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Материалы к истории литуанистики из архива И. И. Срезневского

Г. К. Венедиктов

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LIETUVIŲ TERMINOLOGIJA LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA G. K. VENEDIKTOV MATERIALIEN ZUR GESCHICHTE DER LITUANISTIK AUS DEM ARCHIV VON I. I. SREZNEVSKIJ Im überaus reichen Archiv von I. I. Sreznevskij, das vor allem für die Erforschung der Geschichte der Slawistik von großem Interesse ist, befinden sich viele wertvolle Materialien auch zur Geschichte anderer Bereiche der Philologie und Geschichte, darunter zur Geschichte der Lituanistik im Russland des 19. Jahrhunderts. In dem Teil dieses Archivs, der im Zentralen Staatlichen Archiv für Literatur und Kunst in Moskau (ZGALI) aufbewahrt wird (F. 436, Verz. 1, Aufbewahrungseinheit 1433), befinden sich 34 Briefe des litauischen Sprachwissenschaftlers sowie Sammlers und Herausgebers litauischer Volkslieder Jonas Juška (Ivan Vasil’evič Juškevič), die er I. I. Sreznevskij in den Jahren 1856–1878 schrieb. Neben einigen autobiografischen Angaben enthalten diese Briefe sehr interessantes Material zu J. Juškas Beschäftigung mit Fragen der litauischen Sprache, insbesondere der litauischen Dialektologie, und der Folklore. Zehn Briefe, die bisher außerhalb des Blickfelds der Wissenschaft geblieben waren, werden in Band II der „Baltoslawischen Studien“ (Moskau, „Nauka“, 1974) veröffentlicht. Hier veröffentlichen wir drei Materialien, die J. Juška I. I. Sreznevskij zu verschiedenen Zeitpunkten ihres Briefwechsels zugesandt hat. Sie sind von erheblichem eigenständigem Interesse für die Charakterisierung der frühen Beschäftigung J. Juškas und seines Bruders Antanas mit der litauischen Sprache sowie für die Anfänge der Erforschung dieser Sprache in Russland. 1. Das von J. Juška zusammengestellte Wörterbuch der Sanskrit-litauischen Entsprechungen, auf das, soweit uns bekannt ist, in der vorhandenen Literatur über J. Juška nicht hingewiesen wird, wurde I. I. Sreznevskij mit einem Brief vom 3.1.1856 zugesandt – dem zeitlich ersten der Briefe J. Juškas an den russischen Slawisten, die im ZGALI aufbewahrt werden. Es wurde folglich bereits Ende 1855 zusammengestellt. J. Juška gab dem Wörterbuch keinen Titel; es umfasst sechs Blätter. Das Material ist in zwei Spalten auf Vorder- und Rückseite der Blätter in der (alphabetischen) Reihenfolge angeordnet, in der es im Folgenden veröffentlicht wird. Die im Manuskript mit den Ziffern 1, 3, 4 und 2 gekennzeichneten Wörter mit dem Anfangsbuchstaben „T“ sind hier an der Stelle belassen, die sie im Wörterbuchmanuskript einnehmen. Wie aus dem Wörterbuchtext hervorgeht, hat J. Juška für eine Reihe litauischer Wörter keine Sanskrit-Entsprechungen angegeben. Die im Manuskript in einer Zeile aufgeführten Wörter ugnis und uksusas werden hier jeweils in einer eigenen Zeile wiedergegeben. 203 Entgegen J. Juškas Behauptung, er habe „jedes litauische Wort“ mit einem Akzent versehen (siehe unten), ist tatsächlich eine ganze Reihe litauischer Wörter im Wörterbuch ohne Akzent angegeben. Der gesamte nicht-russische Teil des Wörterbuchs der litauisch-sanskritischen Entsprechungen sowie die beiden anderen Materialien werden hier ohne jegliche Änderung der Orthografie veröffentlicht. Der russische Teil aller Materialien wird hingegen gemäß den Normen der modernen Orthografie wiedergegeben, mit Ausnahme charakteristischer Fehler (oder Schreibversehen) J. Juškas, die eigens gekennzeichnet werden. Unsere Ergänzungen zum Text (Auflösung von Abkürzungen u. a.) stehen in eckigen Klammern. Der Anlass, der J. Juška zur Zusammenstellung des Wörterbuchs der litauisch-sanskritischen Entsprechungen bewog, der Zweck, den er damit verfolgte, und die Quellen des litauischen Materials werden von J. Juška selbst in seinem Brief (1) an I. I. Sreznevskij1 vom 3.1.1856 ausführlich dargelegt. Im Grunde handelt dieser Brief – natürlich abgesehen von der üblichen Anrede an den Adressaten und dem Schluss des Briefes mit der Formel „höchster Achtung und Ergebenheit“ – gerade von dem zusammengestellten Wörterbuch. Folgendes schrieb J. Juška selbst dazu2: „Als ich in den Nachrichten der Zweiten Abteilung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Hilferdings Untersuchung3 las, die den Vergleich der slawischen und der Sanskritsprache zum Gegenstand hat, stieß ich auf zahlreiche Sanskritwurzeln und -wörter, die entweder den litauischen vollkommen ähnlich sind oder ihnen sehr nahekommen, sowohl hinsichtlich der von ihnen ausgedrückten Begriffe als auch ihrer lautlichen Gestalt. Ohne es zu wagen, aus den vorliegenden Angaben eigene Schlussfolgerungen zu ziehen, beschränkte ich mich darauf, sie zu sammeln, in der Annahme, damit Material zusammenzutragen, das für philologische Untersuchungen mehr oder weniger geeignet sein könnte. Die Sanskritwörter entnahm ich dem oben erwähnten Aufsatz von A. Hilferding, die litauischen hingegen der lebendigen litauischen Mundart, die von den Litauern im nordöstlichen Teil des Kreises Raseiniai und im westlichen Teil des Kreises Kaunas gesprochen wird und mir als dort Gebürtigem vertraut ist, mit Ausnahme einiger Wörter (abida, ajszkus, bar’wa, biloti, griowis, kute, kusziti, lobis, pota und stegti), die dem Werk Giwatas Didiuju Karwajdu senowes. T. Dewinakis (Übersetzung von Cornelii Nepotis Vitae Excellentium Imperatorum)4 entnommen sind. Auf jedes litauische Wort habe ich den Akzent gemäß der örtlichen Aussprache gesetzt.“ 1 Zur Erleichterung späterer Nachweise (nach der Veröffentlichung der Briefe in den erwähnten „Baltoslawischen Studien“) wird hier in Klammern die laufende Nummer der Briefe gemäß ihrer Veröffentlichung in dieser Sammlung angegeben. 2 ZGALI, F. 436, Verz. 1, Aufbewahrungseinheit 1433, Bl. 1. 3 Die hier erwähnte „Untersuchung Hilferdings“ (im Folgenden: „Aufsatz von A. Hilferding“) ist „Der Vergleich der slawischen Sprache mit dem Sanskrit“ (von A. Hilferding, veröffentlicht in den „Beilagen zu den Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in der Abteilung für russische Sprache und Literatur“, Bd. II, 1853, in der Reihe „Denkmäler und Proben der Volkssprache und Literatur“). 4 Die Übersetzung von T. Dewinakis, d. h. S. Daukantas, des Werkes „Giwatas Didiuju Karwajdu senowes“, aus dem J. Juška die genannten zehn Wörter entnahm, erschien 1846. Wie aus J. Juškas Brief (2) an I. I. Sreznevskij vom 17.1.1856 hervorgeht, hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits die litauischsprachigen Bücher „żiwatas Jezaus Kristaus“ und „żemaitiu wiskupiste“ (1848) von M. Valančius („Bischof Wołonczewski“) sowie „einige kleinere Übersetzungswerke des Herrn Dowkont (d. h. S. Daukantas, – G. V.), die unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlicht wurden“ gelesen (ZGALI, F. 436, Verz. 1, Aufbewahrungseinheit 1433, Bl. 7). Zu den letztgenannten gehörte auch das im Brief erwähnte 204 Das Wörterbuch litauisch-sanskritischer Entsprechungen scheint auf I. I. Sreznevskij einen günstigen Eindruck gemacht zu haben, worüber er J. Juška unmittelbar nach Erhalt des Briefes mit den Wörterbuchmaterialien unterrichtete. Dies lässt sich daraus schließen, dass J. Juška in seinem Antwortbrief vom 17.1.1856, also genau zwei Wochen nach Absendung des ersten Briefes, I. I. Sreznevskij aufrichtig für seine Rückmeldung und seine Ratschläge dankte. „Meinen aufrichtigsten Dank spreche ich Ihnen aus, mein verehrter Herr Izmail Ivanovič“, schrieb er, „für die wohlwollende Aufmerksamkeit, die Sie meinem ersten Versuch auf dem Gebiet der Philologie entgegengebracht haben, und für die Mitteilung jener Ihrer Ratschläge und Hinweise, durch deren Anwendung unsere jungen Gelehrten der Wissenschaft bereits wesentlichen Nutzen gebracht und sich in der gelehrten Welt ein angesehenes Ansehen erworben haben“5. Die wohlwollende Haltung I. I. Sreznevskijs gegenüber J. Juškas erstem wissenschaftlichen Versuch, der damals als Lehrer am Gymnasium in Novgorod tätig war, ermutigte den angehenden Litauisten zweifellos und bestärkte ihn in seinem Wunsch, die Erforschung seiner Muttersprache fortzusetzen. Über seine wissenschaftlichen Pläne schrieb J. Juška an I. I. Sreznevskij: „… Nachdem ich einen beträchtlichen Vorrat an Materialien zusammengetragen habe, beabsichtige ich, mich an den Versuch zu machen, eine vergleichende litauische Grammatik zu verfassen und dabei den Versuch einer vergleichenden Grammatik der russischen Sprache zugrunde zu legen, der von der zweiten Abteilung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wurde. Bin ich einer derart gewaltigen Arbeit gewachsen, und werde ich sie angemessen ausführen können? Ich weiß es nicht. Ich kann jetzt nur sagen, dass der Gedanke, ein geschlossenes System der Gesetze der litauischen Sprache im Einklang mit den allgemeinen Gesetzen der menschlichen Rede darzustellen, mein ganzes Wirken auf diesem Gebiet belebt und dass diese Arbeit augenblicklich zu meinen angenehmsten Beschäftigungen zählt“6. 