Lietuviška specialioji buitinė leksika Smalininkų–Pagėgių vokiečių šnektoje
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LIETUVIŲ TERMINOLOGIJA
LIETUVOS TSR MOKSLŲ AKADEMIJA
E. GRINAVECKIENĖ
LITAUISCHE SPEZIELLE ALLTAGSLEXIK IN DER DEUTSCHEN MUNDART VON SMALININKAI–PAGĖGIAI
Die Kontakte zwischen den westlitauischen Mundarten, die von einem Teil der Einwohner der Rajongemeinden Klaipėda, Šilutė und Jurbarkas gesprochen werden, und der hier verwendeten lokalen deutschen Mundart sind bislang, kann man sagen, unerforscht. Ganz unbeachtet geblieben ist die Frage, wie die lokalen litauischen Mundarten die deutsche Mundart beeinflusst haben.
Die Einheimischen dieses Gebiets sind Litauer. Ihre Muttersprache ist Litauisch. Da dieses Territorium jedoch lange Zeit (vom 13. Jahrhundert bis 1923) rechtlich, wirtschaftlich und politisch zu Deutschland gehörte, wurde es teilweise germanisiert. Die deutsche Sprache breitete sich in der Region aus. Daher sprachen die Menschen hier neben Litauisch früher auch eine für Ostpreußen typische deutsche Mundart (Plattdeutsch). Im Laufe der Zeit zog sie sich dank der Schulen und des Bildungswesens aus dem öffentlichen Leben zurück. An ihre Stelle trat eine Mundart, die der deutschen Literatursprache nahestand und von lokalem Kolorit geprägt war. Neben ihrer litauischen Muttersprache sprachen die einheimischen Litauer diese Mundart; ein Teil von ihnen spricht sie manchmal auch heute noch. Die letztere Mundart hat jedoch unter dem ständigen Einfluss der lokalen litauischen Mundarten einen gewissen Einfluss des Litauischen erfahren. Zudem schwindet sie, nachdem sie sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat, besonders in der Sprache der Jugend rasch.
Das Gebiet Smalininkai–Pagėgiai (Rajongemeinden Jurbarkas und Šilutė) ist eines jener Sprachareale, in denen die nach dem Großen Vaterländischen Krieg in geringer Zahl verbliebenen Einheimischen aus den oben genannten Gründen neben ihrer litauischen Muttersprache2 gut Deutsch können (sie schreiben überwiegend nur auf Deutsch3 und unterhalten sich nicht selten, besonders zu Hause und untereinander, sogar noch heute auf Deutsch.
Durch den Kontakt zwischen den Mundarten der beiden Sprachen in diesem Gebiet sind in jeder von ihnen zahlreiche Elemente entstanden, die für das System der jeweils anderen Sprache charakteristisch sind. Am deutlichsten zeigt sich der Einfluss im Wortschatz.
Als wir 1961–1973 die litauischen Mundarten dieser Region erforschten und dialektales Material für den „Atlas der litauischen Sprache“ sammelten, zeichneten wir in der lokalen deutschen Mundart mehrere Dutzend litauisch-
1 Žr. Mažoji lietuviškoji tarybinė enciklopedija, II, Vilnius, 1968, p. 154—156.
2 Apie šio krašto šnektą plačiau žr. A. Salys, Lietuvių kalbos tarmės, Kaunas, 1935, p. 53—62; E. Grinaveckienė, Kai kurios lietuvių kalbos tarmių ypatybės, — Lietuvių kalbotyros klausimai (toliau LKK), V, Vilnius, 1961, p. 161—165; Lietuvių kalbos tarmės (chrestomatija), Vilnius, 1970, p. 174—178.
3 Die Einheimischen hatten deutsche Schulen besucht.
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… Wörter⁴, die mit dem Leben der Bauern zusammenhängen. Sie werden hier in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Bétenbartsch⁵ Hybridbildung „Suppe aus roten Rüben“: wir haben heute Bétenbartsch gekocht; vgl. die litauische Entlehnung aus dem Slawischen barščiai, ferner ostpreußisch-deutsch mundartlich Bartsch „Borschtsch“ (A. Sabaliauskas, Lietuvių kalbos leksikos raida, — LKK VIII, Vilnius, 1966, S. 96).
Bijónen „Pfingstrosen“ (Paeonia): die Bijónen blühen; vgl. die litauische Entlehnung aus dem Slawischen bijūnai, ferner ostpreußisch-deutsch mundartlich Bijon „Pfingstrose“ (LKK VIII 96).
Blätterbartsch Hybridbildung „Suppe aus roten Rübenblättern und -stängeln“: Blätterbartsch schmecken mir gar nicht; vgl. Betenbartsch.
