist jedoch schwierig.
Viele Forscher hielten die slawische Bezeichnung für die Möhre für eine Entlehnung aus dem Germanischen (vgl. F. Miklosich, Et. Wb., 192; A. Walde, Vrgl. Wb., 2, 313; C. C. Uhlenbeck, AfslPh, 15, 489; O. Schrader, Reall., 2, 69). Auch Boduенas de Kurtenė (10) schloss sich dieser Auffassung an. Diese Behauptung ist zum Teil begründet, denn aus den in den slawischen Sprachen belegten Möhrenbezeichnungen dieser Wurzel lässt sich keine gemeinsame Urform rekonstruieren. Andererseits ist es jedoch auch unmöglich, die Möhrenbezeichnung aller slawischen Sprachen phonologisch mit der germanischen Möhrenbezeichnung in Verbindung zu bringen. Daher sind aus dem Germanischen wahrscheinlich nur die polnischen und sorbischen Möhrenbezeichnungen entlehnt (vgl. V. Kiparsky, Lw., 75—6; M. Vasmer, Et. Wb., 2, 158—9; V. Machek, Rost., 167).
V. Machek (LP, 2, 158; Rost., 167) meint, sowohl die Slawen als auch die Germanen hätten die Möhrenbezeichnung aus einer unbekannten nichtindoeuropäischen Sprache übernommen. Er schreibt: „Da diese Pflanze in Europa seit alters überall heimisch ist, kann man behaupten, dass sowohl das slawische *mьrky als auch das germanische *murrō – unabhängig voneinander – aus der Sprache der voreinzelsprachlichen Ureinwohner Europas übernommen wurden“ (Rost., 167).
4. Wie erwähnt, gelangte die Möhrenbezeichnung dieser Wurzel aus dem Slawischen auch ins Litauische. In unseren Dialekten und Schriftzeugnissen begegnen verschiedene lautliche Varianten dieses Wortes: morkà, morkas, morkù, morkvė, morkvà (vgl. J. Dagys, 116; F. Kurschat, Wb., 1, 67, 135). Die litauische Form morkvà entspricht genau dem russ. dial. морква und dem weißruss. морква; von dort gelangte sie ins Litauische (vgl. A. Brückner, Fw., 110; J. Otrebski, Tw., 3, 33; B. И. Костельницкий, 259; K. Būga, ZfslPh, 1, 48). Die Form morkvà findet sich bereits im Wörterbuch von K. Sirvydas (142). Die Form morkà entstand bereits auf litauischem Boden. Der Ausfall des Konsonanten v bei Entlehnungen ist recht häufig zu beobachten, vgl. liežarsta < liežarstva, kǫlyti < kǫvlyti (Pr. Skardžius, Lw., 135). Dieser Konsonant fällt bisweilen auch in einheimischen Wörtern aus (vgl. J. Endzelins, La. Gr., 212—20; BVSuF, 49—50).
Verschiedene Veränderungen des Stammes traten analog zu anderen Wörtern auf; so könnte die Form morkvė unter dem Einfluss der Wörter bìlvė, rópė entstanden sein, mórkas nach dem Vorbild anderer Gemüsebezeichnungen mit o-Stamm.
5. Die Letten kennen keine Möhrenbezeichnung dieser Wurzel. Dort ist das Wort burkāns am weitesten verbreitet; es begegnet auch in anderen Nachbarsprachen: russ. боркан, буркан (В. Даль, 1, 115, 143), ostpreuß. dt. Burkan, Borkan, Porkan (H. Frischbier, 1, 120), finn. porkanna, estn. porgand, mokscha пурыкя, пурыкя, liv. borkons, lit. burkonas, burkūnas (L. k. žd., 1, 972, 973). Wie wir sehen, erstreckt sich diese Möhrenbezeichnung über einen Teil Nordosteuropas. Von den slawischen Sprachen kennt sie nur das Russische, von den germanischen nur die Deutschen in Ostpreußen. In die ostseefinnischen Sprachen gelangte das Wort aus dem Russischen (vgl. J. Mikkola, Ber., 91). Unklar ist jedoch, auf welchem Weg es ins Russische kam. V. Kiparsky (Baltend., 201, vgl. M. Vasmer, Et. Wb., 1, 108) vermutet, die Russen hätten diese Möhrenbezeichnung von den Deutschbalten übernommen, wohin das Wort seinerseits über das Klosterlatein aus dem Griechischen (βράκανα) gelangt sei. Demnach wäre es ein Wort derselben Herkunft wie die zuvor erwähnte slawische und germanische Möhrenbezeichnung, das jedoch auf einem ganz anderen Weg entstanden wäre. M. Vasmer (Et. Wb., 1, 108) ist mit dieser Erklärung jedoch offenbar mit Recht nicht einverstanden,
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denn gr. βράκανα ist ein sehr selten gebrauchtes und in der wissenschaftlichen Literatur nicht belegtes Wort.
