Dėl kai kurių Lietuvos miestų vardų etimologijų
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… ist nur durch eine eingehendere und umfassende Erforschung der baltischen Sprachen möglich, durch die Untersuchung der Unterschiede zwischen den baltischen und slawischen Sprachen und indem man die baltisch-germanischen Parallelen nicht aus dem Blick verliert. Die Aufsätze von A. Vračius tragen zweifellos zur Lösung dieser wichtigen Probleme bei.
Vilnius
S. Karaliūnas
ZU DEN ETYMOLOGIEN EINIGER LITAUISCHER STÄDTENAMEN
Raymond Schmittlein, Quatre toponymes germaniques en Lituanie, „Revue International d’Onomastique”, Paris, 1949, S. 15—20.
Dieser Aufsatz ist einer von vielen Arbeiten R. Schmittleins über litauische Ortsnamen. In seiner Methode, seinen Untersuchungstendenzen und der Art der linguistischen Analyse ist er, allgemein gesprochen, für die meisten toponymischen und patronymischen Forschungen R. Schmittleins zum Litauischen charakteristisch.
In dem Aufsatz behauptet R. Schmittlein ohne ausführlichere Beweise und Erläuterungen, vier litauische Siedlungsnamen — Alsėdžiai, Kėdainiai, Raseiniai ir Šiauliai — seien germanischen Ursprungs.
1. Den Namen des Städtchens Alsėdžiai bringt R. Schmittlein mit dem germanischen Personennamen 1 Elisaidis in Verbindung. Diese Parallele scheint auf den ersten Blick durchaus möglich, denn der Name des Städtchens Alsėdžiai, dessen dialektale Form alsėdė lautet, ist in historischen Dokumenten 1253 als Aliseiden, Alizeyde, Alizeide2 verzeichnet. Diese äußerliche Ähnlichkeit sagt jedoch noch nichts über den Ursprung von Alsėdžiai aus. Erstens scheint der Diphthong ei nach s(z) in den alten Dokumenten kein Befund der gesprochenen Sprache, sondern eine Schöpfung der Schrift zu sein, die unter anderem auch auf dem Weg der Volksetymologie nach dem von R. Schmittlein angeführten Personennamen Elisaidis entstanden sein könnte. Zweitens zeigt die polonisierte Variante desselben Namens aus derselben Zeit, Olsiady3, dass es hier kein ei gegeben hat; vgl. das Olsedy4 des lateinischen Textes von 1421 und das Ольсягы5 des russischen Textes aus dem 16. Jahrhundert. Drittens belegt dies auch die heutige Dialektform alsėdė: Das žemaitische (dounininkische) ie, das dem ė der Standardsprache entspricht, kann nur auf baltisches ē zurückgehen (Alsėdžiai, tarm. alsėdė < *alsēdjai). Folglich ist die Herleitung von Alsėdžiai aus Elisaidis aufgrund von -sed-, -said- bereits fragwürdig.
Dass der Name des Städtchens tatsächlich nichts mit dem germanischen Personennamen Elisaidis zu tun hat, zeigt die Gesamtheit der litauischen Siedlungsnamen, die ihrer Struktur nach …
1 Die Abkürzungen sind dieselben wie in den toponymischen Aufsätzen, die in den übrigen Bänden der „Lietuvių kalbotyros klausimai“ veröffentlicht wurden.
2 Die Grenzen des lettischen Volksstammes und der lettischen Sprache in der Gegenwart und im 13. Jahrhundert... von Dr. A. Bielenstein. St. Petersburg, 1892, p. 241.