2. Ein weiteres hier veröffentlichtes Material sind Probeartikel des „Litauischen Wurzelwörterbuchs“, an dem J. Juška viele Jahre lang beharrlich arbeitete. Dass J. Juška ein „Litauisches Wurzelwörterbuch“ hinterließ, ist schon seit Langem bekannt. Als Antwort auf einen Brief des „Superintendenten der Diözese Ragnit, K. A. Jordan“, verfasste I. I. Sreznevskij im Auftrag der Abteilung für russische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften eine „Denkschrift“, die in einer Sitzung der Abteilung im Juni 1857 verlesen und noch im selben Jahr veröffentlicht wurde7. In dieser Denkschrift heißt es unter anderem: „… Seinerzeit hatte ich die Ehre, der Abteilung von einem anderen Kenner der litauischen Sprache zu berichten, der sich mit ihrer Erforschung befasste, Herrn Juškevič; die Arbeiten von Herrn Juškevič wurden von der Abteilung gebilligt und nicht- das Buch „Giwatas Didijų Karwajdu senowes“ vom 3.1.1856. Alle diese Bücher hatte J. Juška im Sommer 1855 während seines Aufenthalts in Litauen erworben; es waren die ersten litauischsprachigen Bücher, mit denen er seine wissenschaftliche Beschäftigung mit der Litauistik begann. In dem hier zitierten Brief vom 17.I.1856 schrieb er an I. I. Sreznevskij: „Seit Langem hege ich den sehnlichen Wunsch, mich mit der gründlichen Erforschung der litauischen Sprache zu befassen, doch besaß ich kein einziges litauisches Büchlein. Im vergangenen Sommer gelang es mir, das Gouvernement Kowno zu besuchen und einige neuere litauische Bücher zu erwerben, mit denen ich meine Studien begann; doch fehlten mir nach wie vor ein litauisches Lexikon und eine Grammatik“ (ebd.). 5 Zentralstaatliches Archiv für Literatur und Kunst, Bestand 436, Findbuch 1, Akte 1433, Bl. 7. 6 Ebd. 7 Siehe den Abschnitt „Auszüge aus den Protokollen“ in „Nachrichten der Akademie der Wissenschaften, Abteilung für russische Sprache und Literatur“, Bd. VI, 1857, S. 254—255. 205 die in den Nachrichten veröffentlicht wurden. Nun bringt er seinen Versuch eines litauischen Wurzelwörterbuchs zum Abschluss, für das er den Reichtum der Volkssprache verschiedener Gegenden Litauens nutzte. Es ist zu hoffen, dass die Arbeit von Herrn Juškevič eine bedeutende Bereicherung der russischen linguistischen Literatur darstellen und, sofern sich die Umstände nicht ändern, wahrscheinlich unter der Schirmherrschaft der zweiten Abteilung der Akademie erscheinen wird8 (Kursivierung von uns, — G. V.). I. I. Sreznevskij war der Ansicht, dass es zur „Vervollkommnung dieser Arbeit“ von J. Juška wünschenswert sei, „Hilfsmittel von außen“ heranzuziehen, unter denen die Wörterbuchmaterialien von K. A. Jordan einen „hervorragenden Platz“ einnehmen könnten. In diesem Zusammenhang schlug I. I. Sreznevskij vor, sich mit der Bitte an K. A. Jordan zu wenden, der Abteilung seine Materialien „ohne jegliche Bedingungen, lediglich als freiwillige Schenkung“ zur Verfügung zu stellen9. Eine Kopie der hier zitierten Denkschrift I. I. Sreznevskijs wurde auf Beschluss der Abteilung dem amtierenden ständigen Sekretär, Akademiemitglied K. A. Veselovskij, zur Weiterleitung an Jordan übersandt; ihr weiteres Schicksal wie auch ihre Folgen sind unbekannt10. Im Juni 1861 teilte I. I. Sreznevskij der Abteilung für russische Sprache und Literatur mit, dass von J. Juška „in naher Zukunft die Fertigstellung eines Litauischen Wurzelwörterbuchs zu erwarten sei, das den Bedürfnissen der slawischen Sprache Rechnung trägt“11. Mit diesen vor mehr als 100 Jahren von I. I. Sreznevskij mitgeteilten Angaben erschöpft sich im Wesentlichen auch heute noch unser Wissen über das „Litauische Wurzelwörterbuch“. Einzelheiten über das Werk selbst und sein Schicksal sind nicht bekannt. Unter den erhaltenen Handschriften J. Juškas ist das „Litauische Wurzelwörterbuch“ nicht verzeichnet12. Es wurde vermutet, dass J. Juška es nicht vollendet habe13 oder dass die Abteilung für russische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften, nachdem sie es erhalten hatte, es aus irgendeinem Grund nicht veröffentlichte14. Die zur Veröffentlichung in den „Baltisch-slawischen Forschungen“ vorbereiteten Briefe J. Juškas an I. I. Sreznevskij und die nachstehend veröffentlichten Probeartikel des „Litauischen Wurzelwörterbuchs“ enthalten Material, das eine genauere Beurteilung des Inhalts dieses Werkes J. Juškas und des Arbeitsverlaufs daran ermöglicht. Zum ersten Mal erfahren wir von J. Juškas Arbeit am „Litauischen Wurzelwörterbuch“ aus seinem Brief (10) an I. I. Sreznevskij vom 8.XII.1856. Darin schrieb er, dass die gleichzeitig mit dem Brief übersandte „Arbeit“15 als „Einleitung 8 Ebd., vgl. S. 255. 9 Ebd. 10 Diese Kopie selbst, datiert auf den 20. Juni 1857 und heute im Bestand des Akademiemitglieds A. Kuniks im Archiv der Akademie der Wissenschaften der UdSSR (Leningrad) aufbewahrt, wurde kürzlich veröffentlicht in: B. Tolutienė, A. Juška leksikografas, — „Literatūra ir kalba“, V, Vilnius, 1961, S. 291—292. 11 Nachrichten der Akademie der Wissenschaften, Abteilung für russische Sprache und Literatur, Bd. X, 1861—1863, S. 158. 12 B. Tolutienė, A. Juška leksikografas, S. 364. 13 B. Tolutienė, A. Juška leksikografas, S. 124, 128; siehe auch: Mažoji lietuviškoji tarybinė enciklopedija, Bd. I, A—J, Vilnius, 1966, S. 728. 14 B. Tolutienė, A. Juška leksikografas, S. 124. 15 Gemeint sind vermutlich seine „Anmerkungen zu den Eigenschaften der litauischen Sprache“, die später, 1861, unter dem Titel „Ape kalbtas lietuviszko ležuvo“ („Über die Mundarten der litauischen Sprache“) in den „Materialien für ein vergleichendes und erklärendes Wörterbuch und eine Gram- 206 für die geplante Wurzelsammlung der litauischen Sprache 16. Hier teilte J. Juška auch mit, dass er bereits „600 litauische Wurzeln gesammelt“ habe und daran denke, „zunächst in einem bestimmten System einen Katalog litauischer Wurzeln zusammenzustellen und sich erst danach mit ihrer Durchsicht zu beschäftigen“17. Daraus folgt, dass J. Juška bereits 1856 mit der Arbeit an der „Wurzelsammlung“ begann. Möglicherweise dienten ihm als ursprüngliche Wörterbuchgrundlage für die Arbeit an der „Wurzelsammlung“ die Materialien, die er bei der Zusammenstellung eines Wörterbuchs der Sanskrit-litauischen Entsprechungen und beim Verfassen einer Rezension zu A. Schleicher’s Buch „Handbuch der litauischen Sprache, I. Grammatik“ (Prag, 1856) gesammelt hatte. Diese Rezension war zunächst in den „Mitteilungen der Akademie der Wissenschaften, Abteilung für russische Sprache und Literatur“ (Bd. V, 1856)18 gedruckt worden. Einen beträchtlichen Teil des Materials für die „Wurzelsammlung“ entnahm J. Juška der „Litauischen Bibel“. Dieses Buch lieh ihm I. I. Sreznevskij aus seiner Bibliothek, als J. Juška ihn Ende 1856 besuchte19. Mit der Arbeit daran begann J. Juška Anfang Januar 1857, also unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Petersburg. Er begann mit der Lektüre des Neuen Testaments, um die litauische Sprache mit der slawischen anhand des Ostromir-Evangeliars vergleichen zu können, das ihm vorlag. Bis Mitte Februar hatte er bereits mehr als zwei Drittel der gesamten Heiligen Schrift gelesen. Der Brief (12) vom 19.II.1857, in dem J. Juška I. I. Sreznevskij davon berichtet, enthält auch interessante Angaben dazu, wie er Beispiele aus der „Litauischen Bibel“ exzerpierte. „Beim Lesen“, schrieb er, „unterstrich ich jeden Satz, in dem ich ein neues Wort fand oder ein Wort, dessen Bedeutung unklar war oder das eine andere Bedeutung hatte. Die Abschrift der unterstrichenen Sätze übertrug ich den Schülern der vierten und fünften Klassen, und sie haben mir bereits mehr als fünftausend Zettel vorgelegt, auf denen jeweils ein eigener Satz notiert ist, mit der Angabe in der oberen linken Ecke des Zettels von ein oder zwei Anfangssilben des folgenden Wortes“20. Nachdem J. Juška auf diese Weise eine umfangreiche Sammlung von Wörterbuchmaterial aus der „Litauischen Bibel“ zusammengestellt hatte, begann er Mitte Februar mit dessen Bearbeitung. „Jetzt mache ich mich daran, die Grundlage der geplanten Wurzelsammlung zusammenzustellen“, schreibt er an I. I. Sreznevskij21. тики“, т. V, 1861. О работе над этим трудом Й. Юшка сообщал ранее И. И. Срезневскому в письмах (4) от 24.VIII.1856 г., (6) от 8.IX.1856г., (7) от 31.X.1856 и (8) от 6. XI.1856. См. ЦГАЛИ, ф. 436, оп. 1, ед. хр. 1433, л.