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Kai kurios baltarusių lituanizmų fonetikos ypatybės

Elena Grinaveckienė; Juzefa Mackevič

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LIETUVIŲ KALBOTYROS KLAUSIMAI XXVII (1988) LITAUISCHE SPRACHE UND BILINGUALISMUS ELENA GRINAVECKIENĖ, JUZEFA MACKEVIČ EINIGE PHONETISCHE BESONDERHEITEN BALTARUSSISCHER LITUANISMEN Zu verschiedenen Zeiten (in der Vergangenheit und Gegenwart) sind in den weißrussischen Mundarten (vor allem in den nordwestlichen) infolge sprachlicher, kultureller, wirtschaftlicher u. a. Kontakte mit der litauischen Sprache und ihren Mundarten, mancherorts aber auch infolge der Slawisierung litauischer Mundarten zahlreiche litauische Entlehnungen entstanden. Am augenfälligsten sind darunter die lexikalischen Lituanismen. Litauische Entlehnungen haben sich in den weißrussischen Mundarten eingebürgert, sind zu deren eigenem Bestand und zu Elementen der Kommunikationsmittel geworden und haben sich im Gebrauch neben weißrussischen Wörtern als gleichwertige Formen naturgemäß dem System der weißrussischen Sprache angepasst. Sie sind den weißrussischen Wörtern oft so ähnlich geworden, dass sie bisweilen nicht leicht als Lituanismen zu erkennen sind. Doch ist die Phonetik nicht aller Lituanismen gleichermaßen belarussifiziert. Nicht selten gibt es hier beträchtliche Variation und man begegnet phonetischen Varianten der Entlehnungen. All dies hängt gewöhnlich zu einem großen Teil vom Zeitpunkt der Entlehnung des Lituanismus, vom Zustand des phonologischen Systems der Mundart, in die die Entlehnung gelangt, von der Intensität seines Gebrauchs in ihr sowie auch von der litauischen Form der Entlehnung selbst u. a. ab. Ein Teil der Lituanismen hat sich noch nicht von der Ursprungssprache gelöst, sondern wurde gleichsam automatisch von den Weißrussen übernommen oder einfach übertragen. Auch ihre Phonetik ist litauisch geblieben. Zu solchen Lituanismen zählen: apýod (< lie. arúodas) [Juod.; Mal.; Malk.], бальзені (< lie. balžienos) [Grauż.; Mal.], за́кты¹ (< lie. gáktos) [1, T. 1, c. 406; Mal.], за́йны ‚Kiefer; Mund‘ (< lie. žįúnos) [1, T. 2, c. 337], клу́мпи (< lie. klùmpės) [1, T. 2, c. 479–480; Grik.], купене́ць ‚graben‘ (< lie. kopinėti) [S.S.], куційна́ца (< lie. tarm. kucinécis~kutinėtis) [1, T. 2, c. 592; Dain.], кру́сня ‚Steinhaufen‘ (< lie. krùšnis) [1, T. 2, c. 537–538], кяўло́к ‚jemand, der sich wie ein Schwein benimmt, unhöflicher Mensch‘ (< lie. kiauliùkas ‚schmutziges Kind‘, kiaũlius ‚unhöflicher, schweineartiger Mensch‘) [Kud.], лаўж ‚Haufen von Reisig, schmutziger Kleidung‘ (< lie. láužas) [1, T. 2, c. 631], расакі́ля (< lie. rasakilė) [1, T. 4, 274; Juod.; Mal.], саўсокі́ ‚Katzenpfötchen‘ (< lie. sausìukai ‚ebd.‘) [S.S.], саўсе́ня ‚zerstampfte Kartoffeln mit Zwiebeln‘ (< lie. sausìenė ‚Schwitzeintopf‘) [1, T. 4, c. 374] u. a. Wie aus den angeführten Quellen hervorgeht, kommen Lituanismen dieses Typs vor allem unmittelbar im Grenzgebiet der weißrussischen und litauischen Mundarten vor, wo die intensiven Kontakte zwischen diesen Mundarten bis heute andauern, wo sie sich ständig vermischen und die litauischen zunehmend slawisiert werden. Sie sind die deutlichsten Produkte der jüngsten solchen Kontakte. Viele von ihnen weisen nicht selten sogar durch ihre Phonetik auf die litauischen Mundarten hin, aus denen sie ins Weißrussische entlehnt wurden, z. B., 1Der stimmlose Plosivlaut z der weißrussischen Mundarten (der gewöhnlich in Entlehnungen vorkommt) ist druckbedingt graphisch nicht von ihrem Frikativlaut z unterschieden. 123 быгундаць ‚durchsuchen, durchstöbern‘ (< lit. dial. iš-lundyć ‚ebd.‘) [1, Bd. 1, S. 358; Grauž.], грумжа́ ‚eine bestimmte Fischart‘ (< lit. dial. grumzda ‚ebd.‘) [2, S. 119], кіпса́ ‚eine Erhebung im Moor‘ (< lit. dial. kimsa ‚ebd.