Apie vieną kirčio neatitraukimo atvejį šiaurės vakarų dūnininkų ir pietvakarių dounininkų tarmėse
Full text
LIETUVIŲ KALBOS GRAMATINĖ SANDARA
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
ÜBER EINEN FALL DES NICHTZURÜCKZIEHENS DES AKZENTS IN DEN NORDWESTLICHEN DŪNININKAI- UND SÜDWESTLICHEN DŪNININKAI-DIALEKTEN
B. ROKAITĖ ir V. VITKAUSKAS
Über die Akzentzurückziehung in den žemaitischen Dialekten, ihre Art und ihre Schwankungen ist viel geschrieben worden; schon vor langer Zeit wurden recht genaue Isoglossen der Akzentzurückziehung gezogen1. Bei weiteren Untersuchungen der Dialekte nach dem Programm des Atlas der litauischen Sprache werden jedoch bislang noch nicht beobachtete und nicht dokumentierte Fälle von Akzentzurückziehung oder Nichtzurückziehung festgestellt. Hier soll nun ein Fall der Nichtzurückziehung des Akzents in einem bestimmten Teil der žemaitischen Dialekte behandelt werden.
Die Dialekte der Umgebung von Judrėnai, Veiviržėnai, Rietavas und Švėkšna gehören bekanntlich zur Zone der allgemeinen Akzentzurückziehung: In ihnen wird der Akzent gewöhnlich sowohl von einer kurzen als auch von einer zirkumflektierten Endung zurückgezogen. Bei Untersuchungen dieser Dialekte in den letzten Jahren wurde jedoch festgestellt, dass der Akzent in zweisilbigen Wörtern nicht von der kurzen Endung auf einen langen Stamm zurückgezogen wird. Zum Beispiel: eˈtė (a dâˈr vės eˈtė malóudâˑms²), la.ukòs (viˈtâˑuc [toks upelis] b́ieg pa.r tôs la.ukòs), maˈrtė (mėˈšùos maˈrtė na-dôud) – Judrėnai, Dorf Jocių; nadeˈrlė leisa, maˈšòs (iˈsediejaˑu maˈšòs âˑusˑte), meˈrgà (dėktėˑ meˈrgà bọ.va navėsprūote), šeˑltà truobà (šeˑltà truobà-siedo žėimūoms trūobūo), šˈveisa (ēˑt reivˈjūota šˈveisa, maclˈaų) – Judrėnai, Dorf Lėlėnų; ọˈntrà deinà (ọˈntrà deinà kãˈp nier nómėi), kˈa.ulės (kˈa.ulės dãˑ ėzdyasˈnse), pę.lnà (pę.lnà šõlėˈne võˈnldėˑnc), žmuogòs (pašę.mėre žmuogòs tėˑp stãˈgėˑ) – Veiviržėnai, Dorf Upitėnų; ga.lvà (apsę.ṣok ga.lvà sọ tãˑs klã.usęnėˑs), kˈa.ušlòs (žọ.ncuˑn kˈa.ušlòs ṣọriˑnks), kiˈmbòs (tãs īˑ tioks kiˈmbòs, jõuc), miˈnkštà (miˈnkštà meˈsė.ke bọ.va), stọ.ngàs (sọ.ngàs [ienas] nupljãˑusˑte e palėˈda), žọ.nlcės (aš tioks bọvãˑu kãˑp žọ.nlcės), žmuogòs (važėˈva žmuogòs sọ šlãˑudūˑn vėžėmò) – Rietavas, Dorf Kadagynų (obwohl man auch hier in diesem Fall einige Male eine Zurückziehung des Akzents hörte, zum Beispiel: glọudėˑnc īˑ ẹˑlks, lėišˈtė lėiz ọ.nc; ka.lbà (la īˑ vėjo ka.lbà), slę.nkṣl-člòs (pa.r slę.nkṣl-člòs kiˈk às priˈšežàˈrgūojo), vaˈkọs (pa.r vaˈkọs gavãˑu lėjuos nuˑ tėva) – Švėkšna, Dorf Skomantų; darˈbọs (darˈbọs vˈrs ba gãˈla), maˈsà (sa-nọˑm žmuogùˑ maˈsa našvaˈk), pę.lnė (priˈskiˑd pę.lnė la.ukãˑ vėštãˑlo), puˈròs
1 „Archivum Philologicum“, Bd. 4, Kaunas, 1933, S. 33; V. Grinaveckis, Šiaurės vakarų dūnininkų kirtis, LKK, Bd. 1, Vilnius, 1957, S. 109; Kirčio atitraukimas ir nukėlimas lietuvių kalbos tarmėse, LKK, Bd. 4, 1961, S. 117—119.