л. 9–10, 12–13, 14, 16, 19. 16 ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Einheit 1433, Bl. 22. 17 Ebenda. 18 Über diese Rezension schrieb J. Juška selbst mit seiner gewohnten Bescheidenheit an I. I. Sreznevskij in Brief (4) vom 24. VIII.1856, sie sei „hastig und nachlässig verfasst“ und „besitze nicht jene Eigenschaften, die ihr das Recht gäben, sie der Abteilung vorzulegen“ (ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Einheit 1433, Bl. 9). 19 In der „Liste der Bücher, die … aus der Bibliothek des Akademikers Sreznevskij entliehen wurden“, die J. Juška nach seiner Rückkehr nach Novgorod schickte, ist unter Nr. 6 die „Litauische Bibel“ ohne bibliografische Angaben verzeichnet (ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Einheit 1433, Bl. 24). Offenbar handelt es sich um eben jene Ausgabe der „Litauischen Bibel“ (4. Aufl., Tilsit, 1724), aus der J. Juška Beispiele zur Veranschaulichung der Unterschiede zwischen der modernen und der alten litauischen Sprache anführte. Siehe I. V. Juškevič. Über die Mundarten der litauischen Sprache, S. 361—365. 20 ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Einheit 1433, Bl. 26. 21 Ebenda. 207 Reiches Material für das „Wurzelwörterbuch“ erwartete er von seinem Bruder, dem Priester Antanas. „Von meinem Bruder“, schrieb er in demselben Brief vom 19.II.1857, „hoffe ich in Kürze bis zu dreitausend litauische Wörter zu erhalten, die in der Umgebung der Stadt Panevėžys aus der lebendigen Volkssprache der Litauer gesammelt wurden. Dies ist wichtiges Material für meine Arbeit“22. Ob J. Juška zu dieser Zeit tatsächlich fest entschlossen war, im „Wurzelwörterbuch“ auch die „lebendige Volkssprache der Litauer“ in der Umgebung von Panevėžys zu berücksichtigen, lässt sich schwer sagen. Aus dem Brief (14) vom 5.IV.1857 scheint hervorzugehen, dass er das „Wurzelwörterbuch“ lediglich auf der Grundlage von Angaben aus schriftlichen Quellen aufzubauen beabsichtigte. „Bei der Sammlung von Materialien für das geplante Wurzelwörterbuch schreibe ich auf Karteikarten nur jene Wörter auf, denen ich bei der Lektüre begegne“, teilte er I. I. Sreznevskij mit“23. Wahrscheinlich erhielt J. Juška im März–April 1857 von I. I. Sreznevskij noch zwei Bücher in litauischer Sprache: „Die Jahreszeiten“ von K. Donelaitis („Metai“; J. Juška nennt es „Ländliches Gedicht“ und „Die vier Jahreszeiten“) und „Artikel der Erzählungen“ („Punktaj Sakimu“, offenbar die 2. Auflage von 1845) von K. Širvydas. Diese Bücher, schrieb er I. I. Sreznevskij im Brief (13) vom 25.III.1857, „sind für die Erforschung der litauischen Sprache von erheblicher Bedeutung“24. Später, in einem anderen Brief [(15) vom 9.V.1857], weist er erneut darauf hin: „Donelaitis’ ländliches Gedicht erwies sich für mich als eine sehr ergiebige Quelle für meine Arbeit“25. Neue Quellen für Wortmaterial unterbrachen die bereits begonnene Arbeit an den Artikeln des „Wurzelwörterbuchs“, die auf Angaben aus der „Litauischen Bibel“ beruhte. „Nachdem ich zwei neue Quellen für meine Arbeit erhalten hatte“, schrieb er I. I. Sreznevskij, „legte ich die Bearbeitung der aus der Bibel exzerpierten Wörter vorläufig beiseite und machte mich an die Lektüre von Donelaitis. Auf den ersten Seiten ging die Lektüre ziemlich langsam voran, weil man (im Original: muss; G. W.) fast jedes Wort untersuchen musste“26. Beim Exzerpieren der Wörter aus dem Gedicht von K. Donelaitis nahm J. Juška zugleich auch eine erste Bearbeitung des gesammelten Materials vor. Wie er dabei vorging, geht aus seinem Brief (13) vom 25.III.1857 hervor. Er schrieb: „Ich schreibe die Wörter auf Karteikarten; für jede Wurzel bestimme ich eine eigene Karte. Wenn die aus einer Wurzel entstandenen Wörter nicht auf eine Karte passen, füge ich ihr eine weitere mit der Nummer zwei hinzu. Die Karten habe ich alphabetisch nach Buchstaben geordnet. Für jeden Buchstaben habe ich zwei Kartenfächer angelegt. In einem habe ich die Karten abgelegt, auf denen die Wurzeln verzeichnet sind, aus denen vielfältige Formen entstanden sind; im anderen befinden sich Karten mit Wurzeln, die sich in einer, zwei oder drei Formen zeigen. Vorerst liegen die Karten in Häufchen auf dem Tisch. Diese Häufchen werden täglich 22 Ebenda, Bl. 27. 23 Ebenda, Bl. 29 24 Ebenda, Bl. 28. 25 Ebenda, Bl. 41. Den Familiennamen von K. Donelaitis gibt J. Juška in seinen Briefen unterschiedlich wieder: Donaleitis, Donaleitis, Doneleitis, Donaleit und sogar Dopaleitis, wobei ihm offensichtlich ein Schreibfehler unterläuft (anstelle des russischen Buchstabens и schreibt er das litauische n). 26 ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Arch. Einh. 1433, Bl. 28. 208 wachsen“27. Die aus dem Gedicht von K. Donelaitis exzerpierten Formen erläuterte J. Juška mit Beispielen und versah sie mit einer Übersetzung ins Russische28. Anfang April schickte J. Juška mit einem Schreiben (14) vom 5.IV.1857 sieben Probeartikel des „Wurzelwörterbuchs“ („sieben Probekarten des von mir geplanten Wurzelwörterbuchs“) und teilte zugleich mit, dass er weiterhin Material sammle (die Zahl der Wörter „nimmt täglich zu, die Materialfülle wächst an“) und dass er sie erst dann „in ein organisches System“ bringen werde, wenn er alle ihm vorliegenden „litauischen Quellen“ durchgesehen habe. Er las weiterhin das Gedicht von K. Donelaitis, aus dem er bis dahin bereits bis zu 600 Wurzeln exzerpiert hatte (und, wie anzunehmen ist, teilweise bearbeitet hatte). Über die aus der „Litauischen Bibel“ exzerpierten Wörter (etwa 6000 an der Zahl) berichtete J. Juška, dass „sie noch auf einen Bearbeiter warten werden“29. Zwei Monate später, in einem Schreiben (15) vom 9.VI.1857, teilt J. Juška I. I. Sreznevskij mit, dass er sich mit der „Bearbeitung der Wörter“ beschäftige, deren Zahl bei ihm bereits 10000 erreicht habe, und dass er hoffe, in den bevorstehenden Sommerferien „seine Arbeit erheblich voranzubringen“30. Im Schreiben (16) vom 20.VII.1857 schreibt er erneut, dass er mit dem „Durchsehen der litauischen Wurzeln“ beschäftigt sei31. Die Arbeit am „Wurzelwörterbuch“ ging jedoch langsamer voran, als J. Juška erwartet und erhofft hatte. Vier Monate später, am 23.XI.1857 (Schreiben 17), entschuldigte sich J. Juška dafür, dass er lange nichts „über den Stand seiner Arbeit“ mitgeteilt hatte, und schrieb an I. I. Sreznevskij: „Ich kann mich ihrer nennenswerten Fortschritte nicht rühmen, doch fortan schreitet sie täglich voran. Die Gründe für ihre Langsamkeit sind dienstliche Verpflichtungen, der Umfang der Arbeit selbst und meine schwache Gesundheit“32. Er teilte außerdem mit, dass sich „viel Material aus den Quellen angesammelt“ habe, und hoffte, I. I. Sreznevskij Mitte Dezember, also etwa einen Monat später, „wenigstens den Anfang seiner Arbeit“ vorlegen zu können und sich „über einige Umstände, die diesen Gegenstand betreffen“, in nächster Zeit persönlich zu erklären33. Offenbar meint J. Juška hier das „Litauische Wurzelwörterbuch“. J. Juška hielt sein Versprechen. In Schreiben (18) vom 16.XII.1857 teilt er mit: „Mit der heutigen Post schicke ich den Anfang meiner Arbeit an die Redaktion der ‚Wissenschaftlichen Mitteilungen‘“, und versprach, bis zu den Feiertagen (wahrscheinlich den Weihnachtsfeiertagen) auch „die folgenden Blätter“ fertigzustellen34. 27 Ebenda, Bl. [28a]. 28 Ebenda, Bl. 41. 29 Ebenda, Bl. 29. 30 Ebenda, Bl. 41–42. Möglicherweise hatte I. I. Sreznevskij gerade diese Mitteilung von J. Juška im Sinn, als er im Juni 1857 in der oben zitierten „Notiz“ über das litauisch-russische Wörterbuch von K. A. Jordan schrieb, J. Juška „bringe gegenwärtig… seinen Entwurf eines litauischen Wurzelwörterbuchs zum Abschluss“. Andere tatsächliche Grundlagen für eine solche Behauptung hatte I. I. Sreznevskij, soweit sich den Briefen von J. Juška entnehmen lässt, nicht. 31 Ebenda, Bl. 43. 32 Ebenda, Bl. 45. 33 Ebenda. 34 Ebenda, Bl. 46. 14. Lietuvių terminologija 209 Eine Augenkrankheit zwang J. Juška, die folgenden Monate „fast in völliger Untätigkeit“ zu verbringen35 [Brief (19) vom 13.IV.1858]. Für seine „Arbeit“, wie es in diesem Brief heißt, erwartete er nun eine „neue ergiebige Quelle“: L. Iwinski, der Herausgeber des litauischen Kalenders, hatte versprochen, ihm die „ersten drei Teile des von ihm zusammengestellten polnisch-samogitischen Wörterbuchs“ zur Durchsicht zu schicken36. Einen Monat später [13. V.1858, Brief (20)] teilt J. Juška mit: „Meine Arbeit geht jetzt sehr langsam voran; ich hoffe, mich in der freien Zeit ernsthafter damit beschäftigen zu können“37. Im Sommer 1858 besuchte J. Juška Litauen. „Das Hauptziel dieser … Reise“, schrieb er I. I. Sreznevskij am 27.VIII.1858 (Brief 21), „war sowohl die Sammlung neuen Materials für das von mir zusammengestellte litauisch-slawische Wurzelwörterbuch (in früheren Briefen nannte J. Juška es ‚Wurzelwörterbuch der litauischen Sprache‘ oder einfach ‚Wurzelwörterbuch‘, — Г.