Galininko su dalyviu (accusativus cum participio) struktūra ir vartosena senojoje lietuvių kalboje
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ŽODŽIŲ FORMOS IR JŲ VARTOSENA LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
V. AMBRAZAS
STRUKTUR UND GEBRAUCH DES AKKUSATIVS MIT PARTIZIP (ACCUSATIVUS CUM PARTICIPIO) IN DER ALTEN LITAUISCHEN SPRACHE
Der Akkusativ mit Partizip (im Folgenden — GD) ist eine der wenigen Partizipialkonstruktionen, die sich bereits während der schriftsprachlichen Tradition deutlich verändert haben. Die grammatische Form des GD unterschied sich im Alt-Litauischen von der heutigen; auch sein Anwendungsbereich war einst wesentlich weiter. Einige Merkmale des GD, die in Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts vorkommen, helfen, die alte Struktur des einfachen Satzes und ihre Entwicklung zu erhellen. Daher muss man bei der Untersuchung dieser Konstruktion zunächst ihrer Struktur in den ältesten Denkmälern der litauischen Sprache Beachtung schenken.
Zum ersten Mal wurde der GD des Litauischen in den Grammatiken von D. Klein beschrieben¹. Eine beträchtliche Menge an Angaben zu dieser Konstruktion findet sich in späteren Grammatiken², insbesondere in den Arbeiten von J. Jablonskis³. Unter dem Gesichtspunkt der historischen Grammatik behandelten A. Potebnia⁴ und E. Fraenkel⁵ den GD; einzelne Bemerkungen und Angaben zu diesem Thema finden sich in den Arbeiten von A. Bezzenberger⁶, B. Delbrück⁷ und anderen Forschern. E. Tangl untersuchte den GD in einer speziellen Studie, von der leider nur eine Zusammenfassung veröffentlicht wurde⁸. Darin finden sich aufschlussreiche Beobachtungen und bedeutsame Gedanken zur Entstehung und Verwendung dieser Konstruktion; eine ausführliche Beschreibung der Struktur des GD kann sie jedoch nicht ersetzen. Im letzten Jahrzehnt wird der Zusammenhang des GD mit anderen Konstruktionen in den Aufsätzen von I. Marvan weiter erörtert⁹, und J. Palio-
1 Grammatica Litvanica… edita à M. Daniele Klein… Regiomonti… 1653, p. 163, 165; M. Danielis Kleinii Compendium Litvanico—Germanicum… Königsberg, 1654, p. 111.
2 Plg. Universitas Lingvarum Litvaniae… 1737, Vilnae, p. 27, 52; W. Haack, Vocabularium Litthanico—Germanicum et Germanico—Litthavnicum… Nebst einem Anhang einer kurtzgefaßten Litthauschen Grammatic. Halle, 1730, p. 336,; P. F. Ruhig, Anfangsgründe einer Littauischen Grammatik, Königsberg, 1747, p. 150—151 (Ch. G. Mielcke savo gramatikoje p. 188—189 pakartoja tuos pačius duomenis); G. Ostermeyer, Neue Litauische Grammatik ans Licht gestellt, Königsberg, 1791, p. 177; F. Kurschat, Grammatik der littauischen Sprache, Halle a. S., 1876, p. 366, 376, 423, 424; A. Schleicher, Litauische Grammatik, Prag, 1856, p. 263, 316, 321—322, 332.
3 J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, red. J. Palionis, I, Vilnius, 1959, p. 303, 321—322, 472 tt., 614—615.
4 А. Потебня, Из записок по русской грамматике, 1—11. М., 1958, 314 тт.
5 E. Fraenkel, Syntax der litauischen Kasus, Kaunas, 1928 (toliau — Kas.), p. 154—155.
6 A. Bezzenberger, Beiträge zur Geschichte der litauischen Sprache, Göttingen, 1877, p. 223, 227—228, 262.
7 B. Delbrück, Vergleichende Syntax der indogermanischen Sprachen, (toliau — Vergl. Synt.) II, Strassburg, 1897, p. 490—491.
8 E. Tangl, Der Accusativus und Nominativus cum Participio im Altltauischen, Weimar, 1928 (toliau — Acc.).
9 И. Марван, О некоторых функциях литовского причастия „Kalbotyra (Языкознание)“ IV, Vilnius, 1962, p. 33—43; К вопросу о лингво—географическом положении балто—славянских языков, „Baltistica“ V (1), Vilnius, 1969, p. 17—19.
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In seiner Monografie werden neue Daten zum Gebrauch des GD in Schriftdenkmälern des 16.–17. Jahrhunderts vorgelegt10.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Struktur und den Gebrauch des GD im Alt-Litauischen zu beschreiben und die Entwicklungsrichtung sowie die Gesetzmäßigkeiten dieser Konstruktion aufzuzeigen. Die Arbeit stützt sich auf Daten, die vollständig aus allen derzeit zugänglichen Schriftdenkmälern des 16.–17. Jahrhunderts (mit Ausnahme der Wörterbücher) exzerpiert wurden; Übersetzungstexte wurden systematisch mit den verfügbaren Originalen verglichen11.
1. Doppelter Akkusativ mit Nomina und Partizipien
1.1. Der GD besteht gewöhnlich aus drei Hauptgliedern – einem verbalen (V), einem nominalen (N) und einem partizipialen (P). N und P hängen von V ab (sind ihm untergeordnet) und stehen im Akkusativ; außerdem kongruiert P mit N in Genus und Numerus. Von anderen Verbindungen aus einem nominalen Akkusativ und einem Partizip unterscheidet sich diese Konstruktion dadurch, dass keines ihrer abhängigen Glieder für sich genommen die gesamte NP-Verbindung unter Beibehaltung ihrer syntaktischen Bedeutung ersetzen kann. So lassen sich etwa im Satz (welinas regeia ana išchalkusi (BrP I 271) die Verbindungen regeia ana und regeia išchalkusi herauslösen; keine von ihnen erklärt jedoch die für die gesamte Konstruktion charakteristische Bedeutung „sah, dass jener hungrig geworden war“. Obwohl N und P in einem abhängigen Kasus stehen, sind sie in dieser Konstruktion durch eine halbprädikative Beziehung verbunden, d. h. durch eine prädikative Beziehung, die nicht das strukturelle Fundament eines Satzes bildet12. Eine solche Beziehung zwischen den abhängigen Gliedern der Konstruktion ist nur nach Verben bestimmter Bedeutung möglich (verba percipiendi, dicendi etc.).
Ebenso entstehen halbprädikative Beziehungen in Akkusativverbindungen mit Adjektiven und Substantiven, vgl.: regeiot ghi vschžengenti Mž 299; regeiau tą Moterischkę girtą BrB Apr 17, 6 und regėjome jį … wirą sopulų DP 16952. Seit J. Jablonskis’ Zeiten werden diese Konstruktionen als doppelter Akkusativ bezeichnet. In der heutigen Sprache sind sie selten13 und kommen nur mit wenigen Verben vor (matyti, rasti u. Ä.), während sie in älteren Schriftdenkmälern und in der traditionellen Folklore weiter verbreitet sind. Da der doppelte Akkusativ mit Substantiven und Adjektiven zum besseren Verständnis der Entstehung des GD beiträgt, empfiehlt es sich, ihn gesondert zu behandeln.
Für die Geschichte des GD im Litauischen sind A. Potebnjas Überlegungen zum Verhältnis des doppelten Akkusativs zum umfassenderen Gebrauch des Objektakkusativs in der Antike von großer Bedeutung. Da direktes und indirektes Objekt damals formal nicht unterschieden waren, wurde der Akkusativ mit Verben der Wahrnehmung, des Sagens und ähnlichen Verben ebenso verbunden wie
10 J. Palionis, Lietuvių literatūrinė kalba XVI–XVII a., Vilnius, 1967, p. 159–161.
11Daten zur Verbreitung des GD im 16.–17. Jahrhundert und zu seinem Verhältnis zu Konstruktionen in den Originalen siehe beim Verf., LKK XI, S. 41–58. Auszüge aus den Schriften von J. Bretkūnas und B. Vilentas wurden mit der Lutherbibel-Ausgabe von 1549 verglichen: Biblia: Das ist: die gantze heilige Schrifft… D. Mart. Luth. Wittemberg. Gedruckt durch Hans Lufft. 1549. Für den Vergleich mit der Vulgata wurden folgende Ausgaben herangezogen: Biblia Sacra Vulgatae editionis Sixti Qvinti Pont. Max. ivssv recognita atqve edita Romae… MDXCIII; Novum testamentum graece et latine… curavit Eberhard Nestle, Stuttgart, 61921. In den Zitaten aus diesen Texten werden in der Arbeit keine Abkürzungen angegeben.
12Der Begriff halbprädikative Beziehungen entspricht hier ungefähr dem von A. Muchin verwendeten Begriff der soziativen Beziehungen, siehe A. M. Muchin, Структура предложений и их модели, Л., 1968, S. 92 ff.
13Wegen des seltenen Gebrauchs dieser Konstruktion und ihrer nicht ganz zutreffenden Beschreibung in A. Schleicheres Grammatik (er meinte, in der Äußerung sakė tave šiokią, sakė tave tokią sei eine Verknüpfung esant oder esančią ausgelassen; siehe A. Schleicher, Litauische Grammatik, S. 263) hielt B. Delbrück den doppelten Akkusativ im Litauischen für nahezu vollständig verschwunden, vgl. B. Delbrück, Vergl. Synt., I, S. 378.
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mit faktitiven Verben. Darauf aufbauend wies A. Potebnja darauf hin, dass beispielsweise in der altslawischen Konstruktion mbnjasėtb otbca svoiego živa „ich halte meinen Vater für lebendig“ die Verbindung des Verbs mit dem ersten Akkusativ dieselbe ist wie im Satz postavi Mefodbja episkopa „er setzte Methodius zum Bischof ein“14.
A. Potebnjas Ansatz auf das Litauische übertragend, führte E. Tangl Fälle an, in denen die Verben regėti, sakyti in den alten Schriften ohne Präposition mit einem Akkusativ verbunden werden, der ein entfernteres (freieres) Objekt bezeichnet, z. B.: pakáiu iėmus sáko DP 203 (= pokoy im opowiada W 211)15. Aus solchen Akkusativobjekten mit hinzugetretenem Prädikativ entwickelte sich auch die litauische Konstruktion des doppelten Akkusativs16.
1.2. Ein umfassenderer Überblick über die Belege aus Schriften des 16. und 17. Jahrhunderts bestätigt vollauf den von A. Potebnja und E. Tangl festgestellten genetischen Zusammenhang des doppelten Akkusativs mit dem vom Verb regierten Akkusativ, der ein entfernteres Objekt bezeichnet.
Den Akkusativ des entfernteren Objekts finden wir bei Verben des Sprechens, insbesondere beim Verb sakyti, in zahlreichen alten Schriften.
Ich sage alle Wunder Mž 51917. Ich werde sein Gesetz verkünden Mž 506. Geboren … die, von der Gabriel zuvor gesprochen hat Mž 17918. Euch habe ich irdische Dinge gesagt SE 1368. Der Ausleger … befahl, Buße und Vergebung der Sünden zu verkünden MT LŽ 14, 17—22. Er … sagte uns von eurem Verlangen ChB II Kor 7, 7. Die Jüngeren … müssen jene haben, die es ihnen sagen ChB Apd 15, 21. Er sagte allen … die Taufe der Buße ChB Apd 13, 24. Er nennt den Grund MP 2055. … Mit seiner Frau / von der er durch den Propheten spricht MP II 354a25.
J. Bretke verwendet das Verb sakyti mit Akkusativ, wenn er Konstruktionen des deutschen Originals mit dem Verb predigen übersetzt, das die Bedeutung „über etwas prophezeien, etwas verkünden, über etwas predigen“ hat; vgl.:
Pasakicziau kalliniems paleidimą Jes 61, 119 — Zu predigen (praedicarem) den Gefangenen eine Erledigung. Ir wardą Wieschpaties sakisiu Ps 116, 17 — Ich wil… des HERRN namen predigen (invocabo). …Kursai pakaiu saka Nah 1, 15 — der da Frieden predigt (annuntiantis pacem).
Auch die Gegenüberstellung mit skelbti zeigt diese Bedeutung des Verbs sakyti, vgl.: Dievas… sakitas angu skelptas nog paganu WP 137; letzteres kann seinerseits ebenfalls ohne Präposition mit dem Akkusativ stehen: skelbtų iżg to Diewą DP 5626 (stawili stad Bogą W 956).
In M. Daukšas Postille werden durch Verbindungen mit sakyti Wendungen wiedergegeben, die verschiedene Verben enthalten, nämlich opowiadać (sako praszokusius dabar sanczius ir atęisęczius daiktus 47424 — opowiada przeszłe |ninieysze| y przyszłe rzeczy W 794; ii mumus tikrai sako 40944 — ie nam… opowiedą W 67120), powiedać (daiktus žęmiškus sakiau 4525 — rzeczy ziemskie powiedat W 755), zwiastować (Angelas… dziauksmą passake 44024 — wesele zwiastowal W 718) und sogar dawać: To kauliimo norint’ tuli tulas priežastis sako 49610 — rožne przyczyny dawaiją W 836. Im polnischen Text von Sirvydas’ „Punkten“ entsprechen solchen Verbindungen mit sakyti Konstruktionen mit spowiadać (Sako sawo piktibes — Spowiad aia się swych złości SP I 16026) und powiadać (Iszminti tieğ
14 A. A. Potebnja, op. cit., S. 295—301. Litauische und lettische Beispiele siehe S. 304—305, 306—307, 315 ff.
15 E. Tangl, op. cit., S. 42.
16 Ebenda, S. 45.
17 Ähnlich Mž 333, 397, BrGD LXXVI (132).
18 Ebenda, BrGD II, RG 13.
19 Ebenda, Jes 61, 2.
20 Ebenda, DP 203₇ — W 343; DP 452 — W 755.
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sagen — Wir verkünden Weisheit SP II 215₁₀); ähnlich im Katechismus von Petkevičius, in der Postille von 1600 und in den Evangelien von 1674, vgl.: ich werde deine Güte verkünden PK 89; die Vergebung der Sünden verkündend PK 171; ich verkündete irdische Dinge Ev 177₁₉; er verkündet die wahre Gerechtigkeit MP III 17a₁₅ — er spricht die lautere Wahrheit RP 286²¹. Einen noch freieren Übersetzungsfall finden wir in MP III 25₄₂: Höre von Philipp dem Heiligen, dessen Andenken wir heute begehen RP 293a.
Aktivische Konstruktionen des Verbs sakyti mit dem Akkusativ entsprechen passivischen Konstruktionen mit passiven Partizipien im Nominativ.
Wo alle deine Wunder verkündet werden BrB Ps 26, 7 (dass man alle deine Wunder verkündet) Die Verwüstung wurde verkündet BrB Jer 36, 9 (dass man ein Fasten ausrief)... Das Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel gesprochen wurde DP 372₂ (das vorausgesagt ist W 611). Wunder... werden auf der ganzen Erde verkündet KN 93₁₆. Damit es gesagt... werde SE 89₁₀²². Jesus... der zuvor verkündet worden war ChB Apd 3,20. Die Weissagung... hätte nicht verkündet werden sollen MP 172, 172a₉ (sie sollte nicht prophezeit werden RP 117).
Dennoch sind Verbindungen mit dem Akkusativ, der die Bedeutung eines entfernteren Objekts hat, im Vergleich zu anderen synonymen Konstruktionen in den alten Schriften bei Weitem nicht vorherrschend. Äußerungen mit denselben Verben der deutschen und polnischen Originale werden viel häufiger mit Konstruktionen mit der Präposition über oder mit einem präfigierten Verb übersetzt, etwa über die wahre Ankunft sprechen MP 207a — sie sprach von der wahren Ankunft RP 142₂₃, Die Engel verkündeten den Frieden DP 353₂ — sie verkündeten den Frieden W 581₂₄. Bisweilen stehen Verbindungen mit einem präfigierten und einem nicht präfigierten Verb sogar im selben Satz, z. B.: Die Verführer, damit ich ihnen die Erlösung verkünde... den Übeltätern die Geheimnisse offenbare MP III 24a₃₄–₃₆ — damit ich die Befreiung verkünde... die Geheimnisse verkünde RP 293.
Akkusativverbindungen mit ähnlicher Bedeutung bei anderen Verben des Sprechens, z. B. reden, sprechen, rufen, sind viel seltener und weniger offensichtlich, weil mit ihnen fast überall entsprechende Wendungen der Originale übersetzt werden.
Christus... möge Frieden im Herzen sein DP 433₂₉ (im Herzen spricht er Frieden W 707)²⁵. Ich werde das Unheil senden, das ich gegen sie angekündigt habe BrB Jer 19, 15 (das ich gegen sie geredet habe). Und wir sprechen Weisheit unter den Vollkommenen ChB I Kor 2, 6. Wir sprechen ihn Christus ChB II Kor 2, 17. Denn deine Hausgenossen... rufen dir Unheil zu BrB Jer 12, 6 (und schreien laut gegen dich).
So wie das Verb sakyti „berichten“ bedeutet, kann auch rašyti „beschreiben“ bedeuten und ohne Präposition mit dem Akkusativ stehen. In der Postille von M. Daukša entsprechen solche Wendungen meist dem polnischen Original opisywać + Akk.
Markus und Lukas schreiben diese heilige Geschichte DP 368₃₈ (sie beschreiben W 606). Die Evangelisten schreiben auch die drei übrigen großen Übel DP 175₄₄ (sie beschreiben... die Schäden W 301). Sie beschreiben... den großen Zorn und das heftige Herz der Juden DP 154₃₉ (sie beschreiben... den großen Zorn W₂ 17).
²¹ Ähnlich MP II 386₈₂₂ — RP 261.
²² Ähnlich MP 168₃₁₁, 172₁₀.
²³ Vgl. auch DP 48₂₁, SP I 303₁₁, MP 169₄₈, 173₁, 181₁₇, 184₁₅, 187₆, 212₄₃, ChB Apd 5, 42; 8,5; I Korint 1,23; Efez 2, 17 u. a.
²⁴ Vgl. MP 181₂₀: er sagt die Wahrheit — er wird die Wahrheit verkünden, doch er verkündet Frieden — sie verkünden Frieden RP 123.
²⁵ Vgl. zu entsprechenden passivischen Konstruktionen: jetzt werden wir Wohnende genannt MP 138 (wir werden Bewohner genannt RP 91a).
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An einigen Stellen wird auch noch freier übersetzt, vgl.: Todrinąg ir du Tėwu pirmiaus raszō DP 503₈ (dwu oycu naprzod kladźie W 856).
Einzelne in den Schriften von M. Daukša und K. Sirvydas belegte Fälle der Verwendung der Verben mąstyti und dūmoti mit dem Akkusativ unterscheiden sich ebenfalls von den polnischen Texten, in denen vorangestellte Formen transitiver Verben auftreten.
Du sollst dich hüten, | der du eine solche Ausschweifung gelehrt hast (der du dies erwogen hast) SP II 196₁₆. Damit wir die Kürze unseres Lebens bedenken und nicht den unbekannten Zeitpunkt des Todes DP 552₂₇ (damit wir die Kürze des Lebens bedenken W 941).
Das Verb skaityti (czytać) verwenden dagegen sowohl M. Daukša als auch J. Wujek mit dem Akkusativ in gleicher Weise, vgl.: Tris tad’ apreiškimus Wieszpatiės skaitome DP 424₁₄ (troie tedy ziawienie Pańskie czytamy W 693)²⁶.
Auch die Verwendung des Verbs žinoti und des polnischen wiedzieć mit dem Akkusativ stimmt in M. Petkevičius’ Katechismus und der anonymen Postille von 1600 überein.
Deshalb nehmen wir Gottes Gnade zu uns, da wir sie kennen (da wir Gottes Gnade für uns kennen) PK 139. Wir kennen viele Wohltaten MP 208ᵃ₁₃ (wir kennen … Wohltaten RP 142ᵃ₅). Wir kennen auch die Wohltat des Sohnes MP 208ᵃ₁₉ (wir kennen … Wohltaten RP 142ᵃ₁₀). Der Herr … kannte seine ganze schreckliche Marter MP 155ᵃ₃₅ (wissend … seine grausame Marter RP 107₅₂).
Unter den Verben der Wahrnehmung ist das Verb girdėti zu erwähnen, das in den älteren Schriften ebenso wie in ihren deutschen und polnischen Originalen mit einem Akkusativ verbunden werden konnte, der den Inhalt einer durch Sinneswahrnehmung erlangten Information bezeichnet.
Damit ihr seinen großen Taten folgt, | indem ihr sein Leben und seine Natur hört DK 67₈ (DK¹ 63). Als Johannes von den Taten Jesu Christi hörte DP 17₁ (als er die Taten Christi hörte W 14)²⁷. Wir hörten Zeit | Ort | und Weise DP 594₄₃ (Wir hörten Zeit | Ort | und Weise W₃ 199). Wir hörten drei wundersame Taten BrP I 231. Alexander … hörte von den ruhmreichen Taten … und sprach BrB I Mak 10, 15 (die ruhmreichen Taten hören). Und er sagte: Morgen wirst du ihn hören ChB Apd 25, 22.
Die Übereinstimmung mit den deutschen und polnischen Konstruktionen in diesen Fällen (wie auch in den erwähnten Verbindungen mit skaityti, žinoti, byloti, kalbėti) spiegelt eher eine typologisch und genetisch motivierte Parallelität als eine Entlehnung wider. Im fraglichen Zeitraum wurde der Präpositionalkasus zur Bezeichnung des entfernteren Objekts auch im Deutschen und Polnischen wesentlich häufiger verwendet als heute; überhaupt lässt sich die Tendenz beobachten, viele Verbindungen dieser Bedeutung durch Präpositionalkonstruktionen zu ersetzen, und zwar im Verlauf der Entwicklung zahlreicher indogermanischer Sprachen (vgl. 2. 1. 7.). Aus den Beispielen mit Verben wie sakyti, mąstyti, rašyti und dergleichen geht klar hervor, dass ein solcher Akkusativ mit der Bedeutung eines entfernteren Objekts ein autochthones Phänomen des Alt-Litauischen war²⁸. Im 16.–17. Jahrhundert ist er jedoch im Vergleich zu den entsprechenden Präpositionalkonstruktionen bereits ziemlich selten. Die meisten Verbindungen des erwähnten Typs waren damals wahrscheinlich zu Archaismen geworden. Sie sind insofern wichtig, als sie zum Verständnis der Entstehung des doppelten Akkusativs beitragen und dabei helfen, die ursprünglichen syntaktischen Beziehungen zwischen den Gliedern dieser Konstruktion zu bestimmen.
26 Vgl. ferner DP 562₂₈ — W 957.
27 Ebenso VEE 13, 16.
28 Anders verhält es sich mit den Verbindungen des Verbs liepti mit dem Akkusativ, die in J. Bretkūnas’ Bibel belegt sind und offenbar unter unmittelbarem Einfluss des deutschen Textes entstanden, vgl.: liepe mane eiti — hieß mich gehen Ezech 46, 21; liepk ghi passikelti — heis zu auffstehen II Kar 9, 2; PoNas ghi liepe — der HERR hats jn geheissen II Sam 16, 10; ebenso Nehem 12, 31, Est 1, 17 u. a.
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1. 3. Mit denselben Verben wie die hier behandelten Wortverbindungen werden auch doppelte Akkusativkonstruktionen gebildet.
Da der doppelte Akkusativ mit Substantiven und Adjektiven in den alten Schriften etwas häufiger vorkommt als Wortverbindungen mit nur einem Akkusativ des entfernteren Objekts, finden sich auch mehr und vielfältigere Verben mit doppeltem Akkusativ. In beiden Fällen lassen sich jedoch dieselben semantischen Gruppen und grundlegenden Lexeme unterscheiden. Konstruktionen mit Substantiven (a) und mit Adjektiven oder Pronomen (b) unterscheiden sich untereinander im Wesentlichen ebenfalls nicht hinsichtlich der Verbbedeutung; lediglich Adjektive stehen mindestens doppelt so häufig im zweiten Akkusativ. Der Vergleich übersetzter Texte mit ihren Originalen und die Relikte entsprechender Konstruktionen in der Folklore und Volkssprache lassen keinen Zweifel an der autochthonen Herkunft dieser Konstruktionen. In den alten Schriften fungieren am häufigsten die folgenden Verben als ihr Hauptglied:
1. Verben der Wahrnehmung: sehen, schauen, erblicken, hören, vernehmen, empfinden, finden.
a) Und ihre Stellvertreter berichteten …, dass sie den Herrn sehen BrP I 401. Und als er seinen Sohn Johann als tüchtigen Mann sah, machte er ihn zum Hauptmann BrB I Mak 13, 54 (sahe | das sein Johannes ein tüchtiger Man war) Aber wenn jemand eine fremde Frau erblickt | als Ehebrecherin, Säuferin, Hoffärtige und Stolze DP 32₄₇ (iesli ktorego wyźrzy cudzolożnika pijánice | chćiwégo y pysznego W 51). Der Herr, als er ihn sehr beredt sah, freute sich über ihn (widząc go wielce mownego SP II 73₂₁. Der heilige Johannes … spürte seinen Herrn Mž 179₂₉. Ich fand deine Tochter nicht als Jungfrau BrB V Moz₂₂ (Ich habe deine Tochter nicht jungfraw funden)³⁰.
b) Maria ließ sie nicht ein, da sie sie als schwerfällig ansah BrP I 60. Dass ihr sie als traurig seht DP 484₁₉ (Gdy ie widzą ubogimi) Denn ich habe dich als Gerechten erkannt BrB I Moz 7, 1 (dich hab ich Gerecht ersehen)³¹. Und Aaron … sah, dass sie aussätzig war BrB IV Moz 12 (wird gewar | das sie aussätzig ist). Er sah, dass sie nicht froh waren BrB I Moz 40 (sahe | das sie traurig waren) Erblickte sie als ärmer MP 120³². Mancher ist weise BrB Sir 37, 25 (Mancher ist weise) Denn ich fand deine Werke nicht vollständig BrB Apr 3, 2 (ich habe deine Werck nicht voellig erfunden). Dass er das Haus leer vorfindet (znáydzie Dō prożny) SP II 73, 1. Sie fanden Jesus (tykt) selbst ChB Luk 9, 36³³.
2. Verben der psychischen Wahrnehmung und Tätigkeit: kennen „anerkennen“, wissen, verstehen, ersinnen, sich erinnern, meinen, glauben, halten für.
Damit wir … dich als unseren Herrn bekennen (ciebie Panem swoim wyznawali) PK 184. Die Jungfrau … grüßt Jesus, indem sie ihn als ewigen Gott erkennt SIG 45₁₁. Dich … erkennt die Kirche. Die unermessliche Majestät des Vaters BrGD XXXVI (50)³⁴. Was kann man an den sieben Gaben des Heiligen Geistes erkennen MP 271₃₆. Mit-
29 T. p. BrGD Rankr 5; GD II.
30 In solchen Fällen steht der zweite Akkusativ mitunter auch ohne den ersten: Du hörst die Jungfrau | du hörst sie auch als demütige DP 598₃₀ (Słyszysz pannę W 723). Pilatus fand ihn unschuldig und schickte ihn zu Herodes. Mž 442.
31 Panašiai BrB Iz 58, 7; Pat 22, 29; I Mak 12, 28; 4, 21; Mat 25, 37; Apr 17, 6; DP 336₁₆; SP I 165 – 166; MP 79₄; SIG I 47₁₅, 52₉, 78₁₁, 123₅ ir kt.
32 Panašiai BrP II 33, MP 69₈, III 15₂₅.
33 Ähnlich mit finden BrB Išm 8, 11; Sir 37, 21; Zuz 14; Dan 1, 20; Luk 7, 10; II Kor 9, 4; 1, 13; Mž 442; BrGD LXIII 103; DP 289₃₇; ChB II Kor 9, 4; Luk 7, 10; MP II 365₁₈, 366 – 367; SIG II 28₂₄, 83₁₃, 98₁₈ und andere.
34 Ähnlich PK 27; Mž 47, 51, 82; BrGD XII (= RG 133), ChB Jon 17, 3; MP 104₁₄, 107, 146₈₂₄, 167₈₇, 186₁₀, 265₈₃₀, 283₄₁₀, II 347₈₂₄, 351₉₉ und andere.
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es ist bekannt, dass es einen Willen gibt, der … die Könige als Menschenwerk kennt, nicht als GötterBrB Bar 6,550 (nicht Götter | sondern von Menschenhänden gemacht). Wir Toren hielten … sein Ende für eine SchandeBrB Išm 5, 4 (hielten … sein Ende für eine Schande) Doch sie verkünden dies als eine fremde LehreBrB Hoz 8, 12 (So wird es wie eine fremde Lehre angesehen) Was wird sie dann für Götter halten oder nennen?BrB Bar 6, 55 (Wie soll man sie denn für Götter halten oder nennen? LB) Das … gehorcht seinen Eltern und hält sie für seine Herren(unterstrichen)seine HerrenBrB Sir 3, 8 (hält sie für seine Herren).
b) Die Apostel erkennen Jesus lebendig... Mž 280. So werden wir auch Gott vor uns erkennen SE 232₂₃... Und obwohl sie wissen, dass sie leblos sind, folgen sie ihnen doch BrB Bar 6, 41 Vnd wiewol sie wissen | das kein Leben in jnen ist). Sie kennen die Krankheit und ihre Beschwerden BrP II 387. Den guten Herrn kennend (Znaiać Páná łaskowego) PK 179. Eingedenk des guten Herrn | und seiner Gnade gegenüber allen Menschen (Bacząc na to iak tó Pan dobry | a iak ku wsem miłosierny) PK 83. Da sagte Eli, sie sei betrunken BrB I Sam 1, 14 (Da meinet Eli sie were truncken). Und ich hielt sie für kostbarer als ein Königreich BrB Išm 7, 8 (Vnd ich hielt sie thewrer | denn Koenigreich). Auch die Juden, die er zuvor für nichts geachtet hatte BrB II Mak 91, 15 (die er zuvor nicht werd geacht).
3. Verben der Informationsübermittlung: sagen, verkünden, berichten, offenbaren, bekennen, bezeugen, zeigen.
a) Warum hast du ihr gesagt, sie sei deine Schwester? BrB I Moz 12, 19 (Warum sprachestu denn | sie were deine Schwester?). Er musste ihn als Gott bekennen BrB Išm 12, 27 (vnd musten jn fur einen Gott bekennen) Der, der seinen Sohn sandte, offenbarte, dass der ewige Vater | der Sohn | und der Heilige Geist MT 187₁₆. Christus zeigt uns als den vollkommenen Erlöser SE 152.
b) Darum werden mich alle Geschlechter selig preisen BrP II 259. Dass euch alle Heiden selig preisen werden BrB Mal 3, 12 (Das euch alle Heiden sollen selig preisen). Dieser Satz ist... getreu gesprochen | und ganz glaubwürdig DP 504₁₁ (Wierna | právwi | mowá | y... godná W 857) Dann bekennen auch wir dich, Gott, als den, der die Schuldigen rechtfertigt MT 185₁₁. Ich will dich als gerecht bekennen SIG II 36₁₅. Sie... bezeugt ihn als des Todes schuldig RG 85₆. Dann soll er ihn für unrein erklären BrB III Moz 13 (sol jn... vnrein urteilen). Ich will mein Angesicht nicht vor euch verbergen (mich nicht abwenden) BrB Jer 3, 12 (So wil ich mein Antlitz nicht gegen euch verstellen). Und damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit zeige ChB Rom 9, 23.
1.4. Neben den Verben der genannten semantischen Gruppen wird der doppelte Akkusativ auch mit den sogenannten faktitiven Verben gebildet, die die Hervorbringung oder Aufrechterhaltung eines bestimmten Merkmals oder Zustands bezeichnen, z. B.: machen, wachsen lassen, nennen, lassen, halten, haben oder einfach eine Handlung bezeichnen, die an einem Objekt in einem bestimmten Zustand ausgeführt wird, z. B.: annehmen, führen, zurücklassen, sammeln, geben, essen, trinken und so weiter.
Der zweite Substantivakkusativ wird in solchen Konstruktionen neben dem sich allmählich ausbreitenden Instrumental verwendet35.
Denn du machst die Stadt zu einem Steinhaufen BrB Iz 25,2 (Denn du machest die Stadt zum Steinhauffen). Denn ich werde dich zur Wüste machen BrB Jer 22,6 (Ich wil dich zur Wüsten... machen). Macht uns zu einem würdigen Gefäß (vczyn nas godnym naczyňiem)
35 Zum Verhältnis zwischen Akkusativ und dem sogenannten prädikativen Instrumental in solchen Konstruktionen siehe ausführlicher E. Fraenkel, Der prädikative Instrumental im Slavischen und Baltischen und seine syntaktischen Grundlagen, AfSlPh 40 (1926), S. 85 ff.; Kas., S. 152 ff., 199–200.
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PK XXXI. Diese meine eigenen Kinder kann ich aufziehen BrB II 275. Und nennt es künftig nicht mehr eine Last BrB Jer 23,36 (Vnd nennets nicht mehr Last). Und dich wird man nicht mehr die besuchte und nicht verlassene Stadt nennen BrB Iz 62,12 (vnd dich wird man heissen die besuchte vnd un verlassene Stadt). Ich gedachte, sie als Gefährtin zu nehmen BrB Išm 8,9 (Ich habs beschlossen | mir sie zum Gespielien zu nemen). Er machte... das Haus für die Tochter des Pharao, die Salomo zur Frau genommen hatte BrB I Kar 7,8 (die Salomo zum Weibe genommen hatte). Damit er uns nun erniedrige und zu seinem auserwählten Volk mache MP 207₂ (aby nas... obral lud sobie wybrány RP 141).
Unter den Konstruktionen mit einem zweiten Akkusativ – einem Adjektiv – sind in den alten Schriften besonders produktiv jene, die vom Verb machen abhängen. Mit ihnen werden häufig Aussagen aus Originalen ganz anderer Struktur übersetzt.
Wir machen dich tapfer Mž 564, Br Gd XXXV. Ich werde ihre Kirchen entweihen BrB Ezech 7,24 (Ich wil... ire Kirchen entheiligen). Damit du es verabscheust MP 196₈ (aby cie omierził RP 133₁₃). Indem er sie für unwürdig erklärt MP 257₈ (czyniąc ie niegodnemi RP 175₄₆). Indem er verspricht, euch in ihnen glücklich zu machen MP 375ₐ (was w nich szczęścić RP 253₄₇).
Weitaus häufiger als Substantive werden Adjektive auch in Konstruktionen mit anderen Verben der genannten Bedeutungen verwendet.
Das Evangelium nennt die Armen selig (zowie błogosławionymi ubogie) SP I 303₁₆. Jeden solchen Menschen nennt es verflucht MP 100₂₀ (przeklętym zowie RP 64ₐ₇). Er... lässt die Reichen leer zurück VEE 159₃₆ (Vnd lesst die Reichen leer). Gott hat den Menschen rechtschaffen gemacht BrB Pam 7,29 (hat auffrichtig gemacht). Und Joab ließ die übrigen in der Stadt am Leben BrB I Kron 12,8 (lies leben die übrigen)³⁷. Wir werden sie lebend fangen BrB II Kar 7,12 (wollen wir sie lebendig greiffen). Und ich werde dich, Jakob, ganz versammeln BrB Mich 2,12 (versamlen gantz). Dein Volk... hast du trocken hindurchgeführt Vln 60–61 (trucken hindurch gefuehrt Lut. Cat. m. 132). Er hat mich gesund hin und zurück gebracht BrB Tob 12,3 (hat mich gesund hin vnd wider bracht). Und füllt sie, nachdem sie ausgesiebt worden ist ChB Jon 2,7. Ich werde es im neuen Reich Gottes trinken ChB Mork 14,25. Wir werden sie lebendig verschlingen BrB Pat 1,12 (wir wollen sie lebendig verschlingen). Gebt das Mädchen lebend BrB I Kar 3,27 (Gebet jr das Kind lebendig). Die Wunden... die er offen hält WP 9. Um meiner Gesundheit willen sorgt er für mich (o mym zdrowiu radzi) PK 50. Simon ließ sie lebend entkommen BrB I Mak 13,50 (lies sie leben).
1.5. Vergleicht man den doppelten Akkusativ mit den unter 1.2 erörterten verbalen Wortverbindungen, so zeigt sich deutlich, dass die syntaktischen Beziehungen zwischen dem Verb (V) und dem ersten substantivischen oder pronominalen Akkusativ (N) in beiden Fällen gleich sind. In der Verbindung jį mūmus tikrai sako DP 409₄₄ ist der Pronominalakkusativ jį, der die Person bezeichnet, von der gesprochen wird, dem Verb direkt untergeordnet. Dieselbe syntaktische Beziehung zwischen V und N sehen wir auch in der Konstruktion mit doppeltem Akkusativ Kam sakei ie tawa Seserį BrB I Moz 12,19. In ihr ist jedoch mit N noch ein weiterer substantivischer Akkusativ (N′) verbunden, der sich zu diesem ungefähr so verhält wie ein nominales Prädikat zum Subjekt, vgl. ji tavo sesuo. Die Beziehung zwischen V und N ist in beiden Fällen direkt, unmittelbar und zweifellos primär. Die unmittelbare Beziehung zwischen V und N wird auch durch die transformationale Interpretation von GD bestätigt (siehe 3.3.2.). Die Beziehung zwischen V und N′ hingegen ist mittelbar und gründet sich
36Ebenso BrP II 259.
37Ähnlich mit verlassen BrB II Moz 1,17; I Kar 20,31; II Kar 25,22; Ezech 23,29; 29,12; 16, 39; Luk 1,53.
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N und N’ stehen in einem halbprädikativen Verhältnis. Die entscheidende Rolle für den Aufbau der Konstruktion hat es offenbar erst später erhalten.
In Konstruktionen mit Verben, die früher mit einem Akkusativ des entfernteren Objekts stehen konnten (z. B.: žino / sako anuos negyvus), lassen sich also dieselben ursprünglichen syntaktischen Beziehungen feststellen wie bei Verben, die ein direktes Objekt verlangen (z. B.: regi juos grynus). Für den doppelten Akkusativ beider Typen lässt sich dasselbe Modell ursprünglicher syntaktischer Beziehungen rekonstruieren:
(1) V ⟶ N ←╌→ N’
Dieses Modell setzt die Existenz eines Satztyps voraus, in dem neben den vom Verb abhängigen Kasusformen zweite, nominale Prädikate stehen konnten. Dies zeigt sich zunächst an der strukturellen Analogie des doppelten Akkusativs zu Konstruktionen mit anderen Kasus. Unter diesen steht dem GD der doppelte Genitiv am nächsten; Relikte davon finden sich in alten Schriftzeugnissen und in der Folklore, vgl.: Neweiseidekit mane teip iūdos, nesa saule mane teip ischdėge BrB GG 1,6 (Sehet mich nicht an | Das ich so schwartz bin; quod fusca sim); neradau nes darba tawo pilno ChB Apr 3,2. Auch an Nomina und Pronomina wird der postpositionale Dativ angeschlossen, vgl. Rauschiau (=rašiau) iumus Tiewamus BrB I Jon 2, 13 (euch Vetern); kalbu iumus prietelamus ChB Luk 12,4; entsprechende Konstruktionen mit einem zweiten Dativ – einem Partizip (z. B. idant… kiekvienas iam tiesu sakunciam be iokio abeiojimo tiketu SP II 138₂₂–ná powieść jego) – legten seinerzeit vermutlich den Grundstein für den Dativus absolutus³⁸.
1.6. Konstruktionen mit doppelten Kasus, in denen zwischen V und N ein direktes Subordinationsverhältnis und zwischen N und N’ ein halbprädikatives Verhältnis besteht, sind auch für viele andere indogermanische Sprachen in deren frühesten Entwicklungsperioden charakteristisch. Zunächst sind die lettischen Parallelen zu nennen, vgl. pazinu vedējus devīgus cilvėkus; saka mani dzērājinu und Ähnliches³⁹. Im Alt-Slawischen, Altrussischen, Altböhmischen und anderen slawischen Sprachen⁴⁰ steht der doppelte Akkusativ mit Substantiven und Adjektiven nach Verben derselben semantischen Gruppen und kann mit verba percipiendi, cogitandi, dicendi u. Ä. verbunden werden, vgl. altböhm. mniše jeho posla spravedlivého Ote A 347⁴¹, alt-slaw. gl(agol)ja vašъ rabъ Mar Jon 15, 15⁴². Konstruktionen desselben Typs sind auch in alten germanischen Sprachdenkmälern belegt, vgl. got. kunnands ina wair geraihtana (εἰδὼς αὐτὸν ἄνδρα
38 Näheres dazu siehe beim Verf., LKK V, S. 9 ff.
39 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, p. 577—578.
40 Zum Alt-Slawischen und Altrussischen siehe А. А. Потебня, op. cit. 296 ff., 305; J. Łoś, Gramatyka starosłowiańska, Lwów — Warszawa — Kraków 1922, S. 166; Т. П. Ломтев, Очерки по историческому синтаксису русского языка, М., 1956, S. 212—216, 220 ff.; В. И. Борковский, П. С. Кузнецов, Историческая грамматика русского языка, М., 1965, 392 ff., 472; Сравнительно-исторический синтаксис восточнославянских языков, Члены предложения, М., 1968, 112 ff.; В. И. Чагишева, О втором винительном падеже имени прилагательного и причастия в истории русского языка, Уч. зап. ЛГПИ, т. 373, 1968, S. 215; zum Altböhmischen siehe J. Gebauer, Historická mluvnice jazyka českého, IV, Skladba, Praha, 1929, S. 25—26, 319 ff.; F. Trávníček, Historická mluvnice česká, 3, Skladba, Praha, 1956, S. 123—124; zum Altweißrussischen siehe Е. Ф. Карский, Белорусы, Язык белорусского народа, 2—3, S. 397—398; zu den übrigen slawischen Sprachen siehe F. Miklosich, Vergleichende Grammatik der slavischen Sprachen, IV, Wien, 1868—1874, S. 388—389; W. Vondrák, Vergleichende slavische Grammatik, ²II, Göttingen, 1928, S. 273.
41 J. Gebauer, op. cit. 321.
42 Б. Гавранек, Залог (genera verbi) в старославянском языке, „Исследования по синтаксису старославянского языка“, Прага, 1963, S. 51.
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δικαιον)43, angelsächs. wiste hine scyldigne „wusste ihn schuldig“44. Hinsichtlich seiner inneren Struktur entspricht dem litauischen doppelten Akkusativ vollständig der lat. acc. duplex mit den Verben videre, intelligere, credere, sperare, iudicare, nuntiare, praedicare, docere, z. B.: me… tristem credas Pl. As. 842; ille navem salvam nuntiat Amph. 98845 malitiam sapientiam iudicant46 und der griech. acc. dupl. mit den Verben νομίζω, ἡγέομαι, ἀποδείκνυμι u. Ä., die in dieser Konstruktion „glauben, anerkennen, etwas für etwas halten“ bedeuten, oder ὀνομάζω, λέγω „ich nenne, sage“47; vgl. auch altind. ná vai hatám vírtām vidmá ná jīvám48 „wir wissen nicht, ob Vrtra tot oder lebendig ist“ und entsprechende Konstruktionen mit Verba percipiendi und dicendi in hethitischen Texten, z. B.: ŠĖŠ–YA GIG-an us-ki-ir „ich hörte, dass mein Bruder krank war“49. Die strukturelle und semantische Parallelität dieser Konstruktionen zeigt überzeugend, dass bereits in der sehr weit zurückliegenden Vergangenheit der indogermanischen Sprachen von Verben der Wahrnehmung und der Mitteilung abhängige Nominalgruppen prädikative Beziehungen ausdrückten, die später durch Nebensätze wiedergegeben wurden. Dieselben Beziehungen finden sich auch in Konstruktionen mit anderen doppelten Kasus.
Der Vergleich mit anderen indogermanischen Sprachen bestätigt auch das ursprüngliche Verhältnis direkter Subordination zwischen V und N. In Konstruktionen mit Verben der physischen Wahrnehmung ist es offensichtlich, da N hier direktes Objekt von V ist. A. Potebnia50 und spätere Forscher51 haben überzeugend nachgewiesen, dass in den ältesten Denkmälern der slawischen Sprachen Verben der psychischen Wahrnehmung und der Mitteilung (z. B. altruss. vědati, mnĕti, znati, dumati, glagolati, povědati, ispovědati, skazati…) ebenso mit dem Akkusativ eines entfernteren Objekts verbunden wurden, der den Inhalt der Wahrnehmung oder Rede bezeichnete, wie viděti und andere Verben der physischen Wahrnehmung; vgl. altruss. исповѣда... пакость. К.-П. Плат. 153, помышляю жену ПСРЛ I 179, сказа явление К.-П. Плат. 18052, оувѣдаша... погоню I Новг. лет.53. Der Akkusativ nach Verben entsprechender Semantik findet sich auch in anderen indogermanischen Sprachen (gewöhnlich in Konstruktionen reliktartigen Charakters), vgl. lat. iuravit morbum „er bereute die Krankheit“ und die erstarrte Formel Iovem lapidem iurare
43 W. Vondrak, Vergleichende slavische Grammatik, ² II, 273.
44 А. А. Мухин, Функциональный анализ синтаксических элементов, М.—Л., 1964, р. 119, 189; plg. dar J. Macháček, Complementation of the English Verb by the Accusative—with—Infinitive and the Content Clause, Praha, 1965, p. 64, 66, 68.
