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Kapsų–Zanavykų tarmių būdvardžio ir skaitvardžio kaitybos bruožai

J. Senkus

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, III LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA FLEXIONSMERKMALE DES ADJEKTIVS UND DES NUMERALES IN DEN DIALEKTEN DER KAPSEN UND ZANAVYKEN1 J. SENKUS I. DAS ADJEKTIV Genus Wie auch in den schriftlich beschriebenen Dialekten der Kapsen und Zanavyken (Kalvarija, Kapsukas, Kazlų Rūda, Vilkaviškis, südlicher Teil des Kreises Šakiai und einige Teile anderer Kreise)2 gibt es drei grammatische Geschlechter des Adjektivs: Maskulinum, Femininum und Neutrum, z. B.: báltas, -à, bála; júodas, -à, júoda; mažas, -à, mažà; sótus, -i, sótu; sū́rus, -i, sū́ri. Bei den Adjektiven einiger Stämme, z. B. ja-Stämmen mit femininem ė, fehlt das Neutrum vollständig. Es gibt auch Adjektive der a-Stämme mit femininem o, die kein Neutrum haben, z. B.: bāsas, -à, kvaišas, -à; einige Adjektive besitzen dagegen nur das Femininum, z. B.: dėdinga ažista, eringa avis, neščia moteris, veršinga karvė. Das Neutrum der u-stämmigen Adjektive ist vergleichsweise recht lebendig: aišku, gaižu, gardu, gražu, kartu, lygu, stipru, tanku, nemandagu... Dazu gibt es auch zahlreiche schöne Vergleiche und Redensarten, z. B.: Šviesu kap nô mėnulio (nicht sehr hell) Gs.3 Tamsù — ką nors į akį durk (sehr dunkel) Plv. Gelegentlich findet sich ein vereinzeltes Beispiel, in dem das Neutrum nahezu allein steht, z. B.: Šiteip perdaug įkypų pjauti — pjaukim tiesiau Brt. Das Wort įkypų ist in den beschriebenen Dialekten nicht als maskuline oder feminine Form zu hören. Das Adjektiv kongruiert gewöhnlich mit dem Substantiv. Bei einigen Substantiven können Form und Genus des Adjektivs voneinander abweichen, z. B.: Baisūs lapė (lieb, schlau) tas Jorič Nmn. Tibrà velniūkštis ta mergiščia Alyt. Bei den in der Endung des a-Stamms betonten Adjektiven unterscheidet sich das Neutrum vom Nominativ Singular des Femininums nur durch die Akzentstelle, z. B.: šaltà žiema ir baisèi šàlta, trumpà diena ir trùmpa dienõs. 1 Gelegentlich werden auch einige wichtigere Besonderheiten der Wortbildung, des Gebrauchs oder anderer Art behandelt. 2 Weitere Informationen siehe im Aufsatz von J. Senkus, Die Deklination der vokalisch anlautenden Stämme der Substantive in den Dialekten der Kapsen und Zanavyken. — Arbeiten der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR (im Folgenden MAD), A 2 (7), 167, 1959. 3 Die bei den Beispielen angegebenen Abkürzungen der Ortsangaben sind dieselben wie im Wörterbuch der litauischen Sprache, 5, verantwortlicher Redakteur K. Ulvydas, Vilnius, 1959, oder im Aufsatz von J. Senkus, Der Gebrauch der Präpositionen und ihre wichtigeren Bedeutungen in den Dialekten der Kapsen und Zanavyken, MAD, A 1 (8), 125—150, 1960. 133 Das Neutrum des Adjektivs ist unflektierbar und kann adverbiale Funktionen übernehmen. Im Satz wird das Neutrum manchmal durch ein Adverb ersetzt, z. B.: Má visur gera || geraǐ Gs. Jam visko mažà || mažąj Alk. Es kommen beide Formen nebeneinander im selben Satz vor, z. B.: Nèr te gerai, kur tiktai vienam gera Žal. Das Neutrum wird jedoch in solchen unpersönlichen Sätzen und Wendungen nicht durch ein Adverb ersetzt, wie etwa: Kur trūmpta, te trūksta. Kur raudona, te gražu, kur miela, te akys Gs. Diemėtės jau dabar ilga Ply. Vyrs — ką miela pažiūrėti (gut gewachsen, schön) Žal. Pakilęs išė, nė juoda, nė balta (niemandem etwas gesagt, weder Schlechtes noch Gutes) nesakes Gs. Außerdem werden in bestimmten Wendungen oder in einer Negationskonstruktion manchmal parallel das Neutrum und der Genitiv Singular Maskulinum verwendet, z. B.: Nieko gera || gero iš jo nebus Ply. Kas gero || gerą (ret.) pas jus girdėt? Vlkv. Numerus Das Adjektiv hat in den beschriebenen Mundarten ebenso wie im Litauischen drei Numeri: Singular, Plural und Dual. Der Dual wird sehr selten verwendet, und zwar nur dann, wenn das Adjektiv bei einem Substantiv steht, das in der Dualform erscheint (mit den Numeralien du, abu, abudu a, ja, u, ju-Stämmen im Nom. und Akk. Sg.), z. B.: Ir atjojo du bernelíu, abu gražiu jaunytėliu Nm. Sutikau du jaunu vyru Grl. Vgl. auch: Mudu du broliukai, abu neženotu Gs. Besonders selten ist der Dual der Adjektive im Femininum; vielleicht kommt er in der zanavykischen Mundart etwas häufiger vor, z. B.: Turė tik dvi raibi višteli iš daugiau nieko Grš. Vgl. das Numerale du, dvi. Die Dativform des Plurals stimmt mit der Form desselben Kasus im Dual überein, z. B.: dviem ir visiem geriem vaikam. Komparation In den beschriebenen Mundarten gibt es vier Steigerungsstufen des Adjektivs: 1. den Positiv, 2. den Komparativ, 3. den Superlativ und 4. den höchsten aller Grade, der eine intensivierte Variante des Superlativs ist, z. B.: gėras, -à, geresnis, -ė, geriausias4, -ia, pac (visų, gerų, ko) geriausias, -ia. Wie wir sehen, kann der höchste Grad auch als der höchste von allen5, als der höchste der Höchsten oder als der höchste Grad von allem (womit auch immer) bezeichnet werden. Komparativ und Superlativ werden mit Suffixen gebildet, der vierte Grad dagegen besteht aus zwei Teilen, deren erster in vier Formen vorkommt; den ersten Teil können bilden: 1) der entsprechende Kasus des Pronomens pác (pats), pati, 2) der Genitiv Plural des Pronomens visas oder des Adjektivs im Positiv, das gesteigert wird, 3) der Genitiv Singular des Pronomens kas, manchmal auch der Instrumental, 4) die Präposition už mit der Akkusativ-Plural-Form des Pronomens visas, visa; als zweiter Teil dient die Superlativform des gesteigerten Adjektivs6 4 Die Endung des Maskulinums im Superlativ lautet -ias; die Endung -is ist sehr selten oder kommt überhaupt nicht vor. Vgl. auch: Kas saldžiausias, kas riebiāusias ir kas greičiausias? — Saldžiausias — miegas, riebiausia — žemė, greičiausia — mintis Ig. 5 Plg. J. Jablonskis, Rinktiniai raštai (sudarė J. Palionis), 1, 206—207, Vilnius, 1957. 6 Wenn der erste Teil des vierten Grades aus der Präposition už mit der Genitiv-Plural-Form des Pronomens visas besteht, kann der zweite Teil auch die Komparativform des gesteigerten Adjektivs sein, z. B.: už visas meilesnė. 134 Form des Grades, z. B.: Apsiženijo su pačia || višų, gražių || ko (kuo) gražiausia mergina Gs. Nuė (nutekė) į pačią || višų, tolymių (tolymių?) || ko tolymiausią apylinkę Gs. Apsigyveno pačiām || višų, gerų (gerių) || ko geriausiam name Gs. Mano, ka ji už visas gražiausia Žal. Die Pronomen pač, visų, ko (kuo) bilden mit einfachen Adjektiven im Superlativ eine einzige syntaktisch-semantische Verbindung, indem sie den allerhöchsten Grad ausdrücken, z. B.: Išrinko patį geriausią (obuolį) Alk. Patys geriausi šienai supuvo Dkš. In den beschriebenen Dialekten kommt auch eine Form vor, die aus dem Pronomen pač, pati und einem pronominalen Adjektiv gebildet ist, z. B.: pač gerasis, pati jaunoji. Ihrer Bedeutung nach passt diese Form in den beschriebenen Dialekten eher zum Positiv, als verstärkte und intensivierte Bedeutungsvariante desselben, und nicht zum allerhöchsten Grad. In Lk konnte keine Form des Elativs in den beschriebenen Dialekten beobachtet werden. Neben den oben genannten Graden gibt es in den beschriebenen Dialekten auch eine Nuance mit einer Bedeutung unterhalb des Positivs. Zur Bezeichnung einer Eigenschaft, deren Bedeutung unterhalb des Positivs liegt, werden zwei Formen verwendet: 1) mit dem Präfix apy- (apýjaunis, -ė)⁸, 2) mit dem Suffix -okas, -a (jaunókas, -a). Beide Formen haben dieselbe Bedeutung — eine Bedeutung unterhalb des Positivs, z. B.: Jau apýšiltis || šiltókas vanduo— galima maudytis Plv. Apýsenė || senóka moters, o dá greita Gs. Vieni lėtókos || apýletės šnekos, kiti greitakalbei Žal. Um Garliava herum werden diese Formen mit der Bedeutung des Elativs verwendet⁹. Alle diese Formen könnte man nicht dem Grad, sondern einer ganz anderen lexikalischen Wortbedeutung zuordnen. Dennoch scheint es einem Sprecher des heimischen Dialekts besser, sie mit dem Begriff des Grades in Verbindung zu bringen. Alle oben genannten Adjektivgrade haben, abgesehen von der gelegentlichen Form mit dem Präfix apy- und einigen Formen des allerhöchsten Grades, nicht nur ein Maskulinum und ein Femininum, sondern auch ein Neutrum, und zwar: 1) Grad unterhalb des Positivs: gražóka || apýgražu, mažóka, 2) Positiv: gražu, mažà, 3) Komparativ: gražiaì(s), mažiaì(s), 4) Superlativ: gražiausia, mažiausia || gražiau, mažiau, 5) allerhöchster Grad: visų || gražių || ko gražiausia (gražiau), visų || mažų (mažių) || ko (kuo) mažiausia (mažiau)¹⁰. Wie wir sehen, haben mit Ausnahme des Positivs alle übrigen Adjektivgrade im Neutrum jeweils zwei oder sogar mehrere Formen; besonders ausgeprägt ist dies beim allerhöchsten Grad. Die Komparativform mit einem zusätzlichen s (gražiaùs, mažiaùs) wird eher von älteren Dialektsprechern verwendet und gilt als älter. Der Superlativ hat auch eine Kurzform: gražiau, mažiau, mieliau: Mà čia už vis gražiau Žal. Vsiems mie- 7 Der Genitiv Plural des a-Stamms hat auch eine ju-Stamm-Form. 8 Formen mit den Präfixen po-, pa- sind gelegentlich im Litauischen Hochsprachgebrauch (pógeris, -ė, pójaunis, -ė) oder in anderen Dialekten gebräuchlich (ostlitauisch pajáunas, -a, pagėras, -à), den Kapsen und Zanavykern jedoch unbekannt. Anstelle von apy- sagt man manchmal auch ap-. Ta sesuo apsenė Nm. 9 Žr. M. Sapijonaitė, Garliavos tarmė (diplominis darbas, rankraštis Vilniaus Valstybiniame V. Kapsuko vardo universitete, Lietuvių kalbos katedroje), 51, 1951. 