В.) und die genauere Bestimmung der wichtigsten Mundarten unserer Litauer als auch die Erläuterung dessen, was bereits bei mir vorliegt“38. In diesem Zusammenhang beabsichtigte er, „eine Reise durch alle Teile unseres Litauens zu unternehmen, der Sprache der litauischen Bauern aus nächster Nähe zuzuhören, mit Kennern und Liebhabern der litauischen Sprache und der litauischen Altertümer zu sprechen“; wegen der Kürze der ihm zur Verfügung stehenden Zeit (eines Monats) musste er sich jedoch „auf den Besuch der Orte Vorn, Eiregola und Puscholaty und ihrer Umgebung beschränken“39. Von seiner Reise nach Litauen kehrte J. Juška mit reichem Material für das „Wurzelwörterbuch“ zurück. Im selben Brief schrieb er: „Für mein Wurzelwörterbuch habe ich einen beträchtlichen Vorrat an Materialien erworben. Ich fand viele neue Grundformen der Sprache in den dort gesungenen Liedern und Märchen, die ich in Dörfern niederschrieb, meist abgelegenen, von Wäldern umgebenen, sowie bei alten Menschen, die nur ihre natürliche Sprache sprechen. Viele neue Wörter schrieb ich im Gespräch mit ihnen auf. Auch erwarb ich einige gedruckte Bücher, die ich noch nicht besaß. Darunter besonders bemerkenswert: über die Bräuche der alten Litauer (von Dovkont unter dem Pseudonym Laukys)40. Eine unvergleichlich reichere Quelle fand ich jedoch im neu überarbeiteten handschriftlichen Lexikon der Mundart von Puscholaty (14 Werst von der Stadt Ponewesch) meines Bruders. Hier wird die Bedeutung jedes Wortes durch ein Beispiel aus der lebendigen Sprache erläutert, in dem das zu erklärende Wort vorkommt. Zu jedem Wort sind seine Synonyme angegeben, deren Bedeutung jeweils an entsprechender Stelle erklärt wird. So sind beispielsweise zum Wort: kalbėti, ‚sprechen‘, 50 Synonyme aufgeführt. Diese Besonderheit des erwähnten Lexikons ist für einen litauischen Lexikografen sehr wichtig. Die Übersetzung ist ins Polnische angefertigt, da mein Bruder kein Russisch kann“41. Offenbar ist das „Wurzelwörterbuch“ auch in Brief (22) vom 17.XII.1858 gemeint, in dem J. Juška darüber klagt, dass im Laufe eines so langen 35 Ebenda, Bl. 47. 36 Ebenda. 37 Ebenda, Bl. 49. 38 Ebenda, Bl. 50. 39 Ebenda. 40 Имеется в виду книга С. Дауконтаса: Budą Senowęs Lëtuwiû Kalnienû ir Žamajtiû (1845). 41 ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Akte 1433, Bl. 51. 210 die Zeit „das gegebene Wort bezüglich seiner Arbeit noch nicht eingelöst hat“42. Er erklärt dies mit zwei Ursachen: Die wichtigste sei „eine Augenkrankheit, deren Folge eine Reizbarkeit des Auges war, die ihn daran hinderte, sich so intensiv damit zu beschäftigen, dass die Fortschritte der Arbeit deutlicher sichtbar würden“; die andere Ursache seien „die täglichen Dienstgeschäfte, die ihm die beste Zeit raubten und ihm jede Frische der Kräfte und des Geistes nahmen“43. J. Juška hoffte, dass er nach dem Wechsel auf eine neue Stelle im Dorf Medved („die neue Stellung werde freier und leichter sein“44) „sich mit größerer Energie und größerem Erfolg der begonnenen Arbeit widmen“45 könne. Die nächste und letzte Erwähnung des „Wurzelwörterbuchs“ stammt bereits aus der Kasaner Lebenszeit J. Juškas. Nachdem J. Juška in seinem Brief (25) vom 22.III.1862 seinen Weg nach Kasan und seine ersten Eindrücke von dieser Stadt beschrieben hatte, teilte er I. I. Sreznevskij weiter mit, dass die Arbeit an der Kasaner Militärschule einen Großteil seiner Zeit beanspruche und ihm daher für das „litauische Wurzelwörterbuch“ nur die Abende blieben. Er schrieb, dass er während seines anderthalbmonatigen Aufenthalts in Kasan „nur Tabellen von Wörtern zusammenstellen konnte, die mit Vokallauten beginnen“, und äußerte die Hoffnung, dass ihm später, wenn „die Lehrtätigkeit ihren geregelten Gang genommen haben wird“, „mehr freie Zeit bleiben“ werde (für die Beschäftigung mit der litauischen Sprache)46. In späteren Briefen berichtet J. Juška bereits von der Arbeit an einem „litauisch-russischen Wörterbuch“ [(28) vom 28.XII.1866]47, an dem „von uns (d. h. J. Juška und seinem Bruder Antanas, — G. V.) zusammengestellten litauisch-russischen Wörterbuch“ [(30) vom 5.X.1876]48, an einem „Versuch eines litauisch-russischen Wörterbuchs“ [(31) vom 29.III.1877]49 u. a., d. h. von dem für den Unterricht bestimmten und dem bekannten „Wörterbuch der litauischen Sprache“, an dem die Brüder Juška arbeiteten und das viel später in drei Lieferungen (1897—1922) erschien. Die Arbeit am „Litauischen Wurzelwörterbuch“ wurde offenbar Mitte der 1860er Jahre, also etwa zehn Jahre nach ihrem Beginn, unterbrochen und später nicht wieder aufgenommen. Die Ursache dafür ist wohl im erzwungenen Wechsel des Wohn- und Arbeitsortes zu suchen (nach Kasan war er ab 1864 Inspektor und dann Lateinlehrer in Nischni Nowgorod, ab 1867 Lateinlehrer in Jekaterinburg), der eine systematische Beschäftigung mit der litauischen Sprache erschwerte50, schwa- 42 Ebenda, Bl. 52. 43 Ebenda. 44 Gemeint ist die erwartete Ernennung J. Juškas zum Inspektor der Kadettenschule von Nowgorod, die sich wahrscheinlich im Dorf Medved befand. 45 ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Einheit 1433, Bl. 52. 46 Ebenda, Bl. 57. Wie wir sehen, schreibt I. Juška in den vorhergehenden Briefen nicht, dass er der Abteilung für russische Sprache und Literatur in nächster Zeit das fertiggestellte „Wurzelwörterbuch“ vorlegen werde. Ob sich I. I. Sreznevskij darauf stützte, als er der Abteilung mitteilte, J. Juška werde die Arbeit am „Wurzelwörterbuch“ bald abschließen (siehe oben, S. 206), ist nicht bekannt. Möglicherweise sind einige Briefe J. Juškas nicht erhalten geblieben. Vielleicht hatte J. Juška bei einem seiner Treffen mit I. I. Sreznevskij versprochen, das „Wurzelwörterbuch“ fertigzustellen und zu schicken. 47 ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Einheit 1433, Bl. 66. 48 Ebenda, Bl. 69. 49 Ebenda, Bl. 70. 50 Nach seinem Umzug nach Jekaterinburg (heute Swerdlowsk) schrieb J. Juška I. I. Sreznevskij [Brief (29) vom 12.II.1867], die Lehrerstelle werde ihm, wie er hoffte, „mehr Zeit geben, sich auch mit der litauischen Sprache zu beschäftigen“, und fügte hinzu: „Das Leben am Ural sollte die Beschäftigung mit dem Litauischen nicht schwächen“ (ZGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Einheit 1433, Bl. 68). 14⁴ 211 seine Gesundheit und anschließend auch die angespannte Arbeit am erwähnten „Wörterbuch der litauischen Sprache“. Dies sind die Angaben zum Fortgang der Arbeit von J. Juška am „Litauischen Wurzelwörterbuch“ und zu den Quellen des Wortmaterials dafür, die in den Briefen von J. Juška an I. I. Sreznevskij enthalten sind. Wenden wir uns nun der Frage zu, was das „Litauische Wurzelwörterbuch“ von J. Juška darstellen sollte. Es besteht kaum Zweifel daran, dass I. I. Sreznevskij J. Juška die Idee zur Schaffung des „Litauischen Wurzelwörterbuchs“ nahelegte (möglicherweise im Sommer 1856, als I. I. Sreznevskij sich in Novgorod erholte). Jedenfalls räumt J. Juška in einem der Briefe [(17) vom 23.XI.1857], in dem er über den „Stand seiner Arbeit“ berichtet, worunter er wahrscheinlich das „Litauische Wurzelwörterbuch“ verstand, ein, dass diese Arbeit ihre „Idee sowie geistige und materielle Unterstützung“ I. I. Sreznevskij verdankte51. Es steht außer Zweifel, dass I. I. Sreznevskij nicht nur über die Vorbereitungsarbeiten zum „Wurzelwörterbuch“ auf dem Laufenden war (wie aus dem oben Gesagten deutlich hervorgeht), sondern auch seine Vorstellungen darüber darlegte, wie es beschaffen sein und was seine Einträge enthalten sollten usw. J. Juška nahm die Ratschläge des damals bereits hochangesehenen Gelehrten aufmerksam auf und befolgte sie. In seinem Brief (13) vom 25.III.1857 schrieb J. Juška: „…Hochachtungsvoll Ihre Ratschläge und Hinweise würdigend, Izmail Ivanovič, beschränke ich mich bei meinen Überlegungen darauf, die Bedeutungen des untersuchten Wortes zu bestimmen, sie durch Sätze zu erläutern, in denen es vorkommt, und die litauischen Wurzeln nur mit slawischen zu vergleichen“52. Man kann somit mit Sicherheit behaupten, dass gerade I. I. Sreznevskij empfohlen hatte, sich in den Einträgen des „Wurzelwörterbuchs“ auf die Erklärung der Wortbedeutungen zu beschränken, sie durch Textbelege zu veranschaulichen und litauische Wurzeln nur mit den entsprechenden slawischen Wurzeln zu vergleichen. Zwar erlaubte sich J. Juška, wie er im selben Brief schreibt, auch einen „Vergleich litauischer Wörter mit lettischen und altpreußischen Wörtern“, fügt aber offenbar, um diese eigene Initiative vor I. I. Sreznevskij zu rechtfertigen, sogleich hinzu, er habe „Lettisch und Altpreußisch in den Kreis seiner Studien aufgenommen, um sich selbst einen Nutzen zu verschaffen und diese Sprachen als verwandte Geschwister der litauischen Sprache kennenzulernen“53. Die endgültige Entscheidung darüber, ob lettische und altpreußische Wörter aufgenommen werden sollten, überließ J. Juška dennoch I. I. Sreznevskij. „Die Aufnahme von Wörtern und Wurzeln der lettischen und altpreußischen Sprache in das von mir geplante Wurzelwörterbuch wird ganz von Ihren, Izmail Ivanovič, Ratschlägen und Hinweisen abhängen, die ich hochschätze und gewissenhaft befolgen werde“54. Das „Litauische Wurzelwörterbuch“ sollte somit ein vergleichendes litauisch-slawisches Wörterbuch darstellen, in das entsprechende Wörter aus dem dem Litauischen nächstverwandten Altpreußischen und Lettischen aufgenommen würden. Dabei war vorgesehen, dass im Unterschied zu den litauischen und slawischen die lettischen und altpreußischen Wörter durch Beispiele erläutert würden 51 RGALI, Bestand 436, Findbuch 1, Akte 1433, Bl. 45. 