45 R. Kühner, C. Stegmann, Ausführliche Grammatik der lateinischen Sprache, II, 1, Hannover, 1912 (toliau — Lat. Gr.), p. 294—295; O. Riemann, Syntaxe latine d’après les principes de la grammaire historique, Paris, 1927, p. 74—75.
46 A. Ernout, F. Thomas, Syntaxe latine, Paris, ²1953, p. 35.
47 R. Kühner, Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache, ²II, 1., Hannover, 1870, p. 273; С. И. Соболевский, Древне-греческий язык, М., 1948, р. 255.
48 B. Delbrück, Altindische Syntax, Halle, 1888, p. 179.
49 A. Hahn, Genesis of the Infinitive with Subject Accusative, Transactions and Proceedings of the American Philological Association (=TAPA), v. 81, 1950, p. 128.
50 А. А. Потебня, Из зап., I—II, 295—298.
51 Т. П. Ломтев, ор. cit., р. 257—260; Д. Станишева, Винительный падеж в восточно-славянских языках, София, 1966, р. 34—40 mit Lit.; ebenda zu den übrigen ostslawischen Sprachen S. 142 ff., 170 ff.; В. И. Борковский, П. С. Кузнецов, ор. cit., р. 472; Вступ до порівняльно-історичного вивчення слов’янських мов, red. О. С. Мельничук, Київ, 1966, р. 466. Zum Altzechechischen siehe ferner Д. Станишева, К проблеме лексических ограничений синтаксических моделей, Славистичен сборник, София, 1968, р. 33—34; zum Altpolnischen ebenda, р. 39—40.
52 Д. Станишева, ор. cit., р. 37.
53 В. И. Борковский, П. С. Кузнецов, ор. cit., 472, vgl. den doppelten Akkusativ Князя своего живого вѣдяще (Ип. лет.). А. А. Потебня, Из зап., I—II, р. 305.
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Fam. 7, 12, 2 (anstelle des üblichen per Iovem); Catilinam atque illa portenta loquebantur C. Mil. 6354; ähnlich der s. Ind. nach Verben, die „sprechen“ bedeuten (z. B.: yām attha „worüber sprichst du?“, d. h. ein Verb über eine Person)55, „denken“ (über eine Sache, neben dem acc. duplex und Nebensätzen) usw. Solche Verbindungen sind durch die für den alten indogermanischen Satz charakteristische schwache syntaktische Rektion und undifferenzierte Beschaffenheit motiviert, aufgrund deren der Akkusativ wie auch die anderen Kasus mit dem Verb nicht nur als direktes, sondern auch als entfernteres Objekt und mit verschiedenen adverbialen Bedeutungen verbunden werden konnte. Auf der Grundlage der hier genannten Verbindungen lassen sich in den Konstruktionen mit doppeltem Akkusativ historisch ein vom Verb abhängiges Substantiv und ein prädikatives Beiwort unterscheiden (z. B. lat. volo te + consulem56).
Der weitverbreitete Gebrauch nominaler Beifügungen ist eines der auffälligsten Satzmerkmale, das in den Denkmälern der alten indogermanischen Sprachen ins Auge fällt. Postpositive Nomina konnten hier frei mit verschiedenen Kasus verbunden werden und drückten Beziehungen aus, die wir heute durch nominale oder verbale Prädikate bezeichnen57. Auf diese Weise bildeten sie im Satz sekundäre prädikative Zentren, die semantisch jedoch vom Hauptverb abhängig waren. Formell unterschieden sich solche appositionellen Nomina in nichts von attributiven; ihre halbprädikative Funktion in alten Texten lässt sich häufig nur aus ihrer Stellung und dem Kontext erschließen58. (Die Identität alter prädikativer und attributiver Nominalformen ist in der litauischen Sprache recht gut erhalten geblieben.) Gerade solche halbprädikativen Beziehungen zwischen Nominalformen (oder den sie vertretenden Pronomen) lassen sich in Konstruktionen mit doppelten Kasus feststellen. In den Anfangsstufen ihrer Entwicklung war die Subordination des ersten Nomens (N) unter das Verb zweifellos wesentlich schwächer als in historischer Zeit und hatte vor allem semantischen Charakter.
1.7. In Konstruktionen mit doppelten Kasus nehmen Partizipien die syntaktische Position des Kasus des zweiten Nomens (N’) ein. Solche Partizipialkonstruktionen sind ihrer Herkunft nach morphologische Varianten der Konstruktionen mit doppelten Kasus. Der Gebrauch des Partizips in ihnen beruht auf seiner nominalen Natur.
GD ist historisch betrachtet ein Sonderfall des doppelten Akkusativs. Da die litauischen Partizipien ebenso wie die entsprechenden Formen anderer verwandter Sprachen aus
54 R. Kühner, C. Stegmann, Lat. Gr., II, 1, p. 264; dėl tokių galininkų ryšio su acc. duplex plg. J. B. Hofmann, Syntaktische Gliederungsverschiebungen infolge Erstarrung ursprünglich appositioneller Verhältnisse, IF, 42 (1924), p. 79.
55 B. Delbrück, Altind. Synt., p. 173; L. Renou, Grammaire sanscrite, t. 1–2, Paris, ²1961, p. 288.
56 Plg. J. B. Hofmann, op. cit.,79; A. Meillet, J. Vendries, Traité de grammaire comparée des langues classiques, Paris, 1924, p. 519 tt.
57Vgl. A. Potebnja, a. a. O., S. 109–110, 121 ff., 516; H. Hirt, Indogermanische Grammatik, VI, S. 196–197; VII, S. 28; A. Meillet, Introduction à l’étude comparative des langues indo-européennes, Paris, ⁷1934, S. 359 ff.; P. Chantraine, Grammaire Homérique, II, Syntaxe, Paris, 1953, S. 8,16–17, 232, 319 ff.; Г. С. Кнабе, Noch einmal zu den zwei Entwicklungswegen des komplexen Satzes, ВЯ, 1955, № 1, S. 116; Zur Herkunft absoluter Partizipialkonstruktionen im Altgriechischen, in: Вопросы античной литературы и классической филологии, М., 1966, S. 430–431.
58 Zum formalen Fehlen einer Unterscheidung zwischen nominaler Prädikation und Determination in den alten Sprachen vgl. B. Havránek, in: Otázky slovanské syntaxe, II, Brno, 1968 (im Folgenden OSS II), p.410; V. Hrabě, K vývoji jednočlenných infinitivních vět v ruštině a češtině, OSS II, p. 353; R. Večerka, K problematice vět s jmenným a sponově jmenným přísudkem v staroslověnštině, OSS, II, p. 373; R. Mrázek, Nominální věty neslovesné v staré ruštině, Studie ze slovanské jazykovědy, Praha 1958, p. 33, 40, 44–45; Y. Millet, Les tours au gérondif et la fonction d’épithète, OSS, II, p. 399.
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Die syntaktischen Beziehungen zwischen den aus Verben abgeleiteten Adjektiven, GD und den nominalen Gliedern des doppelten Akkusativs müssen identisch gewesen sein. Die strukturelle Gemeinsamkeit dieser Konstruktionen ist auch im Zeitraum der schriftlichen Überlieferung deutlich spürbar. In Texten des 16.–17. Jh. wird der zweite Akkusativ des Nomens und des Partizips häufig neben denselben Verben verwendet, vgl.:
Wir hielten sein Leben für unsinnig und sein Ende für eine Schande BrB Weish 5,4 (hielten sein Leben für unsinnig | vnd sein ende für ein schande). Und wer, der Güter dieser Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht (reikalingą) BrB 1 Joh 3,17 (sihet seinen Bruder darben) Wenn ihr die Unschuldigen seht | dann brecht ihr zusammen und seufzt: Wenn ihr aber die Böses Tuenden seht, dann seid ihr nicht traurig und betrübt DP 484₁₉ (Gdy ie widzą ubogimi... gdy ie widzą grzeszącymi W 183).
Eine vergleichbare Nähe zwischen dem doppelten Akkusativ mit Nomina und Partizipien findet sich auch in anderen Sprachen – den slawischen, germanischen, indo-iranischen, griechischen und lateinischen –, besonders in früheren Entwicklungsperioden⁵⁹. Ein in dieser Hinsicht charakteristisches Beispiel ist J. Bretkūnas’ Übersetzung von Mat 25, 38–39 aus dem Deutschen, in der der doppelte Akkusativ mit einem Substantiv, einem Adjektiv und zwei Partizipien den nominalen Konstruktionen des lateinischen und griechischen acc. duplex entspricht:
Kadai regėjom tawe Swetį, ir taw padwawę dawem? Angu⁶⁰ Nūgą, ir tawe apdengem. Kadai tawe regėjom negalintį angu⁶⁰ apkaltą; vgl.: Quando autem te vidimus hospitem… aut nudum… aut te vidimus infirmum, aut in carcere.
Die Grundlage von GD bildeten somit Konstruktionen, in denen mit dem Verb syntaktisch untergeordnete Nomina oder Pronomina in einem halbprädikativen Verhältnis mit Partizipformen im entsprechenden Kasus verbunden waren, die ursprünglich die Bedeutung von Verbaladjektiven hatten. Die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Gliedern des doppelten Akkusativs ermöglichen es, das ursprüngliche Modell von GD im Litauischen zu bestimmen:
(2) V ⟶ N ←→ P
Dieselben ursprünglichen syntaktischen Beziehungen lassen sich auch für entsprechende Konstruktionen des Alt-Slawischen, Germanischen, Indo-Iranischen, Griechischen und Lateinischen rekonstruieren. Die strukturelle Identität des doppelten Akkusativs mit Nomina und Partizipien, seine Verbreitung und sein archaischer Charakter in vielen verwandten Sprachen legen die Annahme nahe, dass diese Konstruktion aus der Epoche der indogermanischen Sprachgemeinschaft ererbt ist.
1.8. Zur Entstehung von GD und seiner ursprünglichen Struktur in den indogermanischen Sprachen wurden auch andere Auffassungen vorgebracht.
Die halbprädikativen Beziehungen zwischen N und P (bzw. N′), von vielen Autoren schlicht als prädikativ bezeichnet⁶¹, werden bisweilen von attributiven Beziehungen hergeleitet.
⁵⁹ Zur größeren Nähe dieser Konstruktionen im frühen Latein vgl. J. B. Hofmann, op. cit., S. 79, 83; F. Stolz, J. H. Schmalz, Lateinische Grammatik (im Folgenden — Lat. Gr.), München, 1928, S. 384.
⁶⁰ Oben unterstrichen: alba.
⁶¹ Zum Litauischen vgl. E. Fraenkel, Kas., 152 ff.; E. Tangl, Acc., 39 ff.; zum Lettischen J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, S. 577; zu den slawischen Sprachen vgl. А. А. Потебня, Из зап., I—II, S. 491, В. И. Борковский, П. С. Кузнецов, op. cit. S. 392—393; В. Л. Георгиева, История синтаксических явлений русского языка, М., 1968, S. 91; dass die prädikative Funktion des Partizips hier durch die Kurzformen der Partizipien deutlich angezeigt wird, betont J. Loś, Gramatyka starosłowiańska, 1922, S. 159—160; zum Altindischen vgl. B. Delbrück, Altindische Syntax, S. 178; zu den germanischen und romanischen Sprachen vgl. В. И. Ярцева, О взаимосвязях синтаксических отношений, сб.: Проблемы сравнительной филологии, М.-Л., 1964, S. 30—31; Исторический синтаксис английского языка, М.-Л., 1961, S. 228; Н. В. Соколова, Трехчленные глагольные сочетания в современном французском языке, сб.: Грамматика, фонетика и стилистика романских языков, Л., 1971, S. 256 ff. mit Literatur; В. Е. Коваленко, Именные средства выражения предикации, Львов, 1969, S. 48 ff. mit Literatur.
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Die Auffassung, dass der halbprädikative (bzw. appositionelle) Gebrauch eine spätere Entwicklungsstufe der Partizipien darstellt, formulierte J. Jolly bereits in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts62. Auf der Grundlage der slawischen Sprachen erklärte O. S. Melničukas den Wandel attributiver Beziehungen zu prädikativen mit der Erweiterung des Partizips durch abhängige Wörter63, durch die im Satz ein sekundäres Prädikationszentrum entstanden sei. Berücksichtigt man, dass prädikative und attributive Nominalwörter in der Antike formal nicht unterschieden wurden, ließe sich der Meinungsunterschied in dieser Frage wohl lediglich als terminologisch auffassen und müsste nicht bedeuten, dass N — P/N′-halbprädikative Beziehungen aus ursprünglich undifferenzierten attributiv-prädikativen Beziehungen hervorgegangen seien64. Dass sie sich aus attributiven Beziehungen entwickelt haben könnten, ist sehr zweifelhaft, da eine solche Entwicklungsrichtung auch in anderen Fällen nicht typisch ist. Die Erweiterung des Partizips kann die Entstehung halbprädikativer Beziehungen ebenfalls nicht erklären, denn in den ältesten Denkmälern der indogermanischen Sprachen bestehen halbprädikative Konstruktionen meist aus nicht erweiterten Partizipien65. Andererseits weist der in vielen Sprachen beobachtete freiere Gebrauch satzähnlicher nominaler Ergänzungen in der Antike und ihre spätere Entwicklung zu syntaktisch untergeordneten Attributen, Adverbialbestimmungen oder Teilen des verbalen Prädikats auf die entgegengesetzte Entwicklungsrichtung hin. Sie wird auch durch die Transformation bestätigt: Die attributive Funktion der Nominalwörter wird aus der prädikativen abgeleitet, nicht umgekehrt.
Aus denselben Gründen scheint auch eine Präzisierung der Auffassung über den Ursprung des GD (bzw. des acc. duplex) aus direkten Verbergänzungen erforderlich, zwischen denen sich später (halb)prädikative Beziehungen herausgebildet hätten.66 Solche Verbindungen, in denen zwei Nominalwörter in derselben Kasusform vom Verb abhängen, sind zweifellos archaisch. Da diese Nominalwörter untereinander in Teil-Ganzes-Beziehungen und anderen semantischen Subordinationsverhältnissen stehen konnten67, gibt es keinen Grund anzunehmen, ihre halbprädikativen Beziehungen, die bereits für die ältesten Entwicklungsstufen der indogermanischen Sprachen charakteristisch sind, hätten sich erst später herausgebildet. Ihre spätere Entstehung widerspräche der grundlegenden Entwicklungsrichtung des indogermanischen Satzes, nämlich der Zunahme seines inneren Zusammenhalts und seiner Subordinationsbeziehungen. Zweifellos späteren Ursprungs sind jedoch die stärkere Abgrenzung des GD und anderer halbprädikativer Konstruktionen von den attributiven sowie später auch ihre formale Absonderung, die bereits in historischen Entwicklungsperioden der indogermanischen Sprachen zu beobachten ist.
Völlig entgegengesetzt ist die Hypothese, der zufolge das GD aus Nominalsätzen hervorgegangen sei; sie wurde, ausgehend von den Auffassungen J. Zubatýs68, auf der Grundlage der slawischen Sprachen von F. Travníček ausgearbeitet69 und später von einigen weiteren tschechischen Linguisten unterstützt70. F. Travníček zufolge sind solche tschechischen GD wie vizu tě ležiec „ich sehe dich liegen“ aus zwei Sätzen hervorgegangen – einem verbalen und einem nominalen: vizu tě, leže „ich sehe dich, (du) liegst“; die Bedeutung „ich sehe dich liegen“ sei sekundär und erst später entstanden. Das Partizip habe zunächst die Funktion eines Nominalsatzes gehabt, sich später an den verbalen Satz (vizu tě) angeschlossen und sei dann mit dem Akkusativ des Objekts kongruent geworden (te71). Da das GD seinem inneren Aufbau nach eine Transformation zweier elementarerer Strukturen ist (vgl. 3.3.), ließe sich diese Annahme allenfalls auf sehr weit zurückliegende Perioden der Sprachgeschichte anwenden,
62 J. Jolly. Zur Lehre vom Particip, kn.: Sprachwissenschaftliche Abhandlungen, Leipzig, 1874, p. 89—92.
63 Plg. О. С. Мельничук, Розвиток структури слов’янського речення, Київ, 1966, p. 164 tt., 169—170.
64 Plg. B. Havránek, OSS, II, p. 410.
65 Plg. A. Hahn, Genesis of the Infinitive with Subject-Accusative, TAPA, 81 (1950), p. 117 tt.; Verbal Nouns and Adjectives in some Ancient Languages, „Language“, 42 (1966), № 2, p. 380—381.
66 G. Curme, A Grammar of the English Language, v. 3, 32 tt.
67 Solche Fälle der sogenannten partitiven Opposition in den altindischen, hethitischen, lateinischen und griechischen Sprachen hat A. Hahn ausführlich behandelt: Vestiges of Partitive Opposition in Latin Syntax, TAPA, 84 (1953), S. 92—123; Partitive Opposition in Homer and the Greek Accusative, TAPA, 85 (1954), S. 197—289; Verbal Nouns and Adjectives in some Ancient Languages, „Language“, 42(1966), Nr. 2, S. 388 ff.; siehe auch F. Stolz, J. H. Schmalz, Lat. Gr., S. 630; zum Altrussischen siehe В. И. Борковский, П. С. Кузнецов, op. cit., S. 452.
68 Plg. J. Zubatý, Studie a článki, II, Praha, 1954, p. 107.
69 F. Trávníček, Neslovesné věty v češtině, II, Brno, 1931, p. 157; Historická mluvnice česká, 3, Skladba, Praha, 1956, p.186, tt.; plg. dar Slavia 7 (1928—29), p. 818.
70 Vgl. R. Mrázek, Nichtverbale Nominalsätze im Altrussischen, Studie ze slovanské jazyko vědy, Praha, 1958, S. 44; Deduktion und Empirie bei der vergleichenden Typologie des slawischen Satzes, OSS II, S. 192. R. Večerka, Zur Entstehung der slawischen Konstruktionen des Partizip Präsens Aktiv und des Partizip Präteritum Aktiv I, ”Sborník prací filos. fak. Brněnské univ.” A, Jg. 7, Brno, 1959, S. 43 ff.
71 F. Trávníček, Hist. ml. č., 3, p. 187, 189.
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als der Bau des einfachen Satzes ganz primitiv war⁷². Die syntaktische Rekonstruktion weist jedoch keineswegs auf eine primitive Satzstruktur in der indogermanischen Sprachgemeinschaft hin. Im Rahmen der vergleichenden Syntax der indogermanischen Sprachen lässt sich diese Annahme nicht beweisen, da wir weder in den slawischen noch in anderen Sprachen Spuren finden, aus denen sich auf eine Umwandlung des Nominativs eines nominalen Prädikats in den Akkusativ schließen ließe⁷³. Andererseits ist der doppelte Akkusativ mit Nomina und Partizipien, besonders nach Verben der Wahrnehmung, seit ältester Zeit nicht nur im Indogermanischen, sondern auch in anderen Sprachfamilien (z. B. den semitischen) belegt⁷⁴. Solche parataktisch verbundenen Sätze wie
ich sehe: du kannst (kannst) könnten seit sehr alter Zeit parallel zum GD ich sehe dich liegend verwendet worden sein. Die hier angeführten Überlegungen widersprechen somit nicht J. Zubatýs Auffassung von der für Partizipien charakteristischen Funktion als zweites, nominales Prädikat, die für die Rekonstruktion der Struktur des indogermanischen einfachen Satzes von grundlegender Bedeutung ist.
G. Jacobsson schlug ebenfalls vor, die GD-Konstruktionen der baltischen und slawischen Sprachen mit flektierten Partizipien als jüngere, sekundäre Erscheinungen anzusehen⁷⁵. Seiner Ansicht nach bildete eine Akkusativfügung mit dem Lokativ eines Verbalnomens (nomen agentis), der sich im Laufe der Zeit zum Gerundium (Adverbialpartizip) entwickelt habe, die Grundlage dieser Konstruktionen; Konstruktionen mit einem Partizip im Akkusativ seien jünger und hätten sich zumindest in den slawischen Sprachen unter dem Einfluss anderer Sprachen durchgesetzt. Dieser Hypothese widerspricht jedoch entschieden die historisch belegte Verbreitung unflektierter Partizipialformen in GD-Konstruktionen der baltischen und slawischen Sprachen; sie lässt es nicht zu, die Akkusativformen der Partizipien als jünger anzusehen⁷⁶.
1.9. Obwohl die Belege aus litauischen Sprachdenkmälern des XVI—XVII. Jahrhunderts die Bestimmung der alten GD-Struktur ermöglichen, sind doch die meisten in den alten Schriften vorkommenden Beispiele dieser Konstruktion vom ursprünglichen Zustand beträchtlich abgewichen.
Schon zu Beginn der Schrifttradition unterscheidet sich der GD in seiner Verwendung vom doppelten Akkusativ mit Substantiven und Adjektiven. Diese Unterschiede treten im Laufe der Zeit deutlicher hervor und schaffen die Voraussetzungen für eine spezifische Entwicklung des GD während der schriftsprachlichen Überlieferung.
Erstens unterscheidet sich der GD deutlich hinsichtlich des Umfangs seiner Verwendung. Der doppelte Akkusativ mit Substantiven war im XVI—XVII. Jahrhundert bereits eine reliktische und seltene Konstruktion; später verschwindet er vollständig und wird in der heutigen Sprache nicht mehr verwendet (abgesehen von einzelnen erstarrten Fällen). Der doppelte Akkusativ mit Adjektiven ist in den alten Schriften erheblich häufiger, doch gebräuchlich und produktiv nur nach faktitiven Verben und anderen Verben mit ähnlicher Bedeutung (siehe 1.4). Auch mit Verben der Wahrnehmung, des Sagens und der geistigen Tätigkeit ist er unproduktiv, geht allmählich aus dem Gebrauch zurück und wird zu einem stilistisch markierten Archaismus.
Einen völlig anderen Platz unter den syntaktischen Mitteln nimmt der GD ein. In den alten Schriften ist er sehr produktiv und mindestens zehnmal häufiger als alle anderen Konstruktionen mit doppeltem Akkusativ zusammen. Der breite Gebrauch des GD, der sich auf die lebendige Sprache jener Zeit stützt⁷⁷, ist eines der markantesten Merkmale der litauischen Syntax des XVI—XVII. Jahrhunderts. Der GD unterscheidet sich von den übrigen Fällen des doppelten Akkusativs auch durch die Vielfalt der morphologischen und semantischen Gruppen der ihn bildenden Formen. All dies zeigt, dass der GD im behandelten Zeitraum flekt-
72 Zur möglichen Entstehung des GD durch die Zusammenziehung zweier elementarerer Strukturen siehe auch J. P. Hughes, The Included Sentence Structure in Function Analysis, ”Word“, 23, 1—2—3 (1967), S. 336—337.
73 Vgl. die Kritik an F. Trávníčeks Hypothese auf der Grundlage der slawischen Sprachen bei B. T. Коломиец, А. С. Мельничук, ВЯ, 1957, № 5, S. 150; V. Barnet, Vývoj systému participií aktivních v ruštině, Praha, 1965, S. 42—43.
74 M. Johannessohn, Der Wahrnehmungssatz bei den Verben des Sehens in der hebräischen und griechischen Bibel, KZ, 64 (1937), p. 146—147, 253—254.
75 G. Jacobsson, The Slavic Active Participles. Original Structure and Interference, ”Scandinavica“, IX, Copenhagen, 1963, S. 132 ff.; Славянска Филология, VII, София, 1965, S.49—50.
76 Vgl. die Diskussion dieser Hypothese auf dem V. Slawistenkongress: О. С. Мельничук, in: Славянска Филология, VII, София, 1965, S. 56; kritisch wird sie auch von V. Barnet, a. a. O., S. 43, beurteilt.
77 Zum autochthonen Ursprung und zur Verbreitung des GD im XVI—XVII. Jahrhundert siehe den Verfasser, LKK, 11 (1969), S. 41—58.
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… ist von der doppelten Akkusativkonstruktion mit Adjektiven und Substantiven zu unterscheiden und als spezifisches Mittel zum Ausdruck einer sekundären Handlung zu verallgemeinern. Dieser Prozess spiegelt sich deutlich in der grammatischen Form des GD wider.
2. Grammatische Form des Akkusativs mit Partizip
2.1. Verbales Glied
Die Wahl des Verbs spielt für die GD-Konstruktion eine entscheidende Rolle. Von ihm hängen nicht nur die Beziehungen von V zu N und P ab, sondern auch deren halbprädikatives Verhältnis, das nur nach Verben bestimmter Bedeutung und Valenz möglich ist. Daher ist das verbale Glied als Hauptglied, das nominale und das partizipiale Glied hingegen als abhängige GD-Glieder anzusehen.
Als Hauptglied des GD können verschiedene finite und infinite Verbformen auftreten: Partizipien, Halbpartizipien, Gerundien und der Infinitiv. Die syntaktischen Beziehungen zwischen den Gliedern der Konstruktion bleiben dadurch unverändert, z. B.:
Damit sie… fest glauben könnten| dass er wahrhaftig auferstanden sei BrP II 32. Ebenso [jene Art] war eine Prüfung | die zeigte | dass sie aus tiefstem Herzen um Vergebung baten. MT 1 142₈. Doch der Herr… da er sah, dass unsere Natur so sehr nach jener Höhe verlangte… erniedrigte DP 482₃₅ (widząc naturę nasze ták prągnączą W 811). Doch indem wir Gottes mit dem Mund bekennende Ruhe erwähnen, betrachten wir BrP II 469.
Aufgrund einer semantischen Analogie zu Verben bilden mitunter auch einige Substantive sowie prädikativ gebrauchte Adjektive im Neutrum ein GD, siehe 2.1.4.3–4.
Ein GD kann auch aus zwei, drei oder mehr Hauptgliedern bestehen (a). Andererseits hängt ein GD mit zwei oder mehreren abhängigen Gliedern häufig von einem einzigen Hauptglied ab (b).
a) Und sie erkennen gewiss an, | wissen und bekennen, dass Christus wahrhaftig auferstanden ist BrP II 23-24.
b) Moses… lehrt, dass die Welt und alle Ordnungen der Dinge vom Schöpfer | aus dem Nichts geschaffen wurden | jedoch zu einem bestimmten Zeitpunkt ihren Anfang nahmen MT 39₈. Dass sie… gewiss wissen, | dass er nicht mehr auf Erden ist, | sondern von der Erde und von den Toten auferstanden ist | und wahrhaftig lebt BrP II 36.
Da die lexikalischen und syntaktischen Eigenschaften des Hauptglieds die Struktur der syntaktischen Beziehungen der gesamten Konstruktion bestimmen, muss zunächst festgestellt werden, welche Verben als Hauptglied eines GD auftreten können.
Bei der Untersuchung entsprechender Konstruktionen anderer Sprachen werden die verbalen Glieder gewöhnlich nach ihren lexikalischen Bedeutungen eingeteilt. Eine solche Klassifikation beruht auf dem bereits in der Antike beobachteten Zusammenhang zwischen der Bedeutung des Verbs und der inneren Struktur der gesamten Konstruktion. Sie ist jedoch recht subjektiv, da Umfang, Anzahl und Grenzen der einzelnen semantischen Gruppen nach dem Ermessen des Forschers festgelegt werden und selbst in Beschreibungen derselben Sprache stark variieren. So teilen manche Autoren die englischen Verben, die entsprechende Konstruktionen mit Partizipien und Infinitiv bilden, ein in a) faktitive Verben und b) Verben der Wahrnehmung, geistigen Tätigkeit, des Wunsches u. Ä.¹, andere in a) Verben der Gefühle und der sensorischen Wahrnehmung, b) Verben, die mit einem durativen Zustand verbunden sind, c) Verben des psychischen Zustands oder der geistigen Tätigkeit², wieder andere erneut in a) Verben der Wahrnehmung, des Gefühls und der geistigen Tätigkeit,
1 H. Poutsma, A Grammar of Late Modern English, I, Groningen, 1928–1929, p. 340 tt.
2 K. Yamakawa, The two Constructions: „Accusative and participle“ and „Genet. and gerund“, „Annals of the Hitotsubashi academy“, Tokyo, 1957, V. 8, № 1, 58 tt.
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b) kausative, c) Wunsch- und d) Verben anderer Bedeutungen3. Unter solchen Umständen ordnen verschiedene Forscher dieselben Verben (z. B. want, like, hate) unterschiedlichen Gruppen zu – die einen der Gruppe der Willens- und Gefühlsverben, die anderen der Gruppe der Verben psychischer Zustände oder Tätigkeiten. Offenbar verzichten deshalb einige Autoren ganz darauf, diese Verben zu klassifizieren, und führen sie lediglich in Listen auf. Es gibt auch Versuche, Verbgruppen anhand der Distribution morphologischer Formen von N und P innerhalb der Konstruktion einzuteilen und zu definieren5. Eine solche Einteilung ist objektiver, für die Untersuchung litauischer Sprachdaten wäre sie jedoch wenig nützlich, da dieselben Verben hier eine GD mit verschiedenen N- und P-Formen bilden können, die sich lediglich im Grad ihrer Produktivität unterscheiden. Die anhand der Distribution innerhalb der GD-Konstruktion unterschiedenen Verbgruppen ließen sich daher semantisch nicht interpretieren6. Außerdem wäre es in diesem Fall schwierig, die litauische GD mit entsprechenden Konstruktionen verwandter Sprachen zu vergleichen, in denen Verben nach ihrer Semantik behandelt werden. Unserer Ansicht nach ist es zweckmäßig, die als Hauptglied der GD fungierenden Wörter anhand ihrer gemeinsamen Valenzeigenschaften zu erörtern, denn so lässt sich die Distributionsanalyse mit der semantischen Analyse verbinden. Der Umstand, dass sich die Hauptbedeutungen der Verben gewöhnlich in ihrer syntaktischen Umgebung widerspiegeln7, ermöglicht es, ihre Einteilung formal zu begründen.
Die mit der GD verbundenen Verben werden zunächst nach gemeinsamen Valenzeigenschaften eingeteilt, die für die Beschaffenheit der untersuchten Konstruktion relevant sind; anschließend werden einzelne Verbedeutungen herausgestellt, die ihrerseits anhand ihrer syntaktischen Umgebung definiert werden8.
Die syntaktischen Beziehungen zwischen den Gliedern der GD hängen weitgehend davon ab, ob das Hauptglied eine Satzgliedsatz- bzw. Phrasensteuerung aufweist9, d. h. ob es einen ergänzenden Nebensatz sowie direkte Rede anschließen kann, z. B.: Ich weiß (es ist bekannt), dass du kommen wirst; ich sagte: Du wirst kommen usw. Verben mit Phrasensteuerung, die als kommentierbar bezeichnet werden10 (z. B. sehen, hören, verstehen, fühlen, wissen, sagen), müssen zunächst von solchen ohne diese Eigenschaft unterschieden werden-
3 Л. С. Бархударов, Д. А. Штелинг, Грамматика английского языка, М., 1965, р. 380—383.
4 Л. С. Бархударов, Структура простого предложения современного английского языка, М., 1966, р. 104; ähnlich im Altoslavischen: R. Večerka, Syntax aktivních participií v staroslověnštině, Praha, 1961, 57 ff.
5 Plg. E. A. Nida, A Synopsis of English Syntax, London, The Hague, Paris, 1966, p. 155—156; Д. П. Новиков, Диахронический анализ нефинитных объектно-предикативных сочетаний, авт. канд. дисс., Л., 1969, р. 15 tt.
6 Auch der Versuch, Verbgruppen semantisch zu definieren, die anhand der Distribution abhängiger Glieder in entsprechenden englischen Konstruktionen unterschieden wurden, erwies sich als unergiebig; siehe Д. П. Новиков, op. cit., р. 17.
7 Plg. Р. Мразек, Синтаксическая дистрибуция глаголов и их классы, ВЯ, 1964, № 3, р. 50 tt.; Ю. Д. Апресян, Опыт описания значений глаголов по их синтаксическим признакам (типам управления), ВЯ, 1965, № 5, р. 51 tt.
8 Eine Bedeutungsgruppe gilt demnach als Gesamtheit semantischer Merkmale, die in eine syntaktische Regel eingehen; vgl. R. T. Lakoff, Abstract Syntax and Latin Complementation, Cambridge — Massachusetts — London, 1968, p. 165, 213.
9 Zur Phrasensteuerung siehe Р. Мразек, op. cit. 56; dafür wird auch der Begriff der Phrasenvalenz verwendet, vgl. Н. В. Соколова, Трехчленные глагольные сочетания в современном французском языке, сб.: Грамматика, фонетика и стилистика романских языков, Л., 1971, 255 ff. Zur Möglichkeit, einen ergänzenden Nebensatz als Valenzeigenschaft eines Verbs anzuschließen, siehe außerdem W. D. Klimonow, Die Valenzen der russischen Verblexeme, die einen Objektsatz mit der Konjunktion что regieren, ZfSl, 13 (1968), H. 4, p. 632—639. Solche Nebensätze wie auch viele Präpositionalfügungen werden von G. Helbig und W. Schenkel als Kategorien I. Ranges angesehen, die die Valenz des Verbs bestimmen; siehe G. Helbig, W. Schenkel, Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben, Leipzig, 1969, p. 36 u. a.
10 Zu diesem von N. D. Andrejev vorgeschlagenen Begriff siehe Л. Ф. Ткаченко, О лексико-синтаксической валентности коммента́бельных глаголов во французском языке, сб.: Исследования по структурно-вероятностному анализу, Горький, 1971, р. 130 ff.
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der entsprechenden, d. h. nicht kommentierbaren Verben (z. B.: arbeiten, machen, tragen, fahren, zählen, nennen). Letztere haben meist faktitive oder eine ähnliche Bedeutung und bezeichnen als transitive Verben das Herstellen, Verändern, Benennen usw. bestimmter Objekte. Somit stimmt die Einteilung der in GD verwendeten Verben in kommentierbare und nicht kommentierbare in vielen Fällen mit der traditionellen Einteilung in nichtfaktive und faktitive Verben¹¹ überein, verfügt jedoch über eine klarere grammatische Grundlage.
Konstruktionen mit kommentierbaren Verben sind am weitesten verbreitet und weisen einen eigenen Gebrauch sowie spezifische Entwicklungstendenzen auf; auf sie wird seit der antiken Grammatik der Begriff accusativus cum participio angewandt. Unter den allgemeinen Valenzeigenschaften der kommentierbaren Verben sind für die Struktur von GD vor allem ihre Beziehungen zum Akkusativobjekt konkreter und abstrakter Bedeutung sowie zum Subjektnominativ von Bedeutung.
Nach diesen Beziehungen unterscheiden wir vier Gruppen kommentierbarer Verben oder anderer Wörter, die deren Position einnehmen.
Tabelle 1
Wortgruppen, die GD bilden
Gruppe | Subjektnominativ | Akkusativ eines Wortes konkreter Bedeutung | Akkusativ eines Wortes abstrakter Bedeutung | 1: + | + | + | 2: + | − | + | 3: + | − | − | 4: − | − | −
Gruppe 1
2.1.1. Verben, die mit dem Subjektnominativ verbunden sind und den Akkusativ von Wörtern konkreter und abstrakter Bedeutung regieren können
Mit den Verben der Gruppe 1 werden die meisten GD-Konstruktionen gebildet (fast die Hälfte aller in Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts gefundenen Beispiele); die Zahl der dieser Gruppe zugeordneten Lexeme ist jedoch gering: nur 23 Verben, wenn präfigierte Formen als separate Lexeme gezählt werden. Sie lassen sich in kleinere Untergruppen einteilen, und zwar in Verben der physischen Wahrnehmung, Verben des Zeigens und einige Verben der mentalen Wahrnehmung, die eine Zwischenstellung zwischen Gruppe 1 und 2 einnehmen.
2.1.1.1. Verben der physischen Wahrnehmung sind am weitesten verbreitet und bilden nicht nur die Grundlage von Gruppe 1, sondern auch die von GD selbst. GD mit Verben dieser Bedeutung wurde in nahezu allen indogermanischen Sprachen verwendet; entsprechende Konstruktionen sind auch in Sprachen anderer Sprachfamilien bereits in den ältesten Entwicklungsperioden belegt¹².
Aus den Verben der physischen Wahrnehmung werden in den Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts folgende mit GD verwendet: sehen, erblicken, schauen, betrachten, ersehen; hören, zu hören bekommen, lauschen, anhören; fühlen,
11 Plg. M. Deutschebein, System der neuenglischen Syntax, Leipzig, 1926, p. 272–273.
12 Z. B. für das Hebräische, Arabische, Äthiopische, Syrische und andere semitische Sprachen, siehe M. Johannesohn, Der Wahrnehmungssatz bei den Verben des Sehens in der hebräischen und griechischen Bibel, KZ, 64 (1937), H. 3–4, S. 146–147, 253 ff.
14*
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fühlen; finden, entdecken, antreffen. GD wird am häufigsten mit regėti (519 Belege – das beliebteste Verb in dieser Konstruktion), girdėti, išgirsti (303), išvysti (207), (at)rasti (160) gebildet; siehe Tabelle 2. Da diese Verben den Akkusativ eines konkreten oder abstrakten Gegenstands verlangen, stehen sie nicht mit einem Objektakkusativ. GD mit ihnen treten in zwei Typen auf:
a) N kann als direktes Objekt von V aufgefasst werden, und P wird sowohl mit N als auch mit V verbunden. Zum Beispiel besteht im Satz ghis… ischwida du laiwu stowincziu pas ezera VEE 91₁₂ zwischen ischwida und du laiwu eine direkte Objektbeziehung, doch das Partizip stowincziu ist semantisch ebenfalls mit V verbunden (wie auch das Original bestätigt: sahe zwey schiff am see stehen). Aufgrund der Art der Beziehung zwischen V und N werden solche Konstruktionen im Folgenden als objektbezogen bezeichnet.
b) N kann nicht als direktes Objekt von V aufgefasst werden und ist nur zusammen mit P von ihm abhängig. Im Satz O ischw idens, Szmones bessiba idanczias ing Wandeni eiti… pereija per Wandeni BrB I Mak 16, 6 (sahe | das das Volck eine schew hatte) ist Szmones kein direktes Objekt von V, denn hier geht es nicht um die Wahrnehmung der Menschen, sondern ihrer Furcht. Das Verb išvysti hat hier eine andere Bedeutung als im Beispiel (a) und steht suvokti, suprasti nahe. Solche Konstruktionen werden im Folgenden als nicht objektbezogen bezeichnet.
Da der Unterschied zwischen Fällen des Typs (a) und (b) erst aus dem Kontext, der Situation und der möglichen Ersetzung von V durch Verben der Gruppe 2 hervorgeht, ist er nicht überall eindeutig. In Schriftzeugnissen des 16. und 17. Jahrhunderts finden sich viele Beispiele, die als Übergangsfälle gelten und beiden Typen zugeordnet werden können. In der weiteren Entwicklung von GD spielte die Differenzierung dieser Typen jedoch eine große Rolle.
sehen, erblicken, schauen, betrachten, erblicken
a) Und als sie zum Grabe gingen, sahen sie einen Jüngling sitzen zur rechten Seite DP 184₃₇ (wyžrząly młodzieńca siedzącego W 315). Und wann werden wir diese Welt sehen, das große Feuer und die in die Asche gelegten? Jeden Tag sehen wir Menschen sterben und begraben werden BrP II 6. Und wie kann ich zusehen, wie meine Verwandtschaft zugrunde geht BiB Est 8, 6 (zusehen | das mein Geschlecht umbkome?) Sztay izmiwisk baymey mirsztanti KN 76₂₀.
b) Kad’ pamatis ant’ sawęs wissus daiktūs to pasaulo aplėistus DP 554₃₂ (gdy wyżrzą nãd sobą… wsytkie rzeczy… opuszczone W 944) Isch tu pawaissu regim malda daug galincze BrP II 99. Potam ghi regi | buwusi ubagu | nei galwijelá sawa tikra netureiusi SE 75₂₃. Ir kaip Plebonas weisdes, Pischę ne persimainuse po io akim, nei toliaus walgiįuse (issiplatinoniuse) tadda neczista ira BrB III Moz. 13, 55 (wird sehen … dass der Fleck sich nicht verändert hat). Ischwidens pama Maria issigandusja isch io pasweikinimo | ghis te linksmin BrP I 336.
hören, vernehmen, zuhören, anhören
a) Sohn, ich höre dich weinen, du sagst zu mir SIG I 97₁₆. Wie ein Blinder, der eine vorbeigehende Menge hört | und lauscht (vslyszawszy tluszczą przechodząca) SP I 365₁₁. Die ewige Einheit Gottes | erhöre unsere Betenden RG 253₇. König, erhöre uns, wenn wir zu dir rufen BrB Ps 20, 10 (erhöre uns | wenn wir ruffen).
b) Dass er jeden Menschen hört, der das Leben wiedererlangt RG 563₁₄. Und im Frühling, als Vespasian Nero hörte, nachdem er gestorben war, war er in Cäsarea BrP II 341.
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fühlen, spüren
a) Diejenigen, die auf ihn hören … fühlen, wie die vielen Dinge das Herz bedrängen (dožnawáia ze iako ošći iake kola serce ich) SP II 8318. Damit auch wir die auf der Erde herabfallenden Tropfen spüren DP 61621 (ábbysm… vczuli krople na ziemię padające W 832).
b) Smaguteli lebt nun, nachdem du seine Wunden gefühlt hast, schon nicht mehr und ist begraben BrP II 516. Und wenn ihr sie fühlt, niedergeschlagen und fliehend13, dann werdet ihr sie leicht überwältigen BrB Judit 14, 5 (mercket | das sie verzagt sein werden vnd die flucht geben).
Unter den GD-Belegen mit Wahrnehmungsverben sind objektive Konstruktionen etwas häufiger als nichtobjektive, obwohl einzelne Verben hier besondere Tendenzen aufweisen. So wird das Verb erblicken meist in objektiven, d. h. Konstruktionen des Typs (a), verwendet; objektive Konstruktionen mit sehen haben nur noch einen geringeren Überhang; dagegen treten die Verben hören, vernehmen häufiger in nichtobjektiven, d. h. Konstruktionen des Typs (b), auf (siehe Tabelle 2).
Die in Konstruktionen beider Typen auftretenden Verben unterscheiden sich nicht nur durch ihre syntaktischen Beziehungen zum Akkusativ, sondern auch durch ihre lexikalische Bedeutung. Die Verben sehen, erblicken, erspähen usw. bedeuten in Belegen des Typs (a) „mit den Augen, durch das Sehen wahrnehmen“. In Belegen des Typs (b) haben sie dagegen nicht mehr diese konkrete Bedeutung des „Sehens mit den Augen“, sondern bedeuten „verstehen, begreifen“ (vgl. die fünfte Bedeutung von sehen, LKŽ VII 916). Ähnlich unterscheiden sich auch die Bedeutungen von hören und seinen Synonymen: In Belegen des Typs (a) bedeuten sie gewöhnlich „mit den Ohren Töne wahrnehmen“, in Belegen des Typs (b) hingegen „wissen, erfahren, erleben“ (vgl. LKŽ III 330—331). Nur in Belegen des Typs (a) hat auch das Verb fühlen eine Bedeutung der körperlichen Wahrnehmung; in Belegen des Typs (b) bezeichnet es ebenfalls bereits ein psychisches Erleben und nicht eine körperliche Empfindung.