10 Auch adverbiale Adjektivformen werden ähnlich gesteigert; ihre Formen stimmen meist mit den Formen einiger Grade des Neutrums überein. Eine solche Vielfalt ist dem Autor am besten aus der pazanavykische Kapsen-Unterdialektart bekannt. 135 liáu tèviškėje Gs. Diese verkürzte Form wird auch im Superlativ verwendet. Es kommen erhaltene Formen des Komparativs oder Superlativs von Adjektiven des Neutrums vor, obwohl die Formen des Positivs bereits nicht mehr vorhanden sind, z. B.: Man tas juokiã, kad jį usigavo Grl. Juokiãnsia má bo iš jo, kai jis apverto į grabę Gs. Es gibt auch nicht steigerbare Adjektive, zum Beispiel: 1) Adjektive mit den Suffixen -inis, -ė, -autinis, -ė, mit Ausnahme einiger weniger Wörter, z. B.: paskutinis, -ė, paskutinėnsis, -ė, paskutiniãusias, -a (Atė paskutiniausia diena, į dú negãtava Gs.), pirmutinis, -ė, pirmutinėnsis, -ė, pirmutiniausias, -a; 2) einige zweisilbige Adjektive, z. B.: bãsas, gulščias, pėkščias, rãitas; 3) einige mehrsilbige Adjektive, z. B.: uždaras, ãdaras, ãtbulas. Hierzu zählen auch Adjektive mit dem Präfix pa-, die selten (häufiger nur in der Folklore) gesteigert werden, z. B.: Padainuosiu gražią dainą, gražią dainą apalainą, pailgesnę — dá dailesnę Plv. Außerdem kommen nicht steigerbare, von Substantiven abgeleitete Adjektive mit den qualitativen Suffixen -ingas, -iškas, -uotas u. a. vor, z. B. versingas, miltuotas, mėšliškas. Zur Bezeichnung der hier genannten Steigerungsgrade der Adjektive werden manchmal Adverbien verwendet, z. B.: No maišų nešiojimo labiausia miltuota kupra Vlkv. In den beschriebenen Dialekten gibt es das eine oder andere Adjektiv im Komparativ und Superlativ, das von einem Substantiv abgeleitet ist. Neben vyresnis, vyriausias, gibt es beispielsweise auch šunėnis, šuniáusia11; ponėnis, poniáusias. Kasus Wie Substantive haben Adjektive sieben Kasus. Die Form des Vokativs unterscheidet sich von der des Nominativs nur bei Adjektiven mit einem Stamm auf ja, Femininum -ė, und nur im Singular; bei allen anderen Adjektiven stimmen die Nominativ- und Vokativformen in den beschriebenen Dialekten überein. Wie bei anderen flektierbaren Wortarten gibt es auch beim Adjektiv die meisten Variationen der Flexion im Kasus; daher wird gewöhnlich darüber auch am ausführlichsten gesprochen. 1. Deklination der einfachen Adjektive Die Kasusendungen der Adjektive in den beschriebenen Dialekten stimmen in vielen Kasus mit den Endungen derselben Kasus anderer Wortarten überein12. Die Adjektive der Dialekte weisen ebenso wie im Litauischen drei Deklinationsklassen auf. Hier wird die Adjektivdeklination nicht nach Deklinationsklassen, sondern wie bei den Substantiven nach Stämmen dargestellt. Eine vollständige Darstellung des Adjektivdeklinationssystems der beschriebenen Dialekte wird nicht angestrebt — vor allem sollen nur besonders charakteristische oder abweichende Formen hervorgehoben werden. 11 Vgl. Jis už visus šuniáusias (am schlechtesten, am nichtigsten, am schlimmsten) Gs. 12 Plg. J. Senkus, Daiktavardžių linksniavimo kapsų ir zanavykų tarmėse bruožai, MAD, A 2 (9), 1960. 136 a, Femininum, o-Stamm Zweisilbige Adjektive Maskulinum Singular Plural N. weiß baltì K. weißen báltų N. baltám, báltam, baltui, báltu13 baltíem(s) G. weißes báltus I. báltu baltaìs Lok. báltam, báltame, báltam(e) baltuõs, baltuõse, baltuõse Femininum Nom. baltà báltos Gen. baltõs báltų Dat. báltai, báltai baltõm(s), baltõm(s) Akk. báltą báltas Lok. baltà, báltą baltõm(s), baltomìs, baltõm(s) Vt. baltõ(j), baltoję, baltój baltõse, baltõse Maskulines Genus V. mažàs mažì K. mažõ mažų N. mažám, mažui, mažų mažíem(s) G. mažą mažùs Į. mažù mažais Vt. mažám, mažame mažuõs, mažuõse, mažuõse Weibliches Geschlecht Nom. mažà mažõs Gen. mažõs mažų Dat. mažài, mažài mažõm(s), mažõm(s) Akk. mažą mažàs Instr. mažà mažõm(s), mažomìs, mažõm(s) Lok. mažõ(j), mažõje, mažõj mažõse, mažõse 13 In einzelnen Kasus können außer den hier angegebenen noch weitere Endungs- und Akzentvarianten vorkommen; in allen Paradigmen wird die weiter verbreitete Variante zuerst aufgeführt; wenn die Betonung auf zwei Arten möglich ist und sich schwer sagen lässt, welche Variante weiter verbreitet ist, wird die Form manchmal einmal mit zwei Akzenten geschrieben. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Wort bei einer einzigen Aussprache zwei Akzente hat, z. B. baltõm(s), lygiùos (siehe unten). 137 Mehrsilbige Adjektive Maskulinum V. mėlynas mėlyni, mėlyni K. mėlyno mėlynų, mėlynų N. mėlynam, mėlynam, mėlynu, mėlynu mėlyniem(s), mėlyniem(s) G. mėlyną mėlynus Į. mėlynu mėlynais, mėlynais Vt. mėlynam, mėlyname, mėlynam(e) mėlynuos, mėlynuosė, mėlynuose, mėlyniūse Femininum V. mėlyna, mėlyna mėlynos K. mėlynos, mėlynos mėlynų, mėlynų N. mėlynai, mėlynai mėlynóm(s), mėlynõm(s), mėlynom(s) G. mėlyną mėlynas Į. mėlyna, mėlyna mėlynõm(s), mėlynomis, mėlynõm(s), mėlynom(s) Vt. mėlyno(j), mėlynoje, mėlynoj, mėlyno(j), mėlynoje mėlynose, - mėlynose, mėlynõse Endung. Bei Maskulina im Singular Dativ wird neben der pronominalen Endung bisweilen auch die substantivische Endung verwendet: in den Zanavykai- und Kapsai-Dialekten I (Vilkaviškis u. a.) -ui (báltui, mėlynui), in den Kapsai-Dialekten II (Kapsukas u. a.) -u (báltu, mėlynu). Diese Endung kommt häufiger vor, wenn neben dem Adjektiv ein Substantiv steht, z. B.: Einem solchen bärtigen Mann Vilkv. Der Lokativ Singular und Plural Maskulinum wird sowohl bei den Kapsen (im Folgenden — kp) I als auch bei den Zanavykern meist ohne das auslautende -e (báltam, mėlynam, baltuõs, mėlynuõs)¹⁴ ausgesprochen; kpII spricht ihn meist mit auslautendem e. Der Lokativ Singular Femininum wird häufig ganz ohne Endung verwendet — als reiner Stamm (báltõ, mažõ, mėlynõ). Der Dativ Plural Maskulinum und Femininum wird meist ohne auslautendes s ausgesprochen (báltiem, baltõm, mėlyniėm, mėlynõm). In den Schriften von Salomėja Nėris, die aus kpI stammte, findet sich die archaische Form mažiemus15, die dem Dialekt fremd ist und die die Dichterin wahrscheinlich aus Reimgründen verwendet hat. Die häufigste Form des Instrumentals Plural Femininum hat ein auslautendes m (baltõm, mėlynõm); am seltensten wird sie mit der Endung s gesprochen. Die Vollform der Endung wird offenbar stärker unter dem Einfluss der Schriftsprache gebraucht. Das Neutrum hat die Endung -a: báltą, mažą, mėlyna. Bei zweisilbigen Adjektiven unterscheidet sich das Neutrum vom Nominativ Singular Femininum durch die Betonungsstelle – das Neutrum wird auf der Wurzel betont. Zu diesem Stammtyp gehört auch die Deklination von Adjektiven mit dem Diminutivsuffix -ukas, -ė (a, mot. g. ė kamieno). Ihr Maskulinum Singular wird im Allgemeinen wie ein Adjektiv oder Substantiv des a-Stamms flektiert, der Plural wie ein Substantiv des a-Stamms. Das Femininum wird wie der ė-Stamm flektiert— 14 Die Betonungsstelle oder der Intonationsakzent wird hier nur für die häufigste und am weitesten verbreitete Form angegeben, 15 Salomėja Nėris, Raštai, 1, 206, Vilnius, 1957. 138 Substantiv. Aus dem gesamten System fällt nur der Lok. Sg. mit seinen sehr vielfältigen Formen heraus; im kpI gibt es beispielsweise: mažiūkam(e) — eine adjektivische Form des a-Stamms, mažiūkiam(e) — eine adjektivische Form des Pronominal- und ja-Stamms, mažiukė — eine substantivische Form des a-Stamms, mažiuky(je) — eine substantivische Form der į- und ja-Stämme. Einige der hier genannten Formen sind auch aus dem kpII bekannt, z. B.: mažiūky, baltūky Kps., Dkš., mažiūkiam, baltūkiam Dkš. Akzentuierung. Wie die deklinierten Beispiele zeigen, gibt es in den beschriebenen Dialekten nicht nur unterschiedliche Endungen desselben Kasus, sondern auch verschiedene Akzent- und Intonationsverhältnisse, von denen manchmal sogar die Endungen selbst abhängen. Viele benachbarte Akzentuierungsmerkmale finden sich an denselben Orten der beschriebenen Dialekte. Die angeführten Beispiele für zweisilbige Paradigmen weisen einen fallenden bzw. steigenden Ton auf, die mehrsilbigen einen fallenden. Zweifellos gibt es auch Beispiele mit kurzem Ton. Der Dat. Sg. Fem. wird meist auf der Endung betont; Stamm- und stammbetonte Akzentuierung (báltai, mažai, ápškritai) ist selten. Ebenso wird der Dat. Sg. der zweisilbigen ja-stämmigen Adjektive im Femininum betont, z. B.: gražėi (grąžėi), sočėi (sóčėi), žálėi (žálėi). Näheres siehe beim ja-Stamm, Femininum. Im Lok. Sg. und Pl. Mask., bei verkürzter Endung, liegt der Akzent infolge des Intonationswechsels auf der steigenden Intonation (mažām, mažūos). Meist ist dies auch im Lok. Sg. Fem. der Fall, z. B. mažō(j). Im Lok. Sg. Fem. und im Dat. oder Instr. Pl., bei verkürzter Endung, ist manchmal, besonders im kpI, auch ein kurzer Ton zu hören, z. B.: mažōj, mažōm(s). Die übereinstimmenden Endungen des Dat. und Instr. Pl. Fem. unterscheiden sich meist durch die Intonation: Der Dat. hat einen fallenden Ton (mažōm), der Instr. dagegen einen steigenden Ton (mažōm). Beide Kasus werden mit kurzem Ton ausgesprochen (mažōm). Es kommt auch vor, dass sich der Ton undeutlich auf dem Konsonanten m konzentriert (mažōm). All dies zeigt, dass sich der Ausspracheunterschied der Intonation dieser Kasus nivelliert. Im Kapsai-Unterdialekt II liegt der Akzent im Pl. Lok., wenn die Endung nicht verkürzt wird, gewöhnlich auf der vorletzten Silbe. Die Intonation wird besonders im kpIIr (östliche Gebiete – Naujoji Ūta, Garliava) undeutlich ausgesprochen, ist aber von alters her fallend (mažōse, mažūose); deshalb wird sie hier auch so gekennzeichnet. Das Adjektiv mėlynas gehört zur Akzentklasse III und I: mėlynėm || mėlynėm. Die Akzentklasse I ist seltener. Doppelte Akzentuierung findet sich auch bei Adjektiven mit den Suffixen -onas, -a, -ėtas, -a, -ingas, -a, -ybas, -a usw., z. B.: raudōna, raudōni, dūlkėtas, -a, dūr-pėtas, -a (Dūr-pėtas maišas Gs.), vėjingas, -a (Vėjinga diena Kbr.), mīltingas, -a, ankstyba, vėlybā¹⁶. Es gibt auch einige andere Akzentuierungsvarianten oder Unterschiede zur Akzentuierung im Ik; beispielsweise wird im Raum Vilkaviškis betont: senývas, -ā, akýlas, -ā (akýlas, -a), gailývas, -à (Jis tokios gailývos širdies Gs.), rīmtas, -à, láis-vas, -à¹⁷. Das betonte Präfix pa- wird in den beschriebenen Dialekten nur mit kurzem Ton betont (pàprastas)¹⁸. 16 In der Literatursprache werden sie nur auf dem Suffix und ausschließlich nach Akzentklasse I betont, vgl. J. Žiugžda, Lietuvių kalbos gramatika, 1, 97, Vilnius, 1957; A. Laigonaitė, Literatūrinės lietuvių kalbos kirčiavimas, 52—53, Vilnius, 1959. 17 Vgl. J. Žiugžda, a. a. O., 97—98. Hier wird weder angestrebt, das vollständige Deklinations- und Akzentuierungssystem der Adjektive in den beschriebenen Dialekten noch sämtliche Unterschiede ihrer Akzentuierung gegenüber dem Ik anzugeben; es werden lediglich einige besonders auffällige Akzentunterschiede aufgezeigt. 18 In den Dialekten oder schriftlichen Quellen finden sich sogar pàilgas, pàtikimas — siehe J. Otrębśki, Gramatyka języka litewskiego, 3, 103—104, Warszawa, 1956. 139 u, sein Stamm im Femininum Zweisilbige Adjektive Maskulinum Singular Plural V. saldùs, tam̃sìs saldūs, tam̃sūs K. saldãũs, saldžio; tam̃sãũs, tam̃sio saldžių N. saldžiàm, saldžiui; tam̃siam saldìem(s) G. saldų, tam̃sų saldžius, tam̃sius Į. saldžiu, saldžiu, saldžiùm; saldùm; tam̃siù saldžėis Lok. süßem, süßen19 süßen, süßen, süßen Š. (saldùs) (saldūs, tam̃sūs) Femininum V. saldì saldžios, tam̃sios K. saldžios saldžių N. saldžėi, tam̃sėi saldžiom(s), saldžiom̃(s) G. saldžią, tam̃sią saldžias, tam̃sias Ein. süß, dunk mit süßen, süßen L. süßem, süßer in süßen, süßen Š. (saldì) (saldžios, tam̃sios) Endung. Die Formen einiger Kasus der Adjektive dieses Stammes sind meist in andere Stämme übergegangen; anders gesagt, ihre Endungen sind dieselben wie die Endungen der pronominalen Adjektive der ja- und jo-Stämme, nur haben ihr Mask. Sg. Nom., Gen. und Akk. (manchmal Instr.) sowie Pl. Nom. die u-Stamm-Endungen bewahrt. Die zweite Genitiv- und Dativform des Adjektivs saldus im Singular ist selten; die zweite Genitivform von Wörtern wie tamsus, gardus, gražus (tamsio, gardžio, gražio) wird nur im kpIIr-Dialekt etwas häufiger verwendet. Die zweite Form des Singular-Instrumentals kommt hauptsächlich nur in der Sprache älterer Dialektsprecher oder in der Folklore vor, z. B. kpI: Pagirdė vaiką su saldžiùm pienu VIkv. Dasselbe gilt für die dritte Form (saldūn). Diese gelegentlich hier und da vorkommende Form, z. B.: baisùm Alk., gražùm20, lygùm Kps., ist die ältere, bei den Ostlitauern weiter verbreitete Form, dieselbe wie bei den Substantiven des u-Stammes21. Die Lokativformen im Singular und Plural stehen gewöhnlich ohne e, z. B.: saldžiàm, saldžiuõs. Die vollständigen Formen (mit e) sind viel seltener. Die Dativform im Plural steht meist ohne s: saldìem, tam̃siem, gražiem. Gelegentlich wird sie auch mit s verwendet (saldìems). 19 Wenn sich der zweite Adjektiv (tamsus) in der Endung und Betonung nicht vom ersten (saldaus) unterscheidet, wird er ausgelassen. 20 M. Sapijanskaitė, Garliavos tarmė, 52. 21 Plg. J. Endzelynas, Baltų kalbų garsai ir formos, 136. Vilnius, 1957. 140 Das Femininum (saldì, tamšì, gražì) wird wie ein Substantiv mit jo-Stamm flektiert (martì, patì).22 Erwähnenswert ist ferner, dass einige Adjektive mit Ik u-Stamm, z. B. stiprus, vikrus, ūmus, mitrus, im Unterdialekt kpII (etwa in der Gegend um Jiestrakis, Rajon Prienai) zwar seltener auch auf a enden; Formen mit dem Stamm stipras, vikras, mìklas, ūmas, mitras (Fem. stipra usw.) kommen jedoch ebenfalls vor. Solche Erscheinungen gibt es auch im Unterdialekt kpI: Neben dem verbreiteteren gaì- žùs, -ì hört man bisweilen auch gažàs, -à: Išvirė gažą sriubą Žal. Betonung. Der Dativ Singular Femininum wird gewöhnlich auf der Endung betont, zum Beispiel: saldžèĩ ~ saldžiai, gražèĩ, tamšèĩ; seltener wird er auch mit Betonung auf dem Stamm ausgesprochen: gražèĩ, tamšèĩ, saldžèĩ. Im Lokativ Singular Femininum werden drei Formen verwendet, von denen auch die unterschiedliche Betonung abhängt: tamšiõ(j), tamšioje, tamšiõj. Besonders vielfältig ist die Betonung im Instrumental Plural Femininum. Mitunter liegt der Zirkumflex auch auf dem Konsonanten m: gražiõm(s). So wird mitunter auch der Dativ Plural Femininum ausgesprochen. Adjektive mit u-Stamm tragen den Akzent überwiegend auf der Endung. Adjektive wie lygūs aiškūs, sotūs, tankūs werden im Unterdialekt kpI meist auf dem Stamm betont, besonders in der Sprache älterer Menschen; diese Betonung ist wohl auch im gesamten Gebiet der beschriebenen Dialekte anzutreffen, obwohl in einzelnen Kasus bereits Endungsbetonung vorkommt. Singular N. lygūs aiškūs sotūs tankūs; G. lygaus aiškaus sotaus tankaus; D. lýgiam aiškiam sočiām, sočiām tánkiam, tankiám; A. lygų aiškų sotų tankų; I. lygiu aiškiu sočiu tankiu; L. lygìam, lygìame aiškiam, aiškiame sočiām, sočiame tankiàm, tankiame Plural N. gleich klare satte dichte K. gleicher klarer satter dichter D. gleich(en) klar(en) satt(en) dicht(en) A. gleiche klare satte dichte I. gleiche klare satte dichte L. gleich(en), gleiche(n) klar(en), klare(n) satt(en), satte(n) dicht(en), dichte(n) Ähnlich wird auch das Femininum betont. Von der III. Akzentklasse sind hier als Nebenformen nur drei Kasus angegeben, da diese meist so betont werden, obwohl in anderen Kasus ebenfalls eine doppelte Betonung vorkommen kann. Im Plural-Lokativ steht der Akzent in der kpII-Unterform, wenn er nicht auf dem Stamm liegt, auf der vorletzten Silbe, z. B.: schönen, schönen (auch mit fallender Intonation ausgesprochen). 22 Žr. J. Senkus, Daiktavardžių linksniavimo kapsų ir zanavykų tarmėse bruožai, MAD, A 2 (9), 1960. 141 Außerdem unterscheidet sich der Akzent einzelner Adjektive manchmal von der Betonung der 1k-Klasse; beispielsweise wird in kpI1r sunkus ausgesprochen. Das Adjektiv skaidrùs wird überwiegend auf der Endung betont, ist aber in den beschriebenen Dialekten nicht weit verbreitet. Die Betonungseigenschaften anderer u-stämmiger Adjektive sind fast immer dieselben wie in den Paradigmen der Wörter saldus, tamsus. Bei Adjektiven der I. Akzentklasse wird das u-stämmige Neutrum auf dem Stamm betont, z. B.: áišku, lýgu, sótu, tánku; andere Adjektive werden unabhängig vom Akzenttyp des Stammes auf der Endung betont, z. B.: gražù, saldù, tylù, smagù, sūrù, rùkštù; es kommen auch doppelt (auf dem Stamm und der Endung) betonte Formen vor, z. B.: baisù, baigù, bjaurù, graždù, nýkù, skaudù, stiprù, svaĩbù, sunkù, šviesù, tiesù, týkù, týlù. Dies ist gewöhnlich bei Adjektiven mit fallender Intonation der Fall; einzelne doppelt betonte neutrale Adjektive haben jedoch auch steigende Intonation, z. B. brángù. Ältere Dialektsprecher betonen häufiger den Stamm, jüngere hingegen die Endung. Die Stammbetonung ist älter²³, aber inzwischen seltener. Auch bei pluralischen neutralen u-stämmigen Adjektiven kommen doppelte oder sogar dreifache Betonungsmöglichkeiten vor, z. B.: nuožulnù, nuobódù. Mehrsilbige Adjektive Maskulinum Singular | Plural Nom. mandagùs | mandagūs Gen. mandagáus, mandagió | mandagių Dat. mandagiam | mandagiem(s) Akk. mandagų | mandagiùs Instr. mandagìu | mandagẽis Lok. mandagiam, mandagiamè | mandagiuõs, mandagiuõse, mandagiuõse Femininum Nom. mandagì | mandágios Gen. mandagiós | mandagių Dat. mandagẽi | mandagiom(s), mandagiõm(s) Akk. mandagią | mandagiàs Instr. mandagià | mandagiom(s), mandagiomis, mandagiõm(s) Lok. mandagió(j), mandagioje, mandagiój | mandagiosè, mandagióse Akzentuierung. Wie das Paradigma zeigt, verlagern Adjektive dieses Typs in den beschriebenen Dialekten den Akzent von der Endung nicht auf die erste, sondern auf die vorletzte Silbe; sie gehören zur Akzentklasse IV. Im Plural stehen Dativ und Akkusativ unter Endungsakzent. Ebenso werden alle mit Präfixen gebildeten oder zusammengesetzten Adjektive mit u-Stämmen im Maskulinum und Femininum akzentuiert, z. B.: apvalùs, acarùs, įkyrùs, išlaidùs, nuolaidùs, paklusnùs, pravartùs, privalùs, neprierangùs, sumanùs, užgaulùs, akylandùs, akyvaisùs. 