52 Ebenda, Bl. 28. 53 Ebenda. 54 Ebenda, Bl. 28 – [28a]. 212 nicht vorkommen, sondern nur „angeführt werden, um zu zeigen, welche Wurzeln in den nächstverwandten Zweigen der litauischen Sprache erhalten geblieben sind“55. Demgemäß schlug J. Juschka vor, in das „Wurzelwörterbuch“ nicht alle litauischen Wörter aufzunehmen, sondern nur diejenigen, die gerade unter vergleichendem Gesichtspunkt von Interesse sind. So sind offenbar auch seine folgenden Worte im Brief (14) vom 5.IV.1857 zu verstehen: „Von den gesammelten Materialien soll nur das für die Sache Wesentliche und dem Ziel Entsprechende genommen werden“ (so im Manuskript, — Г.В.)56. Was den „Umfang des geplanten Werkes“ betrifft, so meinte J. Juschka, dass „man sich auf jene Formen beschränken könnte, die zur Erklärung der verschiedenen Arten von Wurzeln und ihrer Bedeutungen beitragen“57. Eine konkrete Vorstellung von der Ausarbeitung und dem Inhalt der Wörterbuchartikel des „Litauischen Wurzelwörterbuchs“ vermitteln die sieben Probeartikel („Probekarten“), die J. Juschka I. I. Sreznevskij mit dem Brief (14) vom 5.IV.1857 zugesandt hatte. Diese Artikel sind auf 10 Karten im Format von ungefähr 9 × 11 cm geschrieben. Die vorhandene (archivarische) Paginierung (Bl. 30–39) gibt ihre tatsächliche Reihenfolge nicht wieder. Wir veröffentlichen sie in alphabetischer Reihenfolge der Stichwurzeln. Die Probeartikel des „Wurzelwörterbuchs“ wurden von J. Juschka auf Bitte von I. I. Sreznevskij zugesandt. Dies geht aus demselben Brief J. Juschkas hervor: „Es hat mich sehr erfreut, dass Sie, hochverehrter Ismail Iwanowitsch, von mir Probekarten des von mir geplanten Wurzelwörterbuchs verlangt haben“58. J. Juschka sandte diese Artikel „in der Form, in der sie vorliegen“, hielt es jedoch für nötig zu betonen, dass „sie bei Weitem noch nicht abgeschlossen sind“59. Sie spiegeln die Anfangsphase der Arbeit am „Wurzelwörterbuch“ wider. Das zeigt sich schon daran, dass J. Juschka das illustrative Material in der Regel aus dem Gedicht von K. Donelaitis anführt (die Beispiele sind mit der Abkürzung „Дон.“ gekennzeichnet), mit russischer Übersetzung und gelegentlich aus der „Litauischen Bibel“ (genauer: aus dem Evangelium), unter Angabe altslawischer Parallelen nach dem Ostromir-Evangeliar (abgekürzt: О.Е.). Darüber schreibt auch J. Juschka selbst: „Auf den übersandten Karten sind Formen aus Donelaitis verzeichnet (so! — Г.В.), nur einige aus dem Evangelium“60. Er bemerkte ferner, dass „von den sieben übersandten Wurzeln zwei, wie es scheint, in der slawischen Sprache nicht vorkommen: lik und mau“61. Der hier zitierte Brief (14) vom 5.IV.1857 ist auch deshalb äußerst interessant, weil J. Juschka darin seine eigenen Möglichkeiten zur Abfassung des „Wurzelwörterbuchs“ einschätzt (wie immer sehr bescheiden) und große Hoffnung auf die Hilfe und Anleitung I. I. Sreznevskijs bei dieser schwierigen und wichtigen wissenschaftlichen Arbeit setzt. Er schrieb: „Ich kann Ihnen, hochverehrter Ismail Iwanowitsch, nicht verhehlen, dass meine Kenntnisse der modernen Philologie sehr begrenzt sind; und meine Auffassung von dem begonnenen 55 Ebenda, Bl. 29. 56 Ebenda. 57 Ebenda. 58 Ebenda. 59 Ebenda. 60 Ebenda. 61 Ebenda. 213 Die Arbeit kann sehr fehlerhaft sein. Wenn ich es wage, eine so wichtige Arbeit in Angriff zu nehmen, die vielseitige und gründliche Kenntnisse der modernen Philologie erfordert, und wenn ich etwas Nützliches leisten kann, dann nur unter Ihrer Anleitung. Erweisen Sie mir daher, hochverehrter Ismail Iwanowitsch, einen neuen Dienst väterlicher Dankbarkeit, wenn Sie sich, nach den beigelegten Probekarten zu urteilen, die meinen Blick auf die begonnene Arbeit und die von mir angewandten Methoden erkennen lassen, nicht weigern (im Original: weigern Sie sich, — Г. В.), mir offen und aufrichtig Ihre Meinung über meine Arbeit mitzuteilen und mir zugleich Ihre väterlichen Ratschläge zu erteilen“ 62. Wie I. I. Sreznevskij die Probeartikel für J. Juškas „Wortstammwörterbuch“ bewertete und wie er auf dessen Bitte um allgemeine Anleitung bei der Zusammenstellung des „Wortstammwörterbuchs“ reagierte, ist nicht bekannt. In den folgenden Briefen schreibt J. Juška nichts darüber. Ebenso wenig ist die Meinung I. I. Sreznevskijs zum „Anfang“ der Arbeit bekannt, den J. Juška ihm schicken wollte und wahrscheinlich Mitte Dezember 1857 auch schickte (siehe oben, S. 209). Mit hinreichender Sicherheit lässt sich lediglich vermuten, dass sowohl die Probeartikel als auch der „Anfang“ der Arbeit J. Juškas auf I. I. Sreznevskij einen günstigen Eindruck machten, denn J. Juška setzte seine Arbeit am „Wortstammwörterbuch“ fort und unterrichtete ihn regelmäßig über deren Fortgang. Und wenn J. Juška das langsame Vorankommen dieser Arbeit bedauert, beklagt er sich über seine Augenkrankheit oder seine dienstlichen Angelegenheiten, die ihm viel Zeit und Kraft raubten, nicht aber über eine ablehnende, kritische Haltung I. I. Sreznevskijs, die J. Juškas Wunsch, die Arbeit am „Wortstammwörterbuch“ fortzusetzen, hätte dämpfen können. Dies sind die Informationen über J. Juškas „Litauisches Wortstammwörterbuch“, die seine Briefe enthalten. Sie werfen neues Licht auf dieses bedeutende Werk des litauischen Sprachwissenschaftlers, dem er viel Kraft und die von seinen dienstlichen Angelegenheiten freie Zeit widmete. Leider wurde J. Juškas Werk nicht zu einem „bemerkenswerten Gewinn für die russische linguistische Literatur“ und auch nicht unter der Schirmherrschaft der Abteilung für russische Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften veröffentlicht, wie I. I. Sreznevskij es gewünscht und erhofft hatte, der J. Juškas litauistische Vorhaben stets mit Worten und Taten unterstützte. Man muss annehmen, dass die Arbeit am „Litauischen Wortstammwörterbuch“ nicht zu Ende geführt wurde. Andernfalls hätte J. Juška I. I. Sreznevskij, der über viele Jahre hinweg über den Stand der Arbeiten am „Wortstammwörterbuch“ auf dem Laufenden gewesen war, unbedingt davon unterrichtet. Abschließend zu den Ausführungen über das „Litauische Wortstammwörterbuch“ sei Folgendes angemerkt. Schon aus den angeführten Angaben lässt sich schließen, dass die Beziehungen zwischen J. Juška und I. I. Sreznevskij nicht bloß offizieller Natur waren und sich (wie auch aus den anderen in „Baltoslawische Forschungen“ veröffentlichten Briefen J. Juškas deutlich hervorgeht) nicht auf rein wissenschaftliche Fragen beschränkten, wie B. Tolutienė annimmt63. Die Beziehungen zwischen dem noch jungen Litauisten und dem bereits angesehenen Slawisten wurden besonders freundschaftlich und herzlich, nachdem I. I. Sreznevskij im Sommer 1856 mit seiner Familie in 62 Там же, л.л. 29 и 40 (архивная пагинация письма прерывается потому, что между этими листами вложены 10 „пробных карточек“ с нумерацией от 30 до 39 л.). 63 В. Tolutienė. A. Juška leksikografas, p. 293. 