Bótten „Gummistiefel, hoher Damenstiefel aus Gummi“: mit Bótten kann man durch Dreck gehen; vgl. die litauische Entlehnung aus dem Slawischen bótai.
Brotkückel Hybridbildung „Brotlaib“: wo hast du den Brotkückel gelegt; vgl. Kückel.
Géntis „Verwandte“: wenn Géntis kommen, dann Feiertag ist; vgl. litauisch gentys.
Grícken „Buchweizen“: die Grícken werden auf Sandboden angebaut; vgl. die litauische Entlehnung aus dem Slawischen grikiai, ostpreußisch-deutsch mundartlich Grick, Grícken (LKK VIII 97).
Gríckenbrei Hybridbildung „Buchweizenbrei“: wir haben Gríckenbrei gekocht; vgl. Grícken.
Júckas „Suppe aus Gänseblut, getrockneten Äpfeln und Kartoffelklößen“: wir hatten Júckas gekocht, aber mir schmeckt Júckas nicht, denn da ist alles durcheinander; vgl. litauisch jukà, mundartlich jùkas (Jurbarkas). Der Form nach zu urteilen, ist Júckas zweifellos über litauische Mundarten entlehnt worden. Doch auch der Wortstamm juk- selbst ist im Litauischen mit zahlreichen eindeutigen Verwandten vertreten, wie jau-ti, jauk-ti „mischen“, jūk-ti „sich vermischen“, sujūk-ti „durcheinandergeraten“ u. a.; daher ist sie vermutlich auch im Litauischen kein Slawismus. Zwar leiten A. Brückner, Pr. Skardžius und E. Frenkelis sie vom Slawischen jucha⁶ ab, doch äußert Fr. Slavskis die letztere Ansicht bereits mit einiger Skepsis: „…z pol.: niem. Jauche „gnojówka, ciecz z w zrodu“…, może (praretinta mūsų) i lit. jukà „czarna polewka“⁷. Da der Stamm vielen indoeuropäischen Sprachen bekannt ist (darunter auch dem Sanskrit und Altgriechischen), gehören wahrscheinlich auch das litauische jukà sowie die zuvor genannten verwandten Wörter zum alten indoeuropäischen Wortschatz.
Kádick „Wacholder“: der Kádick ist meist nur ein Strauch, selten ein Baum; vgl. litauisch mundartlich kadigỹs, standardlitauisch kadagỹs, ostpreußisch-deutsch mundartlich Kaddig, Kaddik (LKK VIII 97). Das untersuchte Wort hat die Länge des betonten a im litauischen Äquivalent bewahrt; vgl. kãdagi.
Kádicksbeeren hibr. „kadagio uogos“: die Kádicksbeeren im Herbst sind blau, žr. Kádick.
⁴ Die Autorin des Artikels dankt den Bewohnern der Gegend herzlich — der Volkskünstlerin Lidija Meškaitytė und ihren Eltern Ona und Jonas Meškaičiai, die im Dorf Antšvenčiai im Gebiet Smalininkai, Rajon Jurbarkas, leben und einen Teil der aufgezeichneten Lexik beigesteuert sowie das gesamte Material überprüft haben.
⁵ Der Stoßtonakzent markiert hier und im Folgenden die Akzentstelle der angeführten Litauismen.
⁶ Žr. Die slavischen Fremdwörter im Litauischen von A. Brückner, Weimar, 1877, p. 88; Die slavischen Lehnwörter im Altlitauischen von Pranas Skardžius, Kaunas, 1931, p. 91; E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch (toliau LEW), Göttingen, 1962, p. 199.
⁷ Vgl. Fr. Sławski, Słownik etymologiczny języka polskiego, I, Kraków, 1952—1956, S. 585—586.
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Kalóschen „Galoschen“: er ist ausgegangen auf Kalóschen, vgl. die litauische Entlehnung kaliōšai, die über das Polnische übernommen wurde (LEW 209).
Kántschuck „Lederriemen“: willst mit dem Kántschuck, vgl. die aus dem Slawischen entlehnte litauische Form kańčiukas. Zur Akzentstelle vgl. Baltistica, VIII(2), Vilnius, 1972, 203.
Kissel „Haferkissel“: Kissel kocht man aus Hafermehl, vgl. litauisch dialektal kyšelis, polnisch kišielius, ostpreußisch-deutsch dialektal Kissel (LKK VIII 97).
Kírmin ts „Würmchen“: kuck — da langer dicker Kírmints, vgl. litauisch dialektal kírminė (Jurbarkas), polnisch kírminas.
