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Dėl keleto socialinių terminų K. Širvydo raštuose

J. Karaciejus

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IŠ LIETUVIŲ KALBOTYROS ISTORIJOS LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XX (1980) J. KARACIEJUS ZU EINIGEN SOZIALEN TERMINI IN DEN SCHRIFTEN VON K. ŠIRVYDAS Von allen im 17. Jahrhundert im Großfürstentum Litauen erschienenen Büchern in litauischer Sprache ragen die Arbeiten von K. Širvydas hervor. Erstens waren seine „Punktai sakymų“ keine Übersetzung aus einer anderen Sprache, sondern eigenständige Predigten, die der Autor selbst ins Polnische übertrug; zweitens stellte K. Širvydas als Erster in Litauen ein Wörterbuch zusammen und veröffentlichte es: „Dictionarium trium linguarum“. Darin gab er litauische Entsprechungen zu polnischen und lateinischen Wörtern an, die er der lebendigen Volkssprache entnahm, als Neuschöpfungen bildete oder durch verschiedene Wortverbindungen erklärte. Da „Punktai sakymų“ ein Buch kirchlichen Inhalts ist und darin die kirchliche Terminologie vorherrscht, während soziale Termini (Lehnwörter ausgenommen) nur spärlich vorkommen, scheint „Dictionarium linguarum“ unter diesem Gesichtspunkt nützlicher zu sein. Leider lässt sich das nicht ganz sagen, denn K. Širvydas’ Wörterbuch ist kein Bedeutungswörterbuch — der Autor führte darin lediglich litauische Äquivalente zu polnischen und lateinischen Wörtern an. Verständlicherweise werden deshalb auch die Semantik und der Gebrauch litauischer Wörter jener Zeit (und damit natürlich auch sozialer Termini) nicht hinreichend deutlich1. Daher ist es nicht einfach, über den Gebrauch sozialer Termini in den Schriften von K. Širvydas (und nicht nur von K. Širvydas) zu sprechen, denn heute wissen wir nicht genau, wie ein bestimmtes soziales Institut jener Zeit genannt wurde und überhaupt, ob es eine litauische Bezeichnung hatte, da verschiedene Dokumente in anderen Sprachen verfasst wurden. Über den einen oder anderen in alten Schriften anzutreffenden sozialen Terminus kann man daher heute nur recht apriorisch sprechen. Dasselbe lässt sich auch über den Gebrauch sozialer Termini in den Schriften von K. Širvydas sagen. Zudem variiert der Gebrauch solcher Termini in seinen Schriften stark: Einige finden sich nur in „Punktai sakymų“, andere nur im Wörterbuch; oder ein und derselbe soziale Terminus wird in „Punktai sakymų“ in einer Bedeutung verwendet, im Wörterbuch dagegen in einer anderen und umgekehrt. Nur sehr wenige soziale Termini werden sowohl in „Punktai sakymų“ als auch im Wörterbuch mit denselben Bedeutungen gebraucht. Das liegt daran, dass K. Širvydas „Punktai sakymų“ auf Litauisch verfasste, während er im Wörterbuch litauische Entsprechungen für die polnischen und lateinischen Wörter aus den Wörterbüchern von N. Folkmar und G. Knapski auswählte, die er benutzte2. Hier wird nicht von allen sozialen Termini die Rede sein, die in den Schriften von K. Širvydas vorkommen, sondern nur von einigen, die in „Punktai sakymų“ und im Wörterbuch häufiger und in unterschiedlicher Weise verwendet werden, zumal die Bedeutung jedes einzelnen sozialen Terminus in den Schriften von K. Širvydas vergleichsweise zahlreiche Fragen aufwirft. 1 Пакалка К. Первый литовский словарь. Автореферат канд. дис. В., 1964, с. 11—12. 2 Pakalka K. Dėl K. Širvydo „Dictionarium trium linguarum“ lenkiškosios dalies šaltinio. — MA Darbai, 1960, t. 1(8), p. 229—233; Pakalka K. Iš K. Širvydo „Dictionarium trium linguarum“ žodyno istorijos. — LKK, 1960, t. 3, p. 280. 