214 Nowgorod wurden die Beziehungen recht freundschaftlich und herzlich, besonders in den ersten Jahren ihres Briefwechsels, obwohl J. Juška I. I. Sreznevskij stets mit großer Hochachtung begegnete. Zum Beleg dafür sei folgende Begebenheit angeführt. Ende 1856 verbrachte J. Juška drei Tage in Petersburg, wo er mit I. I. Sreznevskij über seine wissenschaftlichen Arbeiten sprach. Begeistert von dem ihm bereiteten Empfang und dem Gespräch schrieb J. Juška kurz nach seiner Rückkehr aus Petersburg an I. I. Sreznevskij: „Schon sind mehrere Tage seit meiner glücklichen Reise in die Hauptstadt vergangen. Von dieser dreitägigen Reise kehrte ich mit einer solchen Begeisterung und inneren Stimmung für neue Arbeiten zurück, wie man sie nur durch ein besonders günstiges Schicksal erlangen kann (im Manuskript: бріобресть, — Г. В.). Mein neues Leben verdanke ich ausschließlich Ihnen, hochverehrter Ismail Iwanowitsch; ich danke Ihnen und weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll. Auch Jekaterina Fjodorowna (die Frau von I. I. Sreznevskij, — Г. В.) danke ich für ihre überaus fürsorgliche Gastfreundschaft; diese drei Tage verbrachte ich wie bei meinen nächsten und liebsten Angehörigen“64. Es sei ferner darauf hingewiesen, dass I. I. Sreznevskij auf J. Juškas Bitte hin die benötigten Bücher schickte und ihm Ratschläge gab, die J. Juška, der noch wenig Erfahrung in der wissenschaftlichen Beschreibung einer Sprache hatte, benötigte. J. Juška schätzte seine Hilfe sehr. In seinem Brief (12) vom 19.II.1857 schrieb er zum Beispiel: „Je weiter ich in meinen Studien zur litauischen Sprache voranschreite und je vertrauter ich mit den ältesten Denkmälern der slawischen Schriftlichkeit werde, desto mehr erkenne ich die Bedeutung und Wichtigkeit Ihrer Ratschläge und Ihrer Unterstützung; desto tiefer wurzelt in meinem Herzen das Gefühl der Achtung und Dankbarkeit Ihnen gegenüber, Ismail Iwanowitsch, als dem Urheber einer neuen Epoche meines geistigen Lebens. Glauben Sie meinen Worten, Ismail Iwanowitsch: Sie sind Ausdruck meiner Seele“65. 3. Die „Bezeichnungen der Verwandtschaftsgrade“ wurden von J. Juška mit Brief (22) vom 17.XII.1858 an I. I. Sreznevskij geschickt.66 Darin heißt es: „Die Bezeichnungen der Verwandtschaftsgrade in der litauischen Sprache sende ich mit diesem Brief. Sie wurden von meinem Bruder, dem Priester Antanas, gesammelt; ich habe sie nach ihrem gegenseitigen Verhältnis geordnet und ins Russische übersetzt“67. Daraus geht hervor, dass die Bezeichnungen in der ursprünglichen Liste der Verwandtschaftsbezeichnungen, das heißt in der von J. Juškas Bruder Antanas übersandten Liste, anders angeordnet waren (vielleicht alphabetisch, mit oder ohne polnische Übersetzung) und dass sie in der hier veröffentlichten Fassung von J. Juška nach Graden der Blutsverwandtschaft und der angeheirateten Verwandtschaft gruppiert wurden. 64 ЦГАЛИ ф. 436 оп. 1 ед. хр. 1433, л. 23. 65 Там же, л. 28. 66 In der Briefsammlung J. Juškas an I. I. Sreznevskij sind die „Bezeichnungen der Verwandtschaftsgrade“ irrtümlich dem Brief (8) vom 6.XI.1856 beigelegt (Bl. 17—18 nach der Gesamtpaginierung). Über dem Titel dieser Liste steht von anderer Hand geschrieben: „Aus einem Brief an den Herausgeber I. W. Juškewitsch“; vor dem Wort „Bezeichnungen“ wurde „Ich lege vor“ eingefügt, und über den Worten „von Priester Antanas gesammelt“ steht der Zusatz: „meinem Bruder“. Wahrscheinlich wurden diese Ergänzungen vorgenommen, um I. I. Sreznevskij die Vorlage dieses Materials in einer Sitzung der Abteilung für russische Sprache und Literatur zu erleichtern. 67 ЦГАЛИ, ф. 436, оп. 1, ед. хр. 1433, л. 52. 215 I WÖRTERBUCH DER LITAUISCH-SANSKRITISCHEN ENTSPRECHUNGEN, ZUSAMMENGESTELLT VON I. JUŠKA A Abída, Kränkung, vādh, kränken. Ájdrus, windig, vidḥra, klar. Ájszkus, klar, jaças, Glanz. Ákis, Auge, akś, id. Álksnis, Erle, alka, Baum. Áikanas, hungrig, nach etwas lechzen. Ánksztas, eng, jug, Gürtel. Ánglis, Kohle, angāra, id. Arklis, Pferd, arvan, id. Artí, nahe, ārāt, id. Ászara, Träne, asra, id. Ászis, Achse, akśā, Rad. Ássu oder essu, esmi oder esmū, ich bin, asmi, id. Ásztras, scharf, aç, wetzen, açra, Spitze. Áukszstas, hoch, ūccha, id. Áusti, weben, vē, ūi, id. Áugti, wachsen, vakś, id. Áusis, Ohr, gavśa, id. Áuszra, Morgenröte, djāutra, Licht. Awis, Schaf, avi, id. B Bagóts, reich, bhaga, Glück, bhōga, Reichtum. Balá, Sumpf, mala, Schmutz, palata, id. Báltas, weiß, bhāla, Licht. Bánda, Herde, kāṇḍa, Menge. Bárwa, Farbe, varṇa, id. Barzdá, Bart, barba (lat.). Básas, barfuß, paç, gehen. Baczka, Fass, vak, gebogen sein. Bárscczej, Borschtsch, bhṛtja, Speise. Bažnicze, Kirche, vāsa, Gebäude. Bárti, schmähen, garh, id. Biégti, laufen, bhag, id. Biárzas, Birke, bhurga, id. Bibis, Penis, pāju, Gesäß; çepa, id. Bijótis, sich fürchten, bhēś, bhī, id. Biłóti, sprechen, bhā, leuchten; bhas, sprechen. Blúdas, Schüssel, Becher. Blusá, Floh. Bóba, Frau, alte Frau, paru, Amme. Bókszta, Turm, vēça, Haus. Brazdá, Furche, ṛh, weiden; vardh, schneiden. Brísti, durchwaten, gāh, id. Brólis, Bruder, bhrātṛ. Buczióti, küssen, çub, id. Bújlis, Stier. Búris, Menge, vāra, id. Búti, sein, bhū, id. C Cibúle, Zwiebel, çara, id. Ciéna, Preis, ci, ich sammle. Ciélas, ganz, kēvala, id. Cúdas, Wunder, kuh (statt kudh), erstaunen. Cupk, drückt ein Klingeln aus, ciṅ, klingen. D Dalís, Anteil, dal, dā, teilen. Dantis, Zahn, dança, ebda. Degti, brennen, dah, ebda, du, ebda. Dengti, bedecken, sthag, ebda. Deszinas, rechts, dakṣiṇa, ebda. Diena, Tag, dina, ebda. Dieti, setzen, dhā, legen. Dirbti, arbeiten; dariti, tun, drāgh, sich bemühen, drāh, wachen. Diwaj, Wunder, div, glänzen. Draskíti, zerreißen, dru, beschädigen. Draúgas, Gefährte, Freund. Drebiéti, zittern, bṛh, sich fürchten. Duktíe, Tochter, Gen. dukteres, druhī und duhitṛ, ebda. Dūmas, Rauch, dhūma, ebda. Durís, Tür, dvār, dvāra, ebda. Dūrnius, Dummkopf [so!], dus, dur, schlecht. Dūrti, stechen, dṛ, ebda. Dū’ti, geben, dā, ebda. Džiūti, trocknen, çam, çuś, ebda. Dzwániti, klingen, dhvan, svan, ebda. E Ejti, gehen, ṛt, at, it, ebda. Éžeras, und azeras, See, asra, Winkel. Éžis, Igel, ahi, ebda. G Gajdís, Hahn, gai, einen Laut hervorbringen. Galwa, Kopf. Gana, genug, ghaṇa, viel. Garsas, Laut, Stimme, gṛ, einen Laut hervorbringen. Gajletis, bedauern, bereuen, khai, ebda. Gaubti, krümmen, çōca, ebda. Gejsti, dürsten, gādh, kak, ebda., gṛdh, ebda. Geležis, Eisen, asala, ebda. Geltónas, gelb, harisa, ebda. Gesíti, löschen, auslöschen, gah, vernichten. Giárkle, Kehle, kṛka, ebda. Giedóti, singen, gai, ebda. Gímdti, gebären, jan, ebda. 216 Gínti, treiben, ghṛṇ, und ghịn, ergreifen. Gísla, Ader. Gíwas, lebendig, giv, leben. Giwáte, Schlange, gam, sich bewegen. Góbszus, gierig, gádh, je, begehren. Godoti, achten, gēv, verehren. Griaúti, donnern, gr, einen Laut hervorbringen. Griówis, Graben, krivi, Grube. Grébti, ergreifen, gṛh, hṛ, ebda. Griékas, Sünde, ghur, unwissend sein. Gudínti, aufregen, gádh. Gúžas, eine durch einen Schlag entstandene Schwellung, guhia, Gesäß. I Imaníti, verstehen, können, umā, dasselbe. Ímti, nehmen, jaten, jam, dasselbe. Iszmaníti, verstehen, midh, mēdh, dasselbe. Iáunas, jung [so!], jugendlich, juvan, dasselbe, júni, junge Frau. Ieszóki [so!], suchen, iěh, dasselbe. Iúngti, verbinden, ju, jung, jug, binden. Iaugti, verbinden, jat, in Ordnung bringen. Iúngas, Joch, juga, dasselbe. Iúsznikas, Blutsuppe, júša, Erbsensuppe. K Kalbiéti, sprechen, khjā, galp, dasselbe. Káǰlis, Haut, čar-man, dasselbe. Kálas, Pfahl, čala, dasselbe. Kalė, Hündin, čava, Welpe. Kadrā, Decke, çal, bedecken; čali, Bedeckung. Kaktá, Hinterkopf, ghāta, dasselbe. Kámpas, Winkel, kōna, dasselbe. Kanápis, Hanf, çana, dasselbe. Kąnsti, beißen, kans, vernichten. Kárwe, Kuh, çṛ, stechen, çru, Horn. Kasá, Sense, kača, Haar. Kásti, graben, kaš, prüfen. Katé, Katze, gāh-aka, dasselbe. Káulas, Knochen, çalāka, dasselbe. Kauti, schmieden, ku, einen Laut erzeugen. Kawóti, verbergen, gal, kag, bedecken. Kiaúle, Schwein, kōla, dito. Kiaúzsis, Ei, koça, dito. Kiális, Knie, gānu, dito. Kelí, einige, kala, geringe Menge. Képti, backen, pač, dito. Kíbti, anhaften, čib, greifen. Kírmis, Wurm, kṛmi, dito. Kírpti, schneiden, kṛp-ana, dito. Kírsti, hacken, khur, kṛt, dito. Klíszas, lahm, klíva, dito. Klausíti, gehorchen, çru, dito. Kréjwas, krumm. Krésti, schütteln, tras, dito. Kraújas, Blut. Kúlti, zerstampfen, ghṛṣ, dito. Kŭrmis, Ratte, çuṣira, ebda. Kúrti, ertränken, čur, brennen. Kuósiti, husten, kās, ebda. Kupetá, Kicha [so!], kuta, patala, ebda.; kupa, Fels. Kúte, Brot, kuta, Haus. Kúsziti, berühren, kuč, ebda. Kwepiéti, riechen, vās, ebda. Kiáke, Zapfen, cikha, Spitze. L Léngwas, leicht, laghu, dasselbe. Lépsna, Flamme, plu, blasen. Linaj, Flachs. Lipti, anhaften, lī, dasselbe, lip, formen. Lísti, hineinkriechen, liç, gehen. Lízdas, Nest, nída, dasselbe. Lúbieti, eine Neigung haben, lubh, dasselbe. Ł Łábas, wohlhabend, gut, labh, erwerben. Łajzíti, lecken, lih, ebd. Łápas, Blatt, palāça, ebd. Łaúzti, brechen, lup, ebd. Łóbिस, Besitz, labh, erwerben. Łúpas, Mund, lapana, Mund. Łúpti, schlagen, lup, ebd. M Májszas, Sack, maçaka, dasselbe. Majszíti, mischen, miçr, dasselbe. Majníti, wechseln, mē, dasselbe. Márgas, bunt, mārga, Hinterteil. Mážas, klein, man-āk, kleiner. Miaúti, muhen, mukha, Laut. Maldā, Gebet, mantra, dasselbe. Miliéti, lieben, mil, in Beziehungen stehen. Miésa, Fleisch, mānsa, dasselbe. Miênuo, Monat, mās, dasselbe. Mígła, Nebel, Dunst, mih, befeuchten. Mínti, kneten, mī, mināmi, ich knete [so!]