K. Būga (ZfsIPh, 1, 48) taip yra šiuo klausimu rašęs: „мѫркы kann von gleicher Herkunft sein wie бърканъ. Nur kennen wir heute noch keine solche Sprache, in welcher m zu b werden kann oder umgekehrt. Dass im Altertum an der Ostsee eine solche Sprache vorhanden war, in welcher b mit m wechseln kann, zeigen nicht nur мѫркы und бърканъ, sondern auch lett. buca und mu-ca „Tonne“.
Eindeutige, keinen Zweifel zulassende Erklärungen gibt es also nicht.
6. Diese Möhrenbezeichnung findet sich bereits in lettischen Sprachdenkmälern des 17. Jahrhunderts; so schreibt G. Manceleris (Phras. lett., XVI) „gelbe Rüben, Burrkani“, und J. Langijs „Burkans, plur. Burkani, gelbe Möhre oder Rübe“ (vgl. auch J. Sehwers, 301). Es ist schwer zu sagen, auf welchem Weg das Wort ins Lettische gelangte. Möglicherweise übernahmen die Letten es aus dem Russischen, wie A. Brückner (Fw., 75) annahm. K. Būga zufolge (ZfsIPh, 1, 48) entlehnten die Deutschbalten diese Möhrenbezeichnung aus dem Lettischen; es könnte aber auch umgekehrt gewesen sein.
In den lettischen Dialekten begegnen neben der Form burkāns auch die Formen burkanis, burkans (EH, 1, 254). Letztere Form könnte denselben Ursprung haben wie lit. bur-kantas. Das Suffix mit dem Formans -t- könnte sich in diesem Wort jedoch bisweilen auf lettischem Boden nach der Diminutivform burkantiņš entwickelt haben (zum Suffix vgl. J. Endzelīns, La. Gr., 316—7).
7. Eine solche Möhrenbezeichnung begegnet gelegentlich auch in litauischen Dialekten: burkonas, burkūnas (L.k. žd., 1, 972, 973). Diese Wörter gelangten wahrscheinlich auf zwei Wegen ins Litauische: aus dem Ostpreußischen und aus dem Lettischen. Das zeigt auch ihre Verbreitung.
Im Wörterbuch von K. Širvydas (243) finden wir das Wort burkuntai < burkantai. Dort wird es als Synonym des Wortes pasternokai verwendet. Es gelangte aus dem Russischen ins Litauische (vgl. K. Būga, ZfsIPh, 1, 48; Pr. Skardžius, Lw., 48). Das Suffix dieses Wortes ist jedoch sehr unklar. Die genannten Sprachwissenschaftler meinen, es handle sich um dasselbe Suffix wie in estn. porgand „Möhre“. Diese Behauptung ist jedoch zweifelhaft, denn in russischen Quellen begegnet dieses Wort nicht mit einem ähnlichen Suffix, und unter den ostseefinnischen Sprachen weist nur das Estnische ein solches Suffix in diesem Wort auf. Das Suffix könnte sich also auch auf litauischem Boden entwickelt haben.
Im Litauischen ist das wurzelverwandte Wort burkūnas „Melilotus“ recht weit verbreitet (L.k. žd., 1, 537; K. Būga, ZfsIPh, 1, 48). Mit dieser Bedeutung findet sich das Wort auch im Russischen (В. Даль, 1, 143), von wo es ins Litauische gelangte.