‘) [1, Bd. 2, S. 462], куми́а ‚eine bestimmte Moorpflanze‘ (< lit. dial. kumšà ‚sumpfige, mit Gras bewachsene Stelle‘) [1, Bd. 2, S. 570], nímna ‚перепёлка‘ (< lit. dial. pimpė ‚ebd.‘) [1, Bd. 3, S. 519; 2, S. 358], пумно́лакичы ‚Sumpfdotterblumen‘ (< lit. dial. pumpólakščiai ‚ebd.‘) [Achr.; Juod.; Kur.; Mal.], pážuyi ‚breiter Schlitten; Schlittenwagen‘ (< lit. dial. rągutės ‚Schlitten‘) [1, Bd. 4, S. 238; Juod., Mal.], свíntы ‚Sonntag, Feiertag‘ (< lit. dial. švintà ‚ebd.‘) [Psn.], скилу́ндзи ‚gerollte Speckwurst‘ (< lit. dial. skilūndis ‚eine mit Muskelfleisch gefüllte Wurst im Schweinemagen‘) [1, Bd. 4, S. 448], сла́сны ‚Schläsna‘ (< lit. dial. slãsna ‚ebd.‘) [1, Bd. 4, S. 478], cým-pa ‚jemand, der nachlässig und schmutzig ist‘ (< lit. dial. sutrà ‚ebd.‘) [1, Bd. 5, S. 23], mpýua ‚Mist, Aas‘ (< lit. dial. trušà ‚ebd.‘) [1, Bd. 5, S. 134]. Die Phonetik anderer Lituanismen, die in belarussischen Mundarten vorkommen, ist mehr oder weniger vom Einfluss des Belarussischen geprägt. Es wurde festgestellt, dass vor allem die für das Belarussische fremden oder ungewöhnlichen Aspekte des Vokalismus der Entlehnungen verändert sind: In allen Fällen verengt sich der Vokal a im ersten Bestandteil betonter Diphthonge und Doppellaute und wird zu o, z. B.: ai > ou: kóupacka ‚Linkshänder‘ (< lit. kairius) [1, Bd. 2, S. 494; Mal.], nóucau (< lit. paišyti, paišyti) [1, Bd. 4, S. 37], nóuchi ‚Schmutz, Ruß‘ (< lit. paišos) [1, Bd. 4, S. 37], pasz’óušųć ‚aufbrauchen, verstreuen‘ (< lit. iš-gaišinti ‚ebd.‘, vgl. auch gaišate ‚Windstoß, Verderben‘) [1, Bd. 4, S. 253; S.S.], poúcm (< lit. raistas) [1, Bd. 4, S. 302–303] usw.; au > oy: klóbyčicka ‚die litauische Dialektform pertarą sagend klaũsai ‚hör zu‘ [1, Bd. 2, S. 478–479; Pal.], kóyu (< lit. káũsas) [1, Bd. 2, S. 508–509], kropu ‚Birne‘ (< lit. dial. kraũšis) [1, Bd. 2, S. 525], лоу́же (< lit. láužas) [1, Bd. 2, S. 673–674; Bak.; Kur.; Laip.; Malk.; Rak.; Val.], пло́ут ‚Brett zum Abdecken der Bienenstocköffnung‘ (< lit. pláutas ‚ebd.‘) [1, Bd. 4, S. 15; Akm.; S. Trak.]; am > om: бомбля ‚Pickel‘ (< lit. bamblys ‚jede Verdickung‘, vgl. auch bambti ‚anschwellen, dicker werden‘) [1, Bd. 1, S. 202], сомуч, сомец, сомчик ‚Schöpfnetz zum Fischfang‘ (< lit. samtis ‚ebd.‘) [1, Bd. 4, S. 520; 2, S. 447; S.S.]; an > он: бо́нда, бо́ндачка (< lit. bandà) [1, Bd. 1, S. 203–205; Bystr.; Laip.; Mass.], бронкт, бронкта (< lit. brañktas) [1, Bd. 1, S. 218], шкилёнда (< lit. skilándis) [1, Bd. 5, S. 479]. Fälle einer solchen Verengung des Vokals a sind zahlreich. Sie ist im gesamten Gebiet typisch und ist zweifellos auf den Einfluss der Phonetik belarussischer Mundarten zurückzuführen (vgl. in ihrer Sprache жоўты ‚gelb‘, кроў ‚Blut‘, по́ўны ‚voll‘, ebenso in den Mundarten der Bezirke Lydȯs, Varanavo, Vielikos und benachbarter Gebiete проўда < праўда ‚Wahrheit‘, троў < траў ‚Gräser‘ usw.). Das verengte und zu o gewordene a ist hier gewöhnlich auch der Vokal a in litauischen Entlehnungen, der im Wortstamm stets betont ist², z. B. zákmь ‚Schambein‘ (< lit. gãktos) [1, Bd. 1, ² Der Wandel des betonten Stammvokal-a (und des ersten Bestandteils der Diphthonge ai, au, am, an) in litauischen Entlehnungen zu o in den slawischen Sprachen ist, nach den von K. Būga angeführten Beispielen zu urteilen, bereits für das 14. Jh. belegt [3, Bd. 1, S. 227]. Die in neuerer Zeit entlehnten und in einigen belarussischen Mundarten des Wilnagebiets gebrauchten Lituanismen dieses Typs haben das litauische a unverändert bewahrt, z. B. zákmb (lit. gãktos) [Čyč.]. 