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Rytų aukštaičių pontininkų ir vakarinių puntininkų tarmių būdingosios fonetinės ypatybės

J. Šukys

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, V LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA CHARAKTERISTISCHE PHONETISCHE MERKMALE DER OSTHOCHLITAUISCHEN PONTININKAI- UND DER WESTLICHEN PUNTININKAI-MUNDARTEN J. ŠUKYS Gebiet und Nachbarn der beschriebenen Mundarten Die litauischen Mundarten werden traditionell nach phonetischen Kriterien eingeteilt. Die osthochlitauischen Pontininkai werden von den Puntininkai anhand der Aussprache der anlautbetonten Diphthonge am, an unterschieden: Die Pontininkai sprechen die anlautbetonten Diphthonge am, an im Wortstamm als óm, ón aus, die Puntininkai dagegen als üm, ün. Als westliche Puntininkai wird in diesem Artikel1 eine Mundart bezeichnet, deren Gebiet den westlichen Randbereich der Puntininkai einnimmt und weder zu den rotininkai- noch zu den žalininkai-Puntininkai gehört (siehe Abb. 1 und 22). Wie den Karten zu entnehmen ist, sind die Nachbarn der Pontininkai im Westen und Süden die Pantininkai; die Nachbarn der westlichen Puntininkai sind im Südwesten die mittelhochlitauischen Mundarten, im Südosten die Žalininkai und im Osten die Rotininkai. Der östliche Rand der Pontininkai grenzt durchgehend an die westlichen Puntininkai. Neu gesammeltes dialektologisches Material ermöglicht es, die in der litauischen Fachliteratur angegebenen Grenzen der beschriebenen Mundarten zu präzisieren und zu korrigieren. So zeigt das inzwischen vorliegende neue Material beispielsweise, dass die Pontininkai ein kleineres Gebiet einnehmen, als es auf den bisher gedruckten Karten dargestellt wurde3 (vgl. Abb. 2). Auf früher erstellten Karten wurden den Pontininkai Orte zugeordnet, die sich nun als Puntininkai-4Punkte erwiesen haben: 234 (Miežiškiai – Mieškai), 803 (Manikūnai) sowie Pantininkai-Punkte: 168 (Getautai), 201 (Smilgiai), 231 (Sidabravas). Andererseits waren die Pontininkai von Uliūnai und Dūdoniš (268) nicht den Pontininkai zugerechnet worden. Wesentlich genauer als auf den genannten Karten wurden die Grenzen der Pontininkai angegeben 1 Der Terminus „westliche Puntininkai“ wurde in der litauischen Fachliteratur bislang nicht verwendet. 2 Die Karten wurden anhand des im Institut für Litauische Sprache und Literatur der Litauischen SSR-Akademie der Wissenschaften vorhandenen Materials erstellt, das während dialektologischer Expeditionen in der Sowjetzeit gesammelt wurde. 3 „Archivum Philologicum“, Bd. 4, Kaunas, 1933, S. 21—35 (die Karte ist dem Artikel beigefügt); „Wörterbuch der litauischen Rechtschreibung“, Kaunas, 1948, S. 118. 4 Die im Artikel mit Nummern gekennzeichneten Orte bezeichnen Erhebungspunkte, deren Netz für den „Atlas der litauischen Sprache“ des Sektors für Sprachgeschichte und Dialektologie des LKLI erstellt wurde. Weitere Einzelheiten siehe im Anhang „Verzeichnis der Erhebungspunkte benachbarter Mundarten, die an die Pontininkai und die westlichen Puntininkai grenzen“. 