Ähnlich differenziert sind in Belegen beider Typen die Bedeutungen des Verbs finden und seiner Synonyme, das der Gruppe der Wahrnehmungsverben bedingt zugerechnet wird: In den objektiven Konstruktionen (a) bedeutet dieses Verb „suchend, beobachtend entdecken“, während es sich in den nichtobjektiven Konstruktionen (b) seiner Bedeutung nach den Verben bemerken, spüren (unversehens), verstehen annähert.
finden, entdecken, vorfinden
a) Er fand ihn in der Kirche mitten unter den Ärzten sitzend, ihnen zuhörend und Fragen stellend (núležli… šiedzacego) SP I 19514. Und er fand sie bereits tot BrP I 393. Und er fand … das Kind in der Krippe liegen VEE 10 (und funden… das Kind in der krippen liegen.). Der Bräutigam kam, und wo er diejenigen antraf, die sich vergnügten, nahm er sie gefangen DP 57025 (ktore został gotowe W 96915).
b) Wir werden wiederum feststellen, dass wir große Feinde sind BrP II 248. Die Seele spricht: Ich werde nach Hause zurückkehren … Und als sie kam, fand sie es ausgekehrt und geschmückt (szlota) vor. ChB Luk 11, 2516. Als er zurückkehrte, fand er sie wieder schlafend vor SE 25032.
Eine ähnliche Bedeutung wie in Belegen des Typs (b) können finden, entdecken auch dann haben, wenn ihnen Nebensätze mit erklärendem Inhalt zugeordnet sind, z. B.: Er fand, dass mir ein Knochen gebrochen ist Rm. Das Kind fand, dass die Rhabarber sauer und bitter ist Krš. Die Polen entdeckten,
13 Unterstrichen, oben: ios.
14 Ähnlich SE 2516, Ev 22—23.
15 Ähnlich DP 5708.
16 Ähnlich ChB Mat 12, 44; VEE 564; SP II 441; SE 646.
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was man mit der Kolonie schon machen muss. Pls. Diese Bedeutung der genannten Verben ist dennoch viel seltener als jene, die wir in „nichtobjektiven“ Konstruktionen beobachten. Bei der Bildung von GD behalten die Verben rasti, atrasti häufiger als andere Verben der Perzeption die direkten Rektionen mit N und die unmittelbare Bedeutung des Findens eines bestimmten Objekts bei.
2.1.1.2. Die Verben rodyti, parodyti, ženklinti des Zeigens können sowohl mit einem Objekt im Akkusativ als auch im Dativ stehen. Sie bilden ebenfalls GD-Konstruktionen beider Typen. In objektiven Konstruktionen bedeuten sie „zu sehen geben“, in nichtobjektiven dagegen „erkennen, verstehen lassen“. Die objektiven Konstruktionen (a) stehen den attributiven nahe.
rodyti, parodyti, ženklinti
a) Zeige uns deinen lieben Sohn … und dich, die heilige Seele, die in der einen Gottheit ist PK 175. Und er zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, das vom Himmel, von Gott, herabkam BrB Apr 21, 10 (zeiget mir die grosse Stad… hernider faren). Der Busch dort … bezeichnete … nur Maria, die gebiert und keinen Schmerz empfindet DP 398₁₉ (známionował… Maryą rodzącą i boleści nie czuiącą W 654).
b) Diese bodenlose Tiefe … zeigt Gott, dass sie all das Gute in sich hat (wyraža że Bog ma) SP I 92₁₉. Durch deine Gebete … zeigt Gott sie als gesegnet SIG I 114₁₀. Wir werden den Herrn … als wahrhaft von den Toten auferstanden und lebendig erweisen BrP II 6. Damit er sich den Menschen als solchen zeige, die diese lieben | die getauft sind | und sich selbst als Freund solcher getauften Menschen BrP I 144.
An die GD, in denen rodyti die für Beispiele des Typs (b) charakteristische Bedeutung hat, schließen sich Konstruktionen mit išrodyti an, das gewöhnlich nur mit abstrakten Objekten verwendet wird.
Diese fünf Dinge … werden deine einzige Religion in den Händen beweisen MT LŽ 7₁₃.
2.1.1.3. Gesondert zu erwähnen sind die Verben pažinti, atmintti ir laikyti, die eine Bedeutung der mentalen Perzeption haben, jedoch sowohl mit konkreten als auch mit abstrakten Substantiven im Akkusativ stehen können.
pažinti
a) Der Glaube … erkennt den Sohn in den Gottheiten liegend | erkennt ihn am Baum hängend, erkennt ihn sterbend DP 426₅. Dich … grüßen wir | Und mit dem Feind geboren erkennen wir SIG I 58₂₇.
b) Nun erkennen wir dich als jemanden, der alle Dinge weiß VEE 79–80 (Nu wissen wir | das du alle ding wissest). Und von hier an wirst du bald eine Frau erkennen, die einen Mann umarmt DP 399₂₉ (pozna niewiastę mężą ogarniającą W 656).
In objektiven Konstruktionen bedeutet pažinti „herausfinden, was jemand oder etwas ist“, in nichtobjektiven dagegen „verstehen, wissen“. Diese zweite Bedeutung von pažinti, die sich erheblich von der ersten entfernt hat, ist im heutigen Litauischen selten und vermutlich als Polonismus anzusehen; vgl. die Bedeutung des polnischen poznać: „mit dem Geist durchdringen; zur Kenntnis von etwas gelangen; etwas erlernen“¹⁷. (In den nichtobjektiven Konstruktionen der Postille von M. Daukša wird das Verb pažinti mit poznać und znać übersetzt.)
Die Bedeutungen des Verbs at(si)minti in objektiven und nichtobjektiven Konstruktionen liegen weniger weit auseinander. Im ersten Fall geht es darum, konkrete Dinge und Personen im Gedächtnis zu haben, im zweiten um Handlungen, Zustände und Begriffe. In objektiven Konstruktionen hat P meist eine attributive Funktion und bezieht sich nur auf N, nicht aber auf V, weshalb es nicht zu den hier behandelten GD gehört. Doch pasi-
17 Słownik języka polskiego, VI, Warszawa, 1964, p. 1323.
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Es gibt auch Fälle, in denen N noch als Objekt von V gelten kann, semantisch jedoch V mit der gesamten NP-Verbindung verknüpft ist.
erinnern
a) Erinnere dich, o Geliebter, an die Seele unseres Feindes, der vielen Menschen das Wort Gottes nimmt BrP I 249. Diese große Schar heiliger Engel erinnert sich an große Mühen … Und Gott, der aus Gnade der Welt versprochen hat, sie zu erlösen BrP I 88.
b) Erinnere dich an mein Leben, wie es vergangen ist, und daran, wie18 meine Augen nicht wiederkehren werden, um zu sehen Gero BrB Job 7, 7 (gedenck das mein Leben ein wind ist). Ebenso: Erinnere dich an mich, wie ich gut gelebt habe | mit ganzem Herzen vor deinen Augen | und getan habe, was dir gefällt BrP II 462. Aus diesen Worten erinnern wir uns an Christus, der wahrhaftig zum dritten Mal auf die Erde gekommen ist BrP I 19. Damit sich jeder an uns erinnere, die wir dem Tod übergeben sind BrP II 406.
Das Verb halten in seiner Grundbedeutung „haben, ohne fallen oder entkommen zu lassen“ ist nicht kommentierbar und wird nur mit Substantiven oder Pronomen konkreter Bedeutung verwendet. Mit der Bedeutung geistiger Wahrnehmung „etwas für etwas halten oder ihm bestimmte Eigenschaften zuschreiben“ ist es stets dreiwertig, d. h. es verlangt neben dem Nominativ noch zwei Akkusative oder (meist) einen Akkusativ und einen Instrumental. Eine GD wird damit vergleichsweise selten gebildet.
Mein Scheimatis und meine Dienerin als Fremde19 für mich Fremde20 seiend BrB Job 19, 15 (sie halten mich für fremd). Denn sie halten mich für fremd21als Freund seiend BrB Išm 1, 16 (sie halten ihn für einen Freund).
Solche Konstruktionen stehen den GD mit psychischen Wahrnehmungsverben der Gruppe 2 sehr nahe (vgl. 2.1.2.1.); deutlich zeigt dies die Synonymie von halten und sagen in J. Bretkūnas’ Bibel.
2.1.1.4. Vergleicht man die von Verben der Gruppe 1 gebildeten GD des Typs (a) und (b), zeigt sich, dass der syntaktische Valenzrahmen von V in ihnen unterschiedlich ist. Mit Bedeutungen, die für nichtobjektbezogene, d. h. für Konstruktionen des Typs (b) charakteristisch sind, können diese Verben nicht mehr mit einem Akkusativ eines konkreten Substantivs verbunden werden und fallen dadurch aus den Grenzen der Gruppe 1 heraus. Ihre Bedeutung des psychischen Erlebens kann nur in Verbindungen mit Abstrakta oder in dreigliedrigen Konstruktionen realisiert werden. So zeichnet sich bereits in Gruppe 1 ein allmählicher Übergang von Verben, die konkrete Objekte regieren, zu solchen ab, die nur mit abstrakten Objekten auftreten können. In allen hier erörterten Fällen ist die Bedeutung physischer Wahrnehmung oder des Zeigens konkreter Dinge primär, während die des psychischen Erlebens und des Zeigens abstrakter Sachverhalte sekundär ist und sich auf der Grundlage der ersten entwickelt hat.
Eine solche Tendenz, Verben der physischen Wahrnehmung in sekundärer Bedeutung psychischer Wahrnehmung zu verwenden, die offenbar durch allgemeine Gesetzmäßigkeiten der semantischen Entwicklung bedingt ist, lässt sich in vielen Sprachen beobachten. So entsprechen etwa lat. video, audio, invenio (wie auch frz. voir, entendre, trouver), dt. sehen, hören, finden, engl. see, hear, find den lit. matyti, girdėti, rasti nicht nur in den sekundären Bedeutungen „verstehen, bemerken, erfahren, in Erfahrung bringen“, sondern auch insofern, als diese Bedeutungen gewöhnlich in dreigliedrigen Konstruktionen mit einem prädikativen Glied realisiert werden, vgl. lat. inveniebat ex captivis Sabim flumen milia pas-
18 Unterstrichen, oben: iog.
19 Unterstrichen, oben: tar.
20 Korrigiert zu Swetim.
21 Unterstrichen, oben: taria.
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suum X abesse Caes. B. G. 2, 16, 1, 22, s. angl. Θu… fundest him treowe23, neuengl. He finds him guilty, oder mit einem angeschlossenen Nebensatz, vgl. dt. die Betriebsleitung findet, daß sich die Arbeit verbessern muß24. Bemerkenswert ist, dass gerade die Verben der Wahrnehmung, indem sie ihre grundlegende, älteste Bedeutung bewahren, Konstruktionen bilden, die dem ursprünglichen GD-Modell entsprechen (in dem N als direktes Objekt von V fungiert), während die Abstraktwerdung der lexikalischen Bedeutung der Verben mit der weiteren Entwicklung der inneren Struktur des GD verbunden ist.
Gruppe 2
2.1.2. Verben, die mit einem Subjektsnominativ verbunden sind und einen Akkusativ abstraktbedeutender Wörter regieren können
Das GD mit Verben der Gruppe 2 wird in den Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts nur geringfügig seltener gebildet als mit Verben der Gruppe 1. Dafür ist Gruppe 2 gemessen an der Zahl der Lexeme die größte: Sie umfasst nicht weniger als 66 Verben, mit denen das GD am häufigsten von wissen (264), sagen mit verschiedenen Präfixen (229) und glauben (118) gebildet wird. Die Verben dieser Gruppe teilen wir in drei Untergruppen ein: Verben der mentalen Wahrnehmung und Tätigkeit, des Urteilens und Versprechens sowie der Information.
2.1.2.1. Verben der mentalen Wahrnehmung und Tätigkeit können, wenn sie die ihnen in GD-Konstruktionen zukommende Bedeutung haben, einen Akkusativ abstrakter flektierbarer Wörter regieren, nicht aber einen objektiven Dativ. Dazu gehören die Verben wissen, verstehen, vermuten, permanyti, išmanyti, pramanyti, nuvartoti; untersuchen, pertirti, erproben; denken, grübeln, sich etwas ausdenken; tarti „meinen“, dingoti, sapnuoti „unwirklich denken“, nuomoniauti, imaginavoti; glauben; sich anmaßen, übereinstimmen, sich zeigen, bestimmen, nusūdyti. Ihrer Bedeutung nach schließen sich ihnen auch Verben der Gruppe 1 an, die in nichtobjektiven Konstruktionen (Typ b) in der Bedeutung mentaler Wahrnehmung verwendet werden.
Am weitesten verbreitet sind GD-Konstruktionen mit dem Verb wissen; sie machen fast 24% der Beispiele dieser Gruppe aus und finden sich bei verschiedenen Autoren. Dagegen ließ sich in Texten des 16.–17. Jahrhunderts kein GD mit dem Verb sužinoti finden; in einer diesem Verb ähnlichen Bedeutung werden gewöhnlich ištirti, pertirti verwendet. Konstruktionen mit verstehen werden in den Schriften von J. Bretkūnas häufig durch die synonymen Verben permanyti, numanyti, išmanyti ersetzt; in SE ist in dieser Bedeutung einmal nuvartoti25 verwendet. In der Bedeutung „meinen“ verwendet J. Bretkūnas in GD-Konstruktionen gewöhnlich tarti; in den Schriften anderer Autoren finden sich vereinzelte Belege mit den Verben dingoti, sapnuoti „unwirklich denken“, sowie nuomoniauti. Die starke Verbreitung des GD mit glauben ist teilweise durch den Inhalt der Schriftzeugnisse des 16.–17. Jahrhunderts bedingt.
22 R. Kühner, C. Stegmann, Ausführliche Grammatik der Lateinischen Sprache, II, 1, Hannover, 1912, p. 697.
23 J. Macháček, Complementation of the English Verb by the Accusative—with—Infinitive and the Content Clause, Praha, 1965, p. 70.
24 G. Helbig, W. Schenkel, Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Verben, Leipzig, 1969, p. 208. Im Wörterbuch wird angegeben, dass finden nur in Verbindung mit einem Nebensatz die Bedeutung „meinen, feststellen“ hat. In ähnlicher Weise wird auch die phrasale Valenz mit der sekundären Bedeutung von zeigen auf S. 204–205 verbunden. Die psychische Wahrnehmungsbedeutung von schauen, sehen, die ebenfalls mit phrasaler Valenz verbunden ist, wird jedoch nicht gesondert ausgewiesen (vgl. S. 105). Auf die schwächere Differenzierung der sekundären Bedeutungen entsprechender französischer Verben wie voir, entendre usw. im Vergleich zu trouver weist auch H. B. С о к о л о в а, op. cit., S. 253–255, hin. Zum Unterschied zwischen primärer und sekundärer Bedeutung entsprechender alt- und neuenglischer Verben (see, hear, feel usw.), der sich in der phrasalen Valenz und der Möglichkeit, mit acc. c. inf. aufzutreten, zeigt, siehe J. Macháček, op. cit., S. 43–44, 103 ff.
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wissen, verstehen
Denn deinen Sohn … den wir wissen vor deinen Augen für uns einzutreten KM 160¹⁴. Und wir wissen gewiss, dass wir alle einst sterben werden BrP II 6. Denn du weißt, dass wir um deinetwillen geschmäht werden BrB Jer 15, 15 (du weissest | das wir umb deinet Willen geschmächt werden). Denn ihr wisst schon, dass unsere schönen Jahre aus dem Feld zusammengelesen sind BrP II 395. Ich verstand, dass die Zuhörer das Wort Gottes als Gesang haben wollten Mž 81. Nicht weniger als die Erlöserin, die geboren war, verstand, dass alle zu Hause geblieben waren, und machte sich auf den Weg BrP I 155. Dann werden wir verstehen, dass ihr Götter seid BrB Iz 41, 23 (so wollen wir mercken daß ihr Götter seyd).
ahnen, durchschauen, sich auskennen; erfinden, missbrauchen im Sinne von „verstehen“
Er ahnte einen jungen König, der als Jude geboren war BrP I 152. Wir können erkennen, dass die Juden das Gebot nicht richtig verstanden haben BrP II 288. Denn einige meinten, dass es sich gehöre, den Juden so zu sprechen IEzusa SE 248¹⁸. [Die Stoiker] erfanden einen Gott, der im Himmel sitzt und verderbliche oder vernichtende Befehle schreibt MT 177¹⁶. Indem sie den Herrn Jesus falsch deuteten, sehen wir, dass sie vor den Augen ihrer Schüler häufig über das Leiden sprachen… SE 50¹⁶.
untersuchen, prüfen, erproben
Und du wirst erfahren, dass deine Hütte Frieden hat BrB Job 5, 24 (wirst erfahren | das deine Hütten friede hat). Die Frau Letos… prüft Christus, den Erstgeborenen von den Toten SE 79²⁴. Wir sandten… den Bruder, den wir oft in vielen Dingen geprüft haben (über der Zeile: erprobt), der sehr eifrig ist, und der sich nun noch viel eifriger bemüht (Rand: sich bewährt) BrB II Kor 8, 22 (den wir oft gespüret haben in vielen stücken | das er vleissig sey | nu aber viel vleissiger). Und der König, nachdem er die Juden als so tapfer erprobt hatte, lächelt BrB II Mak 13, 18 (als er versucht hatte, das die Juden so freidig weren),
denken, sinnen, sich etwas ausdenken
Er begann, sich seinen Herrn Jesus Christus am Kreuz ausgestreckt und ausgebreitet vorzustellen (sich den Herrn … gekreuzigt vor Augen haltend) SP II 58⁴. Jene, die unter ihren Ohren denken, sie dienten Gott… dieses Dienen… ist nutzlos VEE 70²¹ (sich lesset düncken | er diene Gott). Der menschliche Verstand stellt sich vor oder denkt, dass diese (235) Welt ewig bestehen werde MT 235 – 235ᵃ. Sie ersann in ihrem Herzen, dass sie dieses Versprechen Gottes erfüllen und nun ihren Sohn auf die Erde senden werde BrP I 119
„meinen“, dingoti, „unwirklich denken“ träumen, nuomoniauti
Denn sie werden sagen, dass wir vor ihnen fliehen BrB I Joz 8, 6 (sie werden gedencken | wir fliehen für jnen). Du glaubst²⁶ wohl, dass ich Rindfleisch essen möchte PsD 93 (Meinstu das ich Ochsen–fleisch essen wolle). [Židai] träumten, dass das Königreich… tausend Jahre lang auf Erden bestehen und weltliche Macht und Ehre besitzen werde MT 257⁷. Das Papsttum… hält an der Meinung fest, dass die falsche Lehre vom Leib Christi… auf dem Boden liege MT (PM) 30, 12.
glauben
Und wer glaubt denn, dass du so sehr zornig bist? PsD 164 (Wer glaubts aber | das du so zeer zörnest?). Jener… glaubt an die Vergebung der Sünden, die den anderen gewährt wird, aber nicht sich selbst MT 138¹⁸.
²⁵ Vgl. das „Wörterbuch“ von D. Sutkevičius aus dem Jahr 1848: Nuwartoją intelligo, – Rozumiem.
²⁶ BrB Ps 50, 13: sagt.
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2.1.2.2. Verben, die Beschluss und Versprechen bezeichnen, apsiimti, sutarti, susirodyti, nulemti, nusūdyti „beschließen“; prisiekti, pasibāžyti, žadėti regieren nur selten einen einzigen Akkusativ des Objekts; sie stehen meist mit einem Infinitiv oder mit Nebensätzen, die als Erläuterungssätze fungieren. Beispiele für GD mit diesen Verben finden sich nur in der Bibel von J. Bretkūnas.
sich übernehmen, vereinbaren, sich zeigen, bestimmen, verurteilen
Bei Szidai stimmten dem zu und nahmen es auf sich … Diejenigen, die sich wünschten, die Feiertage zu begehen BrB Est 9, 27 (auf sich nahmen … dass sie nicht vergehen lassen wollten | diese zwei Tage einzuhalten). Und die anderen stimmten zu und vereinbarten, ihr Volk zu retten, wie sie es wünschten BrB I Mak 3, 42 (vereinigten sich | Sie wollten ihr Volk retten). Sie beratschlagten sich mit ihnen. Wie sie wollten … zu fliehen BrB II Mak 13, 13 (beratschlagt er mit ihnen | Er wollte … ihm entgegenziehen). Der Priester soll entscheiden, ob es gut oder böse ist. Dann soll er ihn als unrein beurteilen BrB III Moz 13, 25 (Darum soll ihn der Priester als unrein beurteilen).
schwören, sich verpflichten, versprechen
König Salomo, schwöre mir heute, dass du deinen Diener nicht tötest BrB I Kar 1, 51 (schwere mir heute das er… nicht tödte). Und obwohl sie sich heftig verschworen, wussten sie nicht, wo er27sei BrB II Mak 14, 32 (sie schwuren | sie wusten nicht). Er… versprach ihnen ebenso, dass er den König überreden wolle BrB II Mak 11, 14 (werhies jnen daneben | er wolte den König dahin vermugen).
2.1.2.3. Verben der Informationsvermittlung können den Akkusativ abstrakter flektierbarer Wörter regieren und zugleich mit einem objektiven Dativ verbunden sein, stehen jedoch gewöhnlich nicht mit einem Infinitiv. Von ihnen sind im 16.–17. Jahrhundert in GD folgende belegt: sakyti, pasakyti, apsakyti, atsakyti; kalbėti, pakalbėti, perkalbėti, byloti, minėti, priminti, pranešti, pranešdinti, pranešauti, skelbti, paskelbti, apreikšti, išpažinti, pripažinti; liudyti, aplūdyti, šaukti, ginti „beweisen“, privesti, stepinti „behaupten“, disputavoti, statyti „vortragen“, raudoti, varežyti „murmeln“; rašyti, išrašyti, skaityti; teilweise schließen sich ihnen auch garbinti, šlovinti an, die in einer Bedeutung verwendet werden, die skelbti nahekommt. Am verbreitetsten ist GD mit sakyti; verschiedene Autoren verwenden auch GD mit skelbti, liudyti, išpažinti, byloti. Andererseits bilden einige Informationsverben GD nur in den Schriften einzelner Autoren, während sie anderswo nicht belegt sind; so verwendet etwa kalbėti nur J. Bretkūnas und „Suma Evangelijų“ auf diese Weise, rašyti nur J. Bretkūnas, ginti, stepinti nur S. Vaišnoras. Schließlich gibt es Verben, mit denen insgesamt nur ein oder zwei GD-Belege gefunden wurden, z. B.: varčyti, disputavoti, statyti (in den Schriften von S. Vaišnoras), šaukti, pasibāžyti, pranešauti (in der Bibel von J. Bretkūnas).
sagen, mitteilen, beschreiben, aussprechen, antworten
Wir sagen, dass sie aus der ewigen Erlösung gefallen sind MT LĮž 6, 4. Man sagt, dass sie am dritten Tag von den Toten auferstanden seien (Powiadá | žesmy… wzbudzeni) SP II 252ₐ. Und Davids Diener fürchteten sich, ihm zu sagen, dass das Kind gestorben sei BrB II Sam 12, 18 (furchten sich jm anzusagen | das das Kind tod were) Hoffe, dass Hetmonga… auf die Erde komme und es ihnen mitteile KN 139₁₄. Der Brief erklärt, dass der Herr… zur Rechten Gottes sitzt und dass er der ewige Hohepriester ist MT (PM) 18ₐ, Was die Auferstandenen betrifft (79), so verkündete dies zuerst der heilige Engel BrP I 79–80. Sie antworteten ihm, es sei eine sehr große Menge (sagten jm wider | das seer eine grosse Menge were).
27 ghis durchgestrichen.
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sprechen, besprechen, überreden, reden, erwähnen, erinnern
Einen Menschen mit Knochenschwund | nennen wir den, dessen Knochen … groß … BrP I 188. Und Simon … redet schlecht über Onias, der bewirkt hatte, dass Heliodor solches Unglück widerfuhr BrB II Mak 4, 1. (redet dem Onia vbel nach | wie er solch vnglück gestiftet hatte). Der Satan … versucht … den Herrn Gott umzustimmen, der sich in ihren Nöten und Bedrängnissen um nichts kümmert SE 55₂₀. Und Irenäus sagt oft, lib. 4 cap. 34. Die Eucharistie, das heißt | das Abendmahl, Christus in zwei Dingen … MT 153₁₆. Und desto … besser sind jene Juden, von denen Ambrosius S. erwähnt, dass sie so sprechen DP 456₁₇ (erwähnt, dass sie so sprechen W 761). Doch nachdem sie Gott erwähnt haben, der uns durch Nöte zur Buße ruft | … BrP II 469.
mitteilen, verkünden lassen, weissagen, verkünden, bekannt machen, offenbaren, bekennen, anerkennen; verehren, preisen
Ich verkünde dir, dass der HERR dir ein Haus bauen will BrB I Kron 18, 10 verkünde dir | daß der HERR dir ein haus bawen wil). Da verkündete, sagte und offenbarte Gott selbst, der Vater … der Welt, dieses Kindlein, Christus, sei geboren BrP I 78. Ich sprach durch … die Propheten …, die zu jener Zeit weissagten, dass ich dich gegen sie senden wolle BrB Ezech 38,17 (weissagten | daß ich dich über sie kommen lassen wolt). Ihre Söhne stehen auf und preisen sie selig VEE 169₃ (preisen sie selig). Diese verkünden, dass du gesund geworden bist und einen gesunden Körper hast BrP I 194. Damit er dir kundtue, dass der Mensch nicht nur vom Brot lebt BrB V Moz 8, 3 (das er dir kund thet | Das der Mensch nicht lebet vom Brot allein). Das Papsttum bekennt, dass das Opfer unblutig ist MT (PM) 8ₐ₁₆. Der Hauptmann bekennt, Christus habe Soldaten bei sich (przyznawa | że Chrystus ma…) SP I 258₁₉. Als sie die Töchter sah, priesen sie sie selig (Randglosse: verkünden), das heißt, nannten sie gesegnet. BrB GG 6, 9. Und preisen (oben: verkünden) sie selig (oben: gesegnet) BrB Pat 31, 28 (preisen sie selig).
bezeugen, nachweisen, rufen, verteidigen („beweisen“), veranlassen, behaupten („bestätigen“), disputieren, hinstellen („behaupten“), erlügen, klagen, murren („murmeln“)
Ich bezeuge, dass ich dich annehme MT 121ₐ₁₈. Wir bezeugen heute … wir (d. h. uns), die wir euch gebeten haben, die Stadt Holofernes zu übergeben BrB Judit 7, 17 (Wir bewegen… das wir euch gebeten haben). Damit das Volk nicht gegen ihn klagen konnte, musste Jonatan deswegen zugrunde gehen BrB I Mak 13, 18 (das das Volck nicht vberjn klagete | Ionathas hette derhalben müssen vmbkomen). Die Gottlosen verteidigen die heilige Sache nicht MT 10. Durch welche Beweise weist du nach, dass alle wahrhaftig gerichtet werden? MT 246ₐ₁₆. (Aristoteles) behauptet, die Welt werde ewig bestehen MT 46₁₉. Origenes disputiert, die geistlichen Körper seien auferstanden MT 246₁. (Die Klaigonen) behaupten aber, alle Sakramente seien auf eine Weise eingesetzt MT 120₂₄. Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus Christus ist? BrB I Jon 2, 22 (der da leugnet | das Ihesus der Christ sey?). Ich werde anfangen, solche Güte Gottes zu beklagen, die nicht zu vergelten ist WP 244₃₇. Diejenigen, die gegen das natürliche Reden und Verlangen murren, sind selbst keine Sünder MT 61ₐ.
schreiben, herausschreiben, lesen
So schreibt der heilige Lukas, als Gabriel mit Maria sprach BrP I 135. Denn so schreibt nicht nur der heilige Paulus … Christus, der seine Apostel um den Tisch versammelt hat BrP I 64. Und lesen wir nicht noch mehr, dass
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also viermal in den Evangelien des S. ausgesprochen DP 47454 (wir lesen nicht „damit … sie predigte“ W 795).
2.1.2.4. Die der Gruppe 2 zugeordneten Verben regieren gewöhnlich nur abstrakte Objekte. In GD bilden sie dagegen meist Konstruktionen mit Akkusativen von Substantiven und Pronomen konkreter Bedeutung. Schon dieser Umstand zeigt, dass N in diesen Konstruktionen, für sich genommen, nicht mehr das direkte Objekt von V ist. Der Zusammenhang mit Objektkonstruktionen war im 16.–17. Jahrhundert jedoch noch nicht abgebrochen. Wie bei den Konstruktionen mit Verben der physischen Perzeption beobachten wir hier zwischen objektiven und nicht-objektiven GD Übergangsstufen.
Ein solcher allmählicher Übergang ist beispielsweise bei den Konstruktionen mit glauben deutlich, in denen V zunächst mit dem Begriff N verbunden ist, z. B.: Wir glauben, dass Jesus Christus gelitten und den Himmel geöffnet hat Mž 90, und bei jenen, in denen bereits die Verbindung von V mit P oder mit der gesamten Verbindung von N und P dominiert, z. B.: Sie glauben, dass dieses Leben vergänglich ist DP 58431 (oni tylko ten żywot być wierzą W 995); beide Typen lassen sich hier stellenweise nur anhand des weiteren Kontexts oder der vom Übersetzer verwendeten Vorlage unterscheiden.
Da Verben der psychischen Perzeption im 16.–17. Jahrhundert bisweilen noch mit dem Akkusativ eines entfernteren Objekts verbunden waren (vgl. 1. 2.), lässt sich eine solche Verbindung auch in GD erkennen, in denen N den Inhalt der Wahrnehmung bezeichnet. Daher kann beispielsweise die Konstruktion Wissend, dass nach zwei Tagen der Herr kommen wird BrP I 356 noch als objektiv angesehen werden. Das gilt auch für GD mit Verben der Mitteilung. Im Satz Die Schar der Engel … sagte ihnen: „Ein schönes Kindlein, liegend in einem Stall“ BrGD VI kann der Akkusativ das Kindlein als Objekt von sagte aufgefasst werden (vgl. Saulus … sagte, dass er Christus verfolge VEE 144₃). Im Satz, der dieselbe Situation beschreibt, Der Engel verkündet, dass Christus geboren ist BrP II 432, ist die gesamte NP-Verbindung das Objekt von V. Von hier ist es nur noch ein Schritt zu den Konstruktionen, in denen sich keine direkte Rektion zwischen V und N mehr feststellen lässt, z. B.: sagten ihnen, dass ihre Ritterschaft zu Ende sei BrB Iz 40, 2 (prediget jr | daß jre Ritterschafft ein ende hat).
Dass GD mit Verben der Mitteilung ursprünglich objektiv waren, zeigt auch der Zusammenhang entsprechender folkloristischer Konstruktionen, z. B. man nennt mich eine Schwiegertochter, die ihre Arbeit nicht kann (Žž), mit den relikthaften, in Volksliedern erhaltenen Wortverbindungen alle nennen mich BM 463; uns zwei kleine Menschen nennen sie, doch nicht mit denselben Worten JV 61 u. Ä. (vgl. LKŽ V 114). Aus synonymischen Ausdrücken mit Nebensätzen, die durch unterordnende Konjunktionen eingeleitet sind, vgl. man nennt mich, Mutter, weil ich meine Arbeit nicht kann (Mrk), geht hervor, dass die Abhängigkeit von N von V kein Hindernis dafür war, die NP als halbprädikative Wortgruppe zu verstehen.
Hinsichtlich ihrer Valenzeigenschaften sind die Verben der Gruppen 1 und 2 ebenfalls nicht strikt voneinander abgegrenzt. Verben der Gruppe 1 können in einer sekundären (übertragenen) Bedeutung mit abstrakten Objekten auftreten. Verben der Gruppe 2 können in bestimmten Fällen auch konkrete Objekte haben. Verbindungen der Verben der Gruppe 1 mit konkreten Objekten sind jedoch vorherrschend und produktiv, während entsprechende Verbindungen der Verben der Gruppe 2 bereits zu Beginn der Schrifttradition schwindende Archaismen sind.
Der Unterschied zwischen GD mit Verben der Gruppen 1 und 2 ist relativ und historisch bedingt. Er spiegelt verschiedene Entwicklungsstufen der GD sowie den innerhalb der Konstruktion stattfindenden Prozess der Neuordnung ihrer inneren Beziehungen wider. Die Struktur der GD der Gruppen 3 und 4 wird bereits unmittelbar durch die Folgen dieser Neuordnung bestimmt.
220
3 grupė
2.1.3. Verben, die mit dem Subjektnominativ verbunden sind, aber den Akkusativ nicht regieren können
GD mit Verben dieser Gruppe sind deutlich seltener und machen in den Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts nur etwa 6% aller Beispiele aus. Für die Entwicklung der GD sind sie jedoch sehr wichtig, da sich aufgrund der Intransitivität der Verben die Veränderungen der inneren Struktur der Konstruktion in ihnen besonders deutlich zeigen. In dieser Gruppe lassen sich sechs Untergruppen mit unterschiedlichen Bedeutungen und Valenzeigenschaften unterscheiden, nämlich reflexive Verben der psychischen Perzeption sowie Verben des Hoffens, des Lehrens und Lernens, psychischer und emotionaler Zustände und des Wollens.
2.1.3.1. Reflexive Verben der psychischen Perzeption
Sie haben ähnliche Bedeutungen wie die nichtreflexiven Verben der Gruppe 2 (oder solche mit einem Reflexivpartikel mit Dativbedeutung, z. B. vaizduotis), unterscheiden sich von diesen jedoch dadurch, dass sie keinen Akkusativ regieren können. Auch andere Kasus regieren sie gewöhnlich nicht. Neben GD können sie außerdem mit Nebensätzen verbunden werden, die als Erläuterungen dienen.
tartis „meinen“; išsimanyti, išsireikšti, ženklintis „bedeuten“
Pikts permanams wel pribūna | Kurs tares sokona dūta BrGD XLII (72 S.). Per tatai išsimana mus wissus didei kaltus esanczius BrP II 489. Idant ischgelbeghimai… išsireikšchtu, Basznicze… dievischka mace sancze sarेंkama | apginama ir ischlaikoma MT 182, 3. O kaip Pharaonas tatai antra karta sapnawa, szenglinassi, Dievą tatai isch tiesos ir humai darisentį BrB I Moz 41, 32 (bedeut | Das solchs… thun wird).
Der Gebrauch von GD mit diesen Verben lässt sich leicht durch ihre Bedeutungsnähe zu den Verben der Gruppe 2 erklären, deren Akkusativrektion bereits stark eingeschränkt ist. So hat beispielsweise tartis hier dieselbe Bedeutung wie tarti „meinen“, ženklintis dieselbe wie ženklinti (vgl. 2. 1. 1. 2. und 2. 1. 2. 1.). Da GD schon bei den Verben der Gruppe 2 gewöhnlich nichtobjekthaft ist, reicht die Bedeutungsanalogie noch weiter: Nach dem Muster der Konstruktionen mit Verben wird GD auch mit verbalen Wortverbindungen entsprechender Bedeutung verbunden, die keinen Akkusativ regieren können. So verbindet J. Bretkūnas GD nach dem Muster von ženklinti(s) auch mit duoti ženklą, turėtis ženklą, gauti ženklą.
Und er gab ihnen ein Zeichen, dass Gott sie retten werde BrB II Mak 8, 23 (gab jnen ein Zeichen, das jnen Gott helffen würde) Auch du sollst dieses Zeichen vom HERRN haben, dass der HERR dies tun wird BrB Iz 38, 7 (habe dir das zum Zeichen… das der HErr solchs thun wird). Dieses Zeichen wirst du vom HERRN erhalten, dass der HERR dies tun wird BrB II Kar 20, 9 (Das zeichen wirstu haben… das der HERR thun… hat).
Ähnlich wird GD nach dem Muster der Konstruktionen mit paskelbti mit padaryti garsą, nach liudyti mit liudymą duoti, und nach susitarti mit padaryti ryšį.
Das ganze Volk murrte, sodass es dem Land einen bösen Ruf machte BrB IV Moz 14 (sie erhoben ein Geschrei |, dass es böse sei). Diese Dinge alle, sage ich, geben ein starkes Zeugnis dafür, dass Gott der große Herr ist BrP II 17728. Und ich … werde ewig herrschen29 und mit ihnen einen Bund schließen, dass ich ihr Gott sein werde und sie mein Volk BrB Bar 2, 35 (Und will einen ewigen Bund… aufrichten |, dass ich ihr Gott sein will).
28 Ähnlich BrP II 88, 238.
29 Unterstrichen, am Rand: Siderejima.
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2.1.3.2. Verben des Erwartens tikėtis, daboti(s) „beobachten, beachten“, žvalgytis können mit dem Genitiv,30 dem Infinitiv oder Nebensätzen mit erläuternder Funktion verbunden werden. Wie andere reflexive Verben der psychischen Perzeption stehen sie ihrer Bedeutung nach der Gruppe 2 nahe, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer syntaktischen Valenz. Die GD-Konstruktion mit tikėtis und dabotis ist in den Schriften verschiedener Autoren (J. Bretkūnas, M. Daukša, S. Vaišnoras, B. Vilentas u. a.) recht breit belegt.
hoffen, beobachten (sich), Ausschau halten
Es gibt auch viele von denen, | die ihr größtes Glück darin sehen, | auf die Gnade und Liebe der großen Herren zu hoffen DP 59632 (ktoryž… navětše szczęście położone byť mniemają W 202) Ames wir hofften | er solle Israel erlösen (Wir aber hoffeten | er solte Israhel erlö sen) VEE 59₂₉. Schau hierher, von wo aus du den Herrn siehst, | der sich sehr um die Seinen sorgt SE 68₂₃. Es ist angebracht, darauf zu achten: Niemandem steht das Sakrament zu MT 117₈. Blick zum Himmel und beobachte und schau die Wolken an, ob (pabr., virš. jas) sie dir zu hoch sind BrB Job 35, 5 (schaw an die wolcken | das sie dir zu hoch sind).
2.1.3.3. Verben des Lehrens und Lernens mokyti(s), pamokyti, išmokti, primokti können mit dem Genitiv des Objekts und dem Infinitiv verbunden werden. Sie verhalten sich zu den Informationsverben der Gruppe 2 ähnlich wie tikėtis, dabotis zu den Verben der psychischen Perzeption der Gruppe 2. Obwohl mokyti, pamokyti einen Akkusativ regieren können, der die unterrichtete Person bezeichnet, nimmt die GD jedoch niemals die syntaktische Position dieses Akkusativs ein. Der Akkusativ, der den Lehr- bzw. Lerngegenstand bezeichnet,31 wird dagegen vergleichsweise selten verwendet. In GD-Konstruktionen mit Verben des Lehrens und Lernens kann N im 16.–17. Jahrhundert nirgends als Objekt dieser Verben gelten. Diese Konstruktionen sind in den Schriften von J. Bretkūnas und S. Vaišnoras weit verbreitet und weisen eine vielfältige Struktur und lexikalische Ausdrucksweise auf.
lehren, unterrichten; lernen, sich unterrichten lassen, auslernen, dazulernen
Schwenkfeldius lehrt | die menschliche Natur in die göttliche Gestalt MT 31₁₈ Der Herr… lehrt | die kleinen Kinder, Engel zu haben BrP II 430. Der Herr… wollte uns alle auch lehren und ein Zeichen geben | durch dieses Kindlein, das die Jungfrau Maria geboren hat (226), das wahrhaft erstgeboren ist BrP I 226–227. Darum wollen wir uns in dieser Weihnacht unterrichten lassen, | dass Christus für uns Menschen geboren ist BrP I 72. Sein Leib lag… bis er lernte, dass der Höchste Gott Gewalt über die Königreiche der Menschen hat BrB Dan 5, 21 (bis das er lernete | das Gott… gewalt hat). Wir hörten und lernten, | dass wir alle wegen unserer großen Sünden erschöpft sind BrP II 246.
2.1.3.4. Verben psychischer und emotionaler Zustände und deren Ausdrucks abejoti, nusistebėti, nusitikrinti, girtis, skųstis, linksmintis werden mit dem Instrumental des Objekts oder Nebensätzen mit erläuternder Funktion verbunden. Die GD wird mit diesen Verben selten verwendet. Abgesehen von etwas häufigeren Konstruktionen mit abejoti, skųstis finden sich jeweils nur wenige Beispiele (vor allem in den Schriften von J. Bretkūnas).
zweifeln, sich wundern, sich vergewissern
Es gibt keinen Grund zu zweifeln, | dass sie mit den anderen Lehrjüngern seinen Leib und das Blut Christi empfangen MT 156₅. Und Pilatus wunderte sich, dass Jesus schon gestorben war BrP I 394.
30 Zum Gebrauch von dabotis mit dem Genitiv in entsprechender Bedeutung vgl. Beachtet die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen und nicht mähen ChB Mat 6, 26.
31 Siehe E. Fraenkel, Kas., S. 76.
222
Durch den Glauben … vergewissern wir uns, dass Gott ist und bei uns Sündern sein wird, zu unserem Wohl SE 231–232.
sich rühmen, sich beklagen, sich freuen „sich trösten“, sich erfreuen
Er sucht einen Grund, wie er sich rühmen könnte (hervorgehoben) sich selbst solchermaßen zu rühmen, wie wir es sind BrB II Kor 11, 12 (damit sie sich rühmen möchten | sie seien wie wir) Alcimus… beklagte sich über Nikanor, dass er untreu sei BrB II Mak 14, 26 (verklagte… dass er untreu werden werde) Wir freuten uns, dass wir bei seinen Schwägern unter den Heiden leben BrB JerR 4, 20 (wir wollten… leben). Ich freue mich, dass du gesund nach Hause gekommen bist BŽ 496.
Wie auch in den unter 2. 1. 3. 1. genannten Fällen wird GD analog zu Verben gelegentlich auch mit Wortverbindungen entsprechender Bedeutung verbunden. So wird nach dem Muster von GD mit sich vergewissern auch eine entsprechende Konstruktion mit sicher sein gebildet: wohl | gewiss seiend | dass der starke | Herr Gott | mir, obwohl ich lieb bin und liebend bin… dient SE 30, 10. Beispiele aus J. Bretkūnas’ Bibel veranschaulichen die analogische Bildung solcher GD, bei denen neben einem Verb als mögliche Variante auch eine Wortverbindung entsprechender Bedeutung verzeichnet ist: Der Mann… sprach, im Glauben (uns für Kundschafter haltend), dass wir Kundschafter des Landes seien32 Szemes I Moz 42, 30 (und hielt uns für Kundschaffer des Landes) Das Verb glauben steht, obwohl es den Instrumental regieren kann, den Verben näher, die den Akkusativ abstrakter Substantive regieren (siehe 2. 1. 2. 1.).
2.1.3.5. Eine eigene, von den anderen stärker abweichende Untergruppe bilden GD mit den Verben des Wollens wollen und wünschen. Diese Verben können den Genitiv oder den Infinitiv regieren, werden aber nur mit solchen Nebensätzen in erklärenden Satzgefügen verbunden, deren Prädikate im Konjunktiv stehen (vgl.: er sieht, dass der Gast kommt, und er will, dass der Gast komme). Auch ihrer Bedeutung nach unterscheiden sich diese Verben von den bisher besprochenen. GD mit ihnen sind häufiger in den Schriften von J. Bretkūnas und S. Vaišnoras belegt; vereinzelte Beispiele finden sich noch in der Wolfenbütteler Postille und im Gesangbuch von Slavocinskis.
wollen, wünschen
Deshalb will sie auch menschlich sein WP 284. Wer will, dass die Stärksten die Schwachen stärken MT 42₁₂ (Petras) stärkt die Standhaftigkeit jener | die die mosaischen Gesetze gehalten wissen wollten MT 208₁₄. Jene, die er selbst gern lebend sähe, wollten dort… sich verbergen MT L[ž 17₂₀ Wir wünschen uns, mit dem heiligen Geist zu leben BrP II 142. Die Trinkerin wünschte sich, dass sich ihr Hals fülle, nicht wie meiner, der läuft, sondern wie der jetzt dürstende SIG I 61. Ich wünschte, das Geld wäre niemals gewesen BrB Tob 5, 24 (ich wollte, dass das Geld nie gewesen wäre) Ach, wünschte ich, mein Herr wäre beim Propheten in Samaria BrB II Kar 5, 3 (Ach! dass mein Herr beim Propheten in Samaria wäre).