101 1. GESCHLECHT Der Terminus giminė gehört zu den Termini, die zur Bezeichnung sozialer Gruppen verwendet werden. In den Schriften von K. Širvydas gibt es nicht sehr viele solcher Termini. Das lässt sich wohl damit erklären, dass in „Punktai sakymų“ und im Wörterbuch ein und dasselbe Wort vergleichsweise häufig in vielen Bedeutungen verwendet wird; das heißt, wo man aus heutiger Sicht unterschiedliche Bezeichnungen erwarten würde, verwendet K. Širvydas eine einzige. Vielleicht spielten dabei die vergleichsweise kurze Schrifttradition oder die Dialekte eine Rolle, auf deren Grundlage der jeweilige Autor schrieb. Außerdem finden sich in den Schriften von K. Širvydas keine so alten sozialen Termini wie tauta, liaudis, die wir in den etwas früher verfassten Schriften von M. Daukša antreffen. Warum das so ist, lässt sich schwer sagen, denn es gibt Grund zu der Annahme, dass K. Širvydas mit den Schriften von M. Daukša vertraut war3 (zumal damals auf dem Gebiet des heutigen Litauen nur wenige litauische Bücher erschienen). Natürlich lässt sich vermuten, dass diese Wörter den ostlitauischen Hochlanddialekten wenig geläufig waren und K. Širvydas deshalb stattdessen Wörter verwendete, die den Bewohnern des Ostens besser bekannt waren: giminė ir žmonės; vgl. in der Wörterbuchausgabe von 1713 (der fünften Ausgabe)4 poln. lud, lat. populus = lit. žmonės (S. 137). Es kann jedoch auch einen anderen Grund geben, den wir heute nicht klar erkennen. Giminė wird in K. Širvydas’ „Punktai sakymų“ und „Dictionarium trium linguarum“ in Bedeutungen verwendet, die für die heutige litauische Standardsprache nicht charakteristisch sind. Vielleicht war das semantische Feld von giminės zu K. Širvydas’ Zeiten weiter gefasst. Allerdings ist es, solange wir kein historisches Wörterbuch der litauischen Sprache haben, sehr schwierig, über die semantische Bandbreite eines bestimmten Wortes (in diesem Fall giminės) zu sprechen, zumal auch im wissenschaftlichen „Lietuvių kalbos žodynas“ zur Veranschaulichung der Bedeutungen von giminės — mit Ausnahme der achten Bedeutung „Generation“, bei der auf die Seite der fünften Ausgabe von K. Širvydas’ Wörterbuch verwiesen wird — keine weiteren Beispiele aus K. Širvydas’ Schriften angeführt werden5. In K. Širvydas’ „Dictionarium trium linguarum“ scheint ein und dieselbe litauische Entsprechung giminė für verschiedene polnische und lateinische Wörter angegeben zu werden, z. B.: poln. národ, lat. natio, gens (tis f.), genus (eris n.) = lit. giminė (SzDi 168); poln. pokolenie, lat. stirps (is f.), progenies (ei f.) = lit. giminė (SzDi 269); poln. plemię / naród, lat. semen, soboles, progenies, propago = lit. giminė, weysle (SzDi 253); poln. ród, lat. genus, notales, stirps, stemma = lit. giminė (SzDi 316). K. Širvydas verwendete giminę demnach sehr allgemein — weder in „Punktai sakymų“ noch, teilweise, im Wörterbuch fügt er erläuternde Wörter hinzu, wie man sie in M. Daukšas „Postilė“ sehr häufig findet und die dabei helfen würden, im konkreten Fall festzustellen, in welcher Bedeutung giminė gebraucht wird; denn aus dem Kontext und der polnischen Übersetzung (gemeint sind „Punktai sakymų“) ist dies nicht immer klar. Daher lässt sich apriorisch annehmen, dass K. Širvydas im ersten Fall mit giminę im Wörterbuch nicht eine Gruppe blutsverwandter Menschen bezeichnete, sondern eine ethnische Gruppe, also möglicherweise im Sinne von „Volk, Nation“ und vielleicht auch „Bevölkerung“- 3 Pakalka K. Iš K. Širvydo „Dictionarium trium linguarum“ žodyno istorijos. — LKK, t. 3, p. 287. 4Verwendet wurde diese Ausgabe von K. Širvydas’ „Dictionarium trium linguarum“. Im Folgenden wird K. Širvydas’ Wörterbuch mit der Abkürzung SzDi bezeichnet, „Punktai sakymų“ (verwendet wurde F. Špechts fotografischer Nachdruck von 1929) mit SP. 5 Lietuvių kalbos žodynas. V., 1956, t. 3, p. 309–310. 