scieee AI-readable full text Open interactive document viewer

K. Širvydo žodyno „Dictionarium trium linguarum“ leksiniai dialektizmai

K. Pakalka

Full text

LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, VLIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA DAS WÖRTERBUCH „DICTIONARIUM TRIUM LINGUARUM“ VON K. ŠIRVYDAS LEXIKALISCHE DIALEKTISMEN K. PAKALKA In den alten litauischsprachigen Schriften spiegeln sich die Elemente verschiedener lokaler Dialekte deutlich wider. Viele phonetische und morphologische Elemente des ostaukštaitischen Dialekts finden sich in K. Širvydas’ „Punktuose sakymų“ und in seinem Wörterbuch. Die Elemente des ostaukštaitischen Dialekts in den Schriften K. Širvydas’ waren durch seinen Heimatdialekt und seine langjährige Tätigkeit im kulturellen Zentrum Ostlitauens – Vilnius – bedingt. Dort lebte er, lehrte an der Akademie die litauische Sprache, predigte auf Litauisch in den Kirchen und verfasste die „Punktuose sakymų“ sowie das „Dictionarium trium linguarum“, das fünf Auflagen erlebte: I—1629, II—1631, III—1642, IV—1677, V—1713. Die dialektalen Merkmale der Schriften K. Širvydas’ sind noch nicht genau lokalisiert. Zu dieser Frage gibt es mehrere unterschiedliche Auffassungen. E. Volter versuchte, die dialektalen Merkmale der Schriften K. Širvydas’ im Gebiet von Vilnius, in der Umgebung von Švenčionys, zu verorten, wo das alte baltische a1 bewahrt ist. Manche brachten die Sprache der Schriften K. Širvydas’ mit den Dialekten der Umgebung von Ukmergė in Verbindung. F. Specht vertrat die Auffassung, dass sich nicht mit völliger Genauigkeit feststellen lasse, welcher ostaukštaitische Dialekt der Sprache der Schriften K. Širvydas’ zugrunde lag; auch er neigte jedoch zu der Annahme, dass K. Širvydas’ Heimat östlich der Linie Ukmergė—Šešuoliai—Kunigiškiai gelegen habe2. Bei der Lokalisierung des Dialekts der Schriften K. Širvydas’ stimmte E. Frenkelis den Auffassungen E. Volters und F. Spechts nur teilweise zu. E. Frenkelis gelangte zu dem Schluss, dass der Dialekt der Schriften K. Širvydas’ weder mit den Dialekten des Gebiets von Vilnius noch mit denen der Umgebung von Ukmergė vollständig übereinstimmt. E. Frenkelis zufolge vermied K. Širvydas lokale Färbung und schrieb in einer auf der aukštaitischen Mundart beruhenden, ausgeglichenen Sprache (einer Art ostaukštaitischer Koiné)3. J. Otrębski versuchte, den Heimatdialekt K. Širvydas’ nördlich von Vilnius zu lokalisieren. Er betonte, dass man nicht vergessen dürfe, dass der Dialekt der Schriften K. Širvydas’ nicht mehr unverfälscht sei. Die Sprache der Schriften K. Širvydas’ sei eine Literatursprache, die auf Grundlage des entsprechenden Dialekts gebildet worden sei, wobei ihr Wortschatz sorgfältig ausgewählt und ihre Orthografie gewissenhaft vervollkommnet worden sei. Möglicherweise wählte K. Širvydas zahlreiche phonetische und morphologische Merkmale aus und ließ bestimmte Merkmale unberücksichtigt, die ihm zu stark lokal (dialektal) geprägt erschienen. Deshalb fällt es uns heute schwer, die Frage nach seinem Heimatdialekt genau zu klären4. 