Der Unterschied im Vokalismus der Wurzeln dieser Wörter ist durch ihre lautliche Vielfalt im Russischen zu erklären.
8. In den westlichen Dialekten des Litauischen findet sich noch eine andere Bezeichnung für die Möhre. Von dieser Bezeichnung gibt es verschiedene phonetische Varianten: germėlė, gėrmolė, germėlė, gėrmuolė, girmolė, girmolis, girmuolė (L.k. žd., 3, 260, 261, 344; J. Dagys, 116; J. Gerullis, Chr. Stang’as, 82). Diese Bezeichnung ist aus dem Deutschen entlehnt. In den Dialekten der Deutschen in Ostpreußen findet sich die Form Gelmö hre (H. Frischbier, 1, 224, 225), von der diese Bezeichnung für die Möhre stammt (vgl. K. Alminauskis, 53, 54). Bei der Entlehnung vertauschen die Litauer lediglich die Konsonanten. Ähnliche Metatheseerscheinungen kommen besonders bei Lehnwörtern recht häufig vor, vgl. lett. redele, estn. redel < niederdeutsch ledder,
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lat. purvelis < pulveris (vgl. J. Endzelins, La. Gr., 235). Die Entstehung verschiedener phonetischer Varianten dieses Möhrennamens im Litauischen könnte durch die Assoziation mit anderen litauischen Wörtern beeinflusst worden sein, zum Beispiel girь, mōlis.
9. Eine solche Bezeichnung für die Möhre findet sich auch im Lettischen der Fischer auf der Kurischen Nehrung: germele (M. Voelkel, 11), germile (M. Graudiņa). Das Wort könnte aus dem Litauischen oder unmittelbar aus dem Deutschen ins Lettische gelangt sein.
10. Betrachtet man die Bezeichnungen für die Möhre in den baltischen, slawischen und anderen Sprachen, so zeigt sich, dass diese Bezeichnungen meist unklarer Herkunft sind. Die in den baltischen Sprachen gebräuchlichen Bezeichnungen für die Möhre sind aus dem Slawischen und Deutschen entlehnt. Im Litauischen ist die aus dem Slawischen entlehnte Bezeichnung für die Möhre am weitesten verbreitet. Über die Bezeichnung dieser Pflanze im Altpreußischen gibt es keinerlei Nachrichten.
Gurke (Cucumis sativus)
1. A. de Candolle (331, 559) hält Indien für die Heimat der Pflanze. Dieser Auffassung schließen sich auch spätere Forscher an (vgl. H. Burchardówna, 170–1; O. Schrader, Reall., 1, 653; A. Engler, Hehn Kult., 318).
Aus Indien gelangte die Pflanze noch vor unserer Zeitrechnung nach China (vgl. A. de Candolle, 332). Auch die alten Griechen bauten sie an. Als Erster unter den Griechen erwähnt Alkaios (7. Jh. v. Chr.) die Gurke. Er nennt die Pflanze σίκος. Auch in der Ilias (2, 572; 23, 299) wird die Stadt Σικυών erwähnt, die früher Μηκώνη „Stadt der Mohnblumen“ hieß und ihren Namen wahrscheinlich von der Bezeichnung der Gurke erhielt (vgl. O. Schrader, Reall., 1, 653).
Die Slawen erhielten diese Pflanze ebenfalls unmittelbar von den Griechen oder über Zwischenhändler. Von dort gelangte die Gurke später zu den Balten und auch in einige germanische Gebiete.
Auf dem Gebiet Polens finden sich unter den archäologischen Funden Gurkensamen, die bereits auf das 8.–10. Jahrhundert datiert werden (vgl. H. Burchardówna, 165, 176). In den archäologischen Funden auf den Gebieten Litauens und Lettlands wurden bisher keine Spuren des Gurkenanbaus gefunden. In den Inventaren litauischer Güter aus dem 16. Jahrhundert kommen Gurken bereits vor. Dort werden auch schon eingelegte Gurken erwähnt (vgl. K. Jablonskis, 451, 453, 678).
