Įvardžių „kas“, „kuris, -i“ anaforinė vartosena
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LIETUVIŲ KALBOS SANDAROS TYRINĖJIMAI
LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI, XXVI (1987)
ADELĖ VALECKIENĖ
ANAPHORISCHE VERWENDUNG DER PRONOMEN KAS, KURIS, -I
§ 1. Neben ihrer interrogativen und relativen Funktion haben die Pronomen kas, kuris, -i im Litauischen noch eine anaphorische Funktion. In Substantivpositionen ersetzen diese Pronomen die eigentlichen anaphorischen Demonstrativpronomen, die in derselben Position verwendet werden.
§ 2. Das Pronomen kas ersetzt die neutralgeschlechtige Form des generalisierenden Verweises tai und ihre Variante tas „tai“, wenn diese Formen am Anfang eines Nebensatzes eines Satzgefüges stehen und ihre Antezedenten die gesamte Äußerung, d. h. den Hauptsatz, bilden. Zum Beispiel:
Unsere heutigen Familiennamen, zum Beispiel solche wie Daukšas, Daujotas, Gediminas, Daugilas, Dargis, Gedvilas und dergleichen, waren noch im 16. Jahrhundert Personennamen; dass dies (tai, tas) deutlich aus dem Adelsverzeichnis von 1528 hervorgeht BūgRR I 203; Während ich so lange erzählte, begannen die Zuhörer garr garr zu schnarchen; als ich das (tai, tą) sah, löschte ich leise mit einem Zischen die Kerze und ging schlafen ValPJ 117; Den Völkern der Aisten waren künstliche „Götterchen“ bekannt, was (tai, tą) nicht nur historische Quellen, sondern auch die Sprache belegt BūgRR I 143; Das Wort „Pavoj aus“ hat etymologisch ein „v“ zwischen „a“ und „o“, was (tai, tą) Dialektologie, Wortgeschichte und Herkunft zeigen BūgRR I 107; In ferner Vorzeit gab es in Litauen Hirsche, wovon (apie tai, apie tą) die hier erwähnten Überreste zeugen IvanPŽ 263; Diesen Brauch der Laumės pflegen die Mädchen in der Gegend von Biržai und Pabiržė noch immer, was (to) es in Žemaitija seit alters nicht mehr gibt ValPJ 90; In einem jener Zimmer wurde Getreide aufbewahrt, im anderen hingen die Kleider aufgereiht, weshalb (nuo to) es auch Speicher genannt wurde DaukR I 433; Er schlug wiederholt mit der Stirn gegen diesen Baum, wodurch (nuo to) der Baum zur Seite geneigt war IvanPŽ 293.
Solche Sätze mit anaphorischem kas verwendete auch unser berühmter Sprachwissenschaftler J. Jablonskis, der dieses Pronomen in anderen Fällen korrigierte (siehe unten), z. B.: Der Habicht raubt den Vögeln vor den Augen der Menschen, zwei oder drei Schritte von ihnen entfernt, die Beute, wofür (už tai) er manchmal sogar seinen Kopf aufs Spiel setzt RR I 534–535. Besonders geeignet ist das Pronomen kas in dieser Bedeutung, um Einschübe oder nachgetragene Teilsätze in einen Satz einzufügen, z. B.: Wenn es manchmal nötig ist, dass alle das Haus verlassen – was (o tai) selten vorkommt –, dann werden die Türen von innen verriegelt, und der Letzte klettert durchs Fenster hinaus SimonAŠL 84. In diesem Satz ist kas auch deshalb passend, weil danach die Konjunktion tai steht, die mit jeigu korreliert. Dies ist ein Fall, in dem kas erforderlich und vorzuziehen ist, nicht tai.
