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Zietelos tarmės būdvardis

A. Vidugiris

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Z O D Ž I Ų F O R M O S I R J Ų V A R T O S E N A L I E T U V O S T S R M O K S L Ų A K A D E M I J A A. VIDUGIRIS ADJEKTIVE IM ZIETELOSER DIALEKT1 Wortbildung Im Zieteloser Dialekt gibt es überwiegend Adjektive mit sekundären Suffixen; zudem unterscheiden sich viele von ihnen von den Adjektiven der Schriftsprache mit derselben Wortbildung. Deshalb werden sie hier ausführlicher behandelt. Adjektive, die mit primären Suffixen und bedeutungstragenden Endungen gebildet sind, gibt es wesentlich weniger; sie sind fast alle alt und unterscheiden sich nicht von entsprechenden Bildungen der Schriftsprache, z. B.: aklas, auštas „hoch“, báltas girtas, pilnas, rūštus | rūštas „sauer“, skìstas, šáltas, šìltas, támšus usw.; deshalb werden sie nicht gesondert behandelt. Allerdings gibt es im Dialekt vergleichsweise viele Lehnwörter (z. B.: bėrdas, britkùs „hässlich“, drãmnas || drãbnas „klein“, gãdnas „gut“, jãs nas „klar“, krūglas „rund“, krutùs „steil“, kūdas „mager“, prãstas „gerade“, prutkùs „stark“, slìepas „blind“, skùpùs || skùpas „geizig“, sliskùs „rutschig“, slobùs „schwach“, tupùs „stumpf, abgestumpft“, žitkùs „schnell, lebhaft, fröhlich“); ihre Form und Wortbildung unterscheiden sich jedoch nicht von den litauischen. Von anderer Wortbildungsart, etwa zusammengesetzten Adjektiven, wurde nur ein einziges Beispiel aufgezeichnet, und auch dieses ist suffigiert: visadė*ininis, -ė „täglich“. Im Folgenden werden die Suffixderivate nach ihren allgemeinsten Bedeutungen gruppiert, wie auch in der „Grammatik der litauischen Sprache“2. Innerhalb der Gruppen werden zuerst die Adjektive mit den Suffixen behandelt, die die meisten Derivate aufweisen. Die alphabetische Reihenfolge der Suffixe wird nur dann berücksichtigt, wenn mit jedem der beiden Suffixe gleich viele Derivate belegt sind. Derivate mit qualitativer Bedeutung Derivate dieser Bedeutung gibt es im Dialekt nur wenige; deshalb werden zugleich die suffigierten Adjektive behandelt, die sowohl eine individuelle qualitative Bedeutung als auch eine durch die Suffixe verliehene verallgemeinerte qualitative Bedeutung haben. Zuerst werden die Derivate mit verallgemeinerter qualitativer Bedeutung angeführt, danach die mit individueller Bedeutung, von denen es wesentlich weniger gibt. Z. B.: -ingas, -a. Adjektive mit dem Suffix -ingas werden meist aus Substantiven gebildet. Nur ein einziges verbales Derivat ist belegt: dėdingas, -a, z. B.: dėdinga višta „ein legefreudiges Huhn“. 1Der Artikel ist Teil einer größeren Arbeit über den Zieteloser Dialekt. Zur Morphologie des Dialekts wurden Abhandlungen über das Substantiv veröffentlicht: LKK, Bd. 11, S. 147—182; über das Pronomen: LKK, Bd. 3, S. 113—131; über das Verb: MAD, A, Bd. 2(11), S. 219—231; LKK, Bd. 14, S. 199—219. Einige Bemerkungen zur Phonetik des Dialekts siehe LKK, Bd. 2, S. 195—213. 2 Lietuvių kalbos gramatika, vyr. red. K. Ulvydas, t. I, Vilnius, 1965, p. 550—586 277 Ableitungen bezeichnen meist das Vorhandensein bzw. die Fülle der durch das Grundwort ausgedrückten Eigenschaften, manchmal auch deren Größe, z. B.: steiniger Boden, flachsreiche Flachsfelder, milchreiche Kuh, harzreicher derevėkas „harziges Schreibmaterial, Stock“, saftreiches Heu „saftiges Heu“, saftiges Gras. Bei anderen Ableitungen ist eine andere, mit dem Grundwort verbundene Eigenschaft zu erkennen, z. B.: ein lustiger Alter „ein alter Mann, der zum Lachen bringt“. Besonders zahlreich ist die Gruppe der Ableitungen, die den Zustand eines trächtigen (trächtig werdenden oder trächtig gewordenen) weiblichen Tieres bezeichnen, z. B.: jėringą avbką „ein trächtiges Schaf, Schäfchen“, kalingą kalė, katė katingą, kumelingą kumėlė, paršingą káilę, télingą karvę. Die Bedeutung weiterer Ableitungen steht nur mittelbar mit der Bedeutung des Grundworts in Zusammenhang, z. B.: wurmige Beeren „wurmige, von Würmern befallene Beeren“, ein „herziger“ Hund „ein böser Hund“, „herzige“ Bienen. -okas, -a (vgl. -okus). Mit diesem Suffix werden Adjektive von Adjektiven abgeleitet; sie bezeichnen meist nicht das volle, sondern nur ein bestimmtes Maß einer im Positiv ausgedrückten Eigenschaft. Ihre Bedeutung hängt eng mit der Bedeutung der Grundwörter zusammen und erschließt sich am besten aus dem Kontext. Das Suffix -okas, -a tritt meist an Adjektive mit a-Stamm, z. B.: ein noch recht junger Alter „ein ziemlich junger alter Mann“, eine leicht bittere Gurke „eine leicht bittere, etwas herbe Gurke“, ein leicht bitteres Gras, ein etwas schwerhöriger Mensch „ein etwas schwerhöriger Mensch“, etwas flachsreiche Flachsfelder, ein schon älterer Bursche „ein schon etwas älterer Bursche“, etwas älteres Gras, ein leicht nasser Weg, munáik ein wenig kalt „heute ist es etwas kalt“, kurze Hosen. Die Variante -okus (weibliche Formen dieses Stammes sind nicht belegt) wurde nur bei Adjektiven mit u-Stamm aufgezeichnet, z. B.: jau tamsokù bit „es war schon etwas dunkel, halbdunkel“, negardù, rūš tókų || rūš tókù „nicht schmackhaft, leicht sauer, etwas säuerlich“, rūš tokùs alùs3. Die Variante mit u-Stamm schwindet; man sagt bereits auch rūš tók as, -à, rūš tóka. -ėtas, -a. Die wenigen Ableitungen mit diesem Suffix werden meist von Substantiven mit ė-Stamm gebildet und bezeichnen eine Oberflächeneigenschaft von Gegenständen, z. B.: löchriger Boden, löchrige Scheune, löchrige Hosen, ein von Geschwüren bedeckter Hals „ein mit Beulen, schmerzenden Geschwüren bedeckter Hals“. Ableitungen mit diesem Suffix kommen auch bei Wörtern anderer Stämme vor, z. B.: hügeliges Land; vgl. das zusammengesetzte Suffix -inėtas im Wort drobinėtas, z. B. drobinėtus tañčiun vėsim, pākulinus vórin išmėsim „die in Leinen gekleideten führen wir zum Tanz, die in Werg gekleideten werfen wir auf den Hof (hinaus).“ -otas, -a. Adjektive mit dem Suffix -otas, -a werden überwiegend von Substantiven mit o-Stamm abgeleitet, z. B.: bärtige Männer, ein zottiger Hund, ein federgefülltes Kopfkissen „ein Federkissen“, ein verzweigter Baum; Ableitungen kommen jedoch auch von Substantiven mit a-Stamm vor, z. B.: eine dickbäuchige Kuh, ein schnurrbärtiger Mensch „ein bärtiger Mensch“. -(i)uotas, -a. Adjektive mit diesem Suffix werden vorwiegend von Substantiven mit (i)a-Stamm abgeleitet, jedoch ebenfalls nicht durchgängig, z. B.: eine Henne mit Haube „eine Henne mit Haube“, lapūta šlóta; behaarte Hände, aber: splu·snū·tas sūlas „ein Federstuhl“, häufiger splu·snótas. Ableitungen mit dem Suffix -(i)uotas bezeichnen meist das Vorhandensein zusätzlicher Oberflächenmerkmale; mit diesem Suffix wurden jedoch auch Adjektive gebildet, die eine innere, auf Fülle bezogene Eigenschaft ausdrücken, z. B.: lehmiger Boden „lehmiger Boden“; sandiges Feld „sandiges Feld, Acker, Land“. 3 Zu dem Suffix -okus in anderen Dialekten und in älteren Schriften siehe P. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, Vilnius, 1943, S. 134; J. Otrębski, Wschodnio-litewskie narzecze Twereckie, Bd. I. Kraków, 1934, S. 168; A. Valeckienė, Dabartinės lietuvių kalbos įvardžiuotinių būdvardžių vartojimas, „Literatūra ir kalba“, Bd. II, Vilnius, 1957, S. 291–292. 278 -iškas, -a. Su šia priesaga užrašyta maža pavyzdžių. Jie padaromi iš daiktavardžių ir rodo panašumą ar priklausomybę, nusakomą pagrindiniu žodžiu, pvz.: bóbiška vãsara „bobų vasara“ (frazeologizmas), lietuviškos giẽsmės. Vietoje šios priesagos dažniau vartojama -iškis, -ė, plg.: lietuviškės giẽsmės, lietuviškei žmoni’s, vyriškis šlìkas „vyriška kepurė“. -(i)vas, -a. Individualios kokybinės reikšmės būdvardžių, padarytų su šia priesaga, maža. Vieni jų — būdvardžių ir prieveiksmių vediniai, pvz.: anstìvas, -à „ankstyvas, -a“, vėlyvas, -à; kiti — daiktavardžių, pvz.: rūpelsìvas || rūpẽslìvas, -à „rūpestingas, -a“. Su lietuviškais savo forma sutampa dažnai tarmėje vartojami skoliniai, pvz.: paršìvas, -a „blogas, nevykęs“, utarlìvas „kalbus, šnekus“, vizglìvas, -a „piktas, irzlus“. Andere Adjektive mit individueller qualitativer Bedeutung weisen sehr unproduktive Suffixe auf; von ihnen ist jeweils nur das eine oder andere Beispiel belegt. Ohne spezielle Studien fällt es heute vielen sogar schwer, das Wort anzugeben, von dem sie abgeleitet sind. Im Artikel führen wir sie alphabetisch nach den Anfangslauten der Suffixe auf: -anas, -a. Šią priesagą turi iš veiksmažodžio padarytas būdvardis álkanas, -à. -imas, -a. Ta priesaga yra tik viename iš daiktavardžio padarytame žodyje svẽtimas, -à. -ynas, -à. Su šia priesaga yra tik būdvardis mẽlinas, -à. -nykas: Dieses Suffix haben nur Adjektive: arìmnìkas norãgas „Pflugsterze“, ras[a]unìkai grybai „Pilze, die während der Getreideblüte wachsen“. -onas, -a. Šią priesagą turi būdvardžiai geltónas, -à ir raudónas, -à. Das eine oder andere Adjektiv ist aus einer litauischen Wurzel mit einem slawischen Suffix gebildet, z. B.: -avotas, -a: ilgavóti nasrai „ziemlich lange, längliche Schnauze“. Die Ableitung kann nach dem Muster von Lehnwörtern gebildet sein: duplavótas mẽdžas „hohler, ausgefaulter Baum“, parãžavóta mergà „gelähmtes Mädchen“. -ušístas, -a: lapušìstas mẽdžas „laubtragender Baum“. Ableitungen mit relationaler Bedeutung Alle Adjektive dieser Gruppe, die mit verschiedenen