175 In P. Būtėnas’ Aufsatz „Die Grenzen der okavierenden Mundart der Aukštaiten“5 verstand P. Būtėnas die okavierende Mundart zwar wesentlich weiter als das, was heute unter Pontininkai verstanden wird (er grenzte die okavierende Mundart anhand der Entwicklung der Zirkumflexverbindungen am, an zu om, on ab; auf diese Weise rechnete er auch einen großen Teil der Pantininkai zur okavierenden Mundart). Allgemeine phonetische Charakteristik der beschriebenen Aussprachen Die Dialekte der Pontininkai und der westlichen Puntininkai bilden keine völlig einheitlichen Dialekteinheiten. Zumindest phonetisch sind die Pontininkai etwas einheitlicher, während sich die im Norden lebenden westlichen Puntininkai durch die Rückverlagerung des Akzents, die Kürzung der Endungen und einige weitere Merkmale den Pontininkai annähern und sich dadurch von den übrigen westlichen Puntininkai abheben. Das ist jedoch durchaus verständlich. Wie V. Grinaveckis6 zutreffend bemerkte, liegt das Zentrum der Akzentverlagerung und der Verkürzung am Wortende im Aukštaitischen im Einzugsgebiet der Mūša; daher weisen die Pontininkai und die im Norden lebenden westlichen Puntininkai in dieser Hinsicht viele Gemeinsamkeiten auf. Andererseits gingen die Wellen der Entwicklung der Diphthonge am, an und der Verhärtung des Konsonanten l von Osten aus; die Isoglossen dieser Erscheinungen verlaufen ganz anders als die Isoglossen der Akzentverlagerung und der Verkürzung am Wortende. Aus diesen Gründen ist die Phonetik der untersuchten Dialekte vielfältig und komplex7. In diesem Aufsatz werden nur die charakteristischen phonetischen Merkmale der Dialekte der Pontininkai und der westlichen Puntininkai behandelt; ihre historische Entwicklung bleibt unberücksichtigt, ebenso einige weniger wichtige phonetische Erscheinungen und Schwankungen der beschriebenen Dialekte. 1. Entwicklung der Stammdiphthonge am, an, em, en zu ám, án, ém, én Im gesamten Verbreitungsgebiet des Dialekts der Pontininkai werden ám, án > zu óm, ón8, z. B.: kónd9 ~ kánda, lóngs ~ lángas, póntis ~ pántis, sómės ~ sámtis, tónke ~ tánkiai, vónt ~ vánta; em, en hingegen bleiben unverändert, z. B.: gyvénį ~ gyvénti, pémpė ~ pémpę. Die in der Literatur gelegentlich angeführten Beispiele für die Pontininkai givėnt, pěmpę10 sind derzeit nicht belegt und konnten offenbar auch früher nicht belegt werden11. Anstelle des alten án wird vor den Konsonanten l, m, n, r, j, v, s, š, z, ž im Dialekt der Pontininkai ein langes o gesprochen, z. B.: kóst ~ kǫ́sti, ǫžals „Eiche“, und anstelle des alten én wird vor denselben Konsonanten ein langes e gesprochen, z. B.: sprėś ~ spręsti. 5 Žr. P. Būtėnas, Aukštaičių tarmės okuojančiosios pašnektės sienos, „Archivum Philologicum“, t. 3. Kaunas, 1932, p. 168—194. 