Wie aus den Beispielen hervorgeht, gehören zu wollen, wünschen GD sehr unterschiedlicher Struktur mit Partizipformen verschiedener Arten und Tempora. In übersetzten Texten, deren Originale zugänglich sind, ist kein unmittelbarer Einfluss der Letzteren auf einen solchen Gebrauch der GD erkennbar; im Gegenteil, mitunter wird äußerst frei übersetzt. Ein indirekter fördernder Einfluss konnte hier nur vom Lateinischen ausgehen, wo die nach verba voluntatis übliche Konstruktion accusativus cum infinitivo bei den Autoren der alten Schriften Assoziationen an lit. GD hervorrufen konnte. J. Bretkūnas ersetzte bei der Korrektur des Bibelmanuskripts an einer Stelle den Nebensatz eines erklärenden Satzgefüges
32 Durchgestrichen, am Rand — Spiegoreis.
223
Das Objekt nach norėti ersetzt GD: Bet jei noriu, kaip pasilikčiau (unterstrichen, darüber: pasiliekanti) iki ataimi Jon 21, 23 (So ich wil das er bleibe)33; im griechischen Original und in der Vulgata steht hier der Akkusativ mit Infinitiv, der eine solche Anregung gegeben haben könnte (vgl. ἐὰν θέλω μένειν, eum volo manere). An einer anderen, revidierten Übersetzungsstelle wird GD nach norėti (Er nori scheschūli! deschimtį trapų toliaus aisenti II Kar 20, 9), das ohne jeden Einfluss des Originals verwendet wurde, jedoch durch einen Nebensatz ersetzt, der als Erläuterungssatz fungiert: Er nori iog scheschūlis … eitu (Sol der Schatten zehen stuffen forder gehen, Vis ut ascendat umbra). Es liegen keine Daten vor, anhand deren sich eine Entlehnung solcher Konstruktionen feststellen ließe; im Gegenteil lässt ihr recht vielfältiger und freier Gebrauch in den alten Schriften vermuten, dass sie der lebendigen litauischen Sprache des 16. Jahrhunderts nicht fremd waren.
Die Genitivrektion des Verbs norėti (wie auch anderer Verben des Strebens und der Zielsetzung) ist eine altertümliche, aus der Zeit der indogermanischen Sprachgemeinschaft ererbte Besonderheit, die vielen verwandten Sprachen eigen ist34. Der Akkusativ kommt bei diesem Verb recht selten vor; wenn das gewünschte Objekt jedoch als Ganzes bezeichnet wird, war auch er den baltischen, slawischen, germanischen und anderen indogermanischen Sprachen nicht fremd. Darüber hinaus finden sich in vielen dieser Sprachen GD mit Verben gleicher Bedeutung wie lit. norėti, vgl. lett. gribēj mani drīz augam BW 192335, lat. te volo monitum; patriam exstinctam cupit36, hochdt. ich möcht ihn gern getödet37; entsprechende Infinitivkonstruktionen sind noch weiter verbreitet38. Unter solchen Umständen ist die Annahme nicht ausgeschlossen, dass solche GD einst auf der Grundlage alter Objektkonstruktionen entstanden und allmählich verschwanden, nachdem das Verb norėti nicht mehr mit dem Akkusativ verbunden wurde.
Gruppe 4
2.1.4. Verben und andere Wörter sowie Wortverbindungen, die nicht mit einem Subjektnominativ verbunden sind und keinen Akkusativ regieren können
Mit Wörtern der Gruppe 4 werden in den alten Schriften am wenigsten GD gebildet – nur etwa 2,7%. Alle dieser Gruppe zugeordneten Belege stammen aus den Schriften von J. Bretkūnas und S. Vaišnoras, also aus jenen Quellen, in denen GD am breitesten und vielfältigsten verwendet wird. Außerdem machen die Schriften von J. Bretkūnas allein ihrem Umfang nach etwa 40% aller untersuchten Texte des 16.–17. Jahrhunderts aus.
Neben den finiten und infiniten Verbformen gehören zur Gruppe 4 auch einige Modalwörter und Substantive, die einen Nebensatz als Erläuterung anschließen können (d. h. eine mit Verben gemeinsame phrasale Rektion aufweisen). Die mit Wörtern dieser Gruppe verbundene N-und-P-Verbindung nimmt, obwohl sie die Akkusativform beibehält, nun nicht mehr eine syntaktische Akkusativ-, sondern eine Nominativposition ein.
33 Diese Konstruktion wurde später auch in die Postille übernommen, vgl.: Iei noriu ana pasiliekanti iki ataimi BrP I 411.
34 B. Delbrück, Vergl. Synt., I, p. 324—327.
35 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, p. 1001.
36 A. Ernout, F. Thomas, Syntaxe latine, Paris, ²1953, p. 282; R. T. Lakoff, Abstract Syntax and Latin, Complementation, Cambridge – Massachusetts – London, 1968, p. 228—229.
37 O. Behaghel, Deutsche Syntax, II, Heidelberg, 1924, p. 417.
38Zum Griechischen vgl. R. Kühner, Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache, Hannover, 1870, S. 593 ff.; С. И. Соболевский, Древнегреческий язык, М., 1948, S. 334—335; zum Lateinischen R. Kühner, C. Stegmann, Lat. Gr., II, 693—694; zum Angelsächsischen J. Macháček, op. cit., 40 ff.
39 Oben von Z. Blotno handschriftlich korrigiert: Regetis jums.
224
Zur 4. Gruppe gehören: unpersönliche reflexive Verben, neutrale Formen der Passivpartizipien, Konstruktionen mit modaler Bedeutung sowie Konstruktionen mit Verbal- und anderen Substantiven.
Die wenigen Beispiele der 4. Gruppe sind insofern bedeutsam, als sie die äußerste Grenze der Ausweitung des Gebrauchs des GD zeigen und in dieser Hinsicht unter den partizipialen Konstruktionen entsprechender Struktur in den indogermanischen Sprachen einzigartig sind.
2.1.4.1. Unpersönliche reflexive Verben regisi, rodosi, įsirodo haben ähnliche Bedeutungen wie die entsprechenden nichtreflexiven Verben, die den Akkusativ regieren und häufig einen GD bilden; hinzu kommt das von S. Vaišnoras in zwei Fällen gebrauchte sekasi „es gelingt, es zeigt sich“. Da sich in allen untersuchten Schriften lediglich 8 derartige Konstruktionen finden, werden sie vollständig angeführt.
erscheinen, sich zeigen, sich erweisen, gelingen
So wird es uns erscheinen, die aus gutem Herzen auf uns hören BrP I 44. Er sah mich essen und sich mit euch freuen BrB Tob 12, 19 (Es schein wol | als esse ynd trüncke ich mit euch). Die versammelte Gemeinde sah die Frage des heiligen Kirchenrats MT 2588. Wenn die Sprache den Anfang des Aufschlusses herleiten kann, | zeigt sie dann den unerschütterlichen Grund? MT (PM)88–10. Bevor sie verheiratet waren, stellte sich heraus, dass sie schwanger war BrB Mat 1, 1840 (Erfand sichs | das sie schwanger war); Erbarme dich derer, die auf dich warten41, damit sich erweise, dass deine Propheten die Wahrheit gesprochen haben BrB Sir 36,18 (das deine Propheten wahrhafftig erfunden werden). Auch Moses sah ein großes Bündnis, das zuvor mit den heiligen Vätern geschlossen worden war MT LĮŽ 145. Dann sah man unbestreitbar, dass diese Messe nicht von Christus eingesetzt, sondern … aus aller Welt aus der Hölle heraufgebracht und eingeführt worden war. MT (PM) 215.
2.1.4.2. Neutrale Formen der Passivpartizipien, die ebenfalls unpersönliche Bedeutung haben, bilden wesentlich häufiger einen GD. Sie werden aus transitiven Verben der Gruppen 1 und 2 gebildet.
Die neutralen Formen der Passivpartizipien im Präsens werden überwiegend von den Verben regėti, žinoti, kalbėti gebildet, vereinzelt auch von rasti, perman yti, sakyti, rašyti, tikėti, suprasti, giedoti.
sehen, wissen, sprechen, finden, erdenken, schreiben, sagen, singen, glauben, verstehen
Daraus ist ersichtlich, dass42 Götter nicht sind BrB Bar 6, 14 (daran könnt ihr auch erkennen, dass sie keine Götter sind). Es ist bekannt, dass der Sohn Gottes gesandt ist, nicht damit … wir zugrunde gehen MT 1373. Darüber ist gewiss bekannt und geglaubt, dass sie unsterblich ist MT 2588. Daher wird gewöhnlich gesagt: Die Gottheit ist ein geistiges Wesen MT 711. Es findet sich in der Schrift, dass Jeremia denjenigen befahl BrB II Mak 2, 1 (Man findet auch in den Schrifften | das Jeremias… geheissen habe). Damit Vergebung der Sünden möglich sei und wir mit Gott durch seine Gnade versöhnt würden MT 7913. Es wird geschrieben, gesagt, geglaubt und besungen, dass … sie selbst am dritten Tag von den Toten auferstanden sei BrP II 6. Deshalb nun
40Von Bretkūns eigener Hand von ana nieschęze buwa aus korrigiert. Im NT steht hier bereits ein Nebensatz mit jog; in der Bibel von 1823 einer mit kad; im GNT wurde nach dem lateinischen Text ira nesczia (inventa est in utero habens). gefunden.
41 -tą gestrichen.
42 Unterstrichen, oben: ios.
15. 520
225
es ist verständlich, dass sie ein Wille ist BrB Bar 6, 50 (Darumb kan man mu fort wol erkennen | das es triegerey ist).
In unpersönlichen Konstruktionen mit passiven Partizipien überwiegen also die Lexeme sehen, sagen und wissen, die im Allgemeinen am häufigsten ACIs bilden. Dies bestätigt die analoge Entstehung dieser Konstruktionen. Erst nachdem in Konstruktionen des Typs ich weiß, dass der Bruder zurückgekehrt ist die Rektionbeziehungen zwischen ich weiß und den Bruder verblasst waren, konnte die Verbindung den Bruder zurückgekehrt, die als Entsprechung von (dass) der Bruder zurückgekehrt ist verstanden wurde, auf diese Weise mit bekannt verbunden werden:
ich weiß (dass) der Bruder zurückgekehrt ist: bekannt, (dass) der Bruder zurückgekehrt ist = ich weiß, dass der Bruder zurückgekehrt ist: x; x = bekannt, dass der Bruder zurückgekehrt ist
Die neutralen Formen der passiven Partizipien der Vergangenheit werden überwiegend von sagen, aussagen, antworten gebildet, in Einzelfällen von schreiben, aufschreiben, vermuten, erkennen „kennenlernen, erfahren“.
sagen, aussagen, antworten, schreiben, aufschreiben, vermuten, erkennen
Zuerst ist gesagt worden | dass es auf diese Weise in der alten Kirche gewesen sei MT 145ᵃ₂. Am dritten Tag wurde Labam gesagt, dass Jakob fliehe BrB I Moz 31, 22 (wards… angesagt | das Iakob flöhe). Aber ihnen wurde geantwortet | dass eine solche Sache nicht möglich sei MT 266ᵃ₁₈. Ebenso war geschrieben, dass das Gebot allen Völkern gegeben worden sei BrB Est 3, 14 (Also war der inhalt der schrift | Das ein Gebot gegeben were). Es steht geschrieben | dass der König… so spricht BrP II 472 Doch in den fünf Büchern Mose steht geschrieben, dass Gott das Herz des Pharao verhärtet habe? MT 174₁₉. Auch kann man daran wohl erkennen, dass sie keine Götter sind BrB Bar 6, 71 (Auch kan man es daran mercken | das sie nicht Götter sind). Denn woran hätte man erkennen sollen, dass ich und dein Volk Gnade gefunden haben BrB II Moz 33, 16 (sol… erkannt werden | das ich vnd dein Volck… gnade funden haben).
Die neutralen Formen, die einen ACI bilden, können selbst abhängige Glieder einer anderen ACI-Konstruktion sein. Insgesamt wurden drei solche Fälle festgestellt:
Ich habe von dir sagen hören, dass du den Geist der heiligen Götter, Erleuchtung, Verstand und große Weisheit in dir hast. BrB Dan 5, 14 (Ich habe… hören sagen | das du den Geist… habest | vnd Erleuchtung… bey dir funden sey). Die Leute von Abas hörten sagen, dass Simri eine Verschwörung gemacht und den König erschlagen habe BrB I Kar 16, 16 (höret sagen | das Simri einen Bund gemacht vnd auch den König erschlagen hette). Und sie fanden geschrieben, dass der Herr durch Mose geboten hatte BrB Neh 8, 14 (Sie funden geschrieben im Gesetz | das der Herr… geboten hatte).
Im Unterschied zu den Konstruktionen mit neutralen Formen ist an einer Stelle in der Bibel von J. Bretkūnas ein ACI sogar mit der maskulinen Form eines Partizips Präsens Passiv gebildet:
So werde ich… ihn auf der Erde niederwerfen, wie sein Fundament – so ist zu sehen – dort liegt Ezech 13, 14 (das man jren Grund sehen sol | das sie da lige).
Die neutrale Form des Partizips der Notwendigkeit als Hauptglied eines ACI wurde nur in einem Beispiel festgestellt: Also scheint es klar zu sein | dass es eine große Sünde ist, gegen Gott zu handeln MT 196ᵃ₁₄.
Konstruktionen, die von neutralen Formen passiver Partizipien abhängen, sind keine spezifische Besonderheit der Sprache von J. Bretkūnas und S. Vaišnoras. J. Rėza, der den VI. Band der Bibel von J. Bretkūnas redigierte, übernahm in sein „Psalter Davids“ die mit es scheint sichtbar zu sein verbundene Konstruktion dass Gott wahrhaftig in Zion ist (Ps 84, 8), mit der im Manuskript die erklärende … ersetzt worden war
226
Das Nebensatzglied des Satzes iog tikrasis Dievas ira Sione (vgl. PsD 152; LB: Das man sehen mus | der rechte Gott sey zu Zion). Entsprechende Konstruktionen (nun aber mit Gerundien) finden sich auch im heutigen Litauischen, vgl.: Ne veltui sakoma lapė gudrią esant Vaižg RR II 173.
2.1.4.3. An mehreren Stellen in S. Vaišnors „Žemčiūgos“ bilden GD Konstruktionen mit modaler Bedeutung tikrai yra und tiesa yra, die ihrer Bedeutung nach den Prädikaten mit substantivierten neutralen Partizipialformen nahekommen.
tikrai yra
Gewiss ist, dass der Sohn Gottes jetzt auf Erden unter den Menschen zum Gericht kommen wird 243ᵃ. Gewiss ist damals der Sohn Gottes vom Vater nicht deshalb gesandt worden, damit er weltlich herrsche 106ᵃ–107.
tiesa yra
Und es ist wahr, dass das wahrhaftige und beständige Kommen … aus dem Herzen des Wahrhaftigen nicht gewichen ist 155ᵃ⁻¹⁰. Denn es ist wahr, dass die Menschen durch ihren Glauben das Versprechen der Gnade nicht verloren haben 168¹.
2.1.4.4. Als Hauptglied von GD treten mitunter auch Substantive auf, gewöhnlich deverbal, an die sich ein erläuternder Nebensatz anschließen kann. Diese Substantive sind meist von Verben gebildet, die in GD vorkommen (oder eine ihnen verwandte Bedeutung haben). In nahezu allen Fällen lassen sich hier syntaktische Analogieverbindungen zu den Konstruktionen der Gruppen 2 und 3 erkennen.
Zum Beispiel sind nach GD mit liudyti, liudijimą duoti Konstruktionen mit den Substantiven liudijimas, liudininkas gebildet.
Zeugnis, Zeuge
Gott setzte dieses Zusammenkommen ein … damit es ein Zeugnis sei, dass diese heilige Lebensgemeinschaft rechtmäßig sei MT 221₈. Damit das Leiden und der Tod der Heiligen ein Zeugnis für die Lehre seien | dass die Lehre des Evangeliums von Herzen wahr sei MT 181₈. Ihr seid heute Zeugen, dass ich alles gekauft habe, was Elimelech gehörte BrB Rut 4, 9 (und seid … Zeugen | dass ich alles gekauft habe).
Ähnlich verhält es sich mit dem Substantiv dūmos, das mit dūmoti verbunden ist; ferner mit nusitikėti — nusitikėjimas, ženklinti — ženklas, stebėtis — stebuklas.
Rauch, Vertrauen, Zeichen, Wunder
So nimmt jeder sündige Rauch die von Gott gegebene Lehre an MT 3ᵃ₉. Der Glaube ist ein starkes Vertrauen auf den Herrn Gott | der uns Menschen angenommen | geliebt | sich uns in allen Dingen zugewandt | und uns retten will BrP I 286. Was ist das Zeichen dafür, dass ich zum Haus des HERRN hinaufgehe BrB Jes 38, 22 (Welch ein Zeichen ist das | das ich hinauff… sol gehen?) Dies ist das Wunder: Der HERR hat dies gesprochen BrB I Kön 13, 3 (Das ist das Wunder das solches der HERR geredet hat).
Andere Substantive sind mit den in GD auftretenden Verben weniger durch Wortbildung als vielmehr durch ihre Bedeutung verbunden. So steht etwa GD mit garsas „žinia“ in Verbindung mit entsprechenden Konstruktionen, die von Informationsverben wie skelbti, pranešti, šaukti usw. abhängen (siehe 2.1.2.3.); ähnlich hängt das Substantiv sentencija mit mokyti, sakyti, gramotos su rašyti. zusammen.
15*
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Klang, Sentenz, Schreiben
Und es entstand ein lügenhaftes (Ob.: falsches) Gerücht, Antiochus sei gestorben BrB II Mak 5, 5 (Aber es kam ein erlogen geschrey aus / wie Antiochus solt tod sein). Aus tiefstem Herzen muss diese Sentenz angenommen werden: Gott sei nicht der Urheber der Sünde / wolle die Sünde weder noch bestimme er sie... MT 54a. Damals wurden Briefe ausgesandt... an alle Menschen, in ihrer Sprache. Jeder Mann solle der Oberherr in seinem Hause sein BrB Est 1, 22 (Da wurden Brieue ausgesandt... das ein jeglich Man der Oberherr... sey).
Da solche Konstruktionen den Autoren geläufig waren, zeigt BrB II Sam 13, 30: es kommt ein Gerücht zu David, Absalom habe alle Kinder des Königs erschlagen, wo der untergeordnete Gliedsatz mit erläuternder Funktion wie Absalom alle Kinder des Königs erschlagen habes bei der Korrektur des Manuskripts durch eine GD-Konstruktion ersetzt wurde. Weder der deutsche noch der lateinische Text konnte Anlass für diese Korrektur sein, vgl. kam das gerüchte für David | das Absalom hette... erschlagen; fama pervenit ad David dicens: Percussit Absalom...; auch in den anderen erwähnten Fällen ist kein Einfluss dieser Sprachen erkennbar. Einige dieser Konstruktionen stehen den GD-Konstruktionen nahe, die von substantivierten Formen des Partizips Präsens Neutrum abhängen, vgl. die in 2.1.4.2. behandelten Fälle mit es war gesagt und dieses Beispiel: Und wie dieses Gerücht im Hause des Pharao kundgetan worden war, dass Josephs Brüder gekommen seien, gefiel es dem Pharao. BrB I Moz 45, 16. (Vnd da das geschrey kam... das Iosephs brüder komen weren). Ähnlich wie es war geschrieben (siehe 2.1.4.2.) passt es war im Schreiben zu diesem Beispiel: Und auch dies stand in jenem Schreiben: Der Prophet habe befohlen, dass sie die Truhe zusammen nähmen. BrB II Mak 2,4 (So stund das... in der selben Schrifft / Das der Prophet... sie geheissen habe)
Die Substantive der Gruppe 4, die GD bilden, sind semantisch und häufig auch in ihrer Wortbildung eng mit den Verben der Gruppen 2 und 3 verbunden. Die syntaktische Selbstständigkeit der Konstruktion ist in dieser Gruppe jedoch noch größer: Die Verwendung des NP in Subjekt-Nominativposition zeigt, dass hier nicht nur die Funktion des Akkusativs, sondern die des Objektkasus überhaupt vollständig verloren gegangen ist.
Bemerkenswert ist, dass eine solche selbstständige Verwendung gerade für jene Autoren charakteristisch ist – J. Bretkūnas und S. Vaišnoras –, in deren Schriften GD am weitesten verbreitet ist. Die größere Produktivität der Konstruktion hat ihre Entwicklung in Richtung syntaktischer Selbstständigkeit offenbar gefördert.
2.1.4.5. Die Selbstständigkeit der GD war J. Bretkūnas so deutlich bewusst, dass er sie stellenweise sogar in der Bedeutung eines selbstständigen Satzes oder eines Gliedsatzes einer Satzverbindung zu verwenden versuchte. Im ersten Band der Postille finden wir die Überschrift: Über das Erste. Dass wir alle Diener sind (487), obwohl sich ringsum kein Verb oder anderes Wort findet, mit dem sie verbunden werden könnte; nur aus dem Sinn können wir das hier vorausgesetzte wir müssen wissen (uns erinnern) oder Ähnliches erschließen.⁴² Ein Gliedsatz einer Satzverbindung wird in diesem Beispiel durch GD wiedergegeben: Und (Ptolemäus) sandte Boten zu Demetrios, damit dieser zu ihm komme, einen Bund mit ihm schließe; dann wolle er ihm seine Tochter geben. BrB I Mak 11,9 (Vnd schickt Boten zu Demetrio | das er zu jm komen solt | einen Bund mit jm zu machen | So wolt er jm seine Tochter geben); auch der lateinische Text gibt hier keinen Anlass zur Verwendung der GD (vgl.: Veni, componamus inter nos pactum; et dabo tibi filiam meam). Dass der NP als eigenständige prädikative Einheit aufgefasst wurde, zeigt sich auch in den Beispielen,
42 Der NP wird ganz ohne V auch in BrB Job 36, 19 verwendet: Du sollst (ghi) deine Macht achten oder Gold, doch hier wurde das Verb tari, du meinst oder Ähnliches vermutlich nur versehentlich ausgelassen (vgl.: Meinſtu dus er deine gewalt achte).
228
wo zwischen ihm und V eine ganze Kette von Nebensätzen des Satzgefüges steht. So folgt beispielsweise in BrB Neb 10, 30 auf den Hauptsatz Und sie kamen, um zu schwören, und gelobten, das Holz zum Hause Gottes zu bringen ein Relativsatz, der auf „Holz“ bezogen ist, danach zwei lange erläuternde Nebensätze, die sich auf „kamen“ beziehen (so selbstständig, dass sowohl M. Luther als auch J. Bretkūnas sie durch Punkte abtrennten), dann wieder ein untergeordneter erläuternder Nebensatz und erst danach die GD:... Und dass die Leute des Landes am Sabbat Getreide und allerlei Waren zum Verkauf herbeibrachten, wollten wir nicht von ihnen annehmen.
2.1.4.6. Gesondert zu erwähnen ist der Fall, in dem ein Interjektion als Hauptglied der GD fungiert: Ach, dass ich geboren bin, um die Zerstörung meines Volkes und der heiligen Stadt zu sehen und schweigen zu müssen BrB I Mak 2,7. Im deutschen Original finden wir einen Nebensatz des Satzgefüges mit daß (Ah | das ich dazu geboren bin), im lateinischen einen mit ut (ut quid natus sum); somit konnte GD hier als Entsprechung eines Nebensatzes verwendet werden – ähnlich wie in anderen Beispielen der Gruppe 4. Vereinzelte Akkusativbelege nach Interjektionen in alten Schriften (vgl. bei Sapūnas und Šulcas Ay Budą szio Čieso — O mores hujus temporis... Ak manę Biedną. O me miserum 9443), ihr Gebrauch in der lettischen Folklore (vgl.: ai tu manu lētu dabu!44) und zahlreiche Parallelen in den slawischen45, lateinischen46 und anderen Sprachen lassen vermuten, dass der Akkusativ nach Interjektionen einst auch der litauischen Sprache nicht fremd war; in diesem Fall ließe sich das zitierte Beispiel als Relikt objektiver Konstruktionen mit abhängigem Akkusativ betrachten, dessen ursprünglicher Bau der GD mit sagen und Ähnlichem entsprach (vgl. 2.1.2.3.).
2.1.5. Aus der Übersicht über GD nach dem Hauptglied (gewöhnlich einem Verb) geht hervor, dass die meisten in den Schriften des 16.–17. Jahrhunderts vorkommenden Beispiele dem ursprünglichen Modell der syntaktischen Beziehungen dieser Konstruktion nicht mehr entsprechen. In den nach den allgemeinen Valenzeigenschaften der Verben unterschiedenen Gruppen ist die Beziehung von V zu NP unterschiedlich. Direkte Rektion zwischen V und N ist nur in den objektiven Konstruktionen der Gruppe 1 (Typ a) deutlich zu erkennen. Teilweise lassen sich solche Beziehungen auch in den Konstruktionen der Gruppen 1b und 2 erkennen, doch sind sie hier nicht mehr lebendig und produktiv, sondern nur als Erbe früherer Epochen rekonstruierbar. In den meisten Konstruktionen der Gruppen 1b und 2 hängt NP bereits als eigenständige syntaktische Einheit von V ab. Noch größer ist die Selbstständigkeit von NP in den Beispielen der Gruppe 3, in denen eine Rektion des objektiven N nicht mehr festgestellt werden kann. Schließlich wird NP in Gruppe 4 sogar in der Position des Nominativs verwendet. Wenn man somit von Gruppe 1 bis Gruppe 4 fortschreitet, zeigt sich eine schrittweise Veränderung der syntaktischen Beziehungen von NP zu V, die eher den tatsächlichen Entwicklungsprozess der GD widerspiegelt. Sein Kern besteht darin, dass die für das ursprüngliche GD-Modell charakteristische Kasusrektion (des Akkusativs) allmählich in eine phrasale Rektion der gesamten NP-Verbindung übergeht, die gegenüber ihrer Kasusform indifferent ist.
Eine Veränderung der Rektion zwischen V und N zeigt sich auch daran, dass nach Verben mit Negation der Akkusativ von N hier meist nicht zum Genitiv der Negation wird, wie in anderen Fällen direkter Rektion, z. B.:
43 Žr. A. Bezzenberger, Beiträge zur Geschichte der litauischen Sprache, Göttingen, 1877, p. 239; E. Fraenkel, Kas., 151.
44 J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, p. 580 (§ 436).
45 Fr. Miklosich, Vergleichende Syntax der slavischen Sprachen, Wien, IV, 1868–1874, p. 392; W. Vondrák, Vergleichende slavische Grammatik, II, Göttingen, 1928, p. 275; F. Trávníček, Historická mluvnice česká, III, Skladba, Praha, 1956, p. 9.
46 F. Stolz. I. H. Schmalz, Lat. Gr., p. 385–386.
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Warum hast du mir nicht gesagt, dass deine Frau schwanger ist? BrB I Moz 12,18 (Warum sagestu mirs nicht | das dein Weib were?). Wenn du nicht gesandt bist, sondern Christus, der von den Toten auferstanden ist BrP II 21. Damit du ihn nicht einen Toten nennst’ RG 539b. Aber bei den Litauern heißt es so: wie ich weiß, wird es gesagt BrP II 517. Wenn du nicht willst, dass ich all meine Plagen gemeinsam über dich selbst sende BrB II Moz 9,13 (Ich wil anders dis mal alle meine Plage über dich selbs senden)
Die Genitivform mit negativen Verben ist eher nur für Objektkonstruktionen charakteristisch (nach Verben der Wahrnehmung u. Ä.), in denen die Rektion zwischen V und N noch deutlich spürbar ist, z. B.: niekad neregietau teysaus āpląstą MP 109²⁷. In Nicht-Objekt-Konstruktionen wird der Genitiv der Negation nur in vereinzelten Fällen verwendet.
Jener, der nicht will, dass irgendein Sünder stirbt DP 403₂₃ (niekche śmierči żadnego grzesznego W 661). Wie nicht gewusst (= nicht wüsste) | welche Art von Frauen es gibt | wenn er sie berührt hat⁷ DP 479₄₄ (iākoby niewiedział co to żá niewiasti W 808). Und er wusste nicht, dass sie gegeben waren | aus seiner Hand | zu seinem Besten DK 124—125 (ich nie poznał być z rąk iego dāne ku swemu lepszemu DK₁ 117).
Solche Konstruktionen, die auf ursprünglichen Gliederrelationen beruhten, waren im 16.–17. Jahrhundert bereits zu syntaktischen Archaismen geworden. Obwohl N hier die Form eines regierten Kasus hat, kann es semantisch ebenso wenig als Objekt von V aufgefasst werden wie in vielen entsprechenden Konstruktionen mit dem Akkusativ. So ist beispielsweise in der Äußerung sie wussten nicht, dass sie… das Objekt von V nicht mehr sie, sondern dass sie es wussten (= dass sie sind…), ebenso wie in GD ich weiß, dass du dich daran erinnerst BrB Job 10,13 die Bedeutung der Äußerung nur zulässt, die NP dass du dich erinnerst (= dass du dich erinnerst) als Objekt aufzufassen. Der Wechsel des Rektionstyps ist hier völlig offensichtlich.
Mit dem Wechsel des Rektionstyps wird auch die innere Struktur des GD selbst umgestaltet. Nicht-Objekt-Konstruktionen repräsentieren nicht mehr das ursprüngliche, sondern ein umgestaltetes Modell syntaktischer Relationen des GD, das sich durch folgendes Schema darstellen lässt:
(3) V ⟶ (N ← - - - → P)
Die nach diesem Modell gebildeten Konstruktionen sind dreigliedrige Wortverbindungen, in denen sich syntaktische Binome (V und NP) nur auf unterschiedlichen Stufen der Gliederung abgrenzen lassen⁴⁷.
In den objektbezogenen GD-Konstruktionen des 16.–17. Jahrhunderts (z. B. regéiot ghi vschžengenti Mž 299) können die syntaktischen Relationen ebenfalls nicht mehr als identisch mit jenen gelten, die für prähistorische Entwicklungsstufen des Litauischen rekonstruiert wurden (vgl. 1, 4.). Das ursprüngliche Modell der syntaktischen Relationen des GD (2) entsprach vollständig dem für die alten indogermanischen Sprachen charakteristischen Satz mit lockerer Struktur⁴⁸, der schrittweise gebildet wurde—
47 Vgl. E. Nida’s binäres Modell englischer Objektkasus, in dem die Abhängigkeit der Verbindung beider Objektkasus von V markiert wird, während auf einer niedrigeren Gliederungsstufe die exozentrischen wechselseitigen Beziehungen der Glieder dieser Verbindung angegeben werden; siehe E. A. Nida, A. Synopsis of English Syntax, London — The Hague — Paris, 1966, S. 30, 155—156; ähnlich werden auch Konstruktionen mit der -ing-Form und dem Infinitiv behandelt, S. 42, 111—112. Die syntaktische Beziehung der gesamten NP-Verbindung und nicht eines ihrer Glieder zu V weisen auch viele andere Forscher aus; zum Englischen vgl. außerdem O. Jespersen, A Modern English Grammar on Historical Principles, II, 1914, 1. 67; The Philosophy of Grammar, London, 1929, S. 115 ff.; Z. S. Harris, Co-occurrence and Transformation in Linguistic Structure, in: The Structure of Language, Englewood Cliffs, New Jersey, 1964, S. 178; Ch. F. Hockett, A Course in Modern Linguistics, New York, 1969, S. 195—196; J. Machaček, Complementation of the English Verb by the Accusative — with — Infinitive and the Content Clause, Praha, 1965, S. 8; zum Französischen vgl. H. Nilsson-Ehle, L’attribut de l’objet en français, „Studia Neophilologica“, 25 (1953), № 3, S. 110.
230
wenn man von einem Satzglied zum anderen übergeht und die Bedeutung jedes einzelnen durch die Form des Wortes selbst bestimmt, ohne eine Vorabprojektion des Gesamtsatzes, die durch die Valenz des Verbs determiniert wäre. Mit der Zentralisierung des Satzes, die im Litauischen des 16. Jahrhunderts bereits deutlich spürbar ist, musste sich in objektartigen Konstruktionen unvermeidlich ein Widerspruch zwischen der wechselseitigen Beziehung von N und P und der einseitigen Beziehung von N zu V herausbilden. Dieser Widerspruch wurde beseitigt, indem auch das zweite Glied der halbprädikativen NP-Verbindung mit V verknüpft wurde. Dadurch erhöhte sich die Valenz des das GD bildenden Verbs um eine Position, und die Konstruktion erhielt folgende Gestalt:
(4)
Somit bildet ein objektartiges GD eine dreigliedrige Wortverbindung, die auf der Ebene der syntaktischen Form nicht binär segmentiert werden kann⁴⁹. Als einseitig erwiesen sich die Versuche, auch in entsprechenden Konstruktionen anderer Sprachen binäre Beziehungen herauszuarbeiten (besonders intensiv wurde diese Frage anhand des Englischen untersucht, in dem Konstruktionen mit doppeltem Objektkasus, mit Objektkasus und Infinitiv oder mit einer der litauischen Partizipialform entsprechenden -ing-Form weit verbreitet sind). Wenn man N und P (bzw. N¹) als jeweils unabhängig vom Verb abhängig betrachtet⁵⁰ und somit zwei Binome V→ N und V → P ansetzt, bleibt die eindeutige Beziehung zwischen N und P unbestimmt, die im Litauischen wie auch in anderen flektierenden Sprachen durch die Kongruenz deutlich angezeigt wird. Andererseits wird, wenn man nur das erste Nominalwort⁵¹ (N) als von V abhängig betrachtet, die Beziehung von V zu P nicht erfasst; sie zeigt sich darin, dass P nicht eliminiert werden kann, ohne die syntaktische Bedeutung der Konstruktion zu verändern⁵². Solche komplexen syntaktischen Beziehungen erklären sich daraus, dass das GD synchronisch betrachtet keine primäre, sondern eine abgeleitete Konstruktion ist, die als Ergebnis der Transformation einfacherer Konstruktionen gelten und bereits auf der Ebene der inneren Struktur binär segmentiert werden kann (siehe 3.3.2).
2.1.6. Hinsichtlich der Beziehungen zwischen den Gliedern unterscheidet sich das objektartige GD von den nichtobjektartigen Konstruktionen und steht Konstruktionen mit Verben ohne Phrasenrektion, d. h. nichtkommentierbaren Verben, nahe. Von diesen werden mit einem zweiten Akkusativ – dem Partizip – gewöhnlich diejenigen verwendet, die auch entsprechende Konstruktionen mit doppeltem Akkusativ und Substantiven und Adjektiven bilden (vgl. 1.4), z. B.:
machen, nennen, taufen
Die Tauben machte er hörend und die Stummen sprechend VEE 113⁴. Alle Dinge macht er sich zurechtgelegt VEE 125¹⁸. Hier hören wir den Apostel die Toten nennen
48 Vgl. Б. Г. Адмони, Развитие структуры простого предложения в индоевропейских языках, ВЯ, 1960, № 1, 24 ff.
49 Plg. А. М. Мухин, Структура предложения и их модели, Л., 1968, p. 122; Л. С. Бархударов, Д. А. Штеллинг, Грамматика английского языка, М. 1965, p. 379, 385—386; H. Nilsson-Ehle, op. cit., p. 109; Н. В. Соколова, Трехчленные глагольные сочетания в современном французском языке, сб.: Грамматика, фонетика и стилистика романских языков, Л., 1971, p. 251 tt.; В. И. Чагишева, История простых предложений с предикативными падежами имени, авт. докт. дисс., Л., 1971, p. 6—7.
50 Siehe Л. С. Бархударов, Структура простого предложения современного английского языка, М., 1966, S. 104 ff. mit Lit.
51 Solche Beziehungen sind im Schema von A. Muchin dargestellt, das den Aufbau entsprechender englischer Konstruktionen (z. B.: I saw him cross the road) veranschaulicht; siehe А. М. Мухин, Функциональный анализ синтаксических элементов, М.-Л., 1964, S. 42 ff., 104 ff.; Структура предложений и их модели, Л., 1968, S. 91 ff., 133.
52 Vgl. Z. S. Harris, op. cit., S. 178—179; auf die Unmöglichkeit, eines der durch eine halbprädikative (=sozietative) Beziehung verbundenen Glieder zu entfernen, weist auch A. Muchin hin, siehe А. М. Мухин, Структура предложений..., S. 94—95.
231
Schlafende BrP II 519. Dich wird man nicht mehr die Verlassene nennen, noch dein Land die Öde BrB Jes 62, 4 (Man sol dich nicht mehr die Verlassene... heissen). Und deshalb nennt sie sie die Gepriesene DP 506⁴ (ia blogoslówiona zowa W 861)⁵³. Sie, die der Herr durch Pránaszę prámine nopipiaustitivus MP 174ᵃ₃₅ (przewal / nie obrzezáne RP 118ᵃ).
bewahren, beschützen, haben, halten
Uns... die Schlafenden bewachen RG 224₁₃. Mich bewachten die Engel, hinausgehend von hier, dort wohnend und zu den Fesseln zurückkehrend DP 522₃₁ (mich bewachte... hinausgehend... wohnend... zurückkehrend W 892) Eine große Arbeit habe ich zu erledigen, ich kann nicht kommen BrB Neh 6, 3 (Ich habe ein großes Geschäft auszurichten)⁵⁴. Die anderen sollen die Kammer mit dem Eingelagerten füllen SIG II 3₄⁵⁵. Ich halte Jonathan... gefangen BrB I Mak 13, 15⁵⁶ (Ich habe Ionathan... behalten)⁵⁷.
führen, begleiten, senden, lassen, zurücklassen, antreffen, aufnehmen, erschlagen, in die Flucht schlagen, wiederbeleben...
Damit du kommst, um sie zu sammeln VEE 152₈⁵⁸. Er führte den Toten fort BrB II Kar 23, 30 (führten ihn zum Tod). Wir ließen dich... die Herabsteigende vorangehen DP 617₄₀ (die Hinabsteigende... führten sie W 834). Sie sagten Barnabas... als einen Heiligen ausgesandt DP 619ₐ₆ (als Geweihte ausgesandt W 849). Die, die er losgelassen hat, als Gefangene des Hauses VEE 103₅⁹. Ihr... alle, die er freigelassen hat, zurücklassen MP 185ₐ₁₉⁶⁰. Wenn du deinem Feind einen Ochsen oder Esel begegnest, der sich verirrt hat BrB II Moz 23, 4 (begegnest / dass er sich verirrt) Danach empfängt sie am selben Tag die Eintretende im Haus DP 617₂ (die Eintretende empfängt W 833). Das Mädchen... ihre Feinde verfolgend BrB Judit 16, 14 (sie schlugen sie auf der Flucht). Die Menschen... sie erschreckend beim Bauen BrB Ezr 4, 4 (schreckten sie beim Bauen ab). Weil W. Christus den Toten auferweckte DP 336₂₆ (ging... erweckte den Toten W 556).
In solchen Konstruktionen sind die Akkusative des Nomens (Pronomens) und des Partizips dem Verb ebenso untergeordnet wie in objektbezogenen GD nach Verben des Sagens. Die unmittelbare Abhängigkeit des Partizips vom Verb zeigt auch der Umstand, dass es bisweilen die Instrumentalform annimmt, also die Form eines semantischen Kasus, der direkt mit dem Verb verbunden ist, z. B.: Apaschtalai... tik Iesu Kristu tikrai isch numirusiu prissikélusiu BrP II 38; vżlaikit pati sáwe neiszleptu MP 213ₐ₆ und dergleichen.⁶¹
Instrumentalformen von Substantiven sind in den entsprechenden Konstruktionen ganz regelmäßig und neigen während der Zeit der schriftlichen Überlieferung zu rascher Verbreitung, vgl.: ich will euch
⁵³ Ähnlich DP 471₁₄, 473₄₀, 475₁₉, SE 280₂, MP III 5ᵃ₂₉, 35₁₅; Grundlage der Konstruktion ist Luk 1, 48: beatam me dicent. ⁵⁴ Ähnlich BrB Ps 96, 10; Mat 6, 16; Luk 14, 18; Apr 14, 1; 19, 16. ⁵⁵ Der häufige Gebrauch von Konstruktionen mit haben in den alten Schriften wurde durch entsprechende Formulierungen in deutschen, polnischen und lateinischen Originalen angeregt, vgl.: Kosznas turreia sawa galwa aprischta BrB II Sam 15, 30 — hatte ein ieglicher sein Heubt verhuellet; mane turi giwenanti DP 606₃₉ — mnie ma mieszkającego W 742; turek mane ischkalbeta BrB Luk 14, 19 — habe me excusatum. ⁵⁶ Ähnlich BrB II Chr 30, 9; I Kön 8, 50; Ps 137, 3; Weish 18, 4; Röm 7, 6. ⁵⁷ Zu GD mit halten mit der Bedeutung des Beurteilens oder Verstehens siehe 2. 1. 1. 3. ⁵⁸ Ähnlich MP III 14₃; BrB II Chr 28, 55; I Kön 8, 46; II Kön 24, 15; Jer 43, 11; 48, 46; Hos 4, 19; Ob 1, 11; I Mak 13, 12; Apg 22, 5, vgl. außerdem Surishta nusimnte VEE 203₆; ChB Joh 18₂₄. ⁵⁹ Ähnlich MP 266₆, 266ᵃ₆. ⁶⁰ Siehe außerdem BrB I Kön 7, 47; Jer 46, 28; Apg 24, 27; II Tim 4, 20. ⁶¹ Weitere Beispiele siehe E. Fraenkel, Der prädikative Instrumental im Slavischen und Baltischen und seine syntaktischen Grundlagen, AfSlPh, 40, S. 86; Kas., S. 200, 204, wo zu Recht auf den Einfluss des Polnischen auf diesen Gebrauch des Instrumentals hingewiesen wird.
232
Menschen zu Fischern machen VEE 137¹³; euch Herren nennend sahen wir dich zu uns kommen ChB Mat 25, 38; sie glaubten an Götter BrB Išm 13,3; sie fanden ihre Bittsteller ChB Apr 2,2 u. Ä.⁶²; in vielen Fällen verdrängt der Instrumental hier allmählich vollständig den zweiten nominalen Akkusativ. Auch der adjektivische Instrumental dringt, begünstigt durch den Einfluss der slawischen Sprachen, sehr aktiv in diese Konstruktionen ein, z. B.: er machte uns zu Würdigen VEE 135; macht euch bereit⁶³ BrB Hebr 13, 21; sie sollen ihn gesund zurückbringen ChB Apd 23, 24; sogar mit Verben des Sehens und Sagens: wir sahen dich hungrig ChB Mat 25, 37; sie nannten ihn gut ChB Jon 7, 12; der Priester soll ihn für rein erklären BrB III Moz 13; beim Verb halten ist der adjektivische Instrumental inzwischen vorherrschend und normgerecht geworden⁶⁴. All dies zeigt, dass die syntaktische Beziehung des Verbs zum zweiten abhängigen Kasus zunehmend stärker wird und sogar dessen morphologische Form verändert.
Die unmittelbare Unterordnung des zweiten der beiden Kasus unter das Verb ist ein allgemeines Phänomen, das auch in anderen Doppelkasuskonstruktionen zu beobachten ist. Im doppelten Dativ mit Infinitiv zeigt sich dies ebenfalls an der allmählichen Durchsetzung des Instrumentals anstelle des zweiten Dativs, vgl. du wirst Anführer sein müssen anstelle der älteren Form Anführer; auch der adjektivische Instrumental dringt sehr aktiv in solche Konstruktionen ein. Noch weiter sind die slawischen Sprachen auf diesem Weg gegangen. So haben in den heutigen russischen, tschechischen und polnischen Sprachen der zweite Akkusativ und Dativ dem mit dem Verb verbundenen Instrumental bereits vollständig Platz gemacht. Auf diese Weise wurden Kasus, die früher mit Nomina in einem halbprädikativen Verhältnis standen, allmählich vom syntaktischen Zentrum des Satzes, dem Verb, abhängig.
2.1.7. Die Entwicklung der GD-Struktur wurde durch die allgemeine Richtung der Entwicklung von Subordinationsbeziehungen begünstigt – sowohl im Litauischen als auch in anderen indogermanischen Sprachen ist eine Verstärkung und Differenzierung der verbalen Rektion zu beobachten. In den alten litauischen Sprachdenkmälern und in der Folklore ist der Kasusgebrauch noch wesentlich freier als in der heutigen Literatursprache. Selbst der Akkusativ – der zentrale Objektkasus – wird hier recht häufig mit verschiedenen adverbialen Bedeutungen verwendet, etwa des Ortes, der Richtung, der Zeit und des Mittels, die auch Formen anderer Kasus haben. Seine ursprüngliche Bedeutung als direktes Objekt ist noch nicht klar von den genannten sekundären (adverbialen) Bedeutungen abgegrenzt⁶⁵; mit diesen Funktionen tritt der Akkusativ als semantischer Kasus auf, vgl. Wendungen wie die Zähne knirschen, den Kopf ermüden, auf dem Pferd reiten, Meere durchschwimmen, das Feld entlanggehen u. Ä.⁶⁶ Noch deutlicher tritt das semantische und nicht das syntaktische Prinzip des Kasusgebrauchs in Sprachen mit sehr alter Schrifttradition hervor. In den Veden wird derselbe Akkusativ nicht nur frei unter den verschiedensten Umständen verwendet, sondern auch …
⁶² Siehe auch E. Fraenkel, Kas., S. 199—200.