Suffixen gebildet werden, haben eine unterscheidende Bedeutung, d. h. sie heben die bezeichneten Gegenstände von anderen ihnen ähnlichen Gegenständen ab und geben ihre Art an. -inis, -ė. Dies ist das häufigste Suffix dieser Gruppe und ersetzt nicht selten sogar andere, z. B.: lapìnė gìrà „Laubwald“, smalìnė màlka „harzreiches, harziges Holz“ usw. Ableitungen mit diesem Suffix werden vorwiegend aus Substantiven gebildet (z. B. namìnė paišštė), seltener aus Adjektiven (z. B. visadìninė rūbai) und Verben (z. B. šùtinei šùlai); außerdem werden die meisten von ihnen aus nicht abgeleiteten Wörtern gebildet. Die wichtigeren Bedeutungen, die gewöhnlich anhand der Beziehungen zwischen den Grundwörtern und den daraus gebildeten Ableitungen unterschieden werden, sind folgende: a) Das Material, aus dem oder mit dem etwas hergestellt ist, z. B.: agūnìnis pìenas, añ(k)slìinė màlka, aržolìnė ašìs, avižìnis kisìlis, beržìnės šakõs; cementìnis galąstuvas, dròbinis añtas, gelažìnis norãgas, grìkinė pelai, jelaũkinės vùogos, „Wacholderbeeren“, kana- 279 pinis pantis, kopūstinis kvõšas „Kohlsaft“, kunõdinė košė „Kartoffelpüree“, kvietinei miltai, lininei pelai, miežinės kruopos, pagaline koja „Holzbein“, pagalinis brentas „hölzerner Brank“, pãkulinis audiklas, ruginė putrà „Schnee-berg „Schneeberg, Schneeverwehung“, šarinis šapetis, šiaudinė stribchėlė „Strohdach“, šilkinė plõštė. Einige Adjektive mit dem Suffix -inis, -ė in dieser Bedeutung bezeichnen zusammen mit dem Bezugswort manchmal einen einzigen Begriff, z. B.: geležinis kelas „Eisenbahn“, kunõdinė miltai „Stärke“, žirninė rugiẽna „Erbsenstroh“. b) Zugehörigkeit zu oder Verbindung mit dem durch das Grundwort bezeichneten Gegenstand, z. B.: an(k)slinei pūsai „Erlenknospen“, arklinė mėsi̇ka, kaulinė dešra, vištinė mėsi̇ka, živinė vudegė „Fischschwanz“, seserinė dukte. c) Der Ort, an dem sich etwas befindet, lebt, ereignet oder aufbewahrt wird, die Lage im Raum, z. B.: apatinis norãgas, apatinė spadnìčia „Unterrock“, kampinis daũtis, kopūstai balinei „weiße Kohlköpfe“, laukinis kelas „Feldweg“, laušinė pusė „linke Seite“, pakutinis kampas „Ehrenplatz, Ecke an der Herrgottswinkelbank“, tìsnis šònas „rechte Seite“, vandeninė paištė, žõdinė ratai „Hinterräder“. d) Zweck, Bestimmung, Eignung für den durch das Grundwort bezeichneten Gegenstand, z. B.: avìkinės žirklos „Schafschurschere“, pūdinis aĩtas „Topflappen“, sėklinė kunodà „Saatkartoffel“, pavasarinis ir žieminis ōbuvis „Frühjahrs- und Winterschuhe“, šūtin ei šūlai „Nähgarn“, šventinei rūbai, visadieninei rūbai. e) Ein sonstiges unterscheidendes Merkmal, das den durch das Grundwort bezeichneten Gegenständen zukommt, z. B.: ausinis šlikas „Ohrenmütze“, daržinė žėmė, dūminė pirkà, girinė obolė „Wildapfelbaum“; lapinė girà „Laubwald“, plietinė chmora „Regenwolke“, melžinė kãrvė „Milchkuh“, namìnė dùona, plaukinės kanãpės, žanikas šaudinis (|| šūdīnis) „untauglicher Bräutigam, Schwiegersohn, Ehemann“. f) Die Art und Weise, wie etwas hergestellt wird, z. B.: klotinės kanãpės, šūtin ei čeravikai „genähte Schuhe“. g) Ein hoher Grad einer bestimmten Eigenschaft, z. B.: bõčei religinei „religiöse Eltern“, smalinė mãlka. i) Eine Zeit oder Zeitspanne, mit der ein Gegenstand oder eine Handlung verbunden ist, z. B.: Jahresferkel, Frühlingsferkel, Herbstbirnen, Sommer- und Winterroggen, Winterweizen. Mit dem Suffix -inis und bestimmten Formanten dazwischen werden zusammengesetzte Suffixe gebildet. 1) -utinis, -ė. Adjektive mit diesem Suffix werden aus Substantiven, Zahlwörtern und Adverbien gebildet und bezeichnen die Lage, Reihenfolge oder Grenze des Bezugsgegenstands (einer Eigenschaft oder Handlung) im Verhältnis zu anderen Gegenständen, z. B.: paskutinis gražuminas, paskutinės kojos, vidutinis kampas, vidutinė dukte „mittlere Tochter (nach der Geburtsreihenfolge)“, viršutinis akmūo; 2) -otinis, -ė, z. B.: savõtinis, -ė „Verwandter, Angehörige(r)“, skurõtinis, -ė „lederner, lederne(r)“; 3) -ujinis, -ė. Dieses Suffix ist neben dem Suffix -utinis, -ė nur mit dem Substantiv vidùs belegt, z. B.: vidujinis vaikas, vidujinė mergà (neben vidutinis, -ė). -ykščias, -ia (mundartlich -yščias, -ia). Adjektive mit diesem Suffix werden überwiegend von Adverbien abgeleitet. Mit ihnen werden gewöhnlich der bezeichnete Gegenstand und seine Art zeitlich eingeordnet, z. B.: dabariškas piẽnas, nu niškà putrà „heutige Suppe“, pẽrniškas šienas, vakariščios kumõdos. -iškis, -ė. Von Substantiven abgeleitete Adjektive mit diesem Suffix bezeichnen gewöhnlich Gegenstände oder Personen nach ihrer Herkunft, ihrem derzeitigen oder Wohnort sowie ihrer Zugehörigkeit, z. B.: 280 dainaviškis