6 Vl. Grinaveckis, Galūnių trumpėjimas lietuvių kalbos tarmėse, „Vilniaus Valstybinio pedagoginio instituto mokslo darbai“, t. 8, Vilnius, 1959, p. 97—104. 7 Plg. I. Jasinskaitė, Kirtis, priegaidė ir jų poveikis vokalizmui Biržų tarmėje, „Lietuvių kalbotyros klausimai“ (toliau — LKK), t. 1, Vilnius, 1957, p. 189—194; J. Šukys, Miežiškių tarmės vokalizmo bruožai, LKK, t. 2, Vilnius, 1959, p. 151—163. 8 Sowohl bei den Pontininkai als auch bei den westlichen Puntininkai meiden Sprecher, deren Dialekt in gewissem Maße von der litauischen Standardsprache beeinflusst ist, häufig dieses markante Dialektmerkmal (die Entwicklung von ám, án) und sprechen ām, ān nicht selten wie in der Standardsprache. 9 Nicht kánd, sondern kónd wird auch bei den nördlichen Puntininkai gesprochen. Möglicherweise wirkt die Analogie zu kóst, kóśanś. 10 Žr. Lietuvių kalbos rašybos žodynas, Kaunas, 1948, p. 119. 11 Plg. P. Būtėnas, min. str. 176 Im gesamten Gebiet der westlichen Puntininker stehen ám, án < ú.m, ú.n¹², z. B.: kú.nd(u) ~ kánda, lú.ng(v)s ~ lángas, pú.nti.(s) „pántis“, sú.mti.(s) „sántis“, tú.nkė ~ tánkiai, vú.nt(u) ~ vánta, während in fast dem gesamten Gebiet der westlichen Puntininker ém, én > i.m, i.n entsprechen, z. B.: givi.nt ~ gyvénti, pi.mpe ~ pémpė. Die unversehrten ém, én bewahren die westlichen Puntininker, die an die nördlichen Pontininker (26, 55, 80, 80ᵃ, 112) und an die Pantininker angrenzen (373, 408, 446). Anstelle des alten án wird vor l, m, n, r, j, v, s, š, z, ž im Dialekt der Puntininker ū ausgesprochen, z. B.: kũši ~ kãšti, ũžal(u)s || ũžol(u)s „Eiche“¹³. ám, án, ém, én Bei allen Pontininkern entsprechen ám, án, ém, én > om (òm), on (òn), ēm (ēm), ēn (ēn), z. B.: komša (kòmša) ~ kamšo, roñkos (rõñkos) ~ rankos, tēmpį (tẽmpį) ~ tempia, švẽnte (švẽnte) ~ šventė. Ebenso wie bei den Pontininkern sind ám, án, ém, én bei den westlichen Puntininkern um Salociai (26, 55, 80, 80ᵃ) zu entsprechenden Lauten geworden. Bei allen übrigen westlichen Puntininkern entsprechen ám, án, ém, én > um, un, im, in, z. B.: kumša ~ kamšo, ruñka.(s) ~ rankos, tẽmpi ~ tempia, švĩnte(.) ~ šventė. Im Dialekt der Pontininker steht anstelle des alten an vor l, m, n, r, j, v, s, š, z, ž ein langes o, z. B.: žõsis ~ žąsys, grõsts ~ grąžtas; anstelle des alten en steht vor denselben Konsonanten ein langes ē, z. B.: grēž ~ gręžia, tēst ~ tęsti. Folglich sind die pontininkischen Beispiele sprēsti, tēst14 als unbelegt anzusehen. Im Dialekt der westlichen Puntininker steht anstelle des alten an vor l, m, n, r, j, v, s, š, z, ž ū, z. B.: žũsi(.)ˢ ~ žąsys, grũšt(u)s ~ grąžtas; anstelle des alten en steht vor denselben Konsonanten ī, z. B.: grĩži ~ gręžia, tĩst ~ tęsti. Nur der Übergangsdialekt von Salociai (55, 80ᵃ, 112) hat anstelle des alten en vor l, m, n, r, j, v, s, š, z, ž wie die Pontininker ē, z. B.: grēž, tēst. Unbetonte am, an, em, en Bei den Pontininkern entsprechen die unbetonten am, an, em, en > om (om), on (on), ēm (ēm), ēn (ēn), z. B.: kompēls (kòmpēls) ~ kampėlis, roñkēla (roñkēla) ~ rankelė, kēmpi.ne (kēm-pi.ne) ~ kempinė, pēnkōlek (pēnkōlek) ~ penkiolika. Ebenso wie bei den Pontininkern sind die unbetonten am, an, em, en bei den westlichen Puntininkern um Salociai (26, 55, 80, 80ᵃ) zu entsprechenden Lauten geworden. Bei allen übrigen westlichen Puntininkern entsprechen am, an, em, en > um, un, im, in, z. B.: kumpēli.