124 c. 468], kóciń (< lit. kãsa, vgl.: kúry kóciaų grãdki) [1, Bd. 2, c. 431], núoian ‚Splitter‘ (< lit. pašinas) [2, c. 369; Kaun.; Stral.], stõji ‚aufrecht‘ (< lit. dial. stãčas ~ stãčias) [1, Bd. 4, c. 591–592; Gem.] Der für das Belarussische untypische litauische Diphthong (i)uo tritt völlig intakt nur in den jüngsten litauischen Lehnwörtern auf, die sie entlehnt haben, sowie dort, wo das Litauische noch lebendig ist, z. B. im bereits erwähnten apýod < arúodas; in anderen Mundarten verkürzt er sich zunächst und monophthongiert zu dem offeneren Vokal (i)o [4, S. 183, 184, 189], z. B. akóm, akóma ‚Granne‘ [1, Bd. 1, c. 73], apód ‚Kornspeicher‘ (< lit. arúodas) [Juod.; Mal.], žilėnь, žilónь ‚Stachel‘ (< lit. gyluonìs) [1, Bd. 1, c. 444; Pal.], Аболікачы ‚Dorf im Rajon Breslauja, von den örtlichen Litauern a’buol’i·kščiai genannt (vgl. ihr a’buol’i·s ~ obuolỹs) ~ Obuolỹkščiai‘, Ёдажэмь ‚Hügel beim Dorf Adomėniškės im Rajon Breslauja, von den örtlichen Litauern Juodažemỹs genannt‘, Ёдлавічы ‚Dorf im Rajon Breslauja, von den örtlichen Litauern júodela·nai und júodla·nai genannt‘ (Letzteres geht auf Júodela·nai ~ Júodelėnai³ zurück, z. B. júodla·nuos g’i·mus mamù·t’e ir aš; zu júodla·nai < júodela·nai vgl. auch das lokale litauische stó· < šitó· ‚diese‘); Ёдлóyckia ‚Einwohner des Dorfes Juodelėnai‘, Пóдзiуки ‚Hügel beim Dorf Petkūniškės im Rajon Breslauja, von den örtlichen Litauern púodz’iš’k’e ~ Púodiškė genannt‘ [5, S. 173, 174, 186, 188; 6], Ёдынка ‚Bach beim Dorf Akmenynė im Rajon Šalčininkai‘ < lit. Júodupė ‚ebd.‘ [7], Aбóлiуки ‚Dorf- und Flurname im Rajon Baranavičiai‘, vgl. lit. Obeliškiai ‚Dorf im Rajon Rokiškis‘, ferner lit. obuolỹs [8, c. 13], Iómкluki ‚Dorf im Rajon Varanavas‘, vgl. lit. Júodkiškiai ‚Dorf im Rajon Ukmergė‘, Крóniуки ‚Dorf im Rajon Breslauja‘, vgl. lit. Kruópiškis ‚Einöde im Rajon Utena‘ [9, c. 21, 23], Ло́ша ‚Nebenfluss der Ašmena bei Gervėčiai, von den örtlichen Litauern Aluoša, Aluošià genannt‘ [10, S. 219]⁴, nodźinka ‚Krug‘ < lit. puodýn[ė] ‚ebd.‘ + sl. -ka [1, Bd. 4, c. 33; Juod.; Laip.; Mag.; Rak.; Skrud.], сло́ксня, сло́киня, сло́кишна, сло́киня ‚Bast‘ < lit. slúogsna ‚ebd.‘ [13, c. 388; 14, S. 189; vgl. ferner 15, s. 349; 16, c. 50], Vžolíi ‚Wäldchen und Weg im Rajon Varanavas, von den örtlichen Litauern v·žolijo·s genannt (vgl. das dort ausgesprochene ú·žuolas ~ ąžuolas) ~ Ažuolijos‘ [8, c. 240; 17] usw. Eine solche Entwicklung von lit. uo in den slawischen Sprachen ist nach K. Būga [3, Bd. 1, S. 229] ein belarussisches Lautphänomen, das Anfang des 16. Jahrhunderts einsetzte. Wie litauische Lehnwörter in einigen belarussischen Mundarten zeigen, ist dieses Gesetz mancherorts noch heute im Entstehen. Dass litauisches -(i)uo- in der Aussprache von Slawen, die Litauisch gelernt haben, leicht zu -(i)o- wird, zeigen auch solche Aussprachen ihrer litauischen Wörter wie dóna < dúona, dót < dúoti, póla < púola, prausiós < prausiuosi, sólòse < súolose, važiót < važiuóti usw.; vgl. ferner poln. pabucok ‚küss(e)!‘ < lit. dial. pabučiok, važok ‚fahr!‘ < lit. dial. važiuok, dos’u < lit. dúosiu [15, s. 351, 352]. ³ Dass Ёдлавічы tatsächlich nichts mit poln. jodła ‚Tanne‘ zu tun hat, zeigt deutlich die in dieser Gegend gesprochene belarussische Mundart, in der ‚Tanne‘ ёлка und Wacholder gzlėнец < lit. dial. ėglis genannt wird. ⁴ Zum Wegfall des anlautenden a im belarussischen Ло́ша (< lit. Aluošià) vgl. ihre баркулёз (< туберкулёз) ‚Tuberkulose‘, а́дка (< сладка) ‚süß‘ [1, Bd. 1, c. 260; Bd. 2, c. 630] usw. Der Flussname Ло́ша < Aluošià geht auf die Wurzel al- zurück, vgl. alėti ‚fließen‘, ‚laufen‘, und das Suffix -uoša, -uošia [11, S. 206]. Das hier angeführte Gesetz der Entwicklung von (i)uo in litauischen Lehnwörtern zu (i)o in den slawischen Sprachen könnte auch zur Präzisierung der litauischen Quelle des oberdnjeprischen Flussnamens Ло́ша beitragen, der als Baltismus gilt [12, c. 194]. Er könnte ebenfalls lit. Aluošià selbst sein, ebenso wie das gleichgebildete belarussische Ло́ша < lit. Aluošià. 