2. In den indogermanischen Sprachen finden sich mehrere Bezeichnungen für die Gurke. Die meisten dieser Bezeichnungen sind Entlehnungen und erst seit vergleichsweise kurzer Zeit in Gebrauch. Die Gurkenbezeichnungen einiger indogermanischer Sprachen stammen aus dem lat. cucumis, -eris, nämlich: ital. cocomero „Wassermelone; Gurke“, franz. concombre, span. cucumeráceo „gurkenartig, Gurken-“, engl. cucumber, dt. (in Süd- und Westdeutschland belegt) Kukummer, Kumerling, Guckummer, Kommer, Kumr, Cummer, Kukumr, niederl. komkommer (Trübners Wb., 259; F. Weigand, Wb., 1, 1167), serb.-kroat. kukhmar (F. Miklosich, Et. Wb., 146). Aus lat. pepo, -onis (< gr. πέπων) „Melone (Cucumis melo)“ sind Gurkenbezeichnungen einiger romanischer Sprachen hervorgegangen, zum Beispiel: span. pepino, port. pepino, mold. nēnēhe. In den südslawischen, rumänischen und albanischen Sprachen findet sich eine Gurkenbezeichnung mit einer anderen Wurzel, nämlich: bulg. краставица, serb. краставац, kroat. krastavica, rum. castravete, alb. kastravec. Man versucht, diese Bezeichnung mit urslaw. krasta, krastavъ „rau, höckerig, uneben“ in Verbindung zu bringen (vgl. V. Hehn, 318; A. Будилович, 89). P. Černych (Оч. лекс., 61) bringt auch die russischen Bezeichnungen коростовик, коростянка „Scabiosa“ (В. Даль, 2, 169) mit der genannten Gurkenbezeichnung in Verbindung.
3. In den europäischen Sprachen ist jedoch eine andere Gurkenbezeichnung am weitesten verbreitet. Diese Bezeichnung findet sich in den slawischen, baltischen, germanischen und anderen Sprachen. Dies ist ebenfalls
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ebenfalls ein entlehntes Wort, das auf verschiedenen Wegen in diese Sprachen gelangt ist. Die Gurkenbezeichnung mit diesem Stamm findet sich in einem großen Teil der slawischen Sprachen: russ. огурец, огурок (Б. Даль, 2, 649), balt. agurok, agurok (П. А. Расторгуев, 142), ukrain. огірок, serb.-kroat. угорак, tschech. okurka, okurek, slowak. uhorka, uharka, uherka, ugorka, uhorok (V. Machek, Rost., 227–8), poln. ogórek, obersorb. korka, niedersorb. gurka.
Aus den genannten slawischen Gurkenbezeichnungen dieses Stammes lässt sich keine gemeinsame Vorform rekonstruieren. Aufgrund der slowakischen sowie serbisch-kroatischen Bezeichnungen lässt sich die Vorform *angur- rekonstruieren, während die ostslawischen, tschechischen und polnischen Gurkenbezeichnungen auf die Vorform *ogur- weisen. Die ältere Vorform ist *angur-. Dafür spricht die Quelle der genannten slawischen Gurkenbezeichnungen, gr. βίζαντ. ἄγγουρον (im heutigen Griechisch ἄγουρι). Die Slawen haben wahrscheinlich sowohl die Pflanze selbst als auch ihre Bezeichnung von den Griechen übernommen (vgl. M. Vasmer, Et. Wb., 2, 253–4; ZfslPh, 19, 449). Das Entstehen der Vorform *ogur- erklärt V. Machek (Rost., 228) durch Dissimilation, wobei das nasale n vor dem Liquiden r schwindet („…asi prieš spodobu: n-r > r-r > O-r“).