102 …. In der Bedeutung „Völker, Nationen“ wird giminė offenbar in folgenden Sätzen aus den „Punktų sakymų“ verwendet6: Ich werde alle Völker versammeln in das Tal Jozaphats / und dort mit ihnen rechten. Vgl. die polnische Übersetzung: Ich werde alle Nationen versammeln, sie in das Tal Jozaphat hinabführen und dort mit ihnen Gericht halten. SP I 4. Der Wurzel Jesse, der als Zeichen für die Menschen steht / zu ihm werden die Völker beten. — Die Wurzel Jesse / die den Menschen zum Zeichen ist / zu ihm werden die Völker beten. SP I 191. Die dritte Zunge / brachte viele in Aufruhr / und zerstreute sie von Volk zu Volk. — Die dritte Sprache / erregte viele / und zerstreute sie von Nation zu Nation. SP II 76. …und in seinem Namen sollen Umkehr und Vergebung der Sünden unter allen Völkern verkündet werden. — …damit in seinem Namen Umkehr und Vergebung der Sünden unter allen Nationen verkündet werde. SP II 253. Im zweiten Fall verwendete K. Širvydas giminę im Wörterbuch wahrscheinlich in der Bedeutung „Generation“7. Schwieriger ist die Frage nach der Verwendung von giminės in der Bedeutung „Generation“ in den „Punktuose sakymų“. Zwar übersetzt K. Širvydas giminę im polnischen Predigttext stellenweise, wie auch im Wörterbuch, mit dem polnischen Wort pokolenie, doch ist die Bedeutung des litauischen Wortes aus dem Kontext nicht eindeutig, zum Beispiel: Ihr werdet auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. — Ihr werdet auf zwölf Stühlen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. SP I 5. Allerdings kommen in den „Punktuose sakymų“ beinahe identische Sätze vor, in denen giminė an einer Stelle mit dem polnischen Wort pokolenie, an einer anderen hingegen mit naród übersetzt wird. Zum Beispiel: In jener Zeit waren die heiligen Apostel und andere erste Christen aus dem jüdischen Volk / die sehr heilig waren … — Zu jener Zeit waren die heiligen Apostel und andere erste Christen aus dem jüdischen Stamm / die von großer Heiligkeit waren … SP I 344. …jene Christen aus dem jüdischen Volk, die Apostel und andere von ihrem Blut / werden sehr heilig sein / ihre Gerechtigkeit und Heiligkeit werden wie eine Flut überströmen. — Diese Christen aus dem jüdischen Volk, die Apostel und andere von ihrem Blut / werden sehr heilig sein / ihre Gerechtigkeit und Heiligkeit werden wie eine Überschwemmung ausströmen. SP I 344. In diesen Sätzen entspricht giminė offenbar bereits dem oben zitierten dritten Fall in SzDi und wird in der Bedeutung „Stamm“, manchmal auch „Sippe“ oder „Volk“, verwendet (vgl. poln. plemię / naród, lat. semen, soboles, progenies, propago = lit. giminė, wysle SzDi 253). Auch in den folgenden Sätzen wird giminė in der Bedeutung „Stamm“ verwendet: Die Erwähnung und Aufzählung verschiedener Herren und Vorgesetzten zeigt und bezeugt die sehr große Bosheit / und die schändliche Ausschweifung des jüdischen Volkes … — Die Erwähnung und Aufzählung verschiedener Herren und Vorgesetzten zeigt und bezeugt die sehr große Bosheit und schändliche Ausschweifung des jüdischen Volkes … SP I 124. Die ganze Menschheit wäre zugrunde gegangen und für immer verloren … — Die ganze menschliche Familie wäre auf ewig zugrunde gegangen … SP I 231. Im vierten Fall wird ród im Polnischen und genus, notales, stirps, stemma im Lateinischen in SzDi vermutlich nicht mit nur einer, sondern mit mehreren Bedeutungen durch giminė erklärt. Berücksichtigt man, dass ród im älteren Polnisch in den Bedeutungen „Geschlecht“ verwendet wurde; 6 Da K. Širvydas giminę mit mehreren polnischen Wörtern übersetzt, werden neben den litauischen Sätzen, in denen giminė verwendet wird, auch deren polnische Entsprechungen angeführt. 