125 Die Phonetik und Wortbildung der meisten anderen litauischen Wörter, die stark vom Einfluss belarussischer Mundarten geprägt sind, hat sich wesentlich weiter von der litauischen Lautung entfernt, bisweilen nahezu bis zur Unkenntlichkeit und oft unregelmäßig verändert. Dies gilt besonders für ältere litauische Lehnwörter, die in belarussischen Mundarten vorkommen, welche weiter von der heutigen Kontaktzone zwischen litauischen und belarussischen Mundarten entfernt sind, sowie für einzelne Lituanismen, die meist in den passiven Wortschatz des Belarussischen übergegangen sind. Dies lässt sich vielleicht am besten an den mitunter recht zahlreichen Varianten desselben litauischen Lehnworts zeigen, die in verschiedenen belarussischen Mundarten vorkommen. Vgl. etwa die Lituanismen burbulas, paišyti (paišyti), pleiskanės, skerštuvės, svirtis (svirtis, dz. svirsnia) und die charakteristischeren, stärker belarussisierten Varianten einiger anderer: burbulas > бу́рбу́лка, бу́рбалка, бу́рбалька, бу́ро́лька, бу́рбалмка, бу́льбамка, бу́рдайка usw. [1, Bd. 1, c. 201, 236, 237, 241–243]; paišyti > по́йцаць, бо́йцаць, по́йсаваць, по́льсаваць, по́ясаваць, пульсаваць usw. [1, Bd. 1, c. 202; Bd. 4, c. 36–37, 45, 186]; pleiskanės > пласко́ні, плас-ко́ні, плас-ко́не, паско́ні, паско́не, пло́скуни, пло́скания, пло́скунькі, пло́сканя, по́сканни, пло́скунь, пло́скань, пласку́нькі, пласку́ни, пласканя, пласканина, пласкунькі, паскані, пасканя, пасканіна usw. [1, Bd. 3, c. 529–530; Bd. 4, c. 53; 2, c. 435; 18, Karte Nr. 283]; skerštuvės скярсту́лі, скярсту́ля, скарсту́лі, сквярсту́ля, скярста, скярсты, скярста, скярсту́нне, скверты, скярэная usw. [1, Bd. 4, c. 441, 446, 471]; svirtis (svirtis, svirsnia) >сверць, сверць, свіршня, біршня, швершня, швіршня, свір, асвір, ацвір, свірня usw. [1, Bd. 1, c. 106; Bd. 4, c. 386, 395, 396–397; Bd. 5, c. 475]; greitpolkė ‚Rasender Walzer‘ > грэйпо́лька [1, Bd. 1, c. 495]; jūd­rė ‚Leinunkraut‘ > юдрыца, лютрыца [1, Bd. 5, c. 540]; liūrba ‚dicker Holzspan‘ > люрба, ну́рба, ру́льба, рульбіна [1, Bd. 2, c. 705; Bd. 4, c. 314], suktinis ‚ein solcher Tanz‘ > сюптынь [1, Bd. 5, c. 62]; šalavija > шалаўя [1, Bd. 5, c. 453]; šelmūš > шаламянь, шаламя, шаламяц [1, Bd. 5, c. 452]; šunavija > шуя [1, Bd. 5, c. 512] usw. Somit begegnet man in belarussischen Mundarten einer recht großen Zahl von Wörtern, deren Lautbild mehr oder weniger an litauische Wörter erinnert und deren Bedeutung mit derjenigen entsprechender litauischer Wörter identisch oder ähnlich ist. Folglich verbergen einige bislang nicht erkannte Lituanismen in belarussischen Mundarten in ihrer Lautung bis heute häufig noch unentdeckte Gesetzmäßigkeiten, anhand derer sich ein solches Fremdwort als Lituanismus bestimmen lässt. Die Phonetik einiger solcher unzweifelhaften Lituanismen zeigt, dass in manchen belarussischen Mundarten anstelle des litauischen Diphthongs uo der Monophthong a vorkommt, z. B. эда́ ‚Ulme‘ < lit. guoba [20, Bd. 3, c. 7]; vgl. auch weitere verwandte Formen, die in belarussischen und auch polnischen Mundarten vorkommen, z. B. belaruss. эдб, эдбіна, га́бы, эдбі [1, Bd. 1, c. 397; 5, c. 303], poln. gab, gabina; vgl. ferner Ганкі ‚Sumpf und Gebüsch‘ [8, c. 55] < lit. Guobos, Guobės ‚Weidename‘ < guobos. Es gibt noch weitere Fälle, in denen im Wortstamm eines solchen Lehnworts in belarussischen Mundarten a steht. Sie können oft als Schlüssel zur Erkennung auch anderer Wörter belarussischer Mundarten dienen, die als Baltismen verdächtigt werden. Dem Gesetz der Entwicklung von lit. uo > in belarussischen Mundarten a sind die belarussischen Formen антара́плацеці ‚Ferkraut‘ < lit. dial. antarãpluostės ‚ebd.