(s), ruñkēla(.), kim-pi.ne(.), piñkōlek(v). Vietoje senųjų nekirčiuotų an, en pontininkų ir prie jų prisišliejusių vakarinių puntininkų Saločių tarmėje yra trumpieji o, e, pvz.: kɔsnēls ~ kasnēlis, žąsēles ~ žąselės, grēž.m.s ~ gręžimas, o visų likusių vakarinių puntininkų vietoje senųjų nekirčiuotų an, en prieš tuos pačius priebalsius yra trumpieji u, i, pvz.: kusnēli.(s), žusala(.)s, grĩži.m(u)s. 12 Natürlich bleiben ám, án>ú.m, ú.n und andere Gemeinsamkeiten der Puntininker sowie Gemeinsamkeiten der westlichen Puntininker mit anderen Puntininkern oder Unterschiede zu ihnen in diesem Artikel unberücksichtigt. 13 Für altes én vor l, m, r, v, j, s, š, z, ž wurden bei den westlichen Puntininkern keine Beispiele gefunden. 14 Žr. Lietuvių kalbos rašybos žodynas, Kaunas, 1948, p. 119. 12. Lietuvių kalbotyros klausimai, V 177 2. Entwicklung der alten auslautenden Diphthonge an, en *án, *én Anstelle des alten Wortauslauts *án, *én haben fast alle Pontininker keinen Vokal mehr (lit. a, e), z. B.: sǫ rǫnk ~ su rankà, sǫ kárv ~ su kárve, mėšk ~ miškè; die westlichen Puntininker hingegen haben, mit Ausnahme der Orte um Saločiai und Biržai, die in diesem Fall gemeinsam mit den Pontininkern verlaufen, reduzierte ų, į, z. B.: su ruñku, su kárvi, miški. *ān, *ēn Anstelle des alten Wortauslauts *ān, *ēn hat der pontininkische Dialekt kurze ǫ (o), ė (e) (lit. a, e), z. B.: vaikǫ (vaiko) ~ vaiką, ląpę (lapę) ~ ląpę, bū.vęs (bū.vęs) ~ būvęs. Genau dieselben Vokale haben auch die westlichen Puntininker um Saločiai (26, 55, 80, 80ᵃ). Alle übrigen westlichen Puntininker haben die Vokale į₍ₙ₎, u₍₊₎. Halblange i, u haben die westlichen Puntininker an der Grenze zu den Rotininkern, z. B.: vaiku., ląpi., bū.vi.s; kurze i, u haben die westlichen Puntininker an der Grenze zu den Žalininkern, z. B.: vaiku, ląpi, bū.vis. 3. Längung der betonten kurzen Stammvokale Längung von i, u In den beschriebenen Dialekten sind die betonten kurzen Stammvokale i, u zu halblangen Vokalen gedehnt, z. B.: vi.s(u)s ~ visas, ki.t(u)s ~ kitas, bū.va ~ būvo, šū.ni(i) ~ šūnį. 4. Verbreiterung der unbetonten oder später mit einem zurückgezogenen Akzent versehenen kurzen Stammvokale i, u Ausbreitung In einem großen Teil der pontininkai-Dialekte (um Pasvalys, Joniškėlis) sind die unbetonten oder später mit einem zurückgezogenen Akzent versehenen kurzen Stammvokale i, u verbreitert: i wird vor einem weichen Konsonanten als ę ausgesprochen, z. B.: ęšę ~ išėjo, prėlędęs ~ prilindęs, mėšk ~ miškè, vės ~ visi; i wird vor einem harten Konsonanten gewöhnlich als vorverlagertes ǝ ausgesprochen, z. B.: pažǝnk ~ patinka, lǝg ~ liga; unbetontes u wird überall als ǝ ausgesprochen, z. B.: ǝštėka ~ užtėka, būv ~ buvau, tǝ ~ tu. 5. Kürzung unbetonter langer Stammvokale und Monophthongierung der Diphthonge ie, uo Alle vortonigen und nachtonigen langen Stammvokale i, ū sind in den pontininkai- und westlichen puntininkai-Dialekten zu kurzen Vokalen gekürzt worden, z. B.: tilė̇ ~ tylėti, grudėl(i.)