⁶³ Korrigiert aus gatewus; solche Korrekturen sind im Bibelmanuskript, wo der Akkusativ mit Instrumental nach machen reichlich verwendet wird, recht häufig.
⁶⁴ Die allmähliche Ausbreitung des Instrumentals anstelle der früheren Akkusativformen bestätigt das Alter des doppelten Akkusativs und steht in klarem Widerspruch zur Hypothese, der prädikative Instrumental sei ursprünglich (A. Valeika, A Few Observations on the Structure and Semantics of Predicate Nominal Constructions, LKK, 14 (1973), S. 237).
⁶⁵ Zu den primären und sekundären Kasusbedeutungen siehe J. Kurylowicz, Le problème du classement des cas, in: Esquisses linguistiques, Wrocław — Kraków, 1960, S. 137 ff.
⁶⁶ Siehe J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, I, 240, 611 ff.; E. Fraenkel führt ganz ähnliche Fälle sowohl beim Objektakkusativ als auch beim Akkusativ des Raumes, der Zeit und der Richtung an, vgl. E. Fraenkel, Kas., S. 137 ff. und 161 ff.; die lettischen Entsprechungen siehe J. Endzelins, Latviešu valodas gramatika. Rīgā, 1951, S. 578—579.
233
… Fällen, kann aber faktisch mit fast jedem Verb auftreten und unterscheidet sich von anderen Kasus nur durch eine bestimmte Bedeutungsnuance67. Je weiter wir in die Vergangenheit zurückgehen, desto selbstständiger ist die Rolle der einzelnen Kasusformen und desto schwächer ist ihre syntaktische Abhängigkeit vom Verb. Die Denkmäler der ältesten idg. Sprachen lassen einen Entwicklungszeitraum dieser Sprachen erkennen, in dem die Rektion noch sehr schwach ausgeprägt war und die Verwendung autonomer Kasus im Satz vor allem durch ihre Semantik bestimmt wurde68. Gerade diese Entwicklungsstufe der Wortbeziehungen bedingte das ursprüngliche Strukturmodell der GD. Da Konstruktionen mit doppelten Kasus wahrscheinlich unter den Bedingungen der idg. Sprachgemeinschaft entstanden (vgl. 1.6.), dürfte das Subordinationsverhältnis zwischen V und N zunächst nicht so stark und syntaktisch geprägt gewesen sein wie die heutige Rektion; offenbar war es seinem Wesen nach semantisch. Daher konnte in Konstruktionen mit doppeltem Akkusativ nur der erste Akkusativ unmittelbar dem Verb untergeordnet sein.
Im weiteren Verlauf der Entwicklung vieler idg. Sprachen verstärkt sich die Unterordnung der Kasus unter das Verb, und die semantischen und syntaktischen Funktionen der Kasus werden stärker differenziert. Im Litauischen hängt dieser Prozess mit der schrittweisen Durchsetzung präpositionaler Konstruktionen anstelle semantischer Kasus zusammen. Während der schriftsprachlichen Überlieferung spezialisieren sich Akkusativ, Genitiv und Dativ zunehmend auf bestimmte Objektbeziehungen, während sich für adverbiale Bedeutungen an ihrer Stelle präpositionale Konstruktionen ausbreiten. Mit der Zeit verdrängen sie aus der Literatursprache vollständig den sogenannten Richtungsakkusativ (vgl. keliauti į svečią šalį, lipti į viršūnę, tekėti į ežerėlį anstelle der älteren keliauti svečią šalelę, lipti viršūnę, tekėti ežerėlį), den Wegakkusativ (plaukti per jūras, eiti per lauką anstelle von plaukti jūras, eiti lauką), den Genitiv der Trennung und der Zeit (gelbėtis mirties, joti nakties), den Dativ nach den Verben susimilti, juoktis, pabėgti usw.69. Die Rektion wurde auch durch die in 1.2 besprochene formale Differenzierung zwischen direktem und indirektem Objekt nach transitiven Verben gestärkt. Durch die Trennung des direkten Objekts, das im Akkusativ steht, vom indirekten, das durch eine Präpositionalkonstruktion ausgedrückt wird, wurde der Gebrauch des Akkusativs noch stärker festgelegt. Im heutigen Litauischen ist der Akkusativ nach transitiven Verben ein syntaktischer Kasus mit der Funktion des direkten Objekts. Verbindungen mit Akkusativformen, die früher nur semantisch mit dem Verb verbunden waren, sind ihm nun syntaktisch untergeordnet. Die umstrukturierte GD-Konstruktion, in der N und P oder die gesamte NP-Verbindung syntaktisch von V abhängen, entspricht somit völlig dem litauischen Kasusgebrauch während der historischen Überlieferungszeit.
2.2. Das Partizipialglied
In der GD-Konstruktion kongruiert das Partizip (P) mit einem Nomen oder Pronomen (N) und ist dadurch grammatisch von ihm abhängig. Seiner Funktion nach ist es jedoch das zentrale Glied der NP-Verbindung und kann nicht entfernt werden, ohne die Konstruktion zu verändern.
67 W. D. Whitney, A Sanskrit Grammar, Leipzig, ²1889; S. 90 ff.; L. Renou, Grammaire de la langue Védique, Lyon — Paris, 1952, S. 355—356; Remarques générales sur la phrase Védique, in: Symbolae linguisticae in honorem G. Kuryłowicz, Wrocław—Warszawa—Kraków, 1965, S. 231—232.
68 Vgl. A. Meillet, J. Vendries, Traité de grammaire comparée des langues classiques, Paris, 1924, S. 519 ff.; A. Meillet, Introduction à l’étude comparative des langues indo-européennes, Paris, ¹1934, S. 359 ff.; P. Chantraine, Grammaire Homérique, 2, Syntaxe, S. 8, 16—17, 232, 319 ff.
69 Plg. E. Fraenkel, Kas., p. 62, 83, 113, 137 tt., 140, 164.
234
2 lentelė
Klassifikation des Akkusativs mit Partizip in Texten des 16.–17. Jahrhunderts nach dem Hauptglied*
Hauptglied | Akkusativ mit Partizip | Präs. Akt. | Prät. Akt. | Fut. Akt. | alle Akt. | Präs. Pass. | Prät. Pass. | Fut. Pass. | alle Pass. | Gesamtzahl | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Gruppe 1 | (pa)matyti a | 13 | 13 | 2 | 2 | 15 | b | 2 | 2 | 1 | 1 | 3 | regėti a | 228 | 29 | 1 | 258 | 8 | 50 | 58 | 316 | b | 123 | 70 | 3 | 196 | 4 | 3 | 7 | 203 | veizdėti a | 2 | 2 | 2 | b | 2 | 2 | 2 | išvysti a | 160 | 8 | 168 | 1 | 19 | 20 | 188 | b | 13 | 3 | 16 | 3 | 3 | 19 | girdėti, išgirsti a | 92 | 92 | 1 | 3 | 4 | 96 | b | 85 | 83 | 6 | 174 | 9 | 24 | 33 | 207 | (iš)klausyti a | 6 | 6 | 6 | jausti, (pa)justi a | 4 | 4 | 2 | 2 | 6 | b | 12 | 4 | 16 | 1 | 1 | 2 | 18 | (at)rasti a | 86 | 28 | 114 | 36 | 36 | 150 | b | 7 | 2 | 9 | 1 | 1 | 10 | užtropti a | 2 | 2 | 2 | (iš) (pa)rodyti a | 2 | 2 | 1 | 1 | 3 | b | 22 | 16 | 2 | 40 | 1 | 1 | 41 | (pa)ženklinti a | 1 | 2 | 3 | 3 | b | 3 | 3 | 3 | pažinti a | 14 | 2 | 16 | 2 | 1 | 17 | b | 42 | 5 | 47 | 2 | 2 | 4 | 51 | at(si)minti a | 2 | 1 | 3 | 3 | b | 4 | 18 | 1 | 23 | 1 | 2 | 3 | 26 | laikyti a | 2 | 2 | 2 | Alle Gruppe 1 | 612a | 70a | 3a | 685a | 10a | 114a | 124a | 809a | 313b | 203b | 12b | 528b | 18b | 37b | 55b | 583b | 952ab | 273ab | 15ab | 1213ab | 28ab | 151ab | 179ab | 1392ab | Gruppe 2 | žinoti | 166 | 59 | 30 | 255 | 4 | 5 | 9 | 264 | suprasti | 34 | 13 | 1 | 48 | 5 | 5 | 53 | (iš) (nu) (per) (pra)manyti | 56 | 15 | 2 | 73 | 2 | 3 | 5 | 78 | nuvaruoti | 1 | 1 | 1 | (iš) (per)tirti | 70 | 19 | 89 | 1 | 4 | 5 | 94 | išmėginti | 1 | 1 | 1 | mąstyti | 1 | 1 | 1 | dimoti | 11 | 3 | 5 | 19 | 1 | 2 | 3 | 22
235
2 lentelė (tęsinys)
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 sumįšlyti 1 1 1 sagen „meinen“ 44 12 7 63 1 1 2 65 dingoti 1 1 1 träumen 2 1 3 3 nuomoniauti 1 1 1 imaginavoti 1 1 1 urteilen 2 2 2 glauben 64 38 11 113 4 1 5 118 apsiimti 1 1 1 vereinbaren 2 2 2 susirodyti 1 1 1 festlegen, entscheiden 14 14 14 schwören, sich verpflichten 3 1 4 1 1 5 versprechen 3 1 4 4 (pa) (ap) (api) (at) (iš)sakyti 142 52 12 206 3 20 23 229 (pa) (per)kalbėti 4 2 1 7 7 aussagen 6 2 8 8 erwähnen 3 3 3 in Erinnerung rufen 3 3 3 melden 4 6 10 10 berichten 1 1 1 (pa)skelbti 2 1 3 1 1 4 offenbaren 3 2 5 5 bekennen 15 2 17 17 anerkennen 1 1 1 verehren 1 1 1 preisen 1 1 1 beschuldigen 1 1 (ap)liudyti 11 24 35 1 1 36 rufen 1 1 1 verteidigen 6 6 1 1 7 prievesti 2 2 2 erstaunen 3 3 3 disputavoti 1 1 1 behaupten 2 1 3 2 1 3 6 lügen 1 1 ra(u)doti 1 1 einschränken 1 1 (iš)rašyti 4 18 22 1 1 23 lesen 1 12 13 1 1 14 Alle 2. Gruppe 691 279 81 1051 19 49 1 69 1120
236
2 lentelė (tęsinys)
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
3. Gruppe
beraten 6 2 8 2 2 10
wissen 5 5 5
sich ausdrücken 1 1 1
sich als „bedeuten“ erweisen 1 1 1
wissen 1 1 1 1 2
hoffen 4 9 13 1 2 1 4 17
aufpassen 8 2 10 10
sich umsehen 1 1 1
(nicht) aufpassen 2 2 2
(unter)richten, lehren 22 5 9 36 1 1 1 3 39
(aus)(bei)bringen, lernen 15 1 16 1 1 17
zweifeln 2 1 1 4 4
sich wundern 2 2 2
sich vergewissern 1 1 1
sich trösten 1 1 1
sich rühmen 1 1 1
sich beklagen 2 1 3 1 1 4
sich freuen 1 1 1 2
wollen 10 2 1 13 6 6 19
wünschen 5 5 5
Zeugnis geben, ein Zeugnis haben 4 1 5 5
ein Zeichen geben, haben, empfangen 1 4 5 5
einen Laut hervorbringen 1 1 1
eine Verbindung herstellen 1 1 1
sich zu Herzen nehmen 1 1 1
vor Augen halten 1 1 1
sich nicht auf eine Sünde einlassen 1 1 1
sicher sein 1 1 1
einen Brief absenden 1 1 1
Zeuge sein 1 1 1
Alle der 3. Gruppe 95 21 28 144 9 7 2 18 162
Gruppe 4
sich zeigen, erscheinen, zum Vorschein kommen 4 1 2 7 1 1 8
entstehen 1 1 1 1
sich als richtig erweisen 1 1 1 1
gelingen „hinausgehen“ 1 1 2 2
es ist sichtbar, bekannt … (ist, war) 19 12 31 1 1 2 33
237
Tabelle 2 (Fortsetzung)
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 gesagt, geschrieben … (ist, war) 4 4 8 1 1 9 es ist sichtbar 1 1 1 gewiss ist 1 1 2 2 Wahrheit, Zeugnis, Zeichen … (ist, war) 7 4 11 11 Ach! 1 1 1 Ohne Hauptglied 4 1 5 5 Alle der 4. Gruppe 43 24 3 70 1 3 4 74 Insgesamt 1754 597 127 2478 57 210 3 270 2748
syntaktischen Bedeutungen1. Indem es eine Nebenhandlung (einen Zustand) ausdrückt, übernimmt es in der NP-Verbindung eine ähnliche Rolle wie die finite Verbform im Satz. Eine solche Rolle des P in der Konstruktion, die durch die bereits erörterte Umgruppierung syntaktischer Beziehungen bedingt ist, spiegelt sich auch in seiner grammatischen Form wider. Das partizipiale Glied des GD weist viele morphologische und syntaktische Merkmale auf, die für das Prädikat eines Satzes charakteristisch sind.
2.2.1. GD mit Partizipien Aktiv
Partizipien Aktiv werden im GD der älteren Schriften nahezu zehnmal häufiger verwendet als Partizipien Passiv (Verhältnis 2478: 270, siehe Tabelle 2). Dies erklärt sich vor allem durch die allgemein größere Verbreitung der Partizipien Aktiv, die sowohl in den älteren Schriften als auch in den heutigen Dialekten zu beobachten ist. Noch wichtiger ist, dass Partizipien Aktiv stärker in das System der Verbkategorien eingebunden sind, mehr verbale Merkmale aufweisen und daher eher die sogenannte Funktion eines sekundären Prädikats erfüllen können, die für sie gerade in der GD-Konstruktion charakteristisch ist.
2.2.1.1. Partizipien Aktiv des Präsens sind im GD am weitesten verbreitet: Mit ihnen ist fast zwei Drittel aller in den älteren Schriften belegten Konstruktionen gebildet. Besonders ausgeprägt ist ihr Übergewicht in den objektbezogenen Konstruktionen der Gruppe I (Typ a), in denen von 685 Partizipien Aktiv 612 im Präsens stehen (die diesen Partizipien eigene relative Gleichzeitigkeit entspricht hier der Semantik der Verben der physischen Wahrnehmung: Nur eine Handlung, die zum Sprechzeitpunkt stattfindet, kann unmittelbar beobachtet werden). Ähnlich überwiegen Präsensformen auch in anderen halbprädikativen Konstruktionen mit nicht-subjektischen Partizipialkasus, etwa im absoluten Dativ (vgl. LKK V 53, 57), wo sie etwa 75% ausmachen.
* Konstruktionen mit attributiven Partizipien im Akkusativ (häufig mit abhängigen Wörtern) wurden nicht in die Statistik aufgenommen.
1Solche wechselseitigen Beziehungen, bei denen dasselbe Glied zugleich zentral (konstitutiv) und grammatisch abhängig ist, sind im Allgemeinen charakteristisch für Wörter, die durch eine prädikative (bzw. halbprädikative) Beziehung miteinander verbunden sind; siehe J. Kurylowicz, Esquisses linguistiques, Wrocław — Kraków, 1960, p. 12, 40; B. Trnka, On the Basic Categories of Syntagmatic Morphology, „Travaux linguistiques de Prague“, 1 1966, p. 167.
238
Die meisten Partizipien des Präsens sind präfixlos, doch kommen auch Formen mit Präfixen häufig vor, die gewöhnlich eine bestimmte lexikalische Bedeutung haben. Der lexikalische Bestand der Partizipien des Präsens im GD ist nicht beschränkt: Hier finden sich Partizipien aus Verben verschiedenster semantischer Gruppen, die sowohl Handlungen als auch Zustände bezeichnen.
2.2.1.2. Partizipien Aktiv des Präteritums nehmen hinsichtlich ihrer Verwendung im GD
der Häufigkeit nach den zweiten Platz ein. Dennoch sind sie in den älteren Schriften mehr als dreimal seltener als die Partizipien Aktiv des Präsens. Anders als Letztere sind Partizipien Aktiv des Präteritums für nicht-objektbezogene Konstruktionen charakteristischer. So gibt es in Gruppe I wesentlich weniger nicht-objektbezogene Konstruktionen mit Partizipien Aktiv des Präteritums als objektbezogene (203 b: 70 a), während das Verhältnis der entsprechenden Konstruktionen mit Partizipien Aktiv des Präsens umgekehrt ist (313 b: 612 a). Nach den Verben girdėti, išgirsti werden objektbezogene Konstruktionen mit Partizipien Aktiv des Präteritums überhaupt nicht verwendet, während die nicht-objektbezogenen hinsichtlich ihrer Verbreitung den entsprechenden Konstruktionen mit Partizipien Aktiv des Präsens gleichkommen (83: 85). Partizipien Aktiv des Präteritums sind jedoch häufiger als Partizipien Aktiv des Präsens in Konstruktionen mit den Verben (ap)liudyti (24: 11), (iš)rašyti (18: 4) und skaityti (12: 1), die sich vorwiegend in den Schriften von J. Bretkūnas finden.
Im GD werden sowohl präfigierte (etwas häufigere) als auch präfixlose Partizipien Aktiv des Präteritums verwendet. Die meisten von ihnen haben perfektive Bedeutung und bezeichnen eine gegenüber dem Verb vorzeitige, abgeschlossene Handlung. Allerdings sind auch Konstruktionen mit Partizipien, die eine andauernde Handlung bezeichnen, durchaus üblich, wenn auch seltener, zum Beispiel:
Wir wissen, dass du viele Leiden ertragen hast BrP I 259. Wie wir Christus selbst und seine Apostel die Welt lehren lesen BrP II 328. Denn einige meinten, dass Judas einen Beutel habe, während Jesus mit ihm sprach SE 24818. Indem sie den Herrn … sterben sahen und über sein Leiden und Sterben sprachen … können wir sehen SE 5016.
Auch viele Partizipien Aktiv des Präteritums, die vom Verb būti „sein“ gebildet sind und als Kopula fungieren (siehe 2.2.3.), haben im GD die Bedeutung einer andauernden Handlung. Somit ist der Aktionsartengegensatz zwischen Partizipien Aktiv des Präsens und des Präteritums im GD wesentlich weniger ausgeprägt als in appositiven Konstruktionen (siehe LKK VII 52 ff.) und im absoluten Dativ (siehe LKK V 58–59, 64).
2.2.1.3. Partizipien Aktiv des Futurs werden in den Konstruktionen des GD in den älteren Schriften vergleichsweise selten, aber regelmäßig verwendet (anders als im heutigen Litauischen und in vielen anderen indogermanischen Sprachen) und machen hier etwa 4,6% aller Beispiele aus. Sie finden sich in den Schriften von J. Bretkūnas, S. Vaišnoras, M. Daukša, K. Sirvydas, J. Rėza u. a. Abgesehen von einzelnen Fällen treten Partizipien Aktiv des Futurs nur in nicht-objektbezogenen Konstruktionen auf. Mit Verben der Gruppe 1 machen sie nur etwa 1%, mit solchen der Gruppe 2 8% und mit Verben der Gruppe 3 sogar 20% aller im GD belegten Partizipien Aktiv aus; in der letztgenannten Gruppe übertreffen sie zahlenmäßig sogar die Partizipien Aktiv des Präteritums. Partizipien Aktiv des Futurs finden sich demnach am häufigsten dort, wo eine attributive Funktion nicht nur semantisch, sondern auch konstruktionsbedingt unmöglich ist. Diese Verteilung entspricht der allgemeinen Entwicklungstendenz dieser Partizipien: Der attributive Gebrauch der Partizipien Aktiv des Futurs war bereits im 16.–17. Jahrhundert stark zurückgegangen und ist für die heutige Sprache völlig untypisch, während der prädikative Gebrauch in vielen Dialekten bis heute lebendig ist (insbesondere bei der Bildung des sogenannten Indirektivs).
Hinsichtlich des lexikalischen Ausdrucks und der Aktionsart sind die Partizipien Aktiv des Futurs im GD nicht beschränkt, obwohl präfigierte Formen mit perfektiver Bedeutung häufiger verwendet werden.
Tikrai szinwam. Newiena Szmogu amszinai ne passilikſenti szemeie BrP II 520. Nesa mussitikik, ghin man ios (sanarius) attadusenti BrB II Mak 7,11
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(ich hoffe | er werde mirs widergeben). Aristotelis… Swieta … amszinai be gala pasiliksenti dumoją MT 245₁₅. Wer jemanden liebt, der tut nur das, woran er ihn glaubt festhalten zu sehen SE 124₇. Wenn du den Tod kommen siehst, so bereite dich vor SE 205₁₄. Wie sagt dann meine Seele, wenn sie fliehen wird PsD 28 (sagt… sie sol fliegen)². Die Jungfrau Maria sagte, dass sie als Mensch kommen werde (sich in ihr verkörpern werde) PK 152. (Der Mensch) weiß nichts über seine… Verstoßung, sein ewiges Urteil wegen der Sünden, in denen er Gott sieht, der um ihretwillen ohne Ende sterben wird SP I 116₁₈. Diejenigen aber, die verzweifelt waren und nicht auf Gott vertrauten, als sie ihn züchtigen sahen, gingen fort und flohen BrB II Mak 8,12—13 (hatten das vertrauwen nicht… das er straffen würde). Der Herr… verkündete die Übel, die kommen würden, und sprach BrP II 77. Wenn… ein Mensch so aufmerksam zuhört, dann sagt er so BrP I 243. Und als Pharao zum zweiten Mal träumte, deutete Gott ihm wahrheitsgemäß, dass er bald handeln werde BrB I Moz 41,32 (bedeut | Das solchs… eilend thun wird).
Zur GD mit den Formen des aktiven Partizips Futur būsiąs, -antis siehe 2.2.3.
2.2.2. GD mit passiven Partizipien
GD mit passiven Partizipien sind vergleichsweise selten. Da sie den Adjektiven näher stehen, bezeichnen passive Partizipien im Satz viel seltener als aktive Partizipien eine Nebenhandlung (einen Zustand); dies ist auch für andere Partizipialkonstruktionen charakteristisch³. Aus demselben Grund werden mit passiven, insbesondere mit Partizipien der Vergangenheit, wesentlich häufiger objektbezogene (a) als nicht objektbezogene (b) GD gebildet. Unter den Konstruktionen des Typs a mit passiven Partizipien machen sie etwa 15% aus, unter denen des Typs b dagegen nur etwa 7,7%, also fast halb so viel.
2.2.2.1. Die passiven Partizipien der Gegenwart bilden eine Minderheit (etwa 22%) der in GD verwendeten passiven Partizipien. Fast alle GD mit ihnen finden sich in den Schriften von J. Bretkūnas und S. Vaišnoras; Ausnahmen sind einzelne Konstruktionen in M. Daukšas „Postilė“, K. Sirvydas’ „Punktuose“ und „Sumoje Evangelijų“.
Sowohl die präfixlosen (1) als auch die präfigierten (2) Formen der passiven Partizipien der Gegenwart haben in GD gewöhnlich imperfektive Bedeutung; die Präfixe modifizieren das Partizip hier lexikalisch.
1) Wir hören dich als ruhmreichen Mann gepriesen BrB I Mak 10,19 (Wir hören dich preisen). Hier hören wir, dass die Verlorenen… die Falschen und die Ankommenden schicken BrP II 312. Dieser… glaubt an die Vergebung der Sünden, indem er sie anderen gewährt MT 138₁₈. Die einfältigen Menschen… werden durch diese Gebote gleichsam als Christen erzogen MT 204₁₂. Der Text… „stepin“: die Ägypter und Kanaaniter wegen ihrer Schande in den Krieg führend MT 223₈₁₄.
2) Die Gläubigen … hören, dass ihnen die Sünden vergeben werden SE 97₂₃. Er hört, dass ihm Gott Geduld und Zorn vorhält SE 97₂₅. Sie sagen, dass du von der Kirche aufgenommen wirst wegen des Sohnes des Erlösers | und des heiligen Geistes MT 122₄. Es ist auch nötig (sagt man), die Heiligsprechung der verstorbenen Seelen der Deinen zu verkünden MT 265₉₁₆. Die Sophisten… bewiesen, dass ein Mensch durch den Glauben, der durch die Liebe geformt wird, gerechtfertigt wird MT 88ₐ₁.
2 Vgl.: Sag, meine Seele: Wenn du fliehst BrB Ps 11,1.
3 Vgl. Konstruktionen mit Dativ LKK, V, S. 56—57, mit Konnektoren LKK, IX (1967), S. 47, 55, mit der Konjunktion ir „Baltistica“, I (1) 1965, S. 62, appositionelle Partizipien LKK, VII (1964), S. 61.
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Nur gelegentlich bezeichnet ein Partizip Präsens Passiv auch eine abgeschlossene Handlung.
Denn von außen sahen wir den Rauch aufsteigen, die Häuser brennen und die Raufbolde mit den Fäusten dreinschlagen MT 216₃ Dann erhob sich ein großer Sturm (parāst.: schturmas) auf dem Meer, als ob, wie du sagen würdest, das Schiff in Stücke zerbrochen würde BrB Jona 1,4 (das man meinet das Schiff würde zubrechen)
Partizipien Präsens Passiv können in der GD-Konstruktion wie auch in anderen Fällen gelegentlich eine adjektivische Möglichkeitsbedeutung haben.
Alba beda anus (virš.: ios) priwers (prisilis) Miesta padoti kuri anis dumoji, ne ischgalimą BrB Judit 7,9 (welche sie meinen | dass sie nicht zu gewinnen sei). Kaip ghis... regeia, Szidzischkas Szmones ne įweikemas... siun te ghis tum pi BrB II Mak 11,13 (sahe | dass das jüdische Volk unüberwindlich war). Kādung rodzia mokslu sāwo pigay iżpildžiamu ir padaromu (pokazuia | že nūaka... možo bydž wypelniona) SP II 136₂₁
Eine GD kann auch ein adjektivisches Partizip Präsens Passiv begleiten, das keine Passivbedeutung hat, z. B.: Isch schu szodziu paties Kristaus girdim io dangaus szengima didei reikema BrP II 84.
Lexikalisch sind die in einer GD auftretenden Partizipien Präsens Passiv nicht stärker eingeschränkt.
2.2.2.2. Partizipien Präteritum Passiv GD sind stärker verbreitet als alle anderen Passivpartizipien und kommen in den meisten Schriften des 16.–17. Jahrhunderts vor. Anders als die Partizipien Präsens Passiv treten sie meist in objektiven Konstruktionen der Gruppe 1 auf: Hier finden wir mehr von ihnen als in den nichtobjektiven Konstruktionen aller übrigen Gruppen zusammen (114a: 96 b), besonders nach den Verben regėti, išvysti, rasti.
Jr regiejau dangu atwertą ChB Apr 19,11. Be abejojimo iszwissimė ii prakārte paguldita DP 35₁₇ (wir werden ihn in der Krippe liegend sehen W 55). Te rassit ghi padeta Mž 185.
Die meisten Partizipien Präteritum Passiv in GD sind präfigiert und haben perfektive Bedeutung. Auch seltene präfixlose Formen bezeichnen gewöhnlich eine abgeschlossene Handlung, z. B.: Esch isch PONO girdeiau, paslus Pagontump siųstus BrB Jer 49,14 (Ich habe vom HERRN gehört …, dass eine Botschaft … gesandt worden sei). Die Bedeutung einer andauernden Handlung haben Partizipien Präteritum Passiv in GD nur vereinzelt, z. B.: Gir déiot taipiaeg Szidus keturaku budu nūdem sunkei vargintus BrP II 347
In GD kommen auch Partizipien Präteritum Passiv mit qualitativer Bedeutung vor, die den Adjektiven semantisch sehr nahe stehen.
Pagonis numanis tawe prakeikta (užbr. santį) BrB Ezech 22,15 (du … musst für verflucht gehalten werden). Ir schlowin (virš.: skelb) ie ischganitą⁴ BrB Pat 31,28 (sie preisen sie selig)⁵.
In nichtobjektiven Konstruktionen dagegen übertreffen die Partizipien Präteritum Passiv zahlenmäßig die Partizipien Präsens Passiv nur um das Doppelte. Am häufigsten stehen sie hier nach den Verben girdėti, išgirsti, sakyti (mit verschiedenen Präfixen).
Wir hörten, wie er gleichsam … mit großem Lärm herumgeschleppt wurde BrP I 219.
Ir Philistai ischgirde, Dowida Karaliumi ant Israelo pateptą, atėia wissi BrB II Sam 5,17 (hörten, dass man … gesalbt hatte). Sako mus trečioy dienoy prikieltus iz numirusių (sagen | dass wir am dritten Tag von den Toten auferweckt worden seien) SP II 252₆
4 Oben: selig, gepriesen.
5 Hierher lässt sich auch die in alten Schriften häufige Konstruktion pagirtą mane (ja) sako (sakys), skelbia Mž 488, VEE 158ₐ, 161ₐ, DP 121ₐ, RG 150 u. a. einordnen, deren Grundlage gr. μακαρισουσιν με πάσαι und lat. beatam me dicent Luk 1, 48 ist.
16. 520
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Partizipien des Präsens Passiv im Akkusativ werden deutlich seltener mit Verben verwendet, die keinen Akkusativ regieren, z. B.: Szadīna ghį pro wissus Miesnus Szidai, skunddamiesi, Onią nekaltą uszmuschįtą BrB II Mak 4,36 (und klagten jm | Das Onias vnschüldiglich ermordet were), siehe 2.1.3–4.
2.2.2.3. Partizipien des Futurs Passiv sind nur in den folgenden drei Beispielen aus S. Vaišnoras „Žemčiūga“ GD nachgewiesen.
Moxlas über die Erwählung … lehrt alle Auserwählten Gottes und um seinetwillen Gehorsamen … heilig 175₁₉. Origenes … diskutiert über die aus dem Tode auferstandenen geistigen Leiber 246₁. Die Bösen … nachdem sie die Schmerzen der Augen und ihre Qualen in Seele und Leib durch den Tod erlitten haben, werden sie zunichte und ohne Hoffnung zu nichts 254₂₀.
Alle drei Konstruktionen sind nichtobjektbezogen und treten mit Verben auf, die gewöhnlich nicht mit dem Akkusativ eines Objekts entsprechender Bedeutung verbunden sind.
2.2.3. GD mit Partizipialverbindungen
Etwa 20% aller in Texten des 16.–17. Jahrhunderts vorkommenden GD sind mit Partizipien des Verbs būti gebildet, die allein oder zusammen mit Formen anderer Partizipien, Substantive, Adjektive und Adverbien auftreten können. Die Partizipien des Verbs būti werden in GD umfassender verwendet als die Partizipien aller anderen Verben.
Die Geschichte vieler indogermanischer Sprachen zeigt deutlich, dass die Verben der Wurzeln *es-, *bhū-, aus denen sich im Laufe der Zeit Kopulaverbindungen entwickelten, anfangs eine konkrete lexikalische Existenzbedeutung hatten⁶. In der GD-Konstruktion haben die Partizipien des Verbs būti diese Bedeutung vielerorts bewahrt. Am deutlichsten ist sie in den Fällen zu spüren, in denen das Partizip mit N allein oder lediglich durch ein Adverb modaler Bedeutung erweitert auftritt.
a) (Epikureer) Sie glaubten, dass die Welt … ebenso vergänglich sei und vergehen werde MT 46₆. Ein solches leuchtendes Licht erschien, wie jeder sagte, am heiligen Tag BrP II 337. Gottes heilige Zeugen, die schweren Verfolgungen der bösen Welt BrP II 178. Die Schrift … bezeugt und lehrt (177), dass der Herr Gott wahrhaftig und lebendig ist, von Ewigkeit zu Ewigkeit BrP II 177–178. Damit … ihr erkennen mögt, dass ich es bin BrB Jes 43,10 (verstehet | dass ich es bin)
b) Passilikka taipaieg nekuros muro trobas ir pustawniczes ant szenkla | thinai miesta buwusi BrP II 346. O didzausei regim… schus griekus buwusius BrP II 196.
c) Lasst uns also das Ende, das uns bevorsteht, erkennen und bedenken MT Mld 1₁₃. Sie glauben nur, dass dieses Leben besteht DP 584₃₁ (sie glauben, dass allein dieses Leben besteht W 995). Die Menschen denken, dass der Tag des Gerichts kommen wird … BrP I 18. Es entsteht große Verwirrung und Bestürzung, dass Juden da sind BrP II 339₇.
⁶ K. Brugmann, Die Syntax des einfachen Satzes im Indogermanischen, Berlin und Leipzig, 1925, p. 72 tt.; E. Benveniste, La phrase nominale en indo-européen, BSL, XLVI, f. 1, 1950, p. 19tt.; „Etre“ et „avoir“ dans leur fonctions linguistiques, BSL LVI, f. 1, 1960, p. 114 tt. Bemerkenswert ist, dass die alte Bedeutung des Verbs *es- „wirklich sein“ vor allem gerade anhand der Partizipialformen rekonstruiert wird, die sie am besten bewahrt haben; vgl. het. ašant-, altind. sant- „existierend, wirklich, zuverlässig“, altisl. sannr, russ. сущий „wirklich“ usw.; siehe Вяч. Вс. Иванов, Общеиндоевропейская, праславянская и анатолийская языковые системы, М., 1965, p. 266.
⁷ Siehe auch BrB Jer 14, 15; 14, 19; Sir 48, 7.
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Die konkrete lexikalische Bedeutung des Partizips wird in solchen Fällen bisweilen durch parallel stehende Synonyme hervorgehoben, z. B.: Bei isch to permanik Dwase Schwenta ir tawip giwenancze alba esancze BrP II 125. Sie ist auch in Konstruktionen mit den Relativadverbien kur, kaip deutlich spürbar, die zugleich die Funktion von Konnektoren übernehmen.
Denn warum sollte ein Mensch das wissen wollen, wo etwas ist, wenn er nicht wüsste, wie er es finden kann BrP I 76. Die Wahrheit dringt zu den Männern vor, doch ich wusste nicht, woher sie waren BrB I Joz 2,4 (ich wuste nicht von wannen sie waren). Man muss sich um die Kinder kümmern … damit man jedes Mal wüsste, wo sie sich aufhalten DP 65₄₁ (aby wiedzieli… gdzie się obracają W₁ 65) Das ist gut und wird von fern erkannt, wie jedes Ding beschaffen ist BrP II 335.
Bei Orts- und Zeitadverbien ist die lexikalische Bedeutung von *būti* (sein) im Partizip bereits stark verblasst. In solchen Fällen dient es vor allem als Ausdruck grammatischer Zeit- und Modalitätsbedeutungen, das heißt, es erfüllt eine kopulaähnliche Funktion, kann jedoch noch durch Partizipien der Verben gyventi, egzistuoti (leben, existieren) und ähnlicher Verben ersetzt werden, vgl.:
Sie hörten, dass jene in ihrer Nähe waren und unter ihnen wohnten BrB I Joz 9, 16 (das jene nahe bey jnen waren | vnd würden vnter jnen wohnen). Sie hörten Christus, der nahe bei der Stadt war BrP I 12. Johannes … erkannte, dass der Messias hier anwesend war MT 127₁₆. Während er dich ansah, bemerkte er, dass du anwesend warst DP 177₁₅ (widząc cię być obecną W 303), (Welinas) Er erinnert sich an den jüngsten Gerichtstag, als er anwesend war BrP II 437.
Wenn das Partizip des Verbs būti mit Lokativformen von Substantiven und mit verschiedenen präpositionalen Konstruktionen adverbialer Bedeutung verwendet wird, erfüllt es dieselbe kopulaähnliche Funktion wie bei Ortsadverbien (mit Ausnahme des erwähnten Relativadverbs kur).
Wir sehen und verstehen, dass die ganze Welt in großer Not ist oder darin lebt BrP II 148. Sprich: Du glaubst fest, dass der Leib im Grab ist RG 305₁₁. Und während sie meinten, er sei in der Gesellschaft, gingen sie einen Tagesweg (A mniemając że on był w towarzystwie) SP I 195₈. Wir sehen, dass der HERR mit dir ist BrB I Moz 26,28 (wir sehen… das der HERR mit dir ist). Sie müssen wissen, dass ein Prophet unter ihnen ist BrB Ezech 2,5 (das ein Prophet vnter jnen ist). Wie er wohl bei sich verstanden haben mag MP III 31₁₋₂₀ (go być v siebie rozumieli RP 300ₐ₁₉). Sie sahen, wie der Himmel gegen Abend aussah, als er sich verdunkelte BrP II 395.
In denselben Konstruktionen werden, allerdings viel seltener, auch die Formen des aktiven Partizips von *būti* im Präteritum und Futur verwendet.
Aristoteles … sagte, die Welt werde von alters her gewesen sein MT 245₉₁₅. Ferner muss man von diesen Weisen wissen, dass sie nicht aus dem Geschlecht der Juden gewesen waren BrP I 153. Der dritte sagt, dass die Fische im Wasser gewesen sein werden WP 6. Damit Christus wüsste, dass er nicht länger unter den Menschen sein würde BrP II 115. Ich weiß, dass sie (pabr.) aus euren Händen kommen werden BrB Judit 10, 12 (ich weis | das sie euch in die hende komen werden)
Eine vollständig grammatikalisierte Kopulafunktion haben die Partizipialformen von *būti*, wenn sie mit Kasusformen attributiver (qualitativer, possessiver u. Ä.) Bedeutung und mit Präpositionalkonstruktionen verbunden sind. Hier sind sie zu abstrakten grammatischen Tempus- und Modusmarkern geworden und können nicht durch Formen anderer Verben ersetzt werden, die Existenz ausdrücken.
8 Ähnlich VEE 24₁, Ev 22₁₆, SE 25₁₃ (Luk 2, 44).
9 Ähnlich MT 46₁₇; vgl. auch BrP I 152—153, 334
16*
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Aber ich weiß, dass ich dich nicht wenig Gutes tun sehe KN 265₁₄. Damit … seine Schüler den weltlichen Schatz nicht für unser Wesen hielten | sogar der Herr selbst BrP II 321. Wir hielten diese beiden nicht nur für Freunde | sondern sogar für Verwandte und Angehörige BrP II 262. Und als er erkannte, dass er aus Herodes’ Macht entkommen war, sandte er ihn zu Herodes DP 164₂₃. Deine Braut weiß, dass du ohne Schuld bist RG 47₆. Ius regit tha Wira be proto santi BrB I Sam 21, 15 (sehet | das der Mann unsinnig ist). Dumoket teipaieg, mane isch iusų kaulų ir mėsos santi BrB Teis 9, 2–3 (gedencket… das ich ewr Bein und Fleisch bin)
Eine kopulaähnliche Funktion haben auch die bei GD gelegentlich verwendeten Akkusative von Partizipien der Verben tapti, pastoti „werden“, vgl.:
Ihr werdet Gentaine untersuchen, eure … schwer geworden BrP II 265. Sie disputierten, indem sie sagten: | einen Menschen, der durch seine eigene Kraft vor Gott gerecht wird MT 61₁₅.
Der als Kopula fungierende Akkusativ des Partizips von būti wird meist mit dem Akkusativ anderer Partizipien sowie von Nomina verbunden. Solche Verbindungen aus dem Partizip von būti und den genannten Formen entsprechen funktional zusammengesetzten Tempusformen (mit Partizipien) oder einem zusammengesetzten Prädikat (mit Nomina und Pronomen).
2.2.3.1. Konstruktionen mit dem Akkusativ des Partizips
Aktivische Partizipien weisen bei GD gewöhnlich ausgeprägte verbale Eigenschaften auf und benötigen keine Kopula. Eine partizipiale Kopula wird gelegentlich nur bei einigen Verben mit adjektivischer Bedeutung verwendet.
Es ist wahr | dass sie bekennen …, dass Gott wahrhaftig allmächtig ist | ihnen beisteht und hilft MT 196₉. Als Jesus kam und ihn sah, fand er ihn schon tot DP 179₂₅ (vyžtavvšy go už vmárlego W 307). Damit … diese Glaubensüberzeugung nicht als tot, sondern als lebendig und stark in unseren Herzen empfänden MT 92₁₅. Der Pharisäer verurteilte die Frau, indem er sie noch für sündig hielt DP 481₃ (osądzil niewiastę być ieszcze grzeszną W 808). Nesu schita pirmaghi atejima | teipo pawargusi busenti Schwenti Prarakai …. pranesche buwa BrP I 9₁₀.
Ähnlich wie ein Adjektiv (vgl. 2.1.6) kann ein solches aktives Partizip auch im Instrumental stehen, z. B.: sumumi tą algą | kuri nusidėiusiu s ąnti sako DP 348₁₆ (ktorego grze-sznym być wyznawa W 574).
Passivische Partizipien, insbesondere solche des Präteritums, werden häufiger mit partizipialen Kopulae verwendet. Dennoch machen solche Konstruktionen nur einen kleinen Anteil (etwa 15%) aller GD-Belege mit passivischen Partizipien aus. Neben Substantiven und Adjektiven, die mit Kopulae stehen, finden wir häufig auch Partizipien ohne Kopula. Im Bibelhandschrift von J. Bretkūnas finden sich Beispiele, in denen die Kopula beim Partizip in diesem Fall gestrichen ist, z. B.: Pagonis numanjs tawe prakeiktą (gestrichen santi). Ir ischtirs, mane PoNą santi Ezech 22, 16 (du… must verflucht geacht werden). Z. Blotnas schlägt dagegen bei seiner Bearbeitung des von J. Bretkūnas übersetzten Buches Tobit bereits vor, eine partizipiale Kopula hinzuzufügen, vgl.: Tobioschus taresi, sawa malda ischklausitą BrB Tob 4,1; am Rand; tikieiasi maldą sawą ischklausitą sant (gedacht | das sein gebet also erhöret werde). Dennoch stehen in Texten des 16.–17. Jahrhunderts die meisten passivischen Partizipien, ebenso wie die aktivischen, bei GD ohne Kopula. In dieser Hinsicht unterscheidet sich das Altlitauische deutlich vom heutigen Litauisch, wo in nichtobjektiven GD-Konstruktionen mit passivischen Partizipien eine Kopula erforderlich ist.
10 Ähnlich BrP II 220, 222, 223.
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In Konstruktionen mit Partizipien des Präsens Passiv ist die partizipiale Verbindung im Präsens nur für Belege aus den Schriften von S. Vaišnoras charakteristisch. In einigen von ihnen stehen die Partizipien des Präsens Passiv den Adjektiven nahe; in solchen Fällen entspricht das Partizip mit der Kopula einem zusammengesetzten Prädikat, z. B.: Atgimeghie... tikis... tas biauribes sanczes apdengemas bei malone sancze silingesne MT 59ᵃ₁₉. Die meisten Partizipien des Präsens Passiv fungieren jedoch mit der Partizipialform von būti als Entsprechungen zusammengesetzter Passivformen.
Paulus... lehrt, dass die Verheißung durch den Glauben angenommen wird MT 138₁₆. Oieigi ghie sakitu Missche sancze wadinama affiera ijednojma MT (PM) 9₁. Ich... dieser Werke froh... dich... das durch die Waschung der Wiedergeburt empfangene Heiligtum, von Sünden | und von dem wahren Gott ebenso gnädig angenommen MT 121–121ᵃ.
In Konstruktionen mit Partizipien des Präteritums Passiv wird die Kopula nicht nur von S. Vaišnoras, sondern gelegentlich auch von anderen Autoren verwendet — M. Daukša, J. Bretkūnas, B. Vilentas und K. Sirvydas. Verbindungen von Partizipien des Präteritums Passiv mit unterschiedlichen lexikalischen Bedeutungen und der Partizipialform von būti fungieren ebenfalls gewöhnlich als Entsprechungen zusammengesetzter Passivformen.
Und damit die Heiden erkennen, dass das Haus Israel wegen seiner Sünden fortgeführt wurde BrB Ezech 39,23 (erfahren | wie das Haus Israel... weggeführt worden sei). Wir sehen, dass die Auferstehung unseres Herrn aus den Toten | schon zuvor gesagt oder verkündet worden ist BrP II 8–9. Der Prophet sagte zu ihm, dass ihm die Sünden vergeben seien (65) (powiedział byl | że mu odpuszczony byl) SP II 65–66. Johannes... sagt, | dass Tod und Hölle in den Feuersee geworfen seien (powiada że śmierć | y piekło wrzucone bylo...) SP II 42₁₅. Woran können wir erkennen, | dass wir für das ewige Leben erwählt sind? MT 171. Die Kirche... weiß, | dass diese Welt zu einer bestimmten Zeit erschaffen worden ist | und zu einer bestimmten Zeit enden wird MT 235ᵃ₃.