23 Plg. K. Būga, Lietuvių kalbos žodynas, 1, XLVII – L psl., Kaunas, 1924. 142 Ältere Vertreter der Dialekte akzentuieren manche mehrsilbigen Adjektive dieses Stammtyps, z. B.: mandagùs, nuobodùs, sandarùs, bisweilen verlegen sie den Akzent auch auf die erste Silbe (nach Akzentklasse III), z. B.: mandagų, nuobodų, sandarius²⁴. ja, Femininum, jo Stamm Maskulinum Singular Plural Nom. pėkščias pėkšti, pėkšti Gen. pėkščio pėkščių, pėkščių Dat. pėkščiam, pėkščiam, pėkščiui pėkštiem(s), pėkštiem(s) Akk. pėkščia pėkščius Instr. pėkščiu pėkščiais, pėkščiais Lok. plokščiam(e), plokščiam(ė) plokščiuos(e), plokščiuòs, plokščiuose Femininum Nom. pėkščia, pėkščia pėkščios Gen. pėkščios, pėkščios pėkščių, pėkščių Dat. pėkščei, pėkščei pėkščiȯm(s), pėkščiȯm(s), pėkščiȯm(s) Akk. pėkščą pėkščias Instr. pėkščia pėkščiȯm, pėkščiȯm(īs), pėkščiȯm(s) Lok. plokščioj(e), plokščio(jė), plokščioj plokščiose, plokščioše, plokščiȯse Endung. Allgemein sind die Endungen aller Kasus dieses Stammes, kann man sagen, dieselben wie beim a, femininen o-Stamm. Der wesentliche Unterschied besteht lediglich darin, dass hier der den Stammabschluss bildende Vokal weich und affrikatisch ist. Die substantivische Endung -ui im Singular Dativ ist sehr selten — sie wurde nur gelegentlich in der Sprache der kpI gehört. Das Adjektiv plokščias weist in einigen Kasus gelegentlich Endungen des u-Stammes auf, z. B.: plokštūs, plokštaũs, plókštūs Gen. Sg. Der Nom. Sg. Fem. des Adjektivs didis lautet didė (ė-Stamm), während alle übrigen Kasus zwei Stämmen (jo- und ė-Stamm) angehören, z. B.: didžios || didės, didžėi || didėi. Akzentuierung. Die Adjektive pėkščias, pėkščia; kniūpščias, kniūpščia; plókščias, plókščia; paplókščias, paplókščia weisen (zumindest im kpI) zwei Akzentuierungsmuster auf, nämlich I und III; verbreiteter ist das Muster I. Adjektive des weiblichen Geschlechts der jo-Stämme mit Akzentklasse IV werden im Singular-Dativ sowohl bei den Kapsai als auch bei den Zanavykai doppelt betont — auf dem Stamm und auf der Endung, z. B.: des Grünen des Grünen, des Nassen, des Neuen, des Großen, des Tauben, doch ist die Betonung des Stammes viel seltener als die der Endung. 24 Plg. J. Otrębski, min. veik., 109–110; A. Laigonaitė, min. veik., 57–58. 143 ja, Fem. Stamm é Männliches Genus Singular Plural Nom. medinis — mediniai Gen. medinio — medinių Dat. mediniam, mediniu, mediniu — mediniam(s), mediniem(s) Akk. medinį — medinius Inst. mediniu — mediniais Lok. mediniam(e), mediny(je), medinij — mediniu os(e) Femininum N. medinė — medinės G. medinės — medinių D. medinei — medinėm(s) A. medinę — medines I. medine — medinėm(s), medinėmis L. medinė(je), medinėj — medinėse Endung. Im Mask. Sg. Dativ hat das Adjektiv neben der pronominal-adjektivischen Endung auch die substantivische Endung -ui (kpII -u). Die Endungen des Mask. Sg. Lok. sind sehr vielfältig: Die volle adjektivische Endung (mediniame) ist etwas seltener als die kürzere (mediniam). Die substantivische Endung kommt in drei Formen vor: am häufigsten die kurze (mediny), seltener die volle (medinyje); kpII hat auch die Endung -ij (medinij). Vgl. mėdy(je), mėdij. Im Mask. Pl. Dat. hat man gelegentlich neben der Endung des ja-Stamms ja auch die Endung des a-Stamms a: mediniem(s) — wie baltiem(s). Letztere Endung ist bei Adjektiven dieses ja-Stammtyps etwas häufiger, etwa ja wie apvijam(ę) — apvijamiem(ę). Der Komparativ der Adjektive wird im Maskulinum vollständig wie die Adjektive auf -ja flektiert, und nur sehr selten sagt man, anders als im Standardlitauischen25, im Dativ Plural beispielsweise einem schöneren, während man im Genitiv Singular Femininum neben einer schöneren manchmal auch schönerer sagt. Das Adjektiv vorjährig, -e hat im Kps-Unterdialekt auch einen ja-Stamm, im weiblichen Geschlecht einen -jo-Stamm: vorjähriger, vorjährige. Das Femininum (medinė) wird genau wie die Substantive des ė-Stamms flektiert, etwa wie mūšė, ląpė26. ja-Stamm-Adjektive im Femininum mit ė-Stamm sind ausschließlich mehrsilbig. Akzentuierung. Die Adjektive dieses Stamms mit dem Suffix -ytis, -ė (mažytis, -ė) haben einen Zirkumflex und gehören nicht wie im lk zur Akzentklasse I, sondern II. Anders als im lk gehört das Adjektiv pirmykštis, -ė zur Akzentklasse II und nicht I. Die Adjektive maloninis, -ė und tiesioginis -ė27haben eine gegenüber dem lk umgekehrte Akzentuierung. Singular des Adjektivs didelis, -ė 25 Vgl. J. Žiugžda, a. a. O., 97. 26 Žr. J. Senkus, Daiktavardžių linksniavimo kapsų ir zanavykų tarmėse bruožai. MAD, A 2(9), 1960. 27 Plg. J. Žiugžda, min. veik., 102. 144 In den beschriebenen Dialekten kommen parallel zwei Akzentuierungsklassen vor — I und III: didelės, dideliam, didelė. Adjektive mit dem Suffix -inis, -ė, die von Wörtern gebildet sind, deren Genitiv Plural nicht auf der Endung betont wird, bewahren in den beschriebenen Dialekten meist die Stelle des Genitivpluralakzents des Grundworts (von dem sie abgeleitet sind). So werden beispielsweise Wörter mit Betonung auf der Wurzel und im Stamm betont: ánkštinis, ántinis, káiminis, kaimýnin(i)s, mė́tinis, malóninis, plėvinis, (Plėvinės kvietkos Plv.), sodýbinis (Sodýbinė žemė geresnė Gž.), tiesióginis, viétinis, vàštinis; materialbezeichnende Adjektive werden dagegen meist auf dem Suffix betont, z. B.: auksinis, bulvinis, drobinis, cimantinis, medinis, miltinis, popierinis, sidabrinis, varinis. Vgl. auch: Kelinaitės nuobrukinės, dziegoriukai an krūtinės (d.) Plv. Semėninis aliejus Gs. Außerdem werden Adjektive, die von mehrsilbigen Wörtern abgeleitet sind, meist auf dem Suffix betont, z. B.: Lopetinis kastuvas (hölzern, nur die Ränder sind beschlagen) Gs. Juozapinės (baltosios) lelijos Gs. Doch gibt es in beiden Fällen Ausnahmen oder Schwankungen, z. B.: išeiginis, kartūninis, kiaūlinis, mėnesinis, vašarinis, pavasarinis. Außerdem kommen bisweilen Adjektive auf -inis, -ė vor, die entgegen der allgemeinen Regel 1k nicht auf dem Suffix betont werden, obwohl sie nach dieser Regel dort betont werden sollten, z. B.: dabartinis, tautinis, nicht aber dabartinis, tautinis28. Adjektive im Komparativ werden in den beschriebenen Dialekten meist nicht nach der II., wie im 1k, sondern nach der IV. Akzentuierungsklasse betont29. Sing. Mask. Fem. Nom. geresnis geresnė Gen. geresnio geresnės Dat. geresniam geresnei Akk. geresnį geresnę Instr. geresniu geresne Lok. geresniam, geresniame geresnė, geresnėje Pl. Nom. geresni geresnės Gen. geresnių geresnių Dat. geresniems geresnėm(s) Akk. geresnius geresnes Instr. geresnės geresnėm, geresnėmis Lok. geresniuose, geresniuose geresnėse Zusammengesetzte Adjektive dieses Stammes werden überwiegend mit fallender Intonation betont, obwohl ihr zweiter Bestandteil etymologisch auch eine steigend betonte Intonation aufweist, z. B.: ilgakojis, -ė, juodgalvis, -ė, riesėnosis, -ė, šeivakojis, -ė (dessen dünne 28 Žr. Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, XIV psl., ats. red. J. Kruopas, Vilnius, 1954; J. Žiugžda, min. veik., 102. 29 Vgl. J. Žiugžda, a. a. O., 96. Das hier angeführte Paradigma gibt lediglich die am häufigsten verwendete Betonung an; gelegentlich spricht man jedoch auch beispielsweise geresniam (geresnių) geresnės, geresnei..., außerdem auch geresniuose, geresnėse. Es kommen auch Endungen anderer Stämme vor, z. B.: Maskulinum Singular Dativ geresniui (vgl. II), Plural Dativ geresniams, Femininum Genitiv geresnios. 10. Kalbotyros klausimai, III 145 (Beine), schwarzbunt, -e, dicklippig, -e, hellgesichtig, -e, grauhaarg, -e, aber z. B.: weichherzig, -e, schiefwangig, -e, dicknackig, -e. Für die Standardsprache wird vorgeschlagen, alle mit fallendem Ton zu akzentuieren³⁰. Außerdem bewahren im Gegensatz zur Standardsprache Adjektive, die in den beschriebenen Dialekten mit dem Präfix be- gebildet sind, meist den Akzent des zweiten Bestandteils, z. B.: schamlos, -e, knochenlos, -e, maßlos, -e, herzlos, -e, ununterbrochen, -e, vaterlos, -e, aber: kopflos, -e, beinlos, -e. 2. Deklination der pronominalen Adjektive a-, ja- und im Femininum o-, jo-Stämme Maskulinum Sg. Pl. Nom. senàsis, senãsai senieji, senìeji Gen. senójo senjų Dat. senà(m)jam, senãjam seniè(m)siem(s) Akk. senjį senúosius Instr. senúoju senãsiais Lok. senãjam(e), senamjam(e), senúosiuos(e) senãjam(e) Femininum Nom. senóji senósios Gen. senósios senjų Dat. senã(i)jei, senãjej senósom(s), senómšiom(s) Akk. senąją sená(i)sias Instr. senã(i)ja senós(i)om(is), senómšiom(i)s Lok. senójo(je), senójoj, senósiose senójoj Ja-Stamm (der grüne) unterscheidet sich vom a-Stamm dadurch, dass in allen Kasus der Konsonant am Stammende weich ist; außerdem haben die Stämme ja und u im Maskulinum Singular Nominativ der beschreibenden Dialekte sehr selten das Formans -ai (grün, am schönsten). Dieses Formans des Maskulinum Singular Nominativs (und Vokativs) ist bei den pronominalen Adjektiven des a-Stamms in der Sprache älterer Menschen, besonders in kpII, etwas häufiger, z. B.: Wo ist mein altes (altes) Hemd? Gs. Das kleine Kind Ūt. Der liebe Junge Šil. Das Formativ -ai im Maskulinum Plural Nominativ³² kommt gleichermaßen bei pronominalen Adjektiven aller Stämme vor, z. B.: raudoniejėi, žalieji, gražiejėi. Die morphologischen und phonetischen Besonderheiten (Akzentuierung usw.) einzelner Kasus sind aus dem Paradigma selbst ersichtlich. Soweit feststellbar, sind die seltener gebrauchten Besonderheiten in Klammern oder an zweiter Stelle angegeben. Bemerkenswert ist die unbetonte Endung des Singulars Dativ- 30 Vgl. A. Laigonaitė, a. a. O., 55. 