Klēte „Speicher“: die Klēte ist ein Vorathaus, vgl. litauisch dialektal klētė, polnisch klētis, ostpreußisch-deutsch dialektal Klete (LKK VIII 97).
Klíbbas „altes Messer“: dieses Messer ist ein alter Klíbbas, vgl. litauisch klibapeilis, klíbis, klíbius: klibėti; ostpreußisch-deutsch dialektal Klibbacksch „abgenutztes Messer“ (LKK VIII 97).
Kódder „Lumpen“: der Kódder ist schmutzig, vgl. litauisch skūduras. Zum Wechsel sk: k vgl. litauisch (s)kerdžius, (s)káutis, (s)krėgždė u. a. Das Wort dürften wahrscheinlich auch die ostpreußisch-deutschen Mundarten⁸ entlehnt haben, denn es ist in keinem anderen deutschen Wörterbuch belegt. Die Ableitung kodderig „armselig, schlecht“ aus dem Wörterbuch von H. Frischbier dürfte unbegründeterweise auch in D. Šlapoberskis’ „Deutsch-litauisches Wörterbuch“⁹ aufgenommen worden sein.
Kriwúlle „ein solcher Stab mit einer eingelegten schriftlichen Mitteilung“: er ist von uns die Kriwúlle gebracht, vgl. litauisch krivūlė, krivūlė, ostpreußisch-deutsch dialektal Kriwūle (LKK VIII 98).
Krúschkis „Birne“: Krúschkis gibt es viele Sorten, vgl. die aus dem Slawischen entlehnte litauische Form grišė, dialektal griūškė „schlechte, kümmerliche Birne“ (Jurbarkas).
Kúckel „kepalas“: ich habe einen Kúckel Brot gekauft, plg. liet. kūkulís.
Kúijel „Eber“: unser Kúijel ist noch jung, vgl. die litauische Entlehnung aus dem Slawischen kuilýs, ostpreußisch-deutsch mundartlich Kuijel (LKK VIII 98).
Kújelfleisch Hybridbildung „Eberfleisch“: Kújelfleisch ist nicht zu geniessen, siehe Kúijel.
Kúpst „kupstas“: auf der Wiese sind viel Kúpsten, plg. liet. kūpstas, Rytpr. vok. tarm. Kupst (LKK VIII 98).
Kúpstenbildung Hybridbildung „Dünenbildung“, vgl. litauisch kūpstas.
Lánkas „Auen“: wir werden in Lánkas fahren nach h Heu, vgl. litauisch laṅkos, dialektal laṅkas (Jurbarkas).
Lórbas „Tölpel“: was machst du Lórbas da schon wied er, vgl. litauisch liūrbis, ostpreußisch-deutsch dialektal Lórbas (LKK VIII 98).
Mágritsch „Trinkgeld nach einem Geschäftsabschluss“: wer wird uns Mágritsch geben, vgl. die aus dem Slawischen entlehnte litauische Form magaryčios, dialektal magryčios, ostpreußisch-deutsch dialektal Magritsch (LKK VIII 98).
Máldininker „Versammlungsbesucher, Besucher eines Gebetshauses“: die Máldininker ziehen von Ort zu Ort, vgl. litauisch dialektal maldininkas (Jurbarkas), ostpreußisch-deutsch dialektal Maldininker (LKK VIII 98).
Merjéll „Dienstmagd, Halbwüchsige“: das ist eine fleissige Merjéll, vgl. litauisch mundartlich mergelė (Pagėgiai), standardlitauisch mergėlė, ostpreußisch-deutsche Mundart Mergell (LKK VIII 98).
8 Žr. Preussisches Wörterbuch Ost- und Westpreussische Provinzialismen in alphabetischer Folge von H. Frischbier, Berlin, 1882, p. 399.
9 D. Šlapoberskis, Vokiečių-lietuvių kalbos žodynas (II le id.), Vilnius, 1972, p. 542.
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Meschkínnis „Wodka mit Honig“: Meschkínnis ist ein guter Getränk, vgl. litauisch meškinis.
Mútrus „eine bestimmte Kopfbedeckung verheirateter Frauen“: die Frau hat sich einen Mütrus aufgebunden, vgl. litauisch mūturas, ostpreußisch-deutsche Mundart Múmuras (LKK VIII 98).
Nuogális „nuogalis“: ach du Nuogális du könnte sich wenigstens etwas anziehen.
Pággel „pagalys“: der Pággel brennt nicht: er ist zu naß.
Páuten „männliche Geschlechtsorgane“, vgl. litauisch paũtai, ostpreußisch-deutsche Mundart Pauten (LKK VIII 98).