Andererseits wird die anaphorische Verwendung des Pronomens kas durch die Satzstruktur und den weiteren Kontext eingeschränkt. Es fungiert als Konnektor und steht am Anfang eines Nebensatzes. Diese Position des Pronomens im Satz erlaubt ihm nicht immer, die viel freier verwendbaren Demonstrativformen tai, tas „tai“ zu ersetzen. Zum Beispiel: Dass der Eigene den eigenen
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noch einen gemeinsamen Feind zu sich rufen würde, das hatte es in Žemaitija noch nicht gegeben! VienPD, K 282. Hier verhindert das danebenstehende tai, das mit kad korreliert, die Ersetzung von to durch ko. Es gibt noch weitere Kontextfälle, in denen die Transformation kas → tai, tas „tai“ nicht möglich ist¹. Somit ist die anaphorische Verwendung des Pronomens kas im Litauischen eingeschränkt: Die Formen des generalisierenden Verweises tai, tas „tai“ sind überall möglich, die anaphorische Bedeutung von kas hingegen nur in bestimmten, strukturell festgelegten Fällen. In diesem Teilsystem sind die Formen des generalisierenden Verweises tai, tas „tai“ primär, die anaphorische Bedeutung von kas dagegen sekundär. Daher ist kas in dieser Bedeutung nur dann zu verwenden, wenn die Formen des generalisierenden Verweises tai, tas „tai“ ungeeignet sind (wie im oben erwähnten Fall). Die Verwendung des anaphorisch gebrauchten Pronomens kas in der litauischen Standardsprache sollte nicht künstlich ausgeweitet werden.
§ 3. Das Pronomen kuris, -i hat, wenn es im Nebensatz eines Satzgefüges steht, ebenfalls eine anaphorische Funktion. Anders als das Pronomen kas ersetzt das Pronomen kuris, -i in anaphorischer Bedeutung die konkret verweisenden Formen tas, ta desselben Pronomens im Maskulinum und Femininum. Als Antezedenten fungieren Substantive, die im Hauptsatz genannt werden. Zum Beispiel:
Nachdem er den Kopf gehoben hatte, zeigte (Vainorius) mit dem Finger auf die Schwalben, die (tos) hoch umherflogen und in den blauen Tiefen des Himmels badeten KrėvŠP 26; Eine halbe Stunde lang jagte (Pliauga) im Garten ein Schwein, das (ta) ihm die ganze Kartoffelfurche abgefressen und verwüstet hatte … KrėvŠP 183; Dann nimmt er Juozapėlis und Mikė an den Schultern; die beiden (tuodu) stehen noch immer einander gegenüber und halten sich fest CvR II 103; Wolf und Fuchs liefen gemeinsam an den Schlingen vorbei, an denen (ant tų) eine Gans aufgehängt war KatkR 267; Vor langer, langer Zeit lebte ein alter Mann, dessen (tam) Frau starb S I 133; Im Land Dainava gibt es ein kleines Dorf, von dem (apie tą) nur wenige gehört haben KrėvRg 79; vgl. Beispiele mit tas, ta: Žolys führte Kupstis zum Bier. Auch Petro ließ er nicht zurück. Dieser, obwohl er sich entschuldigte, musste dennoch auf seinen Onkel hören ŽemR I 162 → Auch Petro ließ er nicht zurück, der, obwohl er sich entschuldigte, dennoch auf seinen Onkel hören musste; Unsere Nachrichten erfahren wir aus dem Korb; der geht oft auf den Markt Balč AP 202→Unsere Nachrichten erfahren wir aus dem Korb, der oft auf den Markt geht; Alle hatten Schuhe an, aber diese trugen sie nur, bis sie aus der Kirche hinausgingen ValPJ 30→Alle hatten Schuhe an, die sie nur trugen, bis sie aus der Kirche hinausgingen.