. Mirkióti, die Augen zukneifen, mis mit der Präposition ut, die Augen öffnen, mit der Präposition ni, die Augen schließen. Mírti, sterben. Mízti, urinieren, mih, dasselbe. Mólis, Lehm, mala, Schmutz, māuli, Erde. Móteris, moteriszke, Frau, mātṛ, Mutter. Mojóti, wiegen, mā, schwenken. 217 Mótina, Mutter, mātṛ, ebenda. Mūras, steinerne Mauer, pura, Haus; mur, mit einer steinernen Mauer umgeben. Murmėti, murren, marmara, Rascheln. Mūse, Fliege, makša, ebenda. Mūszti, schlagen, muš, mich, mī, ebenda. N Naujās, neu, nava, navja, id. Najkinti, vernichten, nakk, id. Nészti, tragen, nī, id. Nósis, Nase, nasā, id. O Ōbalis, Apfelbaum, amra, Baum, amla, sauer. P Pajniōti, verwirren, çul, id. Pakūta, Scham, kuth, traurig sein. Párszas, Ferkel, pras, gebären. Pík­ti, sich ärgern, vakš, makš, id. Pláukti, schwimmen, plu, id. Póta, Festmahl, pā, trinken. Praszti, bitten, pračh, id. Priételis, Freund, prijja, lieb; pri, lieben. Pūjkus, stolz, vakš, wachsen. Pūlkas, Menge, Menschenmenge, varga, id. Pūʼlti, fallen, pat, id.; pad, sich bewegen. Pūʼdas, Topf, pūta, Gefäß. Pūrwas, Schmutz, parikšā, Sumpf. Putrā, Brei, trn, essen. Pīhwas, Bauch, pāli, Schenkel. R Rātai, Wagen, ratha, id. Rāgas, Horn, çru, id. Rāṇka, Hand, rankh, sich bewegen. Rasā, Tau, rasa, Wasser. Raudōti, schluchzen, weinen, rud, zum Weinen bringen. Raudōnas, rot, rāhita, id. (statt rodhita). Rautī, reißen, khur, id. Rāwas, Horn, krivi, Grube. Riedīti, schmücken, rādh, machen. Riekti, schreien, ru, kruç, id. Riātas, selten, rīti, Grenze. Rietīs, Sieb, riš, trennen. Riežti, schneiden, russ. id. Rinkti, sammeln, çṛan. Rīti, fressen, gr., schlucken. Rīkšte, Rute. Rugēj, Roggen, rāgī, eine Brotsorte in Indien. 218 Rūpintis, sich kümmern, rup, beunruhigen. Rīžtis, sich entschließen, riç, riš, töten. Rópe, Rübe. S Sāpnas, Traum, svapna, id. Sapnuōti, im Traum sehen, svap, schlafen. Saūle, Sonne, sūrja, id. Sėgti, befestigen, saǵ, id. Sėkti, folgen, sač, id. Sesuo, Schwester, Gen. seseres, svasṛ, id. Siedėti, sitzen, siesti, sich setzen, sad, sīd, id. Siėkti, schlagen, erreichen, sagh, id. Sidābras, Silber, sita, obhra, weißes Gold. Sīla, Kraft, çila, Natur, Charakter. Sīlnas, schwach, alpa, id. Siūrbi, schlürfen, sṛǵ, gießen. Siūsti, senden, prėsājāmi, ich sende. Skęsti, ertrinken, skand, fallen. Skūsti, rasieren, ghṛṣ, schaben. Smértis, Tod, māra, Pest. Smirdėti, stinken [so!], mṛdh, feucht sein. Sodžiālka, Teich, çada, Schmutz. Spjaūti, spucken, plu, nässen. Spīrti, mit den Füßen treten, prš, schlagen. Sprōgti, platzen, pras, sich strecken. Stenėti, stöhnen, stan, id. Stėjgti, streben, stigh, eintreten. Stiebas, Stängel. Stīklas, Glas, stuč, leuchten. Stōgas, Dach, stagh, bedecken. Stōti, werden, stowieti, stehen, sthā, id. Su, mit, sam oder sa, id. Sūditi, richten, sundh, reinigen. Sūpti, wiegen, kšubh, sōpana, id. Sūnus, Sohn, sūnu, id. Sūris, Käse, sara, eingedickte Milch. T Tamsūs, dunkel, tamas, Dunkelheit. Tamsībė, Dunkelheit, dhvānta, dasselbe. Tārti, sagen, tark, sprechen. 1. Tarp, zwischen, antar, dasselbe; innerhalb (ап anstelle von sam). Tatūszis, Väterchen, tāta, dasselbe. Tėkti, fließen, tik, sich bewegen. Tiatā, Tante, tāta, ehrwürdig. Tiewas, Vater, pitṛ, dasselbe. Tītas, Brücke, dharana, dasselbe. Tawōras, Ware, dvr, erwerben. Traūkti, ziehen, trakh, dasselbe. Trānk­smas, Angst, dhrānkš, schreien. Trīnti, reiben. Trōkszti, dürsten, trš, dasselbe. Trusiėti, sich kümmern, dru, laufen. 3. Turiëti, halten, dhr. dhi, id. Twóra, Zaun, dhára, id. Twóti, hauen, walzen, çvas, id. Twínti, sich ausbreiten (vom Fluss), dhumí, Fluss. Twírtas, fest, sthira, id. 4. Túszczias, leer, hohl, tučchna, id. 2. Tasziti, behauen, takš, id. U Úbagas, Bettler, bhikš, betteln. Ugnís, Feuer. Úksusas, Essig. Úrwa, Höhle, ulwa, Baumhöhlung. Úžpakalis, Gesäß, phalaka, id. W Wábalas, Käfer, váḍh, bádh, beunruhigen. Wáikas, Kind, gáha-ka, id. Wajkszióti, gehen, vá, id., vakh, vát, id. Wagis, Dieb, váḍh, id. Wálgiti, essen, vágā, Nahrung. Walijti, Kraft haben, valita, stark. Wanduó, undū, Wasser, voda, nass; und, nass sein; vana, nitha, kam, kamandha, Wasser. Wárgas, Unglück, · varga, Kraft; gleichförmig machen. Warlé, Frosch, var-anga, testiculus, vjanga, id. Wárna, Krähe, kârawa, id. Wárpas, Ähre, vap, befruchten. Wadínti, rufen, hyé, id. Wártaj, Tor, vára, id. Wáškas, Wachs, mákša, id. Wásara, Sommer, vasára, Wunsch. Wárras, Kupfer, āra id. Wésti, führen, váḍh, id. Wéjzieti, sehen, schauen, wejdas, Gesicht, Anblick. Wiéra, Glaube, var, wünschen, wählen. Wiédras, Eimer, pátra, Gefäß. Wiéjas, wies, Wind, vá, wehen; vátara, Wind. Widús, Mitte, madhja, id. Wilktis, sich schleppen, vargh, sich bewegen. Wirti, kochen, sieden, bhṛ, id. Wiras, Mann, vára, id. Wissados, immer, sada, id. Wóditis, sich streiten, váda · Streit. Wóditi, schaden, vadh, id. Wógti, stehlen, vast, kränken. Wóžiti, wiegen, vága, Kraft. Z Zujkis, Hase, kiškis, id., caça, id. Zansís, Gans, hansi, id. Zibiéti, glänzen, dju, djut, gūt, dhup, id., sibh, leuchten. Zigis, Schritt, çaǧǧ, gehen. Zínsti, saugen, cŭs, id., cŭči, Zitze. Ziáme, žéame, žéme, Erde, gmā, id. Isi = žióti, den Mund aufreißen, gábh, id. Ziuriéti, schauen, sehen, çri, id.; ghṛ, glänzen. Zónka, Ehefrau, ganí, gnā, id. Zwakis, Kerze, víti, Licht. Zwirblis, Spatz, vara, id. Zuwis, Fisch, vasu, id. Zwaigždé, Stern, cvid, weiß sein. Zwiéris, Tier, dhurja, hvárja, Pferd. SZ Szaká, Zweig, çakhá, Ast. Száltis, Kälte, gelu, lat. Szárka, Elster, sāra, turdus salica. Sziaszi, sechs, šaš, id. Sziausztis, borstig werden [so!], hṛš, id. Sziaréj, Wolle, hṛš, borstig werden [so!]. Szirdis, Herz, hṛd, id. Szkáditi, schaden, kaç, id. Szlówe, Ruhm. Szlúbas, lahm, khōl, hinken. Szókti, tanzen, springen, çaç, id. Szúdas, Guano, súda, Schmutz. Szuwá, szu, Gen. suznés, Hund, çvan, Gen. çunas, id.; çavaka, Welpe. Szwéntas heilig, çvi, glänzen. CZ Cziúpti, betasten, čup, id. Cziúrkszti, durchsickern, čut, čjut, tropfen. И. В. Юшкевич. II PROBEARTIKEL ZUR LITAUISCHEN WORTWURZELLEHRE, VERFASST VON I. JUŠKA [1] Lik, liek, lajk, lat. lik. leek. Lik-ti, Präsens liek-u, Vergangenheit lik-au, bleiben. Lat. lik-t, legen, stellen, setzen. Pa-lik-ti, Präsens pa-liek-u, Vergangenheit pa-lik-au, zurücklassen, verlassen; bleiben. Lat. pa-lik-t, bleiben. Ir palik-kęs miestą Nazaret (Mat. 4. 13). Und er verließ die Stadt Nazaret. 219 Pa-łajk-as, Genitiv pa-łajk-o, Rest, Übriges. Litauisch at-leek-as, at-leek-s, pa-lik-s, dasselbe. Pa-łajk-is, m., pa-łajk-ie, f., zurückgeblieben; alt, abgenutzt, nutzlos, zu nichts Isz-si-łajk-i-ti, Präsens isz-si-łajk-au, Vergangenheit isz-si-łajk-iau, sich erhalten, sich ernähren, leben. Kajp jusū Mylĭsta žiemos bėdoj issilajkėt’? Wie haben Eure Gnaden in der Not des Winters über die Runden kommen können? (Don. 1. 160). Łajk-i-ti, Präsens łajk-au, Vergangenheit łajk-iau, halten, jemanden für etwas halten. Ir Burūs prastus per kiaulū jowalą łajko. Und er hält die einfachen Bauern für Schweinefutter (Don. 1. 254). Pa-si-lik-ti, bleiben. Ir ten pa-si-lik-o ikki Erodui numirus (Mat. 2. 15). Und er blieb dort bis zum Tod des Herodes. A. E. At-lik-ti, beenden, vollenden. Juk dar Čzēso yr’ ir męs at-lik-sime darbus. Denn es ist noch Zeit, und wir werden unsere Arbeit vollenden (Don. 1. 390). [2] Majn, litauisch mi, main, slawisch мѣн (-main). Majn-a, Genitiv majn-os, mich. Litauisch mi-hschana, majn-a, majn-oschana. Majn-i-ti, Präsens majn-au, Vergangenheit majn-iau, wechseln, verändern. Litauisch mi-ht, main-iht, majn-oht. [3] Mau, mow, litauisch mau, mauk. Mau-ti, Präsens mau-ju und mau-nu (j, n, vgl.), Vergangenheit mow-iau, anziehen, anlegen, hineinlegen. Litauisch mau-t, aufzäumen, die Zügel anlegen. Už-si-mau-ti, sich anziehen. Ir sawo skrandą buriszką wieszėt ussimowęs (Don. 1. 126). Und er zog seinen bäuerlichen Schafpelz an, um zu Besuch zu gehen. Nu-mau-ti, abnehmen. Litauisch po-mau-t. Kepurrę nu-mau-ja (Don. 1. 262): Er nimmt die Mütze ab. Mau-di-ti, Präsens mau-d-au, Vergangenheit mau-dž-iau, baden. Mau-di-tis, baden gehen. Litauisch mauk-t, abziehen, herunterziehen. [4] Mil, miel, mejl, mal, altpreußisch myl und mil, litauisch mihł, slawisch мил. Mil-ie-ti, Präsens mil-iu, Vergangenheit mil-ie-jau, lieben, altpreußisch milyt, litauisch mihł-eht, mihł-oht, mihł-inabt. Miel-as, m., miel-a, f. (Don. 1. 129), lieb, teuer; altpreuß. mil-s, myl-as, lat. mihł-s. Meil-ie, Gen. mejl-ies, Liebe. Altpreuß. myl-an (82), myl-in (89), Akk. lat. mihł-iba, mihł-estiba. Mejl-ing-as, m., mejl-ing-a, f., liebenswürdig, freundlich, wohlgesinnt. Lat. mihł-igs. Manchmal trennt der Verlust der Kinder die Eltern. (Don. 1. 