31 Die Adjektive dieses Stammes, insbesondere solche mit nichtendständiger Betonung, werden auf zweierlei Weise akzentuiert; vgl. auch: báltasai | báltasai, raudónsai || raudónasai. 32 Sie lassen sich als substantivische Endung des zweiten Bestandteils des pronominalen Adjektivs auffassen. ai wird nach j nach dem Lautgesetz der Dialekte zu ei. 146 nės des ersten Bestandteils a-Laute ist doppelt: kurz und lang a: senajam || senajam, še-najėj || šėna:jei. Am häufigsten ist ein halblanges a zu hören — šėna.jam, šėna.jei. Im Femininum Plural Genitiv sowie Singular Instrumental und Dativ wird der erste Bestandteil der Endung auch mit ai ausgesprochen: senā­sias, senā­jia, senā­jei. Das ai der ersten beiden Kasus stammt aus an, während die Form senā­jei die vollständige Endung des ersten Bestandteils bewahrt hat33. u, seine femininen Stämme, z. B. gražūsis (selten gražūsai), gražioji, unterscheiden sich bei der Deklination kaum von ihren femininen Stämmen. Besonders zu erwähnen ist die Deklination der pronominalen Adjektive, die vom Komparativ gebildet sind. Alle Kasus des Femininums haben in den beschriebenen Mundarten zwei Stämme — einen jo- und einen ė-Stamm, z. B.: didesnōji || didesnējī. Gelegentlich liegt die Betonung auch auf didesnōji || didesnējī. Eine solche doppelte Betonung kommt auch in einigen Kasus des Maskulinums vor. Im Paradigma wird nur die häufigere Betonung angegeben. Maskulinum Singular Plural Nominativ didesnysis didesnėji, didesnėjei Genitiv didesniojo didesniųjų Dativ didesniā(m)jam didesnė(m)siem(s) Akkusativ didesnįjį didesniuosius Instrumental didesniuoju didesnėseis Lokativ didesniajam(e), didesniamjam(e), didesniuosiuos(e) didesniajam(e) Femininum Nominativ didesnioji || didesnėji didesniosios || didesnėsės Genitiv didesniosios || didesnėsės didesniųjų Dativ didesni(į)jei || didesnė(į)jei didesnio(m)siom(s) || didesnė(m)sem(s) Akkusativ didesniąją || didesnėjų didesniā(i)sias || didesnē(i)ses Instrumental didesni(į)ja || didesnė(į)ja didesnio(m)siom(i)s || didesnē(m)sem(is) Lokativ didesniojoj(e) || didesnėjėj(e) didesniosiose || didesnėsėse II. ZAHLWORT Allgemeine Bemerkungen. Zahlwörter sind Wörter, mit denen wir die Menge (Quantität) von Dingen oder ihre Reihenfolge ausdrücken. Hinsichtlich ihrer Bedeutung gibt es in den beschriebenen Mundarten, wie auch in der Standardsprache, zwei Hauptgruppen von Zahlwörtern: Kardinalzahlen und Ordinalzahlen. Außerdem lässt sich eine dritte Gruppe abgrenzen — zahlenartige Wörter, z. B.: daug, keli, keliōlika, keleta(s) und andere. Die Kardinalzahlen lassen sich weiter einteilen in Grundzahlwörter, Vervielfältigungszahlwörter, Sammelzahlwörter und Bruchzahlwörter. 33 Plg. Z. Zinkevičius, Lietuvių kalbos įvardžiuotinių būdvardžių istorijos bruožai, ir kt., Vilnius, 1957. 147 Ihrer Struktur bzw. Zusammensetzung nach sind Zahlwörter einfach (einsilbig) oder zusammengesetzt. Letztere sind weiter zu unterscheiden in zusammengesetzte Wörter34, die aus zwei Wörtern gebildet sind, z. B.: dvidešimt (dvidešimt), trisdešimt (trisdešimt), und Wortgruppen, z. B.: du šimtai penkiasdešimts, keturios dešimtys. Was ihre grammatischen Eigenschaften und ihre Deklination betrifft, stimmt das Zahlwortsystem der beschriebenen Mundarten im Allgemeinen in vielerlei Hinsicht mit den Substantiven, Adjektiven oder Pronomen überein. Die meisten Zahlwörter stehen den Adjektiven nahe, einige den Substantiven (manche stimmen fast vollständig mit Adjektiven oder Substantiven überein). In den beschriebenen Mundarten gibt es, wie auch in der Standardsprache, offenbar nur sehr wenige Zahlwörter, deren Deklination weder mit der von Substantiven noch mit der von Adjektiven oder Pronomen übereinstimmt. Nicht alle Zahlwörter haben ein männliches und ein weibliches Genus. Einige, z. B. šimtas, haben nur das männliche Genus, andere, z. B.: vienuolika, dešimtis — nur das weibliche Genus. Die Ordinalzahlen pirma, antra, trečia usw. sind genusneutral. Es gibt auch solche, z. B.: dešimc (dešimt), dvidešimc (dvidešimt), trys36, die keine Genuskategorie haben. Zahlwörter haben gewöhnlich dieselben Kasusendungen wie andere nominale Wortarten. Unter den vorkommenden Ausnahmen sei beispielsweise vienuolika — devyniolika, keliolika erwähnt, deren Akkusativ Singular sich meist nicht vom Nominativ unterscheidet — das bedeutet, dass hier die alte Akkusativform noch erhalten ist37. Bemerkenswert ist, dass die Zahlwörter keturi — devyni im Maskulinum Akkusativ die Endung -is und nicht -ius haben: keturis — devynis38. Gruppenzahlwörter wie tūkstantis šimtas, tūkstantis du šimtai usw. werden auch mit vienuolika — devyniolika ausgedrückt, indem die Pluralform des Wortes šimtas hinzugefügt wird, z. B.: vienuolika šimtų — devyniolika šimtų. Ordinalzahlen und manchmal auch Kardinalzahlen, die als Attribute bei den Wörtern valanda, metai stehen, werden im Satz meist ohne das Bezugswort verwendet, z. B.: Šoko iki pirmų Vilkv. Parsitrėnkė (parėjo) jau po dvyliktos (dvyliktos) Gs. Kai tik penktą (penkios), jau į kelią Alk. Sulaukė aštuoniasdešimtus (aštuoniasdešimc) į mirė Gs. Wie die Beispiele jedoch zeigen, ist dies nur dann der Fall, wenn das Bezugswort (valanda, metai) eindeutig erschließbar ist. 34 Sie werden auch als zusammengezogene, verkürzte Formen bezeichnet — siehe J. Jablonskis, Rinktiniai raštai 1, 220; J. Žiugžda, a. a. O. 113, 118; außerdem vgl. Mūsųdienų latviešu literārās valodas gramatika, 1, 479, Rīgā, 1959 35 Nach den Lautgesetzen der beschriebenen Mundarten weichen die Endungen einiger Zahlwörter von denen der Standardsprache ab, z. B.: vienc, dešimc, didesimc, trisdešimc..., šimc. Dies ist besonders in der Zanavyker Mundart der Fall, wo das bewegliche a meist ausfällt und -ts, -ns zu > -c, -nc werden. 36 Mit Ausnahme des Lokativs, z. B.: trijuos tvartuos, trijose skryniose Gs. 37 Vgl. J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, 1, 220. Manchmal wird der Akkusativ, besonders bei jüngeren Mundartsprechern, auch bei vienuolika — devyniolika, keliolika (mit langem Vokal) ausgesprochen. Mit langem a wird tatsächlich gesprochen in (vienuoliką vištų, dvyliką paršų) kpIIv (zweite westliche Kapsai-Gruppe — Daukšiai, Gudeliai, Igliūka, Liudvinavas). 38 Die Endung -is kommt nicht nur in den beschriebenen Mundarten, sondern auch in vielen anderen Mundarten vor; mit einigen Ausnahmen findet sie sich auch in den älteren Schriften (von Mažvydas, Bretkūnas, Daukša u. a.). Es gibt jedoch Mundarten, z. B. die nordöstlichen Hochlitauischen (Dusetos, Antazavė u. a.), die nordwestlichen Hochlitauischen und viele žemaitische Mundarten, die die Endung -ius haben: keturius, devynius (wie žalius, šlapius). Vgl. V. Mažiulis, Apie lietuvių kalbos skaitvardžius. — Kai kurie lietuvių kalbos gramatikos klausimai, 56, Vilnius, 1957. Ferner vgl. die Vervielfältigungszahlwörter der beschriebenen Mundarten: penkeris || penkerius, dvejus || dvejis u. a. 148 1. Kardinalzahlen a. Grundzahlen vienas, -à Maskulinum Singular Plural N. vienas, vienas N. vieni, vieni G. vieno G. vienų D. vienám, vienui D. vieniem(s) A. vieną A. vienus I. vienu I. vienais, vienais L. vienam, viename L. vienuõs, vienuose, vienúose Fem. Sg. Pl. Nom. eine, eine Nom. einer Gen. einer Gen. einer Dat. einer, einer Dat. einen Akk. eine Akk. eine, eine Instr. eine, eine Instr. einen, einen Lok. einer, einer, einer Lok. einen, einen Wie wir sehen, stimmen Deklination und Betonung des Zahlworts vienas, -à nahezu mit Deklination und Betonung des Adjektivs báltas, -à überein. Vom 1k unterscheidet es sich in einigen Punkten. Den Plural vienas, -a hat es nur dann, wenn es mit Pluralia tantum verwendet wird (anstelle des Kollektivzahlworts vieneri39) oder eine adjektivische oder pronominale Bedeutung hat, z. B.: Es sind schon ein Jahr vergangen Gs. Nur ein Fetzen Unterrock blieb übrig Vlkv. Es gibt eine Schere, die ist ganz verrostet Plv. Neben der grundlegenden Zahlwortbedeutung hat vienas, -à auch andere Bedeutungen (adjektivische, pronominale)40; dies zeigen die folgenden Beispiele: Mit ihm habe ich lauter (echte) Mühe Gs. Nur eine (menschenleere) Hütte Vlkv. Von Birštonas bis Karaliaučius ein (zusammenhängender) Wald, denn in Ūt. Um Bagótąją nur ein (zusammenhängender, echter) Sandboden, aber um Kazlų nur Wald Plv. Alle drei wurden am selben Tag geboren Nm. Hier lebte so ein (gewisser) Menschlein Br. Die Dat.-Form Sg. Mask. vienui ist nur in der Folklore belegt. In idiomatischen Wendungen wird gewöhnlich die Endung betont41, z. B.: Die Alten leben ganz allein Vlkv. 39 Vgl. Kollektivzahlwörter. 40 Vgl. Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, 938. 41 vienui ist tatsächlich ein Adverb dativischen oder lokativischen Ursprungs mit dem Formans -ui, das verstärkend bei einem Zahlwort derselben Wurzel verwendet wird. Vgl. K. Ulvydas, Adverbialisierung des Singular-Dativs und Adverbien mit den Formanten -(i)ui, -i im Litauischen. — Einige Fragen der litauischen Grammatik, 127, 134, Vilnius, 1957. 