2Die Beispiele mit Sätzen werden angeführt, damit das gesamte System der Akzentzurückziehung und Nichtzurückziehung in diesen Dialekten deutlicher hervortritt. Das Zeichen (ˑ) kennzeichnet die Weichheit eines Konsonanten.
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(purõs kõ·r siesė – slā·pes dė·rvas), sta·gò, še·rdės (sta·gò merė, raše še·rdės anõ im plì·ša) – Švėkšna, Dorf Būdviečių.
Ein ähnliches Phänomen wurde auch im südlichsten Dialekt der Zone allgemeiner Akzentzurückziehung, dem Dialekt von Pajūris (Rajon Šilalė), aufgezeichnet. Dort wurde keine Akzentzurückziehung von einer kurzen Endung auf den langen Stamm eines zweisilbigen Wortes beobachtet (zum Beispiel: ka.lbà ė·t, ka gerà ė·sas; tuorà stẽprà ėš mi·to), obwohl der Akzent von einer langen Endung auf einen Stamm beliebiger Art und von einer kurzen Endung auf einen kurzen Stamm recht häufig zurückgezogen wird (zum Beispiel: aš patė padarìsu·t; žal·uos mė·šuos pǫšė kelìuograma dã·vę).
Für mehrsilbige Wörter gilt die erwähnte Regel nicht: In diesen Wörtern wird der Akzent stets von einer kurzen Endung auf einen langen Stamm zurückgezogen. Zum Beispiel: jáuni·s'lė (jáu-ni·s'lė nieka navà·z), krù·mal·òs (sma·kstà·u kà·r|vę puo tõs krù·mal·òs) – Švėkšna, Dorf Būdviečių; ìlerokọ (kõ·n aš ėšvė·rso tuok·ọ mažọ pap·jūovęs ìlerokọ), kà·r|vekės (vė·do kà·r|vekės gãnieu si·k·ọ) – Judrėnai, Dorf Lėlėnų; brọ·nges·nė (soselã·kė vėsė, lā·uke k·ọ·l brọ·nges·nė [javai] bū·s) – Veiviržėnai, Dorf Upitėnų; mė·lžūo-nės (tuoks ka.imì·nc ir mė·lžūonės), žė·r|n·ọkọs (ànà vė·rp ę vės kọ·nd tõs žė·r|n·ọkọs) – Rietavas, Dorf Kadagynų.
Wie lässt sich also erklären, dass in den erwähnten Dialekten der Akzent von einer kurzen Endung nur bei zweisilbigen Wörtern auf einen langen Stamm nicht zurückgezogen wird?
Man könnte annehmen, dass es sich hier um eine der Schwankungen in den Randdialekten der Zone allgemeiner Akzentzurückziehung handelt. Verschiedene Unregelmäßigkeiten bei der Akzentzurückziehung treten an den südlichen Rändern der nordwestlichen dünininkai auf3, im südlichen Teil von Kuršėnai4; auch südlich von Užventis wurden Unregelmäßigkeiten bei der Akzentzurückziehung beobachtet. Doch betreffen die Schwankungen der Akzentzurückziehung hier (besonders in der Umgebung von Kuršėnai, Šaukėnai und Užventis) mehrsilbige Wörter; keineswegs bleibt der Akzent auf kurzen Endungen stehen, während er im oben erwähnten Fall nur in zweisilbigen Wörtern (mit langem Stamm) – und zwar bei kurzer Endung – nicht zurückgezogen wird.