Pelúd „Spreuhaufen“: trage den Spreu in die Pelúd, vgl. ostpreußisch-deutsche Mundart Pelud (LKK VIII 99).
Pípack „Kuchen“: wir werden ein guten Pípack ausbacken, vgl. das aus dem Slawischen entlehnte litauische pyrágas, mundartlich pýragas, ostpreußisch-deutsche Mundart Pirack (LKK VIII 99).
Plíckkugelis „ohne Fett gebackener Brei aus geriebenen Kartoffeln“: wir hatten nur ein Plíckkugelis gebacken, vgl. litauisch mundartlich, Hybridbildung plikugelis (Jurbarkas).
Púkis „pūžlys (Acerina cernua)“: Púkis ist ein stachliger Fisch, plg. liet. pū̃kis, Rytpr. vok. tarm. Pukis (LKK VIII 99).
Ráinus „Rainius, Name eines grauen Katers“: unser Ráinus hat ein Maus gefunden, vgl. litauisch mundartlich Raĩnus (Smalininkai) < Raĩnius.
Scháckel „Reisig, Ast“: der Scháckel brennt gut, vgl. litauisch šakalỹs.
Schlórre „hölzerner Schlupfschuh ohne Fersenriemen“; übertragen „liederliche Frau“: die Schlórren sind zu groß; ach, du alte Schlórre, vgl. litauisch šliùrė.
Bislang vertreten Sprachwissenschaftler einhellig die Auffassung, dass litauisch šliùrė ein Germanismus sei10. Diese Auffassung wird jedoch in den genannten Quellen lediglich festgestellt, aber von niemandem bewiesen. Das Argument, dass das Wort den deutschen Mundarten Ostpreußens bekannt sei, erscheint uns unzureichend, um diese Auffassung zu begründen. Dass das Wort in keinem anderen deutschen Wörterbuch vorkommt, lässt an dieser Auffassung zweifeln. Das Wort šliùrė ist mit den genannten Bedeutungen in Litauen weit verbreitet und auch in Lettland bekannt (in Lettland ist es zudem auch mit anderen Bedeutungen gut bekannt11); wäre es daher nicht zuverlässiger, es als baltisch anzusehen und als stammesverwandt mit den semantisch sehr nahestehenden Wörtern šliùrti „weich werden, matschig werden, schlapp werden“ (vgl. pašliùręs „matschig geworden“ kėlias; neišsimiegojusi, todėl susšliūrusi), šliùrinėti „herumstreunen“ und anderen Ableitungen zu betrachten.
Schúdwabbel „Mistkäfer (Geotrupes stercorarius)“: ein Schúdwabbel fliegt na und wie, vgl. litauisch mundartlich šídvabalis, siehe Wábbel.
Schúppinis „Eintopfgericht“: Fastnacht feiert Katz und Maus, Schúppinis gibts in jeden Haus, vgl. litauisch mundartlich šùpinis (Smalininkai), ostpreußisch-deutsche Mundart Schuppinne (LKK VIII 100).
Trusch „Kaninchen“: wir haben sieben Trüschen, vgl. litauisch triušis, mundartlich trùšis.
Trüschenfleisch Hybridbildung „Kaninchenfleisch“: Trüschenfleisch soll gesund sein, siehe Trusch.
Wábbel „Käfer“: da fliegt der kleine Wábbel, vgl. litauisch mundartlich vàbals (Pagėgiai), standardlitauisch vábalas, ostpreußisch-deutsche Mundart Wabbel (LKK VIII 100).
10 K. Alminauskis, Die Germanismen des Litauischen, Kaunas (Erscheinungsjahr nicht angegeben), 129; LEW 1007; LKK VIII 94.
11 Siehe K. Mühlenbachs Latviešu valodas vārdnīca, herausgegeben, ergänzt und fortgeführt von J. Endzelīns, IV, Rīga, 1929–1932, S. 75–76.
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Warschkėtschai „eine Speise aus Mehl und Quark, in große dicke Stücke geschnitten“: Warschkėtschai aus Quark, Ei und Mehl kann man schnell zu bereiten, vgl. litauisch dial. varškėčiai (Smalininkai), poln. varškėčiai.
Wäschkodder hibr. „mazgote“: in der Küche braucht man ein Wäschkodder, plg. Kodder.
Wėnter „Venter“: wir haben zwei Wėntern, vgl. ostpreußisch dt. dial. Wenter (LKK VIII 100), lit. vėnteris.