Bei den Partizipien des Präteritums Passiv werden auch die Präteritums- und Futurformen des Partizips von būti verwendet; dadurch entstehen in der GD-Konstruktion Entsprechungen periphrastischer Passivformen des Präteritums und des Futurs.
Toliaus saka Euangelista ta panna Maria isch gimines Dowido paszadeta buwuse ing moteri wirui BrP I 334.
Wie wagst du uns zu verkünden, dass Israel von seinem Gott beschützt werden wird? BrB Judit 612 (weissagen das das volck... solle... schutz haben). Sie... die Herrschaft Gottes werde alsbald verkündet werden BrB Luk 19,11 (existimarent quod confestim regnum Dei manifestaretur). Christus sagt und lehrt selbst, | dass die Juden verworfen werden | und viele Heiden zum ewigen Leben angenommen werden BrP I 186. Damit sie lehrt, | sich so für den Tod bereit zu halten BrP I 144.
2.2.3.2. Konstruktionen mit dem Akkusativ von Nomina und Pronomen
Die partizipiale Verbindung mit Substantiven, Adjektiven und adjektivischen Pronomen kommt viel häufiger vor als mit Partizipien. Zwar können Nomina allein als zweites Glied eines doppelten Akkusativs auftreten, doch werden sie in alten Schriften meist bereits mit dem Akkusativ der aktiven Partizipien des Verbs būti oder mit Gerundien verbunden¹¹. Diese partizipialen Verbindungen mit Akkusativen von Nomina (Pronomen) verhalten sich genauso wie die flektierten Formen von būti in verbalen Sätzen mit den Nominativen der entsprechenden Wörter. GD-Konstruktionen wie ich weiß, dass er gut ist entsprechen in ihrer Bedeutung und vielen Merkmalen ihrer syntaktischen Form verbalen Wendungen wie ich weiß, (dass) er gut ist.
11 Zu Konstruktionen mit Gerundialverbindungen siehe aut., „Baltistica“, IV (2), 1968, S. 198 ff.
245
Ähnlich wie in einer verbalen Aussage haben die mit einer partizipialen Verbindung stehenden Nominalphrasen häufig abhängige Wörter und sogar Nebensätze.
In Konstruktionen mit partizipialen Verbindungen finden wir Substantive und Adjektive annähernd gleich häufig; ein deutlicheres Übergewicht der Substantive zeigt sich nur in der Bibel von J. Bretke, bedingt durch die häufige Wiederholung einiger stereotyper Konstruktionen (z. B.: ischtirs mane Poną santį), vgl. LKK XI 43.
Pronomen mit partizipialen Verbindungen kommen nur gelegentlich vor; unter den Zahlwörtern wurde nur vienas. festgestellt.
Denn sie will nicht wissen, dass ich ihr den Roggen und den jungen Wein und das Bier gebe BrB Hoz 2, 10 (Sie wil nicht wissen / das ischs sey der jr gibt). Wir verstehen die Werke des Heiligen Geistes, diese heiligen BrP II 138. Du sagst, ich sei so, wie du bist BrB Ps 50, 21 (meinestu / ich werde sein gleich wie du)
Nes szitė nórint’ tiki… Die<w>ą wieną sąntį DP 25723 (wierża… Bogą być iednego) W 429. Kurių daiktų prieszasti viena sancze regiū Vln 53.
Die Akkusative von Substantiven (bisweilen mit abhängigen Wörtern) können durch eine partizipiale Verbindung an die Form des Neutrumpronomens tai, tatai angeschlossen werden. Solche Konstruktionen sind für die Schriften von J. Bretke charakteristisch.
Æsch reggiu tatai sawa walios Szmones sanczias BrB V Moz 9, 13 (das dis Volck ein halstarrig volck ist). Ponai piauwia ies nei tar ia tatai grieką santį BrB Zach 11,5 (und haltens fur keine sünde)12.
Das nominale Glied (N) des GD kann auch unausgedrückt bleiben und nur mitverstanden werden. In solchen Fällen besteht die Konstruktion aus einer partizipialen Verbindung und einem substantivischen Akkusativ, der als Äquivalent zum nominalen Prädikatsteil fungiert.
Nesa Mamah neszinnoia Angelą PONO santį BrB Teis 13,16 (wuste nicht / das es ein Engel des HErrn war). Kaczei Simonas gerai suprata, wilių santį BrB I Mak 13, 17 (mercket / das eitel betrug war) (Vgl. 2. 2. 3. Konstruktionen gleicher äußerer Form, in denen der substantivische Akkusativ das Subjekt des Zustands des Partizips bezeichnet).
Die Akkusative von Substantiven und Adjektiven stehen am häufigsten mit der Präsensform des Aktivpartizips von būti:
a) Du glaubst, dass dein Geist den Menschenleib als Staub betrachtet MŽ II 418. Die ganze Stadt weiß, dass du eine tugendhafte Frau bist BrB Rut 3, 11 (weis / das du ein tugendsam Weib bist). Esther sagte, dass sie zu seinem Volk gehöre BrB Est 8,1 (saget an / wie er jr zugehöret). Wegen der Kirche, die Gott als treue Gemeinschaft haben wollte MT 221₁. Aus diesem Beispiel könnt ihr erkennen, dass eine herzliche Liebe und Barmherzigkeit herrschen, wenn einer den anderen liebt BrP II 247. Glaubst du, dass meine Vergebung Gottes Vergebung ist? Vln 31₉.
b) Du meinst, dass der Herr gerecht ist SE 75₂₄. Deine … Werke bezeugen, dass du ein guter Gott bist (świadczą iżes ty Bog prawy) PK 78. Deine Lehrer … haben meine Predigt gehört und erkennen sie als liebenswert PsD 246¹³. Ich weiß, dass mein Erlöser lebt BrP II 40. Elsbeta … erkennt … ihre Verwandte als arm an BrP II 266.
Die Formen des Präteritums sind hier viel seltener (etwa 10 Beispiele).
a) Teip girdim … io tewa buwusi Zacharioschu / io augiwe Elsbi̇eta BrP II 236. Suprantam Schwenta Iana… paschlowinta ir czesninga wira buwusi
12 Siehe auch Jer 32, 9; II Moz 32, 9; 32, 22; Sir 29, 6
13 Vgl.: Bus girdėta, jog nama pamokslas mielas ira (unterstrichen, derselbe Text wie bei PsD) BrB Ps 141, 6 (wird… Lehre hören / das sie lieblich sey).
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BrP II 234. Damals zeigte sich, dass die Samaritaner die allerbösesten Heiden gewesen waren BrP I 322. Und wie sich herausstellt, dass die Karoghimas, ischroda, kakius durnus anus gewesen waren14 BrB Weish 1, 3 (beweiset sie / was jene für Narren gewesen sind)
b) Didžukem. Damit alle verstehen, dass wir fröhlich gewesen sind BrP I 237. Er zeigt den Herrn als unschuldig, doch erweist sich als gegen uns feindselig SP II 128a.
Formen des Futurs finden sich ebenfalls nur in Einzelfällen.
a) Dieses Leiden wird dein heiliges Kreuz als Zeichen verkünden Vln 613. Die Heiden… hielten das Unglück der Juden für ihr Glück BrB II Mak 14,14 (hoffeten der Jüden vnglück solt jr glück sein).
b) Damit die Menschen sein Reich nicht als weltlich, sondern als geistlich erkennen BrP I 349. Denn ich hoffe, dass er euch gnädig und gut sein wird BrB II Mak 9,27 (Er werde sich gnediglich vnd freundlich gegen euch halten). Ianas… wissend, dass er nicht mehr lange leben werde BrP I 31. Denn wer weiß, ob er weise oder töricht sein wird BrB Pam 2,19 (wer weis | ob er Weise oder Toll sein wird?)
In Konstruktionen mit partizipialen Verbindungen werden überwiegend Verben der Gruppen II und III verwendet; Verben der Gruppe I sind hier seltener und haben gewöhnlich die Bedeutung psychischer Wahrnehmung, vgl.: Der König erkannte (d. h. verstand), dass er den Kampf zu heftig führte BrB II 2 Kön 3,26 (sahe | das jm der streit zu starck war). Alle GD mit partizipialen Verbindungen gehören zum nichtobjektiven Typ (b). Konstruktionen hingegen, in denen das Partizip des Verbs būti mit einem unmittelbar von V regierten N verbunden ist, sind attributiv, und das Partizip hat darin eine konkrete existenzielle Bedeutung, vgl.: (Johannes) erkannte den Herrn, der in seinem Leib war, ebenso auch die heilige Jungfrau, die in ihrem Leib war DP 4622 (poznal Páná… w żywocie… będącego W 77020.)
Der Akkusativ des Partizips des Verbs būti konnte die Funktion eines Kopulapartizips erst dann annehmen, als N nicht mehr als Objekt von V aufgefasst wurde und die NP-Verbindung einem Nebensatz gleichwertig wurde. Nach Analogie zu Sätzen mit einem zusammengesetzten Prädikat oder einer zusammengesetzten Tempusform bildeten sich innerhalb des GD ganz neue syntaktische Beziehungen zwischen dem Partizip des Verbs būti und dem Akkusativ eines Nomens, Pronomens oder anderen Partizips heraus, die den Beziehungen zwischen Kopula und nominalem Prädikatsteil entsprechen (vgl. ich weiß, dass er ein König ist). Diese neuen syntaktischen Beziehungen beeinflussten auch den äußeren Aufbau der Konstruktion. Das dem nominalen Prädikatsteil entsprechende Nomen oder Pronomen erhielt in den meisten Fällen, ähnlich wie in einem Satz mit dem finiten Verb būti (ich weiß: Er ist König), die Instrumentalform und verlor dadurch die Kongruenz mit N und P (ich weiß, dass er König ist)
2.2.3.3. Konstruktionen mit Instrumental
In Texten des 16.–17. Jahrhunderts machen sie etwa 28% aller Beispiele mit partizipialen Verbindungen (Verhältnis ≈ 140: 550) und etwa 5% der Gesamtzahl der GD aus. In ihnen wird am häufigsten der Instrumental eines Nomens mit einer Präsens-Kopula verbunden.
Wir wissen, dass ihr Räuber und Banditen seid BrP II 165. Damit jeder erkennen kann, dass er ein wirklicher Mensch ist BrP I 132. Die Römer hörten, dass Simon sein Bruder Hoherpriester war BrB I Mak 14,17 (höreten das Simon… Hoherpriester war). Die Pharisäer hörten, dass man mich für einen Propheten hielt DP 47949 (osądził mnie być Prorokiem W 808). Wir können… uns rühmen und kühn sagen, dass wir fromme Bürger sind Baszniczes MT LĮŽ 34.
14 Nuo kakius am Rand, anstelle der im Text unterstrichenen Form: kakie anie buwa Durnus.
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Substantivische Akkusativ- und Instrumentalformen finden sich bisweilen in genau gleichartigen Sätzen und konkurrieren miteinander. So wurde in der Bibel von J. Bretke in 12 Beispielen bei der Korrektur des Manuskripts der Akkusativ durch den Instrumental ersetzt. Dennoch ist die Akkusativform im 16.–17. Jahrhundert nach wie vor gebräuchlicher und kommt mit der Kopula mehr als doppelt so häufig vor.
Substantivische Instrumentalformen sind bisweilen auch mit einer Kopula im Präteritum und Futur verbunden.
Denn denk daran, dass du in Ägypten Knecht gewesen bist! BrB V Moz 24,18 (sollt gedenken / dass du Knecht…. gewesen bist)15. Wir lesen: von den Propheten und den Lehrern gewesenen MT (PM) 16a19. Saul, dem König … die Schrift sagt … andernorts, dass er vierzig Jahre lang König gewesen sei (powiada / że dwie lecie królowal) SP I 13612. Wir hören: Maria und Elisabeth seien … gute Freundinnen gewesen BrP II 261.
Der Herr … wollte … lehren (226) … dass er unser wahrer König und oberster Bischof sei BrP I 226—227. Damit sie wüssten, dass er kein weltlicher König oder Herr sei / und dass sie ebenso als weltliche Amtsträger seien BrP II 7116.
Der Instrumental von Adjektiven ist hier viel seltener als der von Substantiven (ebenso ist er auch bei finiten Formen des Verbs būti seltener).
… DP 7717. (sie kennen ihn als würdig, es zu sein W₁ 82). Menschen … glauben, dass die Gerechten Heilige sind MT 8815. Welche … sie wollen, dass sie selbst Gerechte Heilige sind MT LĮŽ 1720.
Meinst du, ein toter Mensch werde wieder lebendig sein? BrB Job 14,14 (Meinstu ein todter Mensch werde wider leben?)
Die Instrumentalformen von Adjektiven treten neben Akkusativformen in völlig analogen Sätzen auf, vgl.: Man soll ihn als unrein beurteilen BrB III Moz 13,27 und Man soll ihn, den Aussätzigen, als unrein beurteilen ebenda, 13, 1117 (soll jn… unrein urteilen). Analog zum Gebrauch mit Adjektiven findet sich an einer Stelle in DP auch der Instrumental eines Partizips des Präsens Passiv, das unmittelbar durch eine entsprechende polnische Form wiedergegeben wurde: den, von dem sie glaubten, dass er getötet sei DP 19826 (ktorego wierzyli być zabitym W 337).
Bei den Pronomen werden bisweilen Instrumentalformen von kas, kuris, koks verwendet.
Für wen haltet ihr mich? VEE 15621 (wer saget denn jr / dass ich sey? Mat 16,15)18. Und wen haltet ihr mich (465) zu sein? DP 465—466. Der Intrikėjas, dass W. Christus ein solcher sei, wie sie ihn gehört hätten DP 31829 (iakimgo być slyszeli W 528).
Obwohl Konstruktionen mit Instrumental in den Schriften des 16.–17. Jahrhunderts wesentlich seltener gebraucht werden als solche mit Akkusativ (das Verhältnis beträgt etwa 95: 230), treten in ihnen die veränderten syntaktischen Beziehungen des Partizips zu den übrigen Gliedern der Konstruktion besonders deutlich hervor. Das Partizip des Verbs būti ist hier in erster Linie nicht mit dem Akkusativ, sondern mit dem Instrumental verbunden, der dem prädikativen Nominativ entspricht. Die Kongruenz der partizipialen Kopula mit dem Akkusativ ist syntaktisch nicht mehr motiviert, da der nominale Teil des Prädikats mit der Kopula ansonsten nicht im Kasus kongruiert (die verbale Kopula hat überhaupt keine Kasusform). Daher wird die partizipiale Kopula bisweilen mit dem Äquivalent des nominalen Prädikatsteils kongruiert – dem Instrumental, dessen Beziehungen zum Partizip von būti am engsten sind.
15 Ähnlich V Moz 24,22; 5,15; 15,15; I Sam 24, 21; I Kar 14, 2; Ism 8, 9.
16 Ähnlich BrP I 9.
17 Ähnlich BrB III Moz 13,6; 13,7; 13,8; 13,25.
18 Ähnlich VEE 13414, 13418, 15617, DP 4658, Ev 1819.
19 Siehe ferner MP III 3043, 3029, DP 46533, Ev 1819.
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Ich habe verstanden | welche Gott … als seinen Sohn anerkennt, der Güter schenkt MT 178a₅. Haltet mich nicht für irgendeinen anderen weltlichen Menschen BrP II 37. Er machte den Mann … dadurch, dass er sich als wahrer Gott erwies | und als Erlöser der Welt BrP II 453. Sie glaubten nicht, dass Christus der wahre Sohn Gottes sei BrP II 349. Lasst uns die Menschen nicht für falsche Herren halten BrP II 325. Christus bewies, dass er wahrer Gott sei BrP I 279. Man kann annehmen, | dass er kein weltlicher König sein werde BrP I 258. Denn ich wusste wohl, dass er nach seinem Sturz nicht lebendig bleiben konnte BrB II Sam 1,10 (ich wuste wol das er nicht leben kundte).
Dass die Form des Partizips im Instrumental hier durch die Beziehungen zum im Instrumental stehenden Äquivalent des nominalen Prädikatsteils bestimmt wurde, zeigen Beispiele, in denen neben einer partizipialen Verbindung Partizipien mit einem anderen Verb ihre Akkusativform beibehalten:
Wir sehen … diese Menschen als wahrhaft Gläubige … ihn als wahren Gott | und als fähig, alle … Krankheiten und Schmerzen des Menschen zu vertreiben BrP II 456. Dass Christus von den Toten auferstanden | und lebendig sei, bewies er (seine Erscheinungen zehnmal) BrP II 9–10.
Eine engere Beziehung der partizipialen Verbindung zum Äquivalent des nominalen Prädikatsteils zeigt sich bisweilen auch dann, wenn sie die Akkusativform hat: Das ist an der Numeruskongruenz zu erkennen, z. B.: Er nennt es Eisen! s c h a u d u s s a n c z i u s (nicht im Singular!) / BrB Job 41,18 (er achtet eisen wie stro)
2.2.3.4. Konstruktionen mit Genitiv
Konstruktionen, in denen ein Partizip der negierten Form des Verbs būti die Verbindungsfunktion übernimmt, sind in den älteren Schriften zweierlei Art.
Einige von ihnen werden nach dem gewöhnlichen GD-Modell gebildet: N, P und ein mit ihm verbundenes weiteres Substantiv, das als Äquivalent des Prädikatsteils fungiert, stehen im Akkusativ, z. B.: Da ihr wisst, dass sie keine Götter sind, fürchtet sie nicht BrB Bar 6, 64 (wisset | das es nicht Götter sind). Dann wirst du sehen, dass es keinen anderen Gott gibt als (übergeschrieben: nur) einen Nebukadnezar BrB Judit 6, 2. (wirstu sehen | das kein ander Gott ist). Frage … da du weißt, dass ich kein Böser bin BrB Job 10, 7. (weissest | wie ich nicht Gottlos sey)²⁰.
In anderen Fällen wird das negierte Partizip von būti ähnlich wie ein finites Verb (vgl. ich sah dich: du bist da und ich sah dich: du bist nicht da) mit einem negierten Genitiv verbunden und steht selbst im Genitiv. In den älteren Schriften (besonders bei J. Bretkūnas) finden wir solche Konstruktionen mit Partizipien verschiedener Tempora:
Damit du erkennst, dass es in allen Ländern keinen gibt, der mir gleicht II Moz 9,14 (innen werden solt | das meins gleichen nicht ist in allen Landen). Und damit die Heiden erkennen, dass es keinen anderen allmächtigen Herrn gibt … Tob 13, 4 (erkennen | das kein allmechtiger Gott ist). Denn du weißt, dass bei uns niemand ist I Kar 5, 6 (du weissest das bey vns niemand ist). Und ferner wisse dies: Es gibt keinen Menschen, der so gut und heilig wäre SE 65₂₆.
Die Leute jenes Ortes sagen, dass dort keine einzige Hure gewesen sei I Moz 38, 22 (sagen die Leute... es sey keine Hure da gewesen).
Hoffen wir zuversichtlich, dass kein Unglück eintreten wird Jer 8, 15 (verlasset euch drauff | Es solle keine not haben).
²⁰ Siehe auch BrB I Moz 31, 5; 44, 31; II Moz 2, 12; I Kar 22, 33; MT (PM)1, 15.
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Solche Genitive des Nomens und des Partizips können neben entsprechenden Akkusativkonstruktionen stehen, die von denselben Verben ohne Negation abhängen, vgl.: Er regit nu, mane vieną santi, ir nesanczio niewieno Diewo prieg manens? BrB V Moz 32, 39 (SEhet jr nu | das Ichs allein bin vnd ist kein Gott neben mir?)
Auch Konstruktionen mit Partizipien anderer Verben können den Genitiv der Negation aufweisen, z. B.: Tūgi nu numanat, niewieno szodzio PONO ant szemes nepūlusio BrB II Kar 10, 10 (erkennet… das kein wort… ist auff die erden gefallen).
Ganz ähnlich sind entsprechende partitive Genitivkonstruktionen mit positiven Partizipialformen von būti gebildet, z. B.:
Turim szinnoti | tokiu kleidunu pamoksle | isch pradzio swieto buwusiu | dabar sancziu ir ikki galo Swieto busencziu BrP II 309 (vgl. žinoti: buvo ir bus klaidūnu).
Zwischen Partizip und Nomen (Pronomen) bestehen hier wechselseitige Abhängigkeitsbeziehungen: Das negative Partizip regiert den Genitiv des Nomens und kongruiert zugleich mit ihm.
Ähnlich wie beim partitiven Genitiv kongruiert das Partizip des Verbs būti mit dem Genitiv von Nomina, der vom Adverb daug. abhängt.
Die Heiden… sagen, dass es viele Götter gibt BrP II 180. Viele Menschen | seit dem Anfang der Welt gewesen | aber wir hören, dass alle gestorben sind BrP II 6. Weißt du denn nicht, dass es danach mehr Mühen geben wird (kann es sein)? BrB II Sam 2, 26 (Weisestu nicht | das hernach möcht mehr jamers werden?)
Das Partizip hat in solchen Konstruktionen seine lexikalische Existenzbedeutung bewahrt. Ähnlich werden mit den Adverbien daug, mažai auch Genitive von Partizipien mit anderen lexikalischen Bedeutungen verwendet, vgl.: Janas ischwiddens daug Phariseuschu ir Sadduceuschu savo krikschtop atencziu | bilba iemus BrP II 24021.
Die Kasusform des Partizips wird hier durch seine Beziehungen zum Genitiv des Nomens bestimmt. Aufgrund der Analogie zu den üblichen GD-Fällen wird jedoch neben dem Genitiv des Substantivs gelegentlich auch der Akkusativ des Partizips des Verbs būti verwendet, z. B.: Hoitmanas Sýrios girdeia, gerūsius pas Judą sanczius, ir daug Szmonių kruwoj essanczias BrB I Mak 3, 13 (hôret… das ein gros Volck bey einander war); vgl. entsprechende Fälle mit Partizipien anderer Verben: Rasche regim atspraschiusius daug schwentu szmoniu BrP II 414.
In nichtobjektiven Konstruktionen, in denen das Partizip die Funktion eines Kopulasverbs hat, wie auch in den anderen hier behandelten Fällen, ist somit eine deutliche Kasusvariation des partizipialen Gliedes zu beobachten. Sie wird durch die innerhalb der Konstruktion neu entstandenen syntaktischen Beziehungen bedingt. Mit dem Schwinden der Rektion zwischen V und N wurde die Kongruenz zwischen N und P schwächer; das Partizip wurde formal mit dem Nomen verbunden, das als Entsprechung des nominalen Prädikatsteils fungiert. Die neuen syntaktischen Beziehungen zwischen den Gliedern erschütterten die frühere grammatische GD-Struktur und schufen günstige Bedingungen für das Eindringen und die Verbreitung unflektierter Partizipialformen – der Gerundien. Gerade die hier behandelten Konstruktionen mit Instrumental und Genitiv, in denen die Kongruenz zwischen N und P am stärksten zerfiel, waren einige der ersten und frühesten Ausgangspunkte für die Verbreitung des Gerundiums in der GD (vgl. 4. 1. 1 und 4. 1. 6.).
21 Siehe außerdem BrP II 308, 346, 455; zu entsprechenden Gerundialkonstruktionen vgl. Verf., „Baltistica“, IV(2), 1968, S. 197—198.
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2.3. Nominalglied
Als nominales Glied (N) im GD treten Akkusative von Substantiven, Pronomen und gelegentlich auch von substantivisch verwendeten Adjektiven oder Zahlwörtern auf.
2. 3. 1. Substantive, die N bilden, können konkrete und abstrakte Dinge bezeichnen.
Unter den Substantiven mit konkreter Bedeutung werden am häufigsten solche verwendet, die Personen oder sonstige lebende Wesen bezeichnen. Sie können Eigennamen (a) oder Gattungsnamen (b) sein.
a) Und David sah Saul, der hinausgezogen war BrB I Sam 23, 14. Alexander verstand, dass Demetrius Jonathan als Freund suchte BrB I Mak 10, 15.
b) Und regieau Moterischkę sedinczą ant raudono Galwijo BrB Apr 17, 3. Tūiaus rasite Aslicze pririschta VEE 54₉. Skaitom... Smar kinikus tiek tukstancziu szmoniu pamuschusius BrP I 106.
N bilden auch andere Dingbezeichnungen, z. B.:
Damit er an sich alle Dinge dieser Welt verlassen sehe DP 554₃. Die Fürsten... sahen das Feuer, das nichts bewirkt hatte BrB Dan 3, 27.
Substantive mit abstrakter Bedeutung werden im GD seltener verwendet:
Nachdem wir solche kostbaren Güter, die uns ohne unser Zutun aus Gnade zuteilwerden, erkannt haben MT 71₉. Damit ihr die abscheuliche Vernichtung seht... an einem heiligen Ort stehen Ev 139₁₂. Wie wir von großen Taten hören, die vollbracht wurden BrB Luk 4, 23. Er berührt mein Kleid, nachdem er von mir gewichen ist BrB Luk 8, 46.
Mit demselben Partizip können auch mehrere Substantive verbunden sein.
Woran erkennt man Saul und seinen Sohn Jonathan als Verstorbene? BrB II Sam 1, 5.
Das Substantiv, das N bildet, kann durch weitere abhängige Wörter oder sogar durch Nebensätze erweitert werden.
Judas und seine Freunde verstanden, dass Demetrios, der Sohn des Seleukos, nach Tripolis... gekommen war BrB II Mak 14, 1. Die Königin wollte ihren lieben... Knaben sehen, der nicht wusste, was böse ist, und nun getötet wird BrP I 106.
Adjektive, Zahlwörter und Partizipien treten nur sehr selten als nominales Glied auf, und zwar nur dann, wenn sie substantivische Bedeutung haben (oder wenn ein Substantiv mitgedacht wird), z. B.:
Tūieigi budu saka gadnusius ir negadnusius nasrais kuno kita nieka nepriimanczius MT 161₁₅. Ir anassai pareiens passuke tiewai Tobioschui, wiena uszmuschtą ant uliczos gulințį BrB Tob 2, 3 (das einer auff der gassen tod lege). Ebenso werden die Toten und die weder Wollenden noch Könnenden erwähnt MT 179₅.
2. 3. 2. Pronomen treten sehr häufig als nominales Glied des GD auf. Besonders beliebt sind Personalpronomen, von denen die Formen der 3. Person am weitesten verbreitet sind (jis, ji sowie die in ihrer Bedeutung verwendeten Formen anas, ana).
Der Geist hat keinen Körper und keine Knochen | wie ihr seht | dass ich habe BrP II 30. Der Herr … vermag | uns alle Gott viele verkündigend BrP II 486. Ich weiß, dass du alles vermagst BrB Job 42, 2 Regeiot g hy enti VEE 73. Wir hören sie sprechen MP 206₂. Denn sie sah, dass sie selbst nicht retten kann BrB Weish 13, 16, … Als er … sie schmähen | und lästern hörte BrP I 301.
Von den übrigen Pronomen kommen im GD häufiger šis, tas, kitas und gelegentlich visas vor.
Sie fanden die Menschen bei uns willens BrB Lk 23, 2. Du sagst, dass sie des ewigen Heils beraubt sind MT LĮŽ 6₄. Er sah die anderen auf dem Marktplatz stehen SP I 317₇. Wir sehen nicht alle als Christen BrP I 249.
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Auch Relativpronomen können als nominales Glied des GD auftreten, z. B.: Was wir hier körperlich an den Wänden geschehen sehen, das setzt sich geistig in den Herzen fort DP 57733. Ezechiel sagte über jene Knochen | die er auf dem Feld liegen sah MP 165a9.
Im Allgemeinen können alle Wörter, die auch als Subjekt eines verbalen Satzes auftreten, das nominale Glied des GD bilden. Nach den vorherrschenden Tendenzen im Ausdruck von N entspricht der GD dem Dativus absolutus, der ebenfalls durch eine Verbindung aus einem obliquen Kasus und einem Partizip gebildet wird (vgl. LKK V 67 ff.).
2. 3. 3. Eine eigene Gruppe bilden GD, deren nominales Glied, ein Personal- oder Reflexivpronomen, denselben Handlungsträger bezeichnet wie das Satzsubjekt (das Subjekt der Verbal- und der Partizipialhandlung ist identisch). Solche GD sind ein charakteristisches Merkmal der alten Schriften und kommen in der heutigen Sprache nur noch sehr selten vor. Am häufigsten wird der Akkusativ des Reflexivpronomens verwendet, z. B.:
Er sagte | sich selbst zum König der Juden VEE 20722. Lasset uns dann | uns zu Recht bestraft | und schwerere Strafen verdient wissend MT 186g. Er befahl ihnen, da er dies zu tun beabsichtigte BrB II Mak 7, 26.
Wesentlich seltener treten als N, die dasselbe Subjekt bezeichnen, Akkusativformen der Personalpronomen auf: mich, dich, uns, z. B.:
Dann werde ich mich vor den Augen der Heiden ihnen zeigen, als heilig BrB Ez 28, 25. Wusstest du, dass du zu dieser Zeit geboren wurdest? BrB Hiob 38, 21. Damit wir glauben, dass wir Vergebung der Sünden empfangen Mž II 376.
Diese Konstruktionen hängen vor allem mit dem Problem des Nominativs mit Partizip (nominativus cum participio) zusammen1 und werden daher hier nicht ausführlicher behandelt.
2. 3. 4. Das nominale Glied des GD kann auch vollständig unausgedrückt bleiben. Ellipsen von N treten auf, wenn das Subjekt der Partizipialhandlung im selben oder in einem benachbarten Satz erwähnt wird oder sich aus dem Kontext und der Situation erschließen lässt, z. B.:
Die Wahrheit ging zu den Männern hinein, die bei mir waren, aber ich wusste nicht, woher sie kamen BrB I Jos 2, 4. Denn die Diebe am Kreuz | und die Weisen erkannten im Schilfrohr: jenes war mit Wein gefüllt | dieses mit Essig getränkt DP 4262.
Anders geartet sind Konstruktionen, in denen die substantivischen Formen des Neutrums der Partizipien Präsens und Präteritum Aktiv unpersönlich verwendet werden und ihre Handlung keinem konkreten Handlungsträger zugeordnet ist, z. B.:
Ihr werdet die Alten sagen hören: „Wir werden zugrunde gehen“ BrP II 188. Es ist auf der Welt zu hören, dass über den Teufel gesprochen wird … das kümmert ihn überhaupt nicht BrP I 2933.
Von einem neutralen Partizip kann manchmal noch ein weiteres GD abhängen, z. B.: Die Menschen hörten, dass Abimelech nach dem Tod Simris König geworden war BrP I 1 Kön 16, 16 (siehe 2. 1. 4. 2). Anstelle von Partizipien des Aktivs werden in solchen Fällen seit den ältesten Schriften Partizipialadverbien verwendet4.
1 Su nom. c. part. jas sieja jau D. Kleinas, žr. Grammatica Litvanica, 1653, p. 165; dėl šių konstrukcijų genetinio ryšio plg. A. Bielenstein, Lettische Grammatik, Heidelberg, 1923, § 817; E. Tangl, Acc., p. 50; I. Marvan, О некоторых предикативных функциях литовского причастия, „Kalbotyra“, IV, Vilnius, 1962, p. 35—36; Verbum infinitum в балтийских языках и его отношение к славянскому состоянию, Slavica Pragensia, II, 1960, p. 13 (kur kalbamo tipo konstrukcijos laikomos nepaliudytomis); kiek kitaip aut., Donum Balticum, Stockholm, 1970, p. 10.
2 Ähnlich DP 165₁, 407, 265₉₇, WP 6, SIG I 58₂₇, II 111₅; RG 539₁₄.
3 Ähnlich BrB Pam 5, 7; I Joz 22, 11—12; I Mak 16, 21. Zu den entsprechenden GD im Lettischen siehe J. Endzelīns, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, p. 1001.
4 Siehe Verf., „Baltistica“, IV (2), 1968, 197 ff.; ebenda zum problematischen Fall eines Partizips des Präsens Aktiv von būt. k. l. p. 198.
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Diesen Konstruktionen nahe stehen gelegentlich vorkommende GD, deren N ein Pronomen im Neutrum bildet, z. B.: Atmink tatai teipo PONO likta BrB Sir 41, 5; in ähnlichen Fällen wird auch die neutrale Form des Partizips Präsens Aktiv esą verwendet, z. B.: tikra tariu esą BrB II Petr 1, 135, doch überwiegen die Gerundien.
2. 4. Ein Überblick über die grammatischen Formen des GD zeigt, dass diese Konstruktion im Altlitauischen von nahezu allen Wörtern und Wortverbindungen gebildet werden kann, die einen Nebensatz als angeschlossenen Erläuterungssatz regieren. Die abhängigen Glieder des GD entsprechen dagegen aufgrund ihrer syntaktischen Eigenschaften dem Subjekt und Prädikat eines Verbsatzes. Da das Partizip eine verbale Rektion und weitere Verbeigenschaften besitzt (mit Ausnahme der Personenkategorie und der Modi), kann es in dieser Konstruktion verschiedene Kasus mit und ohne Präpositionen, den Infinitiv zusammen mit den von ihm abhängigen Wörtern anschließen und selbst als Kopula fungieren sowie Entsprechungen zu zusammengesetzten Verbformen und einem zusammengesetzten Prädikat bilden. Mit anderen Worten: Das Partizip verfügt hier über dieselben Konstruktionsmöglichkeiten wie eine finite Verbform. Deshalb wächst das GD in den alten Schriftdenkmälern nicht selten zu einer komplexen, erweiterten Konstruktion an, in die weitere Konstruktionen und Nebensätze eingebettet sind.
Obwohl das ursprüngliche Modell des GD allen indogermanischen Sprachen mit entsprechenden Partizipialformen gemeinsam ist, ist die vielfältige und komplexe Struktur dieser Konstruktion, wie wir sie im Altlitauischen beobachten, bereits das Ergebnis einer späteren, eigenständigen Entwicklung. Hinsichtlich des Umfangs des Gebrauchs und der Vielfalt der syntaktischen Entwicklung nimmt das altilitauische GD unter den entsprechenden Konstruktionen der indogermanischen Sprachen eine Sonderstellung ein.
Die meisten gemeinsamen Merkmale weist das litauische GD mit dem lettischen GD auf, in dem sich dieselben Partizipialformen finden (in der heutigen Sprache überwiegend erstarrt), die nicht nur nach transitiven, sondern auch nach einigen intransitiven Verben stehen können (z. B. šķist „scheinen“6), wenn auch nicht in demselben Umfang wie im Altlitauischen. In den altpreußischen Sprachdenkmälern ist das GD nicht belegt (offenbar aufgrund der wörtlichen Übersetzung). Unter den anderen Sprachen steht dem Litauischen das GD der altkirchenslawischen Sprachen mit entsprechenden Partizipialformen auf -nt-, -us-, -mo- und -to- am nächsten; diese weisen ähnliche Bedeutungen und syntaktische Eigenschaften auf. Den baltischen, slawischen und germanischen Sprachen gemeinsam sind nichtobjektbezogene Konstruktionen mit Verben der psychischen Wahrnehmung und des Sagens7, die ebenfalls mit dem Gebrauch des Akkusativs in der Bedeutung eines entfernteren Objekts zusammenhängen (siehe 1. 6.). Schließlich kann das GD in fast allen indogermanischen (und nicht nur indogermanischen) Sprachen von Verben der physischen Wahrnehmung (insbesondere des Sehens und Hörens) gebildet werden-
5 Ausführlicher siehe Verf., op. cit., p. 202–204.
6 Vgl. Škīta mani neprotuotam (nepruotuoat) B W 8683, J. Endzelīns, op. cit. p. 1001.
7 Dennoch sind sie in den slawischen Sprachen wesentlich seltener als im Litauischen: Im Altkirchenslawischen, wo etwa 90% der GD von Verben der physischen Wahrnehmung gebildet werden, sind sie nach R. Ružička „besonders selten“, R. Ružička, Das syntaktische System der altslavischen Partizipien und sein Verhältnis zum Griechischen, Berlin, 1963, p. 240, 243; außerdem kommen sie hier nur mit einigen Verben der genannten Bedeutungen vor: minėti, razuměti, (u)vĕděti, glagolati, kazati, siehe R. Večerka, Syntax aktivních participií v staroslověnštině, Praha, 1961, p. 57–58. Auch im Altrussischen sind sie nur sehr begrenzt verbreitet, siehe А. Потебня, op. cit., p. 308 ff.; АН СССР, Сравнительно-исторический синтаксис восточнославянских языков, М., 1968, p. 124; zum Altböhmischen siehe J. Gebauer, Historická mluvnice jazyka českého, Praha, 1929, p. 600; Dvořák, Vývoj přechodníkových konstrukcí ve starší češtině, Praha, 1970, p. 160 ff. Eine ähnliche Situation besteht auch in den alten germanischen Sprachen: Auch hier überwiegen Konstruktionen mit Verben der Bedeutung „sehen“, „fühlen“, „finden“, siehe O. Behaghel, Deutsche Syntax, II, Heidelberg, 1924, p. 388–390, 417–418; А. М. Мухин, Функциональный анализ синтаксических элементов, М.-Л., 1964, p. 104–105, 188–189.
253
Verben⁸. Vergeblich suchen wir jedoch nach Parallelen in anderen Sprachfamilien zum GD des Alt litauischen mit intransitiven Verben (3. Gruppe), Substantiven, Modalwörtern und anderen Wörtern (4. Gruppe). In jenen Fällen des Ausdrucks halbprädikativer Beziehungen, in denen sich im Litauischen der GD ausgebreitet hat, haben viele andere Sprachen Infinitivkonstruktionen verallgemeinert. Hinsichtlich des Umfangs der Verwendung und der Bedeutungen der als Hauptglieder fungierenden Wörter entspricht der litauische GD ungefähr dem gemeinsam betrachteten lateinischen acc. cum participio und acc. cum infinitivo⁹. Ein ähnliches, jedoch viel undeutlicheres Bild finden wir auch in den alten germanischen (gotischen, althochdeutschen, altenglischen) Sprachen¹⁰, in denen Infinitiv- (wie auch Partizipial-)konstruktionen nach Verben der Wahrnehmung und des Sagens durch griechische und lateinische Vorbilder angeregt wurden; in der späteren Entwicklung dieser Sprachen setzten sich Infinitivkonstruktionen mit der für den nichtobjektbezogenen GD im Litauischen charakteristischen Bedeutung fest durch. Noch stärker wurde die Verwendung von Infinitivkonstruktionen anstelle des acc. c. part. in den romanischen Sprachen ausgeweitet¹¹.
Der litauische GD unterscheidet sich auch durch die Vielfalt seiner syntaktischen Struktur und seinen satzartigen Charakter. Hier werden Formen der Partizipien Aktiv und Passiv aller Tempora verwendet (mit Ausnahme der vergleichsweise neuen Partizipien des Präsens auf -s), sogar Partizipien Aktiv und Passiv des Futurs, die wir weder in den slawischen noch in den germanischen Sprachen finden. Die Partizipien Aktiv im GD entsprechen den einfachen Formen finiter Verben, die Partizipien Passiv den zusammengesetzten Passivformen; im letzteren Fall können sie sowohl mit als auch ohne partizipiale Kopula stehen. Obwohl Konstruktionen mit partizipialen Kopulae auch in den slawischen¹² und germanischen¹³ Sprachen gebildet wurden, reichen sie hinsichtlich ihres Gebrauchs bei Weitem nicht an den litauischen GD heran. In dieser Hinsicht stehen dem Litauischen die griechischen acc. c. part. mit den häufigen Akkusativformen des Partizips ὤν viel näher¹⁴, wenngleich ihre Verwendung auch dort durch Konstruktionen mit Infinitivkopulae (ἔνιαι u. Ä.) eingeschränkt wird.
8 Sie sind bereits in hethitischen Texten belegt, siehe A. Hahn, Genesis of the Infinitive with Subject—Accusative, TAPA, 81 (1950), S. 128. Zum GD im Avestischen mit „sehen“ siehe E. Kieckers, Historische griechische Grammatik, IV, Syntax, Berlin u. Leipzig, 1926, S. 89.
9 Besonders bemerkenswert ist in dieser Hinsicht die Verwendung des acc. c. inf. in der Position eines Subjektnominativs bei Existenzverben apparet, liquet, constat, convenit, sequitur, efficitur, bei Wortverbindungen mit modaler Bedeutung verum est, verisimile est, credibile est, certum est, sogar bei substantivischen Prädikatsverbindungen fama est, spes est, testis sum (!) u. Ä. – also gerade in jenen Fällen, in denen wir in den altlitauischen Schriften GD nach Wörtern der 4. Gruppe finden; vgl. A. Ernout, F. Thomas, Syntaxe latine, Paris, ²1953, S. 321; vgl. ferner litauische GD mit den neutralen Formen der Passivpartizipien sakoma, žinoma sowie solche lateinischen acc. c. inf. wie dicitur Gallos in Italiam transisse oder adesse Romanos nuntiatur, siehe ebenda, S. 327.
10 Zum Gotischen vgl. W. Willmanns, Deutsche Grammatik, III, 1, S. 118–121; zum Altenglischen M. Callaway, The Infinitive in Anglo-Saxon, Washington, 1913, S. 120 ff.; B. H. Ярцева, Исторический синтаксис английского языка, М.—Л., 1961, S. 231–232; А. М. Мухин, op. cit., S. 120, 188 ff.
11 Zum Französischen vgl. H. Nilsson—Ehle, L’attribut de l’objet en français, „Studia Neophilologica“, 25, № 3, S. 109 ff.; H. B. Соколова, Трёхчленные глагольные словосочетания в современном французском языке, сб.: Грамматика, фонетика и стилистика романских языков, 1971, S. 251 ff.; A. Ernout, F. Thomas, op. cit., S. 283; zu den übrigen romanischen Sprachen siehe M. Manoliu Manea, „Accusativus cum infinitivo“ dans les langues romanes, „Cahiers de linguistique théorique et appliquée“, VI, 1969, S. 125–136.
12 Vergleichend-historische Syntax der ostslawischen Sprachen, Satzglieder, M., 1968, S. 126–127; R. Večerka, op. cit., S. 58.
13 Vgl. altengl. Ie hine cūðe niht wesende Beowulf 372 „ich wusste, dass er ein Kind war“, K. Yamakawa, The two constructions: „Acc. and Participle“ and „Genetive and Gerund“, „Annals of the Hitotsubashi Acad.“, 8, № 1, Tokyo, 1957, S. 49.
14 Siehe R. Kühner, Ausführliche Grammatik der Griechischen Sprache, II. 1, Hannover, ²1870, S. 611 ff.
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Die aus der idg. Gemeinschaftszeit ererbten Möglichkeiten zur Bildung des GD wurden im Alt-Litauischen bis an die äußersten Grenzen ausgeschöpft. Die Voraussetzungen dafür bildeten die Fülle und Produktivität von Partizipialkonstruktionen in der Volkssprache. Partizipialkonstruktionen mit obliquen Kasus, die in den slawischen und germanischen Sprachen von der literarischen Tradition und dem Einfluss der klassischen Sprachen getragen wurden, gründeten im Litauischen auf dem lebendigen Sprachgebrauch und entwickelten und verbreiteten sich auf diesem Boden. In dieser Hinsicht ist ihre Entwicklung sowohl für die historische Sprachwissenschaft als auch für die allgemeine Sprachtypologie von Bedeutung.
3. Der Akkusativ mit Partizip und der erklärende Satz
3. 1. Für die Entwicklung der syntaktischen Beziehungen des GD war die Synonymie dieser Konstruktion mit untergeordneten erklärenden Sätzen von großer Bedeutung.
Neben dem doppelten Akkusativ mit Verbaladjektiven, später mit den daraus hervorgegangenen Partizipien (z. B.: ich sehe den Vater kommen), waren in den idg. Sprachen seit alters auch parataktische Ausdrucksformen wie ich sehe: der Vater kommt üblich. Im Litauischen sind sie bis heute erhalten geblieben1 (besonders in den Dialekten und in der Volksdichtung), doch werden sie heute in der Literatursprache gewöhnlich nur zu bestimmten stilistischen Zwecken verwendet (um Überraschung hervorzuheben, der Erzählung eine umgangssprachliche Färbung zu verleihen usw.). In den Schriftzeugnissen des 16.–17. Jahrhunderts finden wir sie unter ähnlichen Bedingungen wie den GD, jedoch erheblich seltener, zum Beispiel:
Schitai ghi esti taw Mote, kamgi tarrei ghi est mana sessu? BrB I Moz 26, 9. Kitti wel isch Szidu ape lana dumnoia | ghis ira prarakas koksai BrB I 42. Nes pasakia: esmi sumumi Diewo SE 261, 24.