kėlas, krėliškis laukas „Feld im Dorf Krėliai“, kurpešiškė gira, lietaviškis (|| lietuviškis) liežyvis „litauische Sprache“, zieteliškis žmogus. -ienis, -ė. Ableitungen mit dem Suffix -ienis sind selten. Sie bezeichnen die Herkunft von dem durch das Grundwort benannten Gegenstand oder die Zugehörigkeit zu diesem Gegenstand. In der Mundart sind solche Adjektive zur Bezeichnung von Strohsorten zu hören, z. B.: avižėnei (|| avižėni), kvietėnei, miežėni šaudai, bet rugini (|| ruginei) miltai. In Bedeutung und Bildung unterscheiden sich die mit dem Suffix -okis, -ia von Zahlwörtern abgeleiteten Adjektive deutlich von den Ableitungen dieser Gruppe; sie geben die Anzahl der Gegenstandsarten an, z. B.: dvejōkis alūs „Bier zweierlei Art“, dvejōkos suraviškos „Pilze zweier Arten“; vgl. auch ähnlich gebildete Pronomen: visōkis neben visokis, visokās, visoka, selten kitokās || kitokis, visalokās || visalokis. Gelegentlich werden Adjektive dieser Art auch mit dem Suffix -okas, -a verwendet, z. B.: dvejōkos sōtkos „zwei Äcker, zwei Hofgrundstücke“. Diminutiva Viele Diminutivadjektive des Zietelaer Dialekts werden mit anderen Suffixen gebildet als im Litauischen. -itkas, -a. Dies ist eines der produktivsten Suffixe. Die Ableitungen werden gewöhnlich von primären Adjektiven qualitativer Bedeutung oder von solchen mit primären Suffixen gebildet. Sie erhalten dabei weniger eine diminutive, affektive Bedeutung, sondern verstärken und betonen vielmehr die durch das Grundwort ausgedrückte Eigenschaft. Ableitungen mit dem Suffix -itkas, -a werden gewöhnlich von Adjektiven mit a-Stamm gebildet, z. B.: auštitkas mädžas, baltitkà drōbė, gār itkas berniukas, geltōnitki lapai, grīnitkas šōnas „ganz nackte Seite“, gīvitkas su nūs, jaunītkas bėrmas, kreivitki beržai, ilgitkas sūlas, līgitkas laūkas, milītkas vaikas „ganz liebes Kind“, svīēitkos (|| sveikitkos) kunōdos „ganz gesunde Kartoffeln“, svīēžitkas sviėstas, žilitkas dīedas „ganz alter Großvater“. Bei Adjektiven mit u-Stamm kommt gelegentlich -itkus, -i vor, z. B.: gražitkùs bėrnas, gražitki mergà, pig itkus sviėstas, pigitku’s obᵇolėi neben gražitkà duktė. Möglicherweise wurden Ableitungen mit dem Suffix -itkus, -i nach den entsprechenden u-Stamm-Adjektiven gebildet; wie jedoch der analoge Gebrauch der Adjektive mit den Suffixen -okas, -okus zeigt, sind sie nicht neu. Außerdem ist festzuhalten, dass manche Sprecher des Dialekts dieses Suffix gelegentlich mit langem i aussprechen, z. B.: graži·tkūs, māci·tkas „winzig“, žāli·tkas, žīli·tkas. Wahrscheinlich ist auch das Suffix -ickas, -a als Variante des Suffixes -itkas, -a anzusehen, z. B.: baltickà skā(p)e/ta „weißes Tüchlein“, mackickà (seltener maskiskà) mergitė „kleines Mädchen“, trumpickas šakalūkas „kurzes Zweiglein“⁴. Nur vereinzelt sind Adjektive mit anderen Suffixen belegt, z. B.: -elis, -ė: dėdelis, didelė neben didelė. Im Dialekt hat es ebenso wie im Litauischen keine unterscheidende Bedeutung (das Grundwort didis ist hier nicht erhalten geblieben). Diesem Wort steht sowohl hinsichtlich der Bildung als auch der Bedeutung die Ableitung daūgelis nahe (vgl. daūgelis nvažūn Li·dōn neben daūgis nuvāei Zietelon), die aufgrund ihrer Flexion als Substantiv anzusehen ist und eine quantitative Eigenschaft bezeichnet; 4 Zur Herkunft des Lautes c in den Suffixen -itkas, -a und -ickas, -a sowie im Wort māckas, -a siehe P. Skardžius, Lietuvių kalbos žodžių daryba, S. 123–125; vgl. J. Otrębski, Gramatyka języka litewskiego, Bd. II. Nauka o budowie wyrazów, Warszawa, 1965, S. 273. 281 -intulis, -ė: macintulis (|| macintulis), macintulė, häufiger macintulitkas, -a; -ukutas: mažukūtas. Hervorzuheben sind Adjektive mit dem Suffix -ėlis, -ė, die keine Diminutivbedeutung haben. Ableitungen mit diesem Suffix werden von Adjektiven oder Partizipien gebildet und haben eine hervorhebende, abgrenzende Bedeutung, z. B.: abrizgėlis pienas „angesäuerte Milch“, mergą pabuvelė „eine ältere Jungfer“, pūvelė pirkā „ein teilweise verfallenes Bauernhaus“, rūštėlė gruše „die saure Birne“, saldėlis obolis „der süße, süßliche Apfel“. Präfigierte Adjektive sind überhaupt nicht belegt. Flexion Allgemeine Bemerkungen Genus. Das Adjektiv im Zietelos-Dialekt hat wie im Litauischen drei Genera: Maskulinum, Femininum und Neutrum, z. B.: gėras, gerà, gėra, gražùs, graži, gražū, šaltōkas, šaltokà, šaltōka. Anders als die Maskulina und Feminina haben die Adjektive im Neutrum keine Numerus- und Kasuskategorien. Am häufigsten sind Adjektive des Neutrums mit dem Stamm a belegt, zum Beispiel: es wächst so hoch; was ist mit dir zu hören?; ob es gut oder schlecht ist; mir ist es hart ohne Kopfkissen „mir ist es ohne Kopfkissen hart“; Für Vilnius ist alles „Für Vilnius sind alle schuldig und verschuldet“; leicht zu glauben; weich zu liegen; wenig Neues hast du gefunden; die Biene denkt nicht daran, irgendetwas zu tun; überall ist es voll davon; wenn es trocken ist, ist es besser „wenn es trocken ist, ist es besser“; ungesund, wenn es heiß ist „wenn es heiß ist, ist es ungesund“; obwohl es niedrig ist, wird es doch trocken „obwohl es niedrig ist, wird es doch trocken“. Auch das Neutrum von Adjektiven mit dem Stamm u wird recht häufig verwendet, zum Beispiel: furchtbar, die Wäsche; alles ist unsagbar teuer; die Biene ist so tief; schön wie nach dem Roggenmähen; es ist für alle nicht bitter; alles ist schmackhaft; alles ist sehr billig; es wurde dunkel; sehr dicht sind die Birkenwälder. Mažiau užrašyta ia kamieno bevardės giminės būdvardžių, pvz.: visa naũja reika bit pìrkt „visa nauja reikėjo pirkti“; šlãpa bit visa „šlapia vis buvo“; mušìm vãsarai žãla, gražù „pas mus vasarą žalia, gražu“. Neutra haben auch viele Adjektive des a-Stamms mit den Suffixen a -itkas (-itkus), -okas (-okus), -onas und anderen, z. B.: šìltitka, kab sãule žìbina „es ist warm, wenn die Sonne scheint“; visa žãlitka „alles ist grün“; gražìtkù ča; nu'nãik šaltōka „heute ist es kühl“; jaũ tàmsokù bit „es war schon etwas dunkel“; geltōna, mėli'na ir raudōna. Bevardės giminės formų visai neturi ia kamieno priesaginiai būdvardžiai. Be to, nepavyko užrašyti a kamieno būdvardžių su priesagomis -anas, -ėtas, -imas, -ingas, -iškas, -yvas, -otas, -uotas ir nepriesaginių būdvardžių grìnas, -à, jáunas, -à, kurčùs, -à, plōnas, -à, trùmpas, -à ir kt. bevardės giminės formų. Es gibt jedoch Adjektive, die ausschließlich im Neutrum vorkommen, z. B.: ar verta pìrkinėt „ob es sich lohnt, einzukaufen“; do ir vargù màn būt „und mir ist es mühselig zu leben“. Neutrumformen werden recht häufig anstelle von Adverbien verwendet, z. B.: gràita atài „kam schnell“; ar ilga tu ča suksìs; gražù padarita visa „alles ist schön gemacht“; pigù ùdavė „gab es billig her“; visa lìgu „ungeachtet dessen“. Offenbar handelt es sich hierbei nicht um einen alten Sachverhalt, sondern um eine Neuerung unter dem Einfluss der slawischen Sprachen, da beispielsweise die Belarussen das Neutrum nicht vom Adverb unterscheiden. 282 Adjektive mit den Suffixen -ingas, -a, die einen bestimmten Zustand weiblicher Tiere bezeichnen, haben nur das Femininum, z. B.: dėdingà višta „eine legere Henne“, jėringà avìka, kalingà kãlė, katė katingà, kumelingà kumãlė, paršingà kaũlė, telìngà kárvė. Das Maskulinum kommt nur in Vergleichen vor, z. B.: ãnas vaišioja kap telìngas „er ist sehr dickbäuchig und fett“. Numerus. Das Adjektiv der beschriebenen Mundart hat zwei Numeri: Singular und Plural, z. B.: bãltas, bãlti, bãltà, bãltos, jaunãšnis, jaunèsni. Dualformen kommen nur zusammen mit den Zahlwörtern du, dvi vor: dù gražù bérnu nuvažàvō Pólščun „zwei hübsche Burschen fuhren nach Polen“; jaíp dvì gražì mergìti bit „sie hatte zwei hübsche Mädchen“. Kasus. Adjektive haben keine eigene Allativ- und Vokativform. Somit gibt es insgesamt acht Kasus. Der Singular-Adessiv wird überwiegend bei Bezeichnungen für Lebewesen verwendet. Im Plural hat die Mundart diesen Kasus jedoch überhaupt nicht. Pronominale Adjektive gibt es in der Mundart nicht. Dass es sie einst gab, zeigen allenfalls die erhaltenen, auf alle Nomina verallgemeinerten Instrumentalformen des Singulars Femininum (vgl. sa bãltai || baltài, gražù, kurčài, pūvėlai, širdingai || širdingái⁵) sowie Reste der Pronominalformen anderer Kasus⁶. Zur Bezeichnung betonter oder hervorgehobener Eigenschaften werden gewöhnlich verschiedene Ableitungen mit Suffixen verwendet, z. B.: armìni: kas norãgas, dievė mãno áušìtkas, jaunitkas (|| sėnitkas) bērnas, rūštėles ũgos, šaldēlei obolei. Steigerung Das Adjektiv der Zietelaer Mundart hat zwei Steigerungsstufen: den Komparativ und den Superlativ. Der Komparativ wird aus der Grundform mit dem Suffix -esnis, -ė gebildet (nach verhärteten Konsonanten -asnis, -ė), z. B.: gardèsnis, gardèsnė, gerãsnis, gerãsne, mažãsnis, mažãsne, plonãsnis, plonãsne. Der Superlativ wird meist aus dem Komparativ des Adjektivs mit dem slawischen Partikel nai gebildet (das gewöhnlich betont ist), z. B.: náididẽsnė gīrà, náiplonãsnis, náisveikẽsnė, náisenẽsnis, náišaltãsne, náimažãsnis. Der Superlativ der Adjektive, der aus der Grundform des Adjektivs mit dem Suffix -ausis || -ausias gebildet wird, kommt nur gelegentlich vor, z. B.: vesėj ãnas senãusis bit; macnãusas mãdžas áržolas. Verwendet wird auch der sogenannte absolute Superlativ der Adjektive, der aus der