Die Herkunft dieser Gurkenbezeichnung ist nicht ganz klar. Einige erklären gr. ἄγγουρον anhand griechischen Sprachmaterials. Ihrer Ansicht nach bedeutet dieses Wort „unreif, grün“ (ἄγουρος = ἄωρος). Semantisch ist diese Erklärung durchaus überzeugend, denn Gurken wurden gerade roh verzehrt, bevor sie vollständig reif waren (vgl. O. Schrader, Reall. 1, 653; V. Hehn, 320). Gr. ἄγγουρον wird auch mit pers. angūr „Weintraube“ in Verbindung gebracht (vgl. F. Miklosich, Et. Wb., 2, 371; V. Machek, Rost., 228). Es gibt nämlich eine bestimmte Sorte kleiner Gurken, deren Früchte Weintrauben ähneln. Schließlich lässt sich gr. ἄγγουρον sogar als Kontamination von pers. angūr und gr. ἄγουρος erklären (vgl. J. Holub, F. Kopečný, Et. sl., 254). Neben gr. ἄγγουρον ist auch die zusammengesetzte Gurkenbezeichnung τετράγγουρον belegt (V. Hehn, 316), von der die albanische Gurkenbezeichnung trangull abstammt (vgl. O. Schrader, Reall. 1, 653).
Zuerst dürften die südlichen Slawen mit Gurken in Berührung gekommen sein. Dies war durch die geografische Lage bedingt. Die Behauptung, das Wort огурец sei aus dem Polnischen ins Russische gelangt, entbehrt jeder Grundlage (vgl. V. Jagić, AfslPh, 7,495).
Nicht alle stimmen der griechischen Herkunft der slawischen Gurkenbezeichnung zu. So meint etwa P. Černych (Ист. гр., 301; Оч. лекс., 113), die Griechen hätten diese Bezeichnung wahrscheinlich von den Slawen übernommen. Die Slawen wiederum hätten seiner Ansicht nach (Оч. лекс., 61) eine solche Gurkenbezeichnung vermutlich irgendwo aus dem Osten erhalten. P. Černychs Erklärung lässt sich jedoch nur schwer begründen (vgl. auch Л. А. Булаховский, ВЯ, 1953, 1,137).
4. Aus dem Slawischen gelangte die Gurkenbezeichnung zusammen mit der Sache selbst auch in andere Länder. Diese Bezeichnung findet sich in den germanischen Sprachen: deutsch Gurke, schwed. gurka, dän. agurk, norw. agurk, engl. gherkin „kleine Gewürzgurke, Essiggürkchen“. In die germanischen Sprachen gelangte diese Gurkenbezeichnung vergleichsweise erst vor nicht allzu langer Zeit. Zuerst lernten die Deutschen sie kennen. Insgesamt kamen die Deutschen auf zwei Wegen mit dieser Pflanze in Berührung: über die Römer und über die Slawen. Dies zeigt anschaulich die geografische Verteilung der Gurkenbezeichnung in den deutschen Dialekten. In den südlichen und westlichen Teilen Deutschlands findet sich eine Gurkenbezeichnung, die von lat. cucumis, -eris stammt, in den übrigen Gebieten eine aus dem Slawischen entlehnte. Die Deutschen erhielten diese Bezeichnung über den Handelsweg aus dem Slawischen. Sie ist bereits in Sprachdenkmälern des 16. Jahrhunderts belegt (vgl. Trübners Wb., 259). In deutschen Sprachdenkmälern und Dialekten finden sich verschiedene lautliche Formen dieser Gurkenbezeichnung: Omorke, Umurke, Agurke, Augurke, Augurk, Gorken, Gurcken, Gorken, Gurchen, Ajurke (F. Weigand, 780-1;
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Trübners Wb., 259; O. Schrader, Reall., 1, 653; O. Schrader, IF, 17, 30). Eine ähnliche lautliche Vielfalt ist für viele Entlehnungen kennzeichnend. Über das Deutsche gelangte diese Gurkenbezeichnung auch in andere germanische Sprachen.
Aus dem Slawischen entlehnten auch die Ungarn eine Gurkenbezeichnung dieses Stammes: uborka, ugorka. Sie findet sich ebenfalls in den ostseefinnischen Sprachen. Dorthin gelangte sie auf zwei Wegen: aus dem Germanischen — estn. kurk, finn. kurkku (vgl. Л. Хакулинен, 2,63) — und unmittelbar aus dem Slawischen — finn. uggurits (vgl. J. Mikkola, Ber., 23). In späterer Zeit gelangte die Gurkenbezeichnung aus dem Russischen auch in einige andere Sprachen der Völker der Sowjetunion: evenk. огурец, bur.-mong. үгерцы, tuv. огурец, avar. охрец u. a.