1 Siehe Э. Вольтер. К. Ширвида, in: Энциклопедический словарь, XXXIX A, С.-Петербург, изд. А. Ф. Брокгауз, И. А. Ефрон, 1903, S. 590. 2 Siehe F. Specht, Syrwids Leben und Schriften, in: Syrwids Punktay sakimu (Punkty Kazań), Göttingen, 1929, S. 47. 3 Žr. E. Fraenkel, Syrwids Punktay sakimu (Punkty Kazań), hrsg. von Franz Specht, (rec.), „Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung“, 58, p. 84—85. 4 Žr. J. Otrębski, Teksty litewskie, Warszawa, 1957, p. 75. 221 B. Larinas vertritt die Auffassung, dass K. Širvydas auf der Grundlage der Gemeinsprache geschrieben habe. Doch auch B. Larinas leugnete die ostlitauischen Elemente in der Sprache K. Širvydas’ nicht5. Dass K. Širvydas sich nicht auf den ostaukštaitischen Dialekt beschränkte, sondern sich auf den Wortschatz der gesamten litauischen Sprache stützte, bezeugt zum Teil auch das Vorwort zur dritten Ausgabe seines Wörterbuchs. Darin heißt es, das Wörterbuch solle den Zöglingen der Jesuitenakademie als Studienhandbuch dienen, aus dem sie „lateinische Wörter nehmen und sie bequem in die Mundarten ihres Landes übertragen“ könnten (ad vernaculas veſfras dictiones)6. K. Širvydas’ Wörterbuch wurde zur Förderung und Normierung der Literatursprache zusammengestellt7. Aus verschiedenen Gründen enthält es zahlreiche lexikalische Synonyme aus der ostaukštaitischen Umgangssprache. Diese wollen wir in diesem Artikel untersuchen. Zu den lexikalischen und semantischen Dialektismen des „Dictionarium trium linguarum“8 zählen solche Wörter, die sich anhand der Bände I–V des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ und dessen Belegkartei nach ihrer geografischen Verbreitung den ostaukštaitischen Dialekten (ebenso den ost- und süddzūkischen Dialekten) zuordnen lassen. Natürlich kann sich die geografische Verbreitung einiger Wörter seit der Zeit K. Širvydas’ verändert haben; möglicherweise sind diese Veränderungen in den gedruckten Bänden und in der Belegkartei des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ nicht vollständig erfasst. Dennoch kann man anhand des umfangreichen Materials dieser Quellen einige im Wörterbuch K. Širvydas’ verwendete Wörter zumindest vorläufig lokalisieren und den ostaukštaitischen Dialekten zuordnen9. Von den mutmaßlichen Dialektismen in SzDi, die heute nur noch in verschiedenen Gegenden der ostaukštaitischen und dzūkischen Dialekte verbreitet sind, lassen sich einige Dutzend nennen, nämlich: anas „er“ D¹114, D³265: Ant, Rk, Lz, Zt, Pbs, Ds, Dgl; Aru, DK, BB, DP, VoL. apilauda „Nachlässigkeit, Vernachlässigung“ D³269: Dglš; brš. schädliche Speise, Gift D¹182, D³83: SP, DP, MP, T. apįkutos „Schabsel“ D³272: Dglš. apbwayta „Sauberkeit, Aufräumen“ D³44: Pg. atgaunu „ich räche“ D¹84: Pai, Sml; SP. atwiromis „offen“ D³277: Grž; T. bayfa „Angst, Entsetzen“ D¹175, D³424: Ds, Dkk, Rod. drutas „dick“ D¹39, D³77: Pn, Žž, Č, Rk, Krsn, Grnk, Zr, Ds, Pnd, Krs; J, Jb, Ba, NS, B, MPs. dienelė „Morgendämmerung“ D²9: Dglš. dungtis „Dach, Decke“ D³135: Kp, Žb, Rk; GE, SG, MP. dyvaylis „beim Einspannen an einen einspännigen Wagen seitlich ein weiteres Pferd anspannen, beigesellen“ D¹11: Ds, Šmn, Dgl, Vb, Pbs, Krs, Ant, Dbk, Kp, Mlt; T. dwinapufis „Zwilling, einer der Zwillinge“ D³18: Dglš. gardibe „Wohlgeschmack, Schmackhaftigkeit“ D³411: Pc, Sdk; Š, K. glaudelis „reife Haselnuss, die sich von selbst aus der Hülle löst“ D³500: Vs, Švn, Dglš, Alv, Trgn, NČ. iek nos „Leber“ D¹190, D³471: Ds, Sv, Kp, Šmn; (K), Š, LsB, rš. 5 Siehe Б. А. Ларян, Краткий исторический обзор литовской лексикографии, in: Лексикографический сборник, Bd. II, Moskau, 1957, S. 123. 6 Constantino Szyrwid, Ad Studiosam Iuuentutem, in: „Dictionarium trium linguarum“, Tertia editio, Vilnae, MDCXLII. 7 Lietuvių literatūros istorijos chrestomatija /Feodalizmo epocha/, red. K. Korsakas ir J. Lebedys, Vilnius, 1957, S. 54. 8 K. Širvydo „Dictionarium trium linguarum“ wird im Folgenden mit der Abkürzung SzDi bezeichnet. 9 Die Beispiele aus SzDi werden in der Originalorthografie zitiert. Bei Wörtern, die nur in der ersten Ausgabe des Wörterbuchs von K. Širvydas vorkommen, steht die Abkürzung D¹, bei solchen aus der dritten Ausgabe D³, bei solchen aus beiden D¹, D³. Die Zahl nach der Abkürzung für die erste Ausgabe von SzDi bezeichnet das Blatt des Originals, die Zahl nach der für die dritte Ausgabe die Seite. Die übrigen verwendeten Abkürzungen, die den Bänden I–V des „Lietuvių kalbos žodynas“ entnommen sind, kennzeichnen die Verbreitung der Wörter in der gesprochenen Sprache, in alten Schriften und in der neueren Literatur. Nach dem zitierten Beleg stehen zuerst die Abkürzungen, die die Verbreitung des Wortes in der gesprochenen Sprache angeben, danach die Abkürzungen, die den Gebrauch des Wortes in verschiedenen Schriften anzeigen. 222 karštinė „Fieber, Typhus, Wechselfieber“ D373: Kp, Ds, Trgn, Ktk, Alv, Ut, Drsk, Nč, Prng; (K), J, Š, BŽ, rš, J. Jabl., SP, Bt, Vaižg, OG. kieltuwa „Vieh, Tier“ D326: Vlk, Lb, Asv, Prl, Ad, Aps, Gdr, Zt, Trgn, Vrn, Dg, Rod, Trak, Brsl; NdŽ, BŽ, (K), M, PK, PS, SG II. kliwas „schief, krumm“ D3124: Kp, Rk, Užp, Sdk, Paj, Ds, Krs; N, (K), J. Jabl., I. kraubas „hoher Felsen, Steilhang“ D3404: Lzd, Ls, Lp, Kb; LsB, N. krusinis „Apfelwein, Gärgetränk“ D43, D83: Sn, Žl, Krkn, Srv; R, C. kuginis „Stall, Viehstall“ D1102: Alz, Kp, Dkk, Pnd, Pkp, Sl; BM, DP, J. Jabl., G. taydau „ich melke“ D348: Dv, Al, Vrn, Lz, Zr, Sv, Pls, Sld, Brsl, Eiš, Vj, Lkm, Drsk, Psn, Rod, Ml, Mt, Trgn, Tvr, Prng, Dglš. tapauiu „ich treibe Unfug“ D127, D3371: Kp, Krk, Brž, Paj, Ds, Ob, Krs; DP, PS, KN, (K), N, J. Jabl. tobas „Flussbett“ D3157: Lz; K, Bz. tuftas „Stück, Ecke, Block“ D3405: Mrc, Mrk, Dglš, Srj, Lz, Ktk, Ad, Tvr, Alv, Kp, Vb, An, Op, Jon, Trgn, Ūd, Lp, Pl, Rod, Lzd, Krs; N, Vl, Krv, J. Jabl, rš. migu „ich presse“ D336: Mlt, Ut, Švnč, Zr, Slk, Ds, Ob, Gg, Mžš, Sb, Mrk, Ad, Dv, Ml, Kp, Ktk, Sld, Lkm, Sdk, Plš, Gdr, PnmP; A. Gud.