₍ₛ₎ „grūdėlis“. Alle vortonigen und nachtonigen langen Stammvokale ė, o sind ebenfalls zu kurzen Vokalen gekürzt worden. In einem Teil der beschriebenen Dialekte (im Zentrum der westlichen puntininkai) wurden die Vokale ė, o gekürzt, ohne ihre Qualität zu verändern, z. B.: tėvėli(.)₍ₛ₎ „tėvelis“, žolīte(.) ~ žolytė. In einem Teil der beschriebenen Dialekte (bei den pontininkai und den südlichen westlichen puntininkai) verengten sie sich bei der Kürzung und wurden zu ę (i), ǫ (u), z. B.: tėvėl(i.)₍ₛ₎, tivėl(i.)₍ₛ₎, žolīte, žulīte. Bei den westlichen Puntininkai um Biržai und Vabalninkas verbreitert sich o bei der Kürzung und wird als ǝ oder sogar nahezu vollständig wie a ausgesprochen, z. B.: žolīte, žaīte(.) ~ žolytė, stovėj, stovėt ~ stovėti. Anstelle des unbetonten standardlitauischen ė wird um Raguva (302) und südlich von Raguva e ausgesprochen, z. B.: mešīte ~ mešytė, dėžū.te ~ dėžytė. 178 Die unbetonten Stamm-Diphthonge ie, uo sind monophthongiert und ebenfalls kurz, z. B.: donìte, doñte, duñte, doñte, dañite ~ duonýtė; pěnėl(i.)s, pěnėl(i.)s, pinėl(i.)s, pěnėl(i.)s, pěnėl(i.)s „pienėlis“. 6. Akzentverschiebung und Verkürzung am Wortende Der Grad der phonetischen Verkürzung am Wortende bei den Pontininkai und den westlichen Puntininkai hängt vom Grad der Akzentverschiebung ab (siehe Anhang – Abb. 3). Am stärksten wird der Akzent in den Dialekten der Pontininkai im Einzugsgebiet der Mūša und der westlichen Puntininkai (um Saločiai) verschoben. Aus einer kurzen und einer fallend betonten¹⁵ Endung wird der Akzent hier stets auf die unmittelbar vorausgehende lange oder kurze Silbe des Wortstamms verschoben, z. B.: t̃vor ~ tvorà, šåk ~ šakà, gaid̃s ~ gaidỹs, šåkù ~ sakaũ. Da die Akzentverschiebung hier am intensivsten ist, ist auch das Wortende in diesen Dialekten am stärksten verkürzt. Die kurzen Vokale am Wortende (gemeint sind hier auch jene, die aus den alten fallend betonten langen Vokalen und den Diphthongen ie, uo hervorgegangen sind) sind abgefallen oder geschwunden, z. B.: vaĩks ~ vaikas, ak̃s ~ akis, sūns ~ sūnùs, gẽr ~ geri(i < -ie), vaĩk ~ vaikų (u < -uo). Die wortfinalen Konsonanten l, m, n, r, j, v weisen in diesem Fall eine gewisse Silbigkeit auf. Entsteht eine schwer aussprechbare Konsonantengruppe, tritt ein eingeschobener Vokal auf: In Gruppen mit weichen Konsonanten ist dieser Vokal vorderer Zungenlage, z. B.: ar̃klės ~ arklys, tẽkār ~ tikri, in Gruppen mit harten Konsonanten dagegen hinterer Zungenlage, z. B.: ti.kars ~ tikras, kãkals ~ kaklas. Die fallend betonten Vokale am