7 Wörterbuch der litauischen Sprache, Bd. 3, S. 309. 103 „Art; Volk; Generation; Familie; Geburt“⁸ sowie die Bedeutungen der lateinischen Wörter lässt sich vermuten, dass giminė in diesem Fall mit den Bedeutungen „Nachkommen; Generation, Angehörige“ wiedergegeben wird, gelegentlich wohl auch mit „Familie“. In den „Punktuose sakymų“ findet sich ein Satz, in dem giminė vermutlich in der Bedeutung „Familie“ verwendet wird, zum Beispiel: Teyp broliey Jozepho ne nori io ażu karaliu turet | iog iaunesnių ażu iuos ir ligus iiemus buwo giminey. – Tak Jozepha niechcieli bracia za krolamieć | że młodszym był y w vrodzeniu im rownym. SP I 75–76. Außerdem wird giminė in den „Punktuose sakymų“ häufig mit den erklärenden Wörtern aukšta, didi in der Bedeutung „Abstammung, Adel“ verwendet. Zum Beispiel: …todryn turi atżwilgi ne mažu iew aukštos gimines | iew augalatas | iew gieray turis | iew senos familios ir iš namu skaystu eyt tasay… – deshalb ist es nicht wenig bedeutsam, ob jemand von hoher Abstammung ist | von vornehmer Geburt | reich | aus einer alten Familie stammt und aus einem angesehenen Hause kommt… SP I 75. Doch gimine aukszta | turtas | rubay nedaug padest vnt giero kitu waldżiomo… – hohe Abstammung, Reichtum | Kleidung | helfen nur wenig zu guter Herrschaft…SP I 76. Wel buwo ne iż didźiu giminiu | ney auksz tu namu bet prasti… — …sie waren nicht aus großen Familien | noch aus hohen Häusern | sondern einfache Leute… SP I 298. Jra kam stebetis | kodrin žmones labiausiey didźios gimines | ir vnt aukštu sostu pasodinti tiesos ne mili… – Ist es ein Wunder | dass Menschen | besonders | von hoher Abstammung | und auf hohen Stühlen sitzend | die Wahrheit nicht lieben? SP II 137. Zusammenfassend lässt sich offenbar feststellen, dass K. Širvydas giminė in den Bedeutungen „Volk, Nation; Generation; Stamm, Sippe; Angehörige, Nachkommen, Familie?; Abstammung“ verwendete. Bei der Übersetzung der „Punktai sakymų“ ins Polnische wählte er jedoch, vermutlich gestützt auf den damaligen vieldeutigen Gebrauch einzelner polnischer Wörter oder aus stilistischen Erwägungen, für die eine oder andere Bedeutung von giminės unterschiedliche polnische Entsprechungen. 2. STAMM Neben giminė finden sich in SzDi auch die Wörter gentis, gentystė, die, den polnischen und lateinischen Wörtern im Wörterbuch nach zu urteilen, nicht nur in der Bedeutung giminės, giminystės, sondern das erste offenbar auch in der Bedeutung genties verwendet wurden. Denn SzDi (S. 113) erklärt poln. krewność / powinowáctwo z iedney krwie, lat. consanguinitas mit den litauischen Wörtern gintiste, gintis, während poln. rodźina, lat. cognatorum multitudo (SzDi 316) — allerdings mit Verweis auf V. powinowactwo (für dieses und die lateinischen Wörter cognatio, necessitudo fraterna, etc.: propinquitas (SzDi 286) wird als litauische Entsprechung gimtiste = Verwandtschaft⁹ genannt), — erläutert mit den litauischen Wörtern gintis, gintiste. Daraus folgt, dass gentis, gentystė hier nicht für eine unmittelbar durch Blutsbande verbundene Menschengruppe, sondern eher für eine durch soziale Bindungen verbundene Gruppe nahestehender Menschen verwendet wird. 8 Reczek S. Podręczny słownik dawney polszczyzny. Wrocław—Warszawa—Kraków, 1968, p. 428–429. 9 Lietuvių kalbos žodynas. t. 3, p. 315. 