5. Die Gurkenbezeichnung dieses Stammes findet sich auch in den baltischen Sprachen. Auch dorthin gelangte sie wahrscheinlich auf zwei Wegen.
Die Litauer entlehnten die Gurkenbezeichnung aus dem Slawischen. Ins Litauische könnte dieses Wort aus dem Polnischen oder Weißrussischen gelangt sein. K. Būga (Žd., 19) und A. Briukner (Fw., 66) sind der Ansicht, dass die Litauer diese Bezeichnung aus dem Polnischen übernommen haben. Andere lassen beide Möglichkeiten gelten (vgl. Pr. Skardžius, Lw., 26; E. Fraenkel, Et. Wb., 2; J. Otrebski, Tw., 3,5).
Phonetisch könnte lit. agù̄kas sowohl auf poln. ogurek (seit dem 16. Jahrhundert ogórek) als auch auf balt. огурокъ zurückgehen. Diese Form findet sich auch in verschiedenen Schriftstücken des Großfürstentums Litauen aus dem 16. Jahrhundert (vgl. K. Jablonskis, 451; K. Būga, Žd., 19). Eine solche Gurkenbezeichnung begegnet häufig in unseren alten Schriftdenkmälern. Sie findet sich bereits bei J. Bretkūnas, K. Širvydas und S. Chilinskis (vgl. K. Būga, Žd., 19). In den litauischen Dialekten finden sich neben der Form agù̄kas auch die Formen agù̄klas (Vkš, Užv, Kl, Ky, Škn, Grz, Krp, Plng, Skd; K. Būga, Žd., 19; L.k. žd., 1, 26), vagù̄klas (Slnt, Pln, Nv, Mžk, Sd, Krtn, Yl), gù̄klas (Štk; A. Bezzenberger, Lit. F., 116). Die Entstehung des Formans -l- erklärte K. Jaunius hier mit dem Einfluss des Wortes gurklys (vgl. K. Būga, Žd., 19). Eine solche Erklärung ist durchaus möglich. Der Wegfall des anlautenden Vokals a- würde möglicherweise ebenfalls teilweise den Zusammenhang dieser Wörter bestätigen. E. Frenkel (Et. Wb., 178) erklärt diese Frage anders. Seiner Ansicht nach sei das Wort gù̄klas aus dem Deutschen entlehnt, und das Formans -l- sei unter dem Einfluss des Wortes cviklas entstanden. E. Frenkels Erklärung lässt sich kaum zustimmen. Das einzige Argument dafür, dass dieses Wort aus dem Deutschen entlehnt sein könnte, ist das Fehlen des a-. Dieser Vokal könnte jedoch auch ohne Einfluss einer Fremdsprache weggefallen sein (vgl. weißruss. агурок: огурок, deutsch Agurke: Gurke u. a.).
Im Litauischen finden sich auch einige andere Pflanzennamen, die sich von der Gurkenbezeichnung herleiten, nämlich: agurkynas „Borrago officinalis“ (L.k. žd., 1, 25), agurkininkas „Gartenkraut mit großen, behaarten Blättern und Gurkengeschmack“ (L. k. žd., 1, 25), agurkės „Borrago officinalis“ (L.k. žd., 1, 25), agurklė „Borrago officinalis“ (L. k. žd., 1, 26), agurklialapis, agurklialapės „in schlammigen Seen oder ziemlich tiefen Tümpeln wächst ein Kraut, dessen Blätter auf dem Wasser schwimmen und klein sind (keine Seerosenblätter), dessen Blattstiele aber dünn und lang sind und bis zum Grund reichen“ (L. k. žd., 1, 25, 26). In den Wörtern agurklialapis, agurklialapės ist das erste -l- wahrscheinlich ein eingeschobener Laut, der unter dem Einfluss des zweiten -l- entstanden ist, denn die Wörter agurklas, agurklė werden in diesem Dialekt nicht verwendet.