Wie bei kas anstelle von tai, tas „tai“ ist auch die Verwendung des Pronomens kuris, -i anstelle von tas, ta durch den Kontext und die Satzstruktur eingeschränkt. Um die Pronomenformen tas, ta durch das Pronomen kuris, -i zu ersetzen, muss man oft Satzglieder umstellen und den Satztyp ändern; in bestimmten Kontexten ist ein solcher Austausch überhaupt nicht möglich, beispielsweise bei direkter Rede und der Sprache des Autors. Vgl.:
Plitsch, platsch spritzte er den Mädchen Wasser entgegen, und die durchnässten kicherten kichernd, denn jene raschelten, als wären sie für einen Feiertag ordentlich angezogen ValPJ 83; – Le kuk! – rief Baltaragis. Dieser drehte sich um und lauschte ŽemR II 62.
Somit sind in diesem Teilsystem tas, ta die Primärformen und kuris, -i die Sekundärformen.
§ 4. Wie das Pronomen kuris, -i wird auch das Pronomen kat-ras, -a mit derselben anaphorischen Bedeutung verwendet, z. B.: Als sie beide unterwegs waren, entdeckten sie eine sehr schöne Kiefer, deren (kuriai, tai) Mitte hohl war BM 97.
1 Ausführlicher siehe Valeckienė A. Die neutralgeschlechtige Form tai und ihr Verhältnis zu anderen Pronomenformen. — In: Wortformen und Gebrauch (Fragen der litauischen Sprachwissenschaft). V., 1974, Bd. 15, S. 71.
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Die Pronomen kuris, -i und katras, -a sind freie Varianten, doch katras, -a wird in dieser Funktion selten verwendet; an seine Stelle tritt kuris, -i. Letzteres ist die primäre Form, katras, -a die sekundäre.
§ 5. Die anaphorischen Pronomen kas und kuris, -i sind nach dem Prinzip der komplementären Distribution verteilt. Wenn sie dieselbe Position einnehmen – am Anfang des Nebensatzes in einem Relativsatz –, schließen diese Pronomen einander aus: kas ist der Ersatz für die Formen des unbestimmten Hinweises tai, das Neutrum von tas, „das“, während kuris, -i (katras, -a) der Ersatz für die Formen des konkreten Hinweises tas, ta ist. Hinsichtlich des Merkmals des unbestimmten/bestimmten (konkreten) Hinweises bilden die Pronomen kas und kuris, -i eine privative Opposition, in der kuris, -i (katras, -a) das markierte und kas das unmarkierte Glied ist (der Gebrauch des letzteren Pronomens ist weiter verbreitet). Das Verhältnis dieser Pronomen lässt sich schematisch wie folgt darstellen:
Pronomen mit anaphorischer Bedeutung
Die isomorphen Verhältnisse dieser Pronomen sind folgende: tai, tas „das“: kas = tas, ta: kuris, -i (katras, -a) oder tai, tas „das“: tas, -a = kas: kuris, -i (katras, -a).
§ 6. In einem bestimmten Kontext steht das Pronomen kas in einer Neutralisierungsposition: Das unterscheidende Merkmal zwischen kas und kuris, -i (katras, -a) wird neutralisiert, und kas ersetzt das ihm gegenüberstehende Glied – kuris, -i (katras, -a). Zum Beispiel: Nematau žmogaus, kas (kuris) galėtų vėlyvą paimti LnkV; Nebėr mano bermužėlio, kas (kuris) su manim šneka NS 1297; Šit ir atsiradęs toks meistras, kas (kuris) jų vaiką visaip kaip apsėmė išmokyti SlnŠLSA 149; Tur’ per laukelį judą mergelė, kas (kuri) nuramina mano širdelę (d.) Všk.; Ar tu neatmeni Labanoro dūdą, ką (kurią) po pažastim maigydavo? Lb.
Das hinsichtlich der Zahl unveränderliche kas wird auch anstelle des Plurals kurie, -ios verwendet, zum Beispiel: Buvę du broliai, kas (kurie) labai pakeleivius priimdavę SlnŠLSA 43; Ner taip baisu, kaip sako tie, kas (kurie) ten niekados nebuvo Myk-PutAŠ 12.
Die Neutralisierungsfälle bestätigen, dass das Pronomen kas in der genannten Opposition das unmarkierte Glied ist.