104 3. DIE FAMILIE Zunächst ist zu sagen, dass K. Širvydas dieses Wort nicht so vieldeutig verwendete wie Geschlecht, obwohl auch seine Bedeutungen in den „Punktai sakymų“ nicht immer klar sind. Allerdings übersetzt K. Širvydas sowohl in den Predigten als auch im Wörterbuch Familie mit einem einzigen polnischen Wort, czeladź (vgl. poln. czeladź, lat. familia, famuntium = lit. sieimina SzDi 35). Im älteren Polnisch wurde czeladź jedoch meist in folgenden Bedeutungen verwendet: Geschlecht, Generation, Familie, familia10. Daher finden sich in den „Punktai sakymų“ Sätze, bei denen nicht ganz klar ist, in welcher Bedeutung Familie verwendet wird. Zum Beispiel: Dass die Kinder durch meine Trunksucht, durch Hässlichkeit und andere Übel, die Frau und die Dienerschaft, die Familien verderben oder zum Bösen verführen. SP I 253. Wenn der Herr Söhne, Diener und Familien segnet, bringt er sie nicht in Bedrängnis und hält sie nicht vom Bösen ab. SP I 254. Es scheint, dass K. Širvydas in beiden Sätzen šeimyną weder in einer verallgemeinernden Bedeutung noch im Sinne von „alle Hausangehörigen (eigene und fremde)“11, sondern in einer noch umfassenderen Bedeutung verwendet. Vielleicht schließt K. Širvydas in den Begriff šeimynos alle Nahestehenden und Verwandten oder andere Personen ein, die durch die eine oder andere Beziehung mit der šeimyna verbunden sind. In den „Punktai sakymų“ wird šeimyna relativ häufig in der Bedeutung „alle Hausangehörigen (eigene und fremde)“, das heißt Familienmitglieder, Dienstboten und Tagelöhner, verwendet, zum Beispiel: Priliginta ira karaliste dangaus žmoguy szeyminos wieszpati, kuris iszėjo taba vnksti sumditu darbiniku winičion sawo. SP I 317. Teyp Juobas S. sawo šieyminay perleydzawo bilinet su sawim. SP II 134. Wie wir wissen, wird in den ostlitauischen und teilweise angrenzenden Dialekten sowie in den südaudaitischen Dialekten seit jeher šeimyna auch in der Bedeutung „Familie“ gebraucht. Daher besteht wohl kein Zweifel daran, dass der Ost-Aukštaitier K. Širvydas Familie ebenfalls in der Bedeutung „Familie“ verwendete. Vgl.: Jr iau butu teyp parważiawis | kad ne gera butu sze ymina ii užutüreius… SP II 181. Ergänzend lässt sich anmerken, dass K. Širvydas in den „Punktai sakymų“ gelegentlich das Lehnwort familija in der Bedeutung „Familie“ verwendete und dazu die litauische Erklärung namai angab, vgl.: Ažulaykimas gimines ir familias aba namu. – Auf Polnisch übersetzt: Przyczyna| zachowanie rodziny y famili ey abo domu. SP I 231. Die Verwendung dieser Wörter im zitierten Satz scheint stilistisch motiviert zu sein, denn in der auf Polnisch verfassten Vorrede („Przedmowa do czytelnika“) erklärt K. Širvydas, dass er seine Predigten nicht nur den „einfachen“, sondern auch den „gebildeten“ Hörern (und Lesern) widmet. Vermutlich verwendete K. Širvydas dort, wo ihm ein litauisches Wort für die Hörer (und Leser) unverständlich erscheinen konnte, auch Lehnwörter, obwohl er Fremdwörter ansonsten in seinen Schriften vermied. 4. DER UNTERTAN Eine große soziale Gruppe in jeder Klassengesellschaft bilden die Menschen des niedrigeren Standes – die Untertanen. Historikern zufolge wurden in litauischen Schriften des 16. Jahrhunderts zwei Wörter für Untertanen verwendet: das litauische veldamas und vermutlich ein aus dem Polnischen entlehntes Wort- 10 Rec zek S. Min. veik., p. 53. 11 Dabartinės lietuvių kalbos žodynas. V., 1972, p. 807. 105 das Wort paduonis12. Allerdings wurde neben paduonis in älteren Schriften häufiger padonas, padonasis sowie andere Formen dieser Entlehnung13 verwendet. Die genannten Formen dieser Entlehnung (d. h. padonas, padonasis) verwendete auch K. Širvydas gelegentlich in der Bedeutung „Untertan“, zum Beispiel: Denn jener König nimmt nichts von seinen Untertanen. SP I 243. Am Ende kann er auch seinen Leib durch Fasten züchtigen / quälen / gefangen halten… SP II 154. Denn das Reich Christi macht seine Untertanen frei von Sünden / von der Knechtschaft des Teufels. SP II 155. Allerdings finden