Die angeführten Litauismen aus der örtlichen deutschen Mundart der Gegend von Smalininkai–Pagėgiai sind ausschließlich spezifische, mit der alltäglichen menschlichen Tätigkeit verbundene Begriffe und ausnahmslos Substantive. Die meisten stimmen in ihrer Form völlig mit der entsprechenden litauischen Form überein, die in der örtlichen litauischen Mundart verwendet wird. So haben etwa die Wörter Merjėll, Nuogállis, Pággel, wie auch in jener litauischen Mundart das kurze alte betonte a, e bewahrt (vgl. mergėlė, nuogális, pàgali, und das Wort Kirmints ist hier mit ausgefallenem beweglichem auslautendem a eingedrungen, d. h. in der Form, in der es in der örtlichen litauischen Mundart ausgesprochen wird (vgl. lit. kirmìnas); im Wort Lánkas ist ebenfalls die für die Mundart charakteristische Endung erhalten (vgl. lit. lañkos). Es kommen Fälle vor, in denen ein Lehnwort die für die Mundart, aus der es übernommen wurde, charakteristische Betonung bewahrt, z. B.: Máldinin-ker (vgl. lit. maldinìnikas). Im Lehnwort bleibt meist auch die für die litauische Mundart charakteristische Aussprache der Konsonanten erhalten, z. B.: Ráinus, Warschkėtschai (vgl. lit. Raiñius, varškėčiai).
Unter den Entlehnungen anderer Wortarten ließen sich keine Belege finden. Am interessantesten ist, dass in der örtlichen deutschen Mundart kein einziges Verb belegt ist – das lebendigste Sprachelement überhaupt –, während diese Mundart aus dem Litauischen nur das entlehnt, was sie selbst nicht hatte. All dies zeigt zweifellos, dass die Kontakte zwischen den beiden Sprachsystemen in diesem Gebiet nicht sehr intensiv gewesen sind.
Э. ГРИНАВЯЦКЕНЕ
LITAUISCHE SPEZIELLE ALLTAGSLEXIK IN DER DEUTSCHEN MUNDART IN DER UMGEBUNG VON SMALININKAI UND PAGĖGIAI IN DER LITAUISCHEN SSR
Zusammenfassung
Die Umgebung von Smalininkai und Pagėgiai (die Rajone Jurbarkas und Šilutė der Litauischen SSR) gehört zu jenen Gebieten, in denen die einheimische Bevölkerung, die lange Zeit unter deutscher Herrschaft stand, bis heute sowohl ihren litauischen Dialekt als auch Deutsch spricht (Deutsch wird überwiegend nur innerhalb der Familie gesprochen). Infolgedessen ist in ihrem deutschen Dialekt ein gewisser Einfluss des Litauischen festzustellen.
Der Beitrag richtet das Augenmerk auf lexikalische Entlehnungen im örtlichen deutschen Dialekt und untersucht etwa 50 Lexeme litauischer Herkunft, die der Autor bei der Sammlung dialektaler Materialien für den „Atlas der litauischen Sprache“ in den Jahren 1961–1973 darin aufgezeichnet hat.
Alle aufgezeichneten lexikalischen Litauismen sind Substantive, die spezifische, mit dem Alltagsleben des Menschen verbundene Begriffe bezeichnen. Fast alle stehen ihrer Form nach den direkten Entsprechungen nahe, die im örtlichen litauischen Dialekt verwendet werden, z. B. in den Wörtern Merjėll „Hörige“, Nuogállis „armer Schlucker“, Pággel „Knie“, Wäbbel „Käfer“ usw. Die betonten a und e sind kurz geblieben. Kirmints „Wurm“ und Lánkas „Wiese“ werden mit phonetisch verkürzten Endungen verwendet, wie auch im örtlichen litauischen Dialekt (vgl. lit. Standardsprache mergėlė, nuogális, pàgali, vãbalą, kìrmìnas, lañkos). Es gibt Fälle, in denen eine Entlehnung die für den litauischen Dialekt charakteristische Akzentuierung beibehält
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(z. B. Mâldininker „Gärtner“), die für den litauischen Dialekt typische Aussprache einzelner Konsonanten (z. B. Ráinus „bunte Katze“, Warschkėtschai, vgl. Standardsprache Rainius, varškėčiai) und anderes.
Entlehnungen aus anderen Wortarten wurden im untersuchten Gebiet nicht aufgezeichnet. Bedeutsam ist auch, dass darin kein einziges litauisches Verb belegt ist – das lebensfähigste Element einer Sprache. In der Regel wurden in den örtlichen deutschen Dialekt nur solche Wörter entlehnt, die dort fehlten. All dies deutet darauf hin, dass die Kontakte zwischen den beiden unterschiedlichen Sprachsystemen in diesem Gebiet nicht intensiv waren.