‘ [1, Bd. 1, c. 82] sowie надзінка ‚Krug‘ [18, c. 822] < lit. puodynė. Wendet man das Gesetz lit. (i)uo > in belarussischen Mundarten (i)a an, so ist wahrscheinlich auch das Lexem жо́жаль ‚eine solche Sumpfpflanze‘ sowie eine vergleichsweise große Zahl weiterer Wörter derselben Wurzel und Bedeutung als Lituanismus zu betrachten 126 … ihre phonetischen und morphologischen Umbildungen — а́джэль, а́жэль, а́ждаль (< durch Metathese aus а́джаль), а́жджаль, а́жджыль, а́жджэў, а́жджар, а́жджмыр u. a. [1, T. 5, c. 174, 333, 550—551]. Es handelt sich höchstwahrscheinlich um Komposita. Ihre litauische Quelle könnte nach Phonetik und Semantik das gleichbedeutende Lexem juodžolė ‚eine solche Sumpfheilpflanze‘ sein; vgl. außerdem juodšaknė ‚Fingerkraut‘. Lituanismen mit dieser Lautentwicklung kommen hier und da auch in den weißrussischen Mundarten sowie in Personennamen vor, z. B. Абалікума ‚Familienname‘ [19, c. 15]; vgl. außerdem Абалікучы ‚Dorf im Rajon Breslauja, von den örtlichen Litauern a'buol'ikščiai~Obuolýkščiai genannt‘ [5, p. 174]; Абалічкі ‚Dorf im Rajon Varanavo‘ [9, c. 12], vgl. weißrussisch Абалікавы; Абаль ‚Familienname‘ [19, c. 15], vgl. außerdem litauisch obuolys ‚Apfel‘; Едгалі ‚Dorf im Rajon Breslauja‘ [9, c. 91] < Ядгалі (aufgrund des anlautenden a vor j, das nach vorn verlagert wird), vgl. litauisch Juodžgalys ‚Dorf im Rajon Anykščiai‘; Едглани ‚Dorf im Rajon Astravas‘ [9, c. 54] < Ядглани, vgl. litauisch Juodaklonis ‚Dorf im Rajon Trakai‘; Едглкны ‚Dorf im Rajon Ašmena‘ [9, c. 42] < Ядглкны, vgl. Едглани; Едзі ‚Dorf im Rajon Smurgainiai‘ [9, c. 91] < Ядзі, vgl. litauisch Juódžiai ‚Dörfer in den Rajons Anykščiai, Jonava u. a.‘ usw. Ganz ebenso ist der Diphthong uo bei dem einen oder anderen Latvismus, der in weißrussische Mundarten gelangt ist, zu a geworden. So könnte weißrussisch агус ‚Nachtreiher‘, wie die Etymologen vermuten, aus lettisch guoris ‚Reiher, Dohle‘ hervorgegangen sein [20, T. 3, c. 66]. Das Gesetz, nach dem baltisches uo in den weißrussischen Mundarten zu a wird, entspricht dem Lautentsprechungsgesetz der baltisch-slawischen Gemeinsamkeiten und stimmt vollständig mit ihm überein; vgl. litauisch dúoti und weißrussisch даць, litauisch guoba und weißrussisch габа. Wie die Beispiele zeigen, ist die vollständige Übereinstimmung dieser beiden Gesetze tatsächlich gegeben; unserer Ansicht nach handelt es sich jedoch höchstwahrscheinlich um einen bloß zufälligen Gleichklang. Sprachwissenschaftler, die es als Gesetz der baltisch-slawischen Gemeinsamkeiten anerkennen, wenden es nicht zur Erkennung von Baltismen im Slawischen an [22, s. 265]. Tatsächlich ist das Gesetz, nach dem dem Stammvokal a weißrussischer Lituanismen litauisches uo entspricht, vielleicht später als das Gesetz uo: a der baltisch-slawischen Gemeinsamkeiten entstanden oder unabhängig davon. Zwei Ursachen könnten seiner Entstehung zugrunde liegen. Erstens ist litauisches uo > weißrussisch a höchstwahrscheinlich unbetont, z. B. zabá < guoba, zabý < guobos. Später könnte dieses a verallgemeinert und auch in betonten Silben verwendet worden sein. Es gibt jedoch Fälle, in denen die betreffende Silbe eines solchen Lehnworts nur betont vorkommt. Hier könnte möglicherweise die Aussprache des Vokals uo als ua/va eine Rolle gespielt haben (vgl. auch die noch heute in einigen südlichen litauischen Mundarten vorkommende Aussprache: duáda~dúoda, duána~dúona, glúaksnis ‚Weide‘, kuádas~kuódas, šlúata~šlúota, vuága~vuóga ‚Beere‘ usw. [23, p. 234—236; 24, p. 77, Karte Nr. 66]⁵; vgl. ferner Fälle, in denen der Stammdiphthong uo in einigen litauischen und lettischen Mundarten aus ua hervorgegangen ist, z. B. litauische Mundartformen apuolùs ‚annähernd rund‘, lettisch apuols (< rund) usw. [25, p. 276; 26, p. 18; 27, p. 37]. In diesem Fall musste der Halbvokal u der Verbindung ua infolge der Assimilation durch den vorausgehenden Konsonanten schwinden (šlúata > *šláta u. Ä., vgl. *apvyñs < apvynys usw.), und das allein übrig gebliebene a fiel mit dem alten baltischen a zusammen (vgl. šlá:ta und brá:lis). Nach diesem Wandel könnte die Aussprache des a unterschiedlicher Herkunft vollständig zusammengefallen sein, sodass ein solches baltisches a im Weißrussischen (und in anderen slawischen Sprachen) bei Baltismen dieselbe Entsprechung, den Vokal a, ergeben konnte; vgl. weißrussisch zab, polnisch gab < litauisch *gábas < guobas und weißrussisch mдрлляцца ‚sich beschmieren‘ [Kaun.] < litauisch *terliátis usw. Daraus geht hervor, dass der Wandel des baltischen uo zu weißrussisch a indirekt gewesen sein dürfte und über die Zwischenstufe ua in den baltischen Mundarten verlaufen sein könnte. In diesem Zusammenhang könnte litauisch uo > weißrussisch … 5 Das Verbreitungsgebiet der mundartlichen Aussprache litauisch ua könnte früher größer gewesen sein. 127 …-Gesetz könnte also die Entwicklung des litauischen Mundartdiphthongs uo über die Zwischenstufe ua widerspiegeln. Obwohl es von den Sprachwissenschaftlern bislang nicht anerkannt wird, ist es doch eine unbestreitbare Tatsache; es könnte sich zu einer Zeit herausgebildet haben, als das alte baltische a· noch intakt war [vgl. außerdem 3, t. 1, p. 228]. Pasitaiko atvejų, kai subaltarusėjusių lituanizmų žodžio kamieno uo būna išvirtęs į jų y. Tokių baltizmų tarpe akivaizdžiausias slavų apýd. Baltiška jo kilmė visuotinai pripažinta [28, s. 17–18; 29, c. 90]⁶. Nebeabejotinas šios fonetikos lituanizmas yra ir pačiame Lietuvos pasienyje, kur lie. kalba dar neužgesusi, vartojamas sudurtinis br. žodis дмана́наўцу ‘pašukos’ (< lie. tarm. antarà:plus’t’ė’s < antarà:płuoštės t.p.’ [1, t. 1, 82; 14, p. 189; 16, c. 61]. Šio vokalizmo lituanizmai yra ir br. а́русть, я́русь, я́рус ‘agrastas’ [16, c. 97; 30, c. 131] < lie. tarm. agruozdas. Ir br. бужа́нда bei бужа́лка ‘spragilo galva’ [1, t. 1, c. 235; Sud.] – tikri lituanizmai, atsiradę iš lie. buož- šaknies žodžių – buožė, buožė, buožėlė ‘spragilo galva’. Tokio pat vokalizmo yra ir br. lituanizmas бужгалкі ‘buožgalviai’ [1, t. 1, c. 498], kuriam pradžią davė lie. buožgalv[iai] ir br. priesaga -ki> *бож-галкі. Lituanizmui toliau baltarusėjant, pradinis jo б dėl sprogstamojo z (dėl—галкі z) tolimosios regresyvinės asimiliacijos išvirto į з, ir *бож-галкі > *зож-галкі. Palaipsniui *зож-галкі atsisakė sunkiai ištariamų priebalsių -ж- (> -ж-) ir -лк- (> -лк-) samplaikų, sutamsino šaknies o iki y ir tuo būdu, smarkiai aptemdęs savo etimologinį ryšį su lie. buožgalviai, išsirutuliojo iki dabartinio зўжгалкі. Kitas šio vokalizmo lituanizmas yra клюня/клюня ‘trobesys javams krauti’ [1, t. 2, c. 480–481; 18, c. 791–797, карты № 235, 236], kilęs iš lie. klūonas, dar plg. br. Клу́нічча ‘vieta tarp namų ir pievų’ [8, c. 118] < lie. kluонiena ‘pieva prie klojimo’. Höchstwahrscheinlich sind auch стулінда, сталінда ‚wer sich irgendwo versteckt, wer zusammengekauert ist‘ Lituanismen (z. B. Стулінда – хто ходзя стуліўшыся; І гэта стулінда пашла ў ягоды; Пашла стулінда (über eine Katze) [1, т. 4, с. 613]. Ах ты сталінда гарбараты; Сталінда прышла, худзіна такая) [V. Baj.], die in ihrer Lautgestalt das Gesetz litauisch uo>weißrussisch y (und a) erkennen lassen. Wie ihre Bildung zeigt, sind beide Wörter Komposita. Ihre ersten Glieder sind стул- und стал-, ihr jeweils zweites Glied ist лінда. Nach den Gesetzen, denen zufolge litauisches uo in den weißrussischen Mundarten zu y (und a) wird, lassen sich ihre ersten Glieder auf eine gemeinsame Wurzel, *стуол-, zurückführen. Ihre litauische phonetische und semantische Quelle wäre stuolys ‚Baumstumpf‘ (die neutrale Bedeutung des Letzteren ist im Lehnwort metaphorisch übertragen). Das Vorkommen der phonetisch verschiedenen, bedeutungsgleichen Varianten стул- und стал- in benachbarten weißrussischen Mundarten deutet darauf hin, dass beide zu unterschiedlichen Zeiten entlehnt worden sein könnten. Das zweite Glied der fraglichen Lexeme, лінда, ist höchstwahrscheinlich vollständig litauisch; vgl. linda ‚wer sich irgendwo versteckt‘. Eine ähnliche Lautentwicklung zeigt auch der Lituanismus стума ‚Körper, Gestalt, Figur‘ (z. B. Од жонку ўзяв: ні хараства, ні стумы) [2, c. 463; 4, p. 195]. Sein litauisches … ⁶ In jüngster Zeit ziehen weißrussische Etymologen den litauischen Ursprung von apýd in Zweifel. Anlass zu Bedenken geben das nicht seltene prothetische z (загрыд) sowie das im älteren Weißrussischen vorkommende орыд. Deshalb wird apýd mit russisch орыднца ‚Waffenlager‘ verglichen, wobei zugleich die Vermutung geäußert wird: „nji ne ору́дні“ [20, т. 1, с. 152]. Tatsächlich sind das prothetische z oder das anlautende o anstelle von a Zusätze, die die weißrussischen Mundarten selbst zum Lituanismus apýd hinzugefügt haben. Keine der beiden Eigenschaften von apýd widerlegt seinen litauischen Ursprung auch nur im Geringsten. 