sich padonas, padonasis nur in den „Punktuose sakymų“. Diese Entlehnung findet sich nicht in K. Širvydas’ Wörterbuch. Dort gibt er poln. poddany, lot. subiectus, subditus mancipatus adiciu mit dem litauischen Wort waldonas wieder (siehe SzDi 260), das sich hinsichtlich der Wortbildung von dem von M. Daukša verwendeten veldamo unterscheidet: Denn wie die Oberen sind, so sind auch ihre Untertanen oder diejenigen, über die sie herrschen, und sie üben Herrschaft über sie aus. SP I 124. Die Untertanen sollen ihnen gehorchen, sie ehren und alles erfüllen, was ihnen obliegt. SP I 135. Über Jerobeam wird häufig geschimpft, weil er als König seine Untertanen zu schwerer Sünde, das heißt zum Heidentum, geführt hat. SP I 295. König Ahasveros wollte seinen Untertanen ein Festmahl bereiten, besonders den vornehmeren… SP II 94. Die Lehre gibt hier den Großen dieser Welt zu verstehen, sie sollen ihre Untertanen fragen, ob sie schuldig sind. SP II 134. Außerdem erklärt K. Širvydas auf derselben Wörterbuchseite poln. poddánstwo, lat. subiectio ebenfalls mit dem litauischen Wort waldonibe. Sowohl waldonas als auch waldonybė sind offenbar keine Neubildungen von K. Širvydas, denn waldoną verwendeten S. Vaišnoras („Margarita Theologi-ca“, 1600), J. Telega („Kniga Nobaznistes Krikščioniszkos…“, 1653) und andere Autoren. Wahrscheinlich wurde waldonas damals als Synonym von veldamo verwendet. K. Širvydas’ Wörterbuch und Predigten sind, wie alle alten Schriftdenkmäler, eine wertvolle Quelle für die Erforschung der Geschichte litauischer Sozialtermini. In ihnen lassen sich indirekt Bezeichnungen der damaligen sozialen Beziehungen und sozialen Gruppen finden. Ю. КАРАЦЕЮС ÜBER EINIGE SOZIALE BEGRIFFE IN DEN SCHRIFTEN VON K. ŠIRVYDAS Zusammenfassung Die Schriften von K. Širvydas nehmen unter den schriftlichen Denkmälern der litauischen Sprache des 17. Jahrhunderts einen besonderen Platz ein. Seine Predigten („Punktai sakymų“) übersetzte er nicht aus einer anderen Sprache, sondern verfasste sie selbst im Litauischen seiner Zeit und übertrug sie anschließend ins Polnische. Wie bekannt, stellte er als Erster ein dreisprachiges Wörterbuch, „Dictionarium trium linguarum“, zusammen und veröffentlichte es; darin gab er polnischen und lateinischen Wörtern litauische Entsprechungen. Trotz der Originalität des Werks von K. Širvydas sind Gebrauch und Bedeutungsnuancen der Wörter (in diesem Fall der sozialen Begriffe) jedoch nicht immer eindeutig. Dies ist vermutlich auf mehrere Ursachen zurückzuführen, die sich heute kaum bestimmen lassen. 12 Jurginis J. Baudžiavos įsigalėjimas Lietuvoje. V., 1962, p. 204. 13 Wörterbuch der litauischen Sprache. V., 1973, Bd. 9, S. 51, 60–61. 106 Der Artikel untersucht anhand von Verweisen auf das Wörterbuch und die Predigten von K. Širvydas soziale Begriffe der litauischen Sprache wie giminė, gentis, šeimyna, valdonas. Von all diesen Begriffen verwendete K. Širvydas das Wort giminė am häufigsten und in unterschiedlichen Bedeutungen. Wie sich aus den polnischen und lateinischen Wörtern im Wörterbuch sowie aus dem Kontext von „Punktai sakymų“ schließen lässt, verwendete K. Širvydas giminė in den Bedeutungen „Nation, Volk; Generation; Stamm; Geschlecht; Nachkommen, Angehörige, Verwandte; Familie (?); Herkunft“, das Wort gentis (gentystė) dagegen in den Bedeutungen „Verwandtschaft; Stamm“. Das Wort šeimyna verwendete K. Širvydas hauptsächlich in den Bedeutungen „Gesinde; Familie“. Zur Bezeichnung des Begriffs „Untertan“ wird im Wörterbuch von K. Širvydas nur das litauische Wort valdonas angegeben; in „Punktai sakymų“ finden wir neben valdonas auch die Entlehnung slawischen Ursprungs – padonas, padonasis.