3 Ebenda.
4 Codex diplomaticus ecclesiae cathedralis necnon dioeceseos Vilnensis, Krakow, 1948, p. 741.
5 I. Ja. Sprogis, Geographisches Wörterbuch des alten Samogitiens aus dem 16. Jahrhundert, Wilna, 1888, S. 212.
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Die Form ist ähnlich wie bei dem Ortsnamen Alsėdžiai. Wir führen weitere Siedlungsnamen ähnlicher Bildung an: Medsėdžiai, Dorf, Umgebung von Ežaičiai, Rajon Klaipėda; Genčių Medsėdžiai, Dorf, Umgebung von Vaineikiai, Rajon Klaipėda; Barzdižių Medsėdžiai, Dorf, Umgebung von Kalnalis, Rajon Salantai; Jakštaičių Medsėdžiai, Dorf, Umgebung von Jakštaičiai, Rajon Salantai; Daukšių Medsėdžiai, Dorf, Umgebung von Tumplaukė, Rajon Skuodas; Nausėdžiai, Dorf, Umgebung von Meilūnai, Rajon Biržai; Nausėdžiai, Dorf, Umgebung von Pelutava, Rajon Ariogala; Naujasėdžiai, Dorf, Umgebung von Meilūnai, Rajon Ukmergė; Traksėdžiai, Dorf, Umgebung von Traksėdžiai, Rajon Šilutė; Varsėdžiai, Marktflecken, Umgebung von Vytogala, Rajon Šilalė; Mosedis, Marktflecken, Rajon Skuodas; Traksėdis, Dorf, Umgebung von Drobukščiai, Rajon Šilalė; Traksėdis, Dorf, Umgebung von Bartasiškė, Rajon Šilalė; Trimėsėdis, Dorf, Umgebung von Mitkaičiai, Rajon Telšiai. Vgl. Siedlungsnamen mit einem anderen Stamm: Medsėdai, Dorf, Umgebung von Gergždeliai, Rajon Kuršėnai; Nausėdai, Dorf, 1. Umgebung und Rajon Pagėgiai; 2. Umgebung von Darbėnai, Rajon Kretinga; 3. Umgebung von Gardamas, Rajon Šilutė. Vgl. ferner die Personennamen Nausėdas, Nausėdą. Die strukturelle Ähnlichkeit der hier aufgezählten Siedlungsnamen mit -sėd- zum Marktfleckennamen Alsėdžiai ist offensichtlich. Um also etwas Sicheres über den Ortsnamen Alsėdžiai sagen zu können, müssen wir ihn nicht isoliert, losgelöst vom gesamten litauischen Namenssystem, sondern als Teil dieses Systems untersuchen. Das System zeigt vor allem, dass alle oben angeführten Siedlungsnamen mit -sėd- zweistämmig sind: (Med-sėdžiai, Nau-sėdžiai, Nau-j-ā-sėdžiai, Trak-sėdžiai, Vār-sėdžiai, Al-sėdžiai). Ihr zweites Glied -sėd- < *-sēd- ist mit der bei den Balten, Slawen, Germanen und anderen indoeuropäischen Sprachfamilien weit verbreiteten Wurzel -sēd- zu verbinden, aus der das litauische Verb sėdėti stammt, das neben seiner unmittelbaren konkreten Bedeutung im Litauischen auch „sich an einem Ort aufhalten, wohnen“⁶ bedeuten kann; vgl. lit. vien-sėdis „Einzelgehöft“, vien-sėdis „einer, der in einem Einzelgehöft wohnt“. Vgl. ferner alt-nordgermanisch sitja „sitzen, wohnen“⁷. Bei einigen Ortsnamen mit dem zweiten Glied -sėd- ist auch das erste Glied klar: Med-sėdžiai: die Wurzel med- ist mit lit. medis zu verbinden, das bei den Žemaiten „Wald“ bedeutet; Trak-sėdžiai: trak- leitet sich von lit. trākas „Gestrüpp, Waldlichtung, eine höher gelegene Stelle im Wald“ her; Nau-sėdžiai, Nau-j-ā-sėdžiai: nau(ja)- ist vom Adjektiv naujas „neu“ abgeleitet. Demnach kann Med-sėdžiai „die im Wald Befindlichen, die im Wald Wohnenden“ bedeuten. Trak-sėdžiai bedeutet „die im Gestrüpp oder auf einer Waldlichtung Wohnenden“. Nau(ja)sėdžiai bedeutet „die sich irgendwo neu Angesiedelten“ oder Ähnliches.
Das erste Glied al- des Ortsnamens Alsėdžiai lässt sich offenbar mit den litauischen Ortsnamen Alỹs || Alionių ežeras, See im Rajon Širvintos, Aliai, Sumpf im Rajon Švenčionys, Alėja, Fluss im Rajon Kupiškis, vergleichen; vgl. lit. alėti „laufen, fließen, tröpfeln“ und lett. aluots, avuots „Quelle“⁸. Demnach ließe sich die Bedeutung des Ortsnamens Al-sėdžiai folgendermaßen erklären:
6 Wörterbuch der litauischen Gegenwartssprache, Vilnius, 1954.
7 Russisches etymologisches Wörterbuch von Max Vasmer, II, 1955, p. 622.
8 Dėl šaknies al- dar žr. K. Būga, Lietuvių kalbos žodynas, Kaunas, 1924, p. 53; H. Krahe, Fluss- (und Orts-) Namen auf -mana/-mina, „Beiträge zur Namenforschung“, Heidelberg, 1957, Heft 1; H. Krahe, Der Flußname Salantas, ten pat, 1960, Heft 3, p. 259—262; H. Krahe, Der Flußname Ausa und sein Zubehör, ten pat, 1961, Heft, 2, p. 154; B. Savukynas, Ežerų vardai, „Lietuvių kalbotyros klausimai“, t. 3, Vilnius, 1960, p. 293. Be kita ko, ir pats R. Smitleinas kiek anksčiau, daug teisingiau (žr. R. Schmittlein, La toponymie lituanienne, Bade, 1948, p. 149).