Der GD und das asyndetisch angeschlossene Satzglied hängen manchmal von demselben Verb ab und entsprechen Konstruktionen im Original von völlig identischem Aufbau; vgl.:
Sagt euren Brüdern: Ammi, sie sind mein Volk, und zu euren Schwestern: Ihr seid in Gnade BrB Hoz 2, 3 (Sagt ewern Brüdern (Ammi) sie sind mein Volck | vnd zu ewr Schwester (Ryhamo) Sie seyn in gnaden).
Aus solchen parataktischen Ausdrucksformen entstanden untergeordnete erklärende Sätze, die in derselben syntaktischen Umgebung verwendet wurden und sich im Laufe der Zeit zu syntaktischen Synonymen des GD entwickelten. Zu Beginn der Schriftlichkeit waren sie bereits weit verbreitet, obwohl ihr Gebrauch in einem großen Teil des litauischen Sprachgebiets, zumindest in den samogitischen und westaukštaitischen Dialekten, damals wahrscheinlich noch nicht den Umfang des GD erreichte. Darauf lässt sich aus den älteren Schriftzeugnissen mit Merkmalen dieser Dialekte schließen. Zwar wurde die Verwendung untergeordneter erklärender Sätze nach Verben der Wahrnehmung darin durch deutsche, polnische und lateinische Originale angeregt, die ihrerseits von griechischen und hebräischen Ausgangstexten beeinflusst waren2, doch war der GD hier noch erheblich gebräuchlicher und beliebter. Dies gilt besonders für die vergleichsweise seltenen Originalquellen. So finden wir in der ursprünglich litauischen Einleitung zu S. Vaišnoros „Žemčiūgos“ neben 10 GD- und 4 Nominativ-mit-Partizip-Konstruktionen (nominativus cum participio) lediglich 6 synonyme Sätze mit jog und 1 mit kad. Die entsprechenden erklärenden
1 Plg. E. Hermann, Über die Entwicklung der litauischen Konjunktionalsätze, Jena, 1912, p. 5.
2 In den griechischen Texten des Neuen Testaments verbreiteten sich erklärende Sätze nach Verben der Wahrnehmung unter dem Einfluss des Hebräischen, in dem sie häufiger sind als Partizipialkonstruktionen vom GD-Typ; siehe M. Johannesson, Der Wahrnehmungssatz bei den Verben des Sehens in der hebräischen und griechischen Bibel, KZ, 64 (1937), 3–4, S. 145–260, besonders S. 157, 242. Dagegen waren erklärende Sätze in den idg. Sprachen, zumindest nach Verben des Sehens, wahrscheinlich seit alters nicht charakteristisch; vgl. ebenda, S. 252–253.
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Die Zahl der erläuternden Sätze in der gesamten Übersetzung des „Žemčiūga“ (etwa 100, nach groben Schätzungen) erreicht ebenfalls nicht die Zahl der GD. Auf den Seiten 50–200 von Vilents „Evangelien und Episteln“ finden sich etwa 80 erläuternde Sätze mit jog; ihre Zahl übersteigt somit die der GD geringfügig³. Berücksichtigt man jedoch, dass es sich um eine Übersetzung aus dem Deutschen handelt, in der in allen entsprechenden Fällen Nebensätze standen, sowie den sakralen Charakter des zu übersetzenden Textes, der zur Wahrung des Originalwortlauts zwang, so zeigt dieses Verhältnis der fraglichen Konstruktionen zweifellos eine größere Häufigkeit der GD⁴. Dasselbe gilt für die Schriften von J. Bretkūnas, dessen Verfasser bei der häufigen Verwendung der GD jedes Mal den Einfluss des Originals überwinden musste. Bemerkenswert ist, dass in vielen Abschnitten der teilweise originalen „Postille“ von J. Bretkūnas erläuternde Sätze nicht häufiger vorkommen als GD.
Anders ist die Lage in den alten Schriften, die ost- oder sogenannten mittellitauischen Dialekten angehören. Hier übertreffen erläuternde Sätze die GD an Häufigkeit deutlich, stellenweise um das Zehnfache oder noch mehr. So finden sich beispielsweise allein auf den Seiten 440–470 der Postille von M. Daukša 85 erläuternde Sätze mit jog (mehr als die Hälfte der Gesamtzahl der GD, die in der ganzen Postille gefunden wurden); da erläuternde Sätze auch in anderen Teilen des Textes nicht seltener vorkommen, lässt sich aus diesen Angaben schließen, dass ihr Verhältnis zu den GD ungefähr 10: 1 beträgt. Dies wird auch durch die von E. Hermann vorgelegten Angaben zur Verwendung erläuternder Sätze in Auszügen aus M. Daukšas Postille und im Katechismus bestätigt. Auf den Seiten 6–33 der „Punktai“ von K. Sirvydas finden sich 17 erläuternde Sätze mit jog und kaip (nach E. Hermanns Tabelle). Ist ihre Häufigkeit an anderen Stellen gleich (wie sich aus unseren groben Schätzungen auf den Seiten 34–380 von SP I schließen lässt), so beträgt das Verhältnis zwischen erläuternden Sätzen und GD hier 5: 1. In der anonymen Postille von 1600 werden erläuternde Sätze noch mehrmals häufiger verwendet; dort sind GD insgesamt vergleichsweise selten. Ihre weite Verbreitung zeigt sich auch in der Bibel von B. Chylinskis, im Katechismus von M. Petkevičius und in anderen Texten. Obwohl die Angaben aus diesen Schriften angesichts des Einflusses der Originale und anderer Besonderheiten der Übersetzungstechnik⁵ keineswegs unmittelbar das tatsächliche Verhältnis der fraglichen Konstruktionen in der damaligen gesprochenen Sprache widerspiegeln, geht aus ihnen doch klar hervor, dass im 16.–17. Jahrhundert in einem großen Teil des litauischen Sprachgebiets erläuternde Sätze mit den Konjunktionen jog, kad, kaip usw. nach Wahrnehmungs-, Sprech- und anderen kommentierbaren Verben recht verbreitet waren und in der Gebrauchshäufigkeit mancherorts vermutlich die GD übertrafen.
3.2. Fast alle in Schriften des 16.–17. Jahrhunderts vorkommenden GD können durch erläuternde Sätze mit jog oder kad ersetzt werden, ohne den Sinn des Textes zu verfälschen (nicht jedoch umgekehrt, da der Gebrauch von Sätzen mit kad und jog einen wesentlich breiteren Anwendungsbereich hat). Die Synonymie von GD und erläuternden Sätzen wird auch durch weitere Besonderheiten ihres Gebrauchs bestätigt.
3.2.1. Vergleicht man Texte, die aus demselben Original übersetzt wurden, so zeigt sich, dass die einen Autoren die entsprechenden Stellen mit GD, die anderen hingegen mit erläuternden Sätzen übersetzten. Vgl.:
Sakot Beelzebubi mani išmetineunti welinus SP II 43₁₂. — Bilote / idant asz Beelzėbube iżtremdinėcże welinuwas DP 117₄₀. — Sakote nesang | iuog asz Beelzebubba mace izmetineiu welinus SE 63₁₃.
O Pilotas regiedams… tů daugiau didesni trunksma santi… priesudija VEE 205. — O kaip regėjo Pilotas… kaip io didesnis trunksmas stoiosi BrB Mat 27, 24⁶.
3 Vgl. statistische Angaben zum Gebrauch der GD in LKK, 11 (1969), S. 54–55.
4Ein anderes Verhältnis dieser Konstruktionen findet sich im „Enchiridion“, wo neben 7 GD 41 erläuternde Sätze mit jog und jeng verwendet wurden; siehe E. Hermann, op. cit., Anhang.
5 Vgl. Verf., LKK, 5(1962), S. 50–51; LKK, 11(1969), S. 52 ff.
6Ähnlich SE 259₁₇.
256
Und nachdem sie hingeblickt hatten, sahen sie den Stein vom Grab weggewälzt BrP I 399. – Und sie sahen, dass der Stein weggewälzt war VEE 56⁷.
3.2.2. Dass GD und der erklärende Satz als parallele Ausdrucksmittel betrachtet wurden, die einander ersetzen konnten, ist an den Korrekturen in J. Bretkūnas’ Bibel deutlich zu erkennen. Bei der Überarbeitung des Übersetzungsmanuskripts ersetzte der Übersetzer selbst viele erklärende Sätze, die gewöhnlich den Sätzen des deutschen Originals mit daß, wie usw. entsprachen, durch GD, z. B.:
Damit sie erkennen möchten, dass das Feuer … die Früchte der Feinde verderbe (korrigiert aus: dass das Feuer die Früchte der Feinde verderbe) Weish 16, 26 (Auf das sie inne würden | wie das fewr… der Feinde früchte verderbete).
O Herr, lehre mich, dass ich ein Ende haben muss und mein Lebensfaden abgerissen wird und ich sterben muss (korrigiert aus: dass ich ein Ende haben muss, und mein Lebensfaden abgerissen wird, und ich fortgehen muss Ps 39,5 (lere doch mich | das ein ende mit mir haben mus… vnd ich davon mus).
Und es wurde bekannt, dass er im Hause war (korrigiert aus: als wäre er im Hause) Mark 2,2 (vnd es ward rüchtbar | das er im Hause war; quod in domo esset⁸).
Niemand kann sich beklagen, als würde er nicht geholfen (ihm werde nicht geholfen) (von „als“ bis zu den Klammern unterstrichen) Sir 40 (vnd man darff vber keinen mangel klagen | an seiner Hülffe).
Besonders zahlreich sind solche Korrekturen im Manuskript der Übersetzung des Neuen Testaments. Zum Beispiel ersetzte J. Bretkūnas allein in seiner Übersetzung des Johannesevangeliums etwa 20 erklärende Sätze durch Sätze mit GD⁹; etwa 10 solcher Korrekturen finden sich auch im Matthäusevangelium¹⁰ (insgesamt gibt es im Neuen Testament mehr als 40 davon)¹¹. Im Lukasevangelium dagegen, das aus dem Lateinischen übersetzt wurde, ist bei der Überarbeitung des Manuskripts nur eine Stelle belegt, an der GD anstelle eines erklärenden Satzes verwendet wurde.
Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommen wird (oberhalb unterstrichen: wann der Dieb kommen sollte), wäre er gewiss Luk 12,39 (si sciret… qua hora fur veniret).
Manchmal sind der erklärende Satz und GD im Manuskript beide erhalten und stehen nebeneinander als zwei mögliche, bedeutungsgleiche Übersetzungsvarianten.
Damit niemand sagen möge, ich hätte auf seinen Namen getauft (dass ich auf seinen Namen getauft worden war) 1 Kor 14–15 (Das nicht jemand sagen möge | Ich hette auff meinen namen getaufft).
Damit du erkennen mögest, dass der Höchste Macht über das Königreich der Menschen hat (der Höchste hat Macht über die Königreiche der Menschen) und es gibt, wem er will. Dan 4,22 (das der Höchest Gewalt hat… vnd gibt sie).
Gegenbeispiele, in denen GD durch einen erklärenden Satz ersetzt wird, kommen sehr selten vor, z. B.:
7Ähnlich variieren auch die Übersetzungen dieser Stelle aus dem polnischen Original, vgl. DP 184, SP II 225₈, Ev 64₅ – GD, aber SE 79,5 – erklärender Satz. Vgl. auch die Übersetzung von Luk 24,20 in BrB II 17 – GD, SP II 235₁₈, Ev 67₃, DP 189₂₀ – erklärender Satz mit iog, SE – erklärender Satz mit kad.
8 Siehe auch BrB Ism 1,3; 18,13; Tob 9,1; 10,9; Bel 23; II Mak 2,25 usw.
9 Jon 1,32; 4,1; 6, 15; 7, 26; 7, 32; 8, 54; 9, 20; 9,31; 11,7; 11,13; 11,17; 12,12; 12,34; 19,10; 19,33; 21,17; 21,24.
10 Vgl. Mat 5,17; 10,34; 14,5; 16,13; 16,14; 17,10; 17,13; 21,26.
11 Vgl. auch Mork 2,8; 2,10; 11,32; 15,39; 16,4; Apd 9,27; 10,3; 14,19; Rom 2,3; 2,15; 4,21; I Kor 4,9; 6,19; I Kor 7,3; Gal 1,20; Filip 1,30; 2,22; Hebr 11,14.
17. 520
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Und als er zurückkehrte, fand er bei Tobias einen Mann, der zerschlagen auf der Straße lag (am Rand: dass ein Mann tot auf der Straße lag) Tob 2,3 (das einer auff der gassen tod lege).
Damit die Welt erkenne, was er vermag (Korrektur aus: was er vermag, seiend) Job 37,7.
3.2.3. Die besten Autoren des 16. und 17. Jahrhunderts bemühten sich, die Parallelität von GD und erklärenden Sätzen aus stilistischen Gründen zu nutzen. Indem sie manche erklärenden Sätze aus dem Deutschen oder Polnischen durch entsprechende litauische Sätze, andere hingegen durch GD übersetzten, vermieden sie Wiederholungen derselben Ausdrucksweise und Monotonie. Einen Nebensatz völlig gleicher Struktur übersetzte J. Bretkūnas in einem Satz mit einem entsprechenden Nebensatz mit kad oder jog, in einem anderen, unmittelbar anschließenden Satz dagegen mit GD. Vgl.:
Wenn wir sagen, sie sei vom Himmel gewesen, dann wird er uns sagen: Warum habt ihr ihm nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen, sie12 sei von Menschen gewesen, dann müssen wir die Menschen fürchten Mat 21, 25—26. (Sagen wir | sie sey vom Himel gewesen… Sagen wir aber | sie sey von Menschen gewesen).
Ähnlich wurde auch bei der Übersetzung zweier Nebensätze desselben erklärenden Satzes variiert: Der eine wurde durch einen Nebensatz mit jog, kad oder Ähnlichem wiedergegeben, der andere durch GD.
Lass heute kundwerden, dass du Gott in Israel bist und dass ich, dein Knecht, dies alles nach deinem Wort getan habe BrB I Kar 18,36 (Las heute kund werden | das du Gott… bist… vnd das ich solchs alles… gethan habe).
Ein Bote trifft hier auf die anderen, um dem König von Babylonien zu berichten, dass seine Stadt erobert worden ist … und die Festungen zerstört sind und die Kriegsleute den Mut verloren haben. BrB Jer 51, 31—32 (dem Könige… anzusagen | Das seine Stad gewonnen sey… vnd die Kriegsleute seien blöde worden13).
Als Pilatus aber sah, dass er nichts ausrichten konnte, sondern dass ein noch viel größeres Aufsehen entstand … (er) verurteilte. VEE 20516.14 (Da aber Pilatus sahe|das er nichts schaffet| sondern das viel ein grösser getümmel ward).
Der Nebensatz eines erklärenden Satzes und eine NP-Verbindung, die vom selben Verb abhängen, stehen auch in den Originaltexten nebeneinander.
Wir haben zudem festgestellt, dass viele Kuren und Litauer … die Verehrung von Göttern oder Götzen ausüben oder Amulette … und Bilder anbeten, die in den Kirchen solche Dinge tun, und anderen schädlichen Aberglauben oder Wahrsagerei betreiben | sowie Zauberei praktizieren IF 10—20.
Lerne aus diesen Worten den Sohn Gottes kennen, der um unserer Menschen willen als Mensch geboren wurde, und dass uns Bedürftigen durch seine Erlösung viel Gutes zuteilwird. Darum nun … lasst uns lernen … BrP I 76.15
3.2.4. Wegen der funktionalen Äquivalenz von GD und erklärendem Satz kommen in den alten Schriften Fälle der Kontamination beider Konstruktionen vor: Nach dem Vorbild eines Nebensatzes wird eine unterordnende Konjunktion, ein Relativadverb oder ein Relativpronomen auch am Anfang von GD verwendet16, z. B.:
Und wir lesen nicht, dass (Maria) nur viermal im Evangelium gesprochen hat (die gesprochen hat) DP 47454. Damit man fest glaube | dass (26) durch jene Sünde-
12Oben — jog.
13 Vgl. auch Ezech 20,48; Judit 6,13; I Mak 3,13; 14,21; 7,25.
14 Eine ganz ähnliche Konstruktion in DP 16719 entspricht dem Originals Satz mit aus.
15 Ähnlich BrP I 422, II 241, 403, 456—457, 475, Vln 657.
16 Siehe auch 2. 2.3. Ähnlich kontaminieren auch andere halbprädikative Partizipialkonstruktionen mit Relativsätzen, z. B. der absolute Dativ, siehe LKK, 5 (1962), S. 79 ff.
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die freigelassenen Gefangenen dem Himmel Vln 28–29¹⁷. Dann lass sie los, wohin sie wollen, und du wirst sie nicht verwunden. BrB V Moz 21, 14 (wo sie hin wil). Und als die Sonne unterging, blieb er zurück, wie die Unwissenden, wo sie geblieben waren BrB Nah 3, 17¹⁷ (wo sie bleiben). Und die Männer wussten nicht, wohin ich gegangen war, noch was ich tat BBbB Nehem 2,16 (wusten nicht | wo ich hin gieng | oder was ich machte) Denn er wusste zuvor, was sie tun würden BrB Išm 19,1 (Denn er wuste zuvor wol | was sie künftig thun würden)
3.2.5. Wenn im Satz zwei oder mehrere GD vorkommen, kann eines von ihnen von einem anderen abhängig sein. Auf diese Weise entstehen komplexe „zweistöckige“ Konstruktionen, die zweistufigen Relativsätzen entsprechen. GD kann in ihnen manchmal noch einen Nebensatz bei sich haben.
Aus diesen Worten… können wir erkennen, dass die Juden das fünfte Gebot Gottes nicht richtig verstanden | sondern nur geglaubt hatten, dass Gott darin nur das oberste Leiden angekündigt habe BrP II 288. Sie sagen… dass sie meinten, | er sei der wahre Messias, der Israel erlösen sollte PrP II 26. Wir sehen… diese Frau… die fest geglaubt hatte, | dass der Herr Jesus Christus ihre Sünden vergeben könne und wolle BrP II 304¹⁹. Wir hörten ebenso viele Juden, | die nicht glaubten, dass dieser Christus der wahre, von Gott verheißene Messias sei BrP II 5²⁰. Damit wir uns als solche erweisen, | die den wahren Gott erkennen, | den wir so verehren MT 119⁵.
Ähnlich wie die Nebensätze eines Erläuterungssatzes können mehrere NP-Verbindungen von demselben V abhängen und untereinander durch verschiedene koordinierende Beziehungen verbunden sein.
Diese… klagten weinend. Heiden aus allen Städten… Galiläer, aus Ptolemais, Tyrus und Sidon und aus ganz Galiläa, das voller Feinde war BrB I Mak 5,15. So erkennen wir dann, | dass wir zu Recht bestraft werden | und schwerere Strafen verdient haben; doch werden diese Strafen um des Mittlers willen erleichtert MT 186⁶.
In den Schriften von J. Bretkūnas und S. Vaišnoras finden wir manchmal ganze Reihen von auf verschiedene Weise miteinander verbundenen GD, die in großem Umfang verbale Ausdrücke ersetzen. Hier ein charakteristisches Beispiel für einen solchen Satz:
Der heilige Matthäus… schreibt: | Weise Männer sahen im Osten einen neuen Stern | und erkannten darin einen neuen König im Land der Juden, | den Erlöser der Welt, | der geboren war; und deshalb kamen sie aus ihrem Land nach Jerusalem, | um ihn anzubeten und ihm zu huldigen; außerdem erschrak der König Herodes | mit der ganzen Stadt Jerusalem | wegen dieses Gerüchts vor den Weisen. Und er ließ die Weisen nach Bethlehem zu Christus gehen. Als sie dort ankamen, | fanden sie das Kind Jesus BrP I 105²¹.
GD tragen erheblich zum für viele alte Schriften charakteristischen Partizipialstil (d. h. im Wesentlichen zum nominalen Stil) bei. Ähnliche Neigungen, eine Abfolge miteinander verbundener Handlungen durch Partizipialkonstruktionen auszudrücken, die besonders deutlich in der klassischen lateinischen Sprache und im Sanskrit hervortreten, sind auch in den alten germanischen (z. B. gotischen) und slawischen Sprachen klar erkennbar²².
17Vgl. E. Hermann, op. cit., S. 25.
18Ähnlich BrP II 288, II 387.
19Ähnlich BrB II 456.
20Vgl.: Man kann erkennen, | dass Johannes wusste, dass dieser Christus der wahre Messias ist BrP I 31. Hier nimmt der Nebensatz des Erläuterungssatzes dieselbe syntaktische Position ein wie GD im zitierten Beispiel.
21Vgl. auch BrP I 64; BrB I Mak 5,38–39.
22 Vgl. E. Hofmann, Zum Gebrauch der Partizipien in den Skeireins, in: Indogermanica, Festschr. für W. Krause, Heidelberg, 1960, S. 28–30.
17*
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3.2.6. Auch die Interpunktion der GD in den Schriftdenkmälern des 16.–17. Jahrhunderts zeigt, dass die Verbindung aus Nomen (Pronomen) im Akkusativ und Partizip als eine eigenständige semantische, mitunter auch intonatorische Einheit betrachtet wurde, die einem Nebensatz mit erläuternder Funktion gleichkam. Obwohl die Satzzeichen in den älteren Schriftdenkmälern vielerorts inkonsequent gesetzt werden und variieren, zeichnen sich bei einer größeren Zahl von Beispielen doch deutlich vorherrschende Tendenzen ab. Bemerkenswert ist, dass objektive Konstruktionen, in denen N direkt regiert wird, fast nirgends durch Kommata oder andere Zeichen abgetrennt werden. Andererseits findet sich in den Sätzen, in denen V durch phrasale Rektion mit der gesamten NP als Äquivalent eines erläuternden Nebensatzes verbunden ist, sehr häufig ein Komma oder ein entsprechender Schrägstrich (/). Hier einige Beispiele:
Und wer hat dich denn so sehr erzürnt? PsD 164 (Wer gläubts aber / das du so sehr zürnest?) Und siehe doch, dies Volk ist dein Volk BrB II Moz 33,13 (Vnd sihe doch / das dis volck dein volck ist). Nun = erkennen wir dich als den, der alle Dinge weiß VEE 71–72 (Nu wissen wir / das du alle ding weisset). … Es gebührt sich nicht denen, die von Herzen glauben, dass Christus zur Rechten sitze, MT (PM) 32₆. Zuerst / lasst uns / jene Zeremonie / des alten Gesetzes… betrachten, die ihren Anfang bei Gott selbst hatte SE 23₄. Oder erinnerst du dich / an den Reichen, der zuerst prahlte BrGD LXXIII.
Am häufigsten wird die NP-Verbindung in den Schriften von J. Bretkūnas und S. Vaišnoras abgetrennt. Nichtobjektive Konstruktionen mit Partizipien des Verbs „sein“, die auf V folgen, werden hier so häufig abgetrennt, dass die nicht abgetrennten Fälle in der Minderheit sind (siehe 2.2.2.). Zwischen V und NP setzen die genannten Autoren in ihren Schriften bisweilen auch einen Punkt oder Doppelpunkt.
Der heilige Lukas schreibt: Der Herr habe sein heiliges Blut vergossen / und aus tiefstem Herzen bereut BrP II 335. Daran erinnere dich zuerst aus dieser Geschichte. Christus war geboren / als die Juden bereits begonnen hatten, ohne Sklaven… zu sein BrP I 56. Hymenäus und Philetus… sagten. Die Auferstehung leugneten sie damals, dass die Menschen in diesem Leben zu Gott hinübergeschieden seien MT 245₁₃. Christus Joh. 3. bezeugt: dass wir aus Wasser und Geist wiedergeboren sind MT 127₂₀. Und Augustinus… sagt, indem er es ausführlich niederschreibt: den Christen, der mit dem Blut Christi rot geworden ist. MT 122₂₁.
Somit bestätigt die Interpunktion der GD in den älteren Schriftdenkmälern die semantische Eigenständigkeit dieser Konstruktion. Da die Autoren älterer Schriftdenkmäler die GD als Äquivalent eines erläuternden Satzes auffassten, wandten sie auf sie vielerorts auch dieselben Interpunktionsprinzipien an.
3.3. Die Synonymie zwischen GD und erläuterndem Satz beruht auf der Gemeinsamkeit ihrer inneren Struktur.
Die komplexen wechselseitigen Beziehungen zwischen den Bestandteilen der GD zeigen, dass diese Konstruktion auch synchron betrachtet nicht primär, sondern abgeleitet ist. Die traditionelle Grammatik hob ihre Nähe zum Satz hervor und erklärte diese damit, dass die GD wie auch andere Partizipialkonstruktionen angeblich ein verkürzter Satz23 oder ein Satzäquivalent mit Subjekt-Prädikat-Struktur24 sei. Die Beziehung zwischen GD und Satz wird genauer durch den Transformationsansatz bestimmt
23 Plg. Ф. Буслаев, Историческая грамматика русского языка, М. 1959, p. 281 tt, 538–539. Remdamasis rusų kalbos gramatikomis, panašiai aiškino lietuvių kalbos dalyvines konstrukcijas J. Jablonskis, kartu pažymėdamas „sutrauktinio sakinio“ termino sąlygiškumą ir tradiciškumą, žr. J. Jablonskis. Rinktiniai raštai, I, p. 516–518. H. Poutsma taip pat laikė anglų kalbos infinityvines konstrukcijas, atitinkančias lie. GD, sakiniais, įtrauktais į kitus sakinius, žr. H. Poutsma, A. Grammar of Late Modern English, I, Groningen, 1904, p. 433 tt.
24 O. Jespersen, A. Modern English Grammar on Historical Principles, IV, New York, 1956, p. 5 tt.; Философия грамматики, М., 1958. p. 133 tt., 139 tt.
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einer Methode, die in diesem Fall als Mittel der Satzanalyse verwendet werden kann und dabei hilft, die interne Struktur der untersuchten Konstruktion anhand ihrer Beziehung zu anderen Konstruktionen derselben Sprache zu bestimmen25.
Aus transformationeller Sicht bildet ein Satz die Grundlage des GD, der nach bestimmten formal definierten Regeln zur Bildung des Gesamtkomplexes in einen anderen Satz eingebettet ist. Die Regeln zur Bildung (Derivation) von GD objektiven und nichtobjektiven Typs sind unterschiedlich.
3.3.1. Konstruktionen nichtobjektiven Typs werden aus Sätzen gebildet, in deren erstem (Matrixsatz) eine leere Objektposition (Pob) vorliegt, die durch die phrasale Valenz des Verbs bedingt ist und den Platz des zweiten (konstitutiven) Satzes bezeichnet26, z. B.: ich weiß + Pob (der Bruder ist zurückgekehrt) ⇒ ich weiß den Bruder zurückgekehrt. Die Objektposition kann auch durch ein Pronomen bezeichnet werden, das die Funktion eines Korrelats erfüllt: ich weiß [das]. Die Verbindung aus Substantiv und Partizip im Akkusativ (den Bruder zurückgekehrt) repräsentiert hier eine Nominalphrase (NP), die nach der Regel NP→N(S) oder einfach NP→S27 umgeschrieben wird. Diese Regel legt fest, dass eine Nominalphrase aus einem konstitutiven Satz S besteht, der dieselbe Position einnimmt wie ein Substantiv N (vgl. ich kenne die Erzählung). Die Form des konstitutiven Satzes wird durch Transformationsregeln bestimmt, nach denen seine Hauptglieder durch ein Substantiv und ein Partizip im Akkusativ ausgedrückt werden.
Ohne den Erzeugungsablauf nichtobjektiver Konstruktionen im Einzelnen zu untersuchen, ist festzuhalten, dass ihre interne Struktur genau dieselbe ist wie die von untergeordneten Ergänzungssätzen. Der Satz ich weiß, dass der Bruder zurückgekehrt ist wird aus denselben Sätzen und nach derselben Derivationsregel gebildet wie das GD ich weiß den Bruder zurückgekehrt28. Es unterscheiden sich hier lediglich die Transformationsregeln, die dem konstitutiven Satz eine andere Form verleihen. Ähnlich verhalten sich zu Ergänzungssätzen auch die Konstruktionen mit doppeltem Kasus in anderen Sprachen29. Da die interne Struktur des Satzes auf einer semantischen
25 Zur Auffassung von Transformationen als Mittel zur Bestimmung syntaktischer Beziehungen zwischen Konstruktionen und Sätzen vgl. Z. S. Harris, Co-occurrence and Transformation in Linguistic Structure, ”Language“, 33 (1957), № 3, p. 283 tt. (= The Structure of Language, Englewood Cliffs, New Jersey, 1964, p. 155 tt.); Transformational Theory, ”Language“ 41(1965), № 3, P. 1, p. 363, 370 tt.; L. G. Heller, J. Macris, Perspectives in Functionalism, ”Word“ 23 (1967), № 1 – 2 – 3, p. 291; zur Bedeutung der Transformationsmethode außerhalb der generativen Grammatik vgl. О. Лешка, Место трансформационных отношений в языковой структуре, „Československá Rusistika“ 1966, XI, 2, p. 65—66. Dass die Erforschung funktionaler Ersatzformen von Konstruktionen eine der wichtigsten Aufgaben der Syntax ist, darauf hat bereits Ch. Bally hingewiesen, Syntaxe de la modalité explicite, „Cahiers F. de Saussure“, 1942, № 2, Genève, p. 6.
26 Für die Erläuterung des Aufbaus des GD ist es nicht entscheidend, ob wir es als mittels einer generalisierten Transformation gebildet auffassen (so wurde der Aufbau entsprechender Äußerungen früher erklärt, vgl. R. B. Leest, The Grammar of English Nominalizations, Indiana, 1960, p. 54—55; E. Bach, An Introduction to Transformational Grammars, New York — Chicago — San Francisco, 1964, p. 67; P. Roberts, English Syntax, New York—Chicago, 1964, p. 169; J. Lyons, Introduction to Theoretical Linguistics, Cambridge, 1968, p. 265—266), oder ob wir ein einziges Derivationsschema entfalten, wie man heute eher anzunehmen geneigt ist; siehe Anm. 27.
27 Vgl. P. S. Rosenbaum, The Grammar of English Predicate Complement Constructions, Cambridge, Massachusetts, 1967, p. 1—5, 71 tt.; R. Lakoff, Abstract Syntax and Latin Complementation, Cambridge, Massachusetts — London, 1968, p. 5, 17, 20—36.
28 Zur internen Struktur litauischer Ergänzungssätze siehe Verf., Lietuvių kalbos prijungiamųjų sakinių struktūriniai tipai, „Baltistica“, VIII (1), 1972, p. 39. Zum Verhältnis von Matrixsatz und konstitutivem Satz vgl. R. B. Lees, op. cit., p. 54—55; W. Hartung, Die zusammengesetzten Sätze des Deutschen (Studia Grammatica IV), Berlin, 1966, p. 62 tt.
29 Zum Lateinischen und Englischen siehe R. Lakoff, op. cit., 75—76; zum Englischen P. S. Rosenbaum, op. cit. 71 tt.; entsprechend werden Sätze mit acc. c. infinitivo in den romanischen Sprachen mitunter als durch Einbettungstransformationen aus Ergänzungssätzen abgeleitet betrachtet, vgl. M. Manoliu Manea, „Accusativus cum infinitivo“ dans les langues romanes (completive ou relative?), „Cahiers de linguistique théorique et appliquée“, VI, 1969, p. 125 tt. samt Lit.
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Obwohl 30dies unmittelbar widerspiegelt, zeigt die Gemeinsamkeit der derivationellen Schemata des GD und des explikativischen Satzes, dass mit beiden Konstruktionen ein gleichartiger und gleichermaßen gliederbarer (segmentierbarer) semantischer Inhalt realisiert wird.
3.3.2. Konstruktionen objektiven Typs werden aus solchen Sätzen gebildet, deren Objekt im ersten (Matrix-)Satz mit dem Subjekt des zweiten (konstitutiven) Satzes übereinstimmt, vgl.: ich sehe den Vater (der Vater ist zurückgekehrt) ⇒ ich sehe den Vater zurückgekehrt. Das Verhältnis dieser Sätze ist also ein anderes als bei der Bildung nichtobjektiver Konstruktionen31. Die Umschreibungsregel für die Nominalphrase lautet hier NP→NS; sie zeigt, dass in die Nominalphrase, die die Grundlage der Konstruktion bildet, sowohl das nominale Objekt als auch der Satz eingehen. Aus denselben Basissätzen lassen sich nach derselben Derivationsregel, aber durch Anwendung einer anderen Transformation, angeschlossene explikativische Sätze mit einem sogenannten proleptischen Subjekt bilden: ich sehe den Vater, dass er zurückgekehrt ist. Solche Sätze sind für die heutige Literatursprache untypisch, kommen jedoch in den Mundarten und in alten Schriften häufig vor, z. B.: nesa anus girdeia, jog g hie lieszuweis kalbeia VEE 782932. Die äußere Form solcher Sätze ähnelt dem Schema der inneren Struktur objektiver GD. Sie können als Synonyme des GD auftreten, z. B.: Nesa kiekwienas girdeia | lieszuwiu sawa yūs kalbanczus VEE 84, vgl. ferner: isz wido Egypczoniey ang žmona, jog buvo labey grėžy ChB (Reinh. 243) und regeia Egypsciakai aną Moterischkę, gražę sanczę BrB I Moz 12, 15 (sahen… das Weib | das sie fast schön war).
3.3.3. Ein proleptisches Handlungssubjekt, das im Satz durch einen vom Verb abhängigen Akkusativ ausgedrückt wird, findet sich in alten Schriften bisweilen auch in den GD selbst.
Tu gerai pasznisti sawa Tie wę ir io Szmones, annus33 stiprus sanczius, ir rustos schirdies BrB II Sam 17,8 (dass sie stark sind). Paszima anis Nikanora amt Scharwo, ghi drauge34 uschmuschtą BrB II Mak 15,28. (sie erkannten Nikanor… dass auch er erschlagen worden war)35. (Ptolemäus) kaltinoia Alexandra, ghi bei giwato sawo ir kardalistes tikousi! BrB I Mak 11,11 (gab A. Schuld | er hätte ihn beinahe ums Leben gebracht). Jei tu nasrais sawa ischpaszisti IEsu | ghi santi Wieschpatimi BrP II 11136.
GD mit proleptischem Subjekt ähneln solchen Dativ-mit-Partizip-Konstruktionen wie ihm noch nicht angekommen, kam ihm sein Diener BrB Jon 4,51, siehe LKK V, 10–11. Die Wiederholung des Objektkasus, die die semantische Beziehung des nominalen Gliedes des GD zum Verb anzeigt, unterstreicht zugleich die Selbständigkeit der Konstruktion, ihren satzartigen Charakter.
Konstruktionen dieses Typs sind auch deshalb von Bedeutung, weil in ihnen die alten Beziehungen zwischen objektivem und nichtobjektivem Typ deutlich werden. Ebenso wie bei Verben der Gruppe 1,
30 Zur semantischen Interpretation der inneren oder Tiefenstruktur vgl. Ch. J. Fillmore, The Case for Case, Universals in linguistic theory, 1968; J. D. McCawley, Concerning the Base Component of a Transformational grammar, in: Foundations of Language, 4, 1968, S. 243–269.
31 Den Unterschied entsprechender englischer Konstruktionen mit der verbalen -ing-Form erklärt Z. Harris ähnlich: Äußerungen wie He saw the car stalling on the tracks (d. h. objektive) betrachtet er als nach dem Schema N₁ V₁ N₂ + N₂ V₂ gebildet, Äußerungen wie I remember the dog barking there (d. h. nichtobjektive) hingegen als nach dem Schema N₁V₁ (N₂ V₂) gebildet; vgl. Z. S. Harris, Co-occurrence and Transformation in Linguistic Structure, The Structure of Language, 1964, S. 178–179.
32 Siehe E. Fraenkel, Kas., S. 156 mit Lit., Pietk. S. 87.
33 Unterstrichen, oben: iós.
34 Unterstrichen, geschrieben: ghi drauge prapulusi.
35 Ähnlich BrB Jer 48, 30.
36 Ähnlich BrP II 24; vgl. ferner BrB II Mak 4,1 mit pakalbėti, siehe 2.1.2.3.
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Der Akkusativ, der das proleptische Subjekt der Partizipialhandlung bezeichnet, hängt manchmal auch vom Verb der Gruppe 2 sakyti ‚sagen‘ ab, z. B.: Sakome išmintį Dievo paslaptų / anu vžusleptu SP II 20537. Doch werden häufiger auch Sätze verwendet, in denen das korrelative Pronomen tatai die Abhängigkeit der gesamten NP-Verbindung, nicht nur ihres nominalen Gliedes, vom Verb hervorhebt, z. B.:
IEsu Kristu / wisso swieto ischgelbethogi uszgimusi tatai (79) verkündete zuerst allen das heilige Engel, der vom Himmel kam BrP I 79–80. Er sagte dies seinen Leuten, die bei ihm waren, als er sah, dass ein Heer herankam BrB II Mak 8, 12 (hielt er es seinen lüden fur… wie ein Heer komen würde).
Ihrer inneren Struktur nach sind diese Konstruktionen nichtobjektisch. Das korrelative Pronomen, das die syntaktische Position des GD im Satz anzeigt, ist hier genauso beibehalten wie mitunter in explikativischen Sätzen, vgl. apsakė tatai, kad jis užgimė38.
Die Selbständigkeit des GD tritt auch in jenen Beispielen deutlich hervor, in denen das Subjekt der Partizipialhandlung im Satz durch eine vom Verb regierte Präpositionalphrase oder einen anderen Kasus (nicht den Akkusativ) ausgedrückt wird. Solche Konstruktionen sind unabhängig von Valenz und Bedeutung des Verbs ebenfalls nichtobjektischen Typs.
Taliaus ape schus Ischmintingus turrim szinoti / anus ne buwusius isch Gimines Szidu BrP I 153. Ir liepe ape ghi apreikschti, ghi treti Poną santį Karalis-taie BrB Dan 5,29 (dass er der dritte Herr sei)39. Isch to galim permaniti / ius ing Kristu tikejusius / ghi esanti… ischgelbetoiu BrP II 387. Todelei mokinkimes… Kristui ischtiketi / ghi galinti isch tos bedos ischgelbeti BrP II 45740.
3.3.4. Der Unterschied zwischen den inneren Strukturen beider GD-Typen lässt sich auch formal anhand der Dependenztheorie bestimmen, die sich in jüngster Zeit als eigenständige Richtung der generativen Grammatik herausbildet41. Die Hierarchie der Komponenten der inneren Struktur des nichtobjektischen GD und des explikativischen Satzes wird durch dieselben Dependenzregeln ausgedrückt42: V (* N); N (* S); sie besagen, dass die vom Verb (V) abhängige nominale Kategorie (N) durch einen Satz (S) realisiert wird. Dieselben Dependenzbeziehungen lassen sich auch in der inneren Struktur entsprechender Konstruktionen und explikativischer Sätze anderer Sprachen feststellen43. Die innere Struktur des objektischen GD hingegen wäre durch die Regeln V (*N), N (* NS) zu kennzeichnen, die besagen, dass die Kategorie N sowohl durch ein Nomen als auch durch einen Satz realisiert wird.
37 ebenso SP II 1825.
38 Zur Struktur explikativischer Sätze mit Korrelatwörtern aus transformationsgrammatischer Sicht siehe Verf., „Baltistica“ VIII (1), 1972, S. 38 ff.
39 Siehe außerdem BrP II 238; BrB Iz 16,6; I Mak 8,1.
40 Ähnlich BrP I 92; siehe außerdem 2.1.3.2. zu žvalgytis BrB Job 35,5 und daboties MT 117s; vgl. auch 2.1.3.4. zu skustis BrB II Mak 14,26.
41 Vgl. D. G. Hays, Dependency Theory: a Formalism and some Observations, „Language“ 40, № 4, (1964), S. 511–525; J. J. Robinson, A Dependency-based Transformational Grammar, in: Actes du X Congress International des Linguistes, Bucarest, 1970, S. 807–813
42 Die Regeln sind nach der Notation von J. J. Robinson formuliert (J. J. Robinson, Dependency Structures and Transformational Rules, „Language“, 46, № 2, 1970, S. 265–266); lediglich die Kategorie T ist durch S ersetzt, um den Vergleich mit den Regeln für Satzstrukturen (phrase structure) zu erleichtern. Die mit Sternchen markierten Striche bezeichnen notwendige Elemente.
43 Zur Identität der inneren Struktur des französischen acc. c. inf. und des explikativischen Satzes aus Sicht der Dependenzgrammatik siehe Б. Ю. Розенцвейг, Об одном типе синтаксической интерфе-ренции, сб.: Фонетика, фонология, грамматика к 70-летию А. А. Реформатского, М. 1971, S. 270–276; zum Verhältnis entsprechender deutscher Konstruktionen und Sätze nach der Valenztheorie (deren allgemeine Prinzipien der Dependenzgrammatik nahestehen) siehe R. Große, Zum Verhältnis von Form und Inhalt bei der Valenz der deutschen Verben, in: Beiträge zur Valenztheorie, Halle (Saale), 1971, S. 126–127.
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3.3.5. Der Unterschied zwischen objektiven und nichtobjektiven GD spiegelt sich nicht immer in ihrer äußeren Struktur wider. Viele Konstruktionen mit kommentierbaren transitiven Verben des 16.–17. Jh. sind für sich genommen mehrdeutig, d. h. sie können aus unterschiedlich zueinander in Beziehung stehenden Sätzen nach verschiedenen Derivationsregeln gebildet sein. Beispielsweise kann die GD regėjot ghy enti VEE 81 aus den Sätzen regėjot [tai] (jis eina) nach der Regel NP→S gebildet sein, als Synonym zu regėjot, kad jis eina; andererseits kann sie auch aus regėjot jį (jis eina) nach der Regel NP→NS44 gebildet sein. Die Voraussetzungen für eine solche syntaktische Homonymie der GD entstanden lange vor Beginn der Schriftlichkeit, als sich die ursprünglichen objektiven Konstruktionen den erläuternden Sätzen mit innerer Struktur NP→S annäherten (zunächst asyndetisch, später syndetisch). Mit den erläuternden Sätzen verband die GD ihre Abhängigkeit von denselben transitiven Verben. Das Verhältnis zwischen dem nominalen und dem partizipialen Glied der GD war ebenfalls von derselben syntaktischen Art wie das Verhältnis zwischen Subjekt und Prädikat des Nebensatzes eines erläuternden Satzes. Der wichtigste Unterschied in der äußeren Form beider Konstruktionen bestand darin, dass das Nominalwort oder Pronomen, das das sekundäre Handlungssubjekt bezeichnete, in der GD-Konstruktion formal durch das Verb determiniert war, das die Haupthandlung bezeichnete, während seine Form im erläuternden Satz davon unabhängig war. In letzterem Fall war dem Verb der gesamte Nebensatz untergeordnet. Dieser Unterschied hinderte die beiden Konstruktionen jedoch nicht daran, im selben Umfeld verwendet zu werden, zumal die Abhängigkeit des Akkusativs vom Verb zunächst eher semantischer Art war.
Mit dem Wandel der Art der Rektion und der Differenzierung zwischen direktem und weiterem Objekt konnte der Akkusativ des Pronomens in Konstruktionen mit Verben wie denken, wissen, sagen, sprechen (z. B.: anis tars, mus nog jų beganczius BrB I Joz 8,6) mus nicht mehr als direktes Objekt des Verbs aufgefasst werden. Solche GD mussten entweder verschwinden oder die syntaktischen Beziehungen ihrer Bestandteile mussten modifiziert werden. Die syntaktische Synonymie mit Erklärungssätzen trug dazu bei, dass solche Konstruktionen erhalten blieben, und weitete ihren Gebrauch sogar auf andere verba sentiendi aus, die den Akkusativ nicht regieren, aber Nebensätze als Erklärungen anschließen können. Als Äquivalent von Erklärungssätzen besetzte GD auch jene syntaktischen Positionen, in denen es zuvor nicht stehen konnte. Je häufiger und geläufiger es war, desto deutlicher trat dieser Analogievorgang hervor. Wie wir gesehen haben, war er im 16.–17. Jahrhundert in der Sprache jener Autoren am weitesten fortgeschritten, bei denen GD insgesamt am weitesten verbreitet war.
Mit der Verbreitung der nichtobjektiven GD wurden Konstruktionen mit transitiven kommentierbaren Verben der Gruppe 1 (matyti, girdėti, pastebėti, jausti, rasti und Ähnliches) ebenfalls als Äquivalente erläuternder Sätze mit innerer Struktur des Typs NP→S verwendet. In solchen Fällen repräsentierte der Akkusativ des Nominalworts oder Pronomens, der die Form eines abhängigen Satzglieds hatte, zugleich das Subjekt des Konstituentensatzes. Da daneben auch die objektive Verwendung dieser Konstruktionen erhalten blieb, wurden sie syntaktisch homonym. Der Typ vieler solcher Konstruktionen in den alten Schriften lässt sich nur anhand der lexikalischen Bedeutung ihrer Glieder und des Kontexts bestimmen. Der Gegensatz zwischen unterschiedlicher innerer und identischer äußerer Struktur machte die grammatische Form der Konstruktion instabil und begünstigte ihre weitere Entwicklung.
44 Zur zweifachen Interpretation entsprechender englischer Konstruktionen mit der -ing-Form vgl. N. Chomsky, Current Issues in Linguistic Theory, in: The Structure of Language, S. 73; A Transformational Approach to Syntax, ebenda, S. 238–239.
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4. Merkmale der weiteren Entwicklung des Akkusativs mit Partizip
Ein Überblick über Struktur und Gebrauch der GD im Alt-Litauischen zeigt, dass sich die beiden Haupttypen dieser Konstruktion – der objektive und der nichtobjektive – seit Beginn der Schriftlichkeit hinsichtlich ihrer inneren Struktur und ihrer synonymischen Beziehungen zu anderen Konstruktionen unterscheiden. Dieser Unterschied wird häufig durch lexikalische und syntaktische Merkmale der Glieder der GD deutlich. Wie bereits erwähnt, bestehen objektive Konstruktionen ausschließlich aus transitiven Verben, die den Akkusativ konkreter und abstrakter Wörter regieren können. Nichtobjektive Konstruktionen können dagegen aus allen kommentierbaren Verben bestehen, unabhängig von ihrer Kasusrektion, und häufig auch aus negierten transitiven Verben, die ansonsten den Genitiv regieren. Auch die Ausdrucksweise des partizipialen und des nominalen Glieds unterscheidet sich. Beispielsweise sind partizipiale Kopulae oder Reflexivpronomen in der Position des nominalen Glieds nur für nichtobjektive Konstruktionen charakteristisch. Hinsichtlich der morphologischen Form der Hauptglieder stimmen jedoch die meisten GD beider Typen zu Beginn der Schriftlichkeit überein. Die weitere Differenzierung dieser Typen lässt sich bereits während der schriftlichen Überlieferung beobachten.
4.1. Nichtobjektive Konstruktionen
4.1.1. Die weitere Entwicklung der nichtobjektiven Konstruktionen wurde stark durch ihre Synonymie mit den sich ausbreitenden erläuternden Sätzen beeinflusst. Die Akkusativform des Partizips, das zum Äquivalent des Verbs im Nebensatz eines erläuternden Satzes geworden war, verlor ihre syntaktische Motivation. Der intensive Gebrauch der nichtobjektiven GD im Alt-Litauischen ließ den Widerspruch zwischen der alten nominalen Kasusform des Partizips und seinem neuen verbalen Prädikat noch stärker hervortreten. All dies schuf günstige Voraussetzungen für die Durchsetzung unflektierter Partizipialformen – der Gerundien.
Das Gerundium drang bereits als ausgebildetes Mittel in die GD ein, um eine sekundäre Handlung auszudrücken, die von einem anderen Handelnden ausgeführt wurde (oder spontan erfolgte). Die allmähliche Verbreitung der Gerundien im 16.–17. Jh. wird gesondert behandelt¹; daher gehen wir hier nicht darauf ein. Es sei lediglich darauf hingewiesen, dass sich in einigen Denkmälern des 16. Jh., besonders in den Schriften von J. Bretke, noch die ersten Phasen dieser Verbreitung erkennen lassen: Gerundien treten gewöhnlich nur mit Adjektiven und Pronomen des Neutrums auf (z. B. regesit tātai prassidėdant BrP I 15₁₀; isch̄tirsíu… ger essant BrB I Sam 20, 12), wobei sie ältere Partizipialformen des Neutrums verdrängen (vgl.: tikra tariu esą BrB II Petr 1, 13), oder sie werden in Konstruktionen ohne den ersten Akkusativ verwendet (gird kẽikent BrB Pat 29, 24); gelegentlich übernehmen sie auch in anderen Fällen die Funktion einer verbalen Kopula (z. B. rassi tikrai tiesą sant BrB Moz 17, 4). Die weitere Verbreitung der Gerundien verlief sehr rasch: In den Schriften des 16. Jh. finden sie sich in nur 3,4% aller GD, im 17. Jh. bereits in 38%. Im 18.–19. Jh. wird die Gerundialform in nichtobjektiven Konstruktionen zur Haupt- und vorherrschenden Form. Nichtobjektive Konstruktionen mit flektierten Partizipien verschwinden allmählich und machen GD mit Gerundien, Relativsätzen und anderen syntaktischen Mitteln Platz.
4.1.2. Das Verschwinden nichtobjektiver Konstruktionen mit flektierten Partizipien und die Durchsetzung der Gerundien werden beim Vergleich von Texten verschiedener Zeiträume deutlich, die aus denselben oder ähnlichen Vorlagen übersetzt wurden. An vielen Stellen, an denen J. Bretke GD mit flektierten Partizipien verwendet, lautet die Überset-
1 Siehe Verf., Galininkas su padalyviu senuosiuose lietuvių kalbos paminkluose, „Baltistica“, IV(2), 1968, S. 195–209 mit Lit.
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Bereits in der Bibel von L. J. Rėza aus dem Jahr 1824 finden wir entsprechende Gerundialkonstruktionen (vgl. Tabelle 3). Vgl.:
Und was sagt ihr, wer ich sei? BrB Luk 9, 20 – was sagt ihr, dass ich sei Bt – was sagt ihr, dass ich sei RB (Vos autem quem me esse dicitis? Wer saget jr aber das ich sey?)².
Šinom, ghi mus klausanti BrB I Jon 5, 15 – žinom, ji mus klausant RB – žinome | jog klauso mus Bt (Wir wissen | das er vns höret; scimus quia audit nos).
Tureio nekurįs Klausimus... ape vieną... kurį Powilas sake giwenantį. BrB Apd 25, 19 – kurį ésant gijwą... sake Bt – sake gywą ésantį RB (Paulus sagete | er lebete; quem affirmabat Paulus vivere).
Er meinte aber, seine Brüder würden es verstehen BrB Apd 7, 25 – er dachte, seine Brüder hätten es verstanden RB – meinte, dass seine Brüder es verstehen würden Bt (Er meinet aber seine Brüder soltens vernemen. Existimabat autem intelligere fratres³).
Girdejot, ghi sirgusi BrB Filip 2, 26 – išgirde sergant ji Bt – girdėje, ji sirgusi RB (gehöret hattet | das er kranck war gewesen; audieratis illum infirmatum).
Von den 102 von J. Bretkūnas verwendeten nichtobjektiven Konstruktionen mit Partizipien wurden in S. Bytners Übersetzung 10 ersetzt, in L. J. Rėzas Bibel dagegen 20. Noch stärker als Gerundialkonstruktionen verdrängen erklärende Sätze den nichtobjektiven GD mit flektierten Partizipien aus dem Gebrauch. Die zunehmende Bedeutung dieser Sätze ist besonders deutlich im Neuen Testament von S. Bytner, wo erklärende Sätze mit jog (gelegentlich kad) mehr als die Hälfte aller von J. Bretkūnas verwendeten GD ersetzen. Einige GD, beispielsweise solche mit norėti, werden nicht durch Gerundialkonstruktionen ersetzt, sondern verschwinden gänzlich; an ihre Stelle treten Wortverbindungen mit dem Infinitiv, z. B.:
Kaip ghis ghi naretų wadinamą BrB Luk 1, 62 – kaip jis norėtų jį vadint Bt – norėtų praminti RB (quem vellet vocari eum; wie er jn wolt heissen lassen).
Ähnlich weicht auch das GD mit einem Personal- oder Reflexivpronomen, das denselben Handlungsträger wie das Verb bezeichnet, nicht Gerundialkonstruktionen, sondern dem Nominativ mit Partizip (nominativus cum participio).
Kurie sakos, sawe Židus sanctius BrB Apr 3, 9 – kurie šákos Žydaís esą Bt – kurrie sakos, esą Žydai RB (die da sagen | sie sind Juden; dicunt se Judaeos esse).
Priesziniks... radidomasi sawe diewu santi4 BrB II Tes 2, 4 – rodidamasis Diewu esąs Bt – sakosi, Diewu ésąs RB (gibt sich für | er sey Gott; tamquam sit Deus).
4.1.3. Mit der Verbreitung von angeschlossenen erläuternden Nebensätzen und anderen synonymen Konstruktionen verengt sich der Gebrauchsumfang der nichtobjektiven GD im Allgemeinen im 18.–19. Jahrhundert. So blieb beispielsweise in S. Bytneris Übersetzung des Neuen Testaments von 1701 der nichtobjektive Typ der GD mit flektierten Partizipien nur an 5 von 102 Stellen erhalten, an denen J. Bretkūnas ihn verwendete; die nichtobjektiven GD (mit Partizipien und Gerundien) machen nur etwa 15% der GD-Entsprechungen bei J. Bretkūnas aus. Ähnliche Ergebnisse ergaben sich auch beim Vergleich mit J. A. Giedraitis’ „Naują Įstatymą“ von 1816, verglichen mit der Übersetzung von J. Bretkūnas.
2 Ähnlich Mork 8, 27, Luk 9, 18.
3 Plg. dar Luk 5, 24; 20, 6; Rom 3, 8; I Kor 14, 23; II Kor 8, 22; 12, 19, Rom 4, 18.
4 sawe ir santi unterstrichen, daneben – essans.
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J. Bretkūno pavartotų GD atitikmenys S. Bytnerio (1701) ir L. J. Rėzos (1824) Naujojo testamento vertimuose
Tabelle 3
Bt 1701
RB 1824
Nichtobjektive
Objektive
Nichtobjektive
Objektive
Akkusativ mit Partizip
5
149
33
160
Akkusativ mit Gerundium
10
6
20
11
Nebensatz
68
14
20
5
Andere Konstruktionen
19
12
29
5
Der nichtobjektive Typ der GD hat sich in der Bibel von J. L. Rėza aus dem Jahr 1824 viel besser erhalten; dort machen Partizipial- und Gerundialkonstruktionen etwa 50% der GD-Entsprechungen aus, die J. Bretkūnas verwendete. Außerdem kommen GD in Rėzas Bibel häufig auch an Stellen vor, an denen J. Bretkūnas andere syntaktische Mittel verwendete. So finden sich allein im Buch Apd hier 36 nichtobjektive GD mit Partizipien und 13 mit Gerundien, also sogar mehr als in J. Bretkūnas’ Übersetzung. Es ist jedoch sehr fraglich, ob eine solche Häufigkeit nichtobjektiver Konstruktionen mit flektierten Partizipien die Tendenzen der damaligen gesprochenen Sprache widerspiegelt. In den Werken K. Donelaitis’, die in einem Dialekt verfasst wurden, in dem GD sehr verbreitet gewesen sein müssen, zeigt sich ein ganz anderes Bild: In den nichtobjektiven Konstruktionen treten hier ausschließlich Gerundien auf. Offenbar wurde der Gebrauch flektierter Partizipien in religiösen Schriften des 19. Jahrhunderts durch die literarische Tradition gestützt, die Änderungen an der Sprache sakraler Texte besonders stark einschränkte. GD mit flektierten Partizipien, die in der älteren Literatur üblich waren, hatten zu jener Zeit vermutlich bereits eine archaische Färbung, die man aus stilistischen Gründen nutzte. Die Bemühungen, die für ältere Schriften charakteristischen sprachlichen Mittel zu erklären, erklären teilweise den häufigeren Gebrauch von GD mit flektierten Partizipien im Werk S. Daukantas’, das ohnehin reich an traditionellen syntaktischen Mitteln ist (vgl. flektierte Partizipien im absoluten Dativ, siehe LKK V 61); dennoch finden sich auch hier in den meisten nichtobjektiven Konstruktionen Gerundien. Dass der nichtobjektive Typ der GD mit flektierten Partizipien in der gesprochenen Sprache des 19. Jahrhunderts bereits selten und an vielen Stellen sogar ganz verschwunden war, zeigen die Schriften von M. Valančius, A. Baranauskas, A. Strazdas, S. Stanevičius u. a., die der Volkssprache näherstehen, sowie die damals aufgezeichnete erzählende Volksdichtung (die gesungene Volksdichtung bewahrte GD mit flektierten Partizipien aufgrund ihrer metrischen und rhythmischen Besonderheiten viel besser). Seit dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich die Literatursprache fest auf dem Fundament der Volkssprache etablierte, verschwanden die nichtobjektiven Konstruktionen mit flektierten Partizipien aus dem aktuellen Gebrauch. Sie sind für die heutige Literatursprache untypisch und werden in der schönen Literatur nur gelegentlich als stilistisch markierte Archaismen verwendet5.
4.1.4. Als Hauptglieder nichtobjektiver Konstruktionen mit Gerundien fungieren in der heutigen Sprache Verben derselben Valenzgruppen (manchmal auch andere Wör-
5 Vgl. Vielleicht dachten deshalb seit jeher, als Gigis noch jünger war, alle, er sei ein Hexer KrėvRg 85; siehe außerdem LTSR MA, Lietuvių kalbos gramatika, II, Vilnius, 1971, S. 363.
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(…wörter), die im 16.–17. Jh. entsprechende Konstruktionen mit flektierten Partizipien bildeten. Am häufigsten werden davon die folgenden verwendet:
Verben der 1. Gruppe sehen, bemerken, hören, vernehmen, zuhören, fühlen, verspüren, finden, zeigen, verdächtigen, die in anderen Fällen auch Objektkonstruktionen bilden, z. B.: Der Berater sah, dass seine ganze Arbeit vergeblich war BsRP 84. Ich bemerkte, dass die Uhr ganz zur Unzeit schlug CvR III 234. Ich höre, dass dein Mädchen mit einem anderen getrunken hat Nm. Als der Vater hörte, dass er eine Arbeiterin nahm, wird er wohl herbeieilen CvR III 41. Andrius hört die Deutsche ihm unverständliche Wörter wiederholen CvR IX 179. Wie fühlte er, dass der Vater sich verhalten würde? LKŽ IV 318. Kastis spürte, wie seine Augen sich mit Tränen füllten ŠRagR III 21. (Der Junge) stellte fest, dass alles den Bach hinunterging BsMt II 207. Das zeigt, dass diese Motive sehr alt sind (trš). Wie kannst du mich verdächtigen, hier eine Egoistin zu sein! ŠRagR III 236.
Verben der 2. Gruppe wissen, verstehen, meinen, glauben; sagen, sprechen, behaupten, mitteilen, die GD mit flektierten Partizipien in der heutigen Sprache überhaupt nicht mehr bilden.
Dass er wüsste, wie die Morgenröte anbricht JD I 201. Er verstand, dass der Vater ein Darlehen erhalten hatte PaukšK 55. Kastis glaubte, dass sie schlief ŠRagR III 124.⁴ Ich hätte nicht geglaubt, dass Cipras nach diesen wenigen Jahren noch so geblieben wäre. ŽemR II 118. Dann sollen die Männer sagen, dass Frauen kein Geld verdienen können VaižgRR II 1689. Die Leute sagten, der Nachbar habe die Kuh verkauft Krs. Die Tochter bestätigte, dass der Vater fast zur selben Zeit zurückgekehrt war (trš.). Der Lakai kommt und meldet, dass jemand mit einem Anliegen eingetroffen ist ŠRagR II 102.
Bei reflexiven Verben der 3. Gruppe sich beraten, hoffen werden Partizipialkonstruktionen sehr selten gebildet; mit sich rühmen, sich freuen, sich beklagen, lernen usw. werden sie überhaupt nicht mehr verwendet. Ziemlich häufig verbinden sie sich jedoch mit einem als Prädikat fungierenden Infinitiv, z. B.: Man hörte, wie Sensen geschärft wurden CvR III 190. Daran war zu erkennen, dass sie eine ausgezeichnete Hausfrau war Sln. Und allmählich begann es den jungen Vidmantai zu scheinen, dass der Vater schuldig war VaižgR VII 40.
Die Partizipialkonstruktionen nehmen hier die Position des Nominativs ein und entsprechen in dieser Hinsicht dem GD in den alten Schriften nach Wörtern der 4. Gruppe. Aufgrund ihrer engen Verbindung mit dem Subjektnominativ erhält ihr nominaler Bestandteil bisweilen selbst die Form dieses Kasus, z. B.: zu sehen, wie ein größeres Schiff vorbeifährt SimonVK I 206⁶ (vgl. ein Schiff ist zu sehen). In der Position des Subjektnominativs stehen sie auch mit prädikativ gebrauchten Adjektiven des Neutrums, passiven Partizipien sowie einigen Verben (scheinen, sich ergeben, sich herausstellen usw.), z. B.: Es war klar, dass ein Gewitter mit Hagel heranzog MPs 43. Noch war nicht erkennbar … dass sie zu einem alten Weib geworden war VaižgRR I 134–135. Nicht umsonst heißt es, der Fuchs sei schlau VaižgRR II 173. Der Gästin scheint, dass man keinen Koch auf der Welt erraten würde … VaižgRR 118. Daraus ergibt sich, dass es zwei Priester gegeben hatte LT I 345.
Den Akkusativ mit Gerundium finden wir im heutigen Litauischen also unter denselben Bedingungen wie nichtobjektive Konstruktionen mit Partizipien in den Schriften des 16.–17. Jahrhunderts. Der Gebrauchsumfang des Akkusativs mit Gerundium im nichtobjektiven Typ ist heute jedoch erheblich enger. In entsprechenden Fällen werden viel häufiger als in der älteren Sprache sinngleiche erklärende Sätze verwendet.
4.1.5. Die Durchsetzung des Gerundiums im GD ist Teil eines allgemeineren Prozesses der Differenzierung attributiver und halbprädikativer Partizipien, der sich auch in anderen Konstruktionen mit obliquen Kasus zeigte. Aus ähnlichen Gründen, jedoch viel früher, erstarrte der Dativ des vorangehenden Stammes flektierter Partizipien im absoluten Dativ-
6 Siehe ebenda, S. 395.
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in der Konstruktion und legte damit den Grundstein für die Partizipialkategorie selbst⁷. Ebenso wie in das GD drang das Partizip auch in die Genitiv-mit-Partizip-Konstruktionen vor, vgl.: nirgendwo bemerkte er, dass sie da war Jrk 112⁸.
Eine ähnliche Durchsetzung unflektierbarer Partizipien (sog. Gerundien, Absolutiva u. Ä.) anstelle halbprädikativer Partizipien ist auch in vielen anderen verwandten Sprachen zu beobachten. Noch weiter ist diesen Weg das Lettische gegangen, in dem auch Formen der Partizipien Präsens Aktiv unflektierbar geworden sind, die auf -m enden und in GD-Konstruktionen breit verwendet werden (vgl. sieht die Sonne untergehen⁹). In den slawischen Sprachen finden sich unflektierbare Partizipialformen im GD bereits in den ältesten Denkmälern (vgl. s. sl. vidiši učenika predaješte Supr 408)¹⁰; ihre endgültige Durchsetzung wurde jedoch durch den Verfall der nichtobjektiven Konstruktionen selbst und deren Ersetzung durch erklärende Sätze verhindert. Der Gebrauch des lateinischen accusativus cum infinitivo mit einer dem litauischen Akkusativ mit konverbalem Partizip ähnlichen Bedeutung, der die Entstehung entsprechender Konstruktionen in den romanischen und teilweise auch germanischen Sprachen begünstigte, ist wahrscheinlich ebenfalls nicht ursprünglich und lässt sich durch die Durchsetzung des Infinitivs anstelle älterer Akkusativformen des Partizips erklären¹¹.
4.1.6. In der Entwicklung des Litauischen beobachten wir auch Tendenzen zu einem weiteren Wandel der syntaktischen Beziehungen im GD. Mit der Durchsetzung des konverbalen Partizips anstelle des Partizipialakkusativs verblasste in nichtobjektiven Konstruktionen die durch Kongruenz markierte Abhängigkeit von P von N endgültig. Das konverbale Partizip erfüllte dieselbe Funktion wie das Verb im Nebensatz eines erklärenden Satzes und wurde zum Hauptglied der NP-Verbindung, das deren syntaktische Beziehungen zum V vertritt. Die unflektierte Form ermöglichte seinen Gebrauch auch ohne Akkusativ eines Substantivs oder Pronomens (bzw. ohne Genitiv). Im älteren Litauischen waren unpersönliche und andere verwandte Konstruktionen ohne N eine der ersten Keimzellen für die Ausbreitung des konverbalen Partizips im GD; in den Sprachdenkmälern des 16.–17. Jahrhunderts machen sie 14,1% aller Konstruktionen mit konverbalem Partizip aus, in den Schriften von J. Bretkūnas, wo diese Ausbreitung gerade erst beginnt, sogar etwa 65%. Im heutigen Litauischen werden Konstruktionen mit konverbalem Partizip ohne Akkusativ sowohl in unpersönlichen als auch in unbestimmt-persönlichen, elliptischen u. a. Äußerungen gebraucht, z. B.:
Ich verstand, dass es nötig war, am Bahnhof zu warten ValPJ 29. Ich spürte, dass es tropfte Grž. Dann hörte ich gleich nebenan jemanden sprechen ŽemR II 52. Ich sah, wie sie sich schlugen Sk. Ich sehe, wie es auf dem prächtigen kleinen Hof emporwächst und grünt KlvD 32¹².
Wenn das konverbale Partizip ohne Akkusativ eines Substantivs oder Pronomens steht, nimmt es in solchen Fällen selbst die Position eines Objektkasus ein, vgl.: Nachdem er ein Stück gegangen war, hörte er ein Schnauben, dann ein Hüsteln und kurz darauf eine erschrockene Stimme CvR III 61.
Der Akkusativ eines Substantivs oder Pronomens, der syntaktisch entbehrlich geworden ist, wird als vom konverbalen Partizip abhängig aufgefasst. Diese Abhängigkeit von N von P tritt am deutlichsten in Konstruktionen mit negierten konverbalen Partizipien hervor, die wie Verben die Genitivform von N bedingen, z. B.:
⁷ Näheres dazu siehe LKK V 15 ff.
⁸ Siehe J. Jablonskis, Rinktiniai raštai, I, S. 473—474; E. Fraenkel, Kas., S. 84 ff.; LTSR MA, Lietuvių kalbos gramatika, II, Vilnius, S. 363, 395.
⁹ J. Endzelins, Latviešu valodas gramatika, Rīgā, 1951, p. 1001 — 1002; LPSR ZA, Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika, I, Rīgā, 1959, p. 664.
¹⁰ W. Vondrák, Vergleichende Slavische Grammatik, ² II, 407.
¹¹ Vgl. A. Hahn, Genesis of the Infinitive with Subject-Accusative, TAPA, 81 (1950), S. 117 ff.
¹² Žr. dar J. Balkevičius, Dabartinės lietuvių kalbos sintaksė, V., 1963, p. 195; LTSR MA, Lietuvių kalbos gramatika, V., 1971, p. 395—396.
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In welchen Häusern man diesen Brauch pflegt, sagt man, dass es das ganze Jahr über keine Flöhe gebe MLLG II 179. Der Fischer sah, dass keine Ordnung herrsche, und tat, wie jener Deutsche es wünschte MLLG I 360 (Š). (Vgl.: du sahst ihn, einen Landarbeiter, nicht gewesen zu sein VaižgRR I 443).
Solche Konstruktionen kommen bereits seit den ältesten Schriften vor, z. B.: die Irrlehrer... zwischen den Sakramenten... keine Trennung vorhanden sei / sondern eine Weise bestehe MT 120₁₆. Anders als bei entsprechenden Konstruktionen mit Partizipien, z. B.: du weißt, dass keiner von uns da ist BrB I Kar 5, 6 (siehe 2.2. 3. 4.), besteht hier keine ausgedrückte wechselseitige syntaktische Beziehung zwischen N und P mehr; nur die Form von N hängt vom Gerundiv ab, nicht aber umgekehrt¹³. Ähnliche Verhältnisse finden sich auch in Konstruktionen, in denen das Gerundiv mit einem partitiven Genitiv steht, z. B.:
Es war in seiner Seele eine gewisse Unruhe zu ahnen VaižgRR I 128. Zuerst meinten auch wir, dass es solche harmlosen Scherze geben werde VaižgRR II 151. Von Haus zu Haus sieht man Menschen in kleinen Gruppen gehen CvR IX 110.
Die hier behandelten Konstruktionen zeigen die Herausbildung eines syntaktischen Beziehungsmodells des GD vom nichtobjektiven Typ:
(5) V → P → N
4.2. Objektkonstruktionen
4.2.1. Für die Entwicklung der Objektkonstruktionen war das Verhältnis zu den erklärenden Nebensätzen von weit geringerer Bedeutung, da ihnen synonymische erklärende Nebensätze mit proleptischem Subjekt (vgl.: ich sehe den Vater zurückkehren und ich sehe, dass der Vater zurückkehrt, siehe 3.3.2.) vergleichsweise selten sind und in der heutigen Literatursprache überhaupt nicht mehr üblich. Zwischen V und N blieb in diesen Konstruktionen das Verhältnis der Kasusrektion erhalten. Mit zunehmender Satzgeschlossenheit und stärkerer Abhängigkeit seiner einzelnen Teile vom Verb wurde auch das partizipiale GD-Glied diesem unmittelbar untergeordnet, siehe 2.1.5.(4). Dieses Modell syntaktischer Beziehungen des objektiven GD, das bereits in den ältesten Schriften begegnet, blieb im Wesentlichen auch im heutigen Litauischen unverändert. Durch die formale Abtrennung des nichtobjektiven GD rückte das objektive GD mit flektierten Partizipien jedoch noch näher an entsprechende Konstruktionen heran, die von Verben ohne phrasale Rektion, d. h. nichtkommentierbaren Verben, abhängen; der Partitiv des Partizips erhielt darin eine deutlichere qualitative Bedeutung.
In der heutigen litauischen Sprache werden Objektkonstruktionen mit flektierten Partizipien am häufigsten von folgenden kommentierbaren Verben der physischen Wahrnehmung aus Gruppe 1 gebildet: sehen, erblicken, ersehen, hören, vernehmen, bemerken, fühlen, spüren, finden, z. B.:
Ich sah ihn oft unter den Größeren umhergehen Maš AMB 78. Wir sehen, dass die Sache der Schafe verloren ist VaižgRR II 158. Als er in der Ferne ein Feuerchen leuchten sah, lief er in jene Richtung LTR. Man hört nur den Wald rauschen JD II 551. Er hörte ein Bienchen heranfliegen. Vrn. Die Mutter bemerkte mich zittern SimonOBT 158–159.
13 In den älteren Schriften kommen auch Übergangsfälle vor, in denen vom selben Verb sowohl eine Konstruktion mit partitivem Genitiv als auch eine mit Gerundiv abhängt, vgl.: S. Powilas... sagt, es gebe keine Schöpfung und sie könne nicht sein (powiada że niemasz stworzenia / y že byc nie może) SP II 114₆. Denn er sieht, dass ihre Macht dahin ist und dass sie beide verschlossen und verlassen sind, sodass sie nicht mehr bestehen BrB V Moz 32, 36 (wird ansehen / das jre Macht dahin ist / vnd beide das verschlossen vnd verlassen weg ist).
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Als ahnte ich schon irgendein hereinbrechendes Unglück … ŽemR IV 474. Die Leute fanden Gugė erfroren KrevRg 25414.
Unter den nicht-kommentierbaren Verben steht in Objektkonstruktionen am häufigsten eines der folgenden als Hauptglied: zurücklassen, antreffen, überraschen, halten, haben, führen, tragen, fahren, werfen, bewachen, helfen, (auf)nehmen, (auf)heben und dergleichen, zum Beispiel:
Jasiulis … ließ Marelė schwer seufzend zurück JD III 1210. Der Hausherr … fing sie noch, bevor sie aus dem Hof gelaufen war CvR II 59. Pi menú hielt die Pferde die ganze Nacht angebunden. LKŽ VII 37. Der Purvinas-Bursche brachte sie völlig erschöpft nach Hause SimonoOBT 70. Er bewachte uns schlafend Šd (MLLG IV 45). Sie konnte das Kind nicht ernähren und legte es eingewickelt am Weg ab CvR III 14.
In solchen Konstruktionen bezeichnet der Akkusativ des Partizips vor allem das Vorhandensein einer bestimmten Eigenschaft des Objekts während der verbalen Handlung15. Somit überwiegt hier die qualitative, adjektivische Bedeutung des Partizips, vgl. ich fand ihn erschöpft | wütend oder sie führte sie unangezogen | nackt hinaus. Andererseits verbreiteten sich in denjenigen Objektkonstruktionen, in denen die verbale Bedeutung des Partizips überwog, bereits während der schriftsprachlichen Überlieferung die Gerundien.
4.2.2. Die Belege aus den alten Schriften lassen vermuten, dass das Gerundium erst dann in Objektkonstruktionen einzudringen begann, als es sich bereits in nichtobjektiven (unpersönlichen) Konstruktionen oder mit Pronomen des Neutrums etabliert hatte. J. Bretkūnas bildet Objektkonstruktionen nur mit flektierten Partizipien; mit wenigen Ausnahmen lässt sich dasselbe über M. Daukša, B. Vilentas und S. Vaišnoras sagen. Im Schrifttum des 17. Jahrhunderts (z. B. in K. Sirvydas’ „Punktai“) finden wir jedoch bereits häufig Gerundien in Objektkonstruktionen; besonders deutlich zeigt sich dieser Gebrauch in B. Chylinskis’ Bibel. In den Schriften K. Donelaitis’ überwiegen Gerundien, wie auch in der heutigen Sprache16, und sie werden frei mit einem Akkusativ verwendet, der von den Verben sehen, hören, vernehmen, fühlen und dergleichen abhängt, zum Beispiel: alle sehen wir im Sommer kräftig zurückkehren DnR 42; die glänzenden Kutschen hören wir rumpeln 28; er hörte die Bauern wechseln 46; erschrecken wir nicht, wenn wir die Unwetter heulen hören 31; im Sommer spüren wir mit den warmen Tagen, wie sie zurückkehren 30.
Da Objektkonstruktionen nach kommentierbaren wie nach nicht-kommentierbaren Verben demselben Modell syntaktischer Beziehungen folgen, drang das Gerundium auch in Letztere ein, besonders in Verbindung mit bedeutungsnahen Verben. So schuf die Etablierung der Gerundien in Konstruktionen mit finden die Voraussetzungen dafür, das Gerundium auch in entsprechenden Ausdrücken mit dem nicht-kommentierbaren Synonym dieses Verbs, überraschen, zu verwenden (z. B.: oft überraschte mich die Arbeit beim Arbeiten DnR 79) oder mit seinem partiellen Antonym zurücklassen (z. B.: ich ließ sie zurück, während sie Gestank verbreiteten DnR 132). In der heutigen Sprache finden wir Gerundien am häufigsten in Konstruktionen mit den nicht-kommentierbaren Verben zurücklassen, antreffen, ertappen, einholen, aufgreifen, fangen, erwischen, packen und dergleichen.
Diese (Mädchen) … ließen ihren Retter im Sprung schlafen BsMt I 186. Sie trafen einen Mann an, der auf einem Pferd herangeritten kam BsV 299. Und sie ertappte das Kind dabei, wie es Federn hatte BsMt I 68. Und der Wolf holte, nachdem er hinausgelaufen war, den Dummkopf ein, der gerade fuhr LB 242. Vielleicht schnappen wir
14 Siehe auch J. Jablonskis, op. cit.; S. 472 ff.; 614–615; J. Balkevičius, op. cit., S. 193 ff.; LTSR MA, Lietuvių kalbos gramatika, II, S. 362–363; ebenda zu entsprechenden Konstruktionen mit dem Genitiv, S. 363–364.
15 Vgl. A. Valeckienė, Predikatyvinis pažyminys kaip atskira sakinio dalis, LKK IX, S. 99 und Fußnote 13.
16 Siehe J. Jablonskis, op. cit., S. 321–322, 472; J. Balkevičius, op. cit., S. 193 ff.; LTSR MA, Lietuvių kalbos gramatika, I, S. 392 ff.
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jenen Dieb beim Stehlen J (LKŽ II 115) Gyrūnas ärgert sich, wenn man ihn beim Lügen ertappt KrėvP III 11. Einmal erwischte ihn sein Vater im Garten beim Rübenausreißen LzPR II 138. Sie packten ihn beim Lügen Upt.
Wie wir sehen, werden Gerundialkonstruktionen nicht mit allen Verben gebildet, die als Hauptglieder entsprechender Partizipialkonstruktionen auftreten können, sondern nur mit jenen, die semantisch mit den kommentierenden Verben verbunden sind. Von den kommentierenden Verben der Gruppe 1, die physische Wahrnehmung bezeichnen, können hingegen sowohl Partizipial- als auch Gerundialkonstruktionen abhängen. Ihre Bedeutung ist jedoch nicht völlig gleich. Ist der Wahrnehmungsgegenstand die Handlung selbst, werden gewöhnlich Gerundialkonstruktionen verwendet, bei einer Eigenschaft dagegen Partizipialkonstruktionen (oder Adjektivkonstruktionen). Die Bedeutungen beider Konstruktionen werden bereits bei K. Donelaitis klar unterschieden, vgl.: doch andere unter ihnen… purzelten über die Köpfe und fanden ebenfalls, während sie im Hof herumwühlten, den Dummkopf DnR 99 und sie fanden das Bettzeug überall sehr durchnässt 22. Auch in den Konstruktionen des heutigen Litauischen mit Gerundium überwiegt bei der abhängigen Konstituente die verbale, mit Partizip dagegen die adjektivische Bedeutung, vgl.: ich sah den Bruder zurückkehren KlvD 138 und die Frau… sah den Mann kommen CvR IX 114. Somit nähern sich die objektbezogenen Konstruktionen mit Gerundien ihrer Bedeutung nach den entsprechenden nichtobjektbezogenen Konstruktionen an (vgl. 4.1.4.). Dieser Prozess der Bedeutungsdifferenzierung objektbezogener Konstruktionen ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen; in vielen Fällen können Gerundium und Partizipialakkusativ hier mit nur geringfügigem Bedeutungsunterschied miteinander wechseln.
4.2.3. Eine ähnliche Differenzierung entsprechender Konstruktionen finden wir auch in anderen indogermanischen Sprachen. Der lateinische accusativus cum participio und der accusativus cum infinitivo nach Verben der physischen Wahrnehmung wie video, audio usw., zum Beispiel: eum audivi cane-u tem / canere oder eum vidi ingredientem / ingredi17, unterscheiden sich nahezu durch denselben Bedeutungsnuance wie litauisch girdžiu jį dainuojantį / dainuojant oder matau jį įeinant / įeinantį. Ein ähnlicher Unterschied zwischen objektbezogenen Kasuskonstruktionen mit einer -ing-Form (die unseren Partizipien nahekommt) und dem Infinitiv hat sich auch im Englischen herausgebildet18.
4.3. Aus der Übersicht über den GD geht hervor, dass sich die syntaktischen Beziehungen seiner Glieder in dieselbe Richtung verändert haben wie bei anderen Partizipialkonstruktionen mit obliquen Kasus. Diese Veränderungen wurden vor allem durch folgende allgemeinere Entwicklungstendenzen des syntaktischen Systems bedingt:
a) die allmähliche Unterordnung halbprädikativer Konstruktionen unter das Verb, verbunden mit einer zunehmenden Geschlossenheit und Einheitlichkeit des Satzes;
b) die Verstärkung der verbalen Rektion und die Abgrenzung regierter von angefügten Konstruktionen;
c) die Differenzierung der Formen, die halbprädikative und attributive Beziehungen ausdrücken.
Eingegangen
1973.III.12
17 Siehe O. Riemann, Syntaxe latine d’après les principes de la grammaire historique, Paris, 1927, S. 536. Vgl. auch den von A. Hahn angeführten Bedeutungsunterschied zwischen Infinitiv und Partizip in den Schriften des Plautus: Der Infinitiv bedeutet „perceive that“, das Partizip dagegen „perceive someone doing something“. Siehe A. Hahn, Genesis of the Infinitive with Subject-Accusative, TAPA, 81 (1950), S. 125.
18 Vgl. K. Yamakawa, The Two Constructions: ”Accusative and Participle“ and ”Genetive and Gerund“, ”Annals of the Hitotsubashi Academy“, Tokyo, 1957, V. 8, № 1, S. 44—45, 47, 62.
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В. АМБРАЗАС
STRUKTUR UND GEBRAUCH DES AKKUSATIVS MIT PARTIZIP (ACCUSATIVUS CUM PARTICIPIO) IM ALTLITAUISCHEN
Zusammenfassung
Die strukturelle und genetische Grundlage des Akkusativs mit Partizip (im Folgenden AP) bilden Konstruktionen mit doppeltem Akkusativ, in denen der erste Akkusativ eines Nomens oder Pronomens unmittelbar vom Verb abhängt, während der zweite Akkusativ eines Nomens, Pronomens oder Partizips mit dem ersten in einer halbpraedikativischen Beziehung steht, z. B.: Kat sakei ie tawa Seser? BrB I Moz 12, 19. Von allen Varianten des doppelten Akkusativs fand der AP im Altlitauischen die größte Verbreitung und durchlief einen eigenständigen Entwicklungsweg.
Relikte des präpositionslosen Akkusativs in der Bedeutung eines indirekten Objekts bei den Verben kalbėti, sakyti, byloti, skelbti, rašyti, girdėti, klausyti, žinoti, mąstyti in Denkmälern des 16.–17. Jahrhunderts (z. B.: kalbame išzminti ChB I Kor 2, 6; girdeiom… darbus BrP I 231) bestätigen die Annahme von A. A. Potebnja und E. Tangl, dass das nominale Glied (N) der Konstruktion ursprünglich vom Verb (V) abhing, und ermöglichen die Rekonstruktion eines einheitlichen primären Modells der syntaktischen Beziehungen des AP: V→N←→P. Dieses Modell ist durch einige alte Merkmale des indogermanischen Satzes motiviert: den semantischen Charakter der Verbindung der Kasusformen mit dem Verb, den freieren Gebrauch appositiver, dem Satz nahestehender Konstruktionen sowie die Funktion eines sekundären Prädikats, die für ihrer Herkunft nach nominale Partizipialformen charakteristisch ist.
Die Analyse der syntaktischen Form und des Gebrauchs des Akkusativs mit Partizip wurde in dieser Arbeit auf der Grundlage nahezu aller derzeit verfügbaren schriftlichen Denkmäler des Litauischen aus dem 16.–17. Jahrhundert durchgeführt. Die Klassifikation und statistische Beschreibung der Verben, die als Hauptkomponente des AP auftreten, finden sich in Tab. 1 und 2.
Fast die Hälfte der AP-Konstruktionen in altlitauischen Texten bilden Verben, die ein Objekt im Akkusativ sowohl mit konkreter als auch mit abstrakter Bedeutung regieren. Dazu gehören Verben der physischen Wahrnehmung matyti, regėti, veizdėti, išvysti, girdėti, išgirsti, klausyti, jausti, pajusti, rasti und Ähnliches, Verben des Zeigens rodyti, ženklinti sowie einige Verben der geistigen Tätigkeit: pažinti, atminti, laikyti. Die meisten von ihnen haben die direkte Objektbeziehung zum nominalen Glied des AP noch bewahrt. In fast 41% dieser Fügungen kann der Akkusativ des Nomens oder Pronomens jedoch nicht mehr als direktes Objekt des Verbs gelten. In solchen Fällen treten die genannten Verben der physischen Wahrnehmung mit einer historisch sekundären Bedeutung geistiger Wahrnehmung auf.
Ebenfalls weit verbreitet sind AP-Konstruktionen mit Verben der geistigen Tätigkeit, die gewöhnlich nur abstrakte Objekte regieren: žinoti, suprasti, manyti, mąstyti, dingoti, sapnuoti, tikėti, nulemti und andere. Eine direkte Objektbeziehung zwischen dem Verb und dem Akkusativ eines Nomens oder Pronomens findet sich hier nur in vergleichsweise seltenen Fällen archaischen Charakters.
18. 520
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Die unmittelbare Abhängigkeit des ersten Akkusativs (N) vom Verb wird schon in den ältesten Denkmälern häufig durch die phrasale Rektion der Gesamtkonstruktion ersetzt, wodurch der AP mit Verben verbunden wird, die den Akkusativ nicht regieren können und offenbar auch niemals regieren konnten, z. B. mit reflexiven Verben des Vermutens tikėtis, tartis (palaima padetą tikis DP 596), mit unpersönlichen Zustandsverben rodytis, regėtis, rastis (regissi [iums] mane walgantį BrB Tob 12, 19) und anderen. In der altlitauischen Schriftlichkeit hängt der AP auch von einem Partizip Neutrum in Prädikatsfunktion ab, z. B. žinoma, giedama, rašoma, kalbama, randama… sakyta, parašyta, regėtina (yra, buvo), und in einigen Fällen sogar von Substantiven garsas, stebuklas, nusitikėjimas, sententencija, dimos, gromata. Der verbreitete Gebrauch einer partizipialen Kopula (z. B.: kosznas tare, diena sancze BrP 337) bezeugt ebenfalls die Veränderung der syntaktischen Beziehungen, die sich durch das Schema V→(N←—→P) darstellen lässt.
Infolge der Satzzentralisierung lässt sich eine Veränderung der syntaktischen Beziehungen auch in Konstruktionen beobachten, in denen die Objektabhängigkeit des nominalen Akkusativs (N) von Verben wie regėti, matyti, jausti, rast usw. erhalten geblieben ist. Das Partizip, das sich nur auf das Nomen bezieht, tritt nun auch mit dem Verb in Beziehung, und die Konstruktion erhält die typische Form einer dreigliedrigen Wortgruppe:
Das Partizip in der untersuchten Konstruktion besitzt alle konstruktiven Eigenschaften des Verbs. Aktivpartizipien werden hier als Äquivalente einfacher finiter Verbformen verwendet, Passivpartizipien als Äquivalente periphrastischer Passivformen. Anders als in vielen anderen indogermanischen Sprachen treten Aktiv- und Passivpartizipien auch in Zukunftsformen auf. Besonders verbreitet sind AP-Konstruktionen mit Partizipien des Verbs būti, die Verbindungen bilden, die funktional den zusammengesetzten Prädikatsformen entsprechen, und in der altlitauischen Schriftlichkeit etwa 20% aller AP-Konstruktionen ausmachen.
Die Untersuchung der syntaktischen Struktur des AP führt zu dem Schluss, dass die altlitauische Konstruktion hinsichtlich der Komplexität ihrer grammatischen Form, der semantischen Vielfalt der Verben und der Breite ihres Anwendungsbereichs die entsprechenden Konstruktionen anderer verwandter Sprachen übertrifft. Die aus der indogermanischen Sprachgemeinschaft ererbten Möglichkeiten der Bildung und Verwendung dieser Konstruktion entwickelten sich im Altlitauischen besonders reichhaltig, weshalb der AP Funktionen übernahm, für die viele andere verwandte Sprachen Infinitivkonstruktionen und Nebensätze verallgemeinert haben.
Seiner Tiefenstruktur nach, die durch die Transformationsanalyse erschlossen wird, entspricht der AP des Altlitauischen einem Objektsatz. Die meisten AP-Konstruktionen in den Denkmälern des 16.–17. Jahrhunderts sind nach der Derivationsregel NP→S gebildet. AP-Konstruktionen mit Objektabhängigkeit bewahrten eine Tiefenstruktur des Typs NP→NʹS, die ebenfalls charakteristisch ist
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für explikative Sätze mit proleptischem Subjekt. Die innere strukturelle Nähe zwischen dem A.c.P. und dem explikativen Satz bildete die Grundlage für ihren weitreichenden synonymischen Gebrauch und spielte eine wichtige Rolle bei der weiteren Entwicklung der untersuchten Konstruktion.
Die Umgestaltung der syntaktischen Beziehungen innerhalb der Konstruktion schuf günstige Voraussetzungen für das Eindringen unflektierbarer Partizipialformen auf -nt und -us-, der sogenannten Gerundien. Gerundien dringen als bereits fertiges, ausgeprägtes Ausdrucksmittel für halbprädikative-adverbiale Beziehungen in den A.c.P. ein. Zunächst erscheinen sie mit Adjektiven und Pronomen im Neutrum sowie in Konstruktionen ohne erstes Akkusativglied; im XVII. Jahrhundert verbreiten sie sich jedoch sehr rasch auch in Konstruktionen mit einem ersten Akkusativ der Maskulina und Feminina. Während Gerundien in allen für die Untersuchung verfügbaren Denkmälern des XVI. Jahrhunderts nur in 3,4% der Konstruktionen nachgewiesen wurden (Verhältnis 76: 2.177), waren es im XVII. Jahrhundert bereits 38% (349: 571).
In den Schriftzeugnissen des X