149 Es blieb nur einer übrig, wie ein Finger Gs. Neben vienuõ sagt man manchmal auch vienų (Genitivform des Plurals), z. B.: Eine allein lebte ihr ganzes Leben Gs. Im Maskulinum, Plural, Nominativ, mit Betonung auf dem Stamm, war es häufiger in einem solchen Satz zu hören: Zwei blieben allein zu Hause Gs. In diesem Fall sagt man auch vienu du. dù, duì Maskulinum. Femininum. N. dù dvi G. dviejų, dvejų, dvie D. dviem(s), dviemi A. dù dvi I. dviem(i), dviem(s) L. dviejuõse, dviejuos, dviejuõs, dviejuõse dviejuõse, dviejuõse Wie wir dem Paradigma entnehmen können, wird das Genus im Nominativ, Akkusativ und Lokativ unterschieden. Die Form im Genitiv dviejų (mit Endungsbetonung)42 ist in den beschriebenen Dialekten seltener und jüngeren Datums. Die Form dvie wird in kpIIr verwendet (die östlichen Kapsai zweiter Gruppe – um N. Ūta, Garliava). Die Dativ- und Instrumentalform dviem(s) (mit s) ist selten und wird möglicherweise etwas häufiger bei den Zanavykai und in kpII verwendet; die Form dviemi wurde nur um Naujoji Ūta herum gehört. Die Lokativformen dviejuõse, dviejuõse werden in kpII auf der vorletzten Silbe betont; hier sind sie mit fallend-steigender Intonation markiert, doch ist die Aussprache hier bisweilen nicht deutlich. Anders als in Įk ist die Betonung auf der ersten Silbe am weitesten verbreitet, während die Endungsbetonung viel weniger üblich ist.43 Daneben wird die adverbialisierte Form dviese und dvieje verwendet, z. B.: Alles machen sie zu zweit Gs. Vgl. trieše. Das Zahlwort du, dvi besitzt zwar eine Dualform und verlangt im Allgemeinen Kongruenz, doch ist der Gebrauch der Zahlformen bei den mit ihm kongruierenden Nomen in den beschriebenen Dialekten nicht immer konsequent. Im Nominativ wird gewöhnlich der Plural verwendet, z. B.: Sie streiten wie zwei kleine Kinder Gs. Sie vertragen sich nicht wie zwei Katzen im Sack VIkv. Es wachsen zwei Jungen und zwei Mädchen heran VIkv. Der Dual ist in der Volksüberlieferung erhalten geblieben, z. B.: Zwei Räder stehen am Waldrand (Ohren) Gs. Zwei Hasen mahlen, weißes Blut fließt (Mühlsteine) Alvt. Auch andere Nominalwörter kongruieren mit den Dativformen dviem und Instrumentalformen dviem, z. B.: Mit zwei Köpfen versteht man immer leichter Gž. Zieh sie mit zwei44 Handschuhen an VIkv. Mit du, dvi im Akkusativ stehen die Nominalwörter im Dual oder Plural, besonders im Femininum, z. B.: Sie zogen zwei Söhne und zwei Töchter groß || zwei Söhne und zwei Töchter Gs. Er hat zwei Rubel || Rubel VIkv. Bei Daukšiai und anderswo bleibt im Akkusativ Dual nur das Maskulinum häufiger erhalten, z. B.: du vaiku, du sūnu, du pirštu; das Femininum ist dagegen fast ganz verschwunden (dvi kati, dvi bobi, sagt offenbar niemand). 42 Siehe das Wörterbuch der Gegenwartssprache des Litauischen, A. Laigonaitė, a. a. O., 64. 43 Vgl. J. Žiūžda, a. a. O., 117, Wörterbuch der Gegenwartssprache des Litauischen. 44 Man sagt vielleicht häufiger, insbesondere bei den Älteren, auch su dvejõm. 150 zwei (beide, beide) abù, abì unterscheiden sich in Deklination und Akzentuierung kaum von dù, dvì. Neben abù, abì werden häufig auch zusammengesetzte Formen mit dù, dvì verwendet (Pronominalzahlwörter): abùdu, abìdvì. Am Rand des Zanavyk-Gebiets, besonders in der Gegend der Veliuonier, fällt bei der Deklination von abùdu, abìdvì der Konsonant v weg — sie sagen zum Beispiel: abìdi, abìdiem (abìdem). drei N. trỹs G. trijų, trijų D. trìm(s), trimi A. tris I. trim̃, trimì(s) L. trijuõs, trijuõse; trijõse Im Lokativ wird für beide Geschlechter, insbesondere bei den Älteren, auch die adverbialisierte Form trise oder manchmal trỹse, trìese verwendet, z. B. Kur tik eina — visur trise Gs. Auch die Form trijuõs ist inzwischen gelegentlich adverbialisiert, z. B. Trijuõs kulia Vlk. Die Form trimi kommt häufiger in der Kapsuker Umgangssprache vor. vier—neun Mask. Gen. Nom. vier, sieben vier, sieben Gen. vierer, siebener Dat. vieren, siebenen vieren, siebenen Akk. viere, siebene viere, siebene Instr. vierē[s], siebenē[s] vieren, siebenen Lok. vieren, siebenen, vieren, siebenen; vieren, siebenen, vieren, siebenen Wie wir sehen, werden diese Zahlwörter wie zum Beispiel ein Adjektiv (Plural) flektiert: šlàpì, šlàpios; nur hat der Akkusativ nicht die Endung -ius45, sondern -is. Seltenere Formen werden hier nicht angeführt. Manchmal wird beispielsweise beim schnellen Zählen und in der Kindersprache der Akzent von der Endung zurückgezogen: kèturi, pẽnki, šeši – auf die erste Silbe, sèptyni, aštuoni, devyni – auf die erste oder zweite Silbe. zehn, zwanzig–neunzig46 Diese Zahlwörter weisen in den beschriebenen Dialekten verschiedene Formen und unterschiedliche Akzentuierung auf, z. B.: dešimc, dešimt, dešimtis, dvidešimc, dvidešimt, dvidešimtis, dvi dešimtys, keturiasdešimc47, keturiasdešimt, keturiasdešimtis, keturios dešimtys. Ap- 45 Diese Endung findet sich in einigen ostlitauischen, nordwestoberlitauischen und samogitischen Dialekten. Vgl. Fußnote 38. 46 Manche schreiben auch dešimtis (siehe V. Mažiulis, Apie lietuvių kalbos skaitvardžius, a. a. O., 57), doch wäre eine solche Aussprache für Sprecher der beschriebenen Dialekte unmöglich. 47 Hier kann es sogar drei verschiedene Akzentuierungen geben: keturiasdešimc, keturiasdešimc und keturiasdešimc (mit zwei Akzenten). 151 Im Allgemeinen sind wohl zusammengesetzte Formen häufiger als analytische, doch in der Sprache älterer Menschen scheinen analytische Formen häufiger zu sein. Die wohl häufigste Form, besonders bei den Kapsen, ist dešimc < dešimtis, dešimtes (vgl. akmens, sesers < akmenes, seseres). Zehn wird wie ein i-Stamm-Substantiv dekliniert; nur im Singular Dativ und Instrumental sowie manchmal im Singular und Plural Akkusativ weist es Endungen dieses oder beider Stämme auf. Die Betonung folgt meist dem Akzentparadigma I48. Sg. Pl. N. dešimtis dešimtys G. dešimties dešimčių D. dešimčei dešimtim(s) A. dešimtį dešimtis, dešimčias I. dešimtim(i), dešimčia dešimtim(is) L. dešimty(je) dešimtyse,-yse Elf bis neunzehn Diese Zahlwörter werden wie der Singular von Feminina mit o-Stamm flektiert; nur der Akkusativ unterscheidet sich meist nicht vom Nominativ, z. B.: Er erhielt zwölf (selten, neuer dvyliką) Rubel, Vilkv.49 Vgl. Er hat ein Paar Pantinen zerrissen (Pančių), Gs. Ein Paar Schnäpse hat ihn betrunken gemacht (d.), Alvt. Es gibt, wenn auch sehr seltene, Fälle, in denen diese Zahlwörter, so könnte man sagen, zumindest in einigen Kasus unflektiert bleiben, vgl. z. B.: Er lud alle elf Männer ein, Gs. Er gab allen elf Männern (häufiger: vienuolikai) zurück, was ihnen zustand, Gs. Eine Flexion tritt häufiger auf, wenn vor dem Zahlwort ein Wort steht, das dieselbe Endung wie dieses Zahlwort im gleichen Kasus hat, z. B.: Gib der ganzen fünfzehn Hühner, Gs. Anderswo jedoch, zum Beispiel in der Gegend von Daukšiai, werden diese Zahlwörter immer flektiert. Aus der Gegend von Kybartai ist von älteren Menschen die Singular-Nominativform vienuoliks zu hören: Es waren einmal vienuoliks Menschen. Hundert Im Unterschied zu Ik50 ist dieses Zahlwort in den beschriebenen Dialekten meist nicht in der IV., sondern in der II. Akzentklasse – es wird wie pirštas dekliniert und betont. Neben seiner direkten Bedeutung hat šimtas auch eine unbestimmte Bedeutung – die einer großen Menge, z. B.: Hundertmal habe ich es gesagt, aber hast du denn irgendetwas getan? Žal. Das Wort šimtas wird außerdem in milden Flüchen und bestimmten Wendungen gebraucht, z. B.: Geh zum Teufel51! Gs. Und hundert Teufel sollen dich holen! Sorgen, Krankheiten … – lauter Hunderte! Gs. 48 Gelegentlich wird auch dešimtis (3ᵇ) betont, z. B. sagt man in der Gegend um Daukšiai dešimčių, dešimtį, dešimtyse. 49 In KpIIv (in der Gegend um Daukšiai und anderswo) sagt man nur vienuolika, dvylika. Dazu siehe bereits oben unter „Allgemeine Bemerkungen“; vgl. auch die Sammelzahlwörter. 50 Žr. J. Žiugžda, min. veik., 118, Dabartinės lietuvių kalbos žodynas, A. Laigonaitė, min. veik., 64. 