Komparativform und dem Pronomen pats gebildet wird, z. B.: põnai jėdė pãča gerãšnė-silkà, išdaužė mažãsni· pãti: „sie erschlug den allerjüngsten (Bruder)“, oder aus Superlativformen mit dem Suffix -ausis, -ausias und dem Partikel nai, z. B.: pakinkino náigerãusa· árkli; náigražãusis bérnas, náigražãusa mergìtė. Auch viele qualitative Adjektive mit Suffixen werden gesteigert, z. B.: an(k)stīvas, -à, an(k)stīvesnis, -ė, nãian(k)stīvesnis, -ė, vėlyvas, -à vėlivėsnis, -ė, náivėlivėsnis, -ė, širdingas, -à, širdingẽsnis, -ė, raudõnas, -à, raudo-nẽsnis, -ė. Adjektive ohne Grundform sind: artẽsnis, -ė, nãjartẽsnis, -ė, tau-lãsnìs || tolãsnìs, -ė, nãitaulẽsnis, -ė. Dass sie einst vorhanden war, zeigen die adverbialisierten Substantive daik- 5 Vgl. LKK, Bd. 11, S. 166—167. 6 Vgl. LKK, Bd. 3, S. 129—130. 283 Substantivische Lokative „nah“, „fern“ neben tauli. Die nicht komparative Form vyresnis, náiviresnis war wahrscheinlich ursprünglich das Substantiv vyras. Auch Adjektive des Neutrums werden gesteigert. Ihre Steigerungsformen sind genau dieselben wie die der Adverbien, z. B.: lañgva, langvẽst arba langváust, náilang-váusa. Wie im 1. Kapitel gibt es in der Mundart auch zahlreiche nicht steigerbare Adjektive, z. B.: bã-sas, -à, darbùs, -ì, ebenso Ableitungen mit den Suffixen -inis, -ė, -yščias, -ià, -ėtas, -otas, -uotas. Deklination Maskulines Genus a-Stamm Singular Plural N. gyvas, ligitkas gi·vì, ligitkì G. gyvo, ligitko gi·vų, ligitkų D. gi·vám, ligitkám⁷ gi·viemi, ligitkiemì A. gi·vą, ligitką gi·vùs, ligitkùs I. gi·vù, ligitkù gi·vaĩs, ligitkaĩs L. gi·vañ, ligitkañ gi·vùos(à), li·gitkùos(à) Ill. gi·vañ, ligitkañ gi·vùosna, ligitkùosna Ad. gi·vám(p), ligitkám(p) Die Singularformen des Inessivs sind infolge einer Angleichung innerhalb des Paradigmas verkürzt; eine Form mit vollständiger Endung ist überhaupt nicht belegt. Auch die Singularendung des Adessivs ist verkürzt, z. B. gi·vám, gerám, seltener jaunámp, senámp (< jaunámpi). Der Akzentton der betonten Endung ist meist fallend, gelegentlich wird er jedoch auch steigend ausgesprochen, z. B. rodnam̃p bočip būstu „ich wohne beim leiblichen Vater“. Die gewöhnliche Plural-Dativendung ist -iemi (naujíemi, širdingíemi „den Bösen“, žilitkíemi). Manchmal ist der Diphthong ie in dieser Endung monophthongiert und verkürzt, z. B.: gerimi žmonėmi geraì būt „für gute Menschen ist es gut zu leben“, jaunìmi tai geraì, o senìmi tai blogaì. Neben der Plural-Instrumentalendung -ais, wird manchmal auch -mi, gesagt, z. B. nėr kur būt sa mažìemi „es gibt keinen Ort, wo man mit den Kleinen (Kindern) leben könnte“. Die Endung -mi ist hier wahrscheinlich aus dem Plural-Instrumental der Personalpronomina und einiger Substantive mit bestimmten Stämmen verallgemeinert worden⁸. Das Adjektiv mažūkutas, wird substantivisch flektiert; vgl. Singular-Dativ mažukùtu vaĩku pãmetė nėkiek asmóku „dem kleinen Kind ließ er etwas Geld zurück“, Plural-Dativ abaronkàs išdaildinėj mažukùtami vaikaĩmi „die Brezeln verteilte er an kleine Kinder“. 7 Formen mit zwei Akzentzeichen zeigen, dass sie auf zweierlei Weise betont werden, d. h. auf dem Stamm (ligit-kam) und auf der Endung (li·gitkám usw.). Bei der Bestimmung der Paradigmenformen half die ehemalige Lehrerin der Zasečiai-Grundschule Katryna Žukelytė—Jodienė. 8 Vgl. LKK, Bd. 3, S. 117, 127—128; LKK, Bd. 11, S. 167—168. 284 ia-Stamm Singular Plural Nom. šlāpas, sāldēlis šlāpi, sāldēlei Gen. šlāpō, sāldēlō šlāpų, sāldēlių Dat. šlāpām, sāldēlų šlāpėmi, sāldēlami Akk. šlāpa·, sāldēli· šlāpus, sāldēlius Instr. šlāpù, sāldēlù šlapeis, sāldēleis Instr. šlāpām, sāldēli· šlāpūos(a), sāldēlūos(a) Ill. šlāpān, sāldēlan || -in šlāpūosna, sāldēlūosna Adv. kurčām(p), didelip Einige Adjektive des ia-Stamms haben neben dem Endungsvokal (i)a ein i, z. B.: Sg. Nom. šlāpis, Sg. Akk. šlāpi·, Sg. Instr. laūšim „linken“ (vgl. Sg. Nom. lāušis || laušis), Sg. Ill. laušin. Diese Endung ist wahrscheinlich nach Adjektiven wie girinis, gražāšnis, Sg. Akk. girini·, gražāšni· usw. entstanden. Mehrsilbige Adjektive haben neben der substantivischen Plural-Nominativendung (vgl. an(k)slinei pušai „Erlenknospen“, kvietinei miltai, dabariščei arkleĩ, nāisenėšnei mažžei) häufig eine adjektivische Endung, z. B.: girini žmonės „wilde Menschen“, avižėni šaudai, pērni·sči burōkai, pirmutini atvažāu zasečiški virškei, wie zweisilbige Adjektive (balti, geri, žili). Mehrsilbige Adjektive mit den Suffixen -ēlis (z. B. abrizgēlis, pūvėlis), -elis (dāugetelis), -int-ūlis (macintūlis) werden wie das Adjektiv sāldēlis, d. h. substantivisch, flektiert. Beide Arten von Endungen (sowohl adjektivische als auch substantivische) haben