-Guz., J, N, Kos, Ba, Š, L. miltiene „Brei, ein traditionelles Gericht aus gedämpftem Hafermehl“ D399: Dglš, Aln, Rk, Dbk; VŽ, Vaižg, Ba, N, Sut, K. muntus „bequem“ D330: Ant, Vdš, Ktk, Slk, Ign, Švnč; Sut, K, Jzm, N, LsB. pakirdu „ich wache auf“ D1104, pakirdžiu „ich wecke auf“ D3347: Vaižg. paktouke „Matratze, Bettlaken“ D3166, D3484: Dkšt, Dglš, Rš; B, Sut, srš. papaußkas „Beule, Knubbel, Pickel“ D1120, D79: Šsn, Pns, Sn, Al, Ktk; Bg. Ks, LzP, J, B. papietuwes „Mittag“ D3254: Sv, Dglš; Vaižg, Sut. pramეტalas „Fett“ D1112, D3262: Sld, Žm, Vrn, Skdt, Vad, Slk, Rdm, Pns, Mrs, Švnč, Trgn, Ds, Lš, Lp, Stk, Krk, Al, Nmn, Mrk, Rš, Pun, Mrs, Zr, Vlk, Slk, Dglš, Lkm; Š. putekblis „Pickel“ D3346: Ml, Ldk, Sdk, Ds, Dgl, Žmt, Kvr, Trgn, Ut, Kkl, Svn, Tvr; M, B, J, D, Pošk, Db. ragutes „Schlitten“ D3397: Sdk, Sld, Ut, Užp, Dglš, Dkšt, Ds, Ob, Tvr, Slk, Trgn, Rš, Lz, Zt; N, Mit. šautopuolis „Sonnenuntergang“ D314: Tvr, Rš. štidenu „ich zittere“ D53: Ut, Pb, Sb, Jž, Km, Rk, Ds, Šmn, Kvr, Pg, Tj, Sdk, Dgl, Klt; Vaižg, K, N. funki „trächtig“ D323: Rš, Tvr, Slk; BB, BPs, MŽ, Mž, BŽ. bakatu „ich zertrümmere, spalte“ D3372: Rš, Ml. barwas „Mitgift“ D330: Al, Jnš, Nmj, Mrc, Vlk, Vrn, Dg, Smn, Rud, Vs. tupawimas „Verbeugung, Gruß“ D3455: Tvr. unk/ne „Schatten“ D114, unk/fna D334: Lš, Nč; Ba, KrvP, Db, PS. wasaris „südlich“ D192: Rš, Ds, Trgn, Vj, Pnd, Vb, Švnč, Krsk; Vaižg, Kos, Vr, Bs. waywouiu „ich jammere, stöhne“ D146: Dglš, Prng, Ds, Rmš, Lkm, Jž, Mlt, Tvr, Slk, Pšl, Grv, Klt, Užp, Ktk, Ad, Ant, Sdk, Vdš, Rm, Upt, Trgn, Ut, Slk, Jž, Km, Srv, Klv, Švnč, Ign, Dsn, Sug, Sdb, Pc, Ml, Krsk; Vol, Ev, J, Jd, Š, Ak, Jn, JD, Jabl, N. witulas „Bündel aus Hanf oder Stroh“ D3129: Ssk, Tršk, Ds, Dsn, Ml, Prng, Ob, Rk, Trgn, Jž, Tvr; Gmž, Kos, Niem, N, K, J. wokas „großer geflochtener Kasten“ D1152: Trs, Tj, Grv, Krns, Pg, Rk, Km, Jsv. Zu den Dialektismen in SzDi zählen auch einige Lehnwörter, die in einem enger begrenzten Gebiet der ostaukštaitischen Dialekte verwendet werden. Eine ausführliche Erörterung dieser Frage erfordert eine gesonderte Untersuchung. Hier begnügen wir uns damit, das eine oder andere Lehnwort zu erwähnen, das nur für die ostaukštaitischen Dialekte charakteristisch ist. četude „Tante“ D35: Tvr, Dglš. 223 karbiia „eine Art Korb mit Deckel, in den etwas gefüllt wird“ D³370: Mrk, Krsn, Nč, Ūd, Lš, Dg, Al, Mrs, Kb, Vrn, Srj, Mrk; K. Būg, (K), J. kižė „altes Häuschen, kleines Häuschen, elende Hütte“ D¹10, D³28: Ds, Kp; Sut, (K), M, J DP, VoK. punė „Stall“ D³29: Žmt, Ssk, Kkl, Grv, M. Valanč, Šš, Ldk, Ukm, Bgs, Gg. Glv, Žl, Krk, Jon, Gdr, Mlt, Šry, Vb, Žr, Žsl, Št; S. Dauk, K, N. starkus „Storch“ D³19: Kp, Skd, Sik, Ds, Dkk, An, Sb, Slm, Pn, Antš, Alks, Pnd, Jš; Baran, Š, K, N. Wie wir sehen, sind alle zitierten Dialektismen meist an einem Dutzend oder an mehreren Orten im Gebiet der ostaukštaitischen und dzūkischen Dialekte belegt. Nur selten hat sich ein einzelner SzDi-Dialektismus über die Grenzen des ostaukštaitischen Dialekts hinaus verbreitet. Der größte Teil der SzDi-Dialektismen ist sowohl in den Aukštaitischen als auch in den Dzūkischen Dialekten anzutreffen: anas „er“, bayla, drutas, storkas, glaudelis, karbtinė, kiettuwa, krušinis, taydau, tuſtas, migu, miltiene, muntus, papaußkas, papietuwes, pramietatas, pune, putekßlis, ragutes, witulas, wokas „großer geflochtener Korb“. Etwas weniger Dialektismen sind ausschließlich im Gebiet der Ostaukštaiten aufgezeichnet — apβwayta, atwiromis, dungtis, dwayliū, gardibe, ieknos, kižė, kliwas, tapauiu, ſtakus, ſtidenu; ausschließlich im Gebiet der östlichen und südlichen Dzūkier — apilayda, apifkutos, cetlite, dienete „Morgendämmerung“, dwinapusius, karbiia, krauβas, paktotuwe, fautopuolis, funki „schwanger“, βakatu „stampfe, spalte“, βarwas „Mitgift“, tupawimas, unkſne. Von allen angeführten Dialektismen wurden in der bislang zusammengetragenen Belegsammlung des „Wörterbuchs der litauischen Sprache“ die meisten aus Dusetos, Daugėliškis, Tauragnai, Kupiškis, Tverečius, Rokiškis, Utena, Sudeikiai und anderen Gegenden verzeichnet. Nach den gegenwärtigen Daten können folgende Wörter als seltene SzDi-Dialektismen gelten: apilayda, apifkutos, apβwayta, dienete, dwinapusius, paktotuwe, pakirddi, fautopuolis, tupawimas, βakatu. Bezeichnenderweise sind einige der in diesem Kapitel erwähnten Dialektismen aus den östlichen dzūkischen Dialekten des Wilnaer Gebiets belegt, die Sprachwissenschaftlern zufolge viele archaische Merkmale aufweisen. Von den zitierten Dialektismen kommen in K. Sirvydas’ „Punktuose sakymų“ (1629—1644) nur einige vor, nämlich: apipenay, karbtine, tapauiu. Ein bedeutender Teil der SzDi-Dialektismen wurde in schriftlichen Denkmälern verwendet, die in verschiedenen Zeiträumen erschienen und in die sie entweder unmittelbar aus K. Sirvydas’ Wörterbuch oder aus den ostaukštaitischen Dialekten gelangten. Da wir wissen, dass einige Lexikografen und Übersetzer K. Sirvydas’ Wörterbuch intensiv nutzten, können wir annehmen, dass die unten genannten Dialektismen aus K. Sirvydas’ Wörterbuch in ihre Werke eingingen. In S. M. Slavočinskis’ „Giesmės“ (1646) wird nur ein SzDi-Dialektismus verwendet, kiettuwa; in D. Poškas „Słownik języka litewskiego, polskiego i łacinskiego“ (1824) — putekßlis; in D. Sutkevičius’ „Słownik Litewsko-Żmudżko-Polski“ (1835) — muntus, paktotuwe, papietuwes; in F. Neselmanns „Wörterbuch der Littauischen Sprache“ (1851) — kliwas, krauβas, tapauiu, pune, ſtarkus, ſtidenu, wuzwouin, witulas; in A. Koszaževskis „Litwanica czyli wiadomości o Litwie“ — migu, waſaris, witulas; in F. Kurschat’ „Deutsch-littauisches Wörterbuch“ (1870—1874), „Littauisch-deutsches Wörterbuch“ (1883) — ieknos, karbiia, kliwas, pune, ſtarkus, ſtidenu, witulas. Dialektismen, die in K. Sirvydas’ Wörterbuch verwendet wurden, finden sich auch in anderen Schriften. Einige SzDi-Dialektismen stehen bei M. Daukša (apipenay, kižė, kuginis, tapauiu, funki „schwanger“), einzelne bei J. Bretkūnas (funki „schwanger“), M. Petkevičius (kiettuwa), J. Morkūnas (apipenay) und anderen Autoren. Die Dialektismen könnten auch unmittelbar aus der gesprochenen Sprache in diese Schriften gelangt sein. Einige Dialektismen