51 Interessant ist, dass hier statt des Genitivs der Nominativ verwendet wird. 152 tausend Tausend wird in den beschreibenden Dialekten gewöhnlich wie ein ja-Stamm-Substantiv der I. Akzentklasse flektiert und unterscheidet sich nicht von Ik. Manchmal haben jedoch einige Kasus dieses Zahlworts auch Endungen von ž-Stamm-Substantiven und können sowohl feminines als auch maskulines Genus haben, z. B.: Menschenmengen, Tausende von Tausenden kamen zusammen Gs. Es versammelten sich mehrere Tausende Menschen Plv. Insgesamt werden es etwa mehrere Tausende Rubel sein Žal. Nicht einmal tausend bekam Vlk. Million, Milliarde Diese beiden Zahlwörter werden in den beschriebenen Mundarten wie Substantive der I-Stammklasse mit Betonungstyp I flektiert. Lk ein. Million wird mit fallender Intonation betont (Million) und gehört zum Betonungstyp II52. Die Deklination zusammengesetzter Kardinalzahlen unterscheidet sich in den beschriebenen Dialekten im Allgemeinen nicht von der Deklination der einfachen Kardinalzahlen53: Dekliniert werden alle Wörter, mit Ausnahme der Zahlwörter, die aus elf bis neunzehn gebildet sind, indem der Genitiv Plural des Wortes šimtas angefügt wird, z. B.: Nom. vienuolika šimtų, Gen. vienuolikos šimtų, Akk. vienuolika (vienuoliką) šimtų. b. Kollektivzahlwörter Diese Zahlwörter werden in den beschriebenen Dialekten ebenso gebildet wie bei den einfachen Kardinalzahlen, doch ist ihr Gebrauch teilweise etwas anders. Bei echten, eindeutig pluralischen Substantiven, die aus zwei klar erkennbaren Teilen bestehen, z. B. žirklės, šakės, kel(i)nės, oder die keinen Singular haben, z. B. kapinės, durys, werden gewöhnlich nur Kollektivzahlwörter verwendet, z. B. Turėjom trejas žirkles Dkš. Abejos durys adaros Žal. Jų kluonas su trejom durim Žal. Kur platūs laukai, tai dvėjom akėčiom akėdavo Gs. Doch werden mancherorts mittlerweile gelegentlich auch neben diesen Substantiven nichtkollektive Zahlwörter verwendet, z. B. Yra dá trys šakės (mėšlui mėžti) Gs. Eine Sonderstellung nimmt das Zahlwort vienos neben vienerios ein, denn man sagt beispielsweise auch vienos durys, kapinės, kel(i)nės, žirklės. Das liegt daran, dass vienas ein besonderes Zahlwort mit zahlreichen Nebenbedeutungen ist. Besonders zu erwähnen sind auch die Substantive metai, langai ir namai. Mit dem pluralischen Substantiv metai werden auch nichtkollektive Zahlwörter verwendet (du, trys, keturi, penki... metai), z. B. Penki metai jau praė, o da negrįšta Vlkv. Jau šie vaiks aštuonių metų Nm. Dies geschieht offenbar, weil metai ein Substantiv ist, dessen Pluralbedeutung bereits verblasst und undeutlich geworden ist – in gewissem Sinne kann es auch einen Singular haben, z. B. metas (laikas) keltis. Umgekehrt kommen auch Fälle vor, in denen zum gewöhnlichen – nichtpluralischen – Substantiv, nämlich lango, ein Kollektivzahlwort verwendet wird, z. B. Dveji (dvi-gubi) langai, o vis tiek vėjas pučia Plv. Hier ähnelt langai bereits einem pluralischen Substantiv – die beiden Fenster stehen in irgendeiner Beziehung zueinander, gleichsam als zwei Seiten desselben Gegenstands; vgl. dvejos durys. 52 Siehe Dabartinės lietuvių kalbos žodynas; auch in J. Žiugždas Lietuvių k. gramatikoje, 1, 115, 118 wird mit fallender Intonation betont, doch wird auf S. 118 fälschlich angegeben, das Wort habe einen festen Akzent. 53 Siehe J. Žiugžda, a. a. O., 118. 153 Man sagt: Jis turi dvejus namus Dkš. und Jis turi du namu Dkš. Dveji namai ist nicht dasselbe wie du namai. Dveji namai — das sind zwei Gehöfte; hier ist das Wort namai bereits zu einem Substantiv im Plural geworden. Die Verwendung von Sammelzahlwörtern findet sich auch in einigen substantivierten Wortverbindungen, z. B.: No pilvo skaudėjimo gerai yr trejos devynerios (trejonka) Gs. Beispiele für die Deklination von Sammelzahlwörtern: Maskulinum Nom. abeji dveji penkeri Gen. abejų dvejų penkerių Dat. abejiem(s) dvejiem(s) penkeriem(s) Akk. abejus, abėjus dvejus, dvejs penkeris, penkerius54 Instr. abejēs dvejēs penkerēis Lok. abėjuos, abėjuosė dvejuos, dvejuosė penkeriuos, penkeriuose (adv. penkeriese) Femininum Nom. abėjos dvejos penkerios Gen. abejų dvejų penkerių Dat. abėjom(s), abėjom(s) dvejom(s), dvejom(s) penkeriom(s), penkeriom(s) Akk. abėjas dvejas penkerias Instr. abėjom(is), abėjom(s) dvejom(is), dvejom(s) penkeriom(is), penkeriom(s) Lok. abėjose, abėjose dvejose, dvejose penkeriose, penkeriose c. Kollektivzahlwörter In den beschriebenen Mundarten sind Kollektivzahlwörter offenbar nicht mehr sehr gebräuchlich – anstelle von Kollektivzahlwörtern werden bisweilen bereits Grundzahlwörter verwendet; ältere Menschen unterscheiden sie jedoch noch, z. B.: Seniau dvaruos ketvertu (ketverta) važinėdavo Žal. Stvertų koks dvejetas vyrų ir išmestų lauk Gs. Nur bisweilen, offenbar ohne Bedeutungsunterschied, sagt man es auf beide Weisen – mit Kollektiv- oder mit Grundzahlwörtern, z. B.: Bō trėjetas arklių || trys arklėi Gs. Doch sagt man gewöhnlich nur: Trėjetu akėja Gs. Tatsächlich bezeichnen Kollektivzahlwörter eine bestimmte engere Einheit, ein Zusammengewachsensein, Unteilbarkeit. Der Unterschied ist also folgender: Sagt man ketvertu važiuoja, versteht man, dass die Pferde in einer bestimmten Ordnung angespannt sind; sagt man aber keturiais arkliais atvažiuoja, wird lediglich die Anzahl angegeben, während von der Ordnung – der Zusammenstellung – nicht die Rede ist. Die Kollektivzahlwörter unterscheiden sich in der Deklination vom Grundzahlwort 1 kaum, außer im Dativ. Im Allgemeinen werden sie wie Substantive des a-Stamms mit festem Akzent dekliniert, z. B.: 54 Penkerius sagt man, besonders bei den Kapsen, weit seltener als penkeris – darin unterscheiden sich die beschriebenen Mundarten von der Standardsprache. Vgl. J. Žiugžda, a. a. O., 118, außerdem vgl. Fußnoten 38 und 45. 154 Mask. Geschl. Nom. trejetas aštuonetas Gen. trejeto aštuoneto Dat. trejetui, -ų, -am aštuonetui, -ų Akk. trejetą aštuonetą Instr. trejetu aštuonetu Lok. trejete aštuonete Die Dativendung -am (trejetam) kommt selten vor – sie wurde beispielsweise bei Vilkaviškis gehört: Užteks tos drōbės dá trejetam marškinių. Die Endung -u wird in kpII verwendet. Obwohl eher selten, werden bei Bedarf auch die femininen Formen dieser Zahlwörter verwendet. Sie werden wie elf flektiert. Außerdem wird der Akkusativ bei beiden Genera oft in einer altertümlichen Form gebraucht (ohne langes – nasales a), z. B.: Halte mehrere Arbeitspferde und drei Stuten KžR. Er zieht acht Kinder auf Gs. d. Bruchzahlwörter Bruchzahlwörter sind in den beschriebenen Dialekten wie im Standardlitauischen zweierlei: Zusammensetzungen und Wortverbindungen (Zahlwortverbindungen) sowie mehrgliedrige Wendungen. Zusammengesetzte Bruchzahlwörter werden aus einem Ordinalzahlwort und den Substantiven pusė und dalis gebildet: pusė steht als erstes Glied des zusammengesetzten Zahlworts, dalis als zweites. Bruchzahlwörter, die mit dem Wort pusė und dem Genitiv eines Ordinalzahlworts gebildet werden, z. B.: pusantro, pustrėčio, pusketvirto usw., werden praktisch häufiger von pusantro⁵⁵ bis pusdešimto und etwas seltener bis pusdvidešimto verwendet und sind unflektierbar. Fem.: pusantros⁵⁶, pustrėčios, pusketvirtos usw. Bruchzahlwörter, die mit dem Substantiv dalis gebildet werden, unterscheiden sich zwar im Wesentlichen nicht vom Standardlitauischen, weisen jedoch einige Unterschiede in der Wortbildung, Morphologie und Akzentuierung auf, z. B.: trečiadalis, trečdalis, trečdalys; ketvirtadalis, ketvirtadalys, ketvirtadalis, ketvirtadalys; penktadalis, penktadalys, penkdalys; šeštadalis, šeštadalys, šešdalis; septintadalis, septintadalys, septintadalys, septindalis; aštuntadalis, aštuntadalis, aštuntadalys, ašundalis; devintadalis, devintadalis, devintadalys, devyndalis; dešimtdalis, dešimtdalys, dešimtdalis, dešimtdalis; vienuoliktadalis, vienuoliktadalys; vgl. dvyliktdalis — dvidešimtdalis⁵⁷. Diese Zahlwörter werden wie Substantive des ja-Stamms flektiert. Die Bruchzahlwortverbindungen der beschriebenen Dialekte unterscheiden sich in nichts vom Standardlitauischen oder nur durch bereits bekannte Merkmale, z. B.: viena trečdalis (trečiadalis, trečdalys), du trečdaliai (trečiadaliai, trečdalē). Hierzu gehören auch Verbindungen wie: pirmà dalis, antrà dalis usw. Das den Zahlwörtern zugeordnete ketvirtis wird in den beschriebenen Dialekten anders als im Standardlitauischen betont.⁵⁸ 55 Das zusammengesetzte Zahlwort pusantro ist nahezu nicht gebräuchlich — man sagt es gelegentlich, vermutlich nur in der Zeitbedeutung, pusė pirmo; lebendiger ist die feminine Form: pusė pirmos, z. B.: Pietaujant apie pusę pirmos Gs. Der Genitiv Plural des zusammengesetzten Zahlworts ist etwas geläufig, z. B.: Nė pusprimių metų neišdybarai, į išvarė Dkš. 56 Parallel wird auch pusantros betont, anders als im Standardlitauischen — siehe J. Žiugžda, a. a. W., 119. 57 Gelegentlich wird auch dvidešimtdalis. betont. 58 Siehe J. Žiugžda, a. a. W., 119. 155 2. Ordinalzahlen In den beschriebenen Dialekten werden Ordinalzahlen, wie auch im lk, (pirmas, antras, trečias usw., Fem. pirmà, antrà, trečià) wie Adjektive desselben Stammes dekliniert; vgl. báltas, -à, mažàs, šlàpias). Neben aštuñtas hört man in kpII mancherorts, zum Beispiel bei Naujoji Uta, gelegentlich auch die ältere Form aštuontas, -à. Dort hörte man von alten Leuten auch šėkmas, -à. Neben pirmas, antras werden manchmal mit derselben Bedeutung auch vienas, kitas (viẽnc, kìc) verwendet, z. B.: Viẽnc vienurũ eina, kìc kitũr, o trečias trečiũr Gs. Kai susipyksta jiedu, tai primane vienas kitám akis išsilupinė́tu Vilky. Zusammengesetzte Ordinalzahlen dvidešimtas und trisdešimtas werden, anders als im lk59, meist auf der ersten Silbe betont,60 während keturiasdešimtas — šešiasdešimtas überwiegend auf der ersten Silbe des zweiten Bestandteils betont oder mit beiden Akzenten zugleich ausgesprochen werden, z. B.: dvidešimtas, trisdešimtas; keturiasdešimtas, keturiasdešimtàs, keturiasdešimtas; penkiasdešimtas, penkiasdešimtàs, penkiasdešimtas; septyniasdešimtas, devyniasdešimtas unterscheiden sich in der Betonung vom Typ keturiasdešimtas dadurch, dass statt der ersten Silbe die zweite betont wird: septyniasdešimtas, septyniasdešimtàs, septyniasdešimtas. Sie alle gehören, anders als im lk61, zur Akzentklasse I. In der Sprache jüngerer Dialektsprecher kommt auch die Betonung des lk vor: dvidešimtàs, -à, trisdešimtàs, -à usw. tūkstantas, tūkstantà wird nur sehr selten benötigt (vgl. tūkstantas sykis) und hat wie im lk62 einen festen Akzent. Vielleicht werden ihre pronominalen Formen etwas häufiger gebraucht. Bei zusammengesetzten Ordinalzahlen dvidešimc pirmas — šimtas penkiasdešimc pirmas usw. wird, wie auch im lk, nur das letzte Wort flektiert. Wie weit Deklination und Betonung der Ordinalzahlen in den beschriebenen Dialekten mit Deklination und Betonung im lk übereinstimmen, zeigt beispielsweise das Paradigma von penktas: Sing. Mask. Fem. Nom. penktas penktà Gen. penkto penktõs Dat. penktám penktài, penktai63 Akk. penktą penktą Instr. penktù penktà Lok. penktam, penktame penktõ(j), penktoje 59 Žr. J. Žiugžda, min. veik., 118. 