128 Die Quelle ist ein Wort des Stammes stuom-, vgl. stuomuõ. Die Endung cmýma weist jedoch darauf hin, dass ihr auch die litauische Dialektform *stuoma zugrunde gelegen haben könnte; vgl. außerdem stúomas ‚Rumpf‘. Auch die Ortsnamen Гу́бин ‚Wäldchen im Rajon Woranawa‘, von den örtlichen Litauern Guobýnas genannt, und Гу́бінакель ‚Weg durch ein Wäldchen im Rajon Woranawa‘, von den örtlichen Litauern Guobýnakelis genannt [17], Юда́йчяй ‚Dorf im Rajon Breslauja‘ [9, c. 78] > entsprechen lit. Juodáičiai ‚ebd.‘, ebenso Губе́йки ‚Dorf im Rajon Lyda (BTSR)‘ [9, c. 69] < lit. Guobeikiai, wobei lit. uo < zu br. y geworden ist. Auch einige litauische Ortsnamen in alten slawischen Dokumenten haben lit. uo > zu sl. y entwickelt, z. B. Висуны < Vyžuonos, Опуле < Apulė, Шалтунь < Šaltuona, Юдки < Juodkys u. a. [3, t. 1, p. 229; 22, s. 265]⁷. Das Gesetz, nach dem litauischem uo in belarussischen Mundarten y entspricht, ist ganz analog zur Phonetik solcher Gemeinsamkeiten des Litauischen und Belarussischen wie lit. duóbti: br. ду́быцца ‚ein ausgehöhltes Boot‘, lit. lúobas: br. луб ‚Bast‘, lit. lúostas ‚Schicht‘: br. лусок ‚abgestreifte Schlangenhaut‘, lit. úostas: br. ву́це u. a. sowie zur Phonetik baltischer Entlehnungen aus dem Belarussischen wie lit. žem. puokai < nyx u. a. [31, p. 190], lett. bloda ‚Schüssel‘ < блúда, doma ‚Gedanke‘ < ду́ма, skop ‚geizig‘ < скуп u. a. K. Būga zufolge fand dieser Wechselbezug der Vokale in den baltischen und slawischen Sprachen vor dem XI. Jahrhundert statt [3, t. 3, p. 497]. Wie ihr Vokalismus zeigt, sind litauische Lehnwörter in belarussischen Mundarten zunächst entlehnt worden, ohne sich eine Zeit lang zu verändern, und lassen ihre Quelle eindeutig erkennen. Später beginnen sie, sich dem phonetischen System des Belarussischen anzupassen und jene Elemente des litauischen Vokalismus abzulegen, die für das Belarussische unbequem sind; sie ersetzen diese durch für belarussische Mundarten geeignetere Laute. Vor allem verengt sich dabei lit. a (sowohl einzeln als auch in Diphthongen) und wird zu o. Besonders stark hat sich lit. Diphthong uo verändert. Wie die Beispiele zeigen, ist er in den Lehnwörtern mit drei belarussischen Vokalen zusammengefallen. Unverändert ist uo nur in den äußersten, an Litauen angrenzenden belarussischsprachigen Gebieten erhalten geblieben, wo man auch noch Litauisch spricht (z. B. apýod < arúodas in Apso, Gervėčiai und der Umgebung); anderswo ist es zu einem Monophthong geworden. In nach dem XVI. Jahrhundert entlehnten Wörtern ist lit. uo zu o geworden (z. B. akóma < akúotas u. a.); bei Entlehnungen, die bis ins XXIII. Jahrhundert zurückreichen, ist uo vermutlich über die litauische Dialektstufe ua zu a geworden (z. B. ab < guóbas u. a.). Wegen seiner zufälligen Übereinstimmung mit dem Gesetz der baltisch-slawischen Gemeinsamkeiten uo: a (z. B. úoga: žuoda) wurde dieses letztere Gesetz von Sprachwissenschaftlern bislang nicht anerkannt; wie die Beispiele zeigen, besteht es jedoch objektiv. In vor dem XI. Jahrhundert entlehnten Wörtern ist uo zu y geworden (z. B. apýd < arúodas). Dieses Gesetz stimmt vollständig mit der Phonetik einiger litauischer und lettischer Entlehnungen aus slawischen Sprachen überein (vgl. lit. žem. puokai ‚Flaum‘ < br. nyx ‚ebd.