aus SzDi wurden auch in literarischen Werken ostlitauischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts verwendet (z. B. bei J. Tumas-Vaižgantas — atwiromis, dwayliū, karbtine, miltiene, pakirddi, papietuwes, ſtidenu, wasaris „südlich“) und in lexikografischen Arbeiten (in M. Miežinis’ Wörterbuch — kiettuwa, putekßlis; in J. Šlapelis’ — ieknos, gardibe, migu). Zweifellos wurden solche Dialektwörter direkt aus dem jeweiligen Heimatdialekt der Autoren übernommen. Auch die bei J. und A. Juška im Wörterbuch anzutreffenden SzDi-Dialektismen könnten aus der Volkssprache gesammelt worden sein (drutas, karbtinė, papaußkas, putekßlis, wawiowin, karbiia, kižė). 224 Ausgehend von den Bänden I–V des „Lietuvių kalbos žodynas“ und dessen Belegkartei finden wir in keinen schriftlichen Denkmälern Verwendungen der folgenden SzDi-Dialektismen: apßwayta, bayfa, dienele, dwinapuisis, taydau, prieblindinis, fautopuolis, Bakatu „run-tau, skaldau“, tupawimas. Iš SzDi žodžių, mūsų laikomų dialektizmais, „Dabartinės lietuvių kalbos žodyne“ (1954) randama apie dvidešimt. Vieni jų pateikiami be jokių pažymų ir nuorodų, pvz.: karštinė, lapauju, mygu, miltinė, prametal as, vasaris, kiti su pažymomis ryt., dz., tarm., reiškiančiomis, kad žodis plačiau vartojamas tik rytiečių aukštaičių, dzūkų arba jo tarme sunku nustatyti, pvz.: dvailiju, laidau, klivas, pakirdu, stidenu, vaivoju, vytulas, vokas. Die SzDi-Dialektismen zeigen, wie umfassend K. Širvydas bei der Zusammenstellung seines Wörterbuchs den Wortschatz der Umgangssprache und der lokalen Dialekte nutzte. Um möglichst vielen Lesern entgegenzukommen, führte K. Širvydas bisweilen Dialektismen zusammen mit anderen, weiter verbreiteten Wörtern ähnlicher Bedeutung an, z. B.: pabundu, pakirdu D¹104; muntus, potagus D³330; vytulas, jarunga D¹29; waytoiu, waywowiu D¹46; runtau, Bakatu D³372; neščia, Junki D³23; migu, Jpaudžiu, Jpaudau D³36; melžiu, taydau karves D³48, aukšta uota, kraubas D³04; kuginis, namas D¹102; kliwas, klibas D¹124; dienele, aubra D¹29; šwiefeý, atwiromis, rayßkiey, ayßkiey D⁸5; apßwayta, apkuopa D³44; nuoday, apipenay D¹182, D³447. Einige Synonyme der zitierten Dialektismen, wie etwa: waytoiu, neščia, Jpaudžiu, melžiu, sind für die ostlitauischen Hochländer nicht charakteristisch. Gelegentlich wird derselbe Dialektismus in verschiedenen Ausgaben von SzDi oder an einzelnen Stellen innerhalb dieser Ausgaben sowohl ohne parallele Entsprechungen als auch mit solchen angeführt, z. B.: ažutrinimas, prametal as D¹12, D³262; prametal as D³365; lapauiu D¹19, D³71; tapauiu, šiaučiu D¹27; tapauiu, taksau, šiaubiu D³24; gurbas D¹11, D²33; pune, gurbas D³29; drutas, šforas D³169; drutas D³77. Anhand der von uns zitierten Beispiele lexikalischer Dialektismen sehen wir, dass nur wenige Dialektismen in der ersten und dritten Ausgabe wiederkehren: anas D¹114, D³265; apipenay D¹182; D³447, bayfa D¹175, D³424; gurbas D¹11, D³233; tapauiu D¹19, D³371; pakirdu D¹104, pakirdžiu D³347; papaußkai D¹120, papaußkas D³79; unkfna D³34. Viele