§ 7. In der Neutralisierungsposition erstarrte die Akkusativform ką des anaphorischen Pronomens kas, wurde unflektierbar und entwickelte sich zu einer Konjunktion, die sowohl die Kasusformen des Pronomens kuris, -i im Singular als auch im Plural oder das Adverb kur vertritt. Zum Beispiel: Aš iš karto pažinau tą krypuolį, ką (kuris) buvo atėjęs kadaise pas mane į mišką: Povilas Dovydonis! BaltPV I 119; Man tokis ne žmogus, ką (kuris) sa (= savo)
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die Sprache vergisst Mrp; Unglücklich ist der Junge, der (welcher) auf die Mädchen hört Mrk; Gesegnet sei die Hand, die (welche) die Axt erfunden hat! BaranR I 38; Wo sind jene Männer, die (welche) hier übernachtet haben? LB 306; Und diese leichten Wölkchen, die (welche) heute Nacht deine Augen erfreuen, werden nicht mehr zurückkehren, nachdem sie in ferne Länder davongeflogen sind PietRR 45; Aus den Häusern, die (welche) am Dorfrand standen, strömte ein aromatischer Duft PietRR 285; Nur die im Wald aufgewachsenen Menschen kennen sie (die Bäume), die Ärzte und Zauberer, die (welche) durch die Wälder irren BaranR I 31; Man kann nicht einmal diejenigen dazu bewegen, die (welche) verpflichtet sind, zu arbeiten PietRR 256; Jene zwei Steine, die (welche) auf dem Berg liegen, befahl er, zur Schmiede hinunterzurollen BsMt I 70.
Dieselbe Form gal. ką hat auch die Bedeutungen anderer Konjunktionen: dass, wie, wenn, anstatt und dergleichen. Zum Beispiel:
Deshalb, weil (dass) es nass ist, ist es eine Niederung, da gedeiht das Getreide nicht Vlk; Deinen Bauch den Hunden vorwerfen, weil (dass) er so ungesund ist Kp; Mir wurde klar, dass ich nicht mehr die Brücke war, die (wie) ich einst gewesen war KudR I 151; Wenn (falls) ich bitten soll, dann besser überhaupt (= visiškai) nichts haben Skp; Besser, er kauft es nicht, anstatt dass (anstatt) er mir jedes Mal (= kiekvienakart) Vorwürfe macht Skp. Vgl. außerdem die Bedeutung von ką „wie viel“: Ką kaštūoj svats cukraus?; Ką sveikatos mano ištraukė tie darbai².
§ 8. Der systematische Gebrauch der untersuchten Pronomen, insbesondere ihre Neutralisierungsfälle, zeigt, dass das Pronomen kas und seine erstarrte Akkusativform ką anstelle von kuris, -i wahrscheinlich keine Entlehnung aus dem Slawischen sind, wie früher J. Jablonskis³, in jüngerer Zeit A. Piročkinas⁴ und andere angenommen haben, sondern eine gemeinsame baltisch-slawische Erscheinung, wie J. Palionis⁵ kürzlich festgestellt hat. Diese Schlussfolgerung wird auch durch typologische Daten gestützt.
§ 9. Im Lettischen wird kas in anaphorischer Bedeutung häufiger verwendet als im Litauischen und weiter gefasst als das speziell für diesen Fall verwendete Pronomen kurš, -a⁶, etwa in Äußerungen folgenden Typs: Kā gan viņš neklausīs savu māti, kas par viņu tik daudz rūpējusies „Wie sollte er seiner Mutter nicht gehorchen, die sich so sehr um ihn gekümmert hat“; Grāmatas, ko mes labprāt būtu lasījuši, bija paņēmuši citi lasītāji „Die Bücher, die wir gern gelesen hätten, hatten andere Leser mitgenommen“; Uzkāpuši kalniņā pie būdas, mēs sākām vākt malku, ar ko uguni kurt „Nachdem wir den Hügel bei der Hütte hinaufgestiegen waren, machten wir uns daran, Brennholz zu sammeln, womit wir ein Feuer entfachen konnten“⁷.