60 Plg. F. Kurschat, Grammatik der litauischen Sprache, 260, 265. Halle a. S., 1876. 61 J. Žiugžda, min. veik., 115, 118; be to, plg. A. Laigonaitė, min. veik., 65. 62 J. Žiugžda, min. veik., 115, 118. 63 Anders als im lk wird in den beschriebenen Dialekten im Femininum Singular Dativ häufiger die Endung betont: pirmài, antrài, trečiài usw. Vgl. auch die Betonung der Adjektive. 156 Pl. Maskulinum Femininum Nom. fünfte fünfte Gen. fünfter fünfter Dat. fünften fünften, fünften Akk. fünfte fünfte Instr. fünften fünften, fünften Lok. fünften, fünften fünften, fünften Bei Ordinalzahlen kommen, wenn auch selten, auch pronominale Formen vor: pirmasis, -oji, antrasis, -oji, trečiasis, -oji usw.64, z. B.: Visos mergaitės, tik trečiasis iš eilės vaikės Alvt. Pronominale Ordinalzahlen werden wie pronominale Adjektive dekliniert. Pronominale Ordinalzahlen des Typs vienuoliktasis werden auf zweierlei Weise betont: vienuoliktàsis, -oji, vienuoliktąjį und vienuoliktasis, -oji (Akzentklasse I). Gesteigert wird, wie im LK, nur pirmas, -à, vgl.: Kas pirmesnis, tas geresnis. Es nähert sich nicht nur morphologisch, sondern auch semantisch dem Adjektiv an. Bei einigen Ordinalzahlen, besonders von pirmo iki dešimto, kommt auch ein Neutrum vor: pirma, antra, trečia usw.; heute ist es jedoch nicht sehr gebräuchlich. Zahlwörter Einige quantitative Adverbien werden bisweilen Zahlwörter oder auch falsche, unbestimmte65 Zahlwörter genannt; in den beschriebenen Dialekten gibt es sie wie auch im Litauischen, z. B.: daug, daugel, maža. Außerdem sind dieser Art von Zahlwörtern auch einige mehr oder weniger flektierbare, bestimmte Zahlwörter zuzuordnen, z. B.: Kėleta(s), daugelis, keliolika, keli, kelios, keliasdešimc (kelios dešimtys), keli šimtai, keli tūkstančiai. Das Genus des Zahlworts kėleta(s) wird meist nicht unterschieden66, z. B.: Susirinko kėleta(s) merginų Gs. Pavalgyt užteks kėletai (kėletui) vyrų Žal. Außerdem hat dieses Zahlwort im Singular-Akkusativ zwei Formen, z. B.: Davė kėletą (kėletą) obuolių Gs. Vgl. Vienuolika u. a. Ableitungen von Zahlwörtern Aus Zahlwörtern werden mit bestimmten Suffixen oder auf andere Weise einige Wörter gebildet: Es handelt sich um Adjektive, die von Zahlwörtern abgeleitet sind67, und zwar: 1. Mit dem Suffix -õpas, -õpa: dvejõpas (dvejõps), -a, trejõpas, -a, ketveriõpas, -a; so werden diese Adjektive bis dešimteriõpas, -a gebildet; darüber hinaus werden auch Formen von dvidešimteriõpas, -a bis šimteriõpas, -a und bisweilen tūkstanteriõpas, -a verwendet. 2. Mit -lypas, -a und -lypis, -ė bei Zahlwörtern von vienas bis dešimt: vienlypas, -a, dvilypas, -a, trilypas, -a, keturlypas, -a, šešlypas, -a, aštuonlypas, -à; vienlypis, 64 Pronominale Zahlwörter, die größer als dešimtàsis, -oji sind, d. h. vienuoliktasis, dvyliktasis usw., werden in der Praxis noch seltener verwendet. 65 Plg. Грамматика русского языка, 1, 380, Москва, 1952; Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika, 1, 478. 66 kėleta ist tatsächlich Neutrum. 67 Dass es sich nicht um Zahlwörter handelt, erkennen wir daran, dass wir mit ihnen weder die Anzahl der Dinge selbst noch ihre Reihenfolge bezeichnen. Vgl. J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, 1, 219. 157 -fach, -e, zweifach, -e, dreifach, -e, vierfach, -e usw. Der Bildung nach sind sie fast alle möglich, werden praktisch jedoch nicht alle gleichermaßen verwendet; einige kommen vielleicht sogar überhaupt nicht vor. 3. Mit -linkas, -a: vienlinkas, -a, (-à), dvìlinkas, -a, (-à), trilinkas, -a (-à), keturlinkas, -a, aštuonlinkas, -a, doch einige dieses Typs, zum Beispiel šešlinko, habe ich nicht gehört. Hinsichtlich der Wortbildung kann man sie wie die zuvor genannten als Zusammensetzungen auffassen, deren -linkas mit den Verben lenkti, linkti verbunden ist, -lypas dagegen mit lipti, limpa. 4. Mit -gubas68 -a: dvigubas, -a, trigubas, -a, keturgubas, -a. Mit höheren Zahlen werden sie offenbar nicht gebildet. In der Praxis wird auch viengubas selten verwendet. Da die zuvor erwähnten Wortbildungen Zahladjektive sind, unterscheidet sich ihre Deklination in den beschriebenen Mundarten nicht von der Deklination der Adjektive mit entsprechendem Stamm. Die mit -gubas und dem Suffix -opas gebildeten Formen haben festen Akzent; bei den mit -linkas gebildeten Formen trägt nur der Nom. Sg. Fem. gelegentlich (etwa bei Vilkaviškis u. a.) den Akzent auf der Endung: vienlinkà, dvìlinkà, trilinkà. Bestimmte Wörter, die früher Lokativformen von Zahlwörtern waren, werden heute bereits als Adverbien gebraucht. In den beschriebenen Mundarten gibt es davon recht unterschiedliche Formen, nämlich: dviese, dviejė; triese, trisė, tryse; keturiese, keturisė; penkiese, penkisė; šešiese, šešisė; septyniese, septynisė; aštuoniese, aštuonisė; devyniese, devynisė. Z. B.: Wohin man auch geht, überall zu zweit Plv. Früher droschen wir mit Dreschflegeln zu drittspragilais trisė kuliam Gs. Zu den Zahlwortableitungen zählen auch vienuolikis, dvylikis... dvidešimtinis; sie werden in kpII (bei Daukšiai, N. Ūta) im Zusammenhang mit dem Webblatt und den Jokern im Kartenspiel verwendet, FLEXIONSMERKMALE DES ADJEKTIVS UND DES NUMERALE IN DEN MUNDARTEN DER KAPSEN UND ZANAWIKEN Ю. Ю. СЕНКУС Zusammenfassung Das Adjektiv und das Numerale der beschriebenen Mundarten (der Kreise Kalvarija, Kapsukas, Vilkaviškis und des südlichen Teils des Kreises Šakiai) werden ebenso nach Geschlecht, Zahl und Kasus flektiert wie in der Literatursprache. Das Adjektiv wird außerdem nach Komparationsstufen gesteigert. Adjektiv und Numerale haben drei Genera: Maskulinum, Femininum und Neutrum: šaltas, šalta, šalta; pirmas, pirma, pirma. Das Neutrum unterscheidet sich vom Femininum nur durch die Betonungsstelle. Einige Adjektive, z. B. Adjektive mit Stämmen auf ja und ē, haben kein Neutrum. Einige Numeralia, z. B. trys, haben überhaupt keine Genuskategorie. Das Adjektiv hat drei Numeri: Singular, Plural und Dual. Letzterer ist sehr selten und kommt nur im Nominativ und Akkusativ Maskulinum vor. Dieselben Numeri haben auch einige Numeralia, z. B. šimtas. 68 Zur Herkunft von -gubas siehe P. r. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, 486, Vilnius, 1941. 158 Das Adjektiv hat vier grundlegende Steigerungsstufen: Positiv, Komparativ, Superlativ und den höchsten Superlativ: geras, geresnis, geriausias, pats (visų, ko, kuo) geriausias. Außerdem werden zur Bezeichnung einer geringeren Qualität als der durch den Positiv ausgedrückten Formen mit dem Präfix apy- oder dem Suffix -okas, -a verwendet: apýšiltis, -ė; šiltokas, -a. Adjektive und Numeralia unterscheiden sich, ebenso wie andere flektierbare Wortarten, am stärksten durch ihre Deklination von der Literatursprache. Adjektiv und Numerale haben sieben Kasus (wie das Substantiv). Die Vokativform des Adjektivs unterscheidet sich von der Nominativform nur bei Adjektiven mit den Stämmen ja und ē. In den beschriebenen Mundarten hat das Adjektiv wie in der Literatursprache drei Deklinationstypen. Im Artikel wird die Deklination einfacher und pronominaler Adjektive nicht nach Deklinationstypen, sondern nach einzelnen Stämmen behandelt: a, Femininum o; u, Femininum jo; ja, Femininum jo; ja, Femininum ē. Die wichtigsten Besonderheiten der Akzentuierung werden angegeben, ebenso die Fälle, in denen die Akzentuierung der Mundarten von derjenigen der Literatursprache abweicht. Einige Kasus haben mehrere unterschiedliche Formen sowohl hinsichtlich der Flexion als auch der Akzentuierung, z. B. der Instrumental Plural: baltōm(s), baltomis, baltòm(s). Die Deklination des Numerale stimmt in vieler Hinsicht mit der Deklination des Substantivs, Adjektivs oder Pronomens überein; am nächsten steht sie der Adjektivdeklination. Gelegentlich treten jedoch auch Unterschiede auf. Erwähnt sei beispielsweise die Deklination der Numeralia von vienuolika (11) bis devyniolika (19) sowie von keliolika „mehrere“, deren Akkusativ meist mit dem Nominativ übereinstimmt. Die maskulinen Numeralia keturi—devyni (4–9) haben im Akkusativ, anders als in einigen anderen Mundarten, die Endung -is und nicht -ius. Auch bei der Akzentuierung der Numeralia gibt es zahlreiche Varianten und Abweichungen von der Literatursprache, z. B. dviejų, dviejų, dviẽ „zwei“; šimtai (in der Literatursprache šimtai).