SzDi-Dialektismen sind in die Literatursprache eingegangen; nur ihre Verbreitungsgebiete weisen auf ihren ostlitauischen Ursprung hin. Die Aufnahme von Terminuswörtern in SzDi lässt sich durch verschiedene Beweggründe erklären: durch gute Kenntnis des eigenen heimischen Dialekts, den Wunsch, den Reichtum der litauischen Sprache jener Zeit zu zeigen und zur Entwicklung der sich herausbildenden Literatursprache beizutragen; durch das Bestreben, polnische und lateinische Wörter präzise und stilistisch angemessen zu übersetzen; durch das Fehlen einer gefestigten Literatursprache und anderes. Die von K. Širvydas in seinem „Dictionarium trium linguarum“ verwendeten Dialektismen zeigen, dass der Verfasser des Wörterbuchs und seine Fortsetzer die mündliche Volkssprache als wichtige Quelle des Wörterbuchs betrachteten. LEXIKALISCHE DIALEKTISMEN IN K. ŠIRVYDAS’ WÖRTERBUCH „DICTIONARIUM TRIUM LINGUARUM“ K. PAKALKA Zusammenfassung Der Artikel behandelt mehr als fünfzig der charakteristischsten lexikalischen Dialektismen, die in der ersten (1629) und der dritten (1642) Ausgabe des „Dictionarium trium linguarum“ vorkommen. Das Fehlen einer endgültig ausgeprägten Literatursprache in der litauischen Schrift des 17. Jahrhunderts sowie die gründliche Kenntnis der Umgangssprache (genauer gesagt der Dialekte der östlichen Aukštaiten) durch den Verfasser des Wörterbuchs waren die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Dialektismen in das „Dictionarium trium linguarum“ eindringen konnten. 15. Lietuvių kalbotyros klausimai, V 225 (von solchen Autoren) waren die wichtigste Voraussetzung für das Eindringen von Dialektismen in das „Dictionarium trium linguarum“. Einige Sprachwissenschaftler (F. Specht, E. Frenkel, J. Otrębski) versuchten, anhand seiner Werke den Dialekt K. Širvydas’ genau zu bestimmen, und kamen zu dem Schluss, dass K. Širvydas seine Werke in gewissem Maße in einer ausgeglichenen (geordneten) Sprache verfasste und enge, spezifisch lokale lexikalische Elemente vermied. Einen beträchtlichen Teil der in diesem Artikel behandelten Dialektismen verwendeten litauische Lexikografen des 19. Jahrhunderts, D. Sutkevičius, F. Nesselmann, F. Kurschat und andere, z. B.: Lebern, krummbeinig, treibe Unfug, bequem, Mittag, Storch, ich zittere usw. Unter den in diesem Artikel angeführten Wörtern sind streng dialektale vergleichsweise selten, z. B.: Verwahrlosung, Morgenröte, einer der Zwillinge, ich wache auf, Sonnenuntergang, ich hacke. Um vielen Lesern entgegenzukommen, führte K. Širvydas im litauischen Teil des Wörterbucheintrags bisweilen Dialektismen neben bekannteren, bedeutungsnahen Wörtern an: dienele, außra „Morgenröte“, melžiu, laydau „ich melke (eine Kuh)“, muntus, patogus „bequem“, pabundu, pakirdu „ich wache auf, erwache“. Die von K. Širvydas in „Dictionarium trium linguarum“ verwendeten Dialektismen zeigen, dass der Autor und auch die Fortsetzer seiner Arbeit die Umgangssprache als eine sehr wichtige Quelle für die Zusammenstellung des Wörterbuchs betrachteten.