Obwohl also Dialekte außerhalb der Zone allgemeiner Akzentzurückziehung möglicherweise einen gewissen Einfluss darauf gehabt haben, dass der Akzent in den beschriebenen Dialekten auf der Endung erhalten blieb, kann es dennoch auch andere Ursachen für dieses Phänomen geben, zumal das Gebiet, in dem der Akzent von einer kurzen Endung nicht auf den langen Stamm eines zweisilbigen Wortes zurückgezogen wird, recht groß ist und weit nordwestlich der Grenze der Akzentzurückziehung liegt.
Eine solche Ursache könnte offenbar die Dehnung des ersten Bestandteils vorakzentueller Diphthonge in den erwähnten Dialekten sein5. Zum Beispiel: ge.ltūona, la.ukà·les, pa.r pėc·òs, pra.us·s, žė.l·vė.tes (Judrėnai), ata.ugì·n·te, sọtru.m·pėje, spro.n·dė·les, va.ik·lọkà (Švėkšna), ga·lvūoja·u, ka.rtọ·ma, la.ukà·ms, napsoga.l·vios, pę.rkà·u, še·r|gė·ms (Veiviržėnai). Ähnlich wird auch im Dialekt von Pajūris gedehnt, der an der Grenze der allgemeinen Akzentzurückziehung liegt (zum Beispiel: b'ja.urì·bę, kal·vì·s'lę, ma.r·tė·le), ebenso im Dialekt von Vainutas, in dem der Akzent überhaupt nicht zurückgezogen wird (zum Beispiel: a.lgà, pa.r·nọgara, ža.n·ciena). Dieses
³ V. Grinaveckis, Šiaurės vakarų dünininkų tarmių fonetinės ypatybės ir jų raida, „Vilniaus Valstybinio pedagoginio instituto Mokslo darbai“, Bd. 11, 1960, S. 46.
⁴ Vyt. Vitkauskas, Kuršėnų tarmės kirtis ir priegaidė, LKK, Bd. 3, Vilnius, 1960, S. 64.
⁵ Lange vorakzentuelle Vokale bleiben im Dialekt lang; in diesem Fall sind sie offenbar noch etwas länger.
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Die Verlängerung des Bestandteils eines Diphthongs in vortonigen Silben, die offenbar vor der Akzentzurückziehung eingetreten ist (darauf weist dieselbe Verlängerung in den Mundarten von Saūgai und Ramučiai im Rajon Šilutė hin, vgl. dra'ugūs, me'rgą, sa'ugās, va'ikų, sowie in der Mundart von Vainutas, in der der Akzent überhaupt nicht zurückgezogen wird), wahrscheinlich aufgrund der Angleichung der Quantität nachtoniger und vortoniger Silben, könnte ebenfalls dazu geführt haben, dass der Akzent nicht von der kurzen Endung zweisilbiger Wörter zurückgezogen wurde.
Die Mundarten von Švėkšna, Judrėnai und Veiviržėnai, die den Impuls zur Akzentzurückziehung zuletzt erhielten und bereits eine verlängerte vortonige Silbe aufwiesen, begnügten sich mit eben dieser Verlängerung.
Somit würde dieser Fall der Nichtzurückziehung des Akzents in den südwestlichen žemaitischen Mundarten zeigen, dass die Mundarten neben allgemeinen Gesetzen der Akzentzurückziehung oder ihrer Unterlassung auch Regelmäßigkeiten der Akzentzurückziehung aufweisen, die nur für eine bestimmte Mundart oder Mundartengruppe charakteristisch sind.
ÜBER EINEN FALL DER BEWAHRUNG DER WORTENDUNGSBETONUNG IN DEN MUNDARTEN DER NORDWESTLICHEN DŪNININKAI UND SÜDWESTLICHEN DŪNININKAI
Б. РОКАЙТЕ und В. ВИТКАУСКАС
Zusammenfassung
In den žemaitischen Mundarten der Umgebung von Judrėnai, Veiviržėnai, Rietavas und Švėkšna, die zur Zone der allgemeinen Akzentzurückziehung gehören, wird in zweisilbigen Wörtern der Akzent nicht von der kurzen Endung auf den langen Wortstamm zurückgezogen. Im Artikel wird angenommen, dass als eine der Hauptursachen für diesen Fall die Verlängerung des Vokals in der vortonigen Silbe gelten kann.
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