Im Gebiet Lettlands findet sich auch der Wiesenname Agurkle, der ebenfalls mit lit. agurklė, agurklas in Verbindung zu bringen ist (vgl. J. Endzelīns, LV, I, 1,6).
6. Im Lettischen wird ebenfalls eine Gurkenbezeichnung dieses Stammes verwendet. Ihre Übernahme ins Lettische verlief etwas anders als die ins Litauische. Bereits in der Bibelübersetzung von E. Glück (1652—1705) finden wir die Form „to Augurkų“. Dies ist eine Entlehnung aus dem Mittelhochdeutschen.
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niederdeutsch. augurke (vgl. J. Sehwers, 4, 302). In G. F. Stenders Wörterbuch (1,393)) finden wir die Form augurkės, die ebenfalls als Entlehnung aus dem niederdeutschen augurke gilt (vgl. J. Sehwers, 302). In den Ergänzungen zu diesem Wörterbuch wird darauf hingewiesen, dass ansonsten die Singularform agurkis verwendet wird (vgl. ebenda, 302). In den östlichen Teil Lettlands könnte die Bezeichnung für die Gurke agurkis auch aus dem Slawischen gelangt sein (vgl. K. Būga, Žd., 19; И. Энделин, Жив. ст., 1899, 3, 253; A. Brückner, Fw., 166).
In der heutigen lettischen Literatursprache wird die Form gurķis verwendet. Auf den Wegfall des anlautenden a- könnte die deutsche Form Gurke Einfluss gehabt haben. Es könnte jedoch auch ohne äußeren Einfluss geschehen sein.
Im lettischen Dialekt der Fischer auf der Kurischen Nehrung wird die Form gurķe verwendet (vgl. J. Plāķis, 58). Dies ist eine Entlehnung aus dem Deutschen.
7. In den indogermanischen Sprachen finden wir mehrere Bezeichnungen für die Gurke. Die in den meisten slawischen Sprachen verwendete Bezeichnung für die Gurke stammt aus dem Griechischen. Aus dem Slawischen gelangte diese Bezeichnung ins Germanische, in einige finno-ugrische und baltische Sprachen. Die Litauer übernahmen die Bezeichnung für die Gurke aus dem Polnischen oder Belarussischen. Ins Lettische gelangte sie aus dem Deutschen. Ein Teil der Letten – die Latgallen – könnte die Bezeichnung für die Gurke jedoch auch aus dem Slawischen übernommen haben. Über die Bezeichnung für die Gurke im Altpreußischen wissen wir nichts.
Abkürzungen
alb. — albanisch angl. — englisch aukšt. — hochlitauisch avar. — awarisch baltr. — belarussisch bizant. — byzantinisch bulg. — bulgarisch bur. — mong. — burjatisch — mongolisch ček. — tschechisch dan. — dänisch dial. — dialektal est. — estnisch evenk. — evenkisch evenkik. — evenkisch gr. — griechisch ide. — indogermanisch isp. — spanisch it. — italienisch lat. — lettisch lenk. — polnisch liet. — litauisch lyb. — livisch lot. — lateinisch luž. — sorbisch mokš. — mokschanisch mol. — moldauisch norv. — norwegisch oland. — niederländisch pers. — persisch port. — portugiesisch pranc. — französisch rum. — rumänisch
rus. — russisch sen. — alt serb. — chrv. — serbisch — kroatisch slovėn. — slowenisch slovk. — slowakisch ssl. — altslawisch suom. — finnisch šved. — schwedisch tuv. — tuwinisch ukr. — ukrainisch vid. — mittel vok. — deutsch žem. — niederlitauisch
* * * Grz — Gruzdžiai Yl — Ylakiai Kl — Kuliai Krp — Kruopiai Krtn — Kretinga Kv — Kvedarna Mžk — Mažeikiai Nv — Nevarėnai Pln — Plungė Plng — Palanga Sd — Seda Skd — Skuodas Slnt — Salantai Skn — Sakyna Štk — Šateikiai Užv — Užventis Vkš — Viekšniai
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L I T E R A T U R
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