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Die Bedeutung ließe sich also folgendermaßen erklären: „die in Wassernähe, an einem feuchten Ort Wohnenden“.
K. Būga hält den Namen des Marktfleckens Alsėdžiai für kurisch9.
2. R. Schmittlein leitet den Stadtnamen Kėdainiai vom germanischen Personennamen Hathu, Hedan ab. Bei dieser Parallelisierung berücksichtigt Schmittlein eine der umfangreichsten litauischen Personennamenfamilien mit kėd-, ked- nicht: Kėdãinis, Kėdą, Kėdas, Kėdỹs, Kėdžius, Kėdaitis, Kėdikis, Kėdãinis, Kėdas, Kedỹs, Kėdis, Kedžius, Kėdaitis, Kedėnis, Kederỹs, Kėdikas, Kedūtis.
Uns scheint, dass der Ortsname Kėdainiai, dessen ältere Form Kėdainys lautet10, vom litauischen Personennamen Kėdainis abzuleiten ist (vgl. den Personennamen Kėdãinis). Die Behauptung, die Personennamen Kėdainis, Kėdainis und alle übrigen genannten Personennamen mit kėd-, ked- könnten Entlehnungen aus dem Germanischen sein, beruht auf einem grundsätzlichen methodischen Fehler, der R. Schmittlein unter anderem zu eindeutig falschen Schlussfolgerungen geführt hat11. R. Schmittlein ignoriert die axiomatische Wahrheit, dass die Gemeinsamkeit von Wortstämmen, insbesondere der ältesten Orts- und Personennamen, in verschiedenen indoeuropäischen Sprachen keineswegs immer Entlehnung bedeutet, sondern häufig lediglich darauf hinweist, dass die Sprachen oder Sprachgruppen Kinder derselben Familie sind. Die Ähnlichkeit einiger alter germanischer und baltischer Personennamen harrt noch weiterer Untersuchungen; wie weit auch immer die Wissenschaft der Anthroponymie voranschreiten mag, dürfte man kaum jemals zu dem Schluss gelangen, dass Entlehnung die Ursache dieser Ähnlichkeit ist.
Aus diesem Grund gibt es vorerst keinerlei Grundlage dafür, die umfangreiche litauische Personennamengruppe mit kėd-, ked- als aus dem Germanischen entlehnt anzusehen. Außerdem lässt sich die Wurzel kėd-, ked- der Personennamen auch anhand litauischer Sprachdaten erklären; vgl. kėd-a-roti „sich unordentlich verzweigen“, ked-énti „zerzausen, auflockern, zerreißen“ und anderes, kėd-oti „zerstreuen, ausbreiten“ und anderes, kėd-ulti „kämmen, aufrauen“, kėd-uoti „mischen, aufrauen“12. Vgl. ferner Ortsnamen mit dieser Wurzel: lit. Kėd-ilės, Einzelgehöft im Rajon Skuodas; Kėd-iškė, Gehöft im Rajon Šilutė; Kėd-žiakalnis, Hügel im Rajon Kapsukas; Ked-ónys, Dorf im Rajon Jieznas; Kėdž-balė13, Sumpf; Cedusai < *Ked-asai, lett. Cede, Bach; Cedes14, Dorfgemeinde.
3. R. Schmittlein verbindet den Stadtnamen Raseiniai mit deutschen Personennamen, die Ras- enthalten, z. B.: Raspert, Rasmar, Rasimund, Resino.
Heutzutage sprechen die Bewohner der Umgebung den Stadtnamen Raseiniai als Resėiniai || Resėinys. Res- ist hier vielleicht eine dialektale Form, denn in den Mundarten von Raseiniai wird der Konsonant r auch in anderen Fällen häufig palatalisiert, z. B.: riáugėti ~ ráugėti, išibróvė ~ išibróvė, sriaunùs ~ sraunùs, sriové ~ srovė, sriáu-
9 K. Būga, Rinktiniai raštai, III, Vilnius, 1961, p. 418.
10 K. Būga, Rinktiniai raštai, I, Vilnius, 1958, p. 427; III, p. 148.
11 Z. B. im Artikel „Voies et impasses de la toponymie lituanienne“, „Revue International d’Onomastique“, Paris, 1958, Nr. 2, S. 107—138. R. Schmittlein hält die litauischen Personennamen Daugailis, Buvydas, Daujotas und andere für germanisch.