Anaphorisches kas findet sich auch im Preußischen, mit dem Genus des Antezedensubstantivs kongruierend oder nicht kongruierend, zum Beispiel: edeitte, std ast mais kermens, kas perwans dats wirst 7, 21–22 „Esset, Das ist meyn leyb, der für euch gegeben wirdt“, lit. „esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“; beggi stāi ast Deiwas schlusiniki, quad i stawidan absergisān turri erdaiḱit 57, 22 „Denn es sind
² Grinaveckienė E. Kai kurios lietuvių kalbos tarmių ypatybės (iš 1961 metų dialektologinių ekspedicijų). – Kn.: Lietuvių kalbotyros klausimai. V., 1962, t. 5, p. 165.
³ Jablonskis J. Rinktiniai raštai/Sud. J. Palionis. – V., 1957, t. 1, p. 512.
⁴ Piročkinas A. Jono Jablonskio gramatiniai taisymai. – K., 1976, p. 14.
⁵ Palionis J. [Rec.:] Piročkinas A. Prie bendrinės kalbos ištakų. – V., 1977, 228 p.; J. Jablonskis – bendrinės kalbos puoselėtojas. – V., 1978. – 279 p. – Baltistica, 1979, t. 15(2), p. 162.
⁶ Kabelka J. Latvių kalba. – V., 1975, p. 140.
⁷ Mūsdienu latviešu literārās valodas gramatika/Atb. red. E. Sokols. – Rīgā, 1962, 2, lpp. 671, 670, 673.
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„Gottes Diener, die solchen Schutz sollen handhaben“, lit. „denn das sind Gottes Diener, die einen solchen Schutz aufrechterhalten müssen“; „kiršča wissans swirins, kas nosemien lise-67, 12 „über alles Thier, das auff Erden kreucht“, lit. „über alle Tiere, was (die) auf der Erde kriecht“8
In der lateinischen Sprache wird das entsprechende Pronomen qui, quae, quod verwendet, z. B.: argentum, quod habes, condonamus te9 „das Silber, das (was) du hast, schenken wir dir“.
Im Russischen wird das Pronomen что in entsprechenden Äußerungen gerade enger verwendet als das spezielle Pronomen который, -ая und neigt zur Erstarrung – der für das Russische charakteristische Gegensatz zwischen кто/что für Belebtes und Unbelebtes wird nicht mehr beachtet –, что wird sowohl auf Gegenstände als auch auf Personen bezogen, z. B.: живу от вас через улицу, в этом домике, что против ваших окошек „Ich wohne von euch aus über die Straße, in diesem Häuschen, das gegenüber euren Fenstern liegt“; Ребята! Надо сходить назад – взять офицера, что ранен там в канаве10 „Jungs! Wir müssen zurückgehen und den Offizier holen, der dort im Graben verwundet ist“.
Im Polnischen wird anstelle von który die Pronomenform co verwendet, z. B.: Zły to ptak, co własne gniazdo kala11 „Ein schlechter Vogel ist der, der sein eigenes Nest beschmutzt“.
Auch in anderen Sprachen neigen bestimmte Formen des Pronomens kas dazu, zu einer Konjunktion zu werden, z. B. lett. ka „dass“, altpreuß. kai „dass“, kan. „wann, wenn“, lat. quod „dass“12 usw.
§ 10. Daher sind die Formen kas, ką, die anstelle der Pronomen kuris, -i (katras, -a) und des Adverbs kur verwendet werden, wahrscheinlich nicht ungrammatisch und nicht zu beanstanden, wenn sie gelegentlich vorkommen. Im System der heutigen litauischen Literatursprache handelt es sich um ein relikthaftes, archaisches, peripheres Phänomen, das vor allem in Volksliedern und erzählender Folklore zu finden ist. Der eine oder andere Satz mit diesem Pronomen ist in die Sprache der schönen Literatur eingegangen (und von dort auch in Grammatiken), insbesondere bei Schriftstellern, deren Sprache der volkstümlichen Umgangssprache nähersteht (J. Bal tušio, I. Simonai ty tės u. a.). Insgesamt haben die Formen kas, ką anstelle von kuris, -i im heutigen Litauischen keine große Stütze. Die Pronomen kuris, -i, katras, -a oder das Adverb kur sind in diesem Zusammenhang die vorherrschenden und vorzuziehenden Formen.