184). Es sei, als wäre irgendein wohlwollender Wohltäter. (Don. 1. 186). Sie begrüßte die liebe Freundin (Don. 1. 47). Mal-on-ie, Gen. mal-on-ies, Gnade, Wohlwollen, Gunst (Don. 1. 158). Mīl-ist-a, Gen. mīl-ist-os, Gnade (vorwiegend bei den Žemaiten in der Anrede an vornehme Personen gebraucht). Wie hat Eure Gnaden sich in der Not des Winters durchgeschlagen? (Don. 1. 160). [5] Min, men, man, mon; lat. min, man; altpreuß. men, min; slaw. мѣн, мън, мин, мѧ (=men) At-min-ti, Präs. at-men-u, Prät. at-min-iau, sich erinnern, sich ins Gedächtnis rufen. Pa-min-ie-ti, Präs. pa-men-u, Prät. pa-min-ie-jau, erwähnen, gedenken, sich erinnern, nicht vergessen. Lat. pee-min-neht, an etwas denken. Aber vergiss auch uns nicht (Don. 1. 139). 220 Isz-min-tis, Gen. isz-min-t-ies, Verstand, Vernunft. Lat. manna (prah̄ts). Isz-min-ting-as, Gen. isz-min-ting-a, klug, verständig, weise. Die weisen Männer kamen aus dem Osten nach Jerusalem (Matth. 2. 2). O.E. Се влъсви отъ въстока придоша въ Иерслымъ. Pra-man-i-ti, Präs. pra-man-au, Prät. pra-man-iau, sich ausdenken, ersinnen, machen. Naujas wyžas prasi-man-o. (Don. 1. 251). Neue Bastschuhe werden geflochten. Pra-mon-ie, Gen. pra-mon-ies, Erfindung, Ausgedachtes, Schöpfung, Gestalt. Szalczū pra-mon-ės su ledais sugaiszi pagawo (saule). (Don. 1. 3). Das Sonnenscheinchen nahm sich vor, die Schöpfungen der Fröste samt dem Eis zu schmelzen. Nu-si-min-ti, Präs. nu-si-men-u, Prät. nu-si-min-iau, den Mut verlieren, feige sein, sich fürchten. Part. Prät. nu-si-min-es, nu-si-min-usi, mutlos geworden, erschrocken; zaghaft, feige; Smertnay nusi-min-usi (Pelėdpalajke) (Don. 1. 230). Tödlich erschrocken (die Eule). Altpreuß. men-entwey, Infinitiv (1. Konjugationsklasse 2), erwähnen, sich erinnern. At-min-t-is, Gen. at-min-t-ies (n-cz-io), Erinnerung. Altpreuß. men-isnan (in der 1. und 2. Konjugationsklasse), men-issnan (in der 1.), min-isnan (in der 2.), Akk., id. Lat. pee-min-neschana, pee-minna id. Altkirchenslawisch па-мА-ть. [6] Pju, pjau, pjow, pie, pej; lat. plau, slaw. пи. Pju-kl-as, Gen. pju-kl-o, Schneiden; lat. plau-schana. Pjau-ti, Präs. pjau-ju und pjau-nu (j und n verkürzt), Prät. pjow-iau, schneiden, mähen, ernten, sägen. Lat. plaut, id. Pie-wa, Gen. pie-wos, Wiese; lat. pla-wa. Pej-l-is, Gen. pei-l-io, Messer (lat. nasis). Per-pjau-ti, einschneiden, durchschneiden.... gerklė përpjaut (Don. 1. 233) die Kehle einschneiden. [7] Spjau, spjow, lat. ssplau, slaw. плю, пле, блю und бле. Ostslaw. плъ, плъ. Spjau-ti, Präsens spjau-ju und spjau-nu (j und n sind Synkopen), Präteritum spjow-jau, spucken, ausspucken (vgl. sich übergeben, kotzen). Lat. sspIaut. Spjau-di-ti, Präsens spjau-d-au, Präteritum spjau-dži-iau, spucken. Lat. splau-diht. Ostslaw. плъ-вати. Tai ir Bur’s tur spjau-dit (Don. 1. 123). Dann muss auch der Bauer spucken. III BEZEICHNUNGEN DER VERWANDTSCHAFTSGRADE IN DER LITAUISCHEN SPRACHE, VORWIEGEND IN DER UMGEBUNG DER STADT PANEVEŽYS (IN DER PFARREI PUŠALOTAS) VON K. S. ANTONIUS JUŠKEVIČIUS GESAMMELT Bezeichnungen der Ehepartner füreinander. Moteristė, (kor, motė, Mutter), Ehe. Pats, Gen. patės, Ehemann. Wörtlich bedeutet es „selbst“. Wīrs, Gen. o, Ehemann. (Allgemein gebräuchliches Wort). Prejkszas, -o, (Pusch. und Samogit.), zweiter Ehemann. Užkuris, -o, (Pusch.), zweiter Ehemann (Samogit., obwesch.), dritter Ehemann. Užtupis, -o, (Pusch.), dritter Ehemann (Samogit.), vierter Ehemann. Untszupas, -o, (Pusch.), dritter Ehemann (Samogit.), vierter Ehemann. Pati, Gen. paczós, Ehefrau, wörtlich bedeutet es „selbst“. Genterė, -es, (Pusch.) Ehefrau zweier Brüder. 221 Verwandtschaftsbezeichnungen des Ehemanns gegenüber der Ehefrau. Szeszuras, -o, (жмуд.) Szás zuras, -o, (литов.) Schwiegervater. Anita, -os, (allgemein), Schwiegermutter. Deweris, -o, (Pusch.) Schwager (schmud., veraltet). Diweris, -o, Inté, -es, (Pusch.) Schwiegertochter; Ehefrau des Schwagers. Mosza, -os, (Pusch.) Schwägerin [sic!] (schmud., veraltet). Verwandtschaft der Frau im Verhältnis zum Ehemann.. Oszwis, -o (polnisch-litauisch) Uoszwis, -o (litauisch) Uszwis, -o (samogitisch) Schwiegervater. Oszwé, -es, (polnisch-litauisch) Uoszwé, -es, (litauisch) Uszwis, -o, (samogitisch) Schwiegermutter Uszwené, -es, (samogitisch), Schwiegermutter. Łajgonas, -o, (polnisch-litauisch), Schwager. Łajgonéné, -es, (polnisch-litauisch), die Frau des Schwagers. Swajné, -es, (polnisch-litauisch), Schwägerin [sic!] Swajnis, -o, (polnisch-litauisch), Schwager. Bezeichnungen für den Vater und seine Verwandten in Bezug auf die Kinder. Téwas, -o, (allgemein), Vater. Swotas, -o, (Pusch.), Vater eines Knaben [so!] oder eines jungen Mannes. Tetis, Gen. teczó, (Pusch.), Vater. Tetajtis, Gen. tetajczo, (Pusch.), Väterchen. Tetutis, Gen. tetuczó, Tetuszis, -o, Patéwis, -o, (allgemein), Stiefvater. Patetis, Gen. pateczó, (Pusch.), Stiefvater. Dédé, -es, (allgemein), Onkel, Bruder des Vaters oder der Mutter. Dédina, -os, Frau des Onkels Dédéna, -os, Teta, -os, (allgemein), Tante väterlicher- und mütterlicherseits. Tétuła, (Pusch.) Tétuté, (allgemein), Tantchen. Tétulé, (Pusch.) Tété́nas, -os, (Пуш.), Onkel, der Ehemann der Tante. Tétuténas, -os, (Пуш.), ebenda. Brolenas, -o [так! Было -os, но s зачеркнуто], (Пуш.), Cousin. Brolauczá, -os, (Пуш.), Cousine. Bezeichnungen für die Mutter und ihre Verwandten aus der Perspektive der Kinder. Moté, -es, (Пуш.), Mutter. In anderen Mundarten veraltet. Moczé, -es, (Пуш.), Mutter. In anderen Mundarten veraltet. Motina, -os, (allgemein), Mutter. Matulé, -es, (allgemein), Mütterchen. Matuté, -es, (allgemein) Moczeka, -os, (allgemein), Stiefmutter [так!]. Pamomé [так!], -es, (Пуш.), Stiefmutter [так!]. Awinas, -o, (Пуш.), Onkel mütterlicherseits. 222 Awinéné, -es, (Пуш.), Tante, die Frau des Onkels väterlicherseits. Seserénas, -o, (Пуш.), Cousin, Sohn der Tante (mütterlicherseits). Seserécza, -os, (Пуш.), Cousine, Tochter der Tante (mütterlicherseits). Bezeichnungen der Kinder im Verhältnis zu den Eltern. Sunus, -aus, (allgemein), Sohn. Marti, Gen. marczós, Schwiegertochter; slaw. Schwiegertochter. Posunis, o, (allgemein), Stiefsohn. Dukté, -es, (allgemein), Tochter. Dukra, -os (Пуш.), Tochter. Podukra, -os (Пуш.), Stieftochter. Anukas, -o, (Пуш.), Enkel. Anuké, -es, (Пуш.), Enkelin. Bezeichnungen der Vorfahren. Boczús, -aus, Praboczús, -aus, Predkas, -o Prád́kas, -o Vorfahre. Senis, -o, (общее) Senelis, -o, (общее) Senutis, (cz)o (общее) Sentevis, -o (общ[ее]) Sursenis, -o, (общ[ее]) Sursenélis, -o (общ[ее]) Parkarszes, (sz)usó, (общ[ее]) Sené, -es, (общее) Großvater alter Mann. alter Mann. alter Mann. alter Vater. hochbetagt. hochbetagt. altersschwach. eigentlich Senelé, -es, (allgemein) Senuté, -es, (allgemein) Senmoté, -es, (Pusch.) Sursené, -es, (allgemein) Sursenélé, es, (allgemein) Bobuté, es, (allgemein) Großmutter alte Frau. alte Frau. alte Frau. alte Mutter. hochbetagt. hochbetagt. eigentlich Bezeichnung der Kinder im Verhältnis zueinander. Brolis, -o, (allgemein), Bruder. Brólelis, -o, (allgemein), Brüderchen Brolajtis, (cz)o, Brolajtelis, -o, (zweiten Grades) Brolelukas, -o, (zweiten Grades) Brolitis, (cz)o, Brolitelis, -o, (zweiten Grades) Brolitukas, -o, (zweiten Grades) Brolitužis, -o, (zweiten Grades) Brolukajtis, -(cz)o, (zweiten Grades) Brolukas, -o, Brolekelis, -o, (zweiten Grades) Brolulajtis, (cz)o, (zweiten Grades) Brohutelis, -o, Brolulis, -o, Brohutajtis, -cz(o) [takl], (zweiten Grades) Brohutis, (cz)o, Brohužajtis, (cz)o, Brohužis, -o, Brohuželis, -o, (Puš.) (zweiten Grades) Koseformen 223 Pusbrolis, -o, Stiefbruder. Brotuszis, -o, (Pusch.), Neffe, Sohn des Bruders. Alt-russ. братань, kirchenslaw. братаничь. Brotuszė, -ės (Pusch.), Nichte, Tochter des Bruders. Altruss. братана. Kirchenslaw. братанична. Seja, -os, (Pusch.), Schwester. Sejelė, -ės, (Pusch.), Schwesterchen. Sesù, Gen. sesers, (allgemein), Schwester. Seserinczús, -aus, Neffe, Sohn der Schwester. Seserinczá, -os, Nichte, Tochter der Schwester. Dwinei, -u, (allgemein), Zwillinge. Dwinickej, -u, (Pusch.), Zwillinge. Bezeichnungen für Personen geistlicher Verwandtschaft. Kumas, -o, (allgemein), Pate. Kuma [sic!], -os, (allgemein), Patin. Pirszlis, -o, (allgemein), Schwiegervater des Brautpaares. Podé, -es, (Pusch.), Pate. Podéné, -es (Pusch.), Patin. Swotas, -o (schmud.), Brautführer, Zeuge bei der Eintragung des jungen Paares. Swoczė, -os (allgemein), Hochzeitsmutter. Biczùlis, -o (allgemein), derjenige, der einen Bienenstock als Glückszeichen angenommen hat. Bitùinkas, -o, (Pusch.), dasselbe. Giminė, -ės, (allgemein), Verwandtschaft. Giminajitis, (cz)o, Verwandter. Giminajtė, -es, Verwandte. Gentís, -es, Verwandtschaft. Gentistė, -es, Verwandtschaft.