Ableitungen mit dem Suffix -iškis, vgl. Sg. Dat. dainaviškam, zasečiškam und pagirišku, zietelišku. Alle übrigen mehrsilbigen Adjektive werden ebenso wie zweisilbige flektiert, z. B.: Sg. Gen. dabariščo, Sg. Dat. girinam, Sg. Akk. kvietini || kvietinin·, mu·ni·šća, Sg. Instr. paskutiniū, Sg. Instr. pērni·ščam, Sg. Ill. pirmutīnan || pirmutinin, Sg. Adv. senāušam(p) || nāisenāušam(p), Pl. Dat. senesnēmi usw. u-Stamm Singular Plural V. gardùs, gražitkùs gárdu·s || gardi, gražitkùrs || -itkì K. gardauš || gárd(ž)o, gražitkaūš || grārd(ž)ū, gražitkū N. gard(ž)ām, gražitkām gard(ž)ēmi, gražitkēmi G. gárdu·, gražitku·, d ž. -itka· gard(ž)ūs, gražitkūs Įn. gard(ž)ū, gražitkū gard(ž)eis, gražitkais Įn. gard(ž)ām, gražitkām gard(ž)ūos(a), gražitkūos(a) Il. brangūn, gražitkān gard(ž)ūosna, gražitkūosna Ad. gard(ž)ām(p), gražitkām(p) Dies ist einer der schwächsten Stämme. Neben dem Genitiv Singular gardauš || gárdo || gárdžo, dem Dativ Singular gardžām || gardām usw. werden auch der Genitiv Singular gárdo, sāldo, der Dativ Singular gardām, der Instrumental Singular sāldū, der Illativ Singular li·gan, der Adessiv Singular brangām(p) und der Genitiv Plural sāldū verwendet, d. h. rein a-stämmige Formen. Vollständig (manchmal auch sporadisch) zum a-Stamm übergegangen sind 285 Adjektive aštras, gūdras, rūštas ~ rūgštas, stipras, sūras, tiesas (|| tiesas) „rechts“. Bei mehrsilbigen Adjektiven mit u-Stammausgängen treten am häufigsten die Formen des Maskulinums Singular Nominativ und des Neutrums auf, z. B.: gražitkūs, pigitkūs, rūštokūs, gražitkų, pigitkų, rūštokų, tamis[k]ių, tamsokų. Ihre übrigen Formen sind selten. Femininum Adjektive aller Stämme (o, io, ė) werden im Femininum annähernd genauso dekliniert wie die entsprechenden Substantive. Zum Vergleich geben wir ein Paradigma an. Singular N. gi·va, šlapà, gardì, sáldelė, gražitkì || gražitkà G. gi·vōs, šlapōs, gard(ž)ōs, sáldelės, gražitkōs D. gi·vai, šlapei, gard(ž)ei, sáldelai, gražitkai A. gi·vą, šlapą, gard(ž)ą, sáldelą, gražitką I. gi·vai, šlapái, gard(ž)ai, sáldelai, gražitkai I. gi·vōj, šlapōj, gard(ž)ōj, sáldelēj, gražitkōj L. gi·vōn, šlapōn, gard(ž)ōn, sáldelēn, gražitkōn Ad. gi·vìi(p), šlapēi(p), gražitkāip Plural V. gi·vos, šlapōs, gard(ž)os, sáldelės, gražitkos K. gi·vū, šlapū, gard(ž)ū, sáldelū, gražitkū N. gi·vomi, šlapōmi, gard(ž)ōmi, sáldelēmi, gražitkōmi G. gi·vàs, šlapàs, gard(ž)às, sáldelas, gražitkàs Įn. gi·vomi, šlapōmi, gard(ž)omi, sáldelēmi, gražitkomi Įn. gi·vosà, šlapōsà, gard(ž)osà, sáldelēsà, gražitkosà Il. gi·vósna, šlapósna, gard(ž)ósna, sáldelēsna, gražitkósna Nach dem Nom. Sg. gražitkì würden wir konsequenterweise auch die übrigen io-stämmigen Formen erwarten; sie sind jedoch sehr selten (Gen. Sg. gražitkōs, Instr. Sg. gražitkái, Nom. Pl. gražitkos), während fast ausschließlich o-stämmige Formen verwendet werden. Neben den üblichen ė-stämmigen Formen des Nom. Pl. kommen bisweilen auch io-stämmige Formen vor, z. B.: mi·žūnos krū·pos, rudenìnos grūšos. Akzentuierung Die Akzentuierung der Adjektive im Zietela-Dialekt ist stark uneinheitlich. Da die Sprecher des Zietela-Dialekts in diesem Dialekt seltener als auf Weißrussisch sprechen, haben sie viele regelmäßige Eigenheiten ihres Dialekts vergessen. Die meisten Akzentabweichungen treten aufgrund von Analogie auf. Wahrscheinlich werden nach den Adjektiven mit zirkumflektiertem oder kurzem Stamm (litauische Akzentklasse IV) häufig viele Formen mit akutiertem Stamm (Akzentklasse III) akzentuiert, z. B.: Sg. Nom. an(k)stìva, dabarìščà, nu·ni·ščà, sulingà, širdingà, vėli·và, Dialektform: an(k)stìva, dabarìšča, širdingà; Sg. Dat. baltái || baltái, gri·nai, li·gitkai || báltai, grinai, lígitkai; Sg. Instr. blogù, -ái, drùtù, -ái „hart, -e“, girtù, -ái, min(k)štù, -ái, nu·ni·ščù, -ái, širdingù, -ái, vėli·vù, -ái, Dialektform blogù, -ai, drùtu, -ai, nu·ni·šču, -ai, širdingu, -ai, vėlivu, -ai; Pl. 286 Nom. an(k)sti'vi, galvingi, ratoki, raudoni || an(k)štivi, galvingi, ratoki, raudóni; Pl. Akk. baltùs, -às, girtùs, -às, nunìščius, -às, širdingùs, -às, vėlivùs, -às, Dialektform bál-tus, -as, girtus, -as, nunìščius, -as, širdingus, -as, vėlivus, -as, unbelebtes Genus: ru'(g)štokù, tamsokù || ru'(g)štokù, tamsokù.Bei allen Formen der Adjektivparadigmen didelė liegt der Akzent auf zwei Arten, nämlich im Stamm und in der Endung. Aus all diesen Beispielen ist eine klare Tendenz erkennbar, nahezu alle Adjektive verallgemeinernd auf der Endung zu akzentuieren, d. h. nach Akzentklasse IV. Manchmal kommen Formen einiger Ableitungen mit dem Suffix -itkas mit dem Akzent des Grundworts (meist mit zirkumflektiertem Stamm) vor, z. B.: Sg. Instr. ligìtkai, šalditkai, Sg. Ill. grìnitkan, ligìtkan, Pl. Nom. geltónitki, lịgitki, Pl. Gen. ìlgit-kù, ligìtkù, Pl. Akk. báltitkus, jaũnitkus. Solche Fälle der Akzentuierung sind jedoch unvergleichlich seltener belegt. Daher gelten sie als untypisch für den Dialekt. Einige Worte sind auch zur Akzentuierung von Adjektiven mit dem Suffix -inis, -ė zu sagen. Die meisten dieser Suffixableitungen werden auf dem Suffix akzentuiert, d. h. nach Akzentklasse II, z. B.: an(k)slìnis, apatinis, arklinis, aržolinis, avbkinis, beržinis, drobinis, geležinis, kopustinis, miežinis, naminis, pagãlinis „hölzern“, ruginis, vištinis, žirninis. Allerdings werden einige Ableitungen, die aus Substantiven der Akzentklassen I und II gebildet sind, noch häufig auch auf dem Stamm, also durchgehend, akzentuiert, z. B.: agù'ninis, dù'oninis, kaũlinis, ku-uõdinis „kartoffelig“, mė̃tinis, mõlinis, pãkulinis, pù'ūdinis, sėklinis, švẽtinis. Durchgehend auf dem Stamm akzentuiert wird auch macìntulis || macìntulis. Adjektive im Komparativ und Superlativ werden gewöhnlich ebenfalls auf der Endung akzentuiert, d. h. nach Akzentklasse IV, z. B.: Sg. Dat. geresnám, náigeresnám, Pl. Nom. gražãsni, náigražasni, Pl. Gen. senesnìų, náisenesnìų, Pl. Dat. svi'kesniemi, náisvi'kesniemi, Pl. Instr. žamesnẽis, náižamesnẽis, Pl. Instr. žamesnẽsà, náižamesnẽ-sà, žamesnùos, náižamesnùos, Dialektform žamesniù'sà, náižamesniù'sà. Eine durchgehend stammbetonte Akzentuierung weisen nur die Adjektive aršasnis „hässlicher, frecher“, vìrasnis, náiaršasnis, náivìresnis. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das Adjektiv im Zietela-Dialekt unter allen hier behandelten Wortarten wohl am wenigsten „Exotik“ aufweist. Eine der charakteristischsten Eigenheiten der Adjektivbildung des Dialekts sind die relativ zahlreichen Ableitungen mit dem Suffix -itkas, -à, seltener -ickas, -à. Die letztgenannte Suffixvariante wird auch in anderen südöstlichen Randdialekten des Litauischen verwendet, z. B. in der Gegend von Dieveniškės, Lazūnai, Rodūnia u. a. Die Stammformen und Akzentuierung einiger Adjektive weisen eine vergleichsweise beträchtliche Variation auf. Wahrscheinlich handelt es sich um Interferenzerscheinungen, die sowohl durch den Rückgang des lokalen litauischen Dialekts aus dem aktiven Gebrauch als auch durch den intensiven Kontakt mit der lokalen weißrussischen Sprache bedingt sind. Die angeführten Beispiele zur Adjektivbildung und -flexion lassen auf die Armut des Dialekts schließen. Andererseits muss jedoch anerkannt werden, dass dieser aussterbende litauische Dialekt bislang bei Weitem noch nicht vollständig erforscht ist und dass bei noch detaillierterer und eingehenderer Untersuchung mehr wertvolles Material aufgezeichnet werden könnte, das das hier dargestellte Bild der Adjektivbildung und -flexion möglicherweise erheblich korrigieren würde. Gauta 1973.IV.16 287 А. ВИДУГИРИС DAS ADJEKTIV IM ZIETELAER DIALEKT Zusammenfassung Der Artikel beschreibt die Wortbildung und Flexion der Adjektive des Zietelaer Dialekts. Für den Dialekt sind insbesondere Adjektive mit den Suffixen -itkas, -a charakteristisch (z. B. báltitkas, -à, grínitkas, -a, žilitkas, -a), gelegentlich mit -ickas, -a (z. B. balticka, mãčkickas). Die Variante -ickas, -a ist auch aus anderen litauischen Dialekten bekannt, vorwiegend an den südöstlichen Randgebieten des litauischen Sprachraums, z. B. in den Dialekten von Dieveniškės, Lazūnai, Radūnė und anderen. Der Superlativ der Adjektive wird gewöhnlich mit der slawischen Partikel nai „am meisten“ gebildet, z. B. náididėsné, náiplonėsnis, naigeráusa, naigražáusis. Verwendet werden Formen des Adessivs im Singular, z. B. gi˙vám || gi˙vám, gi˙vaip, kurčámp, didelip, didelaip. Da das Litauische in Zietela außer Gebrauch kommt, ist im Dialekt eine große Variation der morphologischen Formen und insbesondere der Akzentposition zu beobachten, z. B. Nominativ Singular didelė || didelė, didžáusas || náididėsnis, Genitiv Singular didelės || dideles, Nominativ Plural kvietinei || kvietininėi || kvietini, miežinės || miežinos, Akkusativ Plural baltūs, -às, širdingūs, -às || baltūs, širdingus usw. Aus der geringen Zahl der angeführten Beispiele im Abschnitt zur Wortbildung lässt sich auf den begrenzten Wortschatz des Dialekts schließen (viele Adjektive sind durch slawische ersetzt, vgl. drãmnas || drãbnas, gãdnas, krūglas, krutūs, slobūs). Andererseits muss man jedoch anerkennen, dass dieser aussterbende Dialekt bis heute keineswegs vollständig erforscht ist und bei einer eingehenderen Untersuchung noch viel wertvolles zusätzliches Material liefern kann. Eingegangen am 16.IV.1973 * 263