ANAPHORISCHER GEBRAUCH DER PRONOMEN
KAS (WER, WAS), KURIS, -I (WELCHER, -E)
Zusammenfassung
Neben ihren interrogativen und relativen Funktionen werden die Pronomen kas, kuris, -i im Litauischen auch anaphorisch verwendet. In dieser Funktion wird das Pronomen kas durch die Neutrumform des generalisierenden Demonstrativpronomens tai (das) ersetzt, deren Antezedens ein ganzer Satz ist, während das Pronomen kuris, -i durch die Maskulin- und Femininformen der konkreten
8 Mažiulis V. Prūsų kalbos paminklai. – V., 1981, t. 2, p. 77, 181, 207.
9 Hofmann J. B., Szantyr A. Lateinische Syntax und Stilistik (Leuman-Hofmann-Szan- tyr. Lateinische Grammatik, Bd. 2). – München, 1972, S. 555.
10 Грамматика русского языка. – М., 1960, т. 2, ч. 2, с. 273.
11 Szober S. Gramatyka języka polskiego. Wyd. 4/Opracował W. Doroszewski. – Warszawa, 1957, s. 371.
12 Siehe ausführlicher Valeckienė A. Lietuvių kalbos gramatinė sistema/Giminės kategorija. – V., 1984, S. 71–72.
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Demonstrativpronomen tas, ta (dieser, diese, jener, jene) desselben Pronomens, deren Antezedenten Substantive sind, z. B.: Tolimoje senovėje elnių būta Lietuvoje, apie ką (= apie tai) byloja čia paminėti palaikai Ivan „In grauer Vorzeit lebten Hirsche in Litauen, wovon (= davon) die hier erwähnten Überreste zeugen“. Buvo karta vyras, kuriam (=tam) mirė pati, ir buvo moteris, kuriai (= tai) mirė pats Балц „Es lebte einmal ein Mann, dessen Frau (=ihm) starb, und es lebte eine Frau, deren Mann (=ihr) starb“. Hinsichtlich ihrer Verbreitung im anaphorischen Gebrauch sind tas, ta, tai die primären Formen, während kas, kuris, -i sekundär sind. Im anaphorischen Gebrauch steht das Pronomen kas dem Pronomen kuris, -i hinsichtlich des distinktiven Merkmals generalisierende/nichtgeneralisierende (konkrete) Bezugnahme gegenüber, ebenso wie die Form tai den Formen tas, ta. In dieser Opposition ist das Pronomen kuris, -i das markierte Glied, kas dagegen das unmarkierte. Die Opposition der Pronomen kas und kuris, -i wird in bestimmten Fällen neutralisiert; dabei wird das markierte Glied kuris, -i durch das unmarkierte kas ersetzt, z. B.: Nemat au žmogaus, kas galėtų vėliavą paimt Lnk „Ich sehe keinen Menschen, der (welcher) die Fahne nehmen könnte“. In der Neutralisierungsposition wird die Akkusativform ką des Pronomens kas fest und entwickelt sich zur Konjunktion.
Der Artikel führt Parallelen zur Verwendung des litauischen kas in anaphorischer Funktion und entsprechender Pronomina in anderen verwandten Sprachen an – im Lettischen, Altpreußischen, in den slawischen Sprachen, im Lateinischen u. a. Es wird der Schluss gezogen, dass die Verwendung von kas, ką anstelle von kuris, -i im Litauischen keine Entlehnung aus den slawischen Sprachen, sondern eine gemeinsame Erscheinung der slawischen und baltischen Sprachen darstellt.
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