Wortende werden zu kurzen Vokalen verkürzt, z. B.: šiaudù ~ šiaudų, gražù „gražų“. Kurze Vokale stehen auch anstelle von monophthongierten Diphthongen, z. B.: gẽre ~ gerai, šåkù ~ sakaũ. In einigen Fällen sind die alten fallend betonten Vokale am Wortende sogar geschwunden: das ỹ im Nom. Sg. der ia-Stämme, z. B.: ar̃klės ~ arklys, ẽžs ~ ežys; das į im Akk. Sg., z. B.: ãk ~ akį, aũs ~ ausį, di.dėl ~ didelį; das unbetonte y in verkürzten Lokativformen der Substantive auf ia-Stämme, z. B.: daržėl „darželyje“, miškel „miškelyje“. Auch in der Endung des Dat. Sg. maskuliner Substantive steht kein Vokal, z. B.: gaid̃ || gaid̃ „gaidžiui“, vaĩk „vaikui“. Südlich der Pontininkai, um Panevėžys, und in den westlichen Puntininkai, die an das Pontininkai-Gebiet angrenzen, wird der Akzent regelmäßig von einer kurzen Endung auf die unmittelbar vorausgehende lange Silbe des Wortstamms verschoben, z. B.: dien(u) ~ dieną, per̃k(i) ~ perki; in anderen Fällen kommen jedoch Schwankungen vor, z. B.: šåk || šakù ~ šaką, vis || visi ~ visi, gaid(i)s || gaid̃s ~ gaidỹs, gẽre || gerẽ ~ gerai, šåkù || sakõ ~ sakaũ (am Punkt 268 nur labc, sakõ; von einer langen Endung auf die vorausgehende kurze Silbe wird der Akzent hier nie verschoben). In einigen Pontininkai-Gebieten (Punkte 202, 203, 233) kommen solche Fälle ausbleibender Akzentverschiebung sehr selten vor (maßgeblich sind Satzrhythmus, Alter des Dialektsprechers u. a.); bei den westlichen Puntininkai, die an das Pontininkai-Gebiet angrenzen, sind diese Schwankungen jedoch recht ausgeprägt. In all diesen Übergangsdialekten zwischen allgemeiner und bedingter Akzentverschiebung sind die kurzen Vokale manchmal (besonders in schwer aussprechbaren Konsonantengruppen) nicht abgefallen oder geschwunden, sondern werden undeutlich und murmelig noch ausgesprochen; das Schwinden langer Vokale ist hier hingegen untypisch, z. B.: ti.kr(u)s ~ tikras, ar̃k(i)s ~ arklys. Im nördlichen Teil der westlichen Puntininkai (an der Grenze zur Lettischen SSR und um Biržai) wird der Akzent regelmäßig von einer kurzen Endung auf die unmittelbar vorausgehende lange und kurze 15Im äußersten Norden des Pontininkai-Gebiets wird der Akzent manchmal sogar von einer akut betonten Endung verschoben, z. B.: blõgom „blogoms“, sūnam „sūnums“. Von einer verkürzten Lokativendung wird der Akzent jedoch nicht verschoben, z. B.: denõ „dienoje“, galvõ „galvoje“, kertẽ „kertėje“, vagõ „vagoje“. 179 Silbe, z. B. tvor ~ tvorà, šūns ~ šunùs, šāk ~ šakà, viš ~ visi. Wie aus den Beispielen ersichtlich, sind hier alle kurzen Vokale am Wortende abgefallen oder geschwunden. Unbetonte lange Vokale am Wortende sind im Biržai-Dialekt lediglich zu halblangen Vokalen verkürzt, z. B.: bù.vi.s ~ būvęs, kàtì. ~ katę, pì.gù. ~ pigù, stógù. ~ stógų. Bei den übrigen westlichen Puntininkai wird der Akzent regelmäßig von einer kurzen Endung auf die unmittelbar vorausgehende lange Silbe verschoben, z. B.: mokýkla ~ mokyklà, tvorõ ~ tvorà, verkì ~ verkì. Die kurzen Vokale am Wortende fallen in diesem Dialekt nicht ab und schwinden nicht, sind jedoch alle reduziert, z. B.: vãkarus ~16 vãkaras, lazdu. ~ lazda, gýji ~ gýja, bitìs ~ bitès. Unbetonte lange Vokale am Wortende sind im Grenzgebiet der Rotininkai zu halblangen verkürzt, z. B.: grãžu. ~ grãžų, kãrvi. ~ kãrvę, nãmu. ~ nãmą, pìrtì. ~ pìrtį, sãki.s ~ sãkęs, im Grenzgebiet der Žalininkai dagegen zu kurzen, z. B.: grãžu ~ grãžų, kãrvi ~ kãrvę, nãmu ~ nãmą, pìrtì ~ pìrtį, sãkis ~ sãkęs. Die Akzentverschiebung, die Verkürzung am Wortende und andere phonetische Erscheinungen haben das Lautsystem der Puntininkai und besonders der Pontininkai so stark verändert, dass es sich seit dem 1. Jahrtausend deutlich unterscheidet. Liste der benachbarten Dialektpunkte, die an das Pontininkai-Gebiet und die westlichen Puntininkai angrenzen Punkt-Nr. | Punktname | Umgebung | Rajonas | Zugehöriger Dialekt 25 | Žeimelis | Žeimelio | Pakruojo | pant.17 53 | Stegviliai | Bardiškių | „ | „ 60 | Virškupėnai | Pundurių | Biržų | rot. 78 | Guostagalis | Guostagalio | Pakruojo | pant. 84 | Skrebėškiai | Kvetkų | Pandėlio | rot. 115 | Kupreliškis | Kupreliškio | „ | „ 138 | Kapčiūnai | Valdeikių | Pasvalio | pant. (pont. nur Spuren) 143 | Baksėnai | Salamiesčio | Kupiškio | rot. 168 | Getautai | Klovainių | Pakruojo | pant. 174 | Pyragiai | Kupiškio | Kupiškio | rot. 201 | Smilgiai | Smilgių | Šeduvos | pant. 205 | Noriūnai | Noriūnų | Kupiškio | rot. 231 | Sidabravas | Sidabravo | Šeduvos | pant. 235 | Subačius | Subačiaus | Kupiškio | rot. 267 | Eriškiai | Eriškių | Ramygalos | pant. 270 | Surdegis | Surdegio | Anykščių | rot. 271 | Vaidlonys | Troškūnų | „ | žal. 304 | Grybuliai | Traupio | „ | „ 340 | Narbutai | Dabužių | Kavarsko | „ 372 | Pagirys | Pagirio | Ramygalos | pant. 375 | Knitiškiai | Kunigiškių | Kavarsko | žal. 16An einigen Grenzpunkten der Rotininkai (114, 142, 172, 173) ist neben u am Wortende auch a belegt. 17pant. — Pantininkai, rot. — Rotininkai, žal. — Žalininkai, vidur. — mittlere Aukštaiten. 180 Abb. 1. Gebiet der östlichen Aukštaiten-Punktininker und der westlichen Punktininker-Dialekte. 1 — Gebiet der Punktininker-Dialekte, 2 — Gebiet der westlichen Punktininker-Dialekte 181 Nr. des Punkts | Name des Punkts | Amtsbezirk | Rajon | Zu welchem Dialekt gehörig 407 | Gaiziunai | Bukonys | Jonava | mittel. 445 | Pasoda | Pasoda | Jonava | ” 447 | Juoduasiai | Lyduokiai | Ukmergė | gelb. — rot. 474 | Vepriai | Vepriai | ” | mittel. (Punktininker nur Spuren) 475 | Kulniškiai | Kulniškiai | ” | gelb. Abb. 2. Grenzen und Nachbardialekte der östlichen Aukštaiten-Pontininker und der westlichen Punktininker. 1 — östliche Aukštaiten-Pantininker, 2 — östliche Aukštaiten-Pontininker, 3 — östliche Aukštaiten-Westpunktininker, 4 — östliche Aukštaiten-Rotpunktininker, 5 — östliche Aukštaiten-Grünpunktininker, 6 — mittlere Aukštaiten, 7 — Grenzen der Pontininker- und westlichen Punktininker-Dialekte, 8 — Grenzen der Pontininker-Dialekte auf älteren gedruckten Karten. Abb. 3. Rückverlagerung des Akzents in den Dialekten der Pontininker und westlichen Punktininker. 1 — der Akzent wird regelmäßig von einer kurzen und einer langen Zirkumflex-Endung auf die vorausgehende lange und kurze Silbe zurückverlagert, 2 — der Akzent wird regelmäßig von einer kurzen Endung auf die vorausgehende lange Silbe zurückverlagert und weniger regelmäßig von einer kurzen auf eine kurze oder von einer langen Zirkumflex-Endung auf die vorausgehende lange und kurze Silbe, 3 — der Akzent wird regelmäßig von einer kurzen Endung auf die vorausgehende lange und kurze Silbe zurückverlagert, 4 — der Akzent wird regelmäßig von einer kurzen Endung auf die vorausgehende lange Silbe zurückverlagert, 5 — Grenzen der beschriebenen Dialekte. 182 CHARAKTERISTISCHE PHONETISCHE BESONDERHEITEN DER MUNDARTEN DER ÖSTLICHEN AUKŠTAITEN-PONTININKER UND DER WESTLICHEN PUNTININKER И. ШУКИС Zusammenfassung Zur Mundart der östlichen Aukštaiten-Pontininker gehört jene Mundart, in der die diphthongischen Stammkombinationen ām, án>ōm, ón lauten. Zur Mundart der östlichen Aukštaiten-Westpunktininker gehört jene Mundart, in der die diphthongischen Stammkombinationen ām, án>ūm, ún lauten und die, obwohl sie territorial den westlichen Teil des Punktininker-Gebiets einnimmt, weder zu den Rotpunktininkern noch zu den Grünpunktininkern gehört. Die Pontininker und die westlichen Punktininker erstrecken sich hauptsächlich über die Rajons Biržai, Pasvalys, Panevėžys und Ukmergė der Litauischen SSR sowie über Randgebiete einiger benachbarter Rajons. Die beschriebenen Mundarten weisen eine große Vielfalt phon(et)ischer Erscheinungen auf, von denen die überwiegende Mehrheit im Vergleich zur Literatursprache neu ist. Dies ist besonders charakteristisch für das Einzugsgebiet des Flusses Mūša und für die Ortschaften an der Grenze zur Lettischen SSR. Hier sind eine starke Akzentzurückziehung und eine starke Verkürzung des Wortendes bis hin zum Ausfall aller kurzen Vokale sowie in manchen Fällen auch unbetonter langer Vokale (mit steigender Intonation) zu beobachten. Akzentzurückziehung und Verkürzung des Wortendes, wenn auch weniger stark, treten auch im übrigen Gebiet der beschriebenen Mundarten auf. Im gesamten Gebiet dieser Mundarten werden die unbetonten Vokale i, u, ē, o im Wortstamm zu kurzen Vokalen verkürzt, während die betonten kurzen i, u zu halblangen verlängert werden. Die diphthongischen Stammkombinationen am, an, em, en mit fallender Intonation werden in der Mundart der Pontininker als ōm, ón, ēm, én ausgesprochen, in der Mundart der westlichen Punktininker hingegen als ūm, ún, īm, ín. Dieselben diphthongischen Kombinationen mit steigender Intonation werden in der Mundart der Pontininker als oт(ōт), oп(ōп), ēт(ēm), ēп(ēn) ausgesprochen, bei fast allen westlichen Punktininkern hingegen als ūт, ūп, īт, īп. 183