‘, lett. doma ‚Gedanke‘ < sl. ду́ма u. a.) und ebenso mit dem für die Phonetik baltisch-slawischer Gemeinsamkeiten charakteristischen Gesetz (vgl. lit. lúobas: slaw. луб u. a.). Die aufgedeckten Gesetzmäßigkeiten des Vokalismus der Lituanismen sind unserer Meinung nach ein recht zuverlässiger Schlüssel für die weitere Suche nach dieser Phonetik in belarussischen Mundarten entlehnten Wörtern. 7 Der in alten slawischen Dokumenten belegte Name der Burg aus der Zeit Mindaugas’, Воро́вна [3, t. 1, p. 131—136], deutet darauf hin, dass ihre ursprüngliche litauische Form *Varýota gelautet haben könnte (lit. a > sl. o; der Diphthong uo ist hier noch intakt, doch schrieben die damaligen Chronisten, die vermutlich nur geringe Litauischkenntnisse hatten, oy statt vo). 9. 1880 129 Э. ГРИНАВЕЦКЕНЕ, Ю. МАЦКЕВИЧ EINIGE PHONETISCHE BESONDERHEITEN VON LITUANISMEN IN BELORUSSISCHEN MUNDARTEN Zusammenfassung Lituanismen der belorussischen Mundarten unterliegen zu Beginn der Entlehnung nicht dem Einfluss der belorussischen Phonetik, wodurch sich ihre Herkunft vergleichsweise leicht feststellen lässt, z. B. gákta „vorderer Teil des Schlittens“ < lit. gáktos „ebd.“, làužė „Reisighaufen“ < lit. làužas „ebd.“ (Malkūnai, Rajon Ignalina, Litauische SSR). Bei der Anpassung an das belorussische phonologische System verlieren solche Entlehnungen allmählich jene Elemente des litauischen Vokalismus, die im Belorussischen fehlen, und werden dadurch slawisiert. Die Slawisierung zeigt sich deutlicher in der Verengung des litauischen Monophthongs a und des ersten Bestandteils der Diphthonge, der diesem Monophthong entspricht, sowie in seiner Umwandlung in den Monophthong o, z. B. góhty < lit. gáktos, kóiračka „Linkshänder“ < lit. kairýs „ebd.“, lòužė < lit. làužas, bòmblė „Pickel“ < lit. bamblys „jede Verdickung“, šiklėnda < lit. skilándis u. a. Auch der übrige Vokalismus der Lituanismen unterliegt der Slawisierung. Es wurde festgestellt, dass der litauische Diphthong uo je nach Zeitpunkt der Entlehnung drei belorussischen Vokalen angeglichen wird. In Entlehnungen aus dem Litauischen nach dem 16. Jahrhundert wurde er zum Monophthong o, z. B. akóta „Gräte“ < lit. akiotas „ebd.“ u. a. Diese Umwandlung findet auch heutzutage statt, z. B.: Ёдажеме̇ „Bezeichnung eines Hügels im Rajon Braslau, Belorussische SSR“ < lit. Juodadėmýs „ebd.“ u. a. In Entlehnungen nach dem 13. Jahrhundert wurde der litauische Diphthong uo zu a; dies fiel zufällig mit einem für baltisch-slawische Gemeinschaften charakteristischen Gesetz zusammen, vgl.: gab „Ulme“ < lit. guóbas und beloruss. dūnė: lit. dioti. In älteren Lituanismen wurde der litauische Diphthong uo zu y; dies stimmte mit zwei bekannten Lautgesetzen überein. Das erste ist für die ältesten slawischen Entlehnungen in den baltischen Sprachen charakteristisch (vgl. beloruss. аруд „Getreidespeicher“ < lit. arúodas „ebd.“ und beloruss. пух > lit. samogit. puokai), das zweite ist für die ältesten baltisch-slawischen Gemeinschaften charakteristisch (vgl. außerdem beloruss. луб „Bast“: lit. liùbas „ebd.“). Die in diesem Artikel untersuchten Regelmäßigkeiten der Anpassung des litauischen Vokalismus an das belorussische phonologische System sind unseres Erachtens ein verlässlicher Schlüssel für die weitere Suche nach litauischen Entlehnungen in den belorussischen Mundarten. E. GRINAVECKIENĖ, J. MACKIEVITSCH ZUR PHONETIK EINIGER LITUANISMEN IM BELORUSSISCHEN Zusammenfassung Im vorliegenden Artikel untersucht man die belorussischen Lituanismen mit den Wurzeln o (ė) / a (я) / y (ю), die aus den litauischen Wörtern mit Wurzel (i)uo entstanden sind. LITERATŪRA 1. Слоўнік беларускіх гаворак паўночна-заходняй Беларусі і яе пагранічча. Мінск, 1979—1986. Т. 1—5. 2. Сцяшковіч Т. Ф. Слоўнік гродзенскай вобласці. Мінск, 1983. 3. Būga K. Rinktiniai raštai. V., 1958—1961. T. 1—3. 4. Grinaveckienė E. Lietuviškos kilmės leksika Lietuvos paribio baltarusijų šnektose // Lietuvių kalbos specialioji leksika. V., 1983. P. 182—204. 5. Grinaveckienė E. 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