12 Lietuvių kalbos žodynas, I, Vilnius, 1959, p. 480 ir kt. Dėl kėd-, kėd- žr. Litauisches etymologisches Wörterbuch von Prof. Dr. Ernst Fraenkel, Heidelberg-Göttingen, 3, p. 233.
13 K. Būga, Rinktiniai raštai, III, S. 275.
14 J. Endzelīns, Latvijas PSR vietvārdi, I daļa, 1. sējums, Rīga, 1956, S. 156. Zu Kėdainiai siehe ferner K. Būga, Rinktiniai raštai, I, S. 427; III, S. 148.
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das ~ srāutas, vgl. lett. strauls, sriovinga ~ srov inga. In historischen Dokumenten finden sich die Formen: im lateinischen Text von 1253 Rassevene15, im deutschen Text von 1385 Rossyeyn16, im lateinischen Text von 1421 Rosseyni17, im russischen Text des 16. Jahrhunderts Посейны18; auch dies zeigt, dass nach dem I ein a stehen muss.
Der Ortsname Raséiniai steht im litauischen Namensbestand nicht allein. Die Wurzel ras- enthalten auch folgende Ortsnamen: Rãsupis || Raséika Fluss im Rajon Raseiniai, Nebenfluss des Reizgu-pis, Ras-a-kilas Hügel im Dorf Petrikiškiai, Rajon Kavarskas, Ras-a-kilýnė Wiese im Dorf Raguva, Rajon Ukmergė, Ras-a-krytynė Flur im Dorf Pariškiai, Rajon Pandėlys (vgl. rasakilė „Wiesenpflanze aus der Familie der Rosengewächse“), Ras-ių daubà Schlucht im Städtchen Bartninkai, Rajon Vilkaviškis, Ras-ón-pjaunis Wiese im Dorf Pryšmantai, Rajon Ariogala, Ras-ýtė Städtchen im Gebiet Kaliningrad. Die Wurzel ras- ist auch in litauischen Personennamen recht häufig, z. B.: Ras-ỹs, Ras-iūnas, Ras-eliūnas, Ras-iūkas, Ras-iūlis.
Die Wurzel ras- in Ortsnamen wurde bereits mit dem litauischen Appellativum rasą19 verglichen, vgl. lett. rasa, russ. роса, den avestischen Flussnamen Ranha20.
4. R. Schmittlein meint, der Name der Stadt Šiauliai sei von germanischen Personennamen mit dem Element sav- abgeleitet: Savaricus, Savalo, Savilis, Saul. Wie auch in den drei oben genannten Fällen verschweigt R. Schmittlein das umfangreiche baltische Material zu dieser Wurzel. Zwar geht aus der Einleitung seines Buches „Toponymie lituanienne“21 und besonders aus seinen onomastischen Aufsätzen hervor, dass dem Autor nur wenig baltisches Material zur Verfügung steht. Doch in diesem Fall handelt R. Schmittlein völlig unangemessen. Der Ortsname Šiauliai ist von K. Būga22 mehrfach überzeugend erklärt worden, R. Schmittlein erwähnt Būgas Etymologie jedoch mit keinem Wort.
Hervorzuheben ist lediglich, dass der Ortsname Šiauliai von einem Personennamen abgeleitet ist, nämlich vom litauischen Personennamen Šiaulys. Den Familiennamen Šiaulys tragen derzeit in Litauen etwa 150 Familien.
A. Vanagas
Vilnius
15 A. Salys, Die žemaitischen Mundarten, Kaunas, 1930, p. 231.
16 Scriptores rerum Prussicarum, II, Leipzig, 1863, p. 677.
17 Codex diplomaticus..., p. 74.
18 Н. Я. Спорис, min. veik.
19 G. Gerullis, Die altpreussischen Ortsnamen, Berlin und Leipzig, 1922, p. 144.
20 Näheres siehe M. Vasmer, a. a. O., S. 537. Zur Endung -ein- siehe K. Būga, Rinktiniai raštai, I, S. 427.
21 Siehe Raymond Schmittlein, Etudes sur la nationalité des Aestii, t. 1, Toponymie lituanienne, Bade